Katalog Höhensicherung 2008 - SpanSet GmbH & Co. KG

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EINFüHrUNG

Höhenrettung und

Hängetrauma

Eine unterschätzte

Gefahr

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Sie haben an alles gedacht. Jeder Arbeiter

ist fachmännisch für die Arbeit in der

Höhe gesichert. Dann passiert es: eine

rutschige Leitersprosse, Müdigkeit, ein

falscher Schritt – und jemand fällt in seinen

Auffanggurt.

Wenn eine Person abstürzt und in ihrem Auffanggurt

hängt, ist die Gefahr noch nicht gebannt.

Warum das so ist, war lange Zeit unbekannt.

Ungeklärte Todesfälle bei Kletterern

und Höhlenforschern gaben zunächst Rätsel

auf. Eigentlich waren die Stürze glimpflich verlaufen,

die Personen hingen unverletzt in ihren

Gurten und waren bei vollem Bewusstsein.

Doch bis zu ihrer Rettung verging einige Zeit –

viele konnten nur noch tot geborgen werden

oder sie starben unmittelbar nach der Bergung.

Was war passiert?

Wenige Minuten sind schon zu viel

Als Ursache wurde ein Kreislaufschock ermittelt.

Zunächst vermutete man, es handele sich

um die Folgen von Unterkühlung, kombiniert

mit Erschöpfung und Unterzuckerung. Deshalb

stellte man unter medizinischer Überwachung

so genannte Hängeversuche an. Gesunde und

körperlich fitte Testpersonen wurden in einer

persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz

an einem Seil hochgezogen. Dabei wurden die

Vitalfunktionen der Versuchspersonen kontinuierlich

überwacht. Das erstaunliche Ergebnis:

Nach wenigen Minuten traten bereits

Herzrhythmusstörungen auf, kurze Zeit später

verloren die Testpersonen das Bewusstsein.

Spätestens an dieser Stelle wurden die Versuche

abgebrochen, um die Personen nicht zu

gefährden.

Gefährlicher Blutstau

Die Ursache für dieses „Hängetrauma“ (auch

„Suspensions-Trauma“ oder „Harness-Hang-

Syndrome“ genannt) ist ein Blutstau. Der

Grund dafür: Nach dem Absturz hängt die Person

frei schwebend an ihrem Verbindungsmittel.

Die Bewegungsmöglichkeiten sind dadurch

sehr eingeschränkt, schlimmstenfalls ist der

Abgestürzte bewusstlos. So staut sich das

Blut immer stärker in den Beinen, das Gehirn

wird immer weniger mit dem notwendigen

Sauerstoff versorgt. Der Herzschlag beschleunigt

sich, Schwindel und Ohrensausen sind

die Folge, dann Übelkeit, Muskelkrämpfe und

Atemnot. Dies steigert sich immer weiter, bis

zur Bewusstlosigkeit.

Zwingend erforderlich: ein Notfallplan

Schnelle Hilfe ist also lebenswichtig – und sie

ist auch vorgeschrieben. Nach BGV A 1 § 24 ist

jeder Unternehmer dazu verpflichtet, auch für

den Fall eines Absturzes vorzusorgen: „Der

Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass zur

Ersten Hilfe und zur Rettung aus Gefahr die

erforderlichen Einrichtungen und Sachmittel

sowie das erforderliche Personal zur Verfügung

stehen.“ Daraus ergeben sich also zwei

Pflichten: Erstens muss es eine geeignete Rettungseinrichtung

geben, zweitens geschultes

Rettungspersonal. In jedem Fall muss eine

flexible Reaktion auf die unterschiedlichsten

Situationen möglich sein.

In einem Hochregallager kann das Rettungsgerät

beispielsweise eine mobile Hubbühne sein.

Damit kann man einen Abgestürzten binnen

weniger Minuten erreichen und wieder auf

den Boden bringen. Doch in den meisten Fällen

muss das Rettungsgerät wesentlich flexibler

sein – denn wie holt man einen bewusstlosen

Kranführer aus seinem Sitz? Oder einen verletzten

Monteur von einer Windkraftanlage

herunter? In solchen Fällen ist eine Bergung

schwierig, noch dazu, wenn der Betroffene

selbst nicht aktiv mitwirken kann. Hierfür

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