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61. JAHRGANG – NOVEMBER 2010 – NR. 11ISSN 1861- 9746 Verkaufspreis: 2,50 Euro H 6114Schlesischer GottesfreundNACHRICHTEN UND BEITRÄGE AUSDEM EVANGELISCHEN SCHLESIENWiesbaden war am erstenOktoberwochenende Ortder Jubiläumsfeierlichkeitender Gemeinschaft evangelischerSchlesier. DieseAusgabe berichtet ausführlichdarüber. Das Titelbildzeigt die als “Nassauer Landesdom”von Carl Booszwischen 1853 und 1863 erbauteevangelische Marktkirche.Foto: ANN


Geistliches Wort 162GEISTLICHES WORT S. 16260 JAHRE GEMEINSCHAFTEVANGELISCHER SCHLESIEREin bewegendes Erlebnis S. 163Dankbarer Rückblick S. 164Was sonst noch geschah? S. 165Ehrennadel der Gemeinschaft ev.Schlesier verliehen S. 166Zum “60.” 60 Hunderter S. 167Das Geburtstagsgeschenkzum Jubiläum S. 167Der Segen liegt im Geben S. 168BEITRÄGE... die StätteDEINES Hauses ... S. 170MELDUNGENEs muß etwas getan werden! S. 172Martin Herche neuerGeneralsuperintendentim Sprengel Görlitz S. 173TERMINE/VERANSTALTUNGEN S. 174AUS DER LESERGEMEINDE S. 174EMPFEHLUNG S. 176BegegnungenAlles wirkliche Leben ist Begegnung, sagte treffendMartin Buber. Wenn wir an anregende Erlebnissedenken, oder auch an sehr belastende Erfahrungen,dann erinnern wir uns an Begegnungen unterschiedlichsterArt. Das erleben wir nicht nur mit Menschen, sondern auchan eindrücklichen Orten oder auch in der Musik. Wer eineStadt oder ein Land kennen lernen will, der muß genau hinschauen,Geräusche und Gerüche auf sich wirken lassen,und den dort lebenden Menschen begegnen. So begegnenwir den uns unbekannten Ländern und Städten. Für michverbinden sich Begegnungen und schöne Zeiten mitGesprächen und bereichernden Stunden im Kreis von angenehmenMenschen. Zurecht können wir sagen: “Alleswirkliche Leben ist Begegnung”.Unser Jubiläumsfest “60 Jahre Gemeinschaft evangelischerSchlesier” Anfang Oktober in Wiesbaden hat unsauch Begegnungen mit unserer vergangenen Zeit und unsvertrauten Weggefährten gebracht. Begegnungen mit gutenErinnerungen, aber auch an solche, die oft schmerzhafterlebt wurden auf der Flucht oder während der Vertreibungund in belastender Weise beim Ankommen in der neuen“Heimat”. Diese “Begegnungen” mit dem Zurückliegendenfällt uns leichter, wenn wir mit denen zusammen sind,die ein ähnliches Schicksal erlebt haben. Im Zusammensein,im Erzählen, mit vertrauten Menschen können wir inder gemeinsamen Rückschau leichter belastende Erfahrungenbeiseite legen und uns neuen Bereichen zuwenden.Dieses Jubiläumsfest war eine solche ermutigendeBegegnung.Begegnungen mit unseren uns belastenden Erinnerungenermutigen uns diese anzuschauen, und wir erkennendarin neue Sichtweisen, die das Leben bereichert, auchwenn es schmerzt. Menschen, die sich auf Lebensrückblickeeinlassen, sind aufgeschlossener und dem jetzigenLeben gegenüber zugewandter. Wenn es uns gelingt, dasgelebte Leben als wirklich eigenes Leben anzunehmen,werden wir in all den belastenden Begegnungen Bewahrungenerkennen, die uns geschenkt wurden, und auchBewährungen sehen, die unausweichlich durchzustehenwaren und nun Ermutigung sind, die das Jetzt und Hierzuversichtlicher macht.Begegnungen aber bedürfen des Gesprächs mit Zuhörenund Erzählen. Verständige und einfühlsame Menschen zufinden, das wünschen wir uns. Man fühlt sich verstanden,wenn man in seinem Selbstverständnis wahrgenommenund auch ernst genommen wird. Für uns, auch uns älterenMenschen ist es wichtig, wenn sich jüngere Menschen,oder auch unsere Familienangehörigen für uns und unserLeben interessieren. Wer kennt nicht Begegnungen, wo wirvon anderen Menschen nicht verstanden oder in unseremSo-Gewordensein überhaupt nicht akzeptiert werden.Natürlich hat das hat viele Gründe, die auch in mir liegenkönnen. Verstandenwerden, diese Erwartung und Sehnsuchtbleibt. Alleinsein, Verbitterung, depressive Stimmungen.In diesem Zusammenhang erinnere ich mich andas Doppelgebot der Liebe: “…liebe deinen Nächsten, wiedich selbst.” Wer sich selbst nicht “lieben” kann, vielleichtwäre es treffender zu sagen, wer sich mit seinem Lebennicht versöhnt ist, der kann auch den Nächsten nicht liebendund versöhnlich begegnen. Es ist die Chance fürmich, meine eigene Lebensgeschichte anzunehmen unddarin eine Aussöhnung zu erfahren. So mit dem eigenenLeben versöhnte Menschen können sich liebenswürdiger inBegegnungen mit anderen verhalten, wohlwollend zuhörenund ermutigen, können den Standpunkt des anderen geltenlassen. Wir reden doch miteinander, weil wir unterschiedlicheErfahrungen und Ansichten haben. Besserwisser sindunangenehme Menschen, ihnen kann man im Grunde nichtin respektvoller Weise begegnen. Wir begegnen einander,weil wir aufeinander angewiesen sind. Wer redet oder sichauch schriftlich äußert, der will etwas mitteilen, der willverstanden und respektiert werden, auch wenn die Standpunkteweit auseinander liegen.Das Bedürfnis nach Begegnungen und im Verstandenwerdendie Bedeutung des eigenen Daseins erfahren, dastreibt viele um. Nachdenkliche Menschen leben bewußter,denn sie versuchen ihr Leben mit all den zugemutetenErfahrun-gen zu verstehen und ermutigend einzuordnen.Vieles kann man nicht beeinflussen, aber man muß dasanvertraute Leben in einer so geprägten Zeit – in der einmaligenGeschichte mit großen Umwälzungen undChancen – lebenswert gestalten. Da helfen uns guteBegegnungen mit Menschen und mit der Bibel.Da hilft mir die Begegnung mit biblischen Aussagen,die glaubende Menschen an uns weitergaben. Auch siehaben lange Zeit vor uns ihr eigenes Leben in der unverfüg-


