„Snoezelenraum": ein Weg zur Förderung der ...

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„Snoezelenraum": ein Weg zur Förderung der ...

Konzept eingesetzt. Immer mehr soziale Einrichtungen verfügen heute über Snoezelen-Möglichkeitenund verbinden mit dem Einsatz sehr unterschiedliche Ziele.Wir haben den Snoezelenraum bereits über einen Zeitraum von sieben Jahren alsEntspannungsmoduls in unserem Projekt „Gesundheit jetzt – in sozialen Brennpunkten!“ zurGesundheitsprävention und -förderung von Kindern und Jugendlichen in der städtischenObdachlosensiedlung „Zwerchallee“ in Mainz eingesetzt. Hier konnten die Kinder elementareSinneserfahrungen machen und Sinnesanregungen erfahren, die eine positive ganzheitlicheEntwicklung fördern. Unsere Sozialpädagogin, Frau Pfeiffer-Meierer, hat dort mit den Kindern vorallem nach dem Prinzip von Hulsegge und Verheul gearbeitet: „Nichts muss, alles darf gemachtwerden". Oberste Priorität hatten die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder. Da Selbstbestimmung inder Lebenswirklichkeit dieser Kinder eher unüblich war; war es wichtig, diese Ressource mit ihnen zuentdecken und zu entwickeln.In unserem weißen Raum gab es unterschiedliche Objekte:• Blasensäule• Faseroptikmilchstraßenteppich• Leuchtfaserbündel• Discokugel• Effekträder• Beleuchtete Stoffdecke• Rückzugszelt• Musikanlage• Matratzenlandschaft• Podest• MusikbettAuf Wunsch der Kinder wurde auch ein kleines Zelt für den Snoezelenraum angeschafft. Es bot ihnenRückzugsmöglichkeiten an, für sich zu sein, ohne Einblicknahme der Betreuerin.Der Snoezelenraum in der Obdachlosensiedlung war in erster Linie ein Erfahrungs- undExperimentierraum, der auf besondere Weise eine Ressourcenförderung bei den Kindern ermöglichte.Aus den entwickelten Ressourcen entstanden Selbstkompetenzen, die u.a. auch zu einer Stärkungder Gesundheitskompetenz führten.Wir haben uns bei der Einrichtung bewusst für einen weißen Raum entschieden, da es für dieZielgruppe sinnvoll war. Die Kinder und Jugendliche lebten in sehr engen, lauten und wenig attraktivenWohnungen, hatten keine Möglichkeiten des Rückzugs und der Selbstwahrnehmung. Unser reizarmerRaum wurde so zu einem Erfahrungsraum, einem Experimentierraum für die Kinder, sich selbst zuerfahren, sich besser kennenzulernen. Sie erlebten Ruhe, Entspannung, Freiheit, lernten ihreBedürfnisse zu artikulieren und erlebten die Wertschätzung der Sozialpädagogin, die auf dieseBedürfnisse einging. Sie nahmen einen ästhetischen Raum wahr in einer ansonsten unästhetischenUmgebung. Ausruf eines zwölfjährigen Mädchens „Oh geil, wie'ne Villa!"2


