kostenlose PDF Leseprobe - Voodoo Press

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kostenlose PDF Leseprobe - Voodoo Press

Steven Savile

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vogelmanns

schatten

aus dem englischen von

andreas Schiffmann


Deutsche erstveröffentlichung

titel der Originalausgabe:

laughing Boy‘s Shadow

© 2006 by Steven Savile

By arrangement with the author

© für die deutschsprachige ausgabe 2012 by voodoo Press

Kein teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie,

Mikrofilm oder andere verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des

verlages reproduziert oder unter verwendung elektronischer Systeme

verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

alle akteure dieses Romans sind fiktiv, Ähnlichkeiten mit lebenden

oder verstorbenen Personen wären rein zufällig und sind vom autor

nicht beabsichtigt.

titelbild: © voodoo Press

unter verwendung eines Motivs von © iStockphoto

iSBn 978-3-902802-24-8

www.voodoo-press.com


Intro

Meine Hände sind mein Untergang. ihre Berührung kündet leise

von tod statt von anmut, obwohl sie engelsschwingen gleichen.

nein, schön sind die Gesichter wahrlich nicht, die mich jetzt aus

ihren Falten heraus anstarren, vielmehr rätselhaft, unförmig, hypnotisierend

und blutbefleckt. immerzu verlockend. Meine toten.

Die Gesichter verschwinden, wenn ich meine Hände zu Fäusten

balle. Meine toten schreien mit mir, schreien selbst hinter den ausgebreiteten

schwarzen Schwingen, die in sie gebrannt worden sind.

ich habe getötet.

Und nun kann ich nicht schlafen; in meinem Kopf gehen Dämonen

um. ich vergesse sie nicht, meine toten, und genauso wenig

vergebe ich, weil mich die erinnerung nicht loslässt. ich bezweifle

stark, dass ich zur vergebung fähig sein werde, bevor sich der Schlaf

ankündigt. Welche ironie. Poetisch und nicht zu durchbrechen.

ich bin nicht hier, weil ich um verständnis für meine Dämonen

buhlen will. Die vergangenheit steht fest, und was hilft es, an

ihr zu rütteln? ich bin hergekommen, weil ich reden will.

Heute nacht ist es bitterkalt hier draußen auf der Brücke. Der

Wind ist beißend, ein weiterer Schrei in meinen Ohren.

Hier zerbrach meine Welt.

auf diesem Überweg.

Seitdem lebt jemand anderes in mir; jemand, der alles Böse gesehen

hat, das die augen erfassen können, und es vorbeiziehen ließ

wie vom Blut rote Wassermassen unter dieser Brücke.

er wurde verraten. Betrogen. Belogen.

er heißt Declan Shea, und mehr als der name ist ihm nicht

geblieben.

in dieser Hinsicht unterscheiden wir uns nicht großartig.

Ich heiße Declan Shea, und mehr als der name ist mir nicht

geblieben.

ich bin zurückgekehrt, um die lichter übers Wasser hinweg

zu betrachten. Unerreichbar wie die Himmelspforten erschei-

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nen sie mir. Mehr als alles andere möchte ich losgehen. ihr begreift

nicht, was das bedeutet – noch nicht, aber das wird sich

bald ändern …

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tHEME onE

BEGGArS BAnQUEt


tHE roAD to rEDEMPtIon

noch nicht einmal drei Uhr morgens, und schon hatte ich den

Samstag als eine von zahlreichen Miseren abgehakt, die sich mir

ständig aufdrängten.

neigt ihr auch dazu, tage mit Gerüchen in verbindung zu

bringen? nun, mein Samstag müffelte widerlich wie der verfall

am Fleischmarkt.

Draußen goss es in Strömen. Sportwagen werden generell nicht

für Regenwetter gebaut. Das Faltverdeck meines Midgets war undicht,

und die Heizung hatte eine Woche zuvor den Geist aufgegeben.

Damit nicht genug. als ich über die Brücke nach Gateshead

fuhr, verfiel der Radio-DJ gerade in den monotonen Reigen von

Schnulzen, die den einsamen dort draußen über die schlimmsten

Stunden der nacht hinweghelfen sollten. allein schon die augen

aufzuhalten, bereitete mir Mühe. ich war überhaupt nicht in der

Stimmung, noch eine Runde weinerlichen Bullshit über mich ergehen

zu lassen, also schaltete ich von Radio auf tape um, und als

ich die Split Crow Road erreichte, ließen mich The Surfing Brides

wissen, alles werde gut, auch wenn die Welt untergehe.

»everything’s Fine (if The World Was Going to end)« ist ein

erhebendes lied, und die Wahl passte in diesem augenblick recht

gut zu meiner laune. Dafür hatte ich das auto voller Musik, die

garantiert die liebe mit keinem einzigen Wort bedachte.

ich wollte zu Hause sein und mich im Bett an aimees weichen,

zusammengerollten Körper kuscheln, statt verkrampft hinter

dem Steuer durch newcastles trostlose Parodie amerikanischer

Großstadtgettos zu fahren – finstere Gassen, Brücken und Graffiti.

Umrisse eines vogels beanspruchten eine Seite der Fassade eines

Wohnungshochhauses komplett für sich, da er mit seinen zu

einem dreißig Fuß hohen v aufgespannten Flügeln am Dach des

Gebäudes kratzte. Selbst der Schattenfall war bis ins Detail ausgearbeitet,

wobei wohl nur Gott allein wusste, wie der Künstler dies

hinbekommen hatte. Während der dreizehn Wochen, seit denen

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der vogel dort prangte, war ich dieser Frage fast jeden tag nachgegangen,

ohne einer plausiblen antwort näherzukommen.

Die ampel vorne am Kreisverkehr schaltete auf Rot um. Gähnend

spielte ich noch mit dem Gedanken, sie zu überfahren, trat

aber bereits auf die Bremse. Da sonst niemand unterwegs war, ließ

ich die Grünphase verstreichen, während ich in den taschen meiner

Jacke auf dem Rücksitz kramte. noch einen tick weiter ausstrecken,

schon hatte ich Zigarettenetui und Feuerzeug zur Hand.

Die vorliebe für Selbstgedrehte hege ich seit der guten alten Zeit

als Student auf der liverpooler Uni. es ist ein beruhigender Prozess,

seine eigenen Zigaretten zu drehen, sie anzuzünden und den

Rauch wie einen Schleier vor die augen steigen zu lassen. ich kenne

nach wie vor keine billigere art der Therapie. abgesehen davon

bin ich kein idiot. ich lebe schon lange mit meiner Sucht und verglich

die selbst gemachten Sargnägel immer gern mit Seelenklempnern

für die tasche. Falls jemand blöde genug war, mich darauf

anzusprechen, sagte ich ihm: »So fällt es mir leichter aufzuhören.«

Kann sogar sein, dass es stimmt, aber wenn nicht, ist es auch

egal. Gelegentlich rauche ich gern mal eine und fühle mich gut dabei.

Wenn die Ärzte sagen, meine lungen seien vom Krebs zerfressen

und meine tage gezählt – nun, dann wäre es ohnehin zu spät.

vielleicht hätte ich längst anfangen sollen, meine hausgemachten

virginia-leaf-Dübel im akkord zu rauchen oder mir nikotin intravenös

zu spritzen.

