Nachhaltiges Bauen

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Nachhaltiges Bauen

ARCHITEKTUR UND PSYCHE: GESTALTUNGSANFORDERUNGEN FüR

BESSERE BüROS

Genormte Wunderwesen

Wir leben in einer Zeit der markanten

architektonischen Kunstwerke. Die Fülle

von Materialien, die Weite der Formen

und die moderne Technik schaffen dafür

beste Bedingungen. Trotz der engen

baurechtlichen Bestimmungen bleibt viel

Platz für phantasiereiche Gestaltung.

Dieses ungetrübte Bild wird von manchen

kritischen Stimmen kontrastiert.

Sie fordern von den Architekten, neben

der Funktionalität, Zeitgeist-Ästhetik

und Kostenminimierung noch eine weitere

Komponente zu berücksichtigen.

Verlangt wird nach Bauten, die auch

Wohlfühlqualität bieten und psychisch

aufbauen. Anders ausgedrückt: Es

kommt nicht nur auf Zahlen und Fakten

an, sondern auch auf die so genannten

Soft Factors.

Trotzdem geht es dabei um Effizienz. Nicht

umsonst lautet ein Ergebnis der Office 21-

Studie „Soft Success Factors“ des Stuttgarter

Fraunhofer-Institutes Arbeitswirtschaft

und Organisation (IAO): „Je mehr Wohlfühl-

Qualität im Büro entsteht, desto mehr trägt

dies auch insgesamt zu einer positiven Unterstützung

der Office Performance bei“.

Denn wer sich wohl fühlt, verfügt über

mehr geistige Kapazität und arbeitet daher

besser. Die Gründe dafür werden deutlich,

wenn wir einige psychische Merkmale des

Menschen auf den Punkt bringen. Die Aussage

der Tiefenpsychologie, nach dem der

unbewusste ältere Teil der menschlichen

Psyche dem jüngeren Bewusstsein an Willenslenkung

haushoch überlegen sei, wird

durch Erkenntnisse der modernen Hirnforschung

bestätigt.

Der erste Eindruck

MANAGEMENT

Wie sehr wird der Mensch vom umgebenden Raum und der Gestaltung beeinflusst?

Überwiegend unbewusst wirken diese Faktoren und deren Wechselwirkungen auf

seine Arbeitsqualität ein.

TEXT: MARGIT LIPCZINSKY, HELMUT BOERNER

Konferenzraum aus Glas: Unbewusste Unsicherheit verringert die geistige Kapazität

Bezogen auf Architektur bedeutet das:

Menschen „sehen“ und erleben eine bestimmte

Umgebung, ein Bauwerk oder einen

Raum auf zweierlei Art. Mit dem so

genannten „ersten Eindruck“ nimmt das

Unbewusste blitzschnell wahr, ob Umgebung

oder Raum sozusagen als „Freund“

oder „Feind“ auftreten. Bei dieser Bewertung

spielen visuelle Reize und Atmosphäre

eine herausragende Rolle. Erst im

zweiten Moment reflektiert das Tagesbewusstsein

„materielle“ Aspekte wie Gebäudezweck,

Kosten oder Funktionalität.

Es mag uns nicht gefallen, aber unsere

Psyche ist „altmodisch“: Tief in uns stecken

noch viele Prägungen des frühzeitlichen

Buschmannes, für dessen Überleben

5/07 industrieBAU 49

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