Toxikologische Grenzwerte - Österreichische Gesellschaft für ...

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Toxikologische Grenzwerte - Österreichische Gesellschaft für ...

Ö STERREICHISCHES F ORUMARBEITSMEDIZIN02/04THEMENSCHWERPUNKTARBEITSMEDIZINISCH - TOXIKOLOGISCHEGRENZWERTE


InhaltEditorial 3Hugo W. RüdigerArbeitsplatzgrenzwerte: Konzepte und KonventionenVortrag von Prof. Dr. Helmut Greim 4Alexander PilgerDie Praxis der Mitarbeiterbefragung: Ein kurzer Leitfadenfür den Betriebsarzt 10Alfred BarthDie ÖGAM informiertResolution zum Thema „Wirtschaftsmedizin“ 137. Wiener Forum Arbeitsmedizin: Gesundheitsprävention durchBewegung, Erkrankungen des Bewegungsapparates und Beruf 13Die AUVA informiertBAUfit – eine Intervention der besonderen Art 15Erich BataDie sicherheitstechnische Prüfstelle der AUVA 18Wolfgang KunzDie Arbeitsinspektion informiertElsbeth HuberArbeitsunfälle in Europa und physische Gewalt am Arbeitsplatz –Information der Eurostat vom 28. April 2004 20Mehr Kundenservice durch Online-Formulare 20Die Arbeitsinspektion – Gründungsmitglied einer Plattform für Präventionund betriebliche Gesundheitsförderung in Niederösterreich 21Von der ÖGAM/DGAUM-Tagung 2004 22Aus der Klinischen Abteilung für Arbeitsmedizin 24Titelbild: Alexander Pilger


LIEBE LESERINNEN,LIEBE LESER!Alexander PilgerDas Österreichische Forum Arbeitsmedizin hat einen neuen Chefredakteur bekommen:Herrn Dipl.-Ing. Alexander Pilger, der auch schon das vorliegendeHeft gestaltet hat. Herr Dipl.-Ing. Pilger ist seit 10 Jahren wissenschaftlicherMitarbeiter an der Klinischen Abteilung Arbeitsmedizin der Medizinischen UniversitätWien und leitet seit fünf Jahren das arbeitsmedizinisch-toxikologischeLabor der Abteilung. Den Lesern des Österreichischen Forum Arbeitsmedizin ister bereits durch mehrere Beiträge zu verschiedenen Problemen der arbeitsmedizinischenAnalytik und des biologischen Monitorings bekannt. Aus seinemArbeitsgebiet stammt auch der Themenschwerpunkt des vorliegenden Heftes,„Arbeitsplatzgrenzwerte“, der auf einem Vortrag basiert, den Herr Prof. Dr.Helmut Greim am 11. Mai 2004 an der Klinischen Abteilung Arbeitsmedizin gehaltenhat. Herr Prof. Greim ist seit 10 Jahren der Vorsitzende der DeutschenArbeitsstoffkommission, welche international eine Vorreiterrolle in der Bewertungvon Arbeitsstoffen nach wissenschaftlichen Kriterien des Gesundheitsschutzesund in der Strategie diesbezüglicher Grenzwertsetzungen innehat.Es ist mir ein Bedürfnis, an dieser Stelle auch dem scheidenden Chefredakteurdes Österreichischen Forum Arbeitsmedizin, Herrn DDr. Alfred Barth, für seine Arbeitzu danken. Herr DDr. Barth hat die Entstehung dieser Zeitschrift von derersten Stunde an begleitet und hat wesentlichen Anteil an der Ausgestaltung inder jetzigen Form.Hugo W. Rüdiger3


ARBEITSPLATZGRENZWERTE:KONZEPTE UND KONVENTIONENVortrag von Prof. Dr. Helmut GreimALEXANDER PILGERDie Bestimmungvon Grenzwertenist eine wissenschaftlicheAufgabe.Tabelle 1:Vorschlag eines StandardsetzungsverfahrensSRU 1996VerfahrensstufenDefinition von SchutzobjektenDefinition von SchutzzielenSituationsanalyse: Problembeschreibung,naturwissenschaftlicheDatensammlungNaturwissenschaftlicheEvaluation der DatenStandardvorschlag aus naturwissenschaftlicherSichtWer bestimmt die arbeitsmedizinisch-toxikologischenGrenzwerte? Gibt es unterschiedlicheStrategien zur Festlegung vonGrenzwerten, und weshalb treten gelegentlichDiskrepanzen zwischen dengeltenden Grenzwerten für einzelneStoffe auf? Professor Dr. Helmut Greim,Vorstand der Senatskommission zur Prüfunggesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe(MAK-Kommission) der DeutschenForschungsgemeinschaft, erläuterte imRahmen der wissenschaftlichen Vortragsreihe„Arbeitsmedizin und Umweltmedizin“an der Medizinischen UniversitätWien die Grundlagen und Kriterien zurFestlegung von Arbeitsplatzgrenzwerten.Festlegung „gesundheitsbasierter“WerteGrundsätzlich muss die Bestimmung vonGrenzwerten als eine wissenschaftlicheAufgabe betrachtet werden. In Deutschlandhat der sog. Rat von Sachverständigenfür Umweltfragen 1996 ein Standardsetzungsverfahrenerarbeitet, in dem dieverschiedenen Verfahrensstufen und auchdie Beteiligung der jeweiligen Entscheidungsträgerbeschrieben werden. Nachdiesem Konzept erfordert die Erörterungvon Schutzobjekten und Schutzzielen dieZusammenarbeit von staatlichen Organen,BeteiligungStaatliche Entscheidungsträger und Organe, wissenschaftlicheExperten, gesellschaftliche GruppenStaatliche Entscheidungsträger und Organe, wissenschaftlicheExperten, gesellschaftliche GruppenUnabhängige wissenschaftliche ExpertenUnabhängige wissenschaftliche ExpertenUnabhängige wissenschaftliche Expertengesellschaftlichen Gruppierungen und wissenschaftlichenExperten. Im Gegensatzdazu ist die Ableitung von Grenzwerten anhandvon naturwissenschaftlichen Dateneine Tätigkeit, die nur wissenschaftlichenExperten vorbehalten sein soll. Alles andere,wie z. B. die Fragen nach der sozioökonomischenVerträglichkeit, der Toleranzoder der Messbarkeit, fällt dann schonnicht mehr in den Aufgabenbereich der arbeitsmedizinischenToxikologie (Tab. 1).Expertengremien bewerten also die Datenlageund schlagen dann Grenzwertefür Arbeitsplätze vor. Alle diese Gremienverstehen sich als Kommissionen unabhängigerExperten, die aufgrund ihresSachverstandes und nicht aufgrund irgendwelcherZugehörigkeit zu bestimmtenInstitutionen berufen werden. Damitist gewährleistet, dass bei der Entscheidungsfindungdie Wissenschaft die entscheidendeRolle spielt und nicht etwadie Einflussnahme von Seiten verschiedenerBehörden. Die Vorschläge werdenvon den Behörden oder ihren aus dengesellschaftlich relevanten Gruppen zusammengesetztenGremien unter Berücksichtigungsozioökonomischer undtechnischer Aspekte diskutiert. Nach Zustimmungoder Modifikation werden siedann rechtlich bindend. Im europäischenRaum gibt es mehrere Gremien unabhängigerExperten, die unterschiedliche Kommissionenberaten (Tab. 2).Einige DefinitionenEin Arbeitsplatzgrenzwert ist definiert alshöchstzulässige Konzentration eines Arbeitsstoffesin der Luft am Arbeitsplatz,die nach dem gegenwärtigen Stand derKenntnis auch bei wiederholter und langfristiger,in der Regel täglich achtstündigerExposition und einer durchschnittlichenWochenarbeitszeit von 40 Stundenim Allgemeinen die Gesundheit der Be-4


Tabelle 2: ExpertengremienMAK-KommissionDutch Expert Committee onOccupational Standards (DECOS)Advisory Commitee onToxic Substances (ACTS)Scientific Commitee onOccupational Exposure Limits(SCOEL)Der „no observedeffect level“ (NOEL)als Basis für dieGrenzwertermittlungAbbildung 1WirkungStandardschäftigten nicht beeinträchtigt und diesenicht unangemessen belästigt. In der Regelwird der Wert als Durchschnittswerteines Arbeitstages oder einer Arbeitsschichtangegeben. Natürlich liegt in dieserDefinition auch etwas Zündstoff fürDiskussionen, denn es ist nicht eindeutigangebbar, ab wann eine Belästigung alsunangemessen eingestuft werden muss.Inwieweit können Gerüche am Arbeitsplatztoleriert werden? Hier spielen u. U.auch Adaptationsphänomene eine Rolle.BegriffsbestimmungenOELTLVMAKTWAKZWSTELMAK, MAC,OEL, TWAKZW, STELSpitzenbegrenzung,Ceiling ValueMAKNOELNOESicherheitsfaktorAusschuss für Gefahrstoffe (D)Health Council of theNetherlandsHealth and Safety Commission ofthe Health and Safety Executive (UK)Advisory Commitee on Healthand Safety at Work (EU)Occupational Exposure Limit (EU)Threshold Limit Value (USA)Maximale Arbeitsplatzkonzentration(D)Time Weighted AverageKurzzeitwertShort Term Exposure LimitSchichtmittelwert über 8 Std.pro Tag, 40 Std. pro Woche,30–40 JahreKurzzeitmittelwert für 15 min.,nicht mehr als 4x tägl.,Mindestabstand 1 hKonzentration, die zu keinerZeit überschritten werden darfDosisWo liegt der Arbeitsplatz-Grenzwert?Substanzwirkungen sind im Allgemeinendosisabhängig. Entscheidend für die Ermittlungeines Grenzwertes ist immer dieFrage nach jener Dosis, unterhalb derkeine Effekte mehr beobachtet werden(Abb. 1).Diese Wirkungsschwelle wird NOEL(no observed effect level) bzw. NOEC (noobserved effect concentration) genannt.Beim Menschen hat man oft keine genauenDaten, und deshalb wird der NOELmeistens aus Tierversuchen abgeleitet.Auszugehen ist hier dann von der empfindlichstenVersuchstierspezies und vomempfindlichsten Organ. International istes üblich, den Arbeitsplatz-Grenzwert umden Faktor 2 unterhalb des NOEL festzulegen.Dies bedeutet also, dass bei einerÜberschreitung des MAK-Wertes durchausschon gesundheitliche Konsequenzenauftreten können. Dies ist ganzim Gegensatz zu Umweltstandards, wodie Grenzwerte häufig um den Faktor100–1000 unterhalb des NOEL angesetztwerden. Bei kurzfristigen Grenzwertüberschreitungenim Trinkwasser oder in derUmgebungsluft ist daher im Allgemeinenmit keinen gesundheitlichen Folgen zurechnen. Die Einhaltung von MAK-Wertenist eine dringende Angelegenheit, unddies muss auch überwacht werden. Deswegenexistiert in der deutschen Kommissioneine Untergruppe, die sich mitanalytischen Aufgaben befasst und zurÜberwachung der jeweiligen festgelegtenMAK-Werte auch eine geeignete Analytikvorgibt.Die Beschreibung von Methoden zurAbleitung von Arbeitsplatz-Grenzwertenkann folgenden Richtlinien entnommenwerden:a) Europäische Kommission Report EUR19253 EN: Methodology for the derivationof occupational exposure limits;b)Deutsche Forschungsgemeinschaft,MAK- und BAT-Werte-Liste 2003: Bedeutung,Benutzung und Ableitung vonMAK-Werten;c) Dutch Expert Committee on OccupationalStandards (DECOS), HealthCouncil of the Netherlands: TNO reportV98.390: Default values in occupationalrisk assessment.5


