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2011 Weihnachten - Nikolaus - Cusanus - Haus

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Nikolaus-

Cusanus-Haus

Freies Altenheim e.V.

Lebensgemeinschaft im Alter

Hauszeitung

10 Jahre

„Wohnzimmer“

Künstlerisches

Arbeiten

Weihnachten 2011


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INHALT: Seite

Aktuelles in Kürze aus dem NCH ..................................................................... 5

Das Engelchen .............................................................................................................. 8

Totengedenken ............................................................................................................ 10

Martinimarkt im Nikolaus-Cusanus-Haus ..................................................... 12

Neue Bewohner ........................................................................................................... 14

Bilderrätsel ...................................................................................................................... 15

Unser Café im Nikolaus-Cusanus-Haus ......................................................... 18

Mitarbeiter ...................................................................................................................... 20

„Die schwarze Perle“ – Lanzarote ..................................................................... 23

Veranstaltungen .......................................................................................................... 27

So lange die Bäume noch Blätter tragen ........................................................ 32

Farbtupfer im Alltag .................................................................................................. 34

„Werbeck-Singen“ – Gedanken und Erfahrungen .................................... 45

Ausblick Energie ......................................................................................................... 48

Eine tolle Knolle .......................................................................................................... 49

Hausfrauen-Weihnacht ............................................................................................ 55

Hauszeitung

Herausgeber: NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS,

Freies Altenheim e.V., Lebensgemeinschaft im Alter,

Törlesäckerstraße 9, 70599 Stuttgart-Birkach

Telefon 0711 / 45 83 - 0

Auflage Nr. 61: 850

Redaktion: Christiane Grosse, Stefanie Heckle, Annedore Hennig,

Andrea Nickel, Annegret Scheerer, Ursula Schütt,

Andreas Bockemühl, Heinz Bollinger, Eckehard Rauch,

Frieder Stehle

Für die Beiträge unserer Bewohnerinnen und Bewohner

danken wir herzlich.

Spendenkonto: Nr. 100 555 004 Volksbank Esslingen (BLZ 61190110)


Weihnachten 2011

An Geistesoffenbarung hingegeben

Gewinne ich des Weltenwesens Licht.

Gedankenkraft, sie wächst

Sich klärend mir mich selbst zu geben,

Und weckend löst sich mir

Aus Denkermacht das Selbstgefühl.

Rudolf Steiner

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4

Hauszeitung

Sehr verehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

als eine aus heutiger Sicht eher deutlich zu große stationäre Einrichtung mit

270 Plätzen und den damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen versuchen

wir, die Auswirkungen und Ergebnisse unserer Arbeit fortlaufend kritisch zu

hinterfragen. Neigt sich wieder einmal ein Jahr seinem Ende zu, rücken entsprechende

Gedanken regelmäßig noch verstärkt in den Fokus.

Ist es uns gelungen, unsere Konzeption, die auf dem anthroposophischen Menschenbild

beruht, in allen Arbeitsabläufen sichtbar und vor allem wirksam zu machen?

Schaffen wir es, den berechtigten Erwartungen unserer Bewohnerinnen und Bewohner

immer – wenigstens annähernd – gerecht zu werden? Oder ist es nicht eher

vielfach so, dass uns allzu oft die Tagesaktualität, die Notwendigkeit zu raschem

Entscheiden und Handeln, den Blick auf das Wesentliche verstellt?

Jahreswechsel, Zeit des Rückblicks und gleichzeitig der guten Vorsätze – werden

Sie jetzt vielleicht sagen –, das kennen wir doch alle zur Genüge, entsprechende

Gedanken sind wohl nicht nur in größeren Zusammenhängen, sondern in jedem

Einzelnen von uns genauso präsent.

Natürlich haben Sie damit recht, worum wir Sie aber herzlich bitten, ist Ihre weiterhin

kritisch wohlwollende Begleitung und Unterstützung in unserem Bemühen, der

Verantwortung für den hoch komplexen und manchmal auch hoch komplizierten

Gesamtorganismus Nikolaus-Cusanus-Haus gerecht zu werden.

Gemeinsam mit Ihnen freuen wir uns auf eine lichtvolle, frohe Weihnachtszeit und

wünschen Ihnen im Namen unseres Redaktionsteams Gesundheit, Glück und alles

Gute für das kommende Jahr 2012.

Heinz Bollinger Ursula Schütt


Weihnachten 2011

Aktuelles in Kürze

aus dem Nikolaus-Cusanus-Haus

Regelmäßig im Abstand von etwa eineinhalb Jahren werden wir – wie alle Altenheime

– von der Heimaufsicht (Amt für öffentliche Ordnung der Landeshauptstadt

Stuttgart) überprüft. Am 03. November 2011 war es wieder so weit. Und obwohl uns

noch kein schriftlicher Bericht vorliegt, dürfen wir davon ausgehen, uns keinen

größeren Beanstandungen gegenüber zu sehen. Eine gute pflegerische Versorgung

und Betreuung unserer BewohnerInnen wurde uns mündlich vorab bereits attestiert

– für uns das Allerwichtigste!

Als wir unseren letztjährigen Weihnachtsbaum vor dem Haupteingang auf dem

Titelblatt der aktuellen Weihnachtsausgabe der Birkacher Notizen entdeckt haben,

war unsere Freude besonders groß. Ein Bilderbuch-Winter und das fotografische

Können von Herrn Henry Kunze, bei dem wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken,

haben eine ganz besonders stimmungsvolle Aufnahme ermöglicht.

Ziemlich genau zwanzig Jahre nach Fertigstellung unseres Hauses befindet sich

nach dem Mitarbeiterhaus nun auch das gesamte Hauptgebäude vollständig im

alleinigen Eigentum der Stiftung Nikolaus-Cusanus-Haus. Mit dem ihm eigenen

Weitblick und seiner Beharrlichkeit war es vor einigen Jahren Gundolf Bockemühl,

der die Idee zur Gründung der Stiftung erstmals formulierte und sie in die Tat umsetzte.

Über die örtliche Presse bat die Evangelische Kirchengemeinde im Sommer um

Spenden für die dringend notwendige Restauration von Kirchen- und anderen historischen

Büchern aus dem Gemeindebesitz. Als Zeichen und zum Dank für eine nun

schon fast zwanzigjährige gute und konstruktive Zusammenarbeit mit der Evangelischen

Kirchengemeinde Birkach haben wir uns gerne beteiligt und die Patenschaft

für die Restaurierung des Handschriftenbands „Taufbuch 1799 bis 1807“ durch eine

zweckgebundene Spende in Höhe von Euro 300,00 übernommen.

Bereits seit 2001 besteht im Nikolaus-Cusanus-Haus ein Mitarbeiter-Solidarfonds,

der es sich zur Aufgabe gemacht hat, unverschuldet und nicht vorhersehbar in wirtschaftliche

Not geratenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schnell und unbürokratisch

finanzielle Unterstützung zu gewähren. Der Fonds speist sich ausschließlich

aus zweckgebundenen Spenden. Aufgrund der aktuell ausreichenden Ausstattung

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6

Hauszeitung

haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Mitarbeiterversammlung

entschlossen, dieses Jahr keine Zuweisung vorzunehmen, sondern den zur Verfügung

stehenden Betrag in Höhe von Euro 2.500,00 der hungernden Bevölkerung

Ostafrikas zur Verfügung zu stellen. Vorstand und Heimleitung begrüßen die Initiative

der Mitarbeiterschaft und haben als Trägerverein den genannten Betrag auf

Euro 5.000,00 verdoppelt. Die Spende wird über das „Aktionsbündnis Deutschland

hilft“ zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss verschiedener

Hilfsorganisationen unter der Schirmherrschaft von Richard von Weizsäcker,

Bundespräsident a. D.

An einem der wenigen sonnigen Tage fand unser diesjähriges Sommerfest am

16.07. statt. Etwa 400 Besucher erlebten die begeisternde Aufführung des Circus

Faustino aus Überlingen und genossen anschließend einmal mehr eine ganz besondere

Verköstigung durch unsere Küche.

Am 22.07. folgte dann das diesjährige Betriebsfest für die MitarbeiterInnen, das

leider witterungsbedingt vom benachbarten Schulhof in die Werkstätten unserer

Technik verlegt werden musste. Sicherlich keine Ideallösung weil intensive Grilldüfte

bald den gesamten Innenhof erfüllten, aber gleichzeitig unvermeidlich, weil es

zum Feiern im Außenbereich einfach zu kalt war.


Weihnachten 2011

„Ausgefallener Sommer 2011

und kein Ende – auch unser

diesjähriges Hoffest auf der gegenüberliegenden

Straßenseite

bei den Familien Schwaiger/Le-

derer fiel der Kälte zum Opfer

und musste in unseren Café-

Bereich verlegt werden.

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Unter der fachkundigen Anleitung

unseres Wasserspezialisten

Andreas Bockemühl

fand Ende Juli eine umfangreiche

Teichsanierung im Innenhof

statt. Auch hier war

die vorherrschende sommerliche

Kälte dafür verantwortlich,

dass mangels Lüftungsmöglichkeiten

unangenehme

Gerüche tagelang den Innenhof

erfüllten.

Immer stringenter werdende Brandschutzauflagen zwingen uns dazu, im Festsaal

künftig auf offenes Kerzenlicht gänzlich zu verzichten. Das wird dieses Jahr zum

ersten Mal dazu führen, dass wir am Weihnachtsbaum keine Wachskerzen, sondern

nur noch eine elektrische Beleuchtung haben werden. Im Hinblick auf die Sicherheit

der Besucher ist die neue Handhabe – obwohl unbefriedigend – gleichwohl

alternativlos.

Zum Januar 2012 wird es eine Veränderung in der Wohnbereichsleitung der

Ebene 2 geben. Frau Eva Blomen möchte von der Verantwortung entbunden werden,

Frau Eva Woller wird künftig dieses Aufgabengebiet übernehmen, sie bringt

bereits entsprechende Erfahrungen mit.

Heinz Bollinger


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Das Engelchen

Hauszeitung

Der kleine Sascha hatte ein widerspenstiges Seelchen, manchmal kam ihm der

Wunsch, dasjenige nicht zu tun, was man schlechtweg „leben“ nennt, er wollte nicht

früh aufstehen, sich nicht mit kaltem Wasser waschen, nicht zur Schule gehen, – da

er aber erst acht Jahre alt war, wusste er nicht, wie man es einrichten könnte, nicht

zu tun, was von ihm verlangt wurde, so tat er es weiter, doch tat er alles schlecht und

brachte zu Weihnachten ein schlechtes Zeugnis aus der Schule. Heimkehrend, ging

er zum Vater – diesen hatte er sehr lieb und hoffte, von ihm weniger Tadel zu hören.

„Sascha!“ sagte der Vater, „warum nur bist Du so widerspenstig? Und Sweschnikows

haben für Dich eine Einladung zum Weihnachtsbaum geschickt.“

Sweschnikows waren reiche Leute, sie bezahlten das Schulgeld für Sascha, dessen

Vater ihr früherer, wegen Krankheit früh pensionierter Beamter war. Sascha war es

nicht angenehm, der Einladung Folge zu leisten, man würde dort sicher fragen, wie

es ihm in der Schule ergehe. Doch bestand die Mutter darauf, dass er hingehe, und –

um Sascha zum Gehorchen zu bewegen, sagte der Vater: „Geh hin, Söhnchen,

vielleicht gibt man Dir für mich ein kleines Geschenk, ich sitze schon eine Woche

ohne Tabak.“ Das genügte, um Sascha gefügig zu machen …

Die Kinder wurden nicht gleich in den Saal gelassen, sie waren aufgeregt und

lärmten in Erwartung der Weihnachts-Bescherung. Da öffnete sich die Tür, und –

den Atem anhaltend, die Äuglein weit aufgerissen, liefen alle in den Saal, wo eine

große, herrlich geschmückte Tanne stand. Sascha ging, gleich den anderen Kindern,

rund um den Baum; auf einmal blieb er stehen, seine Augen blitzten vor Verwunderung:

auf einem der oberen Äste sah er einen aus Wachs gefertigten Engel hängen,

seine Flügelchen waren durchsichtig und zitterten, bewegt durch die Wärme der

rundum brennenden Kerzen. Er sah wie lebend aus, als wäre er bereit, gleich davonzufliegen.

Sascha starrte ihn an, und in ihm erstand ein so starker Wunsch, den

Engel sein eigen zu nennen, dass er – trotz seiner großen Schüchternheit – zur Hausfrau

lief und sie bat: „Tantchen! Bitte, schenk mir den Engel!“ „Das geht nicht, mein

Kind; alle Sachen müssen bis Neujahr am Baum hängen bleiben, dann erst werden

sie an die Kinder verteilt.“ Sascha schien, als falle er in einen tiefen Abgrund … Er

griff zu einem neuen Mittel: „Tantchen“, sagte er, „ich bereue es, unartig gewesen

zu sein, und verspreche fest, von nun an gut zu lernen …“ Doch auch diese Worte

erweichten das Herz der Hausfrau nicht. Da rief Sascha mit entsetzter Stimme: „Gib

ihn mir! Ich muss ihn haben!“ und fiel vor Frau Sweschnikowa auf die Knie. „Du


Weihnachten 2011

bist ja verrückt! Auf die Knie fallen tut man nur im Gebet vor Gott.“ Doch als sie in

die Augen des Buben schaute, unterbrach sie ihre Belehrung und fügte hinzu: „Was

Du für ein dummes Menschlein bist! Meinetwegen, – sollst das Engelchen haben.“

Als Sascha den Engel in Händen hielt, blitzten ihm Tränen in den Augen, er sah die

Hausfrau mit seligem Lächeln an, seufzte tief und verließ eilig den Saal. Er suchte

nach seinem Mantel und lief heim. Die Mutter hatte sich schon niedergelegt,

ermüdet von der Vorfeiertagsputzerei, in der Küche brannte aber noch eine kleine

Petroleum-Lampe, der Vater wartete auf die Heimkehr von Sascha …

„Ist der Engel nicht wunderschön?“ fragte der Knabe. „Ja“, entgegnete der Vater, „er

hat was Besonderes an sich, pass auf, dass er uns nicht davonfliegt!“ Sascha starrte

das Spielzeug an, unter seinem unverwandten Blick schien das Engelchen größer,

leuchtender zu werden, seine Flügel bebten noch stärker …, und alles, die blakende

Lampe, die verrauchte Tapete, der einfache Holztisch, ja die ganze ärmliche

Einrichtung des Raumes verschwand … Dem alten Mann schien, er befinde sich

wieder in der Welt, zu der er einst, als er noch nicht arbeitslos war, gehörte, als er

weder Sorgen noch Not kannte, als sein Leben froh und hell dahinfloss … Das

Engelchen war herabgestiegen und hatte einen Lichtstrahl in sein graues, eintöniges

Leben gebracht. Und neben ihm, dem Alten, saß mit leuchtenden Augen, gleich

glücklich wie er, das am Anfang des Lebens stehende Menschlein. Für beide waren

Gegenwart und Zukunft entschwunden … Formlos und nebelhaft war Saschas Träumerei,

alles Schöne, alle Hoffnungen seiner sehnenden Seele schien das Engelchen

in sich eingesogen zu haben, daher strahlte es in solch herrlichem Licht, daher bebten

so geheimnisvoll seine Flügel … In solchen Halbtraum versunken, war Sascha

unbemerkt eingeschlafen, auch der Vater begab sich zur Ruhe.

