Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler - Fachbereich Biologie ...

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Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler - Fachbereich Biologie ...

Beruf Bildung Zukunft

BBZ

INFORMATIONEN FÜR AKADEMIKER/INNEN | AUSGABE 2007/2008

Naturwissenschaften

ARBEITSMARKT UND WEITERBILDUNG

26


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BBZ 26

Informationen für

Akademikerinnen und

Akademiker

Ausgabe 2007/2008

Hinweise des Herausgebers:

Die in dieser Veröffentlichung enthaltenen

Informationen sind mit größter Sorgfalt

zusammengetragen worden. Aufgrund

der schnellen Entwicklung in Gesellschaft,

Wirtschaft, Technik sowie Berufs-

und Arbeitswelt kann jedoch keine

Haftung und Gewähr für die Richtigkeit

und Vollständigkeit der Angaben übernommen

werden.

Bitte informieren Sie sich bei der Agentur

für Arbeit, ob in der Zwischenzeit in

einzelnen Punkten Änderungen eingetreten

sind.

Aus den aufgezeigten Weiterbildungsmöglichkeiten

ist kein Anspruch auf

finanzielle Förderung durch die Agentur

für Arbeit abzuleiten.

In den Texten dieser Broschüre wurde

wegen der besseren Lesbarkeit häufig

die männliche Personenbezeichnung verwendet.

Unabhängig hiervon sind selbstverständlich

Frauen wie Männer angesprochen.

Impressum:

Herausgeber: Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg

Fachredaktion: Sandra Reiprich, Ilka Weingärtner,

Bundesagentur für Arbeit

Mitwirkung: Dr. Beate Raabe, Franz Piesche-Blumtritt,

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur

für Arbeit (ZAV)

Redaktion/Verlag: BW Bildung und Wissen Verlag und

Software GmbH, Nürnberg

Redaktionsschluss: Juni 2007

Autoren: Sebastian Hanny, Horst Peter Wickel

Layout und Satz: Karin Lang

Fotos: BW Bildung und Wissen Verlag und Software

GmbH (Titel, S. 6, 30, 31 mitte, 38, 44, 49, 58-59, 62,

76), www.photocase.com (S. 4, 8-10, 12, 16, 32, 36,

47, 53, 55, 68-70, 79, 80), www.sxc.hu (S. 24, 28,

77), www.shutterstock.de (S. 74), Karin Lang (S. 20),

Privat (S. 41, 43, 52, 71, 73), www.hobsons.de (S. 56),

alle anderen: Archiv der Bundesagentur für Arbeit

Druck: Willmy PrintMedia GmbH, Nürnberg

Naturwissenschaftler/innen

Studium – Einstieg – Aufstieg …

… dass dies nicht so einfach ist, werden Sie vielleicht bereits selbst erfahren haben.

… dass Ihnen dies aber besser gelingt, dafür wurde dieses Heft zusammengestellt.

Hier finden Sie Informationen zum Arbeitsmarkt und zu beruflichen Weiterbildungen,

lesen von Trends in den jeweiligen Berufen und neuen Tätigkeitsfeldern. Unterstützung

dabei erhalten Sie durch Angebote und Medien Ihrer Agentur für Arbeit.

Viel Erfolg bei Ihrer weiteren Berufs- und Karriereplanung.

Ihre BBZ-Redaktion

Inhalt

Arbeitsmarkt und Weiterbildung .......................................................... 4

News für Naturwissenschaftler............................................................ 5

Der Arbeitsmarkt

Basierend auf „Arbeitsmarkt Kompakt 2006“ der Zentralen Auslands- und

Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV)

Der Arbeitsmarkt für Akademiker........................................................ 6

Der Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler im Überblick...............10

Biologen ........................................................................................................ 12

Chemiker....................................................................................................... 16

Geographen/Geowissenschaftler.................................................................. 20

Mathematiker ............................................................................................... 24

Ökotrophologen............................................................................................. 28

Physiker......................................................................................................... 32

Naturwissenschaftler am Puls der Zeit............................................. 36

Zukunftsberufe und Trends

Aufgaben im Umweltschutz................................................................ 38

Umweltgutacher im Rahmen von EMAS

Frauen in den Naturwissenschaften.................................................. 40

Arbeitsmarkt, Wiedereinstieg und Netzwerke

Naturwissenschaftler als Führungskräfte ........................................ 42

Widerspruch oder Chance?

Bachelor und Master............................................................................ 44

Neue Abschlüsse willkommen

Jobsuche für Einsteiger und Profis

Beratung und Vermittlung ...................................................... 45

Beim Arbeitsvermittler in Ihrer Agentur für Arbeit

Auf der Suche ....................................................................................... 47

Jobmessen und Stellenbörsen

Bewerbungstipps.................................................................................. 49

So stellen Sie sich dar und überzeugen Arbeitgeber

Berufseinstieg....................................................................................... 52

Wege in den Beruf

Zeitarbeit ............................................................................................... 55

Chancen für Akademiker

Networking............................................................................................ 56

Unterstützung für die Karriere


Zurück in den Beruf.............................................................................. 58

Fit für den Wiedereinstieg

Gezielt weiterbilden

Lernen ein Leben lang ......................................................................... 60

Mit Weiterbildung am Ball bleiben

Förderung der beruflichen Weiterbildung ........................................ 63

Bildungsgutschein und andere Möglichkeiten

KURSNET ............................................................................................... 64

Das Netzwerk für berufliche Aus- und Weiterbildung

KURSNET – Weiterbildungsangebote für … ...................................... 66

Naturwissenschaftler

Wege in die Selbstständigkeit

Als Akademiker gründen .................................................................... 70

Gründernetzwerke, Förderprogramme und vieles mehr

Patent gründen – Selbstständigkeit als Alternative........................ 72

Existenzgründung in den Naturwissenschaften

Finanzielle Hilfen bei der Existenzgründung......................................... 74

Das kann die Agentur für Arbeit für Sie tun

Arbeiten im Ausland

Gute Gründe für einen Auslandsaufenthalt ...................................... 76

Pluspunkte für die Karriere sammeln

Vermittlung ins Ausland...................................................................... 78

Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Ihre Mobilität

Arbeiten in Europa ............................................................................... 79

Darauf müssen Sie achten

Berufsinformationszentrum – Was gibt’s im BIZ? ........................... 81

Mediothek und Veranstaltungen

BERUFENET .......................................................................................... 82

Das Netzwerk für Berufe

Ihr Arbeitsmarkt im Internet – www.arbeitsagentur.de ................. 83

Einfach und schnell eine Stelle online finden

Inhalt 3


4 ARBEITSMARKT UND WEITERBILDUNG

Arbeitsmarkt und Weiterbildung

Haben Sie Magister, Diplom, Bachelor oder Master in der Tasche und sind auf Jobsuche? Oder

haben Sie den Berufseinstieg als Akademiker bereits geschafft und suchen nach Alternativen zu

Ihrer derzeitigen Tätigkeit?

In diesem Heft finden Sie Informationen

rund um den Arbeitsmarkt von Naturwissenschaftlern,

zur Jobsuche, zu passenden

Weiterbildungen sowie zur Alternative

Selbstständigkeit und zum Thema

Arbeiten im Ausland.

Sie erhalten Tipps zur Bewerbung, finanziellen

Förderung Ihrer Weiterbildung und

Existenzgründung und Adressen von

Fachverbänden. Sie erfahren von Trends

in den jeweiligen Berufen und neuen

Tätigkeitsfeldern.

Nehmen Sie auch die Angebote und

Medien Ihrer Agentur für Arbeit wahr, und

gehen Sie zur persönlichen Beratung. Im

gemeinsamen Gespräch erhalten Sie Antworten

auf Ihre Fragen und erfahren mehr

über Ihre beruflichen Möglichkeiten.

Weiterbildung lohnt sich

Wer ein Hochschulstudium abgeschlossen

hat, wird erworbenes Wissen auf dem

neuesten Stand halten wollen. Und auch

die ständige Weiterentwicklung auf dem

Gebiet der Naturwissenschaften, beson-

ders in Bezug auf neue Technologien wie

Gen- und Biotechnologie, fordert von Naturwissenschaftlern

die Bereitschaft, sich

kontinuierlich weiterzubilden.

Für eine Spezialisierung auf neue Aufgabenfelder

oder zur Vorbereitung auf die

Übernahme neuer Aufgabenbereiche ist

dies ebenfalls förderlich.

Weiterbildendes Studium

Mit einem Aufbau-, Ergänzungs- oder

Zusatzstudium können weitere wissenschaftliche

oder berufliche Qualifikationen

erworben oder die in Studium und

Beruf erworbenen Kenntnisse vertieft

werden.

Zusatzqualifikationen

Mit Zusatzqualifikationen aus Bereichen

wie Betriebswirtschaft, Marketing, Projekt-

und Qualitätsmanagement bzw. mit

profunden EDV-Kenntnissen fällt Naturwissenschaftlern

der Einstieg in die Wirtschaft

leichter.

Schlüsselqualifikationen

Arbeitgeber legen zu etwa gleich großen

Teilen Wert auf fachliche Qualifikationen

und auf Schlüsselqualifikationen.

Gefragt bei Naturwissenschaftlern sind

besonders Flexibilität und Teamfähigkeit,

selbstständige Arbeitsweise und Organisationsfähigkeit.

Lernen wird damit zu einem lebensbegleitenden

Prozess und kann die verschiedensten

Ausprägungen haben. Mehr zum

Thema Weiterbildung in all seinen Facetten

ab Seite 60.

Lust bekommen, weiterzulernen?

Dann ergreifen Sie die Initiative. In diesem

Heft finden Sie eine Fülle an Informationen,

um beruflich durchzustarten.


News

News +++ News +++ News +++ News +++ News

für Naturwissenschaftler

Master-Studiengang „Pferdewissenschaften“

Die Georg-August-Universität Göttingen bietet ein Studium für Pferdefachleute

an. Der 4-semestrige Master-Studiengang „Pferdewissenschaften“ setzt einen

Abschluss in Biologie, Veterinärmedizin oder Agrarwissenschaft voraus.

Themen sind unter anderem Ernährung und Hygiene, Haltung, Zucht und Betriebswirtschaftslehre.

Außerdem können die Studierenden Kurse in Event- und

Sportmarketing, Bauplanung, Weidemanagement oder Ausbildungssysteme im

Pferdesport belegen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.pferde.uni-goettingen.de

Master „Transportation

Systems“

Der neue Master-Studiengang „Transportation

Systems (TS)“ an der TU

München (TUM) richtet sich an Hochschulabsolventen

aus den Natur- und

Ingenieurwissenschaften. Er wird vollständig

in englischer Sprache angeboten

und dauert 4 Semester.

Vermittelt wird ein Verkehrsmanagement

im Zusammenspiel von Stadtund

Raumplanung, Bauingenieurwissenschaften,

Geographie, Soziologie,

Psychologie, Ökologie, Ökonomie, Fahrzeugtechnik,

Kommunikationstechnik

und Informatik.

Bewerbungsunterlagen und weitere

Informationen unter:

www.transportation.bv.tum.de

Geodäsie und Geoinformationstechnik –

Master-Studiengang

Studienschwerpunkt „Umweltorientiertes Wirtschaften“

Im Rahmen des weiterbildenden Fernstudiengangs „Angewandte Umweltwissenschaften“

an der Universität Koblenz gibt es einen neuen Studienschwerpunkt:

„Umweltorientiertes Wirtschaften“.

Der Studienschwerpunkt zeigt auf, wie Umwelt- und ökonomische Aspekte miteinander

vereinbart werden können.

Das Studium kann in Voll- oder Teilzeit belegt werden und schließt nach einer Studiendauer

von 2 bis 4 Jahren mit einem universitären Diplom ab. Voraussetzung

für die Zulassung ist ein abgeschlossenes erstes berufsqualifizierendes Studium

einer natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtung.

Zusätzliche Informationen finden Sie im Internet unter www.umwelt-studium.de

Fernstudiengang

„Nanobiotechnologie“

Das Zentrum für Fernstudien und Universitäre

Weiterbildung (ZFUW) der TU

Kaiserslautern bietet ein postgraduales

Fernstudium „Nanobiotechnologie“

an.

Das 2-semestrige, berufsbegleitende

Studium fasst die drei Bereiche chemische

Nanotechnologie, Nanomaterialien

und Biotechnologie zusammen.

Naturwissenschaftler und Ingenieure

haben mit dieser Zusatzausbildung gute

Perspektiven in der Medizin, Pharmazie

und überall dort, wo Kenntnisse

über die Entwicklung neuer Materialien

mit multifunktionellen Eigenschaften

gefragt sind.

Weitere Informationen über den Studiengang

finden Sie unter

www.zfuw.de

Der Master-Studiengang „Landschaftsökologie“ der Universität Oldenburg vermittelt

Studierenden Kenntnisse im Bereich Ökologie von Landschaften und der Landschaftsplanung.

Der Studiengang verbindet die vier Fachbereiche Gewässerökologie, Naturschutz,

Regionalwissenschaft und Raumplanung. Zugangsvoraussetzung ist ein Hochschulabschluss

in einem umweltbezogenen Studiengang.

Nähere Informationen erhalten Sie auf den Seiten der Uni Oldenburg unter

www.uni-oldenburg.de

5


6

DER ARBEITSMARKT

Der Arbeitsmarkt für Akademiker

Gute Aussichten für Akademiker:

Erstmals seit sechs Jahren

ist die Zahl der offenen Stellen

für sie gestiegen. Gesucht werden

besonders Ingenieure,

Informatiker und Naturwissenschaftler.

Aber auch Sozialarbeiter haben

wieder bessere Karten.


Arbeitsmarktlage

Der Arbeitsmarkt für Akademiker konnte

sich, bezogen auf die Arbeitslosigkeit und

auch auf die offenen Stellen, erholen. Der

Arbeitsmarkt-Informationsservice der Zentralen

Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

in Bonn bilanziert zum einen mit 116.000

gemeldeten offenen Stellen im Jahr 2005

ein Plus von knapp 18% im Vergleich zu

2004 (vgl. Grafik). Zum anderen sank der

Anteil der Akademiker an allen Arbeitslosen

von 5,9 auf 5,4%.

Dieses Ergebnis kam trotz eines kaum wahrnehmbaren

Wirtschaftswachstums zustande.

Von Quartal zu Quartal stiegen die bei den

Agenturen für Arbeit gemeldeten Offerten

der Arbeitgeber. Und auch ein Blick in die

wieder angewachsenen Stellenanteile der Zeitungen

bestätigt diesen positiven Befund.

In vielen Berufsgruppen gab es dennoch

so viele Bewerber, dass die Arbeitgeber

nach wie vor aus einem reichlich gefüllten

Bewerberpool den am besten geeigneten

auswählen konnten.

Bei manchen Berufen bereitet die Mitarbeitersuche

hingegen große Schwierigkeiten,

so dass Stellen nicht zum gewünschten

Termin besetzt werden konnten. An

vorderster Stelle gehören dazu einige Fachrichtungen

der Maschinenbau- und Elektroingenieure

wie Fahrzeugbau, Luft- und

Raumfahrt, Farben, Lacke und Kunststoffe,

Nachrichten- und Fernmeldetechnik,

außerdem Wirtschaftsingenieure, Einkäufer,

IT-Vertriebsspezialisten sowie Unternehmensberater

mit einer Spezialisierung

auf den Vertrieb.

Stellenangebote

Die meisten Stellenangebote für Akademiker,

die bei den Agenturen für Arbeit eingingen,

kamen aus dem Bereich Maschinenbau

(+28% gegenüber 2004), Elektroingenieurwesen

(+21%), IT (+20%), Sozialarbeit

und -pädagogik (+15%) und Lehramt

(+4%) (vgl. Grafik rechts).

In den Printmedien fanden Stellensuchende

nach Erhebungen des Personaldienstleisters

Adecco im Jahr 2005 78.500 Anzeigen

für Akademiker vor – knapp 14%

mehr als im Vorjahr. Betriebswirte liegen

mit fast einem Viertel der Offerten an der

Spitze, die Anzeigen für IT-Experten nehmen

mit einem beachtlichen Zuwachs zum Vorjahr

von 29% den zweiten Platz ein. Maschinenbauingenieure

folgen mit knapp 13%.

* Die Werte in Klammern bedeuten die Veränderung gegenüber 2004

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt für

Akademiker

Ausgewählte Eckdaten des Arbeitsmarktes 2005

Ingenieure

Lehrer

Naturwissenschaftler

Betriebswirte

Sozialarbeiter/-pädagogen (FH)

Humanärzte

IT-Experten

Volkswirte

Grafiker/Designer

Psychologen

Soziologen

Journalisten

Unternehmensberater

Akademiker insgesamt

Arbeitslose* (Stichtag: 30.09.2005)

Auch der Online-Stellenmarkt hat 2005 für

Akademiker wieder zugelegt, so der „Monster-Employment-Index“.

58.669 (-9,2%)

20.778 (+0,9%)

19.655 (-5,4%)

19.017 (-6,9%)

8.789 (-11%)

6.506 (+5,8%)

6.224 (-2%)

5.551 (-6,1%)

5.044 (-1,3%)

3.025 (-2,1%)

2.775 (-6,5%)

1.394 (-8,9%)

889 (-8,4%)

245.325 (-3,0%)

Stellenzugang* (Januar bis Dezember 2005)

Ingenieure

34.387 (+23,6%)

IT-Experten 10.214 (+20%)

Sozialarbeiter/-pädagogen (FH) 8.665 (+14,8%)

Lehrer 7.028 (+3,9%)

Humanärzte 5.032 (-10%)

Betriebswirte 5.017 (-2,6%)

Naturwissenschaftler 3.945 (+11,7%)

Unternehmensberater 3.572 (+2,7%)

Psychologen 1.070 (+16,7%)

Grafiker/Designer 912 (+10,3%)

Journalisten 757 (-13,4%)

Volkswirte 424 (+15,8%)

Soziologen 268 (-11,3%)

Akademiker insgesamt

115.912 (+17,7%)

7


8

DER ARBEITSMARKT

Die Unternehmen halten also wieder verstärkt

und auf verschiedenen Wegen Ausschau

nach Akademikern – sei es über

die Agenturen für Arbeit, Anzeigen in Print

oder Online-Medien oder über die Unternehmenshomepage.

Befristete Stellen

Der Stellenpool der Agenturen für Arbeit

enthielt im Jahr 2005 33.700 befristete

Stellen – ein Anstieg von 27 auf 29% innerhalb

eines Jahres und der höchste

Wert seit der Jahrtausendwende. Bei zwei

Dritteln der Befristungen sollte das Arbeitsverhältnis

nach maximal einem Jahr

enden, bei einem weiteren Viertel frühestens

nach eineinhalb Jahren.

Mit der großen Zahl der befristeten Stellen

korrespondiert die Tatsache, dass Personaldienstleister,

zu denen Zeitarbeitsunternehmen

und Personalvermittler gehören,

den Agenturen für Arbeit die meisten

Jobs anboten.

Fast jedes siebte Angebot kam aus dieser

Branche – 48% mehr als im Vorjahr. An

zweiter Stelle folgten mit 10.500 Arbeitsplätzen

Architektur- und Ingenieurbüros

(+33% zum Vorjahr). An dritter Stelle mit

6% der Stellenangebote folgten Rechts-,

Steuer- und Unternehmensberatungen.

Ein Plus: Berufserfahrung

Berufserfahrung hat einen hohen Stellenwert:

64% aller Stellenangebote waren

Bewerbern vorbehalten, die Erfahrung in

der ausgeschriebenen Tätigkeit gesammelt

hatten. Berufsneulinge und -erfahrene

waren bei gut 35% der Stellenangebote

willkommen. Nur 0,8% der Stellenausschreibungen

richteten sich ausschließlich

an Berufsneulinge. Damit setzt sich

der Abwärtstrend bei den Stellen, die exklusiv

Berufsneulingen offen stehen, fort.

Im Jahr 2000 hatte deren Anteil noch

3,4% betragen.

Hier wird deutlich, dass die positive Entwicklung

des Akademiker-Arbeitsmarktes

nicht alle Personen in gleicher Weise mitnimmt.

Wenn Berufseinsteiger nicht gerade

einen exzellenten Lebenslauf präsentieren

können, gelingt vielen von ihnen der Berufseinstieg

erst nach mehreren Praktika.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Akademiker

sank Ende des Jahres 2005 gegenüber

2004 um 3% von knapp 253.000

auf ca. 245.000 (vgl. Grafik Seite 7 oben).

Im Laufe des Jahres meldeten sich sogar

54.000 Akademiker weniger arbeitslos als

2004. Die traditionell niedrige Akademiker-Arbeitslosenquote

sank geringfügig

weiter. Nach wie vor ist sie auch sehr viel

geringer als die generelle Arbeitslosenquote

(September 2005: 11,2%).

Lehrer und Betriebswirte

Lehrer und Betriebswirte waren am häufigsten

arbeitslos gemeldet. Bei den Lehrern

ergibt sich diese Position mit 20.778

Arbeitslosen im September 2005 als Konsequenz

daraus, dass zahlreiche Bil-

Für welche Bereiche/Aufgaben wurden Fach- und Führungskräfte gesucht?

Finanzen/Verwaltung

Management/Controlling

IT/Kommunikationstechnik

Gesundheit/

Forschung/Lehre

12%

8% 7%

15%

16%

25%

17%

(Auswertung der Stellenanzeigen in 40 Printmedien; Januar bis April 2006)

Quelle: Adecco Stellenindex

Produktion/Technik

Verkauf/Marketing

Vertriebsaußendienst

dungsträger nur befristet einstellen und

sich ihre pädagogischen Mitarbeiter deswegen

zum Ende ihrer Tätigkeit hin arbeitslos

melden.

Bei den Betriebswirten hat sich die Zahl

der Absolventen so sehr erhöht, dass die

Konkurrenz groß ist und das Angebot

nicht mehr der Nachfrage entspricht. Maschinenbauingenieure

nahmen den dritten

Rang ein, gefolgt von Bau- und Elektroingenieuren.

Die meisten Akademiker, die sich im Laufe

des Jahres 2005 arbeitslos meldeten

und vorher berufstätig waren, kamen aus

dem Sektor Bildung und Erziehung (18,4%).

Die zweitgrößte Quelle stellte der Handel

dar (8,5%), gefolgt von Behörden (6,7%),

dem Gesundheitswesen (5,9%) sowie Architektur-

und Ingenieurbüros (5,5%).

Akademikerinnen

Erstmals seit dem Jahr 2000 sank die Zahl

der arbeitslos gemeldeten Frauen mit Hochschulabschluss

im Jahresvergleich. Ihre

Zahl ging 2005 im Vergleich zum Vorjahr

um 0,7% auf 116.445 zurück. Der Rückgang

liegt allerdings unterhalb desjenigen

für Männer und Frauen zusammen (-3%).

Akademikerinnen konnten also nicht so

sehr vom Abbau der Arbeitslosigkeit profitieren

wie ihre männlichen Kollegen. Somit

stieg auch der Anteil der arbeitslosen

Frauen an allen arbeitslosen Akademikern

von 46,4% auf 47,5%. Berücksichtigt

werden muss hier aber auch die Tatsache,

dass die Zahl der Hochschulabsolventinnen

seit vielen Jahren steigt.

Anforderungen der Arbeitgeber

Die Anforderungen der Arbeitgeber an die

Akademiker variieren nach den verschiedenen

Aufgabenfeldern und Funktionen,

in denen sie tätig sein können, stark.

Die Höhe der Messlatte hängt generell

von der Stellen-Bewerber-Relation ab. Bei

Berufen mit einem ausgeprägten Bewerbermangel

akzeptieren die Arbeitgeber

zum Teil auch Bewerber mit mittleren Abschlüssen

oder Seiteneinsteiger. Treffen

viele Bewerber auf eine Stelle, schrauben

die Arbeitgeber ihre Anforderungen hoch,

sowohl bezogen auf fachliche als auch

außerfachliche Kompetenzen. So wurden

Kandidaten mit fachlicher Breite den Spezialisten

vorgezogen, weil diese flexibler

einsetzbar sind.

Ein Wunschkandidat sollte außerdem über

aktuelles Fachwissen verfügen, vergleichsweise

bescheidene Einkommenswünsche

haben, lernfähig und lernbereit


sowie ehrgeizig und regional mobil sein.

Möglichst sicheres Englisch und aktuelle

Kenntnisse der gängigen Office- und weiterer

spezifischer IT-Programme rundeten

das Anforderungsprofil ab.

Älteren Bewerbern oder Bewerbern, die aus

Langzeitarbeitslosigkeit, nach mehrjähriger

Familienarbeit oder Ähnlichem in das

Berufsleben zurückkehren wollten, wurden

diese Fähigkeiten nicht mehr ohne

weiteres zugetraut.

Auch die erwünschten Soft Skills bildeten

eine bunte Palette: am häufigsten gefragt

waren Flexibilität, Team- und Kommunikationsfähigkeit

sowie die Fähigkeit, selbstständig

zu arbeiten.

Weitere Informationen

Der Arbeitsmarktbericht basiert auf

der Broschüre Arbeitsmarkt Kompakt

2006 der Zentralen Auslandsund

Fachvermittlung der Bundesagentur

für Arbeit (ZAV).

Sie können die Publikation unter

www.ba-bestellservice.de (Titelsuche

„Akademiker“) direkt herunterladen.

Trends und Tendenzen

Veränderungen der Beschäftigungsformen

Patchwork und Karrierepuzzle

Neben der „klassischen“ Beschäftigungsform,

der unbefristeten Festanstellung mit

voller Arbeitszeit, haben sich andere Möglichkeiten

der Arbeitsverhältnisse etabliert.

Zukünftig müssen sich Akademiker

darauf einstellen, häufiger die Stelle zu

wechseln. Patchwork-Lebensläufe sind keine

Seltenheit mehr.

Aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage

bevorzugen viele Arbeitgeber Zeitverträge.

Dort, wo nicht mehr in fest gefügten

Abteilungen, sondern projektorientiert

gearbeitet wird, vergeben die Unternehmen

zunehmend Werks- oder Honorarverträge

und stellen nur noch eine Kernbelegschaft

langfristig ein. Karrieren werden

damit allgemein weniger planbar.

Selbstmanagement und Co.

Individuelle Karrieren hängen zudem stärker

vom eigenen Beitrag zum Unternehmenserfolg

ab. Der Mitarbeiter wird zunehmend

als Mitunternehmer, als Intrapreneur,

betrachtet. Zudem lassen mehr Unternehmen

ihren Mitarbeitern die Freiheit, sich

selbst zu organisieren und Arbeitszeiten, -

ort und -umfang selbst festzulegen.

Diese strukturellen Veränderungen stellen

neue Anforderungen an die Beschäftigten,

gerade an die Fach- und Führungskräfte.

Die neuen Arbeitsmuster erfordern neben

hoher Flexibilität ein großes Maß an Selbstorganisation

und Selbstverantwortung. Projektbezogene

Arbeit ist ohne Kommunikations-

und Teamfähigkeit kaum möglich.

Die Fähigkeit des Selbstmanagements

wird für Hochschulabsolventen zur Sicherung

von Beschäftigungskontinuität zunehmend

zu einer beruflich existenziellen Notwendigkeit.

Existenzgründung

Die Aufgeschlossenheit für Existenzgründungen

ist in den letzten Jahren bei Studienberechtigten,

Studierenden und Absolventen

deutlich gewachsen. Die Bereitschaft

von Absolventen zur Existenzgründung

ist jedoch gerade in technisch innovativen

Bereichen stark von der Arbeitsmarktsituation

für abhängig Beschäftigte

beeinflusst.

Weitere Informationen ab Seite 70.

Trend zur Höherqualifizierung

Auf dem Weg in eine Wissens- und Informationsgesellschaft

vollzieht sich im Beschäftigungssystem

der Bundesrepublik bereits

seit langem ein Strukturwandel in Richtung

Höherqualifizierung. Dieser lässt sich

in einer zunehmenden Akademisierung der

Erwerbstätigen nachweisen. Diese Entwicklung

wird sich auch in den nächsten Jahren

weiter fortsetzen. Der Bedarf an Hochqualifizierten

wird steigen, umgekehrt werden

für Geringqualifizierte weitere massive

Beschäftigungseinbußen erwartet.

Hintergrund ist die Expansion anspruchsvoller

„sekundärer“ Dienstleistungstätigkeiten

etwa im Bereich Forschung und

Entwicklung, Beratung und Lehre, von der

insbesondere Akademiker profitieren.

Der Arbeitsmarkt für

Akademiker

Mangel an akademisch Qualifizierten

zu erwarten

Demografische und soziale Entwicklungen

in der Bildungslandschaft lassen einen

Mangel an akademisch Qualifizierten

erwarten. Im Zuge des demografischen

Wandels wird sich auch bei hoher Frauenerwerbsbeteiligung

und Zuwanderung

mittelfristig das Arbeitskräfteangebot verknappen.

Gründe sind die zunehmende Akademisierung

des Beschäftigungssystems und

die Altersstruktur der derzeit Erwerbstätigen

mit Hochschulabschlüssen. Hinzu

kommt das zeitweise gesunkene Interesse

der Studienberechtigten an einem Studium

sowie die geringe Beteiligung an

höherer Bildung von Kindern aus hochschulfernen

Familien bzw. anderer ethnischer

und kultureller Herkunft.

Flexibilität

Der berufliche Einsatz ist mit dem Studienabschluss

noch nicht festgelegt. Auf

der einen Seite gibt es für die meisten

akademischen Qualifikationen zahlreiche

adäquate berufliche Optionen, und auf

der anderen Seite orientiert sich auch die

Nachfrage nach hoch qualifizierten Fachkräften

nicht allein an disziplinären Fachgrenzen.

So zeigen Untersuchungen, dass Informatiker

weniger als die Hälfte der akademisch

qualifizierten Fachkräfte in Computerberufen

stellen, die Übrigen werden

dagegen von Ingenieuren und Absolventen

anderer Fachrichtungen besetzt. Ein

Viertel der Sozialwissenschaftler üben

genuin betriebswirtschaftliche Tätigkeiten

aus. Gerade in Feldern, für die es keine

scharf konturierten oder geschlossenen

Arbeitsmärkte gibt (Geistes- und Sozialwissenschaftler),

gibt es vielfältige

vertikale und horizontale Substitutionen

bzw. Neukompositionen von Tätigkeitsfeldern.

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10

DER ARBEITSMARKT

Der Arbeitsmarkt für

Naturwissenschaftler im Überblick

Eckdaten des Arbeitsmarktes 2005

Arbeitslose* (Stichtag: 30.09.2005)

Biologen

4.627 (-3,0%)

Chemiker

4.123 (-6,4%)

Geographen 1.569 (-3,3%)

Geowissenschaftler 1.755 (-7,1%)

Mathematiker 1.909 (-7,6%)

Ökotrophologen 894 (+5,3%)

Physiker 2.409 (-8,1%)

Naturwissenschaftler insgesamt**

19.550 (-5,4%)

Akademiker insgesamt

245.326 (-3,0%)

Stellenzugang* (Januar bis Dezember 2005)

Biologen 656 (-4,0%)

Chemiker

964 (+14,9%)

Geographen 63 (-34,4%)

Geowissenschaftler 248 (+24,0%)

Mathematiker 330 (+47,3%)

Ökotrophologen 189 (+8,6%)

Physiker 620 (-4,8%)

Naturwissenschaftler insgesamt**

3.945 (+11,7%)

Akademiker insgesamt

115.912 (17,7%)

* Die Werte in Klammern bedeuten die Veränderung gegenüber 2004

** inklusive Chemie- und Physikingenieure Quelle: Bundesagentur für Arbeit


Der Arbeitsmarkt im Überblick 11

Der Arbeitsmarkt entwickelte sich für Naturwissenschaftler 2005 vergleichsweise günstig. Die

Arbeitslosigkeit ging um 5,4% zurück, während für alle Akademiker der Rückgang nur bei 3% lag.

Unterschiede bestanden jedoch zwischen den naturwissenschaftlichen Fachrichtungen. Während die

Physiker deutlich weniger Arbeitslose verbuchten, stieg die Zahl der arbeitslosen Ökotrophologen.

Arbeitsmarkt

Auch die Entwicklung der Stellenmeldungen

für Naturwissenschaftler ist nicht

einheitlich (vgl. Grafik links). Im Mittelwert

war ein Zuwachs von 11,7% zu beobachten.

Damit schnitten die Naturwissenschaftler

weniger gut ab als alle Akademiker

(+17,7%). Einen starken Zuwachs verzeichneten

Mathematiker und Geowissenschaftler,

während Physiker, Biologen

und Geographen schlechter abschnitten.

43,7% der Stellenangebote für Naturwissenschaftler

waren 2005 befristet (2004:

44,5%). Damit liegen die Naturwissenschaftler

deutlich über dem Durchschnitt

für alle Akademiker (29,1%). Zurückzuführen

ist dieser hohe Prozentsatz zum

einen auf Doktoranden- und Drittmittelstellen

an Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Hintergrund ist aber auch,

dass Naturwissenschaftler vermehrt nur

projektbezogen eingestellt werden.

Erwartungen der Arbeitgeber

Praxisnahe Studiengestaltung und ein

größeres Augenmerk auf die Entwicklung

sozialer Kompetenzen zahlte sich bei

Berufseinsteigern aus. Die Arbeitslosigkeit

von Naturwissenschaftlern, die dies

berücksichtigt hatten, war zumeist kürzer.

Gern sahen die Arbeitgeber auch Erfahrungen

in dem Anwendungsgebiet, das

mit der ausgeschriebenen Position zu

besetzen war. Allein theoretisches Fach-

Weitere Informationen

Dieser und die folgenden Arbeitsmarktberichte

basieren auf der Broschüre

Arbeitsmarkt Kompakt

2006 der Zentralen Auslands- und

Fachvermittlung der Bundesagentur

für Arbeit (ZAV).

Sie können die Publikation unter

www.ba-bestellservice.de (Titelsuche

Naturwissenschaftler“) direkt

herunterladen.

wissen eines Bewerbers genügte ihnen

nicht. Gut ausgeprägt sollten auch die

Schlüsselqualifikationen der Bewerber

sein.

Stellenangebote

Angeboten wurden die Stellen zunehmend

auf den firmeneigenen Homepages.

Oft sind dieselben Stellen parallel in

verschiedenen Jobbörsen zu finden.

Für alle Naturwissenschaftler ist bei Stellenanzeigen

von Bedeutung, dass nicht

nur ihr Studienfach allein genannt wird,

sondern auch Nachbarfächer. Dadurch

erhöht sich die Zahl der Mitbewerber.

Ebenso kann die eigene Fachrichtung

nicht genannt sein und dennoch das eigene

Bewerberprofil zu den Detailanforderungen

der Arbeitgeber passen.

Stellenanzeigen in der Tages- und Fachpresse im 1. Hj. 2006

Für welche Bereiche/Aufgaben wurden Naturwissenschaftler gesucht?

Forschung und Entwicklung

45,7%

Aus- und Weiterbildung 12%

Verkauf, Vertrieb 10%

Allg. Verwaltung, Koordination 4%

Qualitätskontrolle 3%

Allgemeine Unternehmensleitung 3%

Marketing 3%

Produktion, Fertigung 3%

Hochschule, Forschungseinrichtung

Pharmazeutik

Handel

Chemie

Elektronik, Computerindustrie

Gesundheitswesen

7%

4%

4%

2%

Chemie- und

Physikingenieure

Der Arbeitsmarkt und Weiterbildungsmöglichkeiten

für Chemie- und

Physikingenieure werden in BBZ

Heft 25 Ingenieurwissenschaften

Arbeitsmarkt

und

Weiterbildungbeschrieben.

Welche Branchen/Arbeitgeber suchten Naturwissenschaftler?

14%

42%

Quelle: Adecco Stellenindex


12

DER ARBEITSMARKT

Biologen

Der Arbeitsmarkt für Biologen

blieb trotz eines Rückgangs der

Arbeitslosigkeit um 3% schwierig.

Während die Naturwissenschaftler

im Durchschnitt einen

Stellenzuwachs von 11,7% verzeichneten,

gingen die Stellenmeldungen

für Biologen um 4%

zurück.

Tipps für Biologen

Alternativen: Förderlich für eine nicht

direkt auf die Biologie ausgelegte Berufstätigkeit

sind Praxiserfahrungen in

einem fachfremden Tätigkeitsfeld wie

im Vertrieb oder im Marketing – nachgewiesen

durch Praktika, ein Aufbaustudium

oder Nebenerwerb. Weitere

Informationen zum Thema Berufseinstieg

und Praktikum siehe Seite 52ff.

Auch der Seiteneinstieg ins Lehramt

war 2005 für einige Biologen interessant.

Auskunft erteilen die Schulministerien

und Bezirksregierungen der

Bundesländer.

Einige Biologen können mit Auslandserfahrung

aufwarten, da sie ein Semester

außerhalb Deutschlands studiert

oder ihre Post-Doc-Zeit im Ausland

verbracht haben. Für sie kann

eine weitere Forschungs- oder Berufstätigkeit

im Ausland von Interesse

sein, da sie bereits über Anknüpfungspunkte

verfügen und der Auslandsaufenthalt

ihre interkulturelle Kompetenz

gestärkt hat. Mehr zum Arbeiten im

Ausland ab Seite 76.


Entwicklung des Arbeitsmarktes

2005 im Vergleich zu 2004

Arbeitslose

davon Frauen

davon mit Universitätsabschluss

Stellenzugang

Arbeitsmarkt

4.627

56,7%

95,5%

656

-3,0%

55,1%

95,3%

-4,0%

Oftmals standen Biologen in unmittelbarer

Konkurrenz zu Chemikern, Chemieingenieuren

oder Verfahrensingenieuren,

so dass sich die Bewerberzahl auf eine

Stelle vervielfachte.

Ausbildungsnahe Tätigkeiten gab es für

Biologen vor allem an den Hochschulen

und in der Biomedizin. Allerdings waren

hier die fachlichen Anforderungen sehr spezialisiert

und differenziert. Fast zwei Drittel

der gemeldeten Stellen waren befristet.

Am häufigsten waren Biologen in der privaten

Forschung und Entwicklung gefragt.

Ein Drittel der Offerten kamen aus

diesem Feld. Hochschulen meldeten

14,2% (vgl. Grafik).

Biologen, die sich davon verabschiedet

haben, eine forschungsnahe Tätigkeit

auszuüben, finden punktuell Beschäftigungsmöglichkeiten

in der Nahrungsmittelbranche.

Sie stehen hier etwa bei der

Qualitätssicherung in der Lebensmittelproduktion

in Konkurrenz zu Ökotrophologen

oder Lebensmitteltechnologen.

Biotechnologie

Deutschland ist nach den USA und Kanada

der drittgrößte Standort von Biotechnologieunternehmen

weltweit. Fortschritte

in Diagnostik und Therapie, eine zunehmende

Zahl gentechnisch hergestellter

Arzneimittel und umweltschonende

Produktionsverfahren verdeutlichen den

Erfolg der Branche. Die Umsatzzahlen

wiesen 2005 nach oben, zurückgegangen

sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung

und die Zahl der Beschäftigten.

Dies alles sind Anzeichen dafür, dass sich

die Branche weiter auf Konsolidierungskurs

befindet. Biologen mit biotechnologischem

Fachschwerpunkt und fundiertem

molekularbiologischen Wissen hatten

2005 in dieser Branche Beschäftigungschancen.

Auch zukünftig werden

Biologen dieser Ausrichtung leichter auf

dem Arbeitsmarkt fündig werden.

Zoologie, Botanik, Umweltschutz

Anders sieht es für Biologen mit Schwerpunkten

in Zoologie, Botanik oder

Umweltschutz aus. 2005 bot der Arbeitsmarkt

ihnen kaum Chancen. Mit einem

Stellenzuwachs ist nicht zu rechnen.

Im Umweltschutz haben sich die Schwerpunkte

der Nachfrage hin zu stärker technischen

Themen verlagert: Abfallentsorgung

und erneuerbare Energie verlangen

stärker nach Ingenieuren oder fachkundigen

Betriebswirten.