Reichen diebestehenden Datenfür die Ableitungeines Grenzwertesaus?MAK-Werte werdennach dem „preferredvalue approach“definiert.Die Literatur musskritisch beurteiltwerden. MethodischeMängel sind zuberücksichtigen.Allgemeine Vorgehensweisezur Festlegung von OELsWichtig ist hier der Hinweis, dass fürdie Ableitung von „gesundheitsbasierten“OELs immer Fall-zu-Fall-Betrachtungen fürjede Substanz vorzunehmen sind, wobeider Wissenschaftliche Ausschuss für Grenzwerteberufsbedingter Exposition gegenüberchemischen Arbeitsstoffen (SCOEL)folgende Vorgehensweise empfiehlt:a) Zur Beschreibung der gefährlichen Eigenschafteneiner Substanz müssenalle verfügbaren Daten herangezogenwerden. Dies umfasst Daten am Menschenund aus Tierversuchen sowieallgemeine Informationen über dieSubstanz, die für die Ableitung einesGrenzwertes wichtig sein können.b) Es muss entschieden werden, ob dieDatenbasis überhaupt für die Festsetzungeines OEL ausreicht.c) Es ist eine Auflistung der möglichenadversen Effekte, die aus der Expositiongegenüber der betrachteten Substanzresultieren können, vorzunehmen.d) Welche adversen Effekte sind dann ausschlaggebendfür die Ableitung desOEL?e) Es sind die relevanten Untersuchungen(am Menschen oder beim Tier) zuerörtern, die diese Effekte charakterisieren.Die Qualität dieser Studien musssorgfältig hinterfragt werden.f) Es muss beurteilt werden, ob für dieSubstanz überhaupt ein konventionellestoxikologisches (Grenzwert-)Modellverwendet werden kann. Ist dies nichtder Fall, so kann kein „gesundheitsbasierter“OEL abgeleitet werden. AndereBetrachtungsweisen mögen allerdingszu einem pragmatischen OEL führen.g) Für jeden kritischen Endpunkt ist dieDosis-Wirkungs-Beziehung abzuschätzen.Daraus sollen dann NOELs ermitteltwerden. Falls das nicht möglich ist,sollen LO(A)ELs (lowest observed adverseeffect levels) angegeben werden.h)Es ist zu diskutieren, ob zusätzlichzum TWA ein Kurzzeitwert (STEL) festgelegtwerden soll.i) Unter Berücksichtigung von Unsicherheitsfaktorenist dann ein numerischerWert für einen 8 h basierten TWAOEL anzugeben, der unterhalb desNO(A)EL bzw. LO(A)EL liegt.j) Falls erforderlich, ist auch ein numerischerWert für den STEL zu etablieren.k) Das komplette Verfahren muss dokumentiertwerden. Damit soll gewährleistetsein, dass die Kriterien, die zur Festlegungdes OEL herangezogen wurden,nachvollziehbar sind.Natürlich gibt es da Aspekte, die sehrkontroversiell diskutiert werden. Z.B. welcheEffekte sind eigentlich als „advers“ zubezeichnen? Reicht denn schon die Betrachtungirgendeiner detektierbaren biochemischenVeränderung aus, um daraufeinen MAK-Wert zu gründen? Wie undunter welchen Bedingungen sind Unsicherheitsfaktorenzu verwenden?BeispieleAnhand des sog. „preferred value approach“werden MAK-Werte immer inSchritten definiert, die um den Faktor 2oder 2.5 auseinander liegen (z. B. 500, 200,100, 50, 20, 10, 5, 2, 1, 0.5, 0.2, 0.1 ppm).SchwefelkohlenstoffKritische Wirkungen sind die Neuro- undKardiotoxizität bei langjährig exponiertenArbeitnehmern. Auf der Basis der peripherenNeurotoxizität von Schwefelkohlenstoffwurde eine NOEC für 40 Jahre Expositiongegen Schwefelkohlenstoff (8 h /Tag, 5 Tage / Woche) von 4 ml / m 3 (ppm)berechnet. Aus Tierversuchen leitet sichein NOEC von 150 ppm ab. In kontrolliertenStudien und aus Erfahrungen am Arbeitsplatzgelangte man zu eindeutigenEffekten bei 10 ppm. Zwischen 4 und10 ppm sind die Effekte nicht eindeutig,und unter 4 ppm konnten überhaupt keineEffekte nachgewiesen werden. DasProblem bei der Festlegung der NOECwar, dass zwar die aktuellen Konzentrationenzum Zeitpunkt der jeweiligen Untersuchunggut dokumentiert sind, frühereKonzentrationen am Arbeitsplatz, die aufgrundder kumulativen Wirkung wichtigsind, jedoch nicht vorliegen und nur geschätztwerden können. Sie lagen frühermeist deutlich höher. Zudem ist die allgemeinübliche Methode der Messung vonSchwefelkohlenstoff in der Luft häufig mitFehlern behaftet, und so wurden früheroft niedrigere Werte gemessen als dertatsächlichen Exposition entsprechend.6


Erfahrungenaus der Arbeitsweltsind wichtig.Gewöhnungseffekteerschweren dieErmittlung vonGrenzwerten.Betrachtungen zumMetabolismus könnenentscheidend sein.So wird heute der 4-ppm-Wert als sicherbetrachtet, und dies führte zur Festsetzungdes MAK-Wertes auf 5 ppm und desKurzzeitwertes auf 10 ppm.SchwefeldioxidSchwefeldioxid wird überwiegend im Bereichder oberen Atemwege gelöst. SystemischeWirkungen sind bei Schwefeldioxidnicht relevant, da es in wässrigenLösungen mit Bisulfit und Sulfit in einempH-Wert abhängigen Gleichgewicht stehtund bei neutralem pH-Wert nahezu quantitativals Bisulfit vorliegt. Bisulfit wirdrasch zu Sulfat oxidiert und geht so inden körpereigenen Sulfatpool ein. ImTierversuch (Meerschweinchen) liegt dieNOEC für Schwefeldioxid bei 0.1 ppm.Bei Konzentrationen von 5–10 ppmkommt es bei den meisten nicht anSchwefeldioxid gewöhnten Menschen zuReizeffekten in den oberen Luftwegenund zu einer geringen bis mäßigen Erhöhungdes Atemwegswiderstandes. Beikurzfristiger, maximal zweistündiger Expositiongesunder Probanden wurden biszu Konzentrationen von 0.5 ppm keine Effekteauf die Lungenfunktion beobachtet.Bei Arbeitern, die gegenüber durchschnittlichenKonzentrationen von 0.67–0.78 ppmexponiert waren, konnten ebenfalls keineVeränderungen der Lungenfunktionsparameterfestgestellt werden. Daraus wurdeein MAK-Wert von 0.5 ppm abgeleitet unddie Spitzenbegrenzung mit 1 ppm festgelegt.MethylacetatMethylacetat wird im Organismus zuMethanol und Essigsäure gespalten. Methanolwird weiter zu Formaldehyd, Ameisensäureund CO 2metabolisiert. Zursystemischen Wirkung von Methylacetat-Inhalation liegen beim Tier nur unzureichendeDaten und beim Menschen keineDaten vor. Der kritische Effekt ist in dersystemischen Wirkung der MetabolitenMethanol und Ameisensäure zu sehen.Beim Menschen führen gleiche Expositionengegenüber Methylacetat und Methanolzu gleichen Konzentrationen an Ameisensäureim Urin. Damit wurde derMAK-Wert in Analogie zu Methanol mit200 ppm festgesetzt. Eine metabolischeAzidose ist bei dieser Konzentration nichtzu befürchten. Die Spitzenbegrenzungwurde ebenfalls in Anlehnung an Methanolmit 800 ppm definiert. Diese Vorgehensweiseerscheint also sinnvoll, da siewissenschaftlich begründbar ist und nichtauf die Einführung gewagter Unsicherheitsfaktorenzurückgreifen muss.AmmoniakAmmoniak ist ein Reizgas mit stark ausgeprägterlokaler Wirkung. Systemisch-toxischeEffekte sind für die gesundheitlicheBewertung am Arbeitsplatz nicht relevant.Aus Tierversuchen und Erfahrungen beimMenschen geht hervor, dass bei Expositiongegenüber 50 ppm schleimhautreizendeWirkungen bei nicht Gewöhntenauftreten können. Belegt ist, dass beiLangzeit-Exposition von Arbeitern gegenüber10 ppm keinerlei Effekte beobachtetwerden (NOEC). Es ist allerdings sowohlbeim Menschen als auch aus Tierversuchennach lang andauernder Belastungein Gewöhnungseffekt bekannt. So konntennach Gewöhnung sogar Dauerbelastungenvon 100 ppm ohne Beschwerdenertragen werden, wobei bisher nichts überden Mechanismus und die Reversibilitätbekannt ist. Für die Festlegung einesGrenzwertes war dieser Umstand erschwerend,da nicht klar ist, inwieweithier der Gewöhnungseffekt mit zu berücksichtigenist. Die Entscheidung umden MAK-Wert für Ammoniak fiel dannauf 20 ppm. Damit wird auch der UnsicherheitRechnung getragen, die sich ausder mangelnden Kenntnis über die Mechanismender Gewöhnungseffekte ergibt.Die Spitzenbegrenzung wurde mitdem Überschreitungsfaktor 2 (KZW = 40ppm) festgelegt.n-HexanIrritationen spielen für die Grenzwertdefinitionvon n-Hexan sicher keine Rolle.Bei 3- bis 5-minütiger Exposition gegen500 ppm konnten an Probanden keineReizwirkungen festgestellt werden. KritischerEffekt ist die periphere Neurotoxizitätdes Metaboliten 2,5-Hexandion. DieserEffekt tritt aber erst nach langerExpositionszeit auf. Zahlreiche Untersuchungenan Arbeitern belegen das Auftretenneurotoxischer Symptome nach chronischerExposition gegenüber Hexan. Ausdiesen Studien lässt sich aber wegen verschiedenerMängel hinsichtlich der Beschreibungder Expositionen meist keineSchwellenkonzentration für die Auslö-7