Und das Engelchen? Aufgehängt in der Nähe des warmen Ofens, begann es zu

schmelzen, dicke Wachstropfen flossen längs seiner Füßchen hinab, dann erbebte

der ganze Engel, als wolle er tatsächlich fortfliegen, und fiel auf die heißen Platten

des Ofens. Eine neugierige Schwabe begann die formlose Wachsmasse zu umkreisen,

lief dann eilig davon … Ins Fenster drang das Licht der Morgendämmerung, im

Hof klapperte der Wagen des Milchmanns, – und der Engel war nicht mehr! Was

tat’s? Durch sein kurzes Dasein hatte er doch die zwei Menschen für einige Zeit so

glücklich gemacht!

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Leonid Andrejew

Übersetzt von Olga Flohr


Weihnachten 2011

Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,

drin alle Dinge Silber sind.

Da schimmert mancher Stern so lind,

als ob er fromme Hirten brächte

zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube

bestreut, erscheinen Flur und Flut,

und in die Herzen, traumgemut,

steigt ein kapellenloser Glaube,

der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke

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Hauszeitung

Martinimarkt im Nikolaus-Cusanus-Haus

Erst vor wenigen Wochen fand unser 20. Martinimarkt statt, der im Kreise unserer

Jahresfeste einen festen Platz einnimmt. Schon 1992 legten Bewohnerinnen und

Bewohner den ersten kleinen Keim für diese Veranstaltung. Natürlich veränderte

sich über die zwei Jahrzehnte hinweg die äußere Form. So nutzten wir in den ersten

Jahren auch den Eingangsbereich in der Ebene 1 für Stände, und bis vor 6 Jahren

fand der Verkauf von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr statt.

Doch wesentlich war und ist: unser Angebot an Waren lebt von den Ideen, den

handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten und dem unermüdlichen Fleiß unserer

Bewohnerinnen und Bewohner. Denn anders als auf vielen Basaren bieten wir

auf unserem Martinimarkt überwiegend bei uns im Hause hergestellte Waren – also

„Made (gefertigt) im Nikolaus-Cusanus-Haus“. Selbstgemachtes, Selbstgebasteltes

und Selbstgestricktes von A wie Apfelgelee über P wie Puppen bis hin zu Z wie

Zwerge findet Liebhaber und Käufer. Marktstände, die nicht mit Waren aus unserem

Hause bestückt werden, sind die Ausnahme.

Das hat auch die erfreuliche Folge, dass die gesamten Einnahmen direkt in die

„Martinikasse“ fließen. Seit 1993 – unserem ersten öffentlichen Basar – ist das die

stolze Summe von Euro 107.767,-- !!! Dieser Betrag wurde vom Martinimarktkreis,

der sich aus Bewohnerinnen und Bewohnern, aber seit einigen Jahren auch aus ehrenamtlichen

HelferInnen aus dem Umkreis zusammensetzt, vielfältigen und unterschiedlichsten

Zwecken zugeführt. In den Jahren bis 1998 fanden die Martinimarktgelder

überwiegend Verwendung für kulturelle Zwecke, für die Ausgestaltung unseres

Hauses (z. B. für Plastiken) oder flossen nicht zweckgebunden in das Nikolaus-

Cusanus-Haus.

Im Mai 1998 wurde der Unterstützungsfonds für BewohnerInnen ins Leben gerufen

– ein Fonds, der auf Spenden basiert. Seit diesem Zeitpunkt hat der Martinimarktkreis

immer einen beträchtlichen Teil der Einnahmen dem Fonds zur Verfügung gestellt.

Seit 1998 flossen insgesamt Euro 80.435,-- aus der Martinimarktkasse folgenden

Zwecken zu:

1. Unterstützungsfonds BewohnerInnen 41.030 €

2. Kunsttherapie im NCH 14.135 €

3. Jahreszeitentische 7.495 €

in den Aufenthaltsräumen der Pflegebereiche

4. Garten NCH 4.083 €

5. Material Töpfern Bewohner 2.060 €


Weihnachten 2011

6. Transportabler Lautsprecher 1.023 €

7. Beleuchtung Festsaal 1.534 €

8. Vogelhäuser im Garten 255 €

9. Gestaltung Eingangsbereich/Innenhof 2.046 €

10. Ergometer 400 €

11. Postkarten vom NCH 300 €

12. Nikolaus-Cusanus-Haus – allgemein – 774 €

13. Spenden und Unterstützung für:

Aidswaisen (Projekt in Südafrika),

Bingenheim Saatgut AG,

Eurythmeum Stuttgart, Save our Seeds,

Priester der Christengemeinschaft 5.300 €

Verfügte Summe: 80.435 €

Die nachfolgende Abbildung stellt die Verteilung grafisch dar und zeigt die Aufteilung

in Prozent.

Unterstützungsfonds

Bewohner

51%

Verwendung der Martinimarkterlöse

(1998 - 2011) insgesamt 80.435 !

NCH

Punkte 6 - 11

7%

Jahreszeitentische

9%

Garten 5%

Kunsttherapie

18%

Material Töpfern

2%

Spenden 7%

NCH allgemein

1%

Es lässt sich wohl erahnen, wieviel Arbeit und Fleiß sowie unermüdlicher Einsatz

sich hinter diesen Zahlen verbirgt, aber auch, wieviel Segensreiches in und außerhalb

des Hauses verwirklicht werden konnte!

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Eckehard Rauch


Weihnachten 2011

Bilderrätsel

Kinder- und Jugendfotos unserer BewohnerInnen

Auf Anregung aus der Bewohnerschaft haben wir uns entschlossen, ein Bilderrätsel

mit Kinder- und Jugendfotos unserer BewohnerInnen zu veröffentlichen. Dabei

wurden wir von der Resonanz überrascht – wir erhielten Bilder von über vierzig

BewohnerInnen. Deshalb wird es eine Fortsetzung in der nächsten Hauszeitung geben.

Bitte notieren Sie Ihre Antwort auf einem Blatt Papier und geben es am Empfang ab.

Unter allen richtigen Antworten verlosen wir drei Gutscheine für unser Café.

Die richtigen Antworten werden in der nächsten Ausgabe veröffentlicht. Red.

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Hauszeitung


Weihnachten 2011

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Unser Café im NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS

Über fünf Jahre ist es nun schon her, dass wir unser

Café nicht mehr verpachtet haben, sondern in Eigenregie

selbst betreiben. Unter der professionellen

Leitung von Frau Heckle und vor Ort durch Frau

Holz, mit Unterstützung durch eine ganze Reihe von

engagierten Aushilfen, sind wir täglich, außer

montags, von 14:30 Uhr bis 17:30 Uhr für unsere

Gäste da.

Hauszeitung

Natürlich gelingt es uns nicht, eine Art „Wiener

Kaffeehaus-Atmosphäre“ zu zaubern – das scheitert

schon am im Schwäbischen eher weniger verbreiteten

Schmäh – aber einen mehr als ansprechenden

Ort der Begegnung, wo man sich trifft, mit seinen

Gästen, Angehörigen und Freunden redet, eine Tasse

Kaffee trinkt, einen leckeren Kuchen isst, die

Zeitung liest oder sich „einfach nur so“ aufhält und wohl fühlt, der nicht an eine Art

Kiosk oder Kantine erinnert, sondern wo ein unserem Hause angemessener Stil

gepflegt wird – den wollten und wollen wir in jedem Fall anbieten.

Damit dies immer wieder aufs Neue gelingen

kann, müssen viele Faktoren zusammenspielen.

Ganz wichtig ist das „Ambiente“, wie zum Beispiel

die Dekoration und der äußere Gesamteindruck.

So haben wir in unserer Mitarbeiterschaft

mit Frau Reuer beispielsweise eine gelernte

Floristin, die sich um die jahreszeitliche Ausgestaltung

kümmert. Höchste Ansprüche haben

wir natürlich unseren Lieferanten gegenüber, die

wir nach strengen Qualitätsrichtlinien auswählen:

Kaffee von Hochland, Kuchen, Torten und

Feingebäck u. a. aus dem Café Rosenstöckle in

Sillenbuch, Brot von der Karl-Schubert-Gemeinschaft.

Ergänzungsangebote vervollständigen

unser Sortiment: Käsegebäck, Butterbrezeln,


Weihnachten 2011

Schokolade, Pralinen, Eis …, auf Wunsch versuchen Frau Holz und ihr Team, vieles

– bis nahezu alles – zu ermöglichen.

Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die verschiedenen

Honigsorten unseres Imkers Johann Hanke

aus Balingen, der seit dem Jahr 1985 seine Bienen

im Einklang mit dem Jahreslauf artgerecht und

unter Stärkung mit den biologisch-dynamischen

Präparaten bewirtschaftet.

Der wesentliche Grundsatz und die Hauptmotivation

für unsere Arbeit im Café ist, unabhängig

von wirtschaftlichen Überlegungen, der Wunsch,

mit einer „verträglichen Preisgestaltung“ möglichst

vielen Bewohnerinnen und Bewohnern den regelmäßigen

Besuch zu ermöglichen.

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Natürlich freuen wir uns auch auf

Gäste, die selten oder gar erstmals

bei uns sind. Vielleicht

haben Sie anlässlich von Besuchen

oder bei Veranstaltungen

Gelegenheit hierzu. Für Wünsche

und Anregungen sind wir übrigens

jederzeit offen.

Es wäre schön, wenn wir uns

demnächst vor Ort bei einer Latte

Macchiato, die es schon zu einer

gewissen Berühmtheit gebracht hat, oder einer unserer anderen Spezialitäten treffen

würden.

Heinz Bollinger


20

Hauszeitung

Mitarbeiter, die im NIKOLAUS-CUSANUS-HAUS neu

angefangen haben:

Albers, Claudia Pflegebereich E 2

Böhm, Mareike Pflegebereich E 2

Fuchs, Sabrina Azubi Pflegebereich E 2

Henseleit, Sarah Pflegebereich E 2

Rybold, Mary Pflegebereich E 2

Weinberger, Sophia Praktikantin Pflegebereich E 2

Woller, Eva Wohnbereichsleitung E 2

Abd El Latif, Gihan Azubi Pflegebereich E 3

Lyubchak, Iryna FSJ Pflegebereich E 3

Uhlig, Petra Pflegebereich E 3

Conrad, Mandy Pflegebereich E 4

Joshua, Bilha Pflegebereich E 4

Omwa, Irene Azubi Pflegebereich E 4

Leer, Swetlana Küche

Wir wünschen allen neuen Mitarbeitern einen guten Start und

viel Freude bei der Arbeit.


Weihnachten 2011

Mitarbeiter, die das Haus verlassen haben:

Kimani, Susan FSJ Pflegebereich E 2

Strebling, Marina Pflegebereich E 2

Ochieng, Moureen FSJ Pflegebereich E 3

Henseleit, Sebastian Pflegebereich E 4

Kaale, Neema FSJ Pflegebereich E 4

Schneider, Sonia Pflegebereich E 4

(nach Elternzeit)

Schaller-Gehrmann, Claudia Küche

In den Ruhestand verabschiedet haben wir:

Stankovic, Jagoda Küche

Wir danken unseren ausgeschiedenen Mitarbeitern und wünschen

ihnen alles Gute.

Ganz herzlich gratulieren wir unserer Mitarbeiterin Petra

Uhlig zu ihrer Heirat und wünschen ihr alles Gute!

Ihr 20-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-CUSANUS-

HAUS feierten in diesen Tagen:

Im Oktober 2011

Bollinger, Heinz Geschäftsführung/Heimleitung

Heckle, Stefanie Hauswirtschaftsleitung

Ruthardt, Rolf Leiter Haustechnik

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Ihr 10-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-CUSANUS-

HAUS feierten in diesen Tagen:

Im Juli 2011

Kessler, Michael Hauswirtschaft

Im September 2011

Reck, Roland Pflegebereich E 3

Im Oktober 2011

Flegler, Tatana Pflegebereich E 4

Klein, Silke Mitarbeiterbüro

Ihr 5-jähriges Jubiläum im NIKOLAUS-CUSANUS-

HAUS feierten in diesen Tagen:

Im August 2011

Staiger, Ilka Pflegebereich E 4

Im September 2011

Totaro, Pasqua Hauswirtschaft

Stracke, Stefanie Hauswirtschaft

Im Oktober 2011

Hüttl, Franziska Pflegebereich E 3

Sarzynski, Peter Pflegebereich E 3

Mischke, Nicki Pflegebereich E 4

Primke, Simone Empfang

Stehle, Frieder Buchhaltung

Schwarz-Bufler, Elke Freiwillige Hilfe

Weber-Schepky, Elisabeth Freiwillige Hilfe

Im November 2011

Fries, Hans Georg Freiwillige Hilfe

Hauszeitung


Weihnachten 2011

„Die schwarze Perle“ – Lanzarote und das

Centro de Terapia Antroposófica

Aus verschiedenen Gründen war im September lediglich eine einwöchige Auslandsurlaubsreise

möglich. Damit war unsere „zweite Heimat“ Griechenland für dieses

Jahr leider aus dem Rennen.

Was also tun? Es sollte ein Reiseziel werden, das nicht allzu weit entfernt liegt.

