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Mitteilungsblatt der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft2007/3 Quark ConfinementSeptember Jahrestagung2007 Personen


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EditorialMedieninhaber:ImpressumÖsterreichische PhysikalischeGesellschafthttp://www.oepg.atInhaltEditorial 3Physik in ÖsterreichQuark-Confinement 4Erfolg bei IYPT 7Jahrestagung 2006 8Buchbesprechung 9PersonenLintner 90 10Thirring 80 14List 65 17Ehrungen 13Nachrufe 18AktuellesJahrestagung 2007 20Jahreshauptversammlung 21Herausgeber und für den Inhaltverantwortlich:Univ. Prof. Dr. Max E. LippitschKarl-Franzens-UniversitätInstitut für PhysikUniversitätsplatz 58010 GrazTel. +43 (316) 380-5192Fax +43 (316) 380-9816e-mail: office@oepg.atVerlags- und Herstellungsort: GrazZum Titelbid: Donau-UniversitätKrems. Hier findet die heurige ÖPG-Jahrestagung statt (s. S. 14)Sehr geehrte Leserin,sehr geehrter Leser!Wieder einmal ist es so weit: Die diesjährigeJahrestagung steht vor der Tür.Heuer hat sie mit einigen Besonderheitenaufzuwarten. Zum Einen findetsie erstmals nicht an einer Universität,an der Physik betrieben wird, sondernan der Donau-Universität Krems statt.Diese Institution bis heute die einzigestaatliche Universität in Europa, diesich auf postgraduale Weiterbildungspezialisiert hat. Dass im Studienangebotdie Naturwissenschaften nicht vertretensind, ist ausgesprochen schade,denn hier ließe es sich wohl auch fürPhysiker ebenso angenehm und effizientforschen und studieren wie an andereneliteträchtigen Standorten. Aberjedenfalls wird Krems wohl ein idealesAmbiente für die Jahrestagung bieten.Die zweite Besonderheit ist das programm:Mindestens zwei der Hauptvorträgegehören in den ausgesprocheninterdisziplinären Bereich.Gerade deshalb demonstrieren siebestens die Breite der heutigen Physik.Und die absoluten Highlights derTagung bilden zwei Podiumsdiskussionen,eine zur Exzellenzbildung in denNaturwissenschaften und die zweitezum hochaktuellen SpannungsfeldNaturwissenschaft - Theologie. DassKardinal Schönborn genauso wie BundesministerHahn zugesagt haben,sich der Diskussion mit Physikern zustellen, gibt der Veranstaltung die ganzbesondere Note. Attraktiver kann manein Tagungsprogramm wohl kaum gestalten.Es ist zu hoffen, dass die Physikerdas zu schätzen wissen und inentsprechend großer Anzahl an dieserTagung teilnehmen.Diese Nummer von istebenfalls eine Besonderheit: Die ÖPGernennt Personen, die sich ganz besondersum die Physik verdient gemachthaben, zu Ehrenmitgliedern.Sie geht mit diesem Titel sehr sparsamum. In den letzen 15 Jahren sind nurdrei Ehrenmitglieder ernannt worden.Aus gegebenem Anlass sind alle dreiin diesem Heft vertreten, der erste leidermit einem Nachruf: Am 15.7. istJulius Wess, seit 2005 jüngstes Ehrenmitgliedder ÖPG, im 72. Lebensjahrvöllig überraschen verstorben. Das istumso trauriger, als seine größte Leistung,die Theorie der Supersymmetrie,damit rechnen kann, inden nächsten Jahren ihreexperimentelle Überprüfungzu erfahren, wenndie neue Ausbaustufevon CERN, der LHC, denvollen Betrieb aufnehmenwird. Es wäre JuliusWess so sehr zu wünschengewesen, dass erdiesen großen Momentnoch erleben darf.Glücklicher Weise viel Erfreulicheresist über die beiden anderen Ehrenmitgliederzu berichten: Karl Lintnerfeiert seinen 90., Walter Thirring seinen80. Geburtstag. Es ist besonderserfreulich, dass dies beiden Jubilarenin bester Verfassung möglich ist. Beidehaben ihren wachen Blick immernoch auf die Physik gerichtet, WalterThirring ist sogar noch überaus aktivin der Forschung tätig. Beide Jubilarewerden natürlich auch die Jahrestagungin Krems besuchen. Ich hatte dieEhre und Freude, mit ihnen Interviewsführen zu dürfen, in denen sie ausführlichüber ihre langjährigen Erfahrungenund ihre Sicht der heutigen WissenschaftAuskunft gegeben haben, wofürich mich besonders herzlich bedankenmöchte.Ohne etwas Kritik mag ich dieses Editorialaber trotzdem nicht schließen:Der im vorigen Heft abgedruckte Aufrufzur Beteiligung an einer ArbeitsgruppePhysikalische Bildung ist gänzlichohne Widerhall geblieben. Ist darauszu schließen, das die österreichischenPhysiker der Heranbildung des Nachwuchseskeinerlei Interesse entgegenbringen? Hat es dann überhaupt Sinn,sich Gedanken über Exzellenzbildungzu machen, wenn schon die Grundbildungniemanden interessiert? Vielleichtsollte auch das ein Thema aufder Jahrestagung sein.Ich freue mich darauf, Sie in Krems zutreffen!Ihr Geschäftsführer Nr. 3/2007 3


Physik in ÖsterreichQuark-Confinement:Das fundamentale Problem der HadronphysikReinhard AlkoferAls Hadronen bezeichnet man all jeneElementarteilchen, die der StarkenWechselwirkung unterliegen. Einerseitssind sie zusammengesetzte Objekte,andererseits lassen sie sich nichtin ihre Konstituenten zerlegen. Die Erklärungdieses Phänomens, welchesdie Elementarteilchenphysiker Confinementnennen, hat sich als eines derschwierigsten Probleme der modernenPhysik erwiesen. In diesem Artikel solldas Problem erläutert und einige neuereLösungsansätze vorgestellt werden.Nach unserem heutigen Verständnissind Hadronen Bausteine von Atomkernenund ihrerseits wieder aus Quarksund Gluonen aufgebaut. Die zugrundeliegende Theorie der Quarks undGluonen, die Quantenchromodynamik(kurz QCD), ist eine nicht-AbelscheQuanteneichfeldtheorie mit der Quantenzahl“Farbe” als Ladung. Die in derNatur vorkommenden Hadronen sindfarbneutrale Kombinationen der farbgeladenenQuarks und Gluonen. Im Gegensatzzu Atomen, die sich ionisierenlassen (d.h. dass sich Elektronen vonden Ionen trennen lassen), gibt es keine“farbige” Version des Ionisationsprozesses.Jeder Versuch ein Quark auseinem Hadron herauszukicken, z.B.durch einen hochenergetischen Stoss,produziert nur mehr farbneutrale Hadronen.Bis heute wurde keine Produktioneines farbgeladenen Teilchens beobachtet.Teilchen- und Kernphysikerhaben sich an diese Tatsache gewöhnt;sie sprechen von Farb- oder Quarkconfinement.Obwohl das entsprechendePostulat schon seit 35 Jahren formuliertist, und seitdem viele Anstrengungenunternommen wurden, dieses fundamentalePhänomen der Hadronphysikzu verstehen, fehlt bis heute eine allgemeinakzeptierte Erklärung. Farbconfinementhat sich als ein äußerst schwerverständliches Phänomen erwiesen,es wurde sogar vom Clay MathematicsInstitute of Cambridge als eines von siebenMillenium Problems klassifiziert.Ein guter Startpunkt zur Analyse desProblems ist die Frage: Was wäre die Dieser Beitrag ist eine gekürzte und vereinfachteVersion des Übersichtsartikels [1].4 Nr. 3/2007Energie eines isolierten Quarks? InEichtheorien, egal ob abelsch wie dieQED oder nicht-abelsch wie die QCD,ist eine Ladungsdichte die Quelle eineslongitudinalen elektrischen Feldes. DessenGradient ist durch das Gauß’scheGesetz gegeben:Hierbei ist der Term, der die Gruppenstrukturkonstanteund das Eichfeldenthält, nur in nicht-abelschenEichtheorien enthalten, er re- flektiertdie nicht-verschwindende farbelektrischeLadung der Gluonen. Der entsprechendeLadungsoperator ist in der8-Darstellung der Farbgruppe SU(3),und somit können die gluonischen Ladungenniemals eine farbelektrischeLadung eines Quarks, die der 3-Darstellungzugeordnet sind, neutralisieren.Deswegen kann das farbelektrischeFeld eines isolierten Quarksnur in einem anderen isolierten Quarkenden, ansonsten muss es sich bisUnendliche erstrecken. Die Tatsache,dass isolierte Quarks in der Natur nichtbeobachtet werden, bedeutet, dass dieim assoziierten farbelektrischen Feldgespeicherte Energie sehr groß seinmuss. Aber wie groß? Nehmen wir malan, wir versuchen, ein Quark mit Hilfeeines (reellen oder virtuellen) Photonsaus seinem Hadron herauszuschlagen.Wenn das angestoßene Quark beginnt,sich von den anderen Quarks im Hadronzu entfernen, trägt es ein durch dasGauß’sche Gesetz bestimmtes farbelektrischesFeld mit sich. Wenn die zudiesem Feld gehörige Energie groß genugwird, ist das System instabil gegenüberder Erzeugung von Quark-Antiquark–Paaren.Das erzeugte Antiquarkbindet sich an das gestoßene Quark,beide formen ein farbneutrales Meson.Das erzeugte Quark nimmt den Platzdes gestoßenen Quarks ein, aus einemfarbneutralen Hadron wurden zwei.Diese beiden Farbsinglet- Hadronenwerden i. a. in einem hoch angeregtenZustand sein und in mehrere leichteHadronen zerfallen. Letztendlich wurdeein Schauer von farbneutralen Hadronenerzeugt und eben nicht ein freiesQuark und ein farbionisiertes “Hadron”.Damit haben wir aber bereits dasgrundlegende Dilemma bezüglichder experimentellen Signaturen desConfinements aufgedeckt: Ein hadronischesStreuexperiment wird nie (zumindestnie direkt) die Frage beantwortenkönnen, wie viel Energie in einemfarbelektrischen Feld gespeichert ist.Tatsächlich ist es auch so, dass alle Information,die wir ¨über diese Energiehaben, nur indirekter Natur ist. Im Wesentlichenstehen nur zwei Quellen zurVerfugung: eine Eigenschaft des hadronischenSpektrums, die man Regge-Trajektoriennennt, und numerischeSimulationen. Für letztere ist es möglich,die Quarkmassen so stark zu erhöhen,dass Paarerzeugungsprozesseerst bei makroskopischen (oder sogarkosmischen) Distanzen möglich werden.Damit können wir nun studieren,was passiert, wenn wir in einem starkgebundenen Farbsingletzustand wieeinem Meson ein Quark adiabatischlangsam von seinem “Partnerantiquark”entfernen. Die Energie, die nötig ist, umeinen Abstand R zu erreichen, ist eingutes Maß für das statische QuarkpotentialV(R) und somit für die im zugehörigenfarbelektrischen Feld gespeichertenEnergie. Selbstverständlichsind die Quarkmassen von der Naturvorgegeben, sie können nicht geändertwerden. In numerischen Simulationenhindert uns jedoch niemand daran, Versionender QCD mit ausschließlich sehrschweren Quarks zu studieren.Die zweite Quelle der Information bezüglichdes statischen Quarkpotentialsberuht auf einer bemerkenswertenEigenschaft des tatsächlichen Hadronspektrums.In diesem Spektrum gibtes viele langlebige, metastabile Zustande,die als Resonanzen in den diversenStreuquerschnitten erscheinen. DieTatsache, dass diese metastabilen Zuständeeinige Zeit existieren, bevor sieüber Paarerzeugungsprozesse zerfallen,bedeutet, dass ihre Konstituentensensitiv auf das Quark- Potential sind.Von den Massen dieser Resonanzzuständekönnen wir somit einiges über


