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Drehbuch: Ne günstige Gelegenheit

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Gratis Download: www.Zweitausendeins.de<br />

ne günst.gel<br />

<strong>Drehbuch</strong> von<br />

THOMAS OLIVER WALENDY<br />

www.neguenstigegelegenheit.de<br />

Das <strong>Drehbuch</strong> zum Downloaden von<br />

www.zweitausendeins.de/filminfo<br />

Länge: 104 Minuten<br />

Deutscher Kinostart: 18. November 1999<br />

im Verleih der Warner Bros. Film GmbH


Gratis Download: www.Zweitausendeins.de<br />

Das <strong>Drehbuch</strong> ‘NE GÜNSTIGE GELEGENHEIT orientiert sich am<br />

amerikanischen <strong>Drehbuch</strong>format. Keine neue Seite für eine neue<br />

Szene, wie es in Deutschland üblich ist. Das ermöglicht einen<br />

fortlaufenden Lesegenuß ohne viel umzublättern.<br />

Eine Seite entspricht ungefähr einer Minute Film.<br />

Die mit eckiger Klammer [...] markierten Passagen sind in<br />

Absprache zum Teil schon vor Drehbeginn oder am Schnittplatz<br />

herausgefallen.<br />

Gravierend unterscheiden sich <strong>Drehbuch</strong> und Film in der<br />

Örtlichkeit des Showdowns. Im <strong>Drehbuch</strong> findet das Finale aus<br />

thematischem Grund in einem Palmenhaus statt, im Film, aus einem<br />

rein produktionstechnischem Grund, in einem Gasometer mit dem<br />

fiktiven Namen Zynox Dalbi.<br />

'NE GÜNSTIGE GELEGENHEIT - © 1999 THOMAS OLIVER WALENDY UND LETTERBOX FILMPRODUKTION


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‘NE AUFBLENDE:<br />

1. AUSSEN - WEIHER IM WALD - TAG<br />

Es ist früh am Morgen. Die Laubbäume und Büsche sind kahl, die<br />

Regenpfützen gefroren. Rauhreif klammert sich an jeden Grashalm,<br />

und der <strong>Ne</strong>bel verbreitet seine morgendliche Tristesse.<br />

Auf dem Wasser schwimmen WINDGÄNSE.<br />

Da taucht ein MODELL U-BOOT U96 aus dem Wasser auf und nimmt<br />

einen Ganter ins Fadenkreuz.<br />

Auf einem STEG MIT BOOTSHAUS IM HINTERGRUND sitzen zwei<br />

BANDRIKEN.<br />

Der eine, der die Fernbedienung bedient, heißt OTRANTO. Er ist<br />

kräftig und hat unschuldige Augen. Der andere ist ein kleiner<br />

Bulle mit einem Gesicht, das niemals lacht und lediglich von<br />

einer dicken Hornbrille verziert wird. Er heißt DRAKONIN. Mit<br />

ihren ausgebeulten Kordhosen, verfilzten Wollpullovern und<br />

ausgefransten Sakkos machen sie einen ziemlich ärmlichen<br />

Eindruck.<br />

(ANMERKUNG: Die in Klammer gesetzten deutschen Übersetzungen der<br />

bandrikischen Dialoge erscheinen als Untertitel.)<br />

Flatko?<br />

(Gänse?)<br />

OTRANTO<br />

DRAKONIN<br />

Flatko sabak. - Strumai in luka Afrikasch.<br />

(Wildgänse. - Müßten schon längst im<br />

sonnigen Afrika sein.)<br />

Otranto drückt auf die Fernbedienung.<br />

Ein Torpedo wird von U-96 abgeschossen und zischt durch das<br />

Wasser auf den Ganter zu.<br />

Der Ganter sieht die Gefahr auf sich zukommen und erschrickt.<br />

... eine EXPLOSION ... eine Wasserfontäne spritzt auf ...<br />

mit wütendem SCHNATTERN fliegt der Ganter davon.<br />

Wir folgen dem Ganter durch einen dichten Wolkenteppich und<br />

fliegen einem strahlend blauen Himmel entgegen.<br />

Die CREDITS beginnen.<br />

Wir senken unseren Blick und finden uns in AFRIKA wieder:<br />

'NE GÜNSTIGE GELEGENHEIT - © 1999 THOMAS OLIVER WALENDY UND LETTERBOX FILMPRODUKTION<br />

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2. AUSSEN - MONTAGESEQUENZ: GOSBERTS TRAUM VON AFRIKA - TAG<br />

Wir überfliegen atemberaubende afrikanische Landschaften,<br />

begleitet von einer getragenen FILMMUSIK.<br />

Schließlich erreichen wir das Ziel unserer Reise: Am Horizont<br />

erhebt sich majestätisch der schneebedeckte Kilimandscharo mit<br />

seiner Wolkenkrone.<br />

Plötzlich friert die EINSTELLUNG zu einem STANDBILD ein,<br />

vergilbt, bekommt Risse ...<br />

3. INNEN - WOHNWAGEN, TYP "WELTENBUMMLER" - TAG<br />

... und wird zu einem POSTER, vor dem jetzt der Kopf von GOSBERT<br />

KLEE erscheint, der erschrocken aus seinem Schlaf fährt und wie<br />

ein Ertrinkender nach Luft schnappt. Gosbert zittert vor Kälte.<br />

Er schaut zu einem Wasserhahn, an dem sich ein Eiszapfen<br />

gebildet hat, von dem dicke Tropfen in ein Kunststoffwaschbecken<br />

platschen.<br />

GOSBERT<br />

Kotz die Wand an!!!<br />

Gosbert springt mit der Bettdecke über den Schultern aus dem<br />

Bett, eilt zu einer eingebauten GASHEIZUNG und drückt auf den<br />

FUNKENSTARTER. Die wärmespendende Flamme entzündet sich nicht.<br />

GOSBERT<br />

Kotz die Wand an!!!<br />

4. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />

Der völlig heruntergekommene Stadtcampingplatz liegt an einem<br />

Flußufer. Lastkähne schippern vorbei, auf ihrem Weg zu den<br />

großen Häfen, den Toren zur weiten Welt.<br />

Über der geöffneten EINFAHRTSSCHRANKE hängt ein angerostetes<br />

EMAILLESCHILD:<br />

CAMPING BEI ABOGAST JR.<br />

Das “junior” ist mit einem Pinsel dazugeschrieben worden.<br />

Die REZEPTIONSBARACKE und anschließenden WASCHRÄUME sind an<br />

unendlichen Stellen ausgebessert und repariert.<br />

Gosbert kommt aus einem SCHUPPEN. Er trägt jetzt einen<br />

schwarzen, ungebügelten Anzug, der seine besten Tage schon<br />

längst hinter sich hat und für die Jahreszeit entschieden zu<br />

dünn ist. Das weiße Hemd ist frisch gewaschen und die Krawatte<br />

ordentlich gebunden.<br />

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Er zieht eine rote, verrostete GASFLASCHE (33 Kilo) hinter sich<br />

her und schleppt sie im Folgenden über das Campingplatzgelände.<br />

MÄNNLICHE STIMME (OFF)<br />

Gosbert! Du, die Gasflasche hat mich im<br />

Einkauf 84,10 gekostet.<br />

Ein Mann mit verschlissener Fellbomberjacke und Wollmütze kommt<br />

Gosbert hinterhergelaufen. Er ist Mitte dreißig und heißt THILO<br />

“ABO” ABOGAST.<br />

GOSBERT<br />

Ich kassier nächste Woche ein paar<br />

Außenstände für Steinbach ab, dann<br />

kriegste dein Geld.<br />

Nächste Woche?<br />

Nächste Woche.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Abo packt am anderen Ende der Gasflasche an und hilft tragen.<br />

ABO<br />

Du? Kannste bei Steinbach nich `n Wort für<br />

mich einlegen ...<br />

GOSBERT<br />

Abo, das ham wir doch schon durch.<br />

Ich frag doch nur.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Du fragst jeden Tag. Und hast immer noch<br />

nicht kapiert, daß nur Profis für<br />

Steinbach arbeiten.<br />

Abo tritt in Vogelscheiße.<br />

ABO<br />

Scheiße! Der Emu verkackt mir den ganzen<br />

Campingplatz.<br />

GOSBERT<br />

(er hat`s schon tausend<br />

Mal gesagt)<br />

Das ist `n Strauß, Mann.<br />

Abo versucht sich beim Weitergehen den Schuh abzuwischen.<br />

5. AUSSEN - WOHNWAGEN, TYP “WELTENBUMMLER” - TAG<br />

Der Wohnwagen ist auf der Wetterseite mit Moos bewachsen. Abo<br />

ist mit einer Rohrzange beschäftigt, die Gasflasche mit einem<br />

Schlauch zu verbinden.<br />

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Gosbert steht daneben und steckt sich lässig ZWEI<br />

KAUGUMMISTREIFEN in den Mund.<br />

[ABO<br />

Steinbach soll die Schrotflinte haben, mit<br />

dem Al Capone den Tony Musante erschossen<br />

hat.<br />

GOSBERT<br />

Er hat auch die 38er mit der Capone auf<br />

Dillinger geschossen hat.<br />

ABO<br />

Na ja. Ich hätt sowieso keine Zeit für<br />

Steinbach zu arbeiten. Bis zum Sommer will<br />

ich den Campingplatz wieder voll in Schuß<br />

kriegen.]<br />

Mit einer letzten Umdrehung beendet er seine Arbeit und nickt.<br />

Gosbert bietet Abo das Kaugummipäckchen an. Abo nimmt dankend<br />

einen Streifen.<br />

GOSBERT<br />

Einer ist zu wenig. Wenn de richtig kauen<br />

willst, brauchste zwei.<br />

Abo greift noch einmal zu.<br />

6. INNEN - WOHNWAGEN, TYP "WELTENBUMMLER" - TAG<br />

Gosberts Finger drückt vergeblich auf den Funkenstarter. Die<br />

wärmende Flamme entzündet sich nicht.<br />

Gosbert drückt kräftiger. Der Starter verklemmt sich und bleibt<br />

stecken.<br />

ABO<br />

(mit Kompetenz)<br />

Da ist der Starter kaputt. Ich reparier so<br />

was im Handumdrehn.<br />

Abo zieht übereifrig Schraubenzieher und Zange aus seinem<br />

Arbeitsgürtel.<br />

GOSBERT<br />

Laß mal. Da soll Steinbach sich gefälligst<br />

drum kümmern.<br />

Echt!?<br />

(staunt)<br />

ABO<br />

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GOSBERT<br />

Wenn ich in seinem Cruiser mal ordentlich<br />

auf den Tisch hau, dann ist das Ding in<br />

zwei Stunden wieder ganz.<br />

Abo ist von Gosberts Coolness schwer beeindruckt.<br />

7. AUSSEN - GROSSTADTMETROPOLE - TAG<br />

Wir nähern uns einem fahrenden Wohnmobil Typ "American Cruiser".<br />

Wir HÖREN amerikanische Countrymusik aus einer Stereoanlage.<br />

STEINBACHS STIMME (V.O.)<br />

Ich hab dir von Anfang an gesagt, so ein<br />

Wohnwagen ist was feines. Wohnt keiner<br />

über dir, keiner unter dir, bist dein<br />

eigner Herr im Haus und hast ein Stück<br />

Garten mit ‘nem Zwerg vor der Tür.<br />

Um sich Achtung zu verschaffen, bedient der Fahrer des Cruisers<br />

seine Hupe. Ein LAUTES KAVALLERIEANGRIFFSSIGNAL.<br />

8. INNEN - "AMERICAN CRUISER" (IN BEWEGUNG) - TAG<br />

Der Cruiser ist mit allem Schnickschnack eingerichtet.<br />

GERD STEINBACH sitzt gemütlich in einem Sofa im Heck. Er ist<br />

Anfang fünfzig, trägt Markenklamotten und Cowboystiefel aus<br />

Krokodilleder.<br />

Er beobachtet Gosbert, der in Schürze auf den Knien herumrutscht<br />

und den Teppichboden mit einer Bürste und Teppichschaum<br />

schrubbt.<br />

GOSBERT<br />

(zögerlich)<br />

Aber ... es ist dein Wohnwagen, ... deine<br />

Heizung.<br />

Steinbach zeigt mit der Spitze seines Cowboysteifels auf einen<br />

Schmutzfleck. Gosbert beginnt ihn sofort zu bearbeiten.<br />

STEINBACH<br />

(ignoriert den Einwand)<br />

Wenn die Heizung nicht funktioniert, bau<br />

von mir aus `ne neue ein. Aber mach mir<br />

nichts kaputt.<br />

GOBSERT<br />

Ich hab im Moment nicht mal das Geld, um<br />

Abo `ne Gasflasche bezahlen zu können.<br />

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STEINBACH<br />

Gosbert, Gosbert, Gosbert. ...<br />

Steinbach nimmt eine Kaffeekanne aus der Kaffeemaschine, gießt<br />

sich eine Tasse ein.<br />

Er bietet Gosbert den Kaffee an. Gosbert schüttelt den Kopf.<br />

GOSBERT<br />

Nicht aus der Machine.<br />

STEINBACH<br />

Wie alt biste jetzt?<br />

27.<br />

GOSBERT<br />

STEINBACH<br />

Als ich in deinem Alter war, hab ich mir<br />

schon jeden Monat einen Goldbarren<br />

gekauft. 15.000 hat mich der gekostet. -<br />

Schau mich an.<br />

(zeigt die Ringe an seinen<br />

Fingern)<br />

Kostet jeder über 5.000 Mark.<br />

(zeigt auf seine anderen<br />

Kleidungsstücke)<br />

Das Hemd 900. Sakko 2.000. Krawatte 350.<br />

(zieht einen Cowboystiefel<br />

aus und legt das Bein auf<br />

den Tisch)<br />

Das billigste an mir sind die Socken für<br />

120.<br />

(nimmt das Bein wieder<br />

runter)<br />

Menschenskind und was hast du? Glotzt den<br />

ganzen Tag auf ein Poster und träumst von<br />

Afrika.<br />

Gosbert springt wütend auf.<br />

GOSBERT<br />

(bockig)<br />

Ich träum nicht bloß. Ich fahr da hin.<br />

Du<br />

STEINBACH<br />

fährst da hin. - Hey Luboviski!<br />

Steinbach wendet sich an den Fahrer. LUBOVISKI ist Ende dreißig.<br />

Ein polnischer Arnold Schwarzenegger mit Bierbauch. Er trägt<br />

einen glänzenden Trainingsanzug.<br />

STEINBACH<br />

Haste gehört. Gosbert fährt nach Afrika.<br />

Luboviski lacht. Steinbach lacht. Gosbert ist gedemütigt.<br />

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STEINBACH<br />

Mach erst mal deinen Führerschein! -<br />

Menschenskind. Ich zahl jedem fünf<br />

Tausender auf die Hand. Fünf Tausender.<br />

Wenn se mir ‘n Auto vorfahrn, das nich<br />

mehr als dreißigtausend auf’m Tacho hat.<br />

[(laut zu Luboviski)<br />

Wie schnell knackst du ‘ne Karre?<br />

LUBOVIKSI<br />

Zwanzig Sekunden.<br />

STEINBACH<br />

(zu Gosbert)<br />

Fünftausend Mark in zwanzig Sekunden.] Das<br />

ist`n gutes Geschäft.<br />

[GOSBERT<br />

(zögerlich)<br />

Kannste mir vielleicht das Geld für die<br />

Heizung nicht einfach vorschießen?]<br />

9. AUSSEN - "AMERICAN CRUISER" - TAG<br />

Der Cruiser steht am Straßenrand. Steinbach reicht Gosbert einen<br />

Aluminiumkoffer.<br />

BAUNEMANN<br />

Den machste mir bis morgen leer.<br />

Gosbert schaut ziemlich zerknirscht drein.<br />

STEINBACH<br />

Ich weiß, du haßt diesen Job. Aber du mußt<br />

lernen Gosbert. Lernen bereit zu sein, für<br />

Geld alles zu tun.<br />

Steinbach gibt Gosbert einen Klaps auf die Wange.<br />

STEINBACH<br />

Sonst kommste nie zum Kilimandscharo.<br />

[Baunemann schüttelt sich vor Kälte, er schaut zum<br />

wolkenverhangenen Himmel.<br />

Scheiß Winter.]<br />

10. INNEN - LUXUSWOHNUNG - TAG<br />

BAUNEMANN<br />

Die Wohnung vermittelt den Eindruck von Reichtum und extremer<br />

Macht.<br />

Auf einer Sitzgruppe liegt ein Mann und schläft.<br />

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Der Mann heißt MALIQ. Er ist ein ergrauter Schönling in einem<br />

schwarzen Markenanzug.<br />

SCHRITTE sind zu hören. Maliq erwacht und sieht einen Mann in<br />

elegantem Kaschmirmantel und pork pie Hut den Raum betreten. In<br />

seiner Hand trägt er eine Reisetasche mit Lufthansa-Anhänger am<br />

Griff.<br />

Der Mann heißt LORENZ KELLERMANN. Er ist Mitte fünfzig. Gesicht<br />

und Haltung strahlen Selbstbewußtsein und Strenge aus.<br />

Kellermann bemerkt Maliq nicht. Er stellt seine Tasche ab und<br />

zieht sich die Schuhe aus. [Auf Socken geht er zu einem<br />

Schreibtisch und schaltet den Computer an - Börsentabellen<br />

erscheinen. Gleichzeitig setzt KLASSISCHE MUSIK ein.]<br />

Maliq schaut auf seine Uhr.<br />

MALIQ<br />

(in gebrochenem Deutsch)<br />

Flugzeug kommen zwei Stunden zu spät, Herr<br />

Kellermann?<br />

Kellermann dreht sich zu Maliq herum und versucht, sich seine<br />

Überraschung nicht anmerken zu lassen.<br />

KELLERMANN<br />

Ich kann mich nicht daran erinnern, mein<br />

Haus während meiner Abwesenheit<br />

untervermietet zu haben.<br />

Maliq steht auf und kommt auf ihn zu.<br />

MALIQ<br />

Es freut mich, daß Sie behalten Ihren<br />

Humor in so einer Situation.<br />

KELLERMANN<br />

Welche Situation meinen Sie?<br />

Maliq zieht eine Pistole aus seinem Schulterhalfter und richtet<br />

sie auf Kellermann.<br />

Diese Situation.<br />

MALIQ<br />

KELLERMANN<br />

Russische Mafia?<br />

MALIQ<br />

Nix Russe. Ich bin Bandrike!<br />

Maliq lächelt. Plötzlich schlägt er Kellermann mit der Pistole<br />

auf die Schläfe. Kellermann bricht besinnungslos zusammen.<br />

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11. AUSSEN/INNEN - KNALLROTER BMW (IN BEWEGUNG) - TAG<br />

Ein KNALLROTER BMW bahnt sich geschickt in überhöhter<br />

Geschwindigkeit seinen Weg durch den belebten Innenstadtverkehr.<br />

MALIQ (V.O.)<br />

Slawotitsch Kellermann.<br />

(Ich habe Kellermann.)<br />

DRAKONIN (V.O.)<br />

Boislimitje. Sabatisch farschadam.<br />

(Gut. Dann komm sofort hier her.)<br />

Maliq steuert mit einer Hand lässig das Auto, mit der anderen<br />

hält er sich ein Handy ans Ohr.<br />

MALIQ<br />

Nietzsche Drakonin. Tona di klap, batitsch<br />

tat la masch a munsch. Car maniblon in<br />

saniset.<br />

(<strong>Ne</strong>in Drakonin. Ich hab noch etwas zu<br />

erledigen, bevor ich am Arsch der Welt<br />

rumhocke. Ich bin morgen früh bei euch.)<br />

DRAKONIN (V.O.)<br />

Ta sabatisch farschadam!!!<br />

(Du kommst sofort hier her!!!)<br />

Der BMW fährt in den BILDHINTERGRUND davon.<br />

12. AUSSEN - WEIHER IM WALD - TAG<br />

Drakonin springt auf und wirft sein Handy in den Weiher.<br />

DRAKONIN<br />

(flucht)<br />

Potzaue me dupasch!<br />

13. AUSSEN - BORDELLVIERTEL - NACHT<br />

Es schifft wie Sau.<br />

Die bunten Lichter der Pornokinos, Sexshows und Kneipen glitzern<br />

auf dem Asphalt.<br />

ZWEI DUNKELMÄNNER werden von einer DICKEN PROSTITUIERTEN aus<br />

einem Bordell namens “CRAZY HORSE” geworfen und landen in einer<br />

Pfütze.<br />

DICKE PROSTITUIERTE<br />

Wer kein Geld hat, dem gehört nicht die<br />

Welt und schon gar nicht meine Muschi.<br />

Gosbert drückt sich neben der dicken Prostituierten aus dem<br />

Eingang. Er trägt den Aluminiumkoffer in der Hand.<br />

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Wütend beobachten die Dunkelmänner, wie die Prostituierte<br />

Gosbert auf den Po klatscht.<br />

DICKE PROSTITUIERTE<br />

Bist immer noch ziemlich griffig, Gosbert.<br />

Mit einem angeekelten “ja, ja” spurtet Gosbert davon, den Gehweg<br />

entlang. Er erreicht den Eingang eines anderen Bordells mit<br />

blinkender Leuchtreklame: "GIRLIES, GIRLIES, GIRLIES" und<br />

verschwindet darin.<br />

Im gleichen Augenblick fährt ein Taxi vor. Maliq steigt aus. Er<br />

hat sich gewaschen, rasiert und umgezogen. Er trägt jetzt einen<br />

hellen Anzug und betritt das “GIRLIES, GIRLIES, GIRLIES”.<br />

14. INNEN - "GIRLIES"/TREPPENHAUS (MONTAGE) - NACHT<br />

Spärliche Beleuchtung. Gosbert steigt die Stufen der steilen<br />

Holztreppe hinauf und erreicht den ...<br />

15. INNEN - “GIRLIES”/FLUR IM 1. STOCKWERK (MONTAGE) - NACHT<br />

Gosbert knallt rotes <strong>Ne</strong>onlicht entgegen. Er geht den Flur<br />

entlang, auf dem sich vereinzelte Männer bewegen, rechts und<br />

links in die offenstehenden Zimmer glotzen und sich an den<br />

dargebotenen weiblichen Reizen ergötzen.<br />

16. INNEN - “GIRLIES”/ZIMMER #1 (MONTAGE) - NACHT<br />

Gosbert steht im Türrahmen, hebt auffordernd den<br />

Aluminiumkoffer.<br />

GOSBERT<br />

(unmotiviert)<br />

Heute Sonderangebot.<br />

Eine SCHWARZE AFRIKANERIN knallt ihm die Tür vor der Nase zu.<br />

17. INNEN - “GIRLIES”/ZIMMER #2 (MONTAGE) - NACHT<br />

Gosbert steht im Türrahmen hebt auffordernd den Aluminiumkoffer.<br />

GOSBERT<br />

Heute ...Sondersuperangebot.<br />

ZWEI SCHNATTERNDE CHINESINNEN MIT PAMELA ANDERSON PERÜCKE<br />

knallen ihm die Tür vor der Nase zu.<br />

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18. INNEN - “GIRLIES”/ZIMMER #3 (MONTAGE) - NACHT<br />

Gosbert steht im Türrahmen hebt auffordernd den Aluminiumkoffer.<br />

WEIBLICHE STIMME (OFF)<br />

Gosbert du Arsch!<br />

Eine Frau mit roten Haaren, roten Lippen und roter Reizwäsche<br />

sieht Gosbert wutentbrannt an. Sie heißt KATJA HELLWEIN und ist<br />

um die dreißig, aber wer weiß das schon genau.<br />

Katja reißt ihre Tür ganz auf. Gosbert nimmt schnell Richtung<br />

Treppenhaus reißaus.<br />

Er kämpft sich gegen den Männerstrom den FLUR entlang ...<br />

19. [INNEN - “GIRLIES”/TREPPENHAUS - NACHT<br />

... und erreicht das Treppenhaus. Der Weg hinab ist ihm durch<br />

DREI HINAUFSTEIGENDE MÄNNER versperrt, also hinauf in die<br />

nächsten Stockwerke ...]<br />

20. INNEN - “GIRLIES”/FLUR IM LETZTEN STOCKWERK - NACHT<br />

... Gosbert knallt grünes <strong>Ne</strong>onlicht entgegen.<br />

Gosbert ist ziemlich aus der Puste. Er sieht eine geschlossene<br />

Tür, geht drauf zu und drückt die Klinke. Sie ist nicht<br />

abgeschlossen. Gosbert verschwindet darin.<br />

21. INNEN - “GIRLIES”/CARLOTTAS ZIMMER - NACHT<br />

Gosbert schließt schnell die Tür und verschnauft. Hinter sich<br />

HÖRT er HEFTIGES ATMEN. Er dreht sich zum Bett herum und sieht<br />

eine wunderschöne, halbnackte Frau auf einem nackten Mann.<br />

Sie heißt CARLOTTA VALDEZ. Sie ist Mitte zwanzig, hat hellbraune<br />

Haut und pechschwarzes Haar und sieht einfach klasse aus.<br />

Carlotta ist verschwitzt und atmet heftig, während sie dem Mann<br />

unter ihr eine Herzmassage verabreicht.<br />

Einen Moment lang beobachtet Gosbert das seltsame "Liebesspiel",<br />

dann wendet er sich wieder der Tür zu.<br />

Da springt der Deckel des Aluminiumkoffers auf und ein Haufen<br />

SEXARTIKEL fallen heraus und bekommen auf dem Boden ihr<br />

“Eigenleben”. Gosbert schaut zu Carlotta und sieht, wie sie ihn<br />

erschrocken anstarrt.<br />

GOSBERT<br />

(etwas hilflos)<br />

Sondersuper ... Supersonder ...<br />

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CARLOTTA<br />

(mit spanischem Akzent)<br />

Was du gucken und stehen. Hilf mir.<br />

Carlotta steigt von dem Mann herunter, packt Gosbert am Arm und<br />

zieht ihn zum Bett.<br />

CARLOTTA<br />

Ich habe nur Liebe gemacht. Gute Liebe<br />

gemacht.<br />

Gosbert schaut zu dem Mann, dem ein zufriedenes Lächeln auf den<br />

Lippen liegt. Es ist Maliq!<br />

Gosbert beugt sich über ihn und fühlt den Puls der<br />

Halsschlagader.<br />

Kotz die Wand an.<br />

Futsch?<br />

Futsch.<br />

GOSBERT<br />

CARLOTTA<br />

GOSBERT<br />

CARLOTTA<br />

Ja. Kotz die Wand an.<br />

Gosbert deckt den Toten mit einem Laken zu. Ihm fällt die steile<br />

“Erhebung” im Genitalbereich auf. Auch Carlotta schaut darauf.<br />

CARLOTTA<br />

Vielleicht ich gemacht Fehler mit Kondom?<br />

Vielleicht ist es Allergie. Gosbert, was<br />

meinst du?<br />

GOSBERT<br />

Seh ich vielleicht aus wie ein Arzt? Seh<br />

ich so aus?<br />

CARLOTTA<br />

Ich habe doch nur Liebe gemacht. Gute<br />

Liebe.<br />

GOSBERT<br />

Das mußt du mir nicht erzählen. Erzähl das<br />

der Polizei.<br />

CARLOTTA<br />

(erschrocken)<br />

Nix Polizeibullen. OK?!<br />

GOSBERT<br />

Mach dir keinen Kopf. Die Polizei tut dir<br />

nichts. Das da ist kein Mord oder so was.<br />

Das ist ein stinknormaler Unfall.<br />

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Gosbert beginnt auf dem Boden herumzukriechen, um die<br />