Nach dem bescheidenen und teilweise verregneten heimischen Sommer sollte es

vernünftig warm, jedoch nicht zu heiß, aber trocken sein! Meer wäre ganz nett,

Berge aber auch, gutes Essen – am liebsten viel Fisch – wäre optimal, auf keinen

Fall ein großes Hotel und schon gar nicht „all inclusive“, sondern so individuell wie

möglich – und zu guter Letzt wären selbstverständlich Kultur- und Landschafts-

eindrücke Grundvoraussetzungen.

Im Rückblick dürfen wir festhalten: Bis auf die Flugdauer – hin ca. 4 ¼ Stunden,

zurück ca. 5 ½ Stunden (mit Zwischenstopp auf Fuerteventura) – haben wir es geschafft,

alles unter einen Hut zu bringen!

Als die Unterkunft feststand – wir entschieden

uns spontan für das vielen

unserer LeserInnen bekannte Centro de

Terapia Antroposófica, und dort nicht

für das Stammhaus im uns zu trubeligen

Puerto del Carmen, sondern für

die ca. 3 km oberhalb gelegene Finca

Lomos Altos mit zauberhaftem Blick

auf das Meer und die Vulkankette –,

ergab sich alles Weitere wie von selbst.

Dumont, Marco Polo und unser kleines Mietauto führten uns zu den Sehenswürdigkeiten,

die die Natur und César Manrique geschaffen haben. Er war es, der

auf seiner Heimatinsel versucht hat, die Idee der „Symbiose von Natur und Kunst“

zu verwirklichen. Der im Alter von 72 Jahren 1992 verstorbene Maler und Bildhauer

hatte seinen Ehrgeiz vor allem darauf gerichtet, die ursprüngliche Schönheit der

Vulkaninsel zu retten. Jameos del Agua und Cueva de los Verdes, der Aussichtspunkt

Mirador del Rio, die abstrakte Plastik in Mozaga und der Kaktusgarten von

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Hauszeitung

Guatiza sind seine Schöpfungen. Sein ehemaliges Wohnhaus in Tahiche ist seit 1992

zu besichtigen. Manrique, der den Politikern von Lanzarote mangelnde Intelligenz

und Unmoral vorwarf, weil sie dabei seien, die Insel zu zerstören, wollte „eine

Vision, eine Utopie“ verwirklichen. Die natürliche Schönheit dieser Vulkaninsel

sollte mit den Schöpfungen der Menschen, mit der Kunst, mit der Architektur eine

perfekte Symbiose eingehen: „Wir hatten es fast geschafft, und jetzt kommen diese

Geier, diese Spekulanten ohne jede Moral. Sie wollen uns alles stehlen, sie haben

nur ein Ziel, ganz schnell reich zu werden.“

Das Wissen um die jüngere geologische Geschichte der 125 km von der afrikanischen

Westküste entfernt liegenden Kanareninsel verdanken wir der erhalten gebliebenen

Beschreibung eines Pfarrers, dessen Dorf im Gegensatz zu vielen anderen

verschont blieb:

„Die Erde wölbte sich empor zu

einem mächtigen Berg und zerplatzte

in 32 Krateröffnungen,

Feuer schlugen zum Himmel empor

und flammten 19 Tage lang.

Glühende Lava strömte aus und

wälzte sich über die Flanken des

Timanfaya. Das war am ersten

Septembertag des Jahres 1730

zwischen neun und zehn Uhr. Im

Oktober taten sich drei neue Erdfalten

auf mit neuen Explosionen

und mit einem Aschenregen, der

den Tag verdunkelte.“

Sechs Tage lang dauerte der schwerste Vulkanausbruch in der neueren Erdgeschichte.

Heute ist es die grandiose Schönheit der Feuerberge, die fasziniert, der

erstarrte Zorn der Vulkane.

Die Insel erwartet ihre Besucher mit vielen Überraschungen: Es ist das Kolossale

und Nackte, das Bizarre und Chaotische dieser Landschaft, die Kontraste von

erstarrter Lava und menschlichem Erfindergeist, der den Tau der Nacht nutzt, um

Weinstöcke und Kartoffelpflanzen grünen zu lassen. Dieser sogenannte Trockenfeldbau

(kaum Niederschlag, das wenige Wasser wird mit dieser Methode gespeichert)

hat über lange Zeit den Einheimischen das Überleben gesichert: Auf einen

Acker kommt Mutterboden, der mit einer Schicht dunkler Lapilli Picon abgedeckt


Weihnachten 2011

wird. Die blauschwarzen Lavasplitter, zwischen fünf und fünfzig Millimeter groß,

beschweren den Boden. Nachts saugt der poröse Stein Tau und Feuchtigkeit auf und

gibt das Wasser an die Pflanzenwurzeln weiter. Für hoch wachsende Pflanzen, wie

Weinrebe und Feigenbäume, werden halbrunde Mauern aufgeschichtet. Um Gurken

oder Bohnen werden Kisten, Strohballen

oder Bretterwände als Windschutz

errichtet. Mit dieser

Trockenfeldbaukultur konnte der

Bauer drei seiner Feinde überlisten:

den Wind, die Trockenheit und

Malpais, das schlechte Land. Angebaut

wird heute außer Zwiebeln,

Süßkartoffeln und Wein jedoch

meistens nur noch für den Eigenbedarf.

Größte Bedeutung hatten früher Kakteenkulturen, die Opuntien. Sie waren der Nährboden,

auf dem die Cochenille-Laus in Kolonien lebte. Deren Larven lieferten den

karminroten Farbstoff, der als natürlicher Grundstoff vor allem von der Genussmittelindustrie

angekauft wurde. Rund 150.000 Larven ergaben ein Kilo, inzwischen

ist der Ertrag stark zurückgegangen, und die Cochenille ist längst nicht mehr gewinnbringend.

An Pflanzen ist neben Kleingewächsen wie Flechten und Farnen etc. vor allem die

Kanarenpalme noch recht verbreitet, die berühmten Drachenbäume hingegen sind

nur noch vereinzelt anzutreffen. Weit eintöniger als die Pflanzenwelt gestaltet sich

die Tierwelt. Da sind zunächst natürlich die Kanarienvögel, allerdings sind sie nicht

häufig anzutreffen und vor allem sehr viel kleiner als die bei uns gezüchteten.

Vereinzelt treffen wir wenige Ziegen, Esel und Dromedare, letztere allerdings nicht

mehr als Nutztiere, sondern zum Touristentransport. Berühmt ist Lanzarote allerdings

für seinen Fischreichtum: Unter anderem sind Thunfisch, Tintenfisch, Seesterne,

Seerosen, Muränen und Haie häufig anzutreffen.

Landschaftlicher Höhepunkt ist zweifellos der Nationalpark „Montañas del Fuego

Timanfaya“, der Teil der Insel, in dem sich die Vulkanausbrüche hauptsächlich ereignet

hatten. Wir treffen heute eine Schlackenlandschaft von beängstigender Trostlosigkeit

an. Eine schauerlich und gleichzeitig schöne Öde, wir sehen wüstenähnliche

– bis heute nicht begehbare – Lavafelder, wir erleben eine beunruhigende,

ja beklemmende Stille. Neben schwarzen Sandstränden treffen wir auf Küsten-

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Hauszeitung

abschnitte mit vorgelagerten Felsen, an denen sich die aufgewühlten Wassermengen

mit unglaublichem Getöse brechen. Geradezu bedrohlich wirkt dieses faszinierende

Schauspiel, wenn man die bis zu 30 Meter hoch aufspritzenden Wellenberge

beobachtet.

Zum Abschluss noch einige Bemerkungen zum Centro de Terapia Antroposófica:

Etwa um das Jahr 1980 war es die Idee der Gründer, auf Lanzarote ein Therapiezentrum

auf anthroposophischer Grundlage zu schaffen, in dem Erholungsbedürftige

und Rekonvaleszente Ruhe finden und Aufbaukräfte sammeln können. Diese Intention

trägt bis heute und war und ist unverändert Triebfeder einer geradezu stürmischen

Entwicklung. In Puerto del Carmen stehen heute an zwei nur etwa drei

Kilometer voneinander entfernten Standorten 52 Appartements, 17 Ferienwohnungen

und zwei Ferienhäuser zur Verfügung.

Neben einem umfangreichen Therapieprogramm, das ärztliches und therapeutisches

Wirken mit den Kräften der Natur in Einklang bringen will, finden unter anderem

anthroposophische Arbeitskreise ebenso wie die Menschenweihehandlung der

Christengemeinschaft statt, die Jahresfeste werden gemeinsam gefeiert, und die

Erfolge des biologisch-dynamischen Trockenfeldbaus sind zu bewundern.

Das Centro und die benachbarte Finca Lomos Altos wollen aber durchaus auch

Menschen außerhalb des anthroposophischen Umfelds ansprechen: „Wir sind auch

eine Ferienanlage, die Familien mit Kindern herzlich willkommen heißt“, ist in den

verschiedenen Publikationen zu lesen. Kinderbetreuung durch Spiele, Geschichten

und künstlerische Aktivitäten schafft Anregung zur eigenen Kreativität. Dies

bedeutet für gestresste Eltern einen Erholungs- und Freiraum für die eigenen

Neigungen und Interessen. Swimmingpools, ein Hallenbad, Restaurant und Bioladen

decken nahezu alle Urlaubswünsche ab.

Als Fazit darf festgehalten werden, dass die Kombination Lanzarote und Centro de

Terapia Antroposófica allemal eine Reise wert ist.

(Weitere Informationen siehe Homepage www.centro-lanzarote.de und/oder Kundentelefon

für Anrufer aus Deutschland: 02921/3549305-0).

Heinz Bollinger


Weihnachten 2011

Veranstaltungen

Weihnachten 2011 bis Johanni 2012

Montag 26.12.2011 16:00 Uhr Märcheneurythmie

„Die drei Männlein im Walde“

Ein Märchen der Brüder Grimm

Eurythmeum Stuttgart – Märchenensemble

Mittwoch 28.12.2011 17:00 Uhr Das Traumlied des Olav Åsteson

in norwegischer und deutscher Sprache,

gesungen von Holger Schimanke

Samstag 31.12.2011 16:30 Uhr Kleine Silvesterfeier

Samstag 07.01.2012 16:30 Uhr Oberuferer Dreikönigspiel

In einer Übertragung ins Hochdeutsche

Kumpanei der Christengemeinschaft

Überlingen

Mittwoch 11.01.2012 17:00 Uhr „Der Stern steht still“

Ein iroschottisches Dreikönig-Singspiel,

dargeboten von Studenten des Priesterseminars

der Christengemeinschaft Stuttgart

Sonntag 15.01.2012 17:00 Uhr Motetten und Madrigale italienischer Meister

Chor „Concerto Vocale“, Tübingen

Leitung: Peter Unterberg

Mittwoch 18.01.2012 17:00 Uhr Willkommen – Abschied – Wiederkehr

Gedichte vom Barock bis zur Gegenwart

und Harfenmusik

Rezitation: Walter Schafarschik

Harfe: Irmela Soldner

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Sonntag 22.01.2012 10:00 Uhr Ausstellungseröffnung

Gedächtnisausstellung

Rainer Lechler (1941-2011)

- Zeichnungen und Skulpturen -

Hauszeitung

Samstag 28.01.2012 19:00 Uhr Winterkonzert des Akademischen

Orchesters Tübingen

Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 4

Sergej Rachmaninoff, Klavierkonzert Nr. 2

c-Moll, op. 18

unter der Leitung von Philipp Amelung.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem

BKV in der Kulturreihe Birkach 2012.

Mittwoch 01.02.2012 16:30 Uhr Der Kleine Prinz

Wer ist dieses Wesen, das Groß und Klein

berührt?

Theater und Musik, gespielt vom Jugend-

kreis der Christengemeinschaft Basel

Samstag 04.02.2012 19:00 Uhr Stabat Mater von Gioachino Rossini

(1792-1886) und andere Werke

Solitude-Chor und Uni-Orchester Hohenheim

Leitung: Klaus Breuninger

Sonntag 12.02.2012 17:00 Uhr „Jugend spielt Klassik!“

Werke von Mozart, J. S. Bach, Schumann

und Brahms

Konzert der Mozartgesellschaft Stuttgart

Samstag 18.02.2012 17:00 Uhr Liederabend

mit Werken von Beethoven, Schubert,

Herzogenberg und Reger

Andreas Weller, Tenor

Götz Payer, Klavier


Weihnachten 2011

Dienstag 21.02.2012 16:00 Uhr „Heitere Eurythmie“

Eurythmeum Stuttgart

Leitung: Benedikt Zweifel

Sonntag 26.02.2012 17:00 Uhr „Viel Lärm um nichts“ –

William Shakespeare

Laienspielgruppe der Filderklinik

Leitung: Frank Jordt

Mittwoch 29.02.2012 17:00 Uhr Das Quellenwunder

Ein Märchen von Rudolf Steiner

in eurythmischer Darstellung von Schülern

der Waldorfschule Uhlandshöhe

Samstag 03.03.2012 17:00 Uhr Paulusorchester

Beethoven, Konzert für Klavier, Violine,

Violoncello und Orchester, C-Dur, op. 56

Mozart, „Haffner“-Sinfonie Nr. 35, KV 385,

D-Dur

Leitung: Veronika Stoertzenbach

Samstag 10.03.2012 19:00 Uhr URAUFFÜHRUNG

Seine letzte Rolle

– Der Verräter –

Schauspiel von Gerald Friese,

gespielt von LiteraVox

Sonntag 11.03.2012 17:00 Uhr Seine letzte Rolle

– Der Verräter –

Schauspiel von Gerald Friese,

gespielt LiteraVox

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Hauszeitung

Samstag 17.03.2012 17:00 Uhr Preisträgerkonzert

Junge begabte und mit zahlreichen Preisen

geehrte Musiker der Musikschule Stuttgart

bieten ein Konzert der besonderen Art

Leitung: Monika Giurgiuma

Samstag 24.03.2012 19:00 Uhr BosArt Trio – Musikkabarett

Eine Veranstaltung des BKV in der

Kulturreihe Birkach

Samstag 31.03.2012 17:00 Uhr Chorkonzert am Vorabend zu Palmsonntag

Requiem op. 9 von Maurice Duruflé

Chor und Orchester der Filderklinik

Leitung: Monica Bissegger

Sonntag

bis

Samstag

01.04.2012

bis

07.04.2012

täglich

16:30 Uhr

Lesung

Aus: „Die drei Jahre“ von Emil Bock

in der Kapelle

Sonntag 08.04.2012 16:30 Uhr Osterlesung

Ein Vortrag von Dr. Rudolf Steiner

Sonntag 15.04.2012 10:00 Uhr Ausstellungseröffnung

Samstag 21.04.2012 15:00 Uhr Sugar – Ein Musical

nach dem Billy-Wilder-Film

„Manche mögen's heiß".