TierexperimentelleBefunde unterstützendie Grenzwertfindung.ExperimentelleUnterschiede erforderndie Einführungvon „Assessment“-Faktoren.Tabelle 3: Assessment(Uncertainity) Factors zurAbleitung von Health BasedRecommended OccupationalExposure Limitssung dieser Effekte ableiten. In einer Untersuchungfindet sich ein Hinweis aufdie NOEC (Inhalation). Danach ist bei einerdurchschnittlichen Expositionshöhevon 58 ppm (40–88 ppm) nicht mit relevantenAuswirkungen auf das periphereNervensystem zu rechnen. Untersuchungenan Tieren, die die Veränderungenelektrophysiologischer Parameter imSchwanznerv, welche als empfindlichsterEndpunkt einer Hexanintoxikation gelten,berücksichtigten, zeigten bei chronischerExposition gegenüber n-Hexan erste Effektebei 200 ppm. Die NOEC lag hier bei100 ppm. Die Beibehaltung des MAK-Wertes von 50 ppm (1982) wurde damitauch durch tierexperimentelle Befundegestützt. Die Spitzenbegrenzung wurdemit dem Überschreitungsfaktor 8 (KZW =400 ppm) festgelegt.Assessment (Unsicherheits-)FaktorenSpezies-Spezies-ExtrapolationHäufig liegen tierexperimentelle Untersuchungenan unterschiedlichen Tieren vor,und diese Ergebnisse sollen dann auf denMenschen übertragen werden. Hierfür werdendie Spezies-Unterschiede im Grundumsatzund in der Metabolisierung vonChemikalien durch die Proportionalität mitdem Faktor K 0.75 (K = Körpergewicht) berücksichtigt.Weitere Unsicherheiten werdendurch Einführung eines „assessmentfactor“ von 3 mit berücksichtigt.FaktorenInterspezies-UnterschiedeOrale StudienMaus 1.7 x 3Ratte 1.4 x 3Kaninchen 2.4 x 3Hund 1.4 x 3Inhalationsversuche 13Intraspezies-Unterschiede 13Experimentelle Unterschiedechronisch-chronisch 11subakut-chronisch 10semichronisch-chronisch 10Art der Wirkung 11Dosis-Wirkungs-Beziehung 11Verlässlichkeit der Daten 11Auswertung experimenteller DatenEin Vergleich von Langzeituntersuchungenwäre für die Ableitung von Grenzwertenoptimal. Tatsächlich aber hat manes meistens mit ganz unterschiedlichenTierversuchen zu tun: z. B. subakut(28 Tage), subchronisch (90 Tage) oderchronisch (2 Jahre). Die experimentellenUnterschiede werden dann durch die Einführungvon Faktoren berücksichtigt, diesich an den aus den verschiedenen Versuchenermittelten Unterschieden derNOELs orientieren (Tab. 3).Will man also eine orale Studie von derMaus auf die Inhalation beim Menschenübertragen, so ist der Faktor 7 x 3 = 21 zuberücksichtigen. Zieht man auch Intraspezies-Unterschiedein die Betrachtungmit ein, so liefert das den Faktor 21 x 3 =63. Hat man dann noch eine subakuteStudie zu extrapolieren, so kommt nochder Faktor 10 hinzu, und man erhält damitden Faktor 630, um von einer oralenMausstudie auf eine inhalative Expositionbeim Menschen zu extrapolieren.Obwohl der TNO-Report für DECOSerstellt wurde, wird eine Fall-zu-Fall-Bewertungbevorzugt. In Deutschland wurdefür den Ausschuss für Gefahrstoffe einähnliches Konzept entwickelt, um Arbeitsplatz-Richtwerte(ARW) für IIb-Stoffe(Stoffe mit unzureichender Datenlage)der MAK-Liste aufzustellen. Dieses Konzeptwird seit 2003 eingesetzt.Beispiel: ChlorbenzolChlorbenzol wird über die Lunge und denGastrointestinaltrakt aufgenommen. Dietoxische Wirkung des Chlorbenzols ist imWesentlichen auf die metabolisch gebildetenEpoxide zurückzuführen, die an makromolekulareStrukturen binden. Die Ausscheidungvon Chlorbenzol erfolgt beimMenschen überwiegend als Glukuronsäure-und Sulfatkonjugat von 4-Chlorkatecholund 4-Chlorphenol im Urin. Im Tierversucherwiesen sich bei wiederholter Einwirkungdie Leber und die Niere als Hauptzielorgane.Effekte konnten hier zum Teil ab50 ppm festgestellt werden. Bei höherenKonzentrationen kommt es auch zuStörungen des blutbildenden Systems. DerMensch hat im Vergleich zur Ratte einehöhere Epoxid-Hydrolase-Aktivität und istdamit weniger empfindlich. Das resultierendeDihydrodiol wird jedoch dann zumreaktiven Chlorkatechol umgesetzt, dessen8


Für Karzinogene gibtdie MAK-KommissionRisikoabschätzungen,aber keine Grenzwertempfehlungenan.Es ist mit einerweitgehenden Angleichungder internationalenGrenzwertezu rechnen.Tabelle 4:Arbeitsplatz-Grenzwertein verschiedenen LändernToxikologie unbekannt ist. Da der Menschmehr Katechol als die Ratte bilden könnteund zudem der NOEL nicht bekannt ist,hat man sich auf den Faktor 10 zur Interspezies-Extrapolationgeeinigt: OEL =5 ppm, STEL = 15 ppm.Arbeitsplatz-Grenzwerte inverschiedenen LändernUnterschiede in den jeweiligen OELs sindin erster Linie auf unterschiedliche Kooperationenzwischen den einzelnen Kommissionenzurückzuführen. Deutlich erkennbarist hier die Zusammenarbeit zwischenAustralien, England und den USA (s. z. B.CS 2). Entscheidend ist aber auch, inwieweitneuere Daten und Erkenntnisse berücksichtigtwurden. So beruhen z. B. dieaustralischen und englischen Grenzwertefür Chlorbenzol auf älteren Ableitungen.Nach Berücksichtigung der endogenenBildung von Chlorkatechol ist aber dortebenfalls mit einer Absenkung der Grenzwertefür Chlorbenzol zu rechnen. Im Fallvon Triethylamin liegt der MAK-Wert mit1 ppm niedriger als die übrigen Grenzwertefür diesen Stoff. Die MAK-Kommissionhat hier die Erregung von Sehstörungenmit Blauschleiersehen in die Ableitung miteinbezogen, während dieser Endpunktvon anderen Kommissionen nicht berücksichtigtwurde.Grenzwerte für KarzinogeneEinige Kommissionen schlagen auch fürKarzinogene, die genotoxisch sind, (nichtgesundheitsbasierte) Werte vor. Dies geschiehtentweder auf der Basis einer Risikoabschätzungoder anhand technischerMaßnahmen zur Expositionsminderung.In Deutschland liefert die MAK-Kommissionzwar für definierte ExpositionsbedingungenRisikoabschätzungen, leitetdaraus aber keine bestimmten Grenzwertempfehlungenab. Hierfür liefert der Ausschussfür Gefahrstoffe Technische Richtkonzentrationen(TRK) als Hinweis aufnicht gesundheitsbasierte Ableitungen.Ähnlich wird auch von europäischen Gremienentschieden, um nichtwissenschaftlicheAspekte auszugrenzen. Grenzwertedes SCOEL für Karzinogene:1. Für Karzinogene ohne Wirkungsschwellelässt sich eine Konzentration ohneWirkung (Risiko) nicht identifizieren,sodass kein gesundheitsbasierter OELfestgelegt werden kann. Das SCOELberät die EC, indem sie das kanzerogeneRisiko bei einer bestimmten Expositiondefiniert.2. Für Karzinogene mit Wirkungsschwellewerden OELs durch Fall-zu-Fall-Bewertungenanalog der Ableitung von„health based“-OELs empfohlen.Das „Risk-Management“ ist im Gegensatzzur Risikobeschreibung eine Aufgabeder sozialen Gruppierungen, die sich umBelastungen am Arbeitsplatz kümmern.SchlussfolgerungIm Prinzip nutzen im internationalenAustausch die verschiedenen Gremiendie gleichen Daten und Vorgehensweisen.Unterschiede zwischen den geltendenGrenzwerten beruhen zumeist darauf,dass einzelne Gremien ältere Werte zwischenzeitlichder neueren Datenlage angepassthaben oder auf Grund neuererErkenntnisse anders interpretieren. Es istjedoch abzusehen, dass sich durch diezunehmende Zusammenarbeit und denAustausch von Daten die Grenzwerte fürArbeitsplätze weithin angleichen werden.OEL (ppm) Triethyl- n- Ethyl- Methyl- Chlor- CS 2Ameisen- Ethyl- MethylaminHeptan azetat azetat benzol säure formiat formiatAustralien 10 400 400 200 75 10 15 100 100China – – 180 130 10 13 15 – –D 11 500 400 200 10 15 15 100 150EC 12 500 200 – 15 15 15 – ?NIOSH – 185 400 200 – 11 15 100 100OSHA 25 400 400 200 75 14 15 100 100TLV 11 400 400 200 10 10 15 100 100UK 10 400 400 200 50 10 15 100 1009


DIE PRAXIS DER MITARBEITERBEFRAGUNG:EIN KURZER LEITFADEN FÜR DENBETRIEBSARZTAlfred BarthDer Erfolg einer MABhängt von derMotivation der befragtenProbanden ab.Sprachkenntnisse undBildung müssenberücksichtigt werden.Mitarbeiterbefragungen (MAB) sind einnützliches Instrument um Informationenüber Motivation, Probleme und Anliegenvon Mitarbeitern zu bekommen. Damiteine Befragung auch jene Informationenliefert, die man sich von ihr erhofft, müssenjedoch einige Richtlinien berücksichtigtwerden. Im Folgenden wollen wir unsmit zwei Themenbereichen befassen,nämlich mit den äußeren Rahmenbedingungeneiner MAB sowie mit dem Fragebogen-Design.A) Rahmenbedingungenund Organisation einer MABUm die Aussagekraft von Fragebogenuntersuchungensicherzustellen, ist eswichtig, dass den Probanden vor Untersuchungsbeginneinige grundlegende Informationengegeben werden:Erstens muss über Sinn und Zweck derUntersuchung informiert werden. Nichtsist frustrierender als einen Fragebogenbearbeiten zu müssen, ohne zu wissenworum es überhaupt geht. Verabsäumtman es, den Probanden zu informieren,so reagiert dieser mit Argwohn und Misstrauen.Er gibt sich beim Bearbeiten desFragebogens keine Mühe oder verfälschtabsichtlich seine Antworten.Zweitens muss geklärt werden, ob dieErgebnisse anonym ausgewertet werdenoder ob sie anderen Personen zugänglichsind.Drittens muss die praktische Durchführungder MAB kommuniziert werden.Wird ein Kollektiv untersucht, das wenigErfahrung mit schriftlichen Befragungenhat, sollte unbedingt Unterstützung angebotenwerden.Viertens muss den Probanden vermitteltwerden, welche Konsequenzen ausder Untersuchung gezogen werden undwie sie über die Ergebnisse informiertwerden. Nichts ist für die Teilnehmer einerFragebogenuntersuchung frustrierender,als wenn die Ergebnisse kommentarlosin einer Schublade verschwinden.Ohne diese grundlegende „Motivationsarbeit“besteht die Gefahr, dass dasAusfüllen des Fragebogens als zu lästigempfunden wird und die Probanden entwederbewusst falsche Antworten gebenoder nach dem Zufallsprinzip antworten.Schlechte Motivationsarbeit kann auch zueinem Absinken der Fragebogen-Rücklaufquoteführen, wodurch die Repräsentativitätder Ergebnisse vermindert wird.Im Fall der Untersuchung von größerenGruppen können die soeben genanntenBasisinformationen auch im Rahmen vonbreit angelegten Veranstaltungen (Betriebsversammlungen)vermittelt werden.Für den Versuchsleiter bedeutet dies eineerhebliche Reduzierung seines zeitlichenAufwandes.B) Gestaltung des FragebogensBei der Gestaltung des Fragebogens solltemit großer Sorgfalt vorgegangen werden.Unabhängig vom Inhalt der Befragung giltes die folgenden Dinge zu beachten:● Sprache– Die Sprachkenntnisse und die Bildungder Zielpopulation müssen bereitsbei der Fragebogenkonstruktionberücksichtigt werden. Der Fragebogensoll sprachlich so gestaltet sein,dass ihn die Zielpopulation auch bearbeitenkann. Dies ist vor allem inBetrieben mit hohem Ausländeranteiloder niedriger Schulbildung zubeachten.– Persönliche Meinungen und Wertschätzungendes Fragebogenkonstrukteursdürfen in den Formulierungenkeinen Niederschlag finden.Fragen und Behauptungen sindmöglichst neutral zu halten, so ge-10


