Geoscience ACTUEL 2/2013 - Platform Geosciences | Swiss Academy of ...

geosciences.scnat.ch

Geoscience ACTUEL 2/2013 - Platform Geosciences | Swiss Academy of ...

GeosciencesACTUEL 2/2013


Titelbilder:Gross: Gratwanderung am Piz Segnas. | Klein: Wandbild im Sauriermuseum Frick(Bilder: Ruedi Homberger, Pierre Dèzes)Images de couverture:Grande image: Ascension du Piz Segnas par l'arête Sud. | Petite image: Peinture murale au musée desdinosaures de Frick (Photos: Ruedi Homberger, Pierre Dèzes)IMPRESSUMHerausgeber:Platform Geosciences, Swiss Academy of Sciences (SCNAT)Redaktion | Rédaction:Bianca Guggenheim, Platform GeosciencesPierre Dèzes, Platform GeosciencesRedaktionskomitee | Comité de rédaction:Saskia Bourgeois, Meteotest, BernDanielle Decrouez, géologue et directrice honoraire du Muséum d'histoire naturelle, GenèveElisabeth Graf Pannatier, WSL, BirmensdorfLorenz Meier, Geopraevent, ZürichEdith Oosenbrug, Bundesamt für Umwelt BAFU, BernKaarina Riesen Kuhn, Kanton Aargau, Abteilung für Umwelt, AarauMarcel Pfiffner, Landesgeologie, Bundesamt für Landestopographie swisstopo, WabernBeiträge | Contributions:Die nächsten Redaktionsschlüsse: 30. September 2013, 31 Dezember 2013.Die Autoren sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich.Prochains délais rédactionnels: 30 septembre 2013, 31 decembre 2013.Les auteurs sont responsables du contenu de leur article.Abonnement:CHF 25.– pro Jahr für 4 Ausgaben | par année pour 4 éditionsRedaktionsadresse | Adresse de la rédaction:Geosciences ACTUEL, ETH Zentrum NO F 45, 8092 Zürich, Tel. 044 632 65 38redaktion@geosciences.scnat.ch www.geosciences.scnat.chLayout | Mise en page: Bianca GuggenheimDruck | Impression:Albrecht Druck und Satz, ObergerlafingenAuflage | Tirage: 1000 Ex.ISSN 1662-24802


Inhalt | Contenu4 Editorial5 Aus der Forschung | Nouvelles de la recherche• Fischknochen als Bioindikatoren aus dem Mittelalter8 Forschung und Praxis | Recherche et applications• Thermische Anlagen – die standortoptimierte Platzierung entscheidet über das Potenzial• Was Tiefengeothermie mit Erzlagerstätten verbindet• «Ich kann den Quantensprung in der Abflussmessung möglich machen»• Utilisation de la gravimétrie pour la prospection géothermique• Histoire des carrières du Valais24 Aus der Praxis | Nouvelles des practiciens• Das interferometrische Georadar – wenn Mikrowellen vor Naturgefahren schützen27 Dies und das | communications diverses• Tektonikarena und Geopark Sardona – Geobildung über drei Kantone• Verlässliche Daten sind das A und O der Hydrologie33 Aus der Landesgeologie | Nouvelles du service géologique national − swisstopo• Geologie auf dem SmartphoneLa géologie sur smartphone36 Schweizer Geologenverband | Association suisse des géologues• Wenn die Umweltbilanz von Gesteinen ins Wackeln gerät40 Blick in den Berufsalltag | Le métier au quotidien• Daniel Tobler, GEOTEST AG42 Veranstaltungen | Calendrier des manifestations48 Neuerscheinungen | Nouvelles publications51 Gesellschaften und Kommissionen der «Platform Geosciences» |Commissions et sociétés de la « Platform Geosciences »3


EditorialEditorial4Liebe Leserinnen, liebe LeserStarkniederschläge können halb Europaunter Wasser und in den Ausnahmezustandversetzen. Erst vor ein paar Wochenhaben wir es wieder erlebt. Ganz grosseHochwasserereignisse wie diese lassensich wohl auch in Zukunft kaum ohneFolgeschäden überstehen. Die Schweiz istanfangs Juni einigermassen glimpflichdavon gekommen: Die in den letzten Jahrengetroffenen Massnahmen im Hochwasserschutzund im Umgang mit Naturgefahrenhaben ihre Wirkung gezeigt.Für gute Hochwasservorhersagen und einerfolgreiches Risikomanagement sindgute und rasch verfügbare Grundlagedatenweiterhin unentbehrlich. BeatL üthi hat eine Methode entwickelt, dieden Wasserspiegel einfach, rasch undäusserst zuverlässig misst: Einfachste Kameraswerden so platziert, dass sie dasgegenüberliegende Ufer im Visier haben.Eine Software berechnet dann in kürzesterZeit nicht nur den Wasserspiegel,sondern auch die Fliess geschwindigkeit.Berührungsfrei und ohne hohe Kosten.Selbst in der Nacht sind verlässliche Auswertungenmöglich.Kürzlich ist ein Pilotprojekt mit dem Bundesamtfür Umwelt BAFU gestartet. In einigenMonaten wird sich zeigen, ob LüthisMethode in der Praxis anwendbar istund als Ergänzung zu bisherigen Messmethodeneingesetzt werden kann. BeatLüthi hofft darauf und möchte, dass seineMethode weltweit eingesetzt wird. Er istüberzeugt, dass auch ein flächendeckendesNetz relativ einfach realisiertwerden könnte. Ab Seite 15 erfahren Siemehr darüber.Edith OosenbrugChère lectrices, cher lecteursUne bonne moitié de l'Europe s'est retrouvéeles pieds dans l'eau et en état d'urgencelors des fortes précipitations quenous avons connues tout récemment. Il esta prévoir que dans le futur, des crues d'unetelle envergure se reproduiront et pourrontoccasionner des dommages considérables.La Suisse n'a heureusement quepeu eu à souffrir des précipitations dejuin : les mesures anti-crues prises ces dernièresannées et la façon de gérer les dangersnaturels dans notre pays semblentavoir démontré leur efficacité.Pour de bonnes prévisions des crues et unegestion efficace du risque, un accès rapideà des données de qualité est indispensable.Beat Lüthi a mis au point une nouvelleméthode qui permet de mesurer le niveaude l'eau de manière aisée, rapide et fiable:de simples caméras sont placées de tellesorte que la berge opposée se trouve dansleur viseur. Un logiciel calcule ensuite demanière quasi-instantanée non seulementle niveau de l'eau, mais également la vitessed'écoulement. Cette méthode ne nécessitepas de manipulations compliquées,est peu couteuse et fonctionne égalementde nuit. L'Office fédéral de l'environnementOFEN a récemment démarré un projetpilote d'évaluation de cette méthode.Cette évaluation permettra de savoir d'iciquelques mois si la méthode de Beat Lüthiest applicable dans la pratique et peut êtremise en oeuvre de manière complémentaireaux méthodes existantes. Beat Lüthiespère que les résultats de l'OFEN serontpositifs et que sa méthode pourra être implémentéeà l'échelle mondiale. Il est persuadéque la mise en place d'un réseau demesure à grande échelle devrait être relativementfacile à implémenter. Cetteméthode vous est présentée en page 15.Edith Oosenbrug


aus der forschung | nouvelles de la rechercheFischknochen als Bioindikatoren aus dem MittelalterFisch war bereits im Mittelalter ein beliebtes Nahrungsmittel. Forschende der UniversitätBasel untersuchen in einem Projekt des Schweizerischen Nationalfonds, inwiefern derMensch die Fischbestände und die Gewässerökologie damals beeinflusste. Dabei werdensowohl archäozoologische als auch biomolekulare Methoden verwendet.simone häberleBereits im Mittelalter hatte die intensiveBefischung der Gewässer Auswirkungenauf die Fischbestände (siehe Kasten amArtikelende). Durch die verstärkte Siedlungstätigkeitgelangten zusätzlich organischeAbfälle aus Haushalt, Handwerkund Landwirtschaft ins Wasser und belastetenhauptsächlich Gewässer abschnitte und deren Fischfauna in derNähe von Städten. In historischen Quellenfindet sich wenig zu diesen ökologischenVeränderungen. In einem vomSchweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstütztenProjekt der integrativen prähi­storischen und naturwissenschaftlichenArchäologie der Universität Basel wirddeshalb versucht, mögliche «Umweltsünden»unserer Vorfahren aufzudecken.Hierfür werden Fischknochen aus 18mittel alterlichen und neuzeitlichenFundstellen untersucht.Die Zusammensetzung der Fischarten istbesonders aufschlussreich. KarpfenartigeFische (Cyprinidae) sind sehr gute Bioindikatoren– leider weisen aber nur wenigeElemente des Skeletts morphologischeMerkmale zur Artbestimmung auf. DiesAusschnitt des Barcodes von Brachsme und Karpfen: Die unterschiedlichen Peptidkettenmassen sind im Diagramm alsunterschiedlich hohe Peaks zu erkennen – es entsteht ein artspezifischer Barcode. (Grafik: Matthew Collins)aus der forschung | nouvelles de la recherche5


grenzt die Möglichkeiten der klassischenarchäozoologischen Artzuweisung ein.Anhand von biochemischen Analysemethodenkönnen den Fischresten aberergänzende Informationen über dasArten spektrum und somit über die damaligeGewässersituation entlockt werden.Aufschlussreiche PeptidkettenEine der angewendeten Methoden zurArtbestimmung heisst ZooMS (Zooarchaeologyby Mass spectrometry), eine Formvon so genanntem «Protein Barcoding».Die Kollagenproteine eines Knochenfragmentswerden mit Hilfe des VerdauungsenzymsTrypsin in Peptidketten gespalten.Das Gewicht dieser Peptidkettenkann mit dem Massenspektrometer bestimmtwerden. Da jede Cyprinidenartmehrere artspezifische Peptidketten auf­weist, kann ein biologischer Barcode fürdie jeweilige Spezies generiert werden.Neu können deshalb die bisher unbestimmbarenCyprinidenknochen einerArt zugewiesen werden.Erste Ergebnisse zeigen, dass tolerante,anspruchslose Arten wie Schleie (Tincatinca) und Brachsme (Abramis brama) imMittelalter häufiger vorkamen als bishervermutet. Gut möglich, dass dies auf einebereits damals bestehende Gewässerbelastunghinweist. Denkbar ist auch,dass die damaligen Fischer in nährstoffreichen,stillen Gewässerabschnitten besondershäufig fischten – dort eben, wosich besonders viele und einfach zufangen de Jungfische aufhielten. Diev ielen Schleien- und Brachsmenfundekönnten auf eine frühe Form der Fischhälterunghinweisen. Diese hatte ihrenaus der forschung | nouvelles de la recherche6Wirbel- und Kopfknochen von Egli: Die archäologischen Fischreste sind meist nur wenige Millimeter klein. (Foto:Simone Häberle)


Höhepunkt in der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts.IsotopenanalyseEin weiterer methodischer Ansatz zur Erforschungder mittelalterlichen Gewässerist die Analyse der stabilen Kohlenstoff-,Stickstoff- und Schwefelisotope. Die Kohlenstoffisotope werden hauptsächlich zurÜberprüfung der Daten verwendet. ErsteMessungen der Stickstoffisotopenverhältnisseder Knochen etwa gleich alter Egli(Perca fluviatilis) und Barben (Barbus barbus)aus unterschiedlich datierten Fundstellendeuten darauf hin, dass die N15-Werte im Laufe der Jahrhunderte angestiegensind. Stickstoffisotopenverhältnissehängen aber auch von diversen anderenFaktoren ab, unter anderem von der Ernährungund vom Alter. Anhand der Untersuchungder Schwefelisotope wird nun zu­sätzlich versucht, die Einflüsse der Kohleherstellung,der Färberei sowie verwandterBranchen auf die Gewässer zu erfassen.Von der Vergangenheit in die GegenwartDer interdisziplinäre Forschungsansatzaus Archäozoologie und biomolekularenMethoden liefert Hinweise zur mittelalterlichenGewässersituation sowie zurEntwicklung der anthropogenen G e wässernutzungund der damit einhergehendenVeränderung des biologischen Gleichgewichtes.Die Daten aus der Vergangenheit sindauch für aktuelle Arbeiten hilfreich: Anhandder paläoökologischen Daten könnenReferenzbedingungen für ein natürlichesGewässer formuliert werden. Diesegeben dann wichtige Hinweise für einenökologisch sinnvollen Gewässerschutz.Fisch im MittelalterFisch ist seit Jahrtausenden ein beliebtes Nahrungsmittel. Im Mittelalter wurde besonders vielFisch konsumiert: Die Bevölkerung in den Städten wuchs an, dazu war Fisch eine beliebteFasten- und Krankenspeise. Der Bedarf konnte kaum noch gedeckt werden. Dies, obwohlneben Frischfisch aus einheimischen Gewässern auch gesalzener oder getrockneter Fischimportiert und Teichwirtschaft betrieben wurde. Mittelalterliche Fischereiordnungen zeugenvon der Verknappung der Ressource Fisch. Es wurden sogar Gesetze zum Schutze derJungfische aufgestellt und Schonzeiten eingeführt.Simone HäberleIPNA Integrative Prähistorische undNaturwissenschaftliche Archäologie IPASUniversität Baselsimone.haeberle@unibas.chaus der forschung | nouvelles de la recherche7


Forschung und Praxis | recherches et applicationsThermische Anlagen – die standortoptimiertePlatzierung entscheidet über das PotenzialGrundwasser wird immer häufiger zum Heizen und zum Kühlen verwendet. Eine zuhohe Dichte an thermischen Anlagen, die eine solche Nutzung ermöglichen, verhindertsinnvoll und nachhaltig geplante zukünftige Anlagen. In der Fallstudie «OberundUnterentfelden» werden Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt.Peter Hartmann, Joachim Poppeiforschung und praxis | recherches et applications8Grundwasser kann thermisch genutztwerden: Zum Heizen wird dem WasserWärme entzogen, zum Kühlen wird ihmWärme zugeführt. Kombinierte Anlagennutzen das Wasser im Sommer und imWinter. Laut geltender Gesetzgebung darfdas Grundwasser bei der thermischenNutzung im Nahbereich der Rückgabenicht mehr als drei Grad wärmer oderkühler als zuvor sein. Dies, um denChemis mus und das ökologische Gleichgewichtnicht zu beeinträchtigen.Prognosen durch ModellierungenEine Fallstudie der Abteilung für Umweltdes Departements Bau, Verkehr und Umweltdes Kantons Aargau analysiert undbewertet den aktuellen Grundwasserzustandim Baugebiet von Ober- und Unterentfelden,wo die Dichte an Anlagen zurthermischen Grundwassernutzung vergleichsweisehoch ist. In einem erstenSchritt wurde der aktuelle thermischeZustand des Grundwassers simuliert: 36Anlagen nutzen dieses bereits und erzeugenso eine thermische Leistung von3.3 Megawatt. Danach wurden Szenarienmit unterschiedlichen Entwicklungenfür die nächsten 20 Jahre entworfen. EinModell simuliert dabei jeweils die Auswirkungenbis ins Jahr 2042. Damit willman den Zustand rund zehn Jahre nachder vermutlich letzten Inbetriebnahmeaufzeigen.Die Analyse sowie die Prognosen basierenauf numerischen 3D-Modellierungen derStrömungen und des Wärmetransportsim Grundwasser. Dabei werden alle bekanntenmassgebenden hydrologischenund hydrogeologischen Verhältnisse berücksichtigt.Energetische AspekteDas regenerierbare Energiepotenzialim betrachteten Baugebiet beträgt rundfünfeinhalb Megawatt. Die simuliertenSzenarien zeigen aber, dass es möglichsein sollte, dem Baugebiet der Fallstudierund 20 Megawatt zu entnehmen. Wennman die im Modellgebiet stromaufwärtsliegenden Möglichkeiten mit einbezieht,stehen sogar zirka 30 Megawatt zur Verfügung.Diese Zahl ist durch ver schiedeneEinschränkungen praktisch nicht erreichbar.Dennoch: Eine Steigerung um dasFünf- bis Sechsfache ist realistisch. Dabeikommt es in einigen Teil gebieten zu einernachhaltigen Abkühlung des Grundwassers– ein unterirdischer Grund wasserstromwürde diesen Nachteil jedochgrösstenteils aufheben.Um das Wärmepotenzial effizient undnachhaltig nutzen zu können, müssendie Entnahme- und Rückgabebrunnenoptimal platziert werden. Kleine Anlagensind unbedenklich: Sie führen seltenzu Übernutzungen und auch die


