fachhochschule dortmund - Dortmunder U

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fachhochschule dortmund - Dortmunder U

6Das Dortmunder U – einKunst- und Kulturzentrumfür das 21. JahrhundertDr. Andreas BroeckmannGründungsdirektorOben: Ausstellung E-Culture Fair 2010,Interactive Urban Projection,MediaLAB, Hogeschool van Amsterdam,Foto: © Hans Jürgen LandesMitte: Ausstellung TRUSTim Rahmen von ISEA2010 Ruhr,Seiko Mikami, Desire of Code,Foto: © Hans Jürgen LandesUnten: Ausstellung TRUSTim Rahmen von ISEA2010 Ruhr,Eröffnungsperformance,Antoine Chessex und ThomasAnkersmit, Diffusions / Acoustics,Foto: © Mark AnsorgIm denkmalgeschützten ehemaligen Gär- und Lagerhochhausder Dortmunder Union-Brauerei entstehtim Jahr der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010das »Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität«.In einer einzigartigen Mischung aus Kunst,Forschung, kultureller Bildung und Kreativwirtschaftrichten sich hier fortan Veranstaltungen, Ausstellungenund unterschiedlichste kulturelle Angebotean ein breites Publikum, dessen Partizipation imRahmen eines inklusiven Kulturkonzepts einen besonderenStellenwert einnimmt.Das Zentrum fußt auf einer Kooperation unterschiedlicherNutzer des U-Turm-Gebäudes: dem MuseumOstwall, dem Hartware MedienKunstVerein, demKulturbüro der Stadt Dortmund, der FachhochschuleDortmund, der Technischen Universität Dortmund,dem european centre for creative economy (ecce)und dem Verein Kino im U, der das RWE Forumbetreiben wird. Als Zentrum von internationalemFormat in Dortmund, der Metropole Ruhr undNordrhein-Westfalen ist es gleichermaßen Partnerfür regionale wie auch internationale Projekte.Das Gebäude war schon bei seiner Errichtung1926/27 durch den Architekten Emil Moog eines derimposantesten Gebäude im Ruhrgebiet und verkörpertedamals die Bedeutung der Dortmunder Unionals einer der führenden Brauereien in Europa sowieden Stellenwert, den die Brauwirtschaft zu dieserZeit in Dortmund gleichwertig neben Kohle und Stahleinnahm. Seit 1968 ist das vierseitige »U« von ErnstNeufert auf dem Dach des Turms ein Wahrzeichender Stadt, das die von fern Anreisenden grüßt – undNachtschwärmern Orientierung bietet. Heute ist dasDortmunder U mit dem Umbau durch Gerber Architektenfür die Stadt und die gesamte Metropole Ruhrein Symbol des Aufbruchs und des Strukturwandelsvom Ruhrgebiet der Schwerindustrie hin zu einerRegion, in der Forschung und Wissenschaft, Kreativitätund Kultur die wichtigsten Ressourcen darstellen.Die Zusammenstellung der Partner und die Verbindungihrer jeweiligen Arbeits- und Aufgabenprofilemarkieren die Programmatik des neuen DortmunderU: Das Museum Ostwall steht seit seiner Gründungnach dem Zweiten Weltkrieg für einen engagiertenund aufklärerischen Umgang mit der Kunst des20. und 21. Jahrhunderts, der Kunst und ästhetischePraxis im Zentrum der Gesellschaft und im Lebendes Individuums sieht. Der Hartware MedienKunst-Verein fördert und präsentiert mit seinen Ausstellungen,Symposien und Workshops seit 15 Jahren diekünstlerische Auseinandersetzung mit der Rolle vonMedien und Technologien in der heutigen Zeit. Schon1998 bewies Hartware darüber hinaus mit der PionierausstellungReservate der Sehnsucht, dass dasDortmunder U sich für die Präsentation von Gegenwartskunsthervorragend eignet.Die Technische Universität Dortmund bringt wissenschaftlicheKompetenz nicht nur im Bereich vonKunst und Didaktik ein, sondern auch aus Fakultätenwie den Wirtschaftswissenschaften oder der StadtundRaumplanung, die die Arbeit und die Diskurse imU verstärken werden. Die Fachhochschule Dortmundträgt zum Programm des U sowohl mit den kreativenResultaten aus Forschung und Lehre in ihrem FachbereichDesign bei, als auch mit einem neu zu gründendenForschungsinstitut für Bewegtbild-Studien.Letzteres wird ausgehend von den Filminstallationen,die Prof. Adolf Winkelmann für das U geschaffen hat,die praktische wie auch die wissenschaftlich-theoretischeAuseinandersetzung mit digitalen Bildern undmit Medienfassaden voranbringen. Im multifunktionalenVeranstaltungsraum des RWE Forums wird derVerein Kino im U ein anspruchsvolles Filmprogrammanbieten, das gerade durch die Verknüpfung mit Projektenund Programmen der anderen Institutioneneine verstärkende Wirkung für die Zusammenarbeitder Partner im U haben wird.Mit dem european centre for creative economy –ecce, das schon bisher die Arbeit der RUHR.2010GmbH im Bereich der Kreativwirtschaft organisierthat, kommt ein Partner ans U, dessen Hauptaufgabein der Verknüpfung regionaler und überregionalerPartner, Netzwerke und Kompetenzen besteht. DasKulturbüro der Stadt Dortmund schließlich initiiertim U ein neues Zentrum für Kulturelle Bildung undbringt seine jahrelange Kompetenz auf dem Gebietder Vermittlung und Vernetzung ein.Am Beispiel der kulturellen Bildung zeigt sich, dasskeine der Partnereinrichtungen nur eindimensionalauf eine der vier Programmsäulen des U (Kunst,Kreativität, Bildung, Forschung) fixiert ist: AllePartner sind auf diesem Gebiet bereits in der ein oderanderen Form tätig und werden ihre Aktivitäten imRahmen der neuen Kooperation unter einem Dachbündeln, koordinieren und verstärken können. Dasselbegilt für die anderen Programmsäulen, die sich


