Schlesischer Gottesfreund - Gesev.de

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60. JAHRGANG – OKTOBER 2009 – NR. 10ISSN 1861 - 9746 Verkaufspreis: 2,50 Euro H 6114Schlesischer GottesfreundNACHRICHTEN UND BEITRÄGE AUS DEM EVANGELISCHEN SCHLESIENDie Delegierten des Kirchentages beim Gruppenfoto auf der Treppe des Rathauses in JauerImpressionen vom Schlesischen Kirchentag 2009... und die Fotographen Fotos: ANN


Geistliches Wort 146GEISTLICHES WORT S. 146EDITORIAL S. 148BEITRÄGEHoffnungsvoll nach vorn blicken!Schlesischer Kirchentag S. 149Ansprache zur Eröffnungder EvangelischenSchlesischen Bibliothek S. 152Zum 100. Geburtstag vonBischof D. Hans-Joachim Fränkel S. 153Bericht von der Tagung des Vereinsfür schlesische Kirchengeschichte S. 155AUS DER PARTNERKIRCHEGedenken mit BischofDr. Wolfgang Huber in Jauer S. 157VERANSTALTUNGENLandesarbeitsgemeinschaftSchlesische Oberlausitz S.156LandesarbeitsgemeinschaftOldenburg/Bremen S. 158AUS DER LESERGEMEINDE S. 159FUNDSTÜCK S. 160Blick in die Schlesische BibliothekNur verläßliche Christen haben ZukunftPredigt über Offenbarung 3, 7-13in der Peterskirche in Görlitz anläßlich des Schlesischen Kirchentages am 6. September 2009KIRCHENTAGSPRÄSIDENT DR. HANS-ULRICH MINKE„Du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet,auch wenn Du nur eine kleine Kraft hast“, läßtJesus Christus in unserem Predigttext der Christengemeindevon Philadelphia in Kleinasien sagen - und dieses Lobgilt über die 2 000 Jahre hinweg, die seitdem vergangensind, auch uns. Auch wir haben uns zu Gott bekannt unduns an seinem Wort orientiert. Jeder von uns hat dafürBeispiele aus seinem Leben und weiß, wie schwer es in denWechselfällen des Lebens und seinen Gefährdungen seinkann, bei Gott zu bleiben. Der Kriegsbeginn vor 70 Jahren,die Kriegs- und Nachkriegszeit zeigen, welchen Herausforderungendas Christsein ausgesetzt ist. Das trifft für Sie zu,liebe Görlitzer Gemeinde, für die Zeit des real existierendenSozialismus und für die Nachwendezeit, in der Sie zuIhrer Überzeugung stehen mußten und das trifft für uns zu,die vertriebenen Schlesier, die die Vertreibung bewältigenund einen neuen Standort in Westdeutschland suchen mußten.Das ist das Besondere an diesem Gottesdienst, daß wirihn gemeinsam feiern - die Christen der SchlesischenOberlausitz und die Gemeinschaft evangelischer Schlesieraus ganz Deutschland. Wir danken Ihnen für die gastfreundliche,geschwisterliche Aufnahme.Heute ist Sonntag der Diakonie, und die Geschichtevom barmherzigen Samariter ist seine zentrale Botschaft,die uns eine Ethik der Mitmenschlichkeit und der Nächstenliebeempfiehlt. Keine Frage, diese Ethik ist wichtig fürunsere Kirche und für unsere Gesellschaft, und dennochsoll heute davon nicht vorrangig die Rede sein. Lassen Sieuns stattdessen das Angebot und die Chance unseresPredigttextes nutzen und über das Erfreuliche und Positiveunseres Glaubens reden. Es kommt nicht oft vor, daß vondiesem Positiven die Rede ist - in der Öffentlichkeit nichtund nicht einmal in der Bibel. Selten wird uns gesagt: Duhast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet,obwohl Du nur eine kleine Kraft hast. Und die kleineKraft haben wir leider nur zu oft.Anerkennung und positive Rede über unseren Glauben tutuns allen gut, wo hierzulande Kritik an Religion undKirche Mode ist. Da werden das Versagen der Christen inder Vergangenheit und die Defizite in der Toleranz beschworen,und man ist in den Medien und auch sonst stolzauf die eigene Toleranz und Modernität. Und es kommtz. B. nur wenigen in den Sinn, zu protestieren, wenn - wiegerade jetzt - im türkischen Istanbul die Häuser derChristen farblich gekennzeichnet und damit für Schikanenfreigegeben werden. Umso nötiger haben wir es, daß wiruns über das Positive und Tragfähige in unserem Glaubenklar werden und uns ermutigen, wie das unser Predigttexttut. Es sollte uns wenig stören, daß es sich hier um eineVision des Johannes handelt, die in Manchem rätselhaft ist.Denn die Verpackung ist nicht wichtig; wichtig ist nur dieBotschaft, daß wir eine positive, weiterführende Basis fürunser Leben haben - eine Basis, die uns Mut und Zuversichtgibt.I.Zuerst ist nämlich festzustellen, das Ermutigende undTragfähige an der christlichen Religion ist Jesus Christusselbst, durch den Gott für uns transparent wird und der dieSchlüssel- und Leitfigur unseres Glaubens ist und bleibt.Leider ist gegenwärtig wiederholt zu erleben, daß dieserJesus an Bedeutung verliert und nicht unbedingt als dergilt, durch den sich Gott uns zuwendet. Es ist kein Zufall,daß die Vision des Johannes in unserem Predigttext fürJesus Begriffe benutzt, die im alten Testament für Gott verwandtwerden. Christus ist der Heilige und Wahrhaftige; erhat die Schlüssel Davids in der Hand, mit denen er Türenzu Gott aufschließt. Diese Türen - so heißt es im Text -kann niemand mehr zuschließen, wie denn überhaupt dieoffenen Türen Gottes zentrale Botschaft an jedenMenschen sind. Der persönliche Gott wird uns hier ansHerz gelegt. Denn so heißt es: Ich habe vor Dir eine Tür