Modelliertes Szenario für den Beginn der Heizperiode 2042 mit mehreren thermischenGrossanlagen: Diverse relativ weit reichende «Kältefahnen» schränken die zukünftigenNutzungsmöglichkeiten ein. (Grafiken: AF-Consult Switzerland Ldt)Modelliertes Szenario für den Beginn der Heizperiode 2042 mit einer standortoptimiertenNutzung: Die negativen Auswirkungen sowie Einschränkungen können auf ein akzeptablesMinimum reduziert werden.forschung und praxis | recherches et applications9


forschung und praxis | recherches et applications10thermischen Auswirkungen sind gering.Würden jedoch nur kleine Anlagen realisiert,so könnte das vorhandene Nutzungspotenzialnicht vollständig ausgeschöpftwerden. Platziert man m ittlereund grosse Anlagen ungünstig, soschränkt dies die zukünftigen Nutzungsmöglichkeitenein. Das Potenzial kannnicht ausgeschöpft werden. Selbstdann, wenn mehrheitlich Grossanlagenp latziert würden, könnte die zur Verfügungstehende Energie nicht optimal ausgenutztwerden, denn diese ver ursachensehr grosse so genannte thermischeAbstromfahnen und schränken damitstromabwärts liegende Nutzungen ein.Eine standortoptimierte AnordnungDas Potenzial lässt sich also nur bei optimalerStandortplatzierung weitgehendausschöpfen. Hierfür sind auch die hydrogeologischen Bedingungen ausschlaggebend:Insbesondere die Transmissivitätenund die Fliessgeschwindigkeitenspielen eine entscheidende Rolle.Bei einer optimalen Verteilung der Anlagenwerden die thermischen Aus wirkungenauf das Grundwasser auf ein Minimumreduziert. Selbst wenn sich die N utzer umein vielfaches erhöhen würden, hätte daskeine negativen thermischen Veränderungendes Grund wassers zur Folge. Miteiner standort optimierten Anordnung derAnlagen lässt sich also nur indirekt mehrEnergie aus dem System gewinnen: DerAnteil an regenerierbarer Energie wird höher,da weniger so genannte Kältefahnenvorhanden sind.Auswirkungen auf das GrundwasserDie natürlichen Grundwassertemperaturenunterliegen nur geringen jahreszeitlichenSchwankungen, da die Oberflächentemperaturdurch die ungesättigteZone stark gedämpft wird. Bis zueinem Flurabstand (Höhenunterschiedzwischen der Erdoberfläche und derGrundwasser oberfläche) von rund fünfMetern wird das Grundwasser von denTemperaturen auf der Erdoberfläche beeinflusst:Im Winter sind die Wassertemperaturenvor der thermischen Nutzungsomit tiefer als im Sommer. Ein extremesEinzelereignis eines besonders kaltenWinters oder eines sehr heissen Sommerswirkt sich jedoch nicht wesentlichauf die Wärmenutzug aus, da sich dieGrundwassertemperatur der langjährigenDurch schnittstemperatur angleicht. EineAusnahme bildet ein sehr kleiner Flurabstand(weniger als drei Meter).Wird das Wasser thermisch genutzt, soverändern sich die Temperaturen amRückgabepunkt. Die Dauer sowie dieReichweite der Temperaturveränderungenhängen vor allem von der Fliessgeschwindigkeitdes Grundwassers ab.Kleine und mittlere Anlagen führen zumaximal einmonatigen Veränderungen,die Reichweite beträgt in der Regel höchstens150 bis 200 Meter. Grössere Anlagenbewirken länger andauernde Temperaturveränderungen.Die dadurch verursachten«Kälte- respektive Wärmebeulen»lösen sich irgendwann ab und wandernflussabwärts. Im weiteren Verlauflösen sie sich langsam auf.Konsequenzen für den künftigenGrundwasserschutzGeht man von der aktuellen Bewilligungspraxisaus, so sind neue Nutzungen imganzen Untersuchungsgebiet mehr oderweniger uneingeschränkt möglich. Beschränkungenergeben sich nur dort, woeine gegenseitige thermische Beeinflussungnicht ausgeschlossen werden kann.Steigt die Nutzungsdichte, so schwindendie Möglichkeiten. Grossanlagen habendabei stärkere Auswirkungen auf alleweiteren Nutzungsmöglichkeiten.


Deshalb braucht es dringend eine kantonaleStrategie: Darin sollen klare Vorgabenbezüglich der zulässigen Energienutzungsowie Massnahmen, die den Grundwasserschutzsicherstellen, festgelegt werden.Im Bereich der Grundwassergebietemüssen konkrete Angaben über Bereiche,die sich zur Platzierung von Grossanlageneigenen, ausgeschieden werden. Die hierbeschriebene Studie stellt eine wichtigeGrundlage für die kantonale Strategiedar. Mit den geforderten Massnahmenkann eine optimale Energieeffizienz fürdie Zukunft sichergestellt werden. Nurso lassen sich Einschränkungen im energetischenNutzungspotenzial verhindern.Dr. Peter HartmannSieber Cassina + Partner AGIngenieure Geologen PlanerJurastrasse 6, Oltenpeter.hartmann@scpag.chDr. Joachim PoppeiAF-Consult Switzerland Ltd,Groundwater Protection and Waste DisposalTäfernstrasse 26, 5405 Badenjoachim.poppei@afconsult.comAusgebaute Grundwasserpumpe: Mit Hilfe des langen Schlauchs wird das Grundwasser in die thermische Anlagegepumpt. (Bild: GWWP Staadacker II, Oensingen)forschung und praxis | recherches et applications11


Was Tiefengeothermie mit Erz lagerstätten verbindetDie Prozesse bei der Entstehung von Erzlagerstätten sind vergleichbar mit demVorgehen bei der Energiegewinnung durch Tiefengeothermie. Ein numerischesProzessmodell bringt neue Erkenntnisse an den Tag – bis die Abläufe jedoch ausreichendverstanden und effizient genutzt werden können, ist noch viel Forschung notwendig.Philipp Weisforschung und praxis | recherches et applications12Porphyrische Erzlagerstätten deckenderzeit rund drei Viertel des weltweitenKupfer bedarfs und gehören zu den wichtigstenQuellen weiterer wirtschaftlichbedeutender Metalle wie Molybdän undGold. Sie kommen weltweit zwar relativhäufig in aktiven oder ehemaligen Vulkangegendenund Gebirgsketten wie den Andenvor, wirklich grosse Neuentdeckungensind jedoch sehr selten geworden. Sinddie meisten bedeutenden Vorkommendemnach bereits erschlossen oder schlummernnoch gigantische, bisher unentdecktgebliebene Vorkommen in der Erdkruste?Um diese Fragen klären zu können, müssenvorerst die für die Metallanreicherungentscheidenden Prozesse detailliert verstandenwerden. Bisher existierten hierfürhauptsächlich konzeptuelle Modelle, dieGeologen aus ihren Erkenntnissen ausFeldbeobachtungen und geochemischenAnalysen aufgestellt haben.Eine Forschergruppe des Instituts fürGeochemie und Petrologie der ETH Zürichhat ein numerisches Prozessmodellentwickelt, welches die bisherigen Beobachtungenund Modelle überprüfenkann. Die Forschenden entdeckten dabeieinen Anreicherungsmechanismus, derdurch Wechselwirkungen zwischen demFliessverhalten magmatischer wässrigerLösungen (Fluide), dem Bruchverhaltendes durchströmten Gesteins und konvektierendemGrundwasser in einer ArtSelbst organisation stabilisiert wird.Kupfer durch magmatische AktivitätDie Lagerstätten entstehen in aktivenVulkangegenden an konvergenten tektonischenPlattengrenzen: Durch denSubduktionsprozess setzen sich die dabeientstandenen, aufsteigenden Magmenin der oberen Erdkruste fest und speisendie darüber liegenden Vulkane auf derErd oberfläche. Die dazwischen liegendenVulkanschlote erkalten zu porphyritischemGestein. Im unteren Bereichist der Porphyr mit Quarzadern übersät.Letztere entstehen durch metall- und salzreicheFluide, welche sich während derKristallisation des Magmas entmischenund anschliessend durch das Dach derMagmakammern in das darüber liegendeGestein gepresst werden. Dort bahnen siesich unter Rissbildung verschiedene Wegenach oben, die sich anschliessend durchQuarzausfällungen wieder schliessen.In wenigen Kilometern Tiefe treten dieAdern plötzlich nur noch vereinzelt auf.Dieser Übergang fällt mit den höchstenKupferkonzentrationen des Erzkörpers,so genannten «ore shells» («Erzschalen»),zusammen. Würde sich das Erz über diegesamte Krustentiefe zwischen Magmakammerund Oberfläche verteilen, sogäbe es keine nutzbaren Lager stätten.Wie kommt es also zu dieser klar begrenztenKupferanreicherung in «oreshells»? Die numerischen Simulationenlieferten dafür eine physikalische Erklärung.


Fluide brechen den SteinDruck- und Temperaturabfall erniedrigendie Kupferlöslichkeit in den aufsteigendenmagmatischen Fluiden und sinddamit entscheidend für die Erzbildung.Der Druck und die Temperatur beeinflussenjedoch auch stark das Bruchverhaltendes Gesteins und damit seine Durchlässigkeit.Die kontinuierliche Zu fuhr vonmagmatischen Fluiden lässt den Druckso lange ansteigen, bis das Gestein überder Magmakammer irgendwann brichtund die heissen Fluide entweichen lässt.Das durchströmte Gestein erhitzt sich dadurchimmer mehr und beginnt bald, sichduktil zu verformen und so die Durchlässigkeitzu erniedrigen. Neue Brüche indiesem magmatisch dominierten Bereichentstehen aber erst, wenn der Fluiddruckden Umgebungsdruck des Gesteins übersteigt.Zeitskalen machen nun SinnDieses System wird von oben und von derSeite durch zirkulierendes Grundwassergekühlt. In diesen äusseren Bereichen verhältsich das Gestein spröde und bricht bereitsbei einem viel geringeren Überdruckder Fluide. Durch das Zusammenspiel derbeiden Fliesssysteme (magmatisch undmeteorisch) entsteht innerhalb von etwa200 Metern eine scharfe Grenzschicht miteinem abrupten Druck- und Temperaturabfall.Nachdem sich diese Grenze inrelativ geringer Tiefe (etwa zwei Kilometer)stabilisiert hat, zieht sie sich mit fortschreitenderKristallisation der Magmakammernlangsam in tiefere Lagen zurück. DieserMechanismus führt nun die zentralen Erkenntnisseaus den Feld- und Laborstudienin einem Modell zusammen und erklärtBeobachtungen, die bisher auf scheinbargegensätzliche Zeitskalen hindeuteten.Die porphyrische Kupferlagerstätte «Bingham Canyon Mine» in Utah (USA): Mit ungefähr einem Kilometer Tiefe giltsie als die weltweit tiefste von Menschen ausgehobene Grube. (Bild: Utah Geological Survey)forschung und praxis | recherches et applications13


Das numerische Modell zeigt, dass dasfeine Quarzader-Netzwerk zu Beginn innerhalbvon nur wenigen tausend Jahrenentstanden ist. Dies stimmt mit den Analysender damit verbundenen Gesteinsüberprägungenüberein. Bis aber ausKupferanreicherungen grosse Lagerstättenwerden, dauert es gut 50’000 Jahre.Das simulierte Rückschreiten der Ausfällungsfronterklärt die petrographischeAbfolge porphyrischer Erzlagerstätten,in welchen kupferführende Adern ältereQuarzadern durchschneiden.Verwandtschaft zur GeothermieDie untersuchten hydrologischen undgeologischen Zusammenhänge sind auchfür benachbarte Forschungsfelder von Bedeutung:In der Tiefengeothermie laufenin gleicher Krustentiefe eng verwandteProzesse mit ähnlichen Fliessgeschwindigkeitenab. Die Vorzeichen sind allerdingsvertauscht, denn bei diesem Verfahrenwird kaltes Wasser in den heissen,kristallinen Untergrund gepresst. DasGestein gibt auch hier dem entstehendenFluidüberdruck nach, bricht und erhöhtdadurch seine Durchlässigkeit. In einerEntfernung von ein paar hundert Meternwird das hinein gepresste Wasser, welchessich nun erwärmt hat, durch ein zweitesBohrloch wieder an die Erdoberflächegebracht und für die Energiegewinnungverwendet.Mechanische und chemische Veränderungendes Gesteins bestimmen, ob dasSystem effektiv genutzt werden kann: Istdie künstlich erzeugte Durchlässigkeit zuhoch, so erwärmt sich das Wasser nichtgenug – ist sie zu gering, so ist der Durchflussnicht ausreichend. Um die in mehrerenKilometern Tiefe stattfindendenProzesse ausreichend verstehen und möglichsteffi zient und kontrolliert nutzenzu können, ist noch sehr viel Forschungnotwendig. Weil direkte Beobachtungennicht möglich sind, ist die Wissenschaftauf numerische Modellierungen angewiesen.Nur so können Konzeptvorstellungenständig überprüft und angepasst werden.Dr. Philipp WeisInstitut für Geochemie und PetrologieETH Zürichphilipp.weis@erdw.ethz.chforschung und praxis | recherches et applications14Feldbeobachtungen belegen die relative Zeitabfolge der Ereignisse: Eine kupferführende Ader (maximal einZentimeter breit) durchschneidet ältere Quarzadern (Gestein aus El Teniente, Chile). (Foto: ETH Zurich)