10Strategie derGrossen ProjekteDR. DIETER NELLENREGIONALVERBAND RUHROb PHOENIX West, PHOENIX See im Süden oderdas U in der Mitte der Stadt: Dortmund denkt ingroßen Linien und folgt bei der Konversion seineralt industriellen Standorte nicht nur deren historischvorgegebenen räumlichen Größenordnung.Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung setzeninternational systemkonform auf eine »Strategieder großen Projekte«. Diese ist mutig und riskantzugleich. Sie ist nur mit erheblichen Budgets, administrativerProfessionalität und einem langen Atemerfolgreich zu realisieren. Doch es gibt keine Alternative:»Nationale Einheit und Globalisierung haben«– so Engelbert Lütke- Daldrup und Peter Zlonicky inihrer einschlägigen Publikation zur Stadtentwicklung1990–2010 – »die Renaissance großer Projekte inDeutschland befördert, indem sie jenseits der behutsamenStadterneuerung neue Bedarfe erzeugtenund die Internationalisierung der Immobilienmärktevorantrieben.« Womit sonst sollte man in der Zeitrasant wachsender Megacitys auch nur einen Zipfelder internationalen Aufmerksamkeit auf Messen wieEXPO REAL oder MIPIM gewinnen? Wie sonst sollenAnsiedlungen auf dem weltweiten Markt gelingen?Industriekultur und das Bild der StadtDer Dreiklang von Kohle, Stahl und Bier hat das alteRuhrgebiet und dessen Mythos bestimmt. Die DortmunderUnion-Brauerei war in ihren besten Zeiten diegrößte in Deutschland. Sie prägte mit ihrer zentralenInnenstadtlage und gewaltigen baulichen Ausmaßenim wörtlichen wie im übertragenen Sinne das Bild derStadt. In funktionaler Erinnerung daran wird jetztin Dortmund eine Geschichte erzählt, die von derVergangenheit in die Zukunft führen soll. Sie rezipiertzunächst mental folgerichtig den Markenkern einesmonumentalen Brauereistandortes, der 1926mit dem Bau eines Kellerhochhauses für die Union-Brauerei einen Glanzpunkt modern-funktionalerIndustrie architektur erreichte. Der neue Markenkerndes Dortmunder U lautet jetzt: Kunst und Kreativität.Geschichte des WandelsFast sieben Jahrzehnte war dieser Standort alsBrau- und Vertriebsstandort für Dortmunder Bierbetrieben worden. Der Wandel kommt zum Ende desvergangenen Jahrhunderts. Zunächst war davon auszugehen,dass die öffentliche Hand ihre Rolle auf dieSetzung städtebaulicher Ziele beschränken konnte.Der Eigentümer sollte Bebauung und Vermarktungselbst organisieren. Doch das ändert sich im Zuge derFusionen auf dem europäischen Getränkemarkt. Nunmuss die Stadt selbst zumindest für den räumlichenKern, das U, die Rolle des Entwicklers, Investors undBetreibers übernehmen. Am Ende steht die Idee, ausder großen historischen Stadtmarke ein »Zentrumfür Kunst und Kreativität« mit unterschiedlichenPartnern aus Kunst, Medien und Wissenschaft zumachen. Es liefert nicht nur eine erweiterte Konzeption,sondern die Sprachregelung für einen politischenKompromiss. Eine geschickte Dramaturgie hilft imentscheidenden Augenblick, politisch motivierteVorbehalte gegen eine Fortsetzung der sogenanntenLeuchtturmpolitik wie beim U auf unterschiedlichenEbenen auszuräumen. Dortmund wird noch wichtigererTeil des Projektes Kulturhauptstadt. Es rücktintellektuell und mit dem Herzen näher an die Regionheran. Der Wandel durch Kultur an räumlich prominenterStelle kann stattfinden.Der mittlerweile historische Plan des britischen Architekten Richard Rogers von 1993 zeigt eine weiträumig gestaltete Parklandschaft © Richard RogersClusterstrategie und dieKreativ.Quartiere der Metropole RuhrDie Erwartungen an das neue Haus sind nicht gering.Das Konversionsprojekt soll nicht einfach nur denBoden für Kunst, Kreativität und Gewerbe bieten.Das gesamte Quartier wird vielmehr essenziellerTeil einer umfassenden Clusterstrategie im Gefolgedes Strukturwandels. In der Programmarchitekturvon RUHR.2010 fungiert es als metropolitanesLeitprojekt unter den Kreativ.Quartieren. Die Kreativwirtschaftist ein wichtiges Kompetenzfeld, obwohlüber dessen quantitative Bedeutung für den Strukturwandeltrefflich gestritten werden kann. 2002veröffentlichte Richard Florida die Studie The Rise ofthe Creative Class. Seitdem ist die Trias von »Technology,Talent and Tolerance« das Mantra des Strukturwandelsauch in Deutschland geworden. Kulturpolitikwird Standortstrategie. Nordrhein-Westfalenund die Metropole Ruhr wollen hierbei nicht abseitsstehen und trimmen geeignete Standorte auf dieseszeitgemäße Metropolendesign. Wirtschaftsweisewie Christoph Schmidt, der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung inEssen, prognostizieren eine erhebliche Präferenz derkreativwirtschaftlichen Potenziale zugunsten vonBerlin als Hauptstadt, vielleicht nicht ganz so stark,aber doch ähnlich wie London und Paris dies fürihre Länder abschöpfen können. Auf die Frage nachdem hohen Statuswert der Kreativwirtschaft an derRuhr antwortete er: »Das hängt natürlich mit derKulturhauptstadt zusammen, die für das Ruhrgebieteine große Chance ist und vielen zeigen wird, wiewir uns in den vergangenen Jahrzehnten entwickelthaben. Ein Thema wie Kreativwirtschaft passt dagut rein. Es hat mehr mit Werbung und Vermarktungzu tun als mit der Realwirtschaft.«Kreativwirtschaft und der Masterplander Kulturmetropole RuhrKreativwirtschaft spielt neben den drei weiterenMetropolenkompetenzfeldern Theater und PerformingArts, Transformation, Interkultur natürlichdennoch eine wichtige Rolle im strategischen Drehbuchdes Masterplans Kulturmetropole Ruhr 2020,der die Nachhaltigkeit von RUHR.2010 sichern soll.Er liefert die Programmarchitektur für die Zeit nachder Kulturhauptstadt. Bei der Kreativwirtschaftdrängt die Zeit besonders. Bis 2013 sollen erhebliche


