Langfassung der Bewerbungskonzeption April 2009 (PDF

muehlacker.de

Langfassung der Bewerbungskonzeption April 2009 (PDF

Grünprojekt Mühlacker 2015


Inhalt

2 Vorwort

5 Einleitung

9 Geschichte

13 Zahlen – Daten – Fakten

17 Defizite und Aufgaben

23 Potentiale und Chancen

27 Konzeption – Grundlagen

33 Konzeption – Bausteine

37 Konzeption – Begleitmaßnahmen

41 Konzeption – Ausstellung

46 Kosten und Finanzierung

49 Von Bürgern – für Bürger

Zusammenfassung

51 Das Grünprojekt Mühlacker in Kürze

Pläne

20 Analyse- und Konfliktplan

26 Übersichtskonzeption

28 Konzeption Grüne Mitte

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Besucherrundwege im Veranstaltungsjahr

44 Temporäre Einfriedungen für Veranstaltungen


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Vorwort

Mühlacker hat die Besonderheit, ein Doppelort zu sein. Bis 1930, dem

Jahr der Stadterhebung, hieß der Ort deshalb Dürrmenz-Mühlacker.

Schon immer war für die Bürgerschaft deshalb das Hüben und Drü-

ben der Enz prägend mit all seinen Anekdoten und Geschichten.

Die beiden Wahrzeichen der Stadt – zum einen die Burg Löffelstelz

und zum anderen der 273 Meter hohe SWR-Sender vereinen Ge-

schichte und Moderne in direkter Nachbarschaft. Beide thronen hoch über der Enz

und damit genau über dem Gelände, das geradezu darauf wartet, durch das Grün-

projekt wieder in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Dies gilt nicht nur für

die Einwohner selbst, sondern gleichermaßen auch für unsere vielen Besucher, die

vermehrt Jahr für Jahr zu uns kommen – sei es per Boot, zu Fuß oder auf dem sehr

beliebten Enztalradweg.

Besonders die Burganlage ist ein beispielloses Gemeinschaftswerk, das auch auf das

Grünprojekt ausstrahlen würde. Was mit der Sperrung der Burg wegen Einsturzgefahr

vor rund fünf Jahren begann, entwickelte sich zu einem Bürgerprojekt, das alle Ge-

nerationen umspannt. Es fanden sich Ehrenamtliche, die 9.000 Stunden Arbeitskraft

in die Ausgrabungen in der Burg und die Auswertung der dabei gemachten zahlrei-

chen Funde investierten. Spenden wurden gesammelt und die Burganlagen so her-

gerichtet, dass sie sich als Ausflugsziel etablierten und nun sogar die Veranstaltungs-

reihe „Kultur auf der Burg“ dort sehr erfolgreich eingeführt werden konnte. Mit dem

Grünprojekt würde es gelingen, diesen Kristallisationspunkt einer aktiven Bürgergesell-

schaft ins Enztal hinunter zu tragen - ins Herz der Stadt. Die Flächen hierfür liegen be-

reit. Endlich könnte damit der schon lange ersehnte Stadtpark – die Enzgärten – Rea-

lität werden. Das Interesse und die Erwartungen der Bürger lassen sich an der Vielzahl

guter Ideen ablesen, die schon jetzt bei uns eingegangen sind. Städtebaulich böte

sich die einmalige Chance, dem Leben und Aufenthalt an den geschichtsträchtigen

Ufern der Enz eine ganz neue Qualität zu verleihen.

Arno Schütterle

Oberbürgermeister


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Burgruine Löffelstelz nach der Restaurierung


Einleitung

Die Stadt Mühlacker bewirbt sich im Rahmen des Landesprogramms „Natur in Stadt

und Land 2015 – 2025“ als Durchführungsort für ein Grünprojekt: die „Enzgärten –

Grüne Mitte Mühlacker“. Namensgebend ist das blaue Band der Enz, das zwischen

Mühlacker und Dürrmenz verläuft und gemeinsam mit der Burgruine Löffelstelz und

den Muschelkalkwänden die Landschaft prägt.

Die Potenziale des Gesamtareals sind bis heute weitgehend ungenutzt. Auf den

ersten Blick bereits mit viel Grün ausgestattet, werden bei genauerem Hinsehen die

Defizite sichtbar: weite Flächen für Autos statt für Menschen, kleinteilig zerstückelte

Grünflächen ohne Aufenthaltsqualität, Verlärmung durch 16.000 Kfz am Tag, Ge-

staltungsmängel, heruntergekommene Bausubstanz, technischer Hochwasserschutz

ohne Aufenthaltsqualitäten – das Gelände verkauft sich weit unter Wert.

Mit dem Grünprojekt besteht nun die einmalige Chance, über das Landesprogramm

eine Grüne Mitte zwischen Mühlacker und Dürrmenz zu gestalten und diese durch

attraktive Wegebeziehungen mit beiden Stadtteilen eng zu vernetzen.

Neben der Hauptaufgabe der Realisierung eines seit langem von der Bevölkerung

erwarteten Stadtparks wird das Grünprojekt auch Katalysator für weitere räumlich

und funktional mit der grünen Mitte verbundene Themen sein: schon der Name des

Jugendhauses ProZwo – Provisorium Zwei – macht deutlich, dass eine endgültige

bauliche Lösung für diesen Fixpunkt der kommunalen Jugendarbeit seit Jahrzehnten

auf sich warten lässt. Die Verbesserung der Wegebeziehungen in die Stadtmitte und

nach Dürrmenz, Aufgaben zur Verbesserung der Gewässerökologie, insbesondere

der Durchlässigkeit von Enz und Erlenbach sowie des Hochwasserschutzes runden die

Gesamtaufgabe ab.

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„Das Grünprojekt finde ich gut …

Elfriede Grözinger

… weil wir schon lange genug darauf warten.

Meine Enkel sollen dort noch spielen können.“


Die Konzeption strahlt deshalb nicht nur in die unmittelbar angrenzende Wohn- und

Einkaufsinnenstadt Mühlackers, die umgebenden Schulen und Wohngebiete aus –

der Begriff „Grüne Mitte“ drückt vielmehr den gesamtstädtischen Anspruch des

Projekts aus. Der Stadt Mühlacker bietet sich die Chance, verschiedene seit Jahren

erkannte Themen zu bündeln und sie konzentriert nach einem verbindlichen Zeitplan

umzusetzen.

Von besonderer Bedeutung wird es sein, die Bürger in Planung, Umsetzung und

Pflege aktiv einzubeziehen – die Enzgärten sollen kein „Park von oben“ sondern ein

Garten von Bürgern für Bürger sein. Denn die „Enzgärten“ sind nicht nur individuell

nutzbarer Erholungsraum. Sie bieten der Bevölkerung die notwendige Plattform zur

niederschwelligen Kommunikation und Interaktion, zum gegenseitigen Kennenlernen,

als Grundlage für gelebte Integration und generationenübergreifenden Dialog.

Das bürgerschaftliche Engagement auf der Burgruine Löffelstelz hat schon einmal

eindrucksvoll gezeigt: für identitätsstiftende Projekte mit Mehrwert sind die Bürge-

rinnen und Bürger der Stadt bereit, selbst Hand anzulegen – für die grüne Mitte der

Stadt, für die Enzgärten.

„Dieser Park ist wichtig für die Stadt. Ich wäre sogar bereit,

Pflanzen aus meinem Garten zu spenden.“

Zitat einer Bürgerin

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Waldenserstraße


Geschichte

Erste Siedlungen auf der Gemarkung

der heutigen Stadt Mühlacker kön-

nen vor 12.000 Jahren nachgewie-

sen werden. Im Jahr 1138 gründen

Zisterzienser im Gewann Eckenweiher

ein Kloster. Der Standort wird jedoch

1146/47 an den wenige Kilometer

nordwestlich gelegenen heutigen

Standort verlegt: Das dort gegrün-

dete Kloster Maulbronn zählt heute

zum Weltkulturerbe.