Während ich ein weiteres Gähnen unterdrückte, massierte ich

mit der Faust mein schmerzendes Kreuz über dem Becken und

streckte mich, um die Schultermuskulatur zu lockern. ich war

verbraucht und die vergangene Woche kam mir vor wie ein endloses

Pendeln zwischen Gateshead und Klavierhockern in der Zivilisation.

Zweimal london und zurück in drei tagen. alle Pein,

die zwölfhundert Meilen anrichten konnten, auf ein Quadratzoll

Wirbelsäule oberhalb meines Gürtels verdichtet, und zwar ebenfalls

hoch zwei. einmal zum Golden Square, um dort sechs frei

improvisierte Songs für tachyon Webs Live and Unplugged Session

on Virgin 1215 zu spielen – weshalb eine Metal-Band mit ei-

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nem Jazzpianisten anbandelte, wollte ich gar nicht genau wissen

–, und dann zurück in die Charlotte Street zum vorspielen beim

Bandcasting für ein talkshowformat, wie die Macher von Kanal

4 sie unentwegt aufkochten, seit The Last Resort den Bach hinuntergegangen

war. abgerundet hatte ich diesen Marathon, indem

ich bei einer Band namens Poetic Justice für einen Jazzclub-Gig

eingesprungen war, nur um mir hinterher noch die nacht beim

Pokern mit den Jungs um die Ohren zu hauen.

Dennoch und um ein Klischee zu missbrauchen: Meine aufgabe

war es nicht, das Weshalb zu eruieren, sondern die Kohle einzustecken

und mich meinem kleinen leben zu widmen. Wer mich

fürs Spielen bezahlte, durfte sich meiner Dienste sicher sein. ich

stand dazu, mich mit der Mindestbegabung, die Gott mir gegeben

hat, zu prostituieren.

Beim zweiten Mal nahm ich die grüne ampel.

ich blinkte links und bog in die Old Durham Road ein.

ich hasste Städte. Seit jeher.

Gateshead bei nacht ist ein sterbendes tier. Die Straßen waren

wie leer gefegt. Die Kinderbanden lagen längst daheim im Bett,

während das ältere zwielichtige Gesindel aus seinen Räuberhöhlen

kroch und sich der heiklen verlockung unbeaufsichtigter autoradios

hingab. versoffene Obdachlose – Männer wie Frauen –

schlüpften unter einkaufswagen und Parkbänke, nicht ohne ihre

Flaschen und den chronischen Mundgeruch mitzunehmen. Frauen

trauten sich nur paarweise vor die tür, weil eine von drei Straßenlaternen

ausgefallen war. in jeder Gasse gab es verbretterte Fenster,

und auf der lover’s lane stand mittlerweile eine tankstelle, womit

die Wirtschaft einen weiteren Markstein meiner Jugend zertrümmert

hat. Zwischen die Bögen der eisenbahnbrücke zwängte

sich nun ein halbseidener Werkstattbetrieb, dessen Container voller

Schrott sich über genau die Straße ergoss, auf die anständige

Kids – ich war eines davon – einmal augenzwinkernd zurückblicken

würden: »Klar, das war damals so, aber ich bin längst darüber

hinweg.«

Streunende Katzen und Hunde, unter deren schlaffer Haut spitz

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die Knochen hervorragten, durchstöberten die Mülleimer nach irgendetwas

essbarem. Deren inhalt prägte schon immer das gängige

Stadtbild noch stärker als der verkehr, zumal die autos dem

Dreck optisch ernsthaft Konkurrenz machen.

Der Ort stank nach Missstand, Schmutz und Zerfall, doch ich

habe gelernt, ihn als mein Zuhause zu bezeichnen.

Die Straße wand sich ins labyrinth der Stadt. im vergleich zu

dem, was Daedalus für Minos gebaut hat, ist es nichts; die Straße

schlängelt sich vom tyne-Ufer meilenweit an roten Backsteinen

und Betonbunkern vorbei hinauf in die Gegend um den Saltwell

Park und schließlich heim.

ich meinte es ernst, als ich sagte, dass ich Städte hasse; es gibt

nur wenig mehr, was mich zur Weißglut bringt. ich verachte die

lügen, die mit zahlenmäßigen Superlativen und dicht gedrängten

leibern einhergehen. Mich widert an, dass sie mir und anderen

von meinem Schlag die Unschuld genommen haben, indem

sie uns im Gegenzug die Welt versprachen. ich weiß, wie man

sich als junger Mensch fühlt, wenn zarte, blauäugige träume mit

jedem Schritt zwischen Schuhsohlen und harten, kalten Pflastersteinen

zerbröckeln. Umgeben von leuten, die gut lachen hatten,

weil sie nicht allein waren, zog ich als Jugendlicher allein umher

und überlebte. vielen gelang das nicht. Und nur wenigen würde

es noch gelingen.

Die Songs wechselten. ich hatte aufgehört, darauf zu achten.

lärm war lärm. ich dachte über aimee nach und was sie im Heim

wohl heute wieder erlebt hatte. Das Arnessen Refugium nahm unter

anderem misshandelte Kinder auf. Sie wusste, was ich darüber

dachte: aimee war nicht abgebrüht genug, um mit den verbrechen

dieser Bastarde fertig zu werden. ich wollte für sie da sein,

wenn es hart auf hart kam, aber schon an ihrem ersten arbeitstag

dort hatte ich mir geschworen, mir jedes »ich hab dich gewarnt«

zu verkneifen.

vermutlich lag es daran, dass mir keine anderen Fahrzeuge

begegneten, vielleicht auch an der schönen Regelmäßigkeit der

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Kurven und abzweigungen, während sich die Häuser allzu gewohnt

zur trist verbauten Stadtkulisse aneinanderreihten. Jedenfalls

dämmerte ich allmählich dahin. So driftete ich mehrmals

über den Mittelstreifen weg. Schneller, als es vernünftig bei solchem

Regen war. Schließlich gähnte ich wieder und gab mir einen

Ruck, um mich zur Konzentration zu zwingen. Dazu rieb

ich mir den Schlaf aus den augen.

Oh, das wirst du nicht tun, oder? Verdammt noch mal, wag es

ja nicht …

Das war mein erster Gedanke, als ich ihn auf der Straße stehen

sah. Ungefähr hundert Yards entfernt. ein dunkler ein-

Zoll-Strich, den die Scheibenwischer nicht entfernen konnten.

im perfekt runden Kegel der Scheinwerfer des Midgets flatterte

sein abgetragener Staubmantel wie schwarze lumpen im Wind.

Die Rockschöße aus Kammgarn schlugen gegen seine Beine, was

aussah, als wolle ihm ein fieser Pinscher in die Waden beißen. er

glotzte mich unbeeindruckt an und fuchtelte mit einer Flasche

Hochprozentigem herum und alles, was mir in den Sinn kam,

war: Der Bastard will Schisshase spielen!