Sexartikel, die sich inzwischen im ganzen Zimmer verlaufen<br />

haben, wieder einzusammeln.<br />

Carlotta zieht sich einen Bademantel über.<br />

CARLOTTA<br />

(tatenbereit)<br />

Du hilfst mir, ihn wegbringen aus meinem<br />

Zimmer. OK?<br />

GOSBERT<br />

Tote mußte nicht selbst entsorgen. Dafür<br />

ist die Polizei da.<br />

CARLOTTA<br />

Aber ich habe keine Papiere. Verstehst du?<br />

Ich darf nicht sein in Deutschland.<br />

GOSBERT<br />

(mitfühlend)<br />

Das ist Scheiße. - Aber ich hab echt auch<br />

meine Probleme.<br />

Gosbert will weiter einpacken, doch Carlotta greift Gosberts<br />

Hand und versucht ihn mit einem treuherzigen “Bambi”-Blick<br />

rumzukriegen.<br />

CARLOTTA<br />

(ehrlich)<br />

Gosbert. Meine Familie in Puerto Rico<br />

waren große Künstler. In Zirkus, verstehst<br />

du? Zwanzig Meter hoch haben sie getanzt<br />

auf Seil. Mein Vater Pedro, meine Mutter<br />

Maria, meine fünf Brüder Pablo, Rodrigez,<br />

Gonzales, Stephan und der kleine Miguel.<br />

Zwanzig Meter tief sind sie gefallen.<br />

Verstehst du? Alle tot.<br />

GOSBERT<br />

(betroffen)<br />

Das ist schlimm. Das ist echt schlimm.<br />

Er will trotzdem los, sie hält ihn zurück.<br />

CARLOTTA<br />

Sie hatten kein Geld für <strong>Ne</strong>tz für<br />

Sicherheit. Ich komme nach Deutschland, um<br />

Geld zu verdienen. Geld für Sicherheit.<br />

Verstehst du?<br />

GOSBERT<br />

Ich versteh dich total. Aber ich muß jetzt<br />

echt los.<br />

Gosbert zieht seine Hand weg, macht den Koffer zu, steht auf und<br />

geht zur Tür.<br />

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Gosbert.<br />

CARLOTTA (OFF)<br />

Gosbert dreht sich um und sieht, wie Carlotta verführerisch<br />

ihren Bademantel öffnet und posiert.<br />

CARLOTTA<br />

Na? Bin ich dir häßlich?<br />

Gosbert ist hin- und hergerissen.<br />

CARLOTTA<br />

Ich mache dich glücklich. Wir fünfzig Mal<br />

Liebe machen. Ohne Pause. OK?!<br />

Gosbert schaut zum toten Maliq, dann wieder zu Carlotta.<br />

GOSBERT<br />

Das ... das wird keine Liebesgeschichte.<br />

Gosbert wendet sich ab und öffnet die Tür, doch Carlotta eilt<br />

herbei, schlägt ihm die Tür vor der Nase zu und schließt ab.<br />

CARLOTTA<br />

Wir machen jetzt Geschäft. OK?!<br />

Carlotta geht zu einem Stuhl über dem Maliqs Kleidung liegt. Sie<br />

greift nach der Hose und zieht einen GRÜNEN KROKODILGELDBEUTEL<br />

heraus, öffnet ihn und holt fünf Tausendmarkscheine heraus, die<br />

sie aufgefächert Gosbert entgegenstreckt.<br />

Gosbert ist hin- und hergerissen.<br />

22. AUSSEN - "GIRLIES"/HINTERHOF - NACHT<br />

Es schifft noch immer.<br />

Maliq trägt wieder seinen Anzug. Er baumelt an einem Seil aus<br />

zusammengeknoteten Seidenstrümpfen zwischen dem ersten und<br />

zweiten Stockwerk.<br />

Gosbert und Carlotta stehen auf dem Balkon von Carlottas Zimmer<br />

und lassen ihn langsam hinunter.<br />

Ein Fenster im ersten Stockwerk wird geöffnet.<br />

Gosbert und Carlotta ziehen Maliq schnell wieder hoch. Da reißt<br />

ein Knoten. Maliq fällt ... direkt in eine geöffnete Mülltonne.<br />

Der Deckel klappt zu. Von Maliq ist nichts mehr zu sehen.<br />

Eine PROSTITUIERTE beugt sich neugierig aus dem Fenster, schaut<br />

in den Hof hinunter und sieht eine TOTE TAUBE auf dem Pflaster<br />

liegen.<br />

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PROSTITUIERTE<br />

Oh Mann. Bei dem Regen ersaufen sogar die<br />

Tauben im Flug.<br />

Desinteressiert macht sie das Fenster wieder zu.<br />

Gosbert wirft Carlotta einen Blick zu - OK?!<br />

23. AUSSEN - "GIRLIES" - NACHT<br />

Der Regen hat aufgehört. Dafür ist es arschkalt.<br />

Gosbert tritt aus dem Bordell heraus und rutscht glücklich auf<br />

der spiegelglatten Straße entlang.<br />

Dunkelmann #1 tritt Gosbert entgegen und grinst ihn mit seinen<br />

schlechten Zähnen an.<br />

DUNKELMANN #1<br />

Meister. Haste ‘n Fünfziger damit ich mir<br />

nicht immer selbst einen runter holen muß?<br />

Gosbert versucht sich vorbeizudrücken, da wird Gosbert von<br />

Dunkelmann #2 von hinten gepackt und in eine Sackgasse gestoßen.<br />

24. AUSSEN - SACKGASSE - NACHT<br />

Gosbert rutscht auf dem Bauch in die Sackgasse hinein. Der Schuh<br />

von Dunkelmann #2 quetscht seinen Kopf auf eine gefrorene<br />

Regenpfütze, so daß die Eisschicht bricht. Dunkelmann #1 zieht<br />

mit seinen verdreckten Fingern gierig den Krokodilgeldbeutel aus<br />

Gosberts Gesäßtasche.<br />

Er tritt Gosbert brutal in die Seite, rutscht aus und knallt mit<br />

dem Hintern auf dem Boden. Auf den Knien rutscht er zu Gosbert<br />

und schreit ihm ins Ohr.<br />

DUNKELMANN #1<br />

Haste, haste, haste noch nie was davon<br />

gehört, daß Krokodile am Aussterben sind.<br />

Hä? Altes Arschloch.<br />

Dunkelmann #2 kratzt sich aufgeregt am Sack, während Dunkelmann<br />

#1 den Geldbeutel aufklappt. Doch er zieht lediglich einige<br />

Plastikkarten heraus, die er achtlos auf den Boden fallen läßt.<br />

Schließlich schleudert er Gosbert den Geldbeutel ins Gesicht.<br />

DUNKELMANN #1<br />

Verarschen, verarschen kann ich mich auch.<br />

Er kriecht zu Gosberts Bein und zieht ihm den Schuh aus.<br />

Schüttelt. Da rutschen die säuberlich zusammengefalteten<br />

Tausendmarkscheine heraus. Gierig steckt er das Geld ein, gibt<br />

seinem Kollegen ein Zeichen. Beide rutschen aus der Sackgasse.<br />

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Gosbert steht auf, wischt sich mit der Hand über das nasse<br />

Gesicht. Dann greift er zu dem Aluminiumkoffer und schleudert<br />

ihn gegen eine Hauswand, rutscht aus und landet in der<br />

Regenpfütze. Geschlagen bleibt er liegen. Im OFF RASSELT und<br />

ÄCHZT der Kofferinhalt und „lacht“ ihn höhnisch aus.<br />

Da sieht Gosbert vor sich auf dem Boden eine Plastikkarte. Es<br />

ist eine HOTELSCHLÜSSELKARTE: HOTEL ATLANT.<br />

25. AUSSEN - HOTEL ATLANT - NACHT<br />

<strong>Ne</strong>ben sich den zerbeulten Aluminiumkoffer und in den Händen ein<br />

heißes Getränk im Plastikbecher, steht Gosbert frierend am<br />

Straßenrand und schaut zum Eingang des Luxushotels auf der<br />

anderen Straßenseite hinüber.<br />

Vor dem Eingang steht unüberwindbar ein Portier. Sein Name ist<br />

übrigens GEORG RÜBENACKER. Er ist ziemlich stolz darauf, so in<br />

Uniform und Zylinder vor dem Hotel zu stehen.<br />

Gosbert trinkt einen Schluck, verzieht angeekelt das Gesicht und<br />

schüttet den Becher aus.<br />

26. [AUSSEN/INNEN - BOOTSHAUS - TAG<br />

Drakonin beobachtet vom Fenster aus den Sonnenaufgang.<br />

Im Inneren sind alle Vorbereitungen für die Unterbringung eines<br />

Entführten getroffen: Ein kleines Einmannzelt steht an einer<br />

Wandseite. Ketten sind im Boden befestigt und reichen durch<br />

Löcher in das Zelt hinein. Auf wackligen Regalen stapeln sich<br />

Lebensmittel für mehrere Wochen.<br />

U-96 steht auf dem Tisch. Otranto spielt mit der Fernbedienung<br />

herum.<br />

OTRANTO<br />

Pobla Maliq jest betrogi?<br />

(Vielleicht hat Maliq uns betrogen?)<br />

Drakonin dreht sich zu Otranto herum.<br />

DRAKONIN<br />

Maliq jest paschak moja sistra. Nietzsche<br />

familia betroga familia. Nietzsche!!!<br />

(Maliq ist der Ehemann meiner Schwester.<br />

Niemals betrügt die Familie die Familie.<br />

Niemals!!!)<br />

Tadruck.<br />

Dschedai.<br />

OTRANTO<br />

DRAKONIN<br />

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Die Hüttentür wird aufgestoßen. Im GEGENLICHT steht ein JÄGER im<br />

Türrahmen - Typ Nick Nolte in “EXTREME PREJUDICE”. Er richtet<br />

seinen Doppelläufer auf Drakonin und Otranto.<br />

JÄGER<br />

Seit zwei Tagen erschießt hier jemand<br />

meine Wildgänse.<br />

Otranto drückt auf die Fernbedienung. U-96 schießt einen Torpedo<br />

ab ... der Jäger wird nach hinten katapultiert und landet tot im<br />

Gras.<br />

DRAKONIN<br />

(wütend)<br />

Potzaue me dupasch! Todarest nje puffki a<br />

menschtraka. Jestema a Germanykasch. A<br />

Germanykasch toijest problem zoj<br />

politschia.<br />

(Verdammt noch mal. Du kannst doch nicht<br />

einfach einen Menschen erschießen. Wir<br />

sind hier in Deutschland. Hier kriegst du<br />

Ärger mit der Polizei.)<br />

Corega tabs.<br />

(Entschuldigung.)<br />

OTRANTO<br />

27. AUSSEN - WEIHER IM WALD - TAG<br />

Wenig später.<br />

Die Leiche des Jägers versinkt im Weiher.<br />

Drakonin und Otranto stehen am Ufer. Otranto trägt U-96 unter<br />

seinem Arm. Drakonin studiert einen Stadtplan in bandrikischer<br />

Sprache.<br />

DRAKONIN<br />

Tow. Hotel Atlant.<br />

Tadruck.<br />

Dschedai.<br />

OTRANTO<br />

DRAKONIN<br />

Drakonin faltet den Plan zusammen und nimmt Otranto U-96 ab.<br />

Otranto nimmt seine große, vollgepackte ADIDAS SPORTTASCHE auf,<br />

die er von nun an wie Obelix seinen Hinkelstein immer mit sich<br />

herumtragen wird.<br />

Die beiden Männer gehen davon.]<br />

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28. AUSSEN - HOTEL ATLANT -TAG<br />

GOSBERTS FINGER spielen mit der Schlüsselkarte. Völlig verfroren<br />

steht er noch immer auf der anderen Straßenseite und traut sich<br />

nicht so recht.<br />

Der Portier Rübenacker grüßt Gäste, die das Hotel betreten,<br />

öffnet herauskommenden Gästen die Taxitür und geht ganz in<br />

seiner Arbeit auf.<br />

Da zischen ZWEI ROLLERSCATER an Rübenacker vorbei. Der eine<br />

reißt ihm den Zylinder vom Kopf, zeigt ihm den Stinkefinger und<br />

rollt auf und davon. Rübenacker rennt den beiden hinterher.<br />

Gosbert nutzt die <strong>Gelegenheit</strong>, greift nach dem Koffer, überquert<br />

die Straße und geht durch die Drehtür.<br />

29. INNEN - HOTEL ATLANT/FOYER - TAG<br />

In der riesigen Eingangshalle fällt Gosbert nicht auf.<br />

Er versucht sich schnell zu orientieren, entdeckt die Aufzüge<br />

und geht schnell darauf zu.<br />

30. INNEN - HOTEL ATLANT/FLUR IM 3. STOCKWERK - TAG<br />

Die Aufzugtüren öffnen sich, Gosbert tritt heraus. Er geht den<br />

Flur entlang und schaut auf die Zimmernummern.<br />

Vor 319 bleibt er stehen und lauscht. Er schaut sich um, zieht<br />

die Schlüsselkarte aus der Hosentasche und schiebt sie in das<br />

Schloß. Das Schloß schnappt auf. Gosbert tritt vorsichtig ein.<br />

31. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />

Gosbert schaut sich staunend um: unbenutztes Bett, Stereoanlage,<br />

Breitwandfernseher, Klimaanlage und ein großer Wandschrank.<br />

Er öffnet den Wandschrank. Bis auf einen Kaschmirmantel und<br />

einen pork pie Hut - wir erkennen sofort, daß es sich um<br />

Kellermanns Hut und Mantel handelt - scheint der Wandschrank<br />

leer zu sein.<br />

Gosbert stellt sich auf die Zehenspitzen, tastet die oberen<br />

Regale ab und zieht ein Schulterholster, in dem Maliqs Pistole<br />

steckt, hervor.<br />

Er zieht die Pistole aus dem Holster, wiegt sie prüfend in der<br />

Hand. Dann zielt er wahllos auf einige Gegenstände. Ein "Opfer"<br />

erweckt seine Aufmerksamkeit. Er geht zum Nachtisch und greift<br />

nach einem KLEINEN SCHWARZEN GEGENSTAND.<br />

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[Ein GERÄUSCH aus dem OFF.<br />

Gosbert dreht sich um. Sein Blick fällt auf eine angelehnte Tür.<br />

Gosbert zögert. Schließlich schleicht er darauf zu.<br />

Seine Hand greift nach der Türklinke ... da wird die Tür von<br />

innen aufgerissen. Gosbert weicht erschrocken zurück.<br />

Eine KLEINE PUTZFRAU mit Gummihandschuhen, Eimer und Wischer<br />

strahlt ihn an.<br />

KLEINE PUTZFRAU<br />

Gute Morge Chefä. Macht Lebe Spaß?<br />

Sie geht an Gosbert vorbei, schaut noch einmal zurück und<br />

verläßt das Zimmer.<br />

Gosbert betritt das Badezimmer.]<br />

32. [INNEN - ZIMMER 319/BADEZIMMER - TAG<br />

Gosbert steht staunend vor einer Badewanne, die das Ausmaß eines<br />

kleinen Pools hat.<br />

Er tritt vor einen großen Spiegel und betrachtet sein<br />

erbärmliches Äußeres. Er ist verschmutzt und derangiert. Er<br />

richtet wenigstens seine Krawatte und bemerkt, daß er noch immer<br />

den kleinen, schwarzen Gegenstand in seiner Hand hält.]<br />

Er öffnet seine Hand und blickt auf eine FUNKFERNBEDIENUNG mit<br />

einem BMW Logo.] Gosbert drückt ...<br />

33. INNEN - HOTEL ATLANT/GARAGE - TAG<br />

... Mit einem AUFLEUCHTEN DER BLINKER entriegelt sich die<br />

Zentralverriegelung des blutroten BMW, der mit der Schnauze nach<br />

vorn in einer Parkbucht steht.<br />

Gosbert steigt ein. Blick auf den Tacho: neuntausendfünfhundert<br />

Kilometer. Er steckt den Schlüssel ins Zündschloß. Mit beiden<br />

Händen greift er den Lenker. Weiter weiß er nicht.<br />

GOSBERT<br />

Kotz die Wand an!!!<br />

KLICK - Scheibenwischer gehen an.<br />

34. INNEN - "WELTENBUMMLER" - TAG<br />

KLICK - Der Funkenstarter verklemmt sich wieder.<br />

Abo kniet mit hochgekrempelten Armen und verschwitzt vor der<br />

Gasheizung. Er hat sie in ihre Einzelteile d.h. in ein völliges<br />

Chaos zerlegt. Sein Gesichtsausdruck vermittelt aber, daß er den<br />

Überblick hat und mit seiner Arbeit zufrieden ist.<br />

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Ein HANDY KLINGELT.<br />

Abo zieht wie Scottie von der Enterprise sein Handy aus seinem<br />

Arbeitsgürtel.<br />

ABO<br />

Camping bei Abogast junior.<br />

35. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />

Gosbert hat sich das Telefon unters Kinn geklemmt und zieht sich<br />

gerade aus.<br />

GOSBERT<br />

Komm mal schlapp trapp ins Hotel Atlant,<br />

Zimmer 319.<br />

36. INNEN - WOHNWAGEN, TYP “WELTENBUMMLER” - TAG<br />

ABO<br />

Du, aber ich reparier grad deine Heizung.<br />

37. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />

GOSBERT<br />

Laß das mit der Heizung und komm her,<br />

Mann.<br />

38. INNEN - WOHNWAGEN, TYP “WELTENBUMMLER” - TAG<br />

Abo weiß nicht so recht.<br />

[ABO<br />

Sind nur noch ein paar Schräubchen und du<br />

kannst das Ding wieder auf Sauna stellen.]<br />

39. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />

GOSBERT<br />

Wenn du in zwanzig Minuten hier bist, zahl<br />

ich dir 100 Mark für die Gasflasche.<br />

40. INNEN - WOHNWAGEN, TYP “WELTENBUMMLER” - TAG<br />

Ich komme.<br />

ABO<br />

Abo steckt das Handy ein und eilt aus dem Wohnwagen.<br />

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TRACK IN - GASHEIZUNG<br />

Wir HÖREN jetzt, wie das Gas aus der Heizung zischt.<br />

41. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />

Gosbert hüpft splitterfasernackt ins Badezimmer und springt in<br />

die Badewanne, in der sich ein riesiger Schaumberg auftürmt.<br />

42. INNEN - HOTEL ATLANT/FOYER - TAG<br />

Drakonin und Otranto betreten das Foyer. Drakonin trägt U-96<br />

unter seinem Arm. Otranto trägt eine große, vollgepackte<br />

Sporttasche, die er wie Obelix seinen Hinkelstein immer mit sich<br />

herumschleppt.<br />

Beide schauen sich staunend um<br />

DRAKONIN<br />

Germanykasch e Maliq ratunku.<br />

(Deutschland hat Maliq verändert.)<br />

Sie gehen zur Rezeption. Dort wird Rübenacker gerade von seinem<br />

Vorgesetzten zurechtgewiesen.<br />

Er geht davon.<br />

VORGESETZTER<br />

(zischt)<br />

Italienische Handarbeit. Sie werden den<br />

Zylinder ersetzen. Haben Sie mich<br />

verstanden?<br />

RÜBENACKER<br />

(gehorsam)<br />

Ich habe Sie verstanden Herr Gottswinter.<br />

VORGESETZTER<br />

Sie wischen jetzt hier Staub. Sonst machen<br />

Sie nichts!<br />

Drakonin und Otranto schauen Rübenacker erwartungsvoll an.<br />

DRAKONIN<br />

Herr Maliq bittää.<br />

Rübenacker schaut seinem Chef hinterher. Der ist schon zu weit<br />

weg. Zögerlich gibt Rübenacker den Namen in einen Computer ein<br />

und greift zum Telefon.<br />

43. INNEN - ZIMMER 319 - TAG<br />

Das Telefon KLINGELT auf dem Nachttisch.<br />

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44. INNEN - ZIMMER 319/BADEZIMMER - TAG<br />

LAUTE MUSIK aus einem Lautsprecher.<br />

Gosbert liegt in der Wanne und fühlt sich wie im Paradies.<br />

45. INNEN - HOTEL ATLANT/FOYER - TAG<br />

Rübenacker legt den Hörer auf und schüttelt den Kopf.<br />

RÜBENACKER<br />

Tut mir leid. Herr Maliq ist nicht auf<br />

seinem Zimmer.<br />

Drakonin und Otranto haben nicht verstanden.<br />

RÜBENACKER<br />

I am sorry. Mr. Maliq is not in his room.<br />

Drakonin und Otranto haben nicht verstanden.<br />

Rübenacker versucht sich auf Französisch, Spanisch, Schwedisch,<br />

Dänisch und Russisch verständlich zu machen.<br />

DRAKONIN<br />

Potzaue me dupasch! Tojest nietzsche<br />

klutsche Maliq?<br />

(Warum gibt er uns Maliqs Zimmernummer<br />

nicht?)<br />

OTRANTO<br />

Privo nietzsche Germanykasch<br />

(Ich spreche kein Deutsch.)<br />

RÜBENACKER<br />

Ich darf Ihnen nicht die Zimmernummer<br />

unserer Gäste geben. Äh ... Privo<br />

nietzsche klutsche.<br />

Bandriki?<br />

OTRANTO<br />

RÜBENACKER<br />

Nietzsche Bandriki. Bandrikisch gelernt<br />

... äh ... paderosch an scola publikasch<br />

... Volkshochschule. - Durika a<br />

Germanykasch?<br />

OTRANTO<br />

(freundlich)<br />

Zwei Tag.<br />

RÜBENACKER<br />

Sie sprechen schon sehr gut deutsch.<br />

Otranto schaut ihn fragend an. Er hat nichts verstanden.<br />

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DRAKONIN<br />

(streng)<br />

Klusche ta Maliq!!!<br />

RÜBENACKER<br />

Privo nietzsche klutsche.<br />

Drakonin fixiert Rübenacker bedrohlich. Dann zieht er einen<br />

Hundertmarkschein hervor und schiebt ihn Rübenacker zu.<br />

46. INNEN - HOTEL ATLANT/AUFZUG - TAG<br />

OTRANTOS FINGER drückt den KNOPF ZUM DRITTEN STOCK.<br />

Die Türen schließen sich. Da schlüpft in letzter Sekunde Abo mit<br />

hinein.<br />

Abo grüßt Drakonin und Otranto mit einem freundlichen Lächeln.<br />

Der Aufzug fährt nach oben. Die Männer schweigen sich an. Aus<br />

einem Lautsprecher rieselt MUSIK.<br />

Der Aufzug hält. Die Türen öffnen sich. Gosbert steigt ein. Er<br />

trägt den Kaschmirmantel, den pork pie Hut auf dem Kopf und den<br />

Aluminiumkoffer in der Hand.<br />

Abo staunt nicht schlecht. Gosbert sieht für ihn aus, wie ein<br />

amerikanischer Gangster.<br />

ABO<br />

Hast du hier übernachtet?<br />

GOSBERT<br />

(cool)<br />

`N Geschäft erledigt.<br />

[Gosbert drückt auf den Knopf zum Erdgeschoß.<br />

Die Türen schließen sich und der Aufzug fährt nach unten.<br />

DRAKONIN<br />

(überrascht)<br />

Zoi pragan daun?<br />

(Warum fahren wir nach unten?)<br />

Otranto drückt auf den Knopf zum dritten Stock.<br />

ABO<br />

Das war der dritte Stock.<br />

To ditsche?<br />

(Was sagt er?)<br />

DRAKONIN<br />

OTRANTO<br />

Privo nietzsche Germanykasch.<br />

(Ich spreche kein Deutsch.)<br />

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Was sagt er?<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Ich spreche kein Russisch.<br />

Der Aufzug hält ihm Erdgeschoß, die Tür geht auf. Drakonin und<br />

Otranto wollen aussteigen, doch Abo hält sie zurück.<br />

ABO<br />

(hilfsbereit)<br />

Das Erdgeschoß ...<br />

(er drückt auf den Knopf<br />

zum dritten Stock)<br />

Das dritter Stock.<br />

Otranto nickt ihm dankend zu.<br />

Abo und Gosbert steigen aus.]<br />

Gosbert wirft Abo den Autoschlüssel zu.<br />

47. AUSSEN/INNEN - BMW (IN BEWEGUNG) - TAG<br />

Spitze Wetter. Klarer Himmel, die Sonne scheint.<br />

Der knallrote BMW fährt in flottem Tempo durch die Straßen der<br />

Stadt.<br />

GOSBERT (OFF)<br />

(angespannt)<br />

Hey fahr nicht so schnell.<br />

Ich fahr zügig.<br />

ABO (OFF)<br />

Mit einer Hand am Lenkrad und der anderen an der Gangschaltung<br />

fährt Abo ziemlich souverän.<br />

ABO<br />

(schaut sich begeistert<br />

nach allen Seiten um)<br />

Echt! Ich müßte öfter mal `nen Ausflug in<br />

die Stadt machen.<br />

GOSBERT<br />

Mensch schau nach vorn.<br />

ABO<br />

Wo soll`s überhaupt hingehen.<br />

GOSBERT<br />

Zum Campingplatz. - Da verkauf ich das<br />

Protzmobil an Steinbach und kassier 5.000<br />

dafür.<br />

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Echt?!<br />

ABO<br />

[Plötzlich wird ihm klar, in was für einem Auto er sitzt.]<br />

48. [AUSSEN - STRASSE - TAG<br />

Abo macht eine Vollbremsung und springt aus dem Auto. LAUTES<br />

HUPEN anderer Autos, die jetzt überholen müssen.<br />

Gosbert steigt aus und rennt hinter Abo her.<br />

Er kriegt Abo zu fassen und nimmt ihn in den Schwitzkasten.<br />

ABO<br />

Ich krieg keine Luft. Laß mich los.<br />

Gosbert läßt ihn los. Abo schnappt nach Luft.<br />

ABO<br />

Bei so einem Scheiß sterben jedesmal<br />

Tausende von Gehirnzellen ab.<br />

Abo hustet. Sein Blick fällt auf den BMW.<br />

ABO<br />

(laut)<br />

Das ist ein geklautes Auto.<br />

GOSBERT<br />

Ja noch lauter. Damit es alle hören. -<br />

(schaut sich nach allen Seiten um)<br />

Was hast du denn gedacht, was das hier<br />

wird ... ‘ne Stadtrundfahrt.<br />

ABO<br />

‘<strong>Ne</strong> Stadtrundfahrt wär mir jetzt lieber.<br />

GOSBERT<br />

Dann siehs doch als Stadtrundfahrt.<br />

ABO<br />

Für ‘ne Stadtrundfahrt hab ich heute keine<br />

Zeit. Ich habe Termine. Ich muß noch mein<br />

Dach abdichten und den Fernseher<br />

reparieren.<br />

Abo schaut auf seine Armbanduhr und geht los. Gosbert folgt.<br />

GOSBERT<br />

Mensch wir fahren doch zum Campingplatz,<br />

da kannste dein Dach abdichten und die<br />

Glotze reparieren.<br />

ABO<br />

Ich steig da nicht mehr ein.<br />

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GOSBERT<br />

Ich mach das hier nur wegen dir. Hast du<br />

gehört?<br />

Abo bleibt stehen und schaut Gosbert fragend an.<br />

GOSBERT<br />

Seit Monaten kommst du mir mit: “Kannste<br />

bei Steinbach kein Wort für mich einlegen<br />

...” Und jetzt kneifste.<br />

ABO<br />

Aber auf so was muß ich mich doch<br />

vorbereiten. So seelisch vorbereiten.<br />

GOSBERT<br />

Wenn ich die Planung übernehme, mußt du<br />

dich auf gar nichts vorbereiten. Du mußt<br />

nur dieses Auto fahren.]<br />

49. INNEN - BMW (IN BEWEGUNG) - TAG<br />

[Abos Fahrstil hat sich vollkommen verändert. Er fährt ängstlich<br />

und übervorsichtig.<br />

GOSBERT<br />

Ich schulde dir doch noch Standgebühren.<br />

ABO<br />

2470 Mark plus Mehrwertsteuer.<br />

Gosbert ist überrascht über die Höhe seiner Schulden.<br />

GOSBERT<br />

Sagen wir, du kriegst erstmal 1000. OK?<br />

ABO<br />

Und die 100 für die Gasflasche.]<br />

Ein DUMPFES KLOPFEN ist aus dem OFF zu HÖREN. Gosbert und Abo<br />

reagieren panisch.<br />

GOSBERT<br />

Is das ‘n Motorschaden?<br />

ABO<br />

Der Motor ist vorne.<br />

[GOSBERT<br />

Du hast was überfahren.<br />

Hab ich nicht.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Na klar hast du was überfahren.<br />

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ABO<br />

Mensch, ich merk doch, wenn ich was<br />

überfahr.<br />

Da poltert der BMW über ein TIEFES SCHLAGLOCH hinweg. RUMS!!!<br />

Gosbert und Abo erschrecken, dann lauschen sie. Das DUMPFE<br />

KLOPFEN hat mit einem Schlag aufgehört.<br />

GOSBERT<br />

(besorgt)<br />

Hörst du noch was?]<br />

ABO<br />

<strong>Ne</strong>e. Vielleicht ist ein Radlager defekt?<br />

Meinste?<br />

GOSBERT<br />

ABO<br />

Ich reparier so was im Handumdrehn.<br />

50. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />

Der knallrote BMW fährt vor die Waschraumbaracken vor und hält.<br />

Gosbert und Abo steigen aus.<br />

[Abo geht prüfend um das Auto. Bleibt vor einem Hinterrad stehen<br />

und tritt prüfend mit dem Fuß dagegen. Da setzt das DUMPFE<br />

KLOPFEN wieder ein.<br />

Abo weicht überrascht zurück.]<br />

TRACK IN - Kofferraum.<br />

Angst und <strong>Ne</strong>ugierde läßt beide einen Moment verharren, dann geht<br />

Gosbert zum Kofferraum und öffnet vorsichtig den Deckel.<br />

Im Kofferraum liegt Kellermann. Geknebelt, eine Sonnenbrille auf<br />

der Nase, darunter Plaster über die Augen geklebt. Arme und<br />

Beine sind gefesselt.<br />

ABO<br />

Oh Gott, oh Gott, oh Gott. Weißt du, was<br />

das ist?!<br />

GOSBERT<br />

(unsicher)<br />

Na ja, ... was ist das wohl?<br />

ABO<br />

Das is ‘n Entführter.<br />

Darauf wäre Gosbert so schnell nicht gekommen.<br />

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GOSBERT<br />

(gespielte<br />

Selbstverständlichkeit)<br />

Klar ist das ein Entführter.<br />

Ein LAUTES KAVALLERIEANGRIFFSSIGNAL ist zu hören.<br />

GOSBERT<br />

Kotz die Wand an!!!<br />

Gosbert packt Kellermann unter den Armen und hebt ihn an. Er<br />

schaut auffordernd zu Abo. Abo versteht nicht.<br />

GOSBERT<br />

Mach schon, mach schon!!!<br />

Abo packt Kellermanns Beine und sie tragen ihn gemeinsam zum<br />

Waschraum für "Herren" und verschwinden darin.<br />

Keine Sekunde später braust der "American Cruiser" um die Ecke<br />

und bremst. Steinbach springt aus dem Auto und rennt zur<br />

Waschraumtür.<br />

51. INNEN - WASCHRAUM "HERREN" - TAG<br />

Der Waschraum ist ziemlich versifft und abbruchreif.<br />

Steinbach kommt zur Tür hereingestürzt, macht sich schon im<br />

Laufen den Hosenschlitz auf, erreicht ein Pissoir und pinkelt.<br />

Schweigen. Nur der URINSTRAHL ist zu HÖREN. Dann ein STÖHNEN VON<br />

KELLERMANN aus dem OFF.<br />

STEINBACH<br />

Hey Gosbert. Seilst du grad ein Ei ab?<br />

52. INNEN - WASCHRAUM “HERREN”/DUSCHKABINE - TAG<br />

Gosbert und Abo drücken Kellermann gegen die Wand. Kellermann<br />

windet sich hin und her ... und stöhnt.<br />

53. INNEN - WASCHRAUM “HERREN” - TAG<br />

Steinbach zieht den Hosenschlitz hoch, dreht sich herum und<br />

schaut zu den Duschkabinen.<br />

54. INNEN - WASCHRAUM “HERREN”/DUSCHKABINE - TAG<br />

Kellermann kann sich befreien, stürzt, fällt gegen den Duschkopf<br />

und rutscht an der Kachelwand besinnungslos zu Boden.<br />

Gleichzeitig springt die Dusche an.<br />

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55. INNEN - WASCHRAUM “HERREN” - TAG<br />