Suggestivfragenvermeiden!Offene Fragen sindschwer auszuwerten.Die Einstiegsfragesoll motivieren.Nicht zu viele Antwortkategorien,aber auchnicht zu wenig!nannte Suggestivfragen sind zu vermeiden.Z. B.: Sind Sie gegen die völligungerechtfertigte Änderung IhrerArbeitszeit?– Ein häufiger Fehler ist die Verwendungdoppelter Verneinungen, wodurchdas sprachliche Verständnisder Frage unnötig erschwert wird.Z. B.: Sind Sie dagegen, dass die Arbeitszeitnicht reduziert wird? Wesentlicheinfacher wäre: Sind Sie für dieReduzierung der Arbeitszeit?– Die Formulierungen sollten einfachund präzise sein. Komplizierte Redewendungen,Fachausdrücke undunübersichtliche Satzkonstruktionensind unbedingt zu vermeiden.● Gliederung und Layout– Am Beginn des Fragebogens solltesich eine kurze Instruktion befinden,die folgende Punkte beinhaltet: Zielder Untersuchung, Anleitung zur Bearbeitungdes Fragebogens und Fragender Anonymität. Die Instruktionergänzt jene Informationsveranstaltungen,von denen schon im erstenTeil dieses Beitrags die Rede war.– Wenn soziodemographische Daten(z. B. Alter, Geschlecht, Dauer derBetriebszugehörigkeit) erhoben werden,sollten die diesbezüglichen Fragenunmittelbar nach der Instruktiongestellt werden.– Die Startfrage sollte so gewählt werden,dass sie möglichst wenig Mühebereitet. Sie sollte so interessantsein, dass sie den Probanden zursorgfältigen Bearbeitung der weiterenFragen motiviert.– Auch am Ende des Fragebogens solltesich eine einfache, weniger emotionalinvolvierende Frage befindenund die Initiatoren der Untersuchungsollten sich beim Probandenfür seine Mitarbeit bedanken.– Der Fragebogen muss optisch übersichtlichsein. Das Auswählen undAnkreuzen der gewählten Antwortkategoriesollte dem Probanden möglichstleicht gemacht werden.● Fragen, Behauptungen und Antwortformate– Fragen können auch als Behauptungenformuliert werden, die der Probandbewerten muss. Z. B.: Ich binfür die Beibehaltung des bisherigenSchichtplanes.– Einstellungen und Meinungen werdenidealerweise mit Behauptungenerfasst. Für konkrete Sachverhaltesind Fragen besser geeignet. Z. B.Wie viele Krankenstandstage hattenSie im letzten Monat?– Fragen/Behauptungen mit bereitsvorformulierten Antworten sind sogenannten offenen Fragen vorzuziehen.Der Grund dafür besteht darin,dass eine objektive und standardisierteAuswertung bei fixer Antwortvorgabewesentlich einfacher ist alsbei frei formulierten Antworten.(Letztere müssten vom Auswerterkategorisiert und bewertet werden,was hinsichtlich der Objektivität problematischist.)– Wichtig ist, dass die zur Verfügunggestellten Antwortkategorien vollständigsind und den gesamten Bereichvon Zustimmung bis Ablehnungabdecken. Die Kategoriensollten ausgewogen sein, d. h. essollten gleich viele zustimmendeund ablehnende Antworten vorhandensein. Ein Negativbeispiel ist dasfolgende Schema, weil es mehr zustimmendeals ablehnende Antwortenenthält: ich stimmen sehr zu – ichstimme zu – ich stimme teilweise zu –ich stimme nicht zu. Wesentlich besserwäre hier: ich stimme sehr zu –ich stimme teilweise zu – ich stimmeweniger zu – ich stimme nicht zu.– Die Vorgabe von ungeradzahligenAntwortkategorien (z. B. ich stimmezu – ist mir egal – ich stimme nichtzu) haben zur Folge, dass die mittlere/ neutrale Kategorie vermehrt ausgewähltwird. Möchte man diesesverhindern und seine Probanden zueiner entweder positiven oder negativenStellungnahme bewegen, sinddaher geradzahlige Antwortformatevorzuziehen.– Zu viele Antwortkategorien solltenebenso vermieden werden wie zuwenig Kategorien. Die Anzahl derAntwortkategorien sollte zwischenvier und sechs liegen. Zu vieleKategorien führen zu einem vermindertenAnkreuzen der extremenAußenbereiche und zu einer ver-11


Konkrete Fragenin beide Richtungenformulieren!Nur motivierteProbanden liefernbrauchbare Antwortenmit hoherRücklaufquote.Ganz wichtig:Anonymität!stärkten Wahl der mittleren/neutralenKategorien. Zu wenig Kategorien(im Extremfall ja/nein) führen hingegenzu einem Informationsverlust,da sie weniger differenzieren.– Fragen/Behauptungen sollten in beideRichtungen formuliert werden.Wenn zum Beispiel die Arbeitszufriedenheiterfragt werden soll, dannmuss vermieden werden, dass einzufriedener Proband immer nur aufder linken Seite („ich stimme zu“)ankreuzen muss. Wenn der Probandfür längere Zeit immer nur auf derselbenSeite anzukreuzen hat, werdendie Fragen immer weniger sorgfältigdurchgelesen.– Fragen/Behauptungen sollten möglichstkonkret sein. Je konkreter dieFrage ist, desto relevanter ist sieauch für das tatsächliche Verhalten.(Die allgemeine Frage, ob man gerneSport betreibt, wird beispielsweiseweniger brauchbare Informationenliefern als die Frage, wie oft manwährend des letzten Monats Sportbetrieben hat.)• Besondere Fehlerquellen– Die größte Fehlerquelle besteht inder so genannten „sozialen Erwünschtheit“von Antworten: DerBefragte gibt absichtlich eine falscheAntwort, weil er bestimmte Informationen– die sozial nicht erwünschtsind – zurückhalten will. Z. B.: Ichbenütze das Internet am Arbeitsplatzauch für private Zwecke.– Eine hundertprozentige Lösung diesesProblems gibt es nicht. Vermindertwerden kann der Effekt nurdurch die Zusicherung der absolutenAnonymität.– Sichert man dem Probanden Anonymitätzu, so sollte man diesesVersprechen nicht dadurch konterkarieren,indem man detaillierte demographischeund biographische Datenerhebt.– Des Weiteren sollte man bedenken,dass das Erinnerungsvermögen derProbanden limitiert ist. Items, dieweit zurückliegende Ereignisse betreffen,sind in der Regel sehr unzuverlässig.Auf die Rekonstruktionvon Tages-, Wochen- oder gar Jahresabläufensollte man also verzichten,da es sich nur um grobe Schätzungenhandelt.– Eine weitere Fehlerquelle ist die Motivationder Befragten. DemotivierteProbanden bearbeiten den Fragebogennur oberflächlich, was sichnatürlich negativ auf dessen Aussagekraftaus-wirkt. Bei Gruppenuntersuchungenkann es zusätzlich zu einemAbsinken der Rücklaufquotekommen, wodurch die Repräsentativitätverringert wird. Grundsätzlichgilt, dass die Einhaltung der obengenannten Richtlinien hinsichtlichSprache, Gliederung und Layout dieMotivation der Befragten erhöht.Auch jene Punkte, die im ersten Teildieses Beitrags in Zusammenhangmit der Abhaltung von Informationsveranstaltungenerwähnt wordensind, verbessern Motivation undRücklaufquote (Information überZiel der Untersuchung, Verwendungund Veröffentlichung der Ergebnisseetc.).Literatur1. Bortz, J., Döring, N.: Forschungsmethodenund Evaluation. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg,New York, 1995.2. Kirchhoff, S., Kuhnt, S., Lipp, P., Schlawin, S.:Der Fragebogen. UTB Leske + Buderich, Opladen,2001.3. Kubinger, K.: Einführung in die psychologischeDiagnostik. Psychologie Verlags Union,Weinheim, 1995.4. Schwarzer, R.: Befragung. In: H. Feger und J.Bredenkamp (Hrsg.): Enzyklopädie der Psychologie,Bd. B, Serie I, 2. Hogrefe, Göttingen,1983.12