16360 JAHRE GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIERbaren Geschichte zuversichtlich gestaltet, und zwar unterschwierigsten und manchmal ausweglosen Lebensproblemen.Was mag der Psalmbeter für Schweres erlebt haben,und wie hat er die Nähe Gottes hilfreich erfahren, wenn erbetet? “…und ob ich schon wanderte im finstern Tal,fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir…” (Ps. 23)Die Vergeßlichkeit und Undankbarkeit werden hier mahnendangesprochen: “Lobe den Herrn, meine Seele, undvergiß nicht, was ER dir Gutes getan hat…” (Ps.103) Sichausgegrenzt fühlen, Einsamkeit, Alleinsein, das alles kenntder auferstandene Christus und verheißt: “Und siehe, ichbin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende”. (Mt. 28,20)Zukunftsangst, Ungerechtigkeit, Gewalt und Egoismus, diedarüber erschrockene Jünger tröstet Jesus: “In der Welthabe ihr Angst; aber seid getrost, ich habe diese Welt überwunden.”(Joh.16,33)Jeder von uns wird in der Bibel oder in Gesprächen mitreifen Menschen ermutigende Zusagen gefunden odergehört haben, die uns hilfreich durch das Leben begleiten.Solche Ermutigungen machen uns offen für die vor uns liegendeZeit. Wer bereichernde Begegnungen erlebt hat, dererinnert sich gerne an Menschen und Gespräche, auch anvertraute Orte. Im Zusammenspiel aller möglichen Begegnungsformenwerden wir unseren LebensanorderungenSinn und Bedeutung geben. So ist es: Alles wirkliche Lebenist Begegnung! Georg Burkert Ein bewegendes ErlebnisÜber die Tagung des Vereins für Schlesische KirchengeschichteMANFRED BÜNGERDaß über eine kirchengeschichtliche Fachtagung dieÜberschrift “ein bewegendes Erlebnis” gesetztwerden kann, ist schon für sich eine bemerkenswerteAussage. Also offensichtlich nicht nur ein trockener wissenschaftlicherAustausch über längst in die Geschichte abgeschobeneEreignisse, sondern viel persönlich Bewegendesin diesen Tagen vom 29. September bis 1. Oktober2010 in Wiesbaden.Es ist für uns alle eine solche Selbstverständlichkeit,daß wir es fast vergessen haben: das Bewußtsein, daß wirin unserem Leben in eine bestimmte Geschichte eingebundensind, gehört zu unserem Menschsein unverzichtbarhinzu. Wir sind eben nicht nur das Produkt unserer Erbanlagen,sondern werden mindestens ebenso durch unsereLebensgeschichte geprägt. Um uns selbst zu verstehen, istdarum immer wieder die Rückbesinnung auf unsereGeschichte notwendig. Das gilt für uns Einzelpersonen,aber auch für das ganze Volk und die Kirche.Deshalb bemüht sich der Verein für schlesischeKirchengeschichte, mit seiner Arbeit das Wissen um dieGeschichte der evangelischen Kirche Schlesiens zu bewahren.Zugleich versucht er auch, sie in ihrer polnischenGegenwart zu begleiten und Brücken zwischen beidem zubauen und zu begehen.Die diesjährige Tagung stand unter dem Thema “Derdeutsche Nachkriegsprotestantismus und die Vertriebenen– offene Fragen.” Es mußte aus der Sicht des Erlebens derVertriebenen ebenso wie unter Berücksichtigung der Problemeder aufnehmenden Kirchen und Gemeinden betrachtetwerden.Es war auch nach über sechs Jahrzehnten noch bewegend,von den Schicksalen derer zu hören, die innerhalbweniger Stunden alles verlassen mußten, was ihr Lebenbisher ausgemacht hatte, kaum mit dem nötigstenHandgepäck. Viele der zwölf bis 15 Millionen Flüchtlingeund Vertriebenen kamen auf dem Wege um, nicht zuletztKinder. Dieses schwere Schicksal wurde auch für ihrVerhältnis zum Glauben wichtig. Während die einen fragten:“Wie kann Gott so etwas zulassen? Gibt es ihn überhaupt?”,fanden andere gerade in ihrem Vertrauen auf dieLiebe Gottes den Halt und die Kraft, mit ihrem schwerenSchicksal fertig zu werden.Als sie dann in überfüllten Zügen oder langen Trecks inMittel- und Westdeutschland ankamen, waren sie vielfachauch nicht willkommen. Auch das kann man verstehen,wenn man bedenkt, daß auch die Einheimischen unter demKrieg gelitten hatten. Auch sie waren oft nur mit demnötigsten versorgt. Und dann eine so große Zahl vonMenschen, die zunächst einmal überleben und ein Dachüber dem Kopf haben wollten.Auch für die Kirchen war die Ankunft der Heimatvertriebeneneine übergroße Aufgabe. Zunächst war ja auchgar nicht klar, ob sie bleiben oder nach einigen Monatenwieder in ihre Heimat zurückkehren würden. Mit derGründung des Evangelischen Hilfswerks versuchten dieKirchen die größte Not in den Griff zu bekommen. Erst inden fünfziger Jahren, als das Aufbauprogramm erfolgreichwar, konnten viele der Vertriebenen eine Bleibe undExistenzmöglichkeit finden.Damals wurde es aber zugleich immer unwahrscheinlicher,daß es eine Rückkehr in die alte Heimat geben könnte.Dem trug dann auch 1965 die sogenannte “Ostdenkschrift”der EKD Rechnung, der es vor allem darauf ankam,die Erhaltung des Friedens zu sichern. Viele derFlüchtlinge und Vertriebenen fühlten sich in ihr nicht gerechtberücksichtigt. Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schottberichtete in seinem Vortrag über die Schwierigkeiten derVertriebenen, sich in ihren neuen Gemeinden einzuleben.Trotzdem haben sich manche schon bald in ihnen eingebrachtund sind wertvolle Mitarbeiter geworden. Auchhaben vielfach die “Ostpfarrer” in den aufnehmenden Landeskirchenden durch den Krieg wie durch die Flüchtlingsströmeverursachten Pfarrermangel linden helfen. Auchwurde durch die Vertriebenen die landsmannschaftlichewie die konfessionelle Abgeschlossenheit der durch eineökumenische Weite überwunden. Sehr eindrücklich schil-


60 JAHRE GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIER 164Man muß Bruder Dr. Schott sowohl für die Vorbereitungals auch für die Durchführung herzlich danken, war dochdie Zeit der Vorbereitung von zwei Operationen mit sichanschließender Reha unaufschiebbar belastet. DieTagungen in Wiesbaden aber rückten unaufhaltsam näher.Trotz der gesundheitlichen Einschränkung wurde derlesenswerte Festband “Väter – Mütter – Weggefährten”zeitgerecht zur Jubiläumsveranstaltung fertig. Vorbereitungen,Sitzungen, Gespräche, Themenfindung, Einladungenvon Referenten und vieles andere mehr, konnte trotzaller Probleme und gesundheitlichen Belastungen bewältigtwerden. Ihm zur Seite stand seine alle Belastungen der VorderteLandespfarrer i.R. Dr. Hans-Ulrich Minke dieseAnfangssituation in der Oldenburgischen Landeskirche.Den in Schlesien eingewiesenen Polen ging es anfangsauch nicht gut. Auch sie waren anfangs schlecht versorgtund wußten nicht, wie es weitergehen sollte. Dabei hattenes die evangelischen Polen besonders schwer. Weil die vertriebenenDeutschen, vor allem in Niederschlesien, zumgroßen teil evangelisch waren, wurden die evangelischenPolen mit den damals verhaßten Deutschen in einen TopfPfarrer i.R. Dr. Christian-Erdmann Schott im Gespräch mit dem neugewähltenVorsitzenden des Vereins für Schlesische Kirchengeschichte SuperintendentDr. Thomas Koppehl.Foto:ANNgeworfen. Das erschwerte ihnen den Aufbau evangelischlutherischerGemeinden in ihrer neuen Heimat. So war esdann für sie hilfreich, als deutsche evangelische