Trend: Bionik

Ein Beschäftigungspotenzial kann sich für

Biologen mit Schwerpunkt Zoologie oder

Botanik entwickeln, wenn sie ihr Spezialwissen

in einem anderen Kontext – etwa

der Bionik – platzieren. Diese Kombination

aus Biologie und Technik bietet zahlreiche

Innovationen. Wenn etwa Schmutz

abweisende Oberflächen nach dem Vorbild

der Natur hergestellt werden oder

Fahrzeuge in ihrer Konstruktion Lebewesen

zum Vorbild haben, ist nicht nur ingenieurtechnisches,

sondern auch biologisches

Fachwissen gefragt. Hier wird

deutlich, wie wichtig die Vernetzung mit

anderen Fachwissenschaften ist.

Alternativen

Je nach vorhandenen Zusatzkenntnissen

kann ein Biologe auch

als selbstständiger Gutachter,

im Garten- und Landschaftsbau,

im Wissenschaftsjournalismus,

im Bereich Humanmedizin oder

im Dokumentations- und Informationswesen

tätig werden.

Wer suchte 2005 Biologen?

Forschung und Entwicklung

Hochschulen

Gesundheitswesen

Öffentlicher Dienst

Verbände

Chemische Industrie

Handel

Unternehmensberatung

Technisch-, physikalisch-, chemische Untersuchung

Personaldienstleister

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Biologen 13

Auch in der Softwareentwicklung findet der

EDV-Spezialist unter den Biologen vereinzelt

eine Arbeitsstelle. Ein Bewerber mit

zusätzlicher Qualifikation in Bioinformatik

kann mit seinem Interesse an Programmiersprachen

und Datenbankmanagement

in der biotechnologischen oder chemischen

Forschung einen Arbeitsplatz finden.

Erwartungen der Arbeitgeber

Für Biologen ohne Berufserfahrung in dem

ausgeschriebenen Tätigkeitsbereich stellte

sich der Einstieg ins Berufsleben als

sehr schwierig dar. Die fachlichen Anforderungen

waren oft sehr spezialisiert. An

der Spitze der Wunschliste standen:

Molekularbiologie

Genetik

Gentechnologie

Mikrobiologie

Die Bewerber sollten auch fit sein in Biochemie,

Pharmakologie, nichtärztlicher

Immunologie und Biotechnologie. Seltener

gefragt waren Kenntnisse der Bakteriologie,

der Ökologie, der Botanik oder

der Limnologie.

Für einige Positionen war Laborpraxis

unabdingbar. Im Detail wurden hier chemische

Untersuchungsverfahren, bildgebende

Analyseverfahren und Kenntnisse

der Readertechnologien erwartet.

Bei Vertriebspositionen zählten Marketingkenntnisse

und Verkaufserfahrung. Gern

gesehen waren Erfahrungen im Projektmanagement

und betriebswirtschaftliches

Wissen. Ohne fundierte PC-Kenntnisse

konnte sich kein Bewerber sehen lassen.

Schlüsselqualifikationen

Lang war die Wunschliste der Schlüsselqualifikationen:

Flexibilität und Teamfä-

14,2%

8,7%

8,4%

4,6%

3,6%

3,4%

2,6%

2,1%

2,1%

33,1%


14

DER ARBEITSMARKT

higkeit, selbstständige Arbeitsweise und

Organisationsfähigkeit fanden in den

Anforderungsprofilen häufiger Erwähnung

als manches fachliche Detail.

Vergütung

Promotionsstellen an Hochschulen sind

meist als Stellen für wissenschaftliche

Mitarbeiter ausgeschrieben.

Die Tarifverträge zur Überleitung der

Angestellten vom alten Bundesangestelltentarifvertrag

(BAT) in den neuen TVöD

sehen vor, dass Angestellte, die gemäß

BAT der Vergütungsgruppe II zugeordnet

waren, gemäß TVöD nach Entgeltstufe 13

bezahlt werden. Das entspricht für

Berufsneulinge einem Jahresbrutto von

33.800 € bei einem Arbeitsort im Westen

und 31.300 € im Osten Deutschlands.

Tarifvertragliche Regelungen gibt es auch

in der chemischen Industrie, jedoch nicht

unbedingt in anderen Einsatzbereichen

von Biologen. Damit unterliegen Gehälter

vielen Einflussfaktoren: Neben dem Verantwortungsgrad

einer Tätigkeit und der

Berufserfahrung spielt auch der Unternehmensstandort

eine Rolle.

Tätigkeitsfelder

Forschung und Entwicklung

Klassische Arbeitgeber in der Grundlagenforschung

sind Universitäten, Max-

Planck-Institute und Bundesforschungsanstalten.

Die Forschung bei den großen

chemischen und pharmazeutischen Firmen

ist in erster Linie anwendungs- und

produktbezogen.

Die bio- und gentechnische Forschung

findet gegenwärtig besonderes Interesse.

Sie wird in gut ausgestatteten Labors

durchgeführt, die in der Regel an den Schnittstellen

zu den Hochschulen, Forschungseinrichtungen

und Firmen angesiedelt sind.

In den Labors, die sich ausschließlich der

Diagnostik widmen, ist der Anteil der

Forschung deutlich geringer ausgeprägt:

Die Gendiagnostik spielt eine große

Rolle in der Forensik, in der Biomedizin

bei der Diagnose von Krankheiten

und Krankheitserregern, in der Pflanzen-

und Tierzucht sowie in der Lebensmittelkontrolle.

Im Bereich der medizinischen Diagnostik

sind Molekularbiologen zwar bestens

ausgebildet, sie können aber dennoch

nicht die Leitung eines Labors

übernehmen. Denn in Deutschland ist

die Diagnose mit der Therapie verknüpft

– und damit eine Domäne der Mediziner.

Nur die Mediziner sind zeichnungsbefugt.

Für alle Forschungsarbeiten gilt: Die aktive

wissenschaftliche Beteiligung am Forschungsprozess

erfordert ein hohes Maß

an Eigenmotivation und Teamarbeit.

Wichtig sind außerdem umfassende

Kenntnisse in Statistik und Informatik.

Forschungsnahe Aufgaben rund

um das Labor

Biologen arbeiten zum Beispiel in Dienstleistungsunternehmen,

in denen Routinearbeiten

für die Forschung durchgeführt

werden (Sequenzanalysen, Synthesen).

Andere wiederum sind bei Firmen

beschäftigt, die neue Geräte für den

Laborbetrieb entwickeln.

Arbeitsfelder bieten sich zudem in der

Produktion und Qualitätskontrolle bei größeren

Gesellschaften aus dem Pharmaund

Agrarsektor. Biologisches Fachwissen

ist auch erforderlich bei den klinischen

Studien, die vor der Zulassung

eines Arzneimittels erfolgen müssen.

Tätigkeiten jenseits der Forschung

Dokumentation und Bewertung

Die weltweit wachsende Zahl von Publikationen,

Abhandlungen, Berichten und

Informationen erfordert eine gründliche

und systematische Dokumentationsarbeit.

Bei den Unternehmen sind es insbesondere

die Bereiche Forschung, Produktion

und Anwendungstechnik, die auf

erstklassige Informationen aus Archiven

angewiesen sind.

Zur effizienten Verarbeitung der Informationen

sind EDV-Kenntnisse und Fremdsprachenkenntnisse

unverzichtbar.

Infobroking

Biologen, die als Infobroker tätig sind, recherchieren

medizinische Fragestellungen,

beispielsweise zu neuen Untersuchungstechniken

oder zu klinischen Studien.

Infobroker arbeiten häufig als ausgelagerte

medizinische Abteilung eines Pharmaunternehmens

und übernehmen

Dienstleistungen im Bereich der klinischen

Forschung und der medizinischen

Wissenschaften.

Bioinformatik

Bioinformatiker wenden Computertechniken

auf Fragestellungen der Life-Sciences

(Biologie und Medizin = die Wissenschaften

vom Leben) an. Sie katalogisieren die

enormen Datenmengen, die sich seit der

Entschlüsselung der DNA-Struktur in

rasantem Tempo entwickelt haben. Die

Daten werden in Datenbanken gesammelt,

sortiert und indiziert.

Bioinformatik eignet sich insbesondere für

Biologen, die gerne am Computer arbeiten.

Grundkenntnisse in Unix/Linux sind

hier ebenso von Vorteil wie Erfahrungen

mit einer Programmier- oder Scriptsprache.

Marketing, Vertrieb und Produktmanagement

Im Marketing und Vertrieb zu arbeiten,

entspricht häufig nicht den ursprünglichen

Berufsvorstellungen vieler Biologen.

Dennoch handelt es sich hier um ein vielseitiges

Aufgabenfeld. Sich auf die verschiedenen

Menschentypen einzustellen,

erfordert viel Geduld, Flexibilität und Einfühlungsvermögen.

Ein praxisnaher Studienschwerpunkt,

gute bis sehr gute Diplomnoten sowie

zusätzliche Kenntnisse in Pharmazie und

Medizin spielen für diese Tätigkeit eine

wichtige Rolle. Eine Promotion wird nicht

erwartet, zu Repräsentationszwecken

jedoch gern gesehen.

Zu den Aufgaben im Vertrieb gehörten

üblicherweise auch Produktschulungen,

Analysen von Verkaufsstatistiken sowie

das Erstellen von Preisangeboten. Wer

sich im Außendienst bewährt hat, findet

leicht den Weg in höhere Managementbereiche.

Biologen im Produktmanagement begleiten

ein Produkt von der Idee über die Entwicklung

und Produktion bis hin zur Ver-

EuroBiol

Um über die Anerkennung akademischer

Qualifikationen in Europa hinaus

auch die erkenn- und anerkennbaren

professionellen Qualifikationen zu harmonisieren,

haben die in der ECBA

(European Communities Biologists

Association) vereinten nationalen Berufsverbände

von Biologen ihren Mitgliedern

die Möglichkeit eröffnet, die

Anerkennung als Eurobiologe (Euro-

Biol) zu erwerben.

Dieser Titel beruht auf einem europaweiten

Anerkennungsstandard und

kann von Mitgliedern bei den nationalen

Berufsverbänden beantragt werden.

Näheres siehe unter www.europeanbiologists.org

Hier finden Sie Informationen zu Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 82)


marktung. In diesem Einsatzfeld werden

von den Kunden und dem Außendienst

alle Informationen gesammelt, die dazu

dienen können, die aktuellen Produkte zu

verbessern oder neue zu entwickeln.

Der Weg zum Produktmanager führt häufig

über die Stationen Außendienst oder

Technischer Service. Gute Voraussetzungen

sind eine Promotion oder eine Marketingausbildung

mit anschließendem

Praktikum.

Patentanwalt

Patentanwälte sind Berater und Vertreter

auf allen Gebieten des gewerblichen

Rechtsschutzes, etwa bei Patenten und

Marken oder Gebrauchs- und Geschmacksmustern.

Auf diesem Terrain arbeiten

weit weniger Juristen als häufig

angenommen. In der Regel handelt es sich

um Ingenieure oder Naturwissenschaftler

mit entsprechender Zusatzausbildung.

Die Patentanwälte müssen über sämtliche

wissenschaftliche Aktivitäten ihrer Firma

gut unterrichtet sein. Wichtig ist, dass

man den wissenschaftlichen Hintergrund

und die Details einer Erfindung versteht.

Biologen, die als Patentanwalt arbeiten

möchten, müssen eine zweijährige Ausbildung

in einer Kanzlei oder in einer

Patentabteilung der Industrie absolvieren.

Nach Beendigung einer einjährigen

Praxisphase können sie dann die deutsche

Patentanwaltsprüfung und die Prüfung

zum zugelassenen Vertreter vor dem

Europäischen Patentamt ablegen.

Wichtige Voraussetzungen für diese Aufgaben

sind ein abgeschlossenes Studium,

mindestens ein Jahr praktische Berufserfahrung,

sehr gute Englischkenntnisse.

Qualitätsmanagement

Beschäftigungsmöglichkeiten für Biologen

bieten sich auch im Qualitätsmanagement,

etwa bei Firmen aus den Branchen

Pharmazie, Lebensmittelherstellung, Biotechnologie,

Landwirtschaft, Gesundheitswesen

oder bei Analyse-Labors.

Biologen haben hier damit zu tun, ein auf

deutschen und europäischen Normen basierendes

Qualitätsmanagement zu etablieren

oder die Einführung von Produktsicherheitskonzepten

zu unterstützen.

Verlags- und Pressewesen

Biologische Themen und Fakten sind

auch für das Verlags- und Pressewesen

von Interesse. Die redaktionellen Arbeiten

werden häufig nicht von fest angestellten

Mitarbeitern geleistet, sondern

auf freie Mitarbeiter übertragen.

In Verlagen arbeiten Biologen als Fachlektoren

oder als naturwissenschaftliche

Redakteure. In naturwissenschaftlich ausgerichteten

Firmen finden sie auch Beschäftigung

in der Öffentlichkeitsarbeit.

Sachverständiger/Gutachter

Als Sachverständiger/Gutachter arbeiten

Biologen häufig freiberuflich.

Im Auftrag von Unternehmen, Behörden,

Verbänden und wissenschaftlichen Einrichtungen

erstellen sie Gutachten, leiten

Projekte und führen Beratungen durch.

Biologen arbeiten auch in privaten

Umweltinstituten oder gesellschaftspolitischen

Interessenvertretungen.

Ausblick – Trends und

Entwicklungen

Life-Sciences

Die Life-Science-Industrie – dazu gehören

Unternehmen, die vor allem auf

den Gebieten Medizin, Landwirtschaft,

Chemie, Biotechnologie und Arzneimittel

tätig sind – ist für Biologen bereits

seit längerem ein wichtiges Berufsfeld.

Der klassische Ausbildungsweg ist in

Deutschland nach wie vor ein Studium

der Biologie (oder der Medizin

oder Chemie), oft auch eine anschließende

Promotion.

In der Praxis erfordern viele Positionen

der Life-Science-Industrie eine

Kombination von natur-, ingenieurwissenschaftlichen

und Management-

Qualifikationen. In den USA wurde deshalb

der Master of BioScience entwickelt,

der auf die Bedürfnisse der

Life-Science-Industrie zugeschnitten

ist und biologische, chemische, labortechnische

und medizinische Inhalte

mit juristischen und betriebswirtschaftlichen

Kenntnissen verbindet.

Zudem kann ein Studium als Master

of BioScience auch für Naturwissenschaftler,

deren Berufserfahrung auf

anderen Gebieten liegt, oder für Quereinsteiger

die notwendigen Qualifikationen

für einen Einstieg in die Life-

Sciences vermitteln. Auch in Deutschland

sind erste Masterangebote in

diesem Bereich zu verzeichnen.

Hier finden Sie Informationen

zu Trends und Entwicklungen

in Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de

(siehe auch

Seite 82)

Biologen 15

Auswahl wichtiger Adressen

Berufsvertretung Deutscher Biologen

e.V. (BDBiol)

Adolfplatz 8, 24105 Kiel

Tel.: 04 31/8 00 94 80,

Fax: 04 31/8 00 94 79

E-Mail: webmaster@biologenverband.de

www.biologenverband.de

Verband Deutscher Biologen und biowissenschaftlicher

Fachgesellschaften e.V.

(vdbiol)

Corneliusstraße 12, 80469 München

Tel.: 0 89/26 02 45 73,

Fax: 0 89/ 26 01 97 29

E-Mail: info@vdbiol.de

www.vdbiol.de

Biologische Bundesanstalt für Land- und

Forstwirtschaft (BBA)

Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig

Tel.: 05 31/2 99-5,

Fax: 05 31/2 99-30 00

E-Mail: Pressestelle@bba.de

www.bba.de

SATIS – Studentische Arbeitsgruppe

gegen Tiermissbrauch im Studium

Roermonder Straße 4a, 52072 Aachen

Tel.: 02 41/15 72 14,

Fax: 02 41/15 56 42

E-Mail: satis@tierrechte.de

www.satis.tierrechte.de

Fachzeitschriften

Praxis der Naturwissenschaften Biologie

(PdN BioS): Aulis Verlag,

www.aulis.de/zeitschriften/bios

Biologie in unserer Zeit: Wiley-VCH

Verlag, www.wiley-vch.de

Spektrum der Wissenschaft: Spektrum

der Wissenschaft Verlag,

www.spektrum.de

Wichtige Verzeichnisse

OECKL, Taschenbuch des öffentlichen

Lebens, Festland Verlag, Bonn

Handbuch der Großunternehmen,

Alphabetisches Firmenregister, Hoppenstedt

GmbH, Darmstadt

Hier finden Sie Angebote zur Aus- und Weiterbildung: www.kursnet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 64/65)


16

DER ARBEITSMARKT

Chemiker

Die Chemiebranche ist in Deutschland nach der Automobilindustrie,

dem Maschinenbau und der Elektrotechnik

der viertgrößte Wirtschaftszweig. 2005 sind Umsatzund

Produktionsvolumen um 7 bzw. 6% gewachsen.

Auch für 2006 wird ein leichtes Produktionswachstum

erwartet. Diese positive Wirtschaftsentwicklung geht

seit Jahren einher mit erheblichen Umstrukturierungen

und einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen.


Entwicklung des Arbeitsmarktes

2005 im Vergleich zu 2004

Arbeitslose

davon Frauen

davon mit Universitätsabschluss

Stellenzugang

Arbeitsmarkt

4.123

41,9%

88,0%

964

-6,4%

40,7%

88,5%

+14,9%

Die Firmen verstärken ihre Auslandsinvestitionen

in der Produktion, um neue

Märkte zu erschließen, aber auch um von

günstigeren Produktionsstandorten zu

profitieren. 2005 nahm die Zahl der

Arbeitsplätze in der Chemieindustrie in

Deutschland weiter um 1% ab und lag bei

insgesamt 440.000 Mitarbeitern. Auch

2006 ist ein weiterer Beschäftigungsrückgang

zu erwarten. Insgesamt betrifft

dies vor allem die Produktion und teilweise

den Servicebereich.

Forschung und Entwicklung sind nur

moderat betroffen. Da die Nachfrage

nach Chemikern sich stark in diesem

Bereich konzentriert, lassen sich ihre

Beschäftigungschancen noch immer als

vergleichsweise günstig bezeichnen. Mit

einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen

um 6,4% schnitten sie leicht besser ab als

der Durchschnitt aller Naturwissenschaftler

und deutlich besser als alle Akademiker

(-3,0%). Gleichzeitig registrierten

die Agenturen für Arbeit einen Stellenzuwachs

um 14,9% (alle Naturwissenschaftler

+11,7%).

Zwar waren 44,3% dieser Stellen befristet.

Doch ist gleichzeitig zu bedenken,

dass viele Unternehmen ihre offenen

Positionen nicht annoncierten, sondern

im direkten Kontakt mit Hochschulen auf

Bewerbersuche gingen. Insbesondere

junge Chemiker hatten es damit leicht,

eine Stelle zu finden.

Stellenangebote

Mit 14,6% war der größte Anteil der Nachfrage

nach Chemikern im Bereich Forschung

und Entwicklung angesiedelt. Die

chemische Industrie lag bei den Stellenmeldungen,

die die Agenturen für Arbeit

registrierten, nur auf Platz 4 (10,5 %).

Hochschulen formulierten erwartungsgemäß

ebenfalls einen hohen Anteil der

Nachfrage (11,7%). Im Natur- und Landschaftsschutz

waren 2005 zahlreiche Stellen

für Chemiker gemeldet. Nachfrage kam

in geringerem Umfang aus der öffentlichen

Verwaltung, dem Handel, aus Unternehmensberatungen

und Ingenieurbü-

ros. Vereinzelt boten Unternehmen der

Papierbranche oder der Elektrotechnik

Stellen für Chemiker an. Umstrukturierungen

etwa in der Textilchemie, Standortverlagerungen

nach Osteuropa oder

Südamerika, verringerten die Beschäftigungsmöglichkeiten

im Textilbereich.

Chemiker hatten nicht in allen Stellenanzeigen

eine exklusive Position, denn oft

waren die Angebote nicht ausschließlich

für Chemiker formuliert. Sehr häufig

suchten die Unternehmen auch einen

Chemieingenieur, Verfahrenstechniker,

Pharmazeuten, Mikrobiologen, Werkstofftechniker

oder Physiker.

Erwartungen der Arbeitgeber

Einen hohen Stellenwert maßen die Arbeitgeber

den Schlüsselqualifikationen

der Bewerber bei. Zu den wichtigen Eigenschaften

der Bewerber gehörten

Teamfähigkeit

Kommunikationsstärke

Überzeugungskraft

Kreativität

Engagement

eine strukturierte Arbeitsweise

das Denken in Systemen

Verantwortungsbereitschaft

Fachliche Berufserfahrung war bei den

meisten Positionen gefordert, bei Leitungspositionen

wünschten sich die

Unternehmen Erfahrung in Mitarbeiterführung.

Betriebswirtschaftliches Wissen war im

Bewerberprofil ebenso von Vorteil wie

EDV-Kenntnisse der Standard-Bürokommunikation.

Hin und wieder verlangten

sie außerdem Datenbank- oder auch Programmierkenntnisse.

Für einige Laborstellen

waren auch Erfahrungen in der

angewandten Statistik notwendig.

War eine Stelle mit Zulassungsfragen

befasst, sollten die Bewerber die gesetz-

Chemiker 17

lichen Bestimmungen und internationalen

pharmazeutischen Standards sehr gut

kennen.

Englisch in Wort und Schrift verhandlungssicher

zu beherrschen, setzten die

Unternehmen bei den Bewerbern voraus.

Für sehr viele Positionen wurde eine Promotion

gewünscht.

Weitere geforderte Fachkenntnisse

chemische Mess- und Prüfverfahren

Analytik (z.B. FT-IR, ICP, DTA, TGA,

Emissionsspektrometrie)

physikalische Messtechnik

Chemometrie

Oberflächenchemie

Polymerchemie und Materialwissenschaften

Vergütung

Abhängig von der Branche, vom Verantwortungsgrad

ihrer Tätigkeit, von der

Region, in der das Unternehmen angesiedelt

ist und einer eventuellen Tarifbindung,

variiert das Gehalt.

Ohne Tarifbindung sind die Gehälter frei

verhandelbar. Dies trifft im ersten

Beschäftigungsjahr auch auf Chemiker in

der chemischen Industrie zu. Erst im

zweiten Beschäftigungsjahr weist der

Branchentarifvertrag der chemischen

Industrie aus, dass ein diplomierter Chemiker

auf mindestens 48.470 € Jahresgehalt

Anspruch hat. Wenn er promoviert

ist, liegt die Summe bei 56.480 €. Der

Tarifvertrag gilt für Westdeutschland bis

Ende 2006.

Im öffentlichen Dienst, dessen Gehaltsstruktur

meist auch für die Bezahlung an

Hochschulen angewandt wird, wird ein

Chemiker in die Entgeltgruppe 13 oder

14 des Tarifvertrages des öffentlichen

Dienstes (TVöD) eingestuft. In der Entgeltgruppe

13 liegt das Einstiegsgehalt

bei 2.817 €.

Stellenanzeigen in der Tages- und Fachpresse im 1. Hj. 2006

Für welche Bereiche/Aufgaben wurden Chemiker gesucht?

Forschung, Entwicklung

58%

Aus- und Weiterbildung 10%

Technische Leitung,

Projektmanagement

5%

Recht 4%

Konstruktion 4%

Produktion, Fertigung 4%

Quelle: Adecco Stellenindex


18

DER ARBEITSMARKT

Andere Positionen im öffentlichen Dienst

sind je nach Verantwortungsgrad anderen

Entgeltgruppen zugeordnet. Der Einstieg

kann zum Beispiel auch in der Entgeltgruppe

9 liegen mit einem Einstiegsgrundgehalt

von 2.061 € monatlich.

Tätigkeitsfelder

Die Tätigkeitsbereiche, für die 2005 Chemiker

gesucht wurden, waren sehr vielfältig.

Es ging um Laborprüfungen und Auswertungen,

um die Optimierung und Validierung

von Analysemethoden, um die

Übertragung der Entwicklungstätigkeit in

die Fertigung und um Qualitätssicherung

in der Produktion.

Fachleute in Zulassungsverfahren, Projektleiter

und Produktmanager waren

ebenso gefragt wie Marketingspezialisten

und Experten im Arbeitsschutz. Chemiker

sollten auch den Außendienst/Vertrieb

für unterschiedliche Produkte übernehmen.

Nicht zuletzt boten viele Hochschulen

Post-doc-Positionen an.

Forschung und Entwicklung

Für Chemiker ist der Bereich Forschung

Auswahl wichtiger Adressen

Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

(GDCh)

Postfach 90 04 40, 60444 Frankfurt/Main

Tel.: 0 69/79 17-0, Fax: 0 69/79 17-2 32

E-Mail: gdch@gdch.de, www.gdch.de

Verband der chemischen Industrie e.V.

(VCI)

Karlstraße 21, 60329 Frankfurt/Main

Tel.: 0 69/25 56-0, Fax: 0 69/25 56-14 71

E-Mail: internetinfo@vci.de

www.vci.de

Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V.

(BAVC)

Postfach 12 80, 65002 Wiesbaden

Tel.: 06 11/7 78 81-0,

Fax: 06 11/7 78 81-23

E-Mail: info@bavc.de, www.bavc.de

IG BCE – Industriegewerkschaft Bergbau,

Chemie und Energie (IG BCE)

Königsworther Platz 6, 30167 Hannover

Tel.: 05 11/76 31-0, Fax: 05 11/7 00 08 91

E-Mail: info@igbce.de, www.igbce.de

und Entwicklung das wichtigste Einsatzfeld,

wobei es sehr unterschiedliche Ausprägungen

hat. Die Forschung an Hochschulen

und staatlichen Einrichtungen

befasst sich mit den naturwissenschaftlichen

Grundlagen, während sich die Forschung

in der Industrie auf die Entwicklung

von marktfähigen Produkten konzentriert

und unter großem ökonomischem

Druck steht.

Chemiker arbeiten meist im Labor. Ihre Aufgabe

besteht im Wesentlichen darin, Versuchsreihen

aufzustellen, Reaktionen zu

überprüfen und Ergebnisse auszuwerten.

Die Großchemie setzt Hochschulabsolventen

häufig zuerst im Bereich Forschung

und Entwicklung ein. Von hier aus

bestehen in der Regel gute Chancen zu

einem Wechsel in andere Bereiche des

Unternehmens, etwa in die Produktion

oder in die Anwendungstechnik.

Verfahrenstechnik

Um eine im Labor gewonnene Substanz

in größeren Mengen produzieren zu können,

müssen entsprechende Herstellungswege

gefunden oder neu berechnet

werden.

Berufsgenossenschaft der chemischen

Industrie (BG Chemie)

Kurfürsten-Anlage 62, 69115 Heidelberg

Tel.: 0 62 21/5 23-0,

Fax: 0 62 21/5 23-2 27

E-Mail: info@bgchemie.de

www.bgchemie.de

Verband angestellter Akademiker und

leitender Angestellter der chemischen

Industrie e.V. (VAA)

Kattenbug 2, 50667 Köln

Tel.: 02 21/1 60 01-0, Fax: 02 21/16 00 16

E-Mail: info@vaa.de, www.vaa.de

DECHEMA – Gesellschaft für Chemische

Technik und Biotechnologie e.V.

Theodor-Heuss-Allee 25,

60486 Frankfurt/Main

Tel.: 0 69/75 64-0, Fax: 069/75 64-201

www.dechema.de

Fachzeitschriften

Advanced Synthesis & Catalysis:

Wiley-VCH Verlag (vorher: Journal für

Praktische Chemie), www.wiley-vch.de

Chemieingenieure

Der Arbeitsmarkt und Weiterbildungsmöglichkeiten

für Chemie- und

Physikingenieure werden in BBZ

Heft 25 Ingenieurwissenschaften

Arbeitsmarkt

und

Weiterbildungbeschrieben.

In der Verfahrenstechnik gilt es, sowohl

den Einfluss der variablen Größen auf die

Substanz als auch die entstehenden

Kosten zu berücksichtigen. Mit der

Umsetzung der Laborergebnisse in einen

Chemie in unserer Zeit: Wiley-VCH

Verlag, www.wiley-vch.de

Internetadressen

www.chemiekarriere.net: Das professionelle

Karrierenetzwerk für Chemieberufe

www.chemie-im-fokus.de: Infoseite

über Berufsbilder, Ausbildungsberufe

und Studiengänge im Bereich der Chemie.

Hrsg.: Gesellschaft Deutscher

Chemiker und Fonds der Chemischen

Industrie im Verband der Chemischen

Industrie e.V.

Wichtige Verzeichnisse

OECKL, Taschenbuch des öffentlichen

Lebens, Festland Verlag, Bonn

Handbuch der Großunternehmen,

Alphabetisches Firmenregister, Hoppenstedt

GmbH, Darmstadt

Hier finden Sie Informationen zu Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 82)


produktionstechnischen Maßstab sind in

der Regel Verfahrensingenieure und technisch

qualifizierte Chemiker beschäftigt.

Die elektronische Datenverarbeitung

wird bei diesen Prozesssimulationen und

-steuerungen immer wichtiger.

Produktion

In der Produktion sollen die Erzeugnisse mit

möglichst geringem Kosten- und Materialaufwand

hergestellt werden, und zwar

termingerecht und in stets gleich bleibender

Qualität. Zudem muss darauf geachtet

werden, wie sich die Produktion steigern

und die Umweltbelastung reduzieren lässt.

In diesem Einsatzbereich fangen Chemiker

oft als Betriebsassistenten an. Sie

übernehmen Teilbereiche der Produktion

– etwa die Qualitätskontrolle, das Sicherheitswesen

oder einzelne Schritte eines

mehrstufigen Produktionsverfahrens.

Anwendungstechnik

Forschung, Produktion und Verkauf werden

von der Anwendungstechnik koordiniert.

Hier stehen Chemiker in ständigem

Kontakt mit den Kunden, untersuchen

Einsatzmöglichkeiten und Verarbeitungstechniken

neuer Produkte und erforschen

Marktlücken.

Dokumentation

Die weltweit wachsende Zahl von Publikationen,

Abhandlungen und technischen

Informationen erfordert eine gründliche

und systematische Dokumentationsarbeit.

Insbesondere die Bereiche Forschung,

Produktion und Anwendungstechnik

sind auf die Informationen aus eigenen

und externen Archiven angewiesen.

Patentwesen

Bei neuen Erfindungen muss geprüft werden,

ob sie als Patent angemeldet und im

Ausgewählte Weiterbildungen speziell

für Chemiker finden Sie auf Seite 69.

In- und Ausland gewerblich geschützt

werden können. Auch geht es im Patentwesen

um Vertragsverhandlungen mit

Lizenznehmern und -gebern sowie um

Vereinbarungen bei Erfindungen von

hauseigenen Angestellten. In diesem Bereich

arbeiten Chemiker als Patentsachbearbeiter.

Informationen zum Patentanwalt siehe

Seite 15.

Marketing und Vertrieb

Hochwertige Produkte, differenzierte

Anforderungen der Kunden und wachsende

Konkurrenz auf dem Weltmarkt räumen

dem Außendienst bei der Personalplanung

einen hohen Stellenwert ein. Die

Palette der zu verkaufenden Produkte

reicht von Pharmaka über einzelne technische

Geräte bis zur kompletten Produktionsanlage.

Lehramt

Der Mangel an Lehrern in den naturwissenschaftlichen

Unterrichtsfächern bietet

Chemikern auch 2006 die Möglichkeit,

als Seiteneinsteiger im Schuldienst

zu beginnen. Details der Anerkennung von

Diplomabschlüssen und aktuellen Einstellungsverfahren

geben die Bezirksregierungen

der einzelnen Bundesländer bekannt.

Wissenschaftsjournalismus

Eine journalistische Zusatzqualifikation

kann es auch einem Chemiker ermöglichen,

als Fachredakteur im Wissenschaftsjournalismus

tätig zu sein. Sein

naturwissenschaftliches Wissen kann ein

Pluspunkt gegenüber der Bewerberkonkurrenz

sein, jedoch sollte er sich auch

darüber im Klaren sein, wie begehrt das

Tätigkeitsfeld Journalismus weiterhin ist.

Chemiker 19

Museen und Bibliotheken

Das Interesse von Naturwissenschaftlern

richtet sich seltener auf Museen oder

Bibliotheken. Diese stehen bei Geisteswissenschaftlern

weit oben auf der Präferenzliste.

Doch auch hier kann gerade

das Fachwissen eines Chemikers in Kombination

mit einem Volontariat oder einem

Referendariat neue berufliche Optionen

bieten.

Ausblick – Trends und

Entwicklungen

Neue Chancen für Chemiker

Im Bereich Forschung und Entwicklung

wird die Entwicklung neuer

analytischer Prüf- und Messmethoden,

die auch automatisiert werden

können, an Bedeutung gewinnen.

Forschungsmanager sind hier

gefragt, die neben dem Fachwissen

den sicheren Blick für die Kosten

mitbringen. Neben der chemischpharmazeutischen

Industrie finden

sich vor allem in der Landwirtschaft,

der Nahrungs- und Genussmittelherstellung

und im Umweltbereich

entsprechende Positionen.

Eine weitere Tätigkeit, die zunehmend

an Bedeutung gewinnt, ist

der Einsatz von Chemikern als Infobroker.

Sie betreiben mit Hilfe

modernster Analyse-Software intensive

Recherchen, erfassen systematisch

Publikationen im weltweiten

Maßstab und entwickeln

oder optimieren unternehmenseigene

Informationssysteme.

Neben den klassischen Betätigungsfeldern

geht der Trend zunehmend

auch zur freiberuflichen

Tätigkeit: beispielsweise als Gutachter

für Umweltfragen, als Mitarbeiter

in Ingenieurbüros oder als

Dienstleister für biologisch-chemische

Nischenprodukte. Mehr Informationen

zum Thema berufliche

Selbstständigkeit ab Seite 70.

Hier finden Sie Informationen

zu Trends und Entwicklungen

in Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de

(siehe auch

Seite 82)

Hier finden Sie Angebote zur Aus- und Weiterbildung: www.kursnet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 64/65)


20

DER ARBEITSMARKT

Geographen / Geowissenschaftler


Geographen

Geographen 21

Geographen sind weiterhin mit einer ungünstigen Arbeitsmarktlage konfrontiert, auch wenn ihre

Arbeitslosigkeit 2005 zurückging. Die Zahl der Stellenmeldungen 2005 fiel um mehr als ein Drittel

niedriger als im Vorjahr aus. Mehr als die Hälfte der gemeldeten Stellen war befristet.

Entwicklung des Arbeitsmarktes

2005 im Vergleich zu 2004

Arbeitslose

davon Frauen

davon mit Universitätsabschluss

Stellenzugang

Arbeitsmarkt

1.569

48,1%

94,9%

63

-3,3%

47,3%

93,3%

-34,4%

An der Spitze der Nachfrage standen mit

einem Viertel der gemeldeten Stellen die

Hochschulen. Auch die öffentliche Verwaltung

schrieb noch eine Reihe von Stellen

für Geographen aus.

Kleiner war der Anteil der Offerten von

Ingenieurbüros, Verbänden, Unternehmen

oder Instituten der Forschung und

Entwicklung, Softwarehäusern oder Verteidigungseinrichtungen.

Vereinzelt wurden

Stellen von Unternehmensberatungen,

Reiseveranstaltern oder Zeitarbeitsfirmen

registriert.

Geographen standen bei ihren Bewerbungen

einerseits immer auch in Konkurrenz

zu anderen ingenieur- und naturwissenschaftlichen

Fachrichtungen. Andererseits

relativiert sich die niedrige Zahl der

Stellen, die explizit für Geographen ausgeschrieben

werden, dadurch, dass Geographen

auch qualifiziert sind für Positionen,

die für Biologen, Sozialwissenschaftler

oder Stadtplaner ausgeschrieben sind.

Einige Bewerber wurden fachfremd tätig,

da sie als Geographen keine Beschäftigung

fanden. Andere schlugen den Weg

in die Selbständigkeit ein, vorwiegend mit

einer Orientierung in die Informationstechnologie.

Alternativen

Da die Qualifikation eines Geographen

breit angelegt ist, lohnen sich Initiativbewerbungen

auf Stellen für andere Berufsgruppen:

Ausgewählte Weiterbildungen

speziell für Geographen finden

Sie auf Seite 69.

in Unternehmensberatungen

in der Immobilienwirtschaft

in der Stadt- und Regionalplanung

in Fachverlagen

in der beruflichen Erwachsenenbildung

Erwartungen der Arbeitgeber

Anwender-Kenntnisse in Geo-Informationssystemen

werden zunehmend vorausgesetzt.

In Einzelfällen wünschen sich die

Unternehmen auch Programmierkenntnisse.

Öfter nachgefragt waren Kenntnisse

in der Datenanalyse und kaufmännisches

Wissen.

Wie für andere Berufsgruppen auch waren

Schlüsselqualifikationen wie Teamund

Organisationsfähigkeit, Belastbarkeit

und Kommunikationsgeschick für Arbeitgeber

wichtig. Fremdsprachenkenntnisse

wurden nicht immer gefordert.

Vergütung

Der Verdienst ist davon abhängig, ob ein

Geograph im öffentlichen Dienst oder in

der Industrie, in einem großen oder kleinen

Unternehmen beschäftigt ist. Auch

aufgrund von Branche und Region,

Berufserfahrung sowie Verantwortungsgrad

der Tätigkeit variieren die Gehälter.

Im öffentlichen Dienst erfolgt die Eingruppierung

nach dem Tarifvertrag des öffentlichen

Dienstes (TVöD). Angestellte, die

nach dem alten Bundesangestelltentarifvertrag

der Vergütungsgruppe II zugeordnet

waren, werden gemäß TVöD meistens

nach Entgeltstufe 13 bezahlt. Das entspricht

für Berufsneulinge einem Jahresbrutto

von 33.800 € bei einem Arbeitsort

im Westen und 31.300 € im Osten

Deutschlands.

Tätigkeitsfelder

Geographen erforschen die Beschaffenheit

der Erdoberfläche, ihre Nutzung

sowie ihre Bedeutung für den Menschen

und seine verschiedenen Kulturen. Sie

analysieren Systemzusammenhänge, zeigen

die Auswirkungen von menschlichen

Eingriffen in dieses System auf und erarbeiten

Pläne für die räumliche Entwicklung

der Umwelt.

Information und Dokumentation

Viele Geographen arbeiten im Bereich

Information und Dokumentation. Hier

geht es um die Sammlung, Speicherung,

Aufbereitung und Vermittlung von raumbezogenen

Informationen; dazu gehören

auch Informationen aus der empirischen

Sozial- und Marktforschung, aus Bibliotheken,

Archiven und Informationsdatenbanken

sowie aus der Touristik.

Raumentwicklung

Einen weiteren Schwerpunkt ihrer Tätigkeiten

stellt die Raumentwicklung/räumliche

Planung dar. Die Aufgaben reichen von

der Bundesraumordnung über die Landesund

Regionalplanung bis hin zur Stadtentwicklungsplanung

auf kommunaler Ebene.

Hinzu kommen die raumbezogenen Fachplanungen,

also Tätigkeitsbereiche in

Dienststellen der Fachministerien auf

Bundes- und Landesebene.

Entwicklungszusammenarbeit

Ein interessantes Tätigkeitsfeld für

Geographen kann die Entwicklungszusammenarbeit

bieten. Für befristete

Aufgaben

in der Wirtschaftsentwicklung,

in der Demographie und Statistik,

im Umweltschutz oder

in der Kartografie

entsenden deutsche Organisationen

und Initiativen Mitarbeiter in unterschiedliche

Zielländer.

Auskunft erteilt zum Beispiel die

Deutsche Gesellschaft für Technische

Zusammenarbeit (www.gtz.de).


22

DER ARBEITSMARKT

GeowissenschaftlerAusgewählte Weiterbildungen speziell für

Geowissenschaftler finden Sie auf Seite 69.

Die Nachfrage nach Geowissenschaftlern (Geologen und Geophysikern) war 2005 stärker als ein

Jahr zuvor. Mit einem Viertel Stellenzuwachs und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 7,1%

schnitt diese Berufsgruppe günstiger ab als der Durchschnitt aller Akademiker. Gestiegen ist aber

auch der Anteil der befristeten Stellen um fast 3% auf nun 60,9%.

