EINBLICK, Heft 1/2010 - AGAPLESION BETHANIEN DIAKONIE

bethanien.diakonie.de

EINBLICK, Heft 1/2010 - AGAPLESION BETHANIEN DIAKONIE

EINBLICK

BETHANIEN DIAKONIE

01/2010

Zeitschrift der Berliner Altenhilfe- und Pfl egeeinrichtungen im Verbund der Agaplesion

Gut behütet:

Menschen mit Demenz erleben ihren

Alltag bei uns als Normalität

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Editorial | Intern

Liebe Leserinnen und Leser,

nach der besinnlichen Weihnachtszeit

sind wir fröhlich in das neue

Jahr gestartet. In allen Häusern

wurde der Jahreswechsel ausgiebig

gefeiert.

Vor uns liegen zahlreiche neue

Aufgaben und Herausforderung.

In diesem Jahr soll die Zugehörigkeit

der Bethanien-Diakonie zum

Verbund der AGAPLESION gAG

auch nach außen sichtbar werden.

Wir bekommen ein gemeinsames,

einheitliches Logo. Durch den

Namenszusatz AGAPLESION

signalisiert zukünftig jedes Haus

seine Verbindung zu dem deutschlandweiten

Zusammenschluss von

Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen

in christlicher

Trägerschaft.

Im Havelgarten startet der 3. Bauabschnitt.

Es entstehen weitere

Residenzwohnungen für das Betreute

Wohnen, darunter erstmals

auch eine mit vier Zimmern. In

Kreuzberg werden wir voraussichtlich

im November unsere

erste Senioren-Wohngemeinschaft

eröffnen. Außerdem haben wir

unser Angebot in der ambulanten

Pflege durch eine Beteiligung an

der Diakonie-Station Charlottenburg

erweitert. Was sonst noch

alles in unseren Häusern passiert,

können Sie in diesem neuesten

EINBLICK nachlesen.

Ihr

Alexander Dettmann

und Pastor Karsten Mohr

Geschäftsführer

2 | EINBLICK BETHANIEN DIAKONIE 01/2010

Zertifi zierungen bestätigen

Qualitätsstandards

Die Pflegebereiche der Bethanien

Diakonie sind mit dem Diakoniesiegel

„Pflege“, die Wohnbereiche

für Menschen mit Demenz mit dem

ENPP-Signum zertifiziert. Zudem

arbeitet das gesamte Unternehmen

mit einem Qualitätsmanagement

nach DIN EN ISO 9000:2000.

Warum haben Sie sich diesen

Prüfungen unterzogen?

Dettmann: Zertifizierungen sind

ein wichtiger Aspekt, um im Wettbewerb

mit anderen Anbietern der

Altenpflege bestehen zu können.

Geht es dabei um eine bessere

Vermarktung?

Mohr: Auch wir müssen „unternehmerisch“

denken. Christliche

Gemeinschaften sind seit Jahrhunderten

„erfolgreich“, weil sie sich an

den Bedürfnissen der Menschen orientieren

und obendrein wirtschaften

konnten. Gleichwohl sind wir der

Tradition dienender Nächstenliebe

verpflichtet. Wir haben also mehr

als nur Bilanzen im Blick.

Worauf richtet sich dieser Blick?

Dettmann: Wir stehen in einer

großen Verantwortung gegenüber

unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,

unseren Bewohnerinnen

und Bewohnern, Angehörigen und

Besuchern, der Öffentlichkeit und

unserem Träger.

Mohr: Alle dürfen von der AGA-

PLESION Bethanien Diakonie

erwarten, dass wir besonders qualifizierte

Leistungen erbringen, in

Die Geschäftsführer Alexander Dettmann

(links) und Karsten Mohr (rechts).

unseren Häusern eine herzliche Atmosphäre

herrscht und dass bei uns

der Mensch und sein Wohlbefinden

im Mittelpunkt stehen.

Geht das nicht ohne Zertifikate?

Mohr: Sicher, aber sie schaffen

Transparenz, bestätigen von unabhängiger

Seite, dass wir unsere

Qualitätsmaßstäbe einhalten und

uns in der täglichen Arbeit an

unserem Leitbild orientieren.

Dettmann: Zertifizierungsverfahren

helfen, das Selbstverständnis zu

reflektieren, Arbeitsabläufe und

Kommunikationsprozesse auf ihren

Sinn und ihre Effizienz hin zu überprüfen

und zu optimieren.

Bieten zertifizierte Unternehmen

alle die gleiche Qualität?

Dettmann: Nein. Das Zertifikat

bestätigt zum Teil selbst definierte

Standards. Vergleichsmöglichkeiten

bieten eher der Pflegeführer des Tagesspiegels,

die „Transparenzoffensive

Berlin“ der Sozialsenatorin und

natürlich die Ergebnisse der Kontrollen

durch den Medizinischen

Dienst der Krankenkassen.


Das psychobiografi sche

Pfl egemodell nach Böhm

Kreative Therapie: Malen wie als Kind.

Über Alterserkrankungen wird zunehmend

offen gesprochen und die

Bereitschaft, die Verhaltensweisen

von Menschen mit Demenz verstehen

zu wollen, nimmt ebenfalls zu.

Das psychobiografische Pflegemodell

von Erwin Böhm bietet hierfür

eine gute Möglichkeit. Dieses basiert

auf der Annahme, dass Körper,

Seele, Geist, soziales Umfeld und die

persönliche Geschichte in einem permanenten

Zusammenhang stehen.

Böhm hat festgestellt, dass Menschen

mit Demenz nicht mehr über

die „Welt der Dinge“, also den

kognitiven Anteil der Psyche, erreicht

werden können, sondern der

Zugang über die „Welt der Gefühle“

erfolgen muss. Er unterscheidet

sieben Interaktionsstufen, auf denen

sich der alte Mensch befinden kann:

Sozialisation (regionale Geschichtsprägung),

Mutterwitz (sprechen, wie

einem der Schnabel gewachsen ist),

seelische soziale Grundbedürfnisse,

Prägungen (als Kind erlernte Verhaltensnormen,

Eigenarten, Rituale),

Triebe, Intuition (Märchen, Aberglaube),

Urkommunikation (Ebene

des Säuglings). Für jede Stufe müssen

eigene Zugangswege zum alten

Menschen gefunden werden. Grundsätzlich

gilt: „Vor den Beinen muss

die Seele bewegt werden.“

Böhms Pflegemodell hat gleichermaßen

den Gepflegten und den

Pflegenden im Blick. Ziele sind die

Reaktivierung des Pflegebedürftigen

und eine Erhöhung seines Selbstwertgefühls,

eine Symptomlinderung

ohne Einsatz von Psychopharmaka,

eine Verbesserung der Pflegequalität

durch „seelische Pflege“, eine Erhöhung

der Arbeitszufriedenheit und

eine Senkung der Krankenstände.

