Ein Weg nach Innen - Jesuitenmission

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Ein Weg nach Innen - Jesuitenmission

S P I R I T U A L I T Ä TEin Wegnach InnenWest-östliche MeditationDie Sehnsucht nach Spiritualität, nach einer lebendigenBeziehung zu Gott ist etwas, das vieleMenschen in Deutschland nicht mehr in dentraditionellen Glaubensformen der KatholischenKirche zu finden meinen. Oft richtet sichihr Blick dann auf östliche Meditationsformenwie Zen oder Yoga. Sebastian Painadath SJverbindet in seinen Meditationskursen seit25 Jahren erfolgreich westliche und östlicheSpiritualität.„Der Baum ist ein Ursymboldes Heils. Bäume sind so wiedie im Beten auf den Himmelhin gefalteten oder ausgestrecktenHände der Erde.“aus: Sebastian Painadath,Befreiung zum wahren Leben,München 2006.Ich bin ein indischer Jesuit aus Kerala, Südindien.Ich habe in Innsbruck Theologiestudiert und in Tübingen promoviert. 1987gründete ich in Kerala einen Aschram, der imLaufe der Jahre zu einem geistigen Begegnungsortvon Hindus und Christen geworden ist. Seit 1981komme ich alljährlich für sechs Wochen nachEuropa, um in den deutschsprachigen LändernMeditationskurse und Dialogseminare zu halten.Dabei geht es mir um ein dreifaches Anliegen:Erstens um eine Wiederbelebung der Mystik zurVertiefung der christlichen Spiritualität, zweitensum eine geistige Offenheit zu den Schätzen deranderen Religionen und drittens um eine gegenseitigbereichernde Begegnung zwischen denOrtskirchen. Ich finde, dass die indische Ortskirchemit ihren spirituellen Erfahrungen und theologischenAnsätzen den deutschen Mitchristenetwas Wertvolles anzubieten hat.Göttlicher EnergiestromIn den Meditationskursen erleben die Teilnehmendeneinen Zugang zur inneren Stille. Dazuverhelfen die in der Erde bewusst verwurzelte12 weltweit


S P I R I T U A L I T Ä TSitzhaltung, das Durchspüren des Leibes alsTempel des Geistes, die Wahrnehmung desAtems als göttlicher Energiestrom, die Wiederholungdes Namens Jesu oder des MantrasOM. Langsam kommen die Übenden zu derbegnadeten Erfahrung des inneren sakralenRaumes, in der sie die göttliche Gegenwart alstragenden Grund oder belebende Heilsquellewahrnehmen. Anders gesagt: Es entfaltet sichein innerer Lebensbaum. Ihm Raum zu geben,führt zur Heilung im psychischen Bereich undzum Heil im geistlichen Leben. Ein klassischerText der Mystik bildet die Grundlage für jedenKurs: Das Johannesevangelium oder die BhagavadGita, die Upanishaden oder die Predigtenvon Meister Eckhart.Wurzeln im christlichen GlaubenVon den Rückmeldungen spüre ich, dass dermystische Weg nach Innen den Suchendenhilft, den christlichen Glauben tiefer zu erfahren:Christus wird dann vielmehr Subjektder Erfahrung als Objekt der Verehrung. Wirschließen jeden Tag mit einer meditativ gestaltetenAbendeucharistie. Am letzten Tag erlebendie Teilnehmenden eine Messe mit kosmischenSymbolen. Dies ist eine in den asiatischenOrtskirchen entwickelte Form der inkulturiertenLiturgie.Unser Glaube an Jesus Christus macht uns frei,die Wirkung des Heiligen Geistes auch in denHerzen der Andersglaubenden zu respektierenund die Offenbarung des göttlichen Wortesauch in den Schriften der anderen zu achten.Gott ist größer als alle Religionen. Je tiefer wirim christlichen Glauben Wurzeln schlagen,umso mehr können wir uns den Andersglaubendenöffnen. Vielfalt der Religionen respektierenund die Einheit der Spiritualität wahrnehmen– das wäre der Weg in die Zukunft derMenschheit.Sebastian Painadath SJDie Kurse von P. Sebastian Painadath (rechtsim Bild) bietet missio jedes Jahr in verschiedenenOrten an. Drei Teilnehmerinnen haben fürweltweit ihre Eindrücke geschildert:Durch die regelmäßigen Übungen von P. Sebastianhat sich mein spirituelles Leben vertieft.Es zeigt sich schon allein darin, dass ichachtsamer mit mir selbst, aber auch mit allenMenschen und mit der ganzen Natur umgehe.Wo auch immer ich bin, beginne ich den Tagmit der leibbezogenen Form des Betens, demSonnengebet. Liege ich im Krankenhaus, dannvollziehe ich die Übungen in Gedanken. Auchauf diese Weise fühle ich mich deutlich gestärkt.Mein Denkhorizont hat sich vor allem durchdie Texte aus dem indischen Kulturraum geweitet.Jetzt verstehe ich, dass die Unterschiedein den Religionen uns nicht trennen müssen; inder Tiefe sind wir alle miteinander verbunden.Irene Deppe-Guttweltweit 13


S P I R I T U A L I T Ä Tdass wir Menschen Erde sind – zu Bewusstsein,zu Geist erwachte Erde. Drücken die biblischenSchöpfungserzählungen nicht das Gleiche aus?Solche fundamentalen Einsichten können undmüssen sich auch auf unseren Umgang mit derUmwelt auswirken. In einer Zeit, wo auch derGlaube der Gläubigen von einer latenten, lautlosenErosion angenagt wird, bin ich aus seinenKursen mit den bewegenden Eucharistiefeiernimmer wieder neu gestärkt, ja frohen Mutes inmein Alltagsleben, in meine „Alltags-Gemeinde“zurückgekehrt, neu mir bewusst: der Glaubean Gott in seiner christlichen Ausprägung isteine befreiende Erfahrung.Ruth AhlAbendeucharistie während des Meditationskurses.Ich habe in den Meditationskursen von P. SebastianSchweigen gelernt – und das Schweigenschätzen gelernt. Das hilft mir auch in meinemAlltag, der seit dem Tod meines Mannes vor fast16 Jahren mit viel Schweigen zurechtkommenmuss. Ich habe eine Ahnung davon bekommen,welch tiefe Gotteserfahrungen in den Textender asiatischen Hochreligionen, vornehmlichder hinduistischen Traditionen zu finden sind.Das hat mich neu nach Quellen solcher Erfahrungenin meiner eigenen jüdisch-christlichenTradition Ausschau halten lassen.Da P. Sebastian es gleichermaßen versteht, mitInterpretationen aus der hinduistischen Traditionwie der christlichen Mystik – hier besondersMeister Eckhart – oder dem Johannesevangeliumdie eigene Spiritualität der Teilnehmer anzuregenund zur Meditation hinzuführen, löstensich für mich viele Fragen wie von selbst. Bei P.Sebastian habe ich auch gelernt, die Natur, dieSchöpfung mit ganz neuen Augen zu sehen; dasWasser zum Beispiel, oder die Bäume und dieTiere auch. So habe ich anzunehmen gelernt,Als katholische Religionslehrerin suchte ichfür die Kinder einen Weg, durch den sie denGlauben aus dem Inneren gelebter Spiritualitätvermittelt bekommen und der Glaube durchmeine Person für sie spürbar und erfahrbarwürde. Der erste Kurs, in dem uns P. Painadathdurch Schweigen und Stille in die Meditationeinführte, war für mich der Beginn eines meinLeben formenden Prozesses. Durchschnittlichhabe ich in den Jahren 1985-2007 jedes zweiteJahr „Exerzitien“ im Schweigekurs miterlebt.Durch die sich immer wiederholende Korrelationmit der Bhagavadgita und durch Texteder Upanishaden (1000-500 v. Chr.) empfandich große Ehrfurcht vor dem Wirken des göttlichenGeistes in der östlichen Spiritualität. MitRespekt bemühe ich mich, Vorurteile und Arroganzabzubauen. Für mich ist der Dialog derReligionen zur Selbstverständlichkeit geworden.Es ist der einzige Friedensweg, in AchtungMenschen anderen Glaubens zu begegnen undsie nicht als „Ungläubige“ zu sehen. Voraussetzungfür den Dialog ist selbstverständlich meineigenes christliches Verhalten und die Authentizitätmeiner Spiritualität. Dazu hat P. SebastianPainadath durch seine Kurse einen wichtigenBeitrag geleistet.Ingeborg Nichell14 weltweit

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