Entwicklung des Arbeitsmarktes

2005 im Vergleich zu 2004

Arbeitslose

davon Frauen

davon mit Universitätsabschluss

Stellenzugang

Arbeitsmarkt

1.755

36,5%

91,5%

248

-7,1%

34,9%

92,4%

+24%

Ein Drittel der Stellenmeldungen für Geowissenschaftler

kam aus der öffentlichen

Verwaltung. Auch die Offerten aus Ingenieurbüros

waren noch zahlreich (18,1%).

Geringer war die Stellenzahl, die aus dem

Bereich technischer, physikalischer und

chemischer Untersuchungen gemeldet

wurde (7,7%), die Hochschulen waren mit

5,6% vertreten.

Einzelne Meldungen kamen aus dem Versicherungsgewerbe,

aus der Elektrizitätsversorgung

oder von Unternehmen, die

Mess-, Kontroll- und Navigationsinstrumente

herstellen.

Gesucht waren Geowissenschaftler für

Forschungstätigkeiten, in der Umweltanalytik,

der Baugrunduntersuchung und

der Altlastensanierung.

Vereinzelt hielten Versicherungen nach Geologen

Ausschau, da ihr Fachwissen bei

der Risikoabschätzung von Naturkatastrophen

zunehmend eine Rolle spielt. In der

Rohstofferschließung (Gas, Erdöl) waren

Geologen punktuell gefragte Fachleute.

Erwartungen der Arbeitgeber

Fachkenntnisse

Arbeitgeber erwarten nicht nur fachspezifische

Kenntnisse, sondern auch fachbezogene

Berufserfahrung. So waren in Sanierungsprojekten

Kenntnisse der Bodenmechanik

und der Baugrunduntersuchung

sowie Erfahrungen im Grund- und Tiefbau

erforderlich.

Einige Arbeitgeber wünschten sich Exper-

ten in Mineralogie, andere legten großen

Wert auf Fachkenntnisse in der Umweltmesstechnik,

Kartierung und der Luftbildgeologie.

Sehr gefragt war das Beherrschen der

Digitalisierungstechnik. Insgesamt sollte

das IT-Wissen breit angelegt sein: z.B.

CAD-Kenntnisse, GIS-Wissen, Datenbanken,

Umgang mit Geostatistiken.

Einzelne Arbeitgeber verlangten Kenntnisse

und Erfahrung in strukturgeologischen

Interpretationen seismischer Daten. Für

die Erschließung von Rohstoffen (Braunkohle,

Erdöl) war Fachwissen in der Lagerstättengeologie

notwendig.

Wirtschaftliche Grundlagen

Kenntnisse von Ausschreibung und Vergabe

öffentlicher Aufträge waren gewünscht.

Für die Baugrundsanierung sollte

der Umgang mit gesetzlichen Umweltvorgaben

kein Problem sein. Betriebswirtschaftliche

Kenntnisse rundeten ein fachlich

herausragendes Bewerberprofil ab.

Sprachen und Mobilität

Englischkenntnisse werden in vielen Positionen

erwartet, auch die Bereitschaft

zum Arbeiten im Ausland.

Promotion

Eine Promotion wird von Geowissenschaftlern

in der Regel nicht erwartet.

Wer sich jedoch für die Forschung und

Entwicklung bei größeren Unternehmen,

für Vertriebsaufgaben mit repräsentativem

Charakter, für das Verlagswesen

sowie für Top-Positionen in Wirtschaft

und Verwaltung interessiert, kann als

Promovierter leichter vorwärts kommen.

Wichtig ist die Promotion vor allem für die

wissenschaftliche Laufbahn.

Vergütung

Im öffentlichen Dienst ist die Bezahlung

im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes

(TVöD/Bund) festgelegt. Je nach Verantwortungsgrad

einer Position sind hier

unterschiedliche Gehaltsstufen für Geowissenschaftler

möglich.

Variationen bestehen von Entgeltgruppe

9 bis 13. In der Entgeltgruppe 9 liegt das

Einstiegsgrundgehalt bei 2.061 € monatlich,

in Entgeltgruppe 13 bei 2.817 €.

In vielen Unternehmen, in denen Geowissenschaftler

tätig sein können, besteht

keine Tarifbindung, sondern Gehälter

werden frei ausgehandelt. Das Spektrum

der Verdienstmöglichkeiten ist hier breit

aufgestellt, beginnend bei etwa 30.000 €

Jahresgehalt.

Tätigkeitsfelder

Geowissenschaftler sind in allen Bereichen

tätig, in denen es um die Erforschung

der Erde und die Nutzung ihrer

Rohstoffe geht. Verschiedene Zweige der

Grundstoffindustrie und staatliche Forschungseinrichtungen

bieten ihnen vielfältige,

aber zahlenmäßig begrenzte

Beschäftigungsmöglichkeiten.

Grundlage für nahezu alle geologischen

Tätigkeiten ist die systematische Erfassung

der wesentlichen geologischen

Daten durch geologische Kartierung und

damit verbundene Untersuchungen. Das

ist eine der Hauptaufgaben der staatlichen

geologischen Dienste.

Mittlerweile umfassen die meisten Stellenangebote

auch umweltanalytische

Tätigkeiten, etwa Wasser- und Bodenuntersuchungen

in Verbindung mit der Altlastensanierung.

Rohstoffversorgung

Geowissenschaftler mit Schwerpunkt

Rohstoffversorgung arbeiten in Unternehmen,

die Rohstoffe produzieren und verarbeiten

oder in Planungs- und Beratungsgesellschaften.

Die staatlichen geologischen

Dienste haben Abteilungen für

mineralische Rohstoffe, die lagerstättenkundliche

Untersuchungen und Beratungen

durchführen.

Auch von kommunalen Ämtern werden

Montangeologen als Berater in Fragen

Hier finden Sie Informationen zu Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 82)


der Rohstoffversorgung, Abfallbeseitigung

und Landesplanung eingesetzt. Nationale

und internationale Behörden (UNO,

UNESCO) beschäftigen Montangeologen,

die im Rahmen von Entwicklungshilfeprojekten

bei der Rohstoffsuche tätig werden.

Energieversorgung

In der Energieversorgung finden Geowissenschaftler

Beschäftigung bei Erdöl- und

Erdgasgesellschaften, im Bergbau und bei

Wasserkraftwerken. Hier werden sie eingesetzt

für Prospektionstätigkeiten und

für die geologische Betreuung der Förderbetriebe.

Ingenieurgeologie

Zwischen Geologie und Bautechnik ist die

Ingenieurgeologie angesiedelt, die sich

mit den Wechselwirkungen zwischen

dem Baugrund und dem Bauwerk befasst.

Aufgabe des Ingenieurgeologen ist

die Beschreibung und Beurteilung des

Baugrundes und des für Bauzwecke

gewinnbaren Gesteinsmaterials.

Hydrogeologie

Aufgaben des Hydrogeologen sind die

Beschreibung und Beurteilung der Grundwasservorräte,

die Beratung bei der

Gewinnung von Grundwasser und seiner

Auswahl wichtiger Adressen

Deutsche Gesellschaft für Geographie

e.V. (DGfG)

c/o Geographisches Institut der Humboldt-Universität

Berlin

Rudower Chaussee 16, 12489 Berlin

Tel.: 0 30/20 93-68 14,

Fax: 0 30/20 93-68 56

www.geographie.de

Deutscher Verband für Angewandte Geographie

e.V. (DVAG)

Liebfrauenstraße 9, 54290 Trier

Tel.: 07 00/10 55 55-01

Fax: 07 00/10 55 55-02

E-Mail: geschaeftsstelle@dvag.geographie.de

www.geographie.de/dvag

Verband Deutscher Schulgeographen

e.V. (VDSG)

Breslauer Straße 34, 75015 Bretten

Tel.: 0 72 52/95 73-36,

Fax: 0 72 52/95 73-37

E-Mail: schallhorn@erdkunde.com

www.erdkunde.com

Sicherung nach Menge und Güte sowie

der Beseitigung von Brauchwässern.

Landesplanung

Eine sinnvolle Landesplanung ohne die

Beratung durch Geologen ist nicht möglich.

Bereits im Planungsstadium müssen

Fragen wie die Beurteilung von Baugrund,

die Möglichkeit der Wasserversorgung und

die Zugänglichkeit von verfügbaren Rohstoffvorkommen

berücksichtigt werden.

Geologische Landesämter

Die Aufgaben der Geologischen Landesämter

reichen von der Grundlagenforschung

und ihrer Anwendung bis zur gutachterlichen

Tätigkeit und der Beratung der Landesregierungen

in allen geowissenschaftlichen

Fragen. Neue Anforderungen ergeben

sich durch den Aufbau von rechnergestützten

Fachinformationssystemen.

Privatwirtschaft

Bauindustrie: Bodenkundliche Gutachten

werden oft außer Haus vergeben,

an Ingenieurbüros oder Freiberufler,

freie Planungsbüros oder Beratungsund

Consulting-Unternehmen.

Sie erstellen Planungsgrundlagen, Analysen,

Diagnosen, Prognosen und Entwicklungskonzeptionen

für raumbezo-

Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-

Umwelt (IG BAU)

Olof-Palme-Straße 19, 60439 Frankfurt

Tel.: 0 69/9 57 37-0,

Fax: 0 69/9 57 37-8 00

E-Mail: service-center@igbau.de

www.igbau.de

Deutsche Gesellschaft für Photogrammmetrie,

Fernerkundung und Geoinformation

e.V. (DGPF)

Ostmarkstraße 92, 48145 Münster

Tel.: 02 51/13 30 7-0,

Fax: 02 51/13 30 7-33

E-Mail: dgpf@fh-oldenburg.de

www.dgpf.de

Deutscher Wetterdienst – Zentrale

Kaiserleistraße 29/35, 63067 Offenbach

Tel.: 0 69/80 62-0,

Fax: 0 69/80 62-44 84

E-Mail: info@dwd.de

www.dwd.de

Geowissenschaftler 23

gene Fragestellungen.

Aber auch in anderen Sparten bieten

sich vereinzelt Möglichkeiten, wie zum

Beispiel im Versicherungswesen, im

Einzelhandel oder in der Immobilienbranche.

Ausblick – Trends und

Entwicklungen

Das zunehmende Umweltbewusstsein

führt zu einer Veränderung in der Berufstätigkeit

zum Beispiel von Geophysikern.

Bei Explorationsunternehmen,

bei welchen sie bisher in einem größeren

Umfang beschäftigt waren, treten

Umweltaspekte stärker in den Vordergrund.

So ist zum Beispiel die Erdölexploration

wegen des Trends zur Energieeinsparung

zurückgegangen. Dafür

entstehen neue Tätigkeitsfelder, beispielsweise

in der Altlastensanierung,

in der Deponie- und Abfalltechnik und

in der Geoökologie.

Hier finden Sie Informationen

zu Trends und Entwicklungen

in Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de

(siehe auch

Seite 82)

Fachzeitschriften

Die Erde: Hrsg. Gesellschaft für Erdkunde,

www.die-erde.de

Geographische Rundschau: Westermann

Schulbuchverlag, www.geographischerundschau.de

Geographische Zeitschrift: Franz Steiner

Verlag, www.steinerverlag.de/GZ

Standort – Zeitschrift für angewandte

Geographie: Springer Verlag (Organ

des Deutschen Verbandes für Angewandte

Geographie e.V.), www.geographie.de/dvag/standort

Wichtige Verzeichnisse

OECKL, Taschenbuch des öffentlichen

Lebens, Festland Verlag, Bonn

Handbuch der Großunternehmen,

Alphabetisches Firmenregister, Hoppenstedt

GmbH, Darmstadt

Hier finden Sie Angebote zur Aus- und Weiterbildung: www.kursnet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 64/65)


24

DER ARBEITSMARKT

Mathematiker

Die Arbeitslosigkeit von Mathematikern ging 2005 zurück. Der Rückgang

von 7,6% war mehr als doppelt so hoch wie der Rückgang der Arbeitslosigkeit

für alle Akademiker (-3%). Zugleich nahm das Stellenvolumen nach

Jahren des Rückgangs erstmals wieder deutlich zu.


Entwicklung des Arbeitsmarktes

2005 im Vergleich zu 2004

Arbeitslose

davon Frauen

davon mit Universitätsabschluss

Stellenzugang

Arbeitsmarkt

1.909

37,2%

87,3%

330

-7,6%

35,3%

87,4%

+47,3%

Die Nachfrage kam 2005 aus der Wissenschaft,

dem IT-Sektor, dem Finanzgewerbe

und der Logistik. Softwarehäuser und

Hochschulen standen mit jeweils gut 13%

an der Spitze. Die Hochschulstellen waren

zumeist befristet.

Aus dem Kredit- und Versicherungsgewerbe

kamen 12,1% und aus den Unternehmensberatungen

7,6% der Stellenmeldungen.

Auch Personalberater und Zeitarbeitsfirmen

suchten Mathematiker. Einzelmeldungen

kamen aus Ingenieurbüros,

dem Handel, der Erwachsenenbildung,

der Energieversorgung und Verbänden.

Bei einigen Positionen standen die Mathematiker

in ihrer Bewerbung in Konkurrenz

zu Physikern oder Elektroingenieuren. Bei

den Finanzdienstleistern waren Betriebswirte

oder Wirtschaftsingenieure mit

finanzmathematischen Kenntnissen Mitbewerber.

Lehramt

Ein paar Mathematiker, die das Diplom

abgelegt hatten, entschieden sich für den

Einstieg ins Lehramt. In mehreren Bundesländern

gehört Mathematik weiter zu

den Mangelfächern, so dass der Seiteneinstieg

in den Schuldienst eine Berufsalternative

darstellt.

Schnittstellen zur Technik

Mit dem zunehmenden Nutzen von Simulationsprogrammen

an Stelle von technischen

Prüfungen hat sich der Anwendungsradius

der Mathematik vergrößert

und wird vermutlich weiter wachsen.

Chancen bestehen für Mathematiker

dann, wenn sie erkennen, wo ihr Fachwissen

zur Lösung technischer Probleme im

Ingenieurkontext beitragen kann.

Erwartungen der Arbeitgeber

Fachkenntnisse

Arbeitgeber sahen es gern, wenn Mathematiker

nicht zu sehr auf theoretische

Mathematik fixiert waren. Branchenkenntnisse

erwiesen sich bei vielen

Bewerbungen als Plus.

Bei Arbeitsplätzen in Versicherungen

oder Unternehmensberatungen sollte

das Mathematikstudium der Bewerber

eine Vertiefung in Versicherungsoder

Finanzmathematik haben. Praktische

Erfahrungen in diesem Themengebiet

waren in fast allen Stellenausschreibungen

gefordert.

Finanzdienstleister und Versicherungen

verlangten vertiefte Kenntnisse

in Bilanzierungen und Controlling,

finanzmathematischen Bewertungsmethoden

und breite Kenntnisse von Risikomodellen.

Einzelne Finanzdienstleister

wünschten sich auch einen bankfachlichen

Hintergrund, gern gesehen

war in diesem Einsatzfeld betriebswirtschaftliches

Wissen.

Für Positionen als Aktuar war die entsprechende

Zusatzausbildung unabdingbar.

Im Maschinenbau und der Mechatronik

war Fachwissen in physikalischen

und technischen Berechungen

Voraussetzung für eine erfolgreiche

Bewerbung. Die Bewerber sollten auch

in Programmierungen zu Haus sein

(perl, matlab, C, C++, Fortran), Erfahrungen

mit Simulationssoftware haben

und über technische Kenntnisse verfü-

Mathematiker 25

gen. Vereinzelt war der ausdrückliche

Wunsch nach einem Technomathematiker

damit verbunden.

Wenn Experten in mathematischer

Optimierung gesucht waren, sollten

die Bewerber neben der Mathematik

einen Studienschwerpunkt in Informatik

vorweisen, sich im Detail in diskreter

Optimierung auskennen und auch

fit sein in nichtlinearer Optimierung.

Auch die Finite-Elemente-Methode

wurde als bekannt vorausgesetzt.

Unternehmensberatungen suchten

Personal für die Beratertätigkeit bei

Versicherungen oder im Auftrag von

Finanzdienstleistern. Die Bewerber

sollten die Dialog- und Schnittstellenprogrammierung

beherrschen, Grundkenntnisse

der Internettechnologie

haben (XML, HTML, OO, Java) und

Experten in Schnittstellenszenarien

sein.

Für die Weiterentwicklung von

Internetauftritten, die Betreuung von

Content Management Systemen

waren Erfahrungen in der Entwicklung

von J2EE-Anwendungs-Architekturen,

Kenntnisse relationaler Datenbanken

und der Umgang mit Applikationsservern

gewünscht.

In der klinischen Forschung verlangten

die Arbeitgeber von den Mathematikern

Berufserfahrung in der Pharmaindustrie.

Mit vertieften statistischen

Kenntnissen sowie Kenntnissen der

medizinischen Terminologie sollten die

Bewerber in der Lage sein, Datensätze

aufzubereiten und auszuwerten.

Stellenanzeigen in der Tages- und Fachpresse im 1. Hj. 2006

Für welche Bereiche/Aufgaben wurden Mathematiker gesucht?

Forschung, Entwicklung

Aus- und Weiterbildung

Allg. Verwaltung, Koordination

Finanz- und Rechnungswesen

Softwareproduktion, IT-Dienstl.

Controlling

Bankwesen

Quelle: Adecco-Stellenindex

7%

5%

4%

13%

11%

26%

25%


26

DER ARBEITSMARKT

Weitere Kenntnisse und Kompetenzen

Englischkenntnisse runden in jedem Fall

das Profil eines Mathematikers ab. Vereinzelt

andere Fremdsprachen wie Französisch

oder Niederländisch.

Großen Wert legten die Arbeitgeber auch

auf

Teamfähigkeit und Kommunikationsgeschick

Kundenorientierung

analytisches Denken

Einsatzbereitschaft

Selbstständige Arbeitsweise

Verantwortungsbewusstsein

Zielstrebigkeit

Vergütung

An Hochschulen verdienen Mathematiker

entsprechend der Tarifvereinbarungen

des öffentlichen Dienstes (TVöD). Ein Universitätsabsolvent

wird zumeist in die Entgeltgruppe

13 eingestuft. Das entspricht

für Berufsneulinge einem Jahresbrutto von

33.800 € bei einem Arbeitsort im Westen

und 31.300 € im Osten Deutschlands.

In Unternehmen kann sich die Bezahlung

nach Tarifverträgen richten oder nach

Vereinbarung festgelegt werden. Einflussgrößen

bei der Vereinbarung sind Branche,

Unternehmensgröße, Verantwortungsgrad

der Aufgabe und Wirtschaftsstandort.

Tipps

Mathematiker werden explizit vor allem

bei Finanzdienstleistern und im

Versicherungsgewerbe gesucht.

Stellenangebote in anderen Wirtschaftsbereichen,

bei denen Mathematiker

nicht genannt werden, können jedoch

durchaus für eine Bewerbung in Frage

kommen: Ausgefeilte IT-Kenntnisse eröffnen

nicht nur Chancen in der Softwarebranche,

auch für Ingenieurarbeitsplätze

in der Konstruktion können

Mathematiker geeignet sein.

Ebenso lohnt der Seitenblick auf Ausschreibungen,

die sich an Physiker

richten.

Tätigkeitsfelder

Die Einsatzbereiche, für die Mathematiker

gesucht wurden, waren vielfältig: Produktentwickler,

Qualitätsprüfer Software,

Systemanalytiker, Software-Entwickler,

Prozessoptimierung, Financial Manager,

Marktforscher oder Aktuar.

Datenverarbeitung

In Wirtschaft und Industrie können

Mathematiker überall dort zum Einsatz

kommen, wo sich mathematische Verfahren

und Methoden zur effizienten Lösung

eines Problems anwenden lassen.

Das trifft auf die ganze Palette der Datenverarbeitungsindustrie

zu, von der Hardwareentwicklung

über die Arbeit in Beratungsfirmen

und Rechenzentren bis hin

zur Softwareentwicklung. Die Tätigkeiten

können auch in einer branchenspezifischen

Fachabteilung oder in einer DV-

Abteilung angesiedelt sein. Das Tätigkeitsfeld

von Mathematikern umfasst

die Planung (Erstellung von Marktanalysen,

Systemkonzepten, Produktprognosen),

die Entwicklung (Entwurf neuer Systeme

bis zur Herstellung von Prototypen),

die Produktion (Steuerung und Optimierung

von Produktionsprozessen)

und

den Vertrieb (fachliche Kundenberatung,

System-Installation und Wartung).

Beschäftigungsmöglichkeiten bieten sich

außerdem im Bereich der Schulung, etwa

bei größeren Unternehmen. Sprachlich

versierte Mathematiker haben mitunter

auch Chancen im Bereich der Softwaredokumentation

oder in Redaktionen.

Für eine Tätigkeit im DV-Sektor sollten

Mathematiker gute Fachkenntnisse, vor

allem aber praktische Erfahrungen mitbringen

und mindestens eine anwendungsorientierte

Programmiersprache beherrschen.

Versicherungsmathematik

Die Diskussion um die Altersversorgung

und Veränderungen im Krankenversicherungssystem

werden weiter aktuell bleiben.

Versicherungsmathematische Kenntnisse

werden in Versicherungsunternehmen, die

sich als Anbieter am Markt weiter positionieren

wollen, auch zukünftig gefragt sein.

Planung und Entwicklung: In der Planung

und Entwicklung geht es um die Aufstellung

und Weiterentwicklung des

Geschäftsplans, der die technischen Einzelheiten

der angebotenen Versicherungsarten

enthält. Das betrifft in erster

Linie die Tarife, die nach versicherungsmathematischen

Methoden entwickelt

werden müssen.

Werbung und Kundendienst: Im Bereich

Werbung und Kundendienst geht es

für die Mathematiker darum, eine übersichtliche

und verständliche Darstellung

der Versicherungstarife und der Rechenhilfsmittel

zu geben. Gleichfalls haben sie

die Aufgabe, vorhandene Versicherungstarife

an die Kundenwünsche anzupassen.

Daneben spielt auch die Schulung

des Außendienstes in versicherungsmathematischen

Fragen eine Rolle.

Verwaltung: Zum Bereich Verwaltung gehört

z.B. die Aufstellung des Jahresabschlusses

(Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung,

Bestandsentwicklung), der bei Versicherungen

in der Regel von Mathematikern

aufgestellt wird. Daran schließt sich

die alljährliche Gewinnermittlung und -verteilung

an. Auch Fragen der zweckmäßigen

Betriebsorganisation gehören zu den Aufgaben

des Mathematikers in diesem Bereich.

Tipps für Berufseinsteiger

und -erfahrene

Angehende Mathematiker sollten

sich frühzeitig ein Bild davon machen,

wohin ihr beruflicher Weg

gehen soll. Praktika und anwendungsorientierte

Abschlussarbeiten

können für einen leichteren Übergang

in den Beruf genutzt werden.

Mathematiker, die an einem Forschungsaufenthalt

im Ausland interessiert

sind, finden im Mobilitätsportal

der Alexander-von-Humboldt-

Stiftung unter www.eracareersgermany.de

wichtige Hinweise.

Hier finden Sie Informationen zu Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 82)


Entwicklung

In der Entwicklungsabteilung von Industrieunternehmen

werden Mathematiker oft

eingesetzt, um herkömmliche Versuchsanordnungen

durch Erarbeitung eines

mathematischen Modells zu simulieren.

Gegenüber einer experimentellen Untersuchung

können dadurch erhebliche

Kosten eingespart werden. Die Aufgaben

werden in engem Kontakt mit den dort

beschäftigten Ingenieuren gelöst.

Qualitätssicherung

In der Qualitätssicherung entwickeln

Mathematiker Methoden zur Erfassung

der technischen Zuverlässigkeit der Produkte.

Engste Zusammenarbeit mit Ingenieuren,

Verständnis für die Erfordernisse

Auswahl wichtiger Adressen

Deutsche Mathematiker-Vereinigung

e.V. (DMV)

Mohrenstraße 39, 10117 Berlin

Tel.: 0 30/2 03 72-3 06,

Fax: 0 30/2 03 72-3 07

E-Mail: dmv@wias-berlin.de

www.mathematik.uni-bielefeld.de/dmv

Gesellschaft für angewandte Mathematik

und Mechanik (GAMM)

Technische Universität Dresden,

01062 Dresden

Tel.: 03 51/4 63-3 34 48,

Fax: 03 51/4 63-3 70 61

E-Mail: GAMM@mailbox.tu-dresden.de

www.gamm-ev.de

Ausgewählte Weiterbildungen

speziell für Mathematiker finden

Sie auf Seite 68.

der Produktion sowie Kenntnisse statistischer

Verfahren sind hier unumgänglich.

Weitere Arbeitsfelder

Bei Umfrageinstituten und im Bereich

der Unternehmensforschung

(Operations Research) sind Kenntnisse

statistischer Methoden gefragt.

Mathematiker mit Kenntnissen in Volks-

/Betriebswirtschaft, Versicherungsund

Finanzmathematik sowie Arbeitsund

Steuerrecht können zudem als

Gutachter oder Sachverständige bei

einem Wirtschaftsprüfer tätig werden.

Außerdem können Mathematiker in

der Forschung, z.B. bei den Max-

Planck-lnstituten arbeiten.

Fachzeitschriften

Archiv der Mathematik: Birkhäuser

Verlag, www.birkhaeuser.de

Monatshefte für Mathematik: Springer

Verlag, www.springerlink.com

DMV-Mitteilungen: Hrsg. Deutsche

Mathematiker-Vereinigung,

www.math.tu-berlin.de/~mdmv

Wichtige Verzeichnisse

OECKL, Taschenbuch des öffentlichen

Lebens, Festland Verlag, Bonn

Handbuch der Großunternehmen,

Alphabetisches Firmenregister, Hoppenstedt

GmbH, Darmstadt

Mathematiker 27

Berufsfeld Aktuar

Aktuare sind wissenschaftlich ausgebildete

und speziell geprüfte Experten,

die mit mathematischen Methoden

der Wahrscheinlichkeitstheorie und

der Finanzmathematik Fragestellungen

aus den Bereichen Versicherungsund

Bausparwesen, Kapitalanlage und

Altersversorgung analysieren und

unter Berücksichtigung des rechtlichen

und wirtschaftlichen Umfeldes

Lösungen entwickeln.

Aktuare sind in der Regel in einem

oder mehreren der nachfolgenden

Bereiche tätig:

in den verschiedenen Zweigen der

Versicherungswirtschaft

im Bereich der betrieblichen Altersversorgung

im Bausparwesen

bei Rückversicherungsunternehmen

in Wirtschaftsprüfungsgesellschaften

in der Beratung

in der Sozialversicherung

in Aufsichtsbehörden und Ministerien

in Lehre und Forschung

Quelle: Deutsche Aktuarvereinigung (DAV),

www.aktuar.de

Bei der Stellensuche für diesen Arbeitsbereich

kann sich als hilfreich

erweisen, nicht nur auf die Stichworte

Aktuar, Wirtschafts- oder Versicherungsmathematiker

zu schauen, sondern

auch Stichworte wie finanzielles

Risikomanagement, Risiko-Analyst

oder Risk-Manager zu berücksichtigen.

Hier finden Sie Angebote zur Aus- und Weiterbildung: www.kursnet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 64/65)


28

DER ARBEITSMARKT

Ökotrophologen

Insgesamt entwickelte

sich der Arbeitsmarkt für

Ökotrophologen 2005

ungünstig, da zwar die

Zahl der gemeldeten Stellen

zunahm, gleichzeitig

aber auch die Arbeitslosigkeit

in dieser Berufsgruppe

stieg. Vor allem Berufsanfänger

waren hiervon

betroffen.


Entwicklung des Arbeitsmarktes

2005 im Vergleich zu 2004

Arbeitslose

davon Frauen

davon mit Universitätsabschluss

Stellenzugang

Arbeitsmarkt

894

80,1%

62%

189

+5,3%

81,5%

61,8%

+8,6%

Die Stellenangebote, die bei den Agenturen

für Arbeit eingingen, kamen überwiegend

aus der Forschung und Entwicklung,

aus dem Gesundheitswesen, der öffentlichen

Verwaltung und dem Handel (vgl.

Grafik). Hier waren vor allem der Nahrungsmittelhandel,

aber auch Apotheken

vertreten.

Nicht bei allen Angeboten handelte es

sich um einen festen Arbeitsplatz, gerade

in der Ernährungsberatung waren es

Honorartätigkeiten.

Im Ausbau befindet sich das Segment

Prävention. Krankenkassen, aber auch

Sportstudios und der Wellness-Bereich

bieten professionelle Ernährungsberatung

an, auch um sich von Konkurrenten

am Markt abzuheben.

Erwartungen der Arbeitgeber

Arbeitgeber erwarten solide Fachkenntnisse,

die von der Lebensmittelhygiene

über die Diätetik bis hin zur Kenntnis von

Haushaltsgeräten – etwa für Vorführungen

im Vertrieb – reichen.

In der Lebensmittelproduktion wurde

besonderer Wert auf die Qualitätssicherung

gelegt, so dass sich berufserfahrene

Bewerber mit Erfahrung im Total Quality

Management gegenüber anderen profilieren

konnten.

Für die Ernährungsberatung wünschten

sich die Arbeitgeber auch Erfahrungen als

Kursleiter. Bei Vertriebsaufgaben waren

Marketingkenntnisse gern gesehen. Vor

allem sollten die Bewerber jedoch verkaufsorientiert,

kontaktfreudig und reisebereit

sein.

Tätigkeitsfelder

Ökotrophologen befassen sich zum einen

mit Fragen der physiologischen, ökonomischen

und technologischen Grundlagen

einer richtigen Ernährung des Menschen.

Hier können sie einen wichtigen

Beitrag zu den Bereichen

Fehlernährung in Industrieländern,

neuen Lebensmitteltechnologien,

Fremdstoffen in der Nahrung oder

Unterernährung in Entwicklungsländern

leisten.

Im Rahmen ihrer haushaltswissenschaftlichen

Ausbildung untersuchen sie zum

anderen die technischen, betriebswirtschaftlichen

und sozialen Probleme bei

der Führung von Privat- oder Großhaushalten

(Kantinen, Mensen, Krankenhäuser,

Heime, Anstalten usw.).

Beratung

Bei Kammern, Ministerien, Krankenkassen,

Einrichtungen der Erwachsenenbildung

und Verbraucherorganisationen

oder Berufs- und Fachverbänden arbeiten

Ökotrophologen meist in der Beratung.

Die Tätigkeit als Fachberater für Ernährungs-

oder Haushaltsfragen ist oft mit

dem Unterricht in hauswirtschaftlichen

Fachschulen, Fachakademien, Heimvolkshochschulen

und anderen Bildungsstätten

verbunden.

Wissenschaft und Forschung

In staatlichen oder privaten Forschungsanstalten

oder bei Hochschulinstituten

beschäftigen sich die Ökotrophologen

Wo waren 2005 Ökotrophologen gefragt?

Forschung und Entwicklung

Gesundheitswesen

Öffentliche Verwaltung

Handel

Hochschule und Erwachsenenbildung

Ernährungsgewerbe

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Ökotrophologen 29

vorwiegend mit physiologischen, biochemischen,

lebensmittelchemischen oder

auch ernährungssoziologischen Fragestellungen

und Zusammenhängen. lhr

Arbeitsplatz ist meist das Laboratorium.

Zu den Forschungsgebieten gehören zum

Beispiel:

Ermittlung des Bedarfs an Nährstoffen

Unter- und Fehlernährung

Stoffwechselfragen

Verbesserung konventioneller Lebensmittel

Ernährungssoziologie

Einsatz von Zusatzstoffen bei Lebensmitteln

Die haushaltswissenschaftliche Forschung

konzentriert sich auf das Konsum-

und Sparverhalten privater Haushalte,

auf Lösungsansätze zur Verbesserung

der Wohnungsversorgung oder auf die

Optimierung von Betriebsabläufen in der

Gemeinschaftsverpflegung.

Ernährungs- und pharmazeutische

Industrie

In der Ernährungsindustrie und in der

pharmazeutischen Industrie arbeiten

Ökotrophologen in Betriebskontroll-Laboratorien,

Entwicklungsabteilungen, wissenschaftlichen

Abteilungen, im verbraucherorientierten

Marketing oder im

Außendienst als Pharmareferenten.

Markt- oder Verbrauchsforschung

Sie sind auch in der Markt- oder Verbrauchsforschung

tätig – bei Marktforschungsinstituten,

Unternehmen mit

Marktforschungsabteilungen oder bei

10,1%

8,5%

7,9%

6,3%

5,8%

12,7%


30

DER ARBEITSMARKT

Einrichtungen der Verbrauchs- und Verbraucherforschung.

Verlags- und Pressewesen

Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es auch

als Mitarbeiter in Verlagen und Redaktionen.

Privatwirtschaft

In der Wirtschaft wird von Ökotrophologen

Verständnis für kaufmännische Zusammenhänge

erwartet. Ökotrophologen,

die hier tätig werden wollen, sollten sich

frühzeitig um praktische Erfahrungen bemühen

und sich ein breites Fachwissen

mit Wirtschaftskenntnissen aneignen.

Entwicklungszusammenarbeit

Ein interessantes, aber zeitlich befristetes

Arbeitsfeld finden Ökotrophologen als

Berater in der Entwicklungszusammenarbeit.

Hier müssen zum Beispiel in Entwicklungsländern

gezielte Maßnahmen

zur Verbesserung der Ernährung oder der

Wohn- und Arbeitsverhältnisse im Haushalt

entwickelt werden.

Neben den Trägern der deutschen Entwicklungspolitik

kommen auch internationale

Organisationen als Arbeitgeber in

Frage:

die Vereinten Nationen

die Food and Agriculture Organization

(FAO)

die World Health Organization (WHO)

die Organisation für Wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

(OECD)

das Internationale Rote Kreuz

Neben einer hohen fachlichen Qualifikation

müssen Entwicklungsexperten gute

Sprachkenntnisse vorweisen (Englisch

und/oder Spanisch), tropentauglich, körperlich

belastbar und teamorientiert sein.

Nähere Informationen über eine Tätigkeit

bei internationalen Organisationen gibt

das „Büro Führungskräfte zu internationalen

Organisationen (BFIO)“. Siehe Seite

78.

Ausblick – Trends und

Entwicklungen

In der Bevölkerung wächst nicht nur

das Gesundheitsbewusstsein, sondern

auch die Bereitschaft, für ein gesundes

Leben aktiv etwas zu tun. Zum

Beispiel boomt der Bereich Wellness

schon seit einigen Jahren. In diesem

Zusammenhang nimmt auch das Interesse

an einer ausgewogenen Ernährung

und an gesundheitsfördernden

Produkten zu.

Zudem wächst der Erklärungsbedarf

zu den Produkten und den dargebotenen

Dienstleistungen in ihrer gesundheitlichen,

umwelt- und sozialverträglichen

Bewertung – ein weiteres Berufsfeld

für Ökotrophologen.

Hier finden Sie Informationen

zu Trends und Entwicklungen

in Ihrem Beruf:

www.berufenet.arbeitsagentur.de

(siehe auch Seite 82)

Hier finden Sie Informationen zu Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 82)


Auswahl wichtiger Adressen

Verband der Diplom-Oecotrophologen

e.V. (VDOE)

Reuterstraße 161, 53113 Bonn

Tel.: 02 28/2 89 22-0,

Fax: 02 28/2 89 22-77

E-Mail: vdoe@vdoe.de

www.vdoe.de

VDL-Bundesverband Berufsverband

Agrar, Ernährung, Umwelt e.V.

Kasernenstraße 14, 53111 Bonn

Tel.: 02 28/9 63 05-0,

Fax: 02 28/9 63 05-11

E-Mail: info@vdl.de

www.vdl.de

Bundesvereinigung der Deutschen

Ernährungsindustrie e.V. (BVE)

Claire-Waldorff-Straße 7, 10117 Berlin

Tel.: 030/20 07 86-0,

Fax: 030/20 07 86-299

E-Mail: bve@bve-online.de

www.bve-online.de

Deutsche Gesellschaft für Ernährung

e.V. (DGE)

Godesberger Allee 18, 53175 Bonn

Tel.: 02 28/3 77 66 00,

Fax: 02 28/3 77 68 00

E-Mail: webmaster@dge.de

www.dge.de

Ausgewählte Weiterbildungen

speziell für Ökotrophologen finden

Sie auf Seite 69.

Fachzeitschriften

Altenheim – Fachzeitschrift für Träger

und Leitungen der teilstationären und

stationären Altenhilfe: Vincentz Network,

www.vincentz.net/altenheim

Archiv für Lebensmittelhygiene: Verlag

M. & H. Schaper, www.schaperverlag.de

Catering Management: Forum Verlag

Herkert, www.catering.de

Deutsche Lebensmittel-Rundschau –

Zeitschrift für Lebensmittelkunde und

Lebensmittelrecht, Deutscher Apotheker

Verlag, www.dav-buchhandel.de

European Journal of Nutrition: Steinkopff

Verlag (früher Zeitschrift für

Ernährungswissenschaft),

www.nature.com/ejcn

GVmanager – Fachmagazin der Führungskräfte

in Großgastronomie und

Gemeinschaftsverpflegung: B&L

Mediengesellschaft, www.gvmanager.de

gv-praxis – Die Wirtschaftsfachzeitschrift

für professionelle Großverpflegung:

Deutscher Fachverlag,

www.cafe-future.net

Hauswirtschaft und Wissenschaft –

Europäische Zeitschrift für Haushaltsökonomie,

Haushaltstechnik und Sozialmanagement:

Schneider Verlag,

(Organ der Deutschen Gesellschaft für

Hauswirtschaft), www.dghev.de/forschung.html

Ökotrophologen 31

Heim + Pflege – Für das Management

in Pflegeeinrichtungen: Elsevier,

www.heimundpflegeonline.de

Lebensmittel Praxis: LPV – Lebensmittel

Praxis Verlag, www.lpvnet.de

Lebensmittel Zeitung: Deutscher

Fachverlag, www.lz-net.de

rhw – rationelle Hauswirtschaft: Verlag

Neuer Merkur, www.rationellehauswirtschaft.de

Aktuelle Ernährungsmedizin – Zeitschrift

für Stoffwechselforschung, klinische

Ernährung und Diätetik: Thieme

Verlag (Organ der Deutschen

Gesellschaft für Ernährungsmedizin

DGEM u.a.),

www.thieme.de/fz/akternmed

Ernährungsumschau – Forschung und

Praxis: Umschau Zeitschriftenverlag

Breidenstein GmbH (Organ der Deutschen

Gesellschaft für Ernährung DGE

e.V.), www.ernaehrungsumschau.de

VDOE-Position: herausgegeben vom

Verband der Diplom-Oecotrophologen

(VDOE), www.vdoe.de/position

Wichtige Verzeichnisse

OECKL, Taschenbuch des öffentlichen

Lebens, Festland Verlag, Bonn

Handbuch der Großunternehmen,

Alphabetisches Firmenregister, Hoppenstedt

GmbH, Darmstadt

Hier finden Sie Angebote zur Aus- und Weiterbildung: www.kursnet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 64/65)


32

DER ARBEITSMARKT

Physiker

Die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen Physiker ging im Vergleich zu

allen Naturwissenschaftlern überdurchschnittlich zurück – obwohl die Stellenmeldungen

für Physiker ebenfalls zurückgingen. Die niedrigen Absolventenzahlen machten

es insbesondere jungen und mobilen Physikern leicht, eine Stelle zu finden.


Entwicklung des Arbeitsmarktes

2005 im Vergleich zu 2004

Arbeitslose

davon Frauen

davon mit Universitätsabschluss

Stellenzugang

Arbeitsmarkt

2.409

16,9%

94,1%

620

-8,1%

16,0%

94,0%

-4,8%

Insgesamt ist die Nachfrage nach Physikern

sehr breit. Besonders gefragt waren

Physiker im Bereich Forschung und Entwicklung

und an Hochschulen, wo jedoch

zumeist nur befristete Stellen ausgeschrieben

wurden (vgl. Grafik).