Keine ahnung, wie ich darauf kam. Scheinbar war eine Hintertür

in meinem Hirn aufgegangen, um diese eine und plötzlich

eiskalte Gewissheit hereinzulassen: Der alte irre putschte

sich hoch für einen Zusammenstoß, den er mit seiner klapprigen

Statur nur verlieren konnte.

»Du willst Selbstmord begehen«, murmelte ich im versuch,

den nebel der Müdigkeit um meinen Schädel zu vertreiben.

»Schön, aber mag dich nicht auf dem Gewissen haben.«

Sein Gesicht wurde durch ein breites Grinsen gespalten;

eine Grimasse, bei der es sich um eine optische täuschung handeln

musste. So rasch die entfernung schwand, zogen sich die

schummrigen Ränder meines Gesichtskreises zusammen, und

ich erfasste die Welt – die wirkliche Welt – vor der Windschutzscheibe

gestochen scharf. Der alte Mann wirkte in diesem bizarren

Helldunkelgemälde seltsam glückselig, obwohl seine Beine

gegen den Kühlergrill krachen würden, ehe sein Körper wie eine

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Gliederpuppe durch die luft wirbeln und er seinem Schöpfer

entgegentreten würde.

als sich unsere Blicke begegneten, kam die entsetzliche erkenntnis:

ich war der Mörder, er das Opfer. ich wollte mir einreden,

die Reflexion der Scheinwerfer habe mich bloß geblendet,

aber dem war nicht so. im Regen verschwamm sein Bild, als zerfließe

er. Seine augen schienen mich anzuflehen, ich müsse das

Gaspedal durchtreten und ihn schnell umpflügen, aber ich konnte

nicht. instinktiv rammte ich den Fuß auf die Bremse und richtete

ein Stoßgebet gen Himmel: »Bittebittebitte …«

an welchen Gott oder engel auch immer, der samstagmorgens

um drei Uhr über Klavierspieler und Penner wachen mochte.

Der eindruck, dass die Reifen auf dem asphalt griffen, währte

nicht lange. Stattdessen stellte sich entsetzen ein, als der regennasse

Belag das kümmerliche Profil, das ich noch nicht abgefahren

hatte, hinfällig machte. Die Räder blockierten, und ich verlor

die Kontrolle über den Midget, noch bevor ich die Gelegenheit

dazu bekam gegenzulenken.

Mein Gebet war auf taube Ohren gestoßen; nicht, dass ich mir

echte Hoffnungen gemacht hätte.

er trat auf die Straße, blieb stehen und streckte die Hände mit

der Flasche darin aus, wie um den aufprall abzufedern oder den

Midget im Freilauf abzulenken. Beides schien für ein Gerippe wie

ihn unmöglich, und seine verzerrte Fratze deutete an, dass er sich

dessen völlig bewusst war.

Die nadel des tachometers schwenkte geradezu scheußlich elegant

nach links zurück. von sechzig auf null. Der Wagen wurde

jedoch nicht langsamer.

Warum ich?, wollte ich schreien – und tat es letztlich auch, obwohl

ich nicht weiß, ob selbst besonders hellhörige Ohren meine

lautäußerungen als Worte erkannt hätten.

Und als er schließlich durchs Blauschwarz der nacht flog, hörte

ich einzig sein lachen.

Die vage vermutung wurde zur Gewissheit: ich war mir sicher,

ihn umgebracht zu haben. Bewegen konnte ich mich nicht –

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nicht einmal, um es herauszufinden. Mit einem Mal war ich das

Opfer, wartete nach dem eklat in fassungsloser agonie auf die

Sirenen von Polizei und notarzt, die sich anschickten, die Scherben

aufzusammeln.

Meinen Händen jedoch widerstrebte dies; sie zogen am türgriff

und öffneten die tür. Bevor mich noch das Zittern übermannen

konnte, schlüpfte ich aus dem Fahrersitz und stellte

mich auf die Straße, dabei vernahm ich vage Geräusche. Musik.

Die Kassette lief noch, doch welcher Song, konnte ich nicht sagen.

andere autos auf den benachbarten Straßen trotzten der

verhältnismäßigen Stille, die sich dem anschein nach über die

gesamte Strecke vom Hotel an der nächsten ecke bis zurück zur

ampel gelegt hatte. Hinter verschlossenen türen hielten Fernseher

Scharen Schlafloser bei laune. Bloß die Sirenen blieben aus.

ich wischte mir Blut aus den augen.

nachdem ich den alten Säufer erwischt hatte, war der Wagen

ins Schlingern geraten, doch statt mich richtig zu verhalten

und einzulenken, hatte ich mit reichlich Gebrüll versucht, gegenzusteuern

und das Heck ruhig zu halten, wodurch der Midget

einen noch engeren Bogen beschrieben hatte. ich hatte fest

damit gerechnet, mich zu überschlagen. Während einer Reihe

aberwitziger 360-Grad-Drehungen war ich in äußerste Panik

geraten und hatte alles um mich herum ausgeblendet, um letztendlich

frontal und mit Knochen zermürbender Wucht gegen

einen laternenpfosten zu krachen.

Dass ich angeschnallt gewesen war, hatte mir wahrscheinlich

das leben gerettet. ansonsten wäre ich mit ziemlicher Gewissheit

mit dem Kopf durch die Scheibe geschleudert worden. nachdem

ich wieder in den Sportsitz gepresst worden war, hatte ich alles

wie durch einen Rotfilter wahrgenommen. Blut in den augen.

Kaum dass ich den Rückstoß verwunden hatte, war ich erneut

ins lenkrad katapultiert worden, als wöge ich überhaupt nichts.

Weniger als nichts. Mindestens eine Rippe hatte ich mir gebrochen,

als ich wie ein Crashtest-Dummy zwischen den straffen

Schultergurten hin und her geworfen wurde. Da ich den Knacks

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innerlich gespürt hatte, hätte ich eigentlich Schmerz empfinden

müssen, doch durch den adrenalinschub – oder was auch immer

– fühlte ich mich nur benommen. einzig beim einatmen

stockte ich, weil es wie ein nadelstich wehtat. einer der Splitter

musste einen lungenflügel durchlöchert haben, denn mit jedem

Zug wurde das luftholen schwieriger.

als ob sich meine lungen mit Blut füllten oder langsam kollabierten.

in meiner morbiden Fantasie hatte ich mir bereits Bestattungsszenarien

ausgemalt, noch ehe meine Hände selbstständig

geworden waren: loch in der lunge. Hämorrhagie. innere Blutungen.

Rest in pieces – ruhe in Stücken.

Kurz nachdem ich ausgestiegen war, brach ich zusammen.

Dann zwang ich mich zum aufstehen und knickte erneut ein,

weshalb ich mich ans auto lehnen musste.