«Ich kann den Quantensprung in derAbflussmessung möglich machen»Es klingt zu einfach, um wahr zu sein: Eine kurze Sequenz einer Webcam- oder Smartphone-Aufnahme eines Flussabschnitts und die nötige Software sollen ausreichen, um präziseAussagen über die Abflussmenge und die Fliessgeschwindigkeit machen zu können. EinMaschineningenieur ist kurz vor dem Abschluss eines viel versprechenden Projektes.bianca guggenheim«Die Abflussmessmethoden, die in derSchweiz flächendeckend zum Einsatzkommen, sind nicht immer genug verlässlich»,erklärt Beat Lüthi, Gründer undInhaber der Firma Photreck AG undspricht dabei die unterschiedlichen Faktoren,welche die konventionellen Messmethodenverfälschen können, an. Wennes nach Lüthi ginge, so sähe dies schonbald ganz anders aus, denn derMaschinen ingenieur hat eine viel versprechende,neue Abflussmessmethode,die mit an sich simplen Filmaufnahmenarbeitet, entwickelt. Damit möchte Lüthidie bisherigen Messverfahren nicht angreifen.Er betont, dass nur dank derdurch herkömmliche Methoden ermitteltenWerte umfangreiche Daten der letzten150 Jahre zur Verfügung stehen. Dieseermöglichten eine übersichtliche Verfolgungder Gewässerentwicklung.Dennoch sind Lüthis Erwartungen an dieneue Methode gross: «Die bisherigen, sogenannten Pegel-Abflussmessungen habenbei sehr hohen sowie äusserst geringenWasserständen ungenaue Messungenergeben – genau dann, wenn es wichtigist, sich auf eintreffende Daten verlassenzu können.» Die Messfehler bei dieserweit verbreiteten Methode entstehen vorallem durch die schwierig zu ermittelndePegel-Abfluss-Beziehung, Sedimentverschiebungenoder so genannte stehendeWellen. Die Alternativen zu diesem Vorgehensind überschaubar geblieben: BeatLüthi erklärt, dass bereits vor Jahrzehnteneinfache und hilfreiche Methoden zumEinsatz gekommen seien – beispielsweiseSchwimmer, die den Wasserstand direktund fortlaufend auf eine Papierrolleaufgezeichnet haben. Die Nachteile sindleicht ersichtlich: Das Schwimmer-Systemarbeitet nicht berührungslos, eskann einiges kaputt gehen und die Auswertungszeitist so lange, dass sich derNutzen beschränkt. Daneben verlässtman sich momentan teilweise auf Radarmessungen.Diese arbeiten zwar berührungslos,der Aufwand zur I nstallationeiner Messstelle ist aber relativ hoch,denn der Radar muss fix und unbeweglichmontiert werden – meist mittels einergalgenähnlichen Vorrichtung. «Schadeist auch, dass ein Radar nur einePunktaufnahme machen kann. Das istnicht immer sehr aussagekräftig.» FürBeat Lüthi spricht also viel für seine neuentwickelte Methode.Flexibel, genau und günstigBeat Lüthis System, das aus einer im Jahre2002 an der ETH geschriebenen und vonihm betreuten Diplomarbeit hervorgeht,funktioniert eigentlich sehr einfach, wieer betont: Eine Kamera wird am Ufer einesFlusses so aufgestellt, dass sie die Uferlinieder gegenüberliegenden Seite im Visierforschung und praxis | recherches et applications15


Die tiefe Bildauflösung schmälert die Aussage nicht: Nach der digitalen Bildverarbeitung kann der Wasserspiegelzuverlässig bestimmt werden.forschung und praxis | recherches et applications16hat. Mittels Bildverarbeitung wird dera ktuelle Wasserspiegel bereits jetzt miteiner sehr hohen Genauigkeit erfasst. «InVorversuchen lag die Genauigkeit bereitsbei einem Zentimeter. Erfolgt die Kalibrierunggenauer, so ist diese Zahl deutlich zuunterbieten», erklärt Beat Lüthi stolz.Wichtige Fragen beziehen sich häufigauch auf die Fliessgeschwindigkeit. Auchdiese ermittelt die bahnbrechende Methodeunkompliziert: Der Blickwinkel derKamera kann mittels einer Formel umgerechnetwerden. Ist die Kamerapositionund die Orientierung relativ zum Flussbekannt, so braucht es nur noch die nötigeSoftware, um die Geschwindigkeit bestimmenzu können. Ein modifiziertes sogenanntes PIV-Verfahren (Particel ImageVelocimetry) machts möglich.Die Vorteile der neuen Methode sind bestechend:«Die Kameras ermöglichen sehrgenaue Wasserstandsmessungen. Die Kamerapositionkann anhand der Ufergegebenheitenflexibel gewählt werden, derAufnahmewinkel ist nicht entscheidend.Wichtig ist einzig, dass die Kamera diegegenüberliegende Uferlinie im Visierhat. Dazu sind die zum Einsatz kommendenMassenprodukte in den letzten Jahrennicht nur genauer, sondern auchgünsti ger geworden.»Systemvergleich in BürglenBald wird sich zeigen, was Lüthis Methodemöglich macht: Am 7. und 8. Mai wurdendrei Kameras in Bürglen (Uri) beim sogenannten «Galgenwäldli» installiert.«Wir brechen damit die Hauptregel allerExperimentalisten und überprüfen einefunktionierende Messung», lacht BeatLüthi und ist unbesorgt, denn er ist sichsicher, dass seine Methode hält, was sieverspricht. Die Platzierung fand im Rahmeneiner Zusammenarbeit mit demBAFU statt, das diese Messstation seit Jahrenunterhält. Vor Ort befinden sich bereitsmehrere andere Abflussmesssysteme,die gute Systemvergleiche ermöglichen:Zwei Radare, ein Pegel undein hydrostatischer Pegel. Letzterer stellteine Art Druckmessgerät im Untergrunddar. Steigt der Wasserdruck stark an, sosetzt das System aus und lässt den Radaranspringen. «Genau an diesem Punkt entstehtjeweils ein Sprung in der Datenrei­


he, der auf einen relativ grossen Fehlerhinweist», erklärt der Maschineningenieur.Es erstaunt deshalb nicht, dass dasBAFU schnell für Lüthis Idee zu begeisternwar. Die Auswertung des Pilotprojekteserfolgt im kommenden Herbst.Eine App und eine Vision«Damit wissen wir noch nicht alles überAbflüsse, aber auf jeden Fall deutlichmehr als bisher», scherzt Beat Lüthi undphilosophiert über diverse weitere Einsatzmöglichkeitendes neuen Verfahrens.«Es geht doch an vielen Orten auf derWelt um dasselbe», sagt Lüthi und sprichtdie Wasserknappheit an. «Bei uns streitensich die Grünen und die Wasserkraftwerksbetreiberüber die nötigen Restwassermengen.In Afrika geht’s um die knappeRessource Wasser, die gerecht verteiltwerden muss. Hochwasser verwüstenund richten Schäden an – da und dort.»Lüthi hat deshalb eine Vision: «Smartphonesmit relativ hoch auflösenden Kamerasgehören durch die Globalisierungselbst in den ärmsten Ländern in den meistenGesellschaftsschichten dazu. Nehmenein paar Bauern in Tansania mittels einerAbfluss-App einen kurzen Film der Flüsseneben ihren Feldern auf, so hätte man bereitsdie wichtigsten Informationen beisammen.Über eine Gutschrift aufs Kontodes Handybesitzers würde ein vielversprechenderAnreiz geschaffen. Das nötigeGeld käme aus den bisherigen und damitüberfällig werdenden Investitionen in herkömmlicheAbflussmessstationen zusammen.Da das Smartphone automatisch denAufenthaltsort des Besitzers registriert,fehlt eigentlich nichts mehr.» Beat Lüthilächelt zufrieden und freut sich vorerstauf die Auswertungen im Herbst.Selbst in ärmeren Ländern möglich: Beat Lüthi wünscht sich, dass seine Methode eine länderübergreifendeVerbreitung findet. (Bilder: Beat Lüthi)forschung und praxis | recherches et applications17


Utilisation de la gravimétrie pour laprospection géothermiqueUne méthode qui apporte des informations substantielles lors de la phase deprospection de projets de géothermie profonde en Suisse.pierrick altwegg, guillaume mauri, François Negroforschung und praxis | recherches et applications18En Suisse et dans les régions limitrophes,la plupart des projets actuels ou en coursde prospection visent l’exploitation desaquifères profonds se trouvant à plus de1500 mètres de profondeur. Ces aquifèressont présents sous le Plateau Suisse, qui estégalement une zone à forte densité de population.Celle-ci permet donc de garantirla rentabilité du projet en fournissant de lachaleur à des réseaux de chauffage à distance.Le but des campagnes d’explorationest donc de déterminer le plus précisémentpossible les structures géologiques profondesainsi que les propriétés des roches.Il est évident que la méthode la plus fiableest le forage. Cependant, si la technologiepour aller à de telles profondeurs est bienconnue, elle est extrêmement onéreuse.De ce fait, une campagne de géophysique(sismique, gravimétrie, etc.) est généralementréalisée afin d’obtenir le maximumd’informations avant le forage.Dans cette optique, il est fréquent quetoutes les connaissances obtenues soientregroupées sous la forme de modèlesgéologiques 3D. En effet, de tels modèlespermettent par exemple de croiser lesconnaissances géologiques de surfaceavec les informations géophysiques pourinterpréter la forme et les limites desaquifères profonds.La gravimétrie de précisionLa gravimétrie est une méthode géophysiquequi permet de détecter les changementsde densité du sous-sol en mesurantles fines variations du champ de gravité.Comme toutes les techniques de prospectiongéophysique, elle a connu ces dernièresannées de substantielles avancéesgrâce à l’arrivée de GPS différentiels deprécision centimétrique, de modèles numériquesde terrain de très haute précisionet de l’augmentation de la puissancede calcul des ordinateurs. L’utilisationde ces derniers a permis d’effectuer desmesures en plus grand nombre et avecune meilleure précision que par le passéet c’est pour cela que nous parlons de gravimétriede précision. Nous utilisons eneffet des techniques de microgravimétrieavec une précision inférieure à 0.1 mGalpour des cibles géologiques profondes.Enfin, la gravimétrie a l’avantage de pouvoirêtre appliquée partout, sans nuisanceet elle ne nécessite qu’une équipe réduite.Des apports concretsDans notre approche, la gravimétrien’est pas utilisée de manière directe pourconstruire le modèle géologique 3D. Eneffet, pour la détermination des structuresgéologique profondes, des méthodescomme la sismique réflexion sont beaucoupplus précises. La méthode utiliséeconsiste donc à calculer l’effet gravifiquedu modèle géologique pour le compareraux mesures gravimétriques effectuéessur le terrain.Les différences observées entre ces deuxjeux de données signifient que le modèle


ne prend pas en compte un élément géologiqueet de ce fait permet une vérificationdu modèle. Il est également possible dedétecter des systèmes de failles importants.En effet ces derniers impliquent une fortefracturation de la roche et donc la créationde volumes pouvant être remplis par desfluides. Cela implique une diminution dela densité globale de la roche qui peut êtredétectée par la gravimétrie. Dans certainscas, cela permet de mettre en évidence etde modéliser des structures géologiquescomme les grabens permo-carbonifères,qui sont difficilement détectables pard'autres méthodes. Si une telle structureexiste et n’est pas présente dans le modèlegéologique une différence apparaîtra entrenos jeux de données. En effet, sous le plateauSuisse, ces grabens sont situés sous leMésozoique et sont composés de sédimentsqui sont, généralement, moins denses queles roches cristallines du socle qui se situentaux mêmes profondeurs. C’est cettedifférence de densité qu’il est possible dedétecter puis d’interpréter pour effectuerune première modélisation du graben.Cette méthode induit un processus itératifet cyclique entre les mesures gravimétriqueset la modélisation 3D. En effet, lesdifférences observées entre les deux setsde données sont interprétées puis le modèlegéologique 3D modifié afin de tenircompte de ces nouvelles données. L’effetde ce modèle est alors à nouveau calculé,les nouvelles différences interprétées et lemodèle modifié à nouveau. Ce cycle esteffectué jusqu’à ce que la différence entreles deux sets de données soit considéréecomme acceptable.Application : Détermination de la porositéliée à une failleUn projet de géothermie profonde est enforschung und praxis | recherches et applicationsMesures de gravimétrie dans le canton de Neuchâtel. (photo G.Mauri)19


forschung und praxis | recherches et applications20cours actuellement à St. Gall. Il a pourcible une zone de failles à plus de quatrekilomètres de profondeur et une grandecampagne de sismique 3D a eu lieupour établir les structures géologiquesprofondes. Les services industriels de laville de St. Gall (SGSW) en charge du projetnous ont permis d’avoir ces donnéesd’une rare précision et nous avons ainsipu tester notre méthode.Pour ce faire, une campagne de mesurede gravimétrie a été menée dans la régionde St. Gall avec au minimum cinq pointsde mesures par kilomètre carré. La comparaisonde ces mesures avec l’effet dumodèle géologique 3D a principalementpermis de déterminer la porosité à l’intérieurde la faille. Cependant, cela a égalementpermis d’effectuer une premièremodélisation d’un fossé permo-carbonifèrequi se trouve à l’Est de la zone defailles.Application : la vérification desmodèles géologiques 3DCette méthode a été appliquée dans lecadre du projet de développement de lagéothermie profonde dans le canton deNeuchâtel, GeoNe. Différents modèlesgéologiques 3D ont été réalisés dans lecanton sur la base d’une synthèse desdonnées géologiques et géophysiquesdisponibles. Ces modèles avaient pourbut de déterminer la profondeur et lagéométrie des aquifères profonds potentiels.Des mesures gravimétriques ontparallèlement été effectuées sur une surfacede 145 kilomètres carrés entre 2010et 2012 avec au minimum six points parkilomètre carré. Une étude des propriétésphysiques des roches nommée IGS-NE aégalement été réalisée sur les différentesformations géologiques afin de définirleur densité. A partir de ces densités,l’effet gravifique des modèles géologiques3D a pu être calculé et comparé avec lesmesures gravimétriques effectuées dansle canton. L’application de la méthode apermis de vérifier la cohérence des modèlesgéologiques 3D (notamment en cequi concerne les structures géologiquesprofondes), de les modifier en fonctiondes différences observées, et de les validergrâce aux données gravimétriques de précision.La géométrie et la profondeur desréservoirs géothermiques potentiels ontainsi pu être déterminées avec une plusgrande précision. La méthode a égalementpermis de localiser et de caractériserles zones plus fracturées, les plus intéressantespour d’éventuels forages géothermiques.Avantage de la gravimétrieComme nous le montrent ces deux applications,la gravimétrie utilisée conjointementavec des modèles géologiques 3D peut êtreappliquée à différent stades d’un projetde prospection géothermique. En effet,la méthode apporte des résultats concretstels que la détection de réseaux de faillesmajeurs, la modélisation d’un fossé permocarbonifèreet la validation du modèle géologique.De plus, lors du processus induitpar la méthodologie, il a été possible detester plusieurs hypothèses géologiquesvraisemblables pour arriver à une solutionsatisfaisant l’ensemble des données.Un avantage supplémentaire de la gravimétrieest qu’il s’agit d’une méthode peuonéreuse, ne provoquant pas de nuisance,menée par une équipe réduite et qui peutêtre utilisée n’importe où. Nous sommesactuellement à la recherche d’autre projetsde géothermie pour appliquer cetteméthode.Pierrick AltweggLaboratoire de Géothermie - CREGEc/o CHYN / Univ. de Neuchâtelpierrick.altwegg@unine.chwww.crege.ch


