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FERNSEHENHENNING BAUM wurdebekannt als der letzte Bullebei Sat.1. Auf RTL gibt er2014 den Raubritter – und Götzvon Berlichingen scheint dieRolle seines Lebens zu sein.Auch die Frauen, die ihnumschwirren, sind begeistert.BUNTE besuchte dieDreharbeiten auf einer Burgin Tschechien96 BUNTE 43 | 2013Derletzte BULLE d e


GRUPPENBILD MIT GÖTZHenning Baum in der Titelrolle,Dennenesch Zoudéist die Heilerin (neben ihrFilmhund Bonnie), NataliaWörner als intrigante Adelheidund Maria Ehrich alskleine Schwester von GötzFOTOS: WOLFGANG WILDE FÜR BUNTEHAARE/MAKE-UP: SYLVIA REUSCH,DAINA RIECKHOFF UND JESSICA HAUPTes Mittelalters ...Hinten liegen ein paar armeRitter im Burggraben. Obsie nur schlafen oder geradein der Schlacht gefallensind, ist nicht so ganzklar. Plötzlich grölt es vonder Zugbücke runter: „Der Götz! Da kommtder Götz!“Wir befinden uns im Mittelalter, beiden Dreharbeiten zur UFA-Fiction-Produktion„Götz von Berlichingen“ auf BurgTočník eine Stunde außerhalb von Prag. Esriecht nach Schnaps und Männerschweißund mittendrin steht ein Hauptdarsteller,der hier die Rolle seines Lebens gefundenhaben könnte: Henning Baum, 41, ein Bildvon einem Mann, mit langen Haaren, Zottelbartund Stahlmuskeln. Das macht ihntatsächlich zu so etwas wie dem Alter Egodes berühmtesten deutschen Ritters. UndRegisseur Carlo Rola, 55, sitzt mit dickerZigarre hinter zwei Bildschirmen undinszeniert akribisch die TV-Ritterspiele,die 2014 auf RTL laufen werden.Es ist ein Besuch in einer Männerwelt,in der drei wunderschöne Frauen fürdie nötige Erotik sorgen – nicht nur beimBUNTE-Shooting. Als sich die bildschöneMaria Ehrich, 20, in einem Heuwagenräkelt, der im Burghof steht, fallen dieKomparsen vor lauter Glotzen fast vonden Leitern. „Für die Männer ist das hierein großer Abenteuerspielplatz, auf dem siesich austoben können“, kommentiert siedas lachend. „Aber als Frau muss ich sagen:Ich bin froh, dass ich heute leben darf undnicht damals in einer zugigen Burg miteiner Meute grölender Kerle.“Richtig Spaß an der Geschichte hattedagegen Schauspielerin Natalia Wörner,46: „Für mich war das die Rock-’n’-Roll-Versionvon Mittelalter. Das fing bei RegisseurCarlo Rola an, ging über mein Lederkostümim Domina-Stil und endete bei der wildenMänner-Gang, mit der wir Mädels uns rumschlagendurften. Wir Frauen standen dameist etwas verwundert mitten im Testosteron-Getümmel– herrlich!“ Historischkorrekt wird der Film wohl nicht, aber dasstört sie nicht: „Ich finde das total legitim,denn wir haben keine Doku gedreht, sonderneinen Unterhaltungsfilm.“Kollegin Dennenesch Zoudé, 46, tauchtesogar völlig unter in dieser Welt, redetenur noch wenig – und fand es toll: „Ichwar so dreckig, als hätte ich drei Monatenicht gebadet, trug ein paar Lederfetzen


FERNSEHENWIRFRAUENSTANDEN DAMEIST MITTEN IMTESTOSTERON-GETÜMMEL:HERRLICH!SEIT IHRER KINDHEITSATTELFEST NataliaWörner sitzt sogarin der Traumrobe vonNatascha Muellerschoensicher im Sattel –und dazu elegantSchön, wild und sexy – so sind die GIRLS der RITTER