Christenim letzten Viertel des 20. Jahrhunderts begannen, ihreHeimat zu besuchen und ihnen Hilfe bei der Erhaltung ihrerKirchen und der Gemeindearbeit zu bringen.Die Gemeinschaft evg. Schlesier war von Anfang an amBrückenbau zwischen Deutschen und Polen beteiligt undsieht auch heute darin eine ihrer wesentlichen Aufgaben.Und zusammen mit dem Verein für schlesische Kirchengeschichtesucht sie die historischen Zusammenhänge zubewahren.Das ist freilich auch im Blick auf den “Westen” notwendig,der die evangelischen Schlesier aufgenommen hat. So wares bei der Tagung in Wiesbaden besonders erfreulich undauch besonders wichtig, daß mit Frau Professorin DorotheaWendebourg, Berlin, und Frau Dr. Claudia Lepp, München,sich zwei Vertreterinnen der jüngeren Gene-ration in sachkundigenVorträgen um diese Thematikbemühten. Ihre Themen: “Wie ging die EKDmit den Vertriebenen um?” und: “Die EKD-Denkschrift zur Lage der Vertriebenen”.Berichte aus der “schlesischen Oberlausitz”(Superintendent Dr. Koppehl, Niesky)und von der “Stiftung evangelisches Schlesien(Frau Oberkirchenrätin Kempgen, Görlitz)rundeten das Bild ab.Und schließlich fand auch eine Mitgliederversammlungdes Verein für SchlesischeKirchengeschichte statt. In ihr wurde anStelle des aus Altersgründen nach zwanzigJahren zurücktretenden Pfarrers Dr. Christian-ErdmannSchott Superintendent Dr.Thomas Koppehl einmütig zum neuen Vereinsvorsitzendengewählt. Er wünscht sichebenso sehr die Treue der bisherigen Mitgliederund Mitarbeiter wie den “Zuwachs” ausder nächsten Generation der selbst nicht mehrVertriebenen – Schlesier wie Nicht-Schlesier–, die das Wissen um den Beitrag der (Kirchen-)GeschichteSchlesiens zur deutschen und europäischenGe-schichte weitertragen, weiter erforschen.Dazu gleich die Voranzeige, besser Einladung: dieJahrestagung 2011 soll in der ersten Septemberwoche inTeschen stattfinden und die Kirchengeschichte dieser“Mutterkirche vieler Länder” zum Thema haben, terminlichgleich anschließend an den Schlesischen Kirchentag inder Kreuzbergbaude bei Görlitz.Dankbarer RückblickGEORG BURKERTDie Tagung “60 Jahre Gemeinschaft evangelischerSchlesier” in Wiesbaden war eine gelungene Veranstaltung:Passend, ohne großes Pathos und dochsehr festlich. Alle Gäste erlebten nachdenkliche und zugleichermutigende Beiträge. Im Rückblick auf die bereicherndeJubiläumsveranstaltung kann dankbar bemerkt werden, dieVorbereitungsziele sind durch Inhalte und Gestaltung verwirklichtworden: Bewahrung – Bewährung – Er-mutigung.Der Vorsitzende der Gemeinschaft evangelischer Schlesier,Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott, Mainz, hat die Tagungin einfühlsamer Weise geprägt, sowohl in der Vorbereitungals auch in der Leitung der Veranstaltungen.


16560 JAHRE GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIERbereitung mittragende Gattin Barbara Schott. Das kann nurmit großem Respekt und Dank gesagt werden.Aber in gleicher Weise hat sich auch unser sehr rührigeSchatzmeister Klaus-Ulrich Vogel verdient gemacht. Alshervorragender Organisator bewältigte er die notwendigenVorarbeiten und korrigierte – für Außenstehenden unbemerkt– unvorhergesehene Veränderungen. Für die Teilnehmerwar es gleichsam selbstverständlich, dass dieJubiläumsveranstaltung zu unserer Bereicherung undZufriedenheit durchgeführt werden konnte.Auch hat derFestausschuss zum Gelingen seinen guten Beitrag geleistet,der oft im Hintergrund getan wurde. Mit großem Dankerinnern sich die Teilnehmenden an die würdige und gelungeneJubiläumsveranstaltung und den abschließendenFestgottesdienst in der alt-katholischen Friedenskirche.Durch den klangvollen CVJM-Posaunenchor (Bad Kreuznach)und die ansprechende Predigt des stellv. Bischofs derDiözese Breslau, Pfarrer Waldemar Pytel aus Schweidnitz,hat der Gottesdienst eine ökumenische Bereicherung erfahren.Der Dank aller erklang deutlich und spürbar beimSingen von “Großer Gott, wir loben Dich…” Die Gemeinschaftevangelischer Schlesier hat durch dieses JubiläumGott für Bewahrung, Bewährung und Ermutigung gedankt.Möge Gottes Segen und Ermutigung mit uns gehen!Was sonst noch geschah?DIETMAR NEßBlick in den Plenarsaal kurz vor Beginn des Festaktes am SonnabendvormittagFoto: ANNAlles begann mit dem lebhaften Stimmengewirr beimStehkaffee: So viele Jahrzehnte gemeinsamenWeges in der Gemeinschaft auf dem Hintergrundgemeinsamer Herkunft verbinden. Eine hellgrüne Kartemachte die Runde: Mitglied seit 1954 . . ., das ist nicht weitvom Gründungsjahr 1950. Diese 60 Jahre beschrieb PfarrerDr. Schott mit einem knappen einführenden Rückblick.Insgesamt aber gilt für diese Tage: sie waren nicht rückwärtsgewandt,sondern auf eine offene, mit Neugier, Mutund Zuversicht erwartete Zukunft gerichtet. “Der Schmerzist weg” war einer der merkenswerten Sätze: darumDankbarkeit im Rückblick, Gelassenheit in der Gegenwart,Offenheit nach vorn.Kleine Zeichen des Dankes: eine “Ehrenurkunde” mitAnstecknadel (dem Emblem der Gemeinschaft) für PfarrerReinhard Hausmann und Pfarrer Mag. Hans Mach (beideleider nicht anwesend), für Prof. Winfried Lange undPastor Mag. Dietmar Neß. Am Abend eine mit viel Beifallbedachte Buchlesung mit Hilde Lorenz aus ihrem nochdruckfrischen Buch “Heimat aus dem Koffer. Vom Lebennach Flucht und Vertreibung.” Und ein zweites, ebenfallsbeeindruckendes Beispiel dafür, wie sich nun eine jüngereGeneration mit der Kirchengeschichte Schlesiens auseinandersetztund, das ist wichtig zu bemerken, sie bis in diejetzt polnisch-evangelische Gegenwart fortsetzt, der ebenfallsganz neue Film “Häuser des Herrn. Kirchengeschichtenaus Schlesien” von Frau Ute Badura, am Abend desSonnabend gezeigt und diskutiert. Das Buch wie der Film(als DVD) sind im Buchhandel erhältlich.Natürlich gehört zum 60. Geburtstag ein “Festakt”. Und