Die Burgruine Löffelstelz, erbaut um das Jahr 1200 von den Herren von Dürrmenz,

thront weithin sichtbar über dem Enzbogen zwischen Dürrmenz und Mühlacker.

Der bekannteste Vertreter des Adelsgeschlechts, Ulrich von Dürrmenz war Bischof

von Speyer und Reichskanzler unter Kaiser Barbarossa. 1482 an das Kloster Maulbronn

verkauft, verfiel die Burg und wurde zunehmend als „Steinbruch“ für den Bau von

Häusern verwendet. Die erhaltenen Außenmauern wurden im Rahmen eines bei-

spielhaften bürgerschaftlichen Engagements wieder freigelegt. Von Archäologen

begleitete Ausgrabungsarbeiten in den Jahren 2003 – 2006 durch die aus der Bürger-

schaft heraus spontan gegründeten „Scherbabuzzer“ führten zu neuen Erkenntnissen

über die bauliche Entwicklung der Burg. Die Löffelstelz ist deshalb für die Bevölkerung

nicht nur Zeugnis der Geschichte der Stadt, sondern auch Sinnbild der Tatkraft ihrer

Bewohner.

Historischer Enzverlauf mit Mühlkanal

„Die Gegendt umb Derrmüntz“

Plan von 1695

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Wäsche waschende Frauen am Dürrmenzer Enzufer

Güterbahnhof

Hochwasser 1912

Großsender Mühlacker


Die Enz gehörte zu den fischreichsten Gewässern Württembergs. Sie tränkte Mensch

und Vieh, trieb die Mühlräder an und diente den Kindern im Sommer als natürlicher

Wasserspielplatz und im Winter als Schlittschuhbahn.

Die „Weibsleut“ wuschen ihre Wäsche in der Enz. Eine Furt über die Enz im Bereich der

heutigen Friedhofskirche Sankt Peter war durch die bevorzugte Lage am Handels-

weg Ausgangspunkt der Siedlungsentwicklung, aber durch häufige Truppenbewe-

gungen auch Herd steter Unruhe und Zerstörung. Als Wasserstraße für Flößer aus dem

Nordschwarzwald hatte die Enz überregionale Bedeutung für den Holztransport.

Die Enz hat sich aber nicht nur als Lebensader in das Ortsgedächtnis eingeschrieben.

Sie verursachte über die Jahrhunderte hinweg auch verheerende Hochwasserkata-

strophen, so z.B. in den Jahren 1824, 1882, 1896 und 1919. Zuletzt beim Hochwasser

1993 wurde deutlich, welche zerstörerische Kraft der sonst so friedliche Fluss entwi-

ckeln kann.

Mit der einsetzenden Industrialisierung und dem Bau des württembergisch-badischen

Grenzbahnhofs erlebte Mühlacker einen immensen wirtschaftlichen Aufschwung.

Durch die stürmische gewerbliche Entwicklung in der unmittelbaren Umgebung des

Bahnhofs und die annähernde Verdoppelung der Einwohnerzahl überflügelte Mühla-

cker den über Jahrhunderte hinweg größeren Nachbarort Dürrmenz. Im Jahr 1930

wird der Ort Dürrmenz-Mühlacker zur Stadt Mühlacker erhoben.

Noch im selben Jahr feierte die Stadt die Eröffnung des 100 m hohen Großrundfunk-

senders Mühlacker, der bereits 1933/34 durch einen 193 m hohen, ebenfalls in Holz

erstellten Turm ersetzt wurde. Mit seiner eiffelturmähnlichen Tragwerkskonstruktion war

er der höchste Holzturm der Welt und wurde zum Wahrzeichen der Stadt. Trotz seiner

strategischen Bedeutung überstand der Turm die Luftangriffe des 2. Weltkriegs ohne

Schaden und wurde erst im April 1945 durch zurückweichende deutsche Truppen

gesprengt. Auch der heutige Sender ist mit einer Höhe von 273 m weithin sichtbar

und prägt als technisches Bauwerk das Bild der Stadt.

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Gelbe Fläche: Im Eigentum der Stadt

Gelb schraffierte Fläche: Ankaufsrecht der Stadt

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Flächenverfügbarkeit im

Bereich der Grünen Mitte


Zahlen – Daten – Fakten

zur Stadt Mühlacker

Landkreis Enzkreis

Einwohnerzahl (31.12.2007)

Einwohnerzahl der Kernstadt Mühlacker

25.863 EW

mit Dürrmenz (31.12.2007) 14.333 EW

Fläche 54,3 km 2

Bevölkerungsdichte ca. 480 Einwohner je km 2

Zuordnung gem. Landesentwicklungsplan Mittelzentrum in der Region Nordschwarzwald

an der Entwicklungsachse

Stuttgart-Pforzheim-Karlsruhe

Verdichtungsraum Karlsruhe/Pforzheim

Pro-Kopf-Verschuldung (31.12.2008) 1.366 €

Zahlen – Daten – Fakten

zum Projekt „Enzgärten – Grüne Mitte Mühlacker“ im Rahmen des Landesprogramms

Gewünschte Durchführungsjahre flexibel, möglichst 2015 – 2020;

eine frühe Durchführung ist wegen des

weitgehend bereits erfolgten Grunderwerbs

erfolgssicher realisierbar

Größe der Fläche Enzgärten beidseits der Enz: 7 ha

Eigentumsverhältnisse Alle projektkritischen Grundstücke sind

im Eigentum der Stadt oder mit einem

aktiven Ankaufsrecht versehen.

Gemeinderatsentscheidung ja: 32, nein: 0, Enthaltungen: 0

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„Das Grünprojekt finde ich gut …

Silvia Wittich

… weil Kinder Freiraum brauchen, um sich zu

entfalten und damit die Eltern mal durchatmen können.“


Geplante Höhe und Finanzierung ca. 4,7 Mio. € zzgl. Begleitmaßnahmen

der Investitionen (Jugendhaus, Hochwasserschutz,…)

Geplante Höhe und Finanzierung der ca. 1,0 Mio. €

davon 1,278 – 2,0 Mio. € Fördermittel

Rest aus Haushaltsmitteln der Stadt

durch Schwerpunktsetzung

Durchführungskosten davon ca. 0,4 – 0,5 Mio. € aus Eintritts-

geldern und Sponsoring, Rest aus Haus-

haltsmitteln

Erreichbarkeit Bahnknotenpunkt mit eng getakteten

Verbindungen im Nah- und Fernverkehr

in Richtung Stuttgart, Pforzheim-Karls-

ruhe, Bruchsal-Heidelberg/Rhein-

Neckar

Attraktive Regional- und Stadtbusver-

bindung zum ca. 1 km entfernten

Bahnhof

B 10 unmittelbar angrenzend

B 35 5 km

A 8 Abfahrt Pforzheim Ost 10 min

A 81 Abfahrt Zuffenhausen 30 min

A 5 Abfahrt Bruchsal 25 km

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Defizite und Aufgaben

Das Gesicht der Stadt: wegen seiner strategischen Bedeutung als Bahnknotenpunkt

erlitt Mühlacker durch Fliegerangriffe im 2. Weltkrieg erhebliche Zerstörungen. Wäh-

rend sich die Stadt in funktionaler Hinsicht schnell erholte, hat sie in städtebaulicher

Hinsicht ihr sowieso schon sehr junges Gesicht weitgehend eingebüßt. Historische

Bausubstanz, die der Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt dienen könnte, ist in der

Kernstadt praktisch nicht vorhanden. Eine der steten Aufgaben der Stadtentwicklung

ist es deshalb, nicht nur die praktisch-nützlich-funktionale, sondern auch die liebens-

werte Seite der Stadt herauszuarbeiten – Orte zu schaffen, die Emotionen wecken.