ICH BIN FROH,DASS ICH HEUTELEBEN DARF UNDNICHT DAMALSIN EINER ZUGI-GEN BURGMUTPROBE MariaEhrich balanciert aufden Zinnen der Burgin einem Abendkleidvon SchumacherFÜR DIE ROL-LE DES GÖTZBRAUCHT MANDIE NÖTIGEKRAFT. DASGEHT NICHT NURMIT DEM KOPFHOTEL? Um echtzu wirken, wohnteHenning Baum imBurggraben und durfte wild, leidenschaftlich und unangepasst sein – samtLiebesszene mit Götz unter einem eiskalten Wasserfall. Für michabsolutes Neuland und eine echte Traumrolle.“Genauso wie für Hauptdarsteller Henning Baum, der als Einzigerauch nachts an der Burg campierte, so wie er war, währenddie gesamte Crew ins Hotel fuhr, um zu baden und fernzusehen ...Herr Baum, Sie verbrachten viele Wochen lang einsameNächte in Ihrem VW-Bus. Warum wollten Sie das?Mir half dieses einfache Leben, in der Rolle zu bleiben. Wennich jeden Abend in unsere Zeit mit all ihren Annehmlichkeitenwie Warmwasser und Zimmerservice zurückgekehrt wäre, hättemich das immer wieder rausgerissen. Das klingt vielleicht kindisch,aber mein Gefühl war: Ich spiele jetzt den Götzund den spiele ich auch nach Feierabend.Das Team schwärmt von Ihrer Kraft, Ihrem Einsatzbei Schwertkämpfen und Gewaltritten. Abendskonnte man Sie beim Hanteltraining beobachten.Haben Ihre imposanten Oberarme noch zugelegt?Das ist alles mein normales Training, das mache ichimmer. Aber es ist klar, dass man die Physis dieserFigur mitbringen muss, so was kann man nicht spielen.Das muss da sein. Dieser Mensch war gewalttätig, wir dürfenihn nicht als Pazifisten verklären, das war ein Raubritter, dersich bis ins hohe Alter mit Hinz und Kunz anlegte, eine Fehdenach der anderen focht. Das muss der Körper transportieren, daskann man nicht einfach nur mit dem Verstand darstellen. Siehaben heute mein Pferd gesehen – ein schwarzer Hengst, demich meinen Willen aufzwingen muss, damit er zehnmal mit„LIEBE, HASS,GENUSS,TOD – ALLESGESCHAHIM MITTEL-ALTER VIELSCHNELLER“mir für die Kamera über die Holzbrücke zur Burg reitet. Redennützt da nichts, dafür muss man die Kraft haben, sonst machtdas Pferd mit einem, was es will.Eine Burg, Ritter, lautes Gebrüll und schöne Frauen – in diesemFilm ist alles vereint. Was fasziniert uns so am Mittelalter?Es war eine Epoche, die wir heute romantisch verklären – unsgefällt wahrscheinlich unsere Projektion auf diese vergangeneWelt. Wir sehen das Abenteuer, das Archaische, das ursprünglicheLeben, das so ganz anders war als unser Leben heute. OhneTechnik, ohne Elektronik, viel ursprünglicher. Die Menschenlebten und liebten viel unmittelbarer, als es unsere Konventionenheute erlauben würden. Man wurde nicht sehr alt, hatte alsoweniger Zeit, es geschah alles schneller: Liebe, Hass, Genuss,Tod. Diese großen Themen faszinieren uns, wenn wiruns mit dem Mittelalter beschäftigen.Waren die Menschen denn wirklich so viel anders?Na, denen wäre es doch nicht eingefallen, Versicherungengegen Glasschäden oder Unfälle abzuschließen!Die haben gegessen, wenn ein Tier geschlachtet wurde,haben geliebt, wenn sich die Gelegenheit ergab.Götz von Berlichingen ist in unserem Bewusstseinnahezu auf einen Satz reduziert. Wird ihm das gerecht?Ich wusste zuerst auch nicht mehr als den „Leck mich im Arsch“-Spruch. Doch da ist viel mehr. Was mich begeistert, ist der unbedingteFreiheitswille dieses starken Mannes. Wenn wir historischganz genau sind, lebte Götz von Berlichingen zu Beginnder Neuzeit, es ist die Zeit Luthers um 1518. Berlichingen repräsentiertschon den Typus des modernen Menschen, der seineeigenen Wertvorstellungen und seinen eigenen Willen durch- BUNTE 43 | 201 3 99