DIE ÖGAM INFORMIERTResolution zum Thema „Wirtschaftsmedizin“, beschlossen auf derGeneralversammlung der Österreichischen Gesellschaft fürArbeitsmedizin am 22. April 2004Oberstes Ziel vonArbeitsmedizin ist es,die Gesundheitarbeitender Menschenzu schützen undzu fördern.Wirtschaftsmedizin ist keineArbeitsmedizinIm Jahr 2002 wurde eine „Gesellschaftfür Wirtschaftsmedizin“ gegründet. Wirtschaftsmedizin,so heißt es in der Homepagedieser Gesellschaft, sei „Entwicklungund Förderung von Humanvermögen undUnternehmensproduktivität zur Wertsteigerungvon Unternehmen“. Weiter heißtes dort: „Dabei nimmt der Wirtschaftsmedizinerje nach Erfordernis unterschiedlicheRollen ein: die eines Coach, einesModerators, eines Mediators oder einesProjektmanagers“ und „Wirtschaftsmedizinsetzt dort ein, wo die Arbeitsmedizindie Grenzen des Möglichen erreicht“.Die Österreichische Gesellschaft fürArbeitsmedizin distanziert sich ausdrücklichvon einer Medizin, die sich soausschließlich als Instrument der Geschäftsleitungversteht und die sich fürGesundheitsprobleme und Krankheitenbei den Arbeitenden nur noch insoweit interessiert,wie diese die Leistungsfähigkeitder Arbeitenden schwächen und damitHumanvermögen vermindern. DieÖsterreichische Gesellschaft für Arbeitsmedizinist besonders besorgt darüber,dass es die Leitung der ÖsterreichischenAkademie für Arbeitsmedizin in Klosterneuburgist, welche mit diesen Auffassungenden Boden des Faches Arbeitsmedizinverlässt. Sie hält die hier geäußertenGedanken für unvereinbar mit einem Ausbildungsauftragfür angehende Arbeitsmedizinerund -medizinerinnen.Das Ziel der betrieblichen Arbeitsmedizinwar es immer und soll es bleiben,die Gesundheit arbeitender Menschen zuschützen und zu fördern, zum Nutzender Betroffenen und der Betriebe, in denensie beschäftigt sind. Eine sinnvolleund effektive betriebsärztliche Tätigkeit istnur möglich, wenn zu allen betrieblichenAkteuren und Interessengruppen ein Vertrauensverhältnisbesteht; eine einseitigeinteressenspolitische Ausrichtung imRahmen ärztlicher Tätigkeit im Betrieb, inwelcher Richtung auch immer, ist daherkontraproduktiv und sollte strikt vermiedenwerden.7. Wiener Forum Arbeitsmedizin 9./10. September 2004Gesundheitsprävention durchBewegung, Erkrankungen desBewegungsapparates und BerufTagungsort:Altes RathausWipplingerstraße 8, 1010 WienTagungsleitung:o. Univ.-Prof. Dr. Hugo W. RüdigerKlinische Abteilung Arbeitsmedizinder Medizinischen Universität WienUniv.-Prof. DI Dr. Norbert WinkerAUVA WienUniv.-Prof. DDr. Andreas ZoberAbteilung Arbeitsmedizin und GesundheitsschutzBASF AG LudwigshafenKongresssekretär und Adresse fürAnmeldungen zur Tagung:Dr. Michael NiklAUVAAdalbert-Stifter-Str. 65, 1200 Wiene-mail: michael.nikl@auva.at13


Überforderungund Unterforderung:das Janusgesicht derPathogenese vonErkrankungen desStütz- und BewegungsapparatesPrävention inÖsterreich undin DeutschlandGesundheitsförderungdurch BewegungTeilnahmebeitrag bei Anmeldung und Bezahlungbis 27. August 2004: € 75,–.Danach: € 85,–. Im Teilnahmebeitragenthalten sind die Tagungsunterlagen, dieTeilnahme am Wissenschaftlichen Programm,die Pausenbewirtung sowie derHeurigenabend.Einführung zum ThemaErkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparatesstellen für die Arbeits- undPräventivmedizin eine der größten Herausforderungendar. Diese Feststellungbasiert nicht nur auf der großen Häufigkeitdieser Gesundheitsstörungen undder dadurch bedingten finanziellen Belastungunseres Gesundheitssystems, sondernhängt auch mit dem Janusgesichtder Pathogenese dieser Krankheiten zusammen:Neben Verschleißerscheinungendurch Überlastung und Fehlbelastungtreten nämlich heute Anfälligkeitund Atrophie durch Trainingsverlust undBewegungsmangel ursächlich stärker inden Vordergrund. Dies bedeutet eine Verlagerungdes Präventionsansatzes: StattSchonung und Entlastung muss heuteeher das Gegenteil, nämlich Belastung,Bewegung und gezieltes Training im Vordergrundstehen.Auf dem 7. Wiener Forum Arbeitsmedizinwerden pathophysiologische Grundlagenund Konsequenzen der Überlastungeinerseits, aber besonders auch derkörperlichen Unterforderung von namhaftenFachleuten dargestellt. Darananschließend werden die leistungsphysiologischenGrundlagen einer Gesundheitsförderungdurch Bewegung erläutert unddie sich daraus ergebenden Konsequenzenanhand praktischer Präventionsprogrammeabgeleitet. Bewegung undkörperliches Training dienen aber nichtnur der Gesunderhaltung des Bewegungsapparates,sondern haben im Sinneeiner ganzheitlichen Medizin auch erheblichefördernde und gesunderhaltende Effekteauf fast alle Organsysteme.Dieser Workshop wendet sich anArbeitsmediziner, Sozialmediziner undSportärzte, an Vertreter von Arbeitgebernund Arbeitnehmern sowie auch an Entscheidungsträgerin Politik, Wirtschaftund ärztlicher Standesvertretung.PROGRAMMDonnerstag, 9. September 2004Ab 12.00 Registrierung13.30 Begrüßung und Eröffnung derTagungEinführung in das ThemaHugo W. RÜDIGERVorsitz: Norbert WINKER14.00 Arbeitsbedingte Erkrankungendes Bewegungs- und Stützapparatesin ÖsterreichKlaus WITTING, Astrid ANTES14.30 Erfahrungen in der Präventionbandscheibenbedingter Erkrankungenin DeutschlandEdith PERLEBACH15.00 Risikofaktoren für Verschleißerkrankungendes BewegungsapparatesHanns-Peter SCHARF16.00 Kaffeepause16.30 RSI-Syndrom: Entstehung, Klinik,PräventionHardo SORGATZ17.30 Übertragbarkeit sportmedizinischerund sportwissenschaftlicher Erkenntnisseauf die arbeitsmedizinischePräventionGerd-Peter BRÜGGEMANN19.30 Fortsetzung der Diskussion beimHeurigenBuschenschank HermannWilfinger, Hameaustraße 5,1190 Wien, Tel.: 01 440 31 34(in der Teilnahmegebühr inkludiert;Bustransfer ab Tagungsort)öffentliche Verbindung:Wiener Linien, Bus 35AFreitag, 10. September 2004Vorsitz Andreas ZOBER09.00 Medizinische TrainingsberatungPaul HABER10.00 Gestaltung, Nutzen und Akzeptanzbetrieblicher Sport- undFitnessprogrammeMarkus GOMER, Rolf PLUTO10.30 Pflegefit: Prävention muskuloskeletärerBelastungen im KrankenhausIngrid HALLSTRÖM11.00 Baufit: Prävention muskuloskeletärerBelastungen am BauErich BATA11.30 Kaffeepause12.00 Sport als Präventionsmaßnahme(Osteoporose, Tumorerkrankungen,Schlaganfall, Immunsystem,Depression)Klaus BÖSEnde der Veranstaltung gegen 13.00 Uhr14


DIE AUVA INFORMIERTBAUfit – eine Intervention der besonderen Art.Aktivitäten auf Baustellen zur Erhöhung der ArbeitssicherheitErich BataUnfallverhütung undBerufskrankheitenbekämpfung,AllgemeineUnfallversicherungsanstalt,Wien,ÖsterreichAusgleichsübungenwann und wo immermöglichDas Projekt wirdsowohl physiologischals auch psychologischbegleitet.AusgangssituationDie Ursache für viele Unfälle in der Baubrancheist neben anderen der FaktorStress. Zudem leiden Bauarbeiter sehr oftunter starker Abnutzung des Stütz- undBewegungsapparates. Im Projekt BAUfitwerden gleichzeitig belastungsausgleichendeund stressmindernde Maßnahmenmit den Betroffenen erarbeitet. DieseMaßnahmen ergänzen einander, undsehr oft ist eine Intervention auf beidenGebieten wirksam.Es kommen Interventionen und Maßnahmenauf der Baustelle zum Einsatz,die die besten Erfolgsaussichten beigleichzeitig geringstmöglicher Störungdes Baustellenablaufes haben. Diese wurdenbeim wissenschaftlichen Großprojekt„BAUfit“ entwickelt und abgetestet. DieErgebnisse wurden in das Konzept deslaufenden Projektes BAUfit eingearbeitet.Eine wichtige Erkenntnis daraus ist dieNotwendigkeit einer gleichzeitigen Mitbetreuungder Führungsebene und der Firmenleitung.MaßnahmenEin Arbeitspsychologe betreut schon vorden Interventionen die Führungskräfteund dann in weiterer Folge die Baustellenmannschaft.Seine Aktivitäten reichenvom Aufzeigen und Beheben kommunikativerStörungen in Ausnahmefällen bishin zur Organisationsanalyse.Die drei eigentlichen Interventionsblöckesetzen erst nach ca. drei bis vierWochen ein. Jeder Block ist vier Wochenlang, danach ist eine Woche Pause.Der erste Block ist dem körpergerechtenArbeiten, also der Bewegungsergonomie,gewidmet. Hier werden den TeilnehmernTipps und Tricks gezeigt, wie sieihrer täglichen Tätigkeit genauso schnell,aber für ihren Körper viel schonendernachkommen können. Z. B.: Das Aufstützendes Ellenbogens am eigenen Knieentlastet die Wirbelsäule, oder das Einplaneneinfacher Bewegungswechsel beieiner Tätigkeit verringert die Dauerbelastungeiner Muskelpartie.Block zwei besteht in Ausgleichsübungen.Sind, wie so oft am Bau, Zwangshaltungenund Fehlbewegungen nicht zu verhindern,so hilft eine Ausgleichsübungvor Verspannung und Verkrampfung. DieBauarbeiter werden nicht zu Turnern unddie Baustelle wird nicht zum Sportplatz,aber Zwangspausen werden sinnvoll zurLockerung der Muskulatur, der Gelenkeund des gesamten Bewegungsapparatesgenützt.In beiden Blocks arbeitet der Trainerzweimal ca. eine halbe Stunde mit derMannschaft. Den Rest des Halbtages betreuter diese bei ihrer Arbeit, und das,ohne die Baustelle in ihrem Fortgang zustören.Inhalt des dritten Interventionsblocksist die Eurythmie, das rhythmische Bewegenin der Gruppe. Gerade die Eurythmiewirkt sich sehr positiv auf das Gleichgewichtssystemund auf das räumliche Erkennenund Erleben aus. Das alles sindFaktoren, denen auf Baustellen besondereBedeutung zukommt. Die physiologischenMessdaten haben weiters gezeigt,dass beim Eurythmie-Programm die bestenErholungswerte erzielt wurden.Leider muss diese Intervention in Zukunftentfallen, weil die Akzeptanz beiden Bauarbeitern für dieses zwar wirkungsvolle,aber doch etwas eigenwilligeBewegungstraining zu gering ist.Messungen QualitätssicherungDie physiologische und psychologischeBegleitung des Projektes soll die Wirksamkeitder Interventionen im Praxiseinsatzweiter erhärten. Diese Messungenzeigten auch hier in der Testphase, wiepositiv BAUfit auf die betreuten Bauarbei-15