Von Böhm stammt auch der Begriff

des Normalitätsprinzips. Er geht davon

aus, dass jeder Mensch – geprägt

durch seine Sozialisation, Kultur

und Erfahrungen – eine persönliche

Lebensform entwickelt, aus der sich

sein Bild von einem normalen Verhalten

und Handeln ergibt: wie und

was man isst; wie man mit anderen

in Beziehung tritt; womit man sich

beschäftigt; worin man den Sinn des

Lebens sieht; wie man sich kleidet.

Ein Mensch mit Demenz greift auf

Normen und Handlungsweisen aus

seinen früheren Lebenszeiten zurück.

Deshalb ist die Biografiearbeit

in der Pflege von Menschen mit

Demenz von zentraler Bedeutung.

Titelthema

Was ist Demenz?

Eine Demenz ist ein Defizit in kognitiven,

emotionalen und sozialen

Fähigkeiten, das zu einer Beeinträchtigung

sozialer und beruflicher

Funktionen führt und meist mit

einer diagnostizierbaren Erkrankung

des Gehirns einhergeht. Vor allem

sind das Kurzzeitgedächtnis, das

Denkvermögen, die Sprache und

die Motorik, bei einigen Formen

auch die Persönlichkeitsstruktur

betroffen. Maßgeblich ist der Verlust

bereits erworbener Fähigkeiten.

Heute sind verschiedene Ursachen

von Demenz geklärt; einige Formen

können in gewissem Umfang behandelt

werden, d. h. die Symptome

können im Anfangsstadium verzögert

werden. Die am häufigsten auftretende

Form der Demenz ist die

Alzheimer-Krankheit. Eine Demenz

kann auf ganz verschiedenen Ursachen

beruhen, für die Therapie ist

die Klärung dieser Unterscheidungsmerkmale

wichtig.

Stricken verlernt man nicht so schnell.

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Betreutes Wohnen | Residenz Sophiengarten

Premium-Wohnen im Alter:

Vier gekrönte „R“ für den Sophiengarten

Die Residenz Sophiengarten gehört

zu einem Netzwerk von Premiumanbietern

im Bereich des Betreuten

Wohnens für Senioren. Diese stellen

sich gemeinsam auf exklusiven

Informationsveranstaltungen und

in dem jährlich erscheinenden

Buch „Premium-Wohnen“ vor. Die

Bücher bieten den teilnehmenden

Häusern viel Platz zur Präsentation

ihrer Besonderheiten und sorgen mit

Preis- und Wohnungsbeispielen für

Vergleichbarkeit und Transparenz.

Das hilft, die richtige Seniorenwohnanlage

für sich zu finden.

Seit Kurzem sind diese Häuser auch

mit einem „Gütesiegel“ gekennzeichnet.

Am Eingang des Sophiengartens

hängt eine Bronzetafel mit

vier gekrönten „R“. EINBLICK

sprach darüber mit der Vertriebsleiterin

Dr. Annette Heilig.

Welche Wirkung hat die Tafel?

Heilig: Da man die „Sternewelt“

aus der Hotellandschaft kennt und

damit Qualitätserwartungen gesetzt

sind, erschließt sich für jeden die

Botschaft aus der Bronzetafel.

Welche Kriterien müssen für vier

RRRR erfüllt sein?

Heilig: Im Vorwort der neuesten

Ausgabe von Premium-Wohnen

heißt es u. a.: „Premium-Wohnen

im Alter – das bedeutet zunächst

einmal: Qualität in Architektur und

Innenarchitektur, beste Verarbeitung

von besten Materialien, altersgerechte

und dabei ästhetisch anspruchs-

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volle Gestaltung. Das bedeutet auch

Sicherheit zu gewährleisten und einen

Service zu praktizieren, der dem Standard

sehr guter Hotels entspricht.“

Was halten Sie grundsätzlich von

Bewertungssystemen?

Heilig: Es gibt Zertifizierungsverfahren

nach DIN für das Betreute

Wohnen, die sinnvoll sind und die

Einhaltung von Standards widerspiegeln.

Sie ermöglichen es aber

zu bleiben, angestammte freundschaftliche

und nachbarschaftliche

Beziehungen nicht aufgeben zu

müssen und Einkaufs- und Versorgungsgewohnheiten

beizubehalten.

Die Paulsenstraße ist eine wunderbare

Wohnstraße. Die Nähe zur

Schloßstraße und zum Botanischen

Garten sind weitere Standortvorteile.

Darüber hinaus unterstützen

wir mit unserem Servicekonzept die

individuelle Alltagsgestaltung: Unser

Elegant: Der Clubraum mit Kamin und Bibliothek im Sophiengarten.

nicht zu unterscheiden, welche

Service-Konzepte mit welchem Personaleinsatz

umgesetzt werden und

welche Wohnqualität man erwarten

kann.

Warum entscheiden sich Senioren,

in den Sophiengarten einzuziehen?

Heilig: Das hat bei jedem unserer

Bewohner sicher ganz individuelle

Gründe. Eine wesentliche Erkenntnis

aus allen unseren Beratungsgesprächen

ist, dass darauf geachtet

wird, im gewohnten Wohnumfeld

Restaurant ist täglich geöffnet, aber

man ist nicht verpflichtet am Mittagstisch

teilzunehmen. Die Wahlleistungsangebote

sind wie ein

Baukastensystem, aus dem flexibel

temporär oder dauerhaft Leistungen

gebucht werden können. Wir pflegen

in der Wohnung ambulant, so

lange dies medizinisch vertretbar

und rechtlich möglich ist. Residenzbewohner

werden bevorzugt in das

vollstationäre Sophienhaus aufgenommen,

falls dies unumgänglich

ist. Das bietet Sicherheit.


Betreutes Wohnen | Residenz Havelgarten

„Tanzende Sterne gebären“

Ursula Blockus stellt im Havelgarten aus

Die Künstlerin Ursula Blockus wohnt

seit 2007 in der Residenz Havelgarten.

Die gebürtige Spandauerin lebte

davor 36 Jahre mit ihrem Mann in

Hilden bei Düsseldorf.

Kurz nach dem Krieg während eines

Sanatoriumaufenthalts von einer

anderen Künstlerin „entdeckt“, ließ

sich Ursula Blockus, die eigentlich

technische Zeichnerin war, in Batik,

Aquarell, Ton, Email, Kupfer und

Radierung ausbilden und entwickelte

schon bald ihren eigenen Stil, den

die Nichte Sibylle Hoffmann als

„farbenfroh, verspielt, fantasievoll,

manchmal auch etwas verrückt“ beschreibt.

Dann legte Ursula Blockus

aufgrund der Lebensumstände eine

längere künstlerische Pause ein. Erst

unter dem Einfluss von Emil Nolde

und Siegward Sprotte begann sie

wieder zu malen. Seit 1968 hatte sie

Ausstellungen in der Bundesrepublik,

Holland und England, Vorwiegend

präsentierte sie ihre Werke in Hilden

und im holländischen Lemmer, wo

die Künstlerin und leidenschaftliche

Seglerin regelmäßig ihre Wochenenden

verbrachte. Darüber hinaus

zeigte sie ihre Bilder unter anderem

auch in Berlin (zuletzt vor 23 Jahren

in der Galerie im Hinterhof in

Spandau) und auf Sylt. 1978 wurde

Ursula Blockus Dozentin für Batik

an der Volkshochschule Hilden. Sie

war Mitglied im Kunstverein der

Rheinlande und Westfalen und im

Verein Hildener Künstler.

Zur Vernissage ihrer Ausstellung am

9. April 2010 im Havelgarten kamen

neben der Familie einige Freunde

und zahlreiche Residenznachbarn.

Sibylle Hoffmann führte die Gäste

in das Leben und künstlerische

Schaffen ihrer „geliebten Tante

Uschi“ ein.

Der Titel der Ausstellung „Tanzende

Sterne gebären“ sei in Anlehnung

an ein Zitat von Friedrich Nietzsche

gewählt, das wie ein Motto über der

Arbeit von Ursula Blockus steht:

„Man muss noch Chaos in sich

haben, um einen tanzenden Stern

gebären zu können.“ Das holländische

Feuilleton bezeichnete ihre

Bilder einmal als „gemalte Fabeln“.

Sie heißen „Der Flammenfisch“,

„Im Zauberwald“, „Fast paradiesisch“

oder „Grazien mit Quallensaiten“.

Andere nannte sie „Kuscheln

am Strand“. „Möwenschwarm“,

„Strandgurken“, „Wind in den Dünen“

oder „Der Leuchtturm“. Der

Betrachter erkennt darin unschwer

die Quelle ihrer Inspiration – seit

ihrer Kindheit fühlt sich die Künstlerin

zum Meer hingezogen.

Das Studio der Residenz Havelgarten ist vorübergehend Galerie. Die Künstlerin (rechts) im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern.

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Sozialdienst

Die praktische Hilfe steht

im Vordergrund

Antje Vollmer in ihrem Büro.

Antje Vollmer ist in der Regel die erste

Anlaufstelle. Von ihr hängt nicht

selten der berühmte erste Eindruck

ab. Das weiß die Sozialarbeiterin.

Menschen, die ihr Büro betreten, sehen

oft zuerst Jannek, ihren kleinen

Hund. „Das ist ein Augenblick, der

die Atmosphäre etwas entspannt“,

sagt sie. Denn „die Menschen, die

zu mir kommen, sind häufig sehr

belastet, wenn ihnen von Ärzten

vorher empfohlen wurde, einen

Angehörigen, vielleicht sogar die

Mutter oder den Vater, in ein Pflegeheim

zu geben.“

Antje Vollmer lässt die Ratsuchenden

dann erst einmal erzählen. „Die

meisten quälen sich mit starken

Schuldgefühlen“, weiß sie aus Erfahrung.

Diesen Druck möchte die

Sozialarbeiterin ihnen nehmen.

Danach drehen sich die Gespräche

meistens um die Einrichtung, das

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Angebot und die Leistungen. Es

folgt eine Besichtigung des Hauses.

Erst zum Schluss geht es um die

Frage „Was jetzt?“ Mit den Formalitäten

und Anträgen sind viele überfordert.

Antje Vollmer kennt sich da

natürlich bestens aus und bietet ihre

konkrete, praktische Hilfe an.

Sozialdienste zogen Ende der 1970er

Jahre in die stationären Pflegebereiche

ein, als sich in der Altenhilfe

ein Paradigmenwechsel vollzog. Die

an der Krankenpflege orientierten

Konzepte wurden zugunsten von

Vorstellungen abgelöst, die sich an

Grundsätzen einer ganzheitlichen,

aktivierenden und individuellen

Pflege ausrichteten. Pflegeheime

werden seitdem als Wohnort und

persönlicher Lebensraum, die

Bewohnerinnen und Bewohner als

mündige Bürger begriffen.

Um die Lebensbedingungen in

Alten- und Pflegeheimen denen

in Privathaushalten anzugleichen,

zogen neue Berufsgruppen mit

sozialer Ausrichtung in die Einrichtungen

ein, die unter dem Begriff

Sozialdienst zusammengefasst sind.

Die Leistungen des Sozialdienstes

sind Bestandteil der ganzheitlichen

Pflege. Im Mittelpunkt steht der

alte Mensch, der mit seinen Möglichkeiten

anerkannt und in seiner

Einzigartigkeit akzeptiert wird.

Unabhängig von Behinderungen,

Krankheiten und Fähigkeitsverlusten

soll jeder Mensch einen

respektvollen Umgang erfahren.

Aufgaben des

Sozialdienstes

Der Sozialdienst hat stets ein

offenes Ohr für alle Fragen und

Belange der einzelnen Bewohnerinnen

und Bewohner und ihrer

Angehörigen – seien es persönliche

Nöte oder familiäre Sorgen,

die Notwendigkeit einer gesetzlichen

Betreuung oder das Ausfüllen

eines Antragsformulars.

Der Sozialdienst erfüllt insbesondere

folgende Aufgaben:

Beratung und Information vor

der Aufnahme (u. a. zu Fragen

der Kostenübernahme durch die

Pflegeversicherung und die Krankenkasse,

zu Fragen bezüglich der

Festellung der Pflegestufe etc.)

Begleitung beim Umzug und in

der Eingewöhnungsphase

Beratung und Unterstützung

bei der Organisation des Alltags

in der neuen Umgebung

Beratung zu sozialrechtlichen

Fragen

Hilfestellung in administrativen

Angelegenheiten (Unterstützung

bei Ämtern und Behörden etc.)

Krisenintervention und psychosoziale

Beratung

Vermittlung spezifischer Hilfen

Angehörigenarbeit (Beratungsangebote,

Angehörigenabende ...)

Ehrenamtlichenarbeit (Beratung,

Begleitung, Werbung)

Vernetzung mit externen

Diensten

Mitwirkung im Heimbeirat*

* Der Heimbeirat ist das zentrales Mitwirkungsgremium

und Interessenvertretung

für die Bewohner in Heimen.


„Hexe ist ein lieber Kumpel“

Ruth Schadow mit „Hexe“.

Mischlingshund „Hexe“ besucht seit

fast fünf Jahren die Bethanien Tagesstätte.

Bis vor einem Jahr begleitete

sie ihr Frauchen. Seit dem plötzlichen

Tod von Frau B. kommt

„Hexe“ allein, denn die Töchter der

Vorstorbenen, beide Tierärztinnen,

können sich tagsüber nicht um

„Hexe“ kümmern.

Zwanzig Gäste der Tabea Tagesflege

besuchten Anfang Dezember 2009

das Weihnachtstheater in der „Alten

Feuerwache“ in Friedrichshain. Sie

wurden von sechs Pflegekräften,

zwei Mitarbeitern des Fahrdienstes

und einem Angehörigen begleitet.

Das gut moderierte Programm entführte

die Zuschauer nach Russland

– mit Tanz, traditionellen Kostümen

und bekannte Liedern, die zum Mitsingen

animierten. Dargeboten wurde

dieser bunte Reigen natürlich von

russischen Künstlern. „Es war interessant

und schön zugleich und hat

Da sich der Hund sehr an das Leben

in der Tagesstätte gewöhnt hat,

beschlossen die Töchter gemeinsam

mit der Pfl egedienstleiterin Andrea

Diegel, dass „Hexe“ weiterhin die

Tagesstätte besuchen soll. Morgens

wird sie von ihrem neuen Frauchen

gebracht, nachmittags setzt sie der

Fahrdienst in der Tierarztpraxis ab.

„Hexe ist wie ein guter Kumpel, weil

sie immer so lieb ist“, sagt Tagesgast

Ruth Schadow, die selbst auch einen

Hund besitzt. Da sie ihn nicht mehr

selbst versorgen kann, lebt er jetzt bei

ihrer Tochter. Frau Schadow sieht

ihn nur noch, wenn diese mit ihm

zu Besuch kommt. „Hexe“ ist deshalb

für Frau Schadow ein liebgewonnener

Ersatz. An den Wochenenden

jault „Hexe“ unruhig: „Sie

vermisst den Betrieb der Tagesstätte“,

sagt die Tierärztin.

Theaterausfl ug zu „Väterchen Frost“

allen gefallen“, resümiert Pflegedienstleiterin

Manuela Marquardt.

Auf der Heimfahrt sprachen die

Tagespflegegäste ausführlich über

den erlebnisreichen Nachmittag

und fassten den Entschluss, dass

sie jederzeit wieder in ein Theater

gehen würden. „Den Gästen gefällt

es, sich für einen Ausflug schön anzuziehen,

mal rauszukommen und

eine andere Umgebung zu sehen.

Für uns Mitarbeiter ist es auch interessant,

mit unseren Gästen einmal

in der Öffentlichkeit zu sein“, stellt

Frau Marquardt fest.

Tagespfl ege

Die Seniorentagesstätte ist ein Ort

für ältere Menschen, die tagsüber

Hilfestellung benötigen und nicht

allein sein möchten. Nach Absprache

mit der Pfl egeleitung darf der

eigene Hund mitkommen.

Haben den Theaterbesuch sichtlich genossen:

zwei Gäste der Tabea Tagespflege.

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Pfl ege | Bethanien Sophienhaus

Mit Schaumkost schmeckt es wieder

Besonders für ältere Menschen

sind die Mahlzeiten herausragende

Ereignisse, geben dem Tag Struktur,

sorgen für positive Erlebnisse. So ermöglicht

die in EINBLICK 1/2009

vorgestellt Frontcookingstation,

kleine Gerichte direkt am Bett der

Bewohner zuzubereiten. Über das

Zusehen und den Duft sollen diese

wieder Lust aufs Essen bekommen.

Eine bedarfsgerechte Ernährung

wirkt sich auf das physische Wohlbefinden

der Menschen aus. Ab

etwa 80 Jahren bekommen viele

Senioren Schluckbeschwerden. Die

Reflexe im Mund- und Gaumenbereich

funktionieren nicht mehr

so wie bei jungen Menschen. Trotzdem

steht auf dem Speiseplan des

Sophienhauses kein Einheitsbrei!

Kerzenziehen braucht viel Geduld

Angehörige fertigen eigene Kerzen.

8 | EINBLICK BETHANIEN DIAKONIE 01/2010

„Durch moderne Zubereitungstechniken

können die Mahlzeiten auf

feine Art in Form gebracht werden“,

erklärt Küchenchef Ralf Ehresmann.

Rohe, gegarte, frische, gefrorene, ernährungsphysiologisch

hochwertige

Lebensmittel werden durch Schneiden,

Mixen, Pacosieren, Pürieren,

Passieren oder Aufschäumen in eine

geschmeidige Konsistenz gebracht.

Serviert wird eine gesundes und

geschmackintensives Essen, das auch

optisch ansprechend ist.

Entwickelt wurde die Zubereitung

von „luftigen“ Speisen von dem

spanischen Starkoch Ferran Adrià in

seinem weltberühmten Restaurant

El Bulli. Er stellte fest, dass sich aus

einem Schaum mehr herausschmecken

lässt als aus einer einfachen

Einige Angehörige engagieren sich

das ganze Jahr über in den Wohnbereichen

des Sophienhauses, motivieren

nicht nur die eigenen Verwandten

beim Essen, nehmen auch

andere alte Menschen in den Arm,

gehen mit ihnen spazieren, lesen vor

und beteiligen sich an den verschiedenen

jahreszeitlichen Festen. Mit

der Einladung zum Kerzenziehen in

der Manufaktur „Lichterglanz“ in

Wittenau am 2. Dezember sagte die

Bethanien Diakonie ihnen auf eine

besondere Weise „Dankeschön für

Ihr Engagement“.

Beim Kerzenziehen sind Geduld

und Fingerspitzengefühl gefragt.

Frühstück aus dem Syphon.

Soße. Ob süß, herzhaft oder sauer

– alles ist möglich. Man braucht nur

einen speziellen Syphon. Ein weiterer

Vorteil dieser Zubereitung: Vitamine

und Mineralstoffe des Ausgangsprodukts

bleiben erhalten,

ebenso die natürlichen Farben, da

während der Herstellung keine Hitzezufuhr

nötig ist. Guten Appetit!

Für das richtige Timing sorgte eine

Runde durch die Manufaktur, die

vor dem nächsten Tauchgang drei

Mal gelaufen werden musste. Hier

und da wurde auch zum Nachbarn

geschielt, verglichen und gefachsimpelt.

Nach rund zwei Stunden

konnten die fertigen Werke bewundert

werden. Für das leibliche Wohl

war ebenfalls gesorgt. Es gab Apfelkuchen,

Kürbissuppe, Punsch und

Glühwein. „Das war eine wirklich

schöne Überraschung, die mir viel

Spaß gemacht hat“, war das Fazit

von Herrn Reiniger, dem Angehörigen

einer Bewohnerin aus dem

Sophienhaus.


„Ich würde sofort fühlen, wenn es

Dorothea nicht gut geht“

Viele Jahre hat Wolfgang Bendig

seine an Demenz erkrankte Frau

Dorothea zu Hause gepflegt. Dann

musste er ins Krankenhaus wegen

einer Operation. Eine Bekannte

empfahl ihm den Dementenwohnbereich

des Bethesda. Das war im

März 2008.

Wer half ihnen in dieser Situation?

Bendig: Besonders Frau Vollmer,

die Sozialarbeiterin. Zu ihr hatte ich

schnell Vertrauen. Es musste ja quasi

über Nacht eine Lösung gefunden

werden.

Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Bendig: Ich hatte große Gewissensbisse.

Heute bin ich froh über die

Entscheidung. Ich besuche meine

Frau fast täglich. Zu Hause wäre sie

mir zwar lieber, doch im jetzigen

Krankheitsstadium geht das einfach

nicht mehr.

Was ist heute für Sie anders?

Bendig: Zu Hause konnte ich mich

den ganzen Tag um Dorothea kümmern.

Das bestimmte unser Leben.

Wenn ich drei Stunden brauchte,

um sie zum Zähneputzen zu überreden

– kein Problem. Hier läuft das

natürlich anders. Aber sie wird dabei

mit sehr viel Liebe betreut. Und,

glauben Sie mir, ich würde sofort

fühlen, wenn es Dorothea nicht gut

geht. Immerhin sind wir seit über

40 Jahren verheiratet.

Pfl ege | Bethanien Haus Bethesda

Adelheid Adamski und der Wohlfühlstuhl

„Die Frau hat aber einen gemütlichen

Stuhl“, schwärmt die achtjährige

Rebecca, als sie Adelheid

Adamski beim Adventskaffee am

27. November 2009 im Alten Speisesaal

des Bethesda erblickt. Etwas

traurig fügt sie an: „Das ist doch

schlimm, dass die Frau nicht mehr

laufen kann.“ Aber durch den Wohlfühlstuhl

ist es für Frau Adamski

überhaupt möglich, an gemeinschaftlichen

Ereignissen teilzunehmen.

So konnte sie die kleine

Rebecca im Speisesaal beim Weihnachtsliedersingen

erleben oder

auch eine Kochvorführung auf dem

Wohnbereich beobachten.

Hätten Sie Ihre Frau am liebsten

wieder zu Hause?

Bendig: Ganz sicher. Aber im Bethesda

sehe ich, was es im positiven

Sinne bedeutet, wenn ein Mensch

würdevoll gepflegt wird.

Das Gespräch führte Andreas Wolff.

Wolfgang Bendig (reechts) im Gespräch.

Dank des Wohlfühlstuhls kann Frau Adamski trotz Bettlägerigkeit am Gesellschaftsleben

in den Gemeinschaftsräumen des Bethesda Seniorenzentrums teilnehmen.

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Pfl ege | Bethanien Havelgarten

„Ich bin mit Morle hier im Urlaub“

„Ich glaube, ich habe Schwester

Barbara fast kaputt gedrückt vor

Freude“, erinnert sich Irmgard Lüttschwager.

Sie war ins Büro gegangen

und hatte erzählt, dass sie Sehnsucht

nach ihrem Kätzchen habe. „Warum

holen Sie das Tier nicht hierher?“

fragte die Oberschwester. Heute ist

Morle der Liebling des Wohnbereichs.

Seit Januar 2008 lebt Frau Lüttschwager

im Bethanien Havelgarten

und sagt: „Eigentlich habe ich hier

jeden Tag Urlaub.“ Bevor sie hierher

kam, hatte sie ganz andere Erfahrungen

gemacht. Zusammen mit einer

Freundin war sie in eine Einrichtung

für Betreutes Wohnen gezogen.

Dort hielt sie es nicht lange aus

und zog zurück in eine Privatwohnung

in dem Haus, in dem ihr

Sohn Klaus wohnte. Er kümmerte

sich um die Mutter, wenn sie etwas

brauchte.

Irgendwann gefiel Frau Lüttschwager

das nicht mehr: „Sucht mir

was“, forderte sie ihre Söhne auf.

Diese erinnerten sich an den ersten

Versuch und waren dagegen: „Wir

schieben dich nicht ab, Mutti.“

Doch Irmgard Lüttschwager blieb

hartnäckig: „Soviel Verstand habe

ich noch, dass ich das selbst bestimme.“

Also machten sich Klaus und

und sein Bruder Peter notgedrungen

auf den Weg.

Zufällig kamen sie zuerst zum Havelgarten

und wussten sofort: „Mutti,

wir haben das Richtige für dich

gefunden!“ Seitdem genießt Frau

Lüttschwager ihr neues Apartment

10 | EINBLICK BETHANIEN DIAKONIE 01/2010

Irmgard Schüttschwager mit Katze Morle, die mit in den Havelgarten eingezogen ist.

mit Blick auf die Havel. Feste finden

nicht ohne sie statt. Beim Bingo

oder Mensch-ärgere-dich-nicht ist

die 86-Jährige fast immer dabei. Oft

geht sie auch in den Gottesdienst:

„Ich erlebe dort viel Zuwendung.“

Wenn sie hin und wieder ein Tief

hat, helfen die Schwestern, spenden

Trost – auch für den Verlust ihres

Mannes vor fünf Jahren. Über 60

Jahre lebten sie zusammen. An

der Wand hängt die Titelseite des

Bielefelder Tageblatts vom 4. Januar

1944, der Tag, an dem sie geheiratet

haben. Das Hochzeitsfoto wurde

nachträglich einmontiert.

Festlicher Adventsbasar

Der Adventsbasar ist schon zu einer Tradition im Havelgarten geworden. Eine besondere

Attraktion der diesmaligen Veranstaltung am 5. Dezember 2009 war das große

Lebkuchenhaus. Eine Bewohnerin hatten sich besonders festlich gekleidet.


Zurück in die Normalität

Viele Bewohner kommen nach einer

langjährigen „Psychatriekarriere“ in

die Radelandstraße. Sie bewältigen

zu diesem Zeitpunkt die Alltagsanforderungen

nur noch mit großer

Anstrengung oder unzureichend.