Die Enzgärten können ein solcher emotional aufgeladener Ort an den Schnittstellen

zwischen Stadt und Fluss, zwischen Dürrmenz und Mühlacker werden.

Qualitative Innenentwicklung: städtebaulich konzentriert sich die Stadt Mühlacker

seit langem auf eine qualitative Entwicklung des Siedlungsbestands anstelle einer

quantitativ ausgerichteten Ausdehnung auf der grünen Wiese. Das letzte Wohnbau-

gebiet der Stadt wurde im Jahre 1993 ausgewiesen. Stattdessen wird im Rahmen der

Stadterneuerung die Innenentwicklung der Stadt- und Ortskerne mit erheblichem

Mittelaufwand und unterstützt durch Bund und Land vorangetrieben. Notwendig für

die erfolgreiche Fortsetzung dieser Strategie ist eine Verbesserung weicher Standort-

faktoren in der Kernstadt. Da nur wenige innerstädtische Grünflächen vorhanden

sind, werden die Enzgärten als gemeinschaftlicher Freiraum der Bevölkerung benö-

tigt. Von der Stadtentwicklungsplanung STEP 2020 über die Stadtökologische Entwick-

lungskonzeption und die Sanierungskonzepte für Kernstadt und Dürrmenz bis zum in

der Bearbeitung befindlichen Gewässerentwicklungsplan für den Erlenbach wird die

strategische Bedeutung der beiden Enzufer für eine qualitätsvolle Freiraumentwick-

lung der Stadt Mühlacker betont.

Gewachsene Nutzungen: das über Jahrzehnte gewachsene Nutzungsmosaik im

Plangebiet verhindert eine einheitliche Wahrnehmung der Fläche, das grundsätzlich

gegebene Potenzial als grüne Mitte der Stadt liegt brach. Aufgabe des Grünprojekts

muss es deshalb insbesondere sein, überflüssige Nutzungen zu entfernen, sinnvolle

Nutzungen unter gleichzeitiger Minimierung von Restflächen neu zu ordnen und diese

behutsam um noch fehlende Angebote zu erweitern.

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„Das Grünprojekt finde ich gut …

… weil dieser Platz eine Menge

Tanja Ringlstetter

ungenütztes Potenzial hat.“


Hochwasserschutz: das Verhältnis der Einwohner zur Enz war und ist ambivalent:

einerseits Lebensader, Nahrungsquelle, Verkehrsweg, Energiequelle, andererseits un-

beherrschbare Zerstörungskraft bei Hochwasser. Dies kommt im technischen Ausbau

mit geringer Aufenthaltsqualität zum Ausdruck.

Flusskraftwerk: seit über 100 Jahren wird die Enz zur Energiegewinnung genutzt. Das

Flusskraftwerk auf Höhe des Theodor-Heuss-Gymnasiums versorgt derzeit ca. 1.000

Haushalte in Mühlacker mit Strom. Die Flusswehranlage dominiert optisch den oberen

Bereich des Plangebiets als technisches Bauwerk und stellt trotz der vorhandenen

Fischtreppe für die meisten Organismen eine unüberwindliche Sperre dar, die die

ökologische Durchgängigkeit der Enz unterbricht.

Gebäude und öffentliche Nutzungen: während die Jugendmusikschule sich weit-

gehend nahtlos in die Grünflächen einfügt, stellt das Hauptgebäude der früheren

Gärtnerei Keefer einen Fremdkörper dar, der die intuitiv naheliegende Wegebe-

ziehung zwischen Mühlacker und Dürrmenz stört. Ein Ankaufsrecht zugunsten der

Stadt verspricht die Möglichkeit zur Verbesserung der Situation. Das Bürohaus Wertle –

ursprünglich ein Verwaltungsgebäude – beherbergt heute das Jugendhaus und

diverse Vereine: das Gebäude in Randlage ist im Eigentum der Stadt, sein schlechter

Zustand legt aber einen baldigen Neubau nahe.

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Analyse- und Konfliktplan


Verkehr: durch erheblichen Parkdruck und Lärmemissionen von der Enzstraße her

(16.000 Kfz/Tag) ist eine Aufenthaltsqualität nur sehr bedingt gegeben. Durch die Ver-

legung der B 10 aus der Stadtmitte (Kelterplatz) heraus zerschneidet außerdem die

neue Trasse die Beziehung zwischen Stadtkern und Enzaue. Dem Fußgängersteg am

Rathaus kommt daher eine wichtige Verbindungsfunktion zu.

Erlenbach: er ist durch seinen begradigten Ausbau kaum im Stadtbild erlebbar und

trägt somit wenig zum Thema „Wasser in der Stadt“ bei.

Brachfläche Gärtnerei Baral: das Dürrmenzer Enzufer ist durch Krautgärten und die

Brachfläche einer ehemaligen Gärtnerei charakterisiert, die noch einer Nachnutzung

harrt. Auch hier ist ein unmittelbarer Zugang zur Enz kaum gegeben.

Marktplatz Dürrmenz: der Marktplatz in Dürrmenz hat keine Aufenthaltsqualität, sondern

„regelt“ den Verkehr.

Waldenserstraße: der ehemals dörfliche Charakter und Charme der Waldenserstraße

geht durch den hohen Versiegelungsgrad verloren. Die sehr funktionale Gestaltung

(Asphalt, Hochbordsteine) tut ein übriges.

Enzstraße: eine durchgehende Grüngestaltung in der vom Straßenlärm stark betrof-

fenen Enzstraße fehlt ebenso wie eine attraktive Fußwegeführung in diesem unmittel-

bar an die Enz angrenzenden Bereich – schleichende Erosionserscheinungen in der

Bewohnerschaft sind die Folge.

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„Das Grünprojekt finde ich gut …

… weil in der Stadt mehr Platz für Kinder,

Frieder Herbel

zum Grillen etc. sein sollte.“


Potenziale und Chancen

Bewusstsein: die Bevölkerung wartet seit Jahren auf einen Stadtpark. Der Bedarf

wird durch alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen gesehen und ist auch auf

kommunalpolitischer Ebene fest verankert. Mühlacker wartet auf die Enzgärten auf

beiden Seiten des Flusses als Ergänzung zur innenfokussierten Wohnungsbaupolitik der

Stadt.

Zentralität: die Enzgärten strahlen durch ihre zentrale Lage in die gesamte Kernstadt

aus. Sie sind – an der Nahtstelle zwischen den Siedlungskernen der historischen Orts-

kerne von Dürrmenz und Mühlacker gelegen – Begegnungsraum für alle Bürgerinnen

und Bürger der Stadt und bieten Identifikationspotenzial.

Überörtlichkeit: die über Mühlacker hinausgehende Bedeutung des Einzelhandelsstandorts

sowie die Lage an attraktiven Wegeverbindungen (Enztalradweg, Eppinger-

Linien-Wanderweg, ...) lässt eine Nutzung der Flächen auch durch über die Stadt hin-

ausreichende Bevölkerungsgruppen erwarten – nicht nur im Veranstaltungsjahr.

Erschließung: in verkehrlicher Hinsicht kann das Areal durch die unmittelbare Nähe

zur B10 als optimal erschlossen gelten. Attraktive Fuß- und Radwegebeziehungen

aus der Stadtmitte Mühlacker bzw. aus dem Ortszentrum Dürrmenz heraus sorgen für

eine gute Erreichbarkeit. Im Veranstaltungsjahr gewährleistet die Nähe zum Bahnhof

umweltschonende Mobilität für die Besucher.