Physik in ÖsterreichZustande mit relativ großen Quarkabständenund somit ¨über die im zugehörigenfarbelektrischen Feld gespeicherteEnergie lernen.Das linear ansteigende PotentialMan kann zeigen, dass die Kraft zwischeneinem statischen Quark und Antiquarkimmer attraktiv ist, aber nichtmit dem Abstand ansteigen kann. Somitgilt:Die zweite Ungleichung wird durch einlinear ansteigendes Potential saturiert.Das statische Quarkpotential kann somitmaximal linear mit der Entfernungansteigen. Diese Ungleichungen sagennicht, dass dies der Fall ist. Allerdingslegen sowohl die Hadronphänomenologiewie Computersimulationen nahe,dass das statische Quarkpotential linearansteigend (oder mit nur kleinen Abweichungenfast linear ansteigend) ist.Abb. 1: Regge-Trajektorien für Mesonen(übernommen aus ref. [2]Regge-Trajektorien und dasSpinning-Stick–ModellWie man aus Abb. 1 entnehmen kann,ergibt sich ein bemerkenswertes Bild,wenn man den Spin von Hadronengegenüber dem Quadrat ihrer Massenaufträgt. In solchen Plots liegenMesonen und Baryonen mit jeweilsfixierten Flavourquantenzahlen (beinahe)auf parallel verlaufenden Geraden,den sogenannten Regge-Trajektorien.Man sollte sich vergegenwärtigen, dasses für die elektroschwache Wechselwirkungnichts auch nur näherungsweiseVergleichbares gibt, um dieses Phänomenzu würdigen. Wieso tritt es auf?Und hat es was mit dem Confinementzu tun?Hierzu machen wir folgendes Gedankenexperiment:Wir betrachten einMeson als ein geradliniges Objekt derLänge L = 2R mit einer Masse pro Einheitslänge,die wir mit s bezeichnen.Dieses Objekt rotiere nun um eine Achse,die senkrecht durch seinen Mittelpunktläuft. Die Rotationsfrequenz seiso, dass die Endpunkte sich mit Lichtgeschwindigkeitv(R)=c=1 bewegen.Die Energie im Ruhesystem, d.h. dieMasse, eines solchen Objekts ist gegebendurchDer Drehimpuls ist andererseitsund somit folgtDie Konstante a′ nennt man Reggeslope.Aufgrund der experimentellen Datenerhält man die Abschätzunga′=1/(2ps)=0.9 GeV.2 und somit eineMasse pro Einheitslänge bzw. eine stringtension vons ≈ 0.18 GeV 2 ≈ 0.9 GeV/fm.Das Spinning-Stick–Modell ist natürlichbestenfalls eine Karikatur der realen Situation.Tatsächlich gehen die verschiedenenRegge-Trajektorien nicht durchden Ursprung. Ebenfalls sind die Steigungenleicht unterschiedlich für dieverschiedenen Trajektorien . Nichtsdestotrotzist die Frage, wie ein stabartiges(bzw. ein stringartiges) Objekt ausder QCD abgeleitet werden kann, sehrerhellend.Eine mögliche Antwort ist die Ausbildungeines farbelektrischen Flussschlauchs.Angenommen, das farbelektrische Feldzwischen dem statischen Quark unddem Antiquark sei, aus welchen Gründenauch immer, in eine zylindrischeRegion mit beinahe konstanter Quer- Um das Modell realistischer zu machen, kann mantransversale Anregungen erlauben. Dieser Ansatzfürhte zu den ersten Stringtheorien..schnittsfläche “gesqueezed”, wenn derAbstand L zwischen Quark und Antiquarkerhöht wird. In diesem Fall wirddie im farbelektrischen Feld gespeicherteEnergie linear mit L ansteigen:Hierbei erfolgt die Integration ¨über dieQuerschnittsfläche des Flussschlauchs.Somit erhält man eine linear ansteigendepotentielle Energie zwischen denFarbquellen, das gesuchte “statischeQuarkpotential”. Man beachte, dassinsbesondere eine unendlich hohe Energieaufgebracht werden müsste, umdie Ladungen unendlich weit voneinanderzu separieren.Wilson-Loops und GitterrechnungenDie verlässlichste Evidenz für die Existenzdes linear ansteigenden statischenQuarkpotentials stammt aus Computersimulationender QCD. Hierbei erweistsich als vorteilhaft, eine Version derQCD mit sehr großen Quarkmassen zusimulieren.Wenn die Quarks “unendlich” schwersind, lassen sich dynamische Effekteder Quarks vernachlässigen. Die Berechnungder minimalen Energie einesstatischen Quark-Antiquark-Paarsführt auf einen Ausdruck, der denWilson-Loopenthält. Er ist der Erwartungswert einespfadgeordneten Exponentials des Gluonfeldes.Das Linienintegral wird inallen numerischen Rechnungen ¨überein Rechteck mit der Länge T und derBreite R ausgeführt. Das Potential lässtsich dann mittels der Relationbestimmen.Eine analytische Berechnung des Wilson-Loops für große R und T aus derQCD ist bisher niemand gelungen. Einenumerische Berechnung ist jedochmöglich, wenn man die Raum- Zeit diskretisiert,also ein Gitter betrachtet. DieGittereichtheorie ist detailliert in einerReihe von Büchern beschrieben, siehez.B. [3]. Die Grundidee ist die Folgende:Die kontinuierliche Raumzeit wird durchein hyperkubisches vierdimensionalesGitter ersetzt, die Punkte auf dem Gitterheißen ’sites’, die Linien zwischenzwei benachbarten ’sites’ heißen ’links’.Die Quadrate, die aus vier benachbarten’links’ gebildet werden, nennt man Nr. 3/2007 5


Physik in Österreich’plaquettes’. Das Lie-algebra-wertigeKontinuumsgluonfeld wird durch gruppenwertigeLinkvariablen ausgedrückt.Ein Wilson-Loop ist dann nichts anderesals die Spur des Produkts vonLinkvariablen entlang der betrachtetenrechteckigen geschlossenen Kurve aufdem Gitter.Numerische “Gitter-Monte-Carlo”-Rechnungen basieren auf der stochastischenErzeugung von repräsentativenGittereichfeldkonfigurationen. Der Vakuumerwartungswerteines Operators(wie z.B. der Wilson-Loop) ist danneinfach der Mittelwert dieses Operators¨über die erzeugten Konfigurationen.Es ist allerdings zu beachten, dass solcheRechnungen zum Teil erheblicheComputerresourcen benötigen.Ein Beispiel für ein numerisch bestimmtesPotential ist in Abb. 2 gezeigt. Innerhalbder numerischen Genauigkeitsteigt dieses Potential linear an. Somitist das im vorherigen Abschnitt diskutierteVerhalten überzeugend bestätigt.Der lineare Anstieg des Quarkpotentialsbei großen Abständen ist eine sehrbemerkenswerte Tatsache. Die entscheidendeFrage—das Quarkconfinementproblem— ist die nach der Ursachefür diese Eigenschaft. Bevor dieseFrage nicht beantwortet ist, verstehenwir die Hadronphysik nicht wirklich.Ebenso wenig haben wir ein Verständnisfür die nicht-abelschen Eichtheorienund somit für das Standardmodell derElementarteilchenphysik.Weitere Eigenschaften des linear ansteigendenPotentialsAbb. 2: Resultate für das statischeQuarkpotential aus Gitter-Monte-Carlo-Rechnungen. Sowohl das Potential wieder Quarkabstand sind in Einheiten derSommer-Skala r 0≈ 0.5 fm angegeben(übernommen aus ref. [2]6 Nr. 3/2007Die oben angeführten Betrachtungenkann man auf Ladungen in anderenDarstellungen der Eichgruppe verallgemeinern.Dies führt auf eine Reiheweiterer restriktiver Bedingungen fürmögliche Theorien des Confinements.Des Weiteren folgt aus der Tatsache,dass das farbelektrische Feld in einemSchlauch kollimiert ist, die Abwesenheitvon Polarisation und damit die Abwesenheitvon van-der-Waals–Kräften.Auch dies ist eine sehr starke Forderungan eine noch zu findende Erklärungdes Confinements.Confinement-TheorienViele verschiedene Zugänge zum Problemdes Quark-Confinements wurdenin den letzen Jahren studiert. Etlichedavon erwiesen sich als nicht haltbar.Im Wesentlichen werden derzeit dreiverschiedene Szenarien studiert: Zumeinen betrachtet man besondere Klassengluonischer Feldkonfigurationen,die man als “Confiners” identifizierenmöchte. In diesem Artikel werde ichkurz auf chromomagnetische Monopoleund Zentrumswirbel eingehen, andereFeldkonfigurationen mit sie auszeichnendentopologischen Eigenschaftenwurden ebenfalls vorgeschlagen, eswürde jedoch den Rahmen dieses Beitragssprengen auf alle diese Vorschlägeeinzugehen. Zum zweiten betrachtetman funktionale Beschreibungen derQuanteneichfeldtheorien, um das Infrarotverhaltender Korrelationsfunktionender QCD, und somit die Eigenschaftender Felder bei großen Abständen, zubestimmen. Ein gänzlich anderer Zugangbenutzt die Beziehung zwischender vierdimensionalen Eichtheorie undder String- bzw. Gravitationstheorie ineinem speziell gekrümmten fünfdimensionalenRaum.Farbmagnetische Monopole undZentrumswirbel: Die zugrundeliegendeIdee dieses Ansatzes kann manin Analogie zum Typ-II Supraleiter verstehen.Der Meissner-Effekt sagt aus,dass magnetische Felder in Flussschläuchen,sogenannten Abrikosov-Wirbeln, kollimiert werden. Würden nunchromomagnetische Monopole ähnlichzu den Cooper-Paaren in Supraleiternkondensieren, würde dies zu Flussschläuchenführen, und zwar in diesemFall zu chromoelektrischen Flussschläuchen[4, 5]. Diese würden dannwie im vorherigen Abschnitt ausgeführt Je nach betrachtetem Abstand verhält sich dieString- Tension entweder proportional zum Erwartungswertdes Casimir-Operators der gruppentheoretischenDarstellung oder proportional zur N-ality,einer Größe, die sich aus dem zur Darstellunggehörenden Young-Tableau bestimmen lässt.das linear ansteigende Quarkpotentialerzeugen.Die Frage, ob in der QCD chromomagnetischeMonopole existieren, und fallsja, ob sie dann kondensieren, wurdein den letzten Jahren sehr detailliertuntersucht. Etliche Eigenschaften desQuarkpotentials wie Casimir-Scalingkönnen nur mit Hilfe zusätzlicher Annahmenbezüglich der Korrelationenzwischen entfernten Monopolen reproduziertwerden.Solche Korrelationen werden von sogenanntenZentrumswirbeln erzeugt.Etwas salopp gesprochen ist ein Zentrumswirbelein chromomagnetischerFlussschlauch, siehe z.B. [6] für einenÜbersichtsartikel. Die Frage des Confinementsbildet sich dann auf die Fragenach der Existenz eines perkolierendenZentrumswirbels ab. Die zufälligenFluktuationen der ‘Piercings’ eines Wilson-Loops durch den perkolierendenZentrumwirbel führen auf das linearansteigende Quarkpotential mit all denin den vorherigen Abschnitten diskutiertenEigenschaften. Numerische Simulationenzur Identifizierung dieser Zentrumswirbelbestätigen im Allgemeinendas zugrundeliegende Bild, konntenaber bisher jedoch keine zwingendeBestätigung dieses Confinement- Mechanismuserbringen.Funktionale Methoden: Die Korrelationsfunktionender QCD erfüllen verschiedeneGleichungssysteme wie z.B.die sogenannten Dyson-Schwinger–Gleichungen oder die Wilson’schenRenormierungsgruppengleichungen,siehe z.B. den Übersichtsartikel [7].Entgegen früheren Annahmen hat sichherausgestellt, dass zumindest in kovariantenEichungen der sogenannteGluonpropagator nicht infrarotdivergentist. Vieles deutet darauf hin, dass ganzim Gegenteil der Gluonpropagator aufdem Lichtkegel verschwindet. Dieswürde zu einer direkten Erklärung fürdas Confinement der Gluonen führen:Gluonen können Hadronen nicht verlassen,da sie nicht ¨über größere Distanzenpropagieren, sie interferierenstattdessen destruktiv.Damit ist allerdings die Frage desQuark- Confinements in einem solchenBild völlig neu gestellt. Vor kurzem istes gelungen, die gekoppelten Gleichungenfür den Quark-Propagator unddie Quark-Gluon-Vertexfunktion selbstkonsistentzu lösen [8]. Hierbei zeigt derQuark-Gluon- Vertex eine Infrarotdiver-