Herzfrequenzvariabilitätals Beurteilungsparameter?3 Trainingspaketeter bzw. deren physiologische Parameterwirkt.Das innovative Verfahren der Herzratenvariabilitäts-Messungkommt zumEinsatz. Es zeigt die Stressbelastung unddie Erholungsfähigkeit in den Pausen undin den Schlafphasen. Das Baustellenpersonalwird bis zu sieben Mal im Projektzeitraumgemessen, ca. alle fünf Wochenfindet eine 24-Stunden-Messung statt.Die Psychologen begleiten die Messungenmit Fragebogenerhebungen und Arbeitsanalysen.Auf diese Art werden diephysiologischen Messdaten noch besserinterpretierbar.Auch von diesen Messungen hat sichdas Serienprodukt BAUfit verabschiedet.Die Messungen waren unerlässlich in derEntwicklungs- und Testphase, jetzt kannauf ihre Ergebnisse vertraut werden. Ähnlichwie man nach der Entwicklung einesabgasarmen Motors die Messserien nichtmehr fortsetzt. Ein wenig Herzratenvariabilitäts-Messungbleibt aber doch nochbei BAUfit: Punktuell nützen die Psychologendieses Mess- und Veranschaulichungsverfahrengerne, um dem einenoder anderen wirklich ein Bild seines psychologisch-physiologischenZustandesgeben zu können.BAUfit hat diesen Herzratenvariabilitäts-Messungenjedoch ein weites Tätigkeitsfelderöffnet. In vielen anderen Branchenwerden sie von Arbeitsmedizinernder AUVA eingesetzt, um objektive Datenüber diverse Belastungsfaktoren zu erhalten.BAUfit ist serienreifAufbauend auf den Ergebnissen des Forschungsprojektesund weiteren Projekten,den oben beschriebenen so genannten„Testläufen“, wurden jetzt drei BAUfit-Praxispakete entwickelt.1. Schnupper-Paket: Die Dauer der Betreuungbeträgt sechs Wochen. Es werdenInterventionen aus dem Bewegungsprogrammangeboten, Instruktionen überkörpergerechtes Arbeiten und Ausgleichsübungen.Zusätzlich wird ein Sicherheits-Check der Baustelle durch die AUVAdurchgeführt.2. Classic-Paket: Die Dauer dieses Betreuungspaketesist ca. zwölf Wochen. Je4 Wochen entfallen auf körpergerechtesArbeiten und auf Ausgleichsübungen. Davor,während und nach diesen Interventionenerfolgt eine Betreuung durch einenArbeitspsychologen. Sowohl das gewerblichePersonal wie auch die Führungskräfteerhalten so Tipps und Vorschlägezu Maßnahmen gegen die Stressbelastung.Selbstverständlich werden auch dieAUVA-Sicherheits-Checks, zwei in diesemFalle, durchgeführt. Der „Bewegungstrainer“erhält durch den Arbeitsmedizinerdes Unternehmens Unterstützung, indemdieser eine Screening-Untersuchung derBeteiligten durchführt und auf Häufungenvon Problembereichen hinweist. DieDaten bleiben natürlich beim Arzt, nurProzent- oder Summenwerte werden weitergegeben.3. Professional-Paket: Dieses Paket wird16 Wochen dauern, entspricht grundsätzlichdem Classik-Paket, jedoch mitverstärktem Einsatz des Bewegungsergonomie-Trainersund um einen Vierwochenblockerweitert. Der verstärkteTrainereinsatz wird zur Ausbildung betriebseigenerMultiplikatoren für körpergerechtesArbeiten und Ausgleichsübungengenützt. Der AUVA Sicherheits-Checkist beim Professional-Paket dreimal vorgesehen.Auch hier ist die arbeitsmedizinischeUnterstützung vorgesehen, gleich zweimal,vor und nach den Interventionen,um eine mögliche statistische Veränderungdokumentiert zu haben.Die anfallenden Trainer-, Betreuer- undPsychologenkosten werden zur Gänzevon der AUVA übernommen.16


AUSGLEICHSÜBUNGEN17


Die sicherheitstechnische Prüfstelle der AUVAWolfgang KunzAngeboten wird einebreite Palette physikalischer,chemischerund mikrobiologischerMessungen amArbeitsplatz.GaschromatographieDie Sicherheitstechnische Prüfstelle (STP)ist eine als Prüf- und Überwachungsstelleakkreditierte und notifizierte Einrichtungder AUVA, die Produktprüfungen undMessungen chemischer und physikalischerEinflüsse durchführt.AkkreditierungBasis für die Akkreditierung ist das Akkreditierungsgesetz.Dieses regelt diepersonellen, ausstattungsmäßigen undorganisatorischen Voraussetzungen füreine Akkreditierung. Gefordert wird unteranderem die Unparteilichkeit und Unabhängigkeit,das heißt, dass z. B. die Prüferunabhängig von der Anzahl der durchgeführtenPrüfungen zu entlohnen sind.Qualifiziertes Personal und dem Stand derTechnik entsprechende Prüfeinrichtungensind neben dem Führen eines Qualitätsmanagementsystemsweitere Voraussetzungen.Die Akkreditierung wird vom Bundesministeriumfür Wirtschaft und Arbeitbescheidmäßig erteilt, das heißt, dass akkreditiertePrüfstellen der staatlichenÜberwachung unterstehen.Akkreditierte Prüfstellen werden fürMessungen dann herangezogen, wennz. B. im Rahmen von behördlichen Genehmigungsverfahrendie Vorlage einesGutachtens einer unabhängigen Stelleverlangt wird. Die STP bietet hiezu chemischeund physikalische Messungen anArbeitsplätzen an. Im Anrainerschutz(z. B. Lärmmessungen) wird die STPtätig, wenn der Auftraggeber der emittierendeBetrieb ist. Konkret umfasst dasLeistungsangebot folgende Prüfungen:Chemie:– Chemische Schadstoffmessungen amArbeitsplatz zum Nachweis der Einhaltungvon MAK-Werten, TRK-Wertenund hygienischen Grenzwerten– Immissionsmessungen bezüglich Schadstoffe– Explosionskenngrößenbestimmungvon StäubenLärm:– Akustische Messungen an Arbeitsplätzen– Akustische Messungen an Maschinen– Akustische Messungen in der Nachbarschaft(Anrainermessungen)Physik / Elektrotechnik:– Vibrationsmessungen (GanzkörperundHand-Arm-Schwingungen) vonMaschinen und Anlagen– Messung der Schwingungsbelastungvon ArbeitnehmerInnen am Arbeitsplatz18


Schutzausrüstungmuss zertifiziert seinEin Schutzhelmwird getestet.– Messung hoch- und niederfrequenterelektromagnetischer Felder an Maschinenund elektrischen Anlagen sowie anArbeitsplätzenKlima / Lüftung:– Klimamessungen in Arbeitsräumen– Hitzemessungen im Sinne des Nachtschwerarbeitsgesetzes– Messung der Lüftungswirkung von AbsauganlagenMikrobiologie:– Mikrobiologische Luftuntersuchungen,Ermittlung der Gesamtkeim- und Gesamtpilzzahl(Lebendkeimzahl) in derLuft in Räumen im Vergleich zurAußenluftDarüber hinaus bietet die STP außerhalbder Akkreditierung– UV-Messungen (UV-Strahlung an Arbeitsplätzen,UV-Emission von Geräten),– Messung ionisierender Strahlung,– Beleuchtungsmessungen und– thermografische Untersuchungen vonGebäuden und Anlagen an.Seitens der Produktprüfungen führt dieSTP z. B. Typenprüfungen sowie Kontrollprüfungenvon Leitern und die Prüfungder Rutschsicherheit von Böden durch.Als Abschluss einer erfolgreichen Produktprüfungkann das geprüfte Produktmit dem Gütesiegel der STP gekennzeichnetwerden.NotifizierungFür bestimmte Produkte, z. B. für Maschinen,Elektrogeräte, Medizinprodukte,persönliche Schutzausrüstungen undDruckgeräte, ist die CE-Kennzeichnungvorgesehen. Diese ist durch EU-Richtliniengeregelt und schreibt dem Herstelleroder In-Verkehr-Bringer die Erstellung einerKonformitätserklärung vor. Nur mitdieser bzw. mit dem auf dem Produkt angebrachtenCE-Zeichen ist der freie Warenverkehrim EU-Raum möglich.Für bestimmte Produkte muss sich derHersteller an eine notifizierte Prüfstellewenden. Hier ist die Einschaltung eines„Notified bodys“ zur Erlangung der Baumusterbescheinigungverpflichtend. DieNotifizierung bedeutet, dass die Prüfstelleals zugelassene Prüfstelle (notifiedbody) in den EU-Ländern in die jeweiligennationalen Verordnungen, welche die EU-Richtlinien umsetzen, aufgenommen wurdeund europaweit geltende Prüfbescheinigungenausstellt.Für Produkte, die z. B. vor hohen Gefahrenschützen (wie Absturzsicherungen),ist neben der Baumusterprüfungauch eine Qualitätsprüfung aus der laufendenProduktion vorgeschrieben.Die STP ist notifizierte Prüfstelle aufdem Gebiet der persönlichen Schutzausrüstungenund führt Baumusterprüfungenzur Erlangung des CE-Zeichens für– Absturzsicherungen,– Schutzhelme,– Sicherheits-, Schutz- und Berufsschuheund– Schnittschutzkleidungdurch.Baumusterbescheinigungen können nurdann ausgestellt werden, wenn das Produktalle Teilprüfungen bestanden hat.Fällt eine Teilprüfung negativ aus, bietetdie STP dem Hersteller die Möglichkeitan, Verbesserungen am Produkt vorzunehmenund zur nochmaligen Prüfungvorzulegen. Die STP versteht sich als Servicestelleund stellt dem Auftraggeber nurdie Selbstkosten in Rechnung.19