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Flächenverfügbarkeit: die für die Durchführung des Projekts erforderlichen Flächen

sind bereits weitestgehend im Eigentum der Stadt, so dass eine zügige und sichere

Realisierung gewährleistet ist.

Sowieso-Projekte: die Themen Jugendhaus, Renaturierung und die Steigerung der

Erlebnispotenziale des Erlenbachs, Anpassung des Hochwasserschutzes an geänder-

te klimatische Bedingungen, Gestaltung von Straßenräumen sowie Lärm mindernde

Maßnahmen an der Enzstraße im Rahmen der Lärmaktionsplanung können im Ge-

samtzusammenhang des Grünprojekts aufeinander abgestimmt und fokussiert ange-

gangen werden.

Bürgersinn: die Bevölkerung von Mühlacker ist begeisterungsfähig und bereit, sich in

als wichtig erkannte Projekte langfristig einzubringen, aber auch sich neue Lebens-

und Aufenthaltsräume anzueignen und diese in Besitz zu nehmen. Ein Park nicht nur

für Bürger, sondern auch von und mit Bürgern. Vereine und Bürgerinitiativen signali-

sieren größtes Interesse nicht nur an einem Park, sondern an der Mitwirkung bei der

Gestaltung und Realisierung.

Bürgerinformationsveranstaltung am 08.04.2009

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Konzeption – Grundlagen

Die Ausgangslage: für eine nachhaltige Grünkonzeption in Mühlacker ist günstig: Ziel

der Planung ist keine „Aufhübschung“, sondern die Neuschaffung einer großen, dauer-

haften, zusammenhängenden innerstädtischen Grünfläche – für Mühlacker eine

Jahrhundertchance.

Die Gestaltungskonzeption: baut auf den gegebenen landschaftlichen, ökologischen

und städtebaulichen Gegebenheiten auf. Ziel ist es, die Potenziale des Ortes mög-

lichst vollständig zu nutzen, den Landschaftsraum entlang verschiedener prägender

Elemente weiter zu entwickeln.

Burg und Felswand: die Burgruine Löffelstelz überragt das Areal und gibt ihm bereits

in der Gesamtansicht seine landschaftsräumliche Unverwechselbarkeit, macht die

Enzgärten zu einer „Marke“. Besondere Bedeutung haben deshalb Blickbeziehungen

zur Burg, aber auch die Optimierung der Wegeverbindungen, die „oben und unten“

miteinander verbinden.

Wasser I: die Enz prägt den Landschaftsraum, sie ist Hintergrund und Ursache der historischen

Siedlungsentwicklung. Die Stadt wendet dem Wasser derzeit jedoch weit-

gehend den Rücken zu – über geraume Zeit überwogen die Probleme und Gefahren

den „Nutzen“ des Flusses. Bei funktionierendem Hochwasserschutz überwiegt der

Freizeit- und Erlebniswert allerdings die Gefahren bei Weitem – die Stadt soll sich dem

Fluss deshalb aktiv zuwenden.

Wasser II: Enz und Erlenbach bergen neben dem offenkundigen Freizeitwert die

Möglichkeit, ökologische Zusammenhänge in verschiedenen Bereichen begreifbar zu

machen: Flussbett, Mündungs“delta“, Uferbereich mit Prall- und Gleithang, Böschun-

gen, aber auch Überschwemmungsflächen, Hochwasserschutz und Sperrwirkung

von Bauwerken sowie deren Überwindung – das Element Wasser und seine prägende

Wirkung für Morphologie, Flora und Fauna sind in der Landschaft lesbar. Erste Gesprä-

che mit den Wasserwirtschaftsbehörden verliefen vielversprechend.

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Konzeption Grüne Mitte


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„Das Grünprojekt finde ich gut …

… weil ein Platz zum entspannen und

im Grünen verweilen in jede Stadt gehört.“

Stephan Gräther


Wege: die zentrale Lage an den Schnittpunkten zwischen Stadt und Wasser, aber

auch zwischen Mühlacker und Dürrmenz macht die Grüne Mitte zu einer Drehschei-

be. Gleichermaßen funktionale wie attraktive Wegebeziehungen ermöglichen den

fußläufigen Zugang zum Gelände für weite Teile der Bevölkerung und verbinden

darüber hinaus Mühlacker und Dürrmenz. Nicht zuletzt verbessert die Konzeption die

Wegeführung im überörtlichen Fuß- und Radwegenetz, insbesondere des hochfre-

quentierten Enztalradwegs.

Nutzungen: die Gestaltung und Nutzungstypologie der Enzgärten entspricht den seit

Jahren unerfüllten Forderungen und Wünschen der Mühlacker Bürger: multifunktio-

nale Grünflächen, Freibereich zum Jugendhaus, Café, Biergarten, Spielgärten, Obst-

und Beerengärten, 60+Gärten, ...

Massenausgleich: ein wesentlicher Kostenpunkt sind Erdmassenverschiebungen,

daher wurde bereits in dieser frühen Konzeptphase mit dem Ziel „Massenausgleich“

gearbeitet. Erdmassen können so zum Einen weitgehend im Plangebiet verbleiben,

zum Anderen wird gewährleistet, dass im Hochwasserfall kein Retentionsvolumen

verloren geht. Im Gegenteil, durch den Materialbedarf zu Herstellung des aktiven

Lärmschutzes an der Enzstraße wird das Retentionsvolumen erhöht.

Modularität und Dauerhaftigkeit: das Projekt ist modular und damit flexibel angelegt.

Es legt großen Wert auf eine nachhaltige Umgestaltung, die weit über das Veranstal-

tungsjahr hinausreicht.

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Systemschnitte:

oben: Massenausgleich bei Erdbewegungen,

Mitte und unten: Inszenierung der Böschungskante


Konzeption – Bausteine

Enzgärten links der Enz (Mühlacker): multifunktionaler Naherholungsraum für Jung

und Alt: Picknickwiese, Spielplätze, Skaten, Boule spielen, Beachvolleyball spielen, im

Winter Schlittschuh laufen, Kaffee trinken, Eis essen, auf den Enzterrassen sitzen, musi-

zieren, Natur beobachten, Blumen riechen, durchs Wasser waten, Federball spielen,

Fische und Libellen beobachten, sich treffen und unterhalten, Natur kennen lernen,

Platz haben …

Enzgärten rechts der Enz (Dürrmenz): kleinteiliger, eher ländlich geprägter Grünraum

am Dürrmenzer Enzufer, jedoch getragen durch ein orthogonales Wegemuster.

Spannungsreichtum gegenüber dem urbanen linken Enzufer. Die „Inbesitznahme“

durch die Bewohner kann bereits bei der Erstanlage durch kooperative Projekte

entwickelt werden – gemeinsame Planung, Mitbringen von Pflanzen, Schaugärten

von Obst- und Gartenbauvereinen, später auch Pflegepatenschaften. Die kleinteili-

ge Struktur erlaubt verschiedenste Einzelgärten mit unterschiedlichem Charakter auf

kleinem Raum.

Promenade: Gestalten der Promenade beidseits der Enz mit Blickbeziehungen zur

Burgruine Löffelstelz, nach Mühlacker und Dürrmenz.

Zwischenebene: bessere Erlebbarkeit und Nutzung des Enzvorlandes durch Verschie-

ben und Optimieren des Hochwasserdammes und Schaffung eines neuen Gelände-

zwischenniveaus bei gleichem Retentionsvolumen (vgl. Skizze) – zur Enz hin Hochwas-

serschutz, zur Enzstraße hin Lärmschutz.