Physik in Österreichgenz genau der Stärke, die nötig ist, umein linear ansteigendes Quarkpotentialzu erzeugen.Der Vorteil dieses Zugangs bestehtdarin, dass Quark- und Gluon-Confinementin derselben “Sprache” untersuchtwerden. Nur so konnte herausgearbeitetwerden, dass dem Confinement derGluonen und dem Confinement derQuarks grundsätzlich andere Mechanismenzugrunde liegen.AdS 5-QCD–Korrespondenz: Ausgehendvon der Beobachtung, dass einebestimmte Version der Superstring-Theorie zu einer supersymmetrischenErweiterung der QCD dual ist, konnte inden letzten Jahren gezeigt werden, dasseine Reihe von Beziehungen zwischender QCD und bestimmten Geometrienim fünfdimensionalen antideSitter-Raum gibt. Phänomenologische Testsdieser Korrespondenz sind erfolgreich,insbesondere die allgemeinen Eigenschaftenvon hadronischen Streuprozessenwerden überraschend einfacherklärt. Confinement wird hierbei dadurcherreicht, dass die Ausdehnungder hadronischen Wellenfunktionenin die hypothetische fünfte Dimensiondurch geeignete Wahl einer Geometrie(wie z.B. ein Schwarzschild’schesSchwarzes Loch mit Horizontradiusrmin = 1/L QCD) abgeschnitten wird [9].AusblickNach wie vor müssen wir zur Kenntnisnehmen, dass wir zwar die Theorie derStarken Wechselwirkung, die QCD,kennen, aber dass wir trotz jahrzehntelangerAnstrengungen noch nichtwissen, wie sich diese Wechselwirkungbei großen Abständen verhält. Wir habenzwar bereits viel über die damitzusammenhängenden Fragen gelernt,aber das Verständnis des Phänomensdes Confinements ist nach wie vorunbefriedigend.Worauf ich hier nicht eingehen konnte,ist die Tatsache, dass die erwähntenTheorien für Confinement sich keineswegsgegenseitig ausschließen. Es gibtganz im Gegenteil erstaunliche Zusammenhängewie z.B. dass chromomagnetischeMonopole (fast) immer aufZentrumswirbeln liegen, oder dass einEntfernen von Zentrumswirbeln das Infrarotverhaltendes Gluonpropagatorsändert. Ebenso hängt der Erfolg derAdS5-QCD– Korrespondenz mit derin funktionalen Methoden gefundenenkonformen Invarianz der Infrarot- QCDzusammen. Es zeichnet sich ab, dassdie nächsten bedeutenden Fortschritteim Verständnis des Confinement-Problemsmittels der Untersuchung solcherZusammenhänge erzielt werden.Das Confinement-Problem ist, zumindestmeiner Meinung nach, eines derwirklich fundamentalen Probleme dermodernen Physik. Solange diesesPhänomen unverstanden bleibt, solangefehlt etwas in unserem Verständnisder Elementarteilchen. Obwohl dasConfinement- Problem sich als sehrschwierig herausgestellt hat, ist esaufgrund seiner Bedeutung für unserWeltbild sicher wert, weiter untersuchtzu werden.Literatur[1] R. Alkofer and J. Greensite, J. Phys. G34 (Special focus issue on Hadron Physics)(2007) S3 [arXiv:hep-ph/0610365].[2] G. Bali, Phys. Rept. 343 (2001) 1 [arXiv:hepph/ 0001312].[3] H. J. Rothe, Lattice gauge theories: AnIntroduction, World Scientific Lecture Notesin Physics 74, 2005;C. Gattringer and C. B. Lang, QCD onthe Lattice: An Introduction for Beginners,erscheint im Springer-Verlag.[4] G. ‘t Hooft, in High Energy Physics,edited by A. Zichichi, Editrice Compositori,Bologna, 1976.[5] S. Mandelstam, Phys. Rept. 23, 245(1976).[6] J. Greensite, Prog. Part. Nucl. Phys. 51(2003) 1 [arXiv:hep-lat/0301023].[7] C. S. Fischer, J. Phys. G: Nucl. Part. Phys.32, R253 (2006) [arXiv:hep-ph/0605173].[8] Siehe den Vortrag des Autors (Koautoren:C. S. Fischer, F. Llanes-Estrada und K.Schwenzer) auf der ÖPG-Tagung 2007 inKrems.[9] J. Polchinski and M. J. Strassler, Phys.Rev. Lett. 88, 031601 (2002) [arXiv:hepth/0109174].Reinhard AlkoferInstitut für Physik, Karl-Franzens-UniversitätUniversitätsplatz 5, A-8010 Graz, AustriaÖsterreich beiIYPT erfolgreichBeim International Young PhysicistsTournament 2007, das vom 5. bis12. Juli in Seoul, Südkorea, stattfand,konnte das Österreich schöneErfolge verbuchen: Das Teambestehend aus Florian Andritsch,Thomas Lindner, Angel Usonov,Katharina Wittmann und ChristophWürnschimmel, konnte eineBronzemedaille erringen. DiesePlatzierung des österreichischenTeams ist die beste seit dem Jahr2003, in dem auch eine Bronzemedailleerrungen werden konnte.Von den fünf Runden des Wettbewerbskonnte das österreichischeTeam dreimal den Gruppensiegfür sich verbuchen.Im direkten Kampf (innerhalb einerGruppe) gelang es dem österreichischenTeam, das spätereSiegerteam aus Australienzu schlagen und die entsprechendeGruppe zu gewinnen.Das unten stehende Bild lässtkeinen Zweifel über die Anspannungwährend des Wettbewerbs.Wir gratulieren den Jungphysikernganz herzlich zu diesergroßartigen Leistung! Nr. 3/2007 7


Physik in ÖsterreichIn wenigen Wochen startet die ÖPG Jahrestagung 2007 in Krems. Dass sich ein Besuch dieser Veranstaltung lohntund eigentlich für jedes Mitglied ein Fixtermin sein müsste, zeigt nicht nur das Programm auf S. 16, sondern auch einRückblick auf die vorhergehende Tagung.Das war die Jahrestagung 2006 in GrazWolfgang ErnstVom 18. bis 21. September 2006 fandin Graz die ÖPG Jahrestagung 2006statt, die vom Institut für Experimentalphysikder Technischen Universität imPhysikgebäude der TU Graz ausgerichtetwurde. Das reguläre Programmdieser einmal pro Jahr an wechselndenOrten abgehaltenen Konferenz der österreichischenPhysiker besteht ausPlenarvorträgen, die von renommiertenKollegen unterschiedlicher Fachrichtungenaus dem In- und Auslandgehalten werden, aus Fachsitzungenmit Kurzvorträgen und Posterpräsentationenaus den ÖPG Fachausschüssensowie einer eintägigen Lehrerveranstaltung,die den Physiklehrern aus ganzÖsterreich neueste Entwicklungen imBereich Fachdidaktik nahe bringt. Dasich im September dieses Jahres derTodestag des sicherlich berühmtestenGrazer Physikers Ludwig Boltzmannzum 100. Male jährte, wurden einigeSonderveranstaltungen diesem Themagewidmet. Motiviert durch die Bedeutungder Universitätsstadt Graz fürdie Entwicklung der Physik zu Beginndes 20. Jahrhunderts, beschloss dieSektion History of Physics der EuropeanPhysical Society, ihr Jahrestreffenzusammen mit der ÖPG Jahrestagung2006 abzuhalten. Schlussendlichnutzten einige Herstellern aus den BereichenOptik, Lasertechnik und Vakuumtechnologiedas Physikertreffen, umihre Produkte in Form einer Ausstellungzu präsentieren.Es wurden etwa 280 Tagungsteilnehmergezählt, die aus 14 Ländern (plusÖsterreich) kamen. Die hohe Ausländerbeteiligunghatte selbstverständlichmit der angeschlossenen europäischenPhysikhistoriker-Konferenz (s.o.) zutun, für deren großen Erfolg der HerrKollege Dr. Peter Maria Schuster verantwortlichist. An den Tagen Montagbis Mittwoch (18.-20.9.06) wurden 27Vorträge von international bekanntenHistorikern präsentiert.Veranstaltungen zum Thema LudwigBoltzmann umfassten eine Ausstellung8 Nr. 3/2007von Experimenten und Geräten an derWirkungsstätte Boltzmanns, der Physikder Karl-Franzens Universität, amMontag (18.9.06) Nachmittag. Nacheiner Einführung und Würdigung Boltzmannsdurch Professor Höflechner hieltFrau Fasol-Boltzmann, die Enkelin desgroßen Physikers, einen Vortrag überpersönliche und forscherische Aspekteseines Wirkens und Schaffens. AmMontag Abend fanden dann an der TUGraz die Lesung eines von Dr. PeterMaria Schuster verfassten Hörspielsund ein Vortrag Professor Walter Kutscherasüber die internationalen AktivitätenBoltzmanns statt, worunter z.B. seine Reise quer über den amerikanischenKontinent fällt. Der zeitlicheRahmen erlaubte sowohl den Lehrern,die zu „ihrem Montag“ nach Graz reisten,den Besuch dieser Veranstaltungenals auch den Physikern, die dannden Fachvorträgen von Dienstag bisDonnerstag folgten.Höhepunkte des Lehrertags waren dieeingeladenen Vorträge von ProfessorJürgen Teichmann, Abteilungsleiter amDeutschen Museum in München, über„Fremdes versus Vertrautes – HistorischeExperimente in der Schule“ undProfessor Peter Heering (UniversitätOldenburg) über „Die Funktion historischerExperimente in der Physikausbildung“sowie die Preisverleihungenan herausragende Lehrer und Schüler.Von Dienstag (19.9.) bis Donnerstag(21.9.06) hatten die Tagungsteilnehmerdie Gelegenheit, die hier aufgeführtenPlenarvorträge zu hochaktuellenForschungsthemen zu hören,den Fachsitzungen mit Kurzvorträgenbeizuwohnen und mit FirmenvertreternFragen zu Laborgeräten zu erörtern.Gehaltene Plenarvorträge:• Prof. Rainer BLATT (Univ. Innsbruck)„Quanten-Computer mit einzelnenIonen“• Prof. Silke BÜHLER-PASCHEN (TUWien) „Materials Science – the fascinatingworld of intermetalics“• Prof. Georg PRETZLER (Univ. Düsseldorf)„Teilchenbeschleunigung mitHochleistungslasern“• Prof. Eberhard TIEMANN (Univ. Hannover)„Spektroskopische Bestimmungder Streulänge“ • Dieter WEISS (Univ.Regensburg) „Spinphänomene in reduziertenDimensionen“Sitzungen mit Kurzvorträgen wurdenim Rahmen der Tagung von folgendenFachausschüssen veranstaltet:AKU - AkustikAMP - Atom-, Molekül- und PlasmaphysikFKP - FestkörperphysikGEP - Geschichte der PhysikKTP - Kern- und TeilchenphysikMBU - Medizinische Physik, Biophysikund UmweltphysikNESY - Physik an Neutronen- undSynchrotronstrahlungsquellenOGD - Oberflächen, Grenzflächenund dünne SchichtenQEO - Quantenelektronik, Elektrodynamikund OptikEine gemeinsame Sitzung mit Posterdarstellungenvon Projekten fandam Mittwoch Nachmittag statt, in dervor allem jüngere Physiker ihre Arbeitenzeigten und um drei Posterpreisefür die besten Präsentationen wetteiferten.Im Bereich der angewandtenPhysik hatte darüber hinaus die FirmaAVL List Posterpreise für innovative, indie Technik umsetzbare Projekte ausgeschrieben,die aufgrund der hohenDotation besonders erstrebenswertwaren. Die Jahreshauptversammlung