12Strategie der grossen ProjekteMittel zugunsten von Projekten der Kreativwirtschaftin die Metropole Ruhr fließen. Das ist eine verlockendeAussicht. Die großzügige Offerte berührt einenwichtigen Bereich des regionalen Strukturwandels.Das unter dem Dach von RUHR.2010 entstandeneeuropean centre for creative economy (ecce) ist ineinem ersten Anlauf konfiguriert. Es gehört zumstrategischen Kern des Dortmunder U. Die Organisationvon ecce wird auf dem Areal des DortmunderU angesiedelt. ecce bedarf einer soliden organisatorischenBasis, um vor allem für die Zeit nachder Kulturhauptstadt erfolgreich agieren zu können.Künftig wird sich zeigen müssen, ob Kreativwirtschaftnachweislich die unterstellten ökonomischenErfolge in der Metropole Ruhr generiert. Werden dieprojektierten Kreativquartiere später einmal wirklichprofitable Standorte der Kreativwirtschaft sein undnicht nur räumliche und bauliche Simulationen einesinternational gängigen Metropolendesigns, mit demman sich als »coole Region« verkaufen kann?U durch die Ausstellung Reservate der Sehnsucht.Sie eröffnete erstmalig neue ästhetische Sichtweisenauf das verborgene Innere dieser Industrieruineim Herzen der Stadt. Die Initiatoren verbanden mitdem ungewöhnlichen Ausstellungsort die Hoffnung:»Landmarken sind in der Tat Orte der Sehnsucht,der Rückbesinnung auf die alte Größe des Reviersund des Verlangens, in einer neuen Welt wiedereine bedeutende, was meint eigenständige und nichtglobal-triviale Rolle zu spielen.« Die Chance zueinem solchen vitalen Neuanfang hat das wiederher -ge stellte U jetzt. Man muss sie nur richtig nutzen.Chancen und Bedingungen des GelingensEs gibt sie zweifellos schon, die bundes- und europaweitbekannten Beispiele des Gelingens: die Hafen-City Hamburg, der Rheinauhafen in Köln oder derMedienhafen in Düsseldorf, unterschiedliche Kreativstandortein London, in Amsterdam und Rotterdam.Das U hat mit seiner Lage (unter Einbezug derRheinischen Straße), mit der Immobilie und dem Investmentebenfalls »das Zeug« für ein erfolgreichesKapitel in der Geschichte des Wandels. Man darfdiesen Standort nur nicht aus reinen Renditeinteressendurch die Ansiedlung themenfremder Branchenbis zur Profillosigkeit diversifizieren. 1998 erfolgtedie erste kulturelle Inbesitznahme des DortmunderOben: Kreativ.Quartier Lohberg Dinslaken,Kreativstandort in der Metropole Ruhr© RAG Montan Immobilien GmbH,Foto: Thomas StachelhausMitte: Auftritt der Metropole Ruhr vor derinternationalen Immobilienwirtschaftauf der Expo Real in München© Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbHUnten: Konversionsstandort PHOENIX Westin Dortmund© rost:licht / Bodo Brauer, www.rostlicht.de


14Bildkunst statt braukunstProf. Dr. Falk JaegerDie Architektur für die metamorphoseder Kellerei zum kreativen OrtEin schrundiger, eher unansehnlicher Baublock, einSolitär mitten in der Wüstenei eines abgeräumtenIndustrieareals, beeindruckend und ein wenigabschreckend zugleich, im Inneren acht mäßigbelichtete, gleichförmige Geschosse – die Aufgabewar gewiss nicht leicht, in dieses problematischeund eigenwillige Relikt Dortmunder Brauereitraditionein Kunst- und Kreativzentrum einzubauen.Der Architekt Professor Eckhard Gerber aus Dortmundund seine Mitarbeiter hatten im Architektenwettbewerbeinen von drei 2. Preisen errungen (ein1. Preis wurde nicht vergeben) und haben sich imweiteren Verfahren mit ihrem Entwurf durchsetzenkönnen. Ihre Arbeit unterschied sich von den konkurrierendenvor allem durch die Form der Erschließung.Während die Museums- und Medienleute über dasspärliche Tageslicht durch die kleinen Fensteröffnungennicht gerade unglücklich sind, da sie ohnehingerne mit kontrolliertem künstlichen Licht arbeiten,finden die Besucher und auch die Baukünstler Licht,Luft und Raumeindrücke sympathisch. Viele Wettbewerbsteilnehmerplanten deshalb, Lichthöfe durchdas gesamte Gebäude zu brechen, die einerseitsdie Ebenen zusätzlich belichten, andererseits einenräumlichen Zusammenhang der Flächen im Gebäudeherstellen. Die bei diesen Konzepten wünschenswerteOffenheit hatte jedoch keine Chance der Reali -sierung, da es sich bei den Nutzern der Ebenen umunterschiedliche Institutionen handelt und da Sicherheits-und Brandschutzbelange dem entgegenstehen.Gerber Architekten fanden eine andere Möglichkeit,das Haus in seiner Gänze erlebbar zu machen.Sie schlugen vor, entlang der Ostseite in allenGeschossen die erste Reihe der Deckenfelderheraus zu nehmen und auf diese Weise zwischen derAußenwand und den Etagen eine gebäudehoheHalle zu gewinnen, die »Kunstvertikale«, die derErschließung dient und in der der Besucherdie Dimensionen und die Präsenz des historischenBauwerks erfahren kann. Gleichzeitig schafft dieHalle eine optische und physische Verbindung derEbenen und der Institutionen miteinander, eineVoraussetzung für die gewünschten Synergieeffekteund die multifunktionale Nutzung des Gebäudes.Die Kunstvertikale, die Zusammenführung derFlächen in Turm und Annex sowie der große Oberlichtsaal,den Gerber Architekten im 6. Obergeschossdes Annexes anboten, gaben den Ausschlag fürdie Entscheidung, das Dortmunder Büro mit derAufgabe zu betrauen.Mit der Sanierung der Fassaden und der Dachpergolasowie der Erneuerung der Dächer nach denkmalpflegerischenGesichtspunkten konnten die ArbeitenAnfang 2008 beginnen. Die Verjüngungskur zeigteWirkung. Durch das Entfernen von An- und Umbauspurenund