Eine Produktion des Paracelsus-Gymnasium-

Hohenheim

Leitung: Eberhard Riese

19:30 Uhr Sugar – Ein Musical


Weihnachten 2011

Sonntag 22.04.2012 19:30 Uhr Sugar – Ein Musical

Montag 23.04.2012 19:30 Uhr Sugar – Ein Musical

Dienstag 24.04.2012 19:30 Uhr Sugar – Ein Musical

Samstag 28.04.2012 19:00 Uhr „Geliebtes Scheusal“,

eine Komödie von Joyce Rayburn,

aufgeführt von „Das Glasperlenspiel“, Asperg

Eine Veranstaltung des BKV in der

Kulturreihe Birkach

Samstag 12.05.2012 17:00 Uhr Hildegard von Bingen

ORDO VIRTUTUM – Spiel der Kräfte

Freie Eurythmiegruppe Stuttgart

Leitung: Elisabeth Brinkmann

Sonntag 27.05.2012 16:30 Uhr Pfingstfeier

Samstag 16.06.2012 17:00 Uhr „Sommerfrische Chormusik“

Junger Chor Stuttgart e.V.

Vom Madrigal zum Pop-Song.

Werke von Monteverdi, Brahms, Beatles u. a.

Leitung: Paul Theis

Sonntag 24.06.2012 16:30 Uhr Johannifeier

– Änderungen vorbehalten –

Aktuelle Angaben finden Sie auch unter: http://www.nikolaus-cusanus-haus.de

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So lange die Bäume noch Blätter tragen

Hauszeitung

Es war einmal ein Mann, der ließ eine Kornmühle bauen. Anfänglich ging es ihm

damit nicht gut, denn er hatte kaum Arbeit. Aber allmählich kamen immer mehr

Bauern zu ihm und ließen ihren Weizen mahlen. So verdiente er bald ordentlich

Geld. Er war ein gutmütiger Mensch und konnte nicht mit ansehen, wenn jemand

arm war. Wer zu ihm kam und nichts mehr zu essen hatte, bekam einen Mundvoll

und noch allerhand dazu. Das sprach sich herum, und immer mehr Menschen kamen

zu ihm.

Es geschah aber, dass ein Krieg ausbrach. Im Land herrschte nach kurzer Zeit

Hungersnot. Dem Müller war es in den Jahren davor so gut gegangen, dass er neben

der Mühle zwei Lagerhäuser hatte bauen lassen, die prall gefüllt waren. Nun öffnete

er die Tore, und jeder, der darum bat, bekam eine Schaufel voll Mehl. So konnten

viele Menschen gerettet werden und überleben. Aber der Müller verdiente nichts

mehr. Die Felder waren zerstört, die Bauern hatten nichts mehr, was sie hätten

mahlen lassen können. So geriet er tief in die Schulden. Es kam so weit, dass sein

Eigentum beschlagnahmt wurde und verkauft werden sollte.

Er wusste nicht mehr ein noch aus, da klopfte es eines Abends an die Tür. Draußen

stand ein Mann, der einen kleinen Sack unter dem Arm trug. „Wollt Ihr dies hier für

mich mahlen?“ fragte der den Müller. „Das werde ich gerne tun“, sagte der Müller.

Aber er dachte bei sich: dieser kleine Sack nützt mir auch nichts, und deshalb schilderte

er dem Fremden, wie es um ihn stand. „Ihr seid in einer sehr misslichen Lage“,

sagte der Fremde. „Wie hoch ist denn Eure Schuld?“ Der Müller nannte den Betrag,

und der Fremde sagte: „Diesen Betrag könnt Ihr von mir bekommen. Aber es ist

eine Bedingung dabei. Der Krieg wird bald vorbei sein, und dann müsst Ihr mir das

Geld zurückzahlen, ehe in jenem Jahr die Blätter von den Bäumen gefallen sind.“

Der Müller schöpfte neue Hoffnung; er vertraute darauf, dass er nach dem Krieg

wieder genug Arbeit haben werde und er den Betrag verdienen könne. Also schlug

er ein.

Es geschah, wie der Fremde gesagt hatte. Im Frühjahr war der Krieg vorbei, und die

Mühle mahlte wieder, aber es zeigte sich, dass der Müller noch nicht genug verdiente,

um das Geld, das er für seinen Besitz bekommen hatte, aufbringen zu können.

Eines Abends im Spätsommer wurde wieder an die Tür geklopft, und draußen stand

der Mann, der ihm das Geld geliehen hatte. „Nun, wie steht es mit dem Geld?“ –

„Ich habe es noch nicht zusammen“, sagte der Müller. „Aber Ihr kommt ja auch zu

früh, die Blätter sind noch nicht von den Bäumen gefallen.“


Weihnachten 2011

Aber es wurde Herbst, und immer mehr Blätter fielen von den Bäumen. Der Fremde

kam zurück und sagte: „Jetzt wird es Winter, und nur noch wenige Blätter hängen an

den Bäumen. Ihr wisst, was wir vereinbart haben, und Ihr wisst doch, wer ich bin.“ –

„Nein“, erwiderte der Müller, „ich weiß nicht, wer Ihr seid.“ Der Fremde sagte: „Ich

bin der Teufel. Wir haben vereinbart, dass, wenn Ihr nicht pünktlich bezahlen könnt,

ich Euch selbst holen werde.“

Der Müller legte sich ins Bett, aber schlafen konnte er nicht. Die ganze Nacht betete

er und erklärte dem Herrn seine Lage: „Ich bin in Armut geraten, weil ich anderen

Menschen, die hungerten, geholfen habe“, legte er dar. „Und ohne dass ich es wusste,

habe ich meine Seele dem Teufel verkauft.“ Da stand auf einmal ein Engel neben

seinem Bett und sprach: „Fürchte dich nicht. Der Herr wird nicht zulassen, dass der

Teufel Gewalt über dich bekommt. Wenn der Fremde wieder kommt, so nimm ihn

mit und bringe ihn zu der großen Eiche, die mitten im Wald steht.“

Der Teufel kam wieder, und an den Bäumen, die neben der Mühle standen, hing

kein Blatt mehr. Aber der Müller sagte: „Ich weiß, es ist Zeit. Aber geht nur mit mir

in den Wald, ich muss Euch etwas zeigen.“ Der Müller hatte den Worten des Engels

so sehr vertraut, dass er in der Zwischenzeit nicht einmal selbst dorthin gegangen

war, um nachzuschauen. Sie kamen zusammen zu der Eiche, und während alle Bäume

im Wald schon kahl waren, trug die Eiche noch Blätter. Der Müller sagte zu dem

Teufel: „Ihr seht es, Ihr seid zu früh!“ – „Ja“, gab der Teufel zu, „aber wartet nur,

ich komme wieder.“ Der Teufel ging, und einen Monat später – es fror Stein und

Bein – stand er wieder vor der Tür. „Jetzt werden doch wohl keine Blätter mehr an

den Bäumen hängen“, meinte er, aber der Müller sagte wieder: „Kommt mit in den

Wald.“ Und noch immer trug die Eiche Blätter.

Den ganzen Winter hindurch behielt die Eiche etliche Blätter, und als das Frühjahr

kam, erschien der Teufel zum letzten Mal. Wieder gingen sie in den Wald. Es

hingen noch braune Blätter an der Eiche, aber daneben sprossen schon die ersten

grünen Blättchen hervor. Der Teufel wurde so wütend, dass er versuchte, die zarten

Blätter vom Baum zu reißen. Man kann noch immer den Abdruck seiner Krallen in

den Rändern der Eichenblätter sehen.

Und weil Gott dem Baum aufgetragen hat, den Unschuldigen vor dem Übel zu bewahren,

ist die Eiche noch immer der Baum, unter dessen Blätterkrone Recht gesprochen

und das Urteil vollzogen wird.

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Aus dem Friesischen von Arnica Esterl

Fryske folksverhalen

Gesammelt von Ype Poortinga


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Farbtupfer im Alltag

Hauszeitung

„Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können!“

– Diesen Satz habe ich von einer lieben, bereits verstorbenen Mitbewohnerin

gehört. Eigentlich stammt er von Dietrich Bonhoeffer. Zuerst ließ er mich an vergangene

Zeiten denken. Aber ist es nicht so, dass dieses Paradies mit jedem Jahr,

mit jedem Erlebnis größer wird? Das ist doch ein schöner Gedanke.

Frau Dr. Mascher ließ uns am 25. Mai an ihren Erinnerungen teilhaben. Sie erzählte

uns – wie schon seit einigen Jahren – von ihrer Arbeit im Chaurjahari-Mission-

Hospital im Westen Nepals. Dort gehört „Dr. Elke“ schon zur Familie und wird liebevoll

und mit einer Blütenkette begrüßt. Dieses Hospital steht in einer sehr armen

Gegend, wo die Menschen nur durch harte Arbeit und den Monsun genug zu essen

haben. Frau Dr. Mascher berichtete von Frauen, die ihre Angehörigen auf tagelangen

mühsamen Märschen hertragen, damit ihnen geholfen wird, von ihrer großen

Dankbarkeit und der Fröhlichkeit der Kinder, die doch zum Teil Schweres durchmachen.

Man wird selbst ganz zufrieden beim Betrachten dieser armen, bescheidenen,

immer farbenfroh gekleideten Menschen!

Mit ihren Erzählungen vom Waldorfkindergarten am 31. Mai weckte Frau Freya

Jaffke in uns eigene Erinnerungen. Es gelang ihr mit ihren erfrischenden Geschichten,

sonnige, glückliche Gefühle hervorzurufen. Es war, als wären wir dabei, wenn

sich der Wanderstab vom Pferd in ein Michaelsschwert verwandelte. Man wünschte

fast, auch noch einmal Kind in einem solchen Kindergarten sein zu dürfen – und

hofft, beim eigenen Kind alles richtig gemacht zu haben!

Ich war nie in einem Kindergarten. Wir waren fünf Geschwister, und unser Kindergarten

war zu Hause. Wir spielten mit einem von den Eltern gebauten Kaufladen,

einer Puppenstube oder „Vater, Mutter, Kind“ mit unseren Puppen. Auf Spaziergängen

war immer Zeit zum Balancieren oder Klettern, oder es wurden Schneemänner

gebaut, Puppenkinder spazieren gefahren oder der Hund ausgeführt. Als ich dann

selber eine Tochter hatte, versuchte ich, es für sie mindestens genauso schön zu machen.

Eine ganz seltsame Erfahrung war es dann, wenn das Kind plötzlich nicht

mehr alles von mir lernte, sondern im Kindergarten! – Man nabelt sich eben immer

mehr voneinander ab, und wenn das „Kind“ dann erwachsen ist, soll es ja selbständig

sein. Es war schön, von Frau Jaffke in die Welt der Kinder entführt zu werden!

Was war das für ein abwechslungsreicher Sommer! Schön war das nicht. Es war

extrem warm, dann wieder extrem kalt – da musste man krank werden! Man wunderte

sich regelrecht, dass die Bauern überhaupt die Ernte einbringen konnten! Es

wurde viel zerstört – Mais, Getreide, Gras und Wein. In Afrika verhungerten


Weihnachten 2011

Mensch und Tier, in Nordamerika starben Menschen wegen der Hitze, dann durch

einen Hurrikan, in anderen Regionen wurden Menschen Opfer von Überschwemmungen,

Erdrutschen, Erdbeben, Vulkanausbrüchen. Die ganze Erde ist in Aufruhr.

Extreme gibt es auch bei den Menschen. Dadurch ist ein Wort in den fast alltäglichen

Sprachgebrauch übernommen worden: Fundamentalisten. Das sind Menschen

verschiedenster Gesinnung, die alle Menschen mit Gewalt nach ihrer Vorstellung

„beglücken“ oder auf den „richtigen“ Weg bringen wollen. Leider greifen sie dafür

nicht zum eigentlich menschlichen Instrument: der Sprache.

Aus Minsk kamen die Kammersolisten, die mit ihrem G. F. Telemann gewidmeten

Konzert 330 Jahre nach seinem Geburtstag am 5. Juni einen ruhigen Abend wunderbar

füllten. Die Streicher, eine Traversflöte und ein Cembalo spielten schwungvoll

und variationsreich Tafelmusik aus dem Jahre 1733 unter der Leitung von Dmitri

Subow.

Die Eurythmie begleitet einen Waldorfschüler durch die ganze Schulzeit. Schon in

der ersten Klasse lernten wir, Inhalte von Gedichten und Stimmungen von Musik

durch den Körper auszudrücken. Vielleicht tanzt man da erst einmal wie eine Elfe

oder trottet wie ein Troll, hüpft wie ein Vögelchen oder tappt wie ein Bär. Gleichzeitig

lernt man, sich der Musik entsprechend zu bewegen – nach Takt oder Rhythmus.

So lernt man nach und nach, Inhalte – auch seelische – sichtbar zu machen. Auf einer

um ein Vielfaches höheren Stufe lernen das die Studenten des Diplomkurses am

Eurythmeum Stuttgart (liebevoll „Eu“ genannt)‚ die am 8. Juni Dramatisches, Nachdenkliches

und Humorvolles, dazu Musikalisches von W. A. Mozart und J. Brahms

aus ihrem Abschlussprogramm zeigten. Gewänder und Schleier in verschiedenen

Farben und wechselnde Beleuchtung unterstreichen den Ausdruck. Diese Hilfen hat

man im Schulunterricht natürlich nicht. Wenn jedoch ein Märchen, Gedicht oder

Musikstück zur Aufführung kommt, dürfen auch die Schüler z. B. unter einen Eselskopf,

in Elfenschleier oder feurige Gewänder schlüpfen. Dann macht jede Bewegung

noch mehr Spaß. – Als Zuschauerin ging es mir einmal so, dass ich mich, als

meine Beine durch die Krankheit schon schwer geworden waren, nach einer Eurythmie-Aufführung

viel leichter fühlte als vorher!

Konnte man an Christi Himmelfahrt noch in kurzen Ärmeln gehen, so war an

Pfingsten schon wieder „Pulloverwetter“! Am Nachmittag des Pfingstsonntags kamen

wir im Festsaal zur alljährlichen Pfingstfeier zusammen. Das ist ein schöner

Brauch, und der Einsatz der Mitbewohner ist dankenswert!

Ein Schatten liegt seit März über Japan, dessen Ostküste von einem schweren Erdbeben

mit nachfolgendem Tsunami schrecklich zerstört wurde. Tausende von Menschen

kamen um, und viele leben auch nach Monaten noch in Notunterkünften: die

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Hauszeitung

Heimat ist verwüstet. Die Gegend um Fukushima, das zu trauriger Berühmtheit gelangt

ist, kann gar nicht mehr bewohnt werden, weil die vier Reaktoren des dortigen

Atomkraftwerkes beschädigt wurden und explodiert sind. Die austretende radioaktive

Strahlung verbannt jegliches Leben. Nachrichten aus Japan sind nicht schön.

Deshalb hat sich eine Gruppe von zum Teil in Deutschland lebenden japanischen

Künstlern zusammengetan, um durch Benefizkonzerte Spenden für die Opfer zu

erspielen. So gaben sie auch bei uns ein sehr, sehr bewegendes Konzert! Die Musikanten

nennen sich „Tomo“, das bedeutet „Freude“, „begleiten“, aber auch „ein

Licht entzünden“, also „Hoffnung geben“. Das wollten die Künstler mit ihrer bezaubernden

Darbietung, in der zum Beispiel eine ganz besondere Sonate für Kontrabass

von K. Kreiner – einem Komponisten des 20. Jahrhunderts – mit wunderbarem

Klang ertönte. Ebenso ergreifend waren die herrlichen Klänge von Cello und Englischhorn

und der erlesene Sopran – so zart und hell!

Durch die Medien ging auch ein Bericht, dass deutsche Kammermusiker in die ver-

wüsteten Gebiete gefahren sind, um den Menschen, die sehr ärmlich wohnen und

leben und schon seit Monaten keine Musik mehr gehört hatten, mit ihrem Spiel ein

kleines bisschen Freude und Liebe zu bringen und ihnen zu zeigen, dass sie nicht

vergessen sind!

Vor dem Hintergrund des großen Unglücks für Japan war es ein ganz wichtiges Ereignis

und endlich einmal wieder eine gute Nachricht, dass die japanischen Frauen

die Fußballweltmeisterschaft gewonnen haben! Die haben sich gefreut!

Wir feierten Johanni und mussten uns klarmachen, dass die Tage schon wieder kürzer

wurden. Dabei war es doch noch gar nicht richtig Sommer gewesen! Dass es

aber doch Sommer geworden war, konnten wir im Garten um unser Haus herum erleben.

Alles wollte ganz schnell blühen, und so ging der Wechsel von einer Pracht in

die nächste sehr rasch vor sich, und immer umgab uns eine Fülle von üppigem Grün

und Blumen. – Es ist wunderbar, dass Frau Glück uns immer wieder durch den Garten

„führt“ und uns die fremd klingenden Namen nennt und aufmerksam macht, was

wo wächst. Deshalb sieht man sie oft mit Papier und Stift ausgestattet durch den

Garten gehen, damit sie es uns dann weitergeben kann. Dafür gebührt ihr unser herzlicher

Dank! So wird ganz besonders augenscheinlich, wie Glück mit Blumen verbunden

ist!

Ich schmücke mein Zimmer gern mit Blumen: das bringt Farbe und Freude – Glück

– herein. So bin ich auch aufgewachsen: an den Fenstern und auf dem Esstisch gab

es immer Blumen. Auf dem Geburtstagstisch standen immer eine Topfpflanze und

ein Strauß – und ein Teller Obst. Wenn wir aus den Ferien zurückkamen, schmückte

eine Blumengirlande die Zimmertür, auf dem Tisch im Kinderzimmer standen Blumen,

und mit Schokoladenplätzchen o. ä. war „Herzlich Willkommen!“ geschrieben.


Weihnachten 2011

Ein Sommermärchen war der Juli wirklich nicht, eher hatte man den Eindruck, der

April höre nie auf. Es war heiß und schwül, und schon zwei Tage später sackte die

Temperatur ab, und man musste wieder nach den Winterkleidern greifen.

Frau Esterl und Frau Grube verschönerten uns den Nachmittag des 8. Juli mit

dem Märchen vom „Treuen Johannes“ und Bildern dazu. Das ist ein bewegendes

Märchen, bei dem einem das Herz aufgeht, und man wird für kurze Zeit in eine andere

Welt entführt. Dazu kamen viele Bewohner im Großen Seminarraum zusammen,

sogar die Tür musste aufbleiben! Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau

Esterl und Frau Grube und sind froh, dass wir sie bei uns haben!

Märchen haben ja immer ein glückliches Ende – und manchmal auch schreckliche

Geschichten. Von Afrika erreichte uns die schöne Nachricht, dass die vom Sudan

ein erfreuliches Ende nahm: der Südsudan feierte am 9. Juli seine Unabhängigkeit

vom Norden und ist nun mit der neuen Hauptstadt Juba der 57. afrikanische Staat.

Am 12. Juli vor 90 Jahren wurde unsere Mitbewohnerin Lise Meßner geboren, und

sie lud uns zur Feier dieses Tages zu einem Konzert des Obsidian-Quartetts in den

Festsaal. Der Obsidian ist ein Edelstein, und wie ein Schmuckstein in einer Kette

reihte sich das Konzert in die Reihe von Veranstaltungen ein. Das junge Quartett

spielte Stücke von W. A. Mozart und F. Schubert und gab gut die verschiedenen

Stimmungen wieder – mal erzählend, mal innig. Der reiche Applaus war Dank für

Spiel und Einladung und Gratulation.

Wie es sich für ein Märchen gehört, war das Wetter an unserem Sommerfest am

16. Juli schön: warm und sonnig. Im Saal nicht zu heiß und fürs Gegrillte einladend.

Dieses Jahr war der Circus Faustino aus Überlingen bei uns. Er ist aus einer Elterninitiative

entstanden, Schüler verschiedener Schulen sind beteiligt, und die Eltern

machen Musik. Und die war richtig gut! Und die Artisten! Da gab es Bodenturnen

und Jonglieren mit Keulen und Ringen von den Mädchen – eine Jugendliche turnte

am hängenden Band – wie im „echten“ Circus! Die jungen Männer jonglierten mit

Diabolo und Bällen und sogar mit buchähnlichen Kassetten! So etwas Gekonntes

muss unter professioneller Anleitung einstudiert worden sein!

Außer dem Gegrillten gab es – drinnen an bunten Tischen, draußen unter Sonnenschirmen

– Antipasti, Salate, Bananenmilch, Bier und – als krönenden Abschluss –

Eis. – Leckerlecker! Unser Dank gilt allen, die zum Gelingen beigetragen haben –

und anschließend in Windeseile alles wieder aufräumten!

Und die nächsten Tage waren wieder verregnet. Das hielt aber die Flötengruppe

der Karl-Schubert-Werkstätten nicht davon ab, uns mit Tänzen und Sommer- und

Wanderliedern eine Freude zu machen. Das ist immer süß, und wir kommen gern im

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Hauszeitung

Innenhof zusammen, um zuzuhören und vielleicht sogar das eine oder andere Lied

mitzusingen. Im Café bekommen die Spieler dann ihre wohlverdiente Stärkung.

Tags darauf, am 20. Juli, stellte sich das Pestalozzi-Kinderdorf Wahlwies mit einer

Eurythmie-Inszenierung der Ballade „Die Füße im Feuer“ von C. F. Meyer vor.

Wir bekamen eine gute Einführung in dieses schwer verständliche Werk, dessen Inhalt

mit der moralischen Frage nach der Berechtigung zur Rache nicht nur für die

ausführenden Jugendlichen wichtig ist.

Die Kinder und Jugendlichen der Pestalozzi-Kinderdörfer leben in Familien mit bis

zu sechs Kindern, werden von Kinderdorf-Eltern versorgt und gehen in verschiedene

Schulen und Ausbildungsstätten. Anhand von Dias wurden uns die Wohnanlagen

und die umgebende Landschaft gezeigt. – Bei uns wohnt eine ehemalige Kinderdorf-

Mutter, die in 30 Jahren 50 Kinder großgezogen hat! Sie bekam vom Lehrer einen

großen Blumenstrauß.

Die Kindheit ist so wichtig! Wie gern erinnert man sich an die schöne Zeit, in der

man – hoffentlich! – Geborgenheit, Wärme, Sicherheit und Akzeptanz erlebt hat!

Nie mehr im späteren Leben wird man das so uneingeschränkt erleben. Und das versuchen

Kinderdörfer Kindern so gut wie irgend möglich zu geben. Ehemalige Kinderdorf-Kinder

kommen gern wieder zurück als Mitarbeiter, um anderen Kindern

das zu geben, was sie selbst als so wohltuend erlebt haben.

Meine Mutter war nie berufstätig, als sie Kinder hatte, d. h. sie war immer da, wenn

wir nach Hause kamen. Wenn die Kinder zu unterschiedlichen Zeiten aus der Schule

kamen, stand das Essen im Ofen – wir hatten noch einen Kachelofen, der mit Holz

und Kohle geheizt wurde. An den freien Tagen meines Vaters fuhren wir mit dem

Zug – erst viel später mit dem Auto – auf die Alb: zum Uracher Wasserfall, zur

Burg Hohenzollern, zum Schloss Lichtenstein, den verschiedenen Ruinen oder –

später – zum Wandern. Natürlich besuchten wir auch Stuttgarter Sehenswürdigkeiten:

den Killesberg mit seinem „Blitzschwab“ – dem Eisenbähnchen –‚ die Wilhelma

und den Fernsehturm zum Beispiel. Das sind schöne Erinnerungen an eine sonnige

Zeit.

Durch die Sommerpause und bis 23. Oktober begleitete uns eine neue Ausstellung:

Unter dem Titel „Landschaft – Suche nach ihrem Wesen“ wurden ab 24. Juli Bilder

von Robert Zimmer ausgestellt, der von 1896 bis 1973 lebte. Herr Andreas Bockemühl

stellte uns Barbara und Christoph Zimmer vor und machte uns darauf aufmerksam,

dass beide Musikanten Vornamen haben, die mit D beginnen: Dietrich

Esterl und Daniel Röhm. Und über das R ging es bis Z wie Zimmer. – Er wies uns

auch auf die zarten Farben hin, die den Blick in die Natur öffnen und sogar Elfen

und Gnome hinter den Büschen ahnen lassen. Der Sohn des Malers, Christoph Zim-


Weihnachten 2011

mer, gab uns einen kurzen Einblick in das Leben des Waldorflehrers. Umrahmt

wurde die Vernissage zur 93. Ausstellung von Musik von L. v. Beethoven – hervorragend

gespielt von Herrn Esterl (Cello) und Herrn Röhm (Klavier) – und, gleichsam

als „Nachtisch“, von „Süßen Stücken“ von M. Reger.

Die Sommerferien begannen, und so durften auch unsere Fische ins Ferienlager: für

zwei Wochen wurden sie ausquartiert in zwei kleinere Becken – Groß und Klein getrennt

–, damit die Wasseranlage gereinigt und renoviert werden konnte. Das brachte

natürlich Lärm mit sich, aber dann auch wieder eine ungewohnte Stille, die nachts

fast unheimlich war – ganz anders als die während des Adventsgärtleins. – Nach

zwei Wochen „Urlaub“ wurden die Fische mit Musik empfangen: z. B. mit „Fisches

Nachtgesang“ von C. Morgenstern – von Bewohnern im Kanon „gesungen“! Sanft

glitten sie ins saubere Becken – und blieben erst einmal dicht beieinander, um die

neue Umgebung zu inspizieren. Dann schwammen sie im Gänse-, pardon: im Fischemarsch

durchs Wasser, „nippten“ hie und da an der Luft oder „duschten“ unter

dem wieder gewonnenen Wasserfall.

Gegen 10:00 Uhr sieht man sie immer vorschwimmen, weil sie wissen, da gibt es

Futter. Auch wenn ein Fotograf oder Kinder sich ans Becken stellen, sind sie

sogleich da. Und die Kinder freuen sich! Auch für die Bewohner am Rand oder „auf

den Rängen“ ist es immer schön, dem Leben im Wasser – und natürlich außerhalb –

zuzuschauen.

In der „Zeit des stillen Urwalds“ zeigte uns das Freie Jugendseminar Stuttgart

sein Abschlussprojekt mit dem Titel „Prüfungen im Labyrinth“. Es schildert Theseus,

der zwar den Minotaurus besiegt hat, aber nun wieder hinausfinden muss. Ohne

Inhaltsangabe war schwer zu verstehen, was da auf der Bühne vor sich ging. –

Ich hatte den Eindruck, hier wurde die Quintessenz einer langen Arbeit gezeigt, die

den jungen Menschen wichtig und nah war, uns jedoch sehr fern.

Viel eher gelang es den beiden jungen Männern, die gerade das Paracelsus-Gymnasium

Hohenheim abgeschlossen hatten, uns ihr Vorhaben nahe zu bringen. Pit Strub

und Janis Pfendtner wollen neun bzw. zwölf Monate in Costa Rica bzw. Indien freiwillig

an Entwicklungsprojekten mitarbeiten, Land und Leute kennen lernen und uns

in einem Jahr wieder berichten.

Der Bach plätscherte wieder, und wir durften ins Kino gehen: in der Reihe „Großes

Kino“ zeigte uns der unermüdliche Herr Bockemühl „Das Haus in Montevideo“

von und mit Curt Goetz. Das war köstlich! An der Seite von Curt Goetz spielten –

als seine Frau – Valerie von Martens und – als Hausmädchen – Annemarie Weser.

Genau: „unsere“ Frau Weser! Das war eine Überraschung! Für ihre damalige Leistung

bekam sie – begleitet von begeistertem Applaus – ein tolles Präsent!

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Hauszeitung

In ganz anderer Weise beschenkte uns Herr Heidenreich: nach langen Jahren der

Tätigkeit als Pfarrer der Christengemeinschaft erfreut er uns nun hier z. B. mit Betrachtungen

über das Neue Testament, für die wir sehr dankbar sind.

In diese Zeit der besinnlichen Vorträge fiel auch der alljährliche Besuch von Herrn

Ingo Keil, der uns die Geschichte vom Wassergeist Undine und dem Ritter Huldbrand

nach Friedrich de la Motte-Fouqué erzählte. Wir freuen uns immer, wenn Herr

Keil zu uns kommt! Alle lauschten gespannt, wie er mit rollenden Augen diese ergreifende

Geschichte erzählte – und das waren viele! Andrea Beck und Thomas

Schmiden spielten auf Querflöte und Klavier die Sonate „Undine“ von C. Reinicke,

und durch den Wechsel zwischen Wort und Musik verging die Zeit wie im Flug!

Angenehm war auch, dass es just an diesem 27. August nach Tagen großer Hitze

abgekühlt hatte. Das war für alle wohltuend. Die romantische und dramatische Geschichte

ging unter die Haut, und als die Sprache zum Schluss quasi in der Musik

versank, rollten sogar Tränen. Vielen Dank für diesen bewegenden Nachmittag!

Der meteorologische Herbstanfang ist am 1. September, und wir begannen den

Herbst mit unserem Hoffest, das jedoch wegen des kühlen Wetters nicht auf dem

Bauernhof „über der Straße“ stattfinden konnte, sondern in unser Café verlegt wurde.

So saßen wir hier an langen, schön gedeckten Tischen und ließen uns Hefezopf,

Wurst- und Schmalzbrote, Tomaten, Gurken, Radieschen, Wein, Säfte ... in netter

Atmosphäre schmecken. Frau Claudia Kugok spielte Akkordeon, und so wurde auch

gesungen. Es war richtig gemütlich. Pflege und Hauswirtschaft kümmerten sich liebevoll

um uns.

Dass es Herbst wird, merkt man an der Farbenvielfalt, die auf den Feldern, dem

Wochenmarkt und im Wald zunimmt. Wir hatten einen wunderschönen goldenen

Oktober – auch schon im September! So eine Pracht! So manches Mal saß ich auf

den Feldern oder im Schlosspark und dachte: „Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen

sah ...“!

Alex und Andrej Jussow kennen wir schon lange und sind immer wieder hingerissen

von ihrem Können. Der 23(!)-jährige Geiger Alex begann sein Musikstudium in

Karlsruhe vor 12(!) Jahren und hat schon viele Preise gewonnen, genau wie sein

Bruder, der mit Klavierkonzerten große Erfolge gefeiert hat. Uns begeisterten sie

mit einer sowohl furiosen als auch graziösen Sonate von L. v. Beethoven, dann einer

lebhaften und „con sentiment“ gespielten Sonate von J. Brahms. Die „Polonaise

bril1ante“ von Henryk Wieniawski – einem Zeitgenossen von J. Brahms – war

wahrhaftig brillant. Auch die „Variationen über ein eigenes Thema“ veranlassten

das Publikum zu Jubelrufen! Wissen Sie, wie Zigeuner spielen? – Die Jussow-

Brüder spielten vergleichbar! Es war faszinierend, zuzusehen, wie die Finger auf

Saiten und Tasten tanzten – toll!


Weihnachten 2011

Noch einmal wurde uns ein Film gezeigt: Margarete Steiff – genau: Steiff. Das sind

die Kuscheltiere mit dem Knopf im Ohr. Wir sahen die bewegende Lebensgeschichte

einer bewundernswerten Frau, dargestellt von hervorragenden Schauspielern.

Tags darauf, am 28. September, versammelten wir uns zu einer schönen, wie ein

harmonisches Kunstwerk zusammengestellten Michaelifeier im Festsaal. Frau

Trillhaas am Klavier und Herr Esterl mit dem Cello stimmten uns mit einer nachdenklichen

„Aria“ von M. Bruch ein. In den Gedichten – R. M. Rilke: „Die Blätter

fallen“, und J. W. v. Goethe: „Feiger Gedanken bängliches Schwanken“ – und auch

im Adagio und Allegro aus der Sonate von J. S. Bach waren die beiden Bewegungen

ausgedrückt, die Herr Schenkel-Reichmuth in seiner Betrachtung „Mut zum Erleben“

besprach: „Die Blätter fallen“ auf der einen, „und doch ist einer, welcher dieses

Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält“ auf der anderen Seite. Das war sehr

feierlich.

Ich liebe das Herbstwetter, wenn die Bäume sich bunt verfärben, die Wolken über

den Himmel jagen, immer wieder die Sonne durchscheinen lassen, und wenn der

Wind einem um die Ohren pustet! Als junges Mädchen bin ich schon immer gern

bei einem solchen Wetter draußen gewesen. Mit meinem Vater bin ich oft stundenlang

über die Alb gewandert – das war herrlich! Manchmal ist es ganz dunkel und

fast unheimlich, wenn Nebel aufkommt. Dann wird es ganz still. Manchmal ist es

herrlich bunt, und wenn dann auch noch die Sonne scheint, brennt die Landschaft

geradezu in wunderschönen Farben! Im Auto wartete dann ein Stück trockenes Brot

auf uns – das hat gut geschmeckt!

Das vierte Quartal begann mit einer Veranstaltung des Birkacher Bürger- und Kulturvereins:

Tango five waren zum letzten Mal mit ihrem Musikkabarett bei uns.

Zum Jahresende wollen sie die jetzige Form beenden. – Das „kleinste Quintett der

Welt“ (vier Könner!) spielte virtuos die unterschiedlichsten Instrumente und riss das

Publikum mit seinen Späßen zu Lachsalven hin. Die Sänger „rasierten“ sich, tanzten,

zeigten „Pferdedressur“, „Synchronschwimmen“ im Rhythmus der Musik und

spielten zu zweit auf einem Kontrabass! Unglaublich, was die für Ideen haben! Es

war ein lustiger Abend!

„Die wunderschöne Wassilissa“ war für den 7. Oktober angekündigt: Frau Esterl

erzählte wunderbar das russische Märchen von dem Mädchen, das, auf verschlungenen

Wegen von vier „Müttern“ geleitet, sein Glück findet. Die Bilder von Frau Grube

unterstützten das Verständnis. – Wir versammelten uns diesmal in der Kapelle,

aber auch hier war jeder Platz besetzt. Das spiegelt unseren „Märchenhunger“, aber

auch unsere Dankbarkeit dafür, dass er gestillt wird!

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Hauszeitung

Tags darauf trug das „größte Quintett der Welt“ – nein: das Boccherini Sextett

Werke von W. A. Mozart, L. Boccherini und J. Brahms vor. Sie begannen mit einem

sehr gut gespielten Quintett von W. A. Mozart. Ein etwas anders besetztes Quintett

spielte das „Aufziehen der militärischen Nachtwache in Madrid“ des Italieners (!)

L. Boccherini. Das war köstlich! Sie kamen im Stechschritt hereinmarschiert, saßen

sehr aufrecht und zelebrierten diesen Marsch geradezu. Dazu war es auch nötig, dass

sich die Geige erhob. Zwischendurch wurden die Geigen wie Mandolinen gespielt –

selbstverständlich in sehr Ehrfurcht gebietender Haltung! Das Publikum lauschte

denn auch mit ehrfürchtig zurückgehaltenem Lachen, das sich beim Applaus jedoch

Luft verschaffte. Damit wir uns für das Sextett von J. Brahms sammeln konnten,

gönnte man uns eine kurze Pause. Das war ein amüsantes, hinreißendes Konzert.

Herr Johannes Lenz hatte das Buch „Martha Fuchs – ein schwäbisches Götterkind“

herausgegeben. Aus diesem Anlass hielt er bei uns zwei Vorträge mit dem Titel

„Vom Geist des Widerstands im NS-Staat und dem Mut zum Bekenntnis – das Jahr

1922 als Schicksalsjahr Europas“. In diesem Jahr – so Lenz – war der Himmel offen:

z .B. wurde die Christengemeinschaft gegründet. Aber auch die Hölle: die Nazis

traten auf den Plan. Herr Lenz berichtete u. a. von Darwins Theorie und der Praxis

der Nazis auf der einen Seite und der Geradlinigkeit und auch Fröhlichkeit von Frau

Fuchs und ihren Mitstreitern Hans Erdmenger und Hellmuth von Ruckteschell auf

der anderen.

Als Herr Lenz im Altenheim nach Frau Fuchs fragte, schickte man ihn dort hin, wo

am meisten gelacht wurde!

Das erinnert mich an meinen Aufenthalt im „Kloster auf Zeit“, das Herr Lenz viele

Jahre in den Sommerferien im Priesterseminar Stuttgart veranstaltete. Morgens und

abends aßen wir auch dort. Und da wussten wir immer‚ dort, wo am lautesten gelacht

wird, da sitzt Herr Lenz!

Beim diesjährigen Preisträgerkonzert am 15. Oktober zeigten drei junge Menschen

mit asiatischen Wurzeln ihr brillantes Können an Geige und Klavier. Die Werke von

J. S. Bach bis B. Bartók wurden technisch perfekt gespielt, aber auch die engagierte

Gestaltung berührte das begeisterte Publikum!

„Zu einem schönen goldenen Oktober gehört auch ein Zwiebelkuchenfest!“ So

stand es auf der Einladung, und wir folgten ihr gern: im herbstlich geschmückten

Restaurant bekamen wir außer Zwiebel- auch Rahmkuchen und sehr süßen Neuen

Wein kredenzt. Dazu spielte Akkordeonmusik. Vielen Dank an das Küchenteam und

alle Helfer!


Weihnachten 2011

Zu einem goldenen Oktober gehören auf jeden Fall die herrlichen Farben in der Natur,

und mit denen wurden wir dieses Jahr geradezu überschüttet, als sie dann mal da

waren. Lange Tage hindurch erleuchtete helles Sonnenlicht die goldenen Bäume.

Ging man durch den Wald, schritt man gleichsam durch ein goldenes Tor! Manchmal

fegte ein sanfter Hauch durch die Blätter und ließ das Gold tanzen. Es war – sogar

bis in den November hinein, der dann durchaus auch seinem alten Namen „Nebelmond“

alle Ehre machte – einfach ergreifend schön.

Mit der Ausstellung von künstlerischen Arbeiten der Bewohner und Mitarbeiter

wurden die bunten Herbstfarben ins Haus geholt. Keramiken, Zeichnungen und

Plastiken vervollständigten das Kunstwerk. Am 30. Oktober fand die ganz außergewöhnliche

Vernissage statt, in der die zeitlichen Künste Raum bekamen. Wie komisch

die Erklärung des Begriffes „Kunst“ wirken kann, wenn man sie hört, führte

uns Herr A. Bockemühl vor. Dann sprach die Musik, gespielt auf Flöte, Klavier und

sogar Orgel! So eine kurzweilige Ausstellungseröffnung! – Bis ins neue Jahr hinein

dürfen wir diese bewundernswerten Kunstwerke sehen – und im Ausstellungsraum

auch selber malen – im großen Kunstwerk: dem uns umgebenden Haus!

Wie gut, dass das Konzert mit den Young Voices und Solisten unter der Leitung

von Alexander Reuter abends stattfand, so konnte man vorher noch in die Sonne.

Der Dirigent begrüßte und begleitete uns so begeistert, dass man einfach mitgerissen

wurde! Der Chor begann – von Herrn Reuter auf dem elektrischen Klavier begleitet

– mit schwungvollen Gospels, und dieser Schwung ging sogleich aufs Publikum

über. Die solistischen Lieder waren besinnlich und berührend, ganz schlicht,

aber gefühlvoll gesungen von Laien. Mit „Thank you for the music“ von ABBA

beschlossen die Sänger ihr mitreißendes Programm, und mit dem allerletzten Lied

der Zugabe gingen sie aus dem Saal, sonst hätte das Publikum wohl noch lange weiter

geklatscht!

Wer verbindet nicht die schönsten Erinnerungen mit Charlie Chaplin?! Am 8. November

bekamen wir „Goldrausch“ zu sehen, und das war köstlich. Man schmunzelt

schon, wenn man ihn nur in seiner unvergleichlichen Gangart, im dicksten Schneesturm

nur mit einem ärmlichen Anzug bekleidet, und mit den unvermeidlichen

Begleitern Stock und Melone durch den Schnee wackeln sieht. Ach, was war das für

ein vergnüglicher Nachmittag!

Viele Fragen warf Frau Dr. Sophia-Janet Aleemi am 9. November mit ihrem Vortrag

mit Lichtbildern über „Johannes der Evangelist in der Kathedrale von Chartres“

auf. Dieses Bauwerk steckt so voller Geheimnisse, dass selbst für ein Fenster mit

einem bestimmten Thema eine Stunde viel zu wenig ist! Aber es gibt Bücher von

Frau Dr. Aleemi – nicht nur zu Johannes, sondern auch zu Maria Magdalena in der

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Hauszeitung

Darstellung in Fenstern der Kathedrale, so dass man sie in Ruhe studieren kann. –

Glücklich der, der mindestens eine Führung direkt in Chartres miterleben darf!

Als sich bei mir am 12. November nachmittags die Tür öffnete, kam ein appetitanregender

Duft von den Crêpes vom Martinimarkt ins Zimmer herein. Dann sah ich

die vielen schönen Dinge, die verkauft werden sollten: Bücher, Marmeladen, Püppchen

und andere hübsche Handarbeiten. Für jeden ist etwas dabei, und einfach nur

gucken ist auch lohnenswert. Ich ziehe meinen Hut vor all jenen, die alles auf- und

wieder abbauen und verkaufen – und das ganze Jahr über für den Martinimarkt basteln

und kochen!

Es ist immer erfreulich, wenn unser Festsaal bei Veranstaltungen voll ist, besonders

wenn der Vortragende extra aus Oldenburg kommt, wie Herr Lothar Peinemann

am 16. November. Da herrschte dann auch gespannte Aufmerksamkeit, denn er

sprach über „Die Erde aus der Sicht der Verstorbenen“.

Der November ist der Monat des Totengedenkens, er beginnt mit dem katholischen

Allerheiligen und endet – und beschließt auch das Kirchenjahr – mit dem evangelischen

Totensonntag. An diesem Tag wird besonders der Toten gedacht, die im vergangenen

Jahr verstorben sind. So halten wir es auch bei uns und begehen diesen

Tag mit einer Feier im Festsaal.

Am Vorabend, am 19. November, wurden wir durch das Winnender Kammerorchester

auf den Totensonntag eingestimmt. Sie begannen ihr diesjähriges Konzert

mit der Kreuzstabkantate von J. S. Bach, worin nicht nur vom Kreuz der Welt die

Rede ist, sondern auch vom Trost, der unser in der anderen Welt harrt. Da Kantaten

für den Gottesdienst geschrieben wurden, lud uns der Dirigent, Herr Deffner, ein,

den abschließenden Choral mitzusingen – und siehe da: es sangen einige mit! Und

auf einmal stand ein Engel im Raum! Auch das folgende Oboenkonzert von C. Ph.