Gosbert und Abo stürzen aus der Duschkabine und stehen Steinbach<br />

gegenüber. Der mustert Gosbert und denkt sich einen<br />

Moment,“Gosbert ist doch nicht vom andren Ufer?”.<br />

STEINBACH<br />

(zu Gosberts Mantel)<br />

Feines Stöffchen. Wolltest wohl die<br />

Imprägnierung testen?<br />

GOSBERT<br />

Der ... der Warmwasserautomat ist kaputt.<br />

STEINBACH<br />

Soll ich mal nachschauen?<br />

GOSBERT<br />

<strong>Ne</strong>in, nein. Abo repariert so was im<br />

Handumdrehen.<br />

[STEINBACH<br />

Jungs. Ich hab ‘ne Klempnerlehre gemacht.<br />

Er schiebt die beiden zur Seite. Da stürmt Luboviski von draußen<br />

herein.<br />

LUBOVISKI<br />

Chef. Ich glaub ich werd verrückt. Ich hab<br />

da grad ‘nen Strauß gesehen.<br />

STEINBACH<br />

Du bist nicht verrückt. Du bist bekloppt.<br />

Das is kein Strauß. Das is `n Emu.<br />

GOSBERT<br />

Moment. Das ist ein Strauß. Bei ‘nem Emu<br />

sehen die Federn wie Haare aus.<br />

STEINBACH<br />

Ach komm mir jetzt nicht mit so einem<br />

Grzimek Geschwätz.] Rück mal lieber raus,<br />

was das für ein geiler BMW da draußen ist.<br />

56. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />

Gosbert, Abo und Luboviski hüpfen frierend von einem Bein aufs<br />

andere. Im HINTERGRUND ist der "Weltenbummler" zu sehen.<br />

Der BMW kommt angebraust und Steinbach steigt aus.<br />

Gosbert und Abo schauen erwartungsvoll zu Steinbach. Der nickt<br />

zufrieden. Gosbert nickt Abo zufrieden zu.<br />

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Steinbach holt ein Bündel Geldscheine hervor, zählt einige<br />

Scheine ab und reicht sie Gosbert. Gosbert sieht, daß es nur<br />

ZEHNMARKSCHEINE sind.<br />

STEINBACH<br />

Seit du in meinem Wohnwagen wohnst, hast<br />

du noch keine Miete bezahlt.<br />

GOSBERT<br />

Von Miete war doch noch nie die Rede.<br />

Sonst wär ich doch nicht aus meiner Bude<br />

ausgezogen.<br />

STEINBACH<br />

Gosbert, wir haben einen Handschlagvertrag<br />

geschlossen ...<br />

(er schaut in seine<br />

Handflächen)<br />

... und da steht, daß du mir jeden Monat<br />

500 Mark Miete zahlst.<br />

GOSBERT<br />

An den Handschlag kann ich mich nicht<br />

erinnern.<br />

STEINBACH<br />

Aber ich und das genügt. Du schuldest mir<br />

jetzt noch 7.000.<br />

GOSBERT<br />

Das kannste nicht machen.<br />

STEINBACH<br />

Gosbert, ich bin Geschäftsmann. Aber ich<br />

bin auch dein Freund.<br />

(zeigt auf das Geld)<br />

Das Geld da ist für ‘ne neue Gasflasche.<br />

GOSBERT<br />

(hilflos, mit<br />

verzweifeltem Lachen)<br />

Was soll ich mit ‘ner neuen Gasflasche,<br />

wenn die Heizung hinüber ist?<br />

ABO<br />

(vermittelt)<br />

Äh, ... die reparier ich dir heute noch im<br />

Handumdrehen fertig.<br />

57. INNEN - WOHNWAGEN, TYP "WELTENBUMMLER" - TAG<br />

TRACK IN - GASHEIZUNG<br />

Wir HÖREN wie das Gas aus der Heizung zischt. Dann löst sich der<br />

FUNKENSTARTER aus seiner Verklemmung. Er springt mit einem KLICK<br />

heraus, schlägt einen Funken und ...<br />

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58. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />

Ein LAUTER KNALL aus dem OFF, die DRUCKWELLE DER EXPLOSION<br />

zerzaust allen das Haar und fegt Gosbert den Hut vom Kopf.<br />

Ein erstarrter Blick von allen auf die Überreste des<br />

“Weltenbummlers”: Nur die Achse mit zwei Rädern steht noch da.<br />

Ein PFEIFEN ... die Gasflasche zischt vom Himmel und bleibt vor<br />

Steinbachs Füßen im Boden stecken.<br />

ABO<br />

Also ich geh jetzt mal. Ich muß noch mein<br />

Dach abdichten.<br />

Abo verdrückt sich feige Richtung Rezeptionsbaracke.<br />

Wutentbrannt will Gosbert Abo hinterher, doch er wird von<br />

Luboviski festgehalten.<br />

59. INNEN/AUSSEN - REZEPTIONSBARACKE - TAG<br />

Die Rezeptionsbaracke ist gleichzeitig Büro und Wohnbereich.<br />

Im Großen und Ganzen besitzt der Raum das geordnete Chaos eines<br />

Heimwerkers mir zwei linken Händen und ohne Wasserwaage, aber<br />

durchaus funktionstüchtig und mit einer gewissen Gemütlichkeit:<br />

Eine Empfangstheke, dahinter ein Schreibtisch. Eine Regalwand<br />

dient als Tante Emma Laden. Ein Ständer mit vergilbten<br />

Ansichtskarten.<br />

Der Wohnbereich ist mit einem geflickten Sofa ausgestattet, vor<br />

dem drei Fernseher übereinander stehen (der unterste hat eine<br />

gesprungene Mattscheibe). Daneben mehrere Videorekorder. Einige<br />

ohne Gehäuse, Kabel führen zu einem mit Gehäuse.<br />

Ein Kleiderschrank und ein Bett Marke Eigenbau. Die Küche<br />

besteht aus zwei Kochplatten, einem verrosteten Mikrowellenherd,<br />

einem Kühlschrank, der immer auf geht und einer Babywanne, die<br />

unter einem Wasserhahn steht.<br />

Abo kommt zur Glastür herein, verriegelt sie, dreht das Schild<br />

GESCHLOSSEN herum, läßt eine Jalousie herunter. Ja, Abo hat<br />

ziemlich Schiß.<br />

60. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />

Steinbach zieht sich seine Ringe von den Fingern der rechten<br />

Hand.<br />

STEINBACH<br />

Dieser Wohnwagen hat eine Überschwemmung<br />

am Gardasee überlebt, einen Waldbrand in<br />

Südfrankreich und den tödlichen Unfall<br />

meiner Eltern.<br />

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Er holt mit der Faust aus und trifft Gosbert auf die Augenbraue.<br />

Gosbert taumelt nach vorn. Luboviski hält ihn von hinten fest.<br />

Steinbach packt Gosbert an den Haaren, so daß er ihm ins Gesicht<br />

sehen muß.<br />

STEINBACH<br />

50.000 Schadenersatz will ich von dir<br />

haben. Kapiert. Plus die 7.000<br />

Mietschulden.<br />

Luboviski läßt Gosbert auf den Boden fallen.<br />

Steinbach steckt sich die Ringe wieder an den Finger.<br />

STEINBACH<br />

Solange du mir das Geld nicht bar auf den<br />

Tisch legst, arbeitest du jeden Dreck für<br />

mich. Und von deinem Kilimandscharo wirste<br />

nich mal mehr träumen, weil de zum Pennen<br />

keine Zeit mehr hast.<br />

[Da bemerkt einen Blutspritzer auf seinem Hemd, versucht ihn<br />

wegzuwischen und macht alles noch schlimmer.<br />

Mist.<br />

STEINBACH<br />

Gosbert lächelt.] Steinbach tritt ihm in den Bauch. Gosbert<br />

verliert das Bewußtsein.<br />

[Alles wird SCHWARZ. Gosbert HÖRT das GEBRÜLL DER ELEFANTEN UND<br />

LÖWEN, den HUFSCHLAG FLÜCHTENDER ANTILOPEN und die TROMMELN DER<br />

MASSAI.]<br />

61. INNEN - REZEPTIONSBARACKE - TAG<br />

[Gosbert reißt einen EISBEUTEL von seinem Gesicht und richtet<br />

sich auf. Er liegt auf dem Sofa. Daneben steht der<br />

Aluminiumkoffer auf dem Boden. Gegenüber läuft der Fernseher<br />

ohne Ton. “SCARFACE” von 1930/32.<br />

ABO (OFF)<br />

Ich mach dir grad ‘ne heiße Linsensuppe.<br />

Dann bist du gleich wieder auf’m Damm.]<br />

Abo steht am Herd und rührt in einer blubbernden LINSENDOSE<br />

herum. Die Linsensuppe spritzt schon nach allen Seiten heraus.<br />

ABO<br />

Steinbach ist ziemlich sauer auf dich,<br />

was?<br />

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GOSBERT<br />

(lügt)<br />

Letzte Woche hab ich ihm eins auf die Nase<br />

gegeben, weil er beim Pokern beschissen<br />

hat.<br />

Abo kommt zu Gosbert herüber und stellt ihm den Teller auf eine<br />

umgedrehte Weinkiste, die als Sofatisch dient.<br />

Er setzt sich dazu, glotzt auch und beginnt grierig die<br />

Linsensuppe aus der Büchse zu essen.<br />

Da bemerkt er, daß Gosbert seinen Teller nicht anrührt.<br />

Abo weiß es nicht.<br />

ABO<br />

Ich kann dir auch `n Kaffee kochen. Hab<br />

dir `n Pfund Kenjamischung gekauft.<br />

GOSBERT<br />

Vor der Mischung geröstet?<br />

Gosbert springt auf, [kickt mit dem Fuß gegen den<br />

Aluminiumkoffer, der rutscht über den Boden und knallt gegen die<br />

Wand. Im Innern werden die Sexartikel wieder lebendig.]<br />

GOSBERT<br />

Scheiße, wenn ich nicht bald nach Afrika<br />

komme. - Jermonins Einladung steht seit<br />

zwei Jahren.<br />

Gosbert betrachtet sich im Spiegel. Er sieht wieder genauso<br />

derangiert aus, wie im Spiegel von Zimmer 319 im Hotel Atlant.<br />

Er zieht sich einen Pullover über. Das fällt ihm schwer, weil er<br />

noch die Tritte von Steinbach spürt.<br />

ABO<br />

Du brauchst jetzt erst mal ne heiße<br />

Dusche. So ne heiße Dusche tut Wunder.<br />

GOSBERT<br />

(fällt etwas ein)<br />

Kotz die Wand an!!!<br />

Er rennt aus dem Zimmer. Der verwunderte Abo hinterher.<br />

62. INNEN - WASCHRAUM - TAG<br />

Gosbert reißt die Duschkabine auf und schaut zu Kellermann im<br />

OFF hinab. Hinter ihm erscheint Abo und erschrickt.<br />

Ist er tot?<br />

ABO<br />

Gosbert fühlt Kellermann den Puls und schüttelt den Kopf.<br />

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GOSBERT<br />

(schaut nachdenklich zu<br />

Kellermann)<br />

Im Leben haste nur eine Handvoll <strong>günstige</strong>r<br />

<strong>Gelegenheit</strong>en. Nur ‘ne Handvoll. Das hat<br />

Jeromin immer gesagt.<br />

Plötzlich packt er Kellermann unter den Armen und zieht ihn aus<br />

der Kabine. Er hat dabei ziemlich zu ackern. Er schafft es nicht<br />

allein. Er schaut zu Abo.<br />

GOSBERT<br />

Komm. Wir tragen ihn zu Jeromins LKW.<br />

Abo weiß nicht so recht.<br />

GOSBERT<br />

Sind wir Partner, oder was?<br />

ABO<br />

Echt?! - Du und ich. So richtige Partner?<br />

Klar Mann.<br />

GOSBERT<br />

Gosbert reicht ihm die Hand, Abo schlägt überglücklich ein.<br />

Oh Mann.<br />

Dann packt Abo eifrig mit an.<br />

ABO<br />

63. AUSSEN - HINTERHOF DES "GIRLIES" - TAG<br />

Die Polizei hat die Müllcontainer abgesperrt. Die<br />

Spurensicherung ist bei der Arbeit. Schaulustige stehen herum.<br />

Ein Kamerateam macht Aufnahmen. Prostituierte schauen aus den<br />

Fenstern und stehen auf den Balkonen.<br />

ZWEI MÜLLMÄNNER werden vor laufender Videokamera interviewt.<br />

Müllmann #1 starrt nur in die Kamera.<br />

MÜLLMANN #2<br />

Der Hans-Georg dachte zuerst, das is so<br />

ein Schweinkram. So ein aufblasbarer<br />

Schweinkram. Na Sie wissen schon, so<br />

Puppen. Na Sie wissen schon.<br />

64. INNEN - CARLOTTAS ZIMMER - TAG<br />

Katja Hellwein tritt vom Balkon ins Zimmer hinein. Sie geht zu<br />

Carlotta hinüber und hilft ihr, einen vollgepackten Rollkoffer<br />

zu schließen.<br />

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CARLOTTA<br />

Er sagt, mach dir keine Sorgen, Müllauto<br />

bringt Eimer weg und niemand findet toten<br />

Russen.<br />

KATJA<br />

Gosbert der Arsch. Mir hat er ‘ne<br />

Gleitcreme verkauft, die 1980 abgelaufen<br />

ist. Der Hautarzt hat mich in seine<br />

Fotosammlung aufgenommen und ich konnte<br />

zwei Monate nur blow-jobs übernehmen.<br />

Carlotta setzt sich aufs Bett und beginnt zu weinen. Katja setzt<br />

sich neben sie, nimmt sie mütterlich in den Arm und streicht ihr<br />

durchs Haar.<br />

KATJA<br />

Schätzelchen. Es ist doch nur so lange,<br />

bis Gras über die Sache gewachsen ist.<br />

Ein, zwei Monate, dann bist du wieder<br />

hier.<br />

Carlotta putzt sich ihre Nase. Sie steht auf, klemmt sich eine<br />

STOFFGIRAFFE unter den Arm, nimmt ihren Koffer und rollt ihn zur<br />

Tür.<br />

KATJA<br />

Es macht dir doch nichts aus, daß ich mich<br />

solange bei dir breit mache. Auf deinem<br />

Stock gibts mehr Geschäft.<br />

CARLOTTA<br />

OK. Aber sorge dich um Avokadoblume, OK?<br />

Großes Ehrenwort.<br />

KATJA<br />

CARLOTTA<br />

Jeden Tag vorsichtig mit Wasserpistole<br />

schießen.<br />

Ich schieße.<br />

KATJA<br />

Sie umarmen sich kurz. Carlotta verläßt das Zimmer.<br />

Katja schlendert zu einem kleinen Avokadopflänzchen, das auf der<br />

Fensterbank steht. Sie greift nach einer Schere und schneidet<br />

den Stengel in der Mitte durch.<br />

Peng!!!<br />

KATJA<br />

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65. INNEN - HOTEL ATLANT, ZIMMER 319 - TAG<br />

Rübenacker redet auf Drakonin und Otranto ein. Die beiden sitzen<br />

auf dem King Size Bett und zappen mit der Fernbedienung durch<br />

die Fernsehkanäle.<br />

RÜBENACKER<br />

Bitte verlassen Sie das Zimmer. Ja<br />

tomaijutsch ton Chef. Ja tomahluk in<br />

Teufels Küche.<br />

OTRANTO<br />

Teufels Küche?<br />

RÜBENACKER<br />

Drako gadetschie menü.<br />

OTRANTO<br />

(lachend zu Drakonin)<br />

Teufels Küche.<br />

Drakonin starrt auf den Fernseher.<br />

CU - FERNSEHBILD<br />

Maliqs Leiche wird von zwei Polizisten aus dem Müllcontainer<br />

gezogen.<br />

STIMME DES NACHRICHTENSPRECHERS (V.O.)<br />

Der sehr männliche Tote, der hier<br />

abtransportiert wird, ist vermutlich ein<br />

weiteres Opfer der Russenmafia. Über die<br />

Todesursache gibt es noch keine<br />

Verlautbarungen.<br />

Maliqs Leiche wird in ein Gebäude getragen. Ein SCHILD weist<br />

darauf hin, daß es sich um das GERICHTSMEDIZINISCHE INSTITUT<br />

handelt.<br />

STIMME DES NACHRICHTENSPRECHERS (V.O.)<br />

Nähere Hinweise erhoffen sich die Beamten<br />

des BKA von einer Obduktion der Leiche im<br />

gerichtsmedizinischen Institut.<br />

Maliq??<br />

OTRANTO<br />

Drakonin fixiert Rübenacker mit seinem Blick.<br />

To ditsche?<br />

Rübenacker rennt zur Tür.<br />

DRAKONIN<br />

Otranto springt vom Bett, packt Rübenacker und schlägt ihm die<br />

rettende Tür vor der Nase zu. Otranto zieht seine Pistole, hält<br />

sie an Rübenackers Genitalien und entsichert.<br />

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Teufels Küche.<br />

OTRANTO<br />

66. [AUSSEN/INNEN - GRÜNER PASSAT (IN BEWEGUNG) - TAG<br />

Sonnenuntergang.<br />

Rübernacker klammert sich mit beiden Händen an das Lenkrad,<br />

während Otranto auf dem Beifahrersitz den Stadtplan studiert.<br />

Drakonin ist auf dem Rücksitz eingenickt. <strong>Ne</strong>ben ihm U-96 und der<br />

Breitwandfernseher aus dem Hotel.]<br />

67. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - NACHT<br />

Ein eisiger Wind weht.<br />

Der LICHTKEGEL EINER TASCHENLAMPE tastet sich durch die<br />

Finsternis.<br />

GOSBERT<br />

Es sieht nun mal ziemlich scheiße aus,<br />

wenn ich als Entführer nicht den Namen<br />

meines Entführten kenne. Kapiert?<br />

Kapiert.<br />

ABO<br />

Der LICHTKEGEL erfaßt einen alten LKW, der mindestens schon ein<br />

halbes Jahrhundert auf dem Tacho hat. Auf die Seitenwand ist der<br />

KILIMANDSCHARO gemalt. Darüber steht:<br />

JEROMINS GEHEIMNISVOLLES AFRIKA<br />

Gosbert starrt für einige Sekunden auf den Kilimandscharo, dann<br />

zieht er sich einen Damenstrumpf über den Kopf und schaut mit<br />

einem “Du auch” zu Abo.<br />

Abo zieht sich einfach seine Wollmütze über das Gesicht, so daß<br />

nur noch seine Augen durch einen Schlitz zu sehen sind.<br />

Gosbert greift unter seinen Mantel und zieht Maliqs Pistole aus<br />

dem Schulterholster.<br />

Abo staunt nicht schlecht. Da bemerkt er, daß Gosberts Hände vor<br />

Angst zittern. Gosbert bemerkt, daß Abo das bemerkt hat. Gosbert<br />

verschränkt schnell seine Arme und lenkt vom Thema ab.<br />

GOSBERT<br />

Das ist ein scheiß kalter Winter, dieses<br />

Jahr.<br />

ABO<br />

Es soll noch kälter werden.<br />

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GOSBERT<br />

Noch kälter geht doch gar nicht.<br />

Liegt am Ozonloch.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

(betroffen)<br />

Mann, das ist Scheiße.<br />

Gosbert steckt sich zwei Kaugummis in den Mund und bietet Abo<br />

das Päckchen an. Abo nimmt erst einen Streifen, dann noch einen<br />

und steckt sie sich in den Mund. Beiden kauen. Dann:<br />

GOSBERT<br />

(macht sich Mut)<br />

Los gehn wir rein und tun unseren Job.<br />

Gosbert öffnet die Hecktür und klettert hinein. Abo folgt.<br />

68. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

EIN STREICHHOLZ ENTFLAMMT und ENTZÜNDET EINE PETROLIUMLAMPE, die<br />

nun von Gosbert durch den Raum getragen wird.<br />

Wir sehen, daß das Innere der Ladefläche ein Ausstellungsraum<br />

ist: Ein afrikanisches Sammelsurium an SPEEREN, MACHETEN, einem<br />

riesigen ELEFANTENTÖTER, bunt bemalten SCHILDERN, STOSSZÄHNEN,<br />

TIERFELLEN, darunter ein LÖWENFELL MIT KOPF, MASKEN,<br />

MUMIFIZIERTEN SCHÄDELN, SCHLANGEN, die in Formaldehyd eingelegt<br />

sind, und gerahmten FOTOS mit afrikanischen Landschaftsbildern,<br />

vor allem dem Kilimandscharo. In einer Ecke stehen ZWEI<br />

SCHAUFENSTERPUPPEN, die im Safari-Outfit im Stil von “Out of<br />

Africa” gekleidet sind. Als Krönung hängt ein ausgestopftes<br />

KROKODIL von der Decke.<br />

Gosbert hängt die Lampe an einem Deckenhaken auf und dreht sie<br />

weiter auf.<br />

Jetzt entdecken wir Kellermann im hinteren Teil der Ladefläche.<br />

Er sitzt gefesselt in einem ROLLSTUHL. Er trägt einen<br />

Rollkragenpullover, darüber einen Arbeitsoverall und die<br />

Sonnenbrille auf der Nase.<br />

(ANMERKUNG: wenn nicht anders erwähnt, trägt Kellermann die<br />

Sonnenbrille in jeder Szene)<br />

Trotz der Bewegungsunfähigkeit strahlt Kellermann eine<br />

unheimliche Bedrohung aus.<br />

Gosbert löst die Handfesseln und den Knebel. Dann nimmt er<br />

Kellermann die Sonnenbrille ab und zieht die Pflaster von den<br />

Augen.<br />

Kellermann blinzelt und muß seine Augen erst an die Helligkeit<br />

gewöhnen. Mit den Augen eines Tigers fixiert er Gosbert und<br />

durchschaut ihn sofort. Kontrolliert schwenkt er seinen Blick zu<br />

Abo. Abo tritt ängstlich einen Schritt zurück, aus dem<br />

Lichtkegel der Petroleumlampe.<br />

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Mit der Pistole im Anschlag reicht Gosbert Kellermann eine<br />

TAGESZEITUNG und weist ihn stumm an, sie in Brusthöhe vor sich<br />

zu halten. Gosbert gibt Abo ein Zeichen und tritt zur Seite.<br />

Abo reagiert nicht. Gosbert wiederholt sein Handzeichen und<br />

wirft Abo einen strengen Blick zu.<br />

Zögerlich tritt Abo vor, stellt sich vor Kellermann und schaut<br />

durch den Sucher einer Polaroidkamera. Er geht einen Schritt<br />

zurück. Entscheidet sich dann zwei Schritte vorzugehen. Dann<br />

drückt er auf den Auslöser.<br />

BLITZ<br />

Schweigen. Die Blicke der Männer auch von Kellermann richten<br />

sich auf die Polaroidkamera.<br />

Ein SURREN. Das Foto kommt aus der Kamera ... und fällt auf den<br />

Boden. Abo hebt es auf, fächelt es hin und her, hin und her, hin<br />

und her, reicht es dann Gosbert. Gosbert schaut sich das Foto<br />

an: Zu sehen ist nur die Zeitung und die Beine von Kellermann.<br />

BLITZ<br />

Gosbert stellt Kellermann einen KLAPPTISCH hin und legt das neue<br />

Foto drauf.<br />

Unterschreiben.<br />

GOSBERT<br />

Kellermann schaut Gosbert an. Gosbert will seinen Befehl<br />

wiederholen, doch dann beginnt er seine Tasche zu durchsuchen,<br />

zieht einen Kugelschreiber hervor, den er Kellermann reicht.<br />

Kellermann schaut sich das Foto wie ein Schriftstück an, das er<br />

erst einmal lesen muß, dann unterschreibt er.<br />

Gosbert greift sich Kugelschreiber und Foto.<br />

Abo versucht über Gosberts Schulter zu schielen, um die<br />

Unterschrift lesen zu können. Doch die Unterschrift ist<br />

vollkommen unleserlich. Enttäuscht der Blick von Abo.<br />

Plötzlich:<br />

TRACK IN - Gosbert<br />

TRACK IN - ABO<br />

KELLERMANN<br />

Mein Name ist Kellermann. Lorenz<br />

Kellermann.<br />

GOSBERT<br />

(überrascht)<br />

Kellermann.<br />

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TRACK IN - Kellermann<br />

ABO<br />

(wie eine Zauberformel)<br />

Kellermann.<br />

Das MAGAZIN rutscht aus dem Griff der Pistole und fällt LAUT auf<br />

den Tisch. Gosbert greift schnell danach, steckt das Magazin in<br />

den Griff und schiebt den Verschluß zurück. Eine PATRONE fliegt<br />

aus dem Auswurf und rollt auf dem Boden entlang.<br />

Gosbert richtet die Pistole auf Kellermanns Kopf.<br />

KELLERMANN<br />

Fakt 1: Ich habe Ihre Autorität als<br />

Entführer voll und ganz akzeptiert. Fakt<br />

2: Sie wollen ein Geschäft machen. Sie<br />

wollen Geld für mein Leben. Fakt 3: Ich<br />

will nicht mehr Zeit an diesem Ort<br />

verschwenden, als unbedingt notwendig.<br />

Meine Zeit besitzt eine gewisse<br />

Kostbarkeit. Um zum Kern meiner Aussage zu<br />

kommen: Sie können mit meiner Kooperation<br />

rechnen. Ich schlage deshalb vor, daß Sie<br />

sich augenblicklich mit meinem Bruder<br />

Hagen Kellermann in Verbindung setzen, um<br />

eine sofortige finanzielle Transaktion in<br />

die Wege zu leiten.<br />

GOSBERT<br />

(springt wütend auf)<br />

Sie schlagen gar nichts vor. Ich bestimme<br />

die Spielregeln. Kapiert?! Ich habe Sie<br />

entführt.<br />

Kellermann schaut Gosbert überlegen in die Augen.<br />

KELLERMANN<br />

Fakt 4: Sie haben meine Entführung<br />

übernommen.<br />

69. AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Gosbert schlägt die Hecktür zu und zieht die Strumpfmaske vom<br />

Kopf. Er ist von der Anspannung völlig aufgedreht.<br />

Er entfernt sich mit schnellem Schritt vom LKW und erreicht das<br />

Flußufer.<br />

Schweigend schaut er auf einen Schlepper, der vorbeifährt. Die<br />

Positionslichter spiegeln sich auf dem Wasser. Jemand auf dem<br />

Kahn spielt “Moonriver” auf dem Akkordeon. Gosbert fühlt sich<br />

ziemlich klein und möchte alles hinschmeißen.<br />

ABO (OFF)<br />

Im Fernsehn sagen die immer, daß Lorenz<br />

Kellermann in Geld schwimmt wie Dagobert<br />

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Duck. Das ist echt ‘ne richtig super große<br />

Nummer, was?<br />

Abo spricht das aus, was Gosbert denkt und wovor er Angst hat.<br />

Abo tritt von hinten neben Gosbert und schaut ihn strahlend vor<br />

Begeisterung an.<br />

ABO<br />

Echt. Ich hab da drin vor Angst fast einen<br />

Herzkasper gekriegt. Aber du warst cool.<br />

“Ich bestimm die Spielregeln”. Wie du dem<br />

die Meinung gesagt hast. Das hatte Klasse.<br />

Gosbert schaut ihn an und lächelt. Es ist ein Lächeln des<br />

Unglaubens über das, was er gerade gehört hat.<br />

ABO<br />

Der Kellermann ist aber auch ‘n ziemlich<br />

cooler Typ.<br />

Manager Training.<br />

Manager Training?<br />

GOSBERT<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Die trainieren ihre Entführung mit<br />