Mehr Blut tropfte in meine augen. ich rieb mit dem Handballen

daran, ohne den roten Schleier loszuwerden.

er lag in einer Pfütze mitten auf dem asphalt, zerteilt von der

weißen linie; eine kaputte Puppe. Die laterne strahlte nur zum

teil direkt auf seinen Körper; vom Rest ließen sich nur schattige

Umrisse erkennen. Jämmerlich klein sah der alte Kerl aus, zerknittert

nach dem Sturz. auseinandergebrochen. leckgeschlagen

und auslaufend. Sein Mantel war zerfleddert und schwarz vom

Blut und Wasser, das er aufsaugte, röter jedoch am Bauch, um

den sich der Stoff gewickelt hatte. Da er von dort aus bis zum

Schritt aufgerissen war, sah er aus wie eine Reliefkarte des verfalls.

ein unterschwelliger Hinweis auf die anatomie dieser Stadt.

im tod hatte er die Beine wie ein Freudenmädchen breitgemacht

und lud damit jeden weiteren autofahrer ein, über ihn

zu rollen. ich ertrug den anblick nicht.

Gott sei Dank blieb er gesichtslos, denn die Schatten verbargen

wie ein leichentuch seine starren Züge. er besaß keine erkennungsmerkmale,

weder augen noch nase und Mund, um

durch die gerinnende Schwärze zu atmen, die ihn umgab. nichts.

Wir mussten wie die grausigen Überreste einer Schießerei

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ausgesehen haben. Zwei Revolverhelden. einer tot, bloß ohne

Kugel im Kopf, der andere schwer verwundet und vom Schmerz

gebeutelt, aber nicht am Boden. noch nicht.

Mich auf die Beine zwingend – das tat weh! – begab ich mich

zu ihm. Dabei erlebte ich eine dieser gefühlten ewigkeiten, in der

ich ging und ging, jedoch anscheinend nie ankommen sollte. ich

wähnte mich auf einem nagelbrett mit Messern in der Brust und

spürte sie bei jedem atemzug. Dass ich im Blut ersoff, nahm ich

deutlich wahr, da ich immer flacher luft holte, je weiter meine

lungen in sich zusammenfielen. Dann stand ich über ihm und

schaute hinab auf die verheerungen des Zusammenpralls. Die

Flasche hatte ein loch in seinen Hals gerissen. Sie wiederum war

abgebrochen und stecken geblieben. Blut quoll stoßartig aus der

Wunde, als ich auf die Knie sank. Das Glas fungierte als Katheter

zum aderlass, doch auch der hörte irgendwann auf.

ich musste etwas tun, wenn auch nicht auf irgendwelche

lebenszeichen spekulieren, denn das erübrigte sich. Zögerlich

legte ich dem toten die Hand auf die Wange, da spürte ich eine

durchdringende Kälte, obwohl er erst vor kaum zwei Minuten

sein leben gelassen hatte. ich zuckte zusammen, obwohl ich mir

vorgenommen hatte, nicht zu erschrecken. Bei näherer Betrachtung

fiel mir auf, wie alt er gewesen war und wie gebrechlich er

wirkte. »Oh mein Gott …« Das Flüstern wuchs sich zum lauten

Schrei aus. Seine augen standen offen und schienen mich

direkt anzustarren. Zu durchbohren. ich wollte mich entschuldigen.

ihm sagen, wie leid es mir tat. er sollte erwidern, es gehe

in Ordnung, weil es nicht mein Fehler gewesen sei, sondern ein

Unfall. Für all diese Worte fehlte uns beiden jedoch die luft.

Stattdessen einte uns das Blut, das von den Fetzen an seiner offenen

Brust in meine Kleidung sickerte. Ja, das Blut war uns gemein,

wenn auch wenig sonst.

Schwer atmend und unter großer anstrengung erhob ich

mich wieder. Meine lungen pfiffen im wahrsten Sinn des Wortes

aus dem letzten loch. einen Moment lang glaubte ich ernsthaft,

es sei vorbei und ich könne mich nicht mehr auf den Bei-

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nen halten, obwohl ich genau dies tat. Statt aber umzufallen

und binnen weniger Minuten tot an seiner Seite zu liegen, blieb

ich obenauf und taumelte zum Wagen zurück. Die Motorhaube

hatte sich zur Gänze um den schiefen laternenpfosten gewickelt,

der somit aussah wie ein fallender Himmelsbote, der gerade die

Schwingen auszubreiten suchte, um sich zu fangen. Zweimal –

nein, noch öfter blieb ich stehen und stützte mich an geparkten

autos, Straßenschildern und schließlich dem fiktiven laternenengel

ab, bis ich im Fahrersitz zusammensackte.

Mein Handy klemmte nicht am ladegerät. im Handschuhfach,

an dem ich nestelte, bis es aufsprang, lag es ebenfalls nicht.

es lag unterm Beifahrersitz. ich wählte dreimal die neun und

horchte ungeduldig auf das Freizeichen.

als mich die Disponentin fragte, welchen Dienst ich brauche,

atmete ich so gequält, dass ich das Wort notarzt kaum über

die lippen bekam. ich gab an, wo ich mich befand und was passiert

war. Dann ließ ich das telefon fallen, schloss die augen und

wartete wahlweise auf ambulanz oder asphyxie – je nachdem,

wer oder was das Rennen gewann.

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(WHEn I’M WItH YoU I’M) All AlonE

Bittersüßes erwachen. aimee saß auf der Bettkante, als ich die

augen aufschlug, ich sah ihre tränen nicht, weil sie mit Kartenmischen

beschäftigt war. Schließlich legte sie die zweiundvierzig

handbemalten Immram-Karten im Kreis aus, ihren Herzenswunsch

in der Mitte. Die Sonne schien durch das Fliegengitter,

doch es war nicht die Sonne, vor der aimee sich versteckte. Sie

fuhr sich mit ihren schlanken Fingern durchs Haar und raufte

den wasserstoffblonden Bob unruhig, sodass die Strähnen ihre

nackten Schultern umspielten, eine verwegene ahnung des

Paradieses. ich rang mir ein lächeln ab, aber sie schaute mich

nicht an, worüber ich andererseits froh war, weil sie das Zucken

nicht sah, mit dem meine lippen mich verrieten.

Sie rutschte herum und betrachtete gedankenversunken

die anordnung der Karten, vom Beginn der Seereise bis zur

landung auf den verschiedenen inseln voller Farben, Gefahren

und Wunder, das Glasmeer und die namenlose Jungfrau

am Gestade von Tir-nam-béo, dem Reich der lebenden. Wie

sich Grün und Gold, Blau und Rot im abstoßend arglosen turnus

auf der Bettdecke auffächerten, dienten sie ihrer Seele zum

Geleit. aimee stützte ihr Kinn geistesabwesend auf den Fingerspitzen

ab. ich versuchte, anhand ihrer Mundbewegung zu

erkennen, welche Karte sie im augenblick betrachtete – den

Formwandler mit geisterhaftem Geweih am Kopf eines großen

Hundes, ein Fabelwesen einem Hirsch mit anmutigem,

weißem Schwanz ähnlich, das fortwährend die Gestalt wechseln

und zum löwen oder adler werden konnte; die sich verbeißenden

Pferde über einem Meer von Blut; das eherne tor

zu einer Säuleninsel, das Mael Dúin und seinen Gefährten verschlossen

blieb; den Feuerbaum mit flammendem Geäst; die

trauernde Königin, die am hohen Gestade vor der vertraut roten

See und der Steinsäule mit dem eingemeißelten Gesicht urtümlichen

Kummers ihr leid klagte …

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ich wusste, dass sich aimee nicht zu einem »Oh Declan«

hinreißen lassen würde, sobald sie merkte, dass ich zu mir gekommen

war. Sie gehörte nicht zu der Sorte Frauen, die großes

Hallo machten. trotz ihres erscheinungsbildes – zur Dreiviertelhose

gestutzte levi’s 501 in Schwarz, dazu passende

Wollsocken und Doc Martens mit achtzehn löchern, ein billiges

weißes t-Shirt unter schwarzer Weste mit drachenköpfigen

endlosverzierungen, die sich nur dem anschein nach

veränderten – war sie viel zu empfindsam, um sich auch nur

ansatzweise so zu geben. ich legte den Kopf zurück auf mein

bauschiges Kissen und schaute ihr mit feuchten augen beim

Kartenspiel zu, während sie versuchte, ihre eigenen tränen zurückzuhalten.