Physik in Österreichder ÖPG mit den Preisverleihungenschloss dieses Nachmittagsereignisab.Die Preise der Österreichischen PhysikalischenGesellschaft wurden in diesemJahr vergeben an: Dr. John M. Lupton(Max-Auwärter-Preis), Dr. HermineWöhri (Viktor-Hess-Preis), Dr. TheodorDuenbostl (Roman-Ulrich-Sexl-Preis),Dr. Julian Stangl (Fritz-Kohlrausch-Preis), Dr. Kerstin Hummer (AT&S Forschungspreis)und Dr. Lorenz-MathiasStadler (Karlheinz-Seeger-Preis)Höhepunkte der Tagung waren insbesondereder gut besuchte öffentlicheAbendvortrag von Professor ErnstO. GÖBEL (Präsident der Physikalisch-TechnischenBundesanstalt inBraunschweig und Berlin) mit dem Titel„Boltzmann und das neue Kelvin“am Dienstag Abend (19.9.) und derTagungsempfang des Herrn Landeshauptmannim Schloss Eggenberg amMittwoch Abend (20.9.). Den Abschlussder Tagung bildeten Institutsführungenin der Physik der Technischen Universitätam Donnerstag Nachmittag.Die Österreichische Physikalische Gesellschaftkann ihre Tagungen nichtaus Mitgliederbeiträgen finanzieren, sodass die Tagungsveranstalter immerauf externe Unterstützung angewiesensind. Auch diesmal wäre die Ausrichtungder Tagung unmöglich gewesenohne die Zuwendungen, die wir, dasInstitut für Experimentalphysik der TUGraz, als Organisatoren vom Bundesministeriumfür Bildung, Wissenschaftund Kultur, vom Bundesministerium fürVerkehr, Innovation und Technologie,dem Land Steiermark und dem Rektorder Technischen Universität Graz erhielten.Es sei an dieser Stelle herzlichdafür gedankt.Trotz der Zuschüsse und dem dadurchmöglichen Gesamtbudget von knapp€ 25.000 wäre die Durchführung einerTagung dieser Größe unmöglich, wennsich nicht einige Kollegen über einenZeitraum von 8 Monaten unentgeltlichin ihrer Freizeit den Vorbereitungengewidmet hätten: Prof. T. Neger stellteden gesamten Tagungsband zusammen,Prof. G. Pottlacher organisiertedie Infrastruktur der Hörsäle, Postersitzungen,Catering u.ä., und Prof. L.Windholz übernahm die komplette finanzielleOrganisation, die die Einzelabrechnungjeder noch so kleinen Einzelpositioneinschloss. Ihnen gebührtmein besonderer Dank.Gero Vogl: Wandern ohne Ziel.Von der Atomdiffusion zur Ausbreitungvon Lebewesen und Ideen.Springer, Berlin 2007,ISBN 978-3540710639Diffusion, die ziellose Bewegungvon Objekten, gilt unter Laien nichtgerade als spektakuläres Gebietder Physik. Und doch hat Albert Einsteinihr seine Dissertation gewidmet.Gero Vogl, Physiker aus Wien,hat sie zum Thema dieses kleinenBuches gemacht. Es ist Ergebnis einerVorlesung, und es hat viel vomVorlesungscharakter und dem persönlichenStil des Autors behalten.Wer Gero Vogl kennt, hört ihn förmlichvortragen.Nach einer Einleitungwerdendie historischenAnfänge vonFourier und Fickbis Robert Luthereingeführt. Aberbereits diesesKapitel mündetim Unerwarteten,der Analyse derA u s b r e i - t u n gder Bisamrattein Europa. Unddieses „ziellose“Wandern ist bestim-mendfürdas Weitere:Phänomene ausder Physik leitenüber zu solchenaus anderenWissenschaften,mit Potential zur Methodenübertragung:Festkörperdiffusion und Migration,intermetallische Legierungenund die Rosskastanien-Miniermotte,innere Oxidation und die Pestepidemiedes 14. Jahrhunderts, Buckyballsund urinmarkierende Wölfe.In jedem Kapitel erschließen sich,wie bei einer ziellosen Wanderungdurch unbekanntes Land, neue,überraschende Perspektiven. Dieletzen zwei Kapitel lösen sich ganzvon der Physik und streunen durchLinguistik (mit einem wunderschönenPlädoyer für die Vielfalt derSprachen) und Soziologie, bevoreine kurze Zusammenfassung denSchlusspunkt setzt.BuchbesprechungDie Stärke dieses bemerkenswertenBuches ist die Weite des Horizonts,die den Blick leitet aus den „harten“Naturwissenschaften in eine Vielzahlanderer Bereiche, die wegenihrer Komplexität vielleicht weniger„exakt“, dafür aber nicht minder faszinierendsind. Anekdoten aus derGeschichte, dem heutigen Wissenschaftsbetriebund der persönlichenErfahrung des Autors lockern dieDarstellung auf und geben demLeser die Muße, das Gebotene zureflektieren. Die Schwäche desBuches liegt in der Unklarheit derangesprochenen Zielgruppe: FürLaien greift die Physik eindeutigzu hoch. Allein die ca. 30 Formeln(einige deutlichüber Maturaniveau)sollten(nach gängigerVerlagsweisheit)die Leserschaftgegen null konvergierenlassen.Zudem sind dieversuchten Vereinfachungendessperrigen Physikstoffsfür denLaien nicht wirklicherhellend. FürPhysiker dagegenhätten sich einigeErklärungen zurPhysik erübrigt,dagegen wohlmanches Problemaus den anderenWissenschaftennoch tiefer undanalytischer darstellen lassen. Fürbeide Lesergruppen wäre eine alphabetischReihung der Literaturlistewohl hilfreich gewesen. Ein Abbildungsverzeichnis,das nur etwa dieHälfte aller Abbildungen auflistet,erfüllt seinen Zweck ebenso nurmangelhaft.Trotz dieser Kritikpunkte ist daskleine Buch, vor allem für Physiker,eine extrem anregende Lektüre.Und es ist zu hoffen, dass Gero Vogldie Zeit und Muße dafür findet, dasThema noch einmal aufzugreifenund in einer umfansserenden Darstellungzu behandeln. Nr. 3/2007 9


PersonenIm heurigen Jahr feierten beide Ehrenmitglieder der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft runde Gburtstage:Karl Lindner seinen 90sten, Walter Thirring den 80sten. Es ist ein besonderes Glück, dass beide Jubilare sich besterAktivität erfreuen und an der österreichischen Physik noch immer aktiv teilhaben. Die üblichen Würdigungen wurdenbereits zu früheren Jubiläen abgedruckt, daher erschien es für Diesmal sinnvoller, beide selber zu Wort kommen zulassen. Beide waren dankenswerter Weise gerne bereit, sich einem Interview zu stellen. Die Gespräche sind in Folgeim Originalton, allerdings in gekürzter Form wiedergegeben, wofür der Geschäftsführer die alleinige Verantwortungträgt. Im vollen Umfang werden die Interviews demnächst als Film von der Homepage der ÖPG abrufbar sein.Die ÖPG wünscht beiden Jubilaren Gesundheit und für viele weitere Jahre ihre ungebrochene Schaffenskraft.Karl Lindner - ein Gespräch zum 90. GeburtstagHerr Professor Lintner, wie sehen SiemitIhrer langjährigen Erfahrung heutedie Entwicklung der Physik?Ich sehe die Entwicklung der Physikauch im Zusammenhang mit anderenFächern, und ich glaube, das ist sehrwichtig geworden. Früher einmal wardoch die Physik ziemlich isoliert, ein eigeneswissenschaftliches Gebiet, aberjetzt ist Medizin, Chemie, Biologie,10 Nr. 3/2007Gentechnik usw. ohne Physik gar nichtmehr denkbar. Und ich habe micheinmal sehr unbeliebt gemacht, alsich im Kollegenkreis gesagt habe, diePhysik ist fast eine Hilfswissenschaftgeworden. So arg war’s nicht gemeint,aber das sollte zeigen, dass die Physikeben Eingang in so viele Nachbargebietegefunden hat. Daher bedaure iches auch jetzt, dass man in Wien z. B.die Physik, Mathematik, Chemie geteilthat in verschiedene Fakultäten.Physik ohne Mathematik kommt dochnicht aus!Die Physik war einmal Naturphilosophieund wissenschaftliches Weltbild.Ist das heute vorbei?Nein. Das habe ich miterlebt: Allegroßen Physiker sind im Alter dannPhilosophen geworden, z. B. WalterThirring jetzt, der dieses großartigeBuch geschrieben hat. Und Schrödingeretc. Also ich glaube, das gehtdann schon. Nur in der aktiven zeitist es halt doch das Momentane imVordergrund, ob jetzt Grundlagenforschungoder angewandte ist ziemlichgleichgültig.Sie haben ja die Materialwissenschaftenin Österreich begründet …Nein. Es war mein Vorteil – ich binauf die Universität gekommen alsDissertant im Herbst 38., zu Stetter.Im Dezember 38 ist die Kernspaltungentdeckt worden. Also ich hatte dasgroße Glück, sofort mit einer neuenEntwicklung vertraut gemacht zu werdenund habe dann kernphysikalischweiter gearbeitet. Dann, nach Stetter,kam Schmid, und hier bin ich in dieMaterialphysik hineingekommen, bindann zu der ersten Atomphysiktagungnach Genf mit Karlik gefahrenund habe dort das Wesentliche überKernphysik und Materialwissenschaftenerfahren und das Schmiderzählt. Und dann haben wir gemeinsameben auf diesem Gebiet gearbeitet.Noch ein Vorteil war, dass ichnoch unter Przibram gearbeitet habe,und Przibram hat wieder die Lumineszenzgehabt, also die Fehlstellenim Wesentlichen. Also das sind dreiPunkte, die glücklich in meiner Laufbahnzusammengekommen sind.Heute werden ja schon Studien angeboten,die nur mehr Materialwissenschaftheißen, die Physik kommt im


PersonenTitel gar nicht mehr vor. Wie sehen Siediese Entwicklung?Ja, ich muss dazu sagen, sicherlichist es heute notwendig, dass man sichspezialisiert. Aber die Grundwissenschaft,die sollte doch noch da sein.Wie kann man der Gesellschaft klarmachen, was Physik ist?Das kann man durch öffentliche Vorträge.Ich höre sehr gerne jetzt nochVorträge in Wien, wo eine Zusammenarbeitzwischen Universitäten undVolkshochschule ist. Und diese Vorträgekommen sehr gut an. Genauso dieWiener Vorträge im Rathaus.Aber kann so etwas konkurrieren mitFernsehen und Ähnlichem?Das ist eine Frage, die Sie den Leutenim Fernsehen stellen sollten, obnicht dort mehr gemacht werden sollte.Ein kleines Beispiel ist jetzt Newton,oder in Deutschland gibt’s das Alpha.Das sind Vorträge, die man mehr machensoll, aber das können wir nichtbeeinflussen.Wie sehen Sie die österreichische Situationin der Physik?Ich glaube, wir müssen uns nichtscheuen, und wir sind auch in der Vergangenheitdoch immer wieder an manchenStellen an der Spitze gewesen.Und heute?Kann ich bitte vielleicht wirklich nichtbeurteilen, mit 90 Jahren hat man zuwenig die Möglichkeit, an der Spitze mitdabei zu sein. Wenn ich gesagt habe,ich gehe in volkstümliche Vorträge, soum die ganze Entwicklung zu sehen,aber nicht wirklich Spezialisierung.Und ich sehe es auch bei Tagungen,dass man sicherlich gerne in Spezialvorlesungengeht, aber doch dannnicht mehr so mitreden kann, was istwirklich wichtig, was ist in Österreichanders gemacht worden als in den anderenLändern.Nobelpreis hat es für Österreich schonsehr lange keinen mehr gegeben.Ja. Wir haben vielleicht zu wenigLobby.Und Ideen wie die Eliteuniversität?Ich bin eigentlich ein bissel traurig darüber.Wenn es heißt, ich muss jetzteine Eliteuniversität machen, dannsage ich dadurch eigentlich schon, unsereUniversitäten waren bisher nichtgut. Und ich glaube, man kann nichteine Eliteuniversität aus dem Bodenstampfen, sondern es muss sich einInstitut, eine Fachrichtung entwickelnzu Elite. Wir haben sicherlich sehr vielBeitrag geleistet bei CERN, bei ECN,in Grenoble, das Institut von Laggnerusw., wo wir wirklich gezeigt haben,wir wollen an der Spitze mitarbeiten.Aber nur zu sagen, das ist eine Eliteuniversität– das muss von selbstentwickelt werden, aber nicht vomMinisterium.Im Augenblick läuft wieder die großeBildungsdiskussion. Gibt es so etwaswie physikalische Bildung?Was bezeichnen Sie als Bildung? MeinerMeinung nach ist der Fehler in derAHS, dass man manchmal versucht,das Modernste in der Physik zu bringen,und das für einen Schülerkreis, wovielleicht nur ein kleiner Prozentsatz fürPhysik interessiert ist. Ich glaube, mansollte wirklich allgemeinbildend vortragen,so dass man sieht, wo ist die Physikheute notwendig (und ich glaube,das moderne technische Leben kommtohne Physik nicht aus). Und das würdeich eben als das Ziel der Bildung sehen,das Verständnis für Physik, für dieFortschritte der Physik usw.Wie weit kann das Verständnis beimLaien gehen?Ich glaube, das kann dadurch gehen,dass ich nicht nur die Formeln in derPhysik bringe, komplizierte Rechenverfahren,sondern darauf hin gehe,was ist, wie verstehe ich das und das.Seinerzeit hat man eine Abstimmunggemacht über das Atomkraftwerk. Wokonnte wirklich die Bevölkerung dazuStellung nehmen? Da hätte man dochvielleicht vorher der Bevölkerung aBissl was sagen müssen über Physik,Atomphysik usw.Damals waren aber auch Fachleuteverschiedener Meinung.Selbstverständlich. Aber ich glaubeauch, die verschieden Meinung istimmer gut. Ich habe z. B. in meinemInstitut immer gesagt: Eine Entwicklungder Physik oder eine Richtung derPhysik: Ein Mann, der daran arbeitet,ist schlecht. Man braucht mindestenseine kleine Gruppe, die unter einanderdiskutiert und wo man auch die Gegenmeinunghört. Weil erst wenn ich Kritikhöre, dann kann ich’s besser machen.Was sollte jemand mit der Matura anPhysik mitnehmen?Das Verständnis der Physik, und ichhabe oft plädiert dafür, dass man dannin einem Semester einen Einführungskursfür das Physikstudium macht.Erstens einmal werden die verschiedenenUnterschiede in der Mittelschuleausgeglichen. Wir haben sicherlichMittelschulen, wo die Physik sehr, sehrgut ist und wir haben sicherlich Mittelschulen,wo die Physik weniger gut ist.Und ein solcher Kurs würde es gleichmachen, und auf dem könnte dann derHochschullehrer aufbauen. Dann weißer genau, was jeder wissen müsste.Und zweitens einmal: Es geht dannsogar rascher vielleicht als wenn ichdas nicht habe. Und ich belaste 90 %der Schüler in der AHS, in der Mittelschule,nicht mit Formeln quantentheoretischerNatur oder sonstigen komplizierteFormeln.Für viele Leute war Physik in der Schuleimmer ein Horror.Ich bin jetzt mit dem Taxifahrer hergefahren,und er hat mich gefragt, wassind sie denn. Hab ich gesagt, ich warProfessor (weil ich auf die Universitätgefahren bin) fürs Fach Physik.„Um Gottes Willen!“ So war für ihn diePhysik.Wie kommt es dazu?Ja, ich glaube, weil man in manchenFällen die Schüler überfordert. Dakommt wirklich nur ein kleiner Prozentsatzmit, der ist begeistert im Unterricht,und für den anderen Teil istes zu schwierig. Ich glaube, das giltauch für, na nehmen wir jetzt einmalan, Deutsch. Ein sehr anspruchsvollesWerk der Literatur, da kommen auchnicht alle Schüler mit. Denen ist dasdann zu fad oder zu hochtrabend etc.,der Teil absentiert sich dann auch. Soverstehe ich das zumindestens.Gäbe es irgend ein Rezept, wie manmehr Verständnis und Freude an Physikerzeugen könnte?Möglichst frei von allzu vielen Formeln,zeigen, dass und wo die Physik im Lebeneine Rolle spielt. Haben Sie zufälligKranzer noch gekannt? War einPhysiker in Wien, er hat ein Buch geschrieben,„So interessant kann Physiksein“. Das sind so Highlights in derPhysik, die auch den Schülern ebenwirklich ein Verständnis bringen: Ja, dabrauche ich a bissl physikalisches Verständnis.Ich glaub, man soll’s geradein der Schule eben a Bisserl mehr andas allgemeine Leben anschließen. Nr. 3/2007 11