Histoire des carrières du ValaisL’étude présentée ici a pour objet de recenser le plus grand nombre de carrières etlieux d’exploitation de la pierre en Valais avant que les informations historiques ethumaines ne soient perdues et que la nature ayant totalement repris ses droits leurtrace ne soit effacée. Cet inventaire prend en compte les aspects géologiques et historiquesainsi que les volets économiques et humains.Daniel A. Kissling« A l’automne 2009, le Musée desSciences de la Terre à Martigny, me confiaune étude concernant l’origine des principalesroches utilisées en constructiondans cette ville. Au début de mes recherches,je fus accompagné par MichelDelaloye, alors conservateur du musée.Cet ancien collègue d’université a pris letemps de venir avec moi visiter quelquescarrières et a suivi l’avancement de mesrecherches. Pour sa part, Philippe Marin,marbrier et fils de marbrier, m’a indiquél’origine de certaines roches formant lessoubassements et d’autres parties des édificesde l’agglomération martigneraine.Les principales carrières localisées, il fallaitencore retrouver les noms des exploitantset les périodes durant lesquelles ellesavaient été en activité. Et c’est là que degrandes difficultés sont apparues. Si pourles carrières encore actives ou récemmentabandonnées, les informations ont puêtre aisément rassemblées, il n’en a pasété de même pour celles abandonnéesdepuis plus de 20 ou 30 ans. Les délaispour la finalisation de l’étude n’ont malheureusementpas permis de lever le voilesur l’histoire de toutes les carrières concernées,mais il a cependant été possiblepour l’Association Patrimoines de Martignyde publier une plaquette présentantles principales provenances des rochesutilisées.En 2011, M. Delaloye, ayant constaté avecmon travail la vitesse à laquelle la mémoiredes activités humaines disparait, aproposé, si je m’associais avec lui,d’étendre à l’entier du Valais le genre derecherches que j’avais terminées quelquesmois auparavant. Un challenge que j’aibien volontiers accepté. Après quelque 15mois d’investigations, au lieu de la septantainede carrières qui figuraient sur la listefournie par le Service de l’environnement,ce sont plus de 230 carrières qui ontété répertoriées. Devant l’ampleur de latâche, les initiateurs du projet ont accueilliavec enthousiasme l’offre de collaborationque leur a adressée Pierre J. Stalder,un géologue ayant sillonné le monde pourla compagnie Shell.Les enjeux de l’étudeSi, de nos jours, le béton est omniprésent,il ne faut pas oublier que, jusqu’au milieudu 20 ème siècle, la pierre a joué un rôle primordialdans la construction d’édifices detoute nature, dans l’exécution de diguescontre les éléments naturels et dans la réalisationdes infrastructures ferroviaires etroutières. Notre étude a pour objectif derendre à ce matériau naturel ses lettres denoblesse.Le travail ne se limitera pas à l’établissementd’un inventaire le plus complet possibledes carrières exploitées en Valais aucours des derniers siècles entre les rives duLac Léman et Oberwald, mais aborderaforschung und praxis | recherches et applications21


Le début de l'histoire : J.-B. Montini taillant un bloc de granite à Ravoire dans les années 1960. (Photo: Collectionpersonnelle Jean-Batiste Montini)forschung und praxis | recherches et applications22bien d’autres aspects. En effet, il nous apparaitindispensable de présenter lescontextes géologique et économique quiont conduit à l’ouverture de ces carrièreset de souligner l’extraordinaire diversitédes roches rencontrées en Valais et durayonnement de ce canton en Suisse,voire à l’étranger, par le biais de ses produitsnaturels tels que les marbres de Saillon,les calcaires de Saint-Léonard, le granitede Monthey-Collombey, les dalles deSembrancher et Kalpetran ou les ardoisesde Dorénaz, Salvan et Leytron.Mais que serait cette diversité de matériauxet les réalisations sans les hommesqui ont découvert et exploité ces ressources? Le volet humain de cette grandeaventure sera donc également abordédans la mesure du possible.Au final, cette étude de longue haleinedevrait conduire à la publication d’unouvrage richement illustré que nous souhaitonsle plus complet possible tout enétant bien conscients que les informationsqui nous auront échappées seront à plusou moins court terme disponibles suite àla mise en ligne d’autres journaux et decertaines archives. Notre ouvrage, bienque présentant des données techniques,se devra d’être accessible à tout un chacunet non pas réservé aux seuls spécialistes. Ace stade, il n’a pas encore été décidé sil’ouvrage, prévu en français, contiendra


des résumés en allemand ou s’il se doublerad’un jumeau en cette langue.Mode opératoireDans un premier temps, notre recherches’est basée sur la liste fournie par le Départementde l’environnement du canton duValais et les dossiers mis à notre dispositionpar ce service. Les archives de l’Etatdu Valais et celles des communes concernéessont bien évidemment des sourcesessentielles en ce qui concerne les carrièresles plus anciennes. Pour celles ayantété abandonnées dans la seconde moitiédu 20ème siècle, il nous a parfois été possiblede rencontrer les acteurs eux-mêmes,mais plus souvent leurs descendants. Cependant,avant d’aller frapper à la portede chaque commune, nous avons compulséles divers documents nous permettantde mieux cerner ce qui existaitcomme types d’inventaires au niveau national.d’archives importantes. Avantage significatif,une partie des ressources est accessibleon-line grâce au visionneur de donnéesGIS-Geol (http://map.gisgeol.admin.ch), quiindique le type d’informations et de documentsgéologiques qui sont conservés ouarchivés sous forme digitale ou de microfilmsau Centre d’informations géologiques.Ne reste alors plus qu’à prendrerendez-vous pour les consulter.Cependant, les diverses archives cantonaleset communales, ainsi que celles desorganismes fédéraux ne comprennentque rarement des documents photographiquesou personnels. Ce sont ces témoignagesprécieusement conservés dans lesfamilles que nous désirerions pouvoirconsulter. Nous souhaitons vivement quetoute personne possédant des informationsécrites ou illustrées susceptibles decompléter notre documentation prennecontact avec nous. »La Commission géotechnique suisse(SGTK) à Zurich, où nous avons reçu unaccueil chaleureux, nous a ouvert ses archives,ce qui nous a permis de découvrirdes cartes topographiques constellées desymboles figurant les carrières. Des minifichesdonnant le type de roche exploitéeet, parfois, des informations complémentaires,sont associes à chacune de cescartes. C’est également à la SGTK que nousavons été initiés à l’utilisation du visionneurde données géologiques (www.geologieviewer.ch)et plus spécifiquement levolet « carrières ». Ces dernières sont classéesen quatre périodes (1915, 1965, 1980et 1995) et symbolisées par des couleursindiquant le type de roche. L’ensemble desdonnées recueillies permet bien souventde retrouver les vestiges de l’exploitation.A Berne, le Service géologique national deswisstopo, où nous avons été à chaque foisreçus très amicalement, dispose égalementDaniel A. Kisslingda.kissling@bluewin.chwww.carrieresduvalais.jimdo.comtél: 027 722 68 00forschung und praxis | recherches et applications23


aus der Praxis | nouvelles des practiciensDas interferometrische Georadar – wennMikrowellen vor Naturgefahren schützenIn Zeiten knapp gefüllter Staatskassen sind intelligente Schutzkonzepte im alpinenRaum je länger desto mehr gefragt. Das Erfolgsrezept lautet: Verbauungengegen häufige, aber kleine Ereignisse wie Steinschlag und Blocksturz, elektronischeÜberwachungen gegen grosse und seltene Katastrophen.Lorenz meieraus der praxis | nouvelles des praticiens24Zement wird noch immer häufig zumSchutz vor Naturgefahren eingesetzt: Dämme,Schutzmauern, Unterfangungen, Strassengalerienund Schutznetze sind imAlpen raum omnipräsent. Bauten wie dieseverhindern Schäden an Mensch und Infrastrukturzuverlässig. Manchmal ist es abersinnvoller und günstiger, ein Gebiet mitelektronischen Methoden zu sichern: Immerwieder reichen selbst viele KubikmeterZement oder Beton nicht aus, um Felsstürzeund grosse Murgänge zu verhindern.Dank Preiszerfall, Miniaturisierung und einerrasanten Entwicklung in der Sensortechnikstellt die elektronische Überwachungdiverser Naturgefahren eine idealeErgänzung zu den Verbauungen dar. DasAusgangsmaterial für die Überwachungssensorenstammt – wie auch jenes für denZement – aus dem Boden: Silizium ist derwichtigste Rohstoff für elektronischeSchaltkreise und wird aus Quarz gewonnen.Wie wichtig und erfolgreich die elektronischeÜberwachung sein kann, beweisendie Beispiele Preonzo und Gurtnellen.Rissmessungen und LaserDas Gebiet um die Alpe di Roscera oberhalbvon Preonzo im Kanton Tessin ist schon seitJahren in Bewegung. Der Kanton überwachtdie Bewegungen mit Messgeräten inden Rissen sowie mittels Laserstrahlen, dieSpiegel in der Wand anpeilen und so dieDistanz messen. Beide Messmethoden sindfür langfristige Beobachtungen gut geeignet.Wird jedoch in Kürze ein Abbruch erwartet,so stossen sie an ihre Grenzen, dennbei grossen Bewegungsraten müssen dieRissmessungen regelmässig manuell undvor Ort nachjustiert werden. Daneben sinddie Lasermessungen auf gute Sichtbedingungenangewiesen und funktionieren beiNebel oder starkem Regen nicht. BeideMess prinzipien liefern ausserdem nur Datenvon ausgewählten Punkten. Misst manam falschen Ort, so kann das potenziell fataleFolgen haben.Mikrowellen im EinsatzIn Preonzo kam deshalb das so genannteinterferometrische Georadar zum Einsatz.Dieses wurde ursprünglich zur Stabilitätsüberwachungvon Tagbauminen entwickelt,es lässt sich mit einigen Software-Anpassungen aber auch für die Beobachtungvon Felsinstabilitäten verwenden. DasGerät sendet Mikrowellenstrahlen an denFels, wo diese reflektiert werden. Der Empfängerregistriert anschliessend die Strahlenund vergleicht die Phasenlage der empfangenenWellen von mehreren Messungen.So wird es möglich, selbst kleinsteDeformationen zwischen zwei Messungenzu erkennen. In der Praxis sind ein bis zweiMillimeter realistisch, da Veränderungen inder Atmosphäre zuerst ausgefiltert werdenmüssen. Das interferometrische Georadar


liefert dazu fein aufgelöste Daten von Felsoberflächen,ein Pixel hat – je nach Distanzzum Fels – eine Grösse von ungefährfünf bis 50 Quadratmetern. Unter günstigenBedingungen ist es sogar möglich, Felswändeaus einer Distanz von mehreren Kilometernzu beobachten.Ernstfall in Preonzo…Das Radar hat die Feuertaufe bestandenund einen ersten Ernstfalleinsatz erfolgreichgemeistert: Mitte Mai 2012 ereignetesich in Preonzo ein grosser Felssturz, derwenige Tage zuvor mit einer Genauigkeitvon nur ein paar Stunden vorausgesagtwerden konnte. Die Messkurven stimmtenausserdem gut mit denjenigen der geodätischenÜberwachung überein.Bereits kurze Zeit nach dem grossen Abbruchkonnte das Gerät eine seiner Stärkenunter Beweis stellen: Es ist nur rund dieHälfte der labilen Gesteinsmasse abgestürzt– eine unangenehme Situation für denFührungsstab des Kantons. Was nun? EinZugang zum Gebiet war für Messungen vorOrt oder für die Montage von Reflektorenfür die Lasermessungen zu gefährlich. DasRadar funktioniert ohne solche Eingriffevor Ort. Die Messungen zeigten, dass sichdas Gebiet in den ersten Stunden nach demAbbruch noch stark bewegte. Bereits 24Stunden später war das Gelände aber mehrheitlichruhig. Die gesperrten Gebietekonnten deshalb bald freigegeben werden.…und in GurtnellenDie Fähigkeit, innerhalb nur weniger Stundenzuverlässige, genaue und grossflächigeMessungen zu liefern, verschafften demGeoradar bereits kurz nach dem ersten Einsatzden nächsten: Drei Wochen nach demDas Gebiet um die Alpe di Roscera oberhalb von Preonzo ist seit Jahren in Bewegung: Anhand des Georadars konnteein Felssturz nur wenige Tage vor dem Ereignis mit einer Genauigkeit von einigen Stunden vorausgesagt werden.(Bild: Lorenz Meier)aus der praxis | nouvelles des praticiens25


aus der praxis | nouvelles des praticiens26Felssturz in Preonzo donnerten nördlichvon Gurtnellen etwa 3000 Kubikmeter Felsder Gneishülle des Aare-Granites auf diedarunter liegende Bahnlinie. Sofort stelltesich die Frage: Ist die neu entstandene Felswandstabil? Wann kann mit den Aufräumarbeitenbegonnen werden? Das ausPreonz o herbeigeschaffte Georadar liessbereits nach ein paar Stunden erste Schlüssezu: Die Felswand bewegte sich schonkurz nach dem Ereignis nicht mehr. Amfolgenden Tag konnte mit der Bergung undRäumung begonnen werden.Damit die Sicherheit aller Beteiligten inGurtnellen gewährleistet werden konnte,riefen die Verantwortlichen eine umfangreiche,elektronische Überwachung ins Leben.Das Georadar eignet sich nicht fürAufgaben, die eine rasche Reaktion erfordern:Eine Messung braucht einige Minuten,verlässliche Resultate benötigen nochlänger.Deshalb wurden elf Felsklüfte mit Messgerätenausgerüstet. Registrierten die Messgeräteungewöhnliche Bewegungen, so löstensie automatisch Alarm aus. Auch Reissdrähteund Erschütterungssensoren k amenzum Einsatz – ebenfalls versehen mit automatischenAlarmsignalen. Zusätzlichwurden in sechs bis zu 40 Meter tiefenBohrlöchern Extensometer installiert, dieFelsdeformationen von weniger als einemZehntel Millimeter feststellen können. DesWeiteren wurden im potenziell instabilenGebiet etwa 50 geodätische Spiegel montiert,die halbstündlich von einem Theodolitenvermessen wurden.Bei der Analyse der Radardaten hat sichgezeigt, dass die Umgebung einer aktivenBaustelle wesentlich aufwändiger zuüberwachen ist als ein relativ ruhiges Gebietwie Preonzo. In Gurtnellen kam esdurch die Bauarbeiten zu ständigen Veränderungender Oberfläche, dazu regnetees so stark, dass der zu Tal gewascheneStaub und Schutt für grossflächige oberflächlicheBewegungen von einigen Millimeternsorgte. Durch eine enge Zu sammenarbeit zwischen den beteilig ten Geologenund den Überwachungs expertenkonnten die Radarsignale jedoch korrektinterpretiert werden.Beide Beispiele zeigen: Die elektronischeÜberwachung ist eine sinnvolle Ergänzungzu baulichen Massnahmen. Das Fachwissender beteiligten Geologen und Bauingenieuresowie der Elektronik- und Sensorexpertenist in beiden Fällen unverzichtbar.Eine interdisziplinäre ArbeitLorenz Meier ist promovierter Physiker undGeschäftsführer der auf die Überwachung vonNaturgefahren spezialisierten GEOPRAEVENTAG. Neben der Beo bach tung von Felsinstabilitätenbaut die Firma Alarmanlagen,welche Murgänge, Lawinen oder Flutwellenaus Gletscherseen detektieren und bedrohteGebiete automatisch warnen. «Wir arbeitenoft mit geologischen Beratungsbüroszusammen. So können wir sicherstellen,dass unsere Anlagen optimal auf die erwartetenProzesse abgestimmt sind. Ausserdemmacht diese interdisziplinäre Arbeit grossenSpass und ist für beide Seiten sehr lehrreich»,meint Lorenz Meier.Lorenz Meier ist seit anfangs 2013 Mitglieddes Redaktions komitees von «GeosciencesActuel».www.geopraevent.chDr. Lorenz MeierGEOPRAEVENT AG, Zürichwww.geopraevent.chlorenz.meier@geopraevent.ch