Visualisierung Enzcafé, davor Enzterrassen

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„Das Grünprojekt finde ich gut …

… weil man dann auch

an der Enz spielen kann

Maximilian Dauner


Grünes Klassenzimmer: Schulen und Kindergärten werden direkt über „Grüne Klas-

senzimmer“, Lehrprojekte in den Enzgärten, einheimische Bäume an verschiedenen

Standorten und „Lernen auf dem Schulweg“ mit einbezogen.

Jugendhaus: das neue Jugendhaus und seinen Freiraum integrieren statt separieren.

Die geplante Stellung des Gebäudes sowie der Parkplätze bieten ohne baulichen

Mehraufwand einen effektiven städtebaulichen Lärmschutz für die „Enzgärten“.

Fischtreppe: Schaffung der ökologischen Durchgängigkeit der Enz beim Wehr durch

ein erlebbares Umgehungsgerinne unter Einbeziehung der Erlenbachmündung.

Erlenbach: Renaturierung des Erlenbachs zwischen B10 und Enzmündung, Gestaltung

des Erlenbachs zwischen B10 und Goethestraße als wahrnehmbares Element „Was-

ser in der Stadt“, Stärkung der Wegebeziehung entlang des Erlenbachs bis zu den

Seniorenwohn- und -pflegeheimen.

Eingänge: Aufwertung des Entrées nach Dürrmenz am Waldensersteg, Begrünung

und städtebauliche Aufwertung der Waldenserstraße des Marktplatzes sowie des

Eingangs zum Kelterplatz.

Strand: am Gleitufer, auf Dürrmenzer Seite, entsteht ein „Sandstrand“ mit mobilen Sitz-

und Erholungsmöglichkeiten und direktem Blick auf die Löffelstelz.

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Konzeption – Begleitmaßnahmen

Innerhalb des Plangebiets stehen mittelfristig verschiedene bauliche Projekte zur Re-

alisierung an. Eine Koordination aller Maßnahmen im Rahmen einer Gesamtplanung

erscheint angezeigt, da die betroffenen Themen weitreichende Folgen für die Ge-

staltung der Fläche haben und sich gegenseitig beeinflussen.

Auch jenseits fachlicher Koordinationserfordernisse kann der aus dem Grünprojekt

resultierende Schwung genutzt werden, um notwendige Projekte im Umfeld mit zu

befördern:

Jugendhaus I: Neubau – Das Jugendhaus der Stadt Mühlacker ist zentraler Bestand-

teil der offenen Jugendarbeit. Es ist derzeit provisorisch im Bürohaus am Wertle un-

mittelbar im Plangebiet untergebracht. Multifunktional nutzbare Freiflächen für die

Vielzahl an Veranstaltungen sind nicht vorhanden, das Gebäude selbst ist in sehr

schlechtem baulichem Zustand und muss durch einen Neubau ersetzt werden. Der

Makrostandort Wertle/Enzvorland profitiert von seiner guten Erreichbarkeit zu Fuß

sowie per Bus und Rad, so dass ein Neubau wieder innerhalb des Plangebiets zu

suchen wäre. Durch eine eher bandförmige Ausbildung des Baukörpers wäre ein

effektiver Lärmschutz der Freibereiche gegen die Enzstraße erreichbar.

Jugendhaus II: Energieoptimierung - Der Neubau soll als energetisch optimiertes Ge-

bäude geplant werden. Weite Teile der Bevölkerung haben Vorbehalte gegen Nied-

rigenergie- oder gar Nullenergiegebäude, weil sie keine praktische Vorstellung vom

Leben in diesen Gebäuden haben. Jugendliche sind die Bauherren von morgen und

sollten eigene Erfahrungen mit energieoptimierten Gebäuden sammeln können.

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„Das Grünprojekt finde ich gut …

… weil der Skateplatz mit mehr Fläche

Markus Korn

ausgestattet werden sollte.“


Lärmschutz: Lärm, insbesondere Verkehrslärm besitzt das höchste Störpotential für

Menschen und macht krank. Die Stadt Mühlacker ist mit der B 10 und der Enzstraße

in der ersten Stufe in der Lärmaktionsplanung vertreten – beide Straßen liegen unmit-

telbar am Plangebiet an und bewältigen tägliche Verkehrsmengen von über 16.000

Kfz. Die Maßnahmenplanung zum Schutz der Wohnbevölkerung ist derzeit in Arbeit

und wird in einen mittelfristig umzusetzenden Aktionsplan münden. Der Schutz inner-

städtischer Naherholungsflächen vor Verkehrslärm muss einen vergleichbaren Stel-

lenwert einnehmen, da diese als Rückzugsraum für die Freizeitgestaltung gerade der

beengt wohnenden Bevölkerung in verkehrlich belasteten Lagen eine wesentliche

Ausgleichsfunktion haben.

Hochwasserschutz: die Hochwasserschutzmaßnahmen an der Enz wurden nach

dem Jahrhunderthochwasser 1993 auf Schutz gegen ein hundertjähriges Hochwas-

serereignis ausgebaut. Durch die bereits eingetretenen und noch zu erwartenden

Klimaänderungen wird der Einzugsbereich der Enz derzeit einer Prüfung unterzogen.

Das voraussichtliche Ergebnis wird nach Auskunft der Fachbehörden ein Absinken

des Schutzniveaus auf HQ 85-90 statt bisher HQ 100 sein. Ergänzende Maßnahmen

sind notwendig und müssen städtebaulich abgefangen werden, um eine weitere

Technisierung und Abgrenzung des Enzvorlands von den Siedlungsbereichen zu ver-

hindern.

Wegeverbindungen: entlang des Erlenbachs sowie den Hang hinauf zur Burgruine

Löffelstelz sind Wegeverbindungen teilweise unterbrochen, teilweise auch nur in

schlechtem oder ungestaltetem Zustand. Durch den mit der Realisierung der Grünen

Mitte verbundenen Systemgedanken geraten die einzelnen noch verbliebenen Prob-

lemstellen erneut in den Fokus und können zeitnah umgesetzt werden.

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Besucherrundwege im

Veranstaltungsjahr


Konzeption – Ausstellung

Nachhaltigkeit: Mühlacker möchte im Eröffnungsjahr eine qualitätvolle Ausstellung

bieten, die gärtnerische Schwerpunkte setzt, ohne hierbei auf dauerhafte Nutzbar-

keit zu verzichten. Das Gelände-Layout lässt intensive Nutzungen im Veranstaltungs-

jahr bei geringen Umbaukosten für den Dauerbetrieb zu.

Besucherpotential: die Stadt Mühlacker liegt innerhalb des Dreiecks der drei größten

Städte Baden-Württembergs Stuttgart, Mannheim und Karlsruhe. So ergibt sich bereits

bei einem Radius von 50 Kilometern ein Besucherpotential von über 4,5 Mio. Perso-

nen, die umweltfreundlich mit der Bahn anreisen können. Hinzu kommt die hervorra-

gende Verkehrsanbindung über die Autobahnen A8, A81, A5, sowie die Bundesstra-

ßen B 10 und B 35. Die Tiefgarage am Kelterplatz, also unmittelbar am Eingang zum

Gelände verfügt über eine Direktanbindung an die B 10 und bietet 240, der Parkplatz

am Hallenbad weitere 230, der Festplatz wenige Meter flussabwärts nochmals 200

Stellplätze. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Stadt Mühlacker zu

ihrem Grünprojekt eine große Zahl von Besuchern begrüßen darf.

Schwerpunkt: der Schwerpunkt des Veranstaltungskalenders liegt in den „Enzgärten“.

Hier zeigen die Einwohner von Mühlacker, die Vereine, Initiativen und Kirchen ihr Profil,

eingebettet in die exklusiven Neuheiten der Ausstellungsbeiträge von „Grünen Ver-

bänden“ (Garten der Besinnung, Garten der Bewegung, etc.). Der bewusste Kontrast

zwischen kleinteiligen (Dürrmenzer Seite) und großzügigeren Flächenlayouts (Enzvor-

land) lässt Platz für die Darstellung verschiedener landschaftsarchitektonischer und

landschaftsgärtnerischer Konzepte.