PersonenWegen der Spezialisierung ist esschwer, Physiker für allgemeine Tagungen(wie die ÖPG Jahrestagung)zu begeistern.Vielleicht, das ist jetzt nur ad hoc eineÜberlegung, könnte man in den Hauptvorträgenmehr die Probleme beleuchtenund in den Fachtagungen kommendann die Details.Sind Fachtagungen sinnvoll?Ich halte die Fachvorträge doch fürsinnvoll, weil man in diesen kleinenFachtagungen mehr persönlichen Kontakthat. Und ich habe einmal in meinerLaufbahn ein Gespräch gehabt miMinisterialbeamten, die gesagt haben,es genügt doch, wenn einer Zuschussbekommt zu einer Tagung zu fahren.Ich habe gesagt: Nein, weil dann kanner’s lesen auch. Sondern das Wesentlichebei den Tagungen und erst rechtdann bei den Fachtagungen ist derpersönliche Kontakt. In einer Veröffentlichungschreibe ich sicher nicht hinein,vor dem Versuch, dem Hauptversuchsind soundso viele Wege irr gegangen.Nicht wahr? Aber in einem Gesprächunter vier Augen oder auch ineiner kleinen Gruppe, die dort ist, redetman darüber auch. Sagt man: Lass dieHände von der Richtung, geh sofort indie Richtung. Und das kann man nurim persönlichen Gespräch. Daher sagich also: Die, die an der Sache arbeiten,die sollen alle dort sein.Gibt es genug Physiker, die als Hauptvortragendejeden ansprechen?Ja, vielleicht kann ich sagen, im Laufeder Zeit ändert sich das. Ich kenne vielePhysiker, die als Junge sehr hochtrabendgeredet haben, zu zeigen was siekönnen, zu zeigen wie wichtig ihr Gebietist und wie wichtig der Fortschrittin dem Gebiet ist. Und je älter sie werdendesto häufiger sind sie auch bereit,öffentliche Vorträge zu halten. Dagibt es Beispiele, da war etwa der alteThirring, der Hans Thirring. Ein Vortragvom Hans Thirring war wirklich etwas,ein Erlebnis, auch für Nicht-Physiker.Und so haben wir viele Fälle, dass manim Alter auch versucht, das allgemeinverständlich zu bringen.Was war in Ihrer Laufbahn das interessantesteThema?Schwer zu sagen. Interessant sicherlicham Beginn meiner Dissertation,also meiner wissenschaftlichen Laufbahn,war natürlich damals die Atomspaltung,also die Versuche, die ich mit12 Nr. 3/2007Stetter gemacht habe über die Atomspaltung,dazu in dem Zusammenhangnatürlich die Kenntnis, die ich schonvorher gehabt habe durch das Zusammenarbeitenmit Karlik über Neutronenphysik.Dann, als wir mit Schmidbegonnen haben, über die Materialauswirkungder Strahlung zu sprechen,war das natürlich auch etwas sehr Wesentliches,weil das gezeigt hat, dassman – und mir besonders gezeigt hat,Schmid hat das sicher schon viel frühergehabt – das man eben wirklich,wenn man die Eigenschaften kennt,Materialien nach Maß herstellen kann.Und das ist im Prinzip die ganze Kunststofftechnik.Hier stellt man das Materialher, um gewisse Eigenschaften zuhaben.Hat die Nanotechnologie …Ja, genau dasselbe. Also, ohne Nanotechnologiekommt der Techniker nichtaus, und auch der Mediziner nicht, eskommt der Biologe nicht aus und soweiter.Es gibt Physiker, die den Medizinnobelpreisbekommen haben, aberumgekehrt nicht. Sind die Physikergescheiter?Nein. Ich glaube, das hängt damitzusammen, dass eben jetzt geradedas Einbringen der Physik in Nachbargebiete,also auch vor allem in dieMedizin, eben wirklich zu einem Fortschrittin der Medizin geführt hat. Angefangenmit der Röntgenphysik zumBeispiel oder MNR ect., ect., ja. Na jaman sollte dann eben zeigen, dass imPrinzip der Nobelpreis viele Väter hat.Aber man kann nur einen Vater dannauszeichnen.Wenn Sie heute beliebigen Einflusshätten, welche Maßnahmen würden Siefür die Physik in Österreich setzen?Schwer zu sagen. Ich glaube eines istsicherlich, und das ist auch Ihre Intention,dass gerade der Zusammenhangder Physiker nicht auseinander gehensoll, sondern dass man versuchtmiteinander, miteinander zu arbeiten.Schauen Sie zum Beispiel: Schmid hatin der Metallphysik einen sehr großenNamen gehabt und hat dann nach derGenfer Tagung – der ersten Atomphysiktagungin Genf über die Kernspaltung– dann gezeigt, wie wichtig dieUntersuchung der Materialen ist durchBestrahlung. Um dann eben für denBau der Reaktoren usw., die richtigenMaterialien auszuwählen.Stichwort Reaktoren: Wie sehen Siedie Frage der Nuklearenergie, die inletzter Zeit ja wieder diskutiert wird?Ja, der größte Schaden für die Atomkraftwar eigentlich der Unfall in Tschernobyl.Und der war ein menschlichesVersagen insofern dass man versuchthat, am laufenden Reaktor Versuchezu machen. Vielleicht ist „menschlichesVersagen“ nicht richtig., es warsozusagen von den oberen Stelle angeordnetworden, nicht wahr. Das kannman sicher nicht ausschließen. Das istaber nicht nur in der Physik, das istüberall so.Wir haben erstmals jetzt eine Präsidentinin der Physikalischen Gesellschaft.Wie sehen Sie das Thema „Frauen inder Physik“?Ich bin vielleicht ein bisschen beeinflusst,dadurch dass ich also sehr gutmit Karlik war, Lise Meitners Arbeitendoch auch sehr gut kenne, die FranziskaSeidl, also doch mit einigen Frauengearbeitet habe. Und ich glaubees ist kein reines Schlagwort, dassman oft sagt für Frauen in technischenBereichen, dass die Frau vielleicht inmancher Hinsicht ideenreicher ist undvielleicht manchmal nicht so strenggläubig an physikalischen Gesetzenusw. hängt und sich eher traut, einmaletwas zu machen, was nicht ganz denphysikalischen Gesetzen entsprechenwürde und dadurch vielleicht genauden Erfolg haben. Madame Curie!Wie macht man das in der Schule,dass sich auch Mädchen für die Physikentscheiden?Dass man eben die Physik ein bisschenin das Leben, das Wirken derPhysik im Leben zeigt.Heute wird die Technik genutzt, aberwenige fragen sich, wie man dazugekommen ist. Ist nicht auch hier dieSpezialisierung so stark, dass es dagar keine Verständigung mehr gibt?Ja, zu viel Spezialisierung ist auchnicht richtig. Also ich soll auch in derMathematik das normale „Einmal Eins“können.Das braucht man heutzutage nichtmehr – man hat den Taschenrechner.Ja, ich brauche auch heute fast nichtmehr das Hebelgesetz. Es gibt natürlichFälle, wo ich den Hebel unbewusstverwende und nicht nachdenke, achso, so funktioniert der Hebel. Diese


PersonenFragen sind natürlich philosophischeFragen im Prinzip.Vor kurzem gab es einen Wettbewerb,wo junge Wissenschaftler in 5-Minuten-Auftritteihre Wissenschaft averständlichdarstellen sollten.Also ich glaube, auch ein alter Physikerkann in 5 Minuten die Physik nichtdarstellen. Erst recht nicht, ein Junger.Er kann höchstens ein kleines Gebiet,das ihm sehr großen Eindruck gemachthat, das kann er eventuell darstellenund kann darstellen, warum ihm dasEindruck gemacht hat. Aber die Physikdarzustellen, nein.Welche Position hat eigentlich die Physikinnerhalb der Kultur? Ist WissenschaftKultur?Ich glaube, man kann so schwer sagen,ist Kultur. Trägt zu unserer Kulturbei. Aber ist? Ist Mathematik Kultur?Es ist vielleicht nicht die Physik, sonderndie Auswirkungen der Physik.Nehmen Sie die elektromagnetischenWellen – die tragen doch zu unsererKultur wesentlich bei. Die Frage, obman sie deshalb als Kultur bezeichnet,ist ein philosophisches Problem. Waswill ich wirklich als Kultur bezeichnen?Also im ersten Moment würde ich sagen,ist es sicherlich schwer zu sagen- Physik, Mathematik - das ist Kultur.Aber sie trägt meiner Meinung nach zuunseren kulturellen Leben doch bei.Was gibt es in der Physik eigentlichnoch zu entdecken?Also ich weiß nicht, ist nicht genau, dieQuantentheorie ein Zeichen, dass danoch sehr viel offen ist?Was ist da dahinter, glauben Sie?Fragen Sie mich das nicht. Da bin ichzu alt dazu.Die Formeln stimmen ja und damitbraucht man es nicht zu hinterfragen.Ja, kann man das wirklich auch schonso 100 % sagen, dass sie stimmen- können nicht doch noch irgendwelcheFragen zu einer neuen Deutung,zu einer neuen Entwicklung führen?Es ist doch sehr oft so, dass manzwar geglaubt hat, die Formeln stimmenvollkommen, sie sind bestätigtusw. und dann hat eine neue Untersuchunggezeigt, halt, da ist eine kleineAbweichung, die führt in eine andereRichtung. Ich meine, das ist sicherlichvon mir jetzt auch schwer zu beurteilen,da müsste man sich wirklichmit diesem Gebiet noch vollkommenbeschäftigen.Glauben Sie, dass es in nächster oderin ferner Zukunft wieder zu großenUmbrüchen kommt?No commentIch bedanke mich ganz herzlich undich freu mich schon, wenn wir uns beider nächsten ÖPG-Tagung wiedertreffenJa, in Krems. Da habe ich ja gewisseHoffnung, dass das weniger vorkommt,dass einer nur zu seinem Vortrag hinkommt.Die kleinen Städte haben fürTagungen einen Vorteil, dass sie einbisschen mehr den Zusammenhangder Physiker fördern.Herzlichen Dank für das Gesprächund die allerbesten Wünsche zu Ihremrunden Geburtstag!EhrungenSilbernes Ehrenzeichen für Walter KutscheraSchon am 10. Jänner 2007 erhielt der Vizedekan der Fakultät für Physik, Walter Kutschera, das erhielt das Große SilberneEhrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.Walter Kutschera wurde am 19. September 1939 in Wien geboren. Er promovierte 1965 an der Universität Graz undhabilitierte sich an der TU München für Experimentalphysik. Seit 1993 ist er Professor am Institut für Isotopenforschungund Kernphysik der Universität Wien. Davor war er u.a. am Argonne National Laboratory in Chicago, USA, tätig, lehrteals Gastprofessor an der TU München und der Universität Wien und initiierte eine intensive Zusammenarbeit mit Wissenschafternder Hebrew University Jerusalem und dem Weizmann Institut Rehovoth in Israel. Lagen die ForschungsinteressenKutscheras anfänglich auf dem Gebiet der Kernphysik, so konzentriert sich der Hauptschwerpunkt seineswissenschaftlichen Interesses heute auf die Beschleunigermassenspektrometrie. Die von Kutschera geleitete BeschleunigeranlageVERA (Vienna Environmental Research Accelerator) ist nicht nur einzigartig in Österreich, sondern ist aucheine der weltweit führenden Anlagen auf dem Gebiet der Beschleunigermassenspektrometrie.In den Jahren 1999 und 2000 war Kutschera Vorsitzender der ÖPG. Von 2004 bis September 2006 war Walter KutscheraDekan der Fakultät für Physik, seither ist er Vizedekan.Silbernes Ehrenzeichen für Günther BauerAm 26. Juni 20077 erhielt Günther Bauer, Universität Linuz, das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um dieRepublik Österreich.Günther Bauer studierte und promovierte an der Universität Wien. Er habilitierte sich an der Technischen UniversitätAachen auf dem Gebiet der Hochfeld-Transportphänomene und der Verteilungsfunktionen heißer Ladungsträger. An derUniversität Ulm widmete er sich als Professor der FIR-Spektroskopie und magnetooptischen Untersuchungen von Verbindungshalbleitern.1979 wurde er zum ordentlichen Professor an die Montanuniversität Leoben und 1990 an die UniversitätLinz berufen, wo er ein neues Halbleiterphysik-Labor errichtete.Günther Bauer ist wirkliches Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Österreichischen Akademieder Wissenschaften (ÖAW). In den Jahren 1987 und 1988 war Bauer Vorsitzender der ÖPG. Nr. 3/2007 13