dies und das | communications diversesTektonikarena und Geopark Sardona –Geobildung über drei KantonePiz Sardona, Ringelspitz, Cassonsgrat und Hausstock haben etwas gemeinsam: Derdreidimensional betrachtete geologische Aufbau dieser Berge lässt selbst Laien erkennen,wie diese Gebirge einst entstanden sind. Das UNESCO-Welterbe «TektonikarenaSardona» sowie der «Geopark Sardona» sorgen mit ihren Aktivitäten dafür, dassPhänomene wie diese für eine breite Öffentlichkeit fass- und erlebbar werden.Thomas buckinghamZwei Mal pro Jahr steigt das allgemeineInteresse am Martinsloch an denTschingelhörnern: Immer dann, wenndie Sonne durch ein 17 auf 19 Metergrosses Felsfenster auf die Elmer Kirchescheint. Sogar das neue BesucherzentrumGlarnerland des UNESCO-Welterbes«Tektonikarena Sardona» wird an diesenzwei Tagen von der Sonne angepeilt. DasBesucherzentrum befindet sich im altenSchulhaus direkt neben der Kirche. Hierkann die 200-jährige Geschichte der Gebirgsforschungaktiv erkundet werden.Man erhält Einblicke in die Mechanismenund Prozesse der Alpenbildung, danebeninformieren verschiedene Persönlichkei­ten in Video-Interviews auf iPads überdie Region. Der Bereich Landesgeologiedes Bundesamtes für Landestopografieswisstopo hat der «Tektonikarena Sardona»ein Reliefmodell, das die Geologieder Region eindrücklich darstellt, sowieein dreidimensionales Modell der GlarnerHauptüberschiebung geschenkt. Auchdie se können vor Ort betrachtet werden.Besucherzentren und «GeoGuides»Eine weiteres Standbein des Besucherzentrumsbefindet sich im Bahnhofsgebäudevon Glarus. In diesen Zentren werden Informationenvermittelt, sie stellen aberauch Ausgangspunkte für individuelleWelterbe und «Geopark Sardona»Das UNESCO-Welterbe «Tektonikarena Sardona» und der «Geopark Sardona» sind zweiInstitutionen mit ähnlicher Positionierung, die im Alltagsgeschäft eng zusammenarbeiten. DasWelterbe liegt im unbewohnten Kerngebiet des Geoparks und wird von den Gemeinden alsInteressengemeinschaft getragen. Die Aufgaben des Welterbes sind Erhalt des so genannten«aussergewöhnlichen universellen Wertes» (= outstanding universal value OUV), Bildung undSensibilisierung, Wissensmanagement und Forschung, räumliche Sicherung undÖffentlichkeitsarbeit. Der «Geopark Sardona» umgibt das Welterbe und ist dabei sowohlSensibilisierungs- als auch Bildungsraum für das Welterbe. Der Verein «Geopark Sardona» hatrund 600 Mitglieder und betreibt ein überregionales geotouristisches Netzwerk diverserGeoStätten im Raum Glarus – Walensee – Sarganserland–Surselva. Es wird eine Wertschöpfungin Form eines nachhaltigen Geotourismus angestrebt.dies und das | communications diverses27


Wanderungen und geführte Touren dar.«GeoGuides» sowie Geologen bieten vorOrt diverse «GeoEvents» an: Sie reichenvon der gemütlichen Dorfführung überWanderungen mit Trottinett-Abfahrtenbis hin zu anspruchsvollen Bergtouren.Die «Tektonikarena Sardona» erstrecktsich neben den Glarner Bereichen auchüber Teilgebiete der Kantone SanktGallen und Graubünden. Machbarkeitsstudienzu Besucherzentren in diesenRegionen sind in den Endphasen. Wennes anschliessend um konkrete Pläne undUmsetzungen geht, so sind die Verantwortlichender «Tektonikarena Sardona»weitgehend auf die Eigeninitiative der regionalenPartner angewiesen. Sie könnenzwar koordinieren und bei der Öffentlich ­keitsarbeit und Vermarktung unterstützen,die Umsetzung liegt aber bei denVerantwortlichen vor Ort. Die Geschäftsstelleund die Schweizerische UNESCO-Kommission entscheiden schlussendlichüber die Auszeichnung des Standorts mitdem Welterbelogo.Besucherzentren und die Ausbildung lokaler«GeoGuides» sind die ersten Schritteder gemeinsamen Bildungsstrategie desWelterbes und des «Geoparks Sardona».Anhand dieser und weiterer Massnahmensoll ein stetig wachsendes überregionalbedeutendes Geo-Bildungsgebiet entstehen.Geo-Bildungsangebote und ForschungIm Weisstannental (SG) und auf Kunkels(GR) sind weitere Bildungsangebote amEntstehen. Diverse iPad Präsentationensind an verschiedenen Messen auf grossesInteresse gestossen. Im Juli 2013 wird dieerste kombinierte Wander- und Geologiekarteder Schweiz im Massstab 1:50‘000publiziert. Dieses Werk ist wiederum inZusammenarbeit mit der Landesgeologiebei swisstopo entstanden. Auf der Rückseiteder Karte werden diverse interes­dies und das | communications diverses28Ein Sonnenstrahl beleuchtet das Besucherzentrum der «Tektonikarena Sardona»: Dieses Naturspektakel ist nur zweiMal jährlich zu beobachten. (Bild: Thomas Buckingham)


sante geologische Phänomene erläutert,die sich auf dem Gebiet der Tektonikarenaund des «Geoparks Sardona» befinden.Auch für die Forschung ist das Welterbe-Gebiet sehr attraktiv: In den vergan ge nenJahren wurden diverse Bachelor-, Masterund Dok torarbeiten an Universitätenund Fachhochschulen mitbetreut. DenSchreibenden konnte eine umfangreicheLiteratur sammlung und viel Grundlagenmaterialzur Verfügung gestellt werden.Thomas Buckinghaminfo@unesco-sardona.chWeitere Informationen:iPad-Präsentation: Im «App Store» dasStich wort «Sardona» eingeben.www.unesco-sardona.chwww.geopark.ch: Informationen,Ver anstal tungen, Projekte, Flyerbestellungen, Broschüren und einNewsletterabonnement.Das Welterbe Sardona ist auf der Suchenach Partnern:Diverse spannende Projekte wiebeispielsweise Bildungsmaterialund Gesteinskoffer für Schulen,der Umbau der GeoWeg- undBeschilderungsinfrastruktur sowie thematischeBroschüren werden in nächsterZeit publikumswirksam umgesetzt.Ein UNESCO-WelterbeManche Dinge sind so wertvoll, dass die ganze Menschheit darüber wachen muss. Die UNESCO(United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation) ist die Organisation derVereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation. Sie verwaltet dasWelterbe der Menschheit, das sich aus Weltkultur- und Weltnaturerbstätten zusammensetzt.1972 verabschiedete die UNESCO die Konvention zum Schutz des weltweiten Kultur- undNaturerbes. Die Schweiz unterzeichnete sie 1975. Zentrale Voraussetzung für ein Welterbe istdie weltweite Einzigartigkeit, der so genannte OUV.Unter Federführung des Geologen David Imper sowie unter Professor Adrian Pfiffner, begleitetvon einem wissenschaftlichen Beirat, ist die Tektonikarena Sardona nach jahrelanger Arbeit imJahre 2008 in die Welterbeliste aufgenommen worden. Dies aufgrund einer weltweit einzigartigenSichtbarkeit von Phänomenen der Gebirgsbildung, einer beispielhaftenErforschungsgeschichte sowie aufgrund der andauernden Bedeutung für die geologischeForschung. Das Welterbe Sardona zählt damit zu den weltweit einzigartigen Naturerben wiebeispielsweise der Grand Canyon, die Galapagosinseln, das Great Barrier Reef oder dieVulkaninseln von Hawaii. Eine grossartige Auszeichnung – aber auch eine Verpflichtung, diesemGebiet langfristig Sorge zu tragen.dies und das | communications diverses29


Verlässliche Daten sind das A und O der HydrologieSo gross war das Interesse der Fachwelt für das traditionelle Jahrestreffen der«Deutschen Fachgemeinschaft Hydrologische Wissenschaften» noch nie: Über 300Forschende sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis haben sich am 4. und 5.April 2013 in Bern zum «Tag der Hydrologie» getroffen.Kaspar Meuli, Edith oosenbrugdies und das | communications diverses30Es ist das erste Treffen der Hydrologinnenund Hydrologen aus dem länderübergreifendendeutschsprachigenRaum, das in der Schweiz stattfindet –auch wenn es bereits zum 15. Mal überdie Bühne geht. Bisher waren deutscheund österreichische Hochschulen für dieOrga ni sation verantwortlich. Den Auftaktzur von der Universität Bern undPartnern organisierten Tagung machteeine Spezialveranstaltung zum Thema«150 Jahre Hydrometrie in der Schweiz»:In einem wegweisenden Entscheid hattedie Schweizer Regierung bereits 1863 beschlossen,in den Gewässern des Landes«vollständige und gleichmässige Pegelbeobachtungen»vorzunehmen. Seitherwurde das hydrologische Messnetz kontinuierlichausgebaut. Heute betreibtdas Bundesamt für Umwelt BAFU über350 Messstationen an Flüssen und Seensowie im Grundwasser.Vom Altbewährten zum Neuen?Eine Pionierleistung, die gefeiert werdenwill: Referenten aus der Bundesverwaltung,aus kantonalen Fachstellen sowieaus Hochschulen schauten auf die Geschichteder Wassermessungen in derSchweiz zurück, wiesen auf aktuelle Herausforderungenin der täglichen Arbeitbeim Messen oder bei der Datenverwendunghin und wagten einen Blick in dieZukunft. Vermutlich wird in der Hydrometrieauch künftig mit Flügeln gemes­sen. In einem Vortrag wurde an eine automatisierteAuswertung von Luftbilderngedacht. Diese Methode befindet sich allerdingserst im Teststadium.Unterschiedliche Ansichten gab es auchbezüglich der Anforderungen an optimalehydrometrische Datenreihen: Sind vorallem langjährige, bereinigte und flächendeckendeDaten gefragt oder reichenkurze Erhebungsperioden an einem Ort,um ein Gewässer zu charakterisieren undModelle zu eichen?Den Wasserkreislauf besser verstehenIn einem Punkt sind sich die Experten einig:Hydrometrische Messungen werdenauch in Zukunft unentbehrlich sein. Besonderswichtig sind diese für Anwendungenin der Wissenschaft, in der Umweltpolitiksowie in der Praxis bei Ingenieurenund Planern. «Wir müssen die Hydrologiekünftig mehr als Ganzes betrachten,die Zusammenhänge und Prozesse imWasserkreislauf noch besser kennen lernenund über unser eigenes Fachgebiethinaus schauen», so die Bilanz von DominiqueBérod, Leiter der Abteilung Hydrologiedes BAFU, zum ersten Tag des BernerHydrologen-Kongresses. Die zentralenThemen des zweiten Veranstaltungs-Tagessind leicht zusammen zu tragen: AllgemeinesProzessverständnis, der Klimawandelund die Zukunft der Wasserkraftnutzungprägten das Geschehen.


Für technisch Interessierte: Historische Ausstellungsobjekte und Messinstrumente zur Geschichte der Hydrometrie inder Schweiz. (Bild: Emmanuel Rey)In ihrer Keynote «Hydrologie in natürlichenEinzugsgebieten – Prozessverständnisals Puzzle» zeigte Theresa Blumevom Deutschen «GeoForschungsZentrum»GFZ Potsdam, wie sich hydrologischeModelle und Feldversuche optimalergänzen können. Anhand einer Studie,deren Hauptgeschehen in einer abgelegenenRegion im Süden Chiles statt fand,präsentierte sie, wie sich in datenarmenRegionen durch Modellierungen und gezielteFeldkampagnen Prozessverständnisgenerieren lässt. Sie bewies, dass einfruchtbares Hin und Her möglich ist, dassowohl zur Verbesserung des Modells,wie auch zur Perfektionierung des Versuchsdesignsbeiträgt.Ungenügender Blick aufs grosse GanzeHarald Kunstmann vom Institut für Meteorologieund Klimaforschung des KarlsruherInstituts für Technologie in Garmisch-Partenkirchen, fragte in seiner Keynote:«Wie gut kennen wir den globalen Wasserkreislauf? Was können wir von regionalenKlimamodellen erwarten?» SeineAntwort fiel ernüchternd aus: Das zunehmendausgedünnte Netz an Messstationenin vielen Gebieten der Welt liefert zuwenig Daten für aussagekräftige Analysenund Prognosen. «Wir müssen extremvorsichtig sein, wenn wir aus diesen Datensätzenregionale Klimatrends ableiten.In vielen Regionen ist bei den Beobachtungsdatennicht einmal die Richtung desTrends klar», so Kunstmann. Besondersdürftig seien die Messdaten aus Südamerika,Afrika und der ehemaligen Sowjetunion.Die Frage nach der künftigen Verfügbarkeitvon Wasser sei je länger jemehr von politischer Natur, betonteKunstmann. Es gehe dabei letztlich darum,wie viel Wasser auf der Welt proMensch zur Verfügung stehe.Neue Methoden zur DatenerhebungDie ganze Breite der aktuellen hydrologischenDiskussion in Forschung und Praxispräsentierte sich in 30 Fachvorträgen.So äusserte beispielsweise Gerd Morgenschweisvon der Bergischen UniversitätWuppertal Sorgen über den schwin­dies und das | communications diverses31


denden Stellenwert hydrometrischer Daten.Er zeigte, dass die heute im Durchflussmessweseneingesetzten Verfahrennur punkthafte Daten liefern und präsentierteLösungswege zur Bereitstellung vonflächendeckenden Wasserstands- undDurchflussdaten. Gefragt seien räumlicheInterpolationen, neuartige Messverfahrenzur Installation in den Gewässernund das Erfassen von Gewässerdaten mittelsFernerkundung.Simon Scherrer, Inhaber eines auf hydrologischeFragestellungen spezialisiertenBeratungsbüros in Reinach, zeigte, wiedas in der Forschung gewonnene Wissenüber die Charakteristik von Abflussprozessenbei Starkregen eine detaillierteKartierung von klein- und mesoskaligenEinzugsgebieten ermöglicht. Dazu erörterteer, wie diese flächendifferenzierteBetrachtung der Abflussprozesse alsGrundlage für Niederschlags- und Abflussmodelleverwendet werden kann.Scherrer zeigte auch, wann Landnutzungsänderungenund dezentrale Schutzmassnahmenfür den Hochwasserschutzsinnvoll sind.Eine revolutionäre Idee kam von einemFirmeninhaber aus Zürich: Abfluss- undGeschwindigkeitsmessungen können lautBeat Lüthi auch sehr einfach mit Kamerasund einer geeigneten Software durchgeführtwerden. Mehr zu diesem Projekt istim Artikel auf Seite 15 zu lesen.duktion um 10 Prozent vorsieht, undmeinte: «Das liegt am absolut oberen Randdes Denk- und Machbaren!» Trotzdemglaubt Pfammatter an die zentrale Rolleder neuen Energiestrategie – auch für dieWasserkraft. Der Blick auf die Jahresproduktiongreife allerdings zu kurz. Diegrosse Stärke der Wasserkraftwerke sei derenhohe Flexibilität, Strom genau dannzu produzieren, wenn er gebraucht werde.«Die Wasserkraft», proklamierte RogerPfammatter zum Schluss, «ist der energiepolitischeTrumpf des Alpenraums.»Weitere InformationenDer Tagungsband, Vorträge und Bilder zum«Tag der Hydrologie» sind zu finden unterhttp://chy.scnatweb.ch/d/Service/tdh13.php.Tage der offenen MessstationenDas Bundesamt für Umwelt BAFU lädtdie Bevölkerung dazu ein, mehr überdie Hydrometrie zu erfahren. Von Maibis Oktober 2013 führt das BAFU an17 Messstationen einen Tag der offenenTür durch und bietet interessiertenAnwohnerinnen und Anwohnern dieGelegenheit, Einblick in die Arbeiten derHydrologinnen und Hydrologen im Feld zuerhalten.Daten und Veranstaltungsorte:www.bafu.admin.ch/hydrometrie2013-ddies und das | communications diverses32Zukunft der WassernutzungAuch in den Keynote-Referaten kam einVertreter der hydrologischen Praxis zuWort. «Gute hydrologische Grundlagensind das A und O der Wasserkraftnutzung»,stellte Roger Pfammatter, Geschäftsführerdes Schweizer WasserwirtschaftsverbandesSWV zu Beginn seinerAusführungen klar. Danach äusserste ersich zu der von der Schweizerischen Regierungbeschlossenen Energiewende, die einenAusbau der hydroelektrischen Pro­Edith OosenbrugBundesamt für Umwelt BAFU, BernAbteilung Hydrologieedith.oosenbrug@bafu.admin.chwww.bafu.admin.ch/hydrologieKaspar MeuliUniversität BernOeschger-Zentrum für Klimaforschungkaspar.meuli@oeschger.unibe.chwww.oeschger.unibe.chwww.nccr-climate.unibe.ch