die Auffrischung der Fassaden kommtdas Gebäude wieder in seiner ursprünglichen Qualitätund Würde zur Geltung.Wesentlich für den Umbauentwurf sind auch diedem hermetisch wirkenden Altbau mutig angefügtenBauteile. Sie signalisieren neue Inhalte und dieÖffnung des Kunst- und Kreativzentrums gegenüberZweigeschossige Halle, die die Museumsetagen 4 und 5 verbindet © Gerber Architekten, Foto: Hans Jürgen Landesder Stadt. Sie bringen mehr Licht ins Innere und siebieten Platz für besondere Funktionen, ob im Erdgeschossder gläserne Vorbau, der als Windfang beziehungsweiseals Vorhalle fungiert, ob der schmale,dreigeschossige Glaserker an der Westseite, ob dieVIP-Lounge, die im 4. Obergeschoss als Ausguck ausder Fassade drängt oder die im 5. Obergeschoss auskragendezweigeschossige Bibliothek. Sie alle signalisierennach außen, dass ein neuer Geist mit neuenInhalten in dem alten Gemäuer Einzug gehalten hat.Gleich nach dem Durchqueren des blutroten Windfangsund dem Eintreten in die Halle bekommt derBesucher einen Eindruck vom Inneren des gesamtenHauses. Die Kunstvertikale öffnet sich nach oben,der Blick wird magisch in die Höhe gezogen. Rolltreppenbieten einen bequemen Weg an, die oberenGeschosse zu erkunden. Doch zunächst führt derWeg geradeaus in die Erdgeschosshalle, ein Foyer,Marktplatz, Orientierungspunkt, aber auch ein ersterKunstort, an dem die Projektionen einer Panoramabilderkettevon Adolf Winkelmann auf die Inhaltedes Kulturspeichers einstimmen. Links geht es zumSaal, dem RWE Forum, das zugleich als Veranstaltungsraumund als Kino dient und das InternationaleFrauen filmfestival Dortmund | Köln beherbergt,rechts die Garderobe, geradeaus das Bistro / Café.Der Platz auf der Westseite vor dem Café ist nachEmil Moog, dem Architekten des Kellerhochhausesbenannt.Die Fahrt aus dem Foyer per Rolltreppe nach obenin einer Sphäre zwischen der bis ins Dachgeschossaufstrebenden Außenwand und den von kraftvollenBetonpfeilern und Deckenbalken getragenen, modernausgebauten Geschossen wird zum besonderenArchitekturerlebnis. Das 1. Obergeschoss (Ebene 1)ist den Dortmunder Hochschulen vorbehalten.Die Technische Universität und die Fachhochschulesind hier mit ihren medienspezifischen Institutenvertreten. Zwei frei bespielbare zentrale Hallensind umgeben von Büros und Seminarräumen. Wiedie peripheren Räume hat auch der Medienraumim Zentrum durch gläserne Wände Kontakt zumGeschehen in den Aktionshallen.Die Ebene 2 des Zentrums für Kulturelle Bildung,der zeit noch mit temporären Einbauten räumlichgegliedert, ist in der Ausbauplanung ähnlich organisiert,mit einem größeren Binnenraum und einemVortragssaal im Zentrum sowie peripheren Büro- undTagungsräumen, während die Ebene 3 des Hartware


Bildkunst statt braukunstMedienKunstVereins von Einbauten weitgehend freiblieb und von temporären Boxen und Medieninstallationenbesetzt wird.Die höheren, knapp sechs Meter messenden Räumeder Ebenen 4 und 5 beherbergen nun das MuseumOstwall. Das Entree bildet eine die beiden Stockwerkeverbindende zweigeschossige Halle im Südteildes Turms, die dem Besucher eine leichtere Orientierung verschafft – ein Raum, der Eckhard Gerberbesonders am Herzen liegt. Die Raum-im-Raum-Konzeption des Museums wurde von den BerlinerArchitekten Kuehn Malvezzi maßgeschneidertfür die Sammlung entwickelt. Weiße Wände bildenKabinette in Form einzelner »Häuser«, zwischendenen »Gassen« vermitteln, auf der oberen, wenigerdicht besetzten Ebene entstehen gar kleine »Plätze«.Die »Häuser« behalten ihren Charakter als Einbauten,da sie nicht bis zur Decke reichen.Für Wechselausstellungen steht dem Museum undanderen Partnern des Hauses die Ebene 6 zur Verfügung,die im Turmbauteil einen durch die Stützenin drei Schiffe geteilten Saal aufweist. Nebenan imAnnex überrascht ein geräumiger Oberlichtsaal, dermit seinem blendfreien Nordlicht vielfältige Möglichkeiteneröffnet. Gerber Architekten haben die Chancegenutzt, durch selbsttragende, von der Ostwand zurWestwand spannende Dachelemente einen stützenfreienSaal von einer Größe zu schaffen, wie er sonstim Haus nicht existiert. Er ist größer noch als die»Kathedrale«, wie die Ebene 7 des Turms genanntwird, denn der Begriff kommt einem in den Sinn,wenn man den Dachraum mit seiner interessantenBinderkonstruktion betritt. Als Kühlraum einst inseinen drei Staffelgeschossen hinter der Betonpergolaluftig mit Lamellen ausgestattet, bieten heuteFensteröffnungen einen weiten Blick über die Stadt.Bei günstiger Witterung kann der Cappuccino sogarauf der Dachterrasse zwischen Turm und Annexeingenommen werden.Die eindrucksvolle Lokalität ist durch Rolltreppeund Aufzüge voll erschlossen und durch die gastronomischeNutzung der Öffentlichkeit zugänglich.Als Aussichtsrestaurant VIEW verspricht der Kopfdes U-Turms nicht nur ein prominenter Ort in derStadt zu werden, er hat auch als Anziehungspunktfür das kulturell interessierte Publikum eine besondereFunktion im Nutzungsmix des Kunst- undKreativi tätszentrums und ist als solcher in dasErschließungs konzept des Gebäudes eingebunden.So ist ein architektonisch und baukünstlerischschlüssiges Konzept realisiert worden, das die unterschiedlichenAktivitäten im Haus von den Depotkellernbis zum Dachcafé miteinander verbindet.Der Erkerraum»Lautsprecher«© Gerber Architekten,Foto: Christian Richters