147GEISTLICHES WORTaufgetan und niemand kann sie schließen. Was geöffneteTüren im Leben eines Menschen bedeuten, wissen wir alle.Wer von uns hat nicht schon vor verschlossenen Türen gestanden- vor der eigenen Haustür oder auch vor anderenTüren - in der Familie, beruflich oder auch bei Krankheitund Tod. Wie gut ist es dann, daß wenigstens Gott seine Türoffen hält. Die christliche Religion ist der Glaube an dennahen, am Einzelnen interessierten und orientierten Gott,der seine Türen für jeden von uns persönlich öffnet, derunsere guten und weniger guten Taten, aber auch unsereHilflosigkeit sieht. Er sieht jeden von uns, aber er sieht unsnicht nur als Einzelne, sondern er sieht uns als Gemeinde,wie das ja in der Vision des Johannes geschieht. Johannesredet mit der ganzen Gemeinde von Philadelphia, nicht mitEinzelnen. Wir sind nicht religiöse Individualisten, die mitihrem Gott allein sind. Zur christlichen Religion gehört derUmgang mit unseren Mitmenschen, mit unseren Schwesternund Brüdern. Ist das nicht die große Revolution derchristlichen Religion, liebe Gemeinde, daß Gott mit derÖffnung seiner Türen unterschiedliche Völker, unterschiedlicheGruppen einer Gesellschaft, unterschiedlicheAltersstufen und unterschiedliche Begabungen in einerGemeinde zusammenführt? Und ist es nicht das Große amAbendmahl, daß wir so unterschiedliche Menschen vondem einen Brot essen und aus dem einen Kelch trinken unddabei zu Gottes Familie, eben zu seinem Volk, werden.II.Das führt zum Zweiten, was heute hier zu sagen ist: DasBesondere und Ermutigende an der christlichen Religionist, daß sie uns einen festen, klaren Standort in dieser globalisiertenWelt gibt. Wir alle wissen nur zu gut, was esheißt, heimatlos zu werden und „unbehaust“ zu sein, wiedas Schlagwort der Nachkriegszeit hieß. Die Älteren unteruns wissen es besonders, wie uns nach dem ZweitenWeltkrieg bewährte Lebensmuster zerbrochen sind und dieregionale landsmannschaftliche Zuordnung verloren ging.Viele von uns durften nicht in dem Lande, in dem ihreVorfahren 700 oder 800 Jahre gelebt haben, arbeiten undleben. Wir Vertriebene haben lange gebraucht, um uns ansatzweiseals Bayern, Niedersachsen oder Brandenburgerzu verstehen. In aller Regel spüren wir, daß ein Rest vonDistanz und Nicht-Zugehörigkeit geblieben ist.Darum, liebe Schwestern und Brüder, ist es lebenswichtig,daß wir einen festen Platz bei Gott haben und einHeimatrecht in seinem Volk. Das ist keine fromme Phrase,sondern Realität. Diese Realität ist für uns eine menschlicheund geistige Herausforderung - eine menschlicheHerausforderung, weil es um unsere persönliche Lebenskulturund unsere Ethik geht. Es ist zu einfach und bequem,über den Werteverfall in der bürgerlichen Gesellschaft zuklagen, über die Unzuverlässigkeit, die mangelndeErnsthaftigkeit der Politiker und die Gier der Bankmanager,wenn wir es nicht selbst besser machen, nicht pflichtbewußt,korrekt, anständig, einsatzbereit und couragiertsind. Halte, was Du hast, damit Dir die Krone nicht genommenwird - rät Christus im Predigttext. Eine neue persönlicheEthik ist offenbar nötig; die bekommen wir, wenn wiruns an Gottes Wort orientieren und danach leben.Herausgefordert sind wir auch zu klarem, vernünftigenDenken. Unter den vielen Beliebigkeiten und der Gleichgültigkeit,die in unserer Gesellschaft üblich sind, löst sichGlaube auf und wird zu einem allgemeinen religiösen Brei.Friedrich der Große irrt, wenn er behauptet: Jeder soll nachseiner Facon selig werden. Selig wird man nur nach GottesFacon. Wir sind keine Kuschelkirche, in der man gemütlich,bequem und spannungslos religiös sein kann. Auseinandersetzungengehören dazu. Und wir dürfen ihnen nichtaus dem Weg gehen. Die Gemeinde in Philadelphia istjedenfalls den Auseinandersetzungen nicht aus dem Weggegangen, und mit Antisemitismus hat das nichts zu tun,wenn sie sich mit der jüdischen Gemeinde auseinandersetzt.Die hatte damals wegen ihres Monotheismus großenZulauf und währte sich mit allen Mitteln, weil die Christenihr den Rang abliefen.Christlicher Glaube ist eben nicht Schall und Rauch. Erhat klare Aussagen. Gott ist nicht Allah; Glaubenskriegersind wir auch nicht. Wir sollten deswegen klar sagen können,was wir denken und was Sache ist. Das Lob: Du hastmein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet, istganz gewiss keine kleinkarierte, altmodische Formel, sonderneine moderne, weiterführende Devise.III.Nur, wenn wir verläßliche klar denkende Christen sind,haben wir eine Zukunft - das ist zum Schluß zu sagen. Werüberwindet, den will ich machen zum Pfeiler im künftigenTempel Gottes und zum Bürger im neuen Jerusalem, heißtes im Predigttext. Christen rechnen mit der Zukunft. Schonjetzt sind wir Gottes Volk, wie wir es endgültig im neuenJerusalem sein werden. Wir beten nicht umsonst imGlaubensbekenntnis „… von dort wird er kommen zu richtendie Lebenden und die Toten“. Kritiker fragen in diesemZusammenhang, ob wir denn wirklich überzeugt sind, daßChristus wiederkommt, oder ob solche Hoffnung nicht insMuseum gehört. Visionen soll man nicht wörtlich nehmen.Keiner weiß, wie es zum Ende der Welt kommt. Aber daßes dazu kommt, hört man sogar von Leuten, die mit derReligion nichts im Sinn haben. Gott, der diese Weltgeschaffen hat, wird ihr ein Ende setzen und uns - davongehen wir aus - im neuen Jerusalem eine Zukunft geben,wie die auch immer aussehen wird. Wir sollten uns dieserZukunftserwartung nicht schämen. Als Gemeinde sind wirkeine esoterische, herumphantasierende Gemeinschaft,sondern eine Gemeinde, die Zukunft erwartet, die aberauch die Gegenwart ernst nimmt und die hier ihre Aufgabenerfüllt.Unsere Situation läßt sich am besten mit einerGeschichte beschreiben: Ein junger Mann trat im Traum ineinen Laden, in dem ein Engel bediente. Den fragte er:„Was verkaufen Sie denn hier?“ Der Engel antwortetefreundlich: „Alles, was Sie wollen!“ Darauf begann derMann aufzuzählen: „Ich hätte gern das Ende aller Kriege,das Ende des Hungerns, bessere Lebensbedingungen, mehrArbeitsplätze, Lösungen für die Weltwirtschaftskrise.“ Dafiel ihm der Engel ins Wort: „Sie haben mich wohl falsch


EDITORIAL 148verstanden. Wir verkaufen hier keine Früchte. Wir verkaufenhier nur den Samen.“Liebe Schwestern und Brüder, den Samen haben wir,nämlich Gottes ermutigende Gegenwart und sein Wort.Und wir haben Phantasie, Elan und Kraft und wir habenunser schlesisches Erbe: Unsere schlesischen Mütter undVäter haben uns vorgelebt, wie man Christ in einer verworrenenWelt ist und wie man Glaubenstradition weitergibt.Wer Ohren hat zu hören, der höre, woran uns Gott heuteerinnert.Amen. EditorialLiebe, verehrte Leserinnen und Leserdes „Schlesischen Gottesfreund“,die vorliegende Ausgabe des „Schlesischen Gottesfreund“(SGF) bringt Berichte von drei Tagungen, die Ende Augustund Anfang September 2009 unmittelbar hintereinander inder Ev. Tagungsstätte Jauernick-Buschbach bei Görlitzstattgefunden haben: Symposion zur Erinnerung an den hundertstenGeburtstag des langjährigen Görlitzer BischofsHans-Joachim Fränkel; Jahresarbeitstagung des Vereins für SchlesischeKirchengeschichte e. V. (VSKG) mit Teilnahmeam Gedenkgottesdienst zum Kriegsbeginn vor70 Jahren in der Friedenskirche in Jauer/Jawor;Kirchentag der Gemeinschaft evangelischer Schlesier(Hilfskomitee) e. V., das ist die alle zweiJahre stattfindende Delegiertenversammlung, dashöchste Beschlußgremium der „Gemeinschaft“.In dieser und in den nächsten Ausgaben des SGF werdenSie noch das eine oder andere von diesen Tagungen lesenkönnen.Heute geht es um etwas anderes: Wir bitten Sie umfreundliches Verständnis dafür, daß wir den Mitgliedsbeitragab 1. Januar 2010 auf 30 € im Jahr erhöhen. BeimKirchentag in Jauernick haben die Delegierten ausführlichdarüber gesprochen und sind schließlich zu dem Ergebnisgekommen, daß wir um diese Maßnahme nicht herumkommen.Sie wurde hauptsächlich notwendig, weil sich der Ev.Kirchenkreisverband Schlesische Oberlausitz ab diesenSommer von der Mitverantwortung für die Herausgabe desSGF zurückgezogen hat. Die Überlegung, wegen der damitauf uns zu kommenden finanziellen Mehrbelastung denSGF nur noch zweimonatlich erscheinen zu lassen, fandkeine Zustimmung. Die sehr große Mehrheit der Delegiertensprach sich für die Beibehaltung der monatlichenErscheinungsweise - bei gleichzeitiger Erhöhung des Mitgliederbeitragesaus. Für Abonnenten, die auch bisherschon 30 € gezahlt haben, ändert sich dadurch nichts.So möchten wir Sie denn im Namen des Vorstandes bitten,diesen Schritt mitzugehen und die höhere Belastungfreundlich auf sich zu nehmen. Vermeiden möchten wiraber, daß jemand aus unserer Lesergemeinde ausscheidet,weil er den SGF nicht mehr bezahlen kann. In solchenFällen wollen wir gern helfen und bitten um entsprechendeHinweise.Mit herzlichen Grüßen sind wir IhreDr. Christian-Erdmann SchottVorsitzenderKlaus-Ulrich VogelSchatzmeisterBlick auf Jauernick-BuschbachFoto: ANN