Angeboten wurden oft Tätigkeiten in der

Forschung, etwa als Promotionsstellen, die

teilweise drittmittelfinanziert waren. Die

Energiewirtschaft oder die Halbleiterindustrie,

Versicherungen oder Zeitarbeitsfirmen

boten einzelne Positionen an.

Das Qualifikationsprofil der Bewerber ließ

eine Bewerbung jedoch auch chancenreich

verlaufen, wenn ein Physiker sich auf

Positionen für Ingenieure bewarb, bei denen

Spezialkenntnisse der Elektronik, der

Lasertechnik, der Nachrichtentechnik oder

der Medizintechnik gefordert wurden.

Gerade die optischen Technologien, die

von der Medizintechnik über Fahrzeugbau

bis hin in die Konsumgüterbranche

Anwendung finden, sind neben der Nanotechnologie

der Bereich, in dem sich für

Physiker weiter verstärkt Beschäftigungsaussichten

ergeben werden.

Forschung

Das vorrangige Interesse der Bewerber, in

der Forschung tätig zu sein, hat sich bei

einigen von ihnen zu einem Hemmnis bei

der Arbeitsplatzsuche erwiesen. Nach

befristeten Tätigkeiten an Hochschulen

oder in Forschungseinrichtungen sind sie

aus Sicht von Arbeitgebern oft zu alt für

einen Einstieg in der Industrie.

Ein zügiges Studium mit einem Abschluss

in einem industrienahen Fachgebiet kann

für den Einstieg in die Unternehmenswelt

richtig sein.

Auch eine längere Abwesenheit aus dem

Beruf oder der Wunsch nach einer Teilzeittätigkeit

erwies sich als Hemmnis bei

der Stellensuche.

Erwartungen der Arbeitgeber

Fachkenntnisse

Messtechnik und Werkstofftechnik

waren ebenso gefragt wie Kernphysik

oder Automatisierungstechnik.

Andere Arbeitgeber wünschten sich

Spezialisten in Hochfrequenztechnik

und Mikroelektronik.

Auch Kenntnisse der Chemie und der

Verfahrenstechnik waren punktuell

erforderlich.

Gute EDV-Kenntnisse (Software und

Programmierungen, CAD-Anwendungen,

Betriebssysteme und Datenbanken)

gehörten zum Pflichtprogramm

eines Bewerbers.

In einzelnen Offerten war von Bedeutung,

dass die Kandidaten Kenntnisse

im Patentrecht hatten und die Schutzrechte

eines neuen Produktes verteidigen

konnten.

Auch Erfahrungen im Erstellen von

Dokumentationen waren gefragt.

In Angeboten aus der Medizintechnik

sollten analoge und digitale Bildverarbeitungskenntnisse

vorhanden

sein, ebenso Kenntnisse der Nuklearmedizin.

Bei Positionen im Vertrieb sollte ein

Bewerber entsprechende Berufserfahrung

mitbringen. In jedem Fall sollte

ein Bewerber fit sein in der Kundenakquise

und in Vertriebsstrategien. Kon-

Wo waren 2005 Physiker gefragt?

Forschung und Entwicklung

Hochschulen

Herstellung von Geräten der Messtechnik

Unternehmensberatungen

Personalvermittler, Zeitarbeit

Gesundheits- und Sozialwesen

Öffentliche Verwaltung

Bibliotheken, Museen

Ingenieurbüros

Softwarehäuser

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Physiker 33

takt- und Organisationsfreude waren

besonders gern gesehen.

Weitere Kenntnisse und Kompetenzen

Der Bewerber sollte belastbar sein, lernbereit,

analytisch denken und kundenorientiert

handeln.

Englischkenntnisse waren bei den meisten

Stellen erforderlich, einige Arbeitgeber

wünschten sich zusätzlich weitere Fremdsprachen

wie Französisch, Russisch oder

Japanisch.

Vergütung

Gehaltsbefragungen stellen Physiker

manchmal an eine führende Position im

Vergleich zu anderen akademischen Berufen.

Realistisch sind Einstiegsgehälter

von 45.000 € und mehr, jedoch nicht bei

allen Positionen. Abhängig von der Branche,

in der ein Physiker arbeitet, variiert

der Gehaltsrahmen beträchtlich.

Orientierung kann der jeweilige Branchentarifvertrag

bieten, etwa in der Metallindustrie.

Festlegungen gibt es auch bei Beschäftigungen

an Hochschulen und im öffentlichen

Dienst. Der neue TVöD/Bund

kennt unterschiedliche Entgeltstufen je nach

Verantwortungsgrad einer Position. In der

Entgeltgruppe 9 liegt das Einstiegsgrundgehalt

zum Beispiel bei 2.061 € monatlich,

in Entgeltgruppe 13 bei 2.817 €.

6,0%

5,2%

5,0%

4,5%

4,0%

3,4%

3,2%

1,9%

24,4%

19,5%


34

DER ARBEITSMARKT

Tätigkeitsfelder

Die Physik wird häufig als die Mutter aller

Naturwissenschaften bezeichnet. Daher

sind Physiker auch in fast allen Berufsfeldern

einsetzbar, bei denen es um die

Anwendung natur- und ingenieurwissenschaftlicher

Grundlagen geht.

Forschung

Haupteinsatzgebiet der Physiker ist die

Forschung. In den Großforschungseinrichtungen

findet die Forschung häufig in

Langzeit- oder Großprojekten statt oder

in der Großgeräte-Verbundforschung. Die

Schwerpunkte der Forschungszentren,

der Fraunhofer Gesellschaft und der Bundesanstalten

werden weitgehend durch

Auftragsforschung bestimmt.

Der Einstieg in öffentliche Forschungsinstitute

erfolgt meist als Doktorand oder

wissenschaftlicher Mitarbeiter. Danach

ist ein Wechsel in die Industrie oder in

längerfristige Stellen am Institut möglich.

Die Stellen an einer Hochschule beinhalten

die Übernahme einer Lehrtätigkeit

und sind zeitlich befristet.

Wirtschaft und Industrie

In Wirtschaft und Industrie sind Physiker

in einer Reihe von Branchen anzutreffen:

in der Chemie

in der Energietechnik

im Maschinenbau

in der Medizin

im Finanzbereich

in der Nachrichtentechnik

in der optischen Industrie

Hier müssen sie mit Ingenieuren und

anderen Naturwissenschaftlern kooperieren,

die aber gleichzeitig auch ihre größten

Konkurrenten um die knappen

Arbeitsplätze sind.

Bei den wirtschaftsnahen Aufgaben

haben sie es zum Beispiel mit Produktanpassungsforschung,

Produktion, Programmierung,

Qualitätssicherung, Prüfwesen,

technischem Vertrieb oder mit

Kundenbetreuung zu tun.

Auch in der Unternehmensberatung sind

Physiker wegen ihrer technisch-naturwissenschaftlichen

Kompetenz tätig.

Für eine Karriere in der Wirtschaft empfiehlt

es sich, diesen Weg direkt im

Anschluss an das Studium zu suchen.

Eine Promotion ist für den Berufsstart in

der Industrie nicht erforderlich.

Gesundheitswesen/Medizintechnik

In Kliniken und Krankenhäusern haben

es Physiker unter anderem mit der

Strahlentherapie oder der Überwachung

von diagnostisch-therapeutischen Geräten

zu tun.

Wichtig in diesem Tätigkeitsbereich sind

die Zusammenarbeit mit dem medizinischen

Personal, also ein interdisziplinärer

Dialog, und der Blick für ökonomisches

Handeln. Eine spezielle Qualifikation und

Fachanerkennung für medizinische Physik

kann durch die Deutsche Gesellschaft

für medizinische Physik (www.dgmp.de)

erfolgen.

Wissenschaftsjournalismus

In Verlagen und Redaktionen befassen

sich Physiker mit technischen Artikeln

und Publikationen. Ein journalistisch qualifizierter

Physiker kann ein komplexes

Fachthema anschaulich erklären, so dass

Physikingenieure

Der Arbeitsmarkt und Weiterbildungsmöglichkeiten

für Chemie- und

Physikingenieure werden in BBZ

Heft 25 Ingenieurwissenschaften

Arbeitsmarkt

und

Weiterbildungbeschrieben.

Hier finden Sie Informationen zu Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 82)


Laien Zugang dazu finden. Die journalistische

Qualifikation können sie sich durch

Praktika oder ein Volontariat aneignen.

Patentwesen

Rechtsanwaltskanzleien, Patentämter und

auch größere Unternehmen beschäftigen

Physiker, die eine juristische Zusatzquali-

Tipps

Da der wissenschaftliche Betrieb für

viele Physiker noch immer die erste

Wahl ist, dieser aber langfristig kaum

für alle Beschäftigungsmöglichkeiten

bietet, ist es wichtig, dass Bewerber

schon während der Examensoder

Promotionszeit Alternativen

bedenken. Eine industrienahe Dissertation

erleichtert sicher den Einstieg

in die Unternehmenswelt.

Hilfreich ist bei der Stellensuche

nicht nur das persönliche Netzwerk,

über das ein Bewerber Hinweise auf

den verdeckten Stellenmarkt erhalten

kann, sondern auch die Lektüre

des klein Gedruckten in Stellenanzeigen

für Ingenieure. Die Detailanforderungen,

die dort verlangt werden,

kann mancher Physiker auch

erfüllen. Und auch die interdisziplinäre

Denkweise, die er in seinem

Studium gelernt hat, ist eine auf dem

Arbeitsmarkt gefragte Qualifikation.

In der Ausbildung eines Physikers

ist durch ein Auslandssemester,

international ausgerichtete Forschungsgruppen

oder eine Postdoc-Phase

im Ausland der Blick

nicht allein auf Deutschland beschränkt.

Diese Anknüpfungspunkte

kann er für eine Auslandstätigkeit

nutzen. Hinweise für Forschungsaktivitäten

in Deutschland und im Ausland

bietet das Mobilitätsportal der

Alexander von Humboldt Stiftung

(www.eracareers-germany.de).

Mehr zum Thema Arbeiten im Ausland

siehe Seite 76.

Ausgewählte Weiterbildungen

speziell für Physiker finden

Sie auf Seite 67.

fikation als Patentanwälte haben. Weitere

Informationen siehe Seite 15.

Weitere Einsatzfelder

Auch Unterrichtstätigkeiten an Hochschulen,

bei Weiterbildungseinrichtungen,

Computerfirmen oder Unternehmen

mit eigener Mitarbeiter-Schulung

gehören zum Tätigkeitsfeld von Physikern.

Beschäftigungen bieten sich auch bei

Behörden und Ministerien. Physiker

sind hier zum Beispiel mit Aufgaben

im Umweltbereich, im Arbeitsschutz

oder im Strahlenschutz betraut.

Hier finden Sie Informationen

zu Trends und Entwicklungen

in Ihrem Beruf: www.berufenet.arbeitsagentur.de

(siehe auch Seite 82)

Physiker 35

Ausblick – Trends und

Entwicklungen

Neue Berufsfelder in der Physik

Das traditionell breite Berufsfeld von

Physikern verlagert sich durch die

Entwicklung in Wissenschaft und

Technik kontinuierlich. Die Kerntechnik

scheint das Maximum ihrer Bedeutung

überschritten zu haben, noch in

den Anfängen stehende Technologien,

zum Beispiel die Nanotechnologie,

werden an Bedeutung gewinnen.

Auch neue physikalische Disziplinen

entstehen, wie beispielsweise Physikinformatik

und Wirtschaftsphysik.

Neue Arbeitsgebiete ergeben sich

nach wie vor in der Informations- und

Kommunikationstechnologie.

Hier finden Sie Angebote zur Aus- und Weiterbildung: www.kursnet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 64/65)


36

DER ARBEITSMARKT

Naturwissenschaftler am Puls der Zeit

Die „Akademisierung des Arbeitsmarktes“ ist ein viel gehörtes Schlagwort. Höher qualifizierte

Kräfte werden gebraucht, jungen Leuten wird immer mehr zum Studium geraten. Das sind hervorragende

Aussichten für Akademiker – auch für Naturwissenschaftler.

Doch welche Bereiche werden künftig

boomen? Was sind die Zukunftsberufe in

den Naturwissenschaften? Niemand kann

das genau vorhersagen, aber einige Trends

zeichnen sich deutlich ab.

Globalisierung, das zunehmende Umweltund

Sicherheitsbewusstsein und der

rasant voranschreitende technologische

Fortschritt – all das ändert Berufsbilder

und führt dazu, dass sich auch für Naturwissenschaftler

immer neue Berufe entwickeln.

Es gilt modernste Technologie

einzusetzen, den Herausforderungen der

Informationsgesellschaft gewachsen zu

sein, die zunehmende Kundenorientierung

auch im Forschungs- und Entwicklungsbereich

selbstverständlich in die

Arbeit zu integrieren.

Wo liegt die Zukunft?

Neue Berufe für Naturwissenschaftler finden

sich zum Beispiel in der Bio- und

Nanotechnologie, im Gesundheitswesen

und auch im Marketing.

Klein ist groß – Bio- und

Nanotechnologie

Gefragt sind Naturwissenschaftler zum

Beispiel im boomenden Bereich der Biound

Nanotechnologie. Hier arbeiten Physiker,

Chemiker, Biologen, Mediziner,

Informatiker, Ingenieure sowie Verfahrenstechniker

zusammen.

Mit Hilfe der Nanotechnologie lassen sich

die Eigenschaften von Produkten und Ma-

terialien verändern. Medikamentenwirkstoffe

gezielt an die richtige Stelle im Körper

transportieren, Lacke kratzfest machen

– die Bandbreite ist enorm. Nach einer

Studie des Netzwerks nanoforum.org

von 2004 ist zu erwarten, dass im Jahr

2015 fast jeder Industriebereich durch

die Nanotechnologie beeinflusst wird.

Und Biotechnologie, die Schlüsseltechnologie

der Zukunft, ist schon heute in aller

Munde:

die so genannte „Rote Biotechnologie“,

die neue Arzneimittel und Impfstoffe

entwickelt,

die „Grüne Biotechnologie“, die Molekularbiologie

und Genetik im Bereich


der Landwirtschaft anwendet, um

etwa die Erträge zu erhöhen und

die „Weiße Biotechnologie“, in der es

um die Verbesserung industrieller Prozesse

und Umwelttechnik geht, etwa

um verbesserte Enzyme für Waschmittel,

die Sanierung von Luft und Wasser

oder um biologisch abbaubare Kunststoffe.

Hier liegt für Biologen, aber auch für Chemiker

sicher der größte interdisziplinäre

Zukunftsbereich.

Klar, dass der ständige wissenschaftliche

Fortschritt hier auch einen hohen Bedarf

an qualifizierten Kräften erzeugt, die mit

der aktuellen Entwicklung Schritt halten

können. Besonders Bioinformatiker werden

gesucht, denn die moderne Forschung

findet zunehmend am Computer statt. Bioinformatik

verbindet Molekularbiologie,

Biochemie, Genetik und Informatik sowie

Computerlinguistik. Ein zukunftsträchtiges

Feld z.B. für Biologen, Physiker und Chemiker.

Mit Sicherheit gesund

Von Arbeitssicherheit über Personenschutz

bis zur Werkssicherheit: In unserer Gesellschaft

steigt das Sicherheitsbewusstsein.

Selbstverständlich gilt dies auch für

den Gesundheitsschutz, und so finden sich

hier viel versprechende Zukunftsberufe:

Naturwissenschaftler sind beispielsweise

im Bereich der Arzneimittelsicherheit

gefragt. Hier gilt es, mit wissenschaftlichen

Methoden Arzneimittelrisiken zu

analysieren und klinische Entwicklungsprojekte

durchzuführen.

Die Pharmaindustrie sucht Biologen für

die klinische Prüfung von Arzneimitteln.

Zukunftsträchtig ist auch weiterhin die

Lebensmittelsicherheit: Von der Lebensmittelkontrolle

bis zum Verbraucherschutz

gibt es hier viele Möglichkeiten für

Naturwissenschaftler, tätig zu werden.

Wissenschaft und Wirtschaft

Der Markt für Biopharmazeutika wächst

ständig. Nicht nur in Forschung und Entwicklung

sowie in der Kontrolle, sondern

auch zum Beispiel im Vertrieb werden

immer mehr qualifizierte Kräfte benötigt.

Naturwissenschaftler sind zunehmend

nicht nur Wissenschaftler, sondern auch

Manager, die ihre eigenen Projekte leiten.

In Pharmaunternehmen können z.B.

Mikrobiologen als Pharmaberater tätig

werden und Kunden beraten. In der Medizintechnik

können sie High-Tech-Produkte

vertreiben.

Wissenschaft und Wirtschaft zu vereinbaren,

ist heute in vielen Bereichen selbstverständlich.

Chemiker beispielsweise

behalten bei ihrer Forschungsarbeit

Kosten und Anwendungsmöglichkeiten

im Blick und sind im Marketing oder in der

Öffentlichkeitsarbeit tätig. Biologen arbeiten

im Produktmanagement eines Pharmaunternehmens.

Wer sich in diesem zukunftsträchtigen

Schnittfeld heimisch fühlt, hat die besten

Aussichten. Dabei helfen Zusatzqualifikationen,

beispielsweise ein BWL-Aufbaustudium

oder ein MBA.

Schlussfolgerung?

Keine Frage: Zukunfts- und Trendberufe

gibt es auch in den Naturwissenschaften.

Was heißt das aber für jeden Einzelnen?

Keinesfalls, dass man sich bei der Karriereplanung

nur an aktuellen Trends orien-

Naturwissenschaftler

am Puls der Zeit

tieren soll. Es ist wichtig, den Arbeitsmarkt

im Auge zu haben und am Puls der

Zeit zu bleiben – doch Prognosen sind

keine Garantien, und deshalb ist es ebenso

wichtig, die berufliche Zukunft nach

den eigenen Neigungen und Fähigkeiten

zu planen. Denn wer mit Freude an der

Arbeit ist, wird auch bessere Arbeit leisten

– und besser vorankommen.

Warum nicht …

Biotechnologe/in?

Sie analysieren und reproduzieren natürliche

biologische Prozesse, um biologische

Stoffe technisch herzustellen

und sie nutzbar zu machen. Abschluss:

Biotechnologe/technologin.

Z.B für Biologen, Chemiker, Physiker

Umweltchemiker/in?

Sie beraten über Umweltschutzmaßnahmen

oder Energiesparmaßnahmen,

prüfen Entsorgungskonzepte und führen

laufende Untersuchungen durch.

Z.B. für Chemiker, Biochemiker, Biologen

Drug Safety Officer?

Sie analysieren Arzneimittelrisiken und

führen klinische Entwicklungsprojekte

durch.

Z.B. für Biologen

Informationen zu Weiterbildungsangeboten

und Berufen von A bis Z:

www.kursnet.arbeitsagentur.de

(siehe auch Seite 64/65)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

(siehe auch Seite 82)

37


38

DER ARBEITSMARKT

Aufgaben im Umweltschutz

EMAS-II-Verordnung in der

Europäischen Union

Was ist EMAS-II?

EMAS (Eco Management and Audit Scheme)

ist ein Gemeinschaftssystem für das

Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung.

Es soll die Umweltleistung

von Organisationen bewerten und verbessern

sowie die Öffentlichkeit über seine

Arbeit unterrichten.

Im März 2001 löste die EMAS-II-Verordnung

die seit 1993 geltende Verordnung

EMAS-I ab. In Deutschland sind die Verordnungen

auch unter den Bezeichnungen

Öko-Audit oder Umwelt-Audit bekannt.

Wer kann sich an EMAS beteiligen?

An EMAS kann sich jede Organisation beteiligen,

die ihre Umweltleistung verbessern

möchte. Die Teilnahme an EMAS ist

freiwillig und unterliegt einem geregelten

Zulassungssystem. Folgende Verfahrensschritte

müssen dabei beachtet werden:

1. Umweltpolitik: Sie bildet den Rahmen,

in dem die Umweltzielsetzungen

eines Unternehmens festgelegt und überprüft

werden.

Die Umweltpolitik schließt

den Prozess zur kontinuierlichen Verbesserung

des Umweltmanagements,

die Umweltleistung der Unternehmensführung

und

die Vermeidung von wesentlichen

Umweltbelastungen ein.

2. Umweltprüfung: In einer Umweltprüfung

muss das Unternehmen alle umweltrelevanten

Aspekte, also z.B. Auswirkungen

von Tätigkeiten auf die Umwelt, darlegen.

3. Umweltprogramm: Dieser Leitfaden

soll beschreiben, mit welchen Instrumenten

und Fristen das Umweltmanagement

im Unternehmen umgesetzt werden soll.

Im Umweltprogramm wird unterschieden

zwischen

der Umweltzielsetzung: Gesamtziel und

den Umwelteinzelzielen: Schritte und

Ziele, die für Teile des Unternehmens

gelten und zur Erreichung der Umweltzielsetzung

beitragen.

4. Umweltmanagementsystem: Hier

sind Organisationsstruktur, Planungstätigkeiten,

Verantwortlichkeiten, Verhaltens-

und Vorgehensweisen, Verfahren

und Mittel zur Verringerung der Umweltbelastungen

festzulegen.

5. Umweltbetriebsprüfung: Die Umweltbetriebsprüfung

ist ein Instrument,

das jährlich feststellt, ob Unternehmensmanagement

und Betriebsabläufe mit

Umweltpolitik und Umweltprogramm

übereinstimmen.

6. Umwelterklärung: Mit dieser Erklärung

informiert das Unternehmen die

Öffentlichkeit und andere interessierte

Kreise über bisherige Umweltleistungen

und -auswirkungen sowie über die angestrebten

Wege zu deren kontinuierlicher

Verbesserung.

7. Umweltgutachter: Ein unabhängiger

Sachverständiger prüft, ob Umweltpolitik,

Umweltprogramm, Umweltmanagementsystem,

Umweltbetriebsprüfung und Umwelterklärung

der EU-Verordnung entsprechen.

8. EMAS-Verzeichnis: Die zuständige

Stelle übernimmt den Eintrag des Unternehmens

in das EMAS-Verzeichnis und

vergibt eine Registriernummer. Auskünfte

zum Verfahren in Deutschland erteilen die


Hier finden Sie Angebote zur Aus- und Weiterbildung:

www.kursnet.arbeitsagentur.de (siehe auch Seite 64/65)

Industrie- und Handelskammern sowie

die Handwerkskammern.

Nach der Eintragung ist das Unternehmen

berechtigt, mit seiner umweltfreundlichen

Grundausrichtung in der Öffentlichkeitsarbeit

zu werben.

Umweltgutachter – ein Beruf

im Umweltschutz

Anforderungen:

Kenntnisse, über die ein Umweltgutachter

verfügen muss, sind u.a.:

Methodologien und Verfahren der Umweltbetriebsprüfung,

Managementinformation und -verfahren,

Umweltfragen,

einschlägige Rechtsvorschriften und

Normen einschließlich eines eigens für

die Zwecke dieser Verordnung entwikkelten

Leitfadens sowie

einschlägige technische Kenntnisse

über die Tätigkeiten, auf die sich die

Begutachtung erstreckt.

Darüber hinaus müssen Umweltgutachter

unabhängig und unparteiisch sein.

Aufgaben:

Aufgabe des Umweltgutachters ist es, vor

Ort in den Unternehmen bzw. Organisationen

durch Prüfung von Unterlagen,

Erhebung von Stichproben, Mitarbeiterbefragungen

u.Ä. zu prüfen, ob alle Vorschriften

der EMAS-Verordnung eingehalten

wurden und inwieweit Zuverlässigkeit,

Glaubwürdigkeit und Richtigkeit von

Daten und Informationen sichergestellt

sind.

Weitere Einzelheiten können Sie dem

Anhang 5 der EMAS-II-Verordnung entnehmen.

Der Verband für nachhaltige Umweltentwicklung

e.V. (www.vnu-ev.de) veranstaltet

einmal jährlich einen Umweltmanagertag

und einen Umweltgutachtertag, an

dem insbesondere die Umweltgutachter

geschult werden.

Hier finden Sie Informationen

zu Ihrem Beruf:

www.berufenet.arbeitsagentur.de

(siehe auch Seite 82)

Aufgaben im Umweltschutz 39

Weitere Informationen

rund um EMAS

UGA – Umweltgutachterauschuss

Geschäftsstelle im Energieforum Berlin

Stralauer Platz 34

10243 Berlin

Tel.: 0 30/29 77 32-30,

Fax: 0 30/29 77 32-39

E-Mail: info@uga.de

www.uga.de und www.emas.de

Bundesministerium für Umwelt,

Naturschutz und Reaktorsicherheit

Referat Öffentlichkeitsarbeit,

11055 Berlin

Tel.: 0 30 18/3 05-0,

Fax: 0 30 18/3 05-20 44

E-Mail: service@bmu.bund.de

www.bmu.de

DAU – Deutsche Akkreditierungs- und

Zulassungsgesellschaft für Umweltgutachter

mbH

Dottendorfer Straße 86

53129 Bonn

Tel.: 02 28/28 05 2-0,

Fax: 02 28/28 05 2-28

E-Mail: info@dau-bonn.de

www.dau-bonn-gmbh.de

Gemeinsame Stelle der Industrie- und

Handelskammern und Handwerkskammern

für die zentralen Aufgaben

der Standortregistrierung

DIHK Brüssel

Boulevard Clovis 49A

B-1000 Brüssel

Tel.: 00 32-2/28 61-664,

Fax: 00 32-2/28 61-605

www.dihk.de

EMAS Help Desk der EU-Kommission

c/o Federal Environmet Agency

Spittelauerlände 5

A -1090 Wien

Tel.: 00 43-13 1/3 04-70 00

Fax: 00 43-13 1/3 04--5958

E-Mail: emas@ec.europa.eu

http://ec.europa.eu/environment/

emas/index_en.htm

Umweltbundesamt

Wörlitzer Platz 1

06844 Dessau

Tel.: 03 40/21 03-0

www.umweltbundesamt.de


40

DER ARBEITSMARKT

Frauen in den Naturwissenschaften

Biologie, Chemie, Physik – dies ist die Reihenfolge der Beliebtheitsskala der Naturwissenschaften

bei Mädchen und jungen Frauen. Sie spiegelt sich in der Wahl der Studienfächer: Während Biologie

mit einem Anteil von zwei Drittel Studentinnen das klassische Frauenfach unter den Naturwissenschaften

ist, dümpelt die Physik noch bei rund 17% Frauenanteil unter den Studierenden dahin.

Aber auch hier geht es voran: waren es

doch vor 20 Jahren erst 5%. In der Chemie

schwankt der Anteil zwischen 40 und

50%. Die Teilbereiche Biochemie und

Lebensmittelchemie sind die Hochburgen

der Frauen.

Dr. Barbara Bertram, Gleichstellungsbeauftragte

des Deutschen Krebsforschungszentrums

der Helmholtz Gesellschaft erklärt

sich den Boom der Biologie bei den

Frauen so: „Die Biologie hat das Image

’Wissen vom Leben’. Das spricht Frauen

besonders an. Chemie und Physik haben

im Gegensatz zur Biologie ein eher trokkenes

Image. In der Biologie ist außerdem

die kritische Schwelle beim Frauenanteil

überschritten. Dort gibt es schon viele

Frauen und damit weibliche Vorbilder.“

Phantastische Ideen und die

Verwandlung der Stoffe

Dabei bieten die anderen Naturwissenschaften

mindestens genauso spannende

Arbeitsfelder und bessere berufliche

Chancen. „Die Chemie ist ein schönes

Arbeitsfeld. Es geht immer um die Verwandlung

der Stoffe: das ist facettenreich.

Es gibt diese Abgrenzung zwischen

Natur und Chemie nicht mehr – das ist in

der Materialentwicklung deutlich zu

sehen“, sagt Dr. Petra Mischnick vom

Institut für Lebensmittelchemie an der TU

Braunschweig.

Dr. Susanne Quabis, Assistentin und

Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut

für Optik, Information und Photonik in

Erlangen, ist fasziniert von der Physik:

„Das Besondere an der Physik ist, dass

die Entwicklung nicht vorhersehbar ist“,

schwärmt die 40-Jährige. „Es entstehen

immer wieder neue Forschungsbereiche

und technische Möglichkeiten, von denen

man heute noch gar keine Vorstellung

hat.“

Naturwissenschaften haben ein weites

Spektrum. Die Dimensionen, in denen auf

dem Feld der belebten und unbelebten

Natur geforscht und entwickelt wird, reichen

von einem Tausendstel Millimeter

bis zu den unendlichen Weiten des Universums.

Aber auch was die beruflichen

Möglichkeiten betrifft, ist der Einsatz von

Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern

sehr vielfältig.

Es hat sich schon eine Menge

bewegt

„Die meisten Erfahrungen als Frau in der

Physik waren durchaus positiv. Sicher

gab es einige Professoren und Betreuer in

den Praktika, die meinten, dass Frauen in

der Physik fehl am Platz seien. Aber

davon darf man sich nicht beeindrucken

lassen“, erzählt Susanne Metzger, Dozentin

für Physikdidaktik an der Pädagogischen

Hochschule Zürich.

Andrea Niemeyer, die an der Universität

Bielefeld im Fachbereich Physik promoviert,

sieht das Thema gelassen: „Mit meinen

männlichen Kollegen komme ich sehr

gut aus und habe mittlerweile auch Verständnis

für ihren teilweise seltsamen


Humor entwickelt.“

Trotzdem haben es die Naturwissenschaftlerinnen

noch etwas schwerer als

ihre männlichen Kollegen, die Karriereleiter

zu erklimmen. „Im Studium sind die

Geschlechter gleichermaßen vertreten.

Aber nach ein bis zwei Jahren ziehen die

Männer an den Frauen vorbei. Sie werden

in anderem Maß als Frauen gefördert. Die

Frauen werden gerne mal als die „Arbeitsbienen“

eingesetzt“, beobachtet Dr. Barbara

Bertram.

Dr. Marion Hertel, die Vorsitzende des

GDCh-Arbeitskreises Chancengleichheit

in der Chemie, sieht eine positive Entwicklung:

„Seit 2003 konnte eine ganze

Menge bewegt werden, vor allem an den

Hochschulen“, sagt sie. „Aber Deutschland

zählt, was die weiblichen Industrieforscher

angeht, zu den Schlusslichtern in

Europa.“

Gesuchte Qualifikationen

„Der Arbeitsmarkt ist derzeit nicht

schlecht. Oftmals zeigen sich antizyklische

Bewegungen: Ist der Arbeitsmarkt

schlecht, studieren weniger Frauen und

Männer in dem Bereich, was später wiederum

zu einem Mangel an Arbeitskräften

führt. Davon sollte man sich nicht beirren

lassen und seinen Interessen gemäß studieren“,

so die Einschätzung von Dr.

Mischnick.

Die Zahl der Einstellungen stieg beispielsweise

in der chemischen Industrie im Jahr

2005 wieder leicht an. Die Industrie

erwartet promovierte Chemikerinnen und

Chemiker, entsprechend hoch (bei 90%)

liegt die Quote.

Von den promovierten Absolventinnen

und Absolventen wurden

30% in der Chemischen Industrie eingestellt.

10% fanden eine Anstellung in der

übrigen Wirtschaft und

20% gingen nach der Promotion

zunächst ins Ausland.

18% bekamen eine befristete Stelle im

Inland,

5% forschten weiterhin an der Hochschule

oder in einem Institut,

5% gingen in den öffentlichen Dienst,

1% nahm ein Zweitstudium auf,

2% wurden freiberuflich tätig.

In den letzten Jahren hatten auch in der

Physik Bewerberinnen und Bewerber

einen leichten Berufsstart. Physikerinnen

und Physiker untersuchen den Aufbau

von Materie in ihren kleinsten Einheiten

und können so ein gutes Betätigungsfeld

in der Materialforschung finden. Oder sie

erforschen die weiten Räume der Kosmologie.

Physikerinnen und Chemikerinnen sind

gefragter als Biologinnen. „Wo es nur ein

geringes Angebot gibt, wie in Physik und

Chemie, wird auch eingestellt. Es gibt

mittlerweile etliche Firmen, die Diversity

fördern. Dort ist bekannt, dass gemischte

Teams eine bessere Arbeit leisten“, so Dr.

Barbara Bertram.

Im Bereich Biologie bietet die Bioinformatik

Chancen: „Bei der Genforschung fallen

unheimliche Datenmassen an, die aufbereitet

und analysiert werden müssen.

Auch die Systembiologie sehe ich als ein

Fachgebiet der Zukunft“, sagt Dr. Barbara

Bertram. Dr. Petra Mischnick sieht als Zukunftsbereiche

Bio-, Nano- und Materialwissenschaften,

chemische Metrologie, klinische

Diagnostik und den Umweltbereich.

Wiedereinstieg – Entwicklungen

nicht verpassen

Zwei Jahre Ausstieg in der Biologie reichen

aus, um wirklich „draußen“ zu sein.

Die Entwicklung der Experimentiertechniken

schreitet rasend schnell voran. In vielen

Organisationen gibt es inoffizielle Wiedereinstiegsprogramme.

„Die Frauen

bekommen ein halbes Jahr Zeit, sich wieder

einzuarbeiten. Viele Frauen steigen

von sich aus nicht länger als ein halbes

Jahr aus, um den Anschluss nicht zu verpassen

und weiter Karriere zu machen.

Aber ich beobachte, dass sich viele Wissenschaftlerinnen

für Kinder entscheiden“,

stellt Dr. Bertram für ihren Arbeitsbereich

fest.

Die Verbände der Chemiearbeitgeber

haben die Wiedereinsteigerinnen als

Potenzial entdeckt und bieten entsprechende

Programme an. Der Druck ist da –

nicht etwa sozialer, sondern ökonomischer.

Es ist effizient, sich um diese hoch

qualifizierten Frauen zu bemühen und

ihnen den Anschluss zu ermöglichen. „Ein

Jahr auszusteigen ist möglich. Aber nur

wenn Frau sich nicht verabschiedet. Man

sollte Kontakt halten und einmal in der

Woche reinschauen. Das verdeutlicht,

dass auf Seiten der Frau auch das Interesse

da ist wiederzukommen“, rät Dr. Petra

Mischnick.

Mehr zum Thema Wiedereinstieg siehe

Seite 58/59.

Frauen in den Naturwissenschaften

Netzwerke fangen auf

Eine gute Möglichkeit, Kontakte zu pflegen

und sich auf dem Laufenden zu halten,

bieten die naturwissenschaftlichen

Frauennetzwerke.

Arbeitskreis Chancengleichheit der

Deutschen Physikalischen Gesellschaft

www.physikerin.de

Arbeitskreis Chancengleichheit in der

Chemie

www.gdch.de/strukturen/fg/akcc.htm

DAB – Deutscher Akademikerinnen

Bund – Arbeitskreis Frauen in Naturwissenschaft

und Technik

www.dab-ev.org

Fachausschuss Frauenarbeit und Informatik

der Gesellschaft für Informatik

www.gi-ev.de/fachbereiche/fa_81/

femtec – Kooperationsprojekt Careerbuilding

mit Wirtschaftsunternehmen

www.femtec-network.de

FiT e.V. – Frauen in der Technik

www.fitev.de

INET e.V. – Internationales Netzwerk

Weiterbildung

www.inetev.de

Nobel Prize Internet Archive (Englisch)

www.almaz.com/nobel/women.html

NUT e.V. – Frauen in Naturwissenschaften

und Technik

www.nut.de

Die Autorin

Dr. Ursula Köhler,

Diplom-Informatikerin

und stellvertretende Geschäftsführerin

des Kompetenzzentrum

Technik –

Diversity – Chancengleichheit

e.V., verantwortlich

für das Kompetenzfeld Hochschule,

Wissenschaft und Forschung; Projektleitung

„Genderaktivitäten im Wissenschaftsjahr

2006“.

41


42

DER ARBEITSMARKT

Naturwissenschaftler als Führungskräfte

– Widerspruch oder Chance?

Speziell die Vertreter der exakten Naturwissenschaften sehen sich bei dieser Frage der unerquicklichen

Erkenntnis ausgesetzt, dass es keine allen genügende Definition des Begriffs „Führungskraft“

gibt.

Für eine pragmatische Betrachtung der

Führungsstrukturen in Unternehmen der

Wirtschaft bezeichnen wir im Folgenden

als Führungskräfte diejenigen Mitarbeiter

und Mitarbeiterinnen, die in der Regel

über eine Hochschulausbildung verfügen,

einen außertariflichen Einzelvertrag

haben und Positionen wie beispielsweise

Abteilungsleiter, Betriebsleiter, Ressortleiter,

Geschäftsführer oder Vorstandsmitglied

bekleiden.

Sind diese Positionen auch für Naturwissenschaftler

erreichbar? Grundsätzlich

schon, aber die Präsenz von Naturwissenschaftlern

auf den einzelnen Hierarchie-

Ebenen zeigt eine deutliche Ausdünnung

nach „oben“ hin, wenn auch branchenbezogen

in unterschiedlicher Ausprägung. In

den Top-Etagen sind überwiegend Führungskräfte

mit einer wirtschaftswissenschaftlichen

oder juristischen Ausbildung

anzutreffen, in Unternehmen des verarbeitenden

Gewerbes auch solche mit

einem Abschluss als Dipl.-Ing.

Die Hochschulen haben sich – von wenigen

privaten Ausnahmen abgesehen – im

Allgemeinen nicht dem Ziel verpflichtet,

ihre Studenten für spezielle Branchen und

Funktionen strikt „anwendungsbezogen“

auszubilden. Im Gegenteil – auf die Breite

der Ausbildung wird viel Wert gelegt.

Für die Naturwissenschaften trifft das im

Vergleich mit den Ingenieur-Studiengängen,

zumal an den Fachhochschulen, in

besonderem Maße zu. Wir machen die

Erfahrung, dass diejenigen, die sich

einem naturwissenschaftlichen Studium

verschrieben haben, ein ganz ausgeprägtes

Interesse an wissenschaftlicher, stärker

grundlagenbetonter Arbeit haben, die

nicht auf ein branchen- oder produktbezogenes

Spezialistentum abzielt.

Ausnahme: Chemische Industrie

Eine gewisse Ausnahme bildet der Studiengang

Chemie. Es gibt eine chemische

Industrie, in der hohe und höchste Positionen

mit Managern besetzt sind, die

einen Abschluss als Diplom-Chemiker

haben und meist auch promoviert sind. Es

gibt jedoch keine physikalische Industrie

oder eine geographische, geologische,

biologische usw.

Absolventen dieser Fachrichtungen, die

ihr Berufsleben nicht an der Hochschule

oder bei anderen Forschungs- oder forschungsnahenDienstleistungseinrichtungen

verbringen wollen, finden sich in

Industrie-Unternehmen in direkter Konkurrenz

zu Mitbewerbern aus den Ingenieur-

oder kaufmännischen Disziplinen.

Zudem hängt das wirtschaftliche Überle-


en der Unternehmen davon ab, dass

spezielle am Markt nachgefragte Produkte

mit mindestens gleich bleibend hervorragender

Qualität, zu günstigen Preisen,

termingerecht in der erforderlichen

Menge und kundenspezifisch entwickelt,

konstruiert, hergestellt und vertrieben

werden.

Diesem Ziel muss sich jeder Mitarbeiter

verschreiben. „Forscher“ haben in diesem

System keine nennenswerten Entfaltungsmöglichkeiten,

abgesehen von streng anwendungsbezogener

Forschung und Entwicklung

(F&E), zumal in Großunternehmen.

Forschen und entwickeln

Im F&E-Feld finden dementsprechend

neben den Ingenieuren auch viele Naturwissenschaftler

ihre erste Einsatzmöglichkeit.

Hier kann man jedoch in der Regel

nicht bis zur Pensionierung bleiben. Vor

allem der stetige Konkurrenzzwang zu immer

besseren, innovativen Produkten und

neuen Einsatzfeldern bedingt das Hereinholen

neuer Köpfe mit neuen Ideen.

Wer es als Naturwissenschaftler (das gilt

allerdings entsprechend auch für andere

„technische“ Kräfte) nicht schafft, sich

weitere Funktionsfelder – z.B. in der Fertigung,

der Produktion, der Technischen

Leitung, der Betriebsleitung oder gar im

Marketing/Vertrieb und Service – zu

erschließen, findet sich in absehbarer

Zeit in Sackgassen abgedrängt.