60 JAHRE GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIER 166zum Festakt gehören die “Grußworte” aus Kirche, Politik,befreundeten Verbänden; zehn hat der Berichterstatternotiert. Ihr Grundanliegen: Mut zu machen, den Wegweiterzugehen. Mit einem Gedanken des Vertreters unsererkatholischen schlesischen Schwester-Gemeinschaft, KonsistorialratWolfgang Gottstein gibt es einen und nur einenguten Weg, den des ´schlesischen Gottesfreundes`: mitChristus unterwegs.So sah es auch unser Vorsitzender; das Ende derGemeinschaft evg. Schlesier mag in Sichtweite sein, aber“die Stimmung ist besser als die Lage”, und noch sindAufgaben da: das, was wir unser “Erbe” nennen, benennen,bewahren und auch es getrost weiterzugeben und zu schauen,welche Inhalte in welchen Formen die nicht mehr inSchlesien Geborenen es aufnehmen und fruchtbar machen.Eigentlich rückt Schlesien uns ja (wieder) näher, die dortPfarrer Pytel aus Schweidnitz (li) während einer Ansprachevor der Aufführung des Films “Häuser des Herrn – Kirchengeschichtenaus Niederschlesien” von Elke Badura (re)Foto: ANNGäste des FestaktesFoto: ANNlebenden Polen werden zu Schlesiern, und der Pfarrer ander Friedenskirche in Jauer, Stawiak, predigte vor einigenJahren von der “Erbfolge des Glaubens.” Die Predigt, dieam Sonntag Pfarrer Pytel aus Schweidnitz uns hielt - istnicht allein dieses, daß der Gastprediger aus ´Polen` kam(er selber würde sicher sagen: aus Schlesien) – dürfen wirin ganzem Wortlaut hier veröffentlichen.Zum Beschluß noch ein Merksatz jener Tage, leiderhabe ich den Urheber nicht notiert:“So lange wir da sind, machen wir`s!” Ehrennadel der Gemeinschaft ev. Schlesier verliehenDas Jubiläum “Sechzig Jahre Gemeinschaft” in Wiesbadennahm der Vorstand zum Anlass, für die Würdigung besondererVerdienste die “Ehrennadel der Gemeinschaft evangelischerSchlesier (Hilfskomitee) e. V. “ zu stiften. ImRahmen einer Feierstunde erhielten diese Auszeichnungam 1. Oktober 2010 im Hotel Oranien/Wiesbaden erstmalsvier langjährige Mitglieder. In den Laudationes wurdenihre Verdienste hervorgehoben und der Dank für ihrenehrenamtlichen Einsatz für unsere “Gemeinschaft” undihre Ziele ausgesprochen. Die Ausgezeichneten sind:Pfarrer em. Reinhard Hausmann. Er ist seit 1965 Mitgliedder “Gemeinschaft”. In den darauf folgenden Jahrzehntenhat er viele wichtige Aufgaben übernommen. Sowar er 1967 bis 1974 Schriftleiter des “Schlesischen Gottesfreundes”,1973 bis 1979 Geschäftsführer der “Gemeinschaft”,1968 bis 1979 Organisator der Begegnungen zwischenev. Schlesiern in Görlitz und im Westen, 1972 bis1981 legte er die Grundlagen der heute noch praktiziertenSchlesienhilfe, 1969 bis 1987 war er maßgeblichesMitglied im Iserlohner Kreis, 1984 bis 1990 Vorsitzender,1990-2018 Schriftführer des “Vereins für SchlesischeKirchengeschichte e. V. “ (VSKG).Pfarrer em. Mag. Friedrich (Fritz) Mach, lebt in Nürnbergund konnte aus familiären Gründen nicht inWiesbaden dabei sein. Als die Deutschlandtreffen derSchlesier noch in Nürnberg stattfanden, hat er in derNachfolge von KR Wolfram Hanow regelmäßig die Gottesdienstevor Ort vorbereitet und mitgestaltet. Unterstützt


16760 JAHRE GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIERvon zahlreichen Helferinnen und Helfern hielt er jeweilseinmal im Monat über Jahrzehnte hinweg für die ev.Schlesier aus Nürnberg und Umgebung einen Gottesdienst,an den sich ein geselliges Zusammensein anschloss. Inseiner stillen Art hat er nie ein großes Aufheben davongemacht. Jetzt, wo er diese ehrenamtliche Arbeit ausAltersgründen aufgeben musste, merken wir, was uns fehlt.Prof. Dr. Winfried Lange, geprägt durch den nicht vergessenenPfarrer Werner Huch, übernahm Prof. Lange 1998den Vorsitz der Landesarbeitsgemeinschaft ev. Schlesier imRheinland. Es gelang ihm, immer wieder anspruchsvolleTagungen durchzuführen, in der Regel drei Mal im Jahr.Sehr gut versteht er es, auch andere zu motivieren und heranzuziehen.Mehrere Jahre war Prof. Lange Mitglied desBundesvorstandes der “Gemeinschaft” und da besondershilfreich in Wirtschaftsfragen.Pastor em. Mag. Dietmar Neß ist seit 1974, das heißt seitnunmehr 36 Jahren, Schriftleiter unserer Zeitung. Manchmalwird er deshalb schon selbst “Der Gottesfreund” genannt.Bis vor kurzem war er zugleich Leiter von Archivund Bibliothek der “Gemeinschaft” und dabei stetsfreundlich reagierender Ansprechpartner für Rat suchendeForscher. Außerdem ist er seit 1990 Beisitzer im Vorstanddes VSKG. Daneben hat er zahlreiche Bücher zur SchlesischenKirchengeschichte veröffentlicht und viele Vorträgegehalten, auch das demnächst erscheinende Kriegs-Tagebuch des Breslauer OKR Walter Schwarz har er fürden Druck vorbereitet. Zurzeit arbeitet er in der Nachfolgedes verstorbenen Pfarrers Johannes Grünewald an derVorbereitung eines Schlesischen Pfarrerbuches. Darin werdenalle evangelischen Pfarrer Schlesiens und der angrenzendenGebiete von der Reformation bis heute biographischerfaßt.Christian-Erdmann Schott Zum “60.” 60 Hunderter!Nicht von ungefähr führt die “Gemeinschaft evangelischerSchlesier” den Begriff “(Hilfskomitee)” im Namen, wardoch das Helfenwollen ein wesentlicher Anlaß ihrerGründung. In ganz besonderer Weise wurde dies deutlich,als Klaus-Ulrich Vogel, Schatzmeister der Gemeinschaft,während der Jubiläumsveranstaltungen bekanntgab, daßsechzig Einhundert-Euro-Scheine aus dem Vermögen derGemeinschaft dorthin gehen sollten, wo sie dringendst gebrauchtwürden.Den Hochwasseropfern von Reichenau/Bogatynia wirddadurch Unterstützung zuteil ebenso, wie der ArchivbibliothekSchweidnitz, der Restaurierung der Kirchenbücherdes Kreises Falkenberg und der Renovierung desAuguste-Viktoria-Gemeindehauses in Jauer. (ANN) Schnappschuß: Renate Morlock-Gulitz übergibt eine Spendean Pfarrer StawiakFoto: ANNDas Geburtstagsgeschenk zum JubiläumSo ist es gemeint, das neue Buch, das unser Vorsitzenderpünktlichst zum Festtag zusammengestellt und herausgegebenhat:Väter – Mütter – Weggefährten.Lebensbilder.Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Würzburg.268 Seiten. ISBN 978-3-87057-319-5Es kommt schlicht daher, mit einem hellen ockerfarbenenHardcover-Umschlag, und es erzählt die sechzigjährigeGeschichte der Gemeinschaft evg. Schlesier ganz anders,ganz ungewohnt; es erzählt sie gleichsam von “unten”, eserzählt sie in Lebensbildern. 135 (in Worten: einhundertfünfunddreißig)“Väter, Mütter, Weggefährten” werdenlebendig, die die Gemeinschaft geprägt haben durch ihreganz selbstverständliche Mitarbeit. Nicht nur die großenNamen der Vorsitzenden: Bischof Zänker, Prof. Konrad,Vater und Sohn Schwarz, D. Klapper, sondern bewußt auchdie - nein, nicht die Namenslosen, spätestens jetzt habensie wieder einen Namen und ein Gedächtnis: auch dieFrauen und Männer in den Gruppen und Landesarbeitsgemeinschaften.Alle Texte sind den 60 Jahrgängen des“Schlesischen Gottesfreundes” entnommen; es sind Texte,die zu besonderen Geburtstagen und Anlässen geschriebensind, viele von ihnen als Nachrufe, unverändert nachgedruckt.Vie viele Erinnerungen sie wecken! Jeder der kurzenTexte erzählt auf seine Weise von der Lebendigkeitunserer Gemeinschaft in den Vielen, die in ihr gelebt, in ihrHeimat gefunden haben, sie geprägt haben. JedeBuchhandlung wird Ihnen das Buch gerne besorgen; undwir hoffen, daß es unter uns und natürlich für Viele darüberhinaus Leserinnen und Leser findet.-ß