aimee entsprach den gängigen Schönheitsnormen beim besten

Willen nicht. ihre nase war etwas zu lang, und der teint

etwas zu wächsern, ihre Füße zu groß, sie war insgesamt etwas

zu lang geraten.Wirklich alles an ihr wirkte ungestüm. Roh,

frisch und erfrischend. Während sie versuchte, die Immrama

zu deuten, nagte sie an ihrer Unterlippe.

Sie sammelte die Karten mit einer fließenden, trügerisch

selbstsicheren Handbewegung ein, mischte und legte sie drei

weitere Male aus, bevor sie sie ordnete und in den türkisfarbenen

Beutel verstaute. Da sie die insel der trauer dreimal in

ihrem eigenen Haus aufgedeckt hatte, bestand kein Zweifel

mehr an dem Weg, der ihr vorgegeben war. vielleicht verbreiteten

Krankenstationen schlechtes Karma oder so, keine ahnung.

ich will gar nicht erst so tun, als glaube ich an diesen

new-age-Hokuspokus-Scheiß. ich nicht. aber sie tat es dafür

umso fester, und dass sie nun zufällig dreimal die trauer erwischt

hatte, machte ihr schwer zu schaffen. Sie hatte die augen

zusammengekniffen, sodass man das Blau ihrer Pupillen

nicht mehr erkannte, und atmete in kurzen Stößen.

ich versuchte, mich aufzusetzen, doch flammte der Schmerz

zwischen meinen Rippen erneut auf, weshalb ich wieder ins

Kissen sank. einen augenblick, wohl nur zwei Herzschläge

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lang, musste ich das Bewusstsein verloren haben. entweder das

oder ich hatte bloß die augen vor lauter Schmerz geschlossen.

Da lag so viel in diesem Blick. So viel Herzschmerz in dieser

geteilten Sekunde. Und ich lag richtig, es empfing mich kein

»Oh Declan«-Willkommensgruß unter den lebenden. Meine

augen sagten: »ich liebe dich.« ihre: »Du hast mich verraten.«

Der Schmerz in meiner Brust war nicht allein dem Bruch

geschuldet. ich schniefte. aimee gab ihr Bestes, um zu lächeln.

»Was für ein Paar«, sprach sie, trocknete ihre augen und versteckte

die Karten nahezu unbewusst. Sie wusste, was ich von

diesem esoterik-Quatsch hielt.

ich musste nicht fragen, wo ich war, weil ich die roten Backsteinmauern

durch das einzige Fenster des Zimmers wiedererkannte.

es war das Royal victoria Krankenhaus in der nordstadt.

etwas hatte ich dennoch auf dem Herzen:

»Der alte Mann, ist er …?«

Warum aimee mich scheel anschaute, dämmerte mir nicht

einmal im ansatz. ich bin ein vertreter der modernen auffassung:

Wedle doch mit deiner Dummheit wie mit einer Fahne,

anstatt sie zu verstecken. ich räusperte mich; das hat mein vater

auch immer getan, wenn er auf ein besonders heikles Thema

zu sprechen kam, wenn auch sonst nie.

»Der alte Mann«, wiederholte ich. »Der Obdachlose. ist

er tot?« ich wusste die antwort, denn ich hatte seinen nicht

vorhandenen Puls überprüft und die eisige leichenstarre unter

seiner Haut gespürt, musste es aber in meiner Dämlichkeit

noch einmal laut aus anderem Munde hören.

Sie schüttelte den Kopf, wusste eindeutig nicht, was ich

meinte, und ließ mich somit vorübergehend an mir selbst zweifeln.

Dann sah ich die Flasche, seine ausgestreckten Hände

und wie er starrte. Sein Blick bohrte sich in mein Hirn, und

ich dachte erneut: Wag es ja nicht …

Oh Gott … alles war wieder da.

»Der alte Mann. ich hab ihn mit dem auto umgefahren.«

ich kam mir vor wie ein Schauspieler wider Willen in einem

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Theaterstück, der immer wieder den gleichen text aufsagen

musste. Wie oft ich es auch wiederholte und anders formulierte,

erntete ich jedes Mal die gleiche Reaktion – Unverständnis. aimee

redete auf mich ein, als sei ich ein kleines Kind, als sie mir

zu verstehen gab: »Du hast einen laternenpfosten gerammt,

Declan. niemand sonst war beteiligt. Du hast keinen Menschen

verletzt oder umgebracht. es war nur eine Metallstange.«

aimee verließ das Zimmer, um einen arzt zu rufen. ich fiel in

den Schlaf – eingeschlafen statt wie bis dahin halb vor mich

hin dämmernd – bevor sie zurückkam.

Unterbewusst hing ich verdammt finsteren Gedanken nach,

meinem abgründigen Geheimnis, das den tröstlichen Schlaf

überdauerte und sich letztendlich auch in den Wachzustand

hinüberrettete.

am Morgen nach dem Unfall wachte ich schweißgebadet

auf, unsicher, inwieweit das, was mir noch im Kopf herumspukte,

nur ein traumgespinst war. Der Unfall, der Gesichtsausdruck

des alten, der sich kurz vor dessen tod verändert

hatte.

ich lag allein im Zimmer und hätte heulen können. es

handelte sich um die übliche Klinikzelle mitsamt fade blauem

Farbschema und einer Duftmischung zwischen ammoniak

und Desinfektionsmittel. Wie einem neugeborenen hatten sie

mir ein Band ums Handgelenk gewickelt: Shea, Declan Thomas

stand mit blauem Kuli in großen Druckbuchstaben auf

dem Plastik geschrieben. Das diente wohl der Sicherheit, falls

irgendjemand vergaß, wer ich war. Und das Schlimmste daran

war, das ich mir sogar lebhaft vorstellen konnte, wie sie

die Stationen Raum für Raum nach meinem verschwundenen

Körper absuchten, indem sie wortlos die arme ihrer Patienten

hochhoben und sie auf einer anwesenheitsliste abhakten.

aimee hatte ihr Buch offen wie einen toten Schmetterling

auf dem tischchen neben dem Fenster liegen lassen, daneben

ihren tragbaren CD-Spieler, Sandwiches und eine Dose Cola

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sowie eine kleine auswahl an Musik: Jules Sheer, Sister Double