Die Delegierten während des Empfanges im Görlitzer FränkelsaalFoto: ANNHoffnungsvoll nach vorn blicken!in Görlitz tagte vom 3. bis 6. September der Schlesische KirchentagANDREAS NEUMANN-NOCHTENBereits zum zweiten Male nach 2007 trafen sich dieDelegierten der Gemeinschaft evangelischer Schlesier zurHauptversammlung, dem Schlesischen Kirchentag, in derKreuzbergbaude im nahe Görlitz gelegenen Jauernick-Buschbach. Auf hohem Berge gelegen, bietet der Tagungsortselbst bei weniger schönem Wetter immer einen Ausblickin die alte Heimat, da nur wenige Kilometer entferntdas silberne Band der Lausitzer Neiße die Grenze zum heutigenPolen markiert. Bei guter Wetterlage allerdings, unddie war den Gästen an fast allen Tagen beschieden, offenbartsich dem Betrachter das prächtige Panorama des IserundRiesengebirges in seiner ganzen Schönheit.Einige weilten bereits seit Wochenanfang vor Ort, da siean der im Vorfeld stattgefundenen Tagung des Vereins fürschlesische Kirchengeschichte teilgenommen hatten.Die Nachmittagsstunden des Donnerstags waren einerSitzung des Vorstandes und einer Zusammenkunft desVorstandes mit den Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaftenvorbehalten.Währenddessen trafen aus allen Teilen Deutschlandsdie Delegierten ein. Ein guter Teil von ihnen kam mit derBahn und wurde durch den Fahrdienst vom ca. 5 km entferntenGörlitzer Hauptbahnhof abgeholt. Etliche hattensich aber auch den eigenen „vier Rädern“ anvertraut, wasin mancher Hinsicht sicherlich bequemer war, hier und daaber auf dem kleinen Kreuzberg zu Parkplatzproblemenführte.Im Foyer erwartete die Eintreffenden ein kleines Büfetmit Kaffee und Kuchen, von dem mancher nach Bezug derZimmer gern Gebrauch machte. Das bot zugleich auch dieGelegenheit, einander bekannt zu machen, alte Bekanntschaftenzu erneuern und miteinander ins Gespräch zukommen. So durfte sich auch der Verfasser dieser Zeilen -obwohl bereits beim letzten Kirchentag zugegen - diesmalweit größerer Aufmerksamkeit erfreuen, als er es erwartethätte. Freilich sollte das kaum Anlaß zur Verwunderunggeben, da ja allen Beteiligten das weitere Ergehen des„Schlesischen Gottesfreundes“ sehr am Herzen lag. Und sogab es bereits im Vorfeld des eigentlichen Kirchentagesgute Anregungen und Kritiken, was das Mitteilungsblattanbelangt.Zum gemeinsamen Abendbrot gab es eine vorzügliche„Oberlausitzer Pilzpfanne“, die bei Uneingeweihten, ob derreichlich beigemengten Schupfnudeln, auch als schwäbischesNationalgericht durchgegangen wäre. Den Köchinnenund Köchen des Martinshofes Rothenburg und denHelfern in der Kreuzbergbaude sei bereits an dieser Stellefür ihren Einsatz gedankt.Nach vollbrachter Stärkung hieß es für die Teilnehmerden ersten Abschnitt der Tagung im Plenarsaal in Angriffzu nehmen. Neun Tagesordnungspunkte galt es zu bewältigen.Dabei standen zunächst die üblichen Präliminarien aufdem Programm: Begrüßung, Verlesung von Protokollen,Grußworte, rückblickende Berichte des Vorsitzenden undaus den Landesarbeitsgemeinschaften, Prüfung und Entlastungdes Vorstandes, Bestimmung der Rechnungsprüfer.Auch das Gedenken an die verstorbenen Mitglieder der Gemeinschaftfand in diesem Zusammenhang statt. Mit demAbendsegen endete zu relativ später Stunde ein anstrengenderTag für alle Anwesenden.Bevor am Freitagmorgen die Gespräche in den Arbeitsgruppenaufgenommen wurden, sprach Pfarrer Cezary


BEITRÄGE 150Pfarrer Krolewicz überreicht ein gewichtiges Buch für die soebeneröffnete Bibliothek.Foto: ANNBibliothek, die im Seitenflügel des Gebäudekomplexes inder Jakobstraße ihr neues Domizil gefunden hat.Bereits gegen 16.30 Uhr trafen zahlreiche geladeneGäste ein und nutzten ihrerseits die Zeit, miteinander insGespräch zu kommen bis auch die Tagungsteilnehmer hinzukamen.Pünktlich um 17 Uhr öffnete der Redakteur des„Gottesfreundes“ nicht seinen Schreibblock, sondern vielmehrden Deckel des großen Konzertflügels an der Stirnseitedes Saales, um mit einigen kräftigen Akkorden undgefälliger Fingerakrobatik nach Motiven Rachmaninowsden Beginn des Empfangs anzuzeigen. Und wie es sichgehört und allsonntäglich in den Kirchen zu beobachten ist,war beim Schlußton auch die letzte Stimme im Saal verstummt,so daß der Präsident des Kirchentages in angemessenerStille zur Begrüßung schreiten konnte.Unter den Gästen war auch der Görlitzer OberbürgermeisterHerr Joachim Paulick, der sich in seinem Grußworterfreut darüber zeigte, die Gemeinschaft evangelischerSchlesier wieder in Görlitz als Gäste begrüßen zu können:er sei davon angetan, daß mit der Evangelischen SchlesischenBibliothek die hiesige Bücherlandschaft eine guteBereicherung erfahre und daß sich somit eine weitereEinrichtung in Görlitz ansiedele, die sich des schlesischenErbes annehme.Die Eröffnungsansprache seitens der Stiftung EvangelischesSchlesien hielt OKR. i.R. Hans-Jochen Kühne. Sie istim Wortlaut im Anschluß an diesen Bericht wiedergegeben.Der anschließende Festvortrag, gegeben vom SchriftleiterKrolewicz aus Lauban ein Grußwort zur Versammlung undauch der katholische Ortspfarrer von Jauernick PrälatBirkner, selbst ein gebürtiger Oberschlesier, erinnerte ineiner kurzen Ansprache an die vielfältigen Dinge, dieSchlesier miteinander verbunden sein lassen.In drei Arbeitsgruppen wurde dann die Arbeit des Kirchentagesfortgesetzt. Um „Bestandssicherung und Aufgabender Landesarbeitsgemeinschaften“, um die Zukunftdes „Gottesfreundes“ und um „Projekte und Kontakte zuSchlesien diesseits und jenseits der Neiße“ ging es imEinzelnen. Erwartungsgemäß wurde um den künftigenWeg des Schlesischen Gottesfreund besonders ausgiebigund auch kontrovers diskutiert. Einigkeit herrschte darüber,daß in jedem Falle die aktuelle Qualität des Mitteilungsblattesgehalten werden muß. Über die Ergebnisse der Beratungenist bereits hinreichend im Editorial berichtet worden.Der wohlverdienten Mittagspause folgten weitere Aussprachenund Beratungen, die unter anderem die Finanzplanungenfür 2009/10 und das im kommenden Jahr anstehendeJubiläum der Gemeinschaft beinhalteten.Während in der Kreuzbergbaude noch intensiv getagtwurde, waren im Fränkel-Saal der Görlitzer Innenstadtgemeindebereits viele fleißige Hände dabei, den für 17 Uhranberaumten Empfang vorzubereiten. Der traditionelleEmpfang der Gemeinschaft stand in diesem Jahr ganz imZeichen der Eröffnung der Evangelischen SchlesischenVolle Regale in der Schlesischen BibliothekFoto: ANN


151BEITRÄGEdesGottefreundes, Pastor em. Mag. Dietmar Neß, verschaffteden Versammelten in aller zu Gebote stehendenKürze und Präzision einen Überblick über Geschichte undEntwicklung der Kirchenbibliotheken in Schlesien.Verschiedene Anwesende nutzten die Gelegenheit,bereits am Tag ihrer Eröffnung der Bibliothek weitereBücher hinzuzufügen. Pastor Neß überreichte eine Predigtsammlung(gedruckt 1848 in Hirschberg) in aufwendiggestaltetem metallbeschlagenen Holzeinband. Pfarrer Krolewiczübereignete ebenfalls einen alten Predigtband, derschon im Besitz seines Vaters war und Herr Wolfgang Röhnwartete gleich mit mehreren, wiewohl kleineren Bändchenauf. Die Besichtigung der Räume mußte aus Platzgründenin kleineren Gruppen vorgenommen werden.Derweil die Neugierigsten sich unter Führung von FrauKempgen zur Inaugenscheinnahme der Bücher aufmachten,taten die übrigen ein Gleiches mit dem gutbestücktenkalten Büfet, das zum Ende des Emfangs redlich Zeugnisablegte von seiner Qualität einerseits und vom Appetit derGeladenen andrerseits, denn nur wenig blieb übrig. Gegen20.30 Uhr leerte sich der Fränkelsaal sichtlich und auch dieDelegierten zog es heim gen Jauernick, da allen schondeutlich der für den Samstag geplante Ausflug nach Goldbergund Jauer vor Augen stand.Der frühe Morgen des nächsten Tages wartete mit strahlendemSonnenschein auf. Aber schon gegen 7 Uhr begannsich der Himmel zu beziehen und als um 9 Uhr der Bus genSchlesien startete, regnete es heftig. Nach zweistündigerFahrt war das erste Ziel erreicht. Nahe des alten Stadtturmesentließ der Bus die Reisenden ins kühle, aber weitgehendregenfreie Goldberg. In zwei Gruppen - gut zu Fußdie eine, die andere eher weniger - ging es unter Führungvon Magdalena Maruck, einer aus Goldberg stammendenjungen polnischen Germanistin, an die Erkundung derStadt. Ein großräumiges Gerüst versperrte in der Stadtpfarrkircheden Blick auf den Altar. Aber all die anderenkunst- und glaubensgeschichtlich wertvollen Details desGotteshauses konnten einer ungeschmälerten Betrachtungunterzogen werden. Dazu gehörte auch der Besuch derKettenbibliothek im südöstlichen Anbau. Ihn zu meisternerforderte allerdings einige Kletterkünste. Über ein Gewirrvon Stiegen und Treppchen gelangte man schließlich ineinen kleinen lichten Raum, der eine Nachbildung der altenKettenbibliothek enthält. Bei den wenigen angekettetenFranziskanerklosterkirche in GoldbergFoto: ANNBüchern handelt es sich zwar um deutschsprachige Werke,aber sie sind alle sehr katholischen (!) Inhalts. Ähnlichabenteuerlich wie der Aufstieg gestaltete sich auch dasVerlassen des Gebäudes. Vor der Einkehr zum Mittagstischin ein Restaurant unweit der alten Stadtmauern führte derRundgang noch zu einigen Wirkungsstätten ValentinTrozendorfs, unter anderem zu der im 18. Jahrhundertbarock umgeformten Nikolaikirche. Ganz anders als dassich recht schmuck präsentierende Goldberg, empfing nachWieder aufgetaucht, eine alte Inschrift an einer Fassade in Jauer: „Gasthof zum goldenen Zepter“Foto: ANN