20HartwareMedienKunstVereinDer Hartware MedienKunstVerein (HMKV) ist Plattformfür die Produktion, Präsentation und Vermittlungvon zeitgenössischer beziehungsweise experimenteller(Medien-)Kunst. Medienkunst wird dabeinicht als technisch determiniertes Genre »mit hohemFun-Faktor« verstanden, sondern als zeitgenössischeKunst, die sich inhaltlich und konzeptuell mitunserer in starkem Maße medial und technologischgeprägten Gegenwart auseinandersetzt, welche sichdurch neue Medien und Technologien radikal verändert.Damit besetzt der HMKV eine singuläre Positionin NRW – und in Deutschland. Aus der Vielzahl voninternationalen Kooperationen des HMKV ist ein breitgefächertes, internationales Netzwerk entstanden,das die in Deutschland einmalige Institution zueinem facettenreichen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogrammzusammenfasst. Die Ausstellungendes HMKV finden regional, national wie internationalhöchste Anerkennung. Sie zeichnen sich durch einbreites Verständnis des Medienkunstbegriffs aus undpositionieren Medienkunst ganz bewusst im Kontextzeitgenössischer Kunst. 2007 und 2008 wurde derHMKV für den Preis für Kunstvereine der ArbeitsgemeinschaftDeutscher Kunstvereine (ADKV) undder Art Cologne nominiert. Seit 2000 betreut derHMKV das Stipendium des Landes NRW für Medienkünstlerinnen;seit 2006 ist die Geschäftsstelle desMedienwerks NRW beim HMKV angesiedelt.Der HMKV hat seit seiner Gründung im Jahr 1996zahlreiche Ausstellungen, Film-, Video-, Musik- undPerformanceprogramme, Workshops, Vorträge,Tagungen und Konferenzen in diversen Städten im InundAusland sowie in Dortmund realisiert – hier vorallem in der 2 200 m 2 großen PHOENIX Halle Dortmund(seit 2003). Unter den 40 Ausstellungen derletzten vierzehn Jahre waren so bedeutende Projektewie Reservate der Sehnsucht (Dortmunder U, 1998),games – Computerspiele von KünstlerInnen (2003),History Will Repeat Itself (2007), Anna Kournikova… Kunst im Zeitalter des Geistigen Eigen tums (2008),»Wach sind nur die Geister« – Über Gespenster undihre Medien (2009), Building Memory und ArcticPerspective (2010).Für die Ausstellungen des HMKV im U stehen die3. sowie die 6. Etage zur Verfügung. Damit ist derHMKV in der Lage, sowohl Einzel- als auch großethematische Gruppenausstellungen durchzuführen.Organisierte der HMKV bisher jährlich zwei großeinter nationale Medienkunstausstellungen inder PHOENIX Halle, so wird sich die Ausstellungsfrequenzdes HMKV ab 2011 im ganzjährig nutzbarenDortmunder U entsprechend erhöhen. In der 3. Etagedes Dortmunder U sind ab 2011 jährlich bis zu vierAusstellungen geplant; bis zu zwei dieser Ausstellungenwerden sich auch auf die 6. Etage erstrecken.Der HMKV verspricht sich von der Nachbarschaftzu den anderen Partnern im Dortmunder U spannendeSynergieeffekte. Insbesondere die Nähe zumMuseum Ostwall im U ist für den HMKV von großerBedeutung. Einerseits kann über die Sammlung desMO im U eine (kunst-) historische Anbindung für dieAusstellungen mit zeitgenössischer Medienkunstdes HMKV hergestellt werden; andererseits erfährtaber auch die Sammlung des MO einen Anschlussan aktuelle medienkünstlerische, -historische und-politische Diskurse. Die Nachbarschaft zurTechnischen Universität und zur FachhochschuleDortmund sowie zum Zentrum für Kulturelle Bildunglässt vielversprechende Kooperationen beziehungsweiseeinen Ausbau der bereits bestehenden Aktivitätendes HMKV in diesem Bereich erwarten. Auchdie Nutzung des im Erdgeschoss gelegenen professionellausgestatteten Kinosaals (RWE Forum) fürFilmprogramme und Konferenzen wird sich für denHMKV als sehr positiv erweisen.Oben: Ausstellung Arctic Perspective,HMKV in der PHOENIX Halle Dortmund 2010,Foto: © Matthew BiedermanLinks: Ausstellung Agents & Provocateurs,HMKV im Dortmunder U, 2010,Foto: © Andrea EichardtMitte rechts: Ausstellung Building Memory,HMKV im Dortmunder U, 2010,Foto: © labor bUnten rechts: E-Culture Fair 2010 – Eine Initiativevon Virtueel Platform / Niederlande, BAM / Flandern (BE)und medienwerk.nrw / Nordrhein-Westfalen (DE)in Zusammenarbeit mit ecce – european centre forcreative economy, veranstaltet vom HMKV (Dortmund)im Rahmen von ISEA2010 RUHR,Fotos: © Hans Jürgen Landes


22ecceeuropean centre forcreative economyDas european centre for creative economy (ecce) istein Institut der RUHR.2010 mit Sitz im DortmunderU und dient dem Ausbau und der Unterstützung derKreativwirtschaft auf kommunaler, nationaler undinternationaler Ebene. Als erste europäische Kulturhauptstadthat die RUHR.2010 die verschiedenenBranchen der Kreativwirtschaft als treibende Kräftegesellschaftlicher und kultureller Veränderungenerkannt. Durch ecce wird sichergestellt, dass dieKreativbranchen – von Film über Games bis Musik,von Literatur über Design, den darstellenden Künstenbis hin zu den freien Kulturszenen – auch überdas Kulturhauptstadtjahr 2010 hinaus gefördertund gestärkt werden. Kreativwirtschaft bietet fürdie Metropole Ruhr eine große Chance, den Strukturwandelzu meistern. Bereits heute leistet dieserBranchenmix mit seinen weitgefächerten Märkten,der technologischen Affinität und den identitätsstiftendenProdukten einen großen Beitrag zurökonomischen, kulturellen und urbanen Zukunftsentwicklung.Ideen und Kreativität werden zumwichtigsten Wirtschaftsgut des 21. Jahrhundertsund damit zum Motor für den Wandel von derIndustrie- zur Wissensgesellschaft. In Europa istKreativwirtschaft, mit steigender Tendenz, bereitszur dritt größten Wirtschaftsbranche gewachsen.ecce sieht deshalb seine Aufgabe darin, die Diskussionzur