Man hat’s oder man hat’s nicht

Das naturwissenschaftliche Studium liefert

eine gewisse fachliche Grundlage für

den Einstieg in die erste berufliche Industrie-Position.

Nicht jeder hat aber auch

das mentale und charakterliche Rüstzeug

zur Wahrnehmung einer vorbildlichen und

erfolgreichen Führungsaufgabe. Führungstechniken

für derartige Positionen

kann man zu einem gewissen Grad erlernen,

nicht jedoch die erforderlichen persönlichen

Eigenschaften – „man hat’s

oder man hat’s nicht“.

Führungskräfte führen und leiten, planen

und entscheiden; nicht nur produkt- und

auftragsbezogen, sondern auch unternehmensstrategisch.

In angestellten Positionen

oder als selbstständige Unternehmer.

Als die sechs wichtigsten außerfachlichen

Qualifikationen für Führungskräfte, auch

mit technischer Ressortverantwortung,

nennen Unternehmen:

Einsatzbereitschaft/Leistungsmotivation

Führungspotenzial

Kreativität

Kooperationsfähigkeit

soziale Kompetenz

Ergebnisorientierung

Einsatz, Glück und Zufall

Aufgrund ihrer breiten wissenschaftlichen

Ausbildung bringen Naturwissenschaftler

grundsätzlich gute fachliche Qualifikationen

für eine „fakultätsübergreifende“ Tätigkeit

mit. Dies umso mehr, wenn sie aus einem

Bereich kommen, der aufgrund stark

experimentell betonter Forschungsprojekte

den kompetenten Umgang mit „der Tech-

Der Autor

Naturwissenschaftler als

Führungskräfte

Beratung und

Hilfestellung …

bieten die Beratungs- und Vermittlungsteams

der örtlichen Agenturen

für Arbeit, die Managementvermittlung

in der Zentralen Auslands- und

Fachvermittlung (ZAV) und privatwirtschaftliche

Dienstleister.

ZAV – Team 113 –

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

Managementvermittlung

Villemombler Straße 76, 53123 Bonn

Tel.: 02 28/7 13 12 06

Fax: 02 28/7 13 11 88

E-Mail: bonn-zav.fw113@arbeitsagentur.de

nik“ zu einer Selbstverständlichkeit machte.

Wer die Liebe zu „seinem“ Fach zwar

nicht leugnet, aber die Prioritäten eines

lebenden, aktiven, produktiven Unternehmens

zu seinen eigenen machen kann

und Führungspotenzial besitzt, kann

unter gezieltem persönlichem Einsatz

(plus Glück und Zufall) durchaus auch als

Naturwissenschaftler die Führungshierarchien

bis oben hin durchlaufen.

Dr. Bernhard Beerbaum ist Berater der Managementvermittlung

in der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung

(ZAV) in Bonn. Sein Aufgabenschwerpunkt umfasst

die Technischen Ressorts auf der oberen und obersten

Führungsebene in Unternehmen des verarbeitenden

und produzierenden Gewerbes.

43


44

DER ARBEITSMARKT

Bachelor und Master

Ab 2010 sollen Magister- und Diplom-Prüfungen der Vergangenheit angehören. An ihre Stelle treten

der Bachelor und der Master. Denn seit geraumer Zeit wandelt sich die Hochschullandschaft

zum einen mit dem Ziel, Studienabschlüsse europaweit vergleichbar zu machen und zum andern

auch, um die „Employability“ von Absolventen zu steigern, d.h. sie adäquat auf den Arbeitsmarkt

vorzubereiten.

Schon

nach

sechs

oder siebenSemestern

kann man nun

mit einem Bachelorabschluss

den Schritt ins Berufsleben

wagen. Viele hängen entweder direkt

nach dem ersten Abschluss oder nach

einer ersten Berufsphase ein Masterstudium

dran, um die Berufsaussichten zu verbessern,

sich persönlich weiter zu qualifizieren

oder auch, weil sie eine Karriere in

der Wissenschaft oder im Bereich Forschung

und Entwicklung anstreben.

Aber was erwartet die Absolventen nach

ihrem Studium? Und wie reagieren die Arbeitgeber

auf die neuen Abschlüsse?

Bachelor – und dann?

Wie die erste bundesweite Befragung von

Absolventen der Jahrgänge 2002/2003

durch das Hochschul-Informations-System

HIS gezeigt hat, ist es um die beruflichen

Möglichkeiten für Akademiker mit Bachelor

und Master gar nicht schlecht bestellt.

Auch weitere Untersuchungen belegen die

wachsende Akzeptanz. Neun Monate

nach ihrem Studium haben etwa drei Viertel

der Fachhochschul- und fast ein Drittel

der Universitätsabsolventen eine Anstellung

gefunden.

Relativ häufig beginnen die Uni-Bachelors

zunächst ein betriebliches Praktikum –

womöglich ist der Bezug zur beruflichen

Praxis im Bachelorstudium an der Universität

noch nicht ausreichend vorhanden.

Auch erschwert die nach wie vor geringe

Bekanntheit der Bachelorabschlüsse – vor

allem bei kleineren Unternehmen

– die Stellensuche.

Das beeinflusst die Selbsteinschätzung

der Absolventen. Viele von

ihnen sehen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt

mit dem ersten berufsqualifizierenden

Abschluss als nicht ausreichend

an und entschließen sich zu einem

Masterstudium. Insgesamt jedoch sind

die meisten mit ihrer Entscheidung für

das Bachelorstudium im Nachhinein zufrieden.

Ein Plus für Akademiker mit

Know-how aus der Praxis

„More Bachelors and Masters Welcome!“

Mit dieser Erklärung haben Personalvorstände

zahlreicher deutscher Unternehmen

im Mai 2006 ein Zeichen gesetzt.

Grundsätzlich scheint die private Wirtschaft

den neuen Abschlüssen gegenüber

positiv eingestellt zu sein. Darauf deutet

unter anderem eine Studie des Instituts

der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hin.

So ist offenbar ein großer Bedarf an Akademikern

vorhanden, die zugleich über

fundiertes theoretisches Wissen verfügen

und Praxisbezug mitbringen. Beides ist

für Bachelor typisch.

Neben dem Fachwissen werden vor allem

methodische Schlüsselqualifikationen wie

Analysefähigkeit und Lösungskompetenz

geschätzt. Ebenso gelten Praxisorientiertheit

und die Internationalität der Studiengänge

als Vorteil.

Weitere Informationen

„More Bachelors and Masters Welcome!“

– gemeinsame Erklärung führender

Unternehmen zu den neuen

Abschlüssen: www.bachelor.stifterverband.de

Karriere mit dem Bachelor. Berufswege

und Berufschancen, hrsg. vom Stifterverband

für die Deutsche Wissenschaft

e.V.: www.stifterverband.de/pdf/

positionen_april_2005.pdf

www.wege-ins-studium.de k Bachelor

und Master

Neue Möglichkeiten für Naturwissenschaftler

Gerade im naturwissenschaftlichen Bereich

war die Quote der Studienabbrecher bisher

besonders hoch. Auch haben die lange

Studienzeit (ein Mathematikdiplomstudium

z.B. dauerte im Durchschnitt 13 Semester)

und die stark forschungsorientierte

Ausbildung angehende Naturwissenschaftler

nicht unbedingt adäquat auf eine berufliche

Tätigkeit in der Wirtschaft vorbereitet.

Hier liegen die Vorteile der neuen gestuften

Studiengänge. Zwar sind die konkreten

Anforderungen von Unternehmen an die

Qualifikationsprofile von Bachelor- und Masterabsolventen

noch nicht geklärt. Wie

jedoch eine Analyse der Bundesagentur

für Arbeit zeigt, stellten die Unternehmen

im Jahr 2005 bevorzugt solche Naturwissenschaftler

ein, die interdisziplinär ausgebildet

sind und über praktische Erfahrungen

und Schlüsselqualifikationen verfügen.

Im Sommersemester 2006 gab es bereits

519 naturwissenschaftliche Bachelorund

308 Master-Studiengänge. Und die

meisten Bachelor-/Masterstudierenden

kommen aus diesem Bereich.


Beratung und Vermittlung

Diese Informationen erhalten

Sie bei Ihrer Agentur für Arbeit

Die Agentur für Arbeit gibt Auskunft und

Rat in allen Fragen der Arbeitsplatzwahl,

der beruflichen Entwicklung, zum Berufsund

Arbeitsplatzwechsel, zur Lage und

Entwicklung des Arbeitsmarktes und der

Berufe, zu Ihren individuellen Vermittlungsmöglichkeiten,

zu den Möglichkeiten

der beruflichen Bildung und zu Leistungen

der Arbeitsförderung.

In einem individuellen Beratungsgespräch

informiert und berät Sie Ihr persönlicher

Arbeitsvermittler in allen beruflichen Fragen

und hilft Ihnen bei der Arbeitsplatzsuche.

Eine umfassende, genau auf Sie

zugeschnittene Beratung braucht Zeit und

Vorbereitung auf beiden Seiten.

Terminvereinbarung

Sie haben zwei Möglichkeiten, Ihr Anliegen

den Mitarbeitern der Agentur für Arbeit

zu schildern: Sie können sich entwe-

der telefonisch an das Service-Center

Ihrer Agentur für Arbeit wenden. Oder

Sie gehen persönlich an den Empfang

bzw. in die Eingangszone in Ihrer Agentur

für Arbeit.

Die Mitarbeiter erläutern Ihnen dann das

weitere Vorgehen, Ihnen werden ggf. erforderliche

Unterlagen zugesendet bzw.

ausgehändigt und, wenn nötig, wird ein

Termin bei Ihrem Arbeitsvermittler vereinbart.

Check In

Ihre Agentur für Arbeit bietet Ihnen für

die Aufnahme Ihres Bewerberangebotes

einen zusätzlichen Service an. Mit einer

Zugangskennung, die Sie am Empfang

bzw. in der Eingangszone erhalten, können

Sie Ihre Daten auch von zu Hause

über das Internet selbst eingeben.

Das Arbeitspaket

Zu den Unterlagen, die Ihnen ggf. entwe-

Beratung und Vermittlung 45

Sie suchen eine neue Stelle?

Sie möchten sich beruflich verändern oder weiterbilden?

Dann ist die Agentur für Arbeit für Sie die richtige Adresse. Kompetente Ansprechpartner

informieren, beraten und vermitteln Sie individuell, objektiv und kostenlos.

der zugesendet oder ausgehändigt werden,

gehört das so genannte Arbeitspaket.

Es besteht aus 3 Teilen (siehe

Checkliste Seite 46).

In Teil 1 und 2 werden grundlegende Daten

zu Ihrer Person und zu Ihrem beruflichen

Werdegang wie Ausbildung, berufliche

Kenntnisse und die letzten Beschäftigungsverhältnisse

abgefragt. Die

Mitarbeiter der Agentur für Arbeit nehmen

diese Daten auf.

Zur Vorbereitung auf das ggf. erforderliche

Gespräch mit Ihrem Arbeitsvermittler

arbeiten Sie zu Hause Teil 3 des Arbeitspakets

intensiv durch. Schicken Sie

bitte die Unterlagen so rechtzeitig ab,

dass sie Ihrem Arbeitsvermittler spätestens

3 Tage vor dem Gesprächstermin

vorliegen.

Fügen Sie dem Arbeitspaket die vollständigen

Bewerbungsunterlagen (Anschreiben

und Lebenslauf), alle wesentlichen

Arbeitszeugnisse sowie Nachweise über

Berufsabschluss und erfolgte Weiterbildungen

in Kopie bei.


46

JOBSUCHE FÜR EINSTEIGER UND PROFIS

Das Beratungsgespräch

1. Bei dem Erstgespräch erörtern Sie mit

Ihrem Vermittler Ihre bisherige berufliche

Situation sowie Ihre Vermittlungsmöglichkeiten,

ergänzen ggf. Ihr Bewerberangebot

und erstellen so Ihr individuelles

Bewerberprofil, das auch

die Grundlage für den Abgleich Ihrer

Daten mit den vorhandenen Stellenangeboten

ist.

2. Schließlich vereinbaren Sie mit dem

Vermittler Strategien für das weitere

Vorgehen bei Ihrer Beschäftigungssuche.

Aktivitäten und Maßnahmen werden

in einer Eingliederungsvereinbarung

dokumentiert.

3. Erste Erfolge und weitere Schritte werden

bei Bedarf in Folgegesprächen

besprochen und festgehalten.

✔ Das Arbeitspaket

Ihr Einsatz lohnt sich

Das Arbeitspaket ermöglicht Ihre aktive Einbindung in den Beratungs-

und Vermittlungsprozess. Mittels der Angaben können

Sie Ihr individuelles und berufliches Profil schärfen und

sich optimal auf das Beratungsgespräch beim Arbeitsvermittler

vorbereiten.

Beim Erstkontakt zur Agentur für Arbeit erhalten Sie:

Teil 1 – Persönliche Daten: Tragen Sie dort die für die Beratung

grundlegenden Informationen wie Name, Adresse,

letzte Tätigkeit, Angaben zur Arbeitslosigkeit etc. ein.

Teil 2 – Berufliche Daten: Hier beantworten Sie Fragen zu

Ihrem Schulabschluss, Ihrer beruflichen Aus- und Weiterbildung

(mit Nachweis durch Zeugnisse/Zertifikate) sowie

Ihrem bisherigen beruflichen Werdegang.

Teil 3 – Vorbereitung Vermittlungsgespräch: Hier können

Sie Ihre Wünsche und Vorstellungen für eine Beschäftigung

eintragen. Sie haben Platz für persönliche Fragen, die Sie mit

Ihrem Vermittler gerne besprechen wollen und können Ihre

Damit das Beratungsgespräch für Sie auch

möglichst gewinnbringend abläuft, können

Sie einiges tun. Je besser Sie sich

im Vorfeld des Gesprächs mit Ihrer beruflichen

Situation auseinandersetzen,

desto besser kann sich auch Ihr Arbeitsvermittler

auf das Gespräch mit Ihnen

vorbereiten und auf Ihre individuellen

Wünsche eingehen.

Informieren Sie sich deshalb vorab im

BIZ (siehe Seite 81) oder im Internet unter

www.arbeitsagentur.de über den

aktuellen Arbeitsmarkt mit den vorhandenen

Stellenangeboten, über Ausbildungs-

und Tätigkeitsbeschreibungen

(BERUFENET – siehe auch Seite 82)

oder über Angebote zur Aus- und Weiterbildung

(KURSNET – siehe auch Seite

64/65).

CHECK

speziellen Kenntnisse (im beruflichen wie im sozialen Bereich)

herausarbeiten.

Der Vermittler benötigt die Angaben für eine gute und gezielte

Gesprächsvorbereitung.

Ihre Vorteile sind:

Teil 3 füllen Sie bequem zu Hause aus.

Sie bereiten sich auf das Vermittlungsgespräch gut vor,

weil Sie sich auch über einige Problemstellungen bei der

Jobsuche klar werden können.

Sie sparen durch die Vorbereitung wertvolle Zeit im Gespräch

beim Vermittler – dies erhöht Ihre Chancen für

eine schnellere Integration in Arbeit.

Folgende Unterlagen (in Kopie) legen Sie dem Teil 3 bei:

Vollständige Bewerbungsunterlagen

Nachweise über Berufsabschluss/Weiterbildungen

Arbeitszeugnisse

Gesundheitsfragebogen/Ärztliche Bescheinigungen/Gutachten

(soweit für die berufliche Integration erforderlich)


Auf der Suche

Um die verschiedenen Möglichkeiten der

gegenseitigen Kontaktaufnahme hat sich

in den vergangenen Jahren ein eigener

Markt von Recruitingevents etabliert:

Jobmessen

Career-Veranstaltungen

Firmenkontaktmessen

Online-Kontakt-Netzwerke

Jobbörsen und E-Recruitment-Portale

im Internet

Die Kontaktveranstaltungen finden meist

an Hochschulen und in Messeeinrichtungen,

aber auch im Rahmen großer Fachausstellungen

wie der CeBIT oder Didacta-Bildungsmesse

statt: Einige regelmäßig,

andere sporadisch, und ständig kommen

neue Kontaktangebote hinzu.

Kennen lernen und Kontakte

knüpfen

Im Allgemeinen handelt es sich um einbis

dreitägige Veranstaltungen, auf denen

Unternehmen verschiedener Branchen

und Größen sich an Messeständen, in Seminaren

und Workshops, Gesprächsrunden

und Podiumsdiskussionen den Teilnehmern

präsentieren. Einige Firmen vergeben

auf solchen Messen Praktikumsplätze,

Diplomarbeiten, Dissertationsthemen

oder nehmen Bewerber in Förderkreise

auf. Auch können Bewerbungsmodalitäten,

Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten

mit den Personalfachleuten

und Fachabteilungs-Spezialisten besprochen

werden. Selbst vorab vereinbarte

Vorstellungsgespräche werden auf sol-

Auf der Suche 47

Die gute Nachricht gleich vorab: Auf der Suche sind Sie nicht allein – denn hoch qualifizierte Fachkräfte

werden von Unternehmen immer gesucht. Es zeichnet sich sogar in manchen Branchen ein

Fachkräftemangel ab. Headhunter und Personalverantwortliche sind unterwegs und versuchen,

die passenden Hochschulabsolventen für ihre Firmen zu gewinnen.

chen Veranstaltungen geführt.

Scheuen Sie sich im Zweifel also nicht,

bei den Unternehmen anzufragen, ob sie

freie Stellen haben, Praktika oder Diplomarbeiten

anbieten. Für Studierende, Absolventen

und Berufsneulinge mit bis zu fünf

Jahren Berufserfahrung (Young Professionals)

bieten diese Veranstaltungen hervorragende

Möglichkeiten sich entweder zunächst

unverbindlich über Branchen und Firmen

zu informieren und sich einen Überblick

zu verschaffen oder ganz gezielt das

eine oder andere Unternehmen kennen

zu lernen und Kontakte zu knüpfen.

Grob können zwei Veranstaltungstypen

unterschieden werden: die „Jobmessen“

und die „Firmenkontaktmessen“.


48

JOBSUCHE FÜR EINSTEIGER UND PROFIS

Jobmessen

Jobmessen sind Rekrutierungsveranstaltungen,

das heißt, Personalverantwortliche

der beteiligten Unternehmen ermöglichen

den Besuchern das direkte Gespräch.

Manche halten im Rahmenprogramm

Vorträge oder Seminare, bieten

an den Messeständen persönliche Beratungen

oder den Check von Bewerbungsunterlagen

an.

Die bekanntesten Jobmessen sind

der Absolventenkongress der Hobsons

GmbH (www.absolventenkongress.de)

die access-Workshops der access

AG (www.access.de)

die JOBcon der IQB Career Services

AG (www.iqb.de)

die Talents der bmv Consulting

GmbH (www.talents2008.de)

Firmenkontaktmessen

Firmenkontaktmessen sind Präsentationsveranstaltungen,

das heißt, Unternehmen

präsentieren sich an Messeständen und

informieren allgemein über die Berufsperspektiven,

die sie bieten: vom Einstieg in

die Firma durch Praktika oder Festanstellungen

bis zum Aufstieg auf der internen

Karriereleiter. Auch hier besteht die Möglichkeit

zu einem persönlichen Gespräch

und für Anfragen nach Vakanzen, Praktikumsplätzen

oder Diplomarbeiten.

Bekannte Firmenkontaktmessen sind die

bonding-Firmenkontaktmesse der

bonding Studenteninitiative e.V.

(www.bonding.de)

CampusChances der CampusConcept

Deutschland GmbH & Co. KG

(www.campuschances.de)

Firmen-Kontakt-Gespräche der Studentenorganisation

AIESEC (www.aiesec.de)

meet@ der IQB Career Services AG

(www.iqb.de)

connecticum (www.connecticum.de)

Der Überblick

Als Veranstalter von Jobmessen und Firmenkontaktmessen

treten bundesweit

operierende, professionelle Anbieter auf.

Daneben finden Sie eine wachsende Zahl

regionaler Studenteninitiativen und Verbände.

Über anstehende Kontakt- und Jobmessen

können Sie sich zum Beispiel im Internet

unter www.berufsstart.de, www.

stellenreport.de oder www.karriere.de

informieren.

Einen aktuellen Überblick über Fachmes-

sen/Messen aller Art erhalten Sie unter

www.auma.de. Darüber hinaus sollten

Sie sich auch an nahe gelegenen Hochschulen

nach Karriere-Messen erkundigen.

Welche Messe für Sie in Frage kommt,

richtet sich in erster Linie nach Ihrem

Status (Student, Absolvent oder Berufseinsteiger)

sowie nach Ihren Studienschwerpunkten

und -fächern.

Die Vorbereitung

Die Teilnahme an einer Job- oder Kontaktmesse

verlangt Vorbereitung. Sie sollten

sich Klarheit über Ihre Ziele und Fähigkeiten

verschaffen, sich über die Firmen

informieren, die Sie kennen lernen möchten.

Messekataloge mit Firmenprofilen

helfen Ihnen dabei. Bereiten Sie auch

Bewerbungsunterlagen vor, die Sie bei

passender Gelegenheit Ihrem Gesprächspartner

überreichen können.

Ruhe und Sicherheit auszustrahlen ist

eine wichtige Voraussetzung für Ihren

ersten Kontakt mit einem potenziellen,

künftigen Arbeitgeber. Einige Messe-Veranstalter

ermöglichen daher über ihre

Internetseiten eine schriftliche Vorab-

Bewerbung, so dass Sie bereits Wochen

vor der Veranstaltung Gesprächstermine

für die Messetage vereinbaren können.

Bei manchen Veranstaltungen ist eine

vorherige Bewerbung um die Teilnahme

sogar Voraussetzung für den Messebesuch,

andere stellen die Anmeldung frei,

empfehlen sie aber.

Die virtuelle Kontaktmesse

Im Internet findet sich mittlerweile eine

Vielzahl rein virtueller Kontaktmessen.

www.uni-gateway.de etwa ist ein Portal

mehrerer deutscher Hochschulen, in dem

sich Firmen registrieren lassen, die auf

der Suche nach Absolventen und Praktikanten

sind. Bewerbungen können Sie

über das Portal direkt an die registrierten

Unternehmen senden.

Vom eigenen Wohnzimmer aus mit Personalverantwortlichen

Gespräche führen,

ist unter www.jobfair24.de möglich.

Mehrmals im Jahr findet ein Online-Messetag

statt. Nach Fachrichtungen geordnete

Stellenangebote finden Sie zudem im

Online-Angebot www.akademikeronline.de.

Zunehmend treffen sich Stellenanbieter

und Jobsuchende in Online-Kontakt-Netzwerken

wie www.xing.com oder

www.ecademy.com. In diesen virtuellen

Business-Netzwerken laden Mitglieder

Kollegen und Freunde ein, diese registrieren

sich, geben ihr persönliches/berufliches

Profil ein und laden wiederum weitere

Personen hinzu. So entstehen weit verzweigte

Kontaktnetze, die insbesondere

Freiberufler bei der Suche nach neuen Projekten

und Angeboten unterstützen (mehr

zum Thema Networking siehe Seite 56/57).

Jobbörsen im Internet

Unter die virtuellen Messen im weiteren

Sinne lässt sich auch eine Vielzahl so

genannter „Jobbörsen“ im Internet rechnen.

Sie werden unterschiedlich stark

von Unternehmen und Arbeitsuchenden

genutzt. Jobsuchende können dort ihre

Bewerberprofile eingeben, in Stellenanzeigen

suchen und sich nach Suchkriterien

gefilterte „Jobletter“ per E-Mail

zusenden lassen.

Hier eine Auswahl von Jobbbörsen ohne

Anspruch auf Vollständigkeit:

www.arbeitsagentur.de (siehe auch

Seite 83)

www.worldwide-jobs.de

www.jobpilot.de

www.jobjet.de

www.stellenmarkt.de

www.stepstone.de

www.stellenanzeigen.de

www.monster.de

www.jobmonitor.com

www.jobscout24.de

www.jobware.de

Jobmessen und

Stellenbörsen für

Naturwissenschaftler

Jobmessen (Auswahl)

CareerVenture business & consulting

(Mathematiker, Physiker):

Termine unter

www.career-venture.de

T5 Futures – Healthcare: Termine

unter:

www.t5-futures.de/jobmessen

Stellenbörsen (Auswahl)

www.biojobs.de (Biologie, Chemie,

Physik)

www.jobpilot.de („PharmaMed-

Center“)

www.jobvector.com (Biologie,

Chemie, Life Science)

www.t5-jobboerse.de


Bewerbungstipps

Bewerbungstipps 49

Nehmen Sie sich Zeit und erarbeiten Sie Ihre Bewerbung sorgfältig. Achten Sie darauf, dass die

Bewerbung klar, übersichtlich, vollständig und fehlerfrei ist. Schließlich wollen Sie mit Ihrer

Bewerbung Ihren künftigen Arbeitgeber von sich überzeugen. Und dabei gilt: Auf den ersten Eindruck

kommt es an!

Es gibt verschiedene Wege, sich zu bewerben:

Je nach Stellenangebot und Unternehmen

kann z.B. eine vollständige Bewerbung

per Post oder eine Kurzbewer-

✔ Die klassische Bewerbung

bung geeignet sein. Viele Unternehmen bieten

mittlerweile auch elektronische Bewerbungsformulare

an bzw. bevorzugen

eine E-Mail-Bewerbung.

CHECK

Zu einer kompletten schriftlichen Bewerbung gehören

das persönliche Bewerbungsanschreiben,

der tabellarische Lebenslauf,

ein aktuelles Lichtbild vom Fotografen,

gut lesbare Kopien von Zeugnissen und Zertifikaten und

gegebenenfalls weitere Anlagen, die in dem Stellenangebot verlangt werden.

Das Anschreiben

Ihr Anschreiben ist das Erste, was Ihr

möglicher Arbeitgeber von Ihnen zu sehen

bekommt. Deshalb ist ein perfektes

Anschreiben das A und O. Beachten Sie

dabei folgende Tipps:

Verwenden Sie keinen Standardtext,

sondern finden Sie gute Gründe, warum

genau Sie der ideale Mitarbeiter

für diese eine Stelle sind. Arbeiten Sie

Ihre zwei bis drei besten Argumente

heraus und machen Sie diese zum Kernpunkt

Ihres Bewerbungsanschreibens.

Adressieren Sie das Anschreiben, das

nicht länger als eine Seite sein sollte,

namentlich an die für die Einstellung

zuständige Person. Fragen Sie ggf. telefonisch

nach, an wen Sie die Bewerbung

richten können.

Nehmen Sie, wenn möglich, Bezug auf

die Stellenanzeige, ein (Telefon-)Gespräch

oder eine persönliche Empfehlung.

Der Lebenslauf

Der Lebenslauf ist die zweite Grundlage für

die Einschätzung Ihrer Person. Deshalb

ist auch hier besondere Sorgfalt geboten.

Der Lebenslauf sollte ein lückenloses

Bild über Ihren bisherigen Lebensweg

geben. Sollte Ihre berufliche Biografie

Unterbrechungen aufweisen, übergehen

Sie diese nicht, sondern erklären

Sie sie plausibel. Alles andere erzeugt

Misstrauen.

Üblich ist ein tabellarischer Lebenslauf,

chronologisch oder thematisch

gegliedert. Wenn Sie schon etliche Berufsjahre

vorzuweisen haben, empfiehlt

sich ein antichronologischer Lebenslauf

(vgl. Infokasten).

Als Berufseinsteiger sollten Sie unter

dem Punkt „Studium“ neben Hochschulen

und Fächern auch Schwerpunkte

und ggf. das Thema der Abschlussarbeit

aufführen.

Vergessen Sie nicht Ort, Datum und

Unterschrift am Ende.

Ein Bild sagt oft mehr als 1.000 Worte.

Zeigen Sie sich deshalb auf Ihrem Be-


50

JOBSUCHE FÜR EINSTEIGER UND PROFIS

werbungsfoto von Ihrer Schokoladenseite:

Verwenden Sie keine Automatenbilder

oder Bilder aus „früheren“

Tagen, sondern lassen Sie ein aktuelles

Porträt in einem professionellen

Fotostudio anfertigen.

Der antichronologische

Lebenslauf

Folgende Bestandteile kann ein

Lebenslauf enthalten:

Überschrift „Lebenslauf”

Foto (rechts oben, wenn nicht auf

dem Deckblatt)

Persönliche Daten:

Vor- und Zuname

Adresse und Telefonnummer

Geburtsdatum und -ort

Berufstätigkeit/Berufserfahrungen

Berufsausbildung/Studium mit

Abschluss

Berufliche Weiterbildung/Seminare

(mit Bezug zur ausgeschriebenen

Stelle)

EDV-Kenntnisse

Sprachkenntnisse

Wehr-/Zivildienst

Schulausbildung mit Schulabschluss

evtl. Freizeitaktivitäten/Hobbys (mit

Bezug zur ausgeschriebenen Stelle)

Ort und Datum

Unterschrift (handschriftlich)

Zeugnisse und Bescheinigungen

Zeugnisse fügen Sie in Kopie als Anlage

Ihrer Bewerbung bei. Dabei gilt:

Es genügt das Schulzeugnis (einschließlich

Berufsausbildung) über den

höchsten Abschluss.

Auf Arbeitszeugnisse, die älter als 10

Jahre sind und mit dem gewünschten

Job nichts zu tun haben, können Sie

verzichten.

Wählen Sie nur jene Weiterbildungszertifikate

und Seminarbescheinigungen

aus, die im Zusammenhang mit

der Stelle von Bedeutung sind.

Die Bewerbungsmappe

Als Bewerbungsmappe eignet sich z.B. ein

Klipphefter, in den obenauf der Lebenslauf

mit dem Foto und darunter die Zeugnisse

und Zertifikate eingeordnet werden.

Das Anschreiben wird lose auf die Bewerbungspapiere

gelegt.

Bei umfangreichen Anlagen können Sie

auch ein Deckblatt anfertigen, auf dem Sie

z.B. das Foto kleben, Ihre Adresse und ein

Inhaltsverzeichnis angeben.

Lassen Sie, bevor Sie die Bewerbung absenden,

Freunde und Verwandte die Unterlagen

durchsehen. Vier Augen sehen häufig

mehr. Auch Ihre Arbeitsvermittlerin/Ihr

Arbeitsvermittler in der Agentur für Arbeit

checkt die Bewerbungsunterlagen.

Die Initiativbewerbung

Sie können sich auch bei einem Unternehmen

bewerben, ohne dass dieses eine

konkrete Stelle ausgeschrieben hat.

Dabei müssen Sie der Firma sehr genau

beschreiben, was Sie zu bieten

haben. Nur so kann Ihre Qualifikation

auch einem bestimmten Bereich im

Unternehmen zugeordnet werden.

Ihre Initiativbewerbung ist um so Erfolg

versprechender, je mehr Sie von

der Branche und den Bedürfnissen des

Unternehmens wissen. Der Arbeitgeber

merkt den eingesandten Unterlagen

an, ob Sie sich mit dem Unternehmen

auseinandergesetzt haben.

Für den ersten Kontakt empfiehlt sich eine

Kurzbewerbung, reduziert auf Anschreiben

und Lebenslauf mit Foto. Ausführlichere

Unterlagen, insbesondere Zeugniskopien,

werden erst auf Anforderung hin

nachgereicht.

Die Online-Bewerbung

Immer mehr Unternehmen bieten die Möglichkeit

zur elektronischen Bewerbung –

per E-Mail oder über ein standardisiertes

Bewerbungsraster auf ihrer Homepage.

Eine solche Bewerbung empfiehlt sich

insbesondere

bei Stellenangeboten in Internet-Jobbörsen,

bei Stellenanzeigen, die ausdrücklich

zur E-Mail-Bewerbung auffordern oder

bei einer Initiativbewerbung.

Auf folgende Punkte sollten Sie achten:

Eine Online-Bewerbung muss mit der

gleichen Sorgfalt wie eine Print-Bewerbung

verfasst werden.

Eine Bewerbung per E-Mail enthält alle

Elemente des Anschreibens und des

Lebenslaufs. Menge und Datenvolumen

der angehängten Dateien sollten

nicht zu groß sein. Ggf. können Sie

Zeugnisse und andere Qualifikationsnachweise

auf Anfrage nachreichen.

Verwenden Sie gängige Dateiformate

(Word, PDF).

Richten Sie die Bewerbung an eine

persönliche E-Mail-Adresse, die Sie

ggf. telefonisch erfragen und erklären

Sie in der E-Mail kurz den Zweck Ihres

Schreibens.

Die „Betreffzeile“ der E-Mail ist besonders

wichtig, weil sie das Erste ist,

was der Empfänger liest.

Die E-Mail-Bewerbung ist häufig eine Art

Vorstufe: Deshalb empfiehlt sich auch hier

erstmal eine Kurzbewerbung. Halten Sie eine

vorbereitete Bewerbungsmappe bereit,

die Sie bei Bedarf nachreichen können.

Das Vorstellungsgespräch

Die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch

dürfen Sie als einen wichtigen Erfolg

für sich verbuchen: Ihre schriftliche

Bewerbung hat überzeugt. Nun geht es in

die zweite Runde, und Sie können mit

Ihrer Persönlichkeit punkten.

Hier einige Tipps:

Informieren Sie sich über das Unternehmen,

bei dem Sie sich vorstellen.

Bringen Sie möglichst viel in Erfahrung

über die Größe, die angebotenen Produkte

oder Dienstleistungen, die Unternehmensorganisation

etc.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schränkt

die Rechte der Arbeitgeber ein

Das Gleichbehandlungsgesetz bestimmt, dass in Stellenangeboten und Bewerbungsgesprächen

nur Qualifikationen nachgefragt werden dürfen, die sich aus

dem Tätigkeitsprofil ergeben. Es verbietet fachlich unbegründete Fragen zu Alter,

Geschlecht, Nationalität, Religion und Familienstand.

Was in den USA und Großbritannien bereits üblich ist, könnte sich also langfristig

auch in Deutschland durchsetzen: Dort werden Bewerbungsunterlagen meist ohne

Passbild und persönliche Angaben eingereicht.

Auch hierzulande ist heute niemand mehr verpflichtet, diese Informationen preiszugeben.

Allerdings ziehen viele Arbeitgeber „traditionelle“ Bewerbungen mit

Lichtbild und Personendaten noch immer vor; ein anonymisierter Lebenslauf kann

deshalb Minuspunkte bei der Bewerbung einbringen.


Erstellen Sie einen Fragenkatalog zu

Themen wie Aufgabengebiet, organisatorische

Einordnung in den Betrieb,

Einarbeitung, Probezeit.

Fragen zu Verdienst, betrieblichen Sozialleistungen

und Fortbildungsmöglichkeiten

werden erst gegen Ende des Gesprächs

behandelt. Um hier gewappnet

zu sein, informieren Sie sich über die

marktüblichen Verdienstmöglichkeiten

für die angestrebte Position (z.B. bei

Berufsverbänden und Gewerkschaften).

Achten Sie auf eine insgesamt gepflegte

Erscheinung und verzichten

Sie auf besondere Effekte.

Planen Sie Anreise und Timing: Sie sollten

pünktlich und ausgeruht ankommen.

Der Ablauf

Nach Begrüßung und Vorstellung wird

man vielleicht etwas Smalltalk betreiben.

Gehen Sie höflich darauf ein, und versuchen

Sie sich die Namen Ihrer Gesprächspartner

zu merken. Dann kommen meist

Informationen über das Unternehmen und

die zu besetzende Stelle. Nutzen Sie die

Gelegenheit, um dezent durchblicken zu

lassen, dass Sie sich vorbereitet haben,

z.B. durch gezielte Fragen.

Nun geht es um Ihren Werdegang: Fragen

zu Aus- und Weiterbildung sowie zu Ihrer

beruflichen Entwicklung leiten über zu

Ihren bisherigen Tätigkeiten und konkreten

Plänen. Auch Ihre persönliche Situation

wird zum Gegenstand des Gesprächs.

In der Regel werden Sie ehrlich

Auskunft geben, denn schließlich kommt

es darauf an, die Basis für ein künftiges

Vertrauensverhältnis zu legen.

Fragen, auf die Sie nicht antworten müssen,

weil sie nicht direkt mit der Stelle

und den zu erbringenden Leistungen zusammenhängen,

sind z.B. Fragen nach

Ihrer Familienplanung oder Ihren Vermögensverhältnissen.

JOBPROFI

Bei den Vertragsverhandlungen ist es

wichtig, dass Sie vorher eine Unter- und

Obergrenze für sich festgelegt haben und

auch Sozial- sowie Zusatzleistungen mit

einbeziehen. Signalisieren Sie, dass Sie

Ihren Wert kennen, aber flexibel genug

sind, um eine für beide Seiten vertretbare

Regelung zu finden.

Ziehen Sie zur Unterstützung des Gesprächs

Ihre Unterlagen/Ihren Fragenkatalog

heran. Machen Sie sich ruhig Notizen,

das zeugt von Interesse und Professionalität.

Zum Schluss erkundigen Sie sich nach

dem weiteren Vorgehen. Wann dürfen Sie

mit einer Nachricht rechnen? Sollen Sie

sich telefonisch melden? Verabschieden

Sie sich freundlich und danken Sie für die

Einladung.

Die Nachbereitung

Ganz wichtig ist es, dass Sie im Nachhinein

das Vorstellungsgespräch noch einmal

rekapitulieren und Ihre Eindrücke und

Erkenntnisse schriftlich festhalten. Dies

trägt nicht nur dazu bei, Ihr Urteilsvermögen

zu stärken, sondern hilft Ihnen auch,

selbstsicher in das nächste Gespräch zu

gehen.

Das Assessment-Center

Eine beliebte Form der Personalauswahl

ist das Assessment-Center (AC), vor allem

bei großen Unternehmen. Bei dieser Form

befindet man sich – oft zusammen mit

Mitbewerbern und zwei bis drei Tage lang

– in einer Art Prüfungssituation: Tests,

Übungen, Gespräche oder Rollenspiele

sind unter Zeitdruck entweder allein oder

in der Gruppe zu bewältigen. Die Unternehmen

können auf diese Weise besser

einschätzen, wie die Bewerber mit Stress

umgehen, im Team arbeiten und wie flexibel

und leistungsbereit sie sind.

Ihr Trainingsprogramm zum neuen Job.

Die Arbeitsmappe und die Broschüre mit wertvollen Tipps für die Beschäftigungssuche

erhalten Sie im Internet unter www.arbeitsagentur.de oder bei

Ihrer Arbeitsvermittlerin/Ihrem Arbeitsvermittler in der Agentur für Arbeit.

Viele Agenturen für Arbeit bieten auch Seminare und Workshops rund um

das Thema Bewerbung an. In der zentralen Veranstaltungsdatenbank unter

http://vdb.arbeitsagentur.de (Suchwort „Bewerbung“) finden Sie Termine

und Orte. Oder Sie fragen direkt im Berufsinformationszentrum (BIZ)

Ihrer Agentur für Arbeit nach.

Weitere Anlaufstellen sind die Career-Services an Hochschulen. Auch die

Berater/innen für Akademische Berufe (früher: Hochschulteams) der Agenturen

für Arbeit können bei Fragen zur Bewerbung weiterhelfen.

Bewerbungstipps 51

Fünf Fragen, die oft im Vorstellungsgespräch

gestellt werden

Was waren bisher Ihre größten Leistungen/Erfolge/Misserfolge?

Diese Frage erlaubt einen Einblick in

Ihre Lebensphilosophie und lässt darauf

schließen, ob Sie zum Team passen.

Warum wollen Sie Ihre derzeitige

berufliche Situation verändern?

Wer so fragt, möchte weniger etwas

über jetzige/frühere schlechte Erfahrungen

wissen als vielmehr etwas

über Ihre Motivation und Ihre Ziele.

Warum bewerben Sie sich auf

diese Stelle? Was reizt Sie daran?

Diese Frage klärt ebenfalls Ihre Motivation

ab und gibt Aufschluss über Ihr

Selbstbild.

Wie stellen Sie sich einen typischen

Arbeitstag in dieser Abteilung vor?

Ihre Antwort zeigt, wie gut Sie sich

über die Tätigkeit informiert haben.

Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen?

Ihre Antwort sagt etwas über Zielstrebigkeit,

Motivation und Eigeninitiative aus.