Die Kinder durften für die jeweilige Einheit ihr individuelles - ihrer Bedürfnislage entsprechendes -Objekt frei auswählen und lernten dabei u.a. eine persönliche Entscheidung zu treffen, zu wissen, wasihnen gut tut und was ihnen wichtig ist, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Die Objektetrugen dazu bei, die einzelnen Sinne gezielt anzusprechen und zu aktivieren. Durch dieseSinneserfahrungen wurden die persönlichen Ressourcen gefördert. Selbstvertrauen undSelbstbewusstsein wurden gestärkt durch die ganzheitliche Wahrnehmung des eigenen Körpers, z.B.ein sehr kräftiges Kind breitete sich besonders gerne ohne Scheu und Hemmungen auf derMatratzenlandschaft aus, nahm den eigenen Körper positiv wahr und wiederholte immer wieder: "Sogroß bin ich!"In dieser reizarmen Umgebung war es ebenfalls gut möglich, den Kindern Wissen zu vermitteln, ihreAusdrucksfähigkeit zu fördern, sie also nicht nur emotional, sondern auch kognitiv zu sensibilisieren.Sie lernten, sich besser zu konzentrieren und sich über einen längeren Zeitraum mit einer bestimmtenThematik auseinanderzusetzen. Z.B. brachte Frau Pfeiffer-Meierer Utensilien wie Muscheln,Seesterne und Sand und eine meerblaue Decke sowie ein Kinderlexikon zum Thema Strand und Meermit, um den Kindern eine Erlebniswelt zu eröffnen, die sie in ihrem Lebensumfeld nicht kannten.Durch diese Erweiterung ihres Erfahrungsraumes und die Entwicklung neuer Ressourcen entstandenSelbstkompetenzen, z.B. dass sie in Kita und Schule und im Freundeskreis besser mitreden konnten.Im Snoezelenraum konnte mit unterschiedlichen Methoden der Wortschatz benachteiligter Kinderwesentlich verbessert werden. Von den unterschiedlichen Objekten wurden die Kinder undJugendliche so angesprochen, dass sie eine für sie eigene Kreativität und Fantasie entwickelten.Daraus entstanden u.a. Rollenspiele, kleine Malkunstwerke, aber auch Offenheit, etwas über sichselbst und seine Umgebung mitzuteilen. (Probleme Schule und Elternhaus, aber auch freudigeEreignisse und Begebenheiten). Gestärkt wurde das Selbstbewusstsein auch dahingehend, dass dieKinder „nein" sagen lernten, wenn ihnen etwas nicht gut tat oder sie es einfach nicht wollten. Z.B. DasAngebot am Schluss einer Einheit, mit dem Igelball abgerollt zu werden, war für die einen ein Genuss,andere lehnten es sehr bestimmt ab. Der Entspannungsraum half den Kindern auch Ängste zuüberwinden, Mut zu entwickeln, sich immer mehr zuzutrauen: z.B. sich mit geschlossenen Augenrückwärts vom Podest fallen zu lassen, in den abgedunkelten Raum zu gehen etc.Durch die Erfahrungen mit den Kindern und auch durch die Gespräche mit der Kita und den Elternsind wir überzeugt, dass unsere Arbeit im Snoezelenraum die Gesundheitskompetenz und dieSelbstkompetenzen der Kinder in hohem Maße gefördert hat. Den Eltern wurde der Snoezelenraumim Vorfeld vorgestellt und sie durften ihn ausprobieren. Dadurch wurde ein sehr guter Kontakt zu denEltern aufgebaut und sie waren froh, dass ihre Kinder diese angenehme Atmosphäre erleben durften.Durch Öffentlichkeitsarbeit und durch Kursangebote für andere Einrichtungen konnten wir dazubeitragen, das Wissen über diese Form der Gesundheits- und Persönlichkeitsförderung zu verbreiten.Im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschungmit dem Förderschwerpunkt Präventionsforschung kamen wir in den Genuss einer sehr hilfreichenwissenschaftlichen Begleitung von Frau Dr. Ingeborg Jahn vom Bremer Institut fürPräventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS).Unsere Arbeit wurde über mehrere Jahre dokumentiert und evaluiert. Der Bericht wird in einigenWochen vorliegen. Dadurch erhalten auch andere Institutionen des Gesundheits- und Bildungswesenseinen Blick der Wissenschaft auf unsere Arbeit.Wir wünschen uns, dass dies dazu beiträgt, ein solches Angebot zum Regelangebot z.B. in Kitas undSchulen werden zu lassen.Die Investitionskosten des Snoezelenraumes übernahm Herzenssache e.V. (SWR), diePersonalkosten bis 2006 die Aktion Mensch (ZDF). Die letzten Jahre hat uns der Lions-Club Mainz,die Mr.10% Aktion der evangelischen Kirche und das Bildungsministerium unterstützt.Da die Obdachlosensiedlung inzwischen aufgelöst wurde, haben wir unseren Snoezelenstandort nunin der Mainzer Neustadt (Soziale Stadt). Die Leiterin der Goethe-Grundschule, Frau Erlenwein, botuns eine Kooperation an, und seit Februar 2011 bringt unsere Sozialpädagogin ihre langjährigeSnoezelen-Erfahrung bei den Kindern dieser Schule ein.3

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