PersonenWalter Thirring - Ein Gespräch zum 80. GeburtstagHerr Professor Thirring, Sie sind ja inder Physik erblich belastet. Wie bestimmendwar das für Sie?Na ja, also vielleicht unbewusst schon,bewusst eigentlich nicht. Ich wollte ursprünglichMusiker werden, aber nachdemmein Bruder aus dem Krieg nichtzurückgekommen ist, habe ich mich fürdie Physik entschlossen. Ich hab dannbei meinem Vater Vorlesungen gehört.14 Nr. 3/2007Sie wollten eigentlich Musiker werden.Wie sehen Sie heute Ihre Entscheidung?War sie richtig?Ja sie war schon richtig, weil die Musikkann ich jetzt zum Vergnügen machenund beim jetzigen Musikbetrieb,ich glaub ich wäre nicht sehr glücklichdabei.Sie sind jetzt 60 Jahre im Physikbetrieb.Was hat sich geändert in diesenvielen Jahren?Na ja, es ist natürlich sehr viel vergrößertworden. In Österreich nach demKrieg, das war ja wirklich sehr erbärmlich.Wie da unsere Mittel waren, undman hatte überhaupt keinen Kontaktzur Außenwelt. Auch 1959 als ich nachWien zurück kam, war also noch allessehr mühsam. Schon allein um dasKlopapier zu kriegen musste man allemöglichen Kämpfe ausführen.Und wie, würden Sie sagen, steht heuteÖsterreich in der internationalenPhysik da?Na ja, also dass wir in der TheoretischenPhysik so hinaufkommenwerden, daran hatte ich eigentlich niegezweifelt. Denn ich hatte schon gesehen,bevor ich nach Wien zurückgekommenbin – 1959 - dass hier sehrviele begabte Leute sind und es gibtsie ja heute noch. Und da ist ja überhauptkein Grund warum wir da hinterden Anderen zurückstehen sollten. Inder Experimentalphysik hatte ich dochmeine Zweifel, weil auch Schrödingergesagt hat: „Experimentalphysik in Österreich– da sind doch die Mittel zuklein und da kann nicht sehr viel rauskommen.“.In der Teilchenphysik habeich aber gesehen, dass wir mit CERNdie Möglichkeit haben, dann doch konkurrenzfähigzu werden. Aber auchsonst in der Experimentalphysik hatmich sehr gefreut, dass dann doch inÖsterreich Pionierleistungen gemachtwurden. Ausgehend vom Atominstitutangefangen mit Rauch oder Zeilingerund noch viele andere, sodass wir hierauch weltweit wirklich an der erstenReihe stehen.Jetzt muß die üblich Frage kommen:Warum hat Österreich seit vielen vielenJahren keinen Nobelpreis mehr?Ja, das müssen Sie das Nobelkomiteefragen. Es ist halt so, da gibtes Lobbies… Aber die Fixierung aufden Nobelpreis missfällt mir auch,und deswegen ist das für mich ist keinProblem, dass wir keinen Nobelpreisbekommen.Wie sehen Sie die Idee einer Eliteuniversität?Ist das Erfolg versprechend?Man muss das differenziert sehen. Woman eine Perspektive hat, soll manausbauen. Aber wie das mit Gugging


Personengehen wird, wage ich nicht zu entscheiden.Jedenfalls ist wesentlich, dassman den Leuten die kommen günstigeArbeitsbedingungen offeriert. Ein Wissenschaftlerbraucht Ruhe, damit erarbeiten kann. Er kann nicht dauerndEvaluationsberichte schreiben..Halten Sie das für richtig, dass von denUniversitäten immer mehr privatwirtschaftlichesDenken verlangt wird?Na ja, ein Erfolgsdenken muss natürlichvorhanden sein. Ob die Privatwirtschaftda aber wirklich so vorbildlichist, hab ich meine Zweifel.Wie kann man junge Leute für Physikbegeistern?Das muss in einem drinnen stecken.Ich glaube nicht, dass man jemanddas kommandieren kann, aber es gibtLeute in denen das steckt. Ich will hiernur zwei Mädchen nennen, die CorneliaFaustmann, die mit mir diesesBuch „Einstein entformelt“ geschriebenhat. Die hat mit 10 Jahren angefangensich für schwarze Löcher zu interessieren.Und hat mit 17 Jahren einenÜberblicksartikel geschrieben über dieallgemeine Relativitätstheorie. Und inDeutschland die Silvia Arroyo Camejodie hat mit 17 Jahren ein ausgezeichnetesBuch über Quantenmechanikgeschrieben. Also wenn Leute eineWissbegierde haben, dann wird wasdraus. Aber wenn jemand das nichthat, gegen Desinteresse kann man garnichts machen.Die Physik hat enge Verbindungen zurPhilosophie oder sogar zur Theologie.Sie haben ja vor kurzem Ihr Buch„Kosmische Impressionen“ herausgebracht.Jetzt sehen natürlich nicht allePhysiker das aus der Perspektive, ausder Sie das sehen.Na ja, das ist ganz klar dass da dieverschiedensten Sichtweisen möglichsind und das ist ja nicht nur im Verhältnisvon Naturwissenschaften und Religionso, sondern auch in vielen neuenphysikalischen Gebieten. Und das istnatürlich ein gutes Zeichen.Hat die Physik wirklich die Miöglichkeiten,Aussagen im religiösen Bereichmachen zu können?Nun, das ist ein sehr weites Gebiet undvieles kann die Physik nicht voraussagen,aber sie kann sozusagen denHintergrund richtig zeichnen. Und siekann doch gewisse Sachen aussagenetwa über die, sagen wir, die Intellektualitätoder wenn Sie sogar wollenüber die Spiritualität der Naturgesetze.Es ist ja doch interessant, das ja inder Natur die ausgeklügelsten Gesetzevorliegen, die sich aber erst demmenschlichen Geist eröffnen, der einegewisses Abstraktionsvermögen verfügt,sodass er Mathematik entwickelnkann. Und wie unser Geist da eindringenkann, ist schon an sich eine sehrinteressante Frage.Wenn Sie jetzt vorhersagen müssten,was in nächster Zeit die größtenEntwicklungen in der Physik seinwerden?Ja wenn ich das wüsste dann hätte ichdas schon gemacht.Glauben Sie, wird jetzt die neue Ausbaustufebei CERN wirklich den Durchbruchbringen?Die bringt sicher etwas. Das was bisherimmer noch so. Wenn man da alsoeine neue Größenordnung erreicht,dann gibt es neue Erkenntnis.Wird die Supersymmetrie bestätigtwerden?Ja, also , ich meine die gibt es also sozusagenauch als mentale Konstruktion.Auf jeden Fall gibt es sie mathematisch.Ob man sagen kann, das gibt eswirklich, ist eine andere Frage.Warum eigentlich ist dieses Konstruktdes menschlichen Geistes, die Mathematik,so gut geeignet, die Natur dochzu beschreiben?Das ist ein großes Rätsel, über dasschon viele Leute nachgedacht haben.Da gibt es ja diese berühmten Artikelvon Wigner über die „unreasonable effectivenessof mathematics“, aber dahabe ich also auch nichts intelligentesdazu zu sagen.Darf ich fragen was Sie im Augenblickan physikalischen Dingen verfolgen?Na ja, ich meine, wenn es Sie interessiertwürde, heute halte ich am Nachmittageinen Vortrag über unsere Resultateüber Evolutionsgleichungen. Dageht es ja darum die Frage wie könnendurch solche Evolutionsgleichungenkann im Lauf der Zeit der Ordnung entstehen?Rein durch Zufall – wie immerversichert wird. Oder kommt, wie derzweite Hauptsatz verlangt immer dasChaos heraus und da haben wir verschiedensteArten der Evolutionsgleichungenuntersucht und die Frage wieist das, wie kommt hier Ordnung heraus.Und wenn Sie eine kurze Antwortwissen wollen: Diese klassischen Evolutionsgleichungenenthalten natürlichgewisse Rahmenbedingungen. Dassind eingebaute, gewisse numerischeKoeffizienten. Und wenn die rein zufälligsind, also dann wirklich dann nurZufall herrscht, kommt nur Chaos heraus.Wenn sie aber die ein bisschenrichtig hintrimmen, kommt tatsächlichOrdnung heraus. Diese Ordnung wirdda mit so ziemlich brutalen Mittelnerzwungen. Das Überraschende fürmich war dann noch von diesen klassischenGleichungen die quantenmechanischeVersion. Dann passiert tatsächlichwas die Leute immer wollen,dann entsteht durch einen Zufall immerOrdnung. Allerdings wozu diese quantentheoretischverallgemeinterten Theorie,die in diesem Zusammenhangverwendet werden, wozu die gut sindkann ich nicht sagen, aber jedenfallsdie tun das.Die Quantenmechanik ist ja immernoch ein Gebiet, wo viele denken, damüsste eigentlich noch was Tieferesdahinter stecken. Wie sehen Sie das?Na ja, ich glaube, das hat am bestender Feynman verstanden, der gesagthat „Nobody understands quantummechanics“. Das heißt, das entziehtsich unserem klassischen Denken imGegensatz zur Relativitätstheorie.Wird das so bleiben, glauben Sie? Istdas grundsätzlich so?Na ja, also unsere Psychologie kannsich vielleicht im Laufe der Zeit irgendwieda adaptieren. Das ist schonmöglich, also sagt man sich das ist ehschon klar, aber im Augenblick gibt esnoch immer ein massives Interesse anDiskussion und über klassische Zügeder Quantenmechanik. Im wesentlichentsteht alles dadurch, dass wir voneinem Teilchen annehmen, das sindso kleine Kugerln, die fliegen im Nichtsherum. Aber das sind sie sicher nicht,der Raum ist ausgefüllt durch Felderund diese quantisierten Felder, die habenlokale Anregungen und das sinddie Teilchen, aber die existieren sozusagennicht im Nichts.Woher kommen dann die speziellenEigenschaften, die man dem Teilchenals Individualität zuordnet?Na ja, Individualität ist also nur etwaswas selten geschieht. Wenn das zudicht ist und man hat identische Teilchen,dann verschmelzen die,. sodass Nr. 3/2007 15