Bewerber können sich mit Hilfe von Seminaren

und Büchern auf ein AC vorbereiten.

In professionellen Bewerbungsseminaren

werden die Übungen – die im Prinzip

bei jedem AC ähnlich sind – durchgespielt.

Zudem können Sie Fehler besprechen

und sich ein wenig Routine in

Stresssituationen verschaffen.

Grundsätzlich gilt: Treten Sie im AC authentisch

auf; im Berufsalltag können Sie

sich schließlich auch nicht verstellen.


52

JOBSUCHE FÜR EINSTEIGER UND PROFIS

Berufseinstieg

Eigentlich können Akademiker in Deutschland mit der Arbeitsmarktsituation zufrieden sein. Das

Risiko, arbeitslos zu werden, ist für Hochschulabsolventen deutlich geringer als für Beschäftigte

ohne Hochschulabschluss. Ihre Arbeitslosenquote lag 2005 bei 3,8% und damit deutlich unter der

generellen Quote von 11,2%.

In Teilbereichen der Wirtschaft suchen die

Personalverantwortlichen bereits wieder

händeringend gut ausgebildete Fachkräfte.

Vertreter verschiedener Branchen klagen

bereits über Probleme bei der Besetzung

von offenen Positionen. Ob Ingenieure,

IT-Experten oder Sozialarbeiter –

während sich die Zahl der arbeitslos gemeldeten

Akademiker ohnehin verringerte,

stapeln sich bei den Agenturen für Arbeit

und anderen Jobvermittlern weitere

Stellenangebote für Hochschulabsolventen.

Allerdings wünschen die meisten Unternehmen

von ihren neuen Mitarbeitern

nicht nur hervorragende Fachkenntnisse,

sondern berufliche Erfahrungen und zahlreiche

weitere Fähigkeiten, die so genannten

Schlüsselqualifikationen.

Aber selbst Kandidaten, die alle Erwartungen

der Personalchefs erfüllen, müs-

sen mit vergleichsweise bescheidenem Einkommen

rechnen. Vor allem Berufsanfänger

stehen vor einigen Problemen beim

Jobeinstieg. „Wenn sie nicht gerade einen

exzellenten Lebenslauf präsentieren konnten,

gelang vielen der Berufseinstieg erst

nach mehreren Praktika – in Einzelfällen

mit einem ganz normalen Joballtag, aber

ohne die dazu gehörende Vergütung“,

heißt es im Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur

für Arbeit.

Praktikum: Nicht nur Kaffee

kochen

Politiker, Wissenschaftler und Unternehmensvertreter

werden denn auch nicht

müde, Praktika als Einstiegschance in das

berufliche Leben zu empfehlen. „Das

Praktikum bietet die Chance, sich vom

Gros der Stellenbewerber abzuheben und

seine Fähigkeiten zu beweisen“, sagt

Nachgefragt:

Normal-Arbeitsverhältnisse auf dem Rückzug

BBZ sprach mit Dipl.-Ing. Bernhard Switaiski, Berater für Akademische

Berufe der Agentur für Arbeit Bonn, über den beruflichen

Einstieg von Akademikern.

BBZ: Wie haben sich die Chancen für Akademiker, gleich

nach Studienabschluss eine Anstellung zu finden, entwickelt?

Switaiski: Die Möglichkeiten für junge, gut qualifizierte Akademiker

fast aller Fachrichtungen, nach Studienende in nur wenigen

Monaten eine Beschäftigung zu finden, haben sich in letzter

Zeit deutlich verbessert.

Gründe dafür sind die sich belebende Konjunktur, die insbesondere

bei den hoch qualifizierten Absolventen positive Auswirkungen

auf dem Arbeitsmarkt zeigt, und in Teilbereichen die

Auswirkungen der demografischen Entwicklung, die zukünftig

zunehmend dazu führen wird, dass hier zu Lande ein Mangel

an qualifiziertem Nachwuchs herrschen wird.

Auf welche Qualifikationen und Fähigkeiten – neben dem

ausgezeichneten Abschluss – legen Arbeitgeber besonderen

Wert?

Insbesondere achten Arbeitgeber auf ein zügig absolviertes

Studium, praktische

Erfahrungen während

des Studiums, gute

Fremdsprachenkenntnisse

und Auslandserfahrungen.

Sascha Tillmanns von der Unternehmensberatung

Kienbaum.

Härter formulieren es Hermann Decker,

Berater bei der Kölner Agentur für Arbeit,

oder Michael Stephan vom Karriereinstitut

Staufenbiel. Stephan meint: „Praktika

gehören für den Nachwuchs zum absoluten

Muss“, und Decker sagt: „Wer nicht

den Blick über den Tellerrand seiner Ausbildung

wagt, wird größte Schwierigkeiten

auf dem Arbeitsmarkt bekommen.“

Zahlreiche Medien haben in den jungen

Berufseinsteigern auf dem Arbeits- und

Ausbildungsmarkt inzwischen bereits eine

neue Problemgruppe ausgemacht –

die Wochenzeitung „Die Zeit“ sieht in

ihnen die „Generation P“ und meint: „Je

mehr arbeitslose junge Akademiker es

gibt, desto lieber stellen die Unternehmen

Praktikanten ein, die für wenig Geld professionelle

Arbeiten verrichten. So ist zwi-

I N T E R V I E W

Welche Rolle spielen

dabei die so genannten Soft

Skills?

Die Soft Skills sind mittlerweile entschei-

Bernhard Switaiski,

Agentur für Arbeit

dend bei der Auswahl von Bewerbern. Sie

Bonn

machen deutlich mehr als die Hälfte bei

den Entscheidungskriterien aus. Fachkenntnisse werden nach

einem erfolgreich absolvierten Studium vorausgesetzt.

Viele Studienabsolventen, die nicht sofort den Einstieg in

eine Festanstellung schaffen, machen stattdessen Praktika.

Wie beurteilen Sie das?

Praktika sollten Akademiker im günstigsten Fall bereits während

des Studiums absolviert haben und nicht erst danach.

Wenn diese Erfahrungen aber fehlen, kann auch ein Praktikum


nach dem Studienabschluss hilfreich sein, wenn der Direkteinstieg

in eine normale Beschäftigung nicht klappt.

Lücken im Lebenslauf werden so gefüllt. Nicht selten ergeben

sich bei Bewerbungen im Praktikum durch interne Kenntnisse

von Vakanzen Perspektiven für eine dauerhafte Beschäftigung.

Werden Praktikanten – Medien berichten bereits seit einiger

Zeit von der „Generation P“ – in der Praxis ausgenutzt?

Worauf sollten sie bei ihren Praktika achten?

Sicherlich gibt es auch ein „Praktikumsunwesen“. Arbeitgeber

nutzen dann Praktikanten als kostenlose oder sehr gering vergütete

Fachkräfte aus. Es erscheint aber übertrieben, bei Akademikern

von einer „Generation Praktikum“ zu sprechen.

Immerhin gelingt es fast 90% aller Hochschulabsolventen, nach

dem Studienabschluss in ein reguläres Arbeitsverhältnis einzumünden.

In Teilbereichen des Akademikersektors mag das Phänomen

Praktikum durchaus problematisch sein. Betroffen sind

z.B. Geistes- und Sozialwissenschaftler, Architekten, Juristen

und Wirtschaftswissenschaftler. Ein Praktikum sollte nicht weniger

als drei Monate und nicht mehr als sechs Monate dauern.

Berufseinstieg 53

Welche anderen Formen des Berufseinstiegs empfehlen Sie?

Was halten Sie von Projektaufträgen oder befristeten Verträgen?

Das „Normal-Arbeitsverhältnis“ – beitragspflichtig angestellt,

unbefristet – ist deutlich auf dem Rückzug. Zunehmend werden

hoch qualifizierte Fachkräfte für Projekte befristet beschäftigt.

Gerade die erste Stelle nach dem Studium ist häufig befristet.

Es kann sich auch um einen Honorarvertrag handeln.

Hochschulabsolventen sollten keine Scheu davor haben. Erste

Berufspraxis führt immer dazu, dass sich die Arbeitsmarktchancen

deutlich verbessern. Ein Viertel aller Akademiker haben vier

Jahre nach dem Studienabschluss einen befristeten Vertrag.

Welche Vorteile haben Trainee-Programme? Und worauf

müssen Interessenten dabei achten?

Trainee-Programme sind für Hochschulabsolventen eine gute

Möglichkeit, umfassend auf Führungspositionen im Unternehmen

vorbereitet zu werden. Die Zahl der angebotenen Traineeplätze

sinkt allerdings bundesweit.

Arbeitgeber bevorzugen zunehmend den „Sprung ins kalte Wasser“.

Bei knapper werdendem Angebot ist eine herausragende Bewerbung

um einen Traineeplatz für den Erfolg unbedingt erforderlich.


54

JOBSUCHE FÜR EINSTEIGER UND PROFIS

schen Ausbildung und Beruf eine häufig

mehrere Jahre währende Dauerpraktikantenschaft

getreten.“

Wissenschaftler haben diesen Jahren bereits

einen eigenen Namen gegeben:

floundering period, eine Lebensphase, in

der man zappelt wie eine Flunder.

Aus den Stippvisiten im Unternehmen

kann bei Praktikanten in Einzelfällen ein

„getarntes Beschäftigungsverhältnis“ werden.

Dann werden den Einsteigern in den

Unternehmen Höchstleistungen bei minimaler

Bezahlung abverlangt. Nach Angaben

von Kienbaum erhalten die meisten

Praktikanten zwar eine monatliche Vergütung

von 500 bis 600 €, aber die Zahl der

unbezahlten Praktika steigt.

Wer jedoch mehr als drei oder vier Praktika

absolviert und die entsprechenden

Zeugnisse in seine Bewerbungsmappe

heftet, macht sich bei Personalverantwortlichen

in den Unternehmen verdächtig

– die Vielzahl von Praktika wird als

Unentschlossenheit oder mangelnde Integrationsfähigkeit

interpretiert.

Faires Praktikum

Eigentlich sind Praktika gut geeignet, um

in das praktische Leben eines Unternehmens

hineinzuschauen und herauszufinden,

ob der Beruf zu einem passt und natürlich

um Praxiserfahrungen zu sammeln. Doch

der Druck auf dem Arbeitsmarkt hat auch

die Praktikumsinhalte verändert.

Ein „faires Praktikum“, so wie es von Gewerkschaften

(vgl. www.students-atwork.

de) und Interessenvertretern der Praktikanten

(z.B. www.fairwork-verein.de) gefordert

wird, soll in erster Linie dem Erwerb

beruflicher Kenntnisse, Fertigkeiten

und Erfahrungen dienen. Auch das Bundesarbeitsgericht

hat entschieden, dass

Praktikanten nicht in die tägliche Verrichtung

der Arbeit fest eingeplant werden

dürfen, sondern zusätzlich im Betrieb

„mitlaufen“ (BAG-Urteil AZR 564/01 vom

13.3.2003).

Praktikanten sollten nach Empfehlungen

der DGB-Jugend darauf achten, dass bereits

im Vertrag die wichtigsten Bedingungen

festgelegt werden. In dem entsprechenden

Vertrag finden sich Angaben zu

Dauer und Höhe der Vergütung (je

nach Dauer und Qualität zwischen

300 und 800 €),

Arbeitszeit, Urlaub und Lohnfortzahlung

im Krankheitsfall

und vor allem zu

Inhalt und Ablauf des Praktikums.

Nach Abschluss des Praktikums sollte unbedingt

um ein qualifiziertes Zeugnis gebeten

werden.

Blick in die Zukunft

Schon in einigen Jahren wird auf Grund

der demografischen Entwicklung voraussichtlich

mit der teilweise entwürdigenden

Praktikums-Praxis wieder Schluss

sein. Verschiedene Studien belegen, dass

im nächsten Jahrzehnt der Nachwuchs

fehlen wird.

„Ich frage mich tatsächlich, ob die Unternehmen

begriffen haben, was die Stunde

geschlagen hat“, sagt Hilmar Schneider

vom Bonner Institut Zukunft der Arbeit.

„Gut ausgebildete Leute kann man sich

nicht einfach pflücken, man muss sie heranreifen

lassen.“ Eigentlich, so Schneider,

müssten Unternehmen heute schon beginnen,

Schüler auf sich aufmerksam zu

machen und gute Berufsanfänger anzuwerben.

Selbstverständlich bieten namhafte Großunternehmen

seriöse Praktikumsmöglichkeiten,

wenn auch ohne Übernahme- oder

Jobgarantie. Allein die im Deutschen Aktienindex

(DAX) notierten Unternehmen

haben Jahr für Jahr rund 2.000 Praktikumsplätze

im Angebot, vor allem in den

Bereichen Marketing und PR, Rechnungsund

Finanzwesen.

Gerade größere Unternehmen, die selbst

international tätig sind, bieten Praktikanten

die interessante Chance, ihr Praktikum

ganz oder teilweise im Ausland zu

absolvieren.

Trainee-Programme

In den letzten Jahrzehnten haben sich

Trainee-Programme in großen Unternehmen

vom starren Standard zum individuellen

Training gewandelt, bei dem der

akademische Nachwuchs eine auf die

Person und den späteren Einsatz abgestimmte

Ausbildung erhält.

Von den schematischen „Rund-um-die-

Firma-Touren“ der Vergangenheit sind die

meisten Arbeitgeber inzwischen abgerückt.

In seiner Ausbildungszeit soll der

Trainee alles lernen, was ihm die Hochschule

nicht beibringen konnte: wie

Abläufe in einem Unternehmen funktionieren,

wie Projekte gemanagt werden,

was Teamarbeit ausmacht.

In nahezu allen Trainee-Programmen wird

die praktische Arbeit, das „Training on the

job“, ergänzt mit theoretischer fachbezo-

gener und persönlicher Weiterbildung in

Form von Seminaren und Workshops

(„Training off the job“).

Neben einem abgeschlossenen Hochschulstudium

mit einem fachlich passenden

Schwerpunkt sollten Trainee-Interessenten

zusätzliche Qualifikationen mitbringen,

zum Beispiel eine Banklehre vor

dem BWL-Studium oder einen MBA-

Abschluss.

Gute Chancen auf eine der raren Trainee-

Ausbildungsstellen hat, wer nicht älter als

30 Jahre alt ist und sein Studium zügig mit

überdurchschnittlichem Examen und einer

praxisbezogenen Diplomarbeit beendet

hat. Besondere Pluspunkte bringen

Auslandsaufenthalte und Fremdsprachenkenntnisse.

Auch finanziell ist ein Trainee-

Programm lukrativ: Trainees in großen

Konzernen verdienen ähnlich wie Direkteinsteiger

zwischen 30.000 und 50.000 €

im Jahr.

Alternativen

Wenn noch keine Festanstellung in Sicht

ist, können projektbezogene freie Mitarbeit,

aber auch Zeitarbeit oder Nebenjobs

in einschlägigen Branchen als Übergangsmöglichkeiten

in Frage kommen.

Gerade die Zeitarbeitsunternehmen suchen

zunehmend Akademiker als „Problemlöser

für qualifiziertere Tätigkeiten und Berufe“,

erklärt Werner Stolz, Bundesgeschäftsführer

beim Interessenverband Deutscher

Zeitarbeitsunternehmen (www.igzeitarbeit.de).

Näheres zum Thema Zeitarbeit

siehe Seite 55.

Basisinfos zur freien Mitarbeit finden Sie

unter www.freie-berufe.de

Weitere Informationen

www.arbeitsagentur.de

www.berufsstart.de k Stellenangebote

www.karriere.de k Praktikumsbörse

oder Traineeprogramme

www.praktikumsknigge.de

www.wiwo.de k Karriere k Praktikumsbörse

Auslandspraktika

www.arbeitsagentur.de

www.career-contact.net

www.ba-auslandsvermittlung.de

www.inwent.org

www.wege-ins-ausland.de


Zeitarbeit

Zeitarbeit – auch für mich?

Nicht jeder ist für diese Arbeitsform geeignet.

Folgende Voraussetzungen sollten

Sie mitbringen:

Flexibilität und Neugier

Lernbereitschaft und eine rasche Auffassungsgabe

fachliche und regionale Mobilität

Welche Vorteile habe ich davon?

Es gibt viele Gründe dafür, auf Zeit zu arbeiten.

Für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer

bedeutete Zeitarbeit den Weg aus

der Arbeitslosigkeit, wie eine Studie der

Bundesagentur für Arbeit herausfand.

Sie bietet außerdem eine gute Möglichkeit,

Berufserfahrung zu sammeln, die

wiederum für den Einstieg in die „reguläre“

Arbeitswelt wichtig ist. Bei rund einem

Drittel der Zeitarbeiter tritt übrigens der

„Klebeeffekt“ ein, d.h. sie werden anschließend

dauerhaft übernommen.

Auch zum Hereinschnuppern in verschiedene

Tätigkeitsbereiche und Unternehmen

bietet sich Zeitarbeit an. Man

kann auf diese Weise Kontakte knüpfen

und sich den Chefs präsentieren. Hat man

erst mal den Fuß in der Tür, fällt es deutlich

leichter, einen Job zu finden.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Erwerb

von Schlüsselqualifikationen wie

Teamfähigkeit, Flexibilität und Kommunikationsstärke.

Durch die wechselnden Einsatzfirmen

muss der Mitarbeiter sich stets

auf neue Kollegen und Teams einstellen.

Wer hat die besten Vermittlungschancen?

Besonders gute Aussichten auf eine

schnelle Vermittlung haben

IT-Experten,

Freelancer wie Grafiker, Web-Designer

für Projektarbeiten,

Ingenieure und

Wirtschaftswissenschaftler/BWLer.

Geisteswissenschaftler mit EDV-Kenntnissen

(z.B. Datenbanken, SAP) oder ausgefallenen

Fremdsprachen stehen ebenfalls

hoch im Kurs.

In diesen Bereichen herrscht Fachkräftemangel,

weshalb auch Einsteiger ohne berufliche

Erfahrung rasch vermittelt werden

können. Ansonsten werden Young Professionals

bevorzugt, d.h. Arbeitnehmer mit

drei bis fünf Jahren Berufserfahrung.

Zeitarbeit 55

Zeitarbeit boomt. Und der Markt beschränkt sich dabei längst nicht mehr nur auf Hilfspersonal.

Auch für Akademiker bietet Zeitarbeit eine interessante Alternative zu Praktika-Hopping oder

Bewerbungsmarathons. Speziell für die Vermittlung von Fachkräften zuständige Agenturen helfen

weiter.

Wie funktioniert das

System Zeitarbeit

Arbeitnehmer schließen mit dem

Zeitarbeitsunternehmen/Personaldienstleister

einen festen, schriftlichen

und unbefristeten Arbeitsvertrag

ab.

Der Arbeitnehmer genießt dabei die

üblichen Leistungen wie Kranken-,

Sozial-, Arbeitslosen-, Pflege-, Unfallund

Rentenversicherung, bezahlten

Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Bei verleihfreien Zeiten hat er Anspruch

auf Arbeitsentgelt.

Die Bezahlung ist tarifvertraglich

geregelt.

Arbeitskräfte dürfen auf unbegrenzte

Zeit bei ein- und demselben Kunden

eingesetzt werden.

Weitere Informationen

www.arbeitsagentur.de

Merkblatt für Leiharbeitnehmer, erhältlich

bei Ihrer Agentur für Arbeit

Deutscher Industrie Service: Zeitarbeitsspezialist

für Akademiker und

Hochqualifizierte (www.dis-ag.com)

Randstad Deutschland: Personal-

Dienstleister, auch für Akademiker

(www.randstad.de)

brunel: Zeitarbeitsfirma speziell für

Ingenieure (www.brunel.de)

Medial: Zeitarbeitsfirma speziell für

Biologen (www.medial.de)

Viele Agenturen für Arbeit betreiben

gemeinsam mit Verleihfirmen spezielle

Job-Börsen für Zeitarbeit.

CHECK

Auf was muss ich bei der

✔ Wahl des Zeitarbeitsunternehmens

achten?

Das Unternehmen sollte Mitglied im

Bundesverband Zeitarbeit Personal-

Dienstleistungen (www.bza.de) oder

im Interessenverband Deutscher

Zeitarbeitsunternehmen (www.igzeitarbeit.de)

sein. Denn eine Mitgliedschaft

bürgt für Qualität und

Seriösität.

Es muss eine Erlaubnis zur

Arbeitnehmerüberlassung der Bundesagentur

für Arbeit besitzen. Lassen

Sie sich diese vorlegen.

Achten Sie darauf, dass man Sie

umfangreich über Ihre Rechte und

Pflichten aufklärt.

Klären Sie die Übernahmebedingungen.

Fragen Sie nach Weiterbildungsangeboten.


56

JOBSUCHE FÜR EINSTEIGER UND PROFIS

Networking –

Unterstützung für die Karriere

Wo suchen Sie zuerst nach wichtigen Informationen? Etwa nach einem guten Facharzt? Oder

einem besonderen Restaurant für eine Feier? Im Regelfall fragen Sie als erstes jemanden, den Sie

gut kennen und dessen Meinung Sie schätzen. Dies gilt nicht nur im Privatbereich. Gute Kontakte

machen sich auch im Berufsleben bezahlt.

Networking – was ist das?

Beim „Netzwerken“ schließen sich Menschen

zusammen, die ein gemeinsames

Ziel verfolgen. Netzwerke, die der beruflichen

Karriere dienen, sind dann erfolgreich,

wenn sich die Partner zum gegenseitigen

Vorteil ergänzen. Um Gewinn aus

dem Netzwerk zu ziehen, bedarf es der

aktiven Beteiligung und der systematischen

Beziehungspflege. Ist jeder nur auf

den eigenen Vorteil bedacht, bricht das

Netzwerk schnell auseinander.

Beziehungspflege

Genauso wie ein privates Netzwerk will

auch das berufliche gepflegt werden. Systematische

Beziehungspflege heißt dabei

zunächst einmal, dafür zu sorgen, dass

ein lebendiger Austausch von Informationen

zustande kommt. Damit beide Seiten

profitieren, muss jeder sich mitteilen, seine

Erfahrungen vermitteln und seine Inte-

ressen kundtun.

Sammeln und bewerten Sie andererseits

eigene Informationen auch in Hinblick auf

Ihre Netzwerkpartner, denken Sie für sie

mit und geben Sie nützliche Daten weiter.

Dieses „für andere mitdenken, mithören,

mitschauen“ macht das Wesentliche beim

Netzwerken aus und führt dazu, dass auch

Sie selbst auf Unterstützung bauen können.

Gegenseitiges Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung,

und das entsteht nicht von

heute auf morgen. Es kann bis zu zwei

Jahre dauern, ehe ein engagiertes Networking

Früchte trägt.

Vom Nutzen des Networking

Gute Kontakte sind das A und O im Berufsleben.

Wertvolle Tipps – etwa zu neuen

Jobs – erhält man so aus erster Hand.

Allgemein geht man davon aus, dass 80%

aller Geschäftskontakte letztlich über Beziehungen

angebahnt werden.

Sich selbst ausprobieren

Der zweitwichtigste Faktor für beruflichen

Erfolg, die Selbstdarstellung, lässt sich

ebenfalls in einem Netzwerk gut testen

und verbessern. Durch Vorträge, Moderationen

und Ähnliches können Sie bei Netzwerkveranstaltungen

Ihr Auftreten erproben.

So sehen Sie, wo Sie an Ihrer persönlichen

Performance noch feilen müssen,

ehe Sie sich beruflich beweisen können.

Durch Übernahme von Funktionen im

Netzwerk können Sie beispielsweise Ihr

Durchsetzungsvermögen und Ihr Organisationstalent

testen. Diese Erfahrung wird

Ihnen nutzen – für den Umgang mit potenziellen

Arbeitgebern, Mitarbeitern,

Kunden, Klienten usw.

Darüber hinaus ist eine der wertvollsten

Netzwerkerfahrungen wohl die, festzustellen,

dass es anderen genauso geht wie

einem selbst.


Was bringt die Mitgliedschaft

in einem Netzwerk?

In einem Netzwerk können Sie ...

Ihr Image aufwerten

Kontakte knüpfen, ausbauen und

pflegen

mit anderen Geschäfte machen

Tipps, Strategien und Erfolgskonzepte

aus erster Hand erfahren und

von anderen Teilnehmern lernen

andere motivieren und sich selbst

motivieren lassen

öffentliche Auftritte proben

sich inspirieren lassen

Ämter übernehmen

Zeit sparen

eine ganze Menge Spaß haben

Aus: Monika Scheddin, Erfolgsstrategie

Networking, Business-Kontakte

knüpfen, organisieren und pflegen,

BW Bildung und Wissen Verlag, Nürnberg

2005

„Netzwerk-Etikette“

Für das Networking gibt es einige Regeln, die Sie zum

erfolgreichen Netzwerkpartner machen:

Wie komme ich zu einem passenden

Netzwerk?

k Kontakte pflegen.

Erstellen Sie eine Kartei Ihrer Kontakte, in der Sie neben Namen

und Adresse auch Angaben zur Person notieren; etwa Hobbys,

Wünsche und Ziele. Machen Sie regelmäßig eine Bestandsaufnahme.

Sortieren Sie nach derzeit wichtigen Kontakten und Begegnungen,

die für Ihr Ziel wichtig werden könnten. Derzeit

wichtige Kontakte verdienen 80% des Pflegeaufwandes, die zukunftsträchtigen

Verbindungen 20%.

Erstellen Sie Ihre persönlichen Kriterien für die Kontaktpflege:

Reicht z.B. ein Weihnachtsbrief oder wollen Sie eine Einladung

aussprechen?

k Kontinuität wahren.

Es dauert einige Zeit, ehe Sie von Ihren Kontakten wirklich profitieren.

Dafür müssen Sie von Ihrem Netzwerk regelmäßig und

positiv wahrgenommen werden können: Etwa weil Sie sich nicht

vor anstehenden Arbeiten drücken oder weil Sie sich gerne für

bestimmte Aufgaben engagieren. Wer nur einmal im Jahr auftaucht,

muss sich nicht wundern, wenn für ihn nichts läuft.

k Gutes Tun.

Damit sind nicht große Spenden oder Taten gemeint. Es geht

eher darum, die derzeitigen Bedürfnisse Ihrer Netzwerkpartner

wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Vielleicht können Sie

jemandem bei der Wohnungssuche behilflich sein? Oder Sie

können professionelles Feedback zu einem Vortrag geben?

Auf den unterschiedlichsten Ebenen praktizieren

wir alle Netzwerkarbeit – in der

Familie, unter Freunden und Bekannten,

mit Arbeitskollegen. Im Prinzip ist jeder

bereits in die verschiedensten Netzwerke

eingebunden:

1. Aktivieren Sie zunächst Ihr eigenes

Netzwerk im Hinblick auf Ihr Berufsziel.

Es ist erstaunlich, was auf den zweiten

Blick in persönlichen Beziehungen auch an

beruflich nutzbarem Potenzial schlummert.

Denn der beste Boden für erfolgreiche

Kooperationen sind gewachsene Strukturen.

Hier kennt und schätzt man sich.

Man kann Ihre Qualitäten beurteilen und

weiter empfehlen.

2. Erkundigen Sie sich in einem nächsten

Schritt über geeignete Veranstaltungen,

Seminare, „Stammtische“; nutzen Sie alle

Gelegenheiten, bei denen Sie Leute kennen

lernen können, die einen ähnlichen

Networking – Unterstützung

für die Karriere

beruflichen Hintergrund haben. Auch im

Internet finden Sie einschlägige Newsgroups,

Business-Netzwerke und Mailinglisten,

über die Sie Kontakt zu „Kolleginnen“

und „Kollegen“ finden.

3. Sehen Sie sich auch nach professionellen

Netzwerken um, die Ihnen geeignet

erscheinen und deren Mitgliedschaftsbedingungen

Sie erfüllen (etwa, einer

bestimmten Berufsgruppe anzugehören,

ein bestimmtes Geschlecht, Mindestalter

zu haben etc.).

Besuchen Sie möglichst mehrere Veranstaltungen

um zu prüfen, ob die Chemie

stimmt, ehe Sie eine Mitgliedschaft beantragen.

In einigen beruflichen Netzwerken

werden Sie erst einmal „Mitglied auf Probe“.

Es wird also auch umgekehrt geprüft,

ob Sie zum Netzwerk passen.

Linktipp

Netzwerk erwerbssuchender Akademiker

(*nea): www.nea-ev.de

k Geben und Nehmen.

Wenn Sie sich für etwas einsetzen, sollten Sie es gerne tun,

nicht aus Hoffnung auf eine Gegenleistung. Gleichzeitig sollten

Sie Unterstützung oder Informationen, die für Sie wichtig sind,

auch dankend annehmen können – ohne das Konto gleich ausgleichen

zu wollen. Gerät diese Waage des Gebens und Nehmens

langfristig aus der Balance, werden Sie von Ihrem Netzwerk

isoliert.

k Kommunizieren können.

Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, Sie müssten in jedem

Gespräch Klugheit und Brillanz beweisen. Üben Sie sich

im Zuhören und im Fragen stellen.

In einer Unterhaltung geht es immer auch darum, dem Gesprächspartner

Wertschätzung und Interesse entgegenzubringen.

Das geht am Besten, in dem man Gemeinsamkeiten entdeckt.

Typische Smalltalk-Themen wie Wetter, Verkehrslage,

Urlaub, Hobbys eignen sich hier als „Warm up“ immer wieder.

k Gute Manieren beweisen.

Ihren Knigge müssen Sie nicht auswendig kennen, aber auch

hier heißt die Devise: dem anderen Wertschätzung entgegenbringen.

Wichtig sind hier Qualitäten, die Sie als verlässlichen

und vertrauenswürdigen Partner kennzeichnen; etwa, dass Sie

Termine einhalten und auf Angebote reagieren. Auch Loyalität,

Diskretion und Engagement zeichnen den guten Networker aus.

Nicht zuletzt helfen ein Quäntchen Humor und die Fähigkeit

zur Selbstkritik.

57


58

JOBSUCHE FÜR EINSTEIGER UND PROFIS

Zurück in den Beruf –

Fit für den Wiedereinstieg

Sie möchten ins Berufsleben zurückkehren? Ein Wiedereinstieg ist bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber

nicht möglich? Und vielleicht möchten Sie auch den Wiedereinstieg für einen beruflichen Neuanfang

nutzen? Ihre Agentur für Arbeit kann Sie bei Fragen rund um die Themen Beruf, Weiterbildung,

Wiedereinstieg oder Arbeitslosigkeit beraten.

Frauen und Männer, die nach einer Zeit der

Betreuung und Erziehung von aufsichtsbedürftigen

Kindern oder der Betreuung

pflegebedürftiger Angehöriger wieder ins Berufsleben

zurückkehren wollen, sind nach

der gesetzlichen Definition Berufsrückkehrer.

Sie erhalten gemäß Sozialgesetzbuch (§

8b SGB III) Leistungen der aktiven Arbeitsförderung:

Hierzu gehören – sofern

Sie dafür die individuellen Förderungsvoraussetzungen

erfüllen – insbesondere Beratung

und Vermittlung sowie die Förde-

rung der beruflichen Weiterbildung durch

Übernahme der Weiterbildungskosten. Es

besteht jedoch kein Rechtsanspruch auf

bestimmte Förderungsleistungen.

Anspruch auf Arbeitslosengeld nach dem

Sozialgesetzbuch (SGB III) haben Sie,

wenn Sie arbeitslos sind und die gesetzlich

festgelegte Anwartschaftszeit erfüllt

haben. Weitere Informationen finden Sie

im Merkblatt 18 – Frauen und Beruf (siehe

„Weitere Informationen“).

Viele örtliche Agenturen für Arbeit bieten

einen Service für Berufsrückkehrerin-

nen und Berufsrückkehrer. Das sind regelmäßige

Veranstaltungen zum Thema beruflicher

Wiedereinstieg, bei denen ein

breites Spektrum an Fragen beantwortet

wird – von Möglichkeiten der Kinderbetreuung

über rechtliche Fragen bis hin zu

spezifischen Bildungsmaßnahmen, verschiedenen

Arbeitszeitmodellen oder finanzieller

Förderung.

Weitere Informationsmöglichkeiten gibt

es in den örtlichen Regionalstellen Frau

und Beruf.

Auch die Beauftragten für Chancengleichheit

am Arbeitsmarkt in den Agenturen


für Arbeit informieren regelmäßig über

Themen wie z.B. Vermittlung in Arbeit, Arbeitsmarktsituation,Fortbildungsmöglichkeiten

und spezielle Beratungs- und Unterstützungsangebote

für Frauen.

Zuschüsse für Berufsrückkehrer

Folgende Möglichkeiten können für Berufsrückkehrer

zur Wiedereingliederung interessant

sein:

1. Eingliederungszuschuss

Wenn Ihre Vermittlung auf den Arbeitsmarkt

erschwert ist, kann Ihr (potenzieller)

Arbeitgeber Zuschüsse zu Ihrem Arbeitsentgelt

erhalten. Voraussetzung ist

hier u.a., dass der Arbeitgeber vor Abschluss

des Arbeitsvertrages bei der

Agentur für Arbeit einen entsprechenden

Förderantrag gestellt hat. Es muss sich

um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis

mit einer regelmäßigen

Wochenarbeitszeit von mindestens

15 Stunden handeln.

2. Trainingsmaßnahmen

Für Berufsrückkehrerinnen ist Weiterbildung

besonders wichtig: Eine Trainingsmaßnahme

darf von der Agentur für

Arbeit bis zu einer Dauer von 12 Wochen

gefördert werden. Es können Lehrgangskosten

(allerdings nicht bei Maßnahmen

in Betrieben), Fahrkosten, Kosten für

erforderliche Arbeitskleidung oder notwendige

auswärtige Unterbringung und

Kinderbetreuungskosten übernommen

werden.

Grundsätzlich kann die Teilnahme aber

nur gefördert werden, wenn sie auf Vorschlag

oder mit vorheriger Genehmigung

der Agentur für Arbeit erfolgt.

Nutzen Sie Ihre Chancen

Wenn Sie an befristeten Stellenangeboten

interessiert sind oder ein Wiedereinstieg

Ihnen stufenweise interessant

erscheint, z.B. in Form eines Minijobs,

fragen Sie in Ihrer Agentur für

Arbeit, ob es dort eine spezielle Job-

Vermittlung gibt.

Suchen Sie in der JOBBÖRSE unter

www.arbeitsagentur.de nach Stellenangeboten

– in Voll- oder Teilzeit

(siehe Seite 83). Nutzen Sie auch die

Fach- und Tageszeitungen zur Stellensuche.

Surfen Sie in KURSNET, der Datenbank

für Aus- und Weiterbildung (siehe Seite

64/65) oder in BERUFENET, dem

Netzwerk für Berufe (siehe Seite 82).

Nutzen Sie das Berufsinformationszentrum

(BIZ) Ihrer Agentur für Arbeit,

um sich selbst zu informieren (siehe

Seite 81).

Wenn Sie weitere Beratungswünsche

haben, fragen Sie nach einem Termin

in Ihrer Agentur für Arbeit und erkundigen

Sie sich auch nach speziellen

Veranstaltungen und Informationsangeboten

der Beauftragten für Chancengleichheit

am Arbeitsmarkt.

Zurück in den Beruf – Fit für

den Wiedereinstieg

Weitere Informationen

Spezielle Informationen für Berufsrückkehrerinnen

und Berufsrückkehrer

finden Sie unter www.arbeitsagentur.de

und www.frauenmachenkarriere.de

k Themen k

Beruf k Wiedereinstieg.

Nutzen Sie auch das

Merkblatt 18 –

Frauen und Beruf

der Bundesagentur

für Arbeit. Es kann

und will jedoch eine

persönliche Beratung

nicht ersetzen,

sondern soll

Sie bei der Vorbereitung

auf ein

Beratungsgesprächunterstützen.

Sie erhalten es in Ihrer

Agentur für Arbeit

oder im

Internet unter

www.ba-bestellservice.de

(Titelsuche

„Merkblatt“).

Holen Sie

sich das

BBZ Heft 7

Frauen

und Beruf.

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60

GEZIELT WEITERBILDEN

Lernen ein Leben lang

Mit Weiterbildung am Ball bleiben: Immer rascher verändert der technologische, wirtschaftliche

und soziale Wandel die Arbeitswelt. Die Komplexität der Aufgaben steigt und damit die Anforderungen

an die Qualifikation des Einzelnen. Lebenslanges Lernen trägt entscheidend dazu bei, seinen

Arbeitsplatz zu sichern und seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Neue Kompetenzen schaffen Innovationspotenziale,

verbessern die Qualität der Arbeit

und stärken die Position gegenüber

der Konkurrenz. Dabei zählt nicht mehr

nur das Fachwissen, das z.B. in Aufbauoder

Zusatzstudiengängen auf den neuesten

Stand gebracht werden kann. Immer

wichtiger werden Schlüsselqualifikationen

oder Soft Skills, die in Seminaren und

Kursen trainiert und weiterentwickelt werden

können. Sei es in der Freizeit, berufsbegleitend,

per E-Learning oder in Präsenzveranstaltungen.

Berufliche Weiterbildung

Weiterbildung gilt als die Fortsetzung jeglicher

Art des Lernens nach Abschluss der

Bildungsphase in der Jugend. Dazu werden

im Allgemeinen Umschulungen und

Meisterkurse ebenso gezählt wie Sprachkurse,

das Nachholen von Schulabschlüssen

oder freizeitorientierte Bildungsangebote.

Berufliche Weiterbildung, bei der berufliche

Kenntnisse vertieft oder ergänzt werden,

wird formell in Kursen und Lehrgängen

organisiert. Genauso zählt aber auch

der Besuch von Fachmessen und Kongressen,

der Erfahrungsaustausch mit Kollegen

oder das Lesen von berufsbezogenen

Sach- und Fachbüchern und Spezialzeitschriften

dazu. Hierbei wird dann von

informeller Weiterbildung gesprochen.

Schlüsselqualifikationen

Soft Skills oder Schlüsselqualifikationen

werden verstärkt nachgefragt. Und dies

spiegelt sich auch in den Weiterbildungsangeboten

wider. Recherchiert man beispielsweise

in KURSNET, der Datenbank

für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur

für Arbeit (siehe Seite 64/65),

eröffnet sich ein breites Spektrum zu Themen

wie z.B.:

Arbeits- und Zeitmanagement

Selbstmotivation

Kreativitäts- und Innovationstechniken

Teamarbeit, Führungs- und Kooperationstraining

Konfliktbewältigung

Gesprächstechnik

Kundenorientierung

Weiterbildung an Hochschulen

Neben den zahlreichen privaten Anbietern

von beruflicher Weiterbildung haben

die Hochschulen in den vergangenen Jahren

ihr Angebot zur wissenschaftlichen

Weiterbildung ausgebaut. Sie können dabei

auch mit Weiterbildungsträgern außerhalb

des Hochschulbereichs kooperieren.

Zunehmend werden für weiterbildende

Studiengänge Gebühren erhoben.

Die Themen sowie die inhaltliche und organisatorische

Ausgestaltung der Weiterbildungsangebote

sind den Hochschulen

weitgehend freigestellt und weisen eine

entsprechend große Bandbreite auf.

Ergänzungs-, Aufbau- und Zusatzstudiengänge

sind von mehrjähriger Dauer und führen

nicht selten zu einem (weiteren) akademischen

Grad (Master, Bachelor etc.). Sie

sind meist nur als Präsenzstudium in Vollzeitform

möglich. Die Teilnehmer sind im

Regelfall an der Hochschule für den entsprechenden

Studiengang eingeschrie-

Die wichtigsten Weiterbildungsziele von Hochschulabsolventen

Erweiterung der Fachkompetenz

Erweiterung der Sozialkompetenz

Defizite aus dem Studium kompensieren

Beschäftigungssicherung

Allgemeinbildung

Bessere Position

schlechtere Berufsituation verhindern

46%

40%

39%

35%

25%

21%

Zu diesen Themen bildeten sich Hochschulabsolventen weiter

EDV-Anwendungen

Managementwissen

Fremdsprachen

Kommunikations- und Interaktionstraining

Wirtschaftskenntnisse

Pädagogische/psychologische Themen

Verwaltung und Organisation

Ingenieurwissenschaftliche Themen

51%

50%

46%

38%

29%

28%

21%

Befragung des Absolventenjahrgangs 1997 fünf Jahre nach Studienabschluss;

Mehrfachnennungen möglich.