Psychologen und Einzelkämpfer Rambos.<br />

Echt?!<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

(beruhigt ihn)<br />

Alles nur show Mann. Nur show.<br />

(beruhigt sich)<br />

Der schafft mich nicht.<br />

70. INNEN - GERICHTSMEDIZINISCHES INSTITUT, PATHOLOGIE - NACHT<br />

Grelles <strong>Ne</strong>onlicht geht an. Drakonin, Otranto und Rübenacker<br />

werden von einem Mann in weißem Kittel hereingeführt. Er heißt<br />

DOBISCH.<br />

Dobisch taucht den LANGEN FINGERNAGEL seines kleinen Fingers in<br />

ein Tütchen Kokain, schnupft es durch die Nase und atmet einmal<br />

tief durch.<br />

Er führt die Gruppe an einem Seziertisch vorbei. Der Tisch ist<br />

blank geputzt, elektrische Sägen und Messer sind ordentlich<br />

aufgereiht.<br />

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DOBISCH<br />

(deutet auf den Tisch)<br />

Japanische Wertarbeit. Ergebnis einer<br />

Jahrhundertealten Tradition. Sie wissen<br />

doch – Japan – Land der Samurei, Ninjas,<br />

Thai Chi ...<br />

(singt)<br />

Everybody is Kungfu fighting...<br />

Dobisch geht im Rhythmus des Liedes, das er vor sich hin singt<br />

weiter. Die Gruppe bleibt vor einem Seziertisch stehen, auf dem<br />

eine zugedeckte Leiche liegt. Uns fällt sofort die Erhebung des<br />

Leichentuchs im Genitalbereich auf.<br />

Dobisch zieht das Leichentuch herunter. Drakonin und Otranto<br />

blicken auf den nackten Maliq hinunter.<br />

Rübenacker bekommt einen Würgereiz und atmet tief durch.<br />

DOBISCH<br />

Die Todesursache hat sich inzwischen<br />

geklärt. Der Mann ist während der<br />

Ejakulation an einem Hirnschlag gestorben.<br />

To ditsche?<br />

DRAKONIN<br />

RÜBENACKER<br />

Maliq zwa moszek klatsch retum<br />

ejakulatitsch.<br />

OTRANTO<br />

(beeindruckt)<br />

Retum ejakulatitsch.<br />

DRAKONIN<br />

Zoi panienka Maliq sexualitschnje?<br />

RÜBENACKER<br />

Mit welcher Frau hat Herr Maliq<br />

geschlafen?<br />

DOBISCH<br />

Was weiß ich. Irgend `ne Nutte aus dem<br />

Bahnhofsviertel.<br />

Konkobinika.<br />

RÜBENACKER<br />

DRAKONIN<br />

(kann es kaum glauben)<br />

Konkobinika.<br />

(resiginiert)<br />

Germanykasch e Maliq ratunku.<br />

Drakonin nimmt das Leichentuch und deckt Maliq zu. Gemeinsam mit<br />

Otranto hebt er ihn vom Tisch und sie tragen ihn Richtung Tür.<br />

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DOBISCH<br />

Moment mal. Wo wollen Sie mit dem hin?<br />

DRAKONIN<br />

Maliq jest paschak moja sistra.<br />

RÜBENACKER<br />

Maliq ist der Mann seiner Schwester. Das<br />

ist Familie.<br />

DOBISCH<br />

Jetzt mal langsam mit den jungen Pferden.<br />

Hier werden keine Familienmitglieder<br />

mitgenommen.<br />

RÜBENACKER<br />

(zu Drakonin)<br />

Nietzsche.<br />

DOBISCH<br />

Na, da müssen noch mehr Scheine für mich<br />

rausspringen,...<br />

(er spricht Drakonin<br />

direkt an und reibt seinen<br />

Zeigefinger am Daumen)<br />

...oder ist bei der russischen Mafia die<br />

Finanzkrise ausgebrochen.<br />

RÜBENACKER<br />

Die Herren sind Bandriken.<br />

Drakonin nickt Dobisch zu, daß er verstanden hat.<br />

DRAKONIN<br />

(zu Otranto)<br />

Nje puffki!<br />

(Nicht erschießen!)<br />

DOBISCH<br />

Ja. Nje puffki. Rück raus mit den Moneten.<br />

Otranto nickt und lächelt Dobisch an.<br />

Teufelsküche.<br />

KURZE ZEIT SPÄTER.<br />

OTRANTO<br />

(OFF) Das GERÄUSCH EINER ELEKTRISCHEN SÄGE. Das Geräusch wird<br />

ohrenbetäubend.<br />

Der ABGESCHNITTENE KOPF VON DOBISCH fällt in eine Leichentonne.<br />

Rübenacker übergibt sich in einem Waschbecken.<br />

Angsterfüllt registriert Rübenacker, wie Otranto sich ihm mit<br />

einer blutverschmierten Schürze nähert. Schnell schließt er in<br />

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Gedanken mit seinem Leben ab. Otranto stellt sich neben ihn und<br />

beginnt sich mit Seife die Hände zu waschen.<br />

OTRANTO<br />

Tojest ta natschwisko?<br />

RÜBENACKER<br />

Rübenacker. Georg Rübenacker.<br />

Otranto trocknet sich die Hände ab.<br />

OTRANTO<br />

Georg Rübenacker. Jest ta Otranto.<br />

Otranto zeigt zu Drakonin. Der ist im HINTERGRUND damit<br />

beschäftigt die restlichen Körperteile von Dobisch in eine<br />

Leichentonne zu werfen.<br />

Drakonin.<br />

OTRANTO<br />

Otranto streckt Rübenacker die Hand entgegen. Zögerlich schlägt<br />

Rübenacker ein und beginnt sie dann heftig zu schütteln.<br />

Rübenacker lacht und fühlt sich wie neu geboren.<br />

71. INNEN - REZEPTIONSBARACKE - NACHT<br />

Gosbert und Abo sitzen auf dem Sofa. Um sie herum liegen<br />

Zeitungen verstreut. Gosbert klebt eine “1” vor die sechs Nullen<br />

seines Erpresserbriefes.<br />

ABO<br />

(staunend)<br />

Eine Millionen Mark. [Das ist `ne Menge<br />

Butter auf`m Brot.]<br />

Gosbert schaut zufrieden auf den ausgeschnittenen Brief, der da<br />

lautet:<br />

Sehr geehrter Herr Kellermann,<br />

das Leben ihres Bruders ist in unserer<br />

Hand. Wenn Sie ihn lebend wiedersehen<br />

wollen, halten Sie eine Million DM bereit.<br />

Der LICHTKEGEL EINES AUTOS wandert über die Decke. LAUTES HUPEN.<br />

Gosbert und Abo springen erschrocken auf, beginnen panisch, die<br />

Zeitungen und Buchstaben unter dem Sofa, unterm Teppich usw. zu<br />

verstecken. LAUTES HUPEN. Die beiden eilen hinaus.<br />

72. AUSSEN - REZEPTIONSBARACKE - NACHT<br />

Gosbert und Abo stehen am Eingang und sehen wie ein Taxi<br />

davonfährt. Es hat Carlotta zurückgelassen, die mit<br />

schlotternden Knien, die Giraffe unter den Arm geklemmt, neben<br />

ihrem Koffer steht.<br />

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Hallo Gosbert.<br />

Die kennt dich.<br />

Kotz die Wand an!<br />

Du kennst sie?!<br />

CARLOTTA<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

ABO<br />

CARLOTTA<br />

Können wir nicht gehen, wo ist warm. OK?<br />

Wer ist das?<br />

Was willst Du?<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

73. INNEN - REZEPTIONSBARACKE - NACHT<br />

Carlotta drückt einen Toaster hinunter und wärmt sich die Hände.<br />

CARLOTTA<br />

Ich will das Geld. Geld, das ich dir<br />

gegeben habe.<br />

Welches Geld?<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

(zu Carlotta)<br />

Aber das ist nicht mehr dein Geld. Wir<br />

haben ein Geschäft gemacht.<br />

Welches Geschäft?<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

(verliert den Überblick)<br />

Abo, du siehst doch, daß ich mit ihr rede.<br />

Also halt dich da raus.<br />

(zu Carlotta)<br />

Geschäft ist Geschäft.<br />

CARLOTTA<br />

Das war schlechtes Geschäft. Polizeibullen<br />

haben gefunden toten Russen in Eimer.<br />

Gosbert ist geschockt.<br />

ABO<br />

Welchen toten Russen?<br />

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[CARLOTTA<br />

(zu Abo)<br />

Halt dich da raus. Du siehst doch, daß ich<br />

rede mit ihm.<br />

(sie zeigt auf Gosbert)<br />

ABO<br />

(macht auf coolen<br />

Gangster)<br />

Hey. So redest du nicht mit mir. So nich.<br />

CARLOTTA<br />

Ich reden so, wie Schnabel gewachsen. -<br />

Wer bist du überhaupt?<br />

ABO<br />

Ich bin sein Partner.<br />

CARLOTTA<br />

Uhhh!!! Jetzt hab ich viel Angst.<br />

Abo gehen die Argumente aus, erschaut hilfesuchend zu Gosbert.<br />

Gosbert.]<br />

ABO<br />

Gosbert geht zur Tür. Abo eilt ihm hinterher.<br />

ABO<br />

Gosbert, wo gehst du hin?<br />

Ich muß mal.<br />

GOSBERT<br />

CARLOTTA (OFF)<br />

Ja, wo ist Badezimmer?<br />

Gosbert und Abo drehen sich zu Carlotta herum. Sie hat ihren<br />

Koffer auf Abos Bett gelegt und ist gerade dabei auszupacken.<br />

CARLOTTA<br />

Ich bleiben hier, bis du mir gibst Geld.<br />

74. AUSSEN - REZEPTIONSBARACKE - NACHT<br />

Hinter Carlotta fällt krachend die Tür ins Schloß. Sie stößt<br />

wilde Flüche in spanischer Sprache aus.<br />

Schließlich nimmt sie ihren Koffer in die Hand und geht davon.<br />

Die Rollen des Koffers QUIETSCHEN laut.<br />

Es ist unheimlich dunkel um sie herum. Carlotta spürt, daß etwas<br />

nicht stimmt. Sie bleibt stehen, lauscht und HÖRT SCHRITTE. Sie<br />

dreht sich wütend herum und erblickt ein SCHWARZES UNGETÜM MIT<br />

EINEM LANGEN HALS. Carlotta schreit auf und rennt mit ihrem<br />

Koffer davon. Das Ungetüm folgt.<br />

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Carlotta rennt ziellos über das Campingplatzgelände und steht<br />

plötzlich vor Jeromins LKW. Sie übergibt den Koffer seinem<br />

Schicksal, die Giraffe umklammert sie fest. Sie versucht die<br />

Fahrertür zu öffnen. Sie ist abgeschlossen. Schließlich klettert<br />

sie über das Fahrerhaus auf das Dach und beginnt laut zu<br />

schreien.<br />

Gosbert und Abo kommen angerannt.<br />

GOSBERT<br />

Komm sofort da runter.<br />

Los runter.<br />

ABO<br />

CARLOTTA<br />

Bin ich verrückt? Großes Monster ...<br />

ABO<br />

Oh Mann, das is ‘n Emu.<br />

GOSBERT<br />

Das is `n Strauß! - Komm jetzt da runter.<br />

<strong>Ne</strong>in.<br />

CARLOTTA<br />

ABO<br />

(zu Gosbert)<br />

Willst du der mit deiner Knarre nicht<br />

Beine machen?<br />

Gosbert ist überrascht über Abos Bemerkung, geht jedoch nicht<br />

auf seinen Vorschlag ein.<br />

Gosbert beginnt, über das Führerhaus auf das Dach zu klettern.<br />

Plötzlich hört er aus dem OFF GLASSPLITTERN und einen SCHREI.<br />

Als Gosbert auf das Dach blickt, ist Carlotta verschwunden.<br />

Gosbert geht zu einer eingebrochenen Dachluke, schaut hinab und<br />

sieht, daß Carlotta auf Kellermanns Schoß gelandet ist.<br />

GOSBERT (OFF)<br />

Kotz die Wand an!!!<br />

75. AUSSEN - GERICHTSMEDIZINISCHES INSTITUT - NACHT<br />

Drakonin und Otranto legen den toten Maliq in den Kofferraum<br />

eines PKW.<br />

Sie schauen zu Rübenacker und warten darauf, daß er den<br />

Kofferraumdeckel zuschlägt.<br />

RÜBENACKER<br />

(hält sich die Nase zu)<br />

In walitschka Maliq smellumpje.<br />

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Drakonin und Otranto schauen sich an - Das ist ein Problem.<br />

AGGRESSIVES HUPEN aus dem OFF. Ein LANGNESE EISWAGEN donnert<br />

ziemlich knapp an ihnen vorbei, so daß Rübenacker zur Seite<br />

springen muß.<br />

RÜBENACKER<br />

(flucht)<br />

Potzaue me dupasch!!!<br />

Rübenacker schaut dem Eiswagen hinterher und hat eine Idee.<br />

76. AUSSEN - STRASSE - NACHT<br />

Drakonin und Otranto schwingen einen SCHREIENDEN MANN hin und<br />

her, ...<br />

DRAKONIN UND OTRANTO<br />

(zählen)<br />

Jednas, dwasch, ... tris-datsch.<br />

... werfen ihn dann über eine Mauer.<br />

Wir HÖREN das LAUTE BRÜLLEN EINES LÖWEN auf der anderen Seite.<br />

Die beiden Männer steigen in den Langnese Eiswagen. Am Steuer<br />

sitzt Rübenacker.<br />

Der Eiswagen fährt ziemlich ruckartig an, weil Rübenacker mit<br />

der Kupplung nicht zurecht kommt. Er gibt den Blick auf ein<br />

Wegweiserschild frei: ZOOLOGISCHER GARTEN - 100 METER<br />

HAUPTEINGANG.<br />

DRAKONIN (OFF)<br />

Nu suchowa Konkobinika.<br />

(Wir müssen die Protituierte finden)<br />

Tadruck.<br />

Dschedai.<br />

OTRANTO (OFF)<br />

RÜBENACKER (OFF)<br />

77. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Carlotta sitzt geknebelt und gefesselt neben Kellermann.<br />

Kellermann registriert trotz seiner “Blindheit” aufmerksam, was<br />

um ihn herum passiert und gesprochen wird. Gosbert beugt sich zu<br />

ihr.<br />

GOSBERT<br />

(cool)<br />

Fakt 1: Ich habe ziemlich viel Zeit und<br />

Geld in die Planung dieser Entführung<br />

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gesteckt habe. Fakt 2: Ich habe nicht das<br />

geringste Interesse, daß mir jemand wie du<br />

das Unternehmen in Gefahr bringt. Hast du<br />

die Faktlage kapiert?<br />

Carlotta wirft ihm einen haßerfüllten Blick zu und nickt.<br />

Abo tippt Gosbert auf die Schulter.<br />

Abo will etwas sagen.<br />

ABO<br />

(mit Blick auf eine<br />

Gasheizung)<br />

Wir sollten vielleicht die Gasheizung<br />

anschmeißen.<br />

GOSBERT<br />

Die Heizung ist kaputt.<br />

GOSBERT<br />

<strong>Ne</strong>in, du wirst sie nicht im Handumdrehen<br />

reparieren.<br />

Gosberts Blick fällt auf Carlotta. Er greift zu einer Decke und<br />

legt sie über ihre Schulter.<br />

Abo unterbricht und reicht Gosbert das Polaroidfoto.<br />

ABO<br />

(drängt)<br />

In `ner halben Stunde wird der Briefkasten<br />

geleert.<br />

Gosbert wird ein wenig von Abos Tempo überfahren.<br />

Er holt seinen Erpresserbrief aus der Manteltasche, nimmt das<br />

Polaroidfoto und steckt es mit in den Umschlag.<br />

Dann drückt er Abo die Pistole in die Hand.<br />

Abo ist glücklich über das Vertrauen, das Gosbert ihm<br />

entgegenbringt.<br />

GOSBERT<br />

Und denk dran. Das ist eine Nutte. Der<br />

kannst du nicht über'n Weg trauen.<br />

ABO<br />

Geht klar - Partner.<br />

Gosbert verläßt den LKW.<br />

[Abo geht stolz mit der Pistole in der Hand herum und betrachtet<br />

sich die Ausstellungsgegenstände. Eine MACHETE erweckt seine<br />

Aufmerksamkeit. Sie ist schief an der Wand befestig. Abo<br />

versucht sie gerade zu rücken. RUMS! Sie fällt auf den Boden.<br />

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Betreten dreht sich Abo herum und bemerkt, daß Carlotta und der<br />

“blinde” Kellermann ihn beobachten.]<br />

78. AUSSEN - STRASSE - NACHT<br />

Gosbert steht vor einem Briefkasten. Er holt den Brief aus der<br />

Manteltasche. Zögert. Wenn er eingeworfen ist, gibts kein Zurück<br />

mehr. Gosbert schaut sich nach allen Seiten um. Zögert.<br />

Da biegt in weiter Entfernung ein Auto um die Ecke und kommt in<br />

schnellem Tempo näher. Jetzt wird Gosbert vom ABBLENDLICHT<br />

erfaßt. Der Wagen macht vor ihm eine Vollbremsung. Vom Licht<br />

geblendet, kann er nicht erkennen, was abgeht. JEMAND steigt aus<br />

dem Auto. Wir HÖREN amerikanische Countrymusik aus der<br />

Stereoanlage.<br />

Jetzt hat Gosbert kapiert. Schnell wirft er den Brief in den<br />

Briefkasten. Da wird er auch schon von Luboviski gepackt.<br />

LUBOVISKI<br />

Hopp, hopp jetzt wird nich gepennt, jetzt<br />

wird gearbeitet. Steinbach will deine<br />

Fresse sehn.<br />

Luboviski öffnet den Kofferraum, wirft Gosbert hinein und<br />

schlägt den Deckel zu.<br />

79. AUSSEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

SONNENAUFGANG.<br />

CARLOTTA (V.O.)<br />

Hmmm, Hmmm, Hmmm.<br />

80. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Abo geht nervös auf und ab und schaut zu Carlotta, die auf ihrem<br />

Stuhl ungeduldig hin- und herrutscht.<br />

81. INNEN - WASCHRAUM "HERREN" - MORGEN<br />

Carlotta streckt Abo ihre gefesselten Hände entgegen. Abo<br />

zögert, dann löst er die Fesseln. Carlotta verschwindet in der<br />

Toilette, schlägt die Tür hinter sich zu und schließt ab.<br />

Abo wartet. Er HÖRT einen WASSERHAHN tropfen. Er geht zu einem<br />

Waschbecken und beginnt den HAHN mit einer ZANGE zu bearbeiten.<br />

Die LAUTE KLOSPÜLUNG ist zu HÖREN. Abo flitzt zur Toilettentür.<br />

Das Türschloß dreht von Rot zu Grün. Carlotta kommt aber nicht<br />

heraus.<br />

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Abo klopft. Keine Reaktion. Abo drückt die Klinke und öffnet die<br />

Tür einen Spalt weit. Von Carlotta ist nichts zu sehen. Abo<br />

öffnet die Tür ganz ... Zu spät sieht er Carlotta hinter der Tür<br />

stehen. Schon trifft ihn der Keramikdeckel der Wasserspülung auf<br />

den Kopf und zerbricht in zwei Hälften. Abo geht zu Boden.<br />

Carlotta steigt über ihn hinweg und rennt zur Tür hinaus.<br />

82. AUSSEN - WASCHRAUM "HERREN" - MORGEN<br />

Carlotta rennt direkt in die Arme ZWEIER POLIZISTEN.<br />

Hoppla.<br />

CU - Carlotta erstarrt.<br />

POLIZIST #1<br />

Ein WÜTENDER AUFSCHREI aus dem Waschraum. Abo kommt<br />

wutschnaubend herausgerannt ...<br />

CU - Abo erstarrt.<br />

83. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />

CU - Gosbert erstarrt.<br />

Der völlig geräderte Gosbert starrt zur Rezeptionsbaracke. Die<br />

ist wie ein Kartenhaus zusammengefallen. Dahinter stehen nur<br />

noch die Waschbaracken.<br />

Gosbert rennt auf das Campingplatzgelände.<br />

Als er an einem Busch vorbeikommt, scheucht er den Vogelstrauß<br />

auf, der ihm verwundert hinterherblickt.<br />

Wir blicken von oben hinab und sehen, wie Gosbert den Platz<br />

erreicht, wo gestern noch der Jeromin LKW gestanden hat. Jetzt<br />

sind nur noch die Reifenspuren und eine offene Grasnarbe zu<br />

sehen.<br />

Geschockt und erschöpft hockt sich Gosbert auf den Boden.<br />

Ein METALLISCHES QUIETSCHEN ist aus dem OFF zu HÖREN.<br />

Gosbert sieht zu einem SCHAUKELGESTELL. Die verrostete Schaukel<br />

bewegt sich im Wind. Daneben steht Abo.<br />

84. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AN DER SCHAUKEL - TAG<br />

Abo hält einen Müllsack in der Hand und sammelt mit einer<br />

Müllzange, die Blätter vom Boden auf.<br />

GOSBERT (OFF)<br />

Verflucht noch mal, wo ist der LKW?<br />

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Gosbert steht vor Abo. Abo dreht sich weg.<br />

ABO<br />

(zu sich)<br />

Die Blätter verschandeln meinen ganzen<br />

Campingplatz.<br />

Gosbert reißt Abo die Tüte aus der Hand. Abo greift die<br />

Müllzange wie einen Baseballschläger und bedroht Gosbert damit.<br />

ABO<br />

Ich muß die Blätter einsammeln, sonst<br />

kommen im Sommer keine Gäste.<br />

Wo ist der LKW?<br />

GOSBERT<br />

Gosbert packt Abo am Arm und reißt ihm die Müllzange aus der<br />

Hand. Jetzt bedroht er Abo damit.<br />

GOSBERT<br />

Wo ist der scheiß LKW?<br />

ABO<br />

Die Stadt hat mich gepfändet. Die haben<br />

alles mitgenommen ... sogar mein Handy.<br />

... Und ihr scheiß Transporter rammt auch<br />

noch mein Haus. Einfach mal so, beim<br />

Rückwärtsfahren. - Bloß weil ich die Pacht<br />

nicht mehr bezahlen kann.<br />

Gosbert reicht Abo die Müllzange zurück.<br />

85. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AN DER SCHAUKEL - WENIG SPÄTER<br />

Gosbert und Abo sitzen wie zwei Kinder nebeneinander auf<br />

Schaukeln, trudeln ein wenig hin und her und blicken auf den<br />

Fluß.<br />

ABO<br />

Mein Papa hat den Pachtvertrag an dem Tag<br />

unterschrieben, an dem meine Mama mich<br />

geboren hat. Irgendwie krieg ich`s nicht<br />

hin, seit ich das hier allein machen muß.<br />

Abo schaut zu Gosbert. Der schweigt vor sich hin.<br />

Wo bist du gewesen?<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Ich hab die ganze Nacht in den Sexshops<br />

vom Steinbach die Kabinen geputzt.<br />

ABO<br />

Der läßt dich so einen Scheiß machen?<br />

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Gosbert antwortet nicht.<br />

ABO<br />

Er ist doch dein Partner?<br />

GOSBERT<br />

Komm. Löcher mich nicht mit deinen Fragen,<br />

ja.<br />

Schweigen. Der Vogelstrauß tapst an ihnen vorbei. Gosbert schaut<br />

ihm sehnsüchtig hinterher.<br />

Abo beobachtet Gosbert, der in seinem übermüdeten Zustand<br />

ziemlich alt aussieht.<br />

Gosbert bemerkt, daß er von Abo beobachtet wird. Er steht auf.<br />

GOSBERT<br />

Sag mal, warum haben die dich eigentlich<br />

nicht eingebuchtet?<br />

ABO<br />

Warum sollen die mich in den Knast<br />

stecken, die haben mich doch gepfändet.<br />

GOSBERT<br />

Na wegen Kellermann.<br />

ABO<br />

<strong>Ne</strong>e. In den LKW haben die nicht<br />

reingeguckt.<br />

GOSBERT<br />

Moment mal. Kellermann ist im LKW und die<br />

Polizei hat keine Ahnung?<br />

ABO<br />

Ja. Die haben den nur zu Röchels Garage<br />

abgeschleppt.<br />

Gosbert bekommt wieder Oberwasser.<br />

[GOSBERT<br />

Du Idiot! Das erzählst du erst jetzt?<br />

ABO<br />

Du hast mich ja nicht gefragt.]<br />

86. INNEN - WASCHRAUM "HERREN" - TAG<br />

Gosbert und Abo stehen am Pissoir und pinkeln.<br />

ABO<br />

Du und ich, wir schaffen das zu zweit.<br />

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GOSBERT<br />

Du klaust den LKW. Ich mach die Schranke<br />

auf. Und wer soll Röchel ablenken?<br />

Abo weiß keine Antwort.<br />

Na also.<br />

GOSBERT<br />

Beide betätigen synchron die Wasserspülung und gehen zu den<br />

Toilettenkabinen.<br />

Abo öffnet eine Toilettentür.<br />

Carlotta sitzt wie eine Mumie gefesselt und geknebelt auf dem<br />

Klo.<br />

GOSBERT<br />

Nich schlecht Abo.<br />

Gell.<br />

(stolz)<br />

ABO<br />

Gosbert beugt sich zu Carlotta vor.<br />

GOSBERT<br />

(in kameradschaftlichem<br />

Ton)<br />

Hör zu. Ich binde dich sofort los. Und ich<br />

verspreche dir, daß du deine 5.000 Mark<br />

bekommst, wenn du uns bei einem kleinen<br />

Job behilflich bist. Du mußt nur mit dem<br />

Kopf nicken.<br />

Carlotta antwortet - wenn Blicke töten könnten.<br />

Gosbert will die Tür wieder schließen, da antwortet Carlotta mit<br />

heftigem Kopfnicken.<br />

Gosbert löst Carlotta die Fesseln und hilft ihr auf die Beine.<br />

Sie verlassen die Kabine.<br />

Carlotta stellt sich vor Abo hin und tritt ihm mit dem Knie in<br />

die Eier. Abo geht in die Knie. Carlotta dreht sich zu Gosbert<br />

herum, der mit beiden Händen seine Eier schützt.<br />

CARLOTTA<br />

Was ist kleiner Job?<br />

87. [AUSSEN - RÖCHELS GARAGE - NACHT<br />

Wir blicken auf “Röchels Garage” hinunter. Es handelt sich um<br />

eine Autoreparaturwerkstatt. Dahinter erstreckt sich ein großer<br />

eingezäunter Parkplatz, auf dem gelbe Abschleppwagen und<br />

Gebrauchtwagen stehen.<br />

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Wir nähern uns der gegenüberliegenden Straßenseite. Dort stehen<br />

Gosbert, Abo und Carlotta im Windschatten.<br />

Carlotta trägt Gosberts Kaschmirmantel. Während Gosbert und Abo<br />

nervös sind, ist Carlotta völlig cool.<br />

GOSBERT<br />

Du mußt sie lediglich 5 Minuten ablenken.<br />

Um den Rest kümmern wir uns.<br />

CARLOTTA<br />

OK. Wieviele Menschen?<br />

GOSBERT<br />

Um diese Zeit höchstens zwei oder drei.<br />

Kriegst du das hin?<br />

Ohne zu antworten, geht Carlotta los und überquert die Straße.<br />

Gosbert und Abo beobachten, wie sie das Gebäude betritt.]<br />

88. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />

Eine große, ziemlich schmuddelige Reparaturwerkstatt.<br />

Carlotta steht an der Tür und wird von ACHTZEHN MÄNNERN<br />

angestarrt, die eben noch auf zwei Körbe Basketball gespielt<br />

haben.<br />

89. [AUSSEN - RÖCHELS GARAGE - NACHT<br />

Gosbert geht los. Abo zögert. Gosbert dreht sich zu ihm herum.<br />

Los komm.<br />

GOSBERT<br />

Abo folgt. Sie überqueren die Straße.]<br />

90. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />

Carlotta geht selbstbewußt auf die Männer zu.<br />

91. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />

Gosbert und Abo laufen in die Einfahrt zum Hinterhof hinein und<br />

passieren eine SCHWERE EISENSCHRANKE.<br />

92. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />

Carlotta wird von den achtzehn Männern umringt.<br />

Ein BASKETBALL hüpft auf Carlotta zu. Sie stoppt ihn geschickt<br />

mit ihrem Fuß.<br />

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Wo ist Röchel?<br />

CARLOTTA<br />

Die Männer machen eine Gasse frei. Sie führt zu einem<br />

Schreibtisch, an dem ein Mann mit dem Umfang einer Tonne sitzt<br />

und gerade dabei ist, sich das dickste Brötchen der Welt zu<br />

belegen. Er heißt ALFRED RÖCHEL.<br />

Röchel starrt Carlotta mit offenem Mund an und röchelt.<br />

93. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />

Gosbert und Abo erreichen den LKW. Gosbert öffnet die Hecktür<br />

und schaut hinein.<br />

94. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Kellermann sitzt gefesselt im Rollstuhl.<br />

95. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />

Zufrieden schließt Gosbert die Tür und macht Abo ein OK-Zeichen.<br />

Dann rennt Gosbert Richtung rückwärtigem Werkstatteingang.<br />

96. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />

Carlotta nähert sich Röchel und bleibt vor dem Schreibtisch<br />

stehen.<br />

Röchel starrt.<br />

Carlotta wirft Röchel einen verliebten Blick zu und stellt sich<br />

in Pose.<br />

CARLOTTA<br />

Ich bin dein Geburtstagsgeschenk.<br />

Sie knöpft den Mantel auf und läßt ihn heruntergleiten. Darunter<br />

ist sie lediglich mit einem ziemlich aufreizenden Dessous<br />

bekleidet.<br />

Röchel starrt.<br />

CARLOTTAS HAND legt eine MUSIKKASSETTE in einen<br />

KASSETTENRECORDER ein und drückt auf START. Die LICHTATHMOSPHÄRE<br />

verändert sich. Carlotta beginnt, begleitet von einem ganzen<br />

Orchester aus dem OFF, eine EROTISCHE SÜDAMERIKANISCHE<br />

TANZNUMMER, die die Blicke der neunzehn Männer in ihren Bann<br />

zieht.<br />

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97. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Abo sitzt am Steuer des LKW und steckt den Schlüssel ins<br />

Zündschloß, dann wartet er und schaut zur geschlossenen<br />

Eisenschranke.<br />

98. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />

Gosbert schleicht durch die Hintertür herein. Fasziniert<br />

beobachtet er Carlotta bei ihrem Tanz. Sie sieht einfach klasse<br />

aus. Da bemerkt er, daß Röchel noch hinter seinem Schreibtisch<br />

sitzt.<br />

Gosbert gibt Carlotta ein Zeichen.<br />

Carlotta tanzt zu Röchel und lockt ihn ... Röchel starrt ...<br />

Carlotta lockt ... Röchel wuchtet sich aus seinem Stuhl und<br />

beginnt mit Carlotta zu tanzen.<br />

Gosbert eilt zum Schreibtisch, drückt auf einen Knopf<br />

99. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Abo sieht, daß die Schranke sich öffnet und startet den Motor.<br />

100. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />

Das MOTORGERÄUSCH löst sämtliche ALARMANLAGEN aus:<br />

Wie bei einem Luftangriff beginnt eine SIRENE ZU HEULEN.<br />

SCHEINWERFER gehen an und erleuchten den ganzen Hinterhof.<br />

Die Schranke geht wieder zu.<br />

101. INNEN - WERKSTATTHALLE - NACHT<br />

Die Männer schrecken aus ihrer “Trance” auf, drehen sich herum<br />

und entdecken Gosbert. Gosbert flitzt wie der Blitz aus der<br />

Halle.<br />

102. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />

Gosbert rennt auf Jeromins LKW zu, erreicht ihn und reißt die<br />

Beifahrertür auf.<br />

103. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Gosbert sieht, daß Abo auf dem Beifahrersitz hockt.<br />

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Fahr du.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Rutsch rüber. Mach schon.<br />

Gosbert versucht Abo auf den anderen Sitz zu drücken,<br />

vergeblich.<br />

Ein Blick nach draußen: Die achtzehn Männer kommen aus der<br />

Werkstatt gelaufen und nähern sich dem LKW. Als Schlußlicht<br />

röchelt Röchel hinterher.<br />

GOSBERT<br />

Ich kann kein Auto fahren!<br />

Abo ist völlig perplex.<br />

Los jetzt fahr.<br />

GOSBERT<br />

Abo rutscht auf den Fahrersitz und will losfahren.<br />

Doch da stellen sich ihnen die achtzehn Männer in den Weg.<br />

Abo schaut hilfesuchend zu Gosbert.<br />

Rückwärtsgang.<br />

GOSBERT<br />

Abo wirft den Rückwärtsgang ein und tritt aufs Gaspendal. Ab<br />

gehts.<br />

104. INNEN - JEROMINS LKW/LADEFLÄCHE - NACHT<br />

Kellermann im Rollstuhl rollt rückwärts und knallt gegen die<br />

Wand.<br />

105. AUSSEN - HINTERHOF - NACHT<br />

Die achtzehn Männer beobachten gespannt, wie der Jeromin LKW<br />

rückwärts auf eine Holzwand zufährt.<br />

106. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW/FAHRERKABINE - NACHT<br />

Abo sieht im Rückspiegel die Holzwand näherkommen.<br />

Scheiße!!!<br />

GOSBERT UND ABO<br />

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107. AUSSEN - STRASSE VOR "RÖCHELS GARAGE" - NACHT<br />

Der LKW durchbricht von hinten das WERBEPLAKAT EINER<br />

VERSICHERUNGSFIRMA und erreicht die Straße.<br />

108. INNEN - JEROMINS LKW/LADEFLÄCHE - NACHT<br />

Kellermann kippt mit seinem Rollstuhl um.<br />

109. AUSSEN - STRASSE VOR "RÖCHELS GARAGE" - NACHT<br />

Abo legt wieder den Vorwärtsgang ein, rast los und macht eine<br />

Vollbremsung vor dem Eingang zur Werkstatt.<br />

110. [INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW/FAHRERKABINE - NACHT<br />

Gosbert und Abo schauen zum Eingang der Werkstatt. Keine<br />

Carlotta.<br />

Abo schaut in den Rückspiegel und sieht, wie sich die achtzehn<br />

Männer und Röchel von hinten nähern.<br />

Abo will aufs Gaspedal drücken. Schaut zu Gosbert und wartet auf<br />

dessen Anweisung.<br />

Gosbert schaut zum Werkstatteingang. Keine Carlotta.<br />

Blick in den Rückspiegel. Nur noch wenige Meter, dann haben die<br />

Schnellsten den LKW erreicht.<br />

Ein flehendet Blick von Abo zu Gosbert - Laß uns doch endlich<br />

abhauen.]<br />

111. AUSSEN - STRASSE VOR “RÖCHELS GARAGE” - NACHT<br />

Carlotta kommt mit dem Mantel in der Hand aus der Werkstatt<br />

gelaufen und rennt zum LKW.<br />

112. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW/FAHRERKABINE - NACHT<br />

Gosbert öffnet die Tür. Carlotta klettert hinein und setzt sich<br />

auf Gosberts Schoß. Abo gibt Gas.<br />

In der Euphorie des Sieges beginnen sie zu jubeln.<br />

113. AUSSEN - STRASSE VOR “RÖCHELS GARAGE” - NACHT<br />

Der jubelnde Jeromin LKW rast davon. Die achtzehn Männer geben<br />

die Verfolgung auf.<br />

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Röchel bahnt sich seinen Weg durch die Gruppe und schaut dem LKW<br />

hinterher. Er ist ziemlich aus der Puste und muß von zwei<br />

Männern gestützt werden.<br />

RÖCHEL<br />

Mensch. Ich hab heut gar keinen<br />

Geburtstag.<br />

114. AUSSEN/INNEN - JEROMINS LKW (IN BEWEGUNG) - NACHT<br />

Der LKW fährt durch die nächtlichen Straßen.<br />

[Carlotta sitzt in ihrer spärlichen Bekleidung auf Gosberts<br />

Schoß, rutscht hin und her, um sich den Mantel anzuziehen. Das<br />

irritiert Gosbert gewaltig.]<br />

Schließlich rutscht sie von Gosberts Schoß, so daß sie sich<br />

jetzt den Beifahrersitz teilen.<br />

CARLOTTA<br />

So. Jetzt gibst du mir Geld.<br />

Hmm?<br />

GOSBERT<br />

CARLOTTA<br />

Du hast versprochen.<br />

115. AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Der LKW macht mitten auf der Straße eine Vollbremsung. Carlotta<br />

steigt mit wilden spanischen Verwünschungen aus. Gosbert folgt.<br />

GOSBERT<br />

Natürlich hab ich’s versprochen. Ich hab<br />

aber nicht versprochen, daß du das Geld<br />

sofort bekommst.<br />

Carlotta rüttelt an der verschlossenen Hecktür.<br />

GOSBERT<br />

Ich muß auch auf mein Geld warten.<br />

CARLOTTA<br />

Ich will mein Koffer.<br />

GOSBERT<br />

Frag Abo. Der muß auch auf sein Geld<br />

warten.<br />

CARLOTTA<br />

Gib mir Koffer!!!<br />

Gosbert öffnet die Hecktür, klettert hinein und reicht ihr den<br />

Koffer raus.<br />

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Meine Giraffe!!!<br />

Gosbert verschwindet im Inneren.<br />

CARLOTTA<br />

Die Giraffe kommt Carlotta entgegengeflohen.<br />

Carlotta klemmt sich ihre Giraffe unter den Arm, zieht den<br />

quietschenden Koffer hinter sich her und geht davon.<br />

Gosbert klettert von der Ladefläche und schaut ihr hinterher.<br />

Dann schlägt er wütend die Hecktür zu.<br />

116. [INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW (IN BEWEGUNG) - NACHT<br />

Gosbert steckt sich zwei Kaugummistreifen in den Mund und bietet<br />

Abo das Päckchen an. Der lehnt kopfschüttelnd ab.<br />

Gosbert schaut irritiert zu Abo, der stur auf die Straße starrt.<br />

GOSBERT<br />

Du bist grad so gesprächig. Was is’n los?<br />

Ach nichts.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Läuft dir irgend `ne Laus über die Leber?<br />

<strong>Ne</strong>e.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Das mit dem Autofahren. ... Hast du<br />

gewußt, daß Al Capone kein Auto fahren<br />

konnte. - Der hatte einen Chauffeur mit<br />

Uniform und Mütze. Al saß gemütlich mit<br />

`ner dicken Havanna auf`m Rücksitz und<br />

ließ sich die Finger maniküren.<br />

Gosbert schaut zu Abo, um sich zu vergewissern, ob ihm die<br />

Begründung imponiert hat.<br />

Es hat nicht ganz gereicht. Abo schaut noch immer geknickt<br />

drein.<br />

GOSBERT<br />

Ach übrigens, du darfst deine Skier nicht<br />

vergessen, wenn wir nach Afrika gehn.<br />

Völlig überrascht schaut Abo zu Gosbert.<br />

GOSBERT<br />

Na, wir sind doch Partner. Oder willste<br />

nicht mit?<br />

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Klar will ich mit.<br />

Abo strahlt wieder, doch plötzlich kommt ihm ein Gedanke, der<br />

sein ganzes Glück wieder zerstören könnte.<br />

ABO<br />

ABO<br />

Wo solls denn da in Afrika Schnee zum<br />

Skifahren geben?<br />

GOSBERT<br />

Na auf’m Kilimandscharo.<br />

Du verarscht mich.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

Der ist fast 6.000 Meter hoch. Jeromin<br />

fährt jedes Wochende Ski.<br />

Abos Bedenken sind verschwunden. Sein Glück ist vollkommen.<br />

Gosbert reicht ihm die Kaugummis. Diesmal greift Abo zu.<br />

GOSBERT<br />

Einer ist zuwenig. Wenn de richtig kauen<br />

willst, brauchste zwei.<br />

Abo greift noch einmal zu und schaut sich Gosbert genau an.<br />

ABO<br />

Wo is’n dein Mantel?<br />

Gosbert realisiert, daß er keinen Mantel trägt.<br />

GOSBERT<br />

Kotz die Wand an!!!]<br />

117. AUSSEN - WINZIGE KNEIPE IM BORDELLVIERTEL - NACHT<br />

Carlotta in Gosberts Mantel betritt mit ihrem quietschenden<br />

Koffer und ihrer Giraffe unterm Arm die Kneipe.<br />

Wir sehen durch das Außenfenster, wie sich Carlotta ihren Weg<br />

durch die Kneipe bahnt, dabei wütend einige Gäste auffordert,<br />

ihr gefälligst Platz zu machen. Schließlich setzt sie sich zu<br />

Katja an einen Fenstertisch. Mit heftiger Gestik beginnt<br />

Carlotta sofort ihr Herz auszuschütten. Wir brauchen nichts zu<br />

verstehen, weil wir schon alles wissen.<br />

118. INNEN - WINZIGE KNEIPE IM BORDELLVIERTEL - NACHT<br />

Im HINTERGRUND Blick durch das Fenster auf die Straße hinaus.<br />

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Im Folgenden sehen wir im HINTERGRUND, wie der Langnese Eiswagen<br />

mit einem Ruck zum Stehen kommt. Drakonin, Otranto und<br />

Rübenacker steigen aus. Alle drei lutschen genüßlich ein Eis.<br />

Otranto schaut interessiert durch das Fenster in die Kneipe<br />

hinein. Drakonin ruft ihn zurück. Sie überqueren die Straße und<br />

betreten ein Bordell.<br />

Im VORDERGRUND staunt Katja nicht schlecht, was Carlotta ihr<br />

erzählt hat.<br />

KATJA<br />

Dagobert Duck. - Das ist eine Nummer zu<br />

groß für ihn.<br />

[(ins OFF)<br />

Hey Schätzelchen. Zwei Eros Ramazotti mit<br />

Eis und Zitrone.<br />

(wieder zu Carlotta)]<br />

Laß dir eins gesagt sein, Schätzelchen.<br />

Frauen sind von Geburt an klug. Männer<br />

müssen Bücher lesen.<br />

CARLOTTA<br />

Dieser Gosbert hat kein Buch gelesen.<br />

Zwei Ramazottis werden von einer MÄNNLICHEN BEDIENUNG auf den<br />

Tisch gestellt.<br />

Sie stoßen an - PLING<br />

KATJA<br />

Und deshalb werden wir ihm sein Süppchen<br />

versalzen.<br />

119. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

[PLOCK - LINSENSUPPE rutscht als gefrorener Klotz aus der Büchse<br />

auf einen Teller, der zerbricht.<br />

Abo, der die Büchse in der Hand hält schaut zu Kellermann, der<br />

ohne Knebel im Rollstuhl sitzt und Löffel und Teller in den<br />

Händen hält.<br />

Ein Blick zur Heizung und dann ein bittender Blick zu Gosbert.<br />

GOSBERT<br />

Du näherst dich dieser Heizung keinen<br />

Millimeter.<br />

Abo steckt den Linsensuppeneisklotz wieder in die Büchse.]<br />

ABO<br />

Ob der Brief schon angekommen ist?<br />

Gosbert zuckt mit den Schultern.<br />

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GOSBERT<br />

Ich laß den Bruder sowieso noch ein paar<br />

Tage zappeln. Die Zeit ist auf unserer<br />

Seite.<br />

ABO<br />

Das wird `ne ziemlich kalte Zeit werden.<br />

KELLERMANN<br />

Fakt ist: Die Zeit ist nicht auf ihrer<br />

Seite. Daß der LKW gepfändet wurde, ist<br />

sicher nicht ihr Plan gewesen. Schon jetzt<br />

kann die Polizei auf ihrer Spur sein.<br />

Abo schaut erschrocken zu Gosbert - “Er hat recht.”<br />

Gosbert weiß das auch, will es aber nicht zugeben.<br />

KELLERMANN<br />

Entschuldigen Sie meinen Einwurf. - Als<br />

ich Ihnen vorschlug, sich mit meinem<br />

Bruder in Verbindung zu setzen, ging ich<br />

davon aus, daß Sie den Umgang mit einem<br />

Telefon gewohnt sind.<br />

Abo schaut fragend zu Gosbert. Mehr um sich vor Abo zu<br />

rechtfertigen:<br />

GOSBERT<br />

Fakt ist, daß man bei einer Entführung<br />

immer zuerst einen Brief schreibt!<br />

KELLERMANN<br />

Aber als “Profi” müssen Sie doch bereit<br />

sein zu improvisieren. Besonders bei<br />

solchen Temperaturen.<br />

Abo überzeugt diese Antwort. Er schaut fragend zu Gosbert und<br />

erwartet eine Reaktion.<br />

Gosbert nimmt Kellermann Löffel und Teller aus der Hand und<br />

beginnt Kellermanns Hände wieder an den Rollstuhl zu fesseln.<br />

Gosbert sagt nichts.<br />

KELLERMANN<br />

Ich biete Ihnen folgenden Zeitplan an: Es<br />

dauert drei bis vier Stunden bis das Geld<br />

bei der Bank bereit liegt. Eine Stunde<br />

später halten Sie es in Ihren Händen. Wenn<br />

Sie mich jetzt mit meinem Bruder<br />

telefonieren lassen.<br />

[ABO<br />

Warum läßt du ihn denn nicht telefonieren?<br />

GOSBERT<br />

Wenn der "jetzt" sagt, passiert gar<br />

nichts. Überhaupt nichts. Willste wissen,<br />

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wann was passiert? Wenn ich "jetzt" sage.<br />

Ich.]<br />

120. [AUSSEN - EINFAHRT ZUM CAMPINGPLATZ - NACHT<br />

Einige Minuten später.<br />

Gosbert steht an einer Telefonzelle. Er dreht sich nach allen<br />

Seiten um und gibt dann ein Zeichen ins OFF.<br />

Jetzt!!!<br />

GOSBERT<br />

Abo kommt mit Kellermann im Rollstuhl aus der Einfahrt hinaus<br />

und schiebt ihn zur Telefonzelle.<br />

Gemeinsam heben sie Kellermann aus dem Rollstuhl und bugsieren<br />

ihn in die Zelle.<br />

121. INNEN/AUSSEN - TELEFONZELLE - NACHT<br />

Gosbert nimmt den Hörer ab und wirft Münzen ein.<br />

Welche Nummer?<br />

GOSBERT<br />

KELLERMANN<br />

Wie spät ist es?<br />

Abo guckt auf seine Armbanduhr.<br />

Viertel nach zwei.<br />

Am Nachmittag?<br />

In der Nacht.<br />

ABO<br />

KELLERMANN<br />

GOSBERT<br />

KELLERMANN<br />

Dann hat es keinen Zweck. Um diese Zeit<br />

läßt sich Hagen von niemandem mehr stören.<br />

GOSBERT<br />

Er wird sich stören lassen. Die Nummer !!!<br />

KELLERMANN<br />

Vier - sieben - eins - acht - acht - fünf<br />

- neun - sieben.<br />

Gosbert wählt und wartet ... wartet ... wartet.<br />

ABO<br />

Vielleicht holt er sich gar Zigaretten?<br />

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Gosbert hängt ein.<br />

KELLERMANN<br />

Hagen ist Nichtraucher.<br />

ABO<br />

Vielleicht hockt er auf dem Klo.<br />

KELLERMANN<br />

Glauben Sie mir. Ich kenne meinen Bruder<br />

ganz genau.<br />

GOSBERT<br />

Was soll das werden? Wir latschen hier her<br />

und Ihnen fällt ein, daß ihr Bruder um<br />

viertel nach zwei keinen Bock hat ans<br />

Telefon zu gehen.<br />

KELLERMANN<br />

Glauben Sie mir, mir macht das auch keinen<br />

Spaß.]<br />

122. [AUSSEN - CAMPINGPLATZ - NACHT<br />

Gosbert und Abo schieben gemeinsam Kellermann über das Gelände.]<br />

KELLERMANN<br />

Ich schlage vor, Sie melden sich morgen<br />

gegen zehn Uhr vormittag im Büro meines<br />

Bruders. Wie hoch ist ihre Geldforderung?<br />

- Eine Million?<br />

ABO<br />

(flüstert Gosbert zu)<br />

Woher weiß der das?<br />

KELLERMANN<br />

Menschen Ihrer Herkunft denken immer im<br />

Rahmen einer Million. Alles was darüber<br />

hinausgeht, ist zu abstrakt für sie.<br />

GOSBERT<br />

(trotzig)<br />

Pustekuchen. Wir verlangen fünf Millionen.<br />

Echt?!<br />

(staunt)<br />

ABO<br />

KELLERMANN<br />

Das erhöht natürlich den Zeitfaktor.<br />

Stellt aber ansonsten kein Problem dar. -<br />

Haben Sie sich mal überlegt, sich das Geld<br />

in Euro auszahlen zu lassen?<br />

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Abo schaut interessiert zu Gosbert. Der hat sich das noch nicht<br />

überlegt.<br />

Ein QUIETSCHEN ist zu HÖREN. Gosbert und Abo trauen ihren Ohren<br />

nicht. Da werden sie auch schon von Carlotta überholt.<br />

CARLOTTA<br />

(im vorbeigehen)<br />

OK. Ich bleibe hier, bis du Geld hast und<br />

mir gibst 5.000 Mark.<br />

123. INNEN - "GIRLIES"/ZIMMER #1 (MONTAGE) - NACHT<br />

Korrespondiert mit der Montage von BILD 17ff.<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker stehen im Türrahmen. Rübenacker<br />

zeigt ein Foto von Maliq.<br />

RÜBENACKER<br />

Jambo. Mama Tembo toto surugali?<br />

Die WOHLBELEIBTE AFRIKANERIN knallt ihnen die Tür vor der Nase<br />

zu.<br />

124. INNEN - “GIRLIES”/ZIMMER #2 - NACHT<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker stehen im Türrahmen. Rübenacker<br />

zeigt das Foto von Maliq hebt.<br />

RÜBENACKER<br />

Ni hau. Wo yau diän-tang.<br />

ZWEI SCHNATTERNDE CHINESINNEN MIT PAMELA ANDERSON PERÜCKE<br />

knallen ihnen die Tür vor der Nase zu.<br />

125. INNEN - "GIRLIES"/FLUR - NACHT<br />

[Drakonin, Otranto und Rübenacker wird die Tür vor der Nase<br />

zugeschlagen.<br />

Unentschlossen müde und erschöpft bleiben sie stehen.<br />

WEIBLICHE STIMME (OFF)<br />

Heiße Würste und kalte Getränke machen<br />

müde Männer wieder munter.<br />

Rübenacker und Otranto drehen sich herum.] Vor ihnen steht ein<br />

abgetakeltes Muttchen Mitte sechzig, die einen Rollwagen vor<br />

sich herschiebt. Sie heißt KUNIGUNDE.<br />

Die hungrigen Männer bedienen sich und lassen es sich schmecken.<br />

KUNIGUNDE<br />

Woher kommt ihr Jungs.<br />

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RÜBENACKER<br />

(mit vollem Mund)<br />

Die Herren kommen aus Bandrikistan.<br />

KUNIGUNDE<br />

Na hoffentlich sind deine Freunde nicht<br />

abergläubisch. Dem letzten Bandriken, dem<br />

ich eine Wurst verkauft habe, der ist kurz<br />

darauf von Carlotta Valdez totgebumst<br />

worden.<br />

Rübenacker verschluckt sich, hustet.<br />

126. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Im OFF PFEIFT ein eisig kalter WIND.<br />

Ein weißes Laken trennt den vorderen Bereich der Ladefläche vom<br />

hinteren, d.h. Männlein von Weiblein.<br />

Gosbert beobachtet den Schattenriß von Carlotta, die sich gerade<br />

umzieht.<br />

Abo bemerkt, welche Stielaugen Gosbert bekommt.<br />

ABO<br />

(flüstert)<br />

`<strong>Ne</strong>r Nutte kannste nicht über`n Weg traun.<br />

GOSBERT<br />

(flüstert)<br />

Wer sagt das?<br />

(flüstert)<br />

Du hast das gesagt.<br />

ABO<br />

GOSBERT<br />

(flüstert)<br />

Quatsch mir nicht immer alles nach. Is ja<br />

wie ein Echo, Mann.<br />

Gute Nacht.<br />

CARLOTTA (OFF)<br />

GOSBERT UND ABO<br />

(ertappt)<br />

Gute Nacht.<br />

Gosbert und Abo legen sich schnell auf ihr Tierfellbetten und<br />

decken sich zu.<br />

Carlotta bettet sich mit ihrer Giraffe auf das Löwenfell mit<br />

Kopf. Sie kann nicht schlafen, starrt vor sich hin und lauscht<br />

dem Wind.<br />

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Auch Gosbert starrt vor sich hin und hört plötzlich ein<br />

SCHNARCHEN. Er richtet sich auf. Abo ist schon eingeschlafen und<br />

schnarcht.<br />

Gosbert schaut hinüber zu Kellermann.<br />

Er schläft nicht, sondern sitz aufrecht in seinem Rollstuhl und<br />

scheint ihn bedrohlich wie ein Tiger zu beobachten.<br />

Gosbert legt sich wieder hin und schaut auf ein<br />

SCHWARZWEISSFOTO: Im HINTERGRUND ist der Kilimandscharo zu<br />

sehen. Im VORDERGRUND posiert Jeromin wie Ernest Hemingway.<br />

[Statt einer Flinte trägt er Skier und Skistöcke über der<br />

Schulter.<br />

Entfernt HÖREN wir das GEBRÜLL DER ELEFANTEN UND LÖWEN, den<br />

HUFSCHLAG FLÜCHTENDER ANTILOPEN und die TROMMELN DER MASSAI.]<br />

127. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Wie ein Ertrinkender, der nach Luft schnappt, fährt Gosbert<br />

erschrocken aus dem Schlaf. Er zittert vor Kälte. <strong>Ne</strong>ben ihm<br />

schnarcht Abo tief und fest.<br />

[Durch die in typischer Abo Manier reparierte Dachluke dringt<br />

das Licht des Morgens.<br />

Gosbert schaut zu Kellermann, der, den Kopf auf die Schulter<br />

gestützt, im Sitzen schläft.<br />

Gosbert steht auf, schiebt das weiße Laken einen Spalt zur Seite<br />

und sieht, daß das Löwenfell leer ist. Carlotta ist weg. Gosbert<br />

ist enttäuscht.]<br />

128. AUSSEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

CU - GOSBERT. Das grelle Tageslicht blendet seine Augen.<br />

Schlaftrunken klettert er aus dem LKW.<br />

Zu seiner Überraschung entdeckt er Carlotta. Sie sitzt auf einem<br />

verrosteten Campingstuhl. Vor ihr brennt ein wärmendes<br />

Grillfeuer. <strong>Ne</strong>ben ihr hockt der Vogelstrauß.<br />

Gosbert beobachtet Carlotta, bis sie sich zu ihm umdreht.<br />

Guten Morgen.<br />

Morgen.<br />

CARLOTTA<br />

GOSBERT<br />

Carlotta nimmt eine zerbeulte Kanne vom Feuer und gießt eine<br />

dampfende Flüssigkeit in eine Blechtasse. Sie streckt Gosbert<br />

die Tasse entgegen.<br />

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Gosbert kommt heran und nimmt die Tasse, verbrennt sich beinah<br />

die Finger.<br />

GOSBERT<br />

Huu! Ist das heiß!<br />

Heißer Kaffee.<br />

Gosbert riecht daran, zögert.<br />

Trink.<br />

CARLOTTA<br />

CARLOTTA<br />

Gosbert nippt, verzieht das Gesicht, als ob er einen Schnaps<br />

getrunken hat und schnappt nach Luft.<br />

GOSBERT<br />

Wow. Das is ‘ne Bohne.<br />

CARLOTTA<br />

Guter Kaffee ist wie heiße Liebe.<br />

Sie schaut ihn herausfordernd an.<br />

Gosbert weicht dem Blick aus und probiert noch einen Schluck.<br />

GOSBERT<br />

Leicht süßliches Aroma. Jamaica Blue<br />

Montain. Wächst auf Hochlagen von 500 bis<br />

1000 Metern und verträgt eine höhere<br />

Dosierung.<br />

CARLOTTA<br />

Du kennst dich aus mit Kaffee.<br />

GOSBERT<br />

Jeromin, das ist der, dem der LKW gehört,<br />

der baut auf seiner Farm in Afrika Kaffee<br />

an.<br />

Gosbert trinkt und beginnt von Afrika zu träumen.<br />

GOSBERT<br />

Wenn du auf seiner Veranda stehst, kannst<br />

du sehen, wie der Kilimandscharo mehrmals<br />

am Tag sein Aussehen verändert. Manchmal<br />

scheint er ganz nah und dann wieder weit,<br />

weit entfernt. Abends, wenn es dunkel<br />

wird, ist ein silberner Strich um die<br />

Silhouette des dunklen Berges gezogen. Und<br />

dann wenn es ganz dunkel is, siehst du nur<br />

noch den weißen Schnee im Mondlicht<br />

glänzen.<br />

Carlotta hat ihm aufmerksam zugehört. Sie erkennt, daß Gosbert<br />

ein romantischer Träumer ist. Das gefällt ihr.<br />

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CARLOTTA<br />

Du bist schon dort gewesen in Afrika?<br />

GOSBERT<br />

(schüttelt den Kopf)<br />

Jeromin hat mir tausend Mal davon erzählt.<br />

Hier ...<br />

(er tippt sich an den<br />

Kopf)<br />

... weiß ich genau wie es in Afrika<br />

aussieht.<br />

CARLOTTA<br />

Nix hier ...<br />

(sie tippt sich an den<br />

Kopf)<br />

Hier ...<br />

(sie berührt ihr Herz)<br />

ABO (OFF)<br />

Oh Mann. Der scheißt für zwei.<br />

Der Vogelstrauß springt auf und geht beleidigt davon.<br />

Abo wischt sich einen Schuh im Gras ab. Er wirft einen<br />

eifersüchtigen Blick auf die traute Zweisamkeit zwischen Gosbert<br />

und Carlotta.<br />

ABO<br />

(schaut demonstrativ auf<br />

die Uhr)<br />

Wollen wir nicht so langsam telefonieren<br />

gehen. Oder haste vergessen, daß wir hier<br />

‘ne Entführung durchziehen?<br />

Gosbert geht zu Abo, drückt ihm die Tasse in die Hand und<br />

klettert in den LKW hinein. Abo trinkt und spuckt gleich wieder<br />

aus.<br />

129. AUSSEN/INNEN - TELEFONZELLE - TAG<br />

Gosbert, Abo, Carlotta und der “blinde” Kellermann stehen<br />

eingezwängt in der Zelle. <strong>Ne</strong>ben der Zelle steht der Rollstuhl.<br />

Gosbert wählt und hält sich den Hörer ans Ohr. Abo und Carlotta<br />

beugen sich zum Hörer vor, um mitzubekommen, was am anderen Ende<br />

gesprochen wird.<br />

[RUFZEICHEN. JEMAND MELDET SICH.<br />

WARTESCHLEIFENMUSIK.<br />

WEIBLICHE STIMME (OFF)<br />

“Kellermann”... Unsere Leitungen sind<br />

momentan alle besetzt. Gedulden Sie sich<br />

einen Augenblick.<br />

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Gespanntes Warten.<br />

Die weibliche Stimme wiederholt ihre Ansage, dann setzt wieder<br />

WARTESCHLEIFENMUSIK ein.<br />

Ungeduldiges Warten. Dann:<br />

Gosbert zögert.<br />

ANDERE WEIBLICHE STIMME (OFF)<br />

“Kellermann” ... Was kann ich für Sie tun?<br />

KELLERMANN<br />

Lassen Sie mich mit ihr sprechen.<br />

KELLERMANN<br />

Ohne genaue Aufklärung der Sachlage<br />

verbindet Sie Frau Kubelka nicht weiter.<br />

Gosbert drückt Kellermann den Hörer in die Hand.]<br />

KELLERMANN<br />

Frau Kubelka. Stellen Sie mich doch mal<br />

bitte zu meinem Bruder durch.<br />

130. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/KONFERENZRAUM - TAG<br />