BEITRÄGE 15220minütiger Fahrt das alte Jauer die Gesellschaft. Wie eineOase umfängt den Eintretenden der alte Gottesacker umden in frischen Farben strahlenden Bau der Friedenskirche.Die Stadt selbst atmet an allen Ecken und Enden Armutund den mit ihr einhergehenden Verfall. Nach Führung undVortrag in der Friedenskirche blieb noch ein wenig Zeit füreinen kurzen Gang über den Marktplatz. Vor dem Rathauskam es zu dem kurzweiligen Gruppenfoto, welches dieTitelseite dieser Ausgabe ziert. Die Rückfahrt erfolgte überdie kürzlich in Betrieb genommene Autobahn Breslau-Görlitz und verlief daher zügig und reibungslos.Am Abend erwartete die Teilnehmer noch eine bewegendeAnsprache zur Eröffnung derEvangelischenSchlesischen BibliothekOKR I.R. DR. HANS-JOCHEN KÜHNEGesprächsrunde, in der Frau Rosemarie Hartmann undFrau Bettina Ernst-Bertram über Lebensumstände und-vollzug in den Pfarrhäusern in der ehemaligen DDRberichteten.Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des Aufbruchsund Abschieds. Dem gut besuchten Gottesdienst in derGörlitzer Peterskirche - die Predigt steht dieser Ausgabe alsGeistliches Wort voran - folgten das gemeinsame Mittagsmahlin der Kreuzbergbaude - währenddessen letzte Absprachenfür künftige Unternehmungen - und der Reisesegen,erteilt durch den Vorsitzenden der GemeinschaftPfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott.Sie sind der Einladung der Gemeinschaft evangelischerSchlesier und der Stiftung Evangelisches Schlesien zurEröffnung der Evangelischen Schlesischen Bibliothekgefolgt. Im Namen des Stiftungsrates der „KirchlichenStiftung zur Bewahrung, Vermittlung und Weiterführungder geistigen Tradition des Evangelischen Schlesiens“begrüße ich Sie recht herzlich und freue mich, daß sich insolchem festlichen Rahmen die Gemeinschaft und dieStiftung gemeinsam der Öffentlichkeit in der Stadt Görlitzpräsentieren können.Die Kirchenneubildung mit Berlin-Brandenburg 2002/2003 wurde zum Anlaß, die Erinnerung an die schlesischenWurzeln, die bisher mit einer eigenständigen Landeskirchein der schlesischen Oberlausitz gegeben war, ineiner kirchlichen Stiftung verantwortlich und verbindlichweiterzuführen. In die Stiftungsgründung durch die Landeskirchewaren von Anbeginn die Gemeinschaft evangelischerSchlesier und der Verein für Schlesische Kirchengeschichteeinbezogen.Es ist Aufgabe der Stiftung, die evangelische Traditiondes gesamten schlesischen Raumes - unabhängig von jeglichenGrenzziehungen in Geschichte und Gegenwart - zubewahren und weiterzugeben. Diese Intention spiegeltsich in der Zusammensetzung des Stiftungsrates wider.Neben Vertretern der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der Gemeinschaftevangelischer Schlesier e. V. und des Vereins für SchlesischeKirchengeschichte e. V. als den Gründungsmitgliederngehören ihm auch je ein Vertreter der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, der Schlesischen evangelischenKirche A.B. in Tschechien und der StiftungSchlesisches Museum zu Görlitz an.Ich halte die Stiftung für eine große Chance, Kräfte zubündeln und ein Netz an Engagement, Wirksamkeiten undVerantwortung zu knüpfen, um auch in Zukunft dem evangelischenSchlesien von einst begegnen zu können und ummitzuhelfen, Evangelisches in dem heutigen Schlesien zubewahren. Die Möglichkeiten, die in der Stiftung hierzuliegen, wollen von uns gemeinsam entdeckt und ausgelotetwerden.Im Blick auf den Zweck der Stiftung steht an obersterStelle „das Sammeln und Bewahren schlesischen Archivgutes,seine Zugänglichmachung und Erschließung“. Unsliegt vor allem daran, Schriftgut und persönlicheAufzeichnungen aus schlesischen Nachlässen zu sammeln,damit diese Zeitzeugnisse und evangelischen Glaubenszeugnissebewahrt und erhalten bleiben. Es ist mir einbesonderes Anliegen, Sie zu bitten, in ihrem Umfeld alteSchlesier und schlesische Nachkommen darauf aufmerksamzu machen. Im Zusammenhang mit dieser Aufgabehat die Stiftung die frühere Bibliothek der Gemeinschaftevangelischer Schlesier, die bisher im Ostkircheninstitut inMünster gestanden hat, übernommen. Mit aufgenommenist außerdem der schlesische Bestand der früheren KonsistorialbibliothekGörlitz. Ich freue mich, daß im Zusammenhangmit diesem Kirchentag der Gemeinschaft evangelischerSchlesier die Präsentation der Bibliothek hier inGörlitz erfolgen kann. Der Bestand der Bibliothek ist einhistorischer Schatz. Er muß nun digital erschlossen undbekannt gemacht werden, ist aber ab sofort über den vorhandenenKatalog nutzbar. Zusammen mit vielen biographischenund lokalen Überlieferungen im Buchbestand derEvangelischen Schlesischen Bibliothek kann durch weiterepersönliche Nachlässe die Evangelische Stiftung inGörlitz ein von evangelischen Schlesiern gewollter undgetragener Begegnungsort mit dem evangelischen Schlesienwerden.Ob und in welchem Rahmen die Stiftung ihre vielfältigenAufgaben erfüllen kann, hängt sehr von den finanziellenMöglichkeiten ab. Wir sind hierfür auf Zustiftungenund Spenden angewiesen. Weil das evangelische Schlesienzu den Wurzeln des heutigen Europas gehört, sollten wiruns dem Aufbau eines zukunftsträchtigen Netzwerkes, wiees die Stiftung Evangelisches Schlesien darstellen will,bewußt zuwenden. Ich wäre Ihnen von daher sehr dankbar,wenn Sie die Stiftung bekannt machen und insbesonderedie konkrete Zielstellung der Sammlung und Erhaltungpersönlicher Zeugnisse unterstützen würden.