Wenn man darauf schaut, was Menschen

gesund erhält, und nicht, was

sie krank macht, wird man bald auf

ihre Interessen stoßen und was sie

aufgrund dessen einmal gelernt

haben. Die Wiederaufnahme solcher

zum Teil leicht zugänglichen, zum

Teil aber verschütteten interessen-

geleiteten Tätigkeiten eröffnen neue

Wege zu einer aktiven Teilhabe im

sozialen Raum. Mittels dieser res

sourcenorientierten Bezugspflege und

durch tagesstrukturierende Angebote

wie Kochen, Backen, Hausarbeit,

Kosmetik, Musizieren/Singen und

Sport lernen chronisch psychisch

kranke Menschen, ihre persönlichen

Entscheidungs- und Handlungsfähigkeiten

zu aktivieren. Selbstständige

Bewohner können Angebote der

Arbeitstherapie nutzen. So kümmert

sich die Gartengruppe um die Pflege

der Pflanzen, fertigt Blumengestecke

Pfl ege | Bethanien Radeland

an und verkauft diese beim monatlichen

Basar. Andere führen Kleinreparaturen

und handwerkliche Arbeiten

aus, von denen alle profitieren.

Durch solche Erfolge entwickelt

sich ein positives Selbstwertgefühl.

Alle Hilfen entsprechen dem Normalisierungsprinzip.

Ziel ist es, ein

optimales Verhältnis zwischen Wohnen/Versorgt

werden und Förderung/

Therapie zu schaffen. Damit erhalten

sich die Bewohner trotz ihrer Krankheit

möglichst viel Eigenständigkeit,

Individualität und Lebensfreude.

Backen in der Gruppen ist gesellig und macht Freude. Arbeitstherapie: Hier wird der Umgang mit Werkzeug geübt.

Seit 40 Jahren zu Hause in Radeland

Höhepunkt des Adventsbasars am

25. November 2009 war die Ehrung

der Jubilare – der Menschen, die

bereits seit 40 Jahren in Radeland

wohnen oder arbeiten. Zu den

Ehrengästen zählten auch Schwester

Inge, die seit 1969 dabei ist, und Pastorin

Helga Rosemann, inzwischen

im Ruhestand. Die Jubilare nahmen

an einer Ehrentafel Platz und wurden

von Hausleiter Heiko Wiemer

einzeln beglückwünscht.

Die Psychologin Beate Pollmer

schaute auf die vergangenen vierzig

Jahre zurück. Die Musiktherapeuten

trugen ein selbstkomponiertes Lied

vor. Die Ergotherapeuten hatten

nicht nur den Saal dekoriert, sondern

auch den Basar mit Weihnachtsgestecken

der Gartengruppe,

selbstgekochten Marmeladen, einer

Kleiderbörse und einer Tombola

sehr ansprechend hergerichtet.

Sandra Müller Hausleiter Heiko Wiemer gratuliert.

01/2010 EINBLICK BETHANIEN DIAKONIE | 11


Pfl ege | Bethanien Havelstrand

Bescherung am Havelstrand

Der Heiligabend begann mit einem

Weihnachtsfrühstück mit unseren

Bewohnern, der Psychologin Barbara

Ewers und der Ergotherapeutin

Frau Steinbart. Es wurden Weihnachtsgedichte

und -geschichten

gelesen, Erinnerungen ausgetauscht

und Lieder gesungen. Bei „Stille

Nacht“ übermannten unsere Bewohnerin

Frau Kluwe die Erinnerungen

Zimmer mit Aussicht

Zu jeder Jahreszeit attraktiv: Blick vom Haus Havelstrand auf die Havel – still im Winter (links), bewegt im Sommer (rechts).

Oft ist nicht mehr zu hören als das

Singen der Vögel, das sanfte Schlagen

der Wellen oder der Wind, der

durch die Bäume streift: Im Haus

am Havelstrand ist jeder Tag Wellness

für die Seele. Viele Berliner

schätzen diese Atmosphäre ebenfalls

und kommen am Wochenende hierher,

um bei Spaziergängen am Havel-

12 | EINBLICK BETHANIEN DIAKONIE 01/2010

und sie brach in Tränen aus, die Frau

Ewers mit Einfühlungsvermögen

und einem anderen Weihnachtslied

trocknen konnte. Am Nachmittag

gab es eine Bescherung, die Schwester

Martina gestaltete. Verteilt wurden

Geschenke, die alle Kolleginnen

im Haus nach den Wünschen der

Bewohner eingekauft und liebevoll

verpackt hatten. Jeanette Kiburg

ufer die Natur und Ruhe zu genießen.

Im Winter traut sich mancher

sogar mit Schlittschuhen aufs Eis.

Im Sommer schippern Wassersportler

mit dem eigenen Boot vorüber.

Immer ganz nah an diesem Geschehen

sind die Bewohner aus dem

Haus am Havelstrand. Auch sonst

bietet die familäre Villa chronisch

Herzenswärme

bei minus 14 Grad

Als am 25. Januar 2010 bei minus

14 Grad nicht einmal mehr die

Enten auf der zugefrorenen Havel

schnatterten, hatte unsere Bewohnerin

Frau Banke mithilfe ihrer

Betreuerin zu einem einstündigen

nachmittäglichen Winterkonzert im

Tagesraum geladen. Zum Kaffee bot

Felicitas Paarmann den Zuhörern

auf ihrem Akkordeon von Volksliedern

bis Klezmer alles dar, was zum

Mitschunkeln und Mitsummen einlud.

Binnen kürzester Zeit spielte sie

sich in die Herzen unserer Bewohner.

Auf den Punkt brachte die

Schwingungen im Tagesraum Frau

Brüge, die, nach dem Grund ihrer

Tränen gefragt, antwortete: „Na weil

es doch so schön ist!“ – Danke für

die Einladung, Frau Banke!

Jeanette Kiburg

psychisch kranken Menschen viel

Lebensqualität. Helle Zimmer, zum

Teil mit Wasserblick, wohnliche Gemeinschaftsräume,

ein großer Garten,

aber auch herzliche, den Bewohnern

zugewandte Schwestern, Pfleger und

Therapeuten sorgen dafür, dass man

sich hier „Zuhause in christlicher

Geborgenheit“ fühlen kann.


Bethanien Diakonie

Fünf Azubis, eine Meinung: Ich bin gerne hier

Cherie, 1. Ausbildungsjahr

Kauffrau im Gesundheitswesen

Die gebürtige Berlinerin ist 22 Jahre

alt. Seit ihrem 16. Lebensjahr hegte

Cherie den Wunsch, später einmal

irgendetwas im Gesundheitswesen

zu machen. Den Anstoß, in die

Altenhilfe zu gehen, gab ihr Bruder,

der selbst Altenpfl eger ist. Cherie

schätzt an dem Beruf der Kauffrau

im Gesundheitswesen, dass er durch

die Spezialisierung vielfältiger und

abwechslungsreicher ist als der Beruf

der Bürokauffrau.

Anja, 3. Ausbildungsjahr

Altenpfl egerin

Die alleinerziehende Mutter lernte

ursprünglich Zahnarzthelferin, zog

dann drei Kinder groß und arbeitete

dazwischen u. a. eineinhalb Jahre

in der Hauskrankenpfl ege und viel

in der Gastronomie. Schließlich

bot sich ihr die Möglichkeit, ein

durch den Europäischen Sozialfonds

gefördertes Praktikum in einem

Altenpfl egeheim zu absolvieren.

Zudem besitzt sie den Trainerschein

für Seniorensport. Als das Institut

für angewandte Gerontologie freie

Ausbildungsplätze zur examinierten

Altenpfl egerin anbot, wollte sie sich

noch einmal weiter qualifi zieren.

Soeben hat sie die Ausbildung mit

besten Noten abgeschlossen.

Tidiany, 1. Ausbildungsjahr

Altenpfl eger

Der in Mulhouse/Elsass geborene

Tidiany kam Ende der 1980er Jahre

vom Oberrhein nach Berlin. Seine

familiären Wurzeln liegen im westafrikanischen

Mali. Der 33-jährige

Vater von zwei Söhnen (7 Jahre; 6

Monate) ist gelernter Sporterzieher

und Pfl egehelfer. Bevor er seine

Ausbildung zum Altenpfl eger im

Sophienhaus Bethanien in Steglitz

begann, absolvierte er ein Praktikum

im St. Elisabeth-Stift in Pankow.

Claudia, 1. Ausbildungsjahr

Restauranfachfrau

Caudia stammt aus einem kleinen

Dorf im Erzgebirge. Mit vierzehn

sah sie eine Dokumentation über

Hotels in Dubai. Danach war klar:

„Ich will später mal ins Hotelfach.“

Obwohl ihr die heimische Tourismusbranche

viele Möglichkeiten

geboten hätte, zog es sie nach dem

Abitur nach Berlin. Seit November

2009 lernt die 21-Jährige nun in

Steglitz Gäste zu bedienen, Tische

einzudecken und vieles mehr.

Mike, 2. Ausbildungsjahr | Koch

Auf seine ersten hundert Bewerbungen

um eine Ausbildung zum Koch,

darunter beim Hotel Vier Jahreszeiten

in München, erhielt der damals

17-jährige Berliner nur Absagen. Um

nicht zu Hause rumzuhängen, suchte

er sich Jobs. Der heute 23-Jährige

arbeitete schon als Bäckerhelfer in

Spanien und als Spüler am Ku’damm.

Dort hörte er von der Bethanien Diakonie,

bewarb sich erneut und erlernt

jetzt endlich seinen Traumberuf.

01/2010 EINBLICK BETHANIEN DIAKONIE | 13


Bethanien Diakonie

14 | EINBLICK BETHANIEN DIAKONIE 01/2010

Weihnachtsaktion 2009

Die Aktion „Muffins für einen

guten Zweck“ erbrachte 3000 Euro

zugunsten des Vereins Gegen Kinderarmut,

der damit das SADAKO-

Ensemble unterstützt. Der Chor

bedankte sich am 19. Dezember

2009 im Sophienhaus mit einem

bunten Lieder-Potpourri. Mit den

Kindern freuten sich Chorleiter

Michael Letz (r.) und seine Frau (3.

v. r.) sowie Gaby Mohr (2. v. r.) und

Frank Freiherr von Coburg (l.) vom

Verein gegen Kinderarmut.

Zahnarztstühle

Auf Vermittlung des Vereins Lebensherbst

bekam die Bethanien Diakonie

drei gebrauchte Zahnbehandlungseinheiten.

Gespendet wurde die

Ausstattung von dem Zahnarzt

Philipp Hanf aus Hankensbüttel,

Kreis Gifhorn. Am 18. Januar 2010

wurden die Geräte im Sophienhaus

Bethanien, im Bethesda Seniorenzentrum

und im Bethanien Havelgarten

angeliefert. Nun können in

allen drei Häusern eigene zahnärztliche

Konsultations- und Behandlungsräume

eingerichtet werden.

Vortragsreihe 2010

Mit insgesamt 25 Vorträgen führt

die Bethanien Diakonie ihre im vergangenen

Jahr begonnene Informationsreihe

2010 weiter. Den Anfang

machte Dietmar Kruschel vom BeSIZ.

Der Sozialarbeiter und Diakon sprach

am 20. Januar vor 30 Zuhörern im

Havelgarten über das Thema „Was

leistet die Pflegeversicherung?“ Ihm

schloss sich am 27. Januar in Steglitz

in der Seniorentagesstätte Bethanien

Dr. Ingrid Nowotny vom MDK mit

einem Vortrag über die „Feststellung

der Pflegebedürftigkeit“ an.


Seelsorge

Pastorin Fahnert: Ich bin für die Lebenden da

Pastorin Birigt Fahnert hat viel Zeit für die Bewohner des Havelgartens.

Birgit Fahnert ist seit Anfang September

2008 Seelsorgerin im Havelgarten,

verbringt hier drei Tage in der

Woche, läuft über die Wohnbereiche,

schaut, ob es Auffälligkeiten gibt,

feiert jeden Donnerstag Gottesdienst

in der Kapelle und einmal

monatlich mit demenzkranken Bewohnern

auf ihrem Wohnbereich.

„Wir sitzen dann in Reihen wie in der

Kirche, ich decke den Tisch, stelle

eine Kerze auf und viele wundern

sich, was nun geschieht.“ Dann zieht

Birgit Fahnert ihren weißen Talar

mit der Regenbogenstola an. „Und

plötzlich sagt eine Bewohnerin: Ach

Kürche macht ’se. Deswegen trage ich

hier im Haus immer die Kutte.“

In der Residenz lädt Birgit Fahnert

zu Gesprächskreisen ein. „Anfangs

waren wir nur zu zweit, inzwischen

kommen durchschnittlich vier Residenzbewohner.

Ich habe mich schon

gefragt, ob ich das aufgeben soll“,

berichtet die Pastorin. Doch die,

die kommen, schätzen diese Treffen

sehr. „Es herrscht ein reger Austausch.

Wir führen in erster Linie,

man kann sagen, Lebensgespräche.“

Solche Gespräche auch mit Mitarbeitern

zu führen und zu fragen

„Was fang’ ich mit dem Sterben

an?“, ist das Ziel einer Fortbildung,

Worte der Hoffnung

Hinterm Horizont geht’s weiter...

alles geht weiter, die Trauer und

der Schmerz, die Hilflosigkeit

und die Zuversicht, der Tod und

das Leben. Aber das Wichtigste

ist die Freude am Leben mit der

Hoffnung, Zuversicht und Liebe.