E. Bach und das Violinkonzert von J. Haydn waren hervorragend gespielt und sehr

bewegend.

So ging dieses Kirchenjahr feierlich zu Ende, und nun begann die in ganz anderer,

heimeliger Weise festliche Zeit des neuen Kirchenjahrs. Feste verbinden, und es ist

schön, eine Festeszeit im Kreise einer lieben Gemeinschaft zu erleben. Dafür bin ich

dankbar. Ein kleines Extra-Dankeschön möchte ich – nicht nur für mich – anfügen

für all die Geschenke, die im Laufe des Jahres plötzlich da sind! Auch am Stationszimmer:

der „Nachtfalter“ bedankt sich für die heimlichen Gaben!

Und immer wieder erlebt man kleine Aufmerksamkeiten und Hilfeleistungen im

Alltag, und ich finde, auch das macht eine Lebensgemeinschaft aus!

Simone von Dufais


Weihnachten 2011

„Werbeck-Singen“

Gedanken und Erfahrungen

Ein Gespräch

Frage: Du unterrichtest doch Stimmbildung. Tust du das nach der Werbeck-

Methode?

Antwort: Das ist nicht so einfach mit ja oder nein zu beantworten. Du weißt, dass

Valborg Werbeck-Svärdström eine bekannte Sängerin und später eine sehr gesuchte

Gesangspädagogin war. Übrigens wird demnächst eine Biographie von ihr erscheinen.

Werbeck-Svärdström selbst hat ja ein Buch geschrieben mit dem Titel „Die Schule

der Stimmenthüllung“, in dem sie ihre Forschungen und Erkenntnisse auf dem

Gebiete des menschlichen Gesanges und der Singstimme darstellt, und das zum verstehenden

Erfassen dieser Kunst führt. Eine große Zahl von praktischen Übungen ist

dann die Grundlage für das methodische Arbeiten, den individuellen Gegebenheiten

des Schülers entsprechend, bis zum professionellen Gebrauch.

Frage: Und was ist da der Unterschied?

Antwort: Da muss ich ein bisschen ausholen. Meiner Meinung nach hat das Singen,

das „Wie“ des Singens, eine gewisse Richtung genommen. Denn wie alles in der

Welt hat auch das Singen („was“ man singt, gehört in den Bereich der Musikentwicklung)

eine Entwicklung durchgemacht und macht sie auch weiterhin durch.

Sie scheint mir sehr verknüpft mit dem Beginn der physiologischen Untersuchungen,

die mit der Erfindung des Kehlkopfspiegels möglich wurden. Interessanterweise

wurde er von einem Sänger und berühmten Gesangspädagogen erfunden

(1855, Manuel Garçia, Paris, London). Seitdem hat man das Gesangsorgan wirklich

unter die Lupe genommen.

Frage: Und?

Antwort: Und stellte fest, dass jeder Mensch physisch-physiologisch das gleiche

Stimmorgan hat.

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Hauszeitung

Und das ist richtig spannend. Denn die weiteren Untersuchungen bis in die heutige

Zeit ergeben, dass die Komplexität des Stimmorgans für das Sprechen nicht benötigt

wird, aber für das Singen, dass der Mensch ein Singender ist. Die Sprache hat sich

später entwickelt (Fr. Husler / Y. Rodd-Marling: Die physische Natur des Stimmorgans

– Die Schwester der Sprache – Wie der Mensch die Musik entdeckte, SWR

Wissen, 15.08.2011).

Einfügen möchte ich hier zwei Beschreibungen aus vorhistorischen, mythologischen

Zeiten, ohne Kommentar. Nach H. Pfrogner erzählt eine alte indische Legende: Als

das Menschenwesen aus dem klingenden Kosmos, selbst klingend, langsam zur Erde

sank, behielt es, dort angekommen, wie als Nachklang seines Ursprungs, die

Stimme. Rudolf Steiner beschreibt es etwas anders: Wie in vorhistorischen Zeiten

durch Bewegung, Rhythmus und Gesang das Leben der Menschen nach kosmischen

Gesetzmäßigkeiten geregelt wurde, dass der Mensch ein Singender war.

Frage: Und hat das alles auch etwas mit den Forschungen von Werbeck-Svärdström

zu tun?

Antwort: Ich würde meinen, doch sehr. Einmal ist da die Tatsache, dass jeder

Mensch von Natur aus das gleiche Stimmorgan hat. Man kann ja einmal fragen:

Wozu haben wir dieses Organ? Natürlich zum Singen, Klingen, für den Klang! Und

dem geht Werbeck-Svärdström nach. Nun aber nicht physiologisch oder akustisch,

sondern nach goethescher Methode, rein phänomenologisch, und kommt zu dem –

wie sie ihn bezeichnet – „Urklang“. Es entspricht ihm nicht ganz, aber vielleicht

kann man auch sagen „Idealklang“, als solcher unhörbar, aber als Qualität unüberhörbar.

So beschreibt H. Pfrogner den „Ton“ als unabhängig von Tonhöhe, -dauer,

-stärke usw., also allem Messbaren, der „unhörbar“ ist (H. Pfrogner: Lebendige

Tonwelt). Wir sind hier in einem Bereich, aus dem wohl noch die alten Meister des

Belcanto schöpften und es mit „inhalare la voce“ bezeichneten. Werbeck-Svärdström

spricht in diesem Zusammenhang von „Ansaugen des Klanges, der Stimme“.

Dieser Vorstellung, dass man den „Klang, die klingende Stimme“ nicht produziert,

sondern „ansaugt, einatmet“, begegnet man heute kaum mehr. Die Entwicklung

nimmt eine andere Richtung, trotzdem der Belcanto eine Hochblüte des Gesanges

war.

Frage: Langsam, du wirst da ein bisschen fortgetragen, denn sicher kann man dazu

noch vieles sagen. Mich interessiert jetzt erst einmal die Tatsache, dass jeder

Mensch das gleiche Stimmorgan hat. Das würde doch heißen, dass jeder singen

kann? Und was ist mit all den „Krächzern“, „Falschsingern“ und angeblichen

“Nicht-singen-Könnern“?


Weihnachten 2011

Antwort: Nach jahrzehntelanger Erfahrung kann ich nur sagen: die gibt es nicht, vor

allem die letzteren nicht. Es liegen da Hindernisse vor, die es zu erkennen und zu

beseitigen gilt, um die Stimme zu „enthüllen“. Besser und bildhaft richtiger kann

man das gar nicht ausdrücken. Und die Stimme ist immer schön! Das musst Du mir

erst einmal glauben. Erfahrung!! Eine Callas oder ein Pavarotti zu werden, steht

natürlich auf einem anderen Blatt.

Frage: Wie klingt denn so eine „enthüllte“ Stimme?

Antwort: Das sind jetzt natürlich Worte, aber vielleicht kann man sich doch etwas

darunter vorstellen: frei, mühelos, über den ganzen Umfang der Stimme ausgewogen,

und zwei Oktaven sind heute schon ziemlich viel, flexibel, den Raum füllend,

auch im piano, dynamisch ohne Anstrengung, verständliche Sprache u. a. m.

Frage: Das sind ja keine geringen Anforderungen – und für den Laien wohl kaum zu

erreichen.

Antwort: Doch. Leider hat der sogenannte „Laie“ nur oft nicht die nötige Geduld

mit sich selbst. Denn das Singen braucht schon den ganzen Menschen. Man weiß

doch heute, wie gesund das Singen für Leib, Seele und Geist ist.

Frage: Gibt es dazu Hinweise in dem Buch von Werbeck-Svärdström?

Antwort: Ich meine ganz grundlegende. Zum Beispiel über den Atem, die Klangführung

usw. Sie entwickelt den Unterschied zwischen Singen und Sprechen, auch

mit Hinweisen für die Lautbehandlung, die nach meiner Erfahrung normalerweise

zu sehr vernachlässigt werden.

Frage: Wenn ich jetzt einmal versuche, zusammenzufassen, was bisher hier gesagt

wurde, scheint mir, dass in dem Werk von Werbeck-Svärdström das, was du von der

Entwicklung des Singens angedeutet hast, enthalten ist. Dann aber auch, dass durch

ihre Erkenntnisse, den „Klang“, die Sprache, den singenden Menschen betreffend,

ein Leitfaden gegeben wird, wie eine Stimmbildung, „Stimmenthüllung“ weiterhin

arbeiten könnte, und zwar für jeden, der singen möchte.

Antwort: Das, was wir hier zusammengetragen haben, bedarf natürlich noch weiterer

Ausführungen und wirft wohl viele Fragen auf, ist aber vielleicht auch etwas

zum Nachdenken.

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Ursula Köpf


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Ausblick Energie – ein BHKW fürs

Nikolaus-Cusanus-Haus

Hauszeitung

Schon seit vielen Jahren bewegen wir hier im Haus Überlegungen, den Verbrauch

von Energie neu zu organisieren. Diese Gedanken treffen nun auf die Folgen der Ereignisse

in Japan im Februar des nun zu Ende gehenden Jahres. Es hat sich ja die

allgemeine Stimmung und damit auch die Politik deutlich gegen eine verlängerte

Nutzung der Atomkraft gewendet. Die neue Ausrichtung ist auf der Suche nach

sinnvollen Alternativen der Stromgewinnung. Dabei kommt der dezentralen Erzeugung

immer mehr Bedeutung zu.

So haben sich unsere Vorstände entschlossen, im kommenden Jahr ein Blockheizkraftwerk

einbauen zu lassen.

Ein BHKW besteht aus einem mit Gas betriebenen Motor, der einen Generator antreibt

und somit elektrischen Strom erzeugt. Die dabei entstehende Wärme wird zum

Heizen und zur Erwärmung von Warmwasser verwendet, der Strom wird zum größten

Teil selber verbraucht. Der Gesamtenergiebezug kann damit deutlich gesenkt

und, damit verbunden, die Umwelt entlastet werden.

Dabei werden keine Sonnenkollektoren auf dem Dach installiert, die Flächen bleiben

frei, und es könnte später einmal eine Fotovoltaikanlage hinzugebaut werden.

A. Bockemühl


Weihnachten 2011

Eine tolle Knolle

Es ist Ende November 2011: „Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und

Felder“ (Paul Gerhardt 1647, also gegen Ende des 30-jährigen Krieges).

Außer einigen Schlägen mit den Gründüngungspflanzen, dem gelb blühenden

Ackersenf und dem weiß, rötlich bis violett blühenden Hederich, liegt das

Birkacher Feld weitgehend in blanker Scholle da.

Einige Parzellen sind mit Winterweizen bestellt. Kein Mais, den viele Spaziergänger

wie eine „heiße Kartoffel“ umgehen, nur ab und zu dichter Nebel versperrt ihnen die

Sicht.

Unterdessen genießen Bewohner und Gäste des Nikolaus-Cusanus-Hauses mit

schöner Regelmäßigkeit vielseitige, schmackhafte Gerichte mit Kartoffeln: Kartoffelsalat,

Salzkartoffeln, Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Kartoffelpüree, Pommes

frites, Kartoffelklöße, Kartoffelpuffer, Gaisburger Marsch u. a.; damit dürfte das

Thema des folgenden Beitrages – auch für Spätzle liebende Schwaben – erkennbar

sein: „Kartoffel“!

Auf dem über 70 ha großen Birkacher Feld werden seit einigen Jahren nur noch

zwei Hackfruchtarten, auch weil sehr arbeitsaufwändig, angebaut, und zwar je nur

von einem Landwirt: Zuckerrüben und Kartoffeln.

„Ich heiße ´Kartoffel`, weil mich nach der Entdeckung Amerikas (Kolumbus 1492)

spanische Seefahrer im 16. Jahrhundert nach Europa brachten und mit den knollenartigen

Fruchtkörpern der Trüffel (italienisch: tartufolo) verwechselten.“

Die Urheimat des Nachtschatten-Knollengewächses liegt in den Anden/Südamerika,

von wo viele bei uns inzwischen heimisch gewordene Pflanzen dieser Familie

herstammen, z. B. Tomate, Paprika, Aubergine, Tollkirsche, Bilsenkraut, Blasenkirsche

(Judenkirsche, Lampionpflanze), Korallenbaum.

Gräberfunde deuten darauf hin, dass bereits im 3. Jahrhundert nach Christus in Südamerika

(Peru, Argentinien, Bolivien, Kolumbien u. a.) der Kartoffelanbau eine

wichtige Rolle gespielt hat, ein Schwerpunkt war das Gebiet um den Titicacasee.

In Lima, der Hauptstadt von Peru, ist der Sitz des Internationalen Kartoffelinstituts

und der größten Kartoffel-Genbank, also der Erbgut-Reserven mit ca. 4.000 Sorten,

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Hauszeitung

die weltweit den Rückgriff der Züchter und Saatguterzeuger ermöglichen, um die

verschiedensten Zuchtziele zu realisieren; denn z. B. auf den Dorfmärkten der Indianer

sind die Knollen bunt, vielgestaltig und lustig auf einem Haufen anzusehen:

weiß, gelb, bläulich, rosa, rot, und sie erinnern ein bisschen an Ostereier. Entsprechend

bunt sind auch die Blüten; deswegen landeten auch die Kartoffeln anfangs als

Zierpflanzen in den Gärten wohlhabender Adliger.

Die Kartoffelstaude wird in allen Entwicklungsstadien befallen von Pilzen, Bakterien,

Viren, auch von tierischen Schädlingen. Nach Einschleppung der Kraut- und

Knollenfäule aus Nordamerika nach Deutschland folgten Totalernteverluste und

Hungersnöte (1916/17). Auch der aus dem südlichen Nordamerika 1874 eingeschleppte

Kartoffelkäfer (Coloradokäfer) verursachte im 2. Weltkrieg hohe Ernteverluste

durch Kahlfraß. Wir

Schüler – vom Unterricht befreit

– sammelten tagelang eimerweise

Eier, Larven und

Käfer. Ohne umfassende

Pflanzenschutz-Maßnahmen

sowie Frucht- und Saatgutwechsel

ist der Anbau von

Kartoffeln nicht möglich.

Die Kartoffelknollen sind

eine Verdickung der unterirdischen

Stängelausläufer

und haben mit einer Wurzel

nichts zu tun; sie sind ein

Sprossteil (Sprossknollen)

und haben Knospen (Augen),

aus denen wieder

Ausläufer (Stolonen) wachsen

und eine neue Kartoffelpflanze

entstehen kann.