BEITRÄGE 154Während der Tagung zum Gedenken des 100. Geburtstagesvon Bischof D. Hans-Joachim Fränkel, auf der zugleich an75 Jahre Barmer Theologische Erklärung erinnert wurde,hielt OKR i.R. Dr. H.-J. Kühne einen Vortrag unter demThema: „Frei für Gott - Die Bischofsvorträge Hans-JoachimFränkels“.Den gesamten Vortrag abzudrucken übersteigt die Möglichkeitendes „Gottesfreundes“. Daher soll nur ein kleinerAbschnitt hier wiedergegeben werden, der in besondererWeise das Eintreten Fränkels für die Freiheit desGlaubens und des Gewissens deutlich werden läßt. DieseAuswahl ist nicht willkürlich getroffen sondern geschiehtvor dem Hintergrund, daß in diesem Herbst der politischenWende in der damaligen DDR vor 20 Jahren gedacht wird.Die kursiv gedruckten Abschnitte sind direkte Zitate ausden Bischofsvorträgen, während die Vortragspassagen vonDr. Kühne im Normalsatz stehen.Frei für GottDie Bischofsvorträge Hans-Joachim FränkelsBischofsvorträge als besondere Schwerpunkte von Synodaltagungenwaren in der Kirchenordnung so gar nichtvorgesehen. Entsprechend der aus dem Kirchenkampferwachsenen Stellung der Kirchenleitung hatte der Bischofnur den „Bericht über die Tätigkeit der Kirchenleitung,sowie über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse“ zuerstatten. So verstehen sich von Anfang an alle Bischofsvorträgeals jeweilige Ergänzungen der Kirchenleitungsberichteund erscheinen im offiziellen synodalen Sprachgebrauchmeist auch als Bericht, seltener als Vortrag. Abersie werden zu Schwerpunkten eigener Art: Ermutigung derGemeinden, Information und Bildung für die Synodalen,kirchliches Wort in die Öffentlichkeit ...3. Menschenrechte3.1 Glaubens- und GewissensfreiheitIn einem Land mit dem Anspruch, den Marxismus-Leninismus durchzusetzen und Menschen zu sozialistischenPersönlichkeiten zu bilden, mußte die Frage derGlaubens- und Gewissensfreiheit für eine Kirche zumDauerthema werden. Es ist für Fränkel kein Thema nur umder Kirche, sondern letztlich um der Gesellschaft, ja derMenschlichkeit willen. Nachdem die DDR-Verfassung von1968 verabschiedet worden war, verbindet Fränkel im Bischofsvortrag1969 das Verständnis des Sozialismus als„Gestalt eines gerechteren Zusammenlebens der Menschen“mit der Forderung nach Gerechtigkeit und Freiheitund damit eben insbesondere nach Beachtung echter Glaubens-und Gewissensfreiheit.Verwirklichung des Sozialismus als Gestalt einesgerechteren Zusammenlebens zielt darauf, daß mit demSozialismus Gerechtigkeit und Freiheit untrennbar verbundensind. Ich halte es für einen Irrtum, daß eine sozialistischeGesellschaftsordnung ihrem Wesen nach die mit echterGlaubens- und Gewissensfreiheit gegebene Begrenzungdes Ideologischen nicht erträgt. Die einen erliegen diesemIrrtum aus der an sich verständlichen Sorge um dieBewahrung der sozialistischen Errungenschaften, dieanderen aus einer Resignation, die der Macht des dieGeschichte lenkenden Herrn zu wenig vertraut.[...] Esgehört zur gesellschaftspolitischen Verantwortung allerChristen, für ein Klima einzutreten, in dem man sich inOffenheit und Wahrhaftigkeit begegnet. Der Freimut, seinerMeinung und Überzeugung auch dann Ausdruck zuverleihen, wenn sie amtlich nicht gedeckt ist, stellt einensittlichen Wert in jeder Gesellschaft dar und fördert dasvertrauensvolle Zusammenarbeiten und Miteinanderlebender Menschen. (Vortrag 1969)Mit scharfen Worten prangert er 1973 das Fehlen wirklicherGlaubens- und Gewissensfreiheit an, die in denSchulen zur Zerstörung des Glaubens der Kinder und in derGesellschaft zu einer Atmosphäre der Angst führt, was inkeinem Fall mit der beabsichtigten Aufnahme der DDR indie Vereinten Nationen zu vereinbaren sei.Es geht überhaupt nicht nur um einzelne Fälle. Es gehtum ein Klima, in dem der christliche Glaube unsererKinder zerstört wird. [...] Es geht um eine Atmosphäre derAngst, in welcher Eltern aus Sorge um ihre Existenz unddas Fortkommen ihrer Kinder uns ihre Nöte oft nur unterdem Siegel der Verschwiegenheit anvertrauen. Es geht imGanzen auch dort, wo es nicht zu irgendwelchen spektakulärenFällen kommt, um einen Prozeß mit dem deutlicherkennbaren Ziel, christliche Unterweisung und Erziehungunserer Kinder unwirksam, wenn nicht überhaupt unmöglichzu machen. Das alles ist nicht recht vor Gott, der unsalle zur Versöhnung ruft und dem wir alle Rechenschaftschulden, wir wissen's oder wissen's nicht. Das alles mußgrundlegend geändert werden, so daß die Glaubens- undGewissensfreiheit zur vollen Geltung kommt. (Vortrag 1973)Die Freiheit der Glaubensausübung ist für Fränkel „eingrundlegendes Freiheitsrecht, das in keinem Katalog derMenschenrechte fehlen darf“, so sehr man diese Freiheitvon der Freiheit des Glaubens, die allein Gott schenkt unddie „die Welt weder geben noch nehmen kann“, unterscheidenmuss. Denn „auch in Ketten ist der Mensch frei fürGott“ ...3.2 Vorgegebensein der grundlegenden Menschenrechte... Fränkel sieht in der DDR die Menschenwürde und dieMenschenrechte an ideologische Vorleistungen gebundenund damit in ihrem Wesen verkannt. Er fordert mit derAnerkennung des Vorgegebensein der Menschenrechtezugleich die Begrenzung des ideologischen Führungsanspruchsder Partei - ein für die DDR-Verhältnisse ungeheuerlicherAnsatz.Freiheit, Rechtsgleichheit usw. sind im Marxismus-Leninismus an das Maß der Leistung für den Sozialismusgebunden, werden also auf Grund erfüllter Bedingungennachträglich zugesprochen. Damit aber werden Menschenwürdeund die mit ihr verbundenen Freiheiten wieGrundrechte in ihrem Wesen verkannt. Sie sind das, was siesind, nur, wenn sie als dem Menschen vorgegeben anerkanntund nicht unter das Soll einer bestimmten Gesinnung


155BEITRÄGEgebeugt werden. Der letzte Grund für dieses Vorgegebensein,das in der bekannten Erklärung der VereintenNationen naturrechtlich begründet wird, liegt in GottesSchöpfung und Erlösung. Die Anerkennung dieses Vorgegebenseinsist ein unbewältigtes Problem in unsererGesellschaft. Das hängt damit zusammen, daß unsereGesellschaft sich als Einheitsgesellschaft unter den ideologischenFührungsanspruch einer Partei formieren soll, unddas in einem Volk, in welchem bereits seit der Reformation,dann aber besonders durch die seit der Aufklärung bedingtegeschichtliche Entwicklung eine Mehrheit von Überzeugungenund Weltauffassungen besteht und bestehen wird.Anerkennung des Vorgegebenseins der grundlegendenMenschenrechte bedeutet die Respektierung dieser Pluralitätund damit echte Toleranz, durch die zwar der ideologischeFührungsanspruch der Partei nicht aufgehoben, aberbegrenzt wird. (Vortrag 1973)Angesichts der 1973 bevorstehenden Aufnahme der DDRin die Vereinten Nationen und damit der Teilnahme derDDR an einer weltweiten Verantwortung für Frieden undDurchsetzung der Menschenrechte hält es Fränkel für einelogische Konsequenz, sich dem Vorgegebensein derMenschenrechte zu stellen und damit eine positiven Entwicklungder Gesellschaft in Gang zu setzen. Es warFeststellung und Hoffnung zugleich, was Fränkel 1975 amEnde seines Vortrages sagt:Die öffentliche Meinung in der Welt reagiert immerempfindlicher auf jede Verletzung der Menschenrechte. DieSchärfung der Gewissen wird es schwerer machen, miteinem scheinbar guten Gewissen solche Rechte zu verletzen.Die Signale Gottes sind auf Frieden, Recht und Freiheitgesetzt. (Vortrag 1975)Bericht von der Tagung des Vereins für schlesische KirchengeschichteMANFRED BÜNGERVon Montag, dem 31. August bis Mittwoch, dem 2. September2009, fand in der Kreuzbergbaude in Jauernick-Buschbach die Jahrestagung des Vereins für schlesischeKirchengeschichte statt. Unter dem Thema „Was bedeutetuns Schlesien heute?“ ging es neben dieser um eine eng mitihr verbundene zweite Frage. Das war die Frage nach denZukunftsaussichten der Arbeit des Vereins, die bisher vorallem von der Generation der Schlesier getragen wurde, dieihre Heimat in Schlesien bis zur Flucht und Vertreibung alsKinder noch bewußt erlebt hatten. Inzwischen ist sie eineGeneration von Großeltern geworden, die immer kleinerwird. Hinzu kommt, daß die EKD den Ausschuß zur Erforschungder ostdeutschen Kirchengeschichte im Rahmender Evangelischen Kommission für Mittel- und Osteuropa(EKMOE) inzwischen aus Finanzgründen aufgegeben hat.So sieht es um die Zukunft der kirchengeschichtlichenArbeit auch über Schlesien nicht besonders gut aus.Natürlich ist dafür auch wichtig, welche Bedeutung dasSchlesierland für die Schlesier von einst noch heute für siehat wie auch für ihre Nachkommen, die die Heimat ihrerEltern und Großeltern neu kennenlernen mußten.Nachdem der Vorsitzende des Vereins für schlesischeKirchengeschichte, Pfarrer Dr. Christian-Erdmann Schott,die Tagung eröffnet und die zahlreich erschienen Mitgliederund Gäste begrüßt hatte, hielt der frühere Leiter deslnstitus für ostdeutsche Kirchengeschichte, Prof. Dr. PeterMaser, den grundlegenden Einführungsvortrag zum Thema:„Hat die ostdeutsche Kirchengeschichte noch eineZukunft?“ Darin benennt er die schwierige Situation derArbeit. Er bezeichnet sie aber als durchaus nicht hoffnungslos.Solange Gott die Geschichte weitergehen läßt,hat auch ihre Erforschung eine Chance. „Es könnte sein,Vergangenes kehrt zurück.“ Er weist darauf hin, daß nachdem Sturz der kommunistischen Regimes 1989 sich vergessene,abgeschriebene Landschaften wieder auftaten undmit ihnen nur noch schemenhaft vorhandene Erinnerungenwieder lebendig wurden. Damit wird auch die Kirchengeschichtsforschungwieder aktuell und lebendig. Es istselbstverständlich, daß die Beschäftigung damit in zunehmendemMaße nicht mehr von Vertretern der Elebnisgeneration,sondern von akademisch damit umgehenden Kirchenhistorikerngeschehen wird. Aber auch sie werdenimmer wieder von ihren Entdeckungen und Erkenntnissenangesprochen werden, so daß Geschichte der Vergangenheitwieder gegenwartswirksam wird.Superintendent Dr. Thomas Koppehl, Niesky, berichteteüber die „Zukunft der Kirchengeschichte in der schlesichenOberlausitz“. Er betonte, daß die Verwurzelung ineiner Landschaft, einer Gemeinschaft und auch einerKirchengemeinde für die Menschen eines der wichtigstenTeile ihres Lebens sei. Das müsse die Kirche bedenken undbeachten gerade in der gegenwärtigen Situation, in derimmer weniger Gemeindeglieder von immer wenigerhauptamtlichen Mitarbeitern, in stetig größer werdendenGebieten betreut werden müssen. Ehrenamtliche Mitarbeitder Gemeindeglieder vor Ort werde immer wichtiger,damit die Verwurzelung nicht verloren gehe. An dieserStelle kann man auch in der Oberlausitz von den Erfahrungender schlesischen Gemeinden in der Nachkriegszeit undbis zu ihrer Vertreibung lernen. Damals hat die Eigenverantwortungder Gemeinden ein hohes Maß geistlichenLebens ermöglicht. Gottes Wort war in dieser Zeit in denschlesichen Gemeinden so lebendig wie noch nie.Die Verwurzelung in der Geschichte des Glaubens mußheute neu zur Sprache gebracht werden, damit die Gemeindendaraus leben können. Kirchengeschichte wird sozur „Gebrauchsgeschichte“.Der zweite Tag der Tagung stand am Vormittag imZeichen des Generalthemas „Was bedeutet mir Schlesien?“Neun Tagungsteilnehmer hatten sich mit dieser Fragebeschäftigt und brachten bewegende Erfahrungen unddavon geprägte Einstellungen zur Sprache. Dabei wurde