aus der Landesgeologie | nouvelles du service Géologique national - swisstopoGeologie auf dem SmartphoneDank der «Swiss Map Mobile»-App steht die Schweizer Landeskarte allen interessiertenSmartphonebesitzern jederzeit zur Verfügung – auch dann, wenn kein Internet verfügbarist. Mit dieser App können Routen geplant oder Standorte erkannt werden.La géologie sur smartphoneLes possesseurs de smartphone bénéficient déjà de l’application Swiss Map Mobile deswisstopo, et ceci même dans les zones non couvertes par internet. Celle-ci permet deplanifier un itinéraire ou de situer une position.Eva MatzenauerWelche geologischen Einheiten befindensich unter der Oberfläche? Die GeologischeKarte der Schweiz im Massstab 1:500‘000mit einer dynamischen Legende beantwortetdiese und viele weitere Fragen. Berührtman eine bestimmte Stelle auf derKarte, so erhält man sofort Auskunft zumAlter der Gesteine, zum Gesteinstyp undzur tektonischen Stellung.Wie sah die Schweiz während der letztenEiszeit aus? Wo lagen die Gletscher? WelcheGebiete waren eisfrei? Die App kenntauch diese Antworten, ebenfalls in Formeiner Karte, welche die aktuellsten Erkenntnisseüber die Gletscherausdehnungdes letzteiszeitlichen Maximums (LGM) illustriert.Die Karte kann über die topographischeoder die geologische Karte stufenloseingeblendet werden. Die Daten sindsowohl für iPhones als auch für iPads erhältlichund werden ab Sommer 2013auch für Android-Geräte verfügbar sein.Geologie entdecken und erlebenMit Hilfe der «Ansicht» lassen sich verschiedenegeologische Datenebenen aktivierenund sowohl auf der geologischen als auchauf der topografischen Basiskarte anzeigen.Für Laien sind die «geologischen Wanderwege»und die «GeoSites» besondersVous souhaitez connaître les caractéristiquesgéologiques d’un lieu ? La carte géologiquede la Suisse à l’échelle 1:500 000, avec unelégende dynamique, répond à cette questionet à bien d’autres. Un clic sur la carte à l’endroitqui vous intéresse donnera des renseignementssur la nature des roches, leur âgeet leur position tectonique.A quoi ressemblait la Suisse lors de la dernièreglaciation ? Où se situaient les glaciers? Quelles régions étaient libres de glace? L’application répond également à ces questionsavec une carte, qui illustre les connaissancesles plus récentes sur l’extension desglaciers durant le dernier maximum glaciaire(LGM). Cette carte peut se superposeraussi bien sur le fond topographique que surla carte géologique. Ces données sont déjàdisponibles sur iPhone et iPad et elles le serontdès l’été 2013 sur les appareils utilisantAndroid.Découvrir et expérimenter la géologieA l’aide de l’onglet «Montrer», vous pouvezactiver différents niveaux de données géologiques,autant sur les fonds topographiqueque géologique. Pour le profane, les «sentiersgéologiques» et les «GéoSites» sont particulièrementintéressants. Un choix d’excursionsgéologiques invite à découvrir unAus der Landesgeologie | nouvelles du service géologique national - swisstopo33


iPhone-Screenshot: Ausschnitt eines geologischen Profilschnittes. | Capture d’écran iPhone : Extrait d’une coupegéologique. (Bild: swisstopo)Aus der Landesgeologie | nouvelles du service géologique national - swisstopo34spannend. Eine Auswahl an geologischenWanderwegen lädt zu einer Entdeckungsreisein eine Welt ein, die gewöhnlichenWanderern oft verborgen bleibt. Die Wegeweisen auf die unterschiedlichen geologischenZusammenhänge einer Region hinund erklären die Herkunft der Gesteinesowie deren Entstehung. Die Routen dergeologischen Wanderwege können auchals «Tracks» heruntergeladen und angezeigtwerden. Unter den «GeoSites» sindspannende Sehenswürdigkeiten aus demGeobereich zusammengefasst – beispielsweiseGeotope von nationaler Bedeutungsowie die meisten «GeoEvents» des Festivals«Erlebnis Geologie».Auch Bauwerke können analysiert werden:Die Datenebene «Steine an historischen Bauwerken»verfügt über eine Sammlung vonrund 14’000 historischen Gebäuden undSkulpturen mit Angaben zur Gesteinsartund -herkunft. Die Informationen basierenhauptsächlich auf der Karteikartensammlungvon Professor Francis de Quervain.Rohstoffe in der SchweizDie Schweiz hat sich keinen grossen Namenmit landeseigenen Rohstoffen gemacht.monde relativement peu connu des randonneurs.Ces sentiers donnent un aperçu de lagéologie d’une région et fournissent des explicationssur l'origine et l’histoire desroches rencontrées. Les itinéraires peuventégalement être téléchargés et visualisés sousforme de «Tracks».Sous l’appellation «GéoSites», sont regroupéesde merveilleuses curiosités géologiques− par exemple les géotopes d'importancenationale ainsi que la majorité des« Geo Events » du festival «Géologie Vivante».Des renseignements sur la nature des rochesemployées dans les monuments historiquessont aussi disponibles. La banque de données«Pierres des monuments historiques»représente environ 14'000 fiches sur lesroches utilisées pour la construction et lasculpture en Suisse. Elle est essentiellementbasée sur le catalogue établi par Francis deQuervain (1954-1983).Matières premières en SuisseLa Suisse n’étant pas particulièrementconnue pour ses matières premières, il estdonc très étonnant de trouver de nombreuxrenseignements sur ce thème. En effet, il estimpressionnant de découvrir les matières


Umso mehr erstaunen die zahlreichen Informationenzum Thema: Es wird eindrücklichgezeigt, welche Rohstoffe in derSchweiz bereits abgebaut wurden und wasfür Erze und Elemente auffindbar sind.Die Datenebene «Grössere Kiesgruben»zeigt die wichtigsten Schweizer Kiesabbaustellender 90er-Jahre. Kies und Sandstellen volumenmässig die wichtigsteGruppe der nutzbaren Gesteine derSchweiz dar.Zurzeit wird hierzulande sehr wenig Bergbaubetrieben – das Interesse an der Geschichtedieser Tätigkeit ist aber gross. DieDatenebene «Historischer Bergbau» zeigtdie grossen Abbaustellen an. Dazu werdendie aktuellen Produktionsanlagen der Zement-und Gipsindustrie dargestellt. Auchfinden sich Ziegeleien, welche Gesteinsmaterialaus meist nahe gelegenen Steinbrüchenverarbeiten.AusblickDie zur Verfügung stehenden geologischenDaten der App werden sich mitder nächsten Version weiter vergrössern.Ab Sommer 2013 werden geologische360-Grad-Panoramen und Profilschnitteangezeigt. Diese interaktiven Panoramenwerden für ausgewählte, geologisch interessanteStandorte realisiert. Unter Verwendungvon Kompass und Lagesensorenkönnen die geologischen Formationen vorOrt dargestellt werden. Das Angebot angeo logischen Panoramen und Profilschnittensoll laufend ausgebaut werden.175 Jahre swisstopo – ExkursionenWussten Sie, dass swisstopo noch bis imSeptember 2013 für die Öffentlichkeit eineReihe von kostenlosen, geführten, thematischenExkursionen durchführt?Informationen und Anmeldungen:www.swisstopo.ch/175premières autrefois exploitées en Suisse etles variétés de minerais et de minéraux déjàdécouvertes.La banque de données « Gravières de grandesdimensions » comprend les plus importantesgravières actives en Suisse lors des années1990. En termes de volumes extraits, les gravierset sables représentent le groupe le plusimportant de roches utilisables en Suisse.Si pour des raisons économiques, il n'y a pratiquementplus aujourd'hui d’exploitationminière active dans le pays, l’histoire decette activité est d’un grand intérêt. Labanque de données «Mines historiques» regroupeles plus grandes exploitations quifurent jadis en activité. En revanche, l’onglet«Matières premières : industries» montre lessites de production actuels de l'industrie duciment et du plâtre ainsi que les briqueteries,qui traitent la plupart du temps le matérielrocheux extrait de carrières avoisinantes.PerspectivesLes prochaines versions de l’applicationSwiss Map Mobile étofferont l’offre des donnéesgéologiques. Dès l’été 2013, les utilisateursauront la possibilité de découvrir despanoramas géologiques à 360° ainsi que descoupes géologiques. Ces panoramas interactifssont réalisés à des endroits stratégiquesdu point de vue géologique. Sur place, grâceà l’utilisation de la boussole et du détecteurde position, les formations géologiques apparaîtrontdevant le paysage réel. De nouveauxpanoramas et coupes alimenterontrégulièrement l’offre existante.175 ans swisstopo – excursionsSavez-vous que swisstopo propose à lapopulation, à l’occasion de ses 175 ans, unesérie d’excursions thématiques guidées gratuitesde mai à septembre ?Informations et inscriptions:www.swisstopo.ch/175Aus der Landesgeologie | nouvelles du service géologique national - swisstopo35


Wenn die Umweltbilanzvon Gesteinen ins Wackeln gerätWas sich im Laufe der Erdgeschichte durch natürliche geologischeProzesse gebildet hat und erneuerungsfähig ist, kann nicht schädlichsein – würde man vordergründig meinen. Die Bewirtschaftung dermineralischen Rohstoffe ist manchmal aber alles andere als sauber.sabine SchwienbacherSchweizer Geologenverband | Association suisse des géologues36Die Fachtagung «Clean stones for Cleantech»(siehe Kasten am Artikelende) hatgezeigt, dass bezüglich einer nachhaltigenBeschaffung, Verwendung und Verwertungvon Gesteinen noch sehr viel Spielraumvorhanden ist. Referenten aus denunterschiedlichsten Bereichen präsentierten,was in ihrem Fachbereich diesbezüglichläuft. Rainer Kündig machte denEinstieg. Der Leiter der SchweizerischenGeotechnischen Kommission (SGTK) undDozent der ETH Zürich im Departementder Erdwissenschaften zeigte auf, dass dieÖkobilanz eines Gesteinsproduktes nichtimmer ganz «sauber» ist.Laut Kündig treten in der Natursteinindustrieimmer mehr so genannte «engineeredstones» auf. Dabei handelt es sichmeistens um optimierte Materialien wiebeispielsweise dünne, mit Karbonfasernverstärkte Natursteine oder Quarz-Komposit gesteine, die aus verschiedenenQuarzfraktionen und Harz zusammengefügtund damit zu einem Verbundwerkstoffwurden. «Ein solches Produktist unter Umständen bei der Entsorgungselbst oder aber durch Wiederverwertungs-und Recycling prozesse nicht mehrsauber», erklärt der Geotechniker, dennbei unsachgemässem Rückbau könne eszur Konta mination von ansonsten «sauber»separierbaren Materialien kommen.Es gibt laut Kündig viele Beispiele, die be­weisen, dass bei neuen Anwendungenverschiedenste Aspekte berücksichtigtwerden müssen: Bei Neu- oder Umbautenwerden beispiels weise immer häufigertransluzente Wände oder hauchdünn geschnitteneund auf Glas montierte Natursteineeingesetzt. Dabei entstehen oftsehr funktionelle und ästhetisch ansprechendeResultate. Dennoch gibt’s dabeieiniges zu beachten: So ist beispielsweiseder gewählte Verbundsstoff von entscheidenderBedeutung. Auch bei der Verwendungvon Natursteinen ist in ganz seltenenFällen Vorsicht geboten: Fällt dieWahl auf solche, die einen erhöhten Gehaltan radiogenen Spurenelementenaufweisen, so ist es möglich, dass sich dieRadon werte, meist in Kombination miteiner ungeschickten Raumaufteilung,kummulieren. «Das Vorgehen muss deshalbimmer gut durchdacht sein. Die Mechanismensind komplex und auch fürFach personen ist es nicht immer einfach,alle Wechselwirkungen mit einzubeziehen»,meint Kündig.Im «Urban mining» werden Städte alsRohstofflager betrachtet. Neben dem Materialwertvon Gebäuden und Infrastrukturgeht es um das Rohstoffpotenzial ausAbfällen. Vielversprechende Ideen undneue Konzepte in diesem Bereich sind amboomen. «Wichtig ist aber auch, was danachkommt», erklärt Kündig und meint


damit, dass man das Verhalten der Recyclingmaterialiensowie Erhöhungen derSchadstoffkonzentrationen durch mehrfacheRecyclingprozesse beobachten muss.Der Geotechniker schliesst mit einem Lächelnauf dem Gesicht ab: «Ein spannendesForschungsfeld! Schön, dassSteine – in mehrfacher Hinsicht – meistensdoch eine saubere Sache bleiben».Steine aus StrassensammlerschlammAuch in der Abwassertechnologie geht esletztendlich um saubere Steine. MarcelBollinger ist Geschäftsführer der «Bollinger+ Co. AG» und erklärt das aktuelle Vorgehenbeim Kanalunterhalt. «Früher wurdedas beim Kanalunterhalt anfallendeMaterial deponiert. Das ist aus ökologischenGründen nicht mehr erlaubt. Heu­te muss alles sauber entsorgt oder aufbereitetwerden», erläutert der Abwassertechnologe.Wischgut und Strassensammlerschlammwerden heute in speziellenRecyclinganlagen aufgetrennt. Anschliessendwerden die verschiedenen Komponentenwie beispielsweise Kiessandgemischvon 0.4 bis 2.5 Zentimeter, organischesMaterial wie Laub oder Holz,Steine, deren Durchmesser grösser als 2.5Zentimter beträgt, und Feinschlamm (