strukturellen Förderung der Kreativwirtschaftauf lokaler, regionaler und europäischerEbene zu führen und die Metropole Ruhr als zentralenStandort der Kreativwirtschaft in Europa zupositio nieren. Weiterhin unterstützt das Zentrum dieKreativbranchen durch einen integrativen Prozess,der zum einen Talente und deren Bedürfnisse berücksichtigtund zum anderen mittels einer strategischenStadtplanung bestehende Orte der Kreativität weiterentwickeltund neue Räume schafft. ecce erkenntKreativwirtschaft als Schnittmenge von Kultur, Ökonomie,Kunst, Technologie, Stadtentwicklung undBildung und entwickelt und konzipiert Projekte undMaßnahmen zur nachhaltigen Entwicklung der Kreativwirtschaft in der Metropole Ruhr. Dies geschiehtmit den Akteuren vor Ort und mit internationalenAnsprechpartnern, um Erfahrungen auszutauschenund passende Rahmenbedingungen zu schaffen.Als eines der Leitprojekte von ecce entstehen in derRuhrregion Kreativ.Quartiere. Hierzu zählt vor allemdas Dortmunder U als Zentrum für Kunst undKreativität, das das positive Zusammenwirken derverschiedenen Kreativwirtschaftsbranchen und denWandel durch Kultur symbolisiert. Durch seinen»Leuchtturmcharakter« erregt das U internationalAufmerksamkeit und richtet den Fokus der europäischenCreative Economy auf die Metropole Ruhr.Für ecce ist dieses Kreativ.Quartier der ideale Ort,um gemeinsam mit den Partnern aus Kunst, Kultur,Medien, Wirtschaft und Politik die Arbeit für dieKreativwirtschaft und die Region fortzuführen.Oben: Games Factory Ruhr in Mülheim an der Ruhr – eine einzigartigeThemenimmobilie für die Spielebranche im Ruhrgebiet und in NRW© Games Factory RuhrLinks / Mitte rechts: E-Culture Fair 2010 – Eine Initiative vonVirtueel Platform / Niederlande, BAM / Flandern (BE) undmedienwerk.nrw / Nordrhein-Westfalen (DE) in Zusammenarbeitmit ecce – european centre for creative economy, veranstaltetvom Hartware MedienKunstVerein (Dortmund),Fotos: © Hans Jürgen LandesUnten rechts: Screenshot 2010 LAB – www.2010lab.tv© ecce


28Zentrum fürKulturelle BildungAuf der 2. Etage des Dortmunder U befindet sich dasZentrum für Kulturelle Bildung. Hier werden neueFormen der kulturellen Bildung in der Wechselwirkungvon digitalen und elektronischen Medien undder Produktion und Vermittlung von Kunst erprobtund angeboten. Die neuen Medien sind Teil unsererAlltagskultur. Sie verändern somit auch das Spektrumkünstlerischer Produktionen. Das Zentrum willhier kulturelle und ästhetische Medienkompetenzvermitteln und den kreativen und kritischen Umgangmit den neuen Medien fördern. Themen für interdisziplinäreProjekte werden gemeinsam von denPartnern im U entwickelt, die dabei ihre langjährigenKompetenzen einbringen. Im Fokus der Projektestehen Themen aus Kunst und Kultur, Wissenschaftund Gesellschaft. Ihre künstlerische Bearbeitungunter Einsatz der neuen Medien – wie zum Beispieldie Produktion elektronischer Musik, der Umgang mitInternet und dem Web 2.0, Herstellung und Einsatzvon Videosequenzen in Tanz- und Theaterproduktionenoder die kreative Produktion von Spielen –soll erprobt und an Kinder und Jugendliche, darüberhinaus aber auch an Pädagogen und Erwachseneunterschiedlicher Altersgruppen vermittelt werden.Für die Präsentation der künstlerischen Werke stehteine großzügige Ausstellungsfläche zur Verfügung.Das Dortmunder U ist ein Symbol des Aufbruchs vomStandort der Brauerei- und Schwerindustrie zur Wissens-und Dienstleistungsgesellschaft, an dem dieKultur erheblichen Anteil hat. Kulturelle Impulse undkulturelle Vielfalt sorgen für die Attraktivität einerStadt und für ihre Zukunftsfähigkeit. Auch wachsendeBranchen wie die Kreativwirtschaft bauen daraufauf. Der Zugang zu Kunst und Kultur darf somit keinPrivileg für wenige sein. Kulturelle Bildung ist eineSchlüsselqualifikation und eine Querschnittsaufgabefür viele Akteure in der Stadt. Aus dieser Erkenntnisheraus hat das Kulturbüro der Stadt Dortmund mitUnterstützung des Landes NRW ein Kommunales Gesamtkonzeptzur Kulturellen Bildung erarbeitet, dasdie zahlreichen qualifizierten Initiativen und Angebotein diesem Bereich stadtweit zusammenführt. Esentstand die Kontaktstelle Kulturelle Bildung und einNetzwerk der Anbieter in Dortmund. Förderinstrumentewurden unter anderem für den Vorschulbereichentwickelt. Das Zentrum für Kulturelle Bildungist eingebunden in dieses stadtweite Netzwerk.Das Zentrum für Kulturelle Bildung vereint dieKompetenzen der Partner im U aus Kunst und Kultur,Wissenschaft und Kreativwirtschaft. Der BereichBildung und Kommunikation des Museums Ostwallist fest eingebunden in das Konzept des »Museumsals Kraftwerk«. Auf der Grundlage seiner bisherdurchgeführten Bildungsarbeit erweitert dasMuseum im U seine Angebote, Methoden undAufgaben, die ebenfalls auf der 2. Etage stattfindenwerden. Der Hartware MedienKunstVerein bietetneben seinem Ausstellungsprogramm praktischeMedienkunsterfahrung in seinen Workshops an undfördert Kinder und Jugendliche in ihrer Medienkompetenz.Das Kino im U ermöglicht insbesonderefür Schulen und filminteressierte Jugendliche einealtersgerechte Auseinandersetzung mit dem MediumFilm. Das european centre for creative economy,ecce, steht für die Verbindung zur Kreativwirtschaftund Angebote im Bereich des Berufsstarts. InZusammenarbeit mit dem Gründungsdirektor, derTechnischen Universität Dortmund sowie der FachhochschuleDortmund finden Ausstellungsprojekteund Forschungsvorhaben im Bereich der kulturellenBildung statt. Die Ergebnisse werden öffentlichpräsentiert.Im Verbund erfahrener Partner entsteht im U einspannendes Experimentierfeld für den kreativenEinsatz und die Vermittlung von Kompetenz imUmgang mit neuen Medien in Kunst, Wissenschaftund Gesellschaft.Verschiedene Vermittlungsprojekte imMuseum Ostwall und im Hartware MedienKunstVereinFotos oben / Mitte rechts: © Hans Jürgen LandesFotos Mitte links / unten: © HMKV