Der Konferenzraum wird von einem riesigen ovalen Tisch mit einem<br />

ovalen Oberlicht dominiert. Kein Tageslicht dringt hinein.<br />

Dunkelheit beherrscht die Szenerie.<br />

ZWEI MÄNNER sitzen sich rechts und links in großer Entfernung am<br />

Tisch gegenüber. Ihre Gesichter können wir nicht sehen, weil sie<br />

außerhalb des Lichtkegels sitzen. Der rechts sitzt ist HAGEN<br />

KELLERMANN, der links sitzt KARL WEISSHAUPT.<br />

[Die HAND von Karl Weisshaupt beschäftigt sich damit akurat “Das<br />

ist das Haus vom Nikolaus” - Häuser auf einen Block zu zeichnen.<br />

Er beginnt jedes Mal an einer anderen Stelle. Es gelingt ihm<br />

immer, das Haus mit einem Strich zu zeichnen.]<br />

Das TELEFON KLINGELT.<br />

Die HAND von HAGEN KELLERMANN drückt auf einen Knopf.<br />

FRAU KUBELKA (OFF)<br />

(über Raumverstärker)<br />

Herr Kellermann. Ihr Bruder auf der eins.<br />

Hagen lehnt sich nach vorn in den Lichtkegel des Oberlichtes.<br />

Seine Krawatte ist immer schief gebunden. Seine Augen sind auf<br />

der gierigen Suche nach Aufmerksamkeit und Bewunderung. Sein<br />

Lachen ist immer gespielt.<br />

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HAGEN<br />

Hallo Lorenz. Deine Pünktlichkeit läßt zu<br />

wünschen übrig. Du wolltest doch schon<br />

vorgestern aus Peking zurück sein.<br />

(lacht)<br />

Haben die dich mit ihren Stäbchen<br />

festgehalten?<br />

KELLERMANN (OFF)<br />

Hast du noch keinen Brief erhalten, der<br />

dir meine Abwesenheit erklärt?<br />

Hagen schaut hinüber zu Weisshaupt. Weisshaupts HAND unterbricht<br />

das Zeichnen und greift nach Gosberts Erpresserbrief.<br />

HAGEN<br />

Ich habe nichts bekommen.<br />

131. AUSSEN/INNEN - TELEFONZELLE - TAG<br />

KELLERMANN<br />

Fakt ist, ich bin entführt worden. Meine<br />

Entführer drohen damit mich umzubringen,<br />

wenn wir ihnen nicht fünf Millionen DM ...<br />

GOSBERT<br />

(flüstert)<br />

Euro. Fünf Millionen Euro.<br />

KELLERMANN<br />

(überrascht)<br />

Das sind 10 Millionen DM.<br />

GOSBERT<br />

(auch überrascht)<br />

Na dann eben 10 Millionen DM.<br />

KELLERMANN<br />

Ich korrigiere. Die Entführer fordern 10<br />

Millionen DM, sonst bringen sie mich um.<br />

Abo und Carlotta staunen nicht schlecht. Gosbert ist am meisten<br />

überrascht.<br />

132. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/KONFERENZRAUM - TAG<br />

WEISSHAUPTS HAND streicht mit dem Kugelschreiber die “1” durch<br />

und schreibt eine “5” darüber, dann eine “10”.<br />

KELLERMANN (OFF)<br />

Informiere Weisshaupt. Er soll dafür<br />

sorgen, daß das Geld in sechs Stunden bei<br />

der Bank bereit liegt und wir eine<br />

Übergabe arrangieren können.<br />

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Und du kannst mir inzwischen die<br />

Fusionsverträge für Gung Tschang fertig<br />

machen, damit ich sie heute abend prüfen<br />

und unterschr --<br />

Hagen drückt auf einen Knopf und unterbricht die Verbindung<br />

mitten im Satz. Nur der LAUTE PIEPSTON der Telekom ist zu hören.<br />

Er schaut zufrieden zu Weisshaupt.<br />

Weisshaupt lehnt sich nach vorn und wir sehen ihn im Lichtkegel.<br />

Ein asketisches Leben und militärischer Drill spiegeln sich in<br />

seinem Gesicht. Wenn man den Tod besetzen müßte, würde er die<br />

Rolle bekommen.<br />

Der LAUTE PIEPSTON wechselt jetzt zu einem BESETZZEICHEN.<br />

133. AUSSEN/INNEN - TELEFONZELLE - TAG<br />

Der TELEFONHÖRER an KELLERMANNS OHR. Er hört das BESETZZEICHEN.<br />

Gosbert, Abo und Carlotta blicken ungeduldig zu Kellermann, der<br />

mit dem Hörer am Ohr dasteht und kein Wort mehr sagt.<br />

Hey, was sagt er?<br />

GOSBERT<br />

Gosbert greift nach dem Hörer, doch Kellermann läßt ihn nicht<br />

los und legt die Hand auf die Sprechmuschel.<br />

KELLERMANN<br />

Mein Bruder ist in der Lage, daß Geld<br />

schon in vier Stunden für Sie bereit zu<br />

stellen. Es stellt sich jetzt die Frage,<br />

wo die Geldübergabe stattfinden soll?<br />

Haben Sie da schon einen Plan?<br />

Abo und Carlotta schauen Gosbert erwartungsvoll an. Gosbert hat<br />

keinen Plan und schweigt.<br />

KELLERMANN<br />

Sie müssen doch einen Plan haben.<br />

ABO<br />

Du hast doch einen Plan?<br />

GOSBERT<br />

Natürlich hab ich einen Plan.<br />

KELLERMANN<br />

Dreißig Kilometer außerhalb der Stadt<br />

Richtung X gibt es eine wenig befahrene<br />

Ausfallstraße. Ebene Felder, weites<br />

Sichtfeld ...<br />

Gosbert hat nicht mehr die Autorität “Halts Maul” zu sagen.<br />

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134. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Kellermann sitzt wie Al Capone in seinem Rollstuhl. Vor ihm<br />

sitzen und stehen Gosbert, Abo und Carlotta und lauschen den<br />

Anweisungen.<br />

KELLERMANN<br />

Hagen erwartet Sie an der Bushaltestelle<br />

Maienfelde. Sagen Sie dem Busfahrer<br />

bescheid, sonst bleibt er nicht stehen.<br />

Gosbert knöpft sich den Mantel zu. Abo führt Gosbert zur Seite<br />

und beginnt zu flüstern:<br />

ABO<br />

Und wenn etwas faul an der Sache ist?<br />

GOSBERT<br />

Was soll da faul sein?<br />

ABO<br />

Ich weiß auch nicht. Managertraining.<br />

Seitenblick zu Kellermann.<br />

GOSBERT<br />

Managertraining. Abo, Kellermann will so<br />

schnell wie möglich an seinen Schreibtisch<br />

zurück. Mehr nicht.<br />

ABO<br />

Ich sollte vielleicht mitkommen.<br />

GOSBERT<br />

Und wer paßt auf ihn auf?<br />

CARLOTTA<br />

Kein Problem für mich. Gib mir Pistole.<br />

ABO<br />

Du wirst doch der Nutte nicht traun.<br />

CARLOTTA<br />

(wütend)<br />

In meinen Adern fließt Blut von großen<br />

Aztekenkönig Tenochtitlan.<br />

Abo schaut hilfesuchend zu Gosbert.<br />

Gosbert zieht die Pistole aus dem Schulterholster und reicht sie<br />

Abo.<br />

GOSBERT<br />

Bau mir keinen Scheiß.<br />

Abos Brust ist um einen Meter angeschwollen.<br />

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ABO<br />

(stolz)<br />

Du kannst dich auf mich verlassen.<br />

Gosbert nickt Carlotta ein “Auf geht’s” zu. Beide verlassen den<br />

LKW. Abo schließt hinter ihnen die Hecktür.<br />

Er dreht sich zu Kellermann herum. Der “sieht” ihn wie ein Tiger<br />

seine Beute an.<br />

135. AUSSEN - LANDSTRASSE - TAG<br />

[Zu beiden Seiten der Straße erstrecken sich weite Felder.<br />

Ein BUS nähert sich und hält an. Gosbert und Carlotta steigen<br />

aus. Der Bus fährt weiter.]<br />

Gosbert und Carlotta schauen dem Bus nach. Weit und breit kein<br />

Mensch zu sehen. Lediglich auf der anderen Seite steht ein<br />

GELBES BUSHALTESCHILD. Völlig schief steckt es im Boden und<br />

KLAPPERT IM WIND.<br />

Schweigend stehen Gosbert und Carlotta da und frieren.<br />

Gosbert zieht sein Kaugummipäckchen aus der Hosentasche und<br />

steckt sich zwei Streifen in den Mund. Er schaut zu Carlotta und<br />

bietet ihr das Päckchen an und will schon sagen: “Einer ist zu<br />

wenig. Wenn de richtig kauen willst, brauchste zwei”. Da sieht<br />

er, daß sich Carlotta unaufgefordert zwei Streifen nimmt.<br />

CARLOTTA<br />

Risto, der tote Bruder von meine Vater<br />

sagt: “Ein Gum zu wenig. Wenn du kauen<br />

willst richtig, brauchst du zwei.”<br />

Gosbert staunt nicht schlecht. Beide beginnen zu kauen.<br />

136. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

CU - KELLERMANN. Er versucht sich zu orientieren, ob jemand im<br />

Raum ist.<br />

Abo hockt auf dem Boden. Er hat sich in ein Fell gewickelt und<br />

schaut sehnsüchtig auf die Gasheizung.<br />

KELLERMANN<br />

Hallo. Sind Sie da?<br />

Abo schreckt auf, dabei fällt ihm die Pistole auf den Boden.<br />

KELLERMANN<br />

Wären Sie vielleicht so freundlich und<br />

würden mir noch eine Decke über die<br />

Schulter legen. Es ist doch ziemlich kalt<br />

hier.<br />

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Abo greift nach der Pistole, steht auf. Mißtrauisch und deshalb<br />

übervorsichtig legt er Kellermann ein Fell über die Schulter.<br />

Abo antwortet nicht.<br />

KELLERMANN<br />

Vielen Dank. - Was stimmt denn mit der<br />

Gasheizung nicht?<br />

KELLERMANN<br />

Vielleicht sind nur die Ansaugventile<br />

verstopft. Daran kränkelt der Hauser T1956<br />

oft.<br />

Abo liest den Firmennamen der Gasheizung: HAUSER T1956.<br />

KELLERMANN<br />

Gebaut hat die Firma Hauser von dem T1956<br />

ganze 12.000 Stück. Dann erfolgte durch<br />

das Modell T1960 ein sehr viel<br />

leistungsfähigeres Gerät bei<br />

gleichbleibendem Energieverbrauch.<br />

ABO<br />

Sie kennen sich mit so Gasheizungen ja<br />

ziemlich gut aus.<br />

KELLERMANN<br />

Ich habe als Vertreter für<br />

Elektroheizungen angefangen. Von Tür zu<br />

Tür bin ich gegangen. Das war vielleicht<br />

ein Klingeljob.<br />

ABO<br />

Verstopfte Ansaugventile. Kann man das gut<br />

reparieren?<br />

KELLERMANN<br />

Im Handumdrehen - Sie müssen natürlich<br />

wissen, wie es geht.<br />

137. AUSSEN - LANDSTRASSE - TAG<br />

Gosbert und Carlotta warten und kauen ihren Kaugummi.<br />

Carlotta beginnt Kaugummiblasen zu machen. Gosbert beobachtet<br />

sie dabei und beginnt auch Kaugummiblasen zu machen. Ein<br />

spontaner “Wettbewerb” setzt ein, wer die größten Blasen machen<br />

kann.<br />

138. INNEN - LKW VON JEROMIN - TAG<br />

CU - KELLERMANN<br />

Er lauscht und hört METALLGEKLAPPER.<br />

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KELLERMANN<br />

Sie müssen lediglich die beiden Muttern<br />

lösen, den kleinen Spannhebel mit einem<br />

Schraubenzieher nach oben drücken und nach<br />

rechts drehen, bis er einrastet. Haben Sie<br />

das?<br />

Abo ist mit dem verwirrenden Innenleben der Gasheizung<br />

beschäftigt. Er ist dabei Kellermanns Anweisung auszuführen und<br />

fummelt mit einem Schraubenzieher herum.<br />

ABO<br />

Der Spannhebel läßt sich nicht nach oben<br />

drücken.<br />

KELLERMANN<br />

Spucken Sie mal drauf.<br />

Abo spuckt. Und setzt dann noch einmal den Schraubenzieher an.<br />

ABO<br />

(schüttelt den Kopf)<br />

Fehlanzeige.<br />

Abo traut sich nicht weiterzumachen. Er steht auf und schaut<br />

enttäuscht zur Gasheizung.<br />

ABO<br />

Gibts keine andere Möglichkeit an die<br />

Ventile zu kommen?<br />

KELLERMANN<br />

Ich müßte es mir selbst mal anschauen.<br />

ABO<br />

(über den Vorschlag<br />

erschrocken)<br />

Ich soll sie losbinden? -<br />

<strong>Ne</strong>e, nee, nee ist nicht drin.<br />

KELLERMANN<br />

Dann probieren Sie doch mal über das<br />

Verteilerkreuz der hinteren Brenndüse<br />

ranzukommen.<br />

Abo schaut auf das Wirrwarr vom Innenleben der Gasheizung.<br />

KELLERMANN<br />

Das ist aber eine ziemlich knifflige<br />

Angelegenheit. Und wenn Sie da die falsche<br />

Schraube aufdrehen, besteht<br />

Explosionsgefahr.<br />

Abo ist hin und her gerissen. Schließlich zieht er sich seine<br />

Wollmütze über den Kopf.<br />

ABOS FINGER öffnen den Knoten von Kellermanns Fessel.<br />

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139. AUSSEN - LANDSTRASSE - TAG<br />

Aus Carlottas Mund quillt eine riesige Kaugummiblase und<br />

zerplatzt. Der Kaugummi klebt auf ihrem Gesicht.<br />

Gosbert und Carlotta müssen lachen. Sie schauen sich dabei in<br />

die Augen. Es funkt ganz schön.<br />

LAUT ist das KRÄCHZEN eines RABEN zu HÖREN.<br />

KLATSCH. Landet WEISSE VOGELSCHEISSE auf Gosberts Schulter.<br />

Carlotta lacht.<br />

Gosbert findet das gar nicht komisch. Die romantische Stimmung<br />

ist für ihn vorbei.<br />

Während Carlotta weiterkichert, wischt Gosbert sich den<br />

Vogeldreck ab und schaut sich gleichzeitig cool, professionell<br />

nach allen Seiten um.<br />

GOSBERT<br />

Da ist was faul, da stimmt was nicht.<br />

Sie HÖREN ein QUIETSCHEN aus dem OFF.<br />

Das Bushaltestellenschild kippt weiter zu Seite ... und KRACHT<br />

auf die Straße.<br />

140. INNEN - LKW VON JEROMIN - NACHT<br />

Kellermann schlägt Abo mit einem MASSAI-SCHILD brutal auf den<br />

Kopf.<br />

Abo kippt um und bleibt besinnungslos am Boden liegen.<br />

141. AUSSEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Kellermann klettert aus der Hecktür, orientiert sich kurz und<br />

eilt über das Campingplatzgelände.<br />

Er passiert Rezeptionsbaracke und Schranke, geht den Weg hinauf<br />

zur Hauptstraße.<br />

142. AUSSEN - EINFAHRT ZUM CAMPINGPLATZ - NACHT<br />

Kellermann kommt aus der Einfahrt zum Campingplatz. Er sieht die<br />

erleuchtete Telefonzelle. Er geht zielstrebig darauf zu,<br />

übersieht zwei Passanten und rempelt sie an.<br />

Entschuldigung.<br />

KELLERMANN<br />

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Er schaut den Passanten ins Gesicht. Es sind Gosbert und<br />

Carlotta.<br />

GOSBERT<br />

(erkennt Kellermann)<br />

Kotz die Wand an!<br />

[Kellermann reagiert schnell, rennt davon und verschwindet in<br />

einer Seitenstraße.<br />

Gosbert nimmt sofort die Verfolgung auf. Carlotta folgt.]<br />

143. [AUSSEN - SEITENSTRASSE - NACHT<br />

Kellermann rennt HEFTIG ATMEND die Straße entlang.<br />

Gosbert und Carlotta folgen. HEFTIG ATMEND.<br />

Kellermann entdeckt eine KUNSTGALERIE, die von innen hell<br />

erleuchtet ist. Er rennt darauf zu.<br />

Gosbert kapiert, wo Kellermann hin will und erhöht sein<br />

Lauftempo. Carlotta fällt zurück.<br />

Verbissen nähert sich Gosbert Kellermann bis auf wenige<br />

Schritte.<br />

Noch zwanzig Meter bis zur Galerie. Beide Männer SCHNAUFEN, WAS<br />

DAS ZEUG HÄLT. Noch zehn Meter. Noch fünf. Gosbert kann<br />

Kellermann schon fast berühren. Kellermann legt noch einmal<br />

Tempo zu. Drei ... zwo ... eins. Er springt die Treppenstufen<br />

hinauf und rennt durch die geöffnete Tür hinein. <strong>Ne</strong>ben der Tür<br />

ein Schild: VERNISSAGE.<br />

Gosbert stolpert, fällt und bleibt außer Atem am Boden liegen.<br />

Carlotta kommt dazu und hilft ihm auf die Beine.<br />

Aus dem OFF sind plötzlich AUFGEBRACHTE STIMMEN zu HÖREN.<br />

Kellermann wird von ZWEI BODYGEBILDETEN MÄNNERN IN SMOKING aus<br />

der Galerie geschleppt und auf die Straße geworfen.<br />

BODYGEBILDTER MANN #1<br />

Hau ab du Penner!!!<br />

Die beiden Männer gehen wieder hinein. Kellermann schaut zu<br />

Gosbert und Carlotta. Er ist sprachlos.]<br />

Carlotta holt aus und schlägt Kellermann mit der Faust nieder.<br />

Gosbert blickt Carlotta bewundernd an, die sich die schmerzende<br />

Hand reibt.<br />

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144. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Abo hockt auf dem Boden und kühlt sich mit einer gefrorenen<br />

Linsenbüchse den Kopf.<br />

ABO<br />

Aber die Heizung funktioniert doch jetzt.<br />

CARLOTTA<br />

(wütend)<br />

Bin ich hier auf Spielplatz? Habt ihr<br />

nichts im Kopf? Er hat gesehen uns mit<br />

Augen.<br />

GOSBERT<br />

Nur`n paar Sekunden. Daran erinnert der<br />

sich später nich.<br />

CARLOTTA<br />

Seh ich so aus, daß sich niemand erinnert?<br />

ABO<br />

(erschrocken)<br />

Er hat den Campingplatz gesehen. -<br />

Gosbert, was willst du tun?<br />

Gosbert fühlt sich in die Ecke gedrängt. Er weiß nicht mehr, was<br />

er tun soll.<br />

KELLERMANN (OFF)<br />

Ja, was wollen Sie tun, Gosbert?<br />

Gosbert, Abo und Carlotta drehen sich zu Kellermann herum. Der<br />

ist wieder mit Pflaster und Sonnenbrille auf der Nase an den<br />

Rollstuhl gefesselt.<br />

KELLERMANN<br />

Abo und Carlotta haben ein Recht, von<br />

Ihrem Plan zu erfahren, wenn sie Ihnen<br />

weiterhin vertrauen sollen.<br />

Gosbert schaut verstohlen zu Abo und Carlotta, die ihn fragend<br />

anblicken.<br />

KELLERMANN<br />

Wie alt sind Sie Gosbert. 27? Als ich in<br />

Ihrem Alter war, habe ich schon jeden<br />

Monat mit Aktien im Wert von 1,5 Millionen<br />

spekuliert. Und was machen Sie? Sie<br />

spielen den großen Entführer. Mit Mantel<br />

und Hut. Aber Mantel und Hut gehören nicht<br />

Ihnen, sondern mir. Also Schluß mit dem<br />

Kindergarten. Das hier ist die<br />

Wirklichkeit. Binden Sie mich los!<br />

Gosbert rührt sich nicht von der Stelle. Er wirkt hilflos, wie<br />

ein kleines Kind.<br />

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KELLERMANN<br />

Sie wollen nicht? Dann verraten Sie mir,<br />

wie Sie Ihre alberne Entführung fortsetzen<br />

wollen? Was wollen Sie tun? Mir vielleicht<br />

den Finger abschneiden, wie es im 1x1 der<br />

Amateurentführer steht?<br />

Kellermann bricht ab und ärgert sich innerlich darüber, daß er<br />

den letzten Satz gesagt hat.<br />

145. JEROMINS LKW - NACHT<br />

CU: Gosbert legt eine MACHETE auf den Tisch.<br />

ABO<br />

<strong>Ne</strong>in, daß ist kein guter Plan.<br />

GOSBERT<br />

Du mußt ihn doch bloß festhalten. Den Rest<br />

mach ich.<br />

Ich will nicht.<br />

ABO<br />

CARLOTTA<br />

Das haben sie auch gemacht mit besten<br />

Freund von meine tote Bruder Pablo. Da<br />

fließt nix viel Blut.<br />

ABO<br />

Hörst du. Da fließt Blut.<br />

GOSBERT<br />

Abo, du kannst hier nicht kneifen. Wir<br />

sind Partner.<br />

Weil Abo sich nicht dazu entschließen kann, auszusteigen,<br />

gehorcht er und stellt sich hinter Kellermann.<br />

GOSBERT<br />

Mach seinen linken Arm los und leg die<br />

Hand auf den Tisch.<br />

Abo beginnt die Fessel zu lösen.<br />

KELLERMANN<br />

Warten Sie!! In meinem Haus habe ich einen<br />

Wandsafe. Darin liegen 300.000 DM. Das ist<br />

alles Bargeld, was ich Ihnen im Moment<br />

anbieten kann. Wir können sofort<br />

hinfahren.<br />

Abo schaut erfreut zu Gosbert.<br />

Hast du das gehört?<br />

ABO<br />

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GOSBERT<br />

Leg seine Hand auf den Tisch.<br />

KELLERMANN<br />

Dazu garantiere ich Ihnen Straffreiheit.<br />

ABO<br />

Das ist doch ein Angebot.<br />

Abo schaut erwartungsvoll zu Gosbert und hofft auf ein “ja”.<br />

Doch Gosbert Blick sagt, “nein”.<br />

Abo ist hin- und hergerissen. Er versucht Kellermanns Hand auf<br />

den Tisch zu legen. Doch der setzt sich heftig zur Wehr.<br />

Plötzlich:<br />

KELLERMANN<br />

(in lautem Befehlston)<br />

Lassen Sie mich verdammt noch mal los!!!<br />

Erschrocken läßt Abo Kellermanns Hand los.<br />

Freiwillig legt Kellermann seine Hand auf den Tisch.<br />

Das macht einen ziemlichen Eindruck auf Gosbert, Abo und<br />

Carlotta.<br />

Kellermann übernimmt wieder die Regie.<br />

KELLERMANN<br />

Sie sind hoffentlich medizinisch darauf<br />

eingerichtet.<br />

GOSBERT<br />

Der Erste Hilfe Kasten steht bereit.<br />

Gosbert schaut auf einen geöffneten ERSTE HILFE KASTEN, der<br />

ziemlich spärlich ausgestattet ist.<br />

KELLERMANN<br />

Haben Sie das Messer desinfiziert?<br />

Es ist sauber.<br />

GOSBERT<br />

KELLERMANN<br />

Geben Sie mir kein Penicillin. Dagegen bin<br />

ich allergisch.<br />

GOSBERT<br />

Keine Sorge. Wir haben kein Penicillin.<br />

KELLERMANN<br />

Halten Sie meinen Arm danach hoch, über<br />

Herzhöhe, bis die Blutung aufgehört hat.<br />

Kommen Sie mir nicht auf die Idee den<br />

Fingerstumpf abzubinden. Haben Sie ein<br />

Schmerzmittel?<br />

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CARLOTTA<br />

Ich habe gute Schmerzmedizin. Keine Angst.<br />

KELLERMANN<br />

Na gut. Dann fangen Sie an.<br />

Gosbert greift nach dem Messer. Er ist jetzt doch ziemlich<br />

nervös.<br />

GOSBERT<br />

Spreizen Sie bitte Ihren kleinen Finger<br />

ab.<br />

KELLERMANN<br />

Das kann ich nicht.<br />

Gosbert nickt Abo zu. Abo spreizt Kellermanns kleinen Finger ab.<br />

Gosbert holt aus , schaut auf den Finger und zögert.<br />

GOSBERT<br />

Ich zähl bis drei.<br />

KELLERMANN<br />

Worauf warten Sie, schlagen Sie einfach<br />

zu.<br />

Gosbert traut sich nicht, starrt auf den Finger.<br />

Abo und Carlotta sind gebannt.<br />

GOSBERT<br />

Ich zähle lieber bis drei. Eins ...<br />

(Pause)<br />

Zwei.<br />

(Pause)<br />

LOS!!!<br />

KELLERMANN<br />

(in lautem Befehlston)<br />

Gosbert schlägt zu. In der selben Sekunde zieht Kellermann seine<br />

linke Hand zurück. Abos Hand rutscht auf den Tisch.<br />

HACK!!!<br />

Gosbert, Abo und Carlotta schauen auf die Tischplatte. Dort<br />

liegt neben der Machete, die tief im Holz steckt, ein KLEINER<br />

FINGER.<br />

Für einen Augenblick herrscht Erleichterung.<br />

Doch dann hebt Abo seine Hand hoch und wir alle sehen, daß ihm<br />

der kleine Finger fehlt.<br />

Kotz die Wand an!!!<br />

ABO<br />

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146. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - NACHT<br />

Zwei Sekunden später.<br />

Abo läuft LAUT SCHREIEND über das Gelände. Gosbert hinterher. Er<br />

wirft sich auf Abo, beide stürzen zu Boden.<br />

147. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

Wir HÖREN ABOS SCHMERZENSSCHREIE.<br />

ABO (OFF)<br />

Geh weg. - Laß mich los. - Laß mich los!!!<br />

Carlotta kippt ein ROTES PULVER in einen Becher, der mit einem<br />

Brei gefüllt ist und beginnt das Ganze zu verrühren.<br />

CARLOTTA<br />

Ein Hai hat meine Großvater Santiago die<br />

Arm abgebissen. Er hat diese Medizin<br />

getrunken und ist mit seinem Boot gerudert<br />

bis San Juan.<br />

Sie geht damit zu Abo, der auf einem Tierfell liegt und von<br />

Gosbert, der auf ihm sitzt, festgehalten wird.<br />

Trink.<br />

CARLOTTA<br />

Carlotta versucht Abo das Gebräu in den Mund einzuflößen. Abo<br />

preßt seine Lippen fest zusammen. Sie muß ihm die Nase zuhalten,<br />

bis Abo seinen Mund öffnet, um nach Luft zu schnappen. Jetzt<br />

kippt Carlotta ihm das Gebräu in den Schlund.<br />

Abo schluckt, hustet. Plötzlich beugt er sich mit aller Kraft<br />

hoch und wirft Gosbert runter.<br />

Für einen Augenblick scheint es so, als ob Abo Bäume ausreißen<br />

kann, dann erstarrt er mit weit aufgerissenen Augen und fällt<br />

besinnungslos auf die Matratze zurück.<br />

GOSBERT<br />

(erschrocken)<br />

Ist er tot?<br />

Abo beginnt zu schnarchen.<br />

148. INNEN - "GIRLIES"/CARLOTTAS ZIMMER - NACHT<br />

Ein PICKLIGER JUNGE rammelt gerade auf Katja herum.<br />

Plötzlich unterbricht Katja ihre gespielte Ekstase:<br />

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KATJA<br />

Also Jungs, eins müßt ihr endlich mal<br />

lernen. Wenn die Tür zu ist, bin ich<br />

entweder besetzt oder ich hab Feierabend.<br />

Erschrocken dreht sich der Junge um. Am Fußende des Bettes<br />

stehen Drakonin, Otranto und Rübenacker.<br />

Der Junge springt auf schnappt sich seine Kleidungsstücke und<br />

flitzt aus dem Zimmer.<br />

Die drei Männer starren auf die weiblichen Reize von Katja.<br />

RÜBENACKER<br />

Carlotta Valdez?<br />

KATJA<br />

Für euch bin ich Carlotta Valdez.<br />

Rübenacker schaut zu Drakonin und nickt.<br />

Otranto schultert seine Sporttasche ab. Er öffnet den<br />

Reißverschluß und holt ein Bügeleisen heraus.<br />

OTRANTO<br />

Potzaue me dupasch! Rasuma elektritschnje<br />

lobjowitsch.<br />

RÜBENACKER<br />

(zu Katja)<br />

Haben Sie zufällig ein Verlängerungskabel?<br />

149. INNEN - JEROMINS LKW - NACHT<br />

CU: Angeekelt zieht Gosbert mit seinen Fingern eine EINGELEGTE<br />

SCHLANGE aus ihrem Glas und wirft ABOS FINGER in die<br />

Flüssigkeit.<br />

KELLERMANN<br />

Gosbert. Glauben Sie mir, von meinem<br />

Bruder werden Sie kein Geld bekommen.<br />

Gosbert leert die Sexartikel aus dem Aluminiumkoffer aus und<br />

legt das Glas mit Abos Finger hinein. Er schließt den Koffer<br />

wieder.<br />

KELLERMANN<br />

Ich zahle Ihnen sofort 400.000 DM aus<br />

meinem Banksafe.<br />

GOSBERT<br />

Vorhin waren 300.000 alles, was Sie an<br />

Bargeld hatten.<br />

Kellermann schweigt und ärgert sich über seinen zweiten Fehler.<br />

Gosbert schließt den Koffer.<br />

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Gosbert.<br />

CARLOTTA (OFF)<br />

Gosbert nimmt seinen Koffer und geht zu Carlotta, die neben Abo<br />

kniet. Abo liegt bis zum Kinn zugedeckt auf dem Löwenfell. Seine<br />

Hand ist verbunden. Mit mütterlicher Fürsorglichkeit kühlt ihm<br />

Carlotta die Stirn mit einem feuchten Tuch.<br />

CARLOTTA<br />

Er ist wieder gekommen zu Sinnen.<br />

Gosbert beugt sich zu Abo herunter. Carlotta reicht ihm das<br />

feuchte Tuch und nickt ihm zu, daß er damit Abos Stirn kühlen<br />

soll. Gosbert folgt der Anweisung und streicht über Abos Stirn.<br />

Abo öffnet seine Augen und schaut zu Gosbert.<br />

Gosbert schweigt.<br />

Hallo Partner.<br />

GOSBERT<br />

ABO<br />

(mit schwacher Stimme)<br />

Ich bin nicht dein Partner.<br />

GOSBERT<br />

Schon vergessen, wir haben `nen<br />

Handschlagvertrag.<br />

ABO<br />

Scheiß auf deinen Handschlag. Scheiß auf<br />

deinen Kilimandscharo. Scheiß auf deinen<br />

Schnee.<br />

Abos Augen suchen Carlotta.<br />

Wo ist mein Finger?<br />

ABO<br />

Mit einem schlechten Gewissen steht Gosbert auf und reicht<br />

Carlotta das Tuch. Sie kümmert sich wieder um Abo.<br />

Gosbert beobachtet die beiden. Ein Gefühl der Ausgeschlossenheit<br />

und Einsamkeit überkommt ihn.<br />

Carlotta.<br />

GOSBERT<br />

Carlotta geht auf ihn zu. Schweigend stehen sie sich gegenüber.<br />

Gosbert zieht die Pistole aus dem Schulterholster und legt sie<br />

in Carlottas Hand. Ein deutliches Zeichen seines Vertrauens.<br />

GOSBERT<br />

Sag Abo, daß ich mir den Finger nur<br />

ausleih. Vielleicht kann man den später<br />

wieder annähen?<br />

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Carlotta nickt. Sie schauen sich in die Augen.<br />