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„Das Grünprojekt finde ich gut …

Bernd und Oliver Briele

… weil es Freude macht, draußen zu sein.“


Gartenbau: in den Dürrmenzer Enzgärten wird der traditionelle Gartenbau Gewicht

haben: gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung geraten bei Kindern und

Jugendlichen, genauso wie bei Erwachsenen im heutigen Spannungsfeld der schu-

lischen und beruflichen Anforderungen oft ins Hintertreffen. Unter diesem Gesichts-

punkt werden u.a. kleine Bauern- und Gemüsegärten angelegt, die in Kooperation

mit „echten“ Gärtnern und den Schulen bewirtschaftet werden und die ökologi-

schen Zusammenhänge „handgreiflich“ machen.

Kulturbühne Enzterrassen: in der langen Nacht der Enz findet ein buntes Treiben fluss-

abwärts statt. Das umgestaltete Enzvorland wird zur „Bühne“, die Enzterrassen am

Hochwasserdamm werden zur „Loge“. So entsteht eine dauerhafte Naturbühne, die

auch nach dem Veranstaltungsjahr einen festen Platz im jährlichen Kulturprogramm

der Stadt einnehmen kann. Sie kann die gut eingeführte Veranstaltungsreihe „Kultur

auf der Burg“ da ergänzen, wo größere Flächen notwendig sind oder größere Be-

sucherzahlen erwartet werden.

Temporäre Gärten: das Grünprojekt wird in die Stadt getragen. Kunstpfade und

temporäre Stadtgärten erzeugen besondere Anziehungspunkte und ermöglichen es,

auch außergewöhnliche Grünkonzepte auf Zeit zu verwirklichen. Die derzeit bereits

in der Realisierung befindlichen Stadtplätze entlang der Bahnhofstraße stehen als

wandlungsfähige Bühnen zur Verfügung.

Wasser: Wasser in all seiner Vielfältigkeit wie Lebensraum, Energieträger, Gestaltungs-

und Nahrungsmittel, aber auch Naturgewalt wird zu einem der Leitthemen und ist

direkt vor Ort in all seinen Dimensionen hautnah erlebbar.

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Temporäre Einfriedung für Veranstaltungen


Geschichte: den Einwohnern und Gästen wird in Mühlacker ein umfang- und ab-

wechslungsreiches Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm geboten. Auf der

Grundlage der Geschichte (römische Siedlung, Kloster Maulbronn, Eppinger Linie,

Eisenbahnknotenpunkt, junge Stadtgeschichte…) werden noch heute ablesbare

historische Bezüge attraktiv vermittelt.

Stadtteile und Vereine: alle Stadtteile mit ihren Vereinen sind wichtiger Bestandteil der

Ausstellung und des Veranstaltungskalenders. Stadtteilwochenenden geben auch

den fünf Stadtteilen die Möglichkeit, sich in ihrer Vielfalt zu präsentieren.

Pavillon: das Jugendhaus steht als zentrales Gebäude im Gelände für Ausstellungen

zur Verfügung. Hier kann ein Info-Pavillon im Veranstaltungsjahr dauerhaft eingerich-

tet werden.

Geschlossene Veranstaltungen: das Thema Einzäunung der Veranstaltungsflächen

muss im weiteren Verfahren noch differenziert untersucht werden. Ein erstes Konzept

zeigt die flexiblen Möglichkeiten, die mit zwei verschiedenartigen Teilgebieten ein-

hergehen. Veranstaltungen können jedoch nicht nur im Gelände selbst, sondern

ergänzend auch an der unmittelbaren Peripherie vorteilhaft angeboten werden:

Schulen, Mühlehof, Rathaus, Kelter und Burgruine Löffelstelz liegen in Sichtweite und

sind fußläufig erreichbar.

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Kosten und Finanzierung

Investitionshaushalt

Der Investitionshaushalt enthält ausschließlich Kosten für Maßnahmen von dauerhaf-

ter und nachhaltiger „grüner Infrastruktur“ in Mühlacker. Sie sind als Investitionen der

Stadt in eine auf die Zukunft ausgerichtete Stadtentwicklung zu sehen.

Grüne Mitte/Enzgärten 3,4 Mio €

(Grünflächen, Wege, Plätze, Spielbereiche, Sitzstufen,

Parkierung etc. ohne Café und neues Jugendhaus)

Grüngestaltung Enzstraße 0,5 Mio. €

Gestaltung der Waldenserstraße und des Marktplatzes in Dürrmenz 0,8 Mio. €

Summe 4,7 Mio. €

davon Zuschüsse ca. 50 %

Programm Natur in Stadt und Land 2,0 Mio. €

Landessanierungsprogramm, Hochwasserschutz,... 0,35 Mio. €

Kommunaler Anteil Vermögenshaushalt 50 % 2,35 Mio. €

Ausstellungshaushalt

Die Schätzung für den Durchführungshaushalt beruht auf Zahlen vergleichbarer

Projekte, sie wurde jedoch an die Anforderungen in Mühlacker angepasst.

Ausgaben für temporäres Grün, Veranstaltungen, Ausstellungen,

Pflege, Marketing, Parkleitsystem, Rückbau, ...

1,0 Mio. €

Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Führungen, 0,4 – 0,5 Mio. €

Sponsoring, Parkgebühren, ...

Kommunaler Anteil Verwaltungshaushalt 50 % 0,5 – 0,6 Mio. €


Es wird deutlich, dass keine „riesigen Sprünge“ gemacht werden können. Die Mitwir-

kung von Bürgerinnen und Bürgern, von Vereinen und Initiativen, wirkt andererseits

kostenmindernd. Wichtig wird sein, dass das Ausstellungsprogramm einerseits anspre-

chend und einladend ist, dass andererseits aber die Ausstellungsbeiträge kostenex-

tensiv gestaltet werden. Im Veranstaltungskonzept wurde dies berücksichtigt.

Folgekosten, Pflege

Die Enzgärten links der Enz (Mühlacker Flussseite) verursachen bereits heute durch

zerstückelte, unzusammenhängende Grünflächen erhebliche Pflegekosten, ohne

dafür einen entsprechenden Ertrag im Sinne eines freiräumlichen Mehrwerts für die

Stadt und ihre Einwohner zu erwirtschaften. Für diesen Bereich ist nicht mit erhebli-

chen Pflegemehraufwendungen zu rechnen.

Die Enzgärten rechts der Enz (Dürrmenzer Flussseite) werden einen Pflegemehrauf-

wand mit sich bringen, der allerdings durch Bürger-, Vereins- und Schulpatenschaften

verringert werden kann. Durch pflegeextensive Bepflanzung und bauliche Elemente

mit geringem Pflegeaufwand wird die gesteigerte Aufenthaltsqualität die Pflege-

mehrkosten auch dauerhaft weit übersteigen.

Nach der derzeitigen Einschätzung ist das Projekt „Natur in Stadt und Land“ in der

mittelfristigen Finanzplanung der Stadt Mühlacker darstellbar. Städtebauliche- und

Hochbauprojekte mit vergleichbaren Investitions- und Folgekosten werden in Mühl-

acker regelmäßig realisiert. Die in Politik und Bürgerschaft erkannte Priorität der

Grünen Mitte wie auch die zur Verfügung stehenden Fördermittel sichern die Reali-

sierbarkeit im Rahmen des Haushalts der Stadt Mühlacker ab.