Wenn die Liebe zum Ziel wird,

zum Schlüssel des Lebens, werden

Trauer und Schmerz vergehen,

werden Hilflosigkeit und Tod,

nicht bedeutungslos, aber leichter

zu ertragen, denn die Liebe lässt

die Freude leben.

die die Pastorin in diesem Jahr

erstmals anbietet. „Damit es den

Bewohnern beim Sterben gut geht,

muss man die Mitarbeiter schulen“,

sagt Fahnert. „ Wir werden sehr

existentiell und persönlich an das

Thema herangehen, kein Vortrag,

mehr Gesprächsforum.“

Birgit Fahnert macht die seelsorgerische

Arbeit viel Freude, sie fühlt

sich hier weniger fremdbestimmt als

in der Gemeindearbeit: „Ich habe

mich selten an so einem guten Platz

gefühlt. Das ist ein großes Geschenk,

wenn man sagen kann, dass man am

richtigen Platz ist!“ Die Reaktionen

von außen bestätigen sie. Viele kommen

in den Gottesdienst, manche

nur, um sie zu sehen. Auch Angehörige

suchen den Kontakt zu ihr, oft,

um über die eigenen Schuldgefühle

zu sprechen. Auch dafür hat die

Pastorin stets ein offenes Ohr und

spendet immer wieder Trost.

Und wenn die Sehnsucht

größer wird, dann möchte ich

an einem Ort leben,

an dem meine Verzagtheit und

Unsicherheit ihren Platz haben.

Einen Ort wünsche ich mir,

der mich geborgen hält,

ohne mich festzuhalten,

an dem ich ausruhen und

Kräfte sammeln kann

für das letzte Wegstück.

Margarete Heitkönig-Wilp

01/2010 EINBLICK BETHANIEN DIAKONIE | 15


Termine und Kontakte

Veranstaltungshinweise

VORTRÄGE

immer mittwochs, 17.30 – 19.00 Uhr

Kosten je Termin: 2,50 EUR | ermäßigt

Wir bitten um vorherige telefonische

Anmeldung beim jeweiligen Haus

(Tel. Nr. siehe rechts).

Auffälliges Verhalten von

Menschen mit Demenz

28.04. Bethesda Seniorenzentrum

Was leistet die Pfl egeversicherung?

21.04. Seniorentagesstätte Bethanien

Früherkennung Demenz

21.04. Bethanien Havelgarten

Unterhaltsverpfl ichtung für

pfl egebedürftige Eltern

19.05. Bethanien Havelgarten

Die Welt aus der Sicht von

Menschen mit Demenz

19.05. Seniorentagesstätte Bethanien

23.06. Bethesda Seniorenzentrum

Beschäftigungsangebote für

Menschen mit Demenz

16.06. Seniorentagesstätte Bethanien

Wenn Angehörige zu Hause pfl egen

16.06. Bethanien Havelgarten

Änderungen vorbehalten! Stand: 20.01.2010.

PFLANZFEST

06.05. Sophienhaus | Sophiengarten

JAZZBRUNCH

13.06. Sophienhaus | Sophiengarten

04.07. Havelgarten

KINDER MALEN FÜR EIN LÄCHELN

19.06. Bethesda Seniorenzentrum

FUSSBALLPARTY

zum Start einer Spielplatzpatenschaft

02.06. Spandauer Burgwall

Änderungen vorbehalten!

IMPRESSUM

BETREUTES WOHNEN

Residenz Sophiengarten

Paulsenstr. 4-6, 12163 Berlin

Residenzleitung: Ruth Willecke

Tel. (030) 820 98-0

sophiengarten@bethanien-diakonie.de

Residenz Havelgarten

Spandauer Burgwall 27/29, 13581 Berlin

Residenzleitung: Katrin Maitra

Tel. (030) 31 98 10-500

residenz-havelgarten@

bethanien-diakonie.de

TAGESPFLEGE

Seniorentagesstätte Bethanien

Paulsenstr. 5-6, 12163 Berlin

Pfl egedienstleitung: Andrea Diegel

Tel. (030) 89 79 12-38

seniorentagesstätte@

bethanien-diakonie.de

Tabea Tagespfl ege

Böckhstr. 22/23, 10967 Berlin

Pfl egedienstleitung: Manuela Marquardt

Tel. (030) 69 81 87 44

tabea@bethanien-diakonie.de

AMBULANTE PFLEGE

Diakonie-Station Charlottenburg

diakonie-station-charlottenburg@

bethanien-diakonie.de

Nord: Heckerdamm 226, 13627 Berlin

Pfl egedienstleitung: Kyra Rusch

Tel. (030) 38 39 67-0

Westend: Frankenallee 13, 14052 Berlin

Pfl egedienstleitung:

Theresia Frei-Pöhlchen

Tel. (030) 305 20 09

Süd: Leibnizstr. 79, 10625 Berlin

Pfl egedienstleitung:

Dorothea Sohn-Kuhblank

Tel. (030) 31 59 75-0

EINBLICK wird herausgegeben von der Bethanien-Diakonie gemeinnützige GmbH, Paulsenstraße 5-6,

12163 Berlin; V.i.S.d.P.: Alexander Dettmann; Redaktion: Andreas Wolff, wolff@bethanien-diakonie.de;

Texte (wenn namentlich nicht weiter gekennzeichnet): Nicola v. Amsberg, Michael Bolz (†);

So erreichen Sie uns:

Fotos: Marcus v. Amsberg, Philipp Hanf, Jeanette Kiburg, Miriam Lindthaler, Sandra Müller, Andreas Wolff.

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Diakonie-Station

Wilmersdorf – Bethanien

Bundesallee 38, 10717 Berlin

Ansprechpartnerin: Annette Schmidt

Tel. (030) 86 09 97-12

diakoniestation@bethanien-diakonie.de

VOLLSTATIONÄRE PFLEGE

Bethanien Havelgarten

Spandauer Burgwall 29, 13581 Berlin

Hausleitung: Erika Kühn

Tel. (030) 35 53 08-400

havelgarten@bethanien-diakonie.de

Bethesda Seniorenzentrum

(auch: Senioren-Wohnungen)

Dieffenbachstr. 40, 10967 Berlin

Hausleitung: Viola Kleßmann

Tel. (030) 69 00 02-0

bethesda@bethanien-diakonie.de

Sophienhaus Bethanien

Paulsenstr. 5-6, 12163 Berlin

Hausleitung: Burkhard Bachnick

Tel. (030) 89 79 12-0

sophienhaus@bethanien-diakonie.de

PFLEGE CHRONISCH PSYCHISCH

KRANKER MENSCHEN

Bethanien Haus Radeland

Radelandstr. 199-203, 13589 Berlin

Hausleitung: Heiko Weimer

Tel. (030) 37 03-0

radeland@bethanien-diakonie.de

Bethanien Haus am Havelstrand

Rohrweihstr. 15, 13505 Berlin

Hausleitung: Christina von Hinrichs

Tel. (030) 43 55 78 61

havelstrand@bethanien-diakonie.de

WEITERE INFORMATIONEN

UND BERICHTE

www.bethanien-diakonie.de

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