Ihre Gesichter nähern sich langsam, doch im letzten Moment<br />

weicht Carlotta zurück und gibt Gosbert eine Ohrfeige.<br />

Gosbert hält sich überrascht die gerötete Wange.<br />

CARLOTTA<br />

(versucht sich zu<br />

rechtfertigen)<br />

In meiner Heimat tut man das, wenn man<br />

sagen will “Paß auf auf dich, daß nicht<br />

mehr passiert als Schlag in Gesicht”.<br />

Echt...?<br />

Carlotta nickt.<br />

GOSBERT<br />

Gosbert verläßt den LKW, dreht sich noch einmal zu Carlotta<br />

herum.<br />

GOSBERT<br />

Ich komm zurück mit einem Koffer voller<br />

Geld.<br />

Carlotta lächelt. Gosbert geht davon.<br />

Mit einem zweideutigen Blick schaut Carlotta ihm hinterher, dann<br />

schließt sie die Tür.<br />

150. INNEN - “GIRLIES”/CARLOTTAS ZIMMER - NACHT<br />

CU - Katja fällt mit verdrehten Augen auf das Bett und spielt<br />

toter Mann.<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker stehen am Fußende des Bettes.<br />

Otranto ist ratlos. Drakonin ist wütend.<br />

Corega tabs.<br />

OTRANTO<br />

DRAKONIN<br />

Corega tabs. Potzaue me dupa. Za gulasch<br />

menschtraka, gulasch. Za futschikatsch<br />

meschtraka, futschikatsch.<br />

(Wenn du einen Menschen folterst, dann<br />

foltere ihn. Wenn du einen Menschen<br />

tötest, dann töte ihn.)<br />

RÜBENACKER<br />

Kaschuba plattka zoj hitsch.<br />

(Vielleicht war das Bügeleisen zu heiß?)<br />

Otranto testet das Eisen mit seinem Finger und verbrennt sich.<br />

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OTRANTO<br />

(wütend)<br />

Njematsch probobil konkubinika.<br />

(Ich hab die Nutte doch gar nicht berührt)<br />

Otranto schleudert mit einem Fluch das Bügeleisen in eine Ecke.<br />

Jetzt sehen wir Katja mit aufgerissenen Augen auf dem Bett<br />

liegen.<br />

Die drei Männer verlassen das Zimmer.<br />

CU - Katja. Das Telefon KLINGELT im OFF. Katja beginnt mit den<br />

Augen zu blinzeln und richtet sich auf.<br />

Männer.<br />

Sie nimmt den Hörer ab.<br />

KATJA<br />

(kopfschüttelnd)<br />

151. [AUSSEN - “GIRLIES” - NACHT<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker kommen heraus.<br />

DRAKONIN<br />

(wütend)<br />

Natschin brat ta Kellermann skroljumpje.<br />

(Die Suche nach Kellermann können wir<br />

deinetwegen vergessen)<br />

Sie passieren den Seiteneingang eines Bordell. Da treten die<br />

beiden Dunkelmänner heraus und stellen sich Drakonin bedrohlich<br />

in den Weg.<br />

DUNKELMANN #1<br />

(zu Drakonin)<br />

Meister. Haste ‘n Fünfziger, damit ich mir<br />

nicht immer selbst einen runter holen muß.<br />

Drakonin zieht seine Pistole aus dem Schulterholster und<br />

erschießt die beiden.<br />

Otranto ist irritiert, warum schießen auf einmal erlaubt ist.<br />

DRAKONIN<br />

(entschuldigt sich)<br />

Ja poschewatsch.<br />

(Ich bin wütend)]<br />

152. INNEN/AUSSEN - LANGNESE EISWAGEN - NACHT<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker steigen ein. Die Stimmung ist<br />

mies.<br />

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Schweigen.<br />

OTRANTO<br />

Ja salim rematschka. Corega tabs. Corega<br />

tabs. Corega tabs.<br />

(Ich kann mich nur wiederholen. Es tut mir<br />

leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid)<br />

RÜBENACKER<br />

Nu,tatsch am bra a litl lak, suchowatsch a<br />

litl track.<br />

(Na vielleicht haben wir ein bißchen Glück<br />

und finden doch noch eine kleine Spur.)<br />

Auf Rübenackers Optimismus reagieren Drakonin und Otranto mit<br />

einem Kopfnicken.<br />

Tadruck.<br />

Dschedai.<br />

DRAKONIN<br />

OTRANTO<br />

Rübenacker startet den Motor, hat wieder Probleme mit der<br />

Kupplung.<br />

Der Langnese Eiswagen springt nach vorn und demoliert das vor<br />

ihnen parkende Auto: einen blutroten BMW.<br />

Drakonin und Otranto erkennen das Auto.<br />

BMW ta Maliq?<br />

OTRANTO<br />

Der wütende Fahrer steigt aus. Es ist Luboviski.<br />

153. AUSSEN - UNBELEBTE SEITENSTRASSE - NACHT<br />

LUBOVISKIS FÜSSE tänzeln auf einem Gymnastikball. Er macht es<br />

ziemlich geschickt.<br />

Jetzt sehen wir, daß um seinen Kopf eine Schlinge gelegt ist,<br />

und daß er unter einem “Galgenbaum” steht.<br />

LUBOVISKI<br />

Mensch Leute, ich hab die Karre nich<br />

geklaut.<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker schauen zu ihm hoch. Sie<br />

bewundern seine Geschicklichkeit.<br />

RÜBENACKER<br />

Nietzsche roba automobilica.<br />

DRAKONIN<br />

Zo roba automobilica?<br />

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RÜBENACKER<br />

Wer hat dann das Auto geklaut?<br />

LUBOVISKI<br />

Leckt mich am Arsch!<br />

RÜBENACKER<br />

Potzaue me dupasch.<br />

Drakonin zieht den Stöpsel vom Gymnastikball, die Luft<br />

entweicht.<br />

Gosbert Klee!!!<br />

LUBOVISKI<br />

154. AUSSEN - “KELLERMANN BUILDING” - NACHT<br />

Gosbert steht ziemlich beeindruckt davor. In der Hand den<br />

Aluminiumkoffer. Er gibt sich einen Ruck, setzt eine ALTE,<br />

VERBOGENE SONNENBRILLE auf und geht die Stufen zum Haupteingang<br />

hinauf.<br />

155. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/EINGANGSHALLE - NACHT<br />

Riesig und luxuriös mit viel Glas und gedämpfter klassischer<br />

Musik.<br />

Gosbert geht zum Empfang. Zu seiner Verwunderung sitzt niemand<br />

dahinter.<br />

Er sieht ein Schild:<br />

AUFSICHTSRATSITZUNG<br />

Ein Pfeil weist den Weg zum AUFZUG.<br />

156. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/AUFZUG - NACHT<br />

Es geht abwärts. Gosbert schaut auf die Etagenzahlen, die in<br />

rasendem Tempo mit Minuszeichen nach unten zählen.<br />

PLING<br />

Die Aufzugtüren öffnen sich und Gosbert sieht ...<br />

157. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/PARTYSAAL - NACHT<br />

LAUTE SIEBZIGER JAHRE DISCOMUSIK. LIGHTSHOW.<br />

Verschwitzte Männer im Alter von 40 bis 70 Jahren in dunklen<br />

Anzügen tanzen mit jungen, spärlich bekleideten Playmates. Alle<br />

tragen NARRENKAPPEN MIT BLINKENDEM BOMMEL auf dem Kopf.<br />

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Unter ihnen auch Hagen, der ausgelassen mit einer besonders<br />

WOHLPROPORTIONIERTEN FRAU tanzt.<br />

Eher beiläufig schaut Hagen Richtung Aufzug und bemerkt im<br />

weißen Gegenlicht die schwarzen Umrisse von Gosbert. Mit Hut und<br />

Mantel sieht er aus wie Lorenz Kellermann.<br />

Hagen erstarrt.<br />

Die Musik bricht ab.<br />

Alle starren auf Gosbert.<br />

Gosbert räuspert sich<br />

GOSBERT<br />

(unsicher)<br />

Hagen Kellermann?<br />

158. INNEN - “KELLERMANN BUILDING”/KONFERENZRAUM - NACHT<br />

Gosbert sitzt in der Mitte des ovalen Tisches.<br />

Im Anzug aber mit Narrenkappe auf dem Kopf sitzt Karl Weisshaupt<br />

am linken Ende vom Tisch und zeichnet seine “Nikolaus-Häuser”<br />

auf ein Blatt Papier.<br />

Der Platz auf der rechten Seite ist leer.<br />

Im OFF öffnen sich Aufzugtüren und gehen wieder zu. SCHRITTE.<br />

Hagen Kellermann setzt sich auf seinen Platz.<br />

Im Folgenden wird Hagen immer wieder zu Weisshaupt schauen, um<br />

für seine Worte einen Blick der Bestätigung zu bekommen. Doch<br />

Weisshaupt verweigert ihm diesen Blick.<br />

Hagen fixiert Gosbert.<br />

HAGEN<br />

(gelassen)<br />

Sie haben den falschen Hut auf.<br />

GOSBERT<br />

(zögerlich)<br />

Mir stehen so Narrendinger nich.<br />

HAGEN<br />

Auch nicht auf einer Faschingsparty?<br />

GOSBERT<br />

(mutiger)<br />

Ich feier ‘ne Party, wenn Sie mir zehn<br />

Millionen Mark in diesen Koffer legen.<br />

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Hagen lächelt und lehnt sich entspannt zurück.<br />

Gosbert öffnet den Aluminiumkoffer und stellt das Glas mit Abos<br />

Finger auf den Tisch. Er gibt dem Glas einen Schubs. Das Glas<br />

gleitet über den Tisch direkt vor die Nase von Hagen.<br />

Hagen muß kurz tief einatmen und versucht, seinen Ekel so gut<br />

wie möglich zu überspielen.<br />

Schnell gibt er dem Glas einen Schubs. Das Glas gleitet über den<br />

Tisch, an Gosbert vorbei zu Weisshaupt. Der registriert mit<br />

einem kurzen Blick die Tatsache, wendet dann sein Interesse<br />

wieder seinen “Nikolaus-Häusern” zu.<br />

Gosbert lehnt sich entspannt zurück.<br />

GOSBERT<br />

Fakt ist, wenn Sie mir keine zehn<br />

Millionen geben, werden Sie ab morgen<br />

jeden Tag ein Ohr von ihrem Bruder auf dem<br />

Schreibtisch finden.<br />

HAGEN<br />

Von mir werden Sie kein Geld bekommen.<br />

Gosbert blickt von Hagen zu Weisshaupt, dann wieder zu Hagen.<br />

Schweigen. Nichts tut sich. Schließlich springt Gosbert auf.<br />

GOSBERT<br />

Ich will mein Geld. Haben Sie mich<br />

verstanden? Und ich will das Geld in<br />

diesen Koffer.<br />

Hagen schweigt. Weisshaupt schweigt.<br />

GOSBERT<br />

Ich werde ihrem Bruder sehr weh tun.<br />

Tun Sie das.<br />

HAGEN<br />

GOSBERT<br />

Hey Mann. Sie sind sein Bruder. Da können<br />

Sie mal ein bißchen mehr Mitgefühl zeigen.<br />

HAGEN<br />

Jeder ist für sein Schicksal selbst<br />

verantwortlich.<br />

GOSBERT<br />

Kotz die Wand an!!! - Ich krieg mein Geld.<br />

Wenn Sie nicht zahlen, dann zahlt ihr<br />

Bruder.<br />

Zum ersten Mal schaut Weisshaupt interessiert auf und verfolgt<br />

Gosbert mit seinem Blick.<br />

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Gosbert nimmt das Glas mit Abos Finger und verpackt ihn wieder<br />

im Koffer.<br />

Weisshaupt nickt Hagen zu.<br />

HAGEN<br />

Was wollen Sie damit sagen?<br />

GOSBERT<br />

(ohne von seiner Tätigkeit<br />

aufzuschauen)<br />

Ihr Bruder hat mir ein finanziell recht<br />

attraktives Angebot gemacht ... wenn ich<br />

ihn freilasse.<br />

Gosbert schließt den Koffer und geht Richtung Aufzugtür. Hagen<br />

und Weisshaupt beobachten ihn. Die Aufzugtüren öffnen sich.<br />

WEISSHAUPT<br />

(befiehlt)<br />

Warten Sie!!!<br />

Gosbert bleibt stehen.<br />

Ein kurzer Blick zu Weisshaupt, der nickt.<br />

HAGEN<br />

(sachlich)<br />

Ich zahle Ihnen zehn Millionen DM, wenn<br />

Sie mir den Kopf von Lorenz Kellermann<br />

bringen. - Nur den Kopf.<br />

159. [AUSSEN - “KELLERMANN BUILDING” - NACHT<br />

Gosbert geht mit zitternden Knien die Stufen hinunter, bricht<br />

zusammen und muß sich auf einen Absatz setzen.<br />

Schnell stopft er sich Kaugummis in den Mund. Er beginnt zu<br />

kauen, um sich wieder zu beruhigen.]<br />

160. [INNEN - KONFERENZRAUM - NACHT<br />

Hagen schaut fragend zu Weisshaupt hinüber.<br />

Wird er es tun?<br />

HAGEN<br />

WEISSHAUPT<br />

Geld kann vieles in der Welt.<br />

CU - Weisshaupt zeichnet ein “Haus vom Nikolaus”.]<br />

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161. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Tagesanbruch.<br />

Die Hecktür ist einen Spalt weit geöffnet. Wir sehen, wie<br />

Gosbert näher kommt. Die Hecktür wird schnell geschlossen.<br />

Gosbert erreicht den LKW, öffnet die Hecktür.<br />

162. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Gosbert klettert herein, schließt schnell wieder die Tür und<br />

beginnt sich die kalten Hände zu reiben. Carlotta tritt aus dem<br />

Halbdunkel und schaut ihn erwartungsvoll an.<br />

GOSBERT<br />

(nicht sehr euphorisch)<br />

Es hat geklappt.<br />

Auch Carlotta reagiert nicht sehr euphorisch auf diese<br />

Mitteilung.<br />

CARLOTTA<br />

Wo hast du Koffer?<br />

GOSBERT<br />

Ich treffe mich mit Hagen um neun im<br />

Palmenhaus. Dann krieg ich den Koffer mit<br />

dem Geld.<br />

Gosbert sieht zu Kellermann, der seinen Blick spürt.<br />

GOSBERT<br />

Wo hast du die Pistole?<br />

WEIBLICHE STIMME<br />

Die hab ich, Arschloch.<br />

Katja tritt aus dem Halbdunkel und stellt sich neben Carlotta.<br />

Gosbert starrt Carlotta an. Carlotta weicht seinem Blick<br />

beschämt aus.<br />

Gosbert will sich auf Carlotta stürzen, doch Katja ist schneller<br />

und schlägt ihm mit der Pistole auf den Kopf.<br />

Gosbert geht besinnungslos zu Boden.<br />

163. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Wenig später.<br />

Gosbert sitzt gefesselt ohne Mantel und Hut im Rollstuhl. Blut<br />

rinnt über seine Stirn. Er ist besinnungslos.<br />

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Katja stülpt Kellermann einen Motorradhelm über den Kopf und<br />

will los. Doch Carlotta weigert sich.<br />

CARLOTTA<br />

(mit Blick zu Gosbert)<br />

Er braucht Arzt.<br />

KATJA<br />

Schätzelchen. Bedenke: Ein Anruf von mir<br />

bei der Ausländerbehörde und es heißt<br />

hasta la vista Deutschland. - Los komm<br />

jetzt!!!<br />

Unsanft schiebt sie Carlotta Richtung Hecktür.<br />

164. AUSSEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Katja startet ein URALTES MOTORRAD. Carlotta sitzt hinten drauf,<br />

Kellermann im Seitenwagen.<br />

Das Motorrad knattert davon.<br />

Carlotta schaut noch einmal besorgt zum LKW zurück, der sich<br />

hinter ihr entfernt.<br />

165. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Das KNATTERN aus dem OFF weckt Gosbert aus seiner<br />

Besinnungslosigkeit. Gosbert will aufstehen und stellt fest, daß<br />

er an den Rollstuhl gefesselt ist. Es dämmert ihm, was<br />

vorgefallen ist und er beginnt an den Fesseln zu zerren.<br />

Zwecklos. Hilfesuchend schaut er sich um und entdeckt Abo, der<br />

abgewandt auf der Seite liegt.<br />

GOSBERT<br />

Abo?! Hey Abo, wach auf! Abo!! Abo!!!<br />

[CU - Abo liegt von Gosbert abgewand auf der Seite. Seine Augen<br />

sind geöffnet, eine dicke Träne kullert heraus.]<br />

Gosbert schaut sich nach einer Befreiungsmöglichkeit um.<br />

Er entdeckt die FLAMME DER GASHEIZUNG. Er schiebt sich rückwärts<br />

an die Gasheizung heran und hält die gefesselten Hände an die<br />

Flamme. Unter Verbrennungsschmerzen gelingt es ihm die Fesseln<br />

zu lösen.<br />

166. AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />

Gosbert rennt ohne Mantel und Hut über das Campinplatzgelände.<br />

Zu seiner Verwunderung sieht er einen Langnese Eiswagen neben<br />

der Rezeptionsbaracke stehen.<br />

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RÜBENACKER (OFF)<br />

Gosbert Klee?<br />

CU - Gosbert bleibt stehen.<br />

167. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AM FLUSSUFER - TAG<br />

PENG! Eine KUGEL sprengt ein Loch in ein Ruderboot.<br />

Gosbert sitzt gefesselt im Boot und sieht, wie das Wasser<br />

hineinsprudelt. [Schnell verlagert er sein Gewicht, um den<br />

Einfluß zu stoppen und das Sinken zu verhindern.]<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker beobachten ihn vom Ufer aus.<br />

Nun?<br />

Gosbert antwortet nicht.<br />

RÜBENACKER<br />

Drakonin schießt ... PENG!!! ... und trifft knapp unter dem<br />

ersten Einschußloch.<br />

[Gosbert muß sein Gewicht noch weiter verlagern.]<br />

RÜBENACKER (OFF)<br />

Wo ist Kellermann?<br />

Gosbert schüttelt den Kopf.<br />

PENG!!! ... knapp unter dem zweiten Einschußloch.<br />

[Gosbert lehnt sich jetzt soweit über Bord, daß er droht ins<br />

Wasser zu fallen.] Doch er schüttelt hartnäckig den Kopf.<br />

Drakonin zielt.<br />

MÄNNLICHE STIMME (OFF)<br />

Ich bin Lorenz Kellermann.<br />

Drakonin senkt die Waffe und dreht sich herum. Gosbert blickt<br />

überrascht auf.<br />

TRACK IN auf Abo. Er trägt den Kaschmirmantel und den pork pie<br />

Hut.<br />

ABO<br />

Fakt ist, daß derjenige, der mich um neun<br />

Uhr ins Palmenhaus bringt, von meinem<br />

Bruder ein Lösegeld in der Höhe von zehn<br />

Millionen Mark erhält.<br />

Gosbert ist sprachlos.<br />

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RÜBENACKER<br />

So bratsch pentscho zig Millionschki Mark.<br />

(er schaut auf seine Uhr)<br />

Dora dodschina a Palmenhaus.<br />

(In einer halben Stunde im Palmenhaus)<br />

Drakonin ist zufrieden.<br />

ABO<br />

Und lassen Sie jetzt den Mann in Ruh. Dem<br />

armen Schwein gehört nur der Campingplatz.<br />

GOSBERT<br />

Das ist nicht Kellermann!<br />

RÜBENACKER<br />

Nietzsche Kellermann.<br />

Abo hebt seine Hand und zeigt ihnen den blutigen Verband mit dem<br />

fehlenden Finger.<br />

Drakonin nickt und Otranto führt Abo ab. Drakonin und Rübenacker<br />

folgen. Abo dreht sich zu Gosbert herum. Ihre Blicke treffen<br />

sich. Gosbert schüttelt den Kopf. Er kann nicht verstehen, warum<br />

Abo das für ihn getan hat.<br />

Was ist mit ihm?<br />

ABO<br />

RÜBENACKER<br />

Zoj jematsch Gosbert Klee?<br />

Drakonin bleibt stehen, dreht sich zu Gosbert herum und schießt.<br />

PENG! PENG!! PENG!!! Drei weitere Löcher.<br />

<strong>Ne</strong>in!!!<br />

(schreit)<br />

Abo will zum Ufer rennen, doch Otranto packt ihn und zieht ihn<br />

zurück.<br />

[Gosbert gibt seinen Kampf auf.] Das einströmende Wasser ist<br />

nicht mehr aufzuhalten. Schnell steht es Gosbert bis zu den<br />

Knien und steigt weiter.<br />

ABO<br />

168. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AM LANGNESE EISWAGEN - TAG<br />

Otranto sperrt Abo in den Laderaum. Abo schlägt von innen gegen<br />

die Tür.<br />

Da bemerkt Otranto, daß Rübenacker, der neben ihm steht, am<br />

ganzen Körper zittert. Otranto zieht aus seiner Tasche einen<br />

verfilzten Pullover und reicht ihn Rübenacker.<br />

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Der dankbare Blick von Rübenacker wird mit einem<br />

kameradschaftlichen Schulterschlag von Otranto angenommen.<br />

Chotsch!<br />

DRAKONIN<br />

Otranto und Rübenacker steigen zu Drakonin in die Fahrerkabine.<br />

169. INNEN - LADERAUM DES LANGNESE EISWAGENS - TAG<br />

Abo schlägt mit aller Kraft gegen die Tür.<br />

Der Eiswagen fährt los, Abo verliert das Geleichgewicht, stürzt<br />

und landet neben dem ins Leintuch gehüllten Maliq.<br />

170. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AM FLUSSUFER - TAG<br />

Das Boot wird vom Fluß geschluckt. Gosbert wird mit<br />

hinabgezogen, bis ihm das Wasser bis zum Hals steht. Weiter geht<br />

er nicht unter. Der Fluß ist an dieser Stelle zum Glück nicht<br />

tief genug.<br />

Da erschallt das KAVALLERIEANGRIFFSSIGNAL.<br />

Gosbert sieht, wie der "American Cruiser" den Weg von der<br />

Hauptstraße heruntergefahren kommt. Gosbert jubelt.<br />

171. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AN DER SCHRANKE - TAG<br />

Der Weg ist zu eng, daß zwei Autos aneinander vorbeifahren<br />

können. Wie zwei rivalisierende Stiere stehen sich der "American<br />

Cruiser" und der Langnese Eiswagen gegenüber.<br />

STEINBACHS STIMME<br />

(über Lautsprecher)<br />

Aus dem Weg ihr Eisfritzen, sonst puste<br />

ich euch von der Straße.<br />

172. INNEN/AUSSEN - LANGNESE EISWAGEN<br />

Rübenacker, Drakonin und Otranto schauen unbeeindruckt zum<br />

"American Cruiser".<br />

RÜBENACKER<br />

Tra dutsche bumpuffki.<br />

Tadruck.<br />

Dschedai.<br />

DRAKONIN<br />

OTRANTO<br />

Otranto zieht den Reißverschluß seiner Sporttasche auf.<br />

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173. INNEN - "AMERICAN CRUISER" - TAG<br />

Steinbach steht auf und geht nach hinten.<br />

Er holt aus einem Schrank eine Pumpgun heraus, lädt durch und<br />

öffnet die Seitentür. Was er sieht, läßt ihn erstarren.<br />

174. AUSSEN - "AMERICAN CRUISER" - TAG<br />

Otranto zielt mit einer Panzerfaust auf Steinbach und drückt den<br />

Abzug.<br />

175. AUSSEN - CAMPINGPLATZ/AM FLUSSUFER - TAG<br />

Gosbert sieht in Richtung Cruiser. Aus dem OFF hören wir, wie<br />

der Cruiser mit einer LAUTEN EXPLOSION in die Luft fliegt. Die<br />

DRUCKWELLE fegt Gosbert ins Gesicht und einer von Steinbachs<br />

COWBOYSTIEFELN platscht vor ihm ins Wasser und geht unter.<br />

Gosbert sieht, wie der Langnese Eiswagen den Campingplatz<br />

verläßt.<br />

Auf einmal ist alles still. Gosbert überfällt ein Kälteschauer.<br />

Er versucht sich zu bewegen. Die Fesseln lassen keine Bewegung<br />

zu. Hilfesuchend schaut er sich nach allen Seiten um. Angst<br />

überfällt ihn. Vor seinen Augen beginnt alles zu verschwimmen.<br />

Gosbert sieht, wie der Vogelstrauß ans Ufer tapst und ihn<br />

neugierig beobachtet. Wie eine Fata Morgana erhebt sich<br />

plötzlich hinter dem Strauß der Kilimandscharo<br />

(DOPPELBELICHTUNG).<br />

[Gosbert HÖRT das GEBRÜLL DER ELEFANTEN UND LÖWEN, den HUFSCHLAG<br />

FLÜCHTENDER ANTILOPEN und die TROMMELN DER MASSAI.]<br />

Gosbert schließt die Augen und verschwindet unter der<br />

Wasseroberfläche.<br />

Schweigen.<br />

Da tauchen ZWEI HÄNDE ins Wasser und ziehen Gosberts Kopf wieder<br />

an die Wasseroberfläche.<br />

Jetzt sehen wir, daß es Carlotta ist, die Gosbert unter die Arme<br />

greift und ans Ufer zieht.<br />

Carlotta schlottert vor Kälte. Sie versucht Gosbert mit<br />

Ohrfeigen wiederzubeleben. Gosbert reagiert nicht.<br />

Sie setzt sich auf Gosbert und beginnt eine Herzmassage.<br />

Gosbert reagiert nicht.<br />

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Carlotta beginnt eine Mund zu Mund Beatmung. Gosbert erwacht aus<br />

seiner Besinnungslosigkeit und beginnt vor Kälte zu zittern.<br />

GOSBERT<br />

(völlig benommen)<br />

Die haben Abo mitgenommen.<br />

Carlotta hilft ihm auf die Beine.<br />

GOSBERT<br />

Erzählt denen, daß er Kellermann ist. Der<br />

Idiot, der blöde.<br />

176. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Wenig später.<br />

CLOSE - Die HÄNDE VON GOSBERT und CARLOTTA reißen den<br />

Schaufensterpuppen die Kleider vom Leib.<br />

GOSBERT<br />

Riskiert sein Leben. Und was hat’s<br />

gebracht? Die haben mich trotzdem absaufen<br />

lassen. ... Der hat sich sein Grab selbst<br />

geschaufelt. Ganz allein hat er’s gemacht.<br />

Ganz allein. Der Idiot.<br />

177. INNEN - JEROMINS LKW - TAG<br />

Kurz darauf.<br />

Gosbert und Carlotta tragen die “Out of Africa” Safarikleidung.<br />

Wir müssen los!<br />

GOSBERT<br />

Gosbert eilt zur Hecktür und bemerkt, daß Carlotta ihm nicht<br />

folgt.<br />

GOSBERT<br />

Hey. Ich muß Abo da irgendwie rausholen.<br />

CARLOTTA<br />

Und was ist mit Geld?<br />

Gosbert zuckt mit den Schultern.<br />

Carlotta lächelt.<br />

GOSBERT<br />

Warum bist du eigentlich zurückgekommen?<br />

Die beiden schauen sich in die Augen.<br />

Carlotta sagt im Sinne von “Ich hab mich in dich verliebt”:<br />

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CARLOTTA<br />

Ich habe meine Giraffe vergessen,<br />

Dummkopf.<br />

178. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW, FAHRERKABINE - TAG<br />