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Moderationskarten aus der Bürgerbeteiligung am 08.04.2009


Von Bürgern – für Bürger

Die Enzgärten sollen kein „verordneter Park“ werden, sondern ein Stadtgarten von

Bürgern für Bürger. Bereits bei einer Informationsveranstaltung am 08.04.2009 zeigte

sich, dass die Bevölkerung sich mit regem Interesse an der Gestaltung ihrer Gärten

beteiligen will: an die Vorstellung der bisherigen Planinhalte schloss sich eine mode-

rierte zweistündige Diskussion an, in der die Bürger nochmals Ihre Ideen einbrachten.

In den folgenden Tagen gingen weitere schriftliche Stellungnahmen ein, die aus-

nahmslos die Notwendigkeit des Projekts betonten. Die Identifikation der Bürgerinnen

und Bürger mit dem Projekt „Enzgärten – Grüne Mitte Mühlacker“ ist vor dem Hinter-

grund erster Feedbacks als sehr hoch einzustufen.

Für das weitere Verfahren bedeutet dies: bei diesem Projekt muss von vornherein

eine weit über das übliche Maß hinausgehende Beteiligung der Bevölkerung einge-

plant werden. Kooperative Planungsverfahren, wie sie z. B. in Soziale-Stadt-Projekten

zum Standardrepertoire gehören, können als Vorbild für das weitere Verfahren ge-

nommen werden. Wesentlich ist hierbei die frühzeitige Einbindung aller relevanten

Interessensgruppen, ergänzt um „Anwälte“ derjenigen, die auch durch nieder-

schwellige Beteiligungsangebote nicht zu erreichen sind.

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Insbesondere die gemeinsame Erarbeitung von Konzepten mit Kindern und Jugend-

lichen zeigt gegenüber einer reinen „Planerplanung“ regelmäßig erhebliche Vorteile:

die Angebote werden am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet und die Beteiligten ent-

wickeln – z. B. beim Modellbau – Verständnis für begrenzte räumliche und finanzielle

Ressourcen. Die gesteigerte Identifikation mit ihren Enzgärten ist außerdem eine gute

Voraussetzung für einen sorgsamen und verantwortungsbewussten Umgang mit der

Anlage.

Nicht nur in der Planungsphase, auch bei der Realisierung und späteren Pflege kön-

nen in kleinteilig organisierten Bereichen Bürgerbeteiligung und Patenschaften – ob

durch Einzelne, durch Nachbarschaften, Interessensgruppen oder Vereine – groß

geschrieben werden. Was kommt heraus, wenn zur Anlage kleiner Gärten die Bürger

ihre Lieblingspflanzen mitbringen dürfen? Lassen sich Patenschaften dauerhaft instal-

lieren? Vielleicht durch Schaffung einer Austauschplattform für alle Paten?

Funktioniert eine Aufsicht und Pflege für jugendhausnahe Flächen durch das Jugend-

haus selbst? All diese Fragen sind spannend, können aber nur durch Ausprobieren

beantwortet werden. Das Grünprojekt „Enzgärten – Grüne Mitte Mühlacker“ bietet

dazu die Gelegenheit.


Zusammenfassung

Einleitung ________________________________________________________________ Seite 7

Die Stadt Mühlacker, bewirbt sich im Rahmen des Landesprogramms „Natur in Stadt

und Land 2015-2025“ als Durchführungsort für das Grünprojekt „Enzgärten – Grüne

Mitte Mühlacker“.

Die Potentiale des Gesamtareals entlang der Enz an der Nahtstelle zwischen Mühl-

acker und Dürrmenz sind bis heute weitgehend ungenutzt. Auf den ersten Blick bereits

mit viel Grün ausgestattet, werden bei genauerem Hinsehen die Defizite sichtbar:

weite Flächen für Autos statt für Menschen, kleinteilig zerstückelte Grünrestflächen

ohne Aufenthaltsqualität, Verlärmung durch 16.000 Kfz am Tag, Gestaltungsmängel,

heruntergekommene Bausubstanz, technischer Hochwasserschutz ohne Aufenthalts-

qualitäten – das Gelände verkauft sich weit unter Wert.

Mit dem Grünprojekt besteht nun die einmalige Chance, über das Landesprogramm

eine Grüne Mitte zwischen Mühlacker und Dürrmenz zu gestalten und diese durch

attraktive Wegebeziehungen mit beiden Stadtteilen eng zu vernetzen.

Defizite und Aufgaben ____________________________________________________ Seite 19

Das Grünprojekt-Gelände weist heute erhebliche strukturelle und gestalterische Män-

gel auf, die eine angemessene Inbesitznahme und Nutzung durch die Bürgerschaft

verhindern:

Identifikation: Mühlacker ist eine junge Stadt, die ihre wenige historische Bausubstanz

im 2. Weltkrieg weitgehend verloren hat. Aufgabe der Stadtplanung ist es deshalb,

Orte zu schaffen, die Identifikation vermitteln und Emotionen wecken.

Qualitative Innenentwicklung: die Stadt Mühlacker hat seit 1993 kein Baugebiet mehr

ausgewiesen und konzentriert sich auf die Innenentwicklung. Das äußerst geringe

innerstädtische Grünflächenangebot muss deshalb als weicher Standortfaktor vor-

rangig entwickelt werden – der Bedarf ist erheblich.

Gewachsene Nutzungen: ein kleinteiliges Mosaik verschiedener Nutzungen zerteilt

das Areal in Einzelflächen, die jede für sich keine Ausstrahlung haben. Das Areal muss

neu gegliedert und strukturiert werden.

Hochwasserschutz: das an technischen Belangen ausgerichtete Profil des Flusses

bietet wenig Aufenthaltsqualität. Die Nutzung des Areals wird dadurch stark einge-

schränkt, die Frage muss fachübergreifend planerisch überdacht werden.

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Flusskraftwerk: die Wehranlagen stellen in ökologischer Hinsicht eine erhebliche Barri-

ere dar, die durch die bestehende Fischtreppe nur unzureichend gemildert wird.

Bestandsgebäude: das Jugendhaus muss durch einen Neubau ersetzt werden, das

Hauptgebäude der ehem. Gärtnerei Keefer stört die wichtigste Wegebeziehung.

Verkehr: die Verlärmung des Areals durch 16.000 Kfz/Tag auf der Enzstraße (L 1134)

mindert erheblich die Aufenthaltsqualität.

Erlenbach: der Bach ist in weiten Teilen der Stadt nicht erlebbar, teilweise aufgrund

mangelnder Gestaltung, teilweise wegen grundstücksrechtlicher Einschränkungen.

Gärtnerei Baral: die Brachfläche wurde erworben und abgeräumt, harrt aber noch

einer Nachnutzung.

Potentiale und Chancen __________________________________________________ Seite 25

Das Gelände birgt außerordentliche Möglichkeiten – aus sich selbst, aus der Lage in

der Stadt, aber auch aus der Geschichte der Stadt heraus:

Bewusstsein: Bürgerschaft und Gemeinderat sind sich der Defizite bewusst – derzeit

gibt es keine größere zusammenhängende Grünfläche in der Stadt. Sie erkennen die

Notwendigkeit einer zentral gelegenen öffentlichen Grünfläche – und ebenso die Po-

tentiale, die durch eine Neugestaltung in der Grünen Mitte aktiviert werden können.

Zentralität: die Grüne Mitte ist ein Stadtpark für ganz Mühlacker – unmittelbar an den

beiden Stadt-/Ortskernen gelegen, am Schnittpunkt bedeutender Wegebeziehun-

gen und der einzigen fußläufigen Verbindung Mühlacker – Dürrmenz – exakt in der

Mitte der Stadt.

Überörtlichkeit: Durch die Nähe zur Einkaufsinnenstadt und die Lage an überörtli-

chen Rad- und Wanderwegen stehen die Enzgärten auch nach dem Eröffnungsjahr

nicht nur der lokalen Bevölkerung zur Verfügung.