Quelle: Hochschul-Informations-System (HIS): Die Rolle der Hochschulen bei der beruflichen Weiterbildung

von Hochschulabsolventen, November 2004

93%

67%


en und verfügen damit über den Status

eines „ordentlichen“ Studierenden.

Master-Programme, MBA

Master-Programme, Business Schools –

und hier besonders Studienangebote mit

einem Abschluss als Master of Business

Administration (MBA) – erfreuen sich hoher

Beliebtheit und werden von deutschen

und ausländischen Bildungseinrichtungen

angeboten. Allein in Deutschland

gibt es 150 MBA-Angebote.

Da Form und Qualität der Ausbildung und

die Akzeptanz des Abschlusses sehr unterschiedlich

sein können, holen Sie unbedingt

vorher ausführliche Informationen

ein – nicht zuletzt wegen der teilweise

hohen Studiengebühren.

Die erfolgreiche Akkreditierung eines

MBA-Programms durch eine der anerkannten

Akkreditierungsagenturen bietet einen

wichtigen Anhaltspunkt für die Qualität

der Ausbildung.

Tages- und Wochenlehrgänge oder

Kontaktstudien

sind meist auf die berufliche Situation

und das Zeitbudget der Teilnehmer abgestimmt.

Die Veranstaltungen finden nach

Möglichkeit in den Abendstunden oder an

Wochenenden, in Form von mehrtägigen

Blockveranstaltungen oder als Fernstudium

statt.

Gasthörerstudium, Veranstaltungsreihen

oder Einzelveranstaltungen

vermitteln die neuesten wissenschaftlichen

Erkenntnisse zu speziellen Themen. Wissenschaftliche

Weiterbildung knüpft zwar

meist an berufliche Erfahrungen auf akademischem

Niveau an, setzt aber nicht notwendigerweise

einen Hochschulabschluss

voraus. Auch Personen ohne vorherigen

Hochschulabschluss oder eine formale

Hochschulzugangsberechtigung, die eine

für die Teilnahme erforderliche Eignung

auf andere Weise erworben haben, können

in vielen Fällen die Angebote nutzen.

E-Learning

Ein Blick in ein virtuelles Klassenzimmer

Würde man nur den Geräuschen lauschen, man käme sich vor

wie in einem ganz normalen Seminar: Es wird geredet, gelacht,

gefragt. Tatsächlich sitzen die Teilnehmer aber hunderte von

Kilometern voneinander entfernt – nur verbunden per Internet

und das Telefon. Am „anderen Ende“ der Leitung sitzt eine Teletutorin.

Sie wird unterstützt von einem Support-Mitarbeiter,

an den sich die Teilnehmer bei technischen Problemen wenden

können.

„Hören wir uns alle?“ fragt die Online-Trainerin als erstes. Auf

ihrem Bildschirm kann sie erkennen, ob alle Teilnehmer richtig

angeschlossen sind. Wer Probleme mit dem Einloggen hat, erhält

im „Private Chatroom“ Hilfestellung vom Support-Mitarbeiter.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten sieht bei allen Teilnehmern

der PC-Bildschirm gleich aus. Nachdem alle „drin“ sind,

erklärt die Trainerin die Funktionalitäten des „virtuellen Seminarraums“.

Es gibt diverse Interaktions-Tools, etwa den Button

„Private Chat“ (wenn man sich mit einem Teilnehmer, der Trainerin

oder dem Supportmitarbeiter alleine unterhalten möchte)

oder „Hand-Up“ (wenn man eine Frage stellen will); daneben

natürlich die Lerninhalte.

Auch einige Online-„Benimm-Regeln“ sind zu beachten: Etwa

den Chat auf Notfälle oder die Pausen zu beschränken oder

das Headset am Telefon stumm zu schalten, solange man keine

Frage hat oder nicht an einem Gespräch teilnehmen will. Es

schützt die Arbeitsgruppe vor störenden Hintergrundgeräuschen.

Das Headset ist dabei eine angenehme Pflicht: Es verschafft

Bewegungsfreiheit und man kann sich nebenbei Notizen

machen.

Immer öfter begegnen sich Trainer und

Lernende nur noch im „virtuellen Klassen-

Lernen ein Leben lang 61

zimmer“. Bei virtuellen Studien- und Weiterbildungsangeboten

reicht das Spektrum

von Online-Seminaren und Kursen

über Lehr- und Lernsysteme, Module, Tutorials

und Übungen im virtuellen Labor

bis hin zum kompletten multimedialen

Studiengang.

Nach einer Studie am Institut für Innovationsforschung

und Technologiemanagement

der Fakultät für Betriebswirtschaft

der Universität München setzt heute etwa

ein Drittel der deutschen Unternehmen auf

E-Learning: Vor allem Angestellte sowie

Mitarbeiter aus dem mittleren Management

erwerben weiterführende Kenntnisse

per Mausklick.

Man unterscheidet folgende E-Learning-

Typen:

Blended Learning ist eine Kombination

von Präsenzseminaren, Tagungen und Ähnlichem

mit vernetzten Lernphasen via

Internet (s. WBT) und/oder unvernetzten

Selbstlernphasen (s. CBT). Im „Blended

Learning“ sehen viele Experten die Lernform

der Zukunft.

Da das Training sehr intensiv ist, ist keine Lerneinheit länger

als eine dreiviertel Stunde. Danach erfolgt noch ein kurzer

Test, ob man alles verstanden hat. Die Rückmeldung kommt

sofort. Man kann auch noch einmal bei der Trainerin nachfragen,

den Lernstoff vertiefen oder sich mit den anderen Teilnehmern

austauschen.


62

GEZIELT WEITERBILDEN

Weitere Informationen

Informationen über die Weiterbildung

an Hochschulen erhalten Sie

bei deren Arbeitsstellen für wissenschaftliche

Weiterbildung oder deren

Weiterbildungszentren.

Eine umfassende Übersicht über weiterführende

Studienangebote (einschließlich

Fernstudium) bietet die

Hochschulrektorenkonferenz unter

www.hochschulkompass.de im

Internet.

Eine Übersicht über Datenbanken zu

Weiterbildungsveranstaltungen an

Hochschulen im deutschsprachigen

Raum findet man bei der Deutschen

Gesellschaft für wissenschaftliche

Weiterbildung und Fernstudium e.V.

(DGWF) unter www.dgwf.net

Mit dem Online-Informationssystem

„Studieren im Netz“ lassen sich u.a.

über 2.300 E-Learning-Angebote recherchieren.

Viele davon werden von

Hochschulen angeboten und können

auch zur Weiterbildung genutzt werden:

www.studieren-im-netz.de

Internetseite der Staatlichen Zentralstelle

für Fernunterricht (ZFU) mit

einem Ratgeber zum Download:

www.zfu.de

Fragen zur Akkreditierung, Tipps zur

Wahl des „richtigen“ MBA sowie ein

Verzeichnis sämtlicher MBA-Programme

in Deutschland, Österreich

und der Schweiz gibt es auf der Info-

Seite der FIBAA (Foundation for International

Business Administration

Accreditation): www.mba-info.de

Förderprogramme und Stipendien

von über 400 staatlichen und privaten

Institutionen findet man bei

www.e-fellows.net

Online-Lernen/Web Based Training

(WBT): Bei diesen Programmen sind die

Teilnehmenden in Online-Phasen miteinander

vernetzt und können gemeinsam

lernen oder sich austauschen. Hinzu kommen

interaktive Schulungssequenzen und

Tests, bei denen man sein Wissen mithilfe

eines Tutors erweitern und prüfen kann.

Computer Based Training (CBT): Darunter

sind multimediale Selbstlernprogramme

zu verstehen. Sie laufen lokal auf dem

Rechner und bieten außer den ins Programm

eingebauten Hilfen keine weitere

Unterstützung. Der Lernstoff wird aber

leichter verständlich durch die Aufbereitung

mit Texten, Bildern, Animationen,

Audiosequenzen und Videos.

Finanzierung

Je nach persönlichen Voraussetzungen und

Art der Weiterbildung wird die Teilnahme

an Weiterbildungsmaßnahmen auch finanziell

gefördert. Wenn die Weiterbildung für

die betriebliche Aufgabenerfüllung relevant

ist, zahlen Arbeitgeber häufig Zuschüsse,

manchmal bis hin zur Übernahme

der Gesamtkosten.

Sie können sich aber auch um Stipendien

bewerben. Z.B fördern die Fulbrigt-Kommission,

die Haniel-Stiftung oder die Studienstiftung

des deutschen Volkes Weiterbildungsinteressierte.

Ist die Weiterbildung nicht im betrieblichen

Interesse, aber notwendig, um z.B. von

einer Teilzeit- auf eine Vollzeitstelle wechseln

zu können oder um Arbeitslosigkeit

zu beenden, kann die Weiterbildung mit

einem so genannten Bildungsgutschein

durch die Agenturen für Arbeit gefördert

werden – vorausgesetzt der Träger und

die Maßnahme wurden von einer fachkundigen

Stelle für die Förderung zugelassen

(siehe Seite 63).

Die passende Weiterbildung

finden

Bevor Sie Zeit, Energie und auch

Geld in eine Weiterbildung investieren,

sollten Sie prüfen, ob

die Maßnahme fachlich geeignet

und von hoher Qualität ist. Dabei

helfen Ihnen folgende Fragen:

Welche neuen Qualifikationen werden

an meiner Arbeitsstelle künftig erwartet?

Welche Qualifikationen benötige ich für

den beruflichen Wechsel oder Aufstieg?

Welche persönlichen/beruflichen Ziele

will ich mit der beabsichtigten Weiterbildung

erreichen?

Welcher Typ von Weiterbildung kommt

für mich in Frage und welchen Abschluss

möchte ich erwerben?

Welche Weiterbildungsanbieter gibt es

in der Nähe, welche Angebote gibt es

dort?

Erfülle ich die Zugangsvoraussetzungen

bezüglich Vorkenntnissen, Berufsausbildung,

Berufserfahrung?

Wie ist die Weiterbildung organisiert?

Wie lange dauert sie, wie hoch ist der

zeitliche Aufwand?

Welche Gebühren und Kosten fallen an?

Kann ich evtl. eine Förderung in Anspruch

nehmen?

Welche Unterstützung kann ich seitens

des Arbeitgebers erhalten, z.B.

bei Urlaubsplanung, Freistellungen,

Bildungsurlaub?

Verschiedene Checklisten im Internet

erleichtern die Suche:

Qualität beruflicher Weiterbildung –

Checkliste des Bundesinstituts für

Berufsbildung (BIBB):

www.bibb.de/de/checkliste.htm

Wie finde ich die richtige Weiterbildung

– Checkliste für Weiterbildungsinteressierte

des Deutschen Instituts

für Erwachsenenbildung (DIE):

www.die-bonn.de/checkliste

Stiftung Warentest mit Checklisten

z.B. über Online-Kurse: www.weiterbildungstest.de

Die beste Plattform für eine umfassende

und überregionale Suche ist mittlerweile

das Internet. KURSNET enthält 600.000

Kurse von etwa 20.000 Bildungsanbietern

– und stellt damit das größte Angebot

bereit (siehe auch Seite 64/65).


Förderung der beruflichen

Weiterbildung

Förderung der beruflichen Weiterbildung

Ihre Agentur für Arbeit kann Sie beraten, ob in Ihrem Fall eine Förderung der beruflichen Weiterbildung

nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) in Frage kommt oder – bei eigenfinanzierter

Weiterbildung – die Voraussetzungen erläutern, unter denen Arbeitslosengeldempfängern

weiter Arbeitslosengeld gezahlt wird.

Voraussetzungen

Die Förderung einer beruflichen Weiterbildung

soll Ihre Vermittlungschancen

deutlich verbessern. Deshalb fördert

die Agentur für Arbeit nur jene

Weiterbildungsmaßnahmen, die dazu

beitragen, bestehende Qualifikationsdefizite

abzubauen und damit die berufliche

Eingliederung zu verbessern.

Schließlich soll die Weiterbildung dazu

führen, dass Sie wieder dauerhaft

im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Ob für Sie eine Weiterbildung wegen

eines Qualifikationsdefizits notwendig

ist, entscheidet die Agentur für Arbeit.

Vereinbaren Sie frühzeitig einen Beratungstermin

mit Ihrer Agentur für Arbeit.

Im Rahmen dieser Beratung werden

Ihre Fragen in Zusammenhang mit

der beruflichen Weiterbildung besprochen

und das Vorliegen der Voraussetzungen

für eine Förderung geklärt.

Bildungsgutschein

Liegen die Voraussetzungen für eine

Förderung vor, erhalten Sie einen Bildungsgutschein.

Er sichert Ihnen die

Übernahme der Weiterbildungskosten

und ggf. die Weiterzahlung des

Arbeitslosengeldes zu.

Im Bildungsgutschein sind das Bildungsziel

und die Qualifizierungsinhalte

festgehalten, mit deren Hilfe

Ihre Eingliederungschance auf dem

Arbeitsmarkt entscheidend verbessert

werden soll.

Nun suchen Sie einen zugelassenen

Bildungsanbieter

und eine entsprechende

Weiterbildungsmaßnahme.

Welchen Lehrgang

Sie auswählen, entscheiden

Sie!

Wie finden Sie den passenden

Lehrgang?

In KURSNET, der Datenbank für Aus- und

Weiterbildungen, finden Sie Informationen

darüber, ob das Bildungsangebot zugelassen

ist: www.kursnet.arbeitsagentur.de

(siehe auch Seite 64/65).

Sie können auch direkt beim Bildungsträger

nachfragen. Im Zweifelsfall sprechen

Sie mit Ihrer Agentur für Arbeit.

Worauf müssen Sie achten?

Der Bildungsgutschein ist in der Regel

zeitlich befristet. Er kann nur innerhalb

des Gültigkeitszeitraums eingelöst

werden.

Der Gutschein muss vor Beginn der

Weiterbildung bei der Agentur für Arbeit

eingereicht werden.

Erkundigen Sie sich vorher, ob die gewünschte

Maßnahme und der Träger

der Maßnahme für die Weiterbildungsförderung

nach dem SGB III zugelassen

sind.

Aus den in dieser Broschüre abgedruckten

Bildungsmöglichkeiten

kann kein Anspruch auf finanzielle

Förderung durch die Agentur für

Arbeit abgeleitet werden.

Andere Möglichkeiten

Finanzielle Hilfen, teils als Darlehen, teils

als Zuschuss, gibt es unter bestimmten

Voraussetzungen auch aus anderen

Quellen, z.B.:

Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds

(ESF)

Förderung nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz

(Meister-BAföG)

Mittel nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz

(BAföG)

Mittel aus Stipendien staatlicher und

privater Stiftungen

Auch Arbeitgeber haben ein Interesse an

qualifizierten Mitarbeitern. Deshalb sollten

Sie auch dort nach einer finanziellen Unterstützung

für Ihr Vorhaben fragen.

Weitere Informationen finden Sie

im Merkblatt 6, das Sie in Ihrer

Agentur für Arbeit oder im Internet

unter www.ba-bestellservice.de

(Titelsuche „Merkblatt“) erhalten.

63


64

DAS KANN DIE AGENTUR FÜR ARBEIT FÜR SIE TUN

Das Netzwerk für berufliche Aus- und Weiterbildung

– Bildungsangebote einfach finden

KURSNET ist die führende und größte Datenbank für berufliche Ausund

Weiterbildung in Deutschland.

Sie informiert bundesweit, tagesaktuell, schnell und kostenlos über

fast 600.000 Veranstaltungen der beruflichen Bildung.

Sie suchen eine Weiterbildung?

GUT (2,4)

Im Test: 25 Weiterbildungsdatenbanken

1/2007

k verschafft Ihnen einen detaillierten Überblick zu den Angeboten des beruflichen Bildungsmarktes. Von

Kurzlehrgängen bis zu staatlich geregelten Fortbildungen – hier erfahren Sie alles Wissenswerte zu den

einzelnen Veranstaltungen.

k bietet von „A“ wie Abschluss bis „Z“ wie Zugangsvoraussetzung umfassende Informationen zu Bildungseinrichtungen,

Lerninhalten und Terminen.


www.kursnet.arbeitsagentur.de

KURSNET 65

So finden Sie Ihre Weiterbildung

Auf der Startseite

www.kursnet.arbeitsagentur.de können Sie

mit individuellen Suchkriterien nach einer Weiterbildung

Ihrer Wahl suchen:

k Suche – Alle Bildungsbereiche: Sie können

Ihr gewünschtes Bildungsziel direkt eingeben.

Mit der Auswahl des Veranstaltungsortes können

Sie auch gezielt nach einer Veranstaltung

an Ihrem Wohnort oder in der näheren Umgebung

suchen.

k In der Erweiterten Suche schränken Sie Ihr

Suchergebnis weiter ein, indem Sie detailliert

nach Bildungsziel, Veranstalter, Ort oder Termin

suchen.

k Oder finden Sie Ihr Bildungsziel durch die thematisch

geführte Systematiksuche (z.B. Meister

k Elektriker k Elektroinstallateure, -monteure

k Elektrotechnikermeister/in)

k Über die Regionale Suche können Sie sich Bildungsangebote

in Ihrer Nähe anzeigen lassen.

k Einen Überblick über Weiterbildungsangebote,

die speziell auf Ihren Beruf zugeschnitten sind,

erhalten Sie, wenn Sie die Suche über den

Ausgangsberuf wählen.

... und Sie erhalten

zunächst eine Kurzübersicht mit allen wichtigen

Informationen über die Veranstaltung wie zum Beispiel,

wann die Bildungsmaßnahme beginnt, wie

lange sie dauert, welche Kosten entstehen, ob die

Veranstaltung in Voll- oder Teilzeit durchgeführt

wird.

Sie möchten mehr wissen?

... über Zugangsvoraussetzungen, Inhalte, Prüfungen,

Zertifizierung/Abschluss. Dann lassen Sie

sich die Veranstaltungen, die Sie interessieren,

mit allen Details anzeigen.


66

GEZIELT WEITERBILDEN

Weiterbildungsangebote für

Naturwissenschaftler

Die ständige Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Naturwissenschaften macht kontinuierliche Weiterbildung

unerlässlich. Zur Erweiterung der fachlichen und methodischen Qualifikation stehen neben

innerbetrieblichen Möglichkeiten auch Angebote unterschiedlichster Bildungsträger zur Verfügung.

Wegen der Vielzahl der vorhandenen Bildungsangebote im

naturwissenschaftlichen Bereich können diese hier nicht im Einzelnen

aufgeführt werden.

Als Orientierungshilfe und zum leichteren Auffinden der Ange-

Für alle Bereiche

Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengänge

k Datenverarbeitung, Informatik – technisch-naturwissenschaftliche

Anwendungen

k Betriebswirtschaft

k Management

k Technologie- und Innovationsmanagement

k Projektmanagement

k Qualitätsmanagement

k Operations Research

k Marketing, Vertrieb

k Wirtschaftsingenieurwesen

k Arbeitswissenschaften

k Berufs-, Betriebspädagogik

bote finden Sie an dieser Stelle die entsprechenden Rubriken

aus KURSNET, dem Netzwerk für berufliche Aus- und Weiterbildung.

Zu einzelnen Bereichen wird außerdem eine Weiterbildung

exemplarisch vorgestellt.

k Internationale Wirtschaftsbeziehungen, internationale

Zusammenarbeit

k Journalismus

k Öffentlichkeitsarbeit, Publizistik

k Informations-, Dokumentationswissenschaften

Qualifizierungs- und Spezialisierungslehrgänge

k Betriebswirtschaft, Wirtschaftswissenschaften, kaufmännische

Grundlagen, internationale Wirtschaftsbeziehungen

k Management, Führungskräfte aller Ebenen, Betriebsvertretung

k Marketing, internationales Marketing

k Aus- und Fortbildungswesen – inner-/überbetrieblich

k Mitarbeiterführung, persönliche Arbeitstechniken, Kommunikations-

und Berichtstechniken

k Dokumentationswesen, technische Dokumentation und

Redaktion

k Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnung und verwandte Gebiete

k Recht

k EDV im technischen/naturwissenschaftlichen Bereich (ohne

CAD, CNC, CIM)

k EDV in der Chemie, Physik, Biologie, Verfahrenstechnik

k Qualitätssicherung, -kontrolle, Qualitäts- und Werkstofftechnik,

Qualitäts- und Werkstoffprüfung

k Arbeitssicherheit, Arbeitsschutz, Sicherheitstechnik, Unfallverhütung

k Operations-Research (OR), Unternehmensforschung, Unternehmensplanung

k Projektmanagement

k Qualitätstechnik, -sicherung, -prüfung, -kontrolle

k Management, Unternehmensplanung, Projektmanagement –

EDV, Informatik

k Forschung, Entwicklung, Versuch

k Informationstechnik, Computertechnik, Mikrocomputer-,

Mikroprozessortechnik (Hardware)

k Datenverarbeitung, Informatik (ohne Anwendung, Herstellung

und Reparatur)


Chemiker Physiker

Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengänge

insbesondere:

k Chemie

k Chemieingenieurwesen

k Biologie

k Mikrobiologie

k Biotechnologie

k Agrarwissenschaft, Agrarwirtschaft

k Verfahrenstechnik, Anlagenbau

k Materialwissenschaften

k Korrosionsschutztechnik

k Sicherheitstechnik, Arbeitsschutz

k Technisches Gesundheitswesen

k Umweltschutz, Ökologie

k Pharmazie

k Gesundheitswissenschaften

Qualifizierungs- und Spezialisierungslehrgänge

insbesondere:

k Allgemeine Chemie

k Organische Chemie

k Analytische Chemie

k Präparative Chemie

k Physikalische Chemie

k Angewandte Chemie

k Biochemie, Biologie, Genetik

k Physik, Messtechnik (ohne Messtechnik in der Elektrotechnik),

Meteorologie, Astronomie

k Verfahrenstechnik, Vakuumtechnik, Betriebskontrollwesen

k Kerntechnik, Radiochemie, Strahlenschutz, Laserschutz

k Naturwissenschaftliches Laboratorium, Labor- und Analysentechnik

(ohne medizinisches Labor)

k Kunststoffkunde, Kunststofftechnik

k Prozessautomatisierungstechnik

k Umweltschutz/Ökologie, Umwelttechnik

k Physik, Verfahrenstechnik

k Forschung, Entwicklung, Versuch

Hier finden Sie Angebote zur

Aus- und Weiterbildung:

www.kursnet.arbeitsagentur.de

(siehe auch Seite 64/65)

KURSNET – Weiterbildungsangebote

für Naturwissenschaftler

Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengänge

insbesondere:

k Physik

k Angewandte Physik

k Angewandte Mathematik

k Allgemeine Datenverarbeitung, Informatik

k Verfahrenstechnik, Anlagenbau

k Feinwerktechnik

k Lasertechnik

k Optotechnik

k Elektronik

k Informations- und Datentechnik (Elektrotechnik)

k Mechatronik (Elektrotechnik)

k Kern-/Nuklear-, Reaktortechnik

k Materialwissenschaften

k Umweltschutz, Ökologie

k Gesundheitswissenschaften

k Technisches Gesundheitswesen

k Sicherheitstechnik, Arbeitsschutz

An der Uni Bremen können Studierende der Physik, die

einen Bachelorabschluss besitzen, den Aufbaustudiengang

Environmental Physics belegen. Der viersemestrige

Studiengang setzt sich aus drei Modulen zusammen.

Behandelt werden in den Modulen z.B. Grundlagen der

physikalischen Betrachtung des Systems Erde und physikalische

Erfassung des Systems Erde. Nach erfolgreicher

Abschlussprüfung erhält man den akademischen Grad

Master of Science.

Qualifizierungs- und Spezialisierungslehrgänge

insbesondere:

k Theoretische Physik

k Physikalische Analyse

k Messtechnik

k Angewandte Physik

k Verfahrenstechnik, Vakuumtechnik, Betriebskontrollwesen

k Kerntechnik, Radiochemie, Strahlenschutz, Laserschutz

k Elektronik

k Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik

k Nachrichtentechnik, Rundfunk- und Fernsehtechnik, Videotechnik,

feinwerktechnische Gerätetechnik

k Medizinische Technik

k Mikrostrukturtechnik

k Physik, Messtechnik (ohne Messtechnik in der Elektrotechnik),

Meteorologie, Astronomie

k Umweltschutz/Ökologie, Umwelttechnik

k Prozessautomatisierungstechnik

67


68

GEZIELT WEITERBILDEN

Mathematiker Biologen

Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengänge

insbesondere:

k Mathematik

k Angewandte Mathematik

k Allgemeine Datenverarbeitung, Informatik

k Wirtschaftsinformatik

k Optotechnik

k Automatisierungstechnik (Elektrotechnik)

k Informations- und Datentechnik (Elektrotechnik)

k Gesundheitswissenschaften

Das Masterstudium Wirtschafts- und Finanzmathematik

der Universität Bielefeld bietet Mathematikern mit

Bachelor oder vergleichbarem Abschluss die Möglichkeit,

sich fachlich zu spezialisieren. Der viersemestrige

deutsch-französische Studiengang wird jeweils zur Hälfte

in Deutschland und Frankreich unterrichtet. Des Weiteren

besteht die Möglichkeit, ein Praktikum zu absolvieren.

Vermittelt werden u.a. Inhalte wie Optimierungstheorie,

Graphentheorie, allgemeine Gleichgewichtstheorie, Spieltheorie,

Entscheidungstheorie, Finanzmarkttheorie. Das

Aufbaustudium schließt mit einer Masterprüfung ab.

Qualifizierungs- und Spezialisierungslehrgänge

insbesondere:

k Angewandte Mathematik, Fachrechnen in speziellen Anwendungsbereichen

k Kybernetik

Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengänge

insbesondere:

k Biologie

k Mikrobiologie

k Biotechnologie

k Biometrie

k Phytomedizin

k Chemie

k Agrarwissenschaft, Agrarwirtschaft

k Wasserwesen, Wasserwirtschaft

k Umweltschutz, Ökologie

k Pharmazie

k Gesundheitswissenschaften

Eine Weiterbildungsmöglichkeit für Biologen im Bereich

der Mikrobiologie bietet z.B. die Uni Heidelberg mit dem

Master-Studiengang Molecular and Cellular Biology

an. Teilnahmevoraussetzung ist ein studiengangrelevanter

Bachelorabschluss.

In zwei Semestern werden den Studenten Inhalte aus der

Biochemie, Molekularbiologie und Zellbiologie vermittelt,

worauf das Anfertigen einer Masterarbeit im dritten

Semester folgt. Nach der Abschlussprüfung erhält man

den akademischen Grad Master of Science.

Qualifizierungs- und Spezialisierungslehrgänge

insbesondere:

k Biologie

k Mikrobiologie

k Biochemie

k Biotechnologie

k Genetik, Gentechnik und -technologie

k Verfahrenstechnik, Vakuumtechnik, Betriebskontrollwesen

k Naturwissenschaftliches Laboratorium, Labor- und Analysentechnik

(ohne medizinisches Labor)

k Naturschutz und Landschaftspflege

k Umweltschutz/Ökologie, Umwelttechnik

k Abwasser, Gewässerschutz

k Umweltrecht und verwandte Rechtsgebiete

k Forschung, Entwicklung, Versuch


Hier finden Sie Angebote zur

Aus- und Weiterbildung:

www.kursnet.arbeitsagentur.de

(siehe auch Seite 64/65)

Geographen/Geowissenschaftler

Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengänge

insbesondere:

k Geographie, Geowissenschaften, Geologie

k Vermessungswesen, Geoinformatik, Geotechnik

k Verkehrswesen

k Stadt-, Regional-, Landes-, Raumplanung

k Umweltschutz, Ökologie

k Verfahrenstechnik, Anlagenbau

k Angewandte Mathematik

k Tourismusmanagement, Fremdenverkehrswesen

Die FH Göttingen/Holzminden/Hildesheim bietet Absolventen

mit geowissenschaftlichem Abschluss die Möglichkeit,

den Aufbaustudiengang Regionalmanagement

und Wirtschaftsförderung zu absolvieren.

Gelehrt werden in vier Semester u.a. Ökonomie, Tourismus,

Planung und Entwicklung, Geoinformatik und Marketing.

Projekt- und Praktikumsseminare stehen ebenfalls

auf dem Lehrplan. Nach bestandener abschließender

Masterarbeit erhält man den akademischen Grad Master

of Science.

Qualifizierungs- und Spezialisierungslehrgänge

insbesondere:

k Geographie

k Geologie

k Bergbau, Bergbaumaschinen, Bergbauanlagen, Förderanlagen

k Wasserbau, Grundbau, Felsbau

k Umweltschutz/Ökologie, Umwelttechnik

k Sondermüll, Altlasten, Deponien, Bodenschutz

k Abwasser, Gewässerschutz

k Umweltrecht und verwandte Rechtsgebiete

k Regional-, Städte-, Orts- und sonstige Bauplanung

k Naturschutz und Landschaftspflege

k EDV in der Geologie, Geographie

k CAD – Geologie, Geographie, Bergbau

k Touristik, Fremdenverkehrswesen

k Umwelttechnik/technischer Umweltschutz, Umweltverträglichkeit

k Umweltschutz/Ökologie, Umwelttechnik – Bergbau, Glas,

Porzellan, Keramik

Ökotrophologen

KURSNET – Weiterbildungsangebote

für Naturwissenschaftler

Aufbau-, Zusatz- und Ergänzungsstudiengänge

insbesondere:

k Ökotrophologie, Ernährungswissenschaften, Haushaltswissenschaften

k Gesundheitswissenschaften

k Umweltschutz, Ökologie

k Wirtschaftsingenieurwesen

k Arbeitswissenschaften

k Berufs-, Betriebspädagogik

k Entwicklungshilfe

Qualifizierungs- und Spezialisierungslehrgänge

insbesondere:

k Gemeinschaftsverpflegung

k Vegetarische Ernährung, biodynamische Ernährung, Reformkost

k Ernährung, Ernährungsberatung

k Hauswirtschaft

k Nahrungs- und Genussmittelproduktionstechnik

k Nahrungs- und Genussmittelindustrie – Produktentwicklung,

Fertiggerichte

k Nahrungs- und Genussmittel – Gewürz-, Aroma-, sonstige

Zusatzstoffe

k Nahrungs- und Genussmittel – Qualitätssicherung

k Sonstige Rechtslehrgänge – Nahrungs- und Genussmittel

k Sonstige Rechtslehrgänge – Hauswirtschaft

k Chemie, Physik, Verfahrenstechnik, Strahlenschutz, Biologie

69


70

WEGE IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT

Als Akademiker gründen

Eine Existenzgründung ist für Akademiker attraktiv. Die Chance, eigene Visionen umzusetzen, ist

reizvoll. Akademiker stellen fast ein Drittel aller Selbstständigen, überwiegend beginnen sie im

Nebenerwerb, sich eine eigene Existenz aufzubauen.

Dass sich eine Existenzgründung auch

lohnt, zeigt eine im Mai 2005 publizierte

Studie des Hochschul-Informations-Systems

(HIS) im Auftrag des BMBF. Demnach

waren Selbstständige fünf Jahre

nach ihrem Examen mit ihrer beruflichen

Position deutlich zufriedener (81%) als Angestellte

(33%).

Die eigenen Fähigkeiten prüfen

Wer als Akademiker eine Existenzgründung

plant, sollte sich vorab informieren, die

persönlichen Qualifikationen, Einstellungen

und schließlich die Geschäftsidee prüfen.

Ist die Bereitschaft vorhanden, vorübergehend

auf freie Zeit und finanzielle

Sicherheit zu verzichten? Werden

Rückschläge verkraftet?

Sind Motivation, Durchsetzungskraft

und Selbstbewusstsein vorhanden?

Liegen relevante Berufserfahrungen

vor?

Was sind die persönlichen Ziele? Sind

diese mit einer Selbstständigkeit vereinbar?

Gründernetzwerke informieren

und beraten

Es gibt zahlreiche Informations- und Kontaktstellen.

Akademiker können sich an

Gründerlehrstühle, Transfereinrichtungen

oder Gründungsnetzwerke an Hochschulen

und Forschungsinstituten wenden.

Neben den Hochschulen bieten auch

Agenturen für Arbeit,

Berufsverbände,

Förderbanken,

Ministerien,

Industrie-, Handels- und Handwerkskammern

und

Gewerkschaften

Beratung und Hilfe an.

Ein Erstgespräch ist in der Regel kostenfrei.

Die Ansprechpartner vermitteln je

nach Bedarf auch Experten wie Steuerberater,

Rechts- oder Patentanwälte. Umfangreiches

Material zum Thema Existenzgründung

von Akademikern bieten Gründer-Webseiten

(vgl. Tabelle).

Ideen-, Gründungs- und Business-Plan-

Wettbewerbe helfen bei der Konzeption

von tragfähigen Geschäftsplänen. Bei Bankgesprächen

und Förderanträgen ist die

Vorlage eines Business-Plans Pflicht.

Förderprogramme finanzieren

den Start

Um eine Existenzgründung zu finanzieren,

stehen bundesweit über 100 Förderprogramme

in Form von Zuschüssen, Bürgschaften,

Krediten und Beteiligungen bereit.

Sie finanzieren den Lebensunterhalt,

Beratungskosten, Personal, Investitionen

und laufende Ausgaben. Die bundeseigene

KfW Mittelstandsbank, 16 Landes-Förderbanken,

Agenturen für Arbeit, Bundesund

Landesministerien, Städte bis hin zu

privaten Genossenschaften und Vereinen

engagieren sich in der Gründungsförderung.

Weltweit ist Deutschland mit seinen

Förderangeboten führend.

An akademische Gründungen mit sehr

hohem Wachstumspotenzial richtet sich


zum Beispiel der High-Tech Gründerfonds.

Er finanziert Ideen in der frühen

Entwicklungsphase mit bis zu 500.000 €.

Die eine Hälfte wird als Beteiligung gewährt,

die andere als nachrangiges Darlehen

mit einer Laufzeit von sieben Jahren.

Der Fonds investiert branchenunabhängig

und bundesweit. Aufgelegt wurde der

Fonds im September 2005 von der KfW

Mittelstandsbank, dem Bundesministerium

für Wirtschaft und Technologie

(BMWi) sowie den Industriepartnern Siemens,

Deutsche Telekom und BASF.

An Studierende, Wissenschaftler und

ehemalige Hochschulmitarbeiter richtet

sich das bundesweite EXIST-Seed-Programm.

Es ist Teil der Initiative Existenzgründungen

aus Hochschulen (EXIST) des

BMWi.

Kandidaten mit einer technischen Idee

erhalten bei Zusage eine halbe Hochschulstelle

über zwölf Monate, um die

Umsetzung der Idee zu planen. Darüber

hinaus gibt es Sachmittel für Beratung

Der Autor

Informations- und Beratungsangebote

Anbieter Angebote Kontakt

Initiative „Existenzgründungen aus

Hochschulen“ (EXIST) des Bundesministeriums

für Wirtschaft und Technologie

(BMWi)

Internetseite für Gründerinnen und

Gründer des BMWi

KfW Mittelstandsbank, High-Tech Gründerfonds

Deutscher Industrie- und Handelskammertag

(DIHK)

BBZ Heft 9 „Existenzgründung“ der Bundesagentur

für Arbeit

Überblick über Hochschul-Gründungsnetzwerke

für Studierende, Wissenschaftler

und Akademiker

Hinweise zu Förderprogrammen wie

EXIST-Seed

Umfassende Informationen, Bestellmaterial

und Publikationen zum Thema

Existenzgründung

Expertenforum und Gründer-Hotline

Information über Finanzierungs- und Förderangebote

der KfW Förderbank und

des Bundes

Merkblätter, Publikationen und Studien

zur Existenzgründung

Informationen zu Qualifizierungs- und

Beratungsangeboten der IHK

Broschüre zu Förderangeboten, Finanzierungsstrategien,

Rechtsformen, Gründungswettbewerben,

Kontaktstellen für

eine Gründung und vielem mehr

Als Akademiker gründen 71

und Prototypenentwicklung. Pro Vorhaben

stehen bis zu 60.000 € zur Verfügung.

Ein Antrag kann bis zu drei Jahre

nach Ausscheiden aus der Hochschule

gestellt werden.

Sebastian Hanny, der Autor dieses und des folgenden

Artikels, ist Gründungslotse der Universität Dortmund

und Koordinator des Gründungsnetzwerks der Dortmunder

Hochschulen (G-DUR, www.g-dur-online.de).

Als freier Journalist berichtet er über die Gründungsszene.

Er ist u.a. Co-Herausgeber des Buches „Gründungsförderung

an Hochschulen“.

www.exist.de

www.existenzgruender.de

www.kfw-mittelstandsbank.de

www.high-tech-gruenderfonds.de

www.dihk.de k Starthilfe und Unternehmensförderung

Bestellung unter

www.ba-bestellservice.de


72

WEGE IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT

Patent gründen –

Selbstständigkeit als Alternative

Naturwissenschaften gelten als der Schlüssel für die Lösung vieler Probleme – zum Beispiel auch

die Biotechnologie. Neue Verfahren und Instrumente versprechen die Heilung von Krankheiten,

eine schnelle medizinische Diagnose oder die Revolutionierung industrieller Prozesse.

Eine Selbstständigkeit ist nicht nur mit

Hightech-Ideen möglich. Andere Felder

für Naturwissenschaftler sind beratende

Tätigkeiten – zum Beispiel als Gutachter

oder Sachverständiger. Oder als Wissenschaftsjournalist

und Landschaftspfleger.

Staat fördert Gründungen

Etwa 24% der jährlich 6.800 Gründungen

aus Hochschulen und Forschungsinstituten

wurden von Absolventen und Wissenschaftlern

aus naturwissenschaftlichen

Fachbereichen gegründet. Zu diesem

Ergebnis kommt die 2002 veröffentlichte

Studie „Spinoff-Gründungen aus der

öffentlichen Forschung“ des Zentrums für

Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW),

Mannheim.

Seit Mitte der 1990er-Jahre wurden mit

Informations- und Beratungsangebote

Unterstützung des Bundes und privater

Kapitalgeber einige hundert neue Biotechnologie

Unternehmen gegründet. Ein

von der Bundesregierung gestarteter

Wettbewerb um staatliche Fördergelder

für besonders innovative Biotechnologie-

Regionen in Deutschland führte zu mehr

Gründergeist.

Hochschul-Patent als Basis

einer Gründung

Geschäftsideen, die aus dem Zusammenspiel

von Chemie, Biologie und Physik

entstehen, sind häufig technische Neuerungen.

Sind sie von einer bestimmten

„erfinderischen Höhe“ und gewerblich

anwendbar, können sie als Patent angemeldet

werden.

Wichtig für Akademiker: Wer an einer

Anbieter Angebote Kontakt

Verein deutscher Ingenieure e.V. (VDI) Arbeitskreise, Publikationen, Ratgeber

Existenzgründung

Beratung, Seminare, Austausch

Gesellschaft deutscher Chemiker e.V.

(GDCh)

Verband der Elektrotechnik, Elektronik

Informationstechnik e.V. (VDE)

Kontakte, Austausch, Veranstaltungen

„Forum für Selbstständige“

Veranstaltungen, Foren

Checkliste für Existenzgründer

Verband Deutscher Biologen e.V. Karriereforum, Linklisten, Nachrichten,

Veranstaltungen

Institut für freie Berufe der Universität

Erlangen-Nürnberg

Broschüren, Downloads, Beratung

Studien und Training für freie Berufe

und Gründung

Science4life e.V. Gründungswettbewerb für Ideen aus

der Chemie und den Lebenswissenschaften

Businessplan-Handbuch

Links, Publikationen

öffentlichen Hochschule forscht, muss

das Arbeitnehmererfindungsgesetz vom

1. Januar 2002 beachten. Demnach müssen

Professoren und wissenschaftliche

Angestellte der Hochschule eine Erfindung

melden. Im Anschluss daran prüft

die Hochschule, ob die Erfindung zum

Patent angemeldet werden kann und ob

sie Gewinne verspricht.