für nachhaltige Abfall- und Ressourcennutzung(ZAR). Aus der Verbrennung vonAbfall entstehe Wärme – nebst denEmissio nen und Rückständen (Schlackeund Filterasche), erläutert Ardia. «Aus einerTonne Abfall kann gleich viel Energiegewonnen werden wie aus 300 LiternHeizöl», so Ardia. Da die Emissionendurch Rauchgasreiniger relativ geringsind, ist diese Form der Energiegewinnungeinzigartig. Auch Schlacke ist lautArdia kein Abfallprodukt, denn aus ihrwerden die Metalle zurück gewonnen.«Erfolgt der Schlackenaustrag trocken, soist die Metallrückgewinnung sehr effizient.Anhand dieser Methode können dieverschiedensten Metalle in den Stoffkreislaufzurückgeführt werden – unteranderem auch Gold», meint die Projektleiterinbegeistert.Ein Label für den BergbauAuch in der Rohstoff- und Bergbauindustriegeht es laut Rainer Kündig nichtimmer ganz sauber zu und her, was dievermehrt auftauchenden kritischen Presseberichtezeigen: «Es ist deshalb sehrwichtig, dass gerade auch hier Richtlinienzur Einhaltung ethischer, sozialerund umweltspezifischer Standards aufgestelltund eingehalten werden; beispielsweisein Form von Labels wie «Fair Mined»,«Win-Win» oder «Xertifix» im Natursteinsektor.Schön wäre es, wenn diesebald schon dieselbe Bekannt heit wie diverse«Fair Trade»-Labels aus anderenBranchen erhalten würden.»Für Kündig eigentlich eine Selbstverständlichkeit,wenn man bedenkt, dassdie Menschheit seit dem zweiten Weltkriegmehr Rohstoffe verbraucht hat alsin der gesamten Zeit davor. Dennoch, dieseProjekte stecken laut Kündig grösstenteilsnoch in den Kinderschuhen. Es tutsich aber etwas: Sowohl auf unternehmerischerwie auch auf politischer und gesellschaftlicherEbene existieren immermehr nationale und internationale Pro­Schweizer Geologenverband | Association suisse des géologues38Randsteine aus China: Qualität, Preis und Produktion weichen leicht von Tessiner Randsteinen ab.(Foto: Rainer Kündig)


gramme und Initiativen, welche eine erhöhteTransparenz bei der Rohstoffgewinnungund im Handel anstreben, weissKündig.Bekanntes aus veränderter PerspektiveDie Fachtagung mit dem Titel «Cleanstones for Cleantech» des CHGEOL fandim Rahmen der «Cleantec City»-Messe derBern expo statt. Diese will Geologen dazuanregen, die Ressourcenbewirtschaftungminera lischer Rohstoffe aus einer anderen,teilweise ungewohnten, Perspektivezu betrachten. Durch die so entstandeneneue Wahrnehmung sollen aktuelle Forschungsprojekteund Anwendungen entwickeltwerden.Sabine SchwienbacherSchweizer Geologenverband CHGEOLs.schwienbacher@gmail.comDie Generalversammlung des CHGEOLDie 15. Generalversammlung (GV) des Schwei -ze rischen Geologenverbandes CHGEOLfand im Rahmen der Fachtagung «Cleanstones for Cleantech» statt. Die wichtigstenInformationen aus der GV:Der CHGEOL hat im vergangenen Jahr dieBroschüre «Empfehlungen des SchweizerGeologenverbands CHGEOL zur Harmonisierungvon Verfügungshoheit, Sach herrschaftund Nutzungsvorschriften» in deutscherund französischer Sprache herausgegeben.Damit leistet der Verband einen konstruktivenBeitrag zum Harmo nisierungsprozessder schweizerischen BergregalundWasserrechtsordnung. Dazu hat derVerband Stellung zu diversen Themen derGeologie-Branche bezogen: Der Verbandlehnt ein obligatori sches Berufspraktikumfür Studierende der Erdwissenschaften ab.Daneben ist der CHGEOL der Auffassung,dass der Gesetzesentwurf zur parlamentarischenInitiative Fournier (09.477 Haftungder Unternehmen für die Kosten derAltlastensanierung) nicht alle der im Katasterder belasteten Standorte (KbS BAV) eingetragenenPositionen umfassen soll, sondernnur die als sanierungsbedürftig klassiertenStellen. Im kommenden Jahr führt derCHGEOL erneut eine Lohnerhebung durch.Zusätzlich zu den Löhnen sollen Kennzahlenzur Produktivität, zu den Gemeinkostenfaktoren,zum Hono rar umsatz pro Vollzeitstelleund zur Arbeitskostenquote aufgezeigtwerden. Bei der Vorstandswahl kam es zuVeränderungen: Drei neue Personen wurdengewählt, der aktuelle Vorstand setztsich aus dem Präsident Georg Schaeren,Ulrich Burchard, Donat Fulda, ChristophHaemmig, Peter Hartmann, Olivier Lateltin,Alessio Menegatti, Franziska Nyffenegger,Simon Roth, Michael Schnellmann undAndreas Teuscher zusammen.Zurückgetretensind Mikaël Hänni, Pierre Christe,Marc Hauser, Daniel Szepessy und AndreasKühni.Schweizer Geologenverband | Association suisse des géologues39


lick in den Berufsalltag | le métier au quotidien«Die Konfrontation mit der Unberechenbarkeitvon Naturgefahren ist mein tägliches Brot »Daniel Tobler beschäftigt sich mit Naturgefahren. Dabei geht es um deren Entstehung,Ablauf und um die Evaluation von Schutzmassnahmen. Seine intensivsten und lehrreichstenStunden erlebte der Geologe im Feld. Eins ist dadurch sicher: Der GEOTEST-Mitarbeiter wird den Respekt vor der Natur nie verlieren.Geosciences Actuel: Was sind Ihre beruflichenStationen?Daniel Tobler: Nach einem kurzweiligenGeologie-Studium an der ETH Zürich mitabschliessender Diplomarbeit im Auslandwollte ich weg von der Hochschule.Ich stieg bei der GEOTEST AG in die Praxisein, wo ich noch heute mit viel Elanund «feu sacré» im Einsatz stehe.Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?Ein Bürotag sieht wohl bei diversen Geowissenschaftlernähnlich aus: Seit es Computergibt, unterstützen uns diese bei unseren«in-house»-Tätigkeiten − von morgens bisabends. Ich beurteile dabei hauptsächlichMassenbewegungsprozesse. Grundlagenfür diese Analysen bilden Modellierungen,verschiedene Geodaten, vorhandene Gutachtenund die eigenen Feldaufnahmen.Eine geschickte Aufteilung zwischen FeldundBüroarbeit bringt viel Abwechslung inmeinen Alltag.Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit ammeisten Spass?Als Naturgefahrenspezialist wird mantäglich mit neuen, spannenden Fragestellungenkonfrontiert. Die Feldarbeitbildet einen ausgezeichneten Ausgleichzu den Bürostunden.Blick in den berufsalltag | Le métier au quotidien40Gibt es etwas, das Ihre Arbeit einzigartigmacht?Naturgewalten faszinieren die Menschenseit Jahrtausenden. Die Auseinandersetzungmit verschiedenen Naturgefahrenführt mir deren Schönheit, aber auch derenUnberechenbarkeit immer wieder vonNeuem vor die Augen. Den sich abspielendenProzessen muss deshalb mit Respektbegegnet werden – nur so könnensie richtig eingeschätzt werden.Sind Sie speziell für Ihre Arbeit ausgebildet?Der Umgang mit Naturgefahren sowieTätigkeiten im komplexen Umfeld desintegralen Risikomanagementes könnenan der Hochschule nur ansatzweise vermitteltwerden. Wichtig sind persönlicheErfahrungen und spezifische Weiterbil­


dungen in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern.Diese sind nicht nur horizonterweiternd,sondern auch unerlässlich fürden persönlichen Fortschritt.Was ist das Schönste, das Ihnen imBerufs leben widerfahren ist?Das ist schwer zu beantworten. Ich erinneremich an viele schöne Ereignisse. Dieeindrücklichsten, schönsten und auchlehrreichsten Momente entstanden währendder Beobachtung von Ereignissen inder Natur. Beobachtet man den Ablaufgrosser Massenbewegungsprozesse oderHochwassersituationen «live» und vorOrt, so wird man nicht nur mit den Auswirkungenund Intensitäten der Prozessekonfrontiert, sondern behält auch dennotwendigen Respekt vor der Natur.Haben Sie einen beruflichen Traum?Da halte ich mich an Vicor Hugo: «EinTraum ist unerlässlich, wenn man dieZukunft gestalten will. Sprich ihn aberniemals aus!»Daniel ToblerGEOTEST AGdaniel.tobler@geotest.chWann stehen Sie morgens auf?Sehr früh.Was tun Sie, bevor Sie zur Arbeit fahren?Frühstücken.Fahren Sie mit dem Velo oder mit dem Auto zur Arbeit?Unterschiedlich.Was machen Sie als erstes, wenn Sie morgens ins Büro kommen?Den Computer aufstarten und E-Mails beantworten.Schoggigipfel oder Apfel zum Znüni?Nie ohne meinen Kaffee.Schreibtisch oder Feldarbeit?Feld bei Sonnenschein, Schreibtisch bei Regen.Was war ihr Bubentraum?Ich wollte Urwaldforscher werden.Blick in den berufsalltag | Le métier au quotidien41


veranstaltungen | calendrier des manifestations11th Swiss Geoscience Meeting: Cyclesand Events in the Earth SystemThe Faculty of Geosciences and Environment of the University of Lausanne, the«Musée Cantonal de Géologie», as well as the Swiss Academy of Sciences (SCNAT) cordiallyinvite you to participate in the 11 th Swiss Geoscience Meeting to be held on 15 thand 16 th November 2013 in Lausanne.The SGM12 organizing committeeveranstaltungen | calendrier des manifestationsThe theme of the 11 th Swiss GeoscienceMeeting is «Cycles and Events in the EarthSystem». On friday, 15 november 2013,five invited speakers will illustrate theimportance of stochastic events and recurrentmechanisms in shaping andchanging the Earth and its biosphere.Kurt Konhauser of the University of Albertawill speak on the importance of biogeochemicalcycles during the Precambrianand its impact on the evolution of theatmosphere and biosphere; Angela Coeof the Open University will discuss theimportance of global oceanic anoxia duringEarth's history and their impact on lifeand the environment; Oliver Korup ofthe University of Potsdam is going to presentevents and cycles in the Earth's sedimentrouting systems; Bruce Yardleyfrom the University of Leeds will give hispresentation on the changing nature ofcrustal processes and the role of fluidsthrough orogenic cycles; Peter Kelemenfrom Columbia University will addressissues pertaining to CO 2 capture and storagein the Earth's lower crust andmantle.On saturday 16 november 2013, a serieof 27 scientific symposia will cover thebroad spectrum of current research in geoscience(see next page).The SGM also provides the ideal environmentto foster informal contacts and discussionamong scientists, in particularduring the Swiss Geoscience Party on Fridayevening but also at the poster sessionsin the main hall of the venue on Saturday.Deadline for abstract submission is 31August 2013. Depending on the numberand subject of abstracts submitted, proposedsessions may be merged or new onescreated. Abstracts will be initiallya ssigned to the session indicated by theauthors at the time of abstract submission.Abstracts should be submittedelectronically following the instructionson the SGM2013 website.Deadline for registration is Friday 11October 2013. Registration should preferablybe done electronically followingthe instructions on the SGM2013 website.Registration fee is CHF 55.00 (CHF 35.00for students /PhD students). An extra CHF20.00 will be charged for the GeoscienceParty (CHF 15.00 for students). Onsite registrationswill be charged an extra CHF20.00.Detailed information:www.geoscience-meeting.scnatweb.ch/sgm201342


Symposia at the 11 th Swiss Geoscience MeetingWe invite you to submit abstracts for oral presentations or posters addressing the following subjects:1. Structural Geology, Tectonics and Geodynamics2. Mineralogy, Petrology, Geochemistry3. Low-Temperature Isotope Geochemistry4. Cycles and Events in Earth History5. Alpine Geology6. Stratigraphy in Switzerland − new data and developments7. Palaeontology8.Fossils and plate tectonic events: Oceanic and continental gateways,landbridges and the dispersal of biota9. Environmental Biogeosciences10. Biogeochemical cycles in a changing environment11. Geophysics and Rockphysics12. Shale-Gas, CO 2 Storage and Deep Geothermal Energy13. Atmospheric predictability, phenology and seasonality14. Cryospheric Sciences15. Greenhouse Gases: Linkages between Biosphere and Climate16. Phanerozoic Ocean and Climate History17. Computational GIScience18. Geoscience and Geoinformation − From data acquisition to modelling and visualisation19. Earth System Science related Earth Observation20.Quaternary environments: landscapes, climate, ecosystems, human activityduring the past 2.6 million years21. Scientific challenges for geoheritage conservation and promotion in Switzerland22. Geoscience Education in Museums and Exhibitions23. Symposium in Human Geography24. Sustainable Water Management – Scientific Findings from recent research25.Limnological and hydro(geo)logical advances for mid-sized lakesas a water resource for the next century26. Geomorphology27.Fluxes of water, sediment and dissolved substances in geomorphologicallyactive/changing environmentsveranstaltungen | calendrier des manifestations43


veranstaltungen | calendrier des manifestations44CAS DEEGEOSYS –Exploration andDevelopment of DeepGeothermal Systems2 nd Edition 2013 -2014, NeuchâtelIn Switzerland and Europe, the numberof specialists in deep geothermal systemsis very limited. This Certificate of AdvancedStudies (CAS DEEGEOSYS) is dedicatedto train scientists and engineers inseveral fields of applied geothermics.They will be capable of organizing andleading exploration and developmentprojects of deep geothermal resources(deep aquifers and Enhanced GeothermalSystems).The CAS DEEGEOSYS includes four oneweeklong modules separated by a twomonthbreak. Each module covers aspecific topic: Geothermics and Geophysics,Geochemistry and Hydrochemistry,Drilling and Logging, Reservoir Evaluationand Production. The modules includecourses given in English by internationalexperts, exercises, visits of geothermal installationsand exams. At the end of thecourse, the participants will be requiredto write a technical report. The CAS DEE­GEOSYS totalizes 10 ECTS: 2 ECTS per moduleand 2 ECTS for the technical report.Participants:Earth scientists (geologists, geophysicists,hydrogeologists, geochemists), ci vil orenergy engineers, having a M.Sc. or anequivalent degree.More information:www.unine.ch/focoCoordinator: Dr. François-D. Vuatazfrancois.vuataz@unine.chrecharge.green –balancing Alpineenergy and nature12. – 13. November 2013, BrigDie Alpen haben ein grosses Potenzial fürdie Nutzung von erneuerbaren Energien.Dadurch nimmt der Druck auf die Naturzu. Wie viel Energie wird derzeit aus Wasser-und Windkraft, aus Biomasse undüber solare Systeme gewonnen? Wie vielwäre theoretisch möglich und welchesAusmass der Nutzung erneuerbarer Energienist vertretbar? Die Partner des Projektsrecharge.green stellen sie ihre erstenErgebnisse im Rahmen der internationalen Tagung in Brig vor.Weitere Informationen:www.recharge-green.eu


Ausstellungen | ExpositionsDie Erde im Visier – Beobachtungen des SystemsErde aus dem WeltraumGuelb er Richat, Maur Adrar-Wüste (Mauretanien): Über die Entstehung dieserim Durchmesser rund 45 Kilometer messenden Struktur wird bis heute gerätselt.(Quelle: USGS EROS Data Center)10. Juni 2013 – 23. Februar 2014,focusTerra, ETH ZürichNur wenigen ist eine Reise ins All vergönnt.Doch durch Satellitenaufnahmen,die in eindrücklicher Weise die Vielfaltund Farbenpracht unseres Planeten zeigen,können wir alle an der Schönheitund Faszination der Erde von oben teilhaben.Es ist nicht nur der ästhetische Aspekt,der interessiert. Die von Satelliten aufgenommenenMessdaten und Bilder werdenvon Forschungsinstituten, Behördenund Firmen für unterschiedlichste Fragestellungeneingesetzt – zur Wettervorhersage,zur Untersuchung vonMeeres strömungen, bei der Suche nachRohstoffen, beim Verfolgen klimatischerVeränderungen, zur Untersuchung desErdinneren und beim Betrieb von Frühwarnsystemenfür Naturgefahren.FocusTerra zeigt die Wanderausstellungdes Forschungs- und EntwicklungsprogrammsGEOTECHNOLOGIEN, die in fünfModulen einen Einblick in die neuestenMethoden und Erkenntnisse der Satellitenfernerkundunggewährt: Satellitenund Sensoren, Wetter und Klima, Naturund Umwelt, Rohstoffe und Bodenschätze,Erdinneres und Aussenansichten.Die Ausstellung wird von einer vielseitigenVortragsreihe begleitet (Winter2013/2014)Erdwissenschaftliches Forschungs- undInformationszentrum der ETH Zürich,Sonneggstrasse 5, 8092 Zürichwww.focusterra.ethz.chwww.die-erde-im-visier.deveranstaltungen | calendrier des manifestations45