ARBEITSINSPEKTIONDIE ARBEITSINSPEKTION INFORMIERTArbeitsunfälle in Europa und physische Gewalt am Arbeitsplatz –Information der Eurostat vom 28. April 2004ELSBETH HUBERSchwere undtödliche Arbeitsunfällenehmen ab.Eurostat, das Statistische Amt der EU, hatin einer Pressemeldung vom 28. April2004 Informationen zu statistischen Datenüber Arbeitsunfälle in Europa sowieüber physische Gewalt am Arbeitsplatzveröffentlicht.Zwischen 1994 und 2001 gingen in derEU die schweren Arbeitsunfälle (Arbeitsunfällemit einem Arbeitsausfall von mehrals drei Tagen) um 15 % und tödliche Arbeitsunfälleum 31 % zurück. Zwar sindVergleiche unter den einzelnen Ländernaufgrund verschiedener nationaler Meldesystemenur beschränkt aussagekräftig,dennoch hat Österreich im Zeitraum1998–2001 gemeinsam mit Belgien mitminus 17 % nach Dänemark mit minus18 % die größte Abnahme bei schwerenArbeitsunfällen in der EU.Nach einer Erhebung der EuropäischenStiftung für Lebens- und Arbeitsbedingungengaben 6,4 % der Frauen und4,7 % der Männer innerhalb der EU an,dass sie im Jahr 2000 physischer Gewaltam Arbeitsplatz ausgesetzt waren, wobeidiese vor allem von Kunden ausging. Mit13 % waren Beschäftigte im GesundheitsundSozialwesen am häufigsten betroffen.3,1 % der Frauen und 0,8 % der Männergaben an, dass sie wegen ihres Geschlechtsam Arbeitsplatz diskriminiertworden seien. In Bezug auf die Diskriminierungam Arbeitsplatz aus Altersgründenwaren die Angaben bei Frauen undMännern fast gleich: 3,0 % bzw. 2,8 %.Weitere Information: http://europa.eu.int/comm/eurostat/Public/datashop/print-product/DE?catalogue=Eurostat&product=3-28042004-DE-AP-DE&mode=downloadMehr Kundenservice durch Online-FormulareMeldepflichtenformulareaus dem Internet.Abspeichern undVersenden ist derzeitnoch nicht möglich.Die Arbeitsinspektion hat für die wichtigstenim Arbeitsschutz vorgesehenen MeldepflichtenFormulare zum Downloadenausgearbeitet.In den einzelnen Formularen findensich Ausfüllhilfen, die die gesetzlichenVoraussetzungen erklären, um es den BenutzerInnenzu ermöglichen, abzuschätzen,inwieweit sie eine Meldepflicht trifft.Die Formulare enthalten alle für die Meldungerforderlichen Angaben. Da es sichum eine Serviceleistung handelt, ist dieBenützung dieser Formulare nicht verpflichtend.Wichtige Hinweise!Aus lizenzrechtlichen Gründen könnendie zum Download angebotenen PDF-Formulare mit dem Acrobat Reader derzeitnur heruntergeladen, ausgefüllt undmit den ausgefüllten Inhalten ausgedrucktwerden.In Zukunft soll jedoch auch unter Verwendungdes Acrobat Reader ein Abspeichernder ausgefüllten Formulare möglichsein.Unter anderem sind folgende Formularvordruckedort zu finden:• Verantwortliche Beauftragte gemäß § 9VStG – Meldung gemäß § 23 Abs 1ArbIG• Sicherheitsvertrauenspersonen (SVP) –Meldung der Bestellung gemäß § 10Abs 8 ASchG (mit Betriebsrat)• Krebserzeugende, erbgutveränderndeoder fortpflanzungsgefährdende Stoffe– Meldung der beabsichtigten Verwendunggemäß § 42 Abs 5 ASchG und § 13GKV 2003• Biologische Arbeitsstoffe – Meldungvor erstmaliger Verwendung gemäߧ 42 Abs 6 ASchG und § 11 VbA20


• Größere Bauarbeiten – Vorankündigunggemäß § 6 BauKG• Mutterschutzmeldung gemäß § 3 Abs 6MSchG• Krankenanstalten – Meldung der Arbeitszeitverlängerunggemäß § 8 Abs 4KA-AZGIn Kürze werden auch die Formulare fürdie Eignungs- und Folgeuntersuchungengem. § 49 ASchG an dieser Stelle verfügbarsein, wobei das Procedere das obenbeschriebene ist.Weitere Informationen:http://www.bmwa.gv.at/BMWA/Themen/Arbeitsrecht/Meldepflichten/default.htmDie Arbeitsinspektion – Gründungsmitglied einer Plattformfür Prävention und betriebliche Gesundheitsförderungin NiederösterreichErfahrungs- undInformationsaustauschim Bereich PräventionDie Niederösterreichische Landesregierunghat ausgehend vom Gesundheitsbericht2002 im Jahre 2003 den Beschlussgefasst, diese Initiative zu starten. DieGründung der Plattform erfolgte durch dieGründungsmitglieder Land Niederösterreich,die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse,die AUVA, die Arbeitsinspektionund die NiederösterreichischenSozialpartner. Die Plattform für Präventionund betriebliche Gesundheitsförderungdient zum Erfahrungs- und Informationsaustauschaller AkteurInnen im BereichPrävention und betrieblicher Gesundheitsförderungin Niederösterreich.Die Plattform verfolgt das Ziel, die Entwicklungder gesundheitsförderlichen Gestaltungder Arbeitswelt zu unterstützen,die betriebliche Gesundheitsförderungstärker in den niederösterreichischen Unternehmen,vor allem in Klein- undKleinstbetrieben zu verbreiten und dieKooperation aller regionalen AkteurInnenzu verbessern. Gute Praxis betrieblicherPrävention und betrieblicher Gesundheitsförderungsoll in der ArbeitsweltNiederösterreichs bekannt gemacht werden,bestehende Initiativen sollen vernetztund in den vernachlässigten Bereichensollen neue Aktivitäten angeregtwerden.Ein Fachbeirat bestehend aus regionalenVertreterInnen der Ärztekammer, derÖsterreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin,des VÖSI, des BÖP, der Innungen,des Fonds gesundes Österreich, desN.Ö. Gesundheitsforum und andererNetzwerkteilnehmerInnen soll die Plattformmitgliederbei inhaltlichen Fragen beraten.21


VON DER ÖGAM/DGAUM-TAGUNG2004Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaftfür Arbeits-, Sozial und Umweltmedizin an OMRUniv.-Prof. Dr. Egmont BaumgartnerEgmontBaumgartnerProf. Baumgartner ist in Österreich wohljedem Arbeitsmediziner bekannt. Er istEhrenpräsident der Österreichischen Gesellschaftfür Arbeitsmedizin, Gründerund Ehrenpräsident der ÖsterreichischenAkademie für Arbeitsmedizin und Ehrenpräsidentdes Dachverbandes ArbeitsmedizinischerZentren in Österreich.Im Rahmen der Abschlussveranstaltungder gemeinsamen Tagung der DeutschenGesellschaft für Arbeits-, SozialundUmweltmedizin und der ÖsterreichischenGesellschaft für Arbeitsmedizinwurde heuer Herrn Prof. Dr. EgmontBaumgartner vom Deutschen PräsidentenProf. Dr. Klaus Scheuch die Ehrenmitgliedschaftder Deutschen Gesellschaftfür Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizine. V. verliehen „als Dank für eine langjährigefruchtbare Zusammenarbeit undfür reiche Verdienste um die Arbeitsmedizinund die Deutsche Gesellschaft für Arbeits-und Umweltmedizin“.Posterpreis für Mag. Erik Stadler (marketmind, Wien) undProf. Dr. Manfred Neuberger (Institut für Umwelthygiene derMedizinischen Universität Wien, Abteilung Präventivmedizin):Gruppenkurse in Betrieben sind erfolgreicher als konventionelleRauchertherapieErik Stadler,Manfred NeubergerRauchverbotam Arbeitsplatz.34 % Abnahme derRaucherprävalenzin den USAEinleitungDer Erfolg von Raucherberatungsstellenist auf Bevölkerungsebene verschwindendgering. Die Einführung rauchfreier Arbeitsplätzeführte in den USA zu einerAbnahme der Raucherprävalenz, wobeidie Erfolgsrate mit 34 % wesentlich höherwar als durch Pharmakotherapie 1 .In Österreich wurden zur Implementierungdes § 30 ASchG Betriebskurse empfohlen,um Rauchern den Ausstieg zu erleichtern.MethodeNach Inkrafttreten des § 30 ASchG undRecherchen zu Raucherseminaren inösterreichischen Betrieben beschlossenwir, alle nach vergleichbarer Methodik(Allen Carr – Easyway) von Juni bis September2002 durchgeführten Gruppenkursezu evaluieren. Mit Ausnahme von2 Betrieben, in denen bereits einschlägigeAktionen der Betriebsmedizin liefen, wurdenalle Teilnehmer vor Kursbeginn gebeten,einen standardisierten Fragebogenauszufüllen. Nach dem Basisseminarvon 6 Stunden wurden 2 kostenlose Aufbauseminareund bei Nichterfolg eineGeldrückzahlung angeboten. Der Kurserfolgwurde nach 3 und 12 Monaten incomputergestützten Telefoninterviews erhoben.Zuletzt wurden auf diese Weiseauch Kursteilnehmer befragt, die ursprünglichkeinen Fragebogen abgegebenhatten.22


Hohe Erfolgsrate:53 % der Teilnehmerein Jahr nach demKurs abstinentErgebnisseDas Untersuchungskollektiv bestand zueinem Drittel aus Frauen, überwiegendaus Angestellten (61 %) und Arbeitern(21 %) mit Fachschulabschluss (61 %) imAlter von 20–59 Jahren (93 %), die imMittel vor dem Kurs täglich >20 Zigarettenrauchten (Männer 29.3, Frauen 24.3).78 % hatten schon versucht aufzuhören,aber nur 15 % waren >1 Jahr abstinent.3 Monate nach dem Gruppenkurs waren61.8 (57.3–66.3)% und ein Jahr danach53.3 (48.2–58.4)% abstinent.DiskussionDa nur 1.6 % zusätzlich ein Medikamentverwendeten, ist diese (im Vergleich zukonventioneller Therapie) sehr hohe Erfolgsrateallein auf die verstärkte Motivationzurückzuführen, für die bei 78 % ein6-Stundenkurs ausreichte, weil sie gruppendynamischaufrechterhalten wurde. BeiKursen im Betrieb war die Inanspruchnahmevon Aufbauseminaren geringerund die Erfolgsrate betrug nach 3 Monaten63.2 (57.6–68.8)% und nach 1 Jahr 53.9(47.5–60.3)%. Telephonisch nicht erreichbareKursteilnehmer können das Ergebniskaum verfälscht haben, weil sie sich wedersoziodemographisch (Alter, Geschlecht,Familienstand, Schulbildung, Tätigkeit)noch nach Rauchgewohnheiten (Zigarettenzahl,Packungsjahre, Fagerström-Score,Alter bei Rauchbeginn) unterschieden.Von den nur 42 Betriebskursteilnehmern,die keinen Fragebogen abgegeben hatten,gaben 74 % telephonisch erreichbarean, in 77.4±14.7 % drei Monate und in48.4±17.6 % ein Jahr abstinent gewesen zusein. Somit scheiden auch diese Nonresponderals Quelle eines nennenswertenSelektionsbias aus. 2 Falsche Angaben sindnicht auszuschließen, doch ist dadurcheher eine Unterschätzung der Erfolgsrateanzunehmen, weil eine Geldrückgabegarantiegegeben wurde.SchlussfolgerungDiese Gruppenkurse sind geeignet, umdie Raucherrate in Betrieben effizient zusenken, Gesundheitszustand und Wohlbefindender Belegschaft zu steigern undden Weg zu rauchfreien Betrieben zu ebnen.Literatur1. NIH (US): Population Based Smoking Cessation,12, 2000.2. Neuberger M, Raber A: Zbl. Bakt. Hyg. B 177,539–561.23