Gosbert schließt die Tür auf der Fahrerseite auf.<br />

Carlotta steigt ein und rutscht weiter auf den Beifahrersitz.<br />

GOSBERT<br />

Du kannst kein Auto fahren?<br />

CARLOTTA<br />

Der Mann muß immer Auto fahren.<br />

<strong>Ne</strong>tt gesagt.<br />

GOSBERT<br />

Gosbert setzt sich hinter das Steuer. Sucht das Zündschloß,<br />

steckt den Autoschlüssel rein und dreht ihn herum. Der Motor<br />

HEULT AUF. Der LKW beginnt zu vibrieren.<br />

[Gosbert greift mit beiden Händen den Lenker und schaut<br />

entschlossen nach vorn. Dann geht er von der Kupplung und tritt<br />

aufs Gas.<br />

Der LKW macht einen Satz nach vorn. Der Motor HEULT. Wieder ein<br />

Satz nach vorn und wieder.<br />

Gosbert und Carlotta werden aus ihren Sitzen gehoben und fallen<br />

wieder zurück.]<br />

CARLOTTA<br />

Ich lauf schneller, als du fahren kannst.<br />

Gosbert bleibt hartnäckig. Das Hüpfen wird zu einem Rollen.<br />

Gosbert fährt.<br />

179. [AUSSEN - CAMPINGPLATZ - TAG<br />

Wir blicken hinab und sehen, wie der LKW, begleitet von einer<br />

euphorischen FILMMUSIK, im Zickzack-Kurs den Campingplatz<br />

überquert und schließlich den Weg zur Ausfahrt erklimmt.]<br />

180. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />

Unter der mächtigen Glaskuppel des Palmenhauses sieht es wie in<br />

einem afrikanischen Dschungel aus.<br />

Hagen und Weisshaupt stehen auf einem Plateau, von dem aus das<br />

Palmenhaus zu überblicken ist. <strong>Ne</strong>ben Hagen steht der<br />

Aluminiumkoffer.<br />

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Es ist heiß und feucht. Hagen schwitzt. Weisshaupt schwitzt nie.<br />

Weisshaupt schaut auf seine Taschenuhr.<br />

Aus dem OFF ist das AUF- UND ZUSCHLAGEN EINER TÜR zu hören.<br />

Hagen schaut nervös ins OFF.<br />

181. INNEN/AUSSEN - JEROMINS LKW (IN BEWEGUNG) - TAG<br />

Gosbert konzentriert sich, den Wagen durch die Straßen zu<br />

steuern.<br />

GOSBERT<br />

Scheiße, Katja holen wir nicht mehr ein.<br />

Doch.<br />

Gosbert schaut sie fragend an.<br />

CARLOTTA<br />

Carlotta grinst vor sich hin und zeigt Gosbert eine SCHRAUBE.<br />

182. AUSSEN - MOTORRAD (IN BEWEGUNG) - TAG<br />

Katja knattert mit LAUTEN FEHLZÜNDUNGEN eine Straße entlang,<br />

dann geht der Motor aus.<br />

Katja lenkt an den Straßenrand, versucht erneut zu starten.<br />

Vergeblich.<br />

Schließlich packt sie Kellermann am Arm und zieht ihn aus dem<br />

Seitenwagen.<br />

183. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />

Drakonin und Rübenacker betreten das Plateau und gehen auf Hagen<br />

und Weisshaupt zu.<br />

Drakonin schaut auf den Koffer.<br />

DRAKONIN<br />

Pinjonsa za tasch?<br />

RÜBENACKER<br />

Ist das Geld im Koffer?<br />

Wer sind Sie?<br />

HAGEN<br />

RÜBENACKER<br />

Wir sind aus Bandrikistan.<br />

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Das sagt Hagen überhaupt nichts.<br />

RÜBENACKER<br />

Wir haben Lorenz Kellermann.<br />

Kurzer Seitenblick von Hagen auf Weisshaupt. “ Was wird hier<br />

gespielt?”<br />

184. AUSSEN - PALMENGARTEN/HAUPTEINGANG - TAG<br />

Der Jeromin LKW kommt mit QUIESCHENDEN BREMSEN zum Stehen.<br />

Gosbert will aussteigen, doch Carlotta hält ihn zurück.<br />

Hast du Plan?<br />

CARLOTTA<br />

GOSBERT<br />

(entschlossen)<br />

Ja, ich hab ‘n Plan!<br />

Carlotta gibt ihm einen Kuß.<br />

185. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />

Hagen beobachtet, wie Otranto mit Abo das Plateau betritt und<br />

herankommt. Otranto drückt Abo eine SCHROTFLINTE MIT ABGESÄGTEM<br />

LAUF in die Seite.<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker erwarten eine Reaktion von<br />

Hagen.<br />

HAGEN<br />

Das soll wohl ein Witz sein.<br />

Comedia.<br />

Zo comedia?<br />

RÜBENACKER<br />

DRAKONIN<br />

RÜBENACKER<br />

Was ist hier witzig?<br />

Plötzlich fliegt ETWAS durch die Luft und landet zwischen den<br />

Bandriken und Hagen. Das Interesse aller richtet sich auf das<br />

Etwas: Es ist ein MUMIFIZIERTER SCHÄDEL MIT HAUT UND HAAREN.<br />

Waffe weg!!!<br />

GOSBERT (OFF)<br />

Alle Augen richten sich auf Gosbert, der die Ablenkung genutzt<br />

hat und jetzt auch auf dem Plateau steht. Er richtet einen<br />

riesigen DOPPELLÄUFIGEN ELEFANTENTÖTER auf Otranto.<br />

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Abo strahlt vor Freunde, Gosbert lebendig wieder zu sehen. Doch<br />

die Freunde hält nicht lange an, denn ...<br />

... Drakonin zieht eine Pistole aus seinem Schulterholster und<br />

richtet sie auf Gosbert.<br />

Gosbert legt an und zielt auf Otranto.<br />

Otranto lächelt. Provozierend steckt er den Lauf seiner Pistole<br />

in Abos Mund. Abo wird blaß vor Angst. Da:<br />

CARLOTTA (OFF)<br />

(zu Otranto)<br />

Wenn du ihm biegst ein Haar, dann ich<br />

schneid ihm den Hals durch.<br />

Carlotta steht hinter Rübenacker und hält ihm die Machete an die<br />

Kehle.<br />

Drakonin zieht eine zweite Pistole und richtet sie auf Carlotta.<br />

Klassisches MEXIKANISCHES STANDOFF.<br />

Otranto schiebt den Lauf der Pistole tiefer in Abos Mund.<br />

Gosbert zieht mit einem KLICKEN den HAHN zurück.<br />

Drakonin entsichert mit einem KLICKEN die erste Pistole.<br />

Carlotta drückt das Messer an Rübenackers Kehle.<br />

Drakonin entsichert mit einem KLICKEN die zweite Pistole.<br />

Es herrscht ein schweigendes Patt.<br />

KATJA (OFF)<br />

Guten Morgen Arschlöcher.<br />

Katja führt Kellermann auf das Plateau.<br />

Sie zieht Kellermann den Motorradhelm vom Kopf und schaut sich<br />

selbstbewußt in der Runde um.<br />

Hagen staunt nicht schlecht, einen lebenden Bruder zu sehen.<br />

Weisshaupt überrascht nichts mehr.<br />

Die anderen sind zu sehr mit ihrem mexikanischen Standoff<br />

beschäftigt, um sich für Katja zu interessieren.<br />

KATJA<br />

Von welchem der Herren krieg ich nun mein<br />

Geld?<br />

Sie sieht den Koffer neben Hagen. Sie vergleicht die Ähnlichkeit<br />

der beiden Brüder.<br />

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Mit einem Seitenblick bemerkt auch Otranto die Ähnlichkeit<br />

zwischen den beiden Brüdern.<br />

Zoj Kellermann?<br />

OTRANTO<br />

Ohne Gosbert und Carlotta aus den Augen zu lassen:<br />

DRAKONIN<br />

Nietzsche waschnje.<br />

Drakonin und Otranto schauen fragend zu Rübenacker.<br />

RÜBENACKER<br />

(zu Carlotta)<br />

Entschuldigung. Ich muß übersetzen.<br />

CARLOTTA<br />

Tu dir nix Zwang an.<br />

Katja schiebt Kellermann vor sich her und baut sich mit ihm vor<br />

Hagen auf.<br />

KATJA<br />

(zu Hagen)<br />

Hier ist ihr Brüderchen, gesund und<br />

munter. Dafür will ich Kohle sehen.<br />

RÜBENACKER<br />

Za brat Kellermann. Livischko e ta.<br />

Eugnisko pinjonsa.<br />

HAGEN<br />

(herablassend)<br />

Für ein gesundes und munteres Brüderchen<br />

gibt es keine Kohle!<br />

RÜBENACKER<br />

Toi brat livischko e ta nitzsche pinjonsa.<br />

KATJA<br />

Soll ich ihn vielleicht abknallen?<br />

RÜBENACKER<br />

Tarum probabilitie pumpuffki?<br />

Brillante Idee.<br />

HAGEN<br />

RÜBENACKER<br />

Brillianski ideematsch.<br />

Drakonin glaubt nicht richtig verstanden zu haben.<br />

DRAKONIN<br />

Mortadesch Kellermann!?!<br />

RÜBENACKER<br />

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(nickt)<br />

Mortadesch Kellermann.<br />

Auch Katja kann nicht glauben, was sie da hört. Sie schaut in<br />

die Runde.<br />

KATJA<br />

Und ihr habt gedacht, daß wieder mal eine<br />

Frau die Drecksarbeit für euch macht. Da<br />

habt ihr aber falsch gedacht. Von euch laß<br />

ich mich nicht mehr ausbeuten. Ich nicht.<br />

Das ist so eine typische Männerscheiße.<br />

RÜBENACKER<br />

Zastanowitsch kobieta rabotitsch schisko.<br />

Zastanowitsch wrotsch. Nitzsche tasimak.<br />

Nitzsche. Zo reck typitsch meschissna.<br />

Wütend, in Holländisch vor sich herfluchend, tritt Katja ab.<br />

Hagen wendet sich an Gosbert. Der zielt weiter auf Otranto.<br />

HAGEN<br />

Wir haben einen Handschlagvertrag. - Sie<br />

brauchen nur abzudrücken, und schon sind<br />

Sie mehrfacher Millionär.<br />

RÜBENACKER<br />

Warkosch il schiwadek watschklatsch. On il<br />

puffki wietschek millionski.<br />

Hagen nimmt den Aluminiumkoffer und stellt ihn in die Mitte<br />

neben den mumifizierten Schädel.<br />

Gosbert riskiert einen Blick auf den Koffer. Dann schaut er<br />

wieder zu Otranto.<br />

Otranto schüttelt lächelnd den Kopf und gibt Gosbert zu<br />

verstehen, daß er Abo erschießen wird, wenn er nach dem Koffer<br />

greift, indem er die Pistole in Abos Mund entsichert.<br />

Puffki!!!<br />

OTRANTO<br />

HAGEN<br />

(zu Gosbert)<br />

Sie müssen bereit sein, für Geld alles zu<br />

tun.<br />

RÜBENACKER<br />

Tutai malosch zahlo pinjonsa.<br />

Gosbert schwenkt den Elefantentöter von Otranto weg.<br />

Abo schließt die Augen.<br />

Gosbert zielt jetzt mit dem Elefantentöter auf Kellermann.<br />

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CARLOTTA<br />

(entsetzt)<br />

<strong>Ne</strong>in. Gosbert. <strong>Ne</strong>in.<br />

RÜBENACKER<br />

Nitzsche. Gosbert. Nietzsche.<br />

Carlotta schaut zu Otranto, in der Erwartung, daß er Abo<br />

erschießen wird.<br />

OTRANTOS FINGER krümmt sich um den Abzug, trotzdem wartet er<br />

noch ab.<br />

Hagen ist zufrieden.<br />

Gosbert zielt weiter auf Kellermann.<br />

Carlotta hält die Luft an.<br />

GOSBERT<br />

(zu Kellermann)<br />

Ihr Bruder zahlt mir zehn Millionen für<br />

Ihren Kopf. Was haben Sie zu bieten?<br />

RÜBENACKER<br />

Brat pinjonska dschjestwitsch millionski<br />

vadim glowna. Zo offerska za?<br />

Kellermann zieht sich die Pflaster von den Augen.<br />

Hagen ist irritiert. Weisshaupt beobachtet analysierend.<br />

KELLERMANN<br />

(gelassen zu Gosbert)<br />

Ich zahle Ihnen elf Millionen.<br />

RÜBENACKER<br />

Ja pinjonski jedennaschtsch millionski.<br />

Hagen ist verunsichert und wird nervös.<br />

HAGEN<br />

Auf was warten Sie?<br />

Zo ja waitasch?<br />

Auf ihr Gebot.<br />

Ta offerska.<br />

RÜBENACKER<br />

GOSBERT<br />

RÜBENACKER<br />

HAGEN<br />

Hören Sie zu. In diesem Koffer sind zehn<br />

Millionen. Und jetzt knallen Sie ihn<br />

endlich ab.<br />

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RÜBENACKER<br />

Lietsche. Za tasch sa dschjestwitsch<br />

millionski. Dam puffki subitosch.<br />

Gosbert schwenkt den Elefantentöter und zielt auf Hagen.<br />

Moment mal.<br />

Millowitsch.<br />

HAGEN<br />

RÜBENACKER<br />

GOSBERT<br />

Das Gebot steht bei elf Millionen.<br />

RÜBENACKER<br />

Offerska stoj jedennaschtitsch millionski.<br />

HAGEN<br />

Sie glauben doch wohl selbst nicht, daß<br />

ich bei so was mitmache.<br />

Gosbert richtet die Waffe kurz in die Luft und drückt ab.<br />

POWWW!!!<br />

HAGEN<br />

(eifrig)<br />

Ich biete zwölf. Zwölf Millionen.<br />

RÜBENACKER<br />

Zo believasch nietzschewa. Zabou roski<br />

tak. Ja offerska dwanastitsch millionski.<br />

Gosbert schwenkt den Elefantentöter zu Kellermann.<br />

KELLERMANN<br />

(gelassen)<br />

Dreizehn Millionen.<br />

RÜBENACKER<br />

trijastitsch millionski.<br />

Vierzehn.<br />

HAGEN<br />

RÜBENACKER<br />

Tschernastitsch.<br />

Fünfzehn.<br />

KELLERMANN<br />

RÜBENACKER<br />

Pietschnastitsch.<br />

Achtzehn.<br />

HAGEN<br />

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Osjemastitsch.<br />

RÜBENACKER<br />

KELLERMANN<br />

Dreißig Millionen.<br />

RÜBENACKER<br />

Tritscheschski millionski<br />

Überraschte Blicke der Anwesenden.<br />

186. AUSSEN/INNEN - TELEFONZELLE - TAG<br />

Lächelnd nimmt Katja einen letzten Zug, drückt ihre Zigarette<br />

aus und hebt den Hörer ab.<br />

Sie konzentriert sich eine Sekunde und beginnt plötzlich mit<br />

schnellen Atemzügen zu hyperventilieren, bis sie völlig außer<br />

Atem ist. Dann wählt sie 1-1-0.<br />

KATJA<br />

(mit gespielt Panik)<br />

Hallo. Polizei? ... Hallo. ...<br />

Gottseidank!<br />

187. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />

Hagen ist mit den <strong>Ne</strong>rven am Ende.<br />

RÜBENACKER<br />

Trizechschentni millionski.<br />

HAGEN<br />

(zu Kellermann)<br />

Dreihundertvierzig Millionen. Woher willst<br />

du dreihundertvierzig Millionen nehmen?<br />

RÜBENACKER<br />

Zo wa get trizechschentni millionski?<br />

KELLERMANN<br />

Ich verkaufe unsere Guffin Aktien.<br />

RÜBENACKER<br />

Presedawa naschtsch aktowka.<br />

Hilfesuchend schaut Hagen zu Weisshaupt.<br />

[HAGEN<br />

Weisshaupt. Wieviel sind unsere Anteile<br />

bei ICI Electronics wert?<br />

RÜBENACKER<br />

Zo ja bianka aktowka ICI Electronics?<br />

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WEISSHAUPT<br />

Vierhundertzehn Millionen.] Aber die<br />

können Sie nicht verkaufen, sonst<br />

verursachen sie einen Börsencrash.<br />

RÜBENACKER<br />

Tscherista millionski. Ja nietzsche<br />

pinjonskaja, ta robutni bum walschtriet.<br />

[KELLERMANN<br />

Er hat Recht. Trotzdem hätten wir Herrn<br />

Weisshaupt schon längst entlassen sollen.<br />

RÜBENACKER<br />

Juristika. Dombrovko ultimo disarschitsch<br />

Weisshaupt.]<br />

HAGEN<br />

(schweißgebadet)<br />

Vierhundertzehn Millionen. Das ist mein<br />

letztes Angebot.<br />

RÜBENACKER<br />

Tscherista millionski. Toja finalitsch<br />

offerska.<br />

Gosbert schwenkt den Elefantentöter zu Kellermann. Von ihm kommt<br />

kein weiteres Angebot. Hagen freut sich über seinen Sieg und<br />

schaut erwartungsvoll zu Gosbert.<br />

Alle anderen schauen erwartungsvoll zu Gosbert. Was wird er<br />

jetzt tun?<br />

Gosbert lächelt Kellermann an. Kellermann lächelt und nickt. Er<br />

hat verstanden.<br />

Gosbert schleudert den Elefantentöter weg. Er geht zu Otranto.<br />

Otranto hat verstanden und zieht Abo den Revolver aus dem Mund.<br />

Carlotta läßt Rübenacker los und Drakonin steckt seine Pistolen<br />

weg.<br />

Gosbert und Abo stehen sich gegenüber. Gosbert schaut auf die<br />

verbundene Hand und sucht nach Worten der Entschuldigung.<br />

Abo zieht ein Päckchen Kaugummis aus der Manteltasche, steckt<br />

sich zwei Streifen in den Mund und bietet dann Gosbert das<br />

Päckchen an.<br />

ABO<br />

Wenn de richtig kauen willst, brauchste<br />

zwei.<br />

RÜBENACKER<br />

Babbelwatsch gumgum, prozedowa dwasch.<br />

Gosbert lächelt und nimmt sich zwei Streifen.<br />

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Carlotta beobachtet die beiden und freut sich.<br />

Hagen platzt jetzt der Kragen.<br />

HAGEN<br />

Was ist jetzt los? Mein Gebot steht, und<br />

ich will jetzt, daß jemand schießt.<br />

RÜBENACKER<br />

Zo jest rubje? Offerska stojatsch, ja<br />

wolje druga puffki.<br />

Otranto zielt auf Hagen und drückt ab. In der gleichen Sekunde<br />

stößt Drakonin Otrantos Arm zur Seite.<br />

POW!!!<br />

Die Kugel fällt eine Palme.<br />

Nietzsche!!!<br />

Otranto versteht nicht.<br />

DRAKONIN<br />

Drakonin geht zu Hagen und blickt ihm lange in die Augen. Hagen<br />

wagt nicht zu atmen.<br />

DRAKONIN<br />

Zo futschikatsch toira familia, tadesch<br />

zola flaschi ta lup wakutzaschki.<br />

Drakonin wartet, daß Rübenacker übersetzt ...<br />

RÜBENACKER<br />

Wer bereit ist sein eigen Fleisch und Blut<br />

zu töten, ist soviel wert wie der Furz<br />

eines Regenwurms.<br />

... dann spuckt er Hagen ins Gesicht.<br />

Otranto versteht und schlägt Drakonin kameradschaftlich auf die<br />

Schultern.<br />

OTRANTO<br />

Naschin brasch Maliq ta domo?<br />

(Bringen wir Maliq nach Hause?)<br />

Sie wenden sich von Hagen ab.<br />

[Abo reicht Kellermann Mantel und Hut zurück.<br />

Hagen blickt hilfesuchend zu Weisshaupt.<br />

HAGEN<br />

Weisshaupt. Tun Sie was?<br />

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WEISSHAUPT<br />

Geld kann nicht alles in der Welt.<br />

Er wendet sich ab und geht.]<br />

Hagen und Kellermann stehen allein da, zwischen ihnen der Koffer<br />

mit dem Geld.<br />

Plötzlich zischen aus verschiedenen Richtungen RAUCHBOMBEN<br />

heran, explodieren und nebeln das Palmenhaus ein.<br />

LAUTSPECHERSTIMME (OFF)<br />

Keine Angst Herr Kellermann. Wir sind die<br />

Polizei. Wir holen Sie da irgendwie lebend<br />

raus.<br />

Drakonin und Otranto ziehen ihre Pistolen und schießen wahllos<br />

in alle Richtungem<br />

KOMMANDORUFE ÜBER LAUTSPRECHER sind zu HÖREN.<br />

Es ist im Folgenden kaum was zu erkennen. Manchmal klar, dann<br />

nur wieder schemenhaft, sehen wir MASKIERTE POLIZISTEN IN<br />

KAMPFANZÜGEN sich durch den Dschungel “kämpfen”, einige seilen<br />

sich von den Stahlträgern ab.<br />

ROTE LASERPOINTER der SCHARFSCHÜTZEN tanzen durch den Rauch.<br />

Jeder schießt irgendwo hin. Niemand trifft niemanden.<br />

Weisshaupt wirft sich zu Boden.<br />

Otranto packt den verdatterten Rübenacker und reißt ihn zu<br />

Boden.<br />

Drakonin rollt über den Boden,um den Laserpointern zu entkommen.<br />

Gosbert zieht Abo und Carlotta mit sich und eilt tief gebückt zu<br />

einem Gullydeckel.<br />

Hagen dreht sich orientierungslos im Kreis.<br />

Einige Rauchschwaden verfliegen. Da sieht Hagen, daß noch ein<br />

anderer stehen geblieben ist: Kellermann schaut ihn wie ein<br />

strafender Gott an.<br />

HAGEN<br />

(gibt klein bei)<br />

Na gut, laß uns darüber reden.<br />

Kellermann stürzt sich auf Hagen. Die beiden stürzen von dem<br />

Plateau in einen Teich, wo sie sich wie zwei Kinder zu prügeln<br />

beginnen.<br />

Otranto drückt Rübenacker seine Pistole in die Hand. Während<br />

Rübenacker das Schießen übernimmt, öffnet Otranto den<br />

Reißverschluß seiner Sporttasche.<br />

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[Carlotta blickt zurück und sieht den Aluminiumkoffer<br />

mutterseelenallein herumstehen.<br />

Sie will zurückspurten, um sich den Koffer zu holen, wird aber<br />

von Gosbert zurückgehalten.<br />

CARLOTTA<br />

Wie willst du mir zahlen meine 5.000 Mark<br />

ohne Koffer?<br />

ABO<br />

Und meine Standgebühren und die<br />

Gasflasche?<br />

GOSBERT<br />

(kopfschüttelnd)<br />

Oh Mann...<br />

Gosbert versucht den Gullydeckel anzuheben. Abo hilft ihm.<br />

Schließlich hilft auch noch Carlotta. Gemeinsam schaffen sie es.<br />

Weisshaupt beobachtet, wie sie in den Gully steigen.]<br />

Die Kellermann Brüder versuchen sich gerade gegenseitig zu<br />

ertränken.<br />

Otranto bereitet eine MODELLRAKETE zum Abschuß vor. Sie sieht<br />

aus, wie die Rakete aus dem Comic „TIM UND STRUPPI: REISEZIEL<br />

MOND“.<br />

[Weisshaupt flüchtet in den Gully.]<br />

188. AUSSEN - JEROMIN LKW - TAG<br />

CLOSE - GULLYDECKEL wird von unten aufgestoßen. Gosberts Kopf<br />

erscheint. Er schaut sich orientierend um.<br />

Aus dem OFF sind GERÄUSCHE von HUNDERTSCHAFTEN, PANZERN,<br />

SIRENEN, HUBSCHRAUBERN zu HÖREN<br />

Direkt vor ihm steht der Jeromin LKW.<br />

Gosbert schiebt den Deckel zur Seite und klettert hinaus. Er<br />

reicht Carlotta und Abo helfend die Hand.<br />

189. INNEN/AUSSEN - JEROMIN LKW, FAHRERKABINE - TAG<br />

Gosbert setzt sich hinter das Steuer. Abo und Carlotta auf den<br />

Beifahrersitz.<br />

ABO<br />

Du kannst Auto fahren?<br />

GOSBERT<br />

Ich tu, was ich kann.<br />

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Gosbert startet, und der LKW beginnt davon zu hoppeln.<br />

ABO (OFF)<br />

Komm laß mich mal. Partner<br />

190. AUSSEN - PALMENHAUS - TAG<br />

Drakonin schaut zu Otranto und nickt.<br />

Otranto drückt auf einen Knopf an seiner Fernbedienung.<br />

Die Rakete zischt und funkt ...<br />

Rübenacker kneift die Augen zu.<br />

191. AUSSEN - STRASSE - TAG<br />

Der Jeromin LKW fährt in den BILDHINTERGRUND.<br />

Eine GIGANTISCHE EXPLOSION ist aus dem OFF zu HÖREN.<br />

Eine WEISSE STAUBWOLKE fegt aus dem VORDERGRUND IN DEN<br />

BILDAUSSCHNITT und taucht das BILD in WEISS.<br />

192. AUSSEN - LANGNESE EISWAGEN - TAG<br />

Aus der weißen Staubwolke treten hustend und völlig verstaubt<br />

Drakonin, Otranto und Rübenacker an den Langnese Eiswagen heran.<br />

Rübenacker reicht ein wenig traurig Drakonin und Otranto die<br />

Hand. Otranto umarmt ihn sogar.<br />

OTRANTO<br />

Nix kommen in Teufelsküche, ja?<br />

Tadruck.<br />

Dschedai.<br />

RÜBENACKER<br />

OTRANTO<br />

Drakonin und Otranto steigen ein.<br />

Rübenacker schaut ihnen hinterher, wie sie davonfahren.<br />

Plötzlich bleibt der Eiswagen stehen. Rübenacker rennt los,<br />

steigt in die Fahrerkabine ... und ab gehts zu dritt und dem<br />

toten Maliq nach Bandrikistan.<br />

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193. INNEN - PALMENHAUS - TAG<br />

Kellermann und Hagen stehen wie zwei schlammverkrustete<br />

Urmenschen im Teich und blicken in die Mündungen der<br />

Maschinenpistolen, die die maskierten Polizisten auf sie<br />

richten.<br />

KELLERMANN<br />

(zu den Polizisten)<br />

Fakt ist: Es hat zu keinem Zeitpunkt eine<br />

Entführung meiner Person stattgefunden.<br />

Ich habe lediglich ein paar Tage Urlaub<br />

gemacht.<br />

Ein REPORTER drängt sich vor.<br />

Kellermann legt kameradschaftlich den Arm über die Schulter<br />

seines Bruders und lächelt in die Kamera.<br />

Der Reporter schießt ein Foto.<br />

BLITZ - GRELLES GEGENLICHT<br />

194. AUSSEN - STRASSE - TAG<br />

Der Aluminiumkoffer fliegt durch die Luft und landet krachend<br />

mitten auf der Straße.<br />

REIFENQUIETSCHEN aus dem OFF.<br />

195. INNEN/AUSSEN - JEROMIN LKW - TAG<br />

Gosbert, Abo und Carlotta starren auf den Koffer.<br />

Der Deckel springt auf. Der Koffer ist bis zum Rand mit<br />

GELDSCHEINEN gefüllt.<br />

Gosbert, Abo und Carlotta trauen ihren Augen nicht.<br />

Der WIND beginnt die GELDSCHEINE durch die Luft zu wirbeln.<br />

Carlotta und Abo springen aus dem LKW.<br />

Gosbert bleibt entschieden sitzen.<br />

Abo dreht sich zu ihm herum.<br />

ABO<br />

Das ist ‘ne <strong>günstige</strong> <strong>Gelegenheit</strong>.<br />

Abo und Carlotta hüpfen ausgelassen herum und fangen die<br />

herumflatternden Geldscheine ein.<br />

Gosbert beobachtet ihr Treiben. Endlich wuchtet er sich aus dem<br />

Sitz und springt mit Abo und Carlotta auf Geldscheinfang<br />

ausgelassen herum.<br />

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Gosbert und Carlotta umarmen sich.<br />

FREEZE FRAME mit dem Untertitel:<br />

Gosbert und Carlotta heiraten in Afrika<br />

und kaufen mit Abo den Kilimandscharo<br />

Abo findet im Koffer seinen abgeschnittenen Finger.<br />

FREEZE FRAME mit dem Untertitel:<br />

Abos Finger wird von Jeromins Frau Mama<br />

Toto Bashwily wieder angenäht.<br />

196. FREEZE FRAME: LORENZ UND HAGEN KELLERMANN<br />

Untertitel:<br />

Lorenz und Hagen Kellermann kommen wegen<br />

Steuerhinterziehung ins Gefängnis. Dort<br />

schreiben sie einen Bestseller mit dem<br />

Titel ‘NE GÜNSTIGE GELEGENHEIT.<br />

197. FREEZE FRAME: DRAKONIN UND OTRANTO<br />

Untertitel:<br />

Drakonin und Otranto werden als<br />

bandrikisches Gesangsduo weltberühmt und<br />

stinkreich.<br />

198. FREEZE FRAME: RÜBENACKER<br />

Untertitel:<br />

Georg Rübenacker eröffnet das erste<br />

Goetheinstitut in Bandrikistan.<br />

199. [FREEZE FRAME: MALIQS GRAB<br />

Auf dem Grab sehen wir eine Erhebung im Genitalbereich<br />

Untertitel:<br />

Maliq ruht sanft in der Muttererde seines<br />

Vaterlandes.]<br />

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200. FREEZE FRAME: KATJA HELLWEIN<br />

Untertitel:<br />

Katja Hellwein wird Frauenbeauftragte im<br />

deutschen Bundestag.<br />

201. [FREEZE FRAME: KARL WEISSHAUPT<br />

In einem Abwasserkanal ein Schatten von Weisshaupt wie in “Der<br />

dritte Mann”.<br />

Untertitel:<br />

Karl Weisshaupt wurde das letzte Mal vor<br />

zwei Jahren in den Abwasserkanälen Sektor<br />

23/A gesehen.]<br />

202. FREEZE FRAME: VOGELSTRAUSS<br />

Untertitel:<br />

‘NE ABBLENDE.<br />

Der Strauß stellt am Kilimandscharo fest,<br />

daß er weder Strauß noch Emu, sondern ein<br />

Nandu ist.<br />

Fakt ist, das ist das<br />

-ENDE-<br />

Tadruck<br />

Dschedai<br />

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