Helvetia Club. Die Schweiz, die Berge und derSchweizer AlpenclubAletsch-Badi: Impressionen aus 2850 Metern über Meer?(Foto: Alpines Museum der Schweiz / Maja Gehrig)20. April 2013 – 30. März 2014veranstaltungen | calendrier des manifestations46Eine Schweiz ohne Berge ist so undenkbarwie eine Schweiz ohne SAC. Der­Schweizer Alpen-Club (SAC) zählt heuterund 140’000 Mitglieder. Aus dem elitärenVerein von 1863 ist der grösste Bergsportvereinder Schweiz geworden. DerSAC ist eine Schweiz im Kleinen: Lokalorganisiert, ehrenamtlich geführt, politischum Neutralität bemüht, wirtschaftlichvernetzt. Er fördert Leistungssportund Kultur, er organisiert Kletter- undRettungskurse, er spricht in vier Landessprachenund zählt seit 1980 auch dieFrauen wieder zu seinen Mitgliedern.Zum 150-jährigen Jubiläum des SAC verwandeltsich das Alpine Museum derSchweiz ALPS für ein knappes Jahr ineine Hütte, die mitten in der Stadt den«Helvetia Club» beherbergt. Der Aufstiegist ausnahmsweise flach, das Panoramadafür umso überraschender. Kaum einVerein verdient den Namen «HelvetiaClub» so wie der SAC. In seiner Vergangenheitund Gegenwart spiegelt sich dieKultur der politischen, wirtschaftlichenund gesellschaftlichen Schweiz von 150Jahren. Die Entscheidungen, Aktivitätenund internen Diskurse des Vereins gingenHand in Hand mit gesellschaftlichen Veränderungenund politischen Debattendes schweizerischen Bundesstaates. Dieserstaatstragende rote Faden des «HelvetiaClub» zieht sich durch die ganze Ausstellung.Alpines Museum der Schweiz,Helvetiaplatz 4, 3005 Bern.www.alpinesmuseum.ch


FLORA ACQUATICA – Wasser- und Sumpfpflazen inFreiburg und auf der ganzen WeltÄhriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum): Stellvertretend für viele Pflanzenwächst auch diese komplett unter Wasser. (Foto: Evelyne Kozlowski)20. April 2013 – 30. März 2014Die Ausstellung FLORA AQUATICA ist dieKrönung mehrjähriger wissenschaftlicherForschung und Feldarbeit des NaturhistorischenMuseums Freiburg. Das Ziel des2009 gestarteten Projekts, die Diversitätund Verbreitung von Wasser- und Sumpfpflanzenim Kanton Freiburg zu erfassenund Bedrohungen aufzuzeigen, welchenviele Arten ausgesetzt sind, wurde erreicht.Rund 75 der insgesamt 100 aquatischenPflanzenarten der Schweiz kommen imKanton Freiburg vor.Das Museum stellt nicht einfach die Wasser-und Sumpfpflanzen des Kantons Freiburgaus, sondern zeigt sie auf innovativeund erstaunliche Weise in ihrer natürlichenUmgebung. Sechs ganz neue, selbstproduzierte Dokumentar-Kurzfilme erklärenihre Diversität – die unglaubliche floristischeVielfalt, die sich deshalb entwi­ckeln konnte, weil es im Kanton Freiburgeinerseits grosse Seen (Neuenburgersee,Murtensee), auf dem Plateau und in denVoralpen aber auch viele andere aquatischeLebensräume (Flüsse, Bäche, Tümpel,Teiche, Sümpfe, Quellzonen etc.) gibt.Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellungbildet die Darstellung der teils verwunderlichenOrgane und Wachstumsformen,mit welchen sich Wasserpflanzenan ihre Umgebung angepasst haben. Nichtviele Arten haben das geschafft – und nurganz wenige unter ihnen können vollständigunter Wasser leben.Naturhistorisches Museum Freiburg,Chemin du Musée 6, 1700 Freiburgwww.fr.ch/mhnveranstaltungen | calendrier des manifestations47


Neuerscheinungen | nouvelles publicationsKieselkalke der SchweizChristoph Bärtschi (2012): Kieselkalke der Schweiz: Charakterisierung eines Rohstoffsaus geologischer, petrographischer, wirtschaftlicher und umweltrelevanter Sicht.Bezug: www.toposhop.admin.ch (http://goo.gl/FjdFk)160 Seiten, Preis (gedruckte Version): CHF 40.00ISBN 978-3-302-40069-3zunehmend Konflikte bei der Suche nachgeeigneten Standorten für neue Hartsteinbrüchebzw. der Erweiterung bestehenderBrüche.neuerscheinungen | nouvelles publications48Hartsteine wie beispielsweise der Kieselkalksind für den Bau und den Unterhaltder schweizerischen Verkehrsinfrastrukturenzentral. Doch qualitativ hochwertigeHartsteinvorkommen sind stark begrenzt;in der Schweiz etwa auf ein schmalesBand am Alpenrand zwischen BodenundGenfersee, wo gegenwärtig an knappeinem Dutzend Standorten Hartsteine abgebautwerden. Aufgrund von NutzungsundSchutzansprüchen, die potenzielleAbbaugebiete überlagern, ergeben sichUm die Schweiz auch in Zukunft mit inländischenHartsteinen versorgen zu können,wurden vor einigen Jahren auf nationalerEbene Gespräche zwischen In dustrie,Behörden und Umweltverbänden aufgenommen.Im Rahmen dieser Verhandlungenzur Versorgung der Schweiz mitHartsteinen entstand an der ETH Zürichunter Leitung der Schweizerischen GeotechnischenKommission (SGTK) die Dissertationvon Christoph Bärtschi, die denKieselkalk – als wichtigsten Vertreter derHartsteine – aus wissenschaftlicher, wirtschaftlicherund umweltrelevanter Sichtweisebetrachtet.


La minéralogie de l’uranium au massif desAiguilles RougesNicolas Meisser (2012): La minéralogie de l’uranium au massif des Aiguilles RougesBezug: www.toposhop.admin.ch (http://goo.gl/FjdFk)183 Seiten, Preis (gedruckte Version): CHF 40.00ISBN 978-3-302-40070-9supplémentaire d’importance qui se retrouvedans la même lignée de publicationque les travaux de géologues renomméssuisses déjà éditées sur ce thème.Nicolas Meisser a rendu sa thèse «la minéralogiede l’uranium dans le massif desAiguilles Rouges» en 2003 à l’institut deminéralogie et géochimie de l’universitéde Lausanne. En raison du thème traité letravail a été édité dans la publication ensérie «Matériaux pour la Géologie de laSuisse, Série géotechnique» de la Commissiongéotechnique suisse (SGTK). Lapublication retravaillée de Meisser complètela thématique du minerai uranifèredans la Série géotechnique par un apportLe travail se concentre sur les aspects minéralogiques,cristallographiques et géochimiquesdes minerais uranifères dumassif des Aiguilles Rouges (alpes occidentales)et lance un regard sur la chronologiquede formation des minerais uranifèresdurant les derniers 250 millionsd’années. L’autour tire en outre des parallèlesavec la thématique actuelle d’un sitede dépôt final de déchets radioactifs en ycomparant le tunnel de prospection issudes années 70 vers La Creusaz où des eauxacides et sulfatées dissolvent en grandequantité des métaux lourds et des actinides,les transportent et les précipitent ànouveau. C’est à cet endroit que l’auteura même découvert un nouveau minéral,formé par de tels fluides.En plus de l’analyse détaillée des roches,l’auteur a aussi pris à la loupe les plantesqui poussent sur les minerais uranifèresanalysés. Il a pu y découvrir des quantitésélevées d’uranium, de chrome, de cuivre etde titane. Les plantes pourraient donc êtreles candidats préférentiels pour une décontaminationéconomique et esthétique dessols pollués à l’aide de l’énergie solaire.neuerscheinungen | nouvelles publications49


Climate Forcing of Geological HazardsBill McGuire, Mark A. Maslin (2013): Climate Forcing of Geological Hazards.Hardcover, 326 pages, 93.00 EURISBN 978-0-470-65865-9available on: www.eu.wiley.comtions presented in the volume reinforcethe idea that a changing climate does notsimply involve the atmosphere and hydrosphere,but also elicits potentially hazardousresponses from the solid Earth, orgeosphere.Climate Forcing of Geological Hazards istargeted particularly at academics, graduatestudents and professionals with an interestin environmental change and naturalhazards. As such, we are hopeful that itwill encourage further investigation ofthose mechanisms by which contemporaryclimate change may drive potentiallyhazardous geological and geomorphologicalactivity, and of the future ramificationsfor society and economy.neuerscheinungen | nouvelles publications50Climate Forcing of Geological Hazards providesa valuable new insight into how climatechange is able to influence, modulateand trigger geological and geomorphologicalphenomena, such as earthquakes,tsunamis, volcanic eruptions andlandslides; ultimately increasing the riskof natural hazards in a warmer world. Takentogether, the chapters build a panoramaof a field of research that is only nowbecoming recognized as important in thecontext of the likely impacts and implicationsof anthropogenic climate change.The observations, analyses and interpreta­


Gesellschaften und Kommissionen der «Platform Geosciences»Commissions et sociétés de la «Platform Geosciences»Kommissionen | Commissions• Expertenkommission für Kryosphärenmessnetze | Commission d'experts réseau de mesures cryosphère |http://www.cryoshere.ch• Kommission für Phänologie und Saisonalität | Commission suisse pour la phénologie et la saisonalité | http://kps.scnat.ch• Kommission für die Schweiz. Paläontologischen Abhandlungen | Commission des Mémoires suisses de Paléontologie |christian.meyer@bs.ch• Schweiz. Geodätische Kommission | Commission suisse de géodésie | www.sgc.ethz.ch• Schweiz. Geologische Kommission | Commission géologique suisse | pfiffner@geo.unibe.ch• Schweiz. Geophysikalische Kommission | Commission suisse de géophysique | www.sgpk.ethz.ch• Schweiz. Geotechnische Kommission | Commission suisse de géotechnique | www.sgtk.ch• Schweiz. Hydrologische Kommission | Commission suisse d'hydrologie | http://chy.scnatweb.ch• Schweiz. Kommission für Atmosphärenchemie und -physik | Commission Chimie et Physique de l'Atmosphère |http://acp.scnat.ch• Schweiz. Kommission für Fernerkundung | Commission suisse de télédétection | www.geo.unizh.ch/skf• Schweiz. Kommission für Ozeanographie und Limnologie | Commission suisse pour l'océanographieet la limnologie | www.col.ch• Kommission für wissenschaftliche Speläologie | Commission de spéléologie scientifique | www.speleo.chFachgesellschaften | Sociétés scientifiques• Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz | Société suisse de pédologie | www.soil.ch• Schweiz. Akademische Gesellschaft für Umweltforschung und Ökologie | Société académique suissepour la recherche sur l'environnement et écologie | http://sagufv2.scnatweb.ch• Schweiz. Forstverein | Société forestière suisse | www.forstverein.ch• Schweiz. Geologische Gesellschaft | Société géologique suisse | www.geolsoc.ch• Schweiz. Geomorphologische Gesellschaft | Société suisse de géomorphologie | www.geomorphology.ch• Schweiz. Gesellschaft für Hydrogeologie | Société suisse d'hydrogéologie | www.hydrogeo.ch• Schweiz. Gesellschaft für Hydrologie und Limnologie | Société suisse d'hydrologie et de limnologie | www.sghl.ch• Schweiz. Gesellschaft für Meteorologie | Société suisse de météorologie | www.sgm.scnatweb.ch• Schweiz. Gesellschaft für Quartärforschung | Société suisse pour la recherche sur le Quaternaire | www.ch-quat.ch• Schweiz. Gesellschaft für Schnee, Eis und Permafrost | Société suisse de Neige, Glace et Pergélisol |http://snow-ice-permafrost.ch• Schweiz. Mineralogische und Petrographische Gesellschaft | Société suisse de minéralogie et de pétrographie |http://ssmp.scnatweb.ch• Schweiz. Paläontologische Gesellschaft | Société paléontologique suisse | http://sps.scnatweb.ch• Verband Geographie Schweiz | Association suisse de géographie | www.swissgeography.chInternational organisations• ISC (International Seismological Centre) | www.isc.ac.uk• IUGG (International Union of Geodesy and Geophysics) | www.iugg.org• IUGS (International Union of Geological Sciences) | www.iugs.org• IGBP | SCOPE (Scientific Committee on Problems of the Environment) | www.igbp.kva.se | www.icsu-scope.org• IGU (International Geographical Union) | www.igu-net.org• INQUA (International Union for Quaternary Research) | www.inqua.tcd.ie• IUS (International Union of Speleology) | www.uis-speleo.org• SCOR (Scientific Committee on Oceanic Research) | www.scor-int.org51


Kalender | Calendrier 20138. – 12.7.13 Davos Atmosphere and Cryosphere Assembly DACA-13, Konferenz zumThema «Air, Ice and Process Interactions», Davos. www.daca-13.org26. – 28.8.13 Isotopes of Carbon, Water and Geotracers in Paleoclimate Research,conference, Bern. www.oeschger.unibe.ch/events/conferences/isotopes/flyer.pdf27.8.13 Fachtagung 20 Jahre Altlasten im Kanton Zürich, Uni Zürich.www.awel.zh.ch/internet/baudirektion/awel30.8.13 5. Symposium Anpassung an den Klimawandel 2013: RegionaleHerausforderungen, Uni Bern.www.proclim.ch/4dcgi/proclim/en/Event?28302. – 14.9.13 «Deep Geothermal Energy», CAS in Applied Earth Sciences, ETH Zurich andExcursion to Iceland. www.ndk.ethz.ch10. – 12.10.13 Jahresfachtagung der CIPRA, «Wasser in den Alpen – Wasser aus den Alpen»,Brescia (It). www.cipra.org11. – 12.10.13 Probabilistic Modeling in Science and Philosophy, University of Bernwww.oeschger.unibe.ch/events/conferences/modeling15. – 16.11.13 11th Swiss Geoscience Meeting 2013, Cycles and Events in the Earth System,Uni Lausanne. www.geoscience-meeting.scnatweb.ch26.11.13 Internationaler Workshop zu Geomechanik und Energie, «The Ground asEnergy Source an Storage», EPFL Lausanne. www.eage.org/events26.11.13 Journée romande de la géothermie 2013, Yverdon-les-Bains.12. – 14.3.14 Kongressmesse für Naturgefahrenmanagement, acqua alta alpina,Messezentrum Salzburg (neue Halle 10). www.acqua-alta-alpina.atMelden Sie Ihre Veranstaltung an redaktion@geosciences.scnat.ch.Weitere Veranstaltungen sind im Webkalender unter www.geosciences.scnat.ch zu finden.Informez-nous sur votre manifestation à redaktion@geosciences.scnat.ch.Une liste plus exhaustive des manifestations se trouve dans le calendrier Web sous www.geosciences.scnat.ch.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine