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Information Information Nr. 341Die Schreibtafelnvon PersepolisK. H. Rechinger unddie Erforschung deri r a n i s c h e nPflanzenwelt Der Islam gegen dieGewaltIRAN IN DER ZEIT DERCHORESMIERMONGOLENUNDNr. 34 Junl 2008


2 Nr. 34Information


4....... Editorial5....... NachrichtenIranistik8 ........ Die Schreibtafeln von Persepolis11......Karl Heinz Rechinger und dieErforschung der Iranischen PflanzenweltTourismus16..... Teheran bis zum 19. JahrhundertDialog der Zivilisationen23 .... Zusammenfassung der Veranstaltung"Endzeiterwartungen im Christentum und imIslam"27.....Der Islam gegen die Gewalt; AjatollahReza RamezaniGeschichte30....... Die Geschichte Irans in der Zeit derChoresmier und MongolenHinweis: Im Text kommen nach den Namen heiliger Personen folgende Abkürzungen inKlammern vor: „s. a. s.“, das bedeutet „Friede sei mit ihm und seinen Nachkommen“, und„a. s.“, das bedeutet „Friede sei mit ihm“.„H. q.“ nach Jahreszahlen kennzeichnet Angaben nach dem islamischen Mondkalender.Umschlagsvorderseite: Bagh-Melli Stadttor in TeheranUmschlagsinnenseite: Innenansicht Schah Abd-el-‘asim MausoleumHintere Umschlagsinnenseite: Imamsadeh Yahya, Imamsadeh Dawud und ImamsadehHamseh im Schah Abd-el-‘asim KomplexHintere Umschlagsseite: Dena (4409m), höchster Gipfel des ZagrosgebirgesZeitschrift für Kultur, Kunst und GeschichteHeft 34, 17. Jahrgang, Juni 2008Herausgeber:Redaktion:Kulturabteilung der Botschaft der Islamischen Republik Iran in ÖsterreichMohammad Keiarishi, Hassan Djavaher, Ali Mohammadi undMitarbeiterRedaktionsanschrift: Schottenfeldgasse 8, 1070 WienTel.: 523 12 44Fax: 523 12 44/35eMail:vienna@icro.irHomepage: http://vienna.icro.irAbonnement: Die Zeitschrift wird Interessenten kostenlos zugeschickt.Alle Rechte vorbehalten.Namentlich gezeichnete Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen. Information Nr. 343


Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen!Liebe Leserinnen und Leser!Wir freuen uns Sie mit der neuen Nummer der Iran Information begrüßen zu dürfen. Der Mensch ist eingeschichtliches Wesen und die Geschichte besteht aus Entwicklungen, die in jedem Moment im Denkenund Leben der Menschheit vor sich gehen. Aber die heutige Zeit unterscheidet sich stark von der Vergangenheitund die Veränderungen in dieser großen Welt sind schneller und tiefergehend. Die neue Ordnung und dieneuen Kommunikationsmittel, die entstanden sind, haben in weniger als zwei Jahrzehnten das Aussehen derWelt außergewöhnlich verändert.Diese Veränderungen haben dazu geführt, dass die verschiedenen Regionen mit einer unterschiedlichenReligion, Kultur und Gesellschaft durch die neue Technologie in einer näheren Beziehung zueinander stehen.Das Schicksal der Nationen und Völker, ob wir wollen oder nicht, ist miteinander verknüpft. Diese Veränderungenhaben die Menschheit in einen neuen Zustand, die sogenannte Globalisierung, versetzt.Obwohl es noch keine gemeinsame und klare Definition dieser Erscheinung gibt, können wir nicht leugnen,dass wir mit einer neuen Situation konfrontiert sind, der wir nicht ausweichen können. In dieser neuenNachbarschaftsbeziehung zwischen Religionen, Kulturen, Zivilisationen und mit den neuen technischenMöglichkeiten ist die menschliche Gesellschaft vor schwierige Entscheidungen gestellt. Einerseits kann dasLeben der Menschen voll von Freundschaft, Barmherzigkeit und Frieden sein, aber es kann auch Kriegherrschen, dessen schlimme Auswirkungen wir in der Vergangenheit sahen, und der heute sogar nochzerstörerischer sein wird. Wenn wir Frieden, Entwicklung, Gerechtigkeit und Freiheit für alle Menschenwollen, müssen Mitgefühl, Verständnis und Dialog die Basis für die Beziehung unter ihnen sein.Ein weiterer wichtiger Bereich, der beachtet werden muss, ist die Gerechtigkeit im sozialen und wirtschaftlichenBereich. Gerechtigkeit ist das wichtigste Thema für das Gespräch der abrahamitischen Religionen undvieler großer Denker der Menschheitsgeschichte. Wenn Hunger und Armut noch große Probleme dermenschlichen Gesellschaft sind, wenn Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, in Flüchtlingslagernleben und sterben, wenn verdorbene Diktatoren herrschen, die von den Mächten unterstützt werden, dievorgeben Freiheit und Demokratie zu verbreiten, ist es dann erstaunlich, wenn Zorn und Gewalt in der Weltregieren?Der Islam und das Christentum sind zwei wichtige religiöse Weltkulturen, die zwei Zivilisationen begründethaben und viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Aus diesem Grund und gestützt auf die religiösen Grundlagen,kann der Dialog dieser beiden Religionen sehr nützlich sein. Einerseits glauben beide an einen Gott, der dieQuelle der ganzen Schöpfung ist. Außerdem haben beide ähnlich Wege zum Erreichen Gottes, d. h. dieVerwendung von Mitteln wie Wahrheit, Gerechtigkeit, dem Guten und der Liebe. Drittens haben beide dasErbe eine abrahamitische Religion zu sein. Schließlich bringen beide Jesus und seiner Mutter Maria einenbesonderen Respekt entgegen. Diese und viele weitere Punkte sind Themen, auf die gestützt, sich diebeiden großen Gemeinschaften Islam und Christentum annähern können.Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass die Erhöhung des Bildungsniveaus, mit der gleichzeitigen Betonungder Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit, sich positiv auf den Dialog auswirken können. Wenn heute vom Dialog derReligionen, Kulturen und Zivilisationen gesprochen wird, meint man damit, dass die Sprache der Gewalttätigkeitund des Zorns durch die der Liebe, des gegenseitigen Verständnisses und der Weisheit ersetzt wird. DerDialog ist ein Instrument und der Weg dafür ist die Liebe und Vernunft.4 Nr. 34Muhammad Keiarishi, KulturattacheeInformation


Iranischer Architekt beaufsichtigt in Abu Dhabi den Bau einer Stadt, die ohne fossile EnergieauskommtDie Vereinigten Arabischen Emirate werden in den nächsten zehn Jahren unter der Aufsicht eines iranischenProfessors eine Stadt für 50 000 Einwohner errichten, in der weder Öl noch andere umweltverschmutzendeEnergien verwendet werden. Nader Ardalan, Professor für Architektur an der Harvard Universität, hat 40Jahre Erfahrung als Consultant in diesem Bereich und bereits zahlreiche Architekturpreise gewonnen. Ersagt, dass die Menschen der erdölproduzierenden Länder durch derartige Bemühungen versuchen, nichtmehr als „Beduinen“ gesehen zu werden sondern als bewusst und gebildet. In dieser Stadt werden westlicheFirmen investieren und wohl auch hohe Gewinne haben. Sie soll „Masdar City“ heißen und ein Versuchsfeldfür die weitere Verbesserung der Technologien sein. Obwohl es in den Emiraten geschätzte 10% derweltweiten Erdölreserven gibt, möchte man sich für die Zukunft lieber auf Wind- und Sonnenenergie verlassen.Khaled Oud, der Bauleiter der Stadt, sagte, dass die Vorbereitungsarbeiten 4 Milliarden Dollar kosten, diebereits bewilligt wurden, und danach für die Errichtung weitere 18 Milliarden Dollar benötigt werden.Gemeinschaftsprojekt von europäischen und iranischen Archäologen: „50 000 Jahre Besiedlungder Südküste des Kaspischen Meers“Das Gebiet, in dem dieses Forschungsprojekt durchgeführt wird, liegt in vier iranischen Provinzen: Masanderan,Gilan, Golestan und Semnan. Bei diesem Projekt werden archäologische Funde der Flora, Fauna und derMenschen in der Stein- und Bronzezeit bis zum ersten Jahrtausend vor Christus untersucht. Dazu sollenauch Forscher von den Universitäten Warschau und München in den Iran kommen. Im Iran unterstützenverschiedene Organisationen dieses Projekt, z. B. die Organisation für das Kulturerbe, der iranischeTourismusverband und die Organisation für Kunsthandwerk.Silberner Bär für den besten Darsteller der 58. Berlinale an Reza NajieDer Film „Avaze Gonjeshk-ha - The Song of Sparrows“ von Majid Majidi war einer von 21. Filmen, die imWettbewerbsteil der diesjährigen Berlinale teilnahmen. Schließlich erhielt der Iraner Reza Najie dieAuszeichnung als bester Darsteller. In seiner Dankesrede sagte er gerührt: „Ich möchte mich bei den Berlinernbedanken, die die Kunst schätzen, und widme diesen Preis meinem Land, das ich liebe.“Im Film spielt Najie einen Arbeiter auf einer Straußenfarm. Als eines der Tiere entkommt, wird er gekündigt.Um seine Kinder vor der Arbeit zu bewahren, versucht er in der Stadt Teheran sein Glück, was ihn aber inviele Schwierigkeiten bringt.Film über Kyros den Großen in Großbritannien geplantMit einem Budget von 80 Millionen Dollar soll in den nächsten Monaten die Produktion eines der teuerstenFilme in der Geschichte Großbritanniens über den berühmten Achämenidenherrscher vom internationalerfolgreichen Regisseur Alex Jovi begonnen werden und ungefähr drei Jahre dauern. Da Kyros als derBegründer der Menschenrechte angesehen wird, möchte Jovi die damaligen geschichtlichen Ereignisse Information Nr. 345


darstellen. In diesem Film sollen die Lebensweise von Kyros, sein Verhalten zu anderen, seineLiebesbeziehungen, seine Erfolge und seine Kriege gezeigt werden. Dazu wurden zahlreicheGeschichtsexperten zu Rate gezogen. Jovi gibt auch ein Buch zu diesem Thema heraus.Eine Iranerin gewann den Preis für die beste Erfindung einer Frau der WIPO-OrganisationDie zwei Ehrendiplome der World Intellectual Property Organization (InternationaleOrganisation für geistiges Eigentumsrecht) bei den internationalen Erfinderausstellungenin Genf wurden Frau Maryam Eslami, einer iranische Medizinstudentin von der freienislamischen Universität in Shiraz, und Hr. Wan Tarmeze aus Malaysia für die besteErfindung aus einem Entwicklungsland verliehen. Der Iranerin gelang es einmedizinisches Gerät zu erfinden, das in der Knochenchirurgie und bei der Heilungverschiedener Knochenkrankheiten verwendet wird. Dieses Gerät kann ohneNebenwirkungen bei der Behandlung von Missbildungen und der Verlängerung vonKnochen, sowie der Heilung von Knochentumoren verwendet werden. Der Preis von2000 $ und das Ehrendiplom 2008 für die beste Erfindung der WIPO wurden bei den 36. Erfinderwettbewerbenin Genf verliehen, die eine Gelegenheit für junge Erfinder aus der ganzen Welt sind, ihre Werke zu präsentieren,um Investoren zu finden.Der Wiederaufbau eines Teils von Bam mit neuer Technologie von der TU DresdenBauingenieure und Architekten aus Dresden sollen mit neuer Technologie zum Wiederaufbau der historischenZitadelle Arge Bam beitragen. Nach Abschluss der Vorbereitungen soll das Projekt zur Wiedererrichtungeiniger Bauten fünf Jahre dauern. Die Arge Bam ist der größte Lehmbau der Welt und wurde durch dasErdbeben 2003 zu 80% zerstört. Prof. Wolfram Jäger, Professor für Tragwerksplanung von der TU Dresdenund einer der Projektleiter, sagte, dass seine Gruppe zwei Vorschläge präsentiert hätte: Die Produktionbestimmter Ziegeln, die mit Fasern von Dattelbäumen durchzogen werden, und die Sicherung noch erhaltenerMauern mit Ankern und Nadeln, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber Erdbeben zu erhöhen. Die deutschenExperten zeigten durch Labortests, dass die Verwendung dieser Materialien die Gebäude gegenüber Erdbebenbis zu einer Stärke von 7,6 auf der Richterskala schützt.Bedauerlicherweise gibt es keinen genauen Plan des Arge Bam-Komplexes. Prof. Jäger sagte weiter, dasses Pläne von den Renovierungen in den Siebziger- und Neunzigerjahren gibt. Ein kleiner Teil der Zitadellesoll als Erinnerung an das Beben im zerstörten Zustand belassen werden. Bereits seit Juni 2007 wird einwichtiges Gebäude der Arge Bam, das Sistanihaus, durch Dresdner Architekten und Ingenieure wiederaufgebaut. Dabei werden die Mauern zusätzlich mit Glasfaserstäben bewehrt.Der Lehmziegelbau von Bam wurde 2004 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und wird derzeit mitMitteln der UNESCO, des Irans und anderer Länder wiedererrichtet.Persepolis soll auf europäischen Standard gebracht werdenZwei österreichische Firmen, SPURWIEN und Lighting Design Austria Lichttechnische Planung, gewanneneinen internationalen Wettbewerb zur Verbesserung des Standards der Besuchereinrichtungen von Persepolis.Das Projekt umfasst die Sicherheitsausstattung des Komplexes, die Errichtung eines Konferenz- und einesKinosaales, eines VIP-Bereichs, die Ausstattung mit Licht- und Tonanlagen, Informationsboxen und einenBusbahnhof. Dadurch sollen 300 Arbeitsplätze geschaffen werden, die Umbauten sollen vier bis fünf Jahredauern. Das Ziel dabei ist es die jährliche Besucherzahl von 300 000 auf 1,5 Millionen zu erhöhen.6 Nr. 34Information


6. Europäische Iranistikkonferenz, ECIS 6, in WienDieses Treffen wurde am 19. September 2007 an derAkademie der Wissenschaften eröffnet. Der Veranstalterwar das Institut für Iranistik. An dieser Konferenznahmen ungefähr 300 Iranisten aus aller Welt besondersaus Europa teil. Die europäische Iranistikvereinigung(Societas Iranologica Europaea) wurde im Jahre 1983gegründet. Sie ist eine unpolitische Nonprofit-Organisation, deren Konferenzen alle vier Jahre in einemeuropäischen Land stattfinden. Das Ziel dabei ist derMeinungsaustausch unter den Experten. Die ersteKonferenz fand im Jahre 1987 in Turin statt und danachwurden weitere in Bamberg, Cambrigde, Paris undRavenna durchgeführt. Die Iranisten erforschen die alteund neue Geschichte, die Philosophie, Literatur,Geographie, Kunst, Architektur, Soziologie, Religion und Humanwissenschaften im Iran. Bei der Konferenzin Wien wurden in sechs Sälen an vier Tagen insgesamt ungefähr 260 Vorträge gehalten. Auch aus dem Iranwaren Forscher gekommen und allein aus Italien waren ungefähr 30 Wissenschaftler angereist. DieKonferenzsprache war Englisch und es wurde auch eine Ausstellung von Büchern in 200 Kategorienpräsentiert. Die Themen der einzelnen Sitzungen waren in folgende Bereiche eingeteilt: Religion, IranischePhilologie, Kunst und Archäologie, Geschichte, Persische Literatur und kulturelle Studien.Bei der Eröffnung sprachen Prof. Herbert Matis, der Vizepräsident der Österreichischen Akademie derWissenschaften, und danach Prof. Gherardo Gnoli ausItalien, der in Europa als „Vater der Iranistik“ gilt. Er sagtein seiner Ansprache, dass, wenn man vom Iran spreche,der historische „Großiran“ (umfasste Kaukasien,Ostanatolien, den Nord- und Ostirak, Teile vonZentralasien, Afghanistan und Teile von Indien; Anm.)gemeint sei, der mit seiner reichen Kultur und Literatur,die Araber, Türken und Mongolen beeinflusste und dieseKultur sei ein wesentlicher Anteil der Weltgeschichte, dernoch mehr untersucht und erforscht werden müsse. DerBeitrag des Irans sei nicht nur in der alten sondern auchin der modernen Kunst als bedeutend einzuschätzen. Dabeiseien die Zentren für Iranistik in Europa aktiv, um einenTeil dieser reichen Kultur der Welt zur Verfügung zustellen.Größte französische Kulturehrung für den Sänger Shahram NazeriDie Auszeichnung wurde in einer Festveranstaltung am 29. September im Theatre de la Ville verliehen. Siehat drei verschiedene Grade, deren höchster unter dem Namen Chevalier de la Legion d’honneur bekanntist. In einem Interview sagte der Sänger traditioneller iranischer Musik, dass er ausgewählt worden sei, weiler das Spektrum östlicher Kultur den Menschen im Westen vorstellen konnte. Als einen weiteren Grund fürdie Ehrung gab er an, dass er die Gedichte von Maulana mit traditioneller iranischer Musik gesungen habe.Er zeigte sich sehr erfreut über die Auszeichnung. Diese Ehrung war zuvor auch anderen Iranern zuteilgeworden wie der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und dem iranischen Regisseur Abbas Kiarostami. Information Nr. 347


DIE SCHREIBTAFELN VONPERSEPOLISReza Moradi Ghias Abadi, ein Forscher undArchäologe der Kultur des altertümlichenPersiens, führte Recherchen über die Inschriftenund Schreibtafeln von Persepolis durch, von denensich eine große Anzahl in der Universität Chicagobefindet. Er untersuchte zum Beispiel diesteinernen Schreibtafeln der achämenidischenKönige, die in Keilschrift auf den steinernenFassaden der Paläste und Gebäude von Persepolisaufgezeichnet wurden. Bei deren Übersetzungstößt man auch auf Sprachen wie Ilamisch undNeubabylonisch. Außerdem gibt es goldene undsilberne Schreibtafeln Dareios des Großen, die insteinernen Truhen an den Wänden des ThronsaalsApadana gefunden wurden. Darüber hinauswurden Inschriften auf Gewichten, Stempeln,Türgriffen, Schmelzziegeln und unterschiedlichenGefäßen gefunden. Schließlich gibt es eine großeZahl an gefälschten Inschriften, die in vielenMuseen der Welt ausgestellt sind und mit so großerProfessionalität hergestellt wurden, dass bisher dieFälschungen nicht alle herausgefunden werdenkonnten und sie sogar in den älteren Büchern undKatalogen als achämenidische Werke vorgestelltwerden.Eine andere Art von Inschriften, ungefährdreißigtausend Schreibtafeln aus Lehm, wurde beiden Ausgrabungen der Festungsmauern vonPersepolis und im Chasanepalast gefunden. DieSchreibtafeln wurden bei den Ausgrabungen in denJahren 1933 - 1934 und 1937 - 1938 geborgen.Die meisten von ihnen, die aus denFestungsmauern des nördlichen Teils von Chavarisind, wurden als „Festungs-Schrifttafeln“ mit derBezeichnung „PF“ und ein anderer Teil, diejenigendie im Chasanepalast im südlichen Chavari vonPersepolis gefunden wurden, als „Chasane-Schrifttafeln“ mit „PT“ gekennzeichnet. Dieursprüngliche Anzahl dieser Schrifttafeln war vielgrößer als die gefundenen. Aber da roheLehmtafeln benützt wurden und sie nicht für dieferne Zukunft vorgesehen waren, wurden sie mit8 Nr. 34der Zeit zerstört. Der Grund dafür, dass ein Teildieser Schrifttafeln bis heute erhalten blieb, ist eineerstaunliche Geschichte. Ungefähr 170 Jahre nachder Erzeugung der Schreibtafeln erfolgte derAngriff des Heeres Alexanders des Großen aufPersien im Jahre 330 v. Chr.. Nach der Plünderungwurden der Chasanepalast und derHundertsäulenfestsaal, welcher sich neben derChavari Festungsmauer befindet, in Brandgesteckt und die gewaltige Hitze verursachte, dassdie Schreibtafeln aus Lehm gebrannt wurden,wodurch sie robuster wurden und bis heuteerhalten blieben. Diese Schreibtafeln sindungefähr so groß wie eine Handfläche. Es wurdenmehrere Kopien angefertigt und an diezuständigen Archive der Behörden, die diesebenötigten, geschickt. Ein Exemplar wurde inPersepolis archiviert.Die Muster der Stempel dokumentieren die Kunstund die Vorstellungen der damaligen Zeit.Aufgrund dieser Schreibtafeln wurdeherausgefunden, dass Leder und pflanzlicheMaterialien zum Schreiben benutzt wurden, vondenen aber heute kein Exemplar erhalten ist. DieEntstehung der Schreibtafeln reicht zurück in dieJahre 509 - 494 v. Chr., d. h. in die Regierungsjahre13 - 28 des Königs Dareios des Großen. DieChasane-Schreibtafeln wurden in den Jahren 492- 458 v. Chr., d. h. vom 30. Regierungsjahr DareiosInformation


is zum 7. Regierungsjahr Ardeschirs I.geschrieben. Schrift und Sprache der meistenTafeln sind Ilamisch. Heute gibt es keineInformationen über den wahren Namen dieserSprache. Manche waren fälschlicherweise davonüberzeugt, dass diese aufgrund der ilamischenSchrift auf den Schreibtafeln zu der Zeit derilamischen Regierung gehörten. Vom Rest wurdenca. 500 auf Aramäisch, 80 auf Ilamisch mitaramäischer Übersetzung, drei aufNeubabylonisch, eine auf Griechisch und eineSchrifttafel in einer anderen Sprache geschrieben.Da an der Universität von Chicago dieRecherchen über Persepolis von einer Gruppe vonForschern unter der Leitung eines großenKulturwissenschaftlers stattfanden, wurdevereinbart, dass die Schreibtafeln für dieÜbersetzung und die Untersuchungen geborgtwurden. Die Universität gab nach einigen Jahrendie unleserlichen und stark beschädigten Stückedem Iran zurück und begann die Untersuchungderer, die in gutem Zustand und leserlich waren.Danach wurden weitere 300 Stück zurückgegebenund die Restlichen blieben seitdem bei derUniversität von Chicago.Die Untersuchung und Übersetzung derSchreibtafeln erfolgte durch den großenIranexperten und Fachmann für die antikenpersischen Sprachen, G. Cameron. Erveröffentlichte seine Ergebnisse über seineRecherchen in einem Buch namens „PersepolisTreasury Tablets“ im Jahre 1948 in Chicago.Dieses Buch wurde im Iran weder übersetzt nochveröffentlicht. Danach setzte ein andererFachmann, R. T. Hollock, die Arbeit mit 2000Schreibtafeln der Festungsmauer von Persepolisfort und veröffentlichte seine Recherchen undÜbersetzungen in dem Buch „PersepolisFortification Tablets“ im Jahre 1969 in Chicago.Außerdem hat er zahlreiche Dossiers aus diesemBereich verfasst. Im Jahre 1977 gab er dieÜbersetzung von weiteren 4500 Schreibtafelnbekannt, die aber nach seinem Tod wederfertiggestellt noch veröffentlicht wurde. Das Buchund die Dossiers wurden für die iranischeBevölkerung nie übersetzt, weshalb sie davon auchkeinen Nutzen ziehen konnte. In Wahrheit wurdedie unglaubliche Welt, die in diesen Schreibtafelnverborgen ist, die den Ursprung der Perserbeschreiben, mit fortgesetzter Unaufmerksamkeitihrerseits bedacht.Diese Schreibtafeln waren im Gegensatz zu denanderen des achämenidischen Persepolis für dieBeamten gedacht und nicht zum Lesen für dasVolk. In Wahrheit waren sie Dokumente desFinanzwesens der Angestellten von Persepolis undein administratives Archiv. Sie waren keineBerichte über staatliche und politischeGeschehnisse, sondern hinterließen uns nebenadministrativen und gerichtlichen Informationenauch viel Wissenswertes über das alltäglicheLeben der Menschen zur achämenidischen Zeit,worüber die Archäologen immer einen Mangelan Quellen und Dokumenten hatten.Allerdings wurden einige andere administrativeArchive aus der achämenidischen Zeit schonfrüher in Ägypten und Babylon gefunden.DerFund der Schreibtafeln von Persepolis bewirkteeine Revolution in der geschichtlichen undarchäologischen Erforschung der Achämeniden.Die Forscher sind damit zusätzlich zu denformellen Schreibtafeln und Werken dergriechischen Historiker an eine wertvolle undgroßartige Quelle der achämenidischenDokumente gelangt, die nicht für das Volkgeschrieben wurden und auch nicht das Zielhatten, als Werbematerial für die Berühmtheit desHerrschers oder als politische Botschaft für dasVolk zu dienen. Darüber hinaus konnte keinHistoriker oder Politiker - wie oft üblich - derengeschichtlichen Inhalt nach seinen Vorstellungenentstellt wiedergeben. Information Nr. 349


Der Inhalt der Schreibtafeln bewies, dass vieleAngaben des Historikers Herodot aus der Zeit desklassischen Griechenlands über Persien nichtrichtig waren. Sie zeigten auch, dass die Griechenbeim Bau von Persepolis nicht beteiligt waren. Vonden Schreibtafeln erhielt man viele Informationenüber das achämenidische Sonne-MondKalendersystem, sowie über Personennamen undOrtsbezeichnungen, wie Schiras und Neyris.Die Arbeiter von Persepolis, erfuhr man, warenkeine Sklaven, sondern freie Männer und Frauen,die aufgrund ihres Fachwissens und ihrergeleisteten Arbeit Löhne erhielten. Sie bekamennicht nur ein entsprechendes Gehalt sondern auchGeschenke und Belohnungen, wenn sie heirateten,ein Kind bekamen oder krank waren. Frauenarbeiteten in Persepolis ebenso wie Männer inverschiedenen Fachbereichen und imManagement. Die Jugendlichen wurden alsLehrlinge ausgebildet und die Kinder hielten sichwährend der Arbeitszeit der Eltern imKindergarten im Gebäude selbst auf. DieSchreibtafeln zeigen auch, dass dieFeinbearbeitung und Vollendung der großartigenSteinwerke von Persepolis das Resultat der Kunstund Geschicklichkeit der achämenidischen Frauenwar. Das administrative System von Persepoliswar sehr genau geordnet. Die Löhne und Beihilfenwurden dokumentiert und von den Beteiligtenunterzeichnet. Danach wurden die Tafelnarchiviert und je nach Bedarf Kopien in andereStädte und Provinzen gesandt. Niemand war ausdiesem System ausgenommen, denn sogar dieAusgaben des Königs und seiner Verwandtenwurden stets kontrolliert. Aus den Schreibtafelnerfährt man, dass es im achämenidischen Persienkeine Staatsreligion gab und auch keine derReligionen bevorzugt wurde. Aber trotzdemerhielten alle Glaubensgemeinschaften einestaatliche Unterstützung. Es herrschte10 Nr. 34Glaubensfreiheit und es gab finanzielle Beihilfenfür jede Art von Zeremonien.Diese Sammlungen von Schreibtafeln wurdenschon mehrere Male seit ihrer Entstehunggeplündert. Nachdem Alexander der Große denprachtvollsten Bau der damaligen Welt besetzte,konnte er die Erniedrigung und den Neidgegenüber der Größe und Pracht der persischenZivilisation nicht ertragen. Er war mit völligfalschen Ansichten nach Persepolis gekommen.Die Inhaber dieser Zivilisation hatte sein LehrerAristoteles nämlich als „einen Haufen männlicherund weiblicher Sklaven, über die zu regieren einRecht der Griechen ist“ bezeichnet.Die Plünderungen, Verbrennungen sowie dieErmordungen nach der Besetzung von Persepolisversuchten einige westlichen Historiker später mitder Trunkenheit Alexanders zu begründen, umdamit diese Schande zu vertuschen. Nach Curtiusplünderten Alexander und sein Heer als erstePersepolis. Sie rissen die wunderschönen Stoffein Stücke, damit jeder einen Teil rauben konnte.Sie zerschlugen die steinernen Statuen, damit sieeinen Teil davon besitzen konnten. Sie zerbrachendie prachtvollen Sessel, um sich die Teile ausElfenbein und kostbaren Edelsteinen anzueignenund alles, was sie nicht mitnehmen konnten,zerstörten sie. Danach warfen sie ihre Fackelnin Mitten der 873 Säulen von Persepolis undverbrannten somit das Gebäude, welches 190Jahre lang durch die Zusammenarbeit allerpersischen Landsleute und die Angehörigenanderer östlicher Völker erbaut worden war. Einegroße Anzahl an Dächern, gebaut aus Lotusholz,an Statuen, die so genau wie Diamantengeschliffen worden waren, sowie anSchreibtafeln, deren Inhalt von Frieden,Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Freundlichkeithandelte, verbrannte. Aber das, was übrig blieb,waren die gebrannten Schreibtafeln, die bis heuteerhalten sind.Übersetzung eines Artikels von HastiPoudforoush, Reporterin der iranischenOrganisation für das KulturerbeDie Bilder in diesem Artikel sind von derInternetseite der iranischen Cultural HeritageNews Agencyhttp://www.chnpress.com/Information


Karl Heinz Rechinger (1906- 1998) und die Erforschungder iranischen Pflanzenwelt Information Nr. 3411


Saffran, Estehban, FarsZur Feier der hundertjährigen Wiederkehr desGeburtstages von K.H.Rechinger wurde von denKollegen in der IslamischenRepublik Iran ein Festband zuseinen Ehren herausgegeben(2006, Rostaniha, Vol 7 Suppl. 2).Doch wer war dieser Botaniker,dem noch heute, mittlerweile 10Jahre nach seinem Tod, dieseehrenhafte Referenz erwiesenwird?Forschungsreisen,dabei gewissermaßender Tradition desNaturhistorischenMuseums folgend, indie Länder derBalkanhalbinsel und inden Nahen Osten. SeinZiel war und blieb auchspäter die Erforschungs c h l e c h tdokumentierter,b o t a n i s c h„vernachlässigter“Gebiete. Die erstegroße Reise führte zuden Ägäischen Inseln,wo es damals kaumnutzbare Infrastrukturgab. Heute fast unvorstellbar, mußten dieÜberfahrten zwischen den Inseln mit Ruder- undSegelbooten zurückgelegt werden – DampferAls Sohn eines Botanikers, KarlRechinger pat. (pater = Vater),Kustos am damaligenHofmuseum in Wien, geboren,war er von Geburt an mit derbotanischen Wissenschaft unddem naturhistorischen Museumverbunden – und sollte es bis zuseinem Lebensende bleiben –auch dann noch K.H. Rechingerfil. (filius = Sohn). Bereitswährend der Schulzeit verfaßteer erste wissenschaftlichebotanische Artikel, und baldunternahm er seine erstenVorige Seite: Sabalan und Schirvantal im Frühling12 Nr. 34Dionysia,Schirkuh, JasdInformation


Sternbergia elusiana, Miankotal, Farsoder Fähren gab es nicht. Bereits auf der erstenReise entstand die Idee für ein erstes Opusmagnum, die Flora Aegaea, die 1944 publiziertwurde.Rechinger war ein Sammler ganz in derhistorischen Tradition der Forschungsreisendenund Entdecker. Egal, wo er war, bei einemKongreß, auf Urlaub, oder auf Sammelreise, diedort wachsenden Pflanzen wurden gesammelt,gepreßt und getrocknet,etikettiert, und so weit möglichbestimmt. Insgesamt liegen imNaturhistorischen Museummehr als 100.000 vonRechinger gesammelteHerbarbelege, viele davon ausdamals entlegenen und nurunter großen Schwierigkeitenerreichbaren Gebieten. Mitden reichlich gesammelten undan andere Institutionenverteilten Dubletten hatRechinger im Laufe seinesLebens weit über 500.000Herbarbelege gesammelt.Der erste Kontakt zur Florades Iran erfolgte indirekt,durch einen Besuch von Dr.E. Gauba, damalsProfessor an der neugegründetenAgrikulturhochschulein Karaj, derRechinger in den Iraneinlud – die in guterWiener Tradition ineinem Kaffeehausgezündete Flammesollte nicht mehrverlöschen.Zusammen mit seiner(ersten) Frau, FridaRechinger wurde 1937diese erste Iranreisegestartet. Nach seinenErzählungen mit vielenHindernissen und (imNachhinein) amüsanten Erlebnissen: Problememit dem Zoll und mit Reise-Genehmigungen,Fahren auf Gebirgsstraßen mit kaputten Bremsenund einem dem Opium zugeneigten Fahrer, Verlustvon gesammeltem Material,Gesundheitsprobleme, Kamel- und Eselritte zuentlegenen Fundpunkten usw. Die Heimfahrterfolgte mit Bus und Sammeltaxi über Bagdad,Damaskus und Beirut und dann weiter mit demSchiff von Haifa. Ein Route, die auch damalsnicht ungefährlich war.Tulipa biebersteiniana, Dena, Kohgiluje wa Bojer Ahmad Information Nr. 3413


Tulpe, Kohgilujeh wa Bojer AhmadDie Aufsammlungen wurden im NaturhistorischenMuseum bearbeitet – bereits damals im Besitzzahlreicher historischer Sammlungen aus dem Iranund dem Orient – und heute, mit den späterhinzugekommenen Aufsammlungn Rechingerswohl die weltweit bedeutendste Sammlung ausdiesem Gebiet. Nach der Unterbrechung durchden Krieg gab es 1948 auf Vermittlung von Dr.Azizi, damals Kulturattaché in Wien, eine zweiteReise in den Iran, dort begleitet von Dr. Esfandiari,Direktor des Plant Pests and Diseases Institute inTehran. Das bei dieser Reise gesammelte Materialwurde zum Grundstein für das Herbar in Evin.Weitere acht Reisen in den Orient sollten bis 1977folgen.an die Pensionierung und einengeruhsamen Lebensabend denken.Er konnte damals nicht wissen,welche Dimensionen das Projektder Flora Iranica haben sollte. Abdiesem Zeitpunkt dominierte dieses„Kind“ sein Leben. Das Projektwurde als private, selbständigewissenschaftliche Unternehmunggeführt, unabhängig vomNaturhistorischen Museum, dasaber für Entlehnungen, Kontakteund zur Aufbewahrung desMaterials benutzt werden durfte.Von allen großen Herbarien wurdedas relevante Material nach Wienentlehnt, hier grob bestimmt und an die mittlerweiemehr als hundert Spezialisten und Mitarbeiterweitergeleitet. Die nach der Bearbeitung zurückkommenden Belege mußten wieder sortiert undan die Institute zurückgeschickt werden.Hunderttausende Belege wurden hier in Wienmehrfach ein- und ausgepackt und das Ganzeauch administrativ verwaltet.Nach seiner Pensionierung als Direktor desMuseums, 1971, konnte er sich dann endlich mitvoller Kraft diesem seinen Lieblingsprojektwidmen. Zu diesem Zeitpunkt waren 89 Teile derFlora Iranica publiziert, weitere ca. 90 fehltennoch. Ab 1971 führte er noch vier weitere Reisenin den Iran durch, gemeinsam mit seiner FrauWilhelmina, die die Aufgaben eines Fahrers, einerSeit 1944 hatte sich inRechingers Kopf allmählich dieIdee einer Flora des IranischenHochlandes entwickelt. DieKriterien waren ein bisherschlecht dokumentiertes Gebiet,von dem aber reichlichhistorisches und neugesammeltes Materialvorhanden war. Nachdem 1962ein Verleger, die Druck- undVerlagsanstalt in Graz, einSpezialist für hochwertigeFaksimile-Drucke, gefundenwar, konnte die konkrete Arbeitbeginnen. Rechinger wardamals 56 Jahre alt, einZeitpunkt, zu dem andere schonTrichodesma, Fars14 Nr. 34Information


Prosopis cineraria, Nayband, BuschehrSekretärin und einer technischen Hilfskraft in einerPerson erfüllte – ohne sie wäre der Erfolg dieserReisen nicht möglich gewesen.Heute, 10 Jahre nach dem Tode von K.H.Rechinger, sind 176 Bände der Flora Iranicapubliziert. Die Pflanzenbeschreibungen undStandorthinweise in Flora Iranica werden in dertraditionellen botanischen Sprache – in Latein –geschrieben. Nur für zusätzliche Kommentarewurde deutsch oder englisch verwendet. Nachseinem Tod hat seine Frau Wilhelmina die Aufgabendes Herausgebers übernommen, und schlußendlichist die Flora Iranica in das Naturhistorische Museumzurückgekehrt – ab Band175 erscheint sie imVerlag des Museums.Weitere 5 Bände sind inVorbereitung, und dannwirddiesesMonumentalwerk, dasmehr als 10.000Pflanzenarten für einGebiet von etwa 3M i l l i o n e nQuadratkilometern, daseine ökologischeSpannweite von Wüstenbis zu Hochgebirgen, vonMeeresküsten bis zuSalzseen umfaßt,abgeschlossen werden.Doch ist damit die Arbeitzu Ende?Ziziphus spina christi, Larestan, FarsInspiriert von und auf der Basisder Flora Iranica beschäftigensich heute zahlreiche Botanikeran Iranischen Universitäten mitden Pflanzen dieses Gebietes. Siehaben weitere neue Artengefunden und diese publiziert. Esgibt mittlerweile eine Flora desIran in Farsi, die auch den inLatein und anderenFremdsprachen weniger geübtendie Pflanzen zugänglich macht.All das wäre ohne die großeZusammenfassung des früherpublizierten Wissens nicht, odernur mit großen Problemenmöglich gewesen. In denHerbarien in der Islamischen Republik Iranwerden Belege in der gutenTradition Rechingersgesammelt und bearbeitet,und junge Wissenschafterausgebildet, die diebotanische Erforschungweiterführen werden.E. VitekWir danken Dr. Vitek für seinen Beitrag! Information Nr. 3415


Teheran bis zum19. Jahrhundert16 Nr. 34Information


Leider gibt es heutedort eine starkeLuftverschmutzung.GeschichteDie Stadt ReyArg-Platz, Turm von Agha Mohammad Chan,Süden des Golestanpalastes und Morwarid-(Perlen-)kanoneTeheran ist die moderne Hauptstadt des Irans.Über dreizehn Millionen Menschen leben heuteim Großraum der Stadt und noch immer werdenes mehr. Sie liegt am Fuße des Elbursgebirges,das im Norden beim Totschal-Gipfel auf ungefähr4000 m Höhe ansteigt und das die Stadt mitfrischem Trinkwasser versorgt. Die südlichenTeile der Stadt, die an die Salzwüste DaschteKavir grenzen, liegen auf ungefähr 1000 mSeehöhe und sind deutlich heißer als dienördlichen, die auf ungefähr 1700 m hinaufreichen. Teheran istbesonders in den letztenJahren stark gewachsen.Im Jahre 1981 (1359 hs)hatte die Stadt eine Flächevon 515 km², jetzt beträgtsie ungefähr dasDoppelte. Teheran istheute 33 Mal so groß wiein der Zeit von ResaSchah, dem erstenPahlawiden, 943 Mal sogroß wie in der Mitte derQadscharenzeit und 5555Mal so groß, wie in derZeit, als es ein Dorf war.Die Stadt Rey ist eineder ältesten Städte desIrans, derenBesiedelung seit über5000 Jahrennachgewiesen ist, undheute der 20. Bezirkder Stadt Teheran. Ihralter Name war Rhaga, über das in der Avesta,dem heiligen Buch der Zoroastrier geschriebenwurde, dass es die dreizehnte Stadt war, die aufder Welt errichtet wurde. Um 300 v. Chr. nannteSeleukos I. Nikator, der Begründer derSeleukidendynastie, die Stadt Europos und ließsie weiter ausbauen. Unter den Parthern wurdedie Stadt befestigt und unter den Abbasidenerweitert. Die Stadt hieß damals Mohammadije.Erst ab dem 10. Jahrhundert wurde sie Reygenannt. Dies bedeutet wörtlich „königlicheHerrschaftsstadt, die eine großartige Geschichtehinter sich hat.“ Im 11. Jahrhundert wurde sie zueiner Seldschukenresidenz und hatte eineberühmte Keramikproduktion. In der Zeit derGegenüberliegendeSeite: Basar von Teheran oben: Innenansicht der Arg-Südostecke,Soltanimoschee, Teil von Südteheran, vom Dach von Schams-ol-Emareh gesehen, 1892 Information Nr. 3417


Die Geschichte von Teheran bis zum Endedes 19. JahrhundertsTeheran war vor einigen Jahrhunderten nur einkleines Dorf nördlich der Stadt Rey, das im Jahr942 (330 h. q.) erstmals erwähnt wurde. DieBewohner lebten in unterirdischen Höhlen undbei der Zerstörung Reys durch die Mongolen 1220versteckten sich Bewohner der Stadt dort. In derSafawidenzeit wurde Teheran zu einer Stadt undals Militärstützpunkt verwendet. Unter TahmaspI. (1524-1576) wurde eine Zitadelle am Geländedes späteren Golestan-Palastes errichtet und dieSiedlung mit einer Lehmziegelmauer umgeben.Schah Abbas (1588 – 1629) residierte zeitweiligin der Stadt und auch fast zweihundert Jahrespäter Karim Chan Sand ab 1758. Im Jahre 1784wurde der Gouverneur der Sands vertrieben.Sommerresidenz der österreichischenBotschaftMongolenangriffe wurde Rey total zerstört unddie Bewohner massakriert. Rey hat heuteungefähr eine Million Einwohner und ist auch eineIndustriestadt. In dieser Stadt kamen bedeutendePersönlichkeiten zur Welt wie der Entdecker desAlkohols, Sakarija Rasi. Man kann Rey als dieMutter von Teheran bezeichnen. Dort gibt eszahlreiche Sehenswürdigkeiten. Der Toghrol-Turm ist das Grabmal des Begründers derSeldschukendynastie und wurde imJahre 1134 (528 h. q.) errichtet.Vom ursprünglichen Gebäude sindallerdings nur noch dieAußenmauern erhalten. Am Hangdes Rey-Berges liegt dasMausoleum von Bibi Schahr Banu,der Tochter des letztenSassanidenkönigs, die mit ImamHussein, dem Enkelsohn desPropheten, verheiratet war. Auchder wichtige Wallfahrtsort SchahAbd-el-‘asim (siehe unten) liegt inder Stadt Rey. Durch dieVergrößerung von Teheran wurdeRey „verschluckt“.Doulat-Stadttor18 Nr. 34Erst in der Qadscharenzeit wurde Teheran zurHauptstadt, nachdem es der Gründer derDynastie, Agha Muhammad Chan, nach derNiederlage der Sand-Herrscher ausgeographischen, politischen und wirtschaftlichenGründen 1789 auswählte. 1795 ließ er sich dortzum Schah krönen. Durch das Elbursgebirge istTeheran von drei Seiten geschützt. Es wareinerseits ein fester Schutzwall gegen einenAngriff der Russen, die damals immer wiedergegen die Qadscharen Krieg führten undandererseits hält es die kalten Winde aus demNorden ab. Unter Fath Ali Schah (1797-1834)Information


Jusof Abad-Stadttorwurden mehrere neue Bauten errichtet. Die ImamChomeini-Moschee, Teile des Golestan-Palastessowie eines der Stadttore aus der damaligen Zeitsind heute noch erhalten.Damals hatte die Stadt nur 15 000 Einwohner. ImLaufe der Zeit kamen immer mehr Zuwandereraus verschiedenen Landesteilen bis sich dieheutige Großstadt entwickelte. Die altenObstgärten erregten das Interesse derausländischen Diplomaten und wurden zuHandelszentren, Botschaften und Kirchen. DieGräben, die als Schutz gegen Angreifer wieAfghanen, Afschariten, die Qadscharen vor derEroberung und anderegegraben worden waren,wurden zugeschüttet undzu Straßen. Auf derersten Karte vonTeheran, die der FranzoseGeneral AlexandreBuhler anfertigte, hattedie Stadt eine Fläche von3 km². In derQadscharenzeit warTeheran eine arme Stadt,deren Häuser imorientalischen Stil ausLehm und Stroh erbautworden waren und eshatte lange Zeit keineTupchune-Platz, 1906Straße, die mit Fahrzeugenbefahren werden konnte,weshalb für TransporteLasttiere verwendet wurden.Der Zustand der Hauptstadtwar miserabel. Bis zum Jahre1867 vergrößerte sich dieStadt so weit, dass unterNasire-d-din Schah eine neueStadtmauer errichtet wurdeund die Anzahl der Stadttorevon 6 auf 12 zunahm. DieseStadttore hatten auf denPortalen 4 bis 6 kleine Türme,die wie Minarette aussahen,und auf beiden Seiten mitfarbigen Kacheln verziertworden waren. Ein historischer Platz ist der„Tupchune-(Artilleriekasernen-)Platz“, der imJahre 1867 erbaut wurde, der heute „ImamChomeini-Platz“ heißt und zu dem sechs Straßenhinführen. Um diesen Platz war Artillerie inzweistöckigen Häusern stationiert, in derenUntergeschoßen Geschäfte waren. Leider ist vonden ursprünglichen Bauten heute nichts mehrerhalten. Ab dieser Zeit wurden auch moderneStraßen anstelle der kleinen Gassen angelegt. DieReisende Frau A. S. Wolfs berichtete noch 1907,dass man sich über die Hauptstadt desPerserreiches wundern wird, wenn man zufälligdorthin kommt: Es wurde erzählt, dass einReisender die halbe Stadt passiert hatte und den Information Nr. 3419


Kutscher fragte, wann denn endlich Teheranerreicht würde.Geschichtliche GebäudeTekije DoulatDie Schiiten gedenken im Monat MuharamHussein, dem dritten schiitischen Imam, der mitseinen 72 Anhängern von den Handlangern desKalifen Jasid ermordet wurde. Sie besuchen anden Trauertagen Trauerspiele, bei denen diedamaligen Ereignisse nachgestellt werden, inMoscheen, aber auch in speziellenVeranstaltungsgebäuden, die heute meistHusseinije genannt werden und die vor allemfrüher als Tekije, mit einem Ausdruck aus derSafawidenzeit, bezeichnet wurden. Dieursprünglichen Tekije hatten einen Hof, in dessenMitte sich ein rundes etwa einen Meter hohesPodest mit einem Durchmesser von 18 m bis 20m befand. Darum herum konnten sich die Pferdeund Kamele bei den Aufführungen bewegen. DerHof war umgeben von zwei- bis dreistöckigenGebäuden mit Nischen, in denen sich Sitzplätzefür die Zuschauer befanden. Die größte Tekije inTeheran wurde im Jahre 1867 (1284 hq) auf denTekije Doulat und Tasije-Trauerzeremonie, Gemälde von Kemal ol-Molk20 Nr. 34Information


Imam Chomeini MoscheeBefehl von Naser-ed-din Schah für 20 000Personen errichtet und Tekije Doulat, d. h. Tekijeder Regierung, genannt. Auch viele europäischeReisende berichteten von diesem Gebäude, dasvon der Albert Hall in London inspiriert seinkönnte. Es hatte die Form eines achteckigenPrismas mit 60 m Durchmesser, 24 m Höhe, vierStöcken und einer Fläche von 2824 m². DieOberseite war offen, konnte aber beiSonnenschein oder Regen mit Planen abgedecktwerden. Das Gebäude wurde im Jahre 1946 (1325h s) zerstört und an seiner Stelle die Nationalbankerrichtet.BasarDer Basar ist in der iranischen Kultur nicht nurein Wirtschafts- und Handelszentrum, sondernwegen der engen Verbindung mit der Religion auchvon kultureller Bedeutung, er spielt aber ebensoeine wichtige politische Rolle. Der Basar vonTeheran wurde verhältnismäßig spät errichtet, erstseit der Zeit von Fath Ali Schah hat er die typischeStruktur. Er umfasst verschiedene Bereiche, diebestimmten Waren oder Berufen zugeordnet sind,wie Kupfer- und Goldschmieden, Parfüm, Obstund Gemüse, Gewürzen, Teppichen und anderen.Im Basar gibt es auch Moscheen, Badehäuser,Kaffee- und Teehäuser. Die Masdschide ImamChomeini liegt neben dem Basar und wurde 1824in der Regierungszeit von Fath Ali Schah fertiggestellt. Im Basarbezirk von Teheran arbeitenüber 30 000 Menschen: Träger, Lehrlinge,Verkäufer, Geschäftsbesitzer, Putzfrauen undandere. Auch die religiösen Minderheiten wiearmenische Christen, Zoroaster und Juden sindim Basar vertreten.WallfahrtsorteDer wichtigste Wallfahrtsort in Teheran ist SchahAbd-el-‘asim, der in Rey liegt. Es ist das Grabmaleines berühmten Urenkels des zweitenschiitischen Imams, Hassan. Er wurde im Jahre789 (173 hq) geboren und war der Zeitgenosse Information Nr. 3421


von vier schiitischen Imamen. Erwar eine sehr fromme,vertrauenswürdige und gelehrtePersönlichkeit. Da ihn dieAbbasiden ermorden wollten,kam er von Medina nach Rey.Außer ihm sind auch zweiweitere heilige Personen dortbestattet: Imamsadeh Hamsehund Imamsadeh Taher(Imamsadeh bedeutet„Nachkomme eines Imams“). Abdem dritten Jahrhundert nach derHidschra, dem zehntenJahrhundert nach der christlichenZeitrechnung, wurde dieseGrabstätte von immer mehrSchiiten besucht. Das ersteGebäude wurde unter denAlawiden im neunten christlichenJahrhundert (dem drittenislamischen Jahrhundert)renoviert. Das Haupttor befindetsich auf der nördlichen Seite undwurde auf Befehl vonBujidenkönigen errichtet. Späterergänzte jede Dynastie denKomplex. Unter Schah TahmaspSafawi wurde das kegelförmigeDach durch eine Kuppel ersetzt.Besonders in der Qadscharenzeitwurden die Gebäude erweitertund die drei Kuppeln mit rötlichenKupferplatten bedeckt. In derZeit von Muzaffare-d-din Schahwurden die Räume mit Spiegelnund Fliesen verziert. 1853 unterNasere-d-din Schah wurde dieKuppel vergoldet.In Teheran und seiner Umgebunggibt es zahlreiche weitereGrabmäler von Nachkommen von Imamen, diemeist dort von den Soldaten der Kalifen getötetwurden. Sie hatten in dieser Gegend bei der StadtRey Zuflucht gesucht. Imamsadeh Saleh, einNachkomme des siebenten schiitischen Imams,Musa Kasim, liegt im Norden von Teheran beimTadschrisch-Platz. Das Gebäude stammtursprünglich aus dem 14. oder 15. Jahrhundert.Der Eingangsiwan steht auf der nördlichen Seitedes Haram und wurde im Jahre 1796 (1210 hq) inder Zeit von Fath Ali Schah errichtet. Weitere22 Nr. 34Ansichten vom Adb-el-‘asim-KomplexGrabmäler: Imamsadeh Dawud nordwestlich vonTeheran, Imamsadeh Hassan im Südwesten vonTeheran, Imamsadeh Ibrahim, Imamsadeh SejjedIshaq bei der Naser Chosro Straße, Bibi SchahrBanu in Rey, Imamsadeh Muhammad,Imamsadeh Asis, Imamsadeh Qassem,Imamsadeh Muhammad Wali, Imamsadeh Yahyaund andere.http://www.abdulazim.com/Information


Endzeiterwartungen im Christentumund im IslamZusammenfassung einer interreligiösen Veranstaltung„Wir entschieden, den Menschen, die im Landeunterdrückt waren, Unsere Huld zu erweisen und siezu Vorbildern zu machen und zu Erben.“ (hl. Koran,Sure 28, Vers 5)„Und wir haben im Buch Zabur nach der Ermahnung(durch die Thora) geschrieben, dass dierechtschaffenen Diener die Erde erben werden.“ ( hl.Koran, Sure 21, Vers 105)Die Veranstaltung am 2. 3. 2007 zum Thema„Endzeiterwartungen im Christentum und im Islam“wurde mit oben angeführten Koranversen eingeleitet.Danach folgten die Begrüßungsworte von Mag.Muhammad Lanzl, dem Obmann des IslamischenBildungs- und Kulturzentrums (IBIKUZ), das dieseDiskussion als Beitrag zum Dialog der Religionengemeinsam mit der Kulturvertretung der Botschaft derIslamischen Republik Iran in Wien organisiert hatte.Von links nach rechts: Mag. Reidegeld, Mag.Waldmann, Dr. Sobreira-Majer, Prof. Dr. FiglMuhammad Reza Nezamdoust, der Botschaftsratfür kulturelle Angelegenheiten der IslamischenRepublik Iran in Wien, konnte zwar nicht persönlichanwesend sein, schickte aber eine Grußbotschaft,die vorgelesen wurde. Darin betonte er, dass die aktiveErwartung der Endzeit im Islam als eine der höchstenFormen des Gottesdienstes anzusehen sei, dieErleichterung im Leben der Menschen bringe. DieErwartenden seien durch absolute Ergebenheit undOpferbereitschaft gekennzeichnet mit dem Ziel dieMenschenwürde zu schützen, Brüderlichkeit undGerechtigkeit in der Weltordnung zu etablieren.Auch Ajatollah Reza Ramezani, der Präsident desIslamischen Zentrums Imam Ali in Wien, schickteseine Begrüßungsworte und wies darauf hin, dassdie Erwartung der Endzeit eine Lehre der Information Nr. 3423


Verantwortung sei, die Menschen zum aktiven Einsatzund zum guten Handeln motivieren soll.Am Podium waren vier Repräsentantenverschiedener Glaubensrichtungen, die jeweils 20Minuten zur Verfügung hatten ihre Überlegungen zurEndzeit zu präsentieren.Als erster Referent war Prof. Dr. Dr. Johann Figl amZug. Der ehemalige Dekan der katholischentheologischen Fakultät ist seit 1986 Vorstand desInstituts für Religionswissenschaft an der UniversitätWien. Die Schwerpunkte seiner Studien umfassenunter anderem hermeneutischeReligionsphilosophie und Atheismusforschung.Prof. Figl begann seine Ausführungen mit derErläuterung des theologischen Begriffes der„Eschatologie“, der sich aus dem Griechischenableitet und die Lehre der letzten Dinge bezeichnet.Während die christliche Eschatologie im Mittelalterein zentrales Thema der Theologen war, wird in derheutigen Zeit nicht mehr so gerne darübergesprochen, da die Befassung mit den letztenDingen, unweigerlich an die Endlichkeit desMenschen erinnert.Aus anthropologischer Sicht lässt sich behaupten,dass der Mensch ein religiöses Wesen ist, seit esden Menschen als Menschen gibt, und dass dieReligiosität immer mit der Hoffnung auf einWeiterleben nach dem Tod verbunden war. DieUrgeschichtsforschung liefert weitreichendeZeugnisse und Beweise, dass es in allen Kulturender Welt Jenseitsvorstellungen und Begräbnisritengegeben hat.In der Bibel lässt sich die Entwicklung derJenseitserwartungen von den Büchern der Genesiszu Beginn des Alten Testaments bis zu denSchilderungen der Apokalypse am Ende des NeuenTestaments verfolgen. Zunächst wurde dieVorstellung, dass der Mensch aus Staub entsteheund wiederum zu Staub werden würde, vertreten, wasnoch heute deutlich im christlichen Begräbnisritusausgedrückt wird. Diese Vorstellung aber wurdedurch drei Hoffnungen transformiert: Erstens war dader Glaube an die Allmacht Gottes, der tötet, aberauch wieder lebendig machen kann. Zweitens wares die Vorstellung der Treue Gottes, der seineGeschöpfe nicht der absoluten Vernichtung durchden Tod aussetzen würde, und drittens war es dieAuffassung von der Gerechtigkeit Gottes, der dieMenschen aufgrund ihrer Taten zur Rechenschaftziehen würde. Zur Zeit von Jesus gab es primär zweiGruppen: Die Sadduzäer, die nicht an eine24 Nr. 34Auferstehung glaubten, und die Pharisäer, die dieÜberzeugung Jesu an die Auferstehung teilten.Der Auferstehungsglaube ist das zentrale Element derchristlichen Lehre, die Gott als einen Gott derLebendigen auch über den Tod hinaus charakterisiert.Dabei spielt der Gedanke an eine ganzheitlicheAuferstehung von Seele und Leib eine wesentlicheRolle. Entgegen der platonischen Auffassung, die ausder griechischen Philosophie heraus dasChristentum zeitweise stark beeinflusst hat, dass nurdie Seele Unsterblichkeit erlangen kann, betont dereigentliche christliche Glaube die Auferstehung desFleisches, was zum Ausdruck bringen soll, dass derMensch als Ganzheit das Heil erlangt. Diese Hoffnungauf ganzheitliches Heil hegt der Christ in Bezug aufdie Menschen aller Kulturen und Religionen.Niemand wird dabei aus der Barmherzigkeit Gottesausgeschlossen, außer er entscheidet sich explizitselbst dafür.Die vier letzten Dinge, von denen die Eschatologiespricht, sind der Tod des Menschen, dasWiederkommen von Jesus Christus und das damiteingeläutete letzte Gericht, sowie Himmel und Hölle.Im katholischen Glauben spielt daneben auch dasFegefeuer eine große Rolle.Auf Lateinisch wird es mit dem Wort „Purgatorium“bezeichnet, was soviel wie „Läuterung“ oder„Reinigung“ bedeutet. Es umfasst den Zeitraumzwischen individuellem Tod und endzeitlicherAuferstehung und dient der Reinigung des Menschenvon seinen Sünden, bis er zu dem Menschen wird,der er eigentlich ist. Abschließend betonte Prof. Figl,den wichtigen Einfluss, den Jenseitsvorstellungen aufdas Diesseits ausüben, denn sie verpflichten zuVerantwortung und zu gutem Handeln bereits in derJetztzeit.Als nächster Vortragender war Mag. AbdurrahmanMichael Reidegeld in Vertretung des kurzfristigerkrankten Prof. Dr. Elsayed Elshahed am Podium,der über Endzeiterwartungen im Islam aussunnitischer Sicht referierte. Er hat unter anderemIslamwissenschaften, Afrikanistik und Malaiologiestudiert und zu dem Thema „Islamische Bewegungenin Indonesien im 20. Jahrhundert“ seine Diplomarbeitverfasst. Seit 2006 ist er Leiter des Lehramtes an derIslamischen Religionspädagogischen Akademie derIslamischen Glaubensgemeinschaft in Wien.Herr Magister Reidegeld betonte in seinem Vortragvor allem die verschiedenen Phasen der Endzeit. Ererwähnte jenen Abschnitt, der im Arabischen mit„Barsach“ bezeichnet wird und die Zeit zwischenInformation


individuellem Tod und Jüngstem Gericht umfasst.Dieser kann je nach Taten und Glauben derverstorbenen Person entweder als Vorgeschmack aufden Himmel oder die Hölle verstanden werden. DerMuslim geht davon aus, dass niemand außer demSchöpfer selbst den Zeitpunkt des JüngstenGerichtes kennt und jede andere Behauptung alsanmaßend und dumm einzustufen ist.Allerdings gibt es klare Hinweise auf das Nahen jenesletzten Gerichts, die sich in Form von kleinen undgroßen Zeichen manifestieren:Zu den kleinen Zeichen zählte laut Überlieferungenbereits das Erscheinen von Jesus und Muhammad(der Friede sei mit ihnen beiden). Weitere kleineZeichen sind bestimmte, von den Prophetenvorhergesagte Ereignisse, wie beispielsweiseNaturkatastrophen, aber auch ethisch-moralischeZeichen, die die zunehmende Perversion derMenschen bis zum Tag des Jüngsten Gerichts hinkennzeichnen, wie beispielsweise die Aufhebung desInzesttabus und der Verlust des Schamgefühls. DieMenschheit wird bis zum Jüngsten Tag immerschlechter und verdorbener werden, bis dieschlechtesten aller Menschen versammelt sind undsogar der letzte Funken Gottesehrfurcht aus denHerzen der Menschen verschwunden ist. Dannwerden die großen Zeichen eintreten, die sooffenkundig sind, dass niemand mehr die Wahrheitleugnen kann. Die Sonne wird im Westen aufgehenund die Schöpfung wird sich umkehren.Dann jedoch ist das Tor der Reue verschlossen, keinGottesdienst und keine Umkehr wird mehr akzeptiertwerden. Während die kleinen Zeichen also alsWarnung zu verstehen sind, die noch eine Wahl undeine Umkehr offen lassen, kennzeichnen die großenZeichen bereits den Beginn des Endes der Welt unddamit auch das Ende des freien Willens desMenschen, der sich dem Schöpfer aus Überzeugungdes Herzens und nicht aus Furcht zuwenden soll.In der Zeit der kleinen Zeichen, in der Schamgefühlnicht mehr als kulturtragendes sondern alsrückständiges Element eingestuft wird, tritt auch einWesen namens Dadschal in Erscheinung. Derarabische Wortstamm dadschala bedeutet soviel wie„lügen“ oder „die Unwahrheit zu verbreiten“. Immodernen Sinn könnten damit die Medienlandschaft,die Filmwelt und die virtuelle Welt gemeint sein, diedie Grenzen zwischen Illusion und Realität immermehr verschwimmen lassen und die Unwahrheit zurWahrheit machen. Aber es könnte damit auch dieVerwechslung der Wirklichkeit des Jenseits mit derIllusion des Diesseits gemeint sein. Denn es ist dasJenseits, das als ewig andauernde und qualitativbessere Welt zu verstehen ist, während das Diesseitsder Vernichtung preisgegeben werden wird. AlleReligionen verkünden diese Wahrheit unabhängigdavon, was der Mensch gerne als wahr erachtenmöchte. Der Mensch aber hat eine Aufgabe. Er istverpflichtet Verantwortung zu übernehmen, Gutes zutun und für Gerechtigkeit einzustehen, denn aufGerechtigkeit basiert die gesamte Schöpfung.So heißt es, dass gegen Ende der Zeit einePersönlichkeit namens Mahdi gemeinsam mit Jesuswiedererscheinen wird, um Gerechtigkeit in der Weltherzustellen; danach aber wird die Menschheitimmer schlechter, bis die Engel den Befehlbekommen werden, die Welt zu vernichten. Am Tagdes Gerichts werden die Seelen mit den Körpernwiedervereinigt und treten anschließend ins ewigeParadies oder in die ewige Hölle ein.Die kleinen Zeichen sollen als Lehre verstandenwerden, die uns vor Passivität warnt und davor unsvon Reichtum, Macht oder Bösartigkeit verführen zulassen. Die beste Wegzehrung für das Jenseits istdie Gottesehrfurcht. Solange das Herz diese behält,wird der Mensch nicht verloren gehen.Der nächste Referent, Dr. Alfred Garcia Sobreira-Majer, studierte Rechtswissenschaften undevangelische Theologie in Wien. Er arbeitet alsevangelischer Religionslehrer und Pfarrer sowie alsFachinspektor für evangelischen Religionsunterrichtan Pflichtschulen. Darüber hinaus ist erChefredakteur der religionspädagogischenZeitschrift „Das Wort“ und beteiligt sich aktiv imchristlich- islamischen Dialog.„Auch der Tod kann uns aus der Liebe Gottes nichtherausreißen“. Mit dieser zentralen christlichenBotschaft begann Dr. Garcia Sobreira-Majer seinenVortrag – und mit dem Hinweis, dass von den letztenDingen behutsam gesprochen werden sollte, dadiese die Grenzen unserer Erfahrung übersteigen.Er warnte auch, dass religiöse Vorstellungen allzu oftvon der Politik missbraucht würden, und forderte,dass man diesen Entwicklungen gegenüber sehrachtsam sein müsse. Eschatologie charakterisierteer als die Lehre von der Vollendung der Welt unduntermauerte damit den Gedanken eines gütigenSchöpfers, der die Welt nicht vernichtet, sondern sielediglich transformiert um sie zur Vollkommenheitund zur Vollendung zu bringen.Wie der erste Redner erwähnte er den Einflussjüdischer und griechischer Philosophie auf die Information Nr. 3425


christlichen eschatologischen Vorstellungen, denenzufolge die Seele vom Leib beschwert und nach demTod vom ihm getrennt existieren würde. Das hatte zurFolge, dass der Leib massiv abgewertet und inweiterer Konsequenz ein Leib-Seele Dualismuseingeführt wurde, der der eigentlichen christlichenVorstellung eines ganzheitlichen Menschenwidersprach.Die zeitgenössische Theologie hingegen behauptet,der Mensch stirbt als Ganzes, also mit Leib und Seele,und wird auch als Ganzes wieder neu geschaffen.Die Kontinuität dabei bleibt nur durch die Beziehungzwischen Gott und dem Menschen gewahrt. DieIdentität des Verstorbenen hängt also weder amKörper noch an der Seele allein fest, da wir die Seeleauch nur in Verbindung mit dem Leib erfahren haben.Die Vorstellung des Jüngsten Gerichts ist mit einerSpannung verbunden, die auch in der Bibel selbstihren Ausdruck findet und die wir als Menschenständig aushalten müssen. Die Begriffe „Himmel“ und„Hölle“ werden heutzutage sehr behutsam verwendetund man ist eher dazu übergegangen sie als„Gemeinschaft mit Gott“ oder als „Ausschluss von derGemeinschaft mit Gott“ zu beschreiben. DieSpannung besteht hierbei zwischen dem Wunsch undder Hoffnung, dass allen Menschen das göttliche Heilund die Gemeinschaft mit Gott zu Teil werden wird,und dem Respekt vor der individuellen Entscheidungeiner freiwilligen Abwendung von Gott, die ernstgenommen wird, sogar von Gott selbst.Das Gericht Gottes selbst kann als Kritik Gottes aufzwei Ebenen verstanden werden. Einerseits tritt alleszu Tage, was ein Mensch getan oder verabsäumt hatzu tun. Dieser Aspekt kann einerseits klärend, aberauch unangenehm für den Menschen wirken.Anderseits aber wird auch alles Unrecht, das derMensch erlitten hat, vergolten, wieder gutgemachtund das Recht somit wieder hergestellt. Dies ist alsein schöpferischer, konstruktiver Aspekt der KritikGottes zu verstehen.Die Warnung vor dem Gericht ist eine ernst zunehmende Angelegenheit, die uns direkt unsereVerantwortung im Hier und Jetzt bewusst machen soll.Niemand weiß die Stunde, aber das Hoffen aufVollendung und Transformation bedingt bereits eineWandlung der Menschen in der Gegenwart und inder diesseitigen Welt. Jene Spannung zwischen derHoffnung auf die Gemeinschaft mit Gott und Furchtvor dem Ausschluss davon, soll eine Motivation fürden Menschen bedeuten zu handeln und nicht dazuführen zu resignieren und passiv diesen Ereignissenentgegenzusehen. Die Spannung ist dabei ein26 Nr. 34wesentliches Moment, das Aktivität erzeugen soll.Während wir beständig auf die Erlösung allerMenschen hoffen sollen, müssen wir jedoch unsereneigenen möglichen Ausschluss immer in Betrachtziehen. Das Warten auf den Jüngsten Tag istdemnach eine aktive Handlung und verbindet auchalle abrahamitischen Religionen miteinander.Der letzte Referent war Mag. Muhammad ErichWaldmann, der geistliche Leiter des IslamischenBildungs- und Kulturzentrums (IBIKUZ), der seinetheologische Ausbildung zum schiitischen Gelehrtenin Qum, Iran, absolvierte.Aus schiitischer Sicht gibt es in Hinblick auf dieEndzeiterwartungen zwei Aspekte. Der erste Aspektbetrifft die Ereignisse rund um den Jüngsten Tag.Die Entscheidung, ob das ewige Verweilen inParadies oder Hölle stattfindet, ist das direkteErgebnis der individuellen Handlungen in dieser Welt;so gesehen trifft jeder Mensch diese Entscheidung,ob er in die vollkommene Barmherzigkeit, Liebe undGerechtigkeit Gottes eingehen will oder sich von ihrausschließt, selbst und verleiht ihr durch seine TatenAusdruck im Hier und Jetzt.Der zweite Aspekt betrifft die Zeit kurz vor dem Einbruchdes Jüngsten Tages, also das Ende der Zeit vor derEndzeit, welche wiederum von vielen prophetischüberlieferten Zeichen eingeleitet werden wird. Ausschiitischer Sicht wird die Menschheit in dieserletzten Zeit allerdings nicht jeglichen Glaubenverlieren, sondern im Gegenteil den vollkommenenGlauben erlangen und zwar im globalen Umfang.Dies wird möglich durch das Erscheinen desReformers, Erlösers und Messias, auf den alleReligionen seit jeher warten. Dieser Retter derMenschheit wird auf Arabisch als „Al-Mahdi“bezeichnet und er stammt aus der direktenNachkommenschaft des letzten Propheten derMenschheit, Muhammad (Friede sei mit ihm undseiner Nachkommenschaft). Über ihn heißt es, dasser schon geboren ist und bereits seit über 1000 Jahrenin Verborgenheit lebt. Er ist als vollkommener Menschzu verstehen, der die vollkommene Religionverkörpert, aber er wird so lange in Verborgenheitbleiben, bis es genügend Menschen in derWeltöffentlichkeit gibt, die von ganzem Herzen bereitsind, sich für Frieden, Gerechtigkeit und das Strebennach dem Guten einzusetzen und an seiner Seite fürdiese Werte zu kämpfen. In der Zeit kurz vor seinemWiedererscheinen werden etliche Zeichen auftreten.Einerseits wird es viele Kriege undAuseinandersetzungen geben. Die Welt wird mitUngerechtigkeit gefüllt sein, in einem Ausmaße wieInformation


DER ISLAM GEGEN DIE GEWALTFür die Erklärung der Ansichten des Islams überGewalt müssen kurz die islamischen Grundlagenerläutert werden. Der Islam ist eine Religion, dieden Menschen zu Vernunft, Spiritualität,Gerechtigkeit, Sicherheit und Freiheit aufruft. ZumErreichen dieser Ideale gibt er dem Einzelnen, derGesellschaft und dem religiösen RegierungssystemPläne vor, damit die menschlicheGemeinschaft davon profitiert, der Mensch seinewürdige Position erreicht und alle Bedürfnissebefriedigt werden. Das Erreichen dieser Zielewird durch den Glauben an den Schöpfer der Weltund des Jenseits garantiert.Aber es kann nicht jeder mit einem oberflächlichenBlick die religiösen Programme, den Islam unddas islamische Recht (Ahkam) verstehen und diegedanklichen, moralischen und praktischenWertestandards herausfinden. Es ist notwendig,dass in Forschungszentren durch überzeugteWissenschaftler die islamischen Wahrheitenvon Ajatollah Reza Ramezanientsprechend dervorhandenenKapazitätenherausgefundenwerden.Der Islam ist dieentwickelte undvervollkommneteReligion der göttlichenProphetenim Lauf der menschlichen Geschichte. Dasislamische Gesetz wurde durch den letztenPropheten, Muhammad (s. a. s.), der Menschheitüberbracht. Darin wurde alles berücksichtigt, wasdie Menschen brauchen. Für diese Behauptunghaben wir einen klaren Beweis und dieser ist dasheilige Buch der Muslime, der Quran. Die in ihmenthaltenen Wahrheiten müssen durch dieReligionsexperten herausgefunden werden. DerIslam ist eine Religion, die zur Toleranz anleitet,sie es zuvor noch niemals war. Alle Ideologien undLebenstheorien, denen die Menschen bis dahinfolgen, werden gescheitert sein, so dass allein dievollkommene Religion als einzige Alternative für dieGrundlage einer Weltregierung übrig bleiben wird.Die Religion wird Moral und Gerechtigkeit in dasLeben der Menschen zurückbringen sowie jenespirituellen Werte, die den Menschen die Realität desJenseits deutlich machen werden. EineVoraussetzung aber ist auch das Erscheinen einesglobalen Kommunikationsmediums, dasermöglichen wird, dass Menschen im Osten und imWesten der Erde sich sehen und zeitgleichmiteinander sprechen können, wie es eineprophetische Überlieferung vor 1400 Jahrenvorausgesagt hat.Wir befinden uns im Moment in Erwartung, waskeineswegs mit Passivität gleichzusetzen ist, sondernim Gegenteil mit aktiver Vorbereitung verbunden ist.Das Wichtigste ist, dass die Menschen sich einsetzenund nach Gerechtigkeit und Frieden streben. Daswas die Menschheit erwartet, muss sie selbst auchvorbereiten, so wie man Vorbereitungen trifft, wennman einen Gast erwartet. Die Erwartung steht inunmittelbarem Zusammenhang mit dem Glaubenan das Jüngste Gericht. Denn wenn wir uns nichtdafür einsetzen den Weltfrieden zu erlangen, müssenwir uns selbst dafür vor Gott verantworten. DieseUnterlassung wird nicht nur Auswirkungen in dieserWelt und für die ganze Menschheit haben sondernauch auf das ewige Leben einzelner Menschen.Daher impliziert dieser Gedanke der Erwartungsowohl eine größtmögliche kollektive Anstrengungder ganzen Menschheit, als auch den individuellenEinsatz für die Verhinderung von Kriegen und für dieWahrung oder Herstellung von Frieden undGerechtigkeit.Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dassalle präsentierten Religionen die Auffassung teilen,dass die Endzeiterwartungen eine wesentlicheBedeutung für das Diesseits haben, auch wenn inden Details unterschiedliche Auffassungen zu tragenkommen. In Erwartung zu sein bedeutetVerantwortung zu tragen, aktiv zu sein und mit demBewusstsein zu leben, dass jede HandlungAuswirkungen auf die persönliche und kollektiveEndzeit haben wird.Im Anschluss an die Vorträge gab es noch eineangeregte Publikumsdiskussion. Information Nr. 3427


solange die Grenzen der göttlichen Bestimmungennicht verletzt werden.Im Vers 159 der Sure Aal-Imran, 3, heißt es: „Undin Anbetracht von Gottes Barmherzigkeit warstdu mild zu ihnen. Wenn du grob und hartherziggewesen wärest, wären sie dir davongelaufen.Verzeih ihnen nun und bitte für sie um Vergebung,und ratschlage mit ihnen über die Angelegenheit!Und wenn du dich entschlossen hast, dann vertrauauf Gott! Gott liebt die, die auf ihn vertrauen.“An einer anderen Stelle im Quran, im Vers 128der Sure At-taubah, 9, heißt es: „Nun ist einGesandter aus euren eigenen Reihen zu euchgekommen – einer, dem es nahegeht, wenn ihr inBedrängnis kommt, der sehr an euch hängt, undder gegen die Gläubigen mitleidig und barmherzigist.“Der Islam betont, dass jeder Mensch in seinemirdischen Leben Rechte hat, die auf keinen Fallverletzt werden dürfen. Aus der Sicht des Islamsmuss die Gerechtigkeit nicht nur im individuellenBereich gewährleistet werden sondern auch aufder sozialen Ebene. Außerdem muss auch dieWürde des Menschen bei seinen Rechtenberücksichtigt werden. Als Beispiel kann dasVerhalten von Imam Ali (a. s.), einem Führer inder Frühzeit des Islams, genannt werden, der zurHerstellung der Gerechtigkeit und der Ablehnungjeder Form von Diskriminierung gegenüber demVolk sagte: „Gegenüber dem Volk, das in deinemRegierungsbereich ist, musst Du respektvoll,freundlich, mild und tolerant sein. Das Ebenmaßmusst du sogar in der Bewegung deiner Augen,deinem Blick, deiner Begrüßung und deinerHöflichkeit beachten, damit die bedeutenden undeinflussreichen Personen dich nicht beirren könnenund die Machtlosen nicht ihre Hoffnung auf deineGerechtigkeit verlieren. Du musst wissen, dassdie Leute vor uns gegenüber der Wahrheit undGerechtigkeit gleichgestellt sind.“ (Nahdsch ulbalagha,Brief 46)Daraus schließen wir, dass der Islam derVerwirklichung der Gerechtigkeit besondereBedeutung beimisst. Niemand darf im islamischenSystem unterdrückt werden und auf keinen Falldarf mit Gewalt und Schrecken geherrscht werden,sondern man muss durch die Ausübung vonGerechtigkeit jede Art von Unruhestiftungverhindern. Der Islam ist die Religion der Liebe,28 Nr. 34des Friedens und der Sicherheit. Er bemüht sichdarum, dass die Menschen ihre Rechte erlangen.Zu diesem Zweck wird sowohl den Herrschernals auch den Beherrschten empfohlen nach denKriterien der Menschlichkeit miteinanderumzugehen. Dies ist die Basis für die Erziehungder islamischen Gesellschaft, zu der alleverpflichtet sind.Es ist zu erwähnen, dass die Leute, die über denIslam urteilen, auf der Grundlage derursprünglichen Quellen die Gesamtheit derislamischen Gesetze bewerten müssen. Wenn sienur einen Teil getrennt von den anderenBestimmungen betrachten, werden sie zu keinemvernünftigen und realistischen Urteil kommen.Deshalb schreiben manche dem Islam Dinge zu,die überhaupt nicht zutreffend sind. Personen, diemit einer schlechten Absicht urteilen, werdenniemals einen fundierten wissenschaftlichenStandpunkt einnehmen. Aus diesem Grundbezichtigen manche den Islam derGewalttätigkeit. Doch schon mit einer geringenKenntnis über diese Religion kann eine derartigeBeschuldigung entkräftet werden.Entsendet ein freundlicher Gott seinenbarmherzigen Propheten für Gewalttätigkeit?Oder wurden die Propheten für die Menschheitgesandt, damit alle ihre Rechtleitung nützenkönnen, weil die Menschen Programme undFührer für das Klarstellen des Weges zum Glückin dieser Welt und im Jenseits brauchen?Der Prophet des Islams sagte: „ Ein Muslim isteine Person, vor dessen Hand und Zunge allegeschützt sind.“ Diejenigen, die in der Gesellschafteine Atmosphäre der Sicherheit schaffen, damitdie Menschen in Ruhe Gott dienen können, sindbei ihm hoch geschätzt. Wenn im Islam derDschihad festgelegt wurde, ist es deswegen, weilman gegenüber den Unterdrückern Widerstandleisten muss. Denn jeder, der eine Religionannimmt, muss dieser auch Gefolgschaft leisten.Diejenigen, die den Glauben an den einen Gottakzeptiert haben, werden sicherlich gegenüberdenjenigen, die verhindern, dass sie ihren Glaubenausüben können, reagieren und Widerstandleisten. Aus diesem Grund hat der Islam für dieVerteidigung gegenüber Gewalttätigkeit undUngerechtigkeit den Dschihad festgelegt, damitdie Menschheit nicht unterdrückt wird.Information


Allerdings darf eine Strafe nicht mit einerungerechtfertigten Aggression gleichgesetztwerden, denn sie dient der Einhaltung der Gesetzeder menschlichen Gesellschaft. Sie wird von allenLändern und Regierungen akzeptiert. Auch dieReligion hat vernünftige und angemesseneBestrafungen entsprechend der Schwere derGesetzesverletzungen bestätigt. Diese dienen dazuUnsicherheit und Ungesetzlichkeit zu verhindern.Gewalt ist eine Erscheinung, die die Menschenvon ihrem Wesen her ablehnen, weil durch sie ofteinzelne Personen oder Gruppen anderebeherrschen, bedrohen und angreifen. In diesemSinn wird sie vom Islam, der die Religion derRettung und Barmherzigkeit ist, abgelehnt. Aberdie Bestrafung mit Gewalt gleichzusetzen unddaher die Maßnahmen zur Herstellung derSicherheit in der Gesellschaft in Frage zu stellenist unfair. So wird in Wirklichkeit die Herrschaftder Gesetze untergraben.Die religiösen und islamischen Gesetze sind vondiesem Prinzip nicht ausgenommen. Deshalb darfdie Gewalt auch nicht mit der gesetzlichen underlaubten Verteidigung verwechselt werden. JederMuslim ist verpflichtet gegenüberungerechtfertigter Gewalt Widerstand zu leisten.Diese basiert auf Ignoranz, Betrug und mangelnderVernunft und wird von Personen benutzt, die dieGesellschaft durch die Verbreitung von Angst undSchrecken unterdrücken und ausbeuten möchten.Die Muslime müssen auch bereit sein sich auf demWege des Widerstandes zu opfern, um dieGerechtigkeit in der Gesellschaft zu errichten.Der Islam akzeptiert keine Gewalt als Mittel zurVerbreitung der Religion: „ In der Religion gibt eskeinen Zwang. Der rechte Weg ist klar gewordenvor der Verirrung. Wer nun an die Götzen nichtglaubt, an Gott aber glaubt, der hält sich an derfestesten Handhabe, bei der es kein Reißen gibt.Und Gott hört und weiß.“ (Sure Al-baqara, 2, Vers256) Die Quraninterpreten haben über den Anlassder Herabsendung dieses Verses folgendeBegebenheit überliefert: Einige Nachkommen vonChristen, die den Islam angenommen hatten,wollten nicht wie ihre Eltern Muslime werden. DieVäter beschwerten sich beim Propheten undverlangten von ihm, ihre Kinder durch seineRegierungsgewalt zu zwingen den Islamanzunehmen. Daraufhin wurde obiger Vers herabgesandt, der besagt, dass die Wahl der Religionnicht durch Gewalt erzwungen werden darf.In der Sure Al-insan, 76, Vers 3, heißt es. „Wirhaben ihn den rechten Weg geführt, mochte ernun dankbar sein (und die Rechtleitung annehmen),oder undankbar.“ Der Vers erinnert daran, dassdie Rechtleitung nicht erzwungen werden kann.In Wahrheit hat der Prophet nur die Pflicht diegöttliche Botschaft zu verkünden. Die Menschenmüssen aufgrund ihrer Vernunft in Freiheit ihrenGlauben auswählen können, die Anwendung vonGewalt wird dabei nicht erfolgreich sein. Derheilige Quran, das offenbarte Buch des Islams,empfiehlt auch einen vernünftigen Dialog mitanderen Religionen und verlangt vom Propheten,dass er die Vorstellung und Einladung zu seinerReligion auf Dialog und Logik aufbaut. In SureAnkabut, 29, Vers 46 heißt es: „Und streitet mitden Leuten der Schrift nie anders als auf einemöglichst gute Art – mit Ausnahme derer vonihnen, die Frevler sind! Und sagt: ‚Wir glaubenan das, was zu uns, und was zu euch herabgesandt worden ist. Unser und euer Gott ist einer.Ihm sind wir ergeben.‘“ Dialog muss mitFreundschaft und Sanftmut ohne Aggressivität,Beleidigungen und Herabwürdigungen geführtwerden. Der Islam möchte die Wahrheit mitVernunft beweisen.Alle Quranverse und islamischen Überlieferungenzeigen, dass der Islam bei aller Freiheit, die erbeim Dialog kennt, und bei der Wichtigkeit, die erder Gerechtigkeit beimisst, und bei derVerteidigung der Rechte der Menschen, niemalseine Strategie der Gewalttätigkeit verfolgt hat. Esgibt keine Verse und Überlieferungen, diebeweisen, dass der Islam gewalttätig ist. DieseAnschuldigung wird nur von unwissenden Leutenvorgebracht, denn in Wirklichkeit ist dieAggressivität eine Eigenschaft derunterdrückerischen Mächte, die die Völkerausbeuten möchten. Sie gestatten nicht, dass dieMenschheit ihre Rechte erlangt. Menschenwerden von ihnen aus ihrer Heimat vertrieben,ihrer elementarsten Rechte beraubt und mitirreführender Propaganda mit Ausdrücken wieDemokratie, Freiheit und internationales Recht indie Irre geführt. Information Nr. 3429


Die Geschichte Irans in derZeit der Choresmier undMongolen30 Nr. 34Information


Die Dynastie der Choresmier oderChoresm-Schahs (pers. Charasm-Schahian) herrschte von 1098 (491 h q)bis 1231 (628 h q). Anuschtkin (Nuschktin)ist der Gründer dieser Dynastie. Er wurdedurch den Befehlshaber der Armee derSeldschuken, die damals in verschiedenenTeilen des heutigen Irans herrschten (sieheIran Information Nr. 33), in Chorasan alsSklave gekauft. Da er überaußergewöhnliche Fähigkeiten verfügte,erreichte er im Militär höhere Positionenund wurde schließlich unter demSeldschuken Malek Schah der Gouverneurin Choresmien. Er hatte neun Söhne, vondenen der ältesten Qudb-ed-dinMuhammad war, der zum Nachfolgerseines Vaters wurde und 1127 (521 h q)verstarb. Ein weiterer Herrscher aus derDynastie der Choresm-Schahs war Il-Arsalan. Nach ihm kam es zwischen seinenSöhnen Sultan Schah und Ala-ed-dinTakesch (Tekis)zum Krieg um das Erbedes Vaters. Takesch siegte und eroberteauch den Rest von Chorasan, Rey undeinen Teil des heutigen Iraks und beendetedamit die Dynastie der Seldschuken 1194(590 h q). Er nannte sich selbst Schutzherrder Kalifen in Bagdad. Doch sein rascherMachtgewinn beunruhigte den Kalifen,sodass Takesch dessen Bestätigung fürseine Herrschaft verlor. Durch diesenUmstand wurden die Choresm-Schahsbeim Volk unbeliebter und die Kalifenbemühten sich ihren Vorstoß zu stoppen.Nach Takesch gelangte sein Sohn Ala-eddinMuhammad an die Macht. Unter ihmerlangte das Reich der Choresm-Schahsdie größte Ausdehnung.In dieser Zeit wurde im Osten in derMongolei Dschingis Chan zum Herrscherund eroberte auch China. Er wollte mitHändlern eine Beziehung zu den Choresm-Schahs aufbauen. Auch diese schickteneinen Botschafter zum Hof nach Peking,der auch die Notwendigkeit vonUltschaito Gebetsnische, Dschame‘-Moschee IsfahanFreundschaft und Frieden durch denHandel betonte. Darauf hin wurde eineHandelsdelegation von muslimischenKaufleuten von Dschingis Chan nachPersien entsandt. Diese wurden jedochvon den Grenztruppen getötet, worauf derMongolenherrscher eine Entschuldigungund die Bestrafung der Täter forderte. Alaed-dinlehnte jedoch ab und ließ sogar denBotschafter Dschingis Chans töten.Als Folge dessen griffen im Herbst desJahres 1219 (616 h q) die MongolenPersien an. In ihren Truppen hatten sieerfahrene Befehlshaber und chinesischeIngenieure bauten für sie Kriegsgeräte.Das mongolische Heer eroberte, plünderteund zerstörte eine Stadt nach der anderen.Es war so blutrünstig und grausam, dasses die Bevölkerung in Persien für einehimmlische Bestrafung hielt. Mit großerGeschwindigkeit eroberten die Kriegeraus dem Osten blühende Städte wieBuchara, Samarkand, Charasm, Balch,Herat, Tus, Neischabur und Rey innerhalbvon fünf Jahren und verwandelten diese inRuinen. Es wird geschätzt, dass denMongolen allein im damaligen Chorasanfünf Millionen Menschen zum Opfer fielen.In vielen Städten leistete die Bevölkerungeinen erbitterten Widerstand, auch derletzte Charasm-Schah, Dschalal-ad-din,kämpfte gegen die Mongolen und errangdabei noch einige Siege. Als das Volk vonNeischabur von den Erfolgen des Schahshörte, erhob es sich. Bei dieser Revoltekam auch der Schwiegersohn DschingisChans um. Als Rache wurde die StadtNeischabur dem Erdboden gleichgemacht. Männer und Frauen egal ob altoder jung wurden umgebracht. Durch dieViehherden der Mongolen wurde dasLand so verwüstet, dass man nicht einmalmehr Landwirtschaft betreiben konnte.Auch die weltberühmte Bibliothek derStadt wurde zerstört. Information Nr. 3431