FERNSEHENICH WAR SODRECKIG,ALS HÄTTE ICHDREI MONATENICHT MEHRGEBADET ...EROTIK IM „GÖTZ“Dennenesch Zoudé voreinem Sumpfloch ineiner verführerischenRobe von Guido MariaKretschmerDieser RITTER, sagt HenningBaum, ist doch brandaktuell! setzen will. Das muss man dem historischen Götz genausozusprechen wie der Figur, die Goethe für uns gezeichnet hat. Erwar ein unbeugsamer, streitbarer Mann, der sich seiner Welt, seinenFürsten und Mächtigen entgegengestemmt hat, wenn er derÜberzeugung war, dass es sein musste. So ein Kerl gefällt mir.Das klingt tatsächlich ziemlich modern ...Ja, heute wollen die meisten Menschen so leben, aber wie vieleschaffen es? Götz von Berlichingen hatte die physische Kraftund den Willen, das durchzusetzen. Er hat nie aufgegeben, obwohler verstümmelt wurde, mehr tot als lebendig war. Er warnicht nur ein Raubritter, sondern auch ein Freiheitskämpfer.Wir erzählen, wie er auf seinem Land verarmte Bauern siedelnlässt, die kein Zuhause mehr haben. Das ist doch ein brandaktuellesThema. Viele Menschen,die im Billiglohnsektor arbeiten,können von ihrer Hände Arbeitnicht mehr leben. Wir diskutierenüber einen Mindestlohn von8,50 Euro, der mir absurd wenigerscheint, und trotzdem wird darübernoch gestritten. Da seheAM DREHORT Henning Baumich eine Verbindung zwischen und Carlo Rola mit BUNTE-Gestern und Heute.Autorin Christiane SoykeMYTHOS UND WAHRHEITHistoriker Guido Knopp über den Ritter GötzDer Nachruhm dieses Mannes stimmt: Es gibt Kneipen,die nach ihm benannt sind, Schiffe, Unternehmerzirkel,eine Oper, ein Drama und leider auch eineSS-Division, die an Massakern beteiligt war. Götzvon Berlichingen ist ein deutscher Mythos. Dafür hat er selbstgesorgt. Als alter Mann schrieb er Memoiren, 200 Jahre späterlas der junge Goethe sie begeistert und setzte ihm mit seinemDrama „Götz von Berlichingen“ ein grandioses Denkmal.Wer aber war der wahre Götz? Ein bärtiger Geselle, grimmigschauend. Zeitgenosse von Gutenberg, Luther und Kolumbus.In Italien feierten die Menschen ein neues Lebensgefühl inKunst und Politik: die Renaissance. Götz aber war nicht sehrgebildet, konnte gerade mal lesen und schreiben, und daswar’s auch schon. Er war ein Reichsritter, nur Kaiser und Reichverpflichtet. Viele Ritter waren eifersüchtig auf den neuenReichtum der Städte und der Kaufleute und versuchten, ihreInteressen mit Waffengewalt durchzusetzen, um Lösegeldund Beute zu erlangen. Kriege wurden entschieden durchden Einsatz großer Söldnerheere, rekrutiert aus Landsknechten.Erfindungen wie Schusswaffen und Sturmgeschütze trugendazu bei, dass die ehemals so stolze ritterliche Adelsschichtihren Rang einbüßte, sich oft als Raubritter überWasser hielt oder gar als „Soldritter“ gegen Lohn verdingte.Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationherrschte alles andere als Frieden. Es war einFlickenteppich aus Fürstentümern, Erzbistümernund Freien Reichsstädten, über denen der Kaiserschwebte. Jeder kämpfte gegen jeden – und Götzvon Berlichingen mischte fleißig mit. Geboren 1480,wandte er sich mit 17 Jahren dem Waffenhandwerkzu und beteiligte sich fortan lebenslang anGötz von Berlichingen(1480–1562)Dutzenden von Kriegen und Scharmützeln. EinDraufgänger, unerschrocken, rauflustig und keinerFehde abgeneigt. Ein Söldner, Haudegen und manchmalKnastbruder, der gelegentlich im Kerker saß. Ein wildes Lebenvoller Kämpfe gegen Fürsten, Kaufleute und Geistliche.In einem dieser Kämpfe, 1504 bei der Belagerung von Landshut,verlor er durch einen Schuss der eigenen Truppen seinerechte Hand – „friendly fire“ sagt man heute. Er ließ sich eineEisenhand anpassen, die mit einem Mechanismus ausgestattetwar. Das machte ihn fortan sprichwörtlich: als „Rittermit der eisernen Hand“. Auch im Bauernkrieg mischteGötz nach Kräften mit. Ein Haufen aufständischer Bauernzwang den Waffen-Profi Götz, ihr Anführer zu werden – waser dann auch tat. Doch als die Bauern verloren, landete Götzwieder mal im Gefängnis – und musste danach schwören,dass er seine Burg nie mehr verlassen würde. Doch der Kaiserbrauchte den erfahrenen Kriegsmann Jahre später im Kampfgegen die Türken und gegen die Franzosen. So wurde er amEnde doch noch seinem Ruf gerecht, als edler Ritter sein Lebenfür Kaiser und Reich einzusetzen. Als er 82-jährig starb,hatte ihn die Zeit längst überholt – Götz, den letzten Ritter ...FOTOS: WOLFGANG WILDE FÜR BUNTE (2), ACTION PRESS100 BUNTE 43 | 2013

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