60 JAHRE GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIER 168Der Segen liegt im GebenPredigt im Festgottesdienst zum 60jährigen Bestehen der Gemeinschaft evangelischer Schlesiergehalten von Pfarrer Waldemar Pytel, Schweidnitz, am 3.Oktober 2010 in Wiesbaden.Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, unddem Herrn Jesus Christus! Amen“Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auchkärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auchernten im Segen. Ein jeder, wie er's sich im Herzen vorgenommenhat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denneinen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kannmachen, daß alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihrin allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reichseid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht: Er hatausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeitbleibt in Ewigkeit”. Der aber Samen gibt dem Sämann undBrot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihnmehren und wachsen lassen die Früchte eurerGerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zugeben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung anGott. Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht alleindem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwenglichdarin, daß viele Gott danken. Denn für diesentreuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam imBekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalteurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. Und in ihremGebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwenglichenGnade Gottes bei euch. Gott aber sei Dankfür seine unaussprechliche Gabe! 2. Kor 9, 6-15.Liebe Schwestern und Brüder,liebe Schlesierinnen und Schlesier!“Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe.” Mitdiesen Worten des Apostels Paulus möchte ich Euch imNamen von Bischof Ryszard Bogusz grüßen, der gerne mitEuch heute hier gewesen wäre und dieses wichtigeJubiläum mit Euch feiern wollte, er mußte allerdings alsVorsitzender der Diakonie der Evangelischen Kirche inPolen bleiben. In seinem Namen schicke ich Euch herzlicheGrüße und Danksagungen. Auch für mich persönlichist es eine große Ehre, an dieser Feierlichkeit teilnehmenund die Predigt halten zu dürfen.Heute haben wir zweifache Gelegenheit, demHerrgott zu danken. Wir möchten für alles danken,was in diesem Jahr gewachsen ist. Für die Gaben,für unser Essen, die Früchte, unser breit verstandenes täglichesBrot. Denn heute feiert die evangelische Kirche dasErntedankfest. Aber der wichtigste Grund für unserenGottesdienst heute ist, Dank zu sagen, für Euch, für das60jährige Jubiläum Eurer Arbeit.Als ich darüber nachgedacht habe, welchen Text ich fürdie heutige Predigt aussuchen soll, bin ich zu dem Schlußgekommen, daß der Text für das heutige Erntedankfestgeradezu ideal ist. Selbstverständlich kann er nicht nur einVorwand für unser Feiern sein, aber wenn wir tiefer darübernachdenken, dann sehen wir, wie wunderbar er zu unsspricht und mit seiner Botschaft hervorragend paßt.Ihr habt den Brief gehört. Paulus hat ihn geschrieben, Titushat ihn übermittelt, die Gemeinde in Korinth hat ihn erhalten.Und ich stelle mir vor, wie sehr Titus in Korintherstaunt war: Was für eine Gemeinschaft in der Gemeinde!Paulus hatte ihm von der Gemeinde erzählt und trotzdemist er erstaunt. Es fehlt an nichts. Sie ist lebendigund aktiv. Die Menschen haben außergewöhnlicheGaben. Jemand liest außergewöhnlich schön, ein andererscheint in Gottes Herz sehen zu können, indem er sagt, wassie machen sollen. Manchmal singen sie wie Engel inSprachen, die Titus nicht kennt. Und auf wundervolleWeise gelingt es Armen und Reichen, gemeinsam Gottesdienstzu feiern. Das ist jedoch nicht immer gut. Titus weißvon Paulus, daß es manchmal damit Probleme gibt. Abertatsächlich gibt es sehr reiche Kaufleute und Bankbesitzer,die sich gemeinsam mit Sklaven, die im Hafen Säckeschleppen, an einen Tisch setzen.Ja, die Gemeinde ist dank dessen “reich”. Es fehlt nichtan Essen, nicht an guten Wohnungen. Gott bewirkt Wunder.Titus kann es vor Staunen gar nicht fassen. Nun hört er zu,wie der Brief des Paulus verlesen wird. Er kennt schon dieWorte, “damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genügehabt und noch reich seid zu jedem guten Werk, denn einenfröhlichen Geber hat Gott lieb. Denn der Dienst dieserSammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab,sondern wirkt auch überschwenglich darin, daß viele Gottdanken.” Titus ist deshalb hierher gekommen. Paulus organisiertein Opfer für die Gemeinde in Jerusalem. Denn vonhierher ist der Glaube an Christus gekommen. Die Christenin Jerusalem lebten in besonderer Nähe zu den Orten, andenen Christus gelebt hat, wo er gekreuzigt worden ist undwo er von den Toten auferstanden ist. Wenn es um denGlauben ging, lebten sie im Überfluß. Aber Geld und Brotgab es sehr wenig in der Jerusalemer Gemeinde. Paulushatte versprochen, eine Sammlung in den neuen Gemeindenzu organisieren. Einigen Gemeinden fehlte es nicht anGeld, wie zum Beispiel in Korinth, einer reichen Hafenstadt.Ein Austausch war notwendig. Die einen brauchtenStärkung im Glauben, die anderen etwas, was ihre Körperstärkt. Und so ist es bis heute.Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott, der Vorsitzendeder Gemeinschaft evangelischer Schlesier, schreibt in einemAufsatz über die “Gemeinschaft evangelischerSchlesier (Hilfskomitee) e.V.”: “Offiziell hat die GeS imJahr 1972 mit der “Schlesienhilfe” begonnen, die sie ab1976 in Kooperation mit der Schlesischen Genossenschaftdes Johanniterordens durchgeführt hat. Dabei ging es umden Aufbau und die Pflege von Kontakten mit verstreutenzurückgebliebenen Evangelischen, mit einzelnen aufgeschlossenenPfarrern und mit Einrichtungen der evangeli-