Während Dschalal-ad-din floh, er starb inAserbaidschan 1231 (628 h q), warDschingis Chan wegen einer Erhebung imNorden Chinas gezwungen, sich dorthin zubegeben, doch auf dem Weg starb er 1227(624 h q). Das Reich wurde unter denSöhnen Dschingis Chans aufgeteilt. Sieund ihre Nachkommen führten dieEroberungszüge Richtung Westen weiter,was eine der größten Tragödien in derGeschichte der islamischen Welt war. Nachvierzig Jahren wurde Hulagu Chan, derEnkel von Dschingis, vom oberstenMongolenherrscher beauftragt, den Restdes Irans und auch Bagdad zu erobern. Inder damaligen Zeit gab es zwei religiöspolitischeGegenpole in diesem Gebiet, dieAbbasidenkalifen und die Ismailiten.Hulagu war der Meinung, dass einedauerhafte Mongolenherrschaft nur dannmöglich wäre, wenn er beide vernichtete.Er unterwarf den Rest Persiens underoberte auch das Zentrum der Ismaeliten,die Alamut-Bergfestung. Bevor er Bagdaderoberte, schickte er einen Botschafterdorthin, den der Abbasidenkalifbeschenkte. Gleichzeitig versuchte er ihmAngst einzuflößen. Doch dies konnteHulagu nicht vom Angriff abhalten: Erbelagerte Bagdad und ließ den Kalifen,andere Staatsmänner und nach manchenAngaben hunderttausende Menschentöten, womit er die Abbasidendynastie1258 (656 h q) nach ungefähr 500 Jahrenbeendete. Auch die Bibliothek der Stadtund das Bewässerungssystem wurdenzerstört, was langandauernde Folgen hatte.Danach wandte sich Hulagu RichtungDamaskus, doch nachdem ihn dieNachricht vom Tod seines Bruderserreichte, kehrte er in die Mongolei zurück.Seine Armee setzte den Feldzug fort. Sieeroberte Syrien und Damaskus und wollteauch Ägypten einnehmen. Bei derbedeutenden Schlacht von Ain Dschalut imSeptember 1260 (Ramadan 658 h q) in32 Nr. 34Palästina gegen das ägyptischeMamelukenheer unter der Führung von Seifad-din Qudus erlitten die Mongolen zumersten Mal eine Niederlage und derMythos ihrer Unbesiegbarkeit wurdezerstört. Das war ein entscheidenderWendepunkt. Viele der Soldaten auf derSeite der Mameluken waren ehemaligetürkische Sklaven, die von der ebenfallsmongolischen Goldenen Hordestammten.Der Eroberer von Bagdad, Hulagu, warselbst ein Buddhist und seine Frau einechristliche Prinzessin. Er wollte den Islamin der Region Syriens, Jordaniens,Libanons, Palästinas und Ägyptenszurückdrängen und den Kreuzfahrern denZugang ermöglichen. In Damaskuswurden einige Moscheen zu Kirchenumgebaut. Hulagu ließ viele zerstörteGebäude, Brücken und Straßen wieder inOrdnung bringen. Er erbaute in der Nähevon Chui in Westaserbaidschan einenbuddhistischen Tempel und beauftragteden Gelehrten Chadsche Nasir ud-din Tusiein astronomisches Observatorium,Rasad-chane, in Maraqe in der ProvinzOstaserbaidschan zu errichten. Im Altervon 48 Jahren erkrankte er, starb 1265(663 h q) und wurde am Urumijesee inAserbaidschan begraben. Nachmongolischem Brauch wurde ein Tempelerrichtet, der Leichnam mit Goldgeschmückt und einige junge Frauen mitihm lebendig begraben, um ihm in deranderen Welt Gesellschaft zu leisten.Hulagu war der Begründer der Dynastieder Ilchane.Sein Sohn Abaqa Chan Ilchan ließ denRegierungssitz von Maraqe nach Tabrisverlegen und unterstützte das Christentumtrotz seines buddhistischenGlaubensbekenntnisses. Er heiratete diebyzantinische Prinzessin Maria, dieTochter des Kaisers Michael VIII.Paläologus, die ursprünglich mit seinemVater verlobt war. Abaqa Chan griff,Information


Soltanije-Kuppel, Sandschannachdem er seine Herrschaft gesicherthatte, nochmals Ägypten an. Doch derFeldzug endete erneut mit einer schwerenNiederlage, weshalb sich die Ilchaneendgültig von Ägypten abwandten. Nachdem Tod Abaqas 1282 (681 h q) kam seinBruder Takudar an die Macht. Er hatte dasChristentum angenommen, konvertierteaber, als er zum Herrscher geworden war,zum Islam und ging als Sultan AhmadTakudar in die Geschichte ein. Dieislamische Geistlichkeit in Bagdad undKairo und auch die Muslime waren überdiesen Schritt sehr erfreut, doch für dieMongolen mit ihrer Stammesreligion wares ein weiterer Ehrverlust. Deshalb führteder Sohn des Bruders Takudars, Arghun,einen Aufstand gegen den Herrscher, derbei den Kämpfen im Jahre 1284 (683 h q)getötet wurde. Der Führer der Erhebunggelangte an die Macht. Er förderte nunseinerseits den Buddhismus, doch erwurde im Jahre 1291 (690 h q) vergiftet.Im gleichen Jahr folgte ihm sein BruderGichatu an die Macht. Er führte einenausschweifenden Lebensstil, der mitseinem Amt unvereinbar war. Er trank vielAlkohol, machte sogar den Frauen seinerGouverneure den Hof und verschwendeteauch die Staatsgelder. Schließlich wurdeer in der Wüste von Moghan in derheutigen Provinz Ardebil durch Baidugetötet, der sich selbst in Hamedankrönen ließ. Ghasan, der Sohn von Arghun,machte einen Aufstand gegen ihn. DieArmeen trafen in Ostaserbaidschan beider Stadt Maraghe aufeinander. Baiduflüchtete, wurde aber bald festgenommenund auf Befehl von Ghasan hingerichtet,der im Jahre 1295 (694 h q) die Herrschaftübernahm. Vor dem Kampf hatte er denIslam angenommen und den NamenMahmud gewählt. Er machte Tabris zurHauptstadt und befahl in dieser Stadt allebuddhistischen Tempel, Kirchen undSynagogen zu zerstören. Angehörige dermongolischen Oberschicht konvertiertenzum Islam. Ghasan schickte auch keine Information Nr. 3433


Geschenke mehr an den Chan in derMongolei, was bis dahin ein Brauch derHerrscher gewesen war. Außer dermongolischen Sprache beherrschte erauch Persisch, Arabisch und Chinesisch.Er reorganisierte den Staat, ließ vieleMoscheen und Schulen, Dar-usch-Schafa(Krankenhäuser), Badehäuser undSchlösser errichten. Zum ersten Mal seitder Eroberung durch die Araberverwendete er wieder den Namen „Iran“ fürdas Herrschaftsgebiet. Nach neunRegierungsjahren starb er im Alter von 33Jahren 1304 (703 h q) in der Nähe vonQaswin und wurde in Tabris begraben.Nach ihm übernahm Uldschaitu, dessenislamischer Name Sultan MuhammadChodabandeh war, die Regierung undwählte im Jahre 1305 (704 h q) Soltanijehin der heutigen Provinz Sandschan alsHauptstadt. Er annektierte auch Gilan, dasdie Mongolen bis dahin nicht erobernkonnten. Der Sultan gehörte ursprünglichder sunnitisch-hanafitischen Rechtsschulean. Doch nachdem er einer Diskussionzwischen dem sunnitischen Gelehrten GaziNezam-ud-din Maraghe‘ und dem SchiitenAllameh Hilli beiwohnte, änderte er seineAuffassung und wurde Schiite. Er ließ dieNamen der ersten drei Kalifen von denMünzen entfernen und sie wurden auchnicht mehr beim Freitagsgebet genannt.Da die Mehrheit der iranischenBevölkerung damals aber sunnitisch war,änderte er dies wieder. Trotz seinesGlaubensbekenntnisses trank er vielAlkohol und führte einen ausschweifendenLebenswandel, wodurch er erkrankte undim Alter von 35 Jahren im Jahre 1316(Ramadan 716 h q) verstarb. Er wurde ineinem prächtigen Grabmal in Soltanijehbeigesetzt.Nach ihm gelangte sein Sohn Abu SaidBahadorchan im Alter von 13 Jahren an dieMacht. Mit Hilfe der Minister und Generäleregierte er das Land, bis er selbsterwachsen wurde. Bei einem Feldzug34 Nr. 34wegen eines Angriffs der Usbeken aufChorasan starb er unterwegs im Jahre1336 (736 h q). Es wird vermutet, dass erdurch seine Frau Bagdad Chatoun vergiftetwurde. Mit Abu Said endete die zentraleMongolenherrschaft der Ilchane im Iran, dain verschiedenen Regionen des Landeslokale Fürsten Dynastien begründeten. Dieschiitische Sarbedaran-Bewegungmachte einen Aufstand in Sabsawar in derheutigen Chorasane-Rasawi –Provinz.Andere Aufstände gegen die Mongolengab es in Buchara, Samarkand,Masanderan und Kerman. Obwohl unterden Mongolen ursprünglich geordneteVerhältnisse herrschten, kam es schließlichzu einem Chaos.Eine wichtige gesellschaftlicheEntwicklung unter ihrer Herrschaft war,dass die Mongolen nach einigenGenerationen den Islam annahmen,weshalb die Kultur der Eroberer durch dieunterworfene ersetzt wurde. DiesePeriode war ein wichtiger Wendepunkt fürdie wirtschaftlichen Beziehungen zwischenOst und West. In dieser Ära blühten dieMedizin, Astronomie und Mathematik imIran auf. Die Vernachlässigung derpersischen Dichtung in dieser Zeit wurdedurch die Belebung derGeschichtsschreibung aufgewogen:Zahlreiche historische Werke wurdenverfasst, von denen Dschame’-ut-tawarichvon Raschidi das bekannteste und besteist. In dieser Epoche wurde einbesonderer Architekturstil entwickelt. Eineder Besonderheiten derMongolenherrschaft war, dass siemeistens religiöse Toleranz übten, Juden,Christen und Muslime konnten frei ihreReligionen ausüben. Zu Kämpfen kam esnur aus politischen Gründen. Sie selbstkonvertierten – oft aus machtpolitischenErwägungen - zu verschiedenenReligionen, führten aber trotzdem ihreeigenen Traditionen fort.Information


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