Die Hochschule hat das Recht, die Erfindung

in Anspruch zu nehmen. Dann muss

sie auch die Gebühren für die Anmeldung

eines Patentes und die Verwertung übernehmen.

Der Erfinder, die Hochschule

und eine von der Hochschule beauftragte

Verwertungsagentur teilen sich die Erlöse.

Ist eine Selbstständigkeit mit einem

Hochschul-Patent geplant, ist es ratsam,

einen Verwertungsvertrag mit der Hoch-

www.vdi.de/existenz

www.gdch.de

Links: Fachgruppen, Bildung und Beruf,

Karriereservice

www.vde.com

k Themen k Studium und Beruf

www.vdbiol.de

k BioBusiness oder Publikationen

www.ifb-gruendung.de

www.science4life.de


schule zu schließen, der die exklusiven

Verwertungsrechte auf die Gründer oder

das von ihnen gegründete Unternehmen

überträgt. Möglich sind grundsätzlich

eine Lizenzierung, Beteiligung der Hochschule

am Unternehmen oder ein Verkauf.

Nur die alleinige Möglichkeit der

wirtschaftlichen Verwertung während der

Laufzeit des Patentes sichert den Erfolg.

Beratung und Gründungswettbewerbe

Wer sich als Naturwissenschaftler selbstständig

machen will, kann neben allge-

Die leuchtende Erkenntnis

Crelux steht für die Kreation von Licht. Der Biologe Michael

Schäffer und der Biophysiker Ismail Moarefi sind die Köpfe der

Crelux GmbH. Im Februar 2006 gründeten die beiden ihr eigenes

Unternehmen. Es hilft der pharmazeutischen Industrie,

schneller und zielgerichteter Medikamente zu entwickeln.

Für die promovierten Wissenschaftler ist es bereits das zweite

unternehmerische Abenteuer. Die erste Firma, die sie mitgründeten,

wurde Ende des Jahres 2004 verkauft. „Wir wollen etwas

Eigenes aufbauen und selbst gestalten“, erklärt Michael

Schäffer die Motive ihres Unternehmertums. Eine weitere Karriere

in der reinen Wissenschaft sei für sie deshalb nicht

attraktiv gewesen. Dort gebe es zu viele Einschränkungen

für das Umsetzen eigener Visionen und

Ideen.

Das Unternehmertum lernten die Naturwissenschaftler

Michael Schäffer und Ismail Moarefi

unter anderem in Businessplan-Wettbewerben, in

denen sie ausgezeichnet wurden, und Hochschul-

Seminaren. Zum Beispiel besuchte Schäffer einen Unternehmer-Kurs

am renommierten Massachusetts Institute

of Technology in Boston, USA.

Vor allem lernten sie, sich an den Bedürfnissen ihrer Kunden

zu orientieren. Das von ihnen gegründete Biotechnologie-

Unternehmen Crelux bedient die Pharmaindustrie. Deren

Bedarf ist riesig. Die Entwicklung eines Medikamentes kostet

etwa 500 Millionen €. Wenn der Produktions- und Entwicklungsprozess

verkürzt oder gezielter gesteuert wird, können

Arzneimittelhersteller mehrere Millionen Euro einsparen.

Crelux hilft dabei: Mit Hilfe biochemischer und physikalischer

Verfahren analysiert und berechnet die Firma die dreidimensionale

Struktur von Proteinen in der menschlichen Zelle. Diese

bestehen aus winzigen Atomen. Je besser die Struktur eines

Proteins bekannt ist, das als Ziel eines chemischen Wirkstoffs

gegen Krankheiten dient, desto zielgerichteter kann der Wirkstoff

weiterentwickelt werden und desto höher ist später seine

therapeutische Wirkung.

meinen Anlaufstellen, wie Hochschulen,

Kammern oder den Agenturen für Arbeit,

auch Branchen- und Interessenverbände

kontaktieren. Z.B. hilft die Gesellschaft

deutscher Chemiker mit Gesprächen,

Veranstaltungen und einem Forum für

Selbstständige (vgl. Tabelle).

Mit Hilfe des Gründungswettbewerbes

Science4life, der sich speziell an Ideengeber

aus der Chemie und den Lebenswissenschaften

richtet, können angehende

Existenzgründer einen tragfähigen

www.crelux.com

Patent gründen – Selbstständigkeit

als Alternative

Geschäftsplan entwickeln und Kontakte

zu Patentanwälten, Steuerberatern oder

potenziellen Kunden erhalten. Auch

andere Wettbewerbe sind offen für Gründer

aus den Naturwissenschaften.

Besonders interessant: An vielen Initiativen

wirken private Kapitalgeber und

Beteiligungsgesellschaften mit. Die Teilnahme

an einem Wettbewerb bietet die

Chance, im Rahmen von Foren oder Präsentationen

mit potenziellen Geldgebern

ins Gespräch zu kommen.

Die Naturwissenschaftler Michael Schäffer und Ismail Moarefi

gründeten die Crelux GmbH.

In der Strukturaufklärung der Proteine ist Crelux nach eigenen

Angaben deutlich schneller als die Konkurrenz, von der es

weltweit nur eine Hand voll gebe. Zwei bis drei Monate

lang analysieren und berechnen die Forscher die

Daten eines Proteins. Sie sind gefragt.

Seit Februar 2006 sind bereits über 20 Aufträge

von forschenden Arzneimittelherstellern und deren

Forschungspartnern eingegangen. Mit seinen Hightech-Diensten

erlöst Crelux sechsstellige Beträge

pro Auftrag. 10 Mitarbeiter beschäftigen Schäffer

und Moarefi bereits. Mehr als 25 sollen es erst einmal

nicht werden. Sonst droht die Gefahr, dass das unternehmerische

Abenteuer außer Kontrolle gerät.

73


74

WEGE IN DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT

Finanzielle Hilfen bei der

Existenzgründung

Seit dem 1. August 2006 gibt es den Gründungszuschuss als einheitliche

Förderung für Arbeitslose, die sich selbstständig machen.

Er ist hervorgegangen aus dem Existenzgründungszuschuss

(„Ich-AG“) und dem Überbrückungsgeld.

Wer kann den Gründungszuschuss

erhalten?

Im § 57 des Dritten Sozialgesetzbuches

(SGB III) wird definiert, welcher Personenkreis

Anspruch auf den Zuschuss hat:

Arbeitnehmer/innen, die durch Aufnahme

einer selbstständigen, hauptberuflichen

Tätigkeit ihre Arbeitslosigkeit beenden,

haben zur Sicherung des Lebensunterhalts

und zur sozialen Sicherung in

der Zeit nach der Existenzgründung einen

Anspruch auf einen Gründungszuschuss.

Es werden nur Gründungen gefördert,

die im Haupterwerb erfolgen.

Welche Voraussetzungen

muss ich erfüllen?

Die Agentur für Arbeit leistet den Gründungszuschuss,

wenn Sie

1.) bis zur Aufnahme der selbstständigen

Tätigkeit

Anspruch auf Entgeltersatzleistungen

nach dem SGB III haben oder

in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

nach dem SGB III beschäftigt waren;

2.) bei Aufnahme der selbstständigen

Tätigkeit noch über einen Anspruch auf

Arbeitslosengeld von mindestens 90

Tagen verfügen,

3.) der Agentur für Arbeit die Tragfähigkeit

der Existenzgründung nachweisen

und

4.) Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zur

Ausübung der selbstständigen Tätigkeit

darlegen.

Ein direkter Übergang von Beschäftigung

in eine geförderte Selbstständigkeit

ist nicht möglich.

Arbeitnehmer/innen, die ohne wichtigen

Grund ihr bestehendes Arbeitsverhältnis

kündigen und deren Anspruch auf Arbeitslosengeld

für die Dauer einer Sperrzeit

ruht, erhalten während dieses Zeitraums

keinen Gründungszuschuss.

Nachweis der Tragfähigkeit

Zum Nachweis der Tragfähigkeit der Existenzgründung

ist der Agentur für Arbeit

die Stellungnahme einer fachkundigen

Stelle vorzulegen.

Fachkundige Stellen sind insbesondere:

Industrie- und Handelskammern

Handwerkskammern und berufsständische

Kammern

Fachverbände

Kreditinstitute

Grundlagen dieser Stellungnahme sind

in der Regel:

Kurzbeschreibung des Existenzgründungsvorhabens

Lebenslauf

Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan

Umsatz- und Rentabilitätsvorschau

Förderungsrechtliche Fragen sollten Sie

zuerst mit der zuständigen Agentur für

Arbeit klären, bevor Sie sich wegen weiterer

Fragen an eine fachkundige Stelle

wenden.

Bestehen begründete Zweifel an den

Kenntnissen und Fähigkeiten, die Sie zur

Ausübung der selbstständigen Tätigkeit

benötigen, kann die Agentur für Arbeit

von Ihnen die Teilnahme an Maßnahmen

zur Eignungsfeststellung oder zur Vorbereitung

der Existenzgründung verlangen.

Wie viel Geld gibt es und wie

lange wird der Zuschuss bezahlt?

Der Gründungszuschuss wird für die

Dauer von 9 Monaten in Höhe des zu-

letzt bezogenen Arbeitslosengeldes zur

Sicherung des Lebensunterhalts geleistet.

Dazu kommen monatlich 300 € zur

sozialen Absicherung.

Der Gründungszuschuss kann für weitere

6 Monate in Höhe von monatlich 300 €

geleistet werden, wenn Sie ihre Geschäftstätigkeit

anhand geeigneter Unterlagen

darlegen. Bestehen begründete

Zweifel, kann die Agentur für Arbeit die

erneute Vorlage einer Stellungnahme einer

fachkundigen Stelle verlangen.

Der noch bestehende Anspruch auf

Arbeitslosengeld wird während der

Förderung „verbraucht“. Das heißt:

Für jeden Tag der Förderung sinkt

der Anspruch auf Arbeitslosengeld

um einen Tag.

Wie versichere ich mich in

dieser Zeit?

Der monatliche Zuschuss in Höhe von

300 € ermöglicht Ihnen, sich freiwillig in

den gesetzlichen Sozialversicherungen

abzusichern.

Um die soziale Absicherung auch nach

den ersten 9 Monaten zu gewährleisten,

kann Ihnen die Agentur für Arbeit unter

den oben genannten Voraussetzungen

für weitere 6 Monate 300 € bewilligen.

Gesetzliche Krankenversicherung:

Für Bezieher/innen des Gründungszuschusses

gilt ein Betrag in Höhe

von mindestens 1.225 € als Beitragsbemessungsgrenze.

Mit zu den Einnahmen zählt der Zuschuss

in Höhe des zuletzt bezogenen

Arbeitslosengeldes. Nicht zu den


Einnahmen zählen die zur sozialen

Absicherung vorgesehenen monatlichen

300 €.

Arbeitslosenversicherung: Der Antrag

auf freiwillige Weiterversicherung

ist spätestens innerhalb 1 Monats

nach Aufnahme der selbstständigen

Tätigkeit (Ausschlussfrist) zu stellen.

Gesetzliche Rentenversicherung:

Bezieher/innen des Gründungszuschusses

können sich freiwillig rentenversichern.

Was sonst noch zu beachten ist!

Personen, die vor dem 1. August 2006

eine Förderung begonnen haben (z.B.

Existenzgründungszuschuss) bleiben von

den Änderungen unberührt und werden

wie bisher weiter gefördert.

Die Förderung mit dem Gründungszuschuss

ist ausgeschlossen, wenn nach

Beendigung einer Förderung der Aufnahme

einer selbstständigen Tätigkeit nach

dem SGB III noch nicht 24 Monate vergangen

sind.

Geförderte Personen haben ab dem Monat,

in dem sie das 65. Lebensjahr vollenden,

keinen Anspruch auf einen Gründungszuschuss.

Weitere Hilfen zur Existenzgründung

Zur Vorbereitung einer beruflichen

Selbstständigkeit besteht für Arbeitslose

die Möglichkeit, an einem Gründerseminar

im Rahmen einer Weiterbildung

oder Trainingsmaßnahme teilzunehmen.

Bei Bezug von Überbrückungsgeld, eines

Existenzgründungszuschusses oder

eines Gründungszuschusses kann die

Weitere Informationen

Hinweise und Hilfen zur Existenzgründung

finden Sie auch im Wegweiser

für den Schritt in die Selbstständigkeit

der Bundesagentur für Arbeit.

Sie erhalten ihn in Ihrer Agentur

für Arbeit oder im Internet unter

www.ba-bestellservice.de (Titelsuche:

„Hinweise“).

Das Bundesministerium für Wirtschaft

und Technologie bietet kostenlose

Broschüren, Software und Tipps für

Existenzgründer/innen auf seinem

Portal www.existenzgruender.de

selbstständige Tätigkeit im ersten Jahr

nach der Gründung durch ein Coaching

nach dem Europäischen Sozialfonds (ESF)

begleitet werden. Ziel des Coachings ist,

Existenzgründer bei der Bewältigung

und Lösung von Problemen in der Anfangsphase

der selbstständigen Tätigkeit

zu unterstützen. Anträge richten Sie

an Ihre Agentur für Arbeit.

Ein Rechtsanspruch auf diese Leistungen

besteht nicht.

Leistungen an Arbeitgeber für

die berufliche Eingliederung

von Arbeitnehmern

Vielfach stellen Existenzgründer/innen

bereits zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit

oder im weiteren Verlauf Arbeitnehmer

ein.

Die Agentur für Arbeit kann bei der Einstellung

und Beschäftigung Arbeitsloser

helfen. Hierzu gibt es verschiedene Lohnkostenzuschüsse.

Diese Lohnkostenzuschüsse

werden nur im Rahmen verfügbarer

Haushaltsmittel gewährt.

Ein Rechtsanspruch auf diese Leistungen

besteht nicht.

Der Förderantrag muss vor Abschluss

des Arbeitsvertrages und vor Beginn des

Beschäftigungsverhältnisses bei der für

den Arbeitnehmer zuständigen Agentur

für Arbeit gestellt werden. Vor Einstellungen

sollten Sie sich mit Ihrer Agentur

für Arbeit in Verbindung setzen. Dort erhalten

Sie auch Informationsmaterial und

Antragsvordrucke.

Einstellungszuschuss bei Neugründungen

Ein Einstellungszuschuss bei Neugründungen

kann Arbeitgebern, die vor nicht

mehr als 2 Jahren eine selbstständige Tätigkeit

aufgenommen haben, für die unbefristete

Beschäftigung eines zuvor arbeitslosen

förderungsbedürftigen Arbeitnehmers

auf einem neu geschaffenen

Arbeitsplatz gewährt werden.

Ein Einstellungszuschuss bei Neugründungen

kann Ihnen als Arbeitgeber bewilligt

werden, wenn der Arbeitnehmer unmittelbar

vor der Einstellung insgesamt

mindestens 3 Monate

Finanzielle Hilfen bei der

Existenzgründung

Arbeitslosengeld oder Transferkurzarbeitergeld

bezogen hat,

im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

beschäftigt worden ist,

an einer nach dem SGB III geförderten

Maßnahme der beruflichen Weiterbildung

teilgenommen hat oder

die Voraussetzungen für Entgeltersatzleistungen

bei beruflicher Weiterbildung

oder bei Leistungen zur Teilhabe

am Arbeitsleben erfüllt und

ohne den Einstellungszuschuss nicht

oder nicht dauerhaft in den Arbeitsmarkt

eingegliedert werden kann.

Bei Antragstellung dürfen Sie jedoch

nicht bereits mehr als 5 Arbeitnehmer

beschäftigt haben. Der Einstellungszuschuss

bei Neugründungen kann höchstens

für 2 Arbeitnehmer gleichzeitig und

für längstens 12 Monate in Höhe von

50% des regelmäßig gezahlten tariflichen

bzw. ortsüblichen Arbeitsentgelts

sowie des Anteils des Arbeitgebers am

Gesamtsozialversicherungsbeitrag gewährt

werden.

Außerdem können Eingliederungszuschüsse

für die Einstellung von Arbeitnehmern

mit Vermittlungshemmnissen

gewährt werden, wenn deren Vermittlung

wegen in ihrer Person liegenden

Umständen erschwert ist. Die Förderhöhe

und die Förderdauer richten sich nach

dem Umfang einer Minderleistung eines

Arbeitnehmers und nach den jeweiligen

Eingliederungserfordernissen.

Über die Voraussetzungen für die verschiedenen

Einstellungshilfen informiert

Sie Ihre Agentur für Arbeit.

Einstiegsgeld

Empfänger von Arbeitslosengeld II

können Einstiegsgeld erhalten, wenn

Sie sich selbstständig machen und

Ihre selbstständige Tätigkeit hauptberuflichen

Charakter hat.

Das Einstiegsgeld kann, soweit für

diesen Zeitraum eine Erwerbstätigkeit

besteht, für höchstens 24 Monate erbracht

werden.

Über die Förderhöhe kann Sie Ihr

persönlicher Ansprechpartner in der

Arbeitsgemeinschaft (ARGE) oder bei

optierenden Städten und Gemeinden

Ihre zuständige Stelle (Rathaus, Sozialamt,

Bürgeramt etc.) informieren.

75


76

ARBEITEN IM AUSLAND

Gute Gründe für einen

Auslandsaufenthalt

Warum soll ich ins Ausland

gehen?

„Pluspunkte für die weitere Karriere“ – so

lassen sich die mit einem Auslandsaufenthalt

verbundenen Erwartungen vielleicht

am einfachsten beschreiben. Denn

wer neben der beruflichen Fachkompetenz

die Fähigkeit entwickelt, über Sprachund

Kulturgrenzen hinweg mit anderen Menschen

zusammenzuarbeiten, verfügt über

eine Schlüsselqualifikation, die aus unserer

Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken ist.

Daneben werden für Auslandseinsätze als

weitere Motive seitens der Interessentinnen

und Interessenten häufig genannt:

größere Selbstständigkeit

mehr Verantwortung/breiteres Aufgabengebiet

finanzielle Verbesserungen

Erweiterung des persönlichen und

beruflichen Horizontes

höherer sozialer Status

www.wege-ins-ausland.de

Globalisierung bestimmt die Wirtschaftswelt von heute. Neue, Raum und Zeit überwindende Informationstechniken,

die häufig preiswerteren Produktionsbedingungen im Ausland sowie die schnellere

und leistungsfähigere Logistik lassen auch die Arbeitsmärkte nicht unberührt: Immer mehr

Arbeitnehmer nutzen die Chance und entscheiden sich dafür, im Ausland zu arbeiten.

Ohne interkulturelle Kompetenzen

geht es nicht

Für die erfolgreiche Pflege von internationalen

Wirtschaftskontakten reicht einschlägiges

Fachwissen allein nicht aus. Auch

die perfekte Beherrschung der Fremdsprache

ist noch lange keine Garantie für ein

erfolgreiches Arbeiten im Ausland. Ohne

Verständnis für die fremde Kultur wird der

Erfolg zwangsläufig ausbleiben.

Der klassische Fremdsprachenkurs hat

sich deshalb mehr und mehr zu einem


interkulturellen Kommunikationstraining

entwickelt, bei dem es neben dem Erlernen

der Sprache und ihrer Grammatik darauf

ankommt, die Teilnehmer für die Kultur

des fremden Landes und die Mentalität

der dortigen Geschäftspartner zu sensibilisieren.

Um Missverständnisse in interkulturellen

Kontaktsituationen zu vermeiden, ist es

hilfreich, einige Aspekte und Verhaltensweisen

zu kennen, in denen sich kommunikatives

Handeln von Kultur zu Kultur unterscheidet.

Zu diesen interkulturellen Kompetenzen

zählen z.B.:

Toleranz und Anpassungsbereitschaft

gegenüber anderen kulturellen Werten

und Normen,

die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen

und vorübergehend auch mal

Unsicherheiten auszuhalten,

Geduld, Belastbarkeit Improvisationsvermögen

und eine gewisse Gelassenheit,

die Fähigkeit, sich in andere Menschen

hinein zu versetzen,

das Denken in internationalen

bzw. globalen Bezügen und

die Fähigkeit, in interkulturellen

Teams zu arbeiten.

Der Nutzen für das

Unternehmen

Letztlich gilt: Wie groß der

Erfolg eines Unternehmens

im Ausland ist, hängt zum

großen Teil auch von den

Qualifikationen und Fähigkeiten

der Mitarbeiter ab.

Diese müssen in der Lage

sein, sich auf Kunden und

Geschäftspartner in aller

Welt einzustellen und ihr

fachliches und soziales Knowhow

unter ganz anderen Arbeitsbedingungen

im Ausland

einbringen zu können.

Zukünftig sehen sich Unternehmen

deshalb verstärkt vor der Aufgabe,

die Globalisierungskompetenzen

und die Mobilität ihrer Fach- und

Führungskräfte zu verbessern. Denn

eine konsequente Strategie der weltweiten

Präsenz macht häufig auch den Einsatz

– insbesondere von Führungskräften

– im Ausland zu einer Grundvoraussetzung

des Erfolgs.

Dabei entscheiden sich die Unternehmen

aus verschiedenen Gründen für den Einsatz

von Führungskräften im Ausland.

Diese können z.B.

noch fehlende lokale Führungskräfte

ersetzen,

das Unternehmen in ausländischen

Entscheidungsgremien repräsentieren

oder

den Know-how-Transfer organisieren.

Für Sie als Arbeitnehmer bedeutet dies,

sich auch spezifisch, auf Internationalisierung

ausgerichtet aktiv weiterzubilden.

Denn die Fähigkeit der interkulturellen

Zusammenarbeit entscheidet oftmals

darüber, wer auf dem

Arbeitsmarkt die Nase

vorn hat.

Gute Gründe für einen

Auslandsaufenthalt

Wege ins Ausland

Interessant, aber meistens zeitlich befristet

ist ein Einsatz in Entwicklungsländern.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit,

ein Auslandspraktikum zu absolvieren

oder in internationalen Organisationen

zu arbeiten. Genauer informiert

die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

(ZAV). Siehe Seite 78.

77


78

ARBEITEN IM AUSLAND

Vermittlung ins Ausland

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) unterstützt als internationaler Personaldienstleister

im Netzwerk der Bundesagentur für Arbeit (BA) die Mobilität am internationalen Arbeitsmarkt.

Die Palette der Vermittlungsdienstleistungen ist breit gefächert. Sie reicht vom kurzzeitigen

(Ferien-) Job bis hin zur Führungsposition in weltweit operierenden Unternehmen und internationalen

Organisationen.

Internationale Vermittlung

Die Auslandsvermittlung der ZAV bietet

ihre Dienstleistungen bundesweit an

12 Standorten an. Bei der Beratung und

Vermittlung von Arbeitnehmern arbeitet

die Auslandsvermittlung der ZAV eng mit

EURES – dem Netzwerk der europäischen

Arbeitsverwaltungen – zusammen. Auch

die Rückkehrberatung für Migranten zählt

zu ihrem Dienstleistungsangebot.

Vor allem ausländische Arbeitgeber im

Bauhaupt- und -nebengewerbe sowie aus

der Metall verarbeitenden Industrie suchen

Arbeitskräfte aus Deutschland.

Neben Unternehmen aus Europa, insbesondere

der Schweiz, Österreich, der Niederlande

und Dänemark, rekrutieren auch

Arbeitgeber außerhalb Europas qualifiziertes

deutsches Personal. Unternehmen

aus Kanada, Australien und Neuseeland

haben einen großen Bedarf an gut

ausgebildeten Handwerkern. Mit Arbeitgebern

und zum Teil mit den Regierungen

dieser Länder veranstaltet die ZAV – wie

mit Unternehmen aus Mitgliedsstaaten

der EU – Informations- und Jobbörsen.

Zum Kundenkreis gehören ebenso deutsche

Unternehmen, die spezialisierte

Fach- oder Führungskräfte für ihre Standorte

im Ausland suchen, beispielsweise in

China.

Hotline: 01 80/1 00 30 60

(3,9 Cent/Minute aus dem dt.

Festnetz)

E-Mail: zav@arbeitsagentur.de

www.arbeitsagentur.de

www.ba-auslandsvermittlung.de

Internationale Organisationen

Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied

in annähernd 200 internationalen

Organisationen. Hier bieten sich für hoch

qualifizierte Akademiker interessante

berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Erster Ansprechpartner ist das Büro Führungskräfte

zu Internationalen Organisationen

(BFIO).

Das bei der ZAV angesiedelte Büro übernimmt

die Information und Beratung der

deutschen Bewerber und beteiligt sich an

der Identifikation qualifizierter Hochschulabsolventen.

Interessante Einstiegsmöglichkeiten

bieten u.a.:

Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

(BMZ) finanzierte Programm

Beigeordnete Sachverständige.

Das Carlo Schmid-Programm, das

vom Deutschen Akademischen Austauschdienst

(DAAD) und der Studienstiftung

des deutschen Volkes

gemeinsam durchgeführt wird.

Büro Führungskräfte zu Internationalen

Organisationen (BFIO)

Villemombler Straße 76, 53123 Bonn

Tel.: 02 28/7 13-13 13

E-Mail: zav-bonn.bfio@arbeitsagentur.de

Integrierte Fachkräfte

Im „Centrum für internationale Migration

und Entwicklung (CIM)“ – einer Arbeitsgemeinschaft

der ZAV mit der Deutschen

Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit

(GTZ) – stellt die ZAV die

gute Kooperation zwischen unterschiedlichen

Politikfeldern, der Entwicklungs- und

der Arbeitsmarktpolitik, unter Beweis. Mit

finanzieller Ausstattung durch das Bundesministerium

für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung (BMZ) vermittelt

CIM Fach- und Führungskräfte aus Deutschland

in Entwicklungsländer.

Dort wirken die Experten auf unterschiedlichen

Ebenen: sie weisen zum Beispiel

deutsche Investoren auf ihre Chancen in

Algerien hin, oder sie bilden in China Solartechniker

aus. Die deutschen Experten

– ein Drittel ist über 50 Jahre – sind mit

ihrer Kompetenz und Erfahrung ein Markenzeichen

der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

Centrum für internationale Migration

und Entwicklung (CIM)

Mendelssohnstraße 75-77,

60325 Frankfurt

Tel.: 0 69/71 91 21-0

E-Mail: Frankfurt-

ZAV.cim@arbeitsagentur.de

www.cimonline.de

Nutzen Sie den kompetenten Beratungsund

Vermittlungsservice der Zentralen Auslands-

und Fachvermittlung (ZAV).

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

(ZAV)

Villemombler Straße 76, 53123 Bonn

Infocenter: 01 80/1 00 30 60

(3,9 Cent/Minute aus dem dt. Festnetz)

Fax: 02 28/7 13-2 70 11 11

E-Mail: Bonn-ZAV@arbeitsagentur.de

www.ba-auslandsvermittlung.de


Arbeiten in Europa

Arbeitsmarkt-Trends beobachten

Wie in den vergangenen Jahren arbeiten

deutsche Arbeitnehmer in europäischen

Ländern vor allem in der Baubranche, gefolgt

von Berufen aus dem gewerblichtechnischen

Bereich. Besonders gefragt

sind weiterhin Tätigkeiten in der Hotellerie

und Gastronomie.

Allerdings sieht die Arbeitslage in jedem

Land etwas anders aus. Legen Sie sich

deshalb nicht auf ein Wunschland fest

und informieren Sie sich rechtzeitig, ob

dort auch Bedarf an Ihrer Qualifikation

vorhanden ist.

Zugang zum Arbeitsmarkt

In der Regel ist jeder EU-Bürger berechtigt,

seinen Arbeitsplatz frei zu wählen.

Eine gesonderte Arbeitserlaubnis braucht

man dazu nicht. Allerdings gilt auch hier:

keine Regel ohne Ausnahme.

So ist für deutsche Arbeitnehmer derzeit

der Zugang zu den Arbeitsmärkten in Polen

und Ungarn noch eingeschränkt, da

Deutschland seinen Arbeitsmarkt für Bürger

dieser Länder nicht geöffnet hat.

Für alle anderen EU-Länder gilt: Für die ersten

drei Monate des Aufenthalts genügt

ein Reisepass oder Personalausweis. Wer

länger als drei Monate im EU-Ausland

arbeiten möchte, braucht dazu eine Aufenthaltsgenehmigung.

Diese ist mittlerweile

jedoch fast reine Formsache. Denn

jeder EU-Bürger, der einen Arbeitsvertrag

oder ein regelmäßiges Einkommen sowie

eine Krankenversicherung nachweist, hat

darauf einen Rechtsanspruch.

Lohn- und Lebenshaltungskosten

Die Bundesrepublik Deutschland steht auf

einem relativ hohen Lohn- und Gehaltsniveau.

In den meisten EU-Staaten liegen

die Nettolöhne deutlich unter den in

Deutschland gewohnten Maßstäben. Dafür

sind in der Regel die Lebenshaltungskosten

auch wesentlich geringer.

Arbeiten in Europa 79

Wenn Sie im europäischen Ausland arbeiten wollen, müssen Sie vieles beachten. Auf diesen Seiten

haben wir einige wichtige Tipps für Sie zusammengestellt.

Sozialsysteme

Die Sozialsysteme in den Europäischen

Ländern sind sehr unterschiedlich. Allerdings

haben sich die EU-Staaten auf die

Einhaltung bestimmter Regeln verständigt,

mit denen die Beibehaltung und

Übertragung von Rechten im Bereich der

sozialen Sicherheit garantiert wird.

Sie beziehen sich auf Leistungen

der Krankenversicherung,

der Rentenversicherung,

der Arbeitslosenversicherung,

der Unfallversicherung und

Familienleistungen.

Die Verordnungen stellen sicher, dass kein

Arbeitnehmer Nachteile erleidet, weil er

im Laufe seines Erwerbslebens in mehreren

Mitgliedstaaten erwerbstätig war:

Kein Sozialversicherungsbeitrag soll verloren

gehen, erworbene Rechte sollen

geschützt werden und jedes Land soll die

Rente zahlen, die den dort verbrachten

Versicherungszeiten entspricht.


80

ARBEITEN IM AUSLAND

Stellensuche

Die Stellenbörse der Bundesagentur für

Arbeit unter www.arbeitsagentur.de

bietet Ihnen Zugang zu einer Vielzahl von

Stellenangeboten auch im Ausland. Über

die Auswahl „Art der Nachfrage“ können

Sie sowohl nach Arbeits- als auch nach

Praktikumsstellen suchen (siehe auch

Seite 83).

Konsultieren Sie auch das Eures-Portal

http://ec.europa.eu/eures, das Stellenangebote

aus allen EU-Mitgliedsstaaten

sowie sehr detaillierte Informationen zum

Arbeitsmarkt, zu den Freizügigkeitsregelungen

und zum Thema Leben und Arbeiten

enthält.

Für Forscher und Wissenschaftler gibt es

einen speziellen Service der Alexander

von Humboldt-Stiftung, den Sie über das

Mobility-Portal http://ec.europa.eu/

eracareers erreichen können.

Bewerbung

Verfassen Sie Ihre Bewerbung in der Landessprache

des Gastlandes. Erklären Sie

dabei, wo Sie die Sprache erlernt haben

und in welchem Umfang Sie sie beherrschen.

Bewerbungsverfahren laufen je nach Land

unterschiedlich ab. Machen Sie sich deshalb

vorher ein genaues Bild von den landestypischen

Gepflogenheiten.

Anerkennung von Abschlüssen

Probleme bereitet mitunter die Anerkennung

von Berufsausbildungen und Diplomen.

Durch das EU-Recht gibt es zwar allgemeine

Regeln, in der Praxis ergeben sich

jedoch oft gravierende regionale Unterschiede.

Einige Berufe können frei ausgeübt werden

und andere sind reguliert. D.h. Sie

müssen im entsprechenden Land einen

Antrag auf Anerkennung Ihrer Qualifikation

stellen. Eine von der EU eingerichtete

Internet-Seite informiert darüber, welche

Berufe in welchem Land einer Regulierung

unterliegen (siehe „Weitere Informationen“).

Sie können sich außerdem an

die jeweilige nationale Kontaktstelle wenden.

Eine Liste der Kontaktstellen in den

EU-Mitgliedsstaaten finden Sie im gleichen

Internetangebot.

Die Prüfung des Antrages kann bis zu vier

Monate dauern. Wichtige Voraussetzung

für eine Anerkennung ist der Nachweis

ausreichender Sprachkenntnisse. Je nach

Beruf können die Anforderungen dabei

sehr hoch liegen. Ggf. müssen Sie außerdem

Arbeitsnachweise vorlegen oder

einen Eignungstest absolvieren.

Die Familie darf mit

Wenn ein Arbeitnehmer eine Aufenthaltserlaubnis

bekommen hat, dürfen auch Ehegatten

und Kinder unter 21 Jahren im Aufnahmeland

leben. Das gilt auch, wenn der

Ehepartner nicht die Staatsangehörigkeit

eines EU-Staates besitzt.

Weitere Informationen

Hier finden Sie heraus, ob Ihr Beruf

im Zielland reglementiert ist, welche

Rechte und Pflichten Sie im

Ausland haben und vieles mehr:

Europa für Sie – Wegweiser der Europäischen

Union:

http://ec.europa.eu/youreurope/

index_de.html k Bürger k Arbeiten

in Europa

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

(ZAV) der Bundesagentur

für Arbeit:

www.ba-auslandsvermittlung.de

EURES – Das europäische Portal

zur beruflichen Mobilität:

http://ec.europa.eu/eures

Informationsstelle für Auswanderer

und Auslandstätige des Bundesverwaltungsamts:

www.bva.bund.de k Aufgaben von

A-Z k Suche nach Aufgaben, Stichwort

„Auslandstätige“


Was gibt’s im BIZ?

Mediothek Ausführliche Informationen zu Berufen

Berufsinformationszentrum –

Was gibt’s im BIZ?

Das Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit ist die Top-Adresse für alle, die vor

neuen beruflichen Entscheidungen stehen. In der Mediothek können Sie sich über alles, was mit

Ausbildung und Studium, beruflichen Tätigkeiten und Anforderungen, mit Weiterbildung, Umschulung

und Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu tun hat, selbst informieren.

Die Mediothek im BIZ:

Internetcenter

Interessierte können hier die vielfachen

Informationsmöglichkeiten des Internet,

z.B. im Rahmen der Berufswahl

Informationsmappen

Filme

und der Suche nach einem geeig-

neten Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz

nutzen.

Schriftenreihe

Beruf Bildung

Zukunft (BBZ)

Schriftenreihe für Arbeitnehmer/innen

zur Berufsorientierung mit Informationen

zu Berufen, Beschäftigungsmöglichkeiten

und -alternativen, Aufstieg

und Weiterbildung etc.

Filmetiefte

Beschäftigung mit berufs-

Veranstaltungen

Informationsmappen

mit Darstellungen von Aufgaben und

Tätigkeiten, Anforderungen, Ausbildung

bzw. Studium, Verdienst,

Beschäftigungsaussichten,

Weiterbildung, Spezialisierung.

Filme

Bücher und Zeitschriften

Bücher und

Zeitschriften

von regionaler und überregionaler

Bedeutung ermöglichen die ver-

und wirtschaftskundlichen

Fragestellungen.

Schriftenreihe Beratung Beruf

Außerdem stehen Ihnen

Bildun im BIZ kompetente Zukunft

Mitar-

Berufskundlic

Im BIZ finden eine Fülle von Veranstaltungen

rund um das Thema Beruf statt: berufskundliche

Vorträge, Seminare, Workshops,

Diskussionsrunden etc.

Über die Veranstaltungstermine informiert Ihre Agentur

für Arbeit vor Ort. Einen Überblick hält die zentrale

Veranstaltungsdatenbank im Internet unter

http://vdb.arbeitsagentur.de bereit.

beiter/innen zur Verfügung,

an die Sie sich bei auftretenden

Fragen jederzeit

wenden können.

zu Einzelberufen und allgemein

informierende Filme

bieten einen anschaulichen

Einstieg in die

Berufswelt.

Berufskundliche

Kurzbeschreibungen (BKB)

Kompaktinformationen zu einem

Beruf auf einem Blatt. Sie liegen

aus oder können ausgedruckt

werden.

BIZ – wo

finde ich das?

Berufsinformationszentren gibt

es in allen 178 Agenturen für

Arbeit. Dieser Service der

Agentur für Arbeit ist für Sie

kostenlos.

81


82

DAS KANN DIE AGENTUR FÜR ARBEIT FÜR SIE TUN

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Beruf?

k beschreibt Berufe von A-Z, vom Ausbildungsinhalt

über Aufgaben und Tätigkeiten, Verdienstund

Beschäftigungsmöglichkeiten bis zu Perspektiven

und Zugangsvoraussetzungen

k enthält Berufsbilder, rechtliche Regelungen

und Hinweise auf weitere Infoquellen

k nennt berufliche Alternativen, wenn es mit

dem Berufswunsch nicht klappen sollte

bietet den direkten Link

k zu KURSNET mit Bildungsangeboten, z.B. in

Berufsfachschulen oder Hochschulen

k zur Online-Ausbildungsbörse mit Angeboten von

Ausbildungsstellen in Betrieben und Behörden

Sie möchten sich weiterbilden oder

suchen eine neue Arbeitsstelle?

k zeigt aktuelle Anforderungen in Ihrem Beruf

k enthält Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote

zur Verbesserung Ihrer beruflichen

Situation bzw. zu Ihrem beruflichen Aufstieg

k erläutert Voraussetzungen und Chancen der

Existenzgründung

k nennt berufliche Alternativen ausgehend von

Ihren Kenntnissen

bietet den direkten Link

k zur Weiterbildungsdatenbank KURSNET mit

Bildungsangeboten für Ihren Beruf

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für Ihren Beruf

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– dauerhaft Vorteile nutzen.

k Zeigen Sie, was Sie können! – Erstellen Sie Ihr

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Ihre beruflichen und persönlichen Qualifikationen,

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Wünsche zur angestrebten Tätigkeit.

Nutzen Sie Ihr Bewerberprofil für eine

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einstellen? Kein Problem! Nutzen Sie die

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Ihr Arbeitsmarkt im Internet 83

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Damit haben Sie die Möglichkeit über die JOBBÖRSE auch selbst

nach passenden Angeboten zu suchen und vieles mehr.


Lieferbare Hefte

in dieser Schriftenreihe

Spezielle Themen und

Personengruppen

Heft 1

Weiterbildung - Lernen ein

Leben lang

Heft 2

50plus - Ihre Erfahrung zählt

Heft 3

Zeitarbeit

Heft 4

Chancen für Menschen mit

Behinderungen - Berufliche

Rehabilitation

Heft 5

Soldatinnen und Soldaten auf

Zeit – Start ins zivile Berufsleben

Heft 6.1

Pflegen, Betreuen, Bedienen –

Jobeinstieg ohne Berufsausbildung

Heft 6.2

Bauen, Lagern, Transportieren

– Jobeinstieg ohne Berufsausbildung

Heft 7

Frauen und Beruf

Heft 8

Nachholen schulischer Abschlüsse

und Studieren ohne

Abitur

Heft 9

Existenzgründung – Wege in

die Selbstständigkeit

Berufsbereiche und Branchen

– Weiterbildung und Beruf

Heft 10

Berufe im Sozialwesen

Heft 11

Gesundheit, Körperpflege,

Wellness

Heft 12

Gastgewerbe, Tourismus,

Ernährung

Heft 13

Metall, Maschinenbau,

Feinmechanik

Heft 14

Elektro

Heft 15

Kaufmännische Berufe, Büro

und Verwaltung

Heft 16

Bau

Heft 17

Textil, Bekleidung, Leder

Heft 18

Papier, Druck, Medientechnik

Heft 19

Holz, Kunststoff,

Musikinstrumentenbau

Heft 20

Chemie, Glas, Keramik

Heft 21

Transport und Verkehr

Heft 22

Land- und Forstwirtschaft,

Gartenbau, Tierwirtschaft,

Floristik, Umweltschutz

Heft 23

IT-Berufe

Arbeitsmarkt und Weiterbildung

für Akademiker/innen

Heft 25

Ingenieurwissenschaften

Heft 26

Naturwissenschaften

Heft 27

Gesellschafts- und

Sozialwissenschaften

Heft 28

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften

Heft 35

Kunst und Beruf – Vermittlung,

Förderung und Weiterbildung

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