Neue Synagoge in Görlitz Aquarell, ANN, 1985... die Stätte DEINES Hauses ...Im November jeden Jahres erinnern wir uns eines besonders dunklen Kapitels der deutschen Geschichte. Am 9. November 1938brannten in Deutschland die Synagogen. Nur wenige dieser Gotteshäuser haben die Herrschaft der Nationalsozialisten und denKrieg überstanden. Der Gottesfreund nimmt dies zum Anlaß, drei Beiträge zu veröffentlichen, die sich mit dem aktuellenSchicksal jüdischer Gotteshäuser befassen.SYNAGOGE. JUDEN IN GÖRLITZEine AusstellungIn der Görlitzer Synagoge öffnete am 12. Septembereine Ausstellung über die jüdische Geschichte derStadt. Unter dem Titel “Synagoge. Juden in Görlitz”werden bis 7. November 2010 zwölf Tafeln mit zahlreichen,teilweise bisher nicht veröffentlichten Fotos gezeigt.Der Bogen spannt sich von der ersten Ansiedlung imMittelalter bis zum Ende der jüdischen Gemeinde in derZeit des Nationalsozialismus. Die Schau rückt zugleichBauge-schichte und Architektur der 1911 geweihtenSynagoge in den Blickpunkt. Außerdem können sichBesucher über die Nutzung des imposanten Baus bis in dieGegenwart informieren. Auf zwei Tafeln finden sich allgemeineErläute-rungen zu Ausstattung und Funktion einerSynagoge.Um 1880 lebten in Görlitz etwa 650 Juden. Sie wirktenteilweise prägend für das wirtschaftliche, gesellschaftlicheund kulturelle Leben in der Stadt. Der Unternehmer undMäzen Martin Ephraim (1860-1944) etwa stiftete Teile derAusstattung und zahlreiche Kunstwerke für das 1904 eröffneteKaiser-Friedrich-Museum in Görlitz. Nachdem diealte Synagoge in der Langenstraße am Ende des 19. Jahrhundertszu klein geworden war, beschloß die jüdische Gemeinde,ein neues Gotteshaus zu errichten.Der Neubau entstand zwischen 1909 und 1911 nach Plänender Dresdner Architekten William Lossow und Max HansKühne in der Nähe des Stadtparks. Die Görlitzer Synagogeist eine der wenigen in Schlesien und die einzige im heutigenSachsen, die die Nazi-Zeit überdauert hat. Seit 1963 istdas Gebäude in Besitz der Stadt. Sie diente seither unterschiedlichenZwecken und wurde u.a. als Theater-Malsaalund Kulissenlager genutzt. In den 80er Jahren aufgegeben,war es nur noch eine Frage der Zeit, daß sie gänzlich ausdem Stadtbild verschwinden würde. Dem Wirken einesnach der Wende in Görlitz entstandenen Vereins unterFührung von Prof. Bodo Voigt ist zu danken, daß nach Jahrzehntendes Verfalls die Synagoge in den 1990er Jahren inihrer Substanz gesichert werden konnte. Seit 2008 ist esmöglich, das frühere Gotteshaus für Veranstaltungen mitbis zu 230 Personen zu nutzen. Eine jüdische Gemeindegibt es in Görlitz nicht.Die Ausstellung des Förderkreises Görlitzer Synagoge e.V.entstand mit finanzieller Unterstützung des KulturraumesOberlausitz-Niederschlesien und der Stadt Görlitz. DerHistoriker und Vereinsvorsitzende Markus Bauer hatzusammen mit dem Kunsthistoriker Marius Winzeler dieTexte verfaßt und die Bilder ausgewählt.(Text: Förderkreis Görlitzer Synagoge e.V./ANN)


171BEITRÄGEDie Storchensynagoge in BreslauDreifachen Anlaß gab es, daß Menschen aus allerWelt Anfang Mai nach Breslau kamen: am 6. Maiwurde nach einer 14jährigen Renovierungszeit dieSynagoge “Zum Weißen Storch” eingeweiht, am 7. Maieine Gedenktafel für den Breslauer Historiker undPädagogen Willy Cohn (geboren 1888 in Breslau) enthülltund danach seine ins Polnische übersetzten und von ProfessorDr. Norbert Conrads herausgegebenen Tagebuchaufzeichnungen:“Kein Recht, nirgends”. Tagebuch vomUntergang des Breslauer Judentums 1933-1941” vorgestellt.Aus Israel kam der 1935 in Breslau geborene Vorsitzendedes Vereins Breslauer Juden, Dr. Benjamin Sklarz,aus den USA reisten Nachkommen von Wilhelm SalomonFreund, dem Ehrenbürger von Breslau an. Auch RegineCohn, Schwiegertochter von Willy Cohn, und seine EnkelinDr. Tamara Gazig aus Israel fehlten bei diesen Ereignissennicht. Außerdem war der Botschafter Israels inPolen, Zvi Rav-Ner, zur Stelle.Die Synagoge “Zum Weißen Storch”, liegt ein wenigabseits, in einem großen Innenhof an der Wallstraße /ul.Wlodkowica 7. Durch ihre Lage entging sie der Zerstörungwährend der “Reichskristallnacht” vom 9. November 1938allein deswegen, weil ein Brand die anliegenden Wohnhäusermit zerstört hätte. Die Synagoge entstand 1826-1829 und ist ein Werk des preußischen Architekten CarlFerdinand Langhans. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Breslaumit seinen etwa 30.000 Juden – mit zahlreichenbekannten Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft undPolitik – eine der wichtigsten kulturellen Zentren desJudentums in Europa. Ein Besuch des jüdischen Friedhofsin Breslau, auf dem 12.000 Menschen ruhen, gibt einenEindruck, wie groß, wohlhabend und bedeutend die jüdischeBevölkerung einst war.Die Storchensynagoge heutewww.wikipedia.deDie „Storchensynagoge” um 1999Foto: PrivatAnfang Mai ist der lang gehegte Wunsch der jüdischenGemeinde mit derzeit rund 300 Mitgliedern in Erfüllunggegangen: nach jahrelangem Leerstand in der Zeit desKommunismus erstrahlt die Synagoge nach umfangreicherSanierung wieder in der früheren Pracht. Ihre Rettung verdanktsie zum einen der Stiftung für deutsch-polnischeZusammenarbeit, die 1996 ersten Sicherungsmaßnahmenermöglichte, zum anderen – und dies vor allem – der internationalanerkannten norwegisch-jüdischen KünstlerinBente Kahan, die dafür eine Stiftung gegründet hat. Siesammelte rund 2,5 Millionen Euro für die Sanierung desGebäudes. Die besondere Lage der Synagoge in der Nachbarschafteiner russisch-orthodoxen, einer katholischenund einer evangelische Kirche bezeugt die “schlesischeToleranz”, auf die man in der Oderstadt immer stolz warund ist.Die Feierlichkeiten der Einweihung der Synagoge mitGebeten und Gesängen, vorgetragen von Kantor JosephMalovany (New York), sowie dem Gesang des Chores derSynagoge unter Leitung von Stanis³aw Rybarczyk zeigten,daß der Ort wieder zum Zentrum des jüdischen Lebens inBreslau werden kann. Die Synagoge gibt der Gemeinde dieMöglichkeit, nicht nur Gottesdienste zu feien, sondern sichauch durch Kulturveranstaltungen besser nach außen zupräsentieren. Ihre Wiedereröffnung verleiht dem Selbstbewußtseinder Gemeinde neuen Aufschwung. Der StadtpräsidentRafal Dutkiewicz sagte, Breslau gewinne damit seinjüdisches Herz für immer zurück.Im Saal und auf den Emporen der Synagoge ist Platz fürmehrere hundert Besucher. Künftig sollen hier zu jüdischen