AUS DER KLINISCHEN ABTEILUNGFÜR ARBEITSMEDIZINDas Leitbild der Klinischen Abteilung für Arbeitsmedizinder Medizinischen Universität WienEinzige universitäreInstitution für Arbeitsmedizinin ÖsterreichUnter anderem:umfassende klinischeDiagnostik und TherapiearbeitsassoziierterErkrankungenWeiterbildung zumFacharzt für Arbeitsmedizinund Facharztfür Innere MedizinDie Aufgaben und das Selbstverständnisder Klinischen Abteilung für Arbeitsmedizinder Medizinischen Universität Wienwerden durch das nachfolgende Leitbildbeschrieben. Die Abteilung ist die einzigeuniversitäre Institution für Arbeitsmedizinin Österreich. Darüber hinaus nimmt sieauch unter den arbeitsmedizinischenLehrstühlen und Einrichtungen an Universitätenim deutschsprachigen Raumeine Sonderstellung ein, weil nebenAufgaben in Forschung, Lehre und arbeitsmedizinischerPrävention auch eineumfassende klinische ambulante undstationäre Diagnostik und Therapie arbeitsassoziierterErkrankungen durchgeführtwird. Zu diesem Zweck sind der Abteilung28 klinische Betten verantwortlichzugeordnet. Die Abteilung verfügt weiterhinüber eine Arbeitsmedizinische Ambulanz,eine Umweltambulanz, ein diagnostischesFunktionslabor (Ergometrie,Spirometrie, Langzeit-EKG Monitoring,Langzeit-RR Monitoring, Audiometrie,Sehtests, Kipptischuntersuchungen zurAnalyse orthostatischer Dysregulationen,testpsychologische Verfahren) und eigenemedizinisch-psychologische Begutachtung.Das Arbeitsmedizinisch-ToxikologischeLabor deckt den größten Teil derUntersuchungen ab, die für arbeitsmedizinisch-toxikologischeFragestellungenund Biomonitoring benötigt werden.Dazu stehen ca. 140 m 2 Laborraum zurVerfügung. Ein besonderer wissenschaftlicherSchwerpunkt des Laborbereichssind genotoxische Untersuchungen.Die Klinische Abteilung für Arbeitsmedizinbesitzt die volle Weiterbildungsermächtigungfür die Fächer Arbeitsmedizinund Innere Medizin. Die an der Abteilungtätigen Hochschullehrer nehmen die Lehreim Fach Arbeitsmedizin an der MedizinischenUniversität Wien wahr und sindaußerdem beteiligt an der Lehre im FachInnere Medizin.Leitbild der Klinischen Abteilungfür Arbeitsmedizin der MedizinischenUniversität WienDie Klinische Abteilung Arbeitsmedizinder Medizinischen Universität Wien(MUW) ist derzeit struktureller Teil desFachbereichs der Inneren Medizin.Im Mittelpunkt dieses klinischen Fachessteht der Mensch in seinem Spannungsfeldzwischen arbeits- und umweltbedingtenBelastungen einerseits undGesundheit sowie Krankheit andererseits.Daraus ergibt sich ein diagnostischer,kurativer und präventiver Aufgabenbereichder Abteilung mit folgendenKernkompetenzen:• die Kausalitätsabklärung arbeits- undumweltbedingter Erkrankungen• die Diagnostik und Therapie von Berufskrankheitenund berufsassoziiertenErkrankungen• die Evaluierung, Wiederherstellungund Erhaltung der Arbeitsfähigkeit• die Auswahl geeigneter Pharmakotherapienim Hinblick auf die individuelleberufliche Anforderung• die besondere Berücksichtigung derwechselseitigen Zusammenhängezwischen psychischen Belastungenam Arbeitsplatz und Störungen vonBefindlichkeit und Gesundheit• die Erfassung arbeitsbedingter Belastungenund deren Beanspruchungsreaktionenmittels labor-, funktionsundpsychodiagnostischer Verfahren• die Erstellung von fachärztlichenarbeitsmedizinischen Zusammenhangsgutachten• die wissenschaftlich fundierte Beratungbei arbeits- und umweltbedingtenGesundheitsstörungen• die Forschung im Fach Arbeitsmedizin,mit besonderer Berücksichtigung24


der Grundlagenforschung sowie dieDurchführung klinisch-wissenschaftlicherStudien• die Zusammenarbeit mit Betriebsärztenund arbeitsmedizinischen Zentrenin der Planung, Durchführung undAuswertung von Studien• die Entwicklung neuer Verfahren desBiomonitoring• die Lehre im arbeitsmedizinischenFachbereich im Rahmen des Curriculumsder Medizinischen UniversitätWien• die Ausbildung zum Facharzt für Arbeitsmedizin• die postgraduelle arbeitsmedizinischeWeiterbildungAls Angehörige der Medizinischen UniversitätWien betreiben wir dieses Fachgebietauf universitärem Niveau undbekennen uns zur Verbindung von Krankenbetreuung,Forschung und Lehre.Neben den erwähnten Kernkompetenzenlegen wir besonderen Wert auf dieKommunikation mit anderen medizinischenFachbereichen.PROJEKT:Gesundheitliche Auswirkungen der Ultrafein-Partikel (UFP)an exponierten ArbeitsplätzenKarin Schmidt,JasminkaGodnic-CvarUltrafein-Partikel,ein unterschätztesGesundheitsrisikoPartikeloberflächeist wichtiger alsPartikelmengeErstmalig Datenin ÖsterreichBisher wurden keine Studien der Effektevon UFP mit kontrollierter Exposition amArbeitsplatz durchgeführt. An der KlinischenAbteilung für Arbeitsmedizin imAKH Wien wurde vor kurzem ein Projektin Kooperation mit der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt(AUVA) – ÖsterreichischenStaub Bekämpfungsstelle Leobengestartet. Die im Rahmen dieserStudie zu untersuchenden immunologischenParameter werden am Institut fürPathophysiologie der Medizinischen UniversitätWien bestimmt.UFP sind Stäube, Rauche und Nebelmit einer Partikelgröße unter 100 nm. Diehäufigsten Vertreter sind Schweiß- undMetallrauche, technische Ruße, amorpheKieselsäure und Dieselmotoremissionen.Diese vorwiegend unlöslichen Partikelwurden bisher als biologisch inert betrachtet.Epidemiologische Studien undTierexperimente zeigen jedoch, dass ultrafeinePartikel auf Grund ihrer enormgroßen und chemisch aktiven Oberflächegesundheitsschädlich sind. Neueste Studienergeben, dass unter anderem freieRadikale eine ursächliche Rolle spielenkönnten (Donaldson et al., 2002).Gesundheitsschäden als Folge einerUFP-Exposition werden auf dem Niveaudes ersten Kontaktes – der Atemwege,aber auch systemisch (Herz-, Kreislaufund Nervensystem) – postuliert. Gut dokumentiertin Tierversuchen sind ausgeprägteentzündliche, allergische, proliferative,fibrotische und krebserzeugendeVeränderungen im Bereich der Lungedurch UFP. Humane epidemiologischeStudien registrieren eine erhöhte Morbiditätund Mortalität (lokal an denAtemwegen und systemisch durch Herzattackenund Schlaganfälle) bei akut erhöhtenUFP-Belastungen (Ibald-Mulli etal., 2002).Die derzeit weltweit geltenden allgemeinenStaubgrenzwerte beziehen sichauf die Masse des Staubes, wobei die Ultrafeinfraktionnur einige Prozente zurMasse beiträgt, jedoch 80 % der gesamtenPartikelanzahl und Partikeloberflächedarstellt. Die Partikeloberfläche scheintaber der ausschlaggebende Faktor in derPathophysiologie der durch UFP ausgelöstenGesundheitsschäden zu sein.Das Ziel der geplanten Studie ist dieUntersuchung dosisabhängiger Gesundheitseffekteakuter und chronischer UFP-Belastungen bei gegenüber UFP exponiertenArbeitnehmern. Zu diesem Zweckwerden 30 gesunde UFP-Exponierte, davon15 Raucher und 15 Nichtraucher, imAlter zwischen 30 bis 55 Jahren für dieseStudie rekrutiert. Die Kontrollgruppe vonebenfalls 30 Personen, die nach allen Pa-25


Basis für künftigeGrenzwertsetzungenrametern mit Ausnahme der UFP-Exposition„gematcht“ sind, wird nach demselbenSchema untersucht.Vorerst wird nach einem Wochenende,vor Arbeitsbeginn die Erstuntersuchungstattfinden. Die 2. und 3. Untersuchungwird in der darauf folgenden Woche erfolgen– nach einer beruflichen Expositionvon UFP von jeweils 4 Stunden bzw.12 Stunden. Um den Effekt der UFP zuanalysieren werden Blut, Sputum undNasenlavat auf immunologische Parameteruntersucht. Die Sputuminduktion unddie Nasenlavage stellen etablierte undsichere Methoden zum nicht invasiven,reproduzierbaren Monitoring der Entzündungsabläufein den gesamten Atemwegendar (Pizzichini et al., 1996).Die Expositionsmessung im Bereichvon 15 bis 600 nm Partikelgröße, welchevon der Österreichischen Staub Bekämpfungsstelledurchgeführt wird, erfolgtüber eine Messapparatur, Scanning MobilityParticle Sizer (SMPS) der Firma TSI– welcher der neuesten Entwicklung derUFP-Messtechnik entspricht.Diese Studie soll Hinweise liefern, obdie akuten bzw. chronischen Belastungenmit UFP zu messbaren gesundheitlichenAuswirkungen führen. Somit sollen dieErgebnisse dieser Studie künftig zur Erarbeitungneuer Grenzwerte für UFP beitragen.Wir werden Sie an dieser Stelle überdie Ergebnisse dieser Studie informieren.Literatur1. Ibald-Mulli A., Wichmann H.E., Kreyling W.,Peters A.: Epidemiological Evidence on HealthEffects of Ultrafine Particles. Journal of AerosolMedicine 2002; Vol. 15 (2): 189–201.2. Donaldson K., Brown D., Clouter A., DuffinR., MacNee W., Renwick L., Tran L., Stone V.:The Pulmonary Toxicology of Ultrafine Particles.Journal of Aerosol Medicine 2002; Vol.15 (2): 213–201–220.3. Pizzichini E., Pizzichini M.M., Efthimiadis A.,Evans S., Morris M.M., Squillace D., GleichG.J., Dolovich J., Hargreave F.E.: Indices ofairway inflammation in induced sputum: reproducibilityand validity of cell and fluidphasemeasurements. Am J Respir Crit CareMed. 1996; Vol. 154 (2 Pt 1): 308–317.26


ImpressumMedieninhaber und Herausgeber:Klinische Abteilung Arbeitsmedizin der Med. Universität WienWähringergürtel 18–20, A-1090 WienÖsterr. Gesellschaft für Arbeitsmedizin, AMD LinzKaplanhofstraße 1, A-4020 LinzRedaktion:Dipl.-Ing. Alexander Pilger (Chefredakteur)Dr. Robert Winker (Stv. Chefredakteur)Klinische Abteilung Arbeitsmedizin der Med. Universität WienWähringergürtel 18–20, A-1090 WienTel.: 01 40 400-4718 • e-mail: alex.pilger@akh-wien.ac.atDruck:Facultas Verlags- und Buchhandels AGBerggasse 5, A-1090 WienTel.: 01 310 53 56 • Fax: 01 310 53 56-45 • e-mail: www.facultas.atOffenlegung nach § 25 Mediengesetz27

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