Personendie Individualität verloren geht. Das gehtetwa sogar bei Atomen bei der Bose-Einstein-Kondensation so vor sich. Daverschmilzt das zu einem Klumpen, wokeine Individualität mehr vorhanden ist.Aber trotz alledem ist das Teilchenbildund das Wellenbild doch so, dass wireigentlich mit den Gedanken nichts zusammenfindenda.Ja, weil das Teilchen sozusagen diefalsche Vorstellung ist, aber es ist richtig,auch wenn man sich das Teilchennur vorstellt als Anregung des Reldes,ist die Frage, warum manifestiert sichdas dann immer in einem Punkt undnicht etwa gleichzeitig an mehrerenPunkten.Zeilinger hat die Formulierung gebraucht,dass eigentlich alles Informationist. Wie sehen Sie das?Na ja, Information, da meint er Information,die man durch Messen erlangenkann. Und das ist ein extrem positivistischerStandpunkt. Ich weiß eben nicht,ob man sich nicht doch etwas dazudenken darf, auch wenn das nicht direktder Messung zugänglich ist. Vielfachtut man das, weil das im Denkenso bequem ist und schließlich wird dasdann so inkorporiert, dass dann so eineEigendynamik kriegt und dann auch irgendwiesogar existiert und man sagtnicht nur „als ob das so wäre“ sondernlasst das „als ob“ weg.Das ist immer die schwierige Frage,was davon existiert wirklich.Ja, was das Wort „existieren“ heißt.Das ist bei materiellen Dingen, die manangreifen kann, schon wohl definiert,aber bei so Sachen, die rein gedanklichsind? Schon bei der Entropie könnenSie fragen, existiert das wirklich?Ich hab noch nie ein Kilo Entropie gesehen.Das ist ja nur ein Hirngespinst,nicht wahr?Wie ist das mit anderen physikalischneBegriffen, der Energie etwa? Ist diereal?Es ist halt auch was das Wort Realitätbedeutet. Im Deutschen vielleichtnoch ein bisschen schwieriger, weil daja zwischen Realität und Wirklichkeitunterschieden wird. Ich hab den Unterschiednie so genau verstanden. Wennich Philosophen gefragt habe, was istdie Realität, sagen sie mir, das ist das,was wirklich ist. Und da bin ich nochverwirrter.16 Nr. 3/2007Kommen wir jetzt zu Ihrem zweiten Tätigkeitsgebiet,nämlich der Musik., dieja den Menschen vor allem über dieEmotionen anspricht, im Gegensatz zurPhysik, die ja angeblich eine sehr rationaleSache ist. Sehen Sie den Kontrastso?Naja, die Mathematik und die Musik istbeides abstrakt, und warum die Musiksolche Emotionen anregt, ist mir gänzlichunverständlich. Man kann ja sagen,die Musik, das sind nur Luftschwingungenverschiedener Frequenz. Undwarum da manche Emotionen, mancheAbscheu auslösen, habe ich keineAhnung. Für mich hat die Musik sogarnoch mehr Qualitäten. Nicht wahr,schön oder schiach, manchmal frechoder blöd, manchmal beleidigend, alsoda kommen eine Menge Sachen dazu,die ich in keiner Weise rational erklärenkann.Glauben Sie, haben Physiker mehr Beziehungzur Physik oder weniger alsandere Zeitgenossen?Es gibt vielleicht schon Korrelationen,Physiker interessieren sich für Physikund Musike für Physik, wir haben davielleicht so eine gewisse Korrelation.Auch von der anderen Seite, von denMusikern zu Physik?Naja, das kann schon sein, ich weißnicht ich hab da nie –Es gibt unter den Physikern auch ausübendeMusiker, auch Komponisten.Wenn man bei den Wiener Philharmonikernnachfragen würde, wie viele vondenen aktiv Physik betreiben, wärenes wahrscheinlich nicht sehr viele, vermuteich.Ich weiß es nicht, ich kann das nichtsagen.Sehen Sie zwischen Ihrer Musik und IhrerPhysik enge Verbindungen?Naja, insofern als beide völlig altmodischsind.Wenn Sie nicht Physik studiert hätten,würde Ihre Musik dann andersausschauen?Ja, vielleicht schon, das heißt ich mußin beiden Fällen, na bei der Komposition,ein klares Konzept vor mir haben,wie soll das auseinander entwickeltwerden. Und das habe ich bei der Physikauch immer. Ich muss wissen, wasfolgt woraus wie kann man das ganzesozusagen zu einem einheitlichenGanzen zusammenfügen. Mit ein paarFetzen in der Musik kann ich überhauptnichts anfangen. Es muss eine größereArchitektur sein, dass ich da irgendwieanspreche. Man findet auch in de Physikso kleiner Fetzen, sagen mir auchnichts, muß irgendwo ein größerer logischerZusammenhang sein.Der Musiker ist eigentlich ohne seinPublikum kaum denkbar. Der Physikerdagegen ist eher im Elfenbeinturm.Naja, aber die wollen auch publizieren.Ja aber für andere Physiker, wenige fürdie Öffentlichkeit.Ja, das vielleicht, weil eben der Öffentlichkeitist vieles nicht zugänglich.Würden Sie glauben, dass so etwaswie die emotionale Qualität der Musikauch in der Physik erreichbar ist?Naja, es ist schon ein schöner Erlebnis,wenn man sozusagen auf etwas draufkommt,was einem vorher völlig rätselhaftwar.Kann man das auch anderenvermitteln?Weiß ich nicht, glaube ich nicht, nein.Das kann man nur selber, glaube ich,erfassen.Sie haben erwähnt, das Sie heute einenVortrag halten. Können Sie darüberetwas sagen, nicht für den Spezialisten,aber doch den physikalischgebildeten?Naja, die Mathematik ist denkbar einfach,handelt alles im endlichdimensionalen,sind nur endlichdimensionaleMatrizen, es ist nur eigentlich was manVektorrechnung genannt hat, sonstkommt nichts vor. Aber natürlich istes hinreichend kompliziert, dass manComputer ansetzen muss, weil es gehtdarum herauszufinden, was geschiehttypischer Weise nicht nur für eine gegebeneGleichung, sondern wenn man inder Gleichung die Konstanten abändert.Man muss das immer ausrechnen, dieGleichung nicht einmal lösen sondernzehn Millionen Mal und dann anschauenwas raus kommt. Aber das ist ja fürden Leser eigentlich dann Wurscht, wieman das herausgekriegt hat.Ich würde mich sehr freuen, wenn Siedarüber einmal im Mitteilungsblatt derÖPG schreiben könnten.Ja, das werde ich mir überlegen. Gut.Die ÖPG dankt für das Interview undgratuliert ganz herzlich zum rundenGeburtstag.


PersonenHelmut List - 65. GeburtstagAm 20. Dezember des Vorjahres feierteHelmut List seinen 65. Geburtstag.In den Jahren 1985-86 war er alsbisher einziger Industrievertreter derVorsitzende unserer Gesellschaft.Helmut List wurde in Graz geboren.Hier erhielt er auch seine Ausbildung.Er studierte Maschinenbau an derTechnischen Universität und arbeitetebereits in dieser Zeit in Motorenfabrikenin England, den USA,Frankreich und Österreich. 1966trat er in die Fa. AVL ein, die seinVater, Prof. Dr. Hans List, 1948 alsEntwicklungsfirma für Verbrennungsmotorengegründet hatte, diesich aber inzwischen auf andereGeschäftsbereiche erweitert hatte.Er wurde Leiter eines Projekteszur Entwicklung von Blutgasanalysatorenin Zusammenarbeit mitdem Mediziner Karl Haarnoncourt.Unter seiner Leitung wurden wesentlicheNeuentwicklungen undPatente getätigt und die Blutgasanalysewurde das Kernstück derAVL Medical Instruments Division,bis zum Verkauf dieses Geschäftsbereichsan Roche Diagnostics imJahr 2000.Nach Tätigkeit im Elektronikbereichder Firma wurde Helmut List1969 verantwortlich für die Produktionvon elektronischen Präzisionsinstrumentenund Motorenprototypen.1979 wurde er Präsidentund CEO der Firma AVL, die unterseiner Leitung ein kontinuierlichesWachstum erfahren hat. Heute istdie Firma der weltgrößte unabhängigeund in Privatbesitz befindliche Betriebin der Motorenentwicklung. Verbrennungsmotorensysteme,dazu gehörigeMessvorrichtungen und Testsystemewerden in einem weltweiten Netz vonVertriebs- und Entwicklungsfirmen mitüber 3100 Beschäftigten entwickelt.Ein Gebiet, das stark mit physikalischerGrundlagenentwicklung verknüpft ist,wurde von Helmut List besonders gefördert,nämlich die Forschung an undProduktion von neuen Hochtemperatur-Piezomaterialien wie GaPO 4für Transducerund ähnliche Anwendungen.Besonders am Herzen liegt ihm aberdie Forschung zu den Grundlagen derVerbrennungsmaschinen (Diesel undBenzin) sowie den damit verbundenenEntwicklungstools. Dies äußert sichbesonders in der großen Zahl von Kooperationenmit Universitätsinstituten inÖsterreich und der ganzen Welt.Ganz besonders betrifft das das Gebietder Simulation und der ComputationalSciences, Aber auch das scheinbar weitab liegende Gebiet der Akustik hat sichzu einem zentralen Forschungsthemaentwickelt, seitdem das Problem desFahrzeuglärms virulent geworden ist.Ausgehend von der Empfindung des„subjektiven Lärms“ durch den Fahrersowie den Außenstehenden, entwickelteHelmut List die Idee, die Lärmempfindungmit am und im Fahrzeug klarmessbaren Größen zu korrelieren undso die Basis für einen objektiven Standardzu schaffen. Dieser Standardkann mit den Vorstellungen verschiedenerZielgruppen verknüpft werdenund erlaubt damit ein flexibles, denKundenwünschen angepasstes SoundDesign. Unter dem Titel „AVL DriveabilityTechnology“ ist dieses Konzept vonzahlreichen Autoherstellern übernommenworden. Die Expertise in Akustikäußert sich aber auch in einem eherunerwarteten Gebiet: Die von AVL konzipierteHelmut-List-Halle in Graz bietetKonzertbesuchern das Optimum anHörqualität, egal ob für alte oder klassischeMusik oder Hard Rock.Die Verbindung zwischen Grundlagenforschungund Anwendung war HelmutList immer ein besonderes Anliegen.Das ist auch der Grund dafür, dass erseit Jahren als Förderer der ÖPG aktivist. Er hat der Gesellschaft nichtnur 1983/84 als StellvertretenderVorsitzender und 1985/86 alsVorsitzender wertvolle Dienstegeleistet, sondern auch den AVLList Preis für Angewandte Physikgestiftet. Zweck ist die Auszeichnungjüngerer Physiker, die ein inwirtschaftlicher oder technischerHinsicht besonders bedeutendesProjekt der angewandten Physikinitiiert oder eigenverantwortlichdurchgeführt haben, wobei eineZusammenarbeit mit der Industrieoder eine industrielle Verwertbarkeitbestehen soll. DieseAufgabenstellung ist allerdingsnicht unproblematisch: Mehrfachkonnte der Preis wegen mangelnderpreiswürdiger Arbeitennicht vergeben werden. Die österreichischePhysik scheint, wenigstenswas ihre angewandteSeite angeht, noch einige Defiziteaufzuweisen.Außer seiner Tätigkeit als Firmenchefübt Helmut List nochzahlreiche andere Ämter aus:So ist er (um nur einige wenigezu nennen) Vorsitzender desUniversitätsrates der TU Graz,Mitglied des European Research AdvisoryBoards und Vorsitzender der SustainableSurface Transport AdvisoryGroup bei der EU, Foreign Associateder National Academy of EngineeringUSA, Honorarprofessor, Ehrendoktor,Ehrensenator und Ehrenbürger vonUniversitäten in drei Kontinenten, Ehrenringträgerder Stadt Graz und Trägerder Wilhelm-Exner-Medaille desÖsterreichischen Gewerbevereins.Die Österreichische Physikalische Gesellschaftdankt Helmut List für seinunermüdliches Engagement im Dienstder Forschung und seine bedeutendenVerdienste um die Physik in unseremLande und entbietet (wenn auch nachträglich)die besten Wünsche für eineweiterhin so erfolgreiche und erfüllteZukunft . Nr. 3/2007 17


PersonenJulius Wess15.10.1935 – 15.7.2007Julius Wess, einer der internationalherausragenden Theoretischen Physikerder letzten 50 Jahre verstarb völligüberraschend am 8. August im Alter von72 Jahren in Hamburg. Er war 1934 imsteirischen Oberwölz geboren, studiertein Wien und promovierte 1957 bei HansThirring. Er setzte seine wissenschaftlicheArbeitam CERN fort,lehrte ab 1966am CourantInstitute derUniversity ofNew York undwurde 1968als Professoran die UniversitätKarlsruheberufen. 1990berief die Max-P l a n c k - G e -sellschaft ihnzum Direktordes damaligenMax-Planck-Instituts fürPhysik undA s t r o p h y s i kin München.G l e i c h z e i t i gwar er Ordinariusfür theoretischePhysikan der Ludwig-Maximilians-UniversitätMünchen.18 Nr. 3/2007Durch seineArbeiten undIdeen auf demGebiet der Theorie der Elementarteilchenund der Mathematischen Physikschuf Julius Wess neue physikalischeKonzepte und prägte so eine ganzeForschergeneration. Er begründetezusammen mit Bruno Zumino 1973die Supersymmetrie, die das in derElementarteilchenphysik so erfolgreichangewendete Symmetrieprinzip umeinen weiteren Aspekt: Es stellt eineVerbindung zwischen den Bausteinender Materie und den zwischen Ihnenwirkenden Kräften her. Sie vereinigtdie starke und die elektroschwacheKraft und stellt einen ersten Schritt aufder Suche nach einer Quantengravitationdar. Die Supersymmetrie sagt dieExistenz neuer Elementarteilchen voraus.Eines dieser Elementarteilchenkönnte auch der Ursprung der DunklenMaterie sein, die einen überraschendgroßen Teil der Energiedichte unseresUniversums ausmacht. Zusätzlich gibtes in supersymmetrischen TheorienAnsatzpunkte zur Lösung weiterergrundlegender Rätsel der Physik, beispielsweisezur Frage, warum es imUniversum überhaupt Materie gibt undwarum Materie Masse hat. Es ist traurig,dass Julius Wess den Beginn derSuche nach den supersymmetrischenTeilchen ab 2008 am LHC ebenso wenigerleben durfte wie das weitere wissenschaftlicheSchicksal der von ihmbegründeten nicht-kommutativen Geometrie,nämlich der Idee, Raum undZeit bei sehr kleinen Entfernungen zumodifizieren und ihre geometrischeStruktur grundlegend zu verändern.Neben seiner wissenschaftlichen Arbeitengagierte Julius Wess sich für die intensiveFörderung von Forschung undLehre in den vom Krieg betroffenenBalkanländern. Dieses Engagementwar ihm eine Herzensangelegenheitund ging auf eigene Erfahrungen nachdem zweiten Weltkrieg zurück: Seineeigene wissenschaftlicheArbeit und Ausla n d s a u f e n t -halte wurdendamals von derFulbright Stiftunggefördert.1999 gründeteWess daherzusammen mitanderen Kollegenden Verein„Wissenschaftlerin globalerVerantwortung“,der Wissenschaftlerausdem ehemaligenJ u g o s l a w i e nunbürokratischin Forschungund Lehre unterstützt.Daslangfristig undflexibel angelegteProgrammermöglicht esvor allem jungenengagiertenWissenschaftlernausden vom Kriegb e t r o f f e n e nBalkanländern, einen Teil ihrer Ausbildungan deutschen Forschungseinrichtungenzu absolvieren.Julius Wess erhielt mehrere Ehrendoktorwürdenund wurde für seinewissenschaftlichen Leistungen vielfachausgezeichnet. 2005 wurde er zum Ehrenmitgliedder ÖPG ernannt. Außerdemwar er Korrespondierendes Mitgliedder Österreichischen Akademieder Wissenschaften.Die ÖPG betrauert das Hinscheiden ihresEhrenmitglieds zutiefst und drücktden Hinterbliebenden ihr tiefstes Beileidaus.