BEITTRÄGE 172Feiertagen natürlich Gottesdienste stattfinden, vor allemaber soll diese Synagoge zu einem lebendigen Kultur- undVeranstaltungszentrum werden. Zwei Ausstellungen sinddort bereits seit dem 6. Mai zu sehen. Eine widmet sich derGeschichte der Breslauer Juden, die zweite dem jüdischenLeben in Norwegen in der Zeit von 1851 bis 1945.An das jüdische Breslau und seine Geschichte sowieden wichtigsten Stadtchronisten von 1933 bis 1941, WillyCohn, soll die neue Gedenktafel am Breslauer Ring 49erinnern. Die feierliche Enthüllung fand am 7. Mai stattund wurde von Regine Cohn, der Schwiegertochter desHistorikers, und Jaros³aw Obremski, dem Vizestadtpäsidenten,am Geburtshaus von Cohn vollzogen.Willy Cohn studierte Geschichtswissenschaft in Breslauund promovierte 1909 mit seiner Arbeit über die normannisch-sizilianischeFlotte im 11. Jahrhundert. Die angestrebteakademische Laufbahn an der Universität konnte erals Jude nicht verwirklichen. Er wurde Lehrer am Johannesgymnasiumin Breslau. Trotz zunehmender Repressaliendes Naziregimes versuchte Cohn, der sich weiterhinDeutschland verbunden fühlte, in Breslau zu bleiben. Erdokumentierte in seinen über 10.000 Seiten umfassendenTagebuchaufzeichnungen das Alltagsgeschehen in dieserZeit, das Leben und den Untergang der eigenen Familiesowie der jüdischen Gemeinde von Breslau. Im November1938 schrieb er: “Meine Hoffnung ist, daß meine Kindermeinen Namen in meinem Sinne fortsetzten werden. Mirbleibt immer noch die große Liebe zu Deutschland!” Dreiseiner Kinder gelang es, zwischen 1933 und 1940 nachFrankreich und nach Palästina auszuwandern. Er selbst,seine zweite Frau und ihre beiden Töchter wurden am 25.November 1941 zusammen mit über tausend Breslauer Judennach Kaunas in Litauen verschleppt und im Fort IXerschossen.Diese einmaligen und eindrucksvollen Aufzeichnungendokumentieren, Tag für Tag, die Entrechtung und Unterdrückungder Juden in Breslau. und brechen am 17. November1941, mitten im Satz ab. Sie sind ein einmaligerAugenzeugenbericht über den Untergang der drittgrößtenjüdischen Gemeinde in Deutschland und sind nun, nachihrer Übersetzung auch für die polnischen Landsleutegreifbar und eine Primärquelle, die eine wichtige Basis fürdas Verstehen der Zeit gibt und gegen das Vergessen wirkt.Dr. Christine KucinskiAus: Kulturpolitische Korrespondenz Nr. 1294/2010)Synagoge in Reichenbach/EulengebirgeWie der “Schlesische Kulturspiegel” in einer seinerletzten Ausgaben berichtet, soll die Synagogeebenfalls renoviert und als Gottesdienstraum, fürkulturelle Veranstaltungen und auch als Museum nutzbargemacht werden. Anfangs des 19. Jahrhunderts erbaut, hattedie kleine jüdische Gemeinde die Synagoge bereits Anfangder 1930er Jahre aufgegeben und sich aufgelöst; so entgingsie der Zerstörung in der “Kristallnacht” vom 9./10. November1938. Nach 1945 bildete sich erneut eine kleine jüdischeGemeinde, die wiederum, durch Auswanderung, soklein wurde, daß man die Synagoge wieder schließen mußte.Nun soll ein neuer Versuch gemacht werden, sie vor demVerfall zu bewahren. Aus: Schlesischer Kulturspiegel45/2010, S. 31. Zeichnung ANN, 2002 Es muß etwas getan werden!Die Ev. Kirche zum Heiligen Kreuz in Neumittelwalde ist sanierungsbedürftig.Von Pastorin Dietlinde Cunow, Tochter von H.-J. König,dem letzten Pfarrer von Neumittelwalde, erhielten wir dasjetzt im Gottesfreund abgedruckte Foto der Heilig-Kreuz-Kirche, Neumittelwalde. Pastorin Cunow und ihr Mannlassen es sich nicht nehmen, mindestens einmal im Jahrnach Neumittelwalde/Miêdzyborz zu fahren, Dienste zuübernehmen und sich um den Erhalt der Kirche zu kümmern,unterstützt durch einen Freundeskreis.Die Kirchengemeinde und der polnische ev. Pfarrer,Rafa³ Miller, freuen sichsehr über die Unterstützung, dennder Unterhalt dieser großen klassizistischen Kirche von1839 ist für die kleine evangelische Gemeinde eine enormeHerausforderung. Zwar hat sich die Kommune Neumittelwaldeverpflichtet, mit 20.000 Zlotys jährlich zum Unterhaltder Kirche mit beizutragen, da sie die Kirche alsKulturraum sehr schätzt, aber für die anstehenden Sanierungsarbeitenreicht dieses Geld auch nicht.Die Kirchengemeinde Neumittelwalde hatte im Laufeihres Bestehens immer mit Problemen zu kämpfen. Da wardie Grenzlage zu Polen, die dazu führte, daß dem KirchspielNeumittelwalde aufgrund des Versailler Vertrages1920 13 Dörfer verloren gingen. Außerdem bot das Um-


173MELDUNGENland außer Landwirtschaft nur wenige Verdienstmöglichkeiten,so daß es immer schon zur “Landflucht” kam. Undauch die große Kirche bereitete schon Mitte der zwanzigerJahre Sorgen, weil sie Risse und andere Schäden aufwies,die endlich 1928 beseitigt werden konnten. Diese Sanierungwar aber auch zugleich der Anlaß, den Innenraum derKirche völlig neu zu gestalten. Dazu holte man sich denbekannten Kirchenmaler und Restaurator Walter Rhaue ausGörlitz. Pfarrer König beschreibt im Visitationsbericht von1929 das Ergebnis der Arbeiten Rhaues so: “Der früherweiß gewesene Innenraum wurde nunmehr durch Ausmalungfeierlicher. Im rötlichen Terrakotta-Tone stehen diehölzernen Emporen vor dem gelblichen Mauerwerk. MancherleiSinnbilder und Malereien leiten die Gemeinde zuandächtiger Betrachtung hin. Groß und streng, alles beherrschend,ist über Altar und Kanzel an der Wand das ewigeZeichen des Kreuzes sichtbar. Von einem Strahlenkranzeund den Sinnbildern der vier Evangelisten umgeben,wächst es aus zwiefachem Schatten wie aus der Vergangenheithervor, mitten in unsere Gegenwart hinein: einesichtbare Predigt.”Leider ist diese Ausmalung durch aufsteigende Nässeund Risse stark bedroht. Ein Verlust wäre außerordentlichbedauerlich, denn von den mehr als 20 Kirchen, die Rhauenach dem 1. Weltkrieg in Schlesien und der Oberlausitzausgemalt hatte, sind kriegsbedingt nur noch 2 erhalten. Einedavon ist die Heilig-Kreuz-Kirche in Neumittelwalde.