Happiness, liz Phair, Dave Matthews, Carlos Santana und

zwei weitere CDs, deren titel ich nicht erkannte, weil das licht

ungünstig von ihren Hüllen reflektierte.

als ich meine Hand ausstreckte, spürte ich sofort wieder dieses

isolierte Stechen im unteren Rippenbereich. ich tastete behutsam

nach der empfindlichen Stelle und ortete sie etwa eine

Handbreit unter meiner rechten Brust. am Fuß des Bettes hing

die Befundkarte des Chefarztes, der fachkundig unter anderem

mehrere gebrochene oder angerissene Rippen ausgemacht

hatte. ich haderte mit der schweren Decke dabei, mich weit genug

aufzurichten, damit ich die Karte zu fassen bekam, doch

als es mir nicht gelang, gab ich mich zumindest für diesen Morgen

damit zufrieden, langgestreckt dazuliegen und nichts weiter

anzuschauen als einen drei Quadratfuß großen ausschnitt

der Zimmerdecke.

ein Bügelkopfhörer, mit dem man dem hauseigenen Radiosender

lauschte, hing in Reichweite, doch just, als ich ihn ergreifen

wollte, widmete ein fiktiver Moderator in meinem Geist das

nächste Stück Mary, der Frau von Station drei, die an leukämie

starb. ich streckte mich nicht mehr danach.

Für jemanden seiner Zunft, der noch so jung war, bekundete Stephen

Carroll sein vermeintlich tiefes Mitgefühl mit bemerkenswert

unverhohlener Resignation. Rekordarbeitszeiten von schätzungsweise

siebenundachtzig Stunden die Woche mit unheilbar

Kranken ließen sein mattes lächeln nicht überzeugender wirken.

Sollte ich Zuversicht aus dem unterdrückten Gähnen meines arztes

schöpfen, hätte sich unweigerlich enttäuschung eingestellt,

und bei wem von uns beiden, muss ich nicht eigens erwähnen.

ich schöpfte ungefähr so viel Hoffnung wie Chicken licken in

der Fabel, der dachte, er allein müsse den Himmel hochhalten.

»nun, wie fühlen wir uns heute Morgen, Mr. –« Carroll warf

einen Blick auf seine Kartei, während ich den starken Drang

verspürte, ihm mein armband unter die nase zu reiben; dann

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wäre es wenigstens zu etwas brauchbar gewesen. »Shea? tun ihnen

die Rippen weh?«

»nur diese und diese«, witzelte ich bemüht, indem ich mir

an die Brust fasste. Dies sorgte nicht eben für Überschwang. ich

entschied mich dagegen, ihn zu fragen, ob ich je wieder Klavier

spielen könne. Mich beschlich das unangenehme Gefühl, dass er

meinen Sinn für Humor nicht sonderlich mochte.

»Gut, gut, und wie geht es dem Kopf? Bei solch einer erschütterung

können Sie von Glück reden, Mr. Shea. Die Blutung

hat aufgehört, und weitere Komplikationen blieben so weit

aus, aber natürlich werden wir Sie noch eine Weile beobachten,

nur um sicherzugehen.«

»Klar. ich fühle mich gut«, log ich in der Hoffnung, der Rest

seines Geredes bliebe mir erspart. ich glaube nicht, dass er bewusst

herablassend klingen wollte. Wenn er seinen Job nicht irgendwann

einmal mit Hingabe erledigt hätte, wäre er nicht zu

diesem Posten gelangt. vermutlich hätte Carroll zwei Jahre vorher

unter ähnlichen Umständen aufrichtige anteilnahme gezeigt,

doch nun deutete alles an ihm – seine Körperhaltung und die art,

wie er mit hochgezogenen augenbrauen auf meine akte schaute

– darauf hin, dass er zu viel gesehen hatte, um einen idioten zu

bemitleiden, der um drei Uhr morgens in seinem Sportwagen gegen

einen laternenpfahl gekracht war. »Was passiert ist? ich erinnere

mich daran, wie der Wagen ins Schleudern geraten ist, aber

danach …« ich zog die Schultern hoch und täuschte eine Gedächtnislücke

vor, in der Hoffnung, dass Carroll vielleicht etwas

über den alten Mann preisgab. ich legte es mir so zurecht, aimee

wolle die Wahrheit vor mir zurückhalten, bis ich wieder so weit

gefasst war, um der tatsache ins auge zu sehen, dass ich einen

Menschen auf dem Gewissen hatte. Carroll hingegen wirkte auf

mich nicht sonderlich einfühlsam. ich erwartete die Wahrheit, und

zwar rundheraus, doch was folgte, verstörte mich nur noch mehr.

Unmerklich runzelte er die Stirn. er hatte sich mit aimee unterhalten.

Wir verstanden uns: keine Gefälligkeiten. Die hatte ich

nicht verdient.

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»Da ich es nicht genauer weiß, war es so, wie Sie es sagen. Sie

haben die Kontrolle über den Wagen verloren, Mr. Shea, und

sind deshalb gegen einen laternenpfosten gefahren. Beim aufprall

zogen Sie sich ein mittelschweres Schädeltrauma und drei

gebrochene Rippen zu und ein Splitter hat zudem ihren rechten

lungenflügel perforiert, und aus diesem Grund fühlen Sie sich,

als sei eine Herde Wildpferde über ihren Oberkörper getrampelt.

Gott sei Dank war sonst niemand in den Unfall verwickelt.«

»Was ist mit dem alten Mann?«, fragte ich nun doch, hisste

die Flagge.

»Welcher alte Mann, Mr. Shea?« Carroll schüttelte den Kopf.

»vielleicht erkläre ich es schlicht noch einmal: Sie hatten einen

autounfall, bei dem ihr Schädel stark in Mitleidenschaft gezogen

wurde. Zum Glück kam es zu keiner ernsthaften Blutung,

doch möglicherweise klammert sich ihr Unterbewusstsein im

Zuge des traumas an eine Wahnvorstellung. So etwas kommt

vor und hält sogar tatsächlich nicht wenige Unfallopfer wie Sie

am leben, aber wie dem auch sei – es gab keinen alten Mann.

ich habe mit ihrer Freundin gesprochen. Sie ist auf die zu anfang

übliche verwirrung gefasst, aber muten Sie ihr nicht mehr

als notwendig zu. Sie belügt Sie nicht und würde es vermutlich

auch nicht tun, wenn ich ihr dazu geraten hätte.«

ich spürte, wie der Zweifel gleich einem glatten Kiesel in

meine Magengrube sank. »Was wollen Sie damit sagen? ich verstehe

nicht. Das war keine Halluzination.« Jetzt war ich es, der

den Kopf schüttelte, obwohl ich durchaus kapierte. »nein, es

konnte keine sein. er lief direkt vor mir auf die Straße, und

wenn er nicht gewesen wäre, hätte ich keinen Unfall gebaut. ich

wollte bremsen und ausweichen, weshalb ich die Kontrolle über

das auto verlor. Die Straße war so nass, dass ich nicht langsamer

wurde. Dann bin ich zurückgegangen, um ihm zu helfen. verflucht,

ich habe ihn sterben sehen.« Mir war klar, dass ich Carroll

gegen mich aufbrachte, aber so einfach kam er mir nicht davon.