Deswegen werden ja auch

die in Reihen gelegten

Saatkartoffeln „angehäufelt“,

damit möglichst viel

Luft, d. h. Sauerstoff in den

Boden eindringen kann.

Deshalb gedeiht die Kar-


Weihnachten 2011

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Hauszeitung

toffel auch am besten auf luft- und wasserdurchlässigem, sandig-lehmigem Boden.

Sir Francis Drake, der englische Weltumsegler, der 1588 die spanische Armada besiegte,

galt lange Zeit als der erste „Kartoffelimporteur“ in Europa. Heinrich Heine

(1797-1856) hat – wohl auf den eingangs erwähnten 30-jährigen Krieg (Glaubenskrieg)

mit viel Elend, Hungersnot und Tod anspielend – die Vorliebe der Deutschen

für die Kartoffel in einer ironischen Pointe zusammengefasst: „Luther erschütterte

Deutschland – aber Franz Drake beruhigte es wieder: Er gab uns die Kartoffel.“

1588 wurde die Kartoffel auch in Deutschland im Botanischen Garten in Frankfurt/

Main angebaut. Erst nach vielen sporadischen Anpflanzungen in weiteren europäischen

Ländern wie Italien, Irland, England u. a. wurde die Kartoffel 1647/48

(Ende des 30-jährigen Kriegs) von dem Bauer Hans Roggler ins Vogtland gebracht,

wo erstmals in Deutschland der große Wert der neuen Frucht erkannt wurde. –

Durch Unkenntnis, Vorurteile und Missverständnisse kam erst nach fast zwei Jahrhunderten

der Durchbruch. Man erkannte vorher nicht, dass die Kartoffel nicht roh

gegessen werden kann; man verzehrte anstelle der Knollen die oberirdischen, hochgiftigen,

grünen solaninhaltigen Beeren. Bei der Lagerung beachtete man nicht, dass

die Schale am Licht grün wurde und sich das giftige Solanin bildete. Es bewahrheitete

sich zudem das Sprichwort: „Was der Bauer nicht kennt, isst (frisst) er nicht“,

oder: „Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln“, wenn man sich nicht entscheiden

konnte. Erst Friedrich der Große (der Alte Fritz) soll zu einer List gegriffen

haben: Er ließ Kartoffelfelder anpflanzen, einzäunen und bewachen. Nachts schlichen

sich neugierige, wunderfitzige Bauern heimlich auf die Äcker – das musste

doch was Besonderes sein – stahlen säckeweise diese Knollen und pflanzten sie auf

ihren Feldern an. Der König zwang seine Bauern unter Androhung hoher Strafen

schließlich mit dem berühmten „Kartoffelbefehl“ von 1756 zum systematischen

Anbau der noch unbeliebten Pflanze. Deswegen sollte es auch anstatt „Pommes

frites“ eigentlich „Pommes Fritz“ heißen. Im „Bayerischen Erbfolgekrieg“ 1778/79

zwischen Preußen unter Friedrich dem Großen und Sachsen einerseits gegen

Österreich unter Kaiser Joseph II kam es zu keiner Schlachtentscheidung, weshalb –

historisch – spöttisch vom „Kartoffelkrieg“ gesprochen wird.

Andere deutsche Namen für Kartoffeln sind: Erdäpfel (Pommes de terre, franz.,

wegen Streitigkeiten zwischen Kartoffelgegnern und -befürwortern sprach man auch

vom „Pommes-de-Terror“), Herdäpfel (in meiner Heimat Ihringen), Erdbirne,

Grumbiera (Grundbirne).

Die Gerichte mit Kartoffeln und die entsprechenden Bezeichnungen sind so zahlreich,

dass sie in diesem Rahmen nicht aufgezählt werden können. Aber eine mir


Weihnachten 2011

wohlschmeckende Zubereitung (im letzten Krieg anstelle von Brot auch zum Frühstück)

sind die Bratkartoffeln, in meiner Heimat „Brägeli“. Die Breisacher/Breisgau

haben den Necknamen „Herdapfel“, und ihr „Schlachtruf“ an der Fasnet heißt:

„Schmecksch de Brägel?“. Brägel bedeutet „Außergewöhnliches“, „Ungewohntes“,

„Unverhofftes“, das kann positiv, aber auch negativ ausgehen, ungewohnt wie die

Kartoffeln bei uns im 16. Jahrhundert.

Die Kartoffeln sind ein unentbehrliches Nahrungsmittel (Grundnahrungsmittel) geworden.

In Deutschland sind zurzeit über 100 Sorten im Handel. Nach ihrer Reifezeit

werden sie unterteilt in sehr frühe (meist unter Folie), frühe, mittelfrühe, mittelspäte

und späte. Früher wurden zur Einkellerung späte Sorten (sehr stärkehaltig),

heute werden auch mittelfrühe Sorten genommen. Hinsichtlich der Kocheigenschaften

gibt es festkochende (Salat), vorwiegend festkochende (Pommes frites, Rösti,

Salz- und Pellkartoffeln) und mehligkochende Sorten.

Nachdem die Kartoffel als Volksnahrungsmittel erkannt wurde, betrug der Verbrauch

in Deutschland um das Jahr 1800 ca. 50 kg pro Kopf und Jahr, 1850 ca.

270 kg, vor dem 2. Weltkrieg 175 kg. Seit 1950 sank der Verzehr drastisch auf ca.

75 kg heute, einschließlich Veredlungserzeugnisse. Der Rückgang ist hauptsächlich

auf die Meinung zurückzuführen, Kartoffeln bewirkten fast automatisch eine

Gewichtszunahme, was leicht zu widerlegen ist: 100 g Salzkartoffeln haben 80 kcal,

100 g Teigwaren 380 kcal.

Hinsichtlich der Welternährung ist der durchschnittliche Kilokalorien-Ertrag je

Hektar: für Kartoffeln 16,5 Millionen, für Weizen 12,5 Millionen. 1994 betrug die

Kartoffelerzeugung in 1.000 Tonnen z. B.: Deutschland 12.000, Frankreich 5.000,

Polen 22.000, Sowjetunion 65.000, USA 20.000, Indien 16.000, China 36.000,

Australien 1.200, Ägypten 1.600.

Der ernährungsphysiologische Wert der Kartoffel ist hoch. Der durchschnittliche

Nährwert: In 100 g essbarem Anteil Kartoffeln sind enthalten: 75 kcal, 2 g Eiweiß,

0,1 g Fett, 17,5 g Stärke, 0,5 g Ballaststoffe; außerdem sind enthalten besonders die

wasserlöslichen Vitamine C und B1/B2 sowie die Mineralstoffe Kalium und Calcium.

Es ist kaum bekannt, dass Kartoffeln und Milch in idealer Weise zu einer vollwertigen

und gesunden Ernährung beitragen können. 500 g Kartoffeln, z. B. zusammen

mit einem halben Liter Milch, decken den täglichen Bedarf an Eiweiß zu über

30 %, an Vitamin B1 zu über 50 %, an Phosphor zu 50 %, an Vitamin C zu 90 %

und an Calcium zu 80 %. Mein Tipp: billig, schmackhaft und vollwertig sind Pellkartoffeln

mit Quark, auf Ihringer Alemannisch: „Gschwelldi mit Bibiliskäs“.

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Hauszeitung

In den letzten Jahren wurden immer mehr Kartoffeln industriell weiterverarbeitet:

Pommes frites, Knabbererzeugnisse, Trockenprodukte für Klöße, Püree usw. Diese

sind häufig sehr energiereich. Wodka wird aus Kartoffeln gebrannt. Getrocknete

Kartoffeln (Chuños, lange haltbar) waren für die Indianer Hauptnahrungsmittel und

wichtigstes Tauschmittel für Mais, Maniok, Kleider, Töpferwaren u. a.

Bei uns kosten Kartoffeln im Einzelhandel ca. 0,50 € pro 1.000 g

weiße Tartofuli (Trüffeln) kosten gem. Internet ca. 650,00 € pro 100 g

schwarze Trüffeln sind billiger ca. 220,00 € pro 100 g

Asiatische Trüffeln kosten ca. 1.500,00 € pro 100 g !

Ich habe mich entschieden:

aus Preisgründen = rein in die Kartoffeln

aus Platzgründen = raus aus den Kartoffeln.

Von Joachim Ringelnatz (1883-1931) sind die

Abschiedsworte an Pellka

Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde, du Ungleichrunde,

du Ausgekochte, du Zeitgeschälte, du Vielgequälte,

du Gipfel meines Entzückens.

Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens

mit der Gabel! Sei stark!

Manfred Birmele


Weihnachten 2011

Hausfrauen-Weihnacht

Äll Johr, so um da Buß- und Bettag rom,

goht a Goischt onder de Hausfraua om,

der Plätzlefimmel, fascht über Nacht,

dia Fraua ganz ufgret ond orhig macht.

Wenn no so d’Schneeflocka vor de Scheiba danzet,

sich d’Hausfrau hinder’s Kochbuach verschanzt,

dr Goischt duat jetzt richtig zwicka und zwacka

ond flüschtert: muascht obedengt Guatsla bacha.

Em obends seit se zu ihrem Ma:

Morga fange obedengt a.

Mit Körb ond Dascha goht mer end Stadt,

weil ma dia Zutata natürlich no et älle hat,

ond reißt’s au a Loch en Geldbeutel nei,

Guatsla bacha, des muaß oifach sei.

Se kauft Haselnüss für dia Plätzla,

ond Kakao für dia Bäradätzla,

Kokos, Honig ond Zibeba,

ond au Oblada, sonscht bleibt älles kleba.

En de nächschde Dag isch se beschäftigt so wief,

em ganza Haus ischt so a beschtimmter Mief,

denn, obwohl mr dauernd am Herd rom rennt,

kas bassiera, dass amol a Blech voll abrennt.

Wenn dr Ma no schempft und ganz bais guket,

isch besser, wenn er sich ganz schnell verdruket.

Er sait: Mach’s guat, i drenk en dr Rosa a Bier,

d’Kender spielet freiwillig Flet ond Klavier,

dr Hond ischt uf oimol au verschwonda,

er hot sich ganz klei gmacht onderm Sofa dronda.

Ganz erledicht goht ma no endlich ens Nescht,

ko gar et glei eischlofa, so isch mer em Jescht.

Mr denkt: Hättschd ed soviel afanga solla,

ond glei drauf: Morga mache Schnitzbrod ond Stolla.

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Am andra Dag, kurz nachem Aufstanda,

seit dr Ma: Du bischt jo nemme ganz bacha,

er deitet uf’d Guatsla – wer soll den dia essa?

Letscht Johr hots au dr Hond voll gfressa.

Dia Wocha vor em Fescht send älle schnell verstricha,

d’Sorg oms Feschtessa hot oin jetzt beschlicha.

Se frogt ihrn Ma, was solle denn macha?

Der sait, was wois i, des send Weibersacha.

No gukt mer em Kochbuach, vielleicht an gspickta Has,

doch des mog am Dete sei Frau et, des Aas.

Ond Rehbrata hot mer doch letscht Johr airscht ghet,

wia sieht denn des aus, wenn’s schau wieder ufem Disch steht.

Macht mer Geckel, Schnitzel oder Brota?

Älle ihrn Gschmack ka mer jo et verrota.

Zum Schluss denkt ma: A gfüllta Gas wär au et schlecht,

des esset älle, bloß selber mog mers et so recht,

doch spielt des en soma Fall koi großa Roll,

weils jo hauptsächlich de andere schmecka soll.

Ond uff oimol ischd der Großkampfdag do,

am hella Morga fangt mer schau a.

Mer drenkt sein Kaffee ond schneid nebaher Zwiebel,

vor lauter pressira wird’s oim ganz übel.

Peterleng ond Weckla schneida,

der Gas ihr Füllong vorbereita.

Blaukraut dämpfa, Kardoffla hola.

D’Kender händlet, dia muaß mer versohla,

dr Hond will sei Fressa ond macht vor Wuat wau, wau,

dr Ma sait, warum hascht des Dierle so lang warta lau,

er häb jetzt koi Zeit, miaß dia Kreizworträtsel macha,

a Schiff mit 6 Buachstaba, moischt, des sei a Nacha?

Dui Gas muaß jetzt en Ofa nei,

se braucht zwoiahalb Stond, vielleicht au drei.

Schnell zuagnäht, vo dr Stirn dr Schwoiß na dropft,

zom guata Glück isch des Mensch schau grupft.

Hauszeitung


Weihnachten 2011

Grad will ma sich zom Herd na beuga,

no kommet zwoi von de Jehovas Zeuga.

Ma sait, duat mer leid, doch i han jetzt heit koi Zeit,

muas an mei Gas denka, ond net an d’Ewigkeit.

Ond endlich schtoht de ganz Pracht uffem Disch,

ma duat da Schurz ra ond macht sich a bissle frisch,

do kommt der Bsuach schao zur Dür rei marschiert.

D’Fraua sche azoga, d’Männer frisch rasiert,

se hent älle Honger ond sitzet schnell na.

Uff’s Kommando „Guata Appetitt“ fanget se a,

jetzt gohts dr Gas so recht an dr Kraga,

älle sitzed do ond dent sich vollschlaga.

D’Hausfrau serviert und schenkt zom Drenka ei

– ond en fuffzehn Minuta ischt älles vorbei –.

Des ischt wieder prima gwea, sait dr Onkel Frieder,

nägscht Johr kommet mer nadierlich wieder.

D’Hausfrau sait „danke“ ond serviert no s’Desser,

s’Lächla fällt ihr drbei a bissle schwer.

Doch schließlich ischt au der Dag überstanda,

dia Onkel send fort ond au dia Danta.

D’Hausfrau fällt saumiad en Sessel nei

ond sait, Gott sei Dank send dia Feierdag vorbei.

Dr Ma duat a bissle zura omme langa

ond sait, was hoscht denn, ischt doch älles guat ganga.

So, jetzt wisset’r d’Woret von der Hausfrauen-Weihnacht,

Manna, denket au dra, was uire Fraua in derra Zeit schaffet.

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AutorIn der Redaktion nicht bekannt


Zu Neujahr

Will das Glück nach seinem Sinn

dir was Gutes schenken,

sage Dank und nimm es hin

ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,

doch vor allen Dingen

Das, worum du dich bemühst,

möge dir gelingen.

Wilhelm Busch

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