Feststellung des Todes mit Bezug auf Organtransplantationen - SAMW

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Feststellung des Todes mit Bezug auf Organtransplantationen - SAMW

Bei urteilsfähigen Patienten, die eine aussichtslose Prognosehaben, sollte an die Möglichkeit der Organspende gedachtund das Thema aufgenommen werden, sofern keine offensichtlichenGründe dagegen sprechen. Ist ein Patient bereit,seine Organe für eine Spende zur Verfügung zu stellen, musser auch über die Notwendigkeit der Durchführung von organerhaltendenmedizinischen Massnahmen infor miert werden.Im Gespräch über die Möglichkeit der Organspende muss derRespekt gegenüber dem Pa tienten und den Angehörigen zumAusdruck kommen. Das Gespräch soll in einer ruhi gen Umgebungund möglichst ohne Zeitdruck stattfinden.Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt diese Gespräche führtund Kontinuität gewährleistet ist.Zusammenfassend muss das Gespräch zur Abklärung desSpenderwillens folgende An forderungen erfüllen:– vom Inhalt her: umfassende und verständliche Informationüber den gesundheit lichen Zustand und die Prognosedes Patienten (Wahrscheinlichkeit des Todeseintritts), Abbruchder lebenserhaltenden Massnahmen, In halt undUmfang der organerhaltenden Massnahmen sowie derenZweck und Auswirkungen, Feststellung des Tods, Ablaufeiner allfälligen Organent nahme und Vorgehen nach erfolgterOrganentnahme;– von den Rahmenbedingungen her: ruhige Atmosphäre,Empathie und Wahrneh mung der Angehörigen; genügendZeit zur Erklärung der Situation, Raum für Fragenund Anliegen, Angebot von zusätzlichen Ge sprächendurch geeignete Fachpersonen, die möglichst über den gesamtenZeitraum zur Verfügung stehen.Personen, die anstelle des Patienten ent scheiden, haben dessenmutmasslichen Willen zu beachten; dieser hat Vorrangvor ihren ei genen Präferenzen.a) Entnahme der Organe zur TransplantationHat der potentielle Spender sich nicht selbst zur Organspendegeäussert, entscheiden die nächsten Angehörigen an seinerStelle. Dazu berechtigt sind Personen gemäss nachfolgenderReihenfolge: 1. Ehepartner oder eingetragene Partner, 2. Kinder,Eltern und Geschwister 3. Grosseltern und Grosskinderund 4. andere nahe stehende Personen. Die Entnahme vonOrganen ist unzulässig, wenn die vertretungsberechtigten Personensie ablehnen. Dies trifft auch zu, wenn ein Patient keinePerson hat, die ihn vertreten kann, oder wenn diese nichtrechtzeitig kontaktiert werden kann. 15b) Durchführung von organerhaltenden MassnahmenIst ein gesetzlicher Vertreter 16 vorhanden oder hat der Patientdie Vertretung einer Person seines Vertrauens übertragen, soentscheiden diese über Durchführung von organerhaltendenMassnahmen. Hat der Patient keinen gesetzlichen Vertreter,können – mit Zustimmung der Angehörigen – organerhaltendeMass nahmen durchgeführt werden, wenn dies dem mutmasslichenWillen des Patienten entspricht. 17 Stellt sich heraus, dassder Patient der Durchführung der organerhaltenden Massnahmenvermutlich nicht zugestimmt hätte oder können die Angehörigenkeine Auskunft darüber geben, was sich der Patientgewünscht hätte, muss auf die Durchführung von organerhaltendenMassnahmen verzichtet werden.3.2. Einwilligung zur Organentnahme und zur Durchführungvon organerhaltenden medizinischen MassnahmenIm Idealfall hat sich der potentielle Organspender vorgängig,z.B. mit einer Spendekarte, zur Organspende sowie zurDurchführung der organerhaltenden Massnahmen geäussert.Häufig ist dies jedoch nicht der Fall. In dieser Situation mussder Wille des Patienten abgeklärt werden. Dabei muss geprüftwerden, ob An haltspunkte dafür vorliegen, dass der Patienteiner Organentnahme und der Durchführung der organerhaltendenMassnahmen zugestimmt oder diese abgelehnthat bzw. hätte. Die nächsten Angehörigen spielen bei dieserAbklärung eine zentrale Rolle.15 Art. 8 TxG und Art. 3 TxV.16 Bis zum Inkrafttreten des neuen Erwachsenenschutzrechts 2013 haben die Angehörigenbzgl. medizinischer Entscheidungen vor dem Tod eines Patienten keine Vertretungsbefugnis,es sei denn, diese werde ihnen im kantonalen Recht eingeräumt.17 Gemäss Gutachten (Fn. 3 a.a.O., S. 47 – 48) steht bei Patienten mit einer aussichtslosenPrognose nicht mehr die Lebensrettung oder Gesundheitswiederherstellung imVor dergrund, sondern das Interesse «in Würde zu sterben». Gestützt auf dieseInterpretation ist die Durchführung von organerhaltenden Massnahmen unter denin den Richtlinien definierten Voraussetzungen juristisch vertretbar.1011

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