ich argumentierte weiter: »Danach habe ich sogar einen anruf

getätigt. Fragen Sie die Polizei. ich gab an, einen alten Mann vor

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dem Springfield Hotel niedergefahren zu haben. Samstagmorgen

drei Uhr. Fragen Sie nach!«

Mit dieser unumstößlichen tatsache hatte ich Carroll am

Haken. Der anruf war erfolgt, bevor ich das Bewusstsein verloren

hatte. er mochte was auch immer mit seiner Medizinlogik

widerlegen, aber das nicht. ich hatte einen anruf getätigt, noch

ehe mein Unterbewusstsein irgendwelchen Wahnvorstellungen

erlegen war. nein, ich verlor den verstand nicht, und ein schriftliches

Protokoll dieses telefonats würde meine Behauptung untermauern:

Der alte war auf der Straße gestorben, und ich hatte

es zu verantworten.

eine neurotische Stunde lang zweifelte ich an meinem Geisteszustand.

angst und verdruss gingen Hand in Hand. Zuerst

hatte ich angst, dass der Unfall möglicherweise einen bleibenden

Hirnschaden hinterlassen hatte; etwas in meinem Kopf

würde nicht mehr rundlaufen, weswegen alle Geschehnisse von

dem Moment an, da sich der Mann vor den Midget gestellt

hatte, ein Produkt meines traumatisierten Geistes waren. alles

wirkte beunruhigend plausibel, doch mir blieb nichts weiter

übrig, als abzuwarten. nachdem sich Carroll bei der Polizei

erkundigt hätte, würde man dort mit mir sprechen wollen,

und sobald wir unsere Schilderung abgeglichen hätten, sollten

wir uns einhellig die Frage stellen, was aus dem leichnam des

alten geworden war.

Da aimee nicht wieder aufkreuzte, nahm ich an, sie sei nach

Hause gefahren, um ihre Krankenwache mit einem nickerchen

zu unterbrechen. ich war nicht neidisch auf sie, obwohl ich selbst

nicht schlafen konnte.

Dabei konnte ich mich mit nichts außer meinen eigenen

Gedanken beschäftigen; weder Zeitschriften noch Bücher oder

Gesellschaft lenkten mich davon ab. Ruhigen Gewissens Musik

hören durfte ich auch nicht, ohne befürchten zu müssen,

der Krankenhausfunk gemahne an die arme Mary von Station

3. also schloss ich meine augen.

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immer wieder döste ich mehr oder weniger gelangweilt und

träge vor mich hin, indes ohne zu schlafen oder zu träumen,

wovor ich mich, wenn ich mich recht erinnere, bisher nie gefürchtet

hatte. es kam einem Kampf gegen den Schlaf gleich,

und ich kann nicht behaupten, dass mir das gefiel. So zwang

ich mich zu ein wenig Gedankengymnastik, schichtete Punk-

Riffs und Barock-arpeggien übereinander, um mir vorzustellen,

wie beides zusammen in einem Solo von tachyon Web klingen

würde, wenn sie alle Zügel schießen ließen. Zwar mochte ich,

was ich mir zurechtbastelte, doch außerhalb einer irrenanstalt

wäre es wohl auf taube Ohren gestoßen, also wechselte ich vom

Punk zum klassischen Zwölftakt-Blues und verwendete die arpeggien

nur für die Übergänge. als auch das nicht passte, bekam

ich wirklich den Blues. es war frustrierend. es hätte eigentlich

funktionieren sollen. am ende blieb mir jedoch keine

andere Wahl, als es als stümperhaftes Werk abzuhaken und mich

mit etwas anderem zu beschäftigen. Dass ich zur Musik zurückkehrte,

konnte ich zwar nicht vermeiden, doch diesmal ließ ich

Michael Petruccianis Pianism Revue passieren, mit der Synthese

aus modernen und Bop-techniken, und dann Keith Jarrets Eyes

Of The Heart, freier Jazz vereinigt mit diatonischen Wohlklängen.

Sich derart in zahllosen Gedanken zu suhlen, war eine Form

von stiller Folter. ich ließ mich sogar dazu verleiten, ein Fazit

unter meine sechsundzwanzig lebensjahre zu ziehen, und

musste betrübt feststellen, dass sie manches zu wünschen übrig

ließen. ich sann darüber nach, was ich besaß, und als ich über

meinen ansporn zum aufstehen jeden Morgen nachdachte, fiel

mir partout kein Grund ein, weshalb ich es tat. niemanden aus

meinem engeren Bekanntenkreis hätte mich vermisst, wenn ich

liegen geblieben wäre. ich berührte nicht viele Menschen und

deren leben, zumindest nicht auf einschneidende Weise. Dann

ließ ich mir die Schwüre durch den Kopf gehen, die ich an der

Universität abgelegt hatte. ich war bestrebt gewesen, mich zu

verändern und etwas zu bewegen, hatte jeden neuen tag einfach

aus dem Grund genießen wollen, weil er einzigartig und

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deshalb schätzenswert schien. Wie kläglich war ich bei alledem

gescheitert! Meine träume – aufgeschnitten und ausgeblutet.

Dankenswerterweise bekam ich essen und Medikamente, ehe

ich vor lauter Selbstmitleid wahnsinnig wurde. Seit ich wach geworden

war – vier Stunden zuvor, wie ich erkannte, als ich auf

die Wanduhr schaute –, hatte ich keinen Hunger verspürt, und

auch jetzt konnte ich weder appetit noch anderweitige Begeisterung

für den vorverdauten Fisherman’s Pie aufbringen, den man

mir auf einem teller vorschob. allerdings kam ich nicht umhin,

einen näheren Blick auf die beiden Schmerztabletten zu werfen,

die neben meinem Wasserglas lagen.

im vertrauen darauf, ein glaubhafter lügner zu sein, versprach

ich, aufzuessen, bevor ich sie zu mir nahm, aber sobald

man mich allein gelassen hatte, verschmähte ich den lauwarmen

Fraß zugunsten der Pillen. ihretwegen setzte ein entscheidendes

Umdenken ein: ich hörte auf, mir einzubilden, wie wichtig es

sei, der leere zu trotzen, in der ich meinen grässlichen träumen

erliegen würde; stattdessen konzentrierte ich mich auf meine

schweren lider und die Feststellung, wie erschöpft ich eigentlich

war. endlich schlief ich ein …

Plötzlich fuhr ich aus dem Schlaf hoch. Der engel des todes war

da, in meinem Zimmer. er saß vornübergebeugt auf aimees Stuhl

und leckte seine dünnen, fettigen Finger, nachdem er sich eine

Handvoll matschiger Kartoffeln in den Mund gestopft hatte.

Dicker Speichel klebte an den Spitzen, und unter seinen abgeknabberten

nägeln zeichneten sich schwarze Dreckränder ab.