(MK) Ev. Kirche in Neumittelwalde Foto: CunowMartin Herche neuer Generalsuperintendent im Sprengel GörlitzFoto: EKMAm 25. September 2010 wurde Martin Herche in Cottbusim 2. Wahlgang zum neuen Generalsuperintendenten/Regionalbischof des Sprengels Görlitz gewählt. Der SprengelGörlitz wurde Anfang 2010 neu aus den bisherigenSprengeln Cottbus und Görlitz gebildet und umfaßt rund210.000 evangelische Christen. Sitz des neuen Sprengelsist Görlitz. Anders als der bisherige Amtsinhaber RegionalbischofDr. Hans-Wilhelm Pietz wird Martin Hercheden Titel Generalsuperintendent führen. Gewählt ist der57jährige Theologe auf 10 Jahre.Martin Herche, im brandenburgischen Wriezen geboren,studierte in Ost-Berlin und Naumburg evangelischeTheologie und war seit 1983 Pfarrer in Heringen und Heiligenstadtsowie Superintendent des Kirchenkreises Eichsfeldin Thüringen.Seit 2001 ist er Propst des Propsteisprengels Halle-Naumburg in der EKM. Seine Amtszeit würde im Oktober2011 enden.Martin Herche gilt als engagierter Theologe. So war eru. a. lange Zeit Vorsitzender des synodalen Finanzausschussesder EKM, Mitglied im Kuratorium des DiakoniewerkesHalle, Mitglied im Kuratorium der FranckeschenStiftungen Halle und Mitglied in Leitungsorganen weitererkirchlicher Einrichtungen. (MK)


175AUS DER LESERGEMEINDEBeitrittserklärung:Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zur Gemeinschaft evangelischerSchlesier e. V. bei einem Mitgliedsbeitrag von 30 Euro für das laufendeKalenderjahr; im Rahmen meiner Vereinsmitgliedschaft erhalteich die Zeitschrift „Schlesischer Gottesfreund” kostenfrei.Ich möchte kein Mitglied werden, bestelle aber die Monatszeitschrift„Schlesischer Gottesfreund” zum Preis von 30 Euro pro Abonnementsjahr.Bitte senden Sie mir eine Probenummer der Zeitschrift „SchlesischerGottesfreund” zu.Datum:Unterschrift:Titel:Nachname:Vorname:Straße:PLZ, Ort:Geburtsdatum:Geburtsort:Beruf:Bitte einsenden an: Gemeinschaft evangelischer Schlesier e.V.Postfach 1410, D – 32440 Porta Westfalicaoder Stiftung Evangelisches SchlesienSchlaurother Straße 11, D – 02827 GörlitzBankverbindung: Stadtsparkasse Porta WestfalicaBLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997HinweisDie Redaktion des “Gottesfreundes” erreichten zahlreicheAnfragen hinsichtlich der Erhältlichkeit des Filmsvon Elke Badura “Häuser des Herrn ..”. Offensichtlichgibt es beim Handel einen schwer zu behebenden Versorgungsengpaß.Redaktion und Vorstand der Gemeinschaft sind mit FrauBadura im Gespräch, um Wege und Mittel zu finden,allen Interessenten auf unkomplizierte Weise den Filmzukommen lassen zu können.Wir hoffen sehr, Ihnen liebe Leser in der kommendenAusgabe diesbezüglich Näheres mitteilen zu können. ImpressumHerausgeber:Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee) e.V.D 32440 Porta Westfalica, PF 1410, Tel.: 0571-971 99 74,Bankverbindung: Stadtsparkasse Porta WestfalicaBLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997E-mail: info@gesev.deVerantwortlich für den Inhalt:Mag. phil. et theol. Dietmar NeßWittichenauer Straße 11a, D - 02999 Groß Särchen,Tel./Fax: 03 57 26 - 5 56 75E-mail: mag.ness@online.de.Andreas Neumann-NochtenHotherstraße 32, D - 02826 GörlitzTel.: 03581 - 878988E-mail: gottesfreund@nochtenart.deGrafik/Satz/Layout: Andreas Neumann-NochtenHerausgegeben in Zusammenarbeit mit derStiftung Evangelisches Schlesien und derEvangelischen Diözese Breslau/Wroc³aw.Druck: MAXROI Graphics GmbH, Görlitz


EMPFEHLUNG176Buchbesprechungdamit ist “Wir sehen uns bestimmt wieder” weit mehr alsein bloßes Mädchenbuch. Es ist eine autobiographischeErinnerung, die den tiefen Einschnitt, den das Kriegsende,Flucht und Vertreibung aus Guttentag, Neuanfangin der Fremde für Millionen von Menschen bedeutete,aus der Sicht eines Kindes dokumentiert. Es zeigt dieseVorgänge aus einer Perspektive, über die wir wenig wissen;die aber in ihrem kindlich-persönlichen Erleben undErleiden sehr bewegend ist.Dabei wird auch deutlich, daß diese Erlebnisse dasLeben der Autorin belastet und geprägt haben. Sie bliebenüber Jahrzehnte kaum verändert, unbearbeitet stehen.Erst als die Möglichkeiten und der Mut vorhandenwar, den abgerissenen Faden wieder aufzunehmen undnach Guttentag zurückzufahren, die Stätten der Kindheitwieder zu sehen, mit den jetzigen Bewohnern zu sprechen,begann so etwas wie eine Lösung der Verkrampfung.Es bildeten sich Kontakte. Sie wird eingeladen zuLesungen. Langsam fällt etwas von ihr ab: “Immer mehrfühlte ich mich auch als Schlesierin, immer seltenertauchten belastende Kindheitserinnerungen auf, immerhäufiger konnte ich Neues festhalten und von Altem Abschiednehmen” (S.157). So traurig das Buch von SigridSchuster-Schmah an manchen Stellen auch ist, am Endeist es ein lebensbejahendes, ein befreiendes Buch. Eslohnt, darin zu lesen. Christian-Erdmann SchottSigrid Schuster-Schmah,Wir sehen uns bestimmt wieder.Ein Kinderschicksal aus Schlesien,Husum 2004, 158 SeitenDieses Buch ist seit 1999 auf dem Markt. Darum werdensich manche verwundert fragen, warum es erst jetzt im“Schlesischen Gottesfreund” angezeigt wird. DieAntwort hängt am Inhalt. Auf den ersten Blick nämlichkommt dieses Buch daher wie eine Mädchengeschichte,geschrieben für Lisa, die elfjährige Enkelin der Autorin.Die Altersentsprechenden Beobachtungen, Dialoge,Themen bestätigen diesen Eindruck auch, weil SigridSchuster-Schmah das Tagebuch auswertete, das sie vonHerbst 1944, als die Familie noch in Guttentag/Oberschlesienzu Hause war, bis Frühjahr 1947, nun schon alsVertriebene in Münster/Westfalen, geführt hat. AberSigrid Schuster-Schmah wurdeam 31. März 1933 in Breslaugeboren. Nach der Vertreibung1946 folgten weiterer Schulbesuchund Studium in Münsterund Köln. Beruflich war sieu.a. als Diplom-Bibliothekarinin Hamm und Heidelberg, sowieals Leiterin einer SchulundStadtteilbibliothek in Mannheimbis 1993 tätig. 1975 veröffentlichtesie ihr erstes Jugendbuch und schrieb zahlreicheBeiträge für Kinder, Jugendliche und Erwachsene inLesebüchern und Anthologien, sowie für SDR 2. Der 1979für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierte Titel“Staatsangehörigkeit griechisch” wurde für das Fernsehenverfilmt. Seit der Veröffentlichung ihres Romans“Wir sehen uns bestimmt wieder” führten sie viele LeseundVortragsreisen auch nach Polen.

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