30RWE Forum | Kino im UMit dem RWE Forum im U entsteht im Erdgeschossdes Gebäudes ein vielseitiger Ort der Präsentationund Kommunikation. Er bietet die räumlichenwie technischen Voraussetzungen für ein regelmäßigesKinoprogramm, für Konferenzen undVorträge im Rahmen nationaler wie internationalerTagungen, aber ebenso für den Diskurs zwischenbildenden Künstler/-innen, Filmemacher/-innen,Medienkünstler/-innen und dem Publikum untereinander.Zudem ist das RWE Forum mit allem ausgestattet,was die Vorführung von analogem oderdigitalem Film erfordert – so ist einer der modernstenKinoräume in Dortmund entstanden. Das RWE-Forum mit Raum für fast zweihundert Personen dientden Kultur- und Hochschuleinrichtungen im U sowieder Öffentlichkeit für Vortrags- oder Filmveranstaltungen.Um die konzeptionelle Ausgestaltung desRWE Forums als Kino kümmert sich ein Trägerverein.Dieser besteht aus den Partnern des Hauses, weiteren,dem Haus nahestehenden Persönlichkeiten unddem Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund| Köln. Ermöglicht wurde die Einrichtung des RWEForums durch die großzügige Unterstützung durchden RWE Vertrieb AG, Dortmund.Kinomachen im Filmkunstbereich ist eine anspruchsvollekuratorische Arbeit, eine künstlerische, kreative,inhaltliche Praxis: Das Kinoprogramm umfasstWerke der Filmgeschichte und Filme, die das ZeitundKunstgeschehen widerspiegeln und somit einenrelevanten Kommentar zur gängigen Kinopraxisermöglichen. Das U bietet eine einzigartige Basis fürein Kino mit hohem Anspruch, indem es die Kompetenzenund internationalen Kontakte aller Partnerim Hause bündelt, um herausragende Filmkunstprogrammeund crossmediale Projekte zu entwickeln.Das RWE Forum | Kino im U ist die neue Festivaladressefür des IFFF Dortmund | Köln. Der Kinosaalmit neuester Technik, das offene Foyer, die Kathedrale,das Zentrum für Kulturelle Bildung machen das Uzu einem perfekten Festivalzentrum.Das bewegte Bild ist eine junge Kunstform mitrasanter visueller, inhaltlicher und technischerEntwicklung. Das Kinoprogramm im U zeichnet sichdurch Mut zum Experiment aus. Es ist offen für neue,intermediale Präsentationsformen und aufgeschlossengegenüber neuen visuellen Konzepten. Das Kinosteckt noch in den digitalen Kinderschuhen, hier giltes, die Grenzen auszuweiten. Gute Voraussetzungenergeben sich durch die Kooperationen mit den Hochschulenund der damit einhergehenden Möglichkeitzur Auseinandersetzung mit filmischen Innovationendes Nachwuchses.Kino im U als Schule des Sehens. Filme sehen undverstehen kann – wie Literatur und bildende Kunst –gelernt und gelehrt werden, möglichst früh, möglichstin Gemeinschaft mit anderen, möglichst imKino. Das RWE Forum | Kino im U ist ein wichtigerOrt der künstlerisch-ästhetischen Filmvermittlungfür Schüler/-innen aller Altersstufen und Schulformen,mit Projektwochen und Fortbildungsangebotenfür Lehrer/-innen. Hier werden die Film- undBilderfahrungen der Jugendlichen, die häufig überyoutube, myspace und andere soziale Netzwerkegemacht werden, aufgegriffen und produktiv umgesetzt.Das Kino arbeitet eng mit dem Zentrum fürKulturelle Bildung im U zusammen.Das RWE Forum | Kino im U ist offen für Themen,Formate und Zielgruppen: Alle Genres und Formate,Kurzfilme, Dokumentarfilme, Kunstfilme, Spielfilmein Originalsprache oder Experimentalfilme werdenberücksichtigt. Filminteressierte Gruppen haben dieMöglichkeit, eigene Programme zu präsentieren.Die Kinovorführungen stellen die ideale Ergänzungzum künstlerischen Gesamtkonzept des U dar: einOrt für die Avantgarde der bewegten Bilder und fürdie Filmgeschichte zugleich, mitten in Dortmund,für alle Bürger/-innen der Stadt, für den Nachwuchsund für nationale wie internationale Gäste. Eingebundenin das Netz innovativer kultureller Angebotedes Hauses wird das RWE Forum | Kino im U zumöffentlichen Raum auch für filmisch herausragendeGemeinschaftserlebnisse.3D-Simulation vom RWE Forum© Gerber Architekten


32Die Reise ins UFliegende Bilder vonAdolf WinkelmannAnna TüneEine Filminstallationin drei StationenErste StationU-Turm BilderuhrAls eine Reminiszenz an barocke Kirchtürme mit ihreningeniösen beweglichen Mechaniken macht der FilmkünstlerAdolf Winkelmann den U-Turm zur Bilderuhr.Im Zuge der digitalen Revolution haben die bewegtenBilder längst Kino und Fernsehen verlassen, sie fliegenbefreit vom Laptop zum Handy und durch unsereStädte. Für den Filmemacher war es deshalb gedanklichnur ein kleiner Schritt zur Inszenierung des altenKellereihochhauses der Dortmunder Union-Brauerei.Winkelmann bringt die einzigartige Dachkrone desTurms mit Filmbildern zum Leuchten. Der Betrachterschaut wie durch eine Gaze ins Innere des Gebäudes,je nach Wetter, Jahreszeit und Lichteinfall mehroder weniger durchsichtig, eigentlich in jeder Minuteanders. Winkelmann behauptet einen Raum hinter denKolonnaden und erfüllt ihn mit Leben, mit imaginäremWasser oder mit Bier und lässt, immer zur vollenStunde, große Tauben darin wohnen. Als ein säkularerKirchturm