PersonenWolfgang Kummer15.10.1935 – 15.7.2007Wolfgang Kummer wurde 1935 inKrems geboren, wo er auch von 1945bis 1953 das Bundesgymnasium besuchte.Er studierte von 1953 bis 1958Technische Physik an der TU Wien undpromovierte in Theoretischer Physikim Jahre 1960. Die Jahre1961 bis 1965 verbrachteKummer als Fellow des EuropäischenKern- und TeilchenforschungszentrumsCERN in Genf. Dort arbeiteteer auch als Post-DoctoralFellow mit Viktor Weißkopfzusammen. 1966 wurde erzum Direktor des Institutsfür Hochenergiephysik derÖsterreichischen Akademieder Wissenschaften bestellt.1968 wurde er dann als einerder jüngsten OrdentlichenProfessoren in derGeschichte der TU Wien aufdas Ordinariat II für TheoretischePhysik berufen. Vonda an war er fast 40 Jahrean diesem Institut tätig. Von1995 bis zu seiner Emeritierung2003 war er Vorstanddes Instituts und hat maßgeblichzu seiner erfolgreichenEntwicklung und derwachsenden internationalenReputation, insbesonderein den von ihm vertretenenArbeitsbereichen der Hochenergiephysik,Quantenfeldtheorieund Quantengravitationbeigetragen. Seinwissenschaftliches Lebenswerkumfasst mehr als 170Publikationen.Wolfgang Kummer bautean der Österreichischen Akademie derWissenschaften die Abteilung Elementarteilchenphysikauf. Von 1979 bis1991 war er Leiter des interuniversitärenComputerzentrums der TU, von 1981bis 1987 war er Fachgruppenvorsitzendender Physik. Zudem engagierte ersich in zahlreichen nationalen und internationalenInstitutionen. Kummer warösterreichischer Vertreter beim CERNCouncil, wo er bald zum Vorsitzendendes Finance Committe gewählt wurdeund mit der Leitung der Errichtung desISR betraut wurde. Später wurde er Vizepräsident(1980-83) und Präsident(1985-87) des CERN Council. Zudemwar er Mitglied im FWF-Kuratorium undder ESA. Er hatte Gastprofessuren ander University of Pennsylvania, CERN,Princeton University, Brookhaven NationalLaboratory BNL und der Universityof Cambridge.Kummer hat als akademischer Lehrerund Forscher maßgeblich zur Entwicklungder Theoretischen Physik in Österreich,insbesondere auf dem Gebietder Hochenergiephysik beigetragen. Erwar der Mentor zahlreicher Forscherder jüngeren Generation, die heute imIn- und Ausland tätig sind. Sein engagierterund selbstloser Einsatz für dieWissenschaft und die Lehre, selbstnoch in der Emeritierung und trotz sichverschlechternden Gesundheitszustands,bleibt beispielhaft und verdienthohe Anerkennung.Wolfgang Kummer beeindruckte abernicht nur als Physiker,sondern in nochhöherem Maße alsMensch. Als er am27. Dezember 1985auf dem FlughafenWien-Schwechat ineinen Anschlag aufden Abfertigungsschalterder israelischenFluglinie El Aldurch drei schwerbewaffneteTerroristengeriet und schwereVerletzungen vonden Handgranatsplitternund Schrapnellkugelnerlitt, kehrteer bereits nachTagen an seinenArbeitsplatz zurückund lies es sich nichtnehmen, kurz daraufdie SchladmingerKernphysikwochenzu besuchen. Dasser dort Schi führ, warselbstverständlich.Auch auf kulturellemGebiet war er begabt- er trat auch als Pinanistund ausgebildeterTenor hervor,seine regelmäßigenK a m m e r m u s i k a -bende in Genf mitseinen KollegenVolker Soergel und Jack Steinbergersind Legende.Die Mitglieder der ÖsterreichischenPhysikalischen Gesellschaft trauernum einen hoch angesehenen akademischenLehrer und Forscher, umeinen engagierten und hilfsbereitenKollegen und viele auch um einen gutenFreund. Die Gesellschaft verdanktWolfgang Kummer sehr viel und wirdihm ein ehrendes Andenken bewahren.Den Hinterbliebenen gilt unsere höchsteAnteilnahme. Nr. 3/2007 19


AktuellesÖPG-Jahrestagung 2007 - PROGRAMM und ZeittafelBeginnMontag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag24. Sep 07 25. Sep 07 26. Sep 07 27. Sep 07 28. Sep 07Beginn8:30 8:308:45 Registrierung: Mo nur KTP Langenlois / Di, Mi 8:30 bis 16:30 / Do 8:30 bis 15:30 8:459:00 9:009:15 9:00 - 12:30: 9:00 - 10:40:9:159:30 Sem 3.6: Sem 3.6: Plenarvortrag Plenarvortrag 9:309:45 FKP + NESY FKP + NESY B.Alkofer W.Schleich 9:4510:00 Poster + Symp. Sem 1.6: GEP 10:0010:15 Carbon-Nanophys. Sem 1.5: OGD10:1510:30 Sem 1.7: MBU Sem 3.2: AMOP Plenarvortrag Plenarvortrag 10:3010:45 Sem 1.5: OGD J.Schmiedmayer J.Schneider 10:4511:00 PAUSE 11:0011:15 11:00 - 13:00 ERÖFFNUNG11:15PAUSEPAUSE11:30 Sem 1.6: GEP HAUPTTAGUNG11:3011:4511:45Öffentlicher12:00 EröffnungsvortragJahreshauptversammlung12:1512:00Plenarvortrag12:15 P.ZollerM.Bietak12:30 12:3012:4512:4513:00 13:0013:15 Fachtagung 13:00 - 18:15: M i t t a g s - M i t t a g s - M i t t a g s - 13:1513:30 KTP Sem 3.6: PAUSEPAUSEPAUSE 13:3013:45 FKP; NESY; PMP 13:4514:00 Schloss Haindorf 14:0014:15 Langenlois 14:00 - 15:00: Preisverleihung & 14:00 - 15:4514:1514:30 Sem 1.7: AKU Maturanten- Postersession 14:3014:45 Prämierung14:4515:00 und 14:00 - 18:00 PAUSE 14:00 - 15:00 15:0015:15 Di, 25.09 Sem 3.2: AMOPPlenarvortrag (LHS) 15:1515:30 Sem 1.6: GEPDiskussion:C.Ucke 15:30Rahmen-15:45 8:40 bis 17:40 Sem 1.5: OGD 15:45ExzellenzbildungProgramm:16:0016:00in den NaturwissenschaftenPlenarvortragÖffentlicher Schifffahrt16:15 16:1516:30 16:30P.Schuster16:45 16:4517:0017:00PAUSEPAUSE17:15 17:1517:3017:3017:45 17:4518:00 Preisträger- Diskussion:18:0018:15 Vorträge Naturwissenschaften18:1518:30-18:3018:45 Theologie18:4519:0019:00PAUSE19:15 19:1519:30 PAUSE 19:3019:45 Welcome-Party 19:4520:00 Bürgermeister EMPFANG 20:0020:15 d. Stadt Krems Landeshaupt- 20:1520:30 F. Hölzl mann von NÖ 20:3020:45 E. Pröll 20:4521:00 Rathaus Stein 21:00RestaurantStift Göttweig21:4520 Nr. 3/2007


AktuellesPROGRAMM der ÖPG-Jahrestagung 2007Plenarvorträge - Audi MaxR. Alkofer UNI Graz Quark Confinement: Das fundamentale Problem derHadronphysikM. Bietak UNI Wien Die Zeitmessung des Altertums: Ein schwieriger Diskurszwischen Geistes- und NaturwissenschaftenW. Schleich UNI Ulm Quantenoptik im PhasenraumJ. Schmiedmayer TU Wien AtomChips: Mesoscopic Physics with Ultracold AtomsJ. Schneider DESY Hamburg Freie-Elektronen Laser - Blitzlichter für die NanoweltP. Schuster UNI Wien Evolution und DesignP. Zoller UNI Innsbruck Kalte Atome als QuantensimulatorenPreisträgervorträge - Audi MaxLeopold Mathelitsch Uni Graz Sportphysik: Galilei gewinnt immerRoman Ulrich Sexl-PreisR. Brunner MU Leoben Ordnung im Chaos von Elektronenbahnen in offenenKarlheiz Seeger-PreisQuantenpunkt-SystemenS. Filipp TU Wien Neutron experiments on Berry's geometric phase and itsVictor Hess-PreisstabilityDiskussionsveranstaltungen - Audi MaxExzellenzenbildung im Bereich der NaturwissenschaftenBM J. Hahn, C. Kratky, C. J. Raidl, P. Schuster, P. Skalicky, A. Zeilinger / Moderation: H. FeichtlbauerNaturwissenschaften und TheologieKardinal Ch. Schönborn, H. Pietschmann, P. Schuster, A. Zeilinger / Moderation: H. FeichtlbauerEmpfang und Welcome-PartyEmpfang gegeben vom Landeshauptmann, Stift Göttweig, RestaurantLandeshauptmann von NÖ, Dr. E. PröllWelcome-Party, Stadtsaal SteinBürgermeister von Krems, F. HölzlJAHRESHAUPTVERSAMMLUNG 2007Die diesjährige Jahreshauptversammlung wird bei der 57. Jahrestagung in Krems am Freitag,dem 28.9.2007 um 10:30 Uhr im AudiMax der Donau-Universität stattfinden.Anträge, die in der Hauptversammlung behandelt werden sollen, müssen mindestens 8 Tage vorherdem Vorstand bekannt gegeben werden. Andernfalls muss die Zulassung der Anträge zurBeschlussfassung mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden. Die Versammlung ist ohne Rücksichtauf die Zahl der Anwesenden beschlussfähig.TAGESORDNUNG:1. Begrüßung, Genehmigung der Tagesordnung, Genehmigung des Protokolls der letzten Jahreshauptversammlung.2. Bericht des Vorstandes3. Rechnungsabschluss 2006 und Entlastung des Vorstandes4. Fachausschussberichte5. Anträge6. Allfälliges Nr. 3/2007 21


22 Nr. 3/2007TagungAllgemeinesTerminTagungsortTagungsleitungTagungsorganisationTagungssprache


Dr. NoVac will die Verleihung der Turbostar-Medaillesabotieren. Sie sind nominiert und er will Ihren Ruf alsVakuum-Held zerstören. Captain Vacuum, seien Siegewappnet.… sein einmaliger Einsatz zur turboschnellen Sicherungund Stabilisierung des intergalaktischen Vakuums.Nominiert für die Turbostar-Medaille in den dreiInnovations-Kategorien …… höchste Messgeschwindigkeit … … sauberstes Vakuum … … und höchstes Saugvermögen …PrismaPlusXtraDryHiMagUaahhh!!Immer gewinnt er!Der Ruhm soll meinersein!… and the winner is:Captain Vacuum mitseinen Innovationen.Pffff … hier meine Aero-Transmitterröhre – aus der Traumvom Vakuum!Dampfplauderer –nicht den Hauch einer Chance hast dugegen meine drei Vakuum-Perfektoren!So schnell, sauber undsicher kann es nur einer:Captain Vacuum rettetdas Qualitätsvakuum bisauf das absolute Nichts –auch Dr. NoVac wurdein den Luftraum entsaugt!TO BE CONTINUED …Leading innovations. Too fast to be copied.Turbo schnell: PrismaPlus, das zuverlässige Massenspektrometerzur Gasanalyse und Lecksuche. Mit hoherMessgeschwindigkeit und einfacher Systemintegration.Turbo sauber: XtraDry für ein kohlenwasserstoff- undpartikelfreies trockenes Vakuum ohne Gasrückströmung.Turbo kraftvoll: HiMag, die magnetgelagerteTurbopumpe mit höchstem Saugvermögen undintegrierter Antriebselektronik.Zuverlässige Hightech-Produkte und innovativeLösungen für Ihre Anwendungen und Ihren Erfolg –unsere Entwicklungen in der Vakuumtechnik haben dieNase vorn.Die geniale Lösung für Ihr Unternehmen:www.pfeiffer-vacuum.net


Erscheinungsort: GrazVerlagspostamt: 8010 GrazZulassungsnummer: GZ 02Z032392 MBei Unzustellbarkeit bitte retournieren anUniv. Prof. Dr. Max E. LippitschKarl-Franzens-UniversitätInstitut für PhysikUniversitätsplatz 58010 Graz

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