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2Quer gedacht mit Annelie KeilAufgabeLeben ist Aufgabe. Uns ist „aufgegeben“, aus dem Geschenk der nacktenGeburt das eigene Leben zu entwickeln. Aus dem geheimnisvollenAnfang gilt es etwas zu machen! Leben ist keine Rechenaufgabe, weil esunvorhersagbar, unberechenbar und voller Geheimnisse ist. Wirkommen ungefragt zur Welt, wissen nicht, was uns erwartet und wie vielZeit wir haben. Leben hat nichts versprochen, aber hält viel, wenn wirdie Gestaltungsaufgabe annehmen. Die Herausforderung des Lebensbesteht darin, Einzelaufgaben zu meistern. Kindheit und Jugend,Schulzeit, Berufsausbildung, Berufstätigkeit, Partnerschaft, Familie undFreundschaften, gesellschaftliches und kulturelle Leben, Älterwerden,Sterben und Tod sind die spezifischen Aufgaben, die für jeden von unsbiografisch mit den Lebensphasen verbunden sind. Wie wird und bleibtman ein neugieriger, liebender oder mitfühlender Mensch? Wie gehenwir mit Krisen, Enttäuschungen und Irrtümern um? Welche Aufgabenstellen sich in unseren Partnerschaftsbeziehungen oder denen zu Eltern,Kindern oder Freunden? Welche Kreativität verlangt die eigeneGesundheit, das Glück oder das gemeinschaftliche Wohlbefinden? Wiegehen wir mit Krankheit um? In welchen Gefühlslandschaften bewegenwir uns? Leben konkretisiert sich in erfüllten Aufgaben. Manche werdenzur Routine wie die Strukturierung des Alltags, die Zeiteinteilung, dasEinkaufen. Andere verlangen Phantasie und Flexibilität wie dieBewältigung einer Arbeitslosigkeit. Wieder andere verdrängen wir.Auferlegte wie selbst gestellte Aufgaben können über- oder unterfordern,Befriedigung oder Unzufriedenheit erzeugen. Wer keine Aufgabenbekommt oder sich selbst keine mehr stellt, ist gesundheitlich gefährdet.Die Balance zwischen Tun und Lassen zu finden, ist eine der großenGesundheitsaufgaben. Die Mischung aus Entwertung, Hilflosigkeit,Langeweile und Unentschiedenheit führt viele Menschen in dieDepression und versperrt ihnen den Zugang zu ihren konkretenLebensaufgaben.


3Quer gedacht mit Annelie KeilKriseJede tiefe Krise ist Gleichgewichtsverlust und Veränderungsangebotzugleich.Ein Schatten fällt auf das Bisherige. Nur wenige Krisen sind leicht zumanagen und oder mit einigen Tricks vom Tisch. Das gilt besonders fürLebenskrisen wie schwere Krankheiten und große Verluste, aber auchfür politische oder wirtschaftliche Krisen, die an die Wurzeln gehen.Hier geht es um die Suche nach Ursachen, die Bedeutung und dieBereitschaft zu Veränderung. Krisen erschüttern eine bisherige Ordnung,führen zu Orientierungsverlust und Verunsicherung und verführenMenschen dazu, sich an das Bisherige zu klammern, auszuweichen oderzu kitten, was eigentlich schon zerbrochen ist. Krisen kommen seltenüberraschend. Sie kündigen sich an wie das Wasser, das durch kleineBlasen den kritischen Zustand einleitet, der zum Kochen führt. Nichtimmer folgt einem kritischen Zustand eine Krise. Kinder durchlaufenunerkannte Krankheiten. Die Kurzarbeit soll die Krise derArbeitslosigkeit abfangen. Kurzfristig genießen Betroffene den„kritischen Zustand“, weil mehr Zeit für Kinder, Eltern und privateArbeiten bleibt. Aber schnell stellt sich die Angst um den Arbeitsplatzein, Misstrauen, Ärger und Ohnmachtsgefühl übernehmen das„Krisenmanagement“ und oft gelingt es den Betroffenen dann nichtmehr, sich ein realistisches Bild von der Krise zu machen. Zur Chancewird eine Krise nur dann, wenn ihre Ursachen begriffen, dienotwendigen Schlussfolgerungen gezogen und erforderlicheUnterstützungsmöglichkeiten gesucht und gefunden werden. Krisen sindStrukturprinzipien allen Lebens. Ohne Widerstand und Wandel wäremenschliche Existenz nicht möglich. Existenzkrisen sind EntwicklungsundReinigungskrisen, die durch uns hindurch fegen, klar Schiff machenund auch Ecken nicht auslassen. Sie fordern den Menschen auf, zuprüfen, wie er in eine schwierige Situation hineingeraten ist, wie es sichdort anfühlt und auf welchem Wege er wieder aus der Krise kommt,unter der er leidet.


4Quer gedacht mit Annelie KeilLohnLohn ist mehr als das Geld, das wir im Austausch für eineArbeitsleistung bekommen. Wenn ein Umweg, große Mühe oder Geduld„gelohnt“ haben, beschreiben wir einen anderen Gewinn. Ein Kind, dasmit einem Bonbon oder einem Spielzeug für „Liebsein“, gute Schulnotenoder spezifische Verhaltensweisen belohnt wird, ahnt, wie die familiärenund gesellschaftlichen Belohnungssysteme aussehen können. Lohn undBelohnungen richten sich auf eine Art Ausgleich, berechnen nicht Lustund Frust, wollen „gerecht“ sein und entscheiden darüber, welchen Werteine Arbeit, das Verhalten und die Anpassungsleistung eines Menschenfür die Umwelt haben, in der sie erbracht werden. So entsteht„Normalität“. Geld, ein freier Tag, eine Kiste Wein zumFirmenjubiläum, ein gutes Zeugnis, ein Empfehlungsschreiben nach derKündigung, eine Beförderung, eine Abfindung gehören zu den sicht- undmessbaren Leistungen in den verschiedenartigen Belohnungssystemen.Auf manchen, vor allem den ökonomischen Arbeits- Lohn oder denUrlaub gibt es einen Anspruch. Andere Belohnungsarten sind eher eineArt „Zubrot“. Dazu gehören vor allem Anerkennung, Lob, würdevollerUmgang miteinander. Ohne diese Art von Lohn können Kinder undüberhaupt Menschen nicht wachsen, zur Arbeit motiviert oder zumLeben ermutigt werden. Wenn wir sagen, dass sich eine Arbeit, eineDurststrecke, ein Zeitaufwand, das Vertrauen in einen Menschen oderdas bisherige Leben sich trotz aller Krisen und schwerer Aufgaben„gelohnt“ haben, dann sprechen wir von einem Gewinn, der weit überdas Geld hinausgeht. Es geht dann um die Erfahrung von„Selbstwirksamkeit“, wie die Hirnforschung den persönlichen Erfolgnennt, um die Erfahrung, dass wir mit unserem Tun und LassenWirkungen auslösen können. Leistung, Vertrauen zu sich selbst undAnerkennung durch Andere müssen zusammenkommen, um ein Gefühlvon Zufriedenheit auszulösen. Als Grundlage gesundheitlichenWohlbefindens zeigt sich diese Zufriedenheit im Genießen und Formender Selbstbelohnung

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