Die rituelle Mannifaltigkeit des Hochamtes in den Handschriften des ...

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Die rituelle Mannifaltigkeit des Hochamtes in den Handschriften des ...

3Handschriften erscheinen. Heute wissen wir (wie mein Schüler Juanjo Ferrer in einerTagung über die Überlieferung des Avesta, die September 2009 in Salamanca stattfand,gezeigt hat), dass die Einfügung dieser Glossen viel später, erst in Indien um das 16.und 17 Jhr. stattgefunden hat. Humbach (1973) versuchte philologische Argumente füreine Herleitung unsrer VS-Hss aus den Phl-Hss zu bieten, aber diese Argumente habenheute ihre Kraft eingebüsst. Die These der Ursprüngligkeit der Phl.-Hss war seit denAnfängen der Avesta-Forschung eine Folge der aprioristischen Annahme, dass unsereHandschriften Überreste des exegetischen Avesta sind. Da das exegetische Avesta einePU hatte, müssen die Hss mit PÜ die Originalen sein.Kellens hat jedoch 1998 in JA die Meinung geäussert, dass beide Sammlungenwenigsten seit dem 8 Jhr. unabhängig voneinander bestehen. Das „praktische Avesta“besteht nicht aus Überresten des „exegetischen Avesta“, sondern ist eine alternativeSammlung mit eigenen Zwecken, und sie steht in keiner direkten Verbindung zu dem„exegetischen Avesta“. Die Handschriften gehen also auf eine alternative Sammlungmit rituellem Zweck zurück. Heute können wir ein starkes Argument für dieseHerleitung anführen, das bisher in der Diskussion nicht aufgebracht worden ist.Es besteht eine unverkennbare Verbindung zwischen dem Nērangestān, einemsasanidsichen Buch mit ritualen Anweisungen, die neulich von Prof. Kreyenbroek undF. Kotwal ediert und übersetzt worden ist, und unseren Sāde-Handschriften. DieTradition, die zur Komposition des Nērangestān führte, ist dieselbe, die dieBeschreibungen der Rituale, so wie sie in den Sāde-Handschriften erscheinen, erzeugthat. Diese Beschreibungen dienen aber nicht dem Gebrauch im Ritual, sondernhauptsächlich der Priesterausbildung. Die Hss enthalten auch häufig nicht „den Text“einer Zeremonie, sondern unterschiedliche mögliche Varianten. Solche Handschriftensind wohl kaum für den Gebrauch in der rituellen Praxis entstanden, sondern sie sindfür Lehre in den priesterlichen Schulen bestimmt. Man beachte, dass in denKolophonen der Sāde-Hss der Unterricht immer als erste mögliche Verwendung derHss angegeben wird. Diese Beschreibungen der Zeremonie, in denen rituelleAnweisungen (nērang) den rituellen Text begleiten, wurden wahrscheinlich zunächstmündlich tradiert, aber es ist ebenfalls wahrscheinlich, dass sie ziemlich bald auch fürdie Ausbildung der Priester niedergeschrieben wurden. Eine schriftliche Versiondavon war wenigstens so nützlich wie eine schriftliche Version des Nērangestān. Es istfolglich denkbar, dass unsere Sāde–Handschriften auf die Zeit der Erfindung der

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