CALBENSER DICKBOOTCUP 4

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CALBENSER DICKBOOTCUP 4

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Weit mehr als eine Brille.

Das Calbenser Blatt 08/09

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Oldtimerrestauration • Fahrzeuginnenausstattung

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Text und Foto Thomas Linßner

Erinnerungen an den

größten Stuhl des Landes

Calbe. um den „Stuhl von Calbe“

ist es ruhig geworden. dabei stellt

das neun meter große Sitzmöbel,

das holzfachmann henry alex in

der grünen lunge 2002 aufstellte,

einen Superlativ dar. es ist der

größte Stuhl Sachsen-anhalts, der

sogar mal für das guinnessbuch

der rekorde avisiert war.

Seitdem reibt man sich am Stuhl.

oder auch nicht. eigentlich ist

er zum inventar im öffentlichen

raum geworden. Wie die Straßenlaterne,

Parkbank oder hundetoilette.

oder eben jene „Salzblume“,

für die 1997 der Schönebecker

wenige freundliche Worte

übrig hatte. Von Schrott war die

rede, von Kunst selten. heute

führt man den „besuch“ zum

Salzblumenplatz, um ihm etwas

besonderes zu zeigen. Was nicht

ohne Stolz geschieht.

Und der Stuhl von Calbe?

der gebürtige nienburger henry

alex wollte seiner Wahlheimat

Calbe mit „Kunst im öffentlichen

raum“ zu einem Stück neuer

identität verhelfen.

dafür benötigte er damals rund

drei Kubikmeter holz, das in

form von 20 x 20 Zentimeter verleimten

Kiefernhölzern verbaut

wurde. das gewaltige Werk benötigte

der größe wegen vier

stattliche betonfundamente.

ein finanzieller und organisatorischer

Kraftakt, also.

als Stand ort wurde alex ein fleck

am rand der grünen lunge zugewiesen

. und gerade hier liegt

vielleicht der hase im Pfeffer. der

„Kunststuhl“ wird dort zwar von

Spaziergängern registriert, aber

trotz spektakulärer abmaße von

einer breiten öffentlichkeit kaum

wahrgenommen.

Soll heißen: er steht am laub-

neun Meter misst dieser riesenstuhl in der

Grünen lunge.

waldsaum der aue viel zu versteckt.

Was nicht mehr zu ändern ist.

trotzdem ist es da, das riesending.

und wirkt, wenn man hinguckt,

sich darauf einlässt.

henry alex wollte aber nicht nur

ein bizarres Kunstwerk schaffen.

es sei daran erinnert, dass die

erschaffung des überdimensionalen

alltags-Sitzmöbels einen

provokant-philosophischen hintergrund

hat. dem Stuhl fehlt

bewusst die Sitzfläche. „er will

sagen, dass man nicht nur sitzen,

sondern auch mal aufstehen

muss“, erinnert sich der 41-Jährige

alex an seine damaligen ambitionen.

anders ausgedrückt:

Sich regen bringt Segen. Was in

der tat eine Provokation in einer

Stadt mit hoher arbeitslosigkeit

ist.

trotzdem besitzt dieser ansatz

seit menschengedenken allgemeingültigkeit.

also nicht nur ein unanständig

großer, sondern auch ein weiser

Stuhl. n

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