Fellfarben

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Fellfarben

52 © Schweizer Hunde Magazin 1/10

Fellfarben

Tüpfelung gibt es nicht nur beim Hund, auch andere Haustierarten

zeigen diese aparte Fellzeichnung: Bekannt sind etwa Apaloosa-

Pferde, aber auch Knabstruper und Noriker sowie das Vogesenrind

und das Zwergzebu.

Von Dr. med. vet.

Anna Laukner

Tupfen, Sprenkel & Co

Getupfte und geschimmelte Haarkleider

sind beim Hund weit verbreitet

und treten in allen möglichen Variationen

auf. Eines haben diese Zeichnungsmuster

gemeinsam: Sie sind nur

auf weissem Untergrund sichtbar. Das

heisst, ein Hund mit sichtbarer Tüpfelung

muss auch eine Weissscheckung

haben (mehr zur Weissscheckung im

SHM 9/09). In den unpigmentierten

(weissen) Bereichen zeigen sich dann

die farbigen Tupfen oder Sprenkel.

Natürlich kann auch ein voll pigmentierter

Hund den genetischen Faktor

für Tüpfelung oder Schimmelung (der

sich dominant vererbt) haben (und

weitervererben); nur wird man es einem

solchen Hund nicht ansehen, da

er sozusagen farbige Tupfen auf farbigem

Untergrund hat.

Zur Autorin

Dr. Anna Laukner studierte bis 1989 in München

Tiermedizin und promovierte über die Fellfarben

beim Hund – ein Thema, das sie bis heute

fasziniert und mit dem sie sich viel und gerne

auseinandersetzt.

Als praktizierende Tierärztin arbeitete sie schon

in Bayern, Stuttgart und auf Ibiza. Bereits während

des Studiums schrieb sie Beiträge für diverse Hundezeitschriften.

Mittlerweile hat sie viele Artikel und einige Fachbücher rund um Hunde

und Katzen verfasst. Sie arbeitet Teilzeit als Tierärztin und kastriert für

den Tierschutz streunende Katzen. Privat pendelt sie mit ihrer Familie

zwischen Deutschland und Ibiza. Für ihre andere Leidenschaft, das

Zeichnen, bleibt momentan leider kaum Zeit.

Das Tüpfelungsgen (T-Serie) Teil 11

Seine Fellzeichnung verlieh dem Luzerner

Laufhund den Beinamen «Blausprenkel».

Die Farbe der Tupfen entspricht immer

der genetischen «Grundfarbe»

des jeweiligen Hundes. Ein genetisch

schwarzer Hund hat also schwarze

Tupfen auf weissem Grund, ein

genetischer Black-and-Tan farbener

Hund hat am Rumpf schwarze Tupfen

und an Läufen, Brust, Fang, Kehle

und über den Augen rote oder gelbliche

Tupfen (besonders gut sieht man

dies etwa beim Tricolor English Setter).

Am ausgeprägtesten kommt die

Tüpfelung natürlich bei Hunden zur

Geltung, die eine sehr ausgedehnte

Weissscheckung haben. Beispiele

hierfür sind viele Englische Setter,

aber auch der Dalmatiner. Je weniger

ausgedehnt die Weissscheckung

ist, desto entsprechend weniger sieht

man von der Tüpfelung. Bei manchen

Foto: Jolanda Giger

Deutschen Vorstehhunden etwa kann

man nur an einem kleinen Brustfleck

des ansonsten einfarbigen Hundes

eine Schimmelung erkennen. Die

meisten getupften oder geschimmelten

Hunde haben neben ihren Tupfen

auch solide Farbplatten, sie sind

also Platten- oder Mantelschecken mit

einer zusätzlichen Tüpfelung (typisch

beim Cocker Spaniel, vielen Deutschen

Vorstehhunden und auch dem

Luzerner Laufhund und Niederlaufhund).

Besonders interessant ist, dass getüpfelte

und geschimmelte Hunde ohne

Tupfen geboren werden – sie sehen

in den ersten Lebenstagen aus wie

weiss gescheckte Hunde; die Tupfen

«erscheinen» erst im Laufe der ersten

Lebenswochen. Erfahrene Züchter

wissen, dass sie anhand der Ballen-

Foto: Pia Koster

Australian Cattle Dogs gehören zu den wenigen

geschimmelten Nicht- Jagdhunderassen.

Foto: Pia Koster


farbe erkennen, ob die Hunde weiss

gescheckt bleiben oder ob sie Tüpfelung

beziehungsweise Schimmelung

entwickeln: Gescheckte Welpen

haben rosa (also unpigmentierte)

Ballen, Welpen mit dem Tüpfelungsfaktor

haben dunkle (also voll oder

zumindest teilpigmentierte) Ballen.

Besonders bei Rassen, in denen sowohl

Schecken als auch Schimmel

auftreten, ist dies von Bedeutung

(etwa beim Cocker Spaniel oder beim

Deutsch Kurzhaar).

Vorkommen

Foto: Simone Zollinger

Kurz nach der Geburt sind die später getüpfelten

Bereiche noch weiss.

Foto: Simone Zollinger

Mