Drehbuch: Ne günstige Gelegenheit
Drehbuch: Ne günstige Gelegenheit
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ne günst.gel<br />
<strong>Drehbuch</strong> von<br />
THOMAS OLIVER WALENDY<br />
www.neguenstigegelegenheit.de<br />
Das <strong>Drehbuch</strong> zum Downloaden von<br />
www.zweitausendeins.de/filminfo<br />
Länge: 104 Minuten<br />
Deutscher Kinostart: 18. November 1999<br />
im Verleih der Warner Bros. Film GmbH
Gratis Download: www.Zweitausendeins.de<br />
Das <strong>Drehbuch</strong> ‘NE GÜNSTIGE GELEGENHEIT orientiert sich am<br />
amerikanischen <strong>Drehbuch</strong>format. Keine neue Seite für eine neue<br />
Szene, wie es in Deutschland üblich ist. Das ermöglicht einen<br />
fortlaufenden Lesegenuß ohne viel umzublättern.<br />
Eine Seite entspricht ungefähr einer Minute Film.<br />
Die mit eckiger Klammer [...] markierten Passagen sind in<br />
Absprache zum Teil schon vor Drehbeginn oder am Schnittplatz<br />
herausgefallen.<br />
Gravierend unterscheiden sich <strong>Drehbuch</strong> und Film in der<br />
Örtlichkeit des Showdowns. Im <strong>Drehbuch</strong> findet das Finale aus<br />
thematischem Grund in einem Palmenhaus statt, im Film, aus einem<br />
rein produktionstechnischem Grund, in einem Gasometer mit dem<br />
fiktiven Namen Zynox Dalbi.<br />
'NE GÜNSTIGE GELEGENHEIT - © 1999 THOMAS OLIVER WALENDY UND LETTERBOX FILMPRODUKTION
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‘NE AUFBLENDE:<br />
1. AUSSEN - WEIHER IM WALD - TAG<br />
Es ist früh am Morgen. Die Laubbäume und Büsche sind kahl, die<br />
Regenpfützen gefroren. Rauhreif klammert sich an jeden Grashalm,<br />
und der <strong>Ne</strong>bel verbreitet seine morgendliche Tristesse.<br />
Auf dem Wasser schwimmen WINDGÄNSE.<br />
Da taucht ein MODELL U-BOOT U96 aus dem Wasser auf und nimmt<br />
einen Ganter ins Fadenkreuz.<br />
Auf einem STEG MIT BOOTSHAUS IM HINTERGRUND sitzen zwei<br />
BANDRIKEN.<br />
Der eine, der die Fernbedienung bedient, heißt OTRANTO. Er ist<br />
kräftig und hat unschuldige Augen. Der andere ist ein kleiner<br />
Bulle mit einem Gesicht, das niemals lacht und lediglich von<br />
einer dicken Hornbrille verziert wird. Er heißt DRAKONIN. Mit<br />
ihren ausgebeulten Kordhosen, verfilzten Wollpullovern und<br />
ausgefransten Sakkos machen sie einen ziemlich ärmlichen<br />
Eindruck.<br />
(ANMERKUNG: Die in Klammer gesetzten deutschen Übersetzungen der<br />
bandrikischen Dialoge erscheinen als Untertitel.)<br />
Flatko?<br />
(Gänse?)<br />
OTRANTO<br />
DRAKONIN<br />
Flatko sabak. - Strumai in luka Afrikasch.<br />
(Wildgänse. - Müßten schon längst im<br />
sonnigen Afrika sein.)<br />
Otranto drückt auf die Fernbedienung.<br />
Ein Torpedo wird von U-96 abgeschossen und zischt durch das<br />
Wasser auf den Ganter zu.<br />
Der Ganter sieht die Gefahr auf sich zukommen und erschrickt.<br />
... eine EXPLOSION ... eine Wasserfontäne spritzt auf ...<br />
mit wütendem SCHNATTERN fliegt der Ganter davon.<br />
Wir folgen dem Ganter durch einen dichten Wolkenteppich und<br />
fliegen einem strahlend blauen Himmel entgegen.<br />
Die CREDITS beginnen.<br />
Wir senken unseren Blick und finden uns in AFRIKA wieder:<br />
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2. AUSSEN - MONTAGESEQUENZ: GOSBERTS TRAUM VON AFRIKA - TAG<br />
Wir überfliegen atemberaubende afrikanische Landschaften,<br />
begleitet von einer getragenen FILMMUSIK.<br />
Schließlich erreichen wir das Ziel unserer Reise: Am Horizont<br />
erhebt sich majestätisch der schneebedeckte Kilimandscharo mit<br />
seiner Wolkenkrone.<br />
Plötzlich friert die EINSTELLUNG zu einem STANDBILD ein,<br />
vergilbt, bekommt Risse ...<br />
3. INNEN - WOHNWAGEN, TYP "WELTENBUMMLER" - TAG<br />
... und wird zu einem POSTER, vor dem jetzt der Kopf von GOSBERT<br />
KLEE erscheint, der erschrocken aus seinem Schlaf fährt und wie<br />
ein Ertrinkender nach Luft schnappt. Gosbert zittert vor Kälte.<br />
Er schaut zu einem Wasserhahn, an dem sich ein Eiszapfen<br />
gebildet hat, von dem dicke Tropfen in ein Kunststoffwaschbecken<br />
platschen.<br />
GOSBERT<br />
Kotz die Wand an!!!<br />
Gosbert springt mit der Bettdecke über den Schultern aus dem<br />
Bett, eilt zu einer eingebauten GASHEIZUNG und drückt auf den<br />
FUNKENSTARTER. Die wärmespendende Flamme entzündet sich nicht.<br />
GOSBERT<br />
Kotz die Wand an!!!<br />
4. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />
Der völlig heruntergekommene Stadtcampingplatz liegt an einem<br />
Flußufer. Lastkähne schippern vorbei, auf ihrem Weg zu den<br />
großen Häfen, den Toren zur weiten Welt.<br />
Über der geöffneten EINFAHRTSSCHRANKE hängt ein angerostetes<br />
EMAILLESCHILD:<br />
CAMPING BEI ABOGAST JR.<br />
Das “junior” ist mit einem Pinsel dazugeschrieben worden.<br />
Die REZEPTIONSBARACKE und anschließenden WASCHRÄUME sind an<br />
unendlichen Stellen ausgebessert und repariert.<br />
Gosbert kommt aus einem SCHUPPEN. Er trägt jetzt einen<br />
schwarzen, ungebügelten Anzug, der seine besten Tage schon<br />
längst hinter sich hat und für die Jahreszeit entschieden zu<br />
dünn ist. Das weiße Hemd ist frisch gewaschen und die Krawatte<br />
ordentlich gebunden.<br />
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Er zieht eine rote, verrostete GASFLASCHE (33 Kilo) hinter sich<br />
her und schleppt sie im Folgenden über das Campingplatzgelände.<br />
MÄNNLICHE STIMME (OFF)<br />
Gosbert! Du, die Gasflasche hat mich im<br />
Einkauf 84,10 gekostet.<br />
Ein Mann mit verschlissener Fellbomberjacke und Wollmütze kommt<br />
Gosbert hinterhergelaufen. Er ist Mitte dreißig und heißt THILO<br />
“ABO” ABOGAST.<br />
GOSBERT<br />
Ich kassier nächste Woche ein paar<br />
Außenstände für Steinbach ab, dann<br />
kriegste dein Geld.<br />
Nächste Woche?<br />
Nächste Woche.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Abo packt am anderen Ende der Gasflasche an und hilft tragen.<br />
ABO<br />
Du? Kannste bei Steinbach nich `n Wort für<br />
mich einlegen ...<br />
GOSBERT<br />
Abo, das ham wir doch schon durch.<br />
Ich frag doch nur.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Du fragst jeden Tag. Und hast immer noch<br />
nicht kapiert, daß nur Profis für<br />
Steinbach arbeiten.<br />
Abo tritt in Vogelscheiße.<br />
ABO<br />
Scheiße! Der Emu verkackt mir den ganzen<br />
Campingplatz.<br />
GOSBERT<br />
(er hat`s schon tausend<br />
Mal gesagt)<br />
Das ist `n Strauß, Mann.<br />
Abo versucht sich beim Weitergehen den Schuh abzuwischen.<br />
5. AUSSEN - WOHNWAGEN, TYP “WELTENBUMMLER” - TAG<br />
Der Wohnwagen ist auf der Wetterseite mit Moos bewachsen. Abo<br />
ist mit einer Rohrzange beschäftigt, die Gasflasche mit einem<br />
Schlauch zu verbinden.<br />
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Gosbert steht daneben und steckt sich lässig ZWEI<br />
KAUGUMMISTREIFEN in den Mund.<br />
[ABO<br />
Steinbach soll die Schrotflinte haben, mit<br />
dem Al Capone den Tony Musante erschossen<br />
hat.<br />
GOSBERT<br />
Er hat auch die 38er mit der Capone auf<br />
Dillinger geschossen hat.<br />
ABO<br />
Na ja. Ich hätt sowieso keine Zeit für<br />
Steinbach zu arbeiten. Bis zum Sommer will<br />
ich den Campingplatz wieder voll in Schuß<br />
kriegen.]<br />
Mit einer letzten Umdrehung beendet er seine Arbeit und nickt.<br />
Gosbert bietet Abo das Kaugummipäckchen an. Abo nimmt dankend<br />
einen Streifen.<br />
GOSBERT<br />
Einer ist zu wenig. Wenn de richtig kauen<br />
willst, brauchste zwei.<br />
Abo greift noch einmal zu.<br />
6. INNEN - WOHNWAGEN, TYP "WELTENBUMMLER" - TAG<br />
Gosberts Finger drückt vergeblich auf den Funkenstarter. Die<br />
wärmende Flamme entzündet sich nicht.<br />
Gosbert drückt kräftiger. Der Starter verklemmt sich und bleibt<br />
stecken.<br />
ABO<br />
(mit Kompetenz)<br />
Da ist der Starter kaputt. Ich reparier so<br />
was im Handumdrehn.<br />
Abo zieht übereifrig Schraubenzieher und Zange aus seinem<br />
Arbeitsgürtel.<br />
GOSBERT<br />
Laß mal. Da soll Steinbach sich gefälligst<br />
drum kümmern.<br />
Echt!?<br />
(staunt)<br />
ABO<br />
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GOSBERT<br />
Wenn ich in seinem Cruiser mal ordentlich<br />
auf den Tisch hau, dann ist das Ding in<br />
zwei Stunden wieder ganz.<br />
Abo ist von Gosberts Coolness schwer beeindruckt.<br />
7. AUSSEN - GROSSTADTMETROPOLE - TAG<br />
Wir nähern uns einem fahrenden Wohnmobil Typ "American Cruiser".<br />
Wir HÖREN amerikanische Countrymusik aus einer Stereoanlage.<br />
STEINBACHS STIMME (V.O.)<br />
Ich hab dir von Anfang an gesagt, so ein<br />
Wohnwagen ist was feines. Wohnt keiner<br />
über dir, keiner unter dir, bist dein<br />
eigner Herr im Haus und hast ein Stück<br />
Garten mit ‘nem Zwerg vor der Tür.<br />
Um sich Achtung zu verschaffen, bedient der Fahrer des Cruisers<br />
seine Hupe. Ein LAUTES KAVALLERIEANGRIFFSSIGNAL.<br />
8. INNEN - "AMERICAN CRUISER" (IN BEWEGUNG) - TAG<br />
Der Cruiser ist mit allem Schnickschnack eingerichtet.<br />
GERD STEINBACH sitzt gemütlich in einem Sofa im Heck. Er ist<br />
Anfang fünfzig, trägt Markenklamotten und Cowboystiefel aus<br />
Krokodilleder.<br />
Er beobachtet Gosbert, der in Schürze auf den Knien herumrutscht<br />
und den Teppichboden mit einer Bürste und Teppichschaum<br />
schrubbt.<br />
GOSBERT<br />
(zögerlich)<br />
Aber ... es ist dein Wohnwagen, ... deine<br />
Heizung.<br />
Steinbach zeigt mit der Spitze seines Cowboysteifels auf einen<br />
Schmutzfleck. Gosbert beginnt ihn sofort zu bearbeiten.<br />
STEINBACH<br />
(ignoriert den Einwand)<br />
Wenn die Heizung nicht funktioniert, bau<br />
von mir aus `ne neue ein. Aber mach mir<br />
nichts kaputt.<br />
GOBSERT<br />
Ich hab im Moment nicht mal das Geld, um<br />
Abo `ne Gasflasche bezahlen zu können.<br />
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STEINBACH<br />
Gosbert, Gosbert, Gosbert. ...<br />
Steinbach nimmt eine Kaffeekanne aus der Kaffeemaschine, gießt<br />
sich eine Tasse ein.<br />
Er bietet Gosbert den Kaffee an. Gosbert schüttelt den Kopf.<br />
GOSBERT<br />
Nicht aus der Machine.<br />
STEINBACH<br />
Wie alt biste jetzt?<br />
27.<br />
GOSBERT<br />
STEINBACH<br />
Als ich in deinem Alter war, hab ich mir<br />
schon jeden Monat einen Goldbarren<br />
gekauft. 15.000 hat mich der gekostet. -<br />
Schau mich an.<br />
(zeigt die Ringe an seinen<br />
Fingern)<br />
Kostet jeder über 5.000 Mark.<br />
(zeigt auf seine anderen<br />
Kleidungsstücke)<br />
Das Hemd 900. Sakko 2.000. Krawatte 350.<br />
(zieht einen Cowboystiefel<br />
aus und legt das Bein auf<br />
den Tisch)<br />
Das billigste an mir sind die Socken für<br />
120.<br />
(nimmt das Bein wieder<br />
runter)<br />
Menschenskind und was hast du? Glotzt den<br />
ganzen Tag auf ein Poster und träumst von<br />
Afrika.<br />
Gosbert springt wütend auf.<br />
GOSBERT<br />
(bockig)<br />
Ich träum nicht bloß. Ich fahr da hin.<br />
Du<br />
STEINBACH<br />
fährst da hin. - Hey Luboviski!<br />
Steinbach wendet sich an den Fahrer. LUBOVISKI ist Ende dreißig.<br />
Ein polnischer Arnold Schwarzenegger mit Bierbauch. Er trägt<br />
einen glänzenden Trainingsanzug.<br />
STEINBACH<br />
Haste gehört. Gosbert fährt nach Afrika.<br />
Luboviski lacht. Steinbach lacht. Gosbert ist gedemütigt.<br />
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STEINBACH<br />
Mach erst mal deinen Führerschein! -<br />
Menschenskind. Ich zahl jedem fünf<br />
Tausender auf die Hand. Fünf Tausender.<br />
Wenn se mir ‘n Auto vorfahrn, das nich<br />
mehr als dreißigtausend auf’m Tacho hat.<br />
[(laut zu Luboviski)<br />
Wie schnell knackst du ‘ne Karre?<br />
LUBOVIKSI<br />
Zwanzig Sekunden.<br />
STEINBACH<br />
(zu Gosbert)<br />
Fünftausend Mark in zwanzig Sekunden.] Das<br />
ist`n gutes Geschäft.<br />
[GOSBERT<br />
(zögerlich)<br />
Kannste mir vielleicht das Geld für die<br />
Heizung nicht einfach vorschießen?]<br />
9. AUSSEN - "AMERICAN CRUISER" - TAG<br />
Der Cruiser steht am Straßenrand. Steinbach reicht Gosbert einen<br />
Aluminiumkoffer.<br />
BAUNEMANN<br />
Den machste mir bis morgen leer.<br />
Gosbert schaut ziemlich zerknirscht drein.<br />
STEINBACH<br />
Ich weiß, du haßt diesen Job. Aber du mußt<br />
lernen Gosbert. Lernen bereit zu sein, für<br />
Geld alles zu tun.<br />
Steinbach gibt Gosbert einen Klaps auf die Wange.<br />
STEINBACH<br />
Sonst kommste nie zum Kilimandscharo.<br />
[Baunemann schüttelt sich vor Kälte, er schaut zum<br />
wolkenverhangenen Himmel.<br />
Scheiß Winter.]<br />
10. INNEN - LUXUSWOHNUNG - TAG<br />
BAUNEMANN<br />
Die Wohnung vermittelt den Eindruck von Reichtum und extremer<br />
Macht.<br />
Auf einer Sitzgruppe liegt ein Mann und schläft.<br />
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Der Mann heißt MALIQ. Er ist ein ergrauter Schönling in einem<br />
schwarzen Markenanzug.<br />
SCHRITTE sind zu hören. Maliq erwacht und sieht einen Mann in<br />
elegantem Kaschmirmantel und pork pie Hut den Raum betreten. In<br />
seiner Hand trägt er eine Reisetasche mit Lufthansa-Anhänger am<br />
Griff.<br />
Der Mann heißt LORENZ KELLERMANN. Er ist Mitte fünfzig. Gesicht<br />
und Haltung strahlen Selbstbewußtsein und Strenge aus.<br />
Kellermann bemerkt Maliq nicht. Er stellt seine Tasche ab und<br />
zieht sich die Schuhe aus. [Auf Socken geht er zu einem<br />
Schreibtisch und schaltet den Computer an - Börsentabellen<br />
erscheinen. Gleichzeitig setzt KLASSISCHE MUSIK ein.]<br />
Maliq schaut auf seine Uhr.<br />
MALIQ<br />
(in gebrochenem Deutsch)<br />
Flugzeug kommen zwei Stunden zu spät, Herr<br />
Kellermann?<br />
Kellermann dreht sich zu Maliq herum und versucht, sich seine<br />
Überraschung nicht anmerken zu lassen.<br />
KELLERMANN<br />
Ich kann mich nicht daran erinnern, mein<br />
Haus während meiner Abwesenheit<br />
untervermietet zu haben.<br />
Maliq steht auf und kommt auf ihn zu.<br />
MALIQ<br />
Es freut mich, daß Sie behalten Ihren<br />
Humor in so einer Situation.<br />
KELLERMANN<br />
Welche Situation meinen Sie?<br />
Maliq zieht eine Pistole aus seinem Schulterhalfter und richtet<br />
sie auf Kellermann.<br />
Diese Situation.<br />
MALIQ<br />
KELLERMANN<br />
Russische Mafia?<br />
MALIQ<br />
Nix Russe. Ich bin Bandrike!<br />
Maliq lächelt. Plötzlich schlägt er Kellermann mit der Pistole<br />
auf die Schläfe. Kellermann bricht besinnungslos zusammen.<br />
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11. AUSSEN/INNEN - KNALLROTER BMW (IN BEWEGUNG) - TAG<br />
Ein KNALLROTER BMW bahnt sich geschickt in überhöhter<br />
Geschwindigkeit seinen Weg durch den belebten Innenstadtverkehr.<br />
MALIQ (V.O.)<br />
Slawotitsch Kellermann.<br />
(Ich habe Kellermann.)<br />
DRAKONIN (V.O.)<br />
Boislimitje. Sabatisch farschadam.<br />
(Gut. Dann komm sofort hier her.)<br />
Maliq steuert mit einer Hand lässig das Auto, mit der anderen<br />
hält er sich ein Handy ans Ohr.<br />
MALIQ<br />
Nietzsche Drakonin. Tona di klap, batitsch<br />
tat la masch a munsch. Car maniblon in<br />
saniset.<br />
(<strong>Ne</strong>in Drakonin. Ich hab noch etwas zu<br />
erledigen, bevor ich am Arsch der Welt<br />
rumhocke. Ich bin morgen früh bei euch.)<br />
DRAKONIN (V.O.)<br />
Ta sabatisch farschadam!!!<br />
(Du kommst sofort hier her!!!)<br />
Der BMW fährt in den BILDHINTERGRUND davon.<br />
12. AUSSEN - WEIHER IM WALD - TAG<br />
Drakonin springt auf und wirft sein Handy in den Weiher.<br />
DRAKONIN<br />
(flucht)<br />
Potzaue me dupasch!<br />
13. AUSSEN - BORDELLVIERTEL - NACHT<br />
Es schifft wie Sau.<br />
Die bunten Lichter der Pornokinos, Sexshows und Kneipen glitzern<br />
auf dem Asphalt.<br />
ZWEI DUNKELMÄNNER werden von einer DICKEN PROSTITUIERTEN aus<br />
einem Bordell namens “CRAZY HORSE” geworfen und landen in einer<br />
Pfütze.<br />
DICKE PROSTITUIERTE<br />
Wer kein Geld hat, dem gehört nicht die<br />
Welt und schon gar nicht meine Muschi.<br />
Gosbert drückt sich neben der dicken Prostituierten aus dem<br />
Eingang. Er trägt den Aluminiumkoffer in der Hand.<br />
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Wütend beobachten die Dunkelmänner, wie die Prostituierte<br />
Gosbert auf den Po klatscht.<br />
DICKE PROSTITUIERTE<br />
Bist immer noch ziemlich griffig, Gosbert.<br />
Mit einem angeekelten “ja, ja” spurtet Gosbert davon, den Gehweg<br />
entlang. Er erreicht den Eingang eines anderen Bordells mit<br />
blinkender Leuchtreklame: "GIRLIES, GIRLIES, GIRLIES" und<br />
verschwindet darin.<br />
Im gleichen Augenblick fährt ein Taxi vor. Maliq steigt aus. Er<br />
hat sich gewaschen, rasiert und umgezogen. Er trägt jetzt einen<br />
hellen Anzug und betritt das “GIRLIES, GIRLIES, GIRLIES”.<br />
14. INNEN - "GIRLIES"/TREPPENHAUS (MONTAGE) - NACHT<br />
Spärliche Beleuchtung. Gosbert steigt die Stufen der steilen<br />
Holztreppe hinauf und erreicht den ...<br />
15. INNEN - “GIRLIES”/FLUR IM 1. STOCKWERK (MONTAGE) - NACHT<br />
Gosbert knallt rotes <strong>Ne</strong>onlicht entgegen. Er geht den Flur<br />
entlang, auf dem sich vereinzelte Männer bewegen, rechts und<br />
links in die offenstehenden Zimmer glotzen und sich an den<br />
dargebotenen weiblichen Reizen ergötzen.<br />
16. INNEN - “GIRLIES”/ZIMMER #1 (MONTAGE) - NACHT<br />
Gosbert steht im Türrahmen, hebt auffordernd den<br />
Aluminiumkoffer.<br />
GOSBERT<br />
(unmotiviert)<br />
Heute Sonderangebot.<br />
Eine SCHWARZE AFRIKANERIN knallt ihm die Tür vor der Nase zu.<br />
17. INNEN - “GIRLIES”/ZIMMER #2 (MONTAGE) - NACHT<br />
Gosbert steht im Türrahmen hebt auffordernd den Aluminiumkoffer.<br />
GOSBERT<br />
Heute ...Sondersuperangebot.<br />
ZWEI SCHNATTERNDE CHINESINNEN MIT PAMELA ANDERSON PERÜCKE<br />
knallen ihm die Tür vor der Nase zu.<br />
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18. INNEN - “GIRLIES”/ZIMMER #3 (MONTAGE) - NACHT<br />
Gosbert steht im Türrahmen hebt auffordernd den Aluminiumkoffer.<br />
WEIBLICHE STIMME (OFF)<br />
Gosbert du Arsch!<br />
Eine Frau mit roten Haaren, roten Lippen und roter Reizwäsche<br />
sieht Gosbert wutentbrannt an. Sie heißt KATJA HELLWEIN und ist<br />
um die dreißig, aber wer weiß das schon genau.<br />
Katja reißt ihre Tür ganz auf. Gosbert nimmt schnell Richtung<br />
Treppenhaus reißaus.<br />
Er kämpft sich gegen den Männerstrom den FLUR entlang ...<br />
19. [INNEN - “GIRLIES”/TREPPENHAUS - NACHT<br />
... und erreicht das Treppenhaus. Der Weg hinab ist ihm durch<br />
DREI HINAUFSTEIGENDE MÄNNER versperrt, also hinauf in die<br />
nächsten Stockwerke ...]<br />
20. INNEN - “GIRLIES”/FLUR IM LETZTEN STOCKWERK - NACHT<br />
... Gosbert knallt grünes <strong>Ne</strong>onlicht entgegen.<br />
Gosbert ist ziemlich aus der Puste. Er sieht eine geschlossene<br />
Tür, geht drauf zu und drückt die Klinke. Sie ist nicht<br />
abgeschlossen. Gosbert verschwindet darin.<br />
21. INNEN - “GIRLIES”/CARLOTTAS ZIMMER - NACHT<br />
Gosbert schließt schnell die Tür und verschnauft. Hinter sich<br />
HÖRT er HEFTIGES ATMEN. Er dreht sich zum Bett herum und sieht<br />
eine wunderschöne, halbnackte Frau auf einem nackten Mann.<br />
Sie heißt CARLOTTA VALDEZ. Sie ist Mitte zwanzig, hat hellbraune<br />
Haut und pechschwarzes Haar und sieht einfach klasse aus.<br />
Carlotta ist verschwitzt und atmet heftig, während sie dem Mann<br />
unter ihr eine Herzmassage verabreicht.<br />
Einen Moment lang beobachtet Gosbert das seltsame "Liebesspiel",<br />
dann wendet er sich wieder der Tür zu.<br />
Da springt der Deckel des Aluminiumkoffers auf und ein Haufen<br />
SEXARTIKEL fallen heraus und bekommen auf dem Boden ihr<br />
“Eigenleben”. Gosbert schaut zu Carlotta und sieht, wie sie ihn<br />
erschrocken anstarrt.<br />
GOSBERT<br />
(etwas hilflos)<br />
Sondersuper ... Supersonder ...<br />
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CARLOTTA<br />
(mit spanischem Akzent)<br />
Was du gucken und stehen. Hilf mir.<br />
Carlotta steigt von dem Mann herunter, packt Gosbert am Arm und<br />
zieht ihn zum Bett.<br />
CARLOTTA<br />
Ich habe nur Liebe gemacht. Gute Liebe<br />
gemacht.<br />
Gosbert schaut zu dem Mann, dem ein zufriedenes Lächeln auf den<br />
Lippen liegt. Es ist Maliq!<br />
Gosbert beugt sich über ihn und fühlt den Puls der<br />
Halsschlagader.<br />
Kotz die Wand an.<br />
Futsch?<br />
Futsch.<br />
GOSBERT<br />
CARLOTTA<br />
GOSBERT<br />
CARLOTTA<br />
Ja. Kotz die Wand an.<br />
Gosbert deckt den Toten mit einem Laken zu. Ihm fällt die steile<br />
“Erhebung” im Genitalbereich auf. Auch Carlotta schaut darauf.<br />
CARLOTTA<br />
Vielleicht ich gemacht Fehler mit Kondom?<br />
Vielleicht ist es Allergie. Gosbert, was<br />
meinst du?<br />
GOSBERT<br />
Seh ich vielleicht aus wie ein Arzt? Seh<br />
ich so aus?<br />
CARLOTTA<br />
Ich habe doch nur Liebe gemacht. Gute<br />
Liebe.<br />
GOSBERT<br />
Das mußt du mir nicht erzählen. Erzähl das<br />
der Polizei.<br />
CARLOTTA<br />
(erschrocken)<br />
Nix Polizeibullen. OK?!<br />
GOSBERT<br />
Mach dir keinen Kopf. Die Polizei tut dir<br />
nichts. Das da ist kein Mord oder so was.<br />
Das ist ein stinknormaler Unfall.<br />
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Gosbert beginnt auf dem Boden herumzukriechen, um die<br />
Sexartikel, die sich inzwischen im ganzen Zimmer verlaufen<br />
haben, wieder einzusammeln.<br />
Carlotta zieht sich einen Bademantel über.<br />
CARLOTTA<br />
(tatenbereit)<br />
Du hilfst mir, ihn wegbringen aus meinem<br />
Zimmer. OK?<br />
GOSBERT<br />
Tote mußte nicht selbst entsorgen. Dafür<br />
ist die Polizei da.<br />
CARLOTTA<br />
Aber ich habe keine Papiere. Verstehst du?<br />
Ich darf nicht sein in Deutschland.<br />
GOSBERT<br />
(mitfühlend)<br />
Das ist Scheiße. - Aber ich hab echt auch<br />
meine Probleme.<br />
Gosbert will weiter einpacken, doch Carlotta greift Gosberts<br />
Hand und versucht ihn mit einem treuherzigen “Bambi”-Blick<br />
rumzukriegen.<br />
CARLOTTA<br />
(ehrlich)<br />
Gosbert. Meine Familie in Puerto Rico<br />
waren große Künstler. In Zirkus, verstehst<br />
du? Zwanzig Meter hoch haben sie getanzt<br />
auf Seil. Mein Vater Pedro, meine Mutter<br />
Maria, meine fünf Brüder Pablo, Rodrigez,<br />
Gonzales, Stephan und der kleine Miguel.<br />
Zwanzig Meter tief sind sie gefallen.<br />
Verstehst du? Alle tot.<br />
GOSBERT<br />
(betroffen)<br />
Das ist schlimm. Das ist echt schlimm.<br />
Er will trotzdem los, sie hält ihn zurück.<br />
CARLOTTA<br />
Sie hatten kein Geld für <strong>Ne</strong>tz für<br />
Sicherheit. Ich komme nach Deutschland, um<br />
Geld zu verdienen. Geld für Sicherheit.<br />
Verstehst du?<br />
GOSBERT<br />
Ich versteh dich total. Aber ich muß jetzt<br />
echt los.<br />
Gosbert zieht seine Hand weg, macht den Koffer zu, steht auf und<br />
geht zur Tür.<br />
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Gosbert.<br />
CARLOTTA (OFF)<br />
Gosbert dreht sich um und sieht, wie Carlotta verführerisch<br />
ihren Bademantel öffnet und posiert.<br />
CARLOTTA<br />
Na? Bin ich dir häßlich?<br />
Gosbert ist hin- und hergerissen.<br />
CARLOTTA<br />
Ich mache dich glücklich. Wir fünfzig Mal<br />
Liebe machen. Ohne Pause. OK?!<br />
Gosbert schaut zum toten Maliq, dann wieder zu Carlotta.<br />
GOSBERT<br />
Das ... das wird keine Liebesgeschichte.<br />
Gosbert wendet sich ab und öffnet die Tür, doch Carlotta eilt<br />
herbei, schlägt ihm die Tür vor der Nase zu und schließt ab.<br />
CARLOTTA<br />
Wir machen jetzt Geschäft. OK?!<br />
Carlotta geht zu einem Stuhl über dem Maliqs Kleidung liegt. Sie<br />
greift nach der Hose und zieht einen GRÜNEN KROKODILGELDBEUTEL<br />
heraus, öffnet ihn und holt fünf Tausendmarkscheine heraus, die<br />
sie aufgefächert Gosbert entgegenstreckt.<br />
Gosbert ist hin- und hergerissen.<br />
22. AUSSEN - "GIRLIES"/HINTERHOF - NACHT<br />
Es schifft noch immer.<br />
Maliq trägt wieder seinen Anzug. Er baumelt an einem Seil aus<br />
zusammengeknoteten Seidenstrümpfen zwischen dem ersten und<br />
zweiten Stockwerk.<br />
Gosbert und Carlotta stehen auf dem Balkon von Carlottas Zimmer<br />
und lassen ihn langsam hinunter.<br />
Ein Fenster im ersten Stockwerk wird geöffnet.<br />
Gosbert und Carlotta ziehen Maliq schnell wieder hoch. Da reißt<br />
ein Knoten. Maliq fällt ... direkt in eine geöffnete Mülltonne.<br />
Der Deckel klappt zu. Von Maliq ist nichts mehr zu sehen.<br />
Eine PROSTITUIERTE beugt sich neugierig aus dem Fenster, schaut<br />
in den Hof hinunter und sieht eine TOTE TAUBE auf dem Pflaster<br />
liegen.<br />
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PROSTITUIERTE<br />
Oh Mann. Bei dem Regen ersaufen sogar die<br />
Tauben im Flug.<br />
Desinteressiert macht sie das Fenster wieder zu.<br />
Gosbert wirft Carlotta einen Blick zu - OK?!<br />
23. AUSSEN - "GIRLIES" - NACHT<br />
Der Regen hat aufgehört. Dafür ist es arschkalt.<br />
Gosbert tritt aus dem Bordell heraus und rutscht glücklich auf<br />
der spiegelglatten Straße entlang.<br />
Dunkelmann #1 tritt Gosbert entgegen und grinst ihn mit seinen<br />
schlechten Zähnen an.<br />
DUNKELMANN #1<br />
Meister. Haste ‘n Fünfziger damit ich mir<br />
nicht immer selbst einen runter holen muß?<br />
Gosbert versucht sich vorbeizudrücken, da wird Gosbert von<br />
Dunkelmann #2 von hinten gepackt und in eine Sackgasse gestoßen.<br />
24. AUSSEN - SACKGASSE - NACHT<br />
Gosbert rutscht auf dem Bauch in die Sackgasse hinein. Der Schuh<br />
von Dunkelmann #2 quetscht seinen Kopf auf eine gefrorene<br />
Regenpfütze, so daß die Eisschicht bricht. Dunkelmann #1 zieht<br />
mit seinen verdreckten Fingern gierig den Krokodilgeldbeutel aus<br />
Gosberts Gesäßtasche.<br />
Er tritt Gosbert brutal in die Seite, rutscht aus und knallt mit<br />
dem Hintern auf dem Boden. Auf den Knien rutscht er zu Gosbert<br />
und schreit ihm ins Ohr.<br />
DUNKELMANN #1<br />
Haste, haste, haste noch nie was davon<br />
gehört, daß Krokodile am Aussterben sind.<br />
Hä? Altes Arschloch.<br />
Dunkelmann #2 kratzt sich aufgeregt am Sack, während Dunkelmann<br />
#1 den Geldbeutel aufklappt. Doch er zieht lediglich einige<br />
Plastikkarten heraus, die er achtlos auf den Boden fallen läßt.<br />
Schließlich schleudert er Gosbert den Geldbeutel ins Gesicht.<br />
DUNKELMANN #1<br />
Verarschen, verarschen kann ich mich auch.<br />
Er kriecht zu Gosberts Bein und zieht ihm den Schuh aus.<br />
Schüttelt. Da rutschen die säuberlich zusammengefalteten<br />
Tausendmarkscheine heraus. Gierig steckt er das Geld ein, gibt<br />
seinem Kollegen ein Zeichen. Beide rutschen aus der Sackgasse.<br />
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Gosbert steht auf, wischt sich mit der Hand über das nasse<br />
Gesicht. Dann greift er zu dem Aluminiumkoffer und schleudert<br />
ihn gegen eine Hauswand, rutscht aus und landet in der<br />
Regenpfütze. Geschlagen bleibt er liegen. Im OFF RASSELT und<br />
ÄCHZT der Kofferinhalt und „lacht“ ihn höhnisch aus.<br />
Da sieht Gosbert vor sich auf dem Boden eine Plastikkarte. Es<br />
ist eine HOTELSCHLÜSSELKARTE: HOTEL ATLANT.<br />
25. AUSSEN - HOTEL ATLANT - NACHT<br />
<strong>Ne</strong>ben sich den zerbeulten Aluminiumkoffer und in den Händen ein<br />
heißes Getränk im Plastikbecher, steht Gosbert frierend am<br />
Straßenrand und schaut zum Eingang des Luxushotels auf der<br />
anderen Straßenseite hinüber.<br />
Vor dem Eingang steht unüberwindbar ein Portier. Sein Name ist<br />
übrigens GEORG RÜBENACKER. Er ist ziemlich stolz darauf, so in<br />
Uniform und Zylinder vor dem Hotel zu stehen.<br />
Gosbert trinkt einen Schluck, verzieht angeekelt das Gesicht und<br />
schüttet den Becher aus.<br />
26. [AUSSEN/INNEN - BOOTSHAUS - TAG<br />
Drakonin beobachtet vom Fenster aus den Sonnenaufgang.<br />
Im Inneren sind alle Vorbereitungen für die Unterbringung eines<br />
Entführten getroffen: Ein kleines Einmannzelt steht an einer<br />
Wandseite. Ketten sind im Boden befestigt und reichen durch<br />
Löcher in das Zelt hinein. Auf wackligen Regalen stapeln sich<br />
Lebensmittel für mehrere Wochen.<br />
U-96 steht auf dem Tisch. Otranto spielt mit der Fernbedienung<br />
herum.<br />
OTRANTO<br />
Pobla Maliq jest betrogi?<br />
(Vielleicht hat Maliq uns betrogen?)<br />
Drakonin dreht sich zu Otranto herum.<br />
DRAKONIN<br />
Maliq jest paschak moja sistra. Nietzsche<br />
familia betroga familia. Nietzsche!!!<br />
(Maliq ist der Ehemann meiner Schwester.<br />
Niemals betrügt die Familie die Familie.<br />
Niemals!!!)<br />
Tadruck.<br />
Dschedai.<br />
OTRANTO<br />
DRAKONIN<br />
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Die Hüttentür wird aufgestoßen. Im GEGENLICHT steht ein JÄGER im<br />
Türrahmen - Typ Nick Nolte in “EXTREME PREJUDICE”. Er richtet<br />
seinen Doppelläufer auf Drakonin und Otranto.<br />
JÄGER<br />
Seit zwei Tagen erschießt hier jemand<br />
meine Wildgänse.<br />
Otranto drückt auf die Fernbedienung. U-96 schießt einen Torpedo<br />
ab ... der Jäger wird nach hinten katapultiert und landet tot im<br />
Gras.<br />
DRAKONIN<br />
(wütend)<br />
Potzaue me dupasch! Todarest nje puffki a<br />
menschtraka. Jestema a Germanykasch. A<br />
Germanykasch toijest problem zoj<br />
politschia.<br />
(Verdammt noch mal. Du kannst doch nicht<br />
einfach einen Menschen erschießen. Wir<br />
sind hier in Deutschland. Hier kriegst du<br />
Ärger mit der Polizei.)<br />
Corega tabs.<br />
(Entschuldigung.)<br />
OTRANTO<br />
27. AUSSEN - WEIHER IM WALD - TAG<br />
Wenig später.<br />
Die Leiche des Jägers versinkt im Weiher.<br />
Drakonin und Otranto stehen am Ufer. Otranto trägt U-96 unter<br />
seinem Arm. Drakonin studiert einen Stadtplan in bandrikischer<br />
Sprache.<br />
DRAKONIN<br />
Tow. Hotel Atlant.<br />
Tadruck.<br />
Dschedai.<br />
OTRANTO<br />
DRAKONIN<br />
Drakonin faltet den Plan zusammen und nimmt Otranto U-96 ab.<br />
Otranto nimmt seine große, vollgepackte ADIDAS SPORTTASCHE auf,<br />
die er von nun an wie Obelix seinen Hinkelstein immer mit sich<br />
herumtragen wird.<br />
Die beiden Männer gehen davon.]<br />
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28. AUSSEN - HOTEL ATLANT -TAG<br />
GOSBERTS FINGER spielen mit der Schlüsselkarte. Völlig verfroren<br />
steht er noch immer auf der anderen Straßenseite und traut sich<br />
nicht so recht.<br />
Der Portier Rübenacker grüßt Gäste, die das Hotel betreten,<br />
öffnet herauskommenden Gästen die Taxitür und geht ganz in<br />
seiner Arbeit auf.<br />
Da zischen ZWEI ROLLERSCATER an Rübenacker vorbei. Der eine<br />
reißt ihm den Zylinder vom Kopf, zeigt ihm den Stinkefinger und<br />
rollt auf und davon. Rübenacker rennt den beiden hinterher.<br />
Gosbert nutzt die <strong>Gelegenheit</strong>, greift nach dem Koffer, überquert<br />
die Straße und geht durch die Drehtür.<br />
29. INNEN - HOTEL ATLANT/FOYER - TAG<br />
In der riesigen Eingangshalle fällt Gosbert nicht auf.<br />
Er versucht sich schnell zu orientieren, entdeckt die Aufzüge<br />
und geht schnell darauf zu.<br />
30. INNEN - HOTEL ATLANT/FLUR IM 3. STOCKWERK - TAG<br />
Die Aufzugtüren öffnen sich, Gosbert tritt heraus. Er geht den<br />
Flur entlang und schaut auf die Zimmernummern.<br />
Vor 319 bleibt er stehen und lauscht. Er schaut sich um, zieht<br />
die Schlüsselkarte aus der Hosentasche und schiebt sie in das<br />
Schloß. Das Schloß schnappt auf. Gosbert tritt vorsichtig ein.<br />
31. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />
Gosbert schaut sich staunend um: unbenutztes Bett, Stereoanlage,<br />
Breitwandfernseher, Klimaanlage und ein großer Wandschrank.<br />
Er öffnet den Wandschrank. Bis auf einen Kaschmirmantel und<br />
einen pork pie Hut - wir erkennen sofort, daß es sich um<br />
Kellermanns Hut und Mantel handelt - scheint der Wandschrank<br />
leer zu sein.<br />
Gosbert stellt sich auf die Zehenspitzen, tastet die oberen<br />
Regale ab und zieht ein Schulterholster, in dem Maliqs Pistole<br />
steckt, hervor.<br />
Er zieht die Pistole aus dem Holster, wiegt sie prüfend in der<br />
Hand. Dann zielt er wahllos auf einige Gegenstände. Ein "Opfer"<br />
erweckt seine Aufmerksamkeit. Er geht zum Nachtisch und greift<br />
nach einem KLEINEN SCHWARZEN GEGENSTAND.<br />
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[Ein GERÄUSCH aus dem OFF.<br />
Gosbert dreht sich um. Sein Blick fällt auf eine angelehnte Tür.<br />
Gosbert zögert. Schließlich schleicht er darauf zu.<br />
Seine Hand greift nach der Türklinke ... da wird die Tür von<br />
innen aufgerissen. Gosbert weicht erschrocken zurück.<br />
Eine KLEINE PUTZFRAU mit Gummihandschuhen, Eimer und Wischer<br />
strahlt ihn an.<br />
KLEINE PUTZFRAU<br />
Gute Morge Chefä. Macht Lebe Spaß?<br />
Sie geht an Gosbert vorbei, schaut noch einmal zurück und<br />
verläßt das Zimmer.<br />
Gosbert betritt das Badezimmer.]<br />
32. [INNEN - ZIMMER 319/BADEZIMMER - TAG<br />
Gosbert steht staunend vor einer Badewanne, die das Ausmaß eines<br />
kleinen Pools hat.<br />
Er tritt vor einen großen Spiegel und betrachtet sein<br />
erbärmliches Äußeres. Er ist verschmutzt und derangiert. Er<br />
richtet wenigstens seine Krawatte und bemerkt, daß er noch immer<br />
den kleinen, schwarzen Gegenstand in seiner Hand hält.]<br />
Er öffnet seine Hand und blickt auf eine FUNKFERNBEDIENUNG mit<br />
einem BMW Logo.] Gosbert drückt ...<br />
33. INNEN - HOTEL ATLANT/GARAGE - TAG<br />
... Mit einem AUFLEUCHTEN DER BLINKER entriegelt sich die<br />
Zentralverriegelung des blutroten BMW, der mit der Schnauze nach<br />
vorn in einer Parkbucht steht.<br />
Gosbert steigt ein. Blick auf den Tacho: neuntausendfünfhundert<br />
Kilometer. Er steckt den Schlüssel ins Zündschloß. Mit beiden<br />
Händen greift er den Lenker. Weiter weiß er nicht.<br />
GOSBERT<br />
Kotz die Wand an!!!<br />
KLICK - Scheibenwischer gehen an.<br />
34. INNEN - "WELTENBUMMLER" - TAG<br />
KLICK - Der Funkenstarter verklemmt sich wieder.<br />
Abo kniet mit hochgekrempelten Armen und verschwitzt vor der<br />
Gasheizung. Er hat sie in ihre Einzelteile d.h. in ein völliges<br />
Chaos zerlegt. Sein Gesichtsausdruck vermittelt aber, daß er den<br />
Überblick hat und mit seiner Arbeit zufrieden ist.<br />
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Ein HANDY KLINGELT.<br />
Abo zieht wie Scottie von der Enterprise sein Handy aus seinem<br />
Arbeitsgürtel.<br />
ABO<br />
Camping bei Abogast junior.<br />
35. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />
Gosbert hat sich das Telefon unters Kinn geklemmt und zieht sich<br />
gerade aus.<br />
GOSBERT<br />
Komm mal schlapp trapp ins Hotel Atlant,<br />
Zimmer 319.<br />
36. INNEN - WOHNWAGEN, TYP “WELTENBUMMLER” - TAG<br />
ABO<br />
Du, aber ich reparier grad deine Heizung.<br />
37. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />
GOSBERT<br />
Laß das mit der Heizung und komm her,<br />
Mann.<br />
38. INNEN - WOHNWAGEN, TYP “WELTENBUMMLER” - TAG<br />
Abo weiß nicht so recht.<br />
[ABO<br />
Sind nur noch ein paar Schräubchen und du<br />
kannst das Ding wieder auf Sauna stellen.]<br />
39. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />
GOSBERT<br />
Wenn du in zwanzig Minuten hier bist, zahl<br />
ich dir 100 Mark für die Gasflasche.<br />
40. INNEN - WOHNWAGEN, TYP “WELTENBUMMLER” - TAG<br />
Ich komme.<br />
ABO<br />
Abo steckt das Handy ein und eilt aus dem Wohnwagen.<br />
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TRACK IN - GASHEIZUNG<br />
Wir HÖREN jetzt, wie das Gas aus der Heizung zischt.<br />
41. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />
Gosbert hüpft splitterfasernackt ins Badezimmer und springt in<br />
die Badewanne, in der sich ein riesiger Schaumberg auftürmt.<br />
42. INNEN - HOTEL ATLANT/FOYER - TAG<br />
Drakonin und Otranto betreten das Foyer. Drakonin trägt U-96<br />
unter seinem Arm. Otranto trägt eine große, vollgepackte<br />
Sporttasche, die er wie Obelix seinen Hinkelstein immer mit sich<br />
herumschleppt.<br />
Beide schauen sich staunend um<br />
DRAKONIN<br />
Germanykasch e Maliq ratunku.<br />
(Deutschland hat Maliq verändert.)<br />
Sie gehen zur Rezeption. Dort wird Rübenacker gerade von seinem<br />
Vorgesetzten zurechtgewiesen.<br />
Er geht davon.<br />
VORGESETZTER<br />
(zischt)<br />
Italienische Handarbeit. Sie werden den<br />
Zylinder ersetzen. Haben Sie mich<br />
verstanden?<br />
RÜBENACKER<br />
(gehorsam)<br />
Ich habe Sie verstanden Herr Gottswinter.<br />
VORGESETZTER<br />
Sie wischen jetzt hier Staub. Sonst machen<br />
Sie nichts!<br />
Drakonin und Otranto schauen Rübenacker erwartungsvoll an.<br />
DRAKONIN<br />
Herr Maliq bittää.<br />
Rübenacker schaut seinem Chef hinterher. Der ist schon zu weit<br />
weg. Zögerlich gibt Rübenacker den Namen in einen Computer ein<br />
und greift zum Telefon.<br />
43. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />
Das Telefon KLINGELT auf dem Nachttisch.<br />
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44. INNEN - ZIMMER 319/BADEZIMMER - TAG<br />
LAUTE MUSIK aus einem Lautsprecher.<br />
Gosbert liegt in der Wanne und fühlt sich wie im Paradies.<br />
45. INNEN - HOTEL ATLANT/FOYER - TAG<br />
Rübenacker legt den Hörer auf und schüttelt den Kopf.<br />
RÜBENACKER<br />
Tut mir leid. Herr Maliq ist nicht auf<br />
seinem Zimmer.<br />
Drakonin und Otranto haben nicht verstanden.<br />
RÜBENACKER<br />
I am sorry. Mr. Maliq is not in his room.<br />
Drakonin und Otranto haben nicht verstanden.<br />
Rübenacker versucht sich auf Französisch, Spanisch, Schwedisch,<br />
Dänisch und Russisch verständlich zu machen.<br />
DRAKONIN<br />
Potzaue me dupasch! Tojest nietzsche<br />
klutsche Maliq?<br />
(Warum gibt er uns Maliqs Zimmernummer<br />
nicht?)<br />
OTRANTO<br />
Privo nietzsche Germanykasch<br />
(Ich spreche kein Deutsch.)<br />
RÜBENACKER<br />
Ich darf Ihnen nicht die Zimmernummer<br />
unserer Gäste geben. Äh ... Privo<br />
nietzsche klutsche.<br />
Bandriki?<br />
OTRANTO<br />
RÜBENACKER<br />
Nietzsche Bandriki. Bandrikisch gelernt<br />
... äh ... paderosch an scola publikasch<br />
... Volkshochschule. - Durika a<br />
Germanykasch?<br />
OTRANTO<br />
(freundlich)<br />
Zwei Tag.<br />
RÜBENACKER<br />
Sie sprechen schon sehr gut deutsch.<br />
Otranto schaut ihn fragend an. Er hat nichts verstanden.<br />
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DRAKONIN<br />
(streng)<br />
Klusche ta Maliq!!!<br />
RÜBENACKER<br />
Privo nietzsche klutsche.<br />
Drakonin fixiert Rübenacker bedrohlich. Dann zieht er einen<br />
Hundertmarkschein hervor und schiebt ihn Rübenacker zu.<br />
46. INNEN - HOTEL ATLANT/AUFZUG - TAG<br />
OTRANTOS FINGER drückt den KNOPF ZUM DRITTEN STOCK.<br />
Die Türen schließen sich. Da schlüpft in letzter Sekunde Abo mit<br />
hinein.<br />
Abo grüßt Drakonin und Otranto mit einem freundlichen Lächeln.<br />
Der Aufzug fährt nach oben. Die Männer schweigen sich an. Aus<br />
einem Lautsprecher rieselt MUSIK.<br />
Der Aufzug hält. Die Türen öffnen sich. Gosbert steigt ein. Er<br />
trägt den Kaschmirmantel, den pork pie Hut auf dem Kopf und den<br />
Aluminiumkoffer in der Hand.<br />
Abo staunt nicht schlecht. Gosbert sieht für ihn aus, wie ein<br />
amerikanischer Gangster.<br />
ABO<br />
Hast du hier übernachtet?<br />
GOSBERT<br />
(cool)<br />
`N Geschäft erledigt.<br />
[Gosbert drückt auf den Knopf zum Erdgeschoß.<br />
Die Türen schließen sich und der Aufzug fährt nach unten.<br />
DRAKONIN<br />
(überrascht)<br />
Zoi pragan daun?<br />
(Warum fahren wir nach unten?)<br />
Otranto drückt auf den Knopf zum dritten Stock.<br />
ABO<br />
Das war der dritte Stock.<br />
To ditsche?<br />
(Was sagt er?)<br />
DRAKONIN<br />
OTRANTO<br />
Privo nietzsche Germanykasch.<br />
(Ich spreche kein Deutsch.)<br />
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Was sagt er?<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Ich spreche kein Russisch.<br />
Der Aufzug hält ihm Erdgeschoß, die Tür geht auf. Drakonin und<br />
Otranto wollen aussteigen, doch Abo hält sie zurück.<br />
ABO<br />
(hilfsbereit)<br />
Das Erdgeschoß ...<br />
(er drückt auf den Knopf<br />
zum dritten Stock)<br />
Das dritter Stock.<br />
Otranto nickt ihm dankend zu.<br />
Abo und Gosbert steigen aus.]<br />
Gosbert wirft Abo den Autoschlüssel zu.<br />
47. AUSSEN/INNEN - BMW (IN BEWEGUNG) - TAG<br />
Spitze Wetter. Klarer Himmel, die Sonne scheint.<br />
Der knallrote BMW fährt in flottem Tempo durch die Straßen der<br />
Stadt.<br />
GOSBERT (OFF)<br />
(angespannt)<br />
Hey fahr nicht so schnell.<br />
Ich fahr zügig.<br />
ABO (OFF)<br />
Mit einer Hand am Lenkrad und der anderen an der Gangschaltung<br />
fährt Abo ziemlich souverän.<br />
ABO<br />
(schaut sich begeistert<br />
nach allen Seiten um)<br />
Echt! Ich müßte öfter mal `nen Ausflug in<br />
die Stadt machen.<br />
GOSBERT<br />
Mensch schau nach vorn.<br />
ABO<br />
Wo soll`s überhaupt hingehen.<br />
GOSBERT<br />
Zum Campingplatz. - Da verkauf ich das<br />
Protzmobil an Steinbach und kassier 5.000<br />
dafür.<br />
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Echt?!<br />
ABO<br />
[Plötzlich wird ihm klar, in was für einem Auto er sitzt.]<br />
48. [AUSSEN - STRASSE - TAG<br />
Abo macht eine Vollbremsung und springt aus dem Auto. LAUTES<br />
HUPEN anderer Autos, die jetzt überholen müssen.<br />
Gosbert steigt aus und rennt hinter Abo her.<br />
Er kriegt Abo zu fassen und nimmt ihn in den Schwitzkasten.<br />
ABO<br />
Ich krieg keine Luft. Laß mich los.<br />
Gosbert läßt ihn los. Abo schnappt nach Luft.<br />
ABO<br />
Bei so einem Scheiß sterben jedesmal<br />
Tausende von Gehirnzellen ab.<br />
Abo hustet. Sein Blick fällt auf den BMW.<br />
ABO<br />
(laut)<br />
Das ist ein geklautes Auto.<br />
GOSBERT<br />
Ja noch lauter. Damit es alle hören. -<br />
(schaut sich nach allen Seiten um)<br />
Was hast du denn gedacht, was das hier<br />
wird ... ‘ne Stadtrundfahrt.<br />
ABO<br />
‘<strong>Ne</strong> Stadtrundfahrt wär mir jetzt lieber.<br />
GOSBERT<br />
Dann siehs doch als Stadtrundfahrt.<br />
ABO<br />
Für ‘ne Stadtrundfahrt hab ich heute keine<br />
Zeit. Ich habe Termine. Ich muß noch mein<br />
Dach abdichten und den Fernseher<br />
reparieren.<br />
Abo schaut auf seine Armbanduhr und geht los. Gosbert folgt.<br />
GOSBERT<br />
Mensch wir fahren doch zum Campingplatz,<br />
da kannste dein Dach abdichten und die<br />
Glotze reparieren.<br />
ABO<br />
Ich steig da nicht mehr ein.<br />
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GOSBERT<br />
Ich mach das hier nur wegen dir. Hast du<br />
gehört?<br />
Abo bleibt stehen und schaut Gosbert fragend an.<br />
GOSBERT<br />
Seit Monaten kommst du mir mit: “Kannste<br />
bei Steinbach kein Wort für mich einlegen<br />
...” Und jetzt kneifste.<br />
ABO<br />
Aber auf so was muß ich mich doch<br />
vorbereiten. So seelisch vorbereiten.<br />
GOSBERT<br />
Wenn ich die Planung übernehme, mußt du<br />
dich auf gar nichts vorbereiten. Du mußt<br />
nur dieses Auto fahren.]<br />
49. INNEN - BMW (IN BEWEGUNG) - TAG<br />
[Abos Fahrstil hat sich vollkommen verändert. Er fährt ängstlich<br />
und übervorsichtig.<br />
GOSBERT<br />
Ich schulde dir doch noch Standgebühren.<br />
ABO<br />
2470 Mark plus Mehrwertsteuer.<br />
Gosbert ist überrascht über die Höhe seiner Schulden.<br />
GOSBERT<br />
Sagen wir, du kriegst erstmal 1000. OK?<br />
ABO<br />
Und die 100 für die Gasflasche.]<br />
Ein DUMPFES KLOPFEN ist aus dem OFF zu HÖREN. Gosbert und Abo<br />
reagieren panisch.<br />
GOSBERT<br />
Is das ‘n Motorschaden?<br />
ABO<br />
Der Motor ist vorne.<br />
[GOSBERT<br />
Du hast was überfahren.<br />
Hab ich nicht.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Na klar hast du was überfahren.<br />
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ABO<br />
Mensch, ich merk doch, wenn ich was<br />
überfahr.<br />
Da poltert der BMW über ein TIEFES SCHLAGLOCH hinweg. RUMS!!!<br />
Gosbert und Abo erschrecken, dann lauschen sie. Das DUMPFE<br />
KLOPFEN hat mit einem Schlag aufgehört.<br />
GOSBERT<br />
(besorgt)<br />
Hörst du noch was?]<br />
ABO<br />
<strong>Ne</strong>e. Vielleicht ist ein Radlager defekt?<br />
Meinste?<br />
GOSBERT<br />
ABO<br />
Ich reparier so was im Handumdrehn.<br />
50. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />
Der knallrote BMW fährt vor die Waschraumbaracken vor und hält.<br />
Gosbert und Abo steigen aus.<br />
[Abo geht prüfend um das Auto. Bleibt vor einem Hinterrad stehen<br />
und tritt prüfend mit dem Fuß dagegen. Da setzt das DUMPFE<br />
KLOPFEN wieder ein.<br />
Abo weicht überrascht zurück.]<br />
TRACK IN - Kofferraum.<br />
Angst und <strong>Ne</strong>ugierde läßt beide einen Moment verharren, dann geht<br />
Gosbert zum Kofferraum und öffnet vorsichtig den Deckel.<br />
Im Kofferraum liegt Kellermann. Geknebelt, eine Sonnenbrille auf<br />
der Nase, darunter Plaster über die Augen geklebt. Arme und<br />
Beine sind gefesselt.<br />
ABO<br />
Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Weißt du, was<br />
das ist?!<br />
GOSBERT<br />
(unsicher)<br />
Na ja, ... was ist das wohl?<br />
ABO<br />
Das is ‘n Entführter.<br />
Darauf wäre Gosbert so schnell nicht gekommen.<br />
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GOSBERT<br />
(gespielte<br />
Selbstverständlichkeit)<br />
Klar ist das ein Entführter.<br />
Ein LAUTES KAVALLERIEANGRIFFSSIGNAL ist zu hören.<br />
GOSBERT<br />
Kotz die Wand an!!!<br />
Gosbert packt Kellermann unter den Armen und hebt ihn an. Er<br />
schaut auffordernd zu Abo. Abo versteht nicht.<br />
GOSBERT<br />
Mach schon, mach schon!!!<br />
Abo packt Kellermanns Beine und sie tragen ihn gemeinsam zum<br />
Waschraum für "Herren" und verschwinden darin.<br />
Keine Sekunde später braust der "American Cruiser" um die Ecke<br />
und bremst. Steinbach springt aus dem Auto und rennt zur<br />
Waschraumtür.<br />
51. INNEN - WASCHRAUM "HERREN" - TAG<br />
Der Waschraum ist ziemlich versifft und abbruchreif.<br />
Steinbach kommt zur Tür hereingestürzt, macht sich schon im<br />
Laufen den Hosenschlitz auf, erreicht ein Pissoir und pinkelt.<br />
Schweigen. Nur der URINSTRAHL ist zu HÖREN. Dann ein STÖHNEN VON<br />
KELLERMANN aus dem OFF.<br />
STEINBACH<br />
Hey Gosbert. Seilst du grad ein Ei ab?<br />
52. INNEN - WASCHRAUM “HERREN”/DUSCHKABINE - TAG<br />
Gosbert und Abo drücken Kellermann gegen die Wand. Kellermann<br />
windet sich hin und her ... und stöhnt.<br />
53. INNEN - WASCHRAUM “HERREN” - TAG<br />
Steinbach zieht den Hosenschlitz hoch, dreht sich herum und<br />
schaut zu den Duschkabinen.<br />
54. INNEN - WASCHRAUM “HERREN”/DUSCHKABINE - TAG<br />
Kellermann kann sich befreien, stürzt, fällt gegen den Duschkopf<br />
und rutscht an der Kachelwand besinnungslos zu Boden.<br />
Gleichzeitig springt die Dusche an.<br />
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55. INNEN - WASCHRAUM “HERREN” - TAG<br />
Gosbert und Abo stürzen aus der Duschkabine und stehen Steinbach<br />
gegenüber. Der mustert Gosbert und denkt sich einen<br />
Moment,“Gosbert ist doch nicht vom andren Ufer?”.<br />
STEINBACH<br />
(zu Gosberts Mantel)<br />
Feines Stöffchen. Wolltest wohl die<br />
Imprägnierung testen?<br />
GOSBERT<br />
Der ... der Warmwasserautomat ist kaputt.<br />
STEINBACH<br />
Soll ich mal nachschauen?<br />
GOSBERT<br />
<strong>Ne</strong>in, nein. Abo repariert so was im<br />
Handumdrehen.<br />
[STEINBACH<br />
Jungs. Ich hab ‘ne Klempnerlehre gemacht.<br />
Er schiebt die beiden zur Seite. Da stürmt Luboviski von draußen<br />
herein.<br />
LUBOVISKI<br />
Chef. Ich glaub ich werd verrückt. Ich hab<br />
da grad ‘nen Strauß gesehen.<br />
STEINBACH<br />
Du bist nicht verrückt. Du bist bekloppt.<br />
Das is kein Strauß. Das is `n Emu.<br />
GOSBERT<br />
Moment. Das ist ein Strauß. Bei ‘nem Emu<br />
sehen die Federn wie Haare aus.<br />
STEINBACH<br />
Ach komm mir jetzt nicht mit so einem<br />
Grzimek Geschwätz.] Rück mal lieber raus,<br />
was das für ein geiler BMW da draußen ist.<br />
56. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />
Gosbert, Abo und Luboviski hüpfen frierend von einem Bein aufs<br />
andere. Im HINTERGRUND ist der "Weltenbummler" zu sehen.<br />
Der BMW kommt angebraust und Steinbach steigt aus.<br />
Gosbert und Abo schauen erwartungsvoll zu Steinbach. Der nickt<br />
zufrieden. Gosbert nickt Abo zufrieden zu.<br />
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Steinbach holt ein Bündel Geldscheine hervor, zählt einige<br />
Scheine ab und reicht sie Gosbert. Gosbert sieht, daß es nur<br />
ZEHNMARKSCHEINE sind.<br />
STEINBACH<br />
Seit du in meinem Wohnwagen wohnst, hast<br />
du noch keine Miete bezahlt.<br />
GOSBERT<br />
Von Miete war doch noch nie die Rede.<br />
Sonst wär ich doch nicht aus meiner Bude<br />
ausgezogen.<br />
STEINBACH<br />
Gosbert, wir haben einen Handschlagvertrag<br />
geschlossen ...<br />
(er schaut in seine<br />
Handflächen)<br />
... und da steht, daß du mir jeden Monat<br />
500 Mark Miete zahlst.<br />
GOSBERT<br />
An den Handschlag kann ich mich nicht<br />
erinnern.<br />
STEINBACH<br />
Aber ich und das genügt. Du schuldest mir<br />
jetzt noch 7.000.<br />
GOSBERT<br />
Das kannste nicht machen.<br />
STEINBACH<br />
Gosbert, ich bin Geschäftsmann. Aber ich<br />
bin auch dein Freund.<br />
(zeigt auf das Geld)<br />
Das Geld da ist für ‘ne neue Gasflasche.<br />
GOSBERT<br />
(hilflos, mit<br />
verzweifeltem Lachen)<br />
Was soll ich mit ‘ner neuen Gasflasche,<br />
wenn die Heizung hinüber ist?<br />
ABO<br />
(vermittelt)<br />
Äh, ... die reparier ich dir heute noch im<br />
Handumdrehen fertig.<br />
57. INNEN - WOHNWAGEN, TYP "WELTENBUMMLER" - TAG<br />
TRACK IN - GASHEIZUNG<br />
Wir HÖREN wie das Gas aus der Heizung zischt. Dann löst sich der<br />
FUNKENSTARTER aus seiner Verklemmung. Er springt mit einem KLICK<br />
heraus, schlägt einen Funken und ...<br />
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58. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />
Ein LAUTER KNALL aus dem OFF, die DRUCKWELLE DER EXPLOSION<br />
zerzaust allen das Haar und fegt Gosbert den Hut vom Kopf.<br />
Ein erstarrter Blick von allen auf die Überreste des<br />
“Weltenbummlers”: Nur die Achse mit zwei Rädern steht noch da.<br />
Ein PFEIFEN ... die Gasflasche zischt vom Himmel und bleibt vor<br />
Steinbachs Füßen im Boden stecken.<br />
ABO<br />
Also ich geh jetzt mal. Ich muß noch mein<br />
Dach abdichten.<br />
Abo verdrückt sich feige Richtung Rezeptionsbaracke.<br />
Wutentbrannt will Gosbert Abo hinterher, doch er wird von<br />
Luboviski festgehalten.<br />
59. INNEN/AUSSEN - REZEPTIONSBARACKE - TAG<br />
Die Rezeptionsbaracke ist gleichzeitig Büro und Wohnbereich.<br />
Im Großen und Ganzen besitzt der Raum das geordnete Chaos eines<br />
Heimwerkers mir zwei linken Händen und ohne Wasserwaage, aber<br />
durchaus funktionstüchtig und mit einer gewissen Gemütlichkeit:<br />
Eine Empfangstheke, dahinter ein Schreibtisch. Eine Regalwand<br />
dient als Tante Emma Laden. Ein Ständer mit vergilbten<br />
Ansichtskarten.<br />
Der Wohnbereich ist mit einem geflickten Sofa ausgestattet, vor<br />
dem drei Fernseher übereinander stehen (der unterste hat eine<br />
gesprungene Mattscheibe). Daneben mehrere Videorekorder. Einige<br />
ohne Gehäuse, Kabel führen zu einem mit Gehäuse.<br />
Ein Kleiderschrank und ein Bett Marke Eigenbau. Die Küche<br />
besteht aus zwei Kochplatten, einem verrosteten Mikrowellenherd,<br />
einem Kühlschrank, der immer auf geht und einer Babywanne, die<br />
unter einem Wasserhahn steht.<br />
Abo kommt zur Glastür herein, verriegelt sie, dreht das Schild<br />
GESCHLOSSEN herum, läßt eine Jalousie herunter. Ja, Abo hat<br />
ziemlich Schiß.<br />
60. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />
Steinbach zieht sich seine Ringe von den Fingern der rechten<br />
Hand.<br />
STEINBACH<br />
Dieser Wohnwagen hat eine Überschwemmung<br />
am Gardasee überlebt, einen Waldbrand in<br />
Südfrankreich und den tödlichen Unfall<br />
meiner Eltern.<br />
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Er holt mit der Faust aus und trifft Gosbert auf die Augenbraue.<br />
Gosbert taumelt nach vorn. Luboviski hält ihn von hinten fest.<br />
Steinbach packt Gosbert an den Haaren, so daß er ihm ins Gesicht<br />
sehen muß.<br />
STEINBACH<br />
50.000 Schadenersatz will ich von dir<br />
haben. Kapiert. Plus die 7.000<br />
Mietschulden.<br />
Luboviski läßt Gosbert auf den Boden fallen.<br />
Steinbach steckt sich die Ringe wieder an den Finger.<br />
STEINBACH<br />
Solange du mir das Geld nicht bar auf den<br />
Tisch legst, arbeitest du jeden Dreck für<br />
mich. Und von deinem Kilimandscharo wirste<br />
nich mal mehr träumen, weil de zum Pennen<br />
keine Zeit mehr hast.<br />
[Da bemerkt einen Blutspritzer auf seinem Hemd, versucht ihn<br />
wegzuwischen und macht alles noch schlimmer.<br />
Mist.<br />
STEINBACH<br />
Gosbert lächelt.] Steinbach tritt ihm in den Bauch. Gosbert<br />
verliert das Bewußtsein.<br />
[Alles wird SCHWARZ. Gosbert HÖRT das GEBRÜLL DER ELEFANTEN UND<br />
LÖWEN, den HUFSCHLAG FLÜCHTENDER ANTILOPEN und die TROMMELN DER<br />
MASSAI.]<br />
61. INNEN - REZEPTIONSBARACKE - TAG<br />
[Gosbert reißt einen EISBEUTEL von seinem Gesicht und richtet<br />
sich auf. Er liegt auf dem Sofa. Daneben steht der<br />
Aluminiumkoffer auf dem Boden. Gegenüber läuft der Fernseher<br />
ohne Ton. “SCARFACE” von 1930/32.<br />
ABO (OFF)<br />
Ich mach dir grad ‘ne heiße Linsensuppe.<br />
Dann bist du gleich wieder auf’m Damm.]<br />
Abo steht am Herd und rührt in einer blubbernden LINSENDOSE<br />
herum. Die Linsensuppe spritzt schon nach allen Seiten heraus.<br />
ABO<br />
Steinbach ist ziemlich sauer auf dich,<br />
was?<br />
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GOSBERT<br />
(lügt)<br />
Letzte Woche hab ich ihm eins auf die Nase<br />
gegeben, weil er beim Pokern beschissen<br />
hat.<br />
Abo kommt zu Gosbert herüber und stellt ihm den Teller auf eine<br />
umgedrehte Weinkiste, die als Sofatisch dient.<br />
Er setzt sich dazu, glotzt auch und beginnt grierig die<br />
Linsensuppe aus der Büchse zu essen.<br />
Da bemerkt er, daß Gosbert seinen Teller nicht anrührt.<br />
Abo weiß es nicht.<br />
ABO<br />
Ich kann dir auch `n Kaffee kochen. Hab<br />
dir `n Pfund Kenjamischung gekauft.<br />
GOSBERT<br />
Vor der Mischung geröstet?<br />
Gosbert springt auf, [kickt mit dem Fuß gegen den<br />
Aluminiumkoffer, der rutscht über den Boden und knallt gegen die<br />
Wand. Im Innern werden die Sexartikel wieder lebendig.]<br />
GOSBERT<br />
Scheiße, wenn ich nicht bald nach Afrika<br />
komme. - Jermonins Einladung steht seit<br />
zwei Jahren.<br />
Gosbert betrachtet sich im Spiegel. Er sieht wieder genauso<br />
derangiert aus, wie im Spiegel von Zimmer 319 im Hotel Atlant.<br />
Er zieht sich einen Pullover über. Das fällt ihm schwer, weil er<br />
noch die Tritte von Steinbach spürt.<br />
ABO<br />
Du brauchst jetzt erst mal ne heiße<br />
Dusche. So ne heiße Dusche tut Wunder.<br />
GOSBERT<br />
(fällt etwas ein)<br />
Kotz die Wand an!!!<br />
Er rennt aus dem Zimmer. Der verwunderte Abo hinterher.<br />
62. INNEN - WASCHRAUM - TAG<br />
Gosbert reißt die Duschkabine auf und schaut zu Kellermann im<br />
OFF hinab. Hinter ihm erscheint Abo und erschrickt.<br />
Ist er tot?<br />
ABO<br />
Gosbert fühlt Kellermann den Puls und schüttelt den Kopf.<br />
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GOSBERT<br />
(schaut nachdenklich zu<br />
Kellermann)<br />
Im Leben haste nur eine Handvoll <strong>günstige</strong>r<br />
<strong>Gelegenheit</strong>en. Nur ‘ne Handvoll. Das hat<br />
Jeromin immer gesagt.<br />
Plötzlich packt er Kellermann unter den Armen und zieht ihn aus<br />
der Kabine. Er hat dabei ziemlich zu ackern. Er schafft es nicht<br />
allein. Er schaut zu Abo.<br />
GOSBERT<br />
Komm. Wir tragen ihn zu Jeromins LKW.<br />
Abo weiß nicht so recht.<br />
GOSBERT<br />
Sind wir Partner, oder was?<br />
ABO<br />
Echt?! - Du und ich. So richtige Partner?<br />
Klar Mann.<br />
GOSBERT<br />
Gosbert reicht ihm die Hand, Abo schlägt überglücklich ein.<br />
Oh Mann.<br />
Dann packt Abo eifrig mit an.<br />
ABO<br />
63. AUSSEN - HINTERHOF DES "GIRLIES" - TAG<br />
Die Polizei hat die Müllcontainer abgesperrt. Die<br />
Spurensicherung ist bei der Arbeit. Schaulustige stehen herum.<br />
Ein Kamerateam macht Aufnahmen. Prostituierte schauen aus den<br />
Fenstern und stehen auf den Balkonen.<br />
ZWEI MÜLLMÄNNER werden vor laufender Videokamera interviewt.<br />
Müllmann #1 starrt nur in die Kamera.<br />
MÜLLMANN #2<br />
Der Hans-Georg dachte zuerst, das is so<br />
ein Schweinkram. So ein aufblasbarer<br />
Schweinkram. Na Sie wissen schon, so<br />
Puppen. Na Sie wissen schon.<br />
64. INNEN - CARLOTTAS ZIMMER - TAG<br />
Katja Hellwein tritt vom Balkon ins Zimmer hinein. Sie geht zu<br />
Carlotta hinüber und hilft ihr, einen vollgepackten Rollkoffer<br />
zu schließen.<br />
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CARLOTTA<br />
Er sagt, mach dir keine Sorgen, Müllauto<br />
bringt Eimer weg und niemand findet toten<br />
Russen.<br />
KATJA<br />
Gosbert der Arsch. Mir hat er ‘ne<br />
Gleitcreme verkauft, die 1980 abgelaufen<br />
ist. Der Hautarzt hat mich in seine<br />
Fotosammlung aufgenommen und ich konnte<br />
zwei Monate nur blow-jobs übernehmen.<br />
Carlotta setzt sich aufs Bett und beginnt zu weinen. Katja setzt<br />
sich neben sie, nimmt sie mütterlich in den Arm und streicht ihr<br />
durchs Haar.<br />
KATJA<br />
Schätzelchen. Es ist doch nur so lange,<br />
bis Gras über die Sache gewachsen ist.<br />
Ein, zwei Monate, dann bist du wieder<br />
hier.<br />
Carlotta putzt sich ihre Nase. Sie steht auf, klemmt sich eine<br />
STOFFGIRAFFE unter den Arm, nimmt ihren Koffer und rollt ihn zur<br />
Tür.<br />
KATJA<br />
Es macht dir doch nichts aus, daß ich mich<br />
solange bei dir breit mache. Auf deinem<br />
Stock gibts mehr Geschäft.<br />
CARLOTTA<br />
OK. Aber sorge dich um Avokadoblume, OK?<br />
Großes Ehrenwort.<br />
KATJA<br />
CARLOTTA<br />
Jeden Tag vorsichtig mit Wasserpistole<br />
schießen.<br />
Ich schieße.<br />
KATJA<br />
Sie umarmen sich kurz. Carlotta verläßt das Zimmer.<br />
Katja schlendert zu einem kleinen Avokadopflänzchen, das auf der<br />
Fensterbank steht. Sie greift nach einer Schere und schneidet<br />
den Stengel in der Mitte durch.<br />
Peng!!!<br />
KATJA<br />
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65. INNEN - HOTEL ATLANT, ZIMMER 319 - TAG<br />
Rübenacker redet auf Drakonin und Otranto ein. Die beiden sitzen<br />
auf dem King Size Bett und zappen mit der Fernbedienung durch<br />
die Fernsehkanäle.<br />
RÜBENACKER<br />
Bitte verlassen Sie das Zimmer. Ja<br />
tomaijutsch ton Chef. Ja tomahluk in<br />
Teufels Küche.<br />
OTRANTO<br />
Teufels Küche?<br />
RÜBENACKER<br />
Drako gadetschie menü.<br />
OTRANTO<br />
(lachend zu Drakonin)<br />
Teufels Küche.<br />
Drakonin starrt auf den Fernseher.<br />
CU - FERNSEHBILD<br />
Maliqs Leiche wird von zwei Polizisten aus dem Müllcontainer<br />
gezogen.<br />
STIMME DES NACHRICHTENSPRECHERS (V.O.)<br />
Der sehr männliche Tote, der hier<br />
abtransportiert wird, ist vermutlich ein<br />
weiteres Opfer der Russenmafia. Über die<br />
Todesursache gibt es noch keine<br />
Verlautbarungen.<br />
Maliqs Leiche wird in ein Gebäude getragen. Ein SCHILD weist<br />
darauf hin, daß es sich um das GERICHTSMEDIZINISCHE INSTITUT<br />
handelt.<br />
STIMME DES NACHRICHTENSPRECHERS (V.O.)<br />
Nähere Hinweise erhoffen sich die Beamten<br />
des BKA von einer Obduktion der Leiche im<br />
gerichtsmedizinischen Institut.<br />
Maliq??<br />
OTRANTO<br />
Drakonin fixiert Rübenacker mit seinem Blick.<br />
To ditsche?<br />
Rübenacker rennt zur Tür.<br />
DRAKONIN<br />
Otranto springt vom Bett, packt Rübenacker und schlägt ihm die<br />
rettende Tür vor der Nase zu. Otranto zieht seine Pistole, hält<br />
sie an Rübenackers Genitalien und entsichert.<br />
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Teufels Küche.<br />
OTRANTO<br />
66. [AUSSEN/INNEN - GRÜNER PASSAT (IN BEWEGUNG) - TAG<br />
Sonnenuntergang.<br />
Rübernacker klammert sich mit beiden Händen an das Lenkrad,<br />
während Otranto auf dem Beifahrersitz den Stadtplan studiert.<br />
Drakonin ist auf dem Rücksitz eingenickt. <strong>Ne</strong>ben ihm U-96 und der<br />
Breitwandfernseher aus dem Hotel.]<br />
67. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - NACHT<br />
Ein eisiger Wind weht.<br />
Der LICHTKEGEL EINER TASCHENLAMPE tastet sich durch die<br />
Finsternis.<br />
GOSBERT<br />
Es sieht nun mal ziemlich scheiße aus,<br />
wenn ich als Entführer nicht den Namen<br />
meines Entführten kenne. Kapiert?<br />
Kapiert.<br />
ABO<br />
Der LICHTKEGEL erfaßt einen alten LKW, der mindestens schon ein<br />
halbes Jahrhundert auf dem Tacho hat. Auf die Seitenwand ist der<br />
KILIMANDSCHARO gemalt. Darüber steht:<br />
JEROMINS GEHEIMNISVOLLES AFRIKA<br />
Gosbert starrt für einige Sekunden auf den Kilimandscharo, dann<br />
zieht er sich einen Damenstrumpf über den Kopf und schaut mit<br />
einem “Du auch” zu Abo.<br />
Abo zieht sich einfach seine Wollmütze über das Gesicht, so daß<br />
nur noch seine Augen durch einen Schlitz zu sehen sind.<br />
Gosbert greift unter seinen Mantel und zieht Maliqs Pistole aus<br />
dem Schulterholster.<br />
Abo staunt nicht schlecht. Da bemerkt er, daß Gosberts Hände vor<br />
Angst zittern. Gosbert bemerkt, daß Abo das bemerkt hat. Gosbert<br />
verschränkt schnell seine Arme und lenkt vom Thema ab.<br />
GOSBERT<br />
Das ist ein scheiß kalter Winter, dieses<br />
Jahr.<br />
ABO<br />
Es soll noch kälter werden.<br />
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GOSBERT<br />
Noch kälter geht doch gar nicht.<br />
Liegt am Ozonloch.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
(betroffen)<br />
Mann, das ist Scheiße.<br />
Gosbert steckt sich zwei Kaugummis in den Mund und bietet Abo<br />
das Päckchen an. Abo nimmt erst einen Streifen, dann noch einen<br />
und steckt sie sich in den Mund. Beiden kauen. Dann:<br />
GOSBERT<br />
(macht sich Mut)<br />
Los gehn wir rein und tun unseren Job.<br />
Gosbert öffnet die Hecktür und klettert hinein. Abo folgt.<br />
68. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
EIN STREICHHOLZ ENTFLAMMT und ENTZÜNDET EINE PETROLIUMLAMPE, die<br />
nun von Gosbert durch den Raum getragen wird.<br />
Wir sehen, daß das Innere der Ladefläche ein Ausstellungsraum<br />
ist: Ein afrikanisches Sammelsurium an SPEEREN, MACHETEN, einem<br />
riesigen ELEFANTENTÖTER, bunt bemalten SCHILDERN, STOSSZÄHNEN,<br />
TIERFELLEN, darunter ein LÖWENFELL MIT KOPF, MASKEN,<br />
MUMIFIZIERTEN SCHÄDELN, SCHLANGEN, die in Formaldehyd eingelegt<br />
sind, und gerahmten FOTOS mit afrikanischen Landschaftsbildern,<br />
vor allem dem Kilimandscharo. In einer Ecke stehen ZWEI<br />
SCHAUFENSTERPUPPEN, die im Safari-Outfit im Stil von “Out of<br />
Africa” gekleidet sind. Als Krönung hängt ein ausgestopftes<br />
KROKODIL von der Decke.<br />
Gosbert hängt die Lampe an einem Deckenhaken auf und dreht sie<br />
weiter auf.<br />
Jetzt entdecken wir Kellermann im hinteren Teil der Ladefläche.<br />
Er sitzt gefesselt in einem ROLLSTUHL. Er trägt einen<br />
Rollkragenpullover, darüber einen Arbeitsoverall und die<br />
Sonnenbrille auf der Nase.<br />
(ANMERKUNG: wenn nicht anders erwähnt, trägt Kellermann die<br />
Sonnenbrille in jeder Szene)<br />
Trotz der Bewegungsunfähigkeit strahlt Kellermann eine<br />
unheimliche Bedrohung aus.<br />
Gosbert löst die Handfesseln und den Knebel. Dann nimmt er<br />
Kellermann die Sonnenbrille ab und zieht die Pflaster von den<br />
Augen.<br />
Kellermann blinzelt und muß seine Augen erst an die Helligkeit<br />
gewöhnen. Mit den Augen eines Tigers fixiert er Gosbert und<br />
durchschaut ihn sofort. Kontrolliert schwenkt er seinen Blick zu<br />
Abo. Abo tritt ängstlich einen Schritt zurück, aus dem<br />
Lichtkegel der Petroleumlampe.<br />
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Mit der Pistole im Anschlag reicht Gosbert Kellermann eine<br />
TAGESZEITUNG und weist ihn stumm an, sie in Brusthöhe vor sich<br />
zu halten. Gosbert gibt Abo ein Zeichen und tritt zur Seite.<br />
Abo reagiert nicht. Gosbert wiederholt sein Handzeichen und<br />
wirft Abo einen strengen Blick zu.<br />
Zögerlich tritt Abo vor, stellt sich vor Kellermann und schaut<br />
durch den Sucher einer Polaroidkamera. Er geht einen Schritt<br />
zurück. Entscheidet sich dann zwei Schritte vorzugehen. Dann<br />
drückt er auf den Auslöser.<br />
BLITZ<br />
Schweigen. Die Blicke der Männer auch von Kellermann richten<br />
sich auf die Polaroidkamera.<br />
Ein SURREN. Das Foto kommt aus der Kamera ... und fällt auf den<br />
Boden. Abo hebt es auf, fächelt es hin und her, hin und her, hin<br />
und her, reicht es dann Gosbert. Gosbert schaut sich das Foto<br />
an: Zu sehen ist nur die Zeitung und die Beine von Kellermann.<br />
BLITZ<br />
Gosbert stellt Kellermann einen KLAPPTISCH hin und legt das neue<br />
Foto drauf.<br />
Unterschreiben.<br />
GOSBERT<br />
Kellermann schaut Gosbert an. Gosbert will seinen Befehl<br />
wiederholen, doch dann beginnt er seine Tasche zu durchsuchen,<br />
zieht einen Kugelschreiber hervor, den er Kellermann reicht.<br />
Kellermann schaut sich das Foto wie ein Schriftstück an, das er<br />
erst einmal lesen muß, dann unterschreibt er.<br />
Gosbert greift sich Kugelschreiber und Foto.<br />
Abo versucht über Gosberts Schulter zu schielen, um die<br />
Unterschrift lesen zu können. Doch die Unterschrift ist<br />
vollkommen unleserlich. Enttäuscht der Blick von Abo.<br />
Plötzlich:<br />
TRACK IN - Gosbert<br />
TRACK IN - ABO<br />
KELLERMANN<br />
Mein Name ist Kellermann. Lorenz<br />
Kellermann.<br />
GOSBERT<br />
(überrascht)<br />
Kellermann.<br />
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TRACK IN - Kellermann<br />
ABO<br />
(wie eine Zauberformel)<br />
Kellermann.<br />
Das MAGAZIN rutscht aus dem Griff der Pistole und fällt LAUT auf<br />
den Tisch. Gosbert greift schnell danach, steckt das Magazin in<br />
den Griff und schiebt den Verschluß zurück. Eine PATRONE fliegt<br />
aus dem Auswurf und rollt auf dem Boden entlang.<br />
Gosbert richtet die Pistole auf Kellermanns Kopf.<br />
KELLERMANN<br />
Fakt 1: Ich habe Ihre Autorität als<br />
Entführer voll und ganz akzeptiert. Fakt<br />
2: Sie wollen ein Geschäft machen. Sie<br />
wollen Geld für mein Leben. Fakt 3: Ich<br />
will nicht mehr Zeit an diesem Ort<br />
verschwenden, als unbedingt notwendig.<br />
Meine Zeit besitzt eine gewisse<br />
Kostbarkeit. Um zum Kern meiner Aussage zu<br />
kommen: Sie können mit meiner Kooperation<br />
rechnen. Ich schlage deshalb vor, daß Sie<br />
sich augenblicklich mit meinem Bruder<br />
Hagen Kellermann in Verbindung setzen, um<br />
eine sofortige finanzielle Transaktion in<br />
die Wege zu leiten.<br />
GOSBERT<br />
(springt wütend auf)<br />
Sie schlagen gar nichts vor. Ich bestimme<br />
die Spielregeln. Kapiert?! Ich habe Sie<br />
entführt.<br />
Kellermann schaut Gosbert überlegen in die Augen.<br />
KELLERMANN<br />
Fakt 4: Sie haben meine Entführung<br />
übernommen.<br />
69. AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Gosbert schlägt die Hecktür zu und zieht die Strumpfmaske vom<br />
Kopf. Er ist von der Anspannung völlig aufgedreht.<br />
Er entfernt sich mit schnellem Schritt vom LKW und erreicht das<br />
Flußufer.<br />
Schweigend schaut er auf einen Schlepper, der vorbeifährt. Die<br />
Positionslichter spiegeln sich auf dem Wasser. Jemand auf dem<br />
Kahn spielt “Moonriver” auf dem Akkordeon. Gosbert fühlt sich<br />
ziemlich klein und möchte alles hinschmeißen.<br />
ABO (OFF)<br />
Im Fernsehn sagen die immer, daß Lorenz<br />
Kellermann in Geld schwimmt wie Dagobert<br />
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Duck. Das ist echt ‘ne richtig super große<br />
Nummer, was?<br />
Abo spricht das aus, was Gosbert denkt und wovor er Angst hat.<br />
Abo tritt von hinten neben Gosbert und schaut ihn strahlend vor<br />
Begeisterung an.<br />
ABO<br />
Echt. Ich hab da drin vor Angst fast einen<br />
Herzkasper gekriegt. Aber du warst cool.<br />
“Ich bestimm die Spielregeln”. Wie du dem<br />
die Meinung gesagt hast. Das hatte Klasse.<br />
Gosbert schaut ihn an und lächelt. Es ist ein Lächeln des<br />
Unglaubens über das, was er gerade gehört hat.<br />
ABO<br />
Der Kellermann ist aber auch ‘n ziemlich<br />
cooler Typ.<br />
Manager Training.<br />
Manager Training?<br />
GOSBERT<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Die trainieren ihre Entführung mit<br />
Psychologen und Einzelkämpfer Rambos.<br />
Echt?!<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
(beruhigt ihn)<br />
Alles nur show Mann. Nur show.<br />
(beruhigt sich)<br />
Der schafft mich nicht.<br />
70. INNEN - GERICHTSMEDIZINISCHES INSTITUT, PATHOLOGIE - NACHT<br />
Grelles <strong>Ne</strong>onlicht geht an. Drakonin, Otranto und Rübenacker<br />
werden von einem Mann in weißem Kittel hereingeführt. Er heißt<br />
DOBISCH.<br />
Dobisch taucht den LANGEN FINGERNAGEL seines kleinen Fingers in<br />
ein Tütchen Kokain, schnupft es durch die Nase und atmet einmal<br />
tief durch.<br />
Er führt die Gruppe an einem Seziertisch vorbei. Der Tisch ist<br />
blank geputzt, elektrische Sägen und Messer sind ordentlich<br />
aufgereiht.<br />
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DOBISCH<br />
(deutet auf den Tisch)<br />
Japanische Wertarbeit. Ergebnis einer<br />
Jahrhundertealten Tradition. Sie wissen<br />
doch – Japan – Land der Samurei, Ninjas,<br />
Thai Chi ...<br />
(singt)<br />
Everybody is Kungfu fighting...<br />
Dobisch geht im Rhythmus des Liedes, das er vor sich hin singt<br />
weiter. Die Gruppe bleibt vor einem Seziertisch stehen, auf dem<br />
eine zugedeckte Leiche liegt. Uns fällt sofort die Erhebung des<br />
Leichentuchs im Genitalbereich auf.<br />
Dobisch zieht das Leichentuch herunter. Drakonin und Otranto<br />
blicken auf den nackten Maliq hinunter.<br />
Rübenacker bekommt einen Würgereiz und atmet tief durch.<br />
DOBISCH<br />
Die Todesursache hat sich inzwischen<br />
geklärt. Der Mann ist während der<br />
Ejakulation an einem Hirnschlag gestorben.<br />
To ditsche?<br />
DRAKONIN<br />
RÜBENACKER<br />
Maliq zwa moszek klatsch retum<br />
ejakulatitsch.<br />
OTRANTO<br />
(beeindruckt)<br />
Retum ejakulatitsch.<br />
DRAKONIN<br />
Zoi panienka Maliq sexualitschnje?<br />
RÜBENACKER<br />
Mit welcher Frau hat Herr Maliq<br />
geschlafen?<br />
DOBISCH<br />
Was weiß ich. Irgend `ne Nutte aus dem<br />
Bahnhofsviertel.<br />
Konkobinika.<br />
RÜBENACKER<br />
DRAKONIN<br />
(kann es kaum glauben)<br />
Konkobinika.<br />
(resiginiert)<br />
Germanykasch e Maliq ratunku.<br />
Drakonin nimmt das Leichentuch und deckt Maliq zu. Gemeinsam mit<br />
Otranto hebt er ihn vom Tisch und sie tragen ihn Richtung Tür.<br />
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DOBISCH<br />
Moment mal. Wo wollen Sie mit dem hin?<br />
DRAKONIN<br />
Maliq jest paschak moja sistra.<br />
RÜBENACKER<br />
Maliq ist der Mann seiner Schwester. Das<br />
ist Familie.<br />
DOBISCH<br />
Jetzt mal langsam mit den jungen Pferden.<br />
Hier werden keine Familienmitglieder<br />
mitgenommen.<br />
RÜBENACKER<br />
(zu Drakonin)<br />
Nietzsche.<br />
DOBISCH<br />
Na, da müssen noch mehr Scheine für mich<br />
rausspringen,...<br />
(er spricht Drakonin<br />
direkt an und reibt seinen<br />
Zeigefinger am Daumen)<br />
...oder ist bei der russischen Mafia die<br />
Finanzkrise ausgebrochen.<br />
RÜBENACKER<br />
Die Herren sind Bandriken.<br />
Drakonin nickt Dobisch zu, daß er verstanden hat.<br />
DRAKONIN<br />
(zu Otranto)<br />
Nje puffki!<br />
(Nicht erschießen!)<br />
DOBISCH<br />
Ja. Nje puffki. Rück raus mit den Moneten.<br />
Otranto nickt und lächelt Dobisch an.<br />
Teufelsküche.<br />
KURZE ZEIT SPÄTER.<br />
OTRANTO<br />
(OFF) Das GERÄUSCH EINER ELEKTRISCHEN SÄGE. Das Geräusch wird<br />
ohrenbetäubend.<br />
Der ABGESCHNITTENE KOPF VON DOBISCH fällt in eine Leichentonne.<br />
Rübenacker übergibt sich in einem Waschbecken.<br />
Angsterfüllt registriert Rübenacker, wie Otranto sich ihm mit<br />
einer blutverschmierten Schürze nähert. Schnell schließt er in<br />
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Gedanken mit seinem Leben ab. Otranto stellt sich neben ihn und<br />
beginnt sich mit Seife die Hände zu waschen.<br />
OTRANTO<br />
Tojest ta natschwisko?<br />
RÜBENACKER<br />
Rübenacker. Georg Rübenacker.<br />
Otranto trocknet sich die Hände ab.<br />
OTRANTO<br />
Georg Rübenacker. Jest ta Otranto.<br />
Otranto zeigt zu Drakonin. Der ist im HINTERGRUND damit<br />
beschäftigt die restlichen Körperteile von Dobisch in eine<br />
Leichentonne zu werfen.<br />
Drakonin.<br />
OTRANTO<br />
Otranto streckt Rübenacker die Hand entgegen. Zögerlich schlägt<br />
Rübenacker ein und beginnt sie dann heftig zu schütteln.<br />
Rübenacker lacht und fühlt sich wie neu geboren.<br />
71. INNEN - REZEPTIONSBARACKE - NACHT<br />
Gosbert und Abo sitzen auf dem Sofa. Um sie herum liegen<br />
Zeitungen verstreut. Gosbert klebt eine “1” vor die sechs Nullen<br />
seines Erpresserbriefes.<br />
ABO<br />
(staunend)<br />
Eine Millionen Mark. [Das ist `ne Menge<br />
Butter auf`m Brot.]<br />
Gosbert schaut zufrieden auf den ausgeschnittenen Brief, der da<br />
lautet:<br />
Sehr geehrter Herr Kellermann,<br />
das Leben ihres Bruders ist in unserer<br />
Hand. Wenn Sie ihn lebend wiedersehen<br />
wollen, halten Sie eine Million DM bereit.<br />
Der LICHTKEGEL EINES AUTOS wandert über die Decke. LAUTES HUPEN.<br />
Gosbert und Abo springen erschrocken auf, beginnen panisch, die<br />
Zeitungen und Buchstaben unter dem Sofa, unterm Teppich usw. zu<br />
verstecken. LAUTES HUPEN. Die beiden eilen hinaus.<br />
72. AUSSEN - REZEPTIONSBARACKE - NACHT<br />
Gosbert und Abo stehen am Eingang und sehen wie ein Taxi<br />
davonfährt. Es hat Carlotta zurückgelassen, die mit<br />
schlotternden Knien, die Giraffe unter den Arm geklemmt, neben<br />
ihrem Koffer steht.<br />
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Hallo Gosbert.<br />
Die kennt dich.<br />
Kotz die Wand an!<br />
Du kennst sie?!<br />
CARLOTTA<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
ABO<br />
CARLOTTA<br />
Können wir nicht gehen, wo ist warm. OK?<br />
Wer ist das?<br />
Was willst Du?<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
73. INNEN - REZEPTIONSBARACKE - NACHT<br />
Carlotta drückt einen Toaster hinunter und wärmt sich die Hände.<br />
CARLOTTA<br />
Ich will das Geld. Geld, das ich dir<br />
gegeben habe.<br />
Welches Geld?<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
(zu Carlotta)<br />
Aber das ist nicht mehr dein Geld. Wir<br />
haben ein Geschäft gemacht.<br />
Welches Geschäft?<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
(verliert den Überblick)<br />
Abo, du siehst doch, daß ich mit ihr rede.<br />
Also halt dich da raus.<br />
(zu Carlotta)<br />
Geschäft ist Geschäft.<br />
CARLOTTA<br />
Das war schlechtes Geschäft. Polizeibullen<br />
haben gefunden toten Russen in Eimer.<br />
Gosbert ist geschockt.<br />
ABO<br />
Welchen toten Russen?<br />
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[CARLOTTA<br />
(zu Abo)<br />
Halt dich da raus. Du siehst doch, daß ich<br />
rede mit ihm.<br />
(sie zeigt auf Gosbert)<br />
ABO<br />
(macht auf coolen<br />
Gangster)<br />
Hey. So redest du nicht mit mir. So nich.<br />
CARLOTTA<br />
Ich reden so, wie Schnabel gewachsen. -<br />
Wer bist du überhaupt?<br />
ABO<br />
Ich bin sein Partner.<br />
CARLOTTA<br />
Uhhh!!! Jetzt hab ich viel Angst.<br />
Abo gehen die Argumente aus, erschaut hilfesuchend zu Gosbert.<br />
Gosbert.]<br />
ABO<br />
Gosbert geht zur Tür. Abo eilt ihm hinterher.<br />
ABO<br />
Gosbert, wo gehst du hin?<br />
Ich muß mal.<br />
GOSBERT<br />
CARLOTTA (OFF)<br />
Ja, wo ist Badezimmer?<br />
Gosbert und Abo drehen sich zu Carlotta herum. Sie hat ihren<br />
Koffer auf Abos Bett gelegt und ist gerade dabei auszupacken.<br />
CARLOTTA<br />
Ich bleiben hier, bis du mir gibst Geld.<br />
74. AUSSEN - REZEPTIONSBARACKE - NACHT<br />
Hinter Carlotta fällt krachend die Tür ins Schloß. Sie stößt<br />
wilde Flüche in spanischer Sprache aus.<br />
Schließlich nimmt sie ihren Koffer in die Hand und geht davon.<br />
Die Rollen des Koffers QUIETSCHEN laut.<br />
Es ist unheimlich dunkel um sie herum. Carlotta spürt, daß etwas<br />
nicht stimmt. Sie bleibt stehen, lauscht und HÖRT SCHRITTE. Sie<br />
dreht sich wütend herum und erblickt ein SCHWARZES UNGETÜM MIT<br />
EINEM LANGEN HALS. Carlotta schreit auf und rennt mit ihrem<br />
Koffer davon. Das Ungetüm folgt.<br />
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Carlotta rennt ziellos über das Campingplatzgelände und steht<br />
plötzlich vor Jeromins LKW. Sie übergibt den Koffer seinem<br />
Schicksal, die Giraffe umklammert sie fest. Sie versucht die<br />
Fahrertür zu öffnen. Sie ist abgeschlossen. Schließlich klettert<br />
sie über das Fahrerhaus auf das Dach und beginnt laut zu<br />
schreien.<br />
Gosbert und Abo kommen angerannt.<br />
GOSBERT<br />
Komm sofort da runter.<br />
Los runter.<br />
ABO<br />
CARLOTTA<br />
Bin ich verrückt? Großes Monster ...<br />
ABO<br />
Oh Mann, das is ‘n Emu.<br />
GOSBERT<br />
Das is `n Strauß! - Komm jetzt da runter.<br />
<strong>Ne</strong>in.<br />
CARLOTTA<br />
ABO<br />
(zu Gosbert)<br />
Willst du der mit deiner Knarre nicht<br />
Beine machen?<br />
Gosbert ist überrascht über Abos Bemerkung, geht jedoch nicht<br />
auf seinen Vorschlag ein.<br />
Gosbert beginnt, über das Führerhaus auf das Dach zu klettern.<br />
Plötzlich hört er aus dem OFF GLASSPLITTERN und einen SCHREI.<br />
Als Gosbert auf das Dach blickt, ist Carlotta verschwunden.<br />
Gosbert geht zu einer eingebrochenen Dachluke, schaut hinab und<br />
sieht, daß Carlotta auf Kellermanns Schoß gelandet ist.<br />
GOSBERT (OFF)<br />
Kotz die Wand an!!!<br />
75. AUSSEN - GERICHTSMEDIZINISCHES INSTITUT - NACHT<br />
Drakonin und Otranto legen den toten Maliq in den Kofferraum<br />
eines PKW.<br />
Sie schauen zu Rübenacker und warten darauf, daß er den<br />
Kofferraumdeckel zuschlägt.<br />
RÜBENACKER<br />
(hält sich die Nase zu)<br />
In walitschka Maliq smellumpje.<br />
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Drakonin und Otranto schauen sich an - Das ist ein Problem.<br />
AGGRESSIVES HUPEN aus dem OFF. Ein LANGNESE EISWAGEN donnert<br />
ziemlich knapp an ihnen vorbei, so daß Rübenacker zur Seite<br />
springen muß.<br />
RÜBENACKER<br />
(flucht)<br />
Potzaue me dupasch!!!<br />
Rübenacker schaut dem Eiswagen hinterher und hat eine Idee.<br />
76. AUSSEN - STRASSE - NACHT<br />
Drakonin und Otranto schwingen einen SCHREIENDEN MANN hin und<br />
her, ...<br />
DRAKONIN UND OTRANTO<br />
(zählen)<br />
Jednas, dwasch, ... tris-datsch.<br />
... werfen ihn dann über eine Mauer.<br />
Wir HÖREN das LAUTE BRÜLLEN EINES LÖWEN auf der anderen Seite.<br />
Die beiden Männer steigen in den Langnese Eiswagen. Am Steuer<br />
sitzt Rübenacker.<br />
Der Eiswagen fährt ziemlich ruckartig an, weil Rübenacker mit<br />
der Kupplung nicht zurecht kommt. Er gibt den Blick auf ein<br />
Wegweiserschild frei: ZOOLOGISCHER GARTEN - 100 METER<br />
HAUPTEINGANG.<br />
DRAKONIN (OFF)<br />
Nu suchowa Konkobinika.<br />
(Wir müssen die Protituierte finden)<br />
Tadruck.<br />
Dschedai.<br />
OTRANTO (OFF)<br />
RÜBENACKER (OFF)<br />
77. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Carlotta sitzt geknebelt und gefesselt neben Kellermann.<br />
Kellermann registriert trotz seiner “Blindheit” aufmerksam, was<br />
um ihn herum passiert und gesprochen wird. Gosbert beugt sich zu<br />
ihr.<br />
GOSBERT<br />
(cool)<br />
Fakt 1: Ich habe ziemlich viel Zeit und<br />
Geld in die Planung dieser Entführung<br />
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gesteckt habe. Fakt 2: Ich habe nicht das<br />
geringste Interesse, daß mir jemand wie du<br />
das Unternehmen in Gefahr bringt. Hast du<br />
die Faktlage kapiert?<br />
Carlotta wirft ihm einen haßerfüllten Blick zu und nickt.<br />
Abo tippt Gosbert auf die Schulter.<br />
Abo will etwas sagen.<br />
ABO<br />
(mit Blick auf eine<br />
Gasheizung)<br />
Wir sollten vielleicht die Gasheizung<br />
anschmeißen.<br />
GOSBERT<br />
Die Heizung ist kaputt.<br />
GOSBERT<br />
<strong>Ne</strong>in, du wirst sie nicht im Handumdrehen<br />
reparieren.<br />
Gosberts Blick fällt auf Carlotta. Er greift zu einer Decke und<br />
legt sie über ihre Schulter.<br />
Abo unterbricht und reicht Gosbert das Polaroidfoto.<br />
ABO<br />
(drängt)<br />
In `ner halben Stunde wird der Briefkasten<br />
geleert.<br />
Gosbert wird ein wenig von Abos Tempo überfahren.<br />
Er holt seinen Erpresserbrief aus der Manteltasche, nimmt das<br />
Polaroidfoto und steckt es mit in den Umschlag.<br />
Dann drückt er Abo die Pistole in die Hand.<br />
Abo ist glücklich über das Vertrauen, das Gosbert ihm<br />
entgegenbringt.<br />
GOSBERT<br />
Und denk dran. Das ist eine Nutte. Der<br />
kannst du nicht über'n Weg trauen.<br />
ABO<br />
Geht klar - Partner.<br />
Gosbert verläßt den LKW.<br />
[Abo geht stolz mit der Pistole in der Hand herum und betrachtet<br />
sich die Ausstellungsgegenstände. Eine MACHETE erweckt seine<br />
Aufmerksamkeit. Sie ist schief an der Wand befestig. Abo<br />
versucht sie gerade zu rücken. RUMS! Sie fällt auf den Boden.<br />
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Betreten dreht sich Abo herum und bemerkt, daß Carlotta und der<br />
“blinde” Kellermann ihn beobachten.]<br />
78. AUSSEN - STRASSE - NACHT<br />
Gosbert steht vor einem Briefkasten. Er holt den Brief aus der<br />
Manteltasche. Zögert. Wenn er eingeworfen ist, gibts kein Zurück<br />
mehr. Gosbert schaut sich nach allen Seiten um. Zögert.<br />
Da biegt in weiter Entfernung ein Auto um die Ecke und kommt in<br />
schnellem Tempo näher. Jetzt wird Gosbert vom ABBLENDLICHT<br />
erfaßt. Der Wagen macht vor ihm eine Vollbremsung. Vom Licht<br />
geblendet, kann er nicht erkennen, was abgeht. JEMAND steigt aus<br />
dem Auto. Wir HÖREN amerikanische Countrymusik aus der<br />
Stereoanlage.<br />
Jetzt hat Gosbert kapiert. Schnell wirft er den Brief in den<br />
Briefkasten. Da wird er auch schon von Luboviski gepackt.<br />
LUBOVISKI<br />
Hopp, hopp jetzt wird nich gepennt, jetzt<br />
wird gearbeitet. Steinbach will deine<br />
Fresse sehn.<br />
Luboviski öffnet den Kofferraum, wirft Gosbert hinein und<br />
schlägt den Deckel zu.<br />
79. AUSSEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
SONNENAUFGANG.<br />
CARLOTTA (V.O.)<br />
Hmmm, Hmmm, Hmmm.<br />
80. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Abo geht nervös auf und ab und schaut zu Carlotta, die auf ihrem<br />
Stuhl ungeduldig hin- und herrutscht.<br />
81. INNEN - WASCHRAUM "HERREN" - MORGEN<br />
Carlotta streckt Abo ihre gefesselten Hände entgegen. Abo<br />
zögert, dann löst er die Fesseln. Carlotta verschwindet in der<br />
Toilette, schlägt die Tür hinter sich zu und schließt ab.<br />
Abo wartet. Er HÖRT einen WASSERHAHN tropfen. Er geht zu einem<br />
Waschbecken und beginnt den HAHN mit einer ZANGE zu bearbeiten.<br />
Die LAUTE KLOSPÜLUNG ist zu HÖREN. Abo flitzt zur Toilettentür.<br />
Das Türschloß dreht von Rot zu Grün. Carlotta kommt aber nicht<br />
heraus.<br />
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Abo klopft. Keine Reaktion. Abo drückt die Klinke und öffnet die<br />
Tür einen Spalt weit. Von Carlotta ist nichts zu sehen. Abo<br />
öffnet die Tür ganz ... Zu spät sieht er Carlotta hinter der Tür<br />
stehen. Schon trifft ihn der Keramikdeckel der Wasserspülung auf<br />
den Kopf und zerbricht in zwei Hälften. Abo geht zu Boden.<br />
Carlotta steigt über ihn hinweg und rennt zur Tür hinaus.<br />
82. AUSSEN - WASCHRAUM "HERREN" - MORGEN<br />
Carlotta rennt direkt in die Arme ZWEIER POLIZISTEN.<br />
Hoppla.<br />
CU - Carlotta erstarrt.<br />
POLIZIST #1<br />
Ein WÜTENDER AUFSCHREI aus dem Waschraum. Abo kommt<br />
wutschnaubend herausgerannt ...<br />
CU - Abo erstarrt.<br />
83. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />
CU - Gosbert erstarrt.<br />
Der völlig geräderte Gosbert starrt zur Rezeptionsbaracke. Die<br />
ist wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Dahinter stehen nur<br />
noch die Waschbaracken.<br />
Gosbert rennt auf das Campingplatzgelände.<br />
Als er an einem Busch vorbeikommt, scheucht er den Vogelstrauß<br />
auf, der ihm verwundert hinterherblickt.<br />
Wir blicken von oben hinab und sehen, wie Gosbert den Platz<br />
erreicht, wo gestern noch der Jeromin LKW gestanden hat. Jetzt<br />
sind nur noch die Reifenspuren und eine offene Grasnarbe zu<br />
sehen.<br />
Geschockt und erschöpft hockt sich Gosbert auf den Boden.<br />
Ein METALLISCHES QUIETSCHEN ist aus dem OFF zu HÖREN.<br />
Gosbert sieht zu einem SCHAUKELGESTELL. Die verrostete Schaukel<br />
bewegt sich im Wind. Daneben steht Abo.<br />
84. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AN DER SCHAUKEL - TAG<br />
Abo hält einen Müllsack in der Hand und sammelt mit einer<br />
Müllzange, die Blätter vom Boden auf.<br />
GOSBERT (OFF)<br />
Verflucht noch mal, wo ist der LKW?<br />
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Gosbert steht vor Abo. Abo dreht sich weg.<br />
ABO<br />
(zu sich)<br />
Die Blätter verschandeln meinen ganzen<br />
Campingplatz.<br />
Gosbert reißt Abo die Tüte aus der Hand. Abo greift die<br />
Müllzange wie einen Baseballschläger und bedroht Gosbert damit.<br />
ABO<br />
Ich muß die Blätter einsammeln, sonst<br />
kommen im Sommer keine Gäste.<br />
Wo ist der LKW?<br />
GOSBERT<br />
Gosbert packt Abo am Arm und reißt ihm die Müllzange aus der<br />
Hand. Jetzt bedroht er Abo damit.<br />
GOSBERT<br />
Wo ist der scheiß LKW?<br />
ABO<br />
Die Stadt hat mich gepfändet. Die haben<br />
alles mitgenommen ... sogar mein Handy.<br />
... Und ihr scheiß Transporter rammt auch<br />
noch mein Haus. Einfach mal so, beim<br />
Rückwärtsfahren. - Bloß weil ich die Pacht<br />
nicht mehr bezahlen kann.<br />
Gosbert reicht Abo die Müllzange zurück.<br />
85. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AN DER SCHAUKEL - WENIG SPÄTER<br />
Gosbert und Abo sitzen wie zwei Kinder nebeneinander auf<br />
Schaukeln, trudeln ein wenig hin und her und blicken auf den<br />
Fluß.<br />
ABO<br />
Mein Papa hat den Pachtvertrag an dem Tag<br />
unterschrieben, an dem meine Mama mich<br />
geboren hat. Irgendwie krieg ich`s nicht<br />
hin, seit ich das hier allein machen muß.<br />
Abo schaut zu Gosbert. Der schweigt vor sich hin.<br />
Wo bist du gewesen?<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Ich hab die ganze Nacht in den Sexshops<br />
vom Steinbach die Kabinen geputzt.<br />
ABO<br />
Der läßt dich so einen Scheiß machen?<br />
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Gosbert antwortet nicht.<br />
ABO<br />
Er ist doch dein Partner?<br />
GOSBERT<br />
Komm. Löcher mich nicht mit deinen Fragen,<br />
ja.<br />
Schweigen. Der Vogelstrauß tapst an ihnen vorbei. Gosbert schaut<br />
ihm sehnsüchtig hinterher.<br />
Abo beobachtet Gosbert, der in seinem übermüdeten Zustand<br />
ziemlich alt aussieht.<br />
Gosbert bemerkt, daß er von Abo beobachtet wird. Er steht auf.<br />
GOSBERT<br />
Sag mal, warum haben die dich eigentlich<br />
nicht eingebuchtet?<br />
ABO<br />
Warum sollen die mich in den Knast<br />
stecken, die haben mich doch gepfändet.<br />
GOSBERT<br />
Na wegen Kellermann.<br />
ABO<br />
<strong>Ne</strong>e. In den LKW haben die nicht<br />
reingeguckt.<br />
GOSBERT<br />
Moment mal. Kellermann ist im LKW und die<br />
Polizei hat keine Ahnung?<br />
ABO<br />
Ja. Die haben den nur zu Röchels Garage<br />
abgeschleppt.<br />
Gosbert bekommt wieder Oberwasser.<br />
[GOSBERT<br />
Du Idiot! Das erzählst du erst jetzt?<br />
ABO<br />
Du hast mich ja nicht gefragt.]<br />
86. INNEN - WASCHRAUM "HERREN" - TAG<br />
Gosbert und Abo stehen am Pissoir und pinkeln.<br />
ABO<br />
Du und ich, wir schaffen das zu zweit.<br />
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GOSBERT<br />
Du klaust den LKW. Ich mach die Schranke<br />
auf. Und wer soll Röchel ablenken?<br />
Abo weiß keine Antwort.<br />
Na also.<br />
GOSBERT<br />
Beide betätigen synchron die Wasserspülung und gehen zu den<br />
Toilettenkabinen.<br />
Abo öffnet eine Toilettentür.<br />
Carlotta sitzt wie eine Mumie gefesselt und geknebelt auf dem<br />
Klo.<br />
GOSBERT<br />
Nich schlecht Abo.<br />
Gell.<br />
(stolz)<br />
ABO<br />
Gosbert beugt sich zu Carlotta vor.<br />
GOSBERT<br />
(in kameradschaftlichem<br />
Ton)<br />
Hör zu. Ich binde dich sofort los. Und ich<br />
verspreche dir, daß du deine 5.000 Mark<br />
bekommst, wenn du uns bei einem kleinen<br />
Job behilflich bist. Du mußt nur mit dem<br />
Kopf nicken.<br />
Carlotta antwortet - wenn Blicke töten könnten.<br />
Gosbert will die Tür wieder schließen, da antwortet Carlotta mit<br />
heftigem Kopfnicken.<br />
Gosbert löst Carlotta die Fesseln und hilft ihr auf die Beine.<br />
Sie verlassen die Kabine.<br />
Carlotta stellt sich vor Abo hin und tritt ihm mit dem Knie in<br />
die Eier. Abo geht in die Knie. Carlotta dreht sich zu Gosbert<br />
herum, der mit beiden Händen seine Eier schützt.<br />
CARLOTTA<br />
Was ist kleiner Job?<br />
87. [AUSSEN - RÖCHELS GARAGE - NACHT<br />
Wir blicken auf “Röchels Garage” hinunter. Es handelt sich um<br />
eine Autoreparaturwerkstatt. Dahinter erstreckt sich ein großer<br />
eingezäunter Parkplatz, auf dem gelbe Abschleppwagen und<br />
Gebrauchtwagen stehen.<br />
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Wir nähern uns der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort stehen<br />
Gosbert, Abo und Carlotta im Windschatten.<br />
Carlotta trägt Gosberts Kaschmirmantel. Während Gosbert und Abo<br />
nervös sind, ist Carlotta völlig cool.<br />
GOSBERT<br />
Du mußt sie lediglich 5 Minuten ablenken.<br />
Um den Rest kümmern wir uns.<br />
CARLOTTA<br />
OK. Wieviele Menschen?<br />
GOSBERT<br />
Um diese Zeit höchstens zwei oder drei.<br />
Kriegst du das hin?<br />
Ohne zu antworten, geht Carlotta los und überquert die Straße.<br />
Gosbert und Abo beobachten, wie sie das Gebäude betritt.]<br />
88. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />
Eine große, ziemlich schmuddelige Reparaturwerkstatt.<br />
Carlotta steht an der Tür und wird von ACHTZEHN MÄNNERN<br />
angestarrt, die eben noch auf zwei Körbe Basketball gespielt<br />
haben.<br />
89. [AUSSEN - RÖCHELS GARAGE - NACHT<br />
Gosbert geht los. Abo zögert. Gosbert dreht sich zu ihm herum.<br />
Los komm.<br />
GOSBERT<br />
Abo folgt. Sie überqueren die Straße.]<br />
90. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />
Carlotta geht selbstbewußt auf die Männer zu.<br />
91. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />
Gosbert und Abo laufen in die Einfahrt zum Hinterhof hinein und<br />
passieren eine SCHWERE EISENSCHRANKE.<br />
92. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />
Carlotta wird von den achtzehn Männern umringt.<br />
Ein BASKETBALL hüpft auf Carlotta zu. Sie stoppt ihn geschickt<br />
mit ihrem Fuß.<br />
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Wo ist Röchel?<br />
CARLOTTA<br />
Die Männer machen eine Gasse frei. Sie führt zu einem<br />
Schreibtisch, an dem ein Mann mit dem Umfang einer Tonne sitzt<br />
und gerade dabei ist, sich das dickste Brötchen der Welt zu<br />
belegen. Er heißt ALFRED RÖCHEL.<br />
Röchel starrt Carlotta mit offenem Mund an und röchelt.<br />
93. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />
Gosbert und Abo erreichen den LKW. Gosbert öffnet die Hecktür<br />
und schaut hinein.<br />
94. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Kellermann sitzt gefesselt im Rollstuhl.<br />
95. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />
Zufrieden schließt Gosbert die Tür und macht Abo ein OK-Zeichen.<br />
Dann rennt Gosbert Richtung rückwärtigem Werkstatteingang.<br />
96. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />
Carlotta nähert sich Röchel und bleibt vor dem Schreibtisch<br />
stehen.<br />
Röchel starrt.<br />
Carlotta wirft Röchel einen verliebten Blick zu und stellt sich<br />
in Pose.<br />
CARLOTTA<br />
Ich bin dein Geburtstagsgeschenk.<br />
Sie knöpft den Mantel auf und läßt ihn heruntergleiten. Darunter<br />
ist sie lediglich mit einem ziemlich aufreizenden Dessous<br />
bekleidet.<br />
Röchel starrt.<br />
CARLOTTAS HAND legt eine MUSIKKASSETTE in einen<br />
KASSETTENRECORDER ein und drückt auf START. Die LICHTATHMOSPHÄRE<br />
verändert sich. Carlotta beginnt, begleitet von einem ganzen<br />
Orchester aus dem OFF, eine EROTISCHE SÜDAMERIKANISCHE<br />
TANZNUMMER, die die Blicke der neunzehn Männer in ihren Bann<br />
zieht.<br />
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97. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Abo sitzt am Steuer des LKW und steckt den Schlüssel ins<br />
Zündschloß, dann wartet er und schaut zur geschlossenen<br />
Eisenschranke.<br />
98. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />
Gosbert schleicht durch die Hintertür herein. Fasziniert<br />
beobachtet er Carlotta bei ihrem Tanz. Sie sieht einfach klasse<br />
aus. Da bemerkt er, daß Röchel noch hinter seinem Schreibtisch<br />
sitzt.<br />
Gosbert gibt Carlotta ein Zeichen.<br />
Carlotta tanzt zu Röchel und lockt ihn ... Röchel starrt ...<br />
Carlotta lockt ... Röchel wuchtet sich aus seinem Stuhl und<br />
beginnt mit Carlotta zu tanzen.<br />
Gosbert eilt zum Schreibtisch, drückt auf einen Knopf<br />
99. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Abo sieht, daß die Schranke sich öffnet und startet den Motor.<br />
100. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />
Das MOTORGERÄUSCH löst sämtliche ALARMANLAGEN aus:<br />
Wie bei einem Luftangriff beginnt eine SIRENE ZU HEULEN.<br />
SCHEINWERFER gehen an und erleuchten den ganzen Hinterhof.<br />
Die Schranke geht wieder zu.<br />
101. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />
Die Männer schrecken aus ihrer “Trance” auf, drehen sich herum<br />
und entdecken Gosbert. Gosbert flitzt wie der Blitz aus der<br />
Halle.<br />
102. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />
Gosbert rennt auf Jeromins LKW zu, erreicht ihn und reißt die<br />
Beifahrertür auf.<br />
103. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Gosbert sieht, daß Abo auf dem Beifahrersitz hockt.<br />
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Fahr du.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Rutsch rüber. Mach schon.<br />
Gosbert versucht Abo auf den anderen Sitz zu drücken,<br />
vergeblich.<br />
Ein Blick nach draußen: Die achtzehn Männer kommen aus der<br />
Werkstatt gelaufen und nähern sich dem LKW. Als Schlußlicht<br />
röchelt Röchel hinterher.<br />
GOSBERT<br />
Ich kann kein Auto fahren!<br />
Abo ist völlig perplex.<br />
Los jetzt fahr.<br />
GOSBERT<br />
Abo rutscht auf den Fahrersitz und will losfahren.<br />
Doch da stellen sich ihnen die achtzehn Männer in den Weg.<br />
Abo schaut hilfesuchend zu Gosbert.<br />
Rückwärtsgang.<br />
GOSBERT<br />
Abo wirft den Rückwärtsgang ein und tritt aufs Gaspendal. Ab<br />
gehts.<br />
104. INNEN - JEROMINS LKW/LADEFLÄCHE - NACHT<br />
Kellermann im Rollstuhl rollt rückwärts und knallt gegen die<br />
Wand.<br />
105. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />
Die achtzehn Männer beobachten gespannt, wie der Jeromin LKW<br />
rückwärts auf eine Holzwand zufährt.<br />
106. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW/FAHRERKABINE - NACHT<br />
Abo sieht im Rückspiegel die Holzwand näherkommen.<br />
Scheiße!!!<br />
GOSBERT UND ABO<br />
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107. AUSSEN - STRASSE VOR "RÖCHELS GARAGE" - NACHT<br />
Der LKW durchbricht von hinten das WERBEPLAKAT EINER<br />
VERSICHERUNGSFIRMA und erreicht die Straße.<br />
108. INNEN - JEROMINS LKW/LADEFLÄCHE - NACHT<br />
Kellermann kippt mit seinem Rollstuhl um.<br />
109. AUSSEN - STRASSE VOR "RÖCHELS GARAGE" - NACHT<br />
Abo legt wieder den Vorwärtsgang ein, rast los und macht eine<br />
Vollbremsung vor dem Eingang zur Werkstatt.<br />
110. [INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW/FAHRERKABINE - NACHT<br />
Gosbert und Abo schauen zum Eingang der Werkstatt. Keine<br />
Carlotta.<br />
Abo schaut in den Rückspiegel und sieht, wie sich die achtzehn<br />
Männer und Röchel von hinten nähern.<br />
Abo will aufs Gaspedal drücken. Schaut zu Gosbert und wartet auf<br />
dessen Anweisung.<br />
Gosbert schaut zum Werkstatteingang. Keine Carlotta.<br />
Blick in den Rückspiegel. Nur noch wenige Meter, dann haben die<br />
Schnellsten den LKW erreicht.<br />
Ein flehendet Blick von Abo zu Gosbert - Laß uns doch endlich<br />
abhauen.]<br />
111. AUSSEN - STRASSE VOR “RÖCHELS GARAGE” - NACHT<br />
Carlotta kommt mit dem Mantel in der Hand aus der Werkstatt<br />
gelaufen und rennt zum LKW.<br />
112. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW/FAHRERKABINE - NACHT<br />
Gosbert öffnet die Tür. Carlotta klettert hinein und setzt sich<br />
auf Gosberts Schoß. Abo gibt Gas.<br />
In der Euphorie des Sieges beginnen sie zu jubeln.<br />
113. AUSSEN - STRASSE VOR “RÖCHELS GARAGE” - NACHT<br />
Der jubelnde Jeromin LKW rast davon. Die achtzehn Männer geben<br />
die Verfolgung auf.<br />
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Röchel bahnt sich seinen Weg durch die Gruppe und schaut dem LKW<br />
hinterher. Er ist ziemlich aus der Puste und muß von zwei<br />
Männern gestützt werden.<br />
RÖCHEL<br />
Mensch. Ich hab heut gar keinen<br />
Geburtstag.<br />
114. AUSSEN/INNEN - JEROMINS LKW (IN BEWEGUNG) - NACHT<br />
Der LKW fährt durch die nächtlichen Straßen.<br />
[Carlotta sitzt in ihrer spärlichen Bekleidung auf Gosberts<br />
Schoß, rutscht hin und her, um sich den Mantel anzuziehen. Das<br />
irritiert Gosbert gewaltig.]<br />
Schließlich rutscht sie von Gosberts Schoß, so daß sie sich<br />
jetzt den Beifahrersitz teilen.<br />
CARLOTTA<br />
So. Jetzt gibst du mir Geld.<br />
Hmm?<br />
GOSBERT<br />
CARLOTTA<br />
Du hast versprochen.<br />
115. AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Der LKW macht mitten auf der Straße eine Vollbremsung. Carlotta<br />
steigt mit wilden spanischen Verwünschungen aus. Gosbert folgt.<br />
GOSBERT<br />
Natürlich hab ich’s versprochen. Ich hab<br />
aber nicht versprochen, daß du das Geld<br />
sofort bekommst.<br />
Carlotta rüttelt an der verschlossenen Hecktür.<br />
GOSBERT<br />
Ich muß auch auf mein Geld warten.<br />
CARLOTTA<br />
Ich will mein Koffer.<br />
GOSBERT<br />
Frag Abo. Der muß auch auf sein Geld<br />
warten.<br />
CARLOTTA<br />
Gib mir Koffer!!!<br />
Gosbert öffnet die Hecktür, klettert hinein und reicht ihr den<br />
Koffer raus.<br />
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Meine Giraffe!!!<br />
Gosbert verschwindet im Inneren.<br />
CARLOTTA<br />
Die Giraffe kommt Carlotta entgegengeflohen.<br />
Carlotta klemmt sich ihre Giraffe unter den Arm, zieht den<br />
quietschenden Koffer hinter sich her und geht davon.<br />
Gosbert klettert von der Ladefläche und schaut ihr hinterher.<br />
Dann schlägt er wütend die Hecktür zu.<br />
116. [INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW (IN BEWEGUNG) - NACHT<br />
Gosbert steckt sich zwei Kaugummistreifen in den Mund und bietet<br />
Abo das Päckchen an. Der lehnt kopfschüttelnd ab.<br />
Gosbert schaut irritiert zu Abo, der stur auf die Straße starrt.<br />
GOSBERT<br />
Du bist grad so gesprächig. Was is’n los?<br />
Ach nichts.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Läuft dir irgend `ne Laus über die Leber?<br />
<strong>Ne</strong>e.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Das mit dem Autofahren. ... Hast du<br />
gewußt, daß Al Capone kein Auto fahren<br />
konnte. - Der hatte einen Chauffeur mit<br />
Uniform und Mütze. Al saß gemütlich mit<br />
`ner dicken Havanna auf`m Rücksitz und<br />
ließ sich die Finger maniküren.<br />
Gosbert schaut zu Abo, um sich zu vergewissern, ob ihm die<br />
Begründung imponiert hat.<br />
Es hat nicht ganz gereicht. Abo schaut noch immer geknickt<br />
drein.<br />
GOSBERT<br />
Ach übrigens, du darfst deine Skier nicht<br />
vergessen, wenn wir nach Afrika gehn.<br />
Völlig überrascht schaut Abo zu Gosbert.<br />
GOSBERT<br />
Na, wir sind doch Partner. Oder willste<br />
nicht mit?<br />
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Klar will ich mit.<br />
Abo strahlt wieder, doch plötzlich kommt ihm ein Gedanke, der<br />
sein ganzes Glück wieder zerstören könnte.<br />
ABO<br />
ABO<br />
Wo solls denn da in Afrika Schnee zum<br />
Skifahren geben?<br />
GOSBERT<br />
Na auf’m Kilimandscharo.<br />
Du verarscht mich.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
Der ist fast 6.000 Meter hoch. Jeromin<br />
fährt jedes Wochende Ski.<br />
Abos Bedenken sind verschwunden. Sein Glück ist vollkommen.<br />
Gosbert reicht ihm die Kaugummis. Diesmal greift Abo zu.<br />
GOSBERT<br />
Einer ist zuwenig. Wenn de richtig kauen<br />
willst, brauchste zwei.<br />
Abo greift noch einmal zu und schaut sich Gosbert genau an.<br />
ABO<br />
Wo is’n dein Mantel?<br />
Gosbert realisiert, daß er keinen Mantel trägt.<br />
GOSBERT<br />
Kotz die Wand an!!!]<br />
117. AUSSEN - WINZIGE KNEIPE IM BORDELLVIERTEL - NACHT<br />
Carlotta in Gosberts Mantel betritt mit ihrem quietschenden<br />
Koffer und ihrer Giraffe unterm Arm die Kneipe.<br />
Wir sehen durch das Außenfenster, wie sich Carlotta ihren Weg<br />
durch die Kneipe bahnt, dabei wütend einige Gäste auffordert,<br />
ihr gefälligst Platz zu machen. Schließlich setzt sie sich zu<br />
Katja an einen Fenstertisch. Mit heftiger Gestik beginnt<br />
Carlotta sofort ihr Herz auszuschütten. Wir brauchen nichts zu<br />
verstehen, weil wir schon alles wissen.<br />
118. INNEN - WINZIGE KNEIPE IM BORDELLVIERTEL - NACHT<br />
Im HINTERGRUND Blick durch das Fenster auf die Straße hinaus.<br />
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Im Folgenden sehen wir im HINTERGRUND, wie der Langnese Eiswagen<br />
mit einem Ruck zum Stehen kommt. Drakonin, Otranto und<br />
Rübenacker steigen aus. Alle drei lutschen genüßlich ein Eis.<br />
Otranto schaut interessiert durch das Fenster in die Kneipe<br />
hinein. Drakonin ruft ihn zurück. Sie überqueren die Straße und<br />
betreten ein Bordell.<br />
Im VORDERGRUND staunt Katja nicht schlecht, was Carlotta ihr<br />
erzählt hat.<br />
KATJA<br />
Dagobert Duck. - Das ist eine Nummer zu<br />
groß für ihn.<br />
[(ins OFF)<br />
Hey Schätzelchen. Zwei Eros Ramazotti mit<br />
Eis und Zitrone.<br />
(wieder zu Carlotta)]<br />
Laß dir eins gesagt sein, Schätzelchen.<br />
Frauen sind von Geburt an klug. Männer<br />
müssen Bücher lesen.<br />
CARLOTTA<br />
Dieser Gosbert hat kein Buch gelesen.<br />
Zwei Ramazottis werden von einer MÄNNLICHEN BEDIENUNG auf den<br />
Tisch gestellt.<br />
Sie stoßen an - PLING<br />
KATJA<br />
Und deshalb werden wir ihm sein Süppchen<br />
versalzen.<br />
119. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
[PLOCK - LINSENSUPPE rutscht als gefrorener Klotz aus der Büchse<br />
auf einen Teller, der zerbricht.<br />
Abo, der die Büchse in der Hand hält schaut zu Kellermann, der<br />
ohne Knebel im Rollstuhl sitzt und Löffel und Teller in den<br />
Händen hält.<br />
Ein Blick zur Heizung und dann ein bittender Blick zu Gosbert.<br />
GOSBERT<br />
Du näherst dich dieser Heizung keinen<br />
Millimeter.<br />
Abo steckt den Linsensuppeneisklotz wieder in die Büchse.]<br />
ABO<br />
Ob der Brief schon angekommen ist?<br />
Gosbert zuckt mit den Schultern.<br />
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GOSBERT<br />
Ich laß den Bruder sowieso noch ein paar<br />
Tage zappeln. Die Zeit ist auf unserer<br />
Seite.<br />
ABO<br />
Das wird `ne ziemlich kalte Zeit werden.<br />
KELLERMANN<br />
Fakt ist: Die Zeit ist nicht auf ihrer<br />
Seite. Daß der LKW gepfändet wurde, ist<br />
sicher nicht ihr Plan gewesen. Schon jetzt<br />
kann die Polizei auf ihrer Spur sein.<br />
Abo schaut erschrocken zu Gosbert - “Er hat recht.”<br />
Gosbert weiß das auch, will es aber nicht zugeben.<br />
KELLERMANN<br />
Entschuldigen Sie meinen Einwurf. - Als<br />
ich Ihnen vorschlug, sich mit meinem<br />
Bruder in Verbindung zu setzen, ging ich<br />
davon aus, daß Sie den Umgang mit einem<br />
Telefon gewohnt sind.<br />
Abo schaut fragend zu Gosbert. Mehr um sich vor Abo zu<br />
rechtfertigen:<br />
GOSBERT<br />
Fakt ist, daß man bei einer Entführung<br />
immer zuerst einen Brief schreibt!<br />
KELLERMANN<br />
Aber als “Profi” müssen Sie doch bereit<br />
sein zu improvisieren. Besonders bei<br />
solchen Temperaturen.<br />
Abo überzeugt diese Antwort. Er schaut fragend zu Gosbert und<br />
erwartet eine Reaktion.<br />
Gosbert nimmt Kellermann Löffel und Teller aus der Hand und<br />
beginnt Kellermanns Hände wieder an den Rollstuhl zu fesseln.<br />
Gosbert sagt nichts.<br />
KELLERMANN<br />
Ich biete Ihnen folgenden Zeitplan an: Es<br />
dauert drei bis vier Stunden bis das Geld<br />
bei der Bank bereit liegt. Eine Stunde<br />
später halten Sie es in Ihren Händen. Wenn<br />
Sie mich jetzt mit meinem Bruder<br />
telefonieren lassen.<br />
[ABO<br />
Warum läßt du ihn denn nicht telefonieren?<br />
GOSBERT<br />
Wenn der "jetzt" sagt, passiert gar<br />
nichts. Überhaupt nichts. Willste wissen,<br />
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wann was passiert? Wenn ich "jetzt" sage.<br />
Ich.]<br />
120. [AUSSEN - EINFAHRT ZUM CAMPINGPLATZ - NACHT<br />
Einige Minuten später.<br />
Gosbert steht an einer Telefonzelle. Er dreht sich nach allen<br />
Seiten um und gibt dann ein Zeichen ins OFF.<br />
Jetzt!!!<br />
GOSBERT<br />
Abo kommt mit Kellermann im Rollstuhl aus der Einfahrt hinaus<br />
und schiebt ihn zur Telefonzelle.<br />
Gemeinsam heben sie Kellermann aus dem Rollstuhl und bugsieren<br />
ihn in die Zelle.<br />
121. INNEN/AUSSEN - TELEFONZELLE - NACHT<br />
Gosbert nimmt den Hörer ab und wirft Münzen ein.<br />
Welche Nummer?<br />
GOSBERT<br />
KELLERMANN<br />
Wie spät ist es?<br />
Abo guckt auf seine Armbanduhr.<br />
Viertel nach zwei.<br />
Am Nachmittag?<br />
In der Nacht.<br />
ABO<br />
KELLERMANN<br />
GOSBERT<br />
KELLERMANN<br />
Dann hat es keinen Zweck. Um diese Zeit<br />
läßt sich Hagen von niemandem mehr stören.<br />
GOSBERT<br />
Er wird sich stören lassen. Die Nummer !!!<br />
KELLERMANN<br />
Vier - sieben - eins - acht - acht - fünf<br />
- neun - sieben.<br />
Gosbert wählt und wartet ... wartet ... wartet.<br />
ABO<br />
Vielleicht holt er sich gar Zigaretten?<br />
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Gosbert hängt ein.<br />
KELLERMANN<br />
Hagen ist Nichtraucher.<br />
ABO<br />
Vielleicht hockt er auf dem Klo.<br />
KELLERMANN<br />
Glauben Sie mir. Ich kenne meinen Bruder<br />
ganz genau.<br />
GOSBERT<br />
Was soll das werden? Wir latschen hier her<br />
und Ihnen fällt ein, daß ihr Bruder um<br />
viertel nach zwei keinen Bock hat ans<br />
Telefon zu gehen.<br />
KELLERMANN<br />
Glauben Sie mir, mir macht das auch keinen<br />
Spaß.]<br />
122. [AUSSEN - CAMPINGPLATZ - NACHT<br />
Gosbert und Abo schieben gemeinsam Kellermann über das Gelände.]<br />
KELLERMANN<br />
Ich schlage vor, Sie melden sich morgen<br />
gegen zehn Uhr vormittag im Büro meines<br />
Bruders. Wie hoch ist ihre Geldforderung?<br />
- Eine Million?<br />
ABO<br />
(flüstert Gosbert zu)<br />
Woher weiß der das?<br />
KELLERMANN<br />
Menschen Ihrer Herkunft denken immer im<br />
Rahmen einer Million. Alles was darüber<br />
hinausgeht, ist zu abstrakt für sie.<br />
GOSBERT<br />
(trotzig)<br />
Pustekuchen. Wir verlangen fünf Millionen.<br />
Echt?!<br />
(staunt)<br />
ABO<br />
KELLERMANN<br />
Das erhöht natürlich den Zeitfaktor.<br />
Stellt aber ansonsten kein Problem dar. -<br />
Haben Sie sich mal überlegt, sich das Geld<br />
in Euro auszahlen zu lassen?<br />
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Abo schaut interessiert zu Gosbert. Der hat sich das noch nicht<br />
überlegt.<br />
Ein QUIETSCHEN ist zu HÖREN. Gosbert und Abo trauen ihren Ohren<br />
nicht. Da werden sie auch schon von Carlotta überholt.<br />
CARLOTTA<br />
(im vorbeigehen)<br />
OK. Ich bleibe hier, bis du Geld hast und<br />
mir gibst 5.000 Mark.<br />
123. INNEN - "GIRLIES"/ZIMMER #1 (MONTAGE) - NACHT<br />
Korrespondiert mit der Montage von BILD 17ff.<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker stehen im Türrahmen. Rübenacker<br />
zeigt ein Foto von Maliq.<br />
RÜBENACKER<br />
Jambo. Mama Tembo toto surugali?<br />
Die WOHLBELEIBTE AFRIKANERIN knallt ihnen die Tür vor der Nase<br />
zu.<br />
124. INNEN - “GIRLIES”/ZIMMER #2 - NACHT<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker stehen im Türrahmen. Rübenacker<br />
zeigt das Foto von Maliq hebt.<br />
RÜBENACKER<br />
Ni hau. Wo yau diän-tang.<br />
ZWEI SCHNATTERNDE CHINESINNEN MIT PAMELA ANDERSON PERÜCKE<br />
knallen ihnen die Tür vor der Nase zu.<br />
125. INNEN - "GIRLIES"/FLUR - NACHT<br />
[Drakonin, Otranto und Rübenacker wird die Tür vor der Nase<br />
zugeschlagen.<br />
Unentschlossen müde und erschöpft bleiben sie stehen.<br />
WEIBLICHE STIMME (OFF)<br />
Heiße Würste und kalte Getränke machen<br />
müde Männer wieder munter.<br />
Rübenacker und Otranto drehen sich herum.] Vor ihnen steht ein<br />
abgetakeltes Muttchen Mitte sechzig, die einen Rollwagen vor<br />
sich herschiebt. Sie heißt KUNIGUNDE.<br />
Die hungrigen Männer bedienen sich und lassen es sich schmecken.<br />
KUNIGUNDE<br />
Woher kommt ihr Jungs.<br />
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RÜBENACKER<br />
(mit vollem Mund)<br />
Die Herren kommen aus Bandrikistan.<br />
KUNIGUNDE<br />
Na hoffentlich sind deine Freunde nicht<br />
abergläubisch. Dem letzten Bandriken, dem<br />
ich eine Wurst verkauft habe, der ist kurz<br />
darauf von Carlotta Valdez totgebumst<br />
worden.<br />
Rübenacker verschluckt sich, hustet.<br />
126. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Im OFF PFEIFT ein eisig kalter WIND.<br />
Ein weißes Laken trennt den vorderen Bereich der Ladefläche vom<br />
hinteren, d.h. Männlein von Weiblein.<br />
Gosbert beobachtet den Schattenriß von Carlotta, die sich gerade<br />
umzieht.<br />
Abo bemerkt, welche Stielaugen Gosbert bekommt.<br />
ABO<br />
(flüstert)<br />
`<strong>Ne</strong>r Nutte kannste nicht über`n Weg traun.<br />
GOSBERT<br />
(flüstert)<br />
Wer sagt das?<br />
(flüstert)<br />
Du hast das gesagt.<br />
ABO<br />
GOSBERT<br />
(flüstert)<br />
Quatsch mir nicht immer alles nach. Is ja<br />
wie ein Echo, Mann.<br />
Gute Nacht.<br />
CARLOTTA (OFF)<br />
GOSBERT UND ABO<br />
(ertappt)<br />
Gute Nacht.<br />
Gosbert und Abo legen sich schnell auf ihr Tierfellbetten und<br />
decken sich zu.<br />
Carlotta bettet sich mit ihrer Giraffe auf das Löwenfell mit<br />
Kopf. Sie kann nicht schlafen, starrt vor sich hin und lauscht<br />
dem Wind.<br />
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Auch Gosbert starrt vor sich hin und hört plötzlich ein<br />
SCHNARCHEN. Er richtet sich auf. Abo ist schon eingeschlafen und<br />
schnarcht.<br />
Gosbert schaut hinüber zu Kellermann.<br />
Er schläft nicht, sondern sitz aufrecht in seinem Rollstuhl und<br />
scheint ihn bedrohlich wie ein Tiger zu beobachten.<br />
Gosbert legt sich wieder hin und schaut auf ein<br />
SCHWARZWEISSFOTO: Im HINTERGRUND ist der Kilimandscharo zu<br />
sehen. Im VORDERGRUND posiert Jeromin wie Ernest Hemingway.<br />
[Statt einer Flinte trägt er Skier und Skistöcke über der<br />
Schulter.<br />
Entfernt HÖREN wir das GEBRÜLL DER ELEFANTEN UND LÖWEN, den<br />
HUFSCHLAG FLÜCHTENDER ANTILOPEN und die TROMMELN DER MASSAI.]<br />
127. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Wie ein Ertrinkender, der nach Luft schnappt, fährt Gosbert<br />
erschrocken aus dem Schlaf. Er zittert vor Kälte. <strong>Ne</strong>ben ihm<br />
schnarcht Abo tief und fest.<br />
[Durch die in typischer Abo Manier reparierte Dachluke dringt<br />
das Licht des Morgens.<br />
Gosbert schaut zu Kellermann, der, den Kopf auf die Schulter<br />
gestützt, im Sitzen schläft.<br />
Gosbert steht auf, schiebt das weiße Laken einen Spalt zur Seite<br />
und sieht, daß das Löwenfell leer ist. Carlotta ist weg. Gosbert<br />
ist enttäuscht.]<br />
128. AUSSEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
CU - GOSBERT. Das grelle Tageslicht blendet seine Augen.<br />
Schlaftrunken klettert er aus dem LKW.<br />
Zu seiner Überraschung entdeckt er Carlotta. Sie sitzt auf einem<br />
verrosteten Campingstuhl. Vor ihr brennt ein wärmendes<br />
Grillfeuer. <strong>Ne</strong>ben ihr hockt der Vogelstrauß.<br />
Gosbert beobachtet Carlotta, bis sie sich zu ihm umdreht.<br />
Guten Morgen.<br />
Morgen.<br />
CARLOTTA<br />
GOSBERT<br />
Carlotta nimmt eine zerbeulte Kanne vom Feuer und gießt eine<br />
dampfende Flüssigkeit in eine Blechtasse. Sie streckt Gosbert<br />
die Tasse entgegen.<br />
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Gosbert kommt heran und nimmt die Tasse, verbrennt sich beinah<br />
die Finger.<br />
GOSBERT<br />
Huu! Ist das heiß!<br />
Heißer Kaffee.<br />
Gosbert riecht daran, zögert.<br />
Trink.<br />
CARLOTTA<br />
CARLOTTA<br />
Gosbert nippt, verzieht das Gesicht, als ob er einen Schnaps<br />
getrunken hat und schnappt nach Luft.<br />
GOSBERT<br />
Wow. Das is ‘ne Bohne.<br />
CARLOTTA<br />
Guter Kaffee ist wie heiße Liebe.<br />
Sie schaut ihn herausfordernd an.<br />
Gosbert weicht dem Blick aus und probiert noch einen Schluck.<br />
GOSBERT<br />
Leicht süßliches Aroma. Jamaica Blue<br />
Montain. Wächst auf Hochlagen von 500 bis<br />
1000 Metern und verträgt eine höhere<br />
Dosierung.<br />
CARLOTTA<br />
Du kennst dich aus mit Kaffee.<br />
GOSBERT<br />
Jeromin, das ist der, dem der LKW gehört,<br />
der baut auf seiner Farm in Afrika Kaffee<br />
an.<br />
Gosbert trinkt und beginnt von Afrika zu träumen.<br />
GOSBERT<br />
Wenn du auf seiner Veranda stehst, kannst<br />
du sehen, wie der Kilimandscharo mehrmals<br />
am Tag sein Aussehen verändert. Manchmal<br />
scheint er ganz nah und dann wieder weit,<br />
weit entfernt. Abends, wenn es dunkel<br />
wird, ist ein silberner Strich um die<br />
Silhouette des dunklen Berges gezogen. Und<br />
dann wenn es ganz dunkel is, siehst du nur<br />
noch den weißen Schnee im Mondlicht<br />
glänzen.<br />
Carlotta hat ihm aufmerksam zugehört. Sie erkennt, daß Gosbert<br />
ein romantischer Träumer ist. Das gefällt ihr.<br />
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CARLOTTA<br />
Du bist schon dort gewesen in Afrika?<br />
GOSBERT<br />
(schüttelt den Kopf)<br />
Jeromin hat mir tausend Mal davon erzählt.<br />
Hier ...<br />
(er tippt sich an den<br />
Kopf)<br />
... weiß ich genau wie es in Afrika<br />
aussieht.<br />
CARLOTTA<br />
Nix hier ...<br />
(sie tippt sich an den<br />
Kopf)<br />
Hier ...<br />
(sie berührt ihr Herz)<br />
ABO (OFF)<br />
Oh Mann. Der scheißt für zwei.<br />
Der Vogelstrauß springt auf und geht beleidigt davon.<br />
Abo wischt sich einen Schuh im Gras ab. Er wirft einen<br />
eifersüchtigen Blick auf die traute Zweisamkeit zwischen Gosbert<br />
und Carlotta.<br />
ABO<br />
(schaut demonstrativ auf<br />
die Uhr)<br />
Wollen wir nicht so langsam telefonieren<br />
gehen. Oder haste vergessen, daß wir hier<br />
‘ne Entführung durchziehen?<br />
Gosbert geht zu Abo, drückt ihm die Tasse in die Hand und<br />
klettert in den LKW hinein. Abo trinkt und spuckt gleich wieder<br />
aus.<br />
129. AUSSEN/INNEN - TELEFONZELLE - TAG<br />
Gosbert, Abo, Carlotta und der “blinde” Kellermann stehen<br />
eingezwängt in der Zelle. <strong>Ne</strong>ben der Zelle steht der Rollstuhl.<br />
Gosbert wählt und hält sich den Hörer ans Ohr. Abo und Carlotta<br />
beugen sich zum Hörer vor, um mitzubekommen, was am anderen Ende<br />
gesprochen wird.<br />
[RUFZEICHEN. JEMAND MELDET SICH.<br />
WARTESCHLEIFENMUSIK.<br />
WEIBLICHE STIMME (OFF)<br />
“Kellermann”... Unsere Leitungen sind<br />
momentan alle besetzt. Gedulden Sie sich<br />
einen Augenblick.<br />
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Gespanntes Warten.<br />
Die weibliche Stimme wiederholt ihre Ansage, dann setzt wieder<br />
WARTESCHLEIFENMUSIK ein.<br />
Ungeduldiges Warten. Dann:<br />
Gosbert zögert.<br />
ANDERE WEIBLICHE STIMME (OFF)<br />
“Kellermann” ... Was kann ich für Sie tun?<br />
KELLERMANN<br />
Lassen Sie mich mit ihr sprechen.<br />
KELLERMANN<br />
Ohne genaue Aufklärung der Sachlage<br />
verbindet Sie Frau Kubelka nicht weiter.<br />
Gosbert drückt Kellermann den Hörer in die Hand.]<br />
KELLERMANN<br />
Frau Kubelka. Stellen Sie mich doch mal<br />
bitte zu meinem Bruder durch.<br />
130. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/KONFERENZRAUM - TAG<br />
Der Konferenzraum wird von einem riesigen ovalen Tisch mit einem<br />
ovalen Oberlicht dominiert. Kein Tageslicht dringt hinein.<br />
Dunkelheit beherrscht die Szenerie.<br />
ZWEI MÄNNER sitzen sich rechts und links in großer Entfernung am<br />
Tisch gegenüber. Ihre Gesichter können wir nicht sehen, weil sie<br />
außerhalb des Lichtkegels sitzen. Der rechts sitzt ist HAGEN<br />
KELLERMANN, der links sitzt KARL WEISSHAUPT.<br />
[Die HAND von Karl Weisshaupt beschäftigt sich damit akurat “Das<br />
ist das Haus vom Nikolaus” - Häuser auf einen Block zu zeichnen.<br />
Er beginnt jedes Mal an einer anderen Stelle. Es gelingt ihm<br />
immer, das Haus mit einem Strich zu zeichnen.]<br />
Das TELEFON KLINGELT.<br />
Die HAND von HAGEN KELLERMANN drückt auf einen Knopf.<br />
FRAU KUBELKA (OFF)<br />
(über Raumverstärker)<br />
Herr Kellermann. Ihr Bruder auf der eins.<br />
Hagen lehnt sich nach vorn in den Lichtkegel des Oberlichtes.<br />
Seine Krawatte ist immer schief gebunden. Seine Augen sind auf<br />
der gierigen Suche nach Aufmerksamkeit und Bewunderung. Sein<br />
Lachen ist immer gespielt.<br />
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HAGEN<br />
Hallo Lorenz. Deine Pünktlichkeit läßt zu<br />
wünschen übrig. Du wolltest doch schon<br />
vorgestern aus Peking zurück sein.<br />
(lacht)<br />
Haben die dich mit ihren Stäbchen<br />
festgehalten?<br />
KELLERMANN (OFF)<br />
Hast du noch keinen Brief erhalten, der<br />
dir meine Abwesenheit erklärt?<br />
Hagen schaut hinüber zu Weisshaupt. Weisshaupts HAND unterbricht<br />
das Zeichnen und greift nach Gosberts Erpresserbrief.<br />
HAGEN<br />
Ich habe nichts bekommen.<br />
131. AUSSEN/INNEN - TELEFONZELLE - TAG<br />
KELLERMANN<br />
Fakt ist, ich bin entführt worden. Meine<br />
Entführer drohen damit mich umzubringen,<br />
wenn wir ihnen nicht fünf Millionen DM ...<br />
GOSBERT<br />
(flüstert)<br />
Euro. Fünf Millionen Euro.<br />
KELLERMANN<br />
(überrascht)<br />
Das sind 10 Millionen DM.<br />
GOSBERT<br />
(auch überrascht)<br />
Na dann eben 10 Millionen DM.<br />
KELLERMANN<br />
Ich korrigiere. Die Entführer fordern 10<br />
Millionen DM, sonst bringen sie mich um.<br />
Abo und Carlotta staunen nicht schlecht. Gosbert ist am meisten<br />
überrascht.<br />
132. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/KONFERENZRAUM - TAG<br />
WEISSHAUPTS HAND streicht mit dem Kugelschreiber die “1” durch<br />
und schreibt eine “5” darüber, dann eine “10”.<br />
KELLERMANN (OFF)<br />
Informiere Weisshaupt. Er soll dafür<br />
sorgen, daß das Geld in sechs Stunden bei<br />
der Bank bereit liegt und wir eine<br />
Übergabe arrangieren können.<br />
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Und du kannst mir inzwischen die<br />
Fusionsverträge für Gung Tschang fertig<br />
machen, damit ich sie heute abend prüfen<br />
und unterschr --<br />
Hagen drückt auf einen Knopf und unterbricht die Verbindung<br />
mitten im Satz. Nur der LAUTE PIEPSTON der Telekom ist zu hören.<br />
Er schaut zufrieden zu Weisshaupt.<br />
Weisshaupt lehnt sich nach vorn und wir sehen ihn im Lichtkegel.<br />
Ein asketisches Leben und militärischer Drill spiegeln sich in<br />
seinem Gesicht. Wenn man den Tod besetzen müßte, würde er die<br />
Rolle bekommen.<br />
Der LAUTE PIEPSTON wechselt jetzt zu einem BESETZZEICHEN.<br />
133. AUSSEN/INNEN - TELEFONZELLE - TAG<br />
Der TELEFONHÖRER an KELLERMANNS OHR. Er hört das BESETZZEICHEN.<br />
Gosbert, Abo und Carlotta blicken ungeduldig zu Kellermann, der<br />
mit dem Hörer am Ohr dasteht und kein Wort mehr sagt.<br />
Hey, was sagt er?<br />
GOSBERT<br />
Gosbert greift nach dem Hörer, doch Kellermann läßt ihn nicht<br />
los und legt die Hand auf die Sprechmuschel.<br />
KELLERMANN<br />
Mein Bruder ist in der Lage, daß Geld<br />
schon in vier Stunden für Sie bereit zu<br />
stellen. Es stellt sich jetzt die Frage,<br />
wo die Geldübergabe stattfinden soll?<br />
Haben Sie da schon einen Plan?<br />
Abo und Carlotta schauen Gosbert erwartungsvoll an. Gosbert hat<br />
keinen Plan und schweigt.<br />
KELLERMANN<br />
Sie müssen doch einen Plan haben.<br />
ABO<br />
Du hast doch einen Plan?<br />
GOSBERT<br />
Natürlich hab ich einen Plan.<br />
KELLERMANN<br />
Dreißig Kilometer außerhalb der Stadt<br />
Richtung X gibt es eine wenig befahrene<br />
Ausfallstraße. Ebene Felder, weites<br />
Sichtfeld ...<br />
Gosbert hat nicht mehr die Autorität “Halts Maul” zu sagen.<br />
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134. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Kellermann sitzt wie Al Capone in seinem Rollstuhl. Vor ihm<br />
sitzen und stehen Gosbert, Abo und Carlotta und lauschen den<br />
Anweisungen.<br />
KELLERMANN<br />
Hagen erwartet Sie an der Bushaltestelle<br />
Maienfelde. Sagen Sie dem Busfahrer<br />
bescheid, sonst bleibt er nicht stehen.<br />
Gosbert knöpft sich den Mantel zu. Abo führt Gosbert zur Seite<br />
und beginnt zu flüstern:<br />
ABO<br />
Und wenn etwas faul an der Sache ist?<br />
GOSBERT<br />
Was soll da faul sein?<br />
ABO<br />
Ich weiß auch nicht. Managertraining.<br />
Seitenblick zu Kellermann.<br />
GOSBERT<br />
Managertraining. Abo, Kellermann will so<br />
schnell wie möglich an seinen Schreibtisch<br />
zurück. Mehr nicht.<br />
ABO<br />
Ich sollte vielleicht mitkommen.<br />
GOSBERT<br />
Und wer paßt auf ihn auf?<br />
CARLOTTA<br />
Kein Problem für mich. Gib mir Pistole.<br />
ABO<br />
Du wirst doch der Nutte nicht traun.<br />
CARLOTTA<br />
(wütend)<br />
In meinen Adern fließt Blut von großen<br />
Aztekenkönig Tenochtitlan.<br />
Abo schaut hilfesuchend zu Gosbert.<br />
Gosbert zieht die Pistole aus dem Schulterholster und reicht sie<br />
Abo.<br />
GOSBERT<br />
Bau mir keinen Scheiß.<br />
Abos Brust ist um einen Meter angeschwollen.<br />
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ABO<br />
(stolz)<br />
Du kannst dich auf mich verlassen.<br />
Gosbert nickt Carlotta ein “Auf geht’s” zu. Beide verlassen den<br />
LKW. Abo schließt hinter ihnen die Hecktür.<br />
Er dreht sich zu Kellermann herum. Der “sieht” ihn wie ein Tiger<br />
seine Beute an.<br />
135. AUSSEN - LANDSTRASSE - TAG<br />
[Zu beiden Seiten der Straße erstrecken sich weite Felder.<br />
Ein BUS nähert sich und hält an. Gosbert und Carlotta steigen<br />
aus. Der Bus fährt weiter.]<br />
Gosbert und Carlotta schauen dem Bus nach. Weit und breit kein<br />
Mensch zu sehen. Lediglich auf der anderen Seite steht ein<br />
GELBES BUSHALTESCHILD. Völlig schief steckt es im Boden und<br />
KLAPPERT IM WIND.<br />
Schweigend stehen Gosbert und Carlotta da und frieren.<br />
Gosbert zieht sein Kaugummipäckchen aus der Hosentasche und<br />
steckt sich zwei Streifen in den Mund. Er schaut zu Carlotta und<br />
bietet ihr das Päckchen an und will schon sagen: “Einer ist zu<br />
wenig. Wenn de richtig kauen willst, brauchste zwei”. Da sieht<br />
er, daß sich Carlotta unaufgefordert zwei Streifen nimmt.<br />
CARLOTTA<br />
Risto, der tote Bruder von meine Vater<br />
sagt: “Ein Gum zu wenig. Wenn du kauen<br />
willst richtig, brauchst du zwei.”<br />
Gosbert staunt nicht schlecht. Beide beginnen zu kauen.<br />
136. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
CU - KELLERMANN. Er versucht sich zu orientieren, ob jemand im<br />
Raum ist.<br />
Abo hockt auf dem Boden. Er hat sich in ein Fell gewickelt und<br />
schaut sehnsüchtig auf die Gasheizung.<br />
KELLERMANN<br />
Hallo. Sind Sie da?<br />
Abo schreckt auf, dabei fällt ihm die Pistole auf den Boden.<br />
KELLERMANN<br />
Wären Sie vielleicht so freundlich und<br />
würden mir noch eine Decke über die<br />
Schulter legen. Es ist doch ziemlich kalt<br />
hier.<br />
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Abo greift nach der Pistole, steht auf. Mißtrauisch und deshalb<br />
übervorsichtig legt er Kellermann ein Fell über die Schulter.<br />
Abo antwortet nicht.<br />
KELLERMANN<br />
Vielen Dank. - Was stimmt denn mit der<br />
Gasheizung nicht?<br />
KELLERMANN<br />
Vielleicht sind nur die Ansaugventile<br />
verstopft. Daran kränkelt der Hauser T1956<br />
oft.<br />
Abo liest den Firmennamen der Gasheizung: HAUSER T1956.<br />
KELLERMANN<br />
Gebaut hat die Firma Hauser von dem T1956<br />
ganze 12.000 Stück. Dann erfolgte durch<br />
das Modell T1960 ein sehr viel<br />
leistungsfähigeres Gerät bei<br />
gleichbleibendem Energieverbrauch.<br />
ABO<br />
Sie kennen sich mit so Gasheizungen ja<br />
ziemlich gut aus.<br />
KELLERMANN<br />
Ich habe als Vertreter für<br />
Elektroheizungen angefangen. Von Tür zu<br />
Tür bin ich gegangen. Das war vielleicht<br />
ein Klingeljob.<br />
ABO<br />
Verstopfte Ansaugventile. Kann man das gut<br />
reparieren?<br />
KELLERMANN<br />
Im Handumdrehen - Sie müssen natürlich<br />
wissen, wie es geht.<br />
137. AUSSEN - LANDSTRASSE - TAG<br />
Gosbert und Carlotta warten und kauen ihren Kaugummi.<br />
Carlotta beginnt Kaugummiblasen zu machen. Gosbert beobachtet<br />
sie dabei und beginnt auch Kaugummiblasen zu machen. Ein<br />
spontaner “Wettbewerb” setzt ein, wer die größten Blasen machen<br />
kann.<br />
138. INNEN - LKW VON JEROMIN - TAG<br />
CU - KELLERMANN<br />
Er lauscht und hört METALLGEKLAPPER.<br />
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KELLERMANN<br />
Sie müssen lediglich die beiden Muttern<br />
lösen, den kleinen Spannhebel mit einem<br />
Schraubenzieher nach oben drücken und nach<br />
rechts drehen, bis er einrastet. Haben Sie<br />
das?<br />
Abo ist mit dem verwirrenden Innenleben der Gasheizung<br />
beschäftigt. Er ist dabei Kellermanns Anweisung auszuführen und<br />
fummelt mit einem Schraubenzieher herum.<br />
ABO<br />
Der Spannhebel läßt sich nicht nach oben<br />
drücken.<br />
KELLERMANN<br />
Spucken Sie mal drauf.<br />
Abo spuckt. Und setzt dann noch einmal den Schraubenzieher an.<br />
ABO<br />
(schüttelt den Kopf)<br />
Fehlanzeige.<br />
Abo traut sich nicht weiterzumachen. Er steht auf und schaut<br />
enttäuscht zur Gasheizung.<br />
ABO<br />
Gibts keine andere Möglichkeit an die<br />
Ventile zu kommen?<br />
KELLERMANN<br />
Ich müßte es mir selbst mal anschauen.<br />
ABO<br />
(über den Vorschlag<br />
erschrocken)<br />
Ich soll sie losbinden? -<br />
<strong>Ne</strong>e, nee, nee ist nicht drin.<br />
KELLERMANN<br />
Dann probieren Sie doch mal über das<br />
Verteilerkreuz der hinteren Brenndüse<br />
ranzukommen.<br />
Abo schaut auf das Wirrwarr vom Innenleben der Gasheizung.<br />
KELLERMANN<br />
Das ist aber eine ziemlich knifflige<br />
Angelegenheit. Und wenn Sie da die falsche<br />
Schraube aufdrehen, besteht<br />
Explosionsgefahr.<br />
Abo ist hin und her gerissen. Schließlich zieht er sich seine<br />
Wollmütze über den Kopf.<br />
ABOS FINGER öffnen den Knoten von Kellermanns Fessel.<br />
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139. AUSSEN - LANDSTRASSE - TAG<br />
Aus Carlottas Mund quillt eine riesige Kaugummiblase und<br />
zerplatzt. Der Kaugummi klebt auf ihrem Gesicht.<br />
Gosbert und Carlotta müssen lachen. Sie schauen sich dabei in<br />
die Augen. Es funkt ganz schön.<br />
LAUT ist das KRÄCHZEN eines RABEN zu HÖREN.<br />
KLATSCH. Landet WEISSE VOGELSCHEISSE auf Gosberts Schulter.<br />
Carlotta lacht.<br />
Gosbert findet das gar nicht komisch. Die romantische Stimmung<br />
ist für ihn vorbei.<br />
Während Carlotta weiterkichert, wischt Gosbert sich den<br />
Vogeldreck ab und schaut sich gleichzeitig cool, professionell<br />
nach allen Seiten um.<br />
GOSBERT<br />
Da ist was faul, da stimmt was nicht.<br />
Sie HÖREN ein QUIETSCHEN aus dem OFF.<br />
Das Bushaltestellenschild kippt weiter zu Seite ... und KRACHT<br />
auf die Straße.<br />
140. INNEN - LKW VON JEROMIN - NACHT<br />
Kellermann schlägt Abo mit einem MASSAI-SCHILD brutal auf den<br />
Kopf.<br />
Abo kippt um und bleibt besinnungslos am Boden liegen.<br />
141. AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Kellermann klettert aus der Hecktür, orientiert sich kurz und<br />
eilt über das Campingplatzgelände.<br />
Er passiert Rezeptionsbaracke und Schranke, geht den Weg hinauf<br />
zur Hauptstraße.<br />
142. AUSSEN - EINFAHRT ZUM CAMPINGPLATZ - NACHT<br />
Kellermann kommt aus der Einfahrt zum Campingplatz. Er sieht die<br />
erleuchtete Telefonzelle. Er geht zielstrebig darauf zu,<br />
übersieht zwei Passanten und rempelt sie an.<br />
Entschuldigung.<br />
KELLERMANN<br />
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Er schaut den Passanten ins Gesicht. Es sind Gosbert und<br />
Carlotta.<br />
GOSBERT<br />
(erkennt Kellermann)<br />
Kotz die Wand an!<br />
[Kellermann reagiert schnell, rennt davon und verschwindet in<br />
einer Seitenstraße.<br />
Gosbert nimmt sofort die Verfolgung auf. Carlotta folgt.]<br />
143. [AUSSEN - SEITENSTRASSE - NACHT<br />
Kellermann rennt HEFTIG ATMEND die Straße entlang.<br />
Gosbert und Carlotta folgen. HEFTIG ATMEND.<br />
Kellermann entdeckt eine KUNSTGALERIE, die von innen hell<br />
erleuchtet ist. Er rennt darauf zu.<br />
Gosbert kapiert, wo Kellermann hin will und erhöht sein<br />
Lauftempo. Carlotta fällt zurück.<br />
Verbissen nähert sich Gosbert Kellermann bis auf wenige<br />
Schritte.<br />
Noch zwanzig Meter bis zur Galerie. Beide Männer SCHNAUFEN, WAS<br />
DAS ZEUG HÄLT. Noch zehn Meter. Noch fünf. Gosbert kann<br />
Kellermann schon fast berühren. Kellermann legt noch einmal<br />
Tempo zu. Drei ... zwo ... eins. Er springt die Treppenstufen<br />
hinauf und rennt durch die geöffnete Tür hinein. <strong>Ne</strong>ben der Tür<br />
ein Schild: VERNISSAGE.<br />
Gosbert stolpert, fällt und bleibt außer Atem am Boden liegen.<br />
Carlotta kommt dazu und hilft ihm auf die Beine.<br />
Aus dem OFF sind plötzlich AUFGEBRACHTE STIMMEN zu HÖREN.<br />
Kellermann wird von ZWEI BODYGEBILDETEN MÄNNERN IN SMOKING aus<br />
der Galerie geschleppt und auf die Straße geworfen.<br />
BODYGEBILDTER MANN #1<br />
Hau ab du Penner!!!<br />
Die beiden Männer gehen wieder hinein. Kellermann schaut zu<br />
Gosbert und Carlotta. Er ist sprachlos.]<br />
Carlotta holt aus und schlägt Kellermann mit der Faust nieder.<br />
Gosbert blickt Carlotta bewundernd an, die sich die schmerzende<br />
Hand reibt.<br />
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144. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Abo hockt auf dem Boden und kühlt sich mit einer gefrorenen<br />
Linsenbüchse den Kopf.<br />
ABO<br />
Aber die Heizung funktioniert doch jetzt.<br />
CARLOTTA<br />
(wütend)<br />
Bin ich hier auf Spielplatz? Habt ihr<br />
nichts im Kopf? Er hat gesehen uns mit<br />
Augen.<br />
GOSBERT<br />
Nur`n paar Sekunden. Daran erinnert der<br />
sich später nich.<br />
CARLOTTA<br />
Seh ich so aus, daß sich niemand erinnert?<br />
ABO<br />
(erschrocken)<br />
Er hat den Campingplatz gesehen. -<br />
Gosbert, was willst du tun?<br />
Gosbert fühlt sich in die Ecke gedrängt. Er weiß nicht mehr, was<br />
er tun soll.<br />
KELLERMANN (OFF)<br />
Ja, was wollen Sie tun, Gosbert?<br />
Gosbert, Abo und Carlotta drehen sich zu Kellermann herum. Der<br />
ist wieder mit Pflaster und Sonnenbrille auf der Nase an den<br />
Rollstuhl gefesselt.<br />
KELLERMANN<br />
Abo und Carlotta haben ein Recht, von<br />
Ihrem Plan zu erfahren, wenn sie Ihnen<br />
weiterhin vertrauen sollen.<br />
Gosbert schaut verstohlen zu Abo und Carlotta, die ihn fragend<br />
anblicken.<br />
KELLERMANN<br />
Wie alt sind Sie Gosbert. 27? Als ich in<br />
Ihrem Alter war, habe ich schon jeden<br />
Monat mit Aktien im Wert von 1,5 Millionen<br />
spekuliert. Und was machen Sie? Sie<br />
spielen den großen Entführer. Mit Mantel<br />
und Hut. Aber Mantel und Hut gehören nicht<br />
Ihnen, sondern mir. Also Schluß mit dem<br />
Kindergarten. Das hier ist die<br />
Wirklichkeit. Binden Sie mich los!<br />
Gosbert rührt sich nicht von der Stelle. Er wirkt hilflos, wie<br />
ein kleines Kind.<br />
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KELLERMANN<br />
Sie wollen nicht? Dann verraten Sie mir,<br />
wie Sie Ihre alberne Entführung fortsetzen<br />
wollen? Was wollen Sie tun? Mir vielleicht<br />
den Finger abschneiden, wie es im 1x1 der<br />
Amateurentführer steht?<br />
Kellermann bricht ab und ärgert sich innerlich darüber, daß er<br />
den letzten Satz gesagt hat.<br />
145. JEROMINS LKW - NACHT<br />
CU: Gosbert legt eine MACHETE auf den Tisch.<br />
ABO<br />
<strong>Ne</strong>in, daß ist kein guter Plan.<br />
GOSBERT<br />
Du mußt ihn doch bloß festhalten. Den Rest<br />
mach ich.<br />
Ich will nicht.<br />
ABO<br />
CARLOTTA<br />
Das haben sie auch gemacht mit besten<br />
Freund von meine tote Bruder Pablo. Da<br />
fließt nix viel Blut.<br />
ABO<br />
Hörst du. Da fließt Blut.<br />
GOSBERT<br />
Abo, du kannst hier nicht kneifen. Wir<br />
sind Partner.<br />
Weil Abo sich nicht dazu entschließen kann, auszusteigen,<br />
gehorcht er und stellt sich hinter Kellermann.<br />
GOSBERT<br />
Mach seinen linken Arm los und leg die<br />
Hand auf den Tisch.<br />
Abo beginnt die Fessel zu lösen.<br />
KELLERMANN<br />
Warten Sie!! In meinem Haus habe ich einen<br />
Wandsafe. Darin liegen 300.000 DM. Das ist<br />
alles Bargeld, was ich Ihnen im Moment<br />
anbieten kann. Wir können sofort<br />
hinfahren.<br />
Abo schaut erfreut zu Gosbert.<br />
Hast du das gehört?<br />
ABO<br />
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GOSBERT<br />
Leg seine Hand auf den Tisch.<br />
KELLERMANN<br />
Dazu garantiere ich Ihnen Straffreiheit.<br />
ABO<br />
Das ist doch ein Angebot.<br />
Abo schaut erwartungsvoll zu Gosbert und hofft auf ein “ja”.<br />
Doch Gosbert Blick sagt, “nein”.<br />
Abo ist hin- und hergerissen. Er versucht Kellermanns Hand auf<br />
den Tisch zu legen. Doch der setzt sich heftig zur Wehr.<br />
Plötzlich:<br />
KELLERMANN<br />
(in lautem Befehlston)<br />
Lassen Sie mich verdammt noch mal los!!!<br />
Erschrocken läßt Abo Kellermanns Hand los.<br />
Freiwillig legt Kellermann seine Hand auf den Tisch.<br />
Das macht einen ziemlichen Eindruck auf Gosbert, Abo und<br />
Carlotta.<br />
Kellermann übernimmt wieder die Regie.<br />
KELLERMANN<br />
Sie sind hoffentlich medizinisch darauf<br />
eingerichtet.<br />
GOSBERT<br />
Der Erste Hilfe Kasten steht bereit.<br />
Gosbert schaut auf einen geöffneten ERSTE HILFE KASTEN, der<br />
ziemlich spärlich ausgestattet ist.<br />
KELLERMANN<br />
Haben Sie das Messer desinfiziert?<br />
Es ist sauber.<br />
GOSBERT<br />
KELLERMANN<br />
Geben Sie mir kein Penicillin. Dagegen bin<br />
ich allergisch.<br />
GOSBERT<br />
Keine Sorge. Wir haben kein Penicillin.<br />
KELLERMANN<br />
Halten Sie meinen Arm danach hoch, über<br />
Herzhöhe, bis die Blutung aufgehört hat.<br />
Kommen Sie mir nicht auf die Idee den<br />
Fingerstumpf abzubinden. Haben Sie ein<br />
Schmerzmittel?<br />
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CARLOTTA<br />
Ich habe gute Schmerzmedizin. Keine Angst.<br />
KELLERMANN<br />
Na gut. Dann fangen Sie an.<br />
Gosbert greift nach dem Messer. Er ist jetzt doch ziemlich<br />
nervös.<br />
GOSBERT<br />
Spreizen Sie bitte Ihren kleinen Finger<br />
ab.<br />
KELLERMANN<br />
Das kann ich nicht.<br />
Gosbert nickt Abo zu. Abo spreizt Kellermanns kleinen Finger ab.<br />
Gosbert holt aus , schaut auf den Finger und zögert.<br />
GOSBERT<br />
Ich zähl bis drei.<br />
KELLERMANN<br />
Worauf warten Sie, schlagen Sie einfach<br />
zu.<br />
Gosbert traut sich nicht, starrt auf den Finger.<br />
Abo und Carlotta sind gebannt.<br />
GOSBERT<br />
Ich zähle lieber bis drei. Eins ...<br />
(Pause)<br />
Zwei.<br />
(Pause)<br />
LOS!!!<br />
KELLERMANN<br />
(in lautem Befehlston)<br />
Gosbert schlägt zu. In der selben Sekunde zieht Kellermann seine<br />
linke Hand zurück. Abos Hand rutscht auf den Tisch.<br />
HACK!!!<br />
Gosbert, Abo und Carlotta schauen auf die Tischplatte. Dort<br />
liegt neben der Machete, die tief im Holz steckt, ein KLEINER<br />
FINGER.<br />
Für einen Augenblick herrscht Erleichterung.<br />
Doch dann hebt Abo seine Hand hoch und wir alle sehen, daß ihm<br />
der kleine Finger fehlt.<br />
Kotz die Wand an!!!<br />
ABO<br />
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146. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - NACHT<br />
Zwei Sekunden später.<br />
Abo läuft LAUT SCHREIEND über das Gelände. Gosbert hinterher. Er<br />
wirft sich auf Abo, beide stürzen zu Boden.<br />
147. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
Wir HÖREN ABOS SCHMERZENSSCHREIE.<br />
ABO (OFF)<br />
Geh weg. - Laß mich los. - Laß mich los!!!<br />
Carlotta kippt ein ROTES PULVER in einen Becher, der mit einem<br />
Brei gefüllt ist und beginnt das Ganze zu verrühren.<br />
CARLOTTA<br />
Ein Hai hat meine Großvater Santiago die<br />
Arm abgebissen. Er hat diese Medizin<br />
getrunken und ist mit seinem Boot gerudert<br />
bis San Juan.<br />
Sie geht damit zu Abo, der auf einem Tierfell liegt und von<br />
Gosbert, der auf ihm sitzt, festgehalten wird.<br />
Trink.<br />
CARLOTTA<br />
Carlotta versucht Abo das Gebräu in den Mund einzuflößen. Abo<br />
preßt seine Lippen fest zusammen. Sie muß ihm die Nase zuhalten,<br />
bis Abo seinen Mund öffnet, um nach Luft zu schnappen. Jetzt<br />
kippt Carlotta ihm das Gebräu in den Schlund.<br />
Abo schluckt, hustet. Plötzlich beugt er sich mit aller Kraft<br />
hoch und wirft Gosbert runter.<br />
Für einen Augenblick scheint es so, als ob Abo Bäume ausreißen<br />
kann, dann erstarrt er mit weit aufgerissenen Augen und fällt<br />
besinnungslos auf die Matratze zurück.<br />
GOSBERT<br />
(erschrocken)<br />
Ist er tot?<br />
Abo beginnt zu schnarchen.<br />
148. INNEN - "GIRLIES"/CARLOTTAS ZIMMER - NACHT<br />
Ein PICKLIGER JUNGE rammelt gerade auf Katja herum.<br />
Plötzlich unterbricht Katja ihre gespielte Ekstase:<br />
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KATJA<br />
Also Jungs, eins müßt ihr endlich mal<br />
lernen. Wenn die Tür zu ist, bin ich<br />
entweder besetzt oder ich hab Feierabend.<br />
Erschrocken dreht sich der Junge um. Am Fußende des Bettes<br />
stehen Drakonin, Otranto und Rübenacker.<br />
Der Junge springt auf schnappt sich seine Kleidungsstücke und<br />
flitzt aus dem Zimmer.<br />
Die drei Männer starren auf die weiblichen Reize von Katja.<br />
RÜBENACKER<br />
Carlotta Valdez?<br />
KATJA<br />
Für euch bin ich Carlotta Valdez.<br />
Rübenacker schaut zu Drakonin und nickt.<br />
Otranto schultert seine Sporttasche ab. Er öffnet den<br />
Reißverschluß und holt ein Bügeleisen heraus.<br />
OTRANTO<br />
Potzaue me dupasch! Rasuma elektritschnje<br />
lobjowitsch.<br />
RÜBENACKER<br />
(zu Katja)<br />
Haben Sie zufällig ein Verlängerungskabel?<br />
149. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />
CU: Angeekelt zieht Gosbert mit seinen Fingern eine EINGELEGTE<br />
SCHLANGE aus ihrem Glas und wirft ABOS FINGER in die<br />
Flüssigkeit.<br />
KELLERMANN<br />
Gosbert. Glauben Sie mir, von meinem<br />
Bruder werden Sie kein Geld bekommen.<br />
Gosbert leert die Sexartikel aus dem Aluminiumkoffer aus und<br />
legt das Glas mit Abos Finger hinein. Er schließt den Koffer<br />
wieder.<br />
KELLERMANN<br />
Ich zahle Ihnen sofort 400.000 DM aus<br />
meinem Banksafe.<br />
GOSBERT<br />
Vorhin waren 300.000 alles, was Sie an<br />
Bargeld hatten.<br />
Kellermann schweigt und ärgert sich über seinen zweiten Fehler.<br />
Gosbert schließt den Koffer.<br />
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Gosbert.<br />
CARLOTTA (OFF)<br />
Gosbert nimmt seinen Koffer und geht zu Carlotta, die neben Abo<br />
kniet. Abo liegt bis zum Kinn zugedeckt auf dem Löwenfell. Seine<br />
Hand ist verbunden. Mit mütterlicher Fürsorglichkeit kühlt ihm<br />
Carlotta die Stirn mit einem feuchten Tuch.<br />
CARLOTTA<br />
Er ist wieder gekommen zu Sinnen.<br />
Gosbert beugt sich zu Abo herunter. Carlotta reicht ihm das<br />
feuchte Tuch und nickt ihm zu, daß er damit Abos Stirn kühlen<br />
soll. Gosbert folgt der Anweisung und streicht über Abos Stirn.<br />
Abo öffnet seine Augen und schaut zu Gosbert.<br />
Gosbert schweigt.<br />
Hallo Partner.<br />
GOSBERT<br />
ABO<br />
(mit schwacher Stimme)<br />
Ich bin nicht dein Partner.<br />
GOSBERT<br />
Schon vergessen, wir haben `nen<br />
Handschlagvertrag.<br />
ABO<br />
Scheiß auf deinen Handschlag. Scheiß auf<br />
deinen Kilimandscharo. Scheiß auf deinen<br />
Schnee.<br />
Abos Augen suchen Carlotta.<br />
Wo ist mein Finger?<br />
ABO<br />
Mit einem schlechten Gewissen steht Gosbert auf und reicht<br />
Carlotta das Tuch. Sie kümmert sich wieder um Abo.<br />
Gosbert beobachtet die beiden. Ein Gefühl der Ausgeschlossenheit<br />
und Einsamkeit überkommt ihn.<br />
Carlotta.<br />
GOSBERT<br />
Carlotta geht auf ihn zu. Schweigend stehen sie sich gegenüber.<br />
Gosbert zieht die Pistole aus dem Schulterholster und legt sie<br />
in Carlottas Hand. Ein deutliches Zeichen seines Vertrauens.<br />
GOSBERT<br />
Sag Abo, daß ich mir den Finger nur<br />
ausleih. Vielleicht kann man den später<br />
wieder annähen?<br />
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Carlotta nickt. Sie schauen sich in die Augen.<br />
Ihre Gesichter nähern sich langsam, doch im letzten Moment<br />
weicht Carlotta zurück und gibt Gosbert eine Ohrfeige.<br />
Gosbert hält sich überrascht die gerötete Wange.<br />
CARLOTTA<br />
(versucht sich zu<br />
rechtfertigen)<br />
In meiner Heimat tut man das, wenn man<br />
sagen will “Paß auf auf dich, daß nicht<br />
mehr passiert als Schlag in Gesicht”.<br />
Echt...?<br />
Carlotta nickt.<br />
GOSBERT<br />
Gosbert verläßt den LKW, dreht sich noch einmal zu Carlotta<br />
herum.<br />
GOSBERT<br />
Ich komm zurück mit einem Koffer voller<br />
Geld.<br />
Carlotta lächelt. Gosbert geht davon.<br />
Mit einem zweideutigen Blick schaut Carlotta ihm hinterher, dann<br />
schließt sie die Tür.<br />
150. INNEN - “GIRLIES”/CARLOTTAS ZIMMER - NACHT<br />
CU - Katja fällt mit verdrehten Augen auf das Bett und spielt<br />
toter Mann.<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker stehen am Fußende des Bettes.<br />
Otranto ist ratlos. Drakonin ist wütend.<br />
Corega tabs.<br />
OTRANTO<br />
DRAKONIN<br />
Corega tabs. Potzaue me dupa. Za gulasch<br />
menschtraka, gulasch. Za futschikatsch<br />
meschtraka, futschikatsch.<br />
(Wenn du einen Menschen folterst, dann<br />
foltere ihn. Wenn du einen Menschen<br />
tötest, dann töte ihn.)<br />
RÜBENACKER<br />
Kaschuba plattka zoj hitsch.<br />
(Vielleicht war das Bügeleisen zu heiß?)<br />
Otranto testet das Eisen mit seinem Finger und verbrennt sich.<br />
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OTRANTO<br />
(wütend)<br />
Njematsch probobil konkubinika.<br />
(Ich hab die Nutte doch gar nicht berührt)<br />
Otranto schleudert mit einem Fluch das Bügeleisen in eine Ecke.<br />
Jetzt sehen wir Katja mit aufgerissenen Augen auf dem Bett<br />
liegen.<br />
Die drei Männer verlassen das Zimmer.<br />
CU - Katja. Das Telefon KLINGELT im OFF. Katja beginnt mit den<br />
Augen zu blinzeln und richtet sich auf.<br />
Männer.<br />
Sie nimmt den Hörer ab.<br />
KATJA<br />
(kopfschüttelnd)<br />
151. [AUSSEN - “GIRLIES” - NACHT<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker kommen heraus.<br />
DRAKONIN<br />
(wütend)<br />
Natschin brat ta Kellermann skroljumpje.<br />
(Die Suche nach Kellermann können wir<br />
deinetwegen vergessen)<br />
Sie passieren den Seiteneingang eines Bordell. Da treten die<br />
beiden Dunkelmänner heraus und stellen sich Drakonin bedrohlich<br />
in den Weg.<br />
DUNKELMANN #1<br />
(zu Drakonin)<br />
Meister. Haste ‘n Fünfziger, damit ich mir<br />
nicht immer selbst einen runter holen muß.<br />
Drakonin zieht seine Pistole aus dem Schulterholster und<br />
erschießt die beiden.<br />
Otranto ist irritiert, warum schießen auf einmal erlaubt ist.<br />
DRAKONIN<br />
(entschuldigt sich)<br />
Ja poschewatsch.<br />
(Ich bin wütend)]<br />
152. INNEN/AUSSEN - LANGNESE EISWAGEN - NACHT<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker steigen ein. Die Stimmung ist<br />
mies.<br />
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Schweigen.<br />
OTRANTO<br />
Ja salim rematschka. Corega tabs. Corega<br />
tabs. Corega tabs.<br />
(Ich kann mich nur wiederholen. Es tut mir<br />
leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid)<br />
RÜBENACKER<br />
Nu,tatsch am bra a litl lak, suchowatsch a<br />
litl track.<br />
(Na vielleicht haben wir ein bißchen Glück<br />
und finden doch noch eine kleine Spur.)<br />
Auf Rübenackers Optimismus reagieren Drakonin und Otranto mit<br />
einem Kopfnicken.<br />
Tadruck.<br />
Dschedai.<br />
DRAKONIN<br />
OTRANTO<br />
Rübenacker startet den Motor, hat wieder Probleme mit der<br />
Kupplung.<br />
Der Langnese Eiswagen springt nach vorn und demoliert das vor<br />
ihnen parkende Auto: einen blutroten BMW.<br />
Drakonin und Otranto erkennen das Auto.<br />
BMW ta Maliq?<br />
OTRANTO<br />
Der wütende Fahrer steigt aus. Es ist Luboviski.<br />
153. AUSSEN - UNBELEBTE SEITENSTRASSE - NACHT<br />
LUBOVISKIS FÜSSE tänzeln auf einem Gymnastikball. Er macht es<br />
ziemlich geschickt.<br />
Jetzt sehen wir, daß um seinen Kopf eine Schlinge gelegt ist,<br />
und daß er unter einem “Galgenbaum” steht.<br />
LUBOVISKI<br />
Mensch Leute, ich hab die Karre nich<br />
geklaut.<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker schauen zu ihm hoch. Sie<br />
bewundern seine Geschicklichkeit.<br />
RÜBENACKER<br />
Nietzsche roba automobilica.<br />
DRAKONIN<br />
Zo roba automobilica?<br />
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RÜBENACKER<br />
Wer hat dann das Auto geklaut?<br />
LUBOVISKI<br />
Leckt mich am Arsch!<br />
RÜBENACKER<br />
Potzaue me dupasch.<br />
Drakonin zieht den Stöpsel vom Gymnastikball, die Luft<br />
entweicht.<br />
Gosbert Klee!!!<br />
LUBOVISKI<br />
154. AUSSEN - “KELLERMANN BUILDING” - NACHT<br />
Gosbert steht ziemlich beeindruckt davor. In der Hand den<br />
Aluminiumkoffer. Er gibt sich einen Ruck, setzt eine ALTE,<br />
VERBOGENE SONNENBRILLE auf und geht die Stufen zum Haupteingang<br />
hinauf.<br />
155. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/EINGANGSHALLE - NACHT<br />
Riesig und luxuriös mit viel Glas und gedämpfter klassischer<br />
Musik.<br />
Gosbert geht zum Empfang. Zu seiner Verwunderung sitzt niemand<br />
dahinter.<br />
Er sieht ein Schild:<br />
AUFSICHTSRATSITZUNG<br />
Ein Pfeil weist den Weg zum AUFZUG.<br />
156. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/AUFZUG - NACHT<br />
Es geht abwärts. Gosbert schaut auf die Etagenzahlen, die in<br />
rasendem Tempo mit Minuszeichen nach unten zählen.<br />
PLING<br />
Die Aufzugtüren öffnen sich und Gosbert sieht ...<br />
157. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/PARTYSAAL - NACHT<br />
LAUTE SIEBZIGER JAHRE DISCOMUSIK. LIGHTSHOW.<br />
Verschwitzte Männer im Alter von 40 bis 70 Jahren in dunklen<br />
Anzügen tanzen mit jungen, spärlich bekleideten Playmates. Alle<br />
tragen NARRENKAPPEN MIT BLINKENDEM BOMMEL auf dem Kopf.<br />
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Unter ihnen auch Hagen, der ausgelassen mit einer besonders<br />
WOHLPROPORTIONIERTEN FRAU tanzt.<br />
Eher beiläufig schaut Hagen Richtung Aufzug und bemerkt im<br />
weißen Gegenlicht die schwarzen Umrisse von Gosbert. Mit Hut und<br />
Mantel sieht er aus wie Lorenz Kellermann.<br />
Hagen erstarrt.<br />
Die Musik bricht ab.<br />
Alle starren auf Gosbert.<br />
Gosbert räuspert sich<br />
GOSBERT<br />
(unsicher)<br />
Hagen Kellermann?<br />
158. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/KONFERENZRAUM - NACHT<br />
Gosbert sitzt in der Mitte des ovalen Tisches.<br />
Im Anzug aber mit Narrenkappe auf dem Kopf sitzt Karl Weisshaupt<br />
am linken Ende vom Tisch und zeichnet seine “Nikolaus-Häuser”<br />
auf ein Blatt Papier.<br />
Der Platz auf der rechten Seite ist leer.<br />
Im OFF öffnen sich Aufzugtüren und gehen wieder zu. SCHRITTE.<br />
Hagen Kellermann setzt sich auf seinen Platz.<br />
Im Folgenden wird Hagen immer wieder zu Weisshaupt schauen, um<br />
für seine Worte einen Blick der Bestätigung zu bekommen. Doch<br />
Weisshaupt verweigert ihm diesen Blick.<br />
Hagen fixiert Gosbert.<br />
HAGEN<br />
(gelassen)<br />
Sie haben den falschen Hut auf.<br />
GOSBERT<br />
(zögerlich)<br />
Mir stehen so Narrendinger nich.<br />
HAGEN<br />
Auch nicht auf einer Faschingsparty?<br />
GOSBERT<br />
(mutiger)<br />
Ich feier ‘ne Party, wenn Sie mir zehn<br />
Millionen Mark in diesen Koffer legen.<br />
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Hagen lächelt und lehnt sich entspannt zurück.<br />
Gosbert öffnet den Aluminiumkoffer und stellt das Glas mit Abos<br />
Finger auf den Tisch. Er gibt dem Glas einen Schubs. Das Glas<br />
gleitet über den Tisch direkt vor die Nase von Hagen.<br />
Hagen muß kurz tief einatmen und versucht, seinen Ekel so gut<br />
wie möglich zu überspielen.<br />
Schnell gibt er dem Glas einen Schubs. Das Glas gleitet über den<br />
Tisch, an Gosbert vorbei zu Weisshaupt. Der registriert mit<br />
einem kurzen Blick die Tatsache, wendet dann sein Interesse<br />
wieder seinen “Nikolaus-Häusern” zu.<br />
Gosbert lehnt sich entspannt zurück.<br />
GOSBERT<br />
Fakt ist, wenn Sie mir keine zehn<br />
Millionen geben, werden Sie ab morgen<br />
jeden Tag ein Ohr von ihrem Bruder auf dem<br />
Schreibtisch finden.<br />
HAGEN<br />
Von mir werden Sie kein Geld bekommen.<br />
Gosbert blickt von Hagen zu Weisshaupt, dann wieder zu Hagen.<br />
Schweigen. Nichts tut sich. Schließlich springt Gosbert auf.<br />
GOSBERT<br />
Ich will mein Geld. Haben Sie mich<br />
verstanden? Und ich will das Geld in<br />
diesen Koffer.<br />
Hagen schweigt. Weisshaupt schweigt.<br />
GOSBERT<br />
Ich werde ihrem Bruder sehr weh tun.<br />
Tun Sie das.<br />
HAGEN<br />
GOSBERT<br />
Hey Mann. Sie sind sein Bruder. Da können<br />
Sie mal ein bißchen mehr Mitgefühl zeigen.<br />
HAGEN<br />
Jeder ist für sein Schicksal selbst<br />
verantwortlich.<br />
GOSBERT<br />
Kotz die Wand an!!! - Ich krieg mein Geld.<br />
Wenn Sie nicht zahlen, dann zahlt ihr<br />
Bruder.<br />
Zum ersten Mal schaut Weisshaupt interessiert auf und verfolgt<br />
Gosbert mit seinem Blick.<br />
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Gosbert nimmt das Glas mit Abos Finger und verpackt ihn wieder<br />
im Koffer.<br />
Weisshaupt nickt Hagen zu.<br />
HAGEN<br />
Was wollen Sie damit sagen?<br />
GOSBERT<br />
(ohne von seiner Tätigkeit<br />
aufzuschauen)<br />
Ihr Bruder hat mir ein finanziell recht<br />
attraktives Angebot gemacht ... wenn ich<br />
ihn freilasse.<br />
Gosbert schließt den Koffer und geht Richtung Aufzugtür. Hagen<br />
und Weisshaupt beobachten ihn. Die Aufzugtüren öffnen sich.<br />
WEISSHAUPT<br />
(befiehlt)<br />
Warten Sie!!!<br />
Gosbert bleibt stehen.<br />
Ein kurzer Blick zu Weisshaupt, der nickt.<br />
HAGEN<br />
(sachlich)<br />
Ich zahle Ihnen zehn Millionen DM, wenn<br />
Sie mir den Kopf von Lorenz Kellermann<br />
bringen. - Nur den Kopf.<br />
159. [AUSSEN - “KELLERMANN BUILDING” - NACHT<br />
Gosbert geht mit zitternden Knien die Stufen hinunter, bricht<br />
zusammen und muß sich auf einen Absatz setzen.<br />
Schnell stopft er sich Kaugummis in den Mund. Er beginnt zu<br />
kauen, um sich wieder zu beruhigen.]<br />
160. [INNEN - KONFERENZRAUM - NACHT<br />
Hagen schaut fragend zu Weisshaupt hinüber.<br />
Wird er es tun?<br />
HAGEN<br />
WEISSHAUPT<br />
Geld kann vieles in der Welt.<br />
CU - Weisshaupt zeichnet ein “Haus vom Nikolaus”.]<br />
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161. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Tagesanbruch.<br />
Die Hecktür ist einen Spalt weit geöffnet. Wir sehen, wie<br />
Gosbert näher kommt. Die Hecktür wird schnell geschlossen.<br />
Gosbert erreicht den LKW, öffnet die Hecktür.<br />
162. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Gosbert klettert herein, schließt schnell wieder die Tür und<br />
beginnt sich die kalten Hände zu reiben. Carlotta tritt aus dem<br />
Halbdunkel und schaut ihn erwartungsvoll an.<br />
GOSBERT<br />
(nicht sehr euphorisch)<br />
Es hat geklappt.<br />
Auch Carlotta reagiert nicht sehr euphorisch auf diese<br />
Mitteilung.<br />
CARLOTTA<br />
Wo hast du Koffer?<br />
GOSBERT<br />
Ich treffe mich mit Hagen um neun im<br />
Palmenhaus. Dann krieg ich den Koffer mit<br />
dem Geld.<br />
Gosbert sieht zu Kellermann, der seinen Blick spürt.<br />
GOSBERT<br />
Wo hast du die Pistole?<br />
WEIBLICHE STIMME<br />
Die hab ich, Arschloch.<br />
Katja tritt aus dem Halbdunkel und stellt sich neben Carlotta.<br />
Gosbert starrt Carlotta an. Carlotta weicht seinem Blick<br />
beschämt aus.<br />
Gosbert will sich auf Carlotta stürzen, doch Katja ist schneller<br />
und schlägt ihm mit der Pistole auf den Kopf.<br />
Gosbert geht besinnungslos zu Boden.<br />
163. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Wenig später.<br />
Gosbert sitzt gefesselt ohne Mantel und Hut im Rollstuhl. Blut<br />
rinnt über seine Stirn. Er ist besinnungslos.<br />
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Katja stülpt Kellermann einen Motorradhelm über den Kopf und<br />
will los. Doch Carlotta weigert sich.<br />
CARLOTTA<br />
(mit Blick zu Gosbert)<br />
Er braucht Arzt.<br />
KATJA<br />
Schätzelchen. Bedenke: Ein Anruf von mir<br />
bei der Ausländerbehörde und es heißt<br />
hasta la vista Deutschland. - Los komm<br />
jetzt!!!<br />
Unsanft schiebt sie Carlotta Richtung Hecktür.<br />
164. AUSSEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Katja startet ein URALTES MOTORRAD. Carlotta sitzt hinten drauf,<br />
Kellermann im Seitenwagen.<br />
Das Motorrad knattert davon.<br />
Carlotta schaut noch einmal besorgt zum LKW zurück, der sich<br />
hinter ihr entfernt.<br />
165. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Das KNATTERN aus dem OFF weckt Gosbert aus seiner<br />
Besinnungslosigkeit. Gosbert will aufstehen und stellt fest, daß<br />
er an den Rollstuhl gefesselt ist. Es dämmert ihm, was<br />
vorgefallen ist und er beginnt an den Fesseln zu zerren.<br />
Zwecklos. Hilfesuchend schaut er sich um und entdeckt Abo, der<br />
abgewandt auf der Seite liegt.<br />
GOSBERT<br />
Abo?! Hey Abo, wach auf! Abo!! Abo!!!<br />
[CU - Abo liegt von Gosbert abgewand auf der Seite. Seine Augen<br />
sind geöffnet, eine dicke Träne kullert heraus.]<br />
Gosbert schaut sich nach einer Befreiungsmöglichkeit um.<br />
Er entdeckt die FLAMME DER GASHEIZUNG. Er schiebt sich rückwärts<br />
an die Gasheizung heran und hält die gefesselten Hände an die<br />
Flamme. Unter Verbrennungsschmerzen gelingt es ihm die Fesseln<br />
zu lösen.<br />
166. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />
Gosbert rennt ohne Mantel und Hut über das Campinplatzgelände.<br />
Zu seiner Verwunderung sieht er einen Langnese Eiswagen neben<br />
der Rezeptionsbaracke stehen.<br />
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RÜBENACKER (OFF)<br />
Gosbert Klee?<br />
CU - Gosbert bleibt stehen.<br />
167. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AM FLUSSUFER - TAG<br />
PENG! Eine KUGEL sprengt ein Loch in ein Ruderboot.<br />
Gosbert sitzt gefesselt im Boot und sieht, wie das Wasser<br />
hineinsprudelt. [Schnell verlagert er sein Gewicht, um den<br />
Einfluß zu stoppen und das Sinken zu verhindern.]<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker beobachten ihn vom Ufer aus.<br />
Nun?<br />
Gosbert antwortet nicht.<br />
RÜBENACKER<br />
Drakonin schießt ... PENG!!! ... und trifft knapp unter dem<br />
ersten Einschußloch.<br />
[Gosbert muß sein Gewicht noch weiter verlagern.]<br />
RÜBENACKER (OFF)<br />
Wo ist Kellermann?<br />
Gosbert schüttelt den Kopf.<br />
PENG!!! ... knapp unter dem zweiten Einschußloch.<br />
[Gosbert lehnt sich jetzt soweit über Bord, daß er droht ins<br />
Wasser zu fallen.] Doch er schüttelt hartnäckig den Kopf.<br />
Drakonin zielt.<br />
MÄNNLICHE STIMME (OFF)<br />
Ich bin Lorenz Kellermann.<br />
Drakonin senkt die Waffe und dreht sich herum. Gosbert blickt<br />
überrascht auf.<br />
TRACK IN auf Abo. Er trägt den Kaschmirmantel und den pork pie<br />
Hut.<br />
ABO<br />
Fakt ist, daß derjenige, der mich um neun<br />
Uhr ins Palmenhaus bringt, von meinem<br />
Bruder ein Lösegeld in der Höhe von zehn<br />
Millionen Mark erhält.<br />
Gosbert ist sprachlos.<br />
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RÜBENACKER<br />
So bratsch pentscho zig Millionschki Mark.<br />
(er schaut auf seine Uhr)<br />
Dora dodschina a Palmenhaus.<br />
(In einer halben Stunde im Palmenhaus)<br />
Drakonin ist zufrieden.<br />
ABO<br />
Und lassen Sie jetzt den Mann in Ruh. Dem<br />
armen Schwein gehört nur der Campingplatz.<br />
GOSBERT<br />
Das ist nicht Kellermann!<br />
RÜBENACKER<br />
Nietzsche Kellermann.<br />
Abo hebt seine Hand und zeigt ihnen den blutigen Verband mit dem<br />
fehlenden Finger.<br />
Drakonin nickt und Otranto führt Abo ab. Drakonin und Rübenacker<br />
folgen. Abo dreht sich zu Gosbert herum. Ihre Blicke treffen<br />
sich. Gosbert schüttelt den Kopf. Er kann nicht verstehen, warum<br />
Abo das für ihn getan hat.<br />
Was ist mit ihm?<br />
ABO<br />
RÜBENACKER<br />
Zoj jematsch Gosbert Klee?<br />
Drakonin bleibt stehen, dreht sich zu Gosbert herum und schießt.<br />
PENG! PENG!! PENG!!! Drei weitere Löcher.<br />
<strong>Ne</strong>in!!!<br />
(schreit)<br />
Abo will zum Ufer rennen, doch Otranto packt ihn und zieht ihn<br />
zurück.<br />
[Gosbert gibt seinen Kampf auf.] Das einströmende Wasser ist<br />
nicht mehr aufzuhalten. Schnell steht es Gosbert bis zu den<br />
Knien und steigt weiter.<br />
ABO<br />
168. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AM LANGNESE EISWAGEN - TAG<br />
Otranto sperrt Abo in den Laderaum. Abo schlägt von innen gegen<br />
die Tür.<br />
Da bemerkt Otranto, daß Rübenacker, der neben ihm steht, am<br />
ganzen Körper zittert. Otranto zieht aus seiner Tasche einen<br />
verfilzten Pullover und reicht ihn Rübenacker.<br />
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Der dankbare Blick von Rübenacker wird mit einem<br />
kameradschaftlichen Schulterschlag von Otranto angenommen.<br />
Chotsch!<br />
DRAKONIN<br />
Otranto und Rübenacker steigen zu Drakonin in die Fahrerkabine.<br />
169. INNEN - LADERAUM DES LANGNESE EISWAGENS - TAG<br />
Abo schlägt mit aller Kraft gegen die Tür.<br />
Der Eiswagen fährt los, Abo verliert das Geleichgewicht, stürzt<br />
und landet neben dem ins Leintuch gehüllten Maliq.<br />
170. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AM FLUSSUFER - TAG<br />
Das Boot wird vom Fluß geschluckt. Gosbert wird mit<br />
hinabgezogen, bis ihm das Wasser bis zum Hals steht. Weiter geht<br />
er nicht unter. Der Fluß ist an dieser Stelle zum Glück nicht<br />
tief genug.<br />
Da erschallt das KAVALLERIEANGRIFFSSIGNAL.<br />
Gosbert sieht, wie der "American Cruiser" den Weg von der<br />
Hauptstraße heruntergefahren kommt. Gosbert jubelt.<br />
171. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AN DER SCHRANKE - TAG<br />
Der Weg ist zu eng, daß zwei Autos aneinander vorbeifahren<br />
können. Wie zwei rivalisierende Stiere stehen sich der "American<br />
Cruiser" und der Langnese Eiswagen gegenüber.<br />
STEINBACHS STIMME<br />
(über Lautsprecher)<br />
Aus dem Weg ihr Eisfritzen, sonst puste<br />
ich euch von der Straße.<br />
172. INNEN/AUSSEN - LANGNESE EISWAGEN<br />
Rübenacker, Drakonin und Otranto schauen unbeeindruckt zum<br />
"American Cruiser".<br />
RÜBENACKER<br />
Tra dutsche bumpuffki.<br />
Tadruck.<br />
Dschedai.<br />
DRAKONIN<br />
OTRANTO<br />
Otranto zieht den Reißverschluß seiner Sporttasche auf.<br />
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173. INNEN - "AMERICAN CRUISER" - TAG<br />
Steinbach steht auf und geht nach hinten.<br />
Er holt aus einem Schrank eine Pumpgun heraus, lädt durch und<br />
öffnet die Seitentür. Was er sieht, läßt ihn erstarren.<br />
174. AUSSEN - "AMERICAN CRUISER" - TAG<br />
Otranto zielt mit einer Panzerfaust auf Steinbach und drückt den<br />
Abzug.<br />
175. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AM FLUSSUFER - TAG<br />
Gosbert sieht in Richtung Cruiser. Aus dem OFF hören wir, wie<br />
der Cruiser mit einer LAUTEN EXPLOSION in die Luft fliegt. Die<br />
DRUCKWELLE fegt Gosbert ins Gesicht und einer von Steinbachs<br />
COWBOYSTIEFELN platscht vor ihm ins Wasser und geht unter.<br />
Gosbert sieht, wie der Langnese Eiswagen den Campingplatz<br />
verläßt.<br />
Auf einmal ist alles still. Gosbert überfällt ein Kälteschauer.<br />
Er versucht sich zu bewegen. Die Fesseln lassen keine Bewegung<br />
zu. Hilfesuchend schaut er sich nach allen Seiten um. Angst<br />
überfällt ihn. Vor seinen Augen beginnt alles zu verschwimmen.<br />
Gosbert sieht, wie der Vogelstrauß ans Ufer tapst und ihn<br />
neugierig beobachtet. Wie eine Fata Morgana erhebt sich<br />
plötzlich hinter dem Strauß der Kilimandscharo<br />
(DOPPELBELICHTUNG).<br />
[Gosbert HÖRT das GEBRÜLL DER ELEFANTEN UND LÖWEN, den HUFSCHLAG<br />
FLÜCHTENDER ANTILOPEN und die TROMMELN DER MASSAI.]<br />
Gosbert schließt die Augen und verschwindet unter der<br />
Wasseroberfläche.<br />
Schweigen.<br />
Da tauchen ZWEI HÄNDE ins Wasser und ziehen Gosberts Kopf wieder<br />
an die Wasseroberfläche.<br />
Jetzt sehen wir, daß es Carlotta ist, die Gosbert unter die Arme<br />
greift und ans Ufer zieht.<br />
Carlotta schlottert vor Kälte. Sie versucht Gosbert mit<br />
Ohrfeigen wiederzubeleben. Gosbert reagiert nicht.<br />
Sie setzt sich auf Gosbert und beginnt eine Herzmassage.<br />
Gosbert reagiert nicht.<br />
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Carlotta beginnt eine Mund zu Mund Beatmung. Gosbert erwacht aus<br />
seiner Besinnungslosigkeit und beginnt vor Kälte zu zittern.<br />
GOSBERT<br />
(völlig benommen)<br />
Die haben Abo mitgenommen.<br />
Carlotta hilft ihm auf die Beine.<br />
GOSBERT<br />
Erzählt denen, daß er Kellermann ist. Der<br />
Idiot, der blöde.<br />
176. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Wenig später.<br />
CLOSE - Die HÄNDE VON GOSBERT und CARLOTTA reißen den<br />
Schaufensterpuppen die Kleider vom Leib.<br />
GOSBERT<br />
Riskiert sein Leben. Und was hat’s<br />
gebracht? Die haben mich trotzdem absaufen<br />
lassen. ... Der hat sich sein Grab selbst<br />
geschaufelt. Ganz allein hat er’s gemacht.<br />
Ganz allein. Der Idiot.<br />
177. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />
Kurz darauf.<br />
Gosbert und Carlotta tragen die “Out of Africa” Safarikleidung.<br />
Wir müssen los!<br />
GOSBERT<br />
Gosbert eilt zur Hecktür und bemerkt, daß Carlotta ihm nicht<br />
folgt.<br />
GOSBERT<br />
Hey. Ich muß Abo da irgendwie rausholen.<br />
CARLOTTA<br />
Und was ist mit Geld?<br />
Gosbert zuckt mit den Schultern.<br />
Carlotta lächelt.<br />
GOSBERT<br />
Warum bist du eigentlich zurückgekommen?<br />
Die beiden schauen sich in die Augen.<br />
Carlotta sagt im Sinne von “Ich hab mich in dich verliebt”:<br />
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CARLOTTA<br />
Ich habe meine Giraffe vergessen,<br />
Dummkopf.<br />
178. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW, FAHRERKABINE - TAG<br />
Gosbert schließt die Tür auf der Fahrerseite auf.<br />
Carlotta steigt ein und rutscht weiter auf den Beifahrersitz.<br />
GOSBERT<br />
Du kannst kein Auto fahren?<br />
CARLOTTA<br />
Der Mann muß immer Auto fahren.<br />
<strong>Ne</strong>tt gesagt.<br />
GOSBERT<br />
Gosbert setzt sich hinter das Steuer. Sucht das Zündschloß,<br />
steckt den Autoschlüssel rein und dreht ihn herum. Der Motor<br />
HEULT AUF. Der LKW beginnt zu vibrieren.<br />
[Gosbert greift mit beiden Händen den Lenker und schaut<br />
entschlossen nach vorn. Dann geht er von der Kupplung und tritt<br />
aufs Gas.<br />
Der LKW macht einen Satz nach vorn. Der Motor HEULT. Wieder ein<br />
Satz nach vorn und wieder.<br />
Gosbert und Carlotta werden aus ihren Sitzen gehoben und fallen<br />
wieder zurück.]<br />
CARLOTTA<br />
Ich lauf schneller, als du fahren kannst.<br />
Gosbert bleibt hartnäckig. Das Hüpfen wird zu einem Rollen.<br />
Gosbert fährt.<br />
179. [AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />
Wir blicken hinab und sehen, wie der LKW, begleitet von einer<br />
euphorischen FILMMUSIK, im Zickzack-Kurs den Campingplatz<br />
überquert und schließlich den Weg zur Ausfahrt erklimmt.]<br />
180. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />
Unter der mächtigen Glaskuppel des Palmenhauses sieht es wie in<br />
einem afrikanischen Dschungel aus.<br />
Hagen und Weisshaupt stehen auf einem Plateau, von dem aus das<br />
Palmenhaus zu überblicken ist. <strong>Ne</strong>ben Hagen steht der<br />
Aluminiumkoffer.<br />
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Es ist heiß und feucht. Hagen schwitzt. Weisshaupt schwitzt nie.<br />
Weisshaupt schaut auf seine Taschenuhr.<br />
Aus dem OFF ist das AUF- UND ZUSCHLAGEN EINER TÜR zu hören.<br />
Hagen schaut nervös ins OFF.<br />
181. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW (IN BEWEGUNG) - TAG<br />
Gosbert konzentriert sich, den Wagen durch die Straßen zu<br />
steuern.<br />
GOSBERT<br />
Scheiße, Katja holen wir nicht mehr ein.<br />
Doch.<br />
Gosbert schaut sie fragend an.<br />
CARLOTTA<br />
Carlotta grinst vor sich hin und zeigt Gosbert eine SCHRAUBE.<br />
182. AUSSEN - MOTORRAD (IN BEWEGUNG) - TAG<br />
Katja knattert mit LAUTEN FEHLZÜNDUNGEN eine Straße entlang,<br />
dann geht der Motor aus.<br />
Katja lenkt an den Straßenrand, versucht erneut zu starten.<br />
Vergeblich.<br />
Schließlich packt sie Kellermann am Arm und zieht ihn aus dem<br />
Seitenwagen.<br />
183. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />
Drakonin und Rübenacker betreten das Plateau und gehen auf Hagen<br />
und Weisshaupt zu.<br />
Drakonin schaut auf den Koffer.<br />
DRAKONIN<br />
Pinjonsa za tasch?<br />
RÜBENACKER<br />
Ist das Geld im Koffer?<br />
Wer sind Sie?<br />
HAGEN<br />
RÜBENACKER<br />
Wir sind aus Bandrikistan.<br />
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Das sagt Hagen überhaupt nichts.<br />
RÜBENACKER<br />
Wir haben Lorenz Kellermann.<br />
Kurzer Seitenblick von Hagen auf Weisshaupt. “ Was wird hier<br />
gespielt?”<br />
184. AUSSEN - PALMENGARTEN/HAUPTEINGANG - TAG<br />
Der Jeromin LKW kommt mit QUIESCHENDEN BREMSEN zum Stehen.<br />
Gosbert will aussteigen, doch Carlotta hält ihn zurück.<br />
Hast du Plan?<br />
CARLOTTA<br />
GOSBERT<br />
(entschlossen)<br />
Ja, ich hab ‘n Plan!<br />
Carlotta gibt ihm einen Kuß.<br />
185. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />
Hagen beobachtet, wie Otranto mit Abo das Plateau betritt und<br />
herankommt. Otranto drückt Abo eine SCHROTFLINTE MIT ABGESÄGTEM<br />
LAUF in die Seite.<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker erwarten eine Reaktion von<br />
Hagen.<br />
HAGEN<br />
Das soll wohl ein Witz sein.<br />
Comedia.<br />
Zo comedia?<br />
RÜBENACKER<br />
DRAKONIN<br />
RÜBENACKER<br />
Was ist hier witzig?<br />
Plötzlich fliegt ETWAS durch die Luft und landet zwischen den<br />
Bandriken und Hagen. Das Interesse aller richtet sich auf das<br />
Etwas: Es ist ein MUMIFIZIERTER SCHÄDEL MIT HAUT UND HAAREN.<br />
Waffe weg!!!<br />
GOSBERT (OFF)<br />
Alle Augen richten sich auf Gosbert, der die Ablenkung genutzt<br />
hat und jetzt auch auf dem Plateau steht. Er richtet einen<br />
riesigen DOPPELLÄUFIGEN ELEFANTENTÖTER auf Otranto.<br />
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Abo strahlt vor Freunde, Gosbert lebendig wieder zu sehen. Doch<br />
die Freunde hält nicht lange an, denn ...<br />
... Drakonin zieht eine Pistole aus seinem Schulterholster und<br />
richtet sie auf Gosbert.<br />
Gosbert legt an und zielt auf Otranto.<br />
Otranto lächelt. Provozierend steckt er den Lauf seiner Pistole<br />
in Abos Mund. Abo wird blaß vor Angst. Da:<br />
CARLOTTA (OFF)<br />
(zu Otranto)<br />
Wenn du ihm biegst ein Haar, dann ich<br />
schneid ihm den Hals durch.<br />
Carlotta steht hinter Rübenacker und hält ihm die Machete an die<br />
Kehle.<br />
Drakonin zieht eine zweite Pistole und richtet sie auf Carlotta.<br />
Klassisches MEXIKANISCHES STANDOFF.<br />
Otranto schiebt den Lauf der Pistole tiefer in Abos Mund.<br />
Gosbert zieht mit einem KLICKEN den HAHN zurück.<br />
Drakonin entsichert mit einem KLICKEN die erste Pistole.<br />
Carlotta drückt das Messer an Rübenackers Kehle.<br />
Drakonin entsichert mit einem KLICKEN die zweite Pistole.<br />
Es herrscht ein schweigendes Patt.<br />
KATJA (OFF)<br />
Guten Morgen Arschlöcher.<br />
Katja führt Kellermann auf das Plateau.<br />
Sie zieht Kellermann den Motorradhelm vom Kopf und schaut sich<br />
selbstbewußt in der Runde um.<br />
Hagen staunt nicht schlecht, einen lebenden Bruder zu sehen.<br />
Weisshaupt überrascht nichts mehr.<br />
Die anderen sind zu sehr mit ihrem mexikanischen Standoff<br />
beschäftigt, um sich für Katja zu interessieren.<br />
KATJA<br />
Von welchem der Herren krieg ich nun mein<br />
Geld?<br />
Sie sieht den Koffer neben Hagen. Sie vergleicht die Ähnlichkeit<br />
der beiden Brüder.<br />
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Mit einem Seitenblick bemerkt auch Otranto die Ähnlichkeit<br />
zwischen den beiden Brüdern.<br />
Zoj Kellermann?<br />
OTRANTO<br />
Ohne Gosbert und Carlotta aus den Augen zu lassen:<br />
DRAKONIN<br />
Nietzsche waschnje.<br />
Drakonin und Otranto schauen fragend zu Rübenacker.<br />
RÜBENACKER<br />
(zu Carlotta)<br />
Entschuldigung. Ich muß übersetzen.<br />
CARLOTTA<br />
Tu dir nix Zwang an.<br />
Katja schiebt Kellermann vor sich her und baut sich mit ihm vor<br />
Hagen auf.<br />
KATJA<br />
(zu Hagen)<br />
Hier ist ihr Brüderchen, gesund und<br />
munter. Dafür will ich Kohle sehen.<br />
RÜBENACKER<br />
Za brat Kellermann. Livischko e ta.<br />
Eugnisko pinjonsa.<br />
HAGEN<br />
(herablassend)<br />
Für ein gesundes und munteres Brüderchen<br />
gibt es keine Kohle!<br />
RÜBENACKER<br />
Toi brat livischko e ta nitzsche pinjonsa.<br />
KATJA<br />
Soll ich ihn vielleicht abknallen?<br />
RÜBENACKER<br />
Tarum probabilitie pumpuffki?<br />
Brillante Idee.<br />
HAGEN<br />
RÜBENACKER<br />
Brillianski ideematsch.<br />
Drakonin glaubt nicht richtig verstanden zu haben.<br />
DRAKONIN<br />
Mortadesch Kellermann!?!<br />
RÜBENACKER<br />
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(nickt)<br />
Mortadesch Kellermann.<br />
Auch Katja kann nicht glauben, was sie da hört. Sie schaut in<br />
die Runde.<br />
KATJA<br />
Und ihr habt gedacht, daß wieder mal eine<br />
Frau die Drecksarbeit für euch macht. Da<br />
habt ihr aber falsch gedacht. Von euch laß<br />
ich mich nicht mehr ausbeuten. Ich nicht.<br />
Das ist so eine typische Männerscheiße.<br />
RÜBENACKER<br />
Zastanowitsch kobieta rabotitsch schisko.<br />
Zastanowitsch wrotsch. Nitzsche tasimak.<br />
Nitzsche. Zo reck typitsch meschissna.<br />
Wütend, in Holländisch vor sich herfluchend, tritt Katja ab.<br />
Hagen wendet sich an Gosbert. Der zielt weiter auf Otranto.<br />
HAGEN<br />
Wir haben einen Handschlagvertrag. - Sie<br />
brauchen nur abzudrücken, und schon sind<br />
Sie mehrfacher Millionär.<br />
RÜBENACKER<br />
Warkosch il schiwadek watschklatsch. On il<br />
puffki wietschek millionski.<br />
Hagen nimmt den Aluminiumkoffer und stellt ihn in die Mitte<br />
neben den mumifizierten Schädel.<br />
Gosbert riskiert einen Blick auf den Koffer. Dann schaut er<br />
wieder zu Otranto.<br />
Otranto schüttelt lächelnd den Kopf und gibt Gosbert zu<br />
verstehen, daß er Abo erschießen wird, wenn er nach dem Koffer<br />
greift, indem er die Pistole in Abos Mund entsichert.<br />
Puffki!!!<br />
OTRANTO<br />
HAGEN<br />
(zu Gosbert)<br />
Sie müssen bereit sein, für Geld alles zu<br />
tun.<br />
RÜBENACKER<br />
Tutai malosch zahlo pinjonsa.<br />
Gosbert schwenkt den Elefantentöter von Otranto weg.<br />
Abo schließt die Augen.<br />
Gosbert zielt jetzt mit dem Elefantentöter auf Kellermann.<br />
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CARLOTTA<br />
(entsetzt)<br />
<strong>Ne</strong>in. Gosbert. <strong>Ne</strong>in.<br />
RÜBENACKER<br />
Nitzsche. Gosbert. Nietzsche.<br />
Carlotta schaut zu Otranto, in der Erwartung, daß er Abo<br />
erschießen wird.<br />
OTRANTOS FINGER krümmt sich um den Abzug, trotzdem wartet er<br />
noch ab.<br />
Hagen ist zufrieden.<br />
Gosbert zielt weiter auf Kellermann.<br />
Carlotta hält die Luft an.<br />
GOSBERT<br />
(zu Kellermann)<br />
Ihr Bruder zahlt mir zehn Millionen für<br />
Ihren Kopf. Was haben Sie zu bieten?<br />
RÜBENACKER<br />
Brat pinjonska dschjestwitsch millionski<br />
vadim glowna. Zo offerska za?<br />
Kellermann zieht sich die Pflaster von den Augen.<br />
Hagen ist irritiert. Weisshaupt beobachtet analysierend.<br />
KELLERMANN<br />
(gelassen zu Gosbert)<br />
Ich zahle Ihnen elf Millionen.<br />
RÜBENACKER<br />
Ja pinjonski jedennaschtsch millionski.<br />
Hagen ist verunsichert und wird nervös.<br />
HAGEN<br />
Auf was warten Sie?<br />
Zo ja waitasch?<br />
Auf ihr Gebot.<br />
Ta offerska.<br />
RÜBENACKER<br />
GOSBERT<br />
RÜBENACKER<br />
HAGEN<br />
Hören Sie zu. In diesem Koffer sind zehn<br />
Millionen. Und jetzt knallen Sie ihn<br />
endlich ab.<br />
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RÜBENACKER<br />
Lietsche. Za tasch sa dschjestwitsch<br />
millionski. Dam puffki subitosch.<br />
Gosbert schwenkt den Elefantentöter und zielt auf Hagen.<br />
Moment mal.<br />
Millowitsch.<br />
HAGEN<br />
RÜBENACKER<br />
GOSBERT<br />
Das Gebot steht bei elf Millionen.<br />
RÜBENACKER<br />
Offerska stoj jedennaschtitsch millionski.<br />
HAGEN<br />
Sie glauben doch wohl selbst nicht, daß<br />
ich bei so was mitmache.<br />
Gosbert richtet die Waffe kurz in die Luft und drückt ab.<br />
POWWW!!!<br />
HAGEN<br />
(eifrig)<br />
Ich biete zwölf. Zwölf Millionen.<br />
RÜBENACKER<br />
Zo believasch nietzschewa. Zabou roski<br />
tak. Ja offerska dwanastitsch millionski.<br />
Gosbert schwenkt den Elefantentöter zu Kellermann.<br />
KELLERMANN<br />
(gelassen)<br />
Dreizehn Millionen.<br />
RÜBENACKER<br />
trijastitsch millionski.<br />
Vierzehn.<br />
HAGEN<br />
RÜBENACKER<br />
Tschernastitsch.<br />
Fünfzehn.<br />
KELLERMANN<br />
RÜBENACKER<br />
Pietschnastitsch.<br />
Achtzehn.<br />
HAGEN<br />
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Osjemastitsch.<br />
RÜBENACKER<br />
KELLERMANN<br />
Dreißig Millionen.<br />
RÜBENACKER<br />
Tritscheschski millionski<br />
Überraschte Blicke der Anwesenden.<br />
186. AUSSEN/INNEN - TELEFONZELLE - TAG<br />
Lächelnd nimmt Katja einen letzten Zug, drückt ihre Zigarette<br />
aus und hebt den Hörer ab.<br />
Sie konzentriert sich eine Sekunde und beginnt plötzlich mit<br />
schnellen Atemzügen zu hyperventilieren, bis sie völlig außer<br />
Atem ist. Dann wählt sie 1-1-0.<br />
KATJA<br />
(mit gespielt Panik)<br />
Hallo. Polizei? ... Hallo. ...<br />
Gottseidank!<br />
187. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />
Hagen ist mit den <strong>Ne</strong>rven am Ende.<br />
RÜBENACKER<br />
Trizechschentni millionski.<br />
HAGEN<br />
(zu Kellermann)<br />
Dreihundertvierzig Millionen. Woher willst<br />
du dreihundertvierzig Millionen nehmen?<br />
RÜBENACKER<br />
Zo wa get trizechschentni millionski?<br />
KELLERMANN<br />
Ich verkaufe unsere Guffin Aktien.<br />
RÜBENACKER<br />
Presedawa naschtsch aktowka.<br />
Hilfesuchend schaut Hagen zu Weisshaupt.<br />
[HAGEN<br />
Weisshaupt. Wieviel sind unsere Anteile<br />
bei ICI Electronics wert?<br />
RÜBENACKER<br />
Zo ja bianka aktowka ICI Electronics?<br />
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WEISSHAUPT<br />
Vierhundertzehn Millionen.] Aber die<br />
können Sie nicht verkaufen, sonst<br />
verursachen sie einen Börsencrash.<br />
RÜBENACKER<br />
Tscherista millionski. Ja nietzsche<br />
pinjonskaja, ta robutni bum walschtriet.<br />
[KELLERMANN<br />
Er hat Recht. Trotzdem hätten wir Herrn<br />
Weisshaupt schon längst entlassen sollen.<br />
RÜBENACKER<br />
Juristika. Dombrovko ultimo disarschitsch<br />
Weisshaupt.]<br />
HAGEN<br />
(schweißgebadet)<br />
Vierhundertzehn Millionen. Das ist mein<br />
letztes Angebot.<br />
RÜBENACKER<br />
Tscherista millionski. Toja finalitsch<br />
offerska.<br />
Gosbert schwenkt den Elefantentöter zu Kellermann. Von ihm kommt<br />
kein weiteres Angebot. Hagen freut sich über seinen Sieg und<br />
schaut erwartungsvoll zu Gosbert.<br />
Alle anderen schauen erwartungsvoll zu Gosbert. Was wird er<br />
jetzt tun?<br />
Gosbert lächelt Kellermann an. Kellermann lächelt und nickt. Er<br />
hat verstanden.<br />
Gosbert schleudert den Elefantentöter weg. Er geht zu Otranto.<br />
Otranto hat verstanden und zieht Abo den Revolver aus dem Mund.<br />
Carlotta läßt Rübenacker los und Drakonin steckt seine Pistolen<br />
weg.<br />
Gosbert und Abo stehen sich gegenüber. Gosbert schaut auf die<br />
verbundene Hand und sucht nach Worten der Entschuldigung.<br />
Abo zieht ein Päckchen Kaugummis aus der Manteltasche, steckt<br />
sich zwei Streifen in den Mund und bietet dann Gosbert das<br />
Päckchen an.<br />
ABO<br />
Wenn de richtig kauen willst, brauchste<br />
zwei.<br />
RÜBENACKER<br />
Babbelwatsch gumgum, prozedowa dwasch.<br />
Gosbert lächelt und nimmt sich zwei Streifen.<br />
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Carlotta beobachtet die beiden und freut sich.<br />
Hagen platzt jetzt der Kragen.<br />
HAGEN<br />
Was ist jetzt los? Mein Gebot steht, und<br />
ich will jetzt, daß jemand schießt.<br />
RÜBENACKER<br />
Zo jest rubje? Offerska stojatsch, ja<br />
wolje druga puffki.<br />
Otranto zielt auf Hagen und drückt ab. In der gleichen Sekunde<br />
stößt Drakonin Otrantos Arm zur Seite.<br />
POW!!!<br />
Die Kugel fällt eine Palme.<br />
Nietzsche!!!<br />
Otranto versteht nicht.<br />
DRAKONIN<br />
Drakonin geht zu Hagen und blickt ihm lange in die Augen. Hagen<br />
wagt nicht zu atmen.<br />
DRAKONIN<br />
Zo futschikatsch toira familia, tadesch<br />
zola flaschi ta lup wakutzaschki.<br />
Drakonin wartet, daß Rübenacker übersetzt ...<br />
RÜBENACKER<br />
Wer bereit ist sein eigen Fleisch und Blut<br />
zu töten, ist soviel wert wie der Furz<br />
eines Regenwurms.<br />
... dann spuckt er Hagen ins Gesicht.<br />
Otranto versteht und schlägt Drakonin kameradschaftlich auf die<br />
Schultern.<br />
OTRANTO<br />
Naschin brasch Maliq ta domo?<br />
(Bringen wir Maliq nach Hause?)<br />
Sie wenden sich von Hagen ab.<br />
[Abo reicht Kellermann Mantel und Hut zurück.<br />
Hagen blickt hilfesuchend zu Weisshaupt.<br />
HAGEN<br />
Weisshaupt. Tun Sie was?<br />
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WEISSHAUPT<br />
Geld kann nicht alles in der Welt.<br />
Er wendet sich ab und geht.]<br />
Hagen und Kellermann stehen allein da, zwischen ihnen der Koffer<br />
mit dem Geld.<br />
Plötzlich zischen aus verschiedenen Richtungen RAUCHBOMBEN<br />
heran, explodieren und nebeln das Palmenhaus ein.<br />
LAUTSPECHERSTIMME (OFF)<br />
Keine Angst Herr Kellermann. Wir sind die<br />
Polizei. Wir holen Sie da irgendwie lebend<br />
raus.<br />
Drakonin und Otranto ziehen ihre Pistolen und schießen wahllos<br />
in alle Richtungem<br />
KOMMANDORUFE ÜBER LAUTSPRECHER sind zu HÖREN.<br />
Es ist im Folgenden kaum was zu erkennen. Manchmal klar, dann<br />
nur wieder schemenhaft, sehen wir MASKIERTE POLIZISTEN IN<br />
KAMPFANZÜGEN sich durch den Dschungel “kämpfen”, einige seilen<br />
sich von den Stahlträgern ab.<br />
ROTE LASERPOINTER der SCHARFSCHÜTZEN tanzen durch den Rauch.<br />
Jeder schießt irgendwo hin. Niemand trifft niemanden.<br />
Weisshaupt wirft sich zu Boden.<br />
Otranto packt den verdatterten Rübenacker und reißt ihn zu<br />
Boden.<br />
Drakonin rollt über den Boden,um den Laserpointern zu entkommen.<br />
Gosbert zieht Abo und Carlotta mit sich und eilt tief gebückt zu<br />
einem Gullydeckel.<br />
Hagen dreht sich orientierungslos im Kreis.<br />
Einige Rauchschwaden verfliegen. Da sieht Hagen, daß noch ein<br />
anderer stehen geblieben ist: Kellermann schaut ihn wie ein<br />
strafender Gott an.<br />
HAGEN<br />
(gibt klein bei)<br />
Na gut, laß uns darüber reden.<br />
Kellermann stürzt sich auf Hagen. Die beiden stürzen von dem<br />
Plateau in einen Teich, wo sie sich wie zwei Kinder zu prügeln<br />
beginnen.<br />
Otranto drückt Rübenacker seine Pistole in die Hand. Während<br />
Rübenacker das Schießen übernimmt, öffnet Otranto den<br />
Reißverschluß seiner Sporttasche.<br />
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[Carlotta blickt zurück und sieht den Aluminiumkoffer<br />
mutterseelenallein herumstehen.<br />
Sie will zurückspurten, um sich den Koffer zu holen, wird aber<br />
von Gosbert zurückgehalten.<br />
CARLOTTA<br />
Wie willst du mir zahlen meine 5.000 Mark<br />
ohne Koffer?<br />
ABO<br />
Und meine Standgebühren und die<br />
Gasflasche?<br />
GOSBERT<br />
(kopfschüttelnd)<br />
Oh Mann...<br />
Gosbert versucht den Gullydeckel anzuheben. Abo hilft ihm.<br />
Schließlich hilft auch noch Carlotta. Gemeinsam schaffen sie es.<br />
Weisshaupt beobachtet, wie sie in den Gully steigen.]<br />
Die Kellermann Brüder versuchen sich gerade gegenseitig zu<br />
ertränken.<br />
Otranto bereitet eine MODELLRAKETE zum Abschuß vor. Sie sieht<br />
aus, wie die Rakete aus dem Comic „TIM UND STRUPPI: REISEZIEL<br />
MOND“.<br />
[Weisshaupt flüchtet in den Gully.]<br />
188. AUSSEN - JEROMIN LKW - TAG<br />
CLOSE - GULLYDECKEL wird von unten aufgestoßen. Gosberts Kopf<br />
erscheint. Er schaut sich orientierend um.<br />
Aus dem OFF sind GERÄUSCHE von HUNDERTSCHAFTEN, PANZERN,<br />
SIRENEN, HUBSCHRAUBERN zu HÖREN<br />
Direkt vor ihm steht der Jeromin LKW.<br />
Gosbert schiebt den Deckel zur Seite und klettert hinaus. Er<br />
reicht Carlotta und Abo helfend die Hand.<br />
189. INNEN/AUSSEN - JEROMIN LKW, FAHRERKABINE - TAG<br />
Gosbert setzt sich hinter das Steuer. Abo und Carlotta auf den<br />
Beifahrersitz.<br />
ABO<br />
Du kannst Auto fahren?<br />
GOSBERT<br />
Ich tu, was ich kann.<br />
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Gosbert startet, und der LKW beginnt davon zu hoppeln.<br />
ABO (OFF)<br />
Komm laß mich mal. Partner<br />
190. AUSSEN - PALMENHAUS - TAG<br />
Drakonin schaut zu Otranto und nickt.<br />
Otranto drückt auf einen Knopf an seiner Fernbedienung.<br />
Die Rakete zischt und funkt ...<br />
Rübenacker kneift die Augen zu.<br />
191. AUSSEN - STRASSE - TAG<br />
Der Jeromin LKW fährt in den BILDHINTERGRUND.<br />
Eine GIGANTISCHE EXPLOSION ist aus dem OFF zu HÖREN.<br />
Eine WEISSE STAUBWOLKE fegt aus dem VORDERGRUND IN DEN<br />
BILDAUSSCHNITT und taucht das BILD in WEISS.<br />
192. AUSSEN - LANGNESE EISWAGEN - TAG<br />
Aus der weißen Staubwolke treten hustend und völlig verstaubt<br />
Drakonin, Otranto und Rübenacker an den Langnese Eiswagen heran.<br />
Rübenacker reicht ein wenig traurig Drakonin und Otranto die<br />
Hand. Otranto umarmt ihn sogar.<br />
OTRANTO<br />
Nix kommen in Teufelsküche, ja?<br />
Tadruck.<br />
Dschedai.<br />
RÜBENACKER<br />
OTRANTO<br />
Drakonin und Otranto steigen ein.<br />
Rübenacker schaut ihnen hinterher, wie sie davonfahren.<br />
Plötzlich bleibt der Eiswagen stehen. Rübenacker rennt los,<br />
steigt in die Fahrerkabine ... und ab gehts zu dritt und dem<br />
toten Maliq nach Bandrikistan.<br />
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193. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />
Kellermann und Hagen stehen wie zwei schlammverkrustete<br />
Urmenschen im Teich und blicken in die Mündungen der<br />
Maschinenpistolen, die die maskierten Polizisten auf sie<br />
richten.<br />
KELLERMANN<br />
(zu den Polizisten)<br />
Fakt ist: Es hat zu keinem Zeitpunkt eine<br />
Entführung meiner Person stattgefunden.<br />
Ich habe lediglich ein paar Tage Urlaub<br />
gemacht.<br />
Ein REPORTER drängt sich vor.<br />
Kellermann legt kameradschaftlich den Arm über die Schulter<br />
seines Bruders und lächelt in die Kamera.<br />
Der Reporter schießt ein Foto.<br />
BLITZ - GRELLES GEGENLICHT<br />
194. AUSSEN - STRASSE - TAG<br />
Der Aluminiumkoffer fliegt durch die Luft und landet krachend<br />
mitten auf der Straße.<br />
REIFENQUIETSCHEN aus dem OFF.<br />
195. INNEN/AUSSEN - JEROMIN LKW - TAG<br />
Gosbert, Abo und Carlotta starren auf den Koffer.<br />
Der Deckel springt auf. Der Koffer ist bis zum Rand mit<br />
GELDSCHEINEN gefüllt.<br />
Gosbert, Abo und Carlotta trauen ihren Augen nicht.<br />
Der WIND beginnt die GELDSCHEINE durch die Luft zu wirbeln.<br />
Carlotta und Abo springen aus dem LKW.<br />
Gosbert bleibt entschieden sitzen.<br />
Abo dreht sich zu ihm herum.<br />
ABO<br />
Das ist ‘ne <strong>günstige</strong> <strong>Gelegenheit</strong>.<br />
Abo und Carlotta hüpfen ausgelassen herum und fangen die<br />
herumflatternden Geldscheine ein.<br />
Gosbert beobachtet ihr Treiben. Endlich wuchtet er sich aus dem<br />
Sitz und springt mit Abo und Carlotta auf Geldscheinfang<br />
ausgelassen herum.<br />
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Gosbert und Carlotta umarmen sich.<br />
FREEZE FRAME mit dem Untertitel:<br />
Gosbert und Carlotta heiraten in Afrika<br />
und kaufen mit Abo den Kilimandscharo<br />
Abo findet im Koffer seinen abgeschnittenen Finger.<br />
FREEZE FRAME mit dem Untertitel:<br />
Abos Finger wird von Jeromins Frau Mama<br />
Toto Bashwily wieder angenäht.<br />
196. FREEZE FRAME: LORENZ UND HAGEN KELLERMANN<br />
Untertitel:<br />
Lorenz und Hagen Kellermann kommen wegen<br />
Steuerhinterziehung ins Gefängnis. Dort<br />
schreiben sie einen Bestseller mit dem<br />
Titel ‘NE GÜNSTIGE GELEGENHEIT.<br />
197. FREEZE FRAME: DRAKONIN UND OTRANTO<br />
Untertitel:<br />
Drakonin und Otranto werden als<br />
bandrikisches Gesangsduo weltberühmt und<br />
stinkreich.<br />
198. FREEZE FRAME: RÜBENACKER<br />
Untertitel:<br />
Georg Rübenacker eröffnet das erste<br />
Goetheinstitut in Bandrikistan.<br />
199. [FREEZE FRAME: MALIQS GRAB<br />
Auf dem Grab sehen wir eine Erhebung im Genitalbereich<br />
Untertitel:<br />
Maliq ruht sanft in der Muttererde seines<br />
Vaterlandes.]<br />
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200. FREEZE FRAME: KATJA HELLWEIN<br />
Untertitel:<br />
Katja Hellwein wird Frauenbeauftragte im<br />
deutschen Bundestag.<br />
201. [FREEZE FRAME: KARL WEISSHAUPT<br />
In einem Abwasserkanal ein Schatten von Weisshaupt wie in “Der<br />
dritte Mann”.<br />
Untertitel:<br />
Karl Weisshaupt wurde das letzte Mal vor<br />
zwei Jahren in den Abwasserkanälen Sektor<br />
23/A gesehen.]<br />
202. FREEZE FRAME: VOGELSTRAUSS<br />
Untertitel:<br />
‘NE ABBLENDE.<br />
Der Strauß stellt am Kilimandscharo fest,<br />
daß er weder Strauß noch Emu, sondern ein<br />
Nandu ist.<br />
Fakt ist, das ist das<br />
-ENDE-<br />
Tadruck<br />
Dschedai<br />
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