soll der U-Turm Lichtzeichen geben,Lebens zeichen, Schattenrisse menschlicher Bewegungin den Himmel über dem Ruhrgebiet zeichnen.Zweite StationRuhrpanoramen in der EingangshalleAuf elf über den Besuchern schwebenden Leinwändenzeigt Winkelmann assoziativ montierte Panoramen,seine Landkarte der Ruhrstadt. Es ist ein Bilderstromdokumentarischer Sichten, aufgenommen an vielenStandorten des Ruhrgebietes. Die unglaubliche Präzision,das geradezu maschinene Gleiten der Rundblickeist ein sorgfältig und zielgenau durch hoch spezialisierteTechnik hervorgerufener Effekt. Ob das Kameraaugeunerschütterlich gleichförmig den Fassadenprofilenaus Stein und Glas, aus Kunststoff und Verputz rundum einen schmalen, unsäglich und rührend alltäglichenStadtplatz folgt oder Freiheit vorgaukelnd dasPanorama einer Abraumhalde absucht, um dann dochin das Gefühl der Unauffindbarkeit eben dieser Freiheitzu stoßen: die präzise hergestellte Ästhetik derBilderkette zwingt unabweisbar das Erlebnis objektivsterRealität auf. Schwere materielle Gegenwart istgrell ausgeleuchtet. Dennoch, der Besucher wird vonBilderströmen umarmt, die einander ergänzen, kaleidoskopischzerfallen und sich im nächsten Momentwieder zu großen, bewegten Panoramen zusammensetzen.Die Faktizität dieser Außenwelten wird zu einerHyperrealität geboostet, die schwer verdrängbar ist.Dritte StationNeun Fenster in der VertikalenIm Treppenhaus setzt sich die Filminszenierung fortund macht selbst das Rolltreppenfahren zum Erlebnis.Sie lädt dazu ein, die Museumsetagen zu besuchenoder einen Blick in die Werkstätten der Kreativen zuwerfen. Neun virtuelle Bildfenster öffnen sich in derInnenwand der Vertikalen. Sie sind als enge quadratischeBetonlöcher und nach außen oder innen gerichteteFenster über drei Etagen gestaltet. Diese Bildfensterstellen das Bühnenbild für die Menschen desRuhrgebiets, für ihr Lebensgefühl, ihre Sehnsucht, ihreSprache. Die Authentizität dieses Teiles der Installationberuht ganz auf den persönlichen Begegnungen mitMenschen, die Winkelmanns Leben und Weltbild beeinflussthaben, er ist hier im intimen Sinne involviert,somit rigoros subjektiv beteiligt, ja autobiografisch. AlsFilmemacher hat er wie kaum ein anderer dem Ruhrgebietein neues Gesicht gegeben und ist dabei liebevollauch dem Überkommenen zugewandt geblieben. Er tutdies, obgleich virtuos mit einzelnen Klischees jonglierend,stets respektvoll. Seine Figuren zeichnet er clowneskund kreativ, alltagstauglich und doch auch demZauber des Surrealen zugewandt, schwer und leichtzugleich mit vollkommen unpathetischem Erbarmen.Links: Neun Fenster in der VertikalenRechts: U-Turm BilderuhrUnten: Ruhrpanoramen in der Eingangshalle,Fotos: © Adolf WinkelmannCreated by Adolf WinkelmannDramaturgie: Jost KrügerKamera: David Slama, Voxi BärenklauKlangkompositionen: Hans-Peter Kuhn,Hans SteingenSounddesign: Matthias LempertProduktion: Christiane SchaeferMit: Dietmar Bär, Peter Fitz,Stephan Kampwirth, Peter Lohmeyer,Jürgen Mikol, Caroline Peters, Irene Rindje,Benjamin Sadler, Jürgen Schornagel,Christian Tasche, Margret Völker,Katharina Wackernagel, August ZirnerWinkelmann Filmproduktion GmbHim Auftrag der Stadt Dortmund© 2010


VIEWRestaurant | Club | Eventlocationim Himmel über DortmundCMYCMMYCYDirekt unter dem U eröffnet mit dem VIEW eine spektakuläre und deutschlandweiteinzigartige gastronomische Einrichtung.Im rundum verglasten 15 m hohen Raum offenbart sich den Gästen eine multifunktionaleBetriebsstätte, die zusätzlich mit einer 200 qm großen Außenterrasse glänzt. Tagsüberwerden die Gäste und Mitarbeiter des Hauses in einem Bistro/Café bewirtet. Abends verwandeltsich das VIEW in ein anspruchsvolles, von moderner Gemütlichkeit geprägtes Restaurantmit neudeutscher Küche, in der Wert auf regionale Produkte gelegt wird.Nachts, vor allem an den Wochenenden, wird es regelmäßig elektronische Musik, Konzerte,Lesungen und andere kulturelle und subkulturelle Events geben. Außerdem kann man dasVIEW für Veranstaltungen aller Art mieten.CMYKRUBYBistro | Cocktailbar | Lounge | MicroclubIm Erdgeschoss des U eröffnet Anfang/Mitte Oktober das RUBY, das die Gäste zum Verweileneinladen und weit über die Öffnungszeiten des U hinaus ein Hotspot für Nachtschwärmer undGenießer werden soll. Wie der Name RUBY schon vermuten lässt, werden rubinrote Farbtöneund edle, in schwarz gehaltene Möbel das Ambiente bestimmen. Das gastronomischeAngebot reicht von Snacks bis hin zu edlen Tropfen & Cocktails.VOLTAAb Sommer 2011 | mediterranes RestaurantImpressumHerausgeber: Stadt Dortmund und Regionalverband RuhrKonzeption: Dr. Andreas Broeckmann und Dr. Dieter NellenRedaktion / Lektorat: Antje Utermann-Funke, DortmundGestaltung: labor b, DortmundDruck: DruckVerlag Kettler, Bönen / WestfalenV. i. S. d. P. : Dr. Andreas Broeckmann© 2010, Stadt Dortmund, Regionalverband RuhrOben: Wechselausstellungsfläche/ Oberlichtsaal© Gerber Architekten,Foto: Hans Jürgen LandesUnten links: Tragwerk des Uin der Dachkrone© Gerber Architekten,Foto: Hans Jürgen LandesUnten rechts: Kunstvertikale© Gerber Architekten,Foto: Hans Jürgen LandesKULTUR ELEKTRISIERT!AB SOFORT AUCH IM DORTMUNDER U.Für Dortmunds Wahrzeichen Nummer eins heißt es „Vorhang auf“!RWE ist gerne als Partner mit dem RWE Forum dabei.www.energiekulturruhr.de


AUF GUTE NACHBARSCHAFTund eine erfolgreicheZusammenarbeitan der DortmunderKulturmeile.Gemeinsam

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