Daran, wie unsinnig es war, sich über die mangelhafte Maniküre

des Säufers aufzuregen, dachte ich in diesem augenblick

nicht. es kam mir entschieden vernünftig vor im vergleich zu

dem irrwitz, der mir während der vergangenen vierundzwanzig

Stunden widerfahren war. Jetzt saß der Mann, den ich umgebracht

hatte, neben meinem Bett: er lebte, atmete, aß meinen

teller leer …

Zweimal blinzelte ich. ich müsste lügen, wenn ich behaup-

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ten wollte, ich glaubte gleich, dass er es war. nicht sofort. es geschah

mit einiger verzögerung, denn schon als Kind hatte ich

nicht genügend Fantasie aufbringen können, um mir imaginäre

Freunde zu schaffen oder mir mit furchtbaren Monstern selbst

angst einzujagen. Deshalb konnte ich – ob verrückt oder nicht

– genauso wenig nicht daran glauben.

ich vermute, er hätte anders ausgesehen, wenn er eine vision

gewesen wäre, nicht wie ein Clochard in lumpen, sondern

wie eine leiche; entweder mit vom Schritt bis zum Hals zerfleddertem

leib, aus dem die eingeweide warm und glänzend rot

hervorquollen, um sich um meinen Hals zu winden, oder mit

aufgescheuerten Händen, durchtrennten Muskeln, die aussahen

wie vogelschwingen, und Sehnen wie Maden. ein Gesicht

mochte mit nadel und Katzendarm in sein Fleisch gestickt worden

sein, tätowierungen gemeinsam mit dem tod über seine

milchig weiße Haut tanzen, die lippen vor Blut triefen und die

augen feurige tränen weinen, die seine Wangen versengten. Ja,

ein Heiligenschein aus Stacheldraht hätte über ihm geleuchtet,

und jeder Zoll seiner entblößten Schenkel wäre mit nägeln gespickt,

der Brustkorb gehäutet, ausgehöhlt und mit weiterem

Draht umwickelt gewesen.

Diese vorstellung, krank genug – in euren augen – um sie

sofort jemandem aus meiner Generation zuzumessen. Drastisch

wie plastisch. Brechreiz erregend. Pervers. Unfassbar und paradoxerweise

gleichzeitig wirklichkeitsnah genug für tausend billige

Slasher-Streifen, wie sie über jederart leinwand und Bildschirm

flimmern.

ein abgehalfterter Penner wirkte zu vertraut. einen wie ihn

hätte man von einer beliebigen Straße in irgendeiner Stadt pflücken

können. er war zu gewöhnlich … und deshalb umso bedrohlicher.

ich beobachtete, wie er den Kopf zur Seite neigte und einen

Brocken Fisch mit der Zunge vorschob, um ihn mit seinen vom

nikotin gelben Zähnen zu bearbeiten. Seine augen funkelten;

Grableuchten. Und noch etwas anderes. Heimtücke.

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ich wollte schreien, konnte jedoch nicht. als ich versuchte,

mich nach der notleine auszustrecken, musste ich einsehen, dass

mein ohnehin angeschlagener Bewegungsapparat derart degeneriert

war, dass es gerade noch zu einem zwanghaften Kopfschütteln

reichte, das sich nicht mehr abstellen ließ. Mehr brachte ich

nicht fertig.

er hob den teller an seine lippen und schob die letzten kalten

Bissen dazwischen, bevor er das Porzellan ableckte. ich wünschte

mir, dass jemand hereinkäme. Jemand, der bezeugte, dass ich nicht

den verstand verlor, aber ich blieb auf mich gestellt. Zum zweiten

Mal war ich ihm nun begegnet. Zum zweiten Mal allein.

etwas klebte an meiner Brust. essen. es fühlte sich an wie

kalter Kartoffelbrei. Zuerst ergab das keinen Sinn. Jemand hatte

mir das grüne Krankenhaushemd hochgezogen und den Matsch

wie Salbe auf die Haut geschmiert. als ich mir an die Brust fasste,

spürte ich Klumpen, wo er bereits steif wurde.

Dann ließ der alte den teller fallen und wischte sich die Hände

am aufschlag seines Mantels ab. Wenn ich von lumpen gesprochen

habe, traf die Beschreibung definitiv zu, denn als er aufstand,

sah es aus, als habe er sich damit am ganzen leib bandagiert. Mumifiziert.

ein Regenbogen, grau in grau. er war eingewickelt, die

Fetzen verknotet und mit Schnüren fixiert. Beim Gehen schwankte

er, als kenne er den ablauf gar nicht und misstraue seinen eigenen

Füßen, die ihm vorauszugehen drohten.

»Wer bist du?«, war alles, was ich herausbekam.

er antwortete nicht. nicht direkt. Stattdessen drückte er mich

ins Bett. Die Hände waren eisig und brannten doch wie Feuer, als

seine Finger meine nackten Schultern packten. in seinen augen

loderte der Wahnsinn so natürlich wie ein Funke, der auf Zunder

fiel, doch von einem lichten Blick konnte keine Rede sein. Während

er mich fest auf die Matratze presste, fuhr er mit dem Kopf

hinunter und fing an, mit seiner rauen Zunge über meine Brust zu

lecken. als er die Kartoffelmasse verzehrt hatte, kam er wieder hoch

und gönnte sich einen augenblick Zeit, um seinen Mund abzuwischen

und mich anzustarren. Da war Blut – und seine Grimasse.

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Die Geste ließ keinen Zweifel zu. ich hoffte dennoch, meine

augen spielten mir einen Streich, aber dem war nicht so. tatsächlich,

zwischen den Zähnen des alten quoll Blut hervor, und der

tod stand ihm ins abgehärmte Gesicht geschrieben. Wie er von

meiner Brust abließ und die Hand zurückzog, nahm die Stärke

der Blutung zu. verdoppelte, verdreifachte sich. er hielt mir seine

roten Hände vor. Frisches Blut – sein eigenes? Meines? – strömte

aus allen Poren und an seinen armen hinunter, als er die Hände

erneut und beinahe herausfordernd hochhob.

»Fürchtest du dich?«

Beim Sprechen hatte er tränen in den augen. Seine Züge

entglitten, die Beschaffenheit seines Gesichts änderte sich. Unter

seinem Bart und dem Schorf, unter der verderbtheit der Straße

kam ein anderes zum vorschein, eine kindlich glatte Unschuldsmiene.

Sinnestäuschung oder der Schatten eines vogels, der draußen

am kleinen Fenster vorbeihuschte? Jedenfalls beschrieb so

etwas in der art seinen Mund und nun sogar allem anschein

nach ein lächeln. Dann jedoch verschwand die illusion so unvermittelt,

wie sie gekommen war, und ich blickte bloß in die

leeren augen meines Obdachlosen, um angstvoll auf das nächste

trugbild zu warten.

er kippte vorwärts und schürzte die lippen, küsste mich jedoch

nicht. Dafür ergoss sich das Blut über mich und rann in

meinen Rachen.

Mir war, als ob ich allmählich in meinem eigenen lebenssaft

ertrank, selbst als er wieder von mir abließ.

Ja, ja … ich schmeckte es …

Wie vom Donner gerührt holte ich aus, um ihm durchs Gesicht

zu kratzen, da war er fort.

von fern hörte ich einen alarm.

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