Erschließung: das Gelände ist optimal erschlossen und verfügt in fußläufiger Entfer-

nung über knapp 700 Bestandsparkplätze.

Flächenverfügbarkeit: alle strategisch wichtigen Flächen sind im Eigentum der Stadt

oder mit aktivem Ankaufsrecht ausgestattet.

Sowieso-Projekte: verschiedene im Gebiet anstehende Projekte (Neubau Jugend-

haus, Verbesserung Hochwasserschutz, Lärmaktionsplanung, Gewässerentwicklungs-

planung Enz und Erlenbach) können koordiniert geplant und realisiert werden.

Bürgersinn: die Bürgerschaft von Mühlacker kann – wie bei der Burg Löffelstelz –

erneut beweisen, dass sie bereit ist, für ein gemeinsames Ziel mit anzupacken.


Konzeption – Grundlagen _________________________________________________ Seite 29

Die Gestaltungskonzeption baut auf den gegebenen landschaftlichen, ökologischen

und städtebaulichen Gegebenheiten auf. Ziel ist es, die Potentiale des Ortes mög-

lichst vollständig zu nutzen, den Landschaftsraum entlang verschiedener prägender

Elemente weiter zu entwickeln:

Burg und Felswand: spektaktulär und unverwechselbar – eine Marke

Wasser (I): prägendes Landschaftselement, öffnen und verflechten statt wegsperren

Wasser (II): ökologische Zusammenhänge an verschiedenen Elementen ablesbar

machen (Flussbett, Erlenbachdelta, Böschungen, Hochwasser,...)

Wege: Verbindung Mühlacker – Dürrmenz, Stadt – Wasser, Enztal-Radweg

Nutzungen: großzügige und kleinteilige Gärten, multifunktional, nutzergerecht

Modularität und Dauerhaftigkeit: kleinteilig, aber mit starkem Rückgrat; bleibende

Entwurfselemente

Konzeption – Bausteine _________________________________________________ Seite 35

Die Konzeption sieht verschiedene Bausteine vor, die ineinander greifen und ver-

schiedene Interessen bedienen:

Enzgärten links der Enz (Mühlacker): multifunktionaler, großzügiger, urbaner Naherho-

lungsraum für Jung und Alt

Enzgärten rechts der Enz (Dürrmenz): kleinteiliger, eher ländlich geprägter Grünraum

mit der Möglichkeit intensiver Mitwirkung bei Planung, Realisierung und Pflege

Promenade: Rundweg entlang der Enzufer mit wechselnder Perspektive auf Fluss und

Burg

Geländezwischenniveaus im Enzvorland schaffen: zur besseren Nutzbarkeit, sie dienen

Lärm- und Hochwasserschutz gleichermaßen

Grünes Klassenzimmer: Natur kennen lernen für Schulen und Kindergärten

Fischtreppe: Durchgängigkeit der Enz herstellen

Erlenbach: attraktive Wegeverbindung , „Wasser in der Stadt“

Eingänge: Entrée nach Dürrmenz am Waldensersteg und am Marktplatz

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Konzeption – Begleitmaßnahmen _________________________________________ Seite 39

Innerhalb des Plangebiets stehen mittelfristig verschiedene bauliche Projekte zur

Realisierung an. Eine Koordination ist erforderlich, da die betroffenen Themen weitrei-

chende Folgen für die Gestaltung der Fläche haben und sich gegenseitig beeinflus-

sen.

Auch jenseits fachlicher Koordinationserfordernisse kann der aus dem Grünprojekt

resultierende Schwung genutzt werden, um notwendige Projekte im Umfeld zu beför-

dern:

Jugendhaus (I): Neubau wegen schlechter Bausubstanz erforderlich

Jugendhaus (II): Energieoptimiertes Gebäude zum Anfassen und „Probewohnen“ für

die Bauherren von morgen

Lärmschutz: städtebauliche Lösung durch Parken an der Straße, neues Jugendhaus

als Schutzriegel, ergänzende Geländemodellierung

Hochwasserschutz: Aufrechterhaltung HQ 100 trotz „Klimafaktor“

Wegeverbindungen: Schließen von Lücken im Fuß- und Radwegenetz der Stadt

Konzeption – Ausstellung __________________________________________________ Seite 43

Nachhaltigkeit: weitgehender Erhalt für den Dauerbetrieb, Pflegepatenschaften

Besucherpotential: Großräume Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim: 4,5 Mio Einwohner im

50 km-Radius

Schwerpunkt Enzgärten: Ausstellungen, Veranstaltungen, Schauen

Gartenbau: in den Dürrmenzer Enzgärten: kleinteilig, ländlich – zum Probegärtnern

und Testen verschiedener Konzepte

Kulturbühne Enzterrassen: Gegenpart zur „Kultur auf der Burg“, aber auch Standort für

das jährliche Straßenfest der Stadt

Temporäre Gärten: Grüne Zimmer in der Stadt

Geschichte: Burg, Flößerei, Waldenser, Eppinger Linie

Stadtteile und Vereine: stadtteilspezifische Rundwege: Wein, mittelalterliches Dorf,...

Landespavillon: im neuen Jugendhaus, deshalb mit gesicherter Nachnutzung

Geschlossene Veranstaltungen: zwei Gelände, je nach Bedarf


Kosten ___________________________________________________________________ Seite 48

Die Investitionskosten liegen bei ca. 4,7 Mio. € für Freiraumgestaltungsmaßnahmen,

die die Wohn- und Freizeitqualität der Stadt erheblich steigern und einen dauerhaf-

ten Mehrwert für die gesamte Bevölkerung bedeuten. Im Veranstaltungsjahr ist von

Kosten i. H. v. ca. 1,0 Mio. € auszugehen, denen Einnahmen von ca. 0,4 – 0,5 Mio. €

aus Eintritt, Sponsoring, … gegenüber stehen.

Die Stadt Mühlacker bearbeitet derzeit verschiedenste städtebauliche Maßnahmen

in vergleichbaren Größenordnungen. Diese enden vor Beginn des Grünprojekts, so

dass finanzielle wie personelle Kapazitäten frei werden. Das Projekt „Enzgärten – Grü-

ne Mitte Mühlacker“ genießt höchste Priorität – die Stadt ist bereit und in der Lage,

das Projekt „Enzgärten – Grüne Mitte Mühlacker“ in der mittelfristigen Finanzplanung

abzubilden.

Von Bürgern für Bürger ____________________________________________________ Seite 51

Von besonderer Bedeutung wird es sein, die Bürger in Planung, Umsetzung und Pfle-

ge aktiv einzubeziehen – die Enzgärten sollen kein „Park von oben“ sondern ein

Garten von Bürgern für Bürger sein. Denn die „Enzgärten“ sind nicht nur individuell

nutzbarer Erholungsraum. Sie bieten der Bevölkerung die notwendige Plattform zur

niederschwelligen Kommunikation und Interaktion, zum gegenseitigen Kennenlernen

als Grundlage für gelebte Integration und generationenübergreifenden Dialog.


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Impressum

Herausgeber: Stadt Mühlacker, Kelterplatz 7, 75417 Mühlacker

Planerische Konzeption: Planstatt Senner Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, Überlingen/Stuttgart

Textredaktion: Planungs- und Baurechtsamt der Stadt Mühlacker, Planstatt Senner

Gestaltung: MedienDesign Simone Jensen, Niefern-Öschelbronn

Druck: Karl Elser Druck GmbH, Mühlacker

Fotos: Armin Dauner (Bürgerfotos, Naturbilder)

Mühlacker, April 2009

fotolia.com: Foxy_A #8991642 (Titel), Brigitte Bohnhorst-Simon (S. 38 Mitte),

Carsten Meyer (S. 38 Mitte oben)

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