MELDUNGEN 156deutlich, daß alle in ihrem Herzen eine lebendigeVerbundenheit mit ihrer Heimat bewahrt haben, wenn sieauch zeitweise hinter den Anforderungen des gegenwärtigenLebens zurücktreten mußte. Einer der Berichterstattererwähnte, daß ihm erst nach der Vertreibung aufgegangensei, daß er ein Schlesier ist, weil es ihm zuvor zu selbstverständlichgewesen sei. Dann aber habe er sich mit ganzemHerzen zu seiner Heimat bekannt. Bewegend waren auchdie Stellungnahmen derer, die zwar aus schlesischenFamilien stammen, aber nicht mehr in Schlesien geborensind. Sie mußten sich erst in ihrer Lebensgeschichte eineBeziehung zur Heimat ihrer Familie erwerben. Dasgeschah sowohl bei Besuchen mit ihrer Familie in der verlorenenHeimat wie durch Beschäftigung mit ihrerGeschichte. Hilfreich war auch die freundliche Aufnahmedurch die jetzt in Schlesien beheimateten Polen. So behältSchlesien auch für die ihrer schlesischen Identität erst späterbewußt gewordenen Jüngeren Schlesien eine existentielleBedeutung.Am Nachmittag stand dann der Besuch des internationalenökumenischen Gottesdienstes in der Friedenskirchein Jauer zur Erinnerung an den Beginn des II. Weltkriegesvor 70 Jahren auf dem Programm. Deutsche und polnischePfarrer und evangelische und katholische Bischöfe gestaltetenihn in der gut besetzten Kirche. Bischof Huber, derVorsitzende der EKD, hielt die Predigt. An den Gesichternder polnischen Teilnehmer war zu erkennen, wie bewegtauch sie durch das Erleben dieses Gottesdienstes waren.Hier war wirklich Gemeinde Jesu Christi erfahrbar.Im Rahmen der Jahrestagung hatte natürlich auch eineMitgliederversammlung ihren Platz. Neben den Berichtendes Vorsitzenden, des Herausgebers des „Jahrbuches fürschlesische Kirchengeschichte“ und des Schriftführers warenvor allem Wahlen wichtig, da die Posten des Vorsitzendenund des stellvertretenden Vorsitzenden neu besetzt undder des vor einem Jahr neugewählten Schriftführers bestätigtwerden mußten. Dabei wurde Superintendent Dr. ThomasKoppehl als neuer Vorsitzender in den Blick genommen.Ihm wurde allerdings ein Jahr zur Einarbeitung inseine neue Aufgabe zugestanden. So wurde Pfarrer Dr.Christian-Erdmann Schott zunächst als Vorsitzender bestätigt.Da der bisherige stellvertretende Vorsitzende Dr. DietrichMeyer nicht mehr kandidierte, wurde er zum Dank fürseinen bisherigen Einsatz zum Ehrenmitglied ernannt. Anseine Stelle trat Frau Prof. Dr. Dorothea Wendebourg. AlsSchriftführer wurde Pfarrer Christoph Hanke bestätigt.Beisitzer im Vorstand wurden Pfarrer Mag. Ulrich Hutter-Wolandt und Pastor Dietmar Neß. Die guten Wünsche unddie Mitarbeitsbereitschaft der Mitgliederversammlungbegleiten den neuen Vorstand.Im Blick auf die Jahrestagung des Vereins für schlesischeKirchengeschichte 2010 wurden verschiedeneThemen angesprochen, die im Rückgriff auf dann anstehendeJubiläen festgelegt werden sollen Der Tagungssortdes nächsten Jahres muß ebenfalls noch gefunden werden,wenn auch Breslau und Berlin bereits in den Blick genommenwurden.Mit allen Vorträgen, Themen und Gesprächen wie auchmit dem Gottesdienst in Jauer war die Jahrestagung ein alleTeilnehmer bewegendes Erlebnis, das sie noch lange beschäftigenwird. Dabei ist auch in großer Dankbarkeit andie warme, geschwisterliche Atmosphäre zu denken, in derdas ganze Zusammensein verlief. Es ist gut, daß es diegroßartige Arbeit des Vereins für schlesische Kirchengeschichtegibt. Sie verdient alle Unterstützung und, so weitmöglich, Teilhabe an ihr.LAG Schlesische OberlausitzANDREAS NEUMANN-NOCHTENDer Vorsitzende der LAG OKR i.R. Norbert Ernst berichtetin seinem letzten Rundbrief von einer Begegnung miteinem hiesigen Mitglied der Gemeinschaft, die ihm einmalmehr zeigte, wie groß das Interesse an der Vortrags- undBildungsarbeit ist.In diesem Sinne ist auf die Zusammenkunft der Landesarbeitsgemeinschaftam 7. November diesen Jahres zu verweisen.Zwei Letthemen sollen den Tagungsablauf bestimmen.Zum einen soll einer Frage nachgeangen werden, dieschon oft gestellt und schon mit vielen Antwortversuchenbedacht wurde: sind wir Schlesier, niederschlesische Oberlausitzeroder etwa gar Sachsen? Mag so mancher auchsagen, daß darüber genug Worte gewechselt worden seien,so verdeutlicht doch die immer wieder aufflammende Diskussion,daß es in dieser Hinsicht nach wie vor Gesprächsbedarfgibt. Schließlich sind nicht nur die Stimmen zuhören, die grundsätzlich eine wie auch immer gearteteVerbundenheit unseres Landstriches mit Schlesien leugnen,vielmehr sind auch solche zu vernehmen, die die Anbindungdes auf deutschem Boden verbliebenen Teils der ProvinzSchlesien an Sachsen als „späte Wiedergutmachungam Königshaus Wettin“ verstanden wissen wollen. Anderewiederum fordern gar die Gründung eines BundeslandesNiederschlesien. Es geht um unser Selbstverständnis, demwir an diesem Tag nachdenken und nachgehen wollen.In einem zweiten Teil, der „Fünf Jahre danach“ überschriebenwerden kann, geht es um eine Bestandsaufnahmehinsichtlich des Kirchenneubildungsprozesses zwischender Kirche Berlin-Brandenburgs und der der schlesischenOberlausitz.Sicherlich wird auch ein Bericht über den Ausflug derLAG am 26. September seinen Platz finden und Zeit sein,weitere aktuelle Themen anzusprechen. Auch dem Gedenkenan Angehörige, die im Krieg und während der Fluchtund Vertreibung ihr Leben verloren haben, soll in dengemeinsamen Stunden eine Zeit eingeräumt sein.


157AUS DER PARTNERKIRCHEGedenken mit Bischof Dr. Wolfgang HuberÖkumenischer Gottesdienst in Jauer erinnerte an den Beginn des II. Weltkrieges vor 70 JahrenANDREAS NEUMANN-NOCHTENBischof Dr. Wolfgang HuberFoto: KrolewiczDer Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche inDeutschland (EKD), Bischof Dr. Wolfgang Huber, hat ineinem ökumenischen Gottesdienst im heute polnischenJauer (Niederschlesien) am 1. September an den Ausbruchdes Zweiten Weltkrieges gedacht.Die Predigt Hubers erinnerte in besonderer Weise anden Beginn des deutschen Überfalls auf Polen und an dessenFolgen für den östlichen Nachbarn. Dabei führte er aus:„Kein Land hatte, bezogen auf seine Bevölkerung, einederart hohe Quote an Getöteten und Leidtragenden zubeklagen.“ In kriegerischer Gewalt zeige sich „das Wesenmenschlicher Sünde, die Menschen von Gott und voneinandertrennt, die menschliches Leben Machtinteressenunterwirft, die Menschenleben in unvorstellbarer Zahl fordertund nicht wieder gut zu machenden Schaden anrichtet,die schließlich auch die Täter zerstört.“Bischof Huber sprach aber auch dankbar vom Neubeginnder deutsch-polnischen Beziehungen in den Jahrzehntennach dem Zweiten Weltkrieg und erinnerte an einigebedeutsame Meilensteine am gemeinsam zurückgelegtenWeg.Er verwies auf die Stuttgarter Schulderklärung vomOktober 1945, die unablässigen und schon seit langer Zeitwährenden Versöhnungsbemühungen der „Aktion SühnezeichenFriedensdienste“ und an die Ostdenkschrift derEKD von 1965. Daß „das Beharren auf Rechtsansprüchennicht das letzte Wort“ behalten hat, sei auch den„Evangelischen in Deutschland, die früher ihre Heimat inheute polnischen Gebieten hatten“ zu verdanken. Sie warenbei den „Bemühungen um Frieden und Neubeginn“ oft inerster Reihe beteiligt.Die Länder Europas haben in den 20 Jahren, die seit derpolitischen Wende vergangen sind, viele Erfahrungenmachen müssen, die nicht nur friedlicher Natur waren. Daskann nur einen Schluß zulassen, daß „in den Konfliktenunserer Zeit den zivilen und friedlichen Lösungswegen einklarer Vorrang zuzuerkennen sei. Es kann in unserer Zeitnicht darum gehen, einen Krieg zu rechtfertigen; im äußerstenFall können höchstens anhand strenger ethischer undvölkerrechtlicher Kriterien Maß und Grenzen ,rechtserhaltenderGewalt' bestimmt werden. Dabei schafft dieVerantwortung für einen ,gerechten Frieden' Vorrang fürzivile Konfliktbearbeitung.“Bischof Huber appellierte an die christlichen Kirchen,gemeinsam „das Zeugnis von Gottes Frieden undVersöhnung auch im öffentlichen Leben und angesichts derweltweiten Herausforderungen zu stärken und weiter zuentwickeln“.Zum Gottesdienst in der Friedenskirche hatte derBischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen,Ryszard Bogusz (Breslau) eingeladen. Seinem Ruf warenneben zahlreichen Gästen auch der katholische Bischof vonLiegnitz, Stefan Cichy, und der Bürgermeister von Jauer,Artur Urbanski gefolgt.Gebet in der FriedenskircheFoto: Krolewicz


VERANSTALTUNGEN158Beitrittserklärung:Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zur Gemeinschaft evangelischerSchlesier e. V. bei einem Mitgliedsbeitrag von 20 Euro für das laufendeKalenderjahr; im Rahmen meiner Vereinsmitgliedschaft erhalteich die Zeitschrift „Schlesischer Gottesfreund“ kostenfrei.Ich möchte kein Mitglied werden, bestelle aber die Monatszeitschrift„Schlesischer Gottesfreund“ zum Preis von 30 Euro pro Abonnementsjahr.Bitte senden Sie mir eine Probenummer der Zeitschrift „SchlesischerGottesfreund“ zu.Datum:Titel:Nachname:Vorname:Straße:PLZ, Ort:Geburtsdatum:Geburtsort:Beruf:Unterschrift:Bitte einsenden an: Gemeinschaft evangelischer Schlesier e.V.Postfach 1410, D – 32440 Porta Westfalicaoder Stiftung Evangelisches SchlesienSchlaurother Straße 11, D – 02827 GörlitzBankverbindung: Stadtsparkasse Porta WestfalicaBLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997EVANGELISCHE GOTTESDIENSTEIN DEUTSCHER SPRACHE IN SCHLESIENPfarramt:ul. Partyzantòw 60, PL 51-675 Wroclaw,Pfarrer Andrzey Fober, Tel.: 0048-71-34 84 598Breslau: Christophorikirchejeden Sonntag, 10 Uhr, pl. Sw. Krzyzstofa 1Lauban: Frauenkirchejeder 2. Sonnabend, jeder 4. Sonntag im Monat,10 Uhraleja Kombatantòw 2aLiegnitz: Liebfrauenkirchejeder 1. und 3. Sonntag im Monat, 13 Uhr,pl. Mariacki 1Schweidnitz: Friedenskirchejeder 2. Sonntag im Monat, 13 Uhrjeder 4. Sonnabend im Monat, 10 Uhr, pl. Pokoju 6Waldenburg:jeder 2. Sonntag im Monat, 9 Uhrin der Erlöserkirche, pl. Koscielny 4Bad Warmbrunn: Erlöserkirchepl. Piastowski 18jeder 2. Sonnabend im Monat 14 Uhrjeder 4. Sonntag im Monat 14 UhrJauer: Friedenskircheauf Anfrage:Park Pokoju 2, 59-400 JaworTel. (+48 76) 870 51 45Fax (+48 76) 870 32 73e-mail: jawor@luteranie.plWichtiger Veranstaltungshinweisin Zobten/Sobota (Kreis Löwenberg) wird am 25.Oktober 2009,um 14 Uhr die „Gedenkstätte für Kirche und Friedhof der evangelischenChristen aus Zobten, Siebeneichen, Langenneundorf,Hohndorf, Petersdorf, Radmannsdorf, Höfel, Märzdorf und Dippelsdorf“eingeweiht.Die Initiative hierfür ging von Herrn Jansen und HerrnWätjen aus und wird von der Gemeinde (=Kommune) Zobten/Sobota unterstützt.Das Denkmal besteht aus einem Gedenkstein mit obigerAufschrift in Deutsch und Polnisch, einem Kreuz und dennoch vorhandenen Grabplatten ehemaliger Einwohner aus Zobtenund den zum Kirchspiel gehörenden Dörfern.Die Kirche Zobten war 1945 bei schweren Kämpfen zerstört,ihre Reste in den 60er Jahren abgetragen worden. Bei denAufräumarbeiten auf dem Kirchen- und Friedhofsgrundstück warder Sockel des ehemaligen Kirchturms wiederentdeckt worden. Erist in die Gedenkstätte einbezogen. Das Kirchengrundstück gehörtder Stadt Löwenberg, die es für die Gedenkstätte vorgerichtethat.VERANSTALTUNGSKALENDERDER GEMEINSCHAFT EVANGELISCHER SCHLESIERLandesarbeitsgemeinschaft Oldenburg/BremenHerzliche Einladung zum nächsten Zusammensein unserer Gemeinschaftevangelischer Schlesier in der Christuskirche in Oldenburg,Harlinger Straße 16.1. November 2009 - 15 Uhr15 UhrAbendmahlsgottesdienst - Liturgie:Pfr. i. R. Dieter Waschek, WilhelmshavenPredigt: Pfr. i. R. Wilfried Waschek, Oldenburg16 UhrKaffeetafel mit schlesischem Kuchen16.30 UhrVortrag mit Lichtbildern:„Kirchen, Klöster, Gutshäuser und Parks im Hirschbergtal“Uwe Müller aus Westerstede17.45 UhrInformationen und AbendsegenWir wollen den Gottesdienst wieder nach der heimatlichen Liturgiehalten. Gäste sind herzlich willkommen.


159AUS DER LESERGEMEINDEGEBURTSTAGE AUS DER LESERGEMEINDE96. Am 27.10. Frau Ingeborg Heese, 26131 Oldenburg,Mutzenbecherstr. 2, früher Görlitz.93. Am 08.10. Herr Hans-Jürgen Fehst, 38126Braunschweig, Ginsterweg 24, früher Reichenbach.92. Am 14.10. Frau Helene Klaebig, 26736 Krummhörn,Berliner Str. 23, früher Konradswaldau.91. Am 04.10. Frau Gisela Wolff, 71394 Kernen,Seedammstr. 20, früher Breslau.90. Am 25.10. Herr Helmut Schwarz, 55130 Mainz,Schubert-Str. 3, früher Karolinenthal/Posen. Am 29.10.Frau Walburg König, 12205 Berlin, Brüderstr. 2-3, früherCanth/Neumarkt.89. Am 01.10. Herr Rektor i.R. Werner Bartel, 30459Hannover, Kreipeweg 11, früher Bögendorf/Schweidnitz.Am 29.10. Frau Dr. Gisela v. Preradovic, 79100Freiburg, Peter-Thumb-Str. 14, früher Breslau.88. Am 30.10. Frau Gisela Nohr, 70597 Stuttgart,Sprollstr. 85, früher Hirschberg.86. Am 12.10. Diakonisse Edith Treutler, 34119Kassel, Herkulesstraße 38, früher Brauchitschdorf. Am21.10. Herr Werner Gierß, 70193 Stuttgart, Botnanger Str.65, früher Oels. Am 27.10. Frau Waltraut Weinhold,68163 Mannheim, Heiligenbergstr. 13, früher Schweidnitz.85. Am 02.10. Frau Simplicie du Plessis, 81377 München,Sauerbruchstr. 8 III, früher Breslau.84. Am 02.10. Herr Dr. Hans-Joachim Trenner, 63619Bad Orb, Molkenbergstr. 5, früher Wohlau. Am 05.10.Frau Irene Kellner, 71636 Ludwigsburg, Stephanstr. 21,früher Steinseiffen. Am 22.10. Frau Edith Ehrlich,31558 Hagenburg, Scharnhorststr. 3 A, früher Neu-Reichenau. Am 22.10. Frau Helga Schmidt, 38104Braunschweig, Karl-Hintze-Weg 72 II, früher Breslau.83. Am 18.10. Herr Pfarrer i. R. Siegfried Fischer,02826 Görlitz, Erich-Mühsam-Straße 1.82. Am 08.10. Herr Pfarrer Wilhelm Berger, 90419Nürnberg, Sandbergstr. 4, früher Breslau. Am 14.10.Herr Rudolf Zugehör, 91080 Uttenreuth, Boggasse 21, früherRansen Krs.Steinau. Am 23.10. Frau Christa Mühle,55124 Mainz, Elsa-Brändström-Str. 7, früher Penzig/Krs.Görlitz, Niederschlesien. Am 25.10. Herr Diakon HeinzStumpe, 06502 Thale - OT Neinstedt, Geschwister-Scholl-Str. 19, früher Breslau.81. Am 05.10. Frau Ingeburg Zobel, 75015 Bretten,Im Brettspiel 6, früher Breslau. Am 08.10. Frau IreneZilz, 64291 Darmstadt, Alter Wixhäuser Weg 49.80. Am 01.10. Herr Helmut Türpitz, 33689 Bielefeld,Rudolf-Hardt-Weg 16, früher Gotschdorf. Am 09.10.Herr Hans Siehndel, 34130 Kassel, Eckenstückerweg 31,früher Schreiberhau, Krs. Hirschberg. Am 15.10. HerrMax Hamsch, 56348 Bornich, Jahnstr. 14. Am 25.10.Frau Helga Walter, 90763 Fürth, Salzstr. 17, früher Raussebei Maltsch, Krs. Neumarkt. Am 26.10. Herr WernerStriese, 72574 Bad Urach, Moltkestr. 2, früher Steinsdorfbei Haynau. Am 27.10. Herr Professor Dr. Eberhard G.Schulz, 35039 Marburg, Friedrich-Ebert-Str. 79, früherNeusalz/Oder. Am 29.10. Frau Charlotte Kessler, 72184Eutingen-Weitingen, Dekan-Wagner-Str. 6, früher CarlsruheO/S.79. Am 14.10. Herr Horst Stauber, 60435 Frankfurt,Siegmund-Freud-Str. 74, früher Breslau.78. Am 01.10. Herr Diakon Karl-Heinz Wehner,26125 Oldenburg, Fliedner Str. 34, früher Landeshut. Am 02.10. Henning Frhr. v. Gregory, 45966 Gladbeck,Tauschlagstr. 92.77. Am 08.10. Frau Ursula Mitscherling, 24576 BadBramstedt, Am Wittrehm 6. Am 25.10. Frau RenataKiock, geb. Modrow, 09465 Sehma, Fabrikstr. 42, früherLiebau, Krs. Landeshut. Am 31.10. Herr Pfarrer i.R.Joachim Basan, 42651 Solingen, Niedersachsenstr. 18.76. Am 14.10. Herr Pfarrer i. R. Wilfried Baier, 02829Schöpstal/Kumersdorf, Kirchplatz 5. Am 18.10. FrauMarie-Luise Rieger, 02796 Jonsdorf, Im Wiesental 8, früherAnhalt/Oder. Am 20.10. Herr Carl Findeis, 99192Neudietendorf/Thür., Straße des Friedens 14, früher Überschar-Konradsdorf,Haus6, Krs.Goldberg.75. Am 10.10. Frau Ursula Schopp, 50858 Köln,Kornblumenweg 37, früher Jauer. Am 24.10. Frau RenateMorlock-Gulitz, 75173 Pforzheim, Nebeniusstr. 9, früherLauban. Am 24.10. Herr Werner Opitz, 76316Malsch, Konrad-Adenauer-Ring 18.70. Am 08.10. Herr Ludwig Schmidt, 01239 Dresden,Jacob-Winter-Platz 3, früher Zwickau/Sachsen Am14.10. Frau Ursula Lüdersen, 31832 Springe, Süntelstr. 6,früher Hastenberg-Petersdf. Am 21.10. Frau BarbaraMletzko, 73547 Lorch/Württ., In den Weingärten 29, früherDresden.ImpressumHerausgeber:Gemeinschaft evangelischer Schlesier (Hilfskomitee) e.V.D 32440 Porta Westfalica, PF 1410, Tel.: 0571-971 99 74,Bankverbindung: Stadtsparkasse Porta WestfalicaBLZ: 490 519 90 Kto.-Nr.: 26 997E-mail: info@gesev.deVerantwortlich für den Inhalt:Mag. phil. et theol. Dietmar NeßWittichenauer Straße 11a, D - 02999 Groß Särchen,Tel./Fax: 03 57 26 - 5 56 75E-mail: mag.ness@online.de.Andreas Neumann-NochtenGrüner Graben 3, D - 02826 GörlitzTel.: 03581 - 878988E-mail: neumann-nochten@freenet.deGrafik/Satz/Layout: Andreas Neumann-NochtenHerausgegeben in Zusammenarbeit mit derStiftung Evangelisches Schlesienund derEvangelischen Diözese Breslau/Wroclaw.Druck: MAXROI Graphics GmbH, Görlitz


FUNDSTÜCK 160Links:Grafik auf Seite 3 des vonMag. Neß an die EvangelischeSchlesische Bibliothek(in dessen 27. Auflage) übergebenenBandes.Unten:Text des Titelblattes (S. 4)auszugsweiseDieunter so vielen kräftigenBuß-Stimmen in SchwachheitmitrufendeEvangelischePrediger-und Hirten-Stimme:Das ist:erbauliche und gottseligeBetrachtungenüber dieEvangeliaauf alle Sonn-, Fest- und Feier-Tage des ganzen Jahres;zu Mttheilung heilsamer Lehre,kräftiger Ermahnung underquickenden Trostes in öffentlicherGemeinde vorgetragen;nachgehends aber auf Begehrenund Suchen gottseliger Herzen...im Vertrauen auf göttliche Gütedem Druck überlassenvonGottfried Kleinervorhero Pfarrer zu Seiffersdorfim Liegnitzschen Fürstenthume,hernach aber EvangelischerPastor zu Freyburg unterFürstensteinText und Grafik sind der inhaltsgleichen29. Auflage,(Hirschberg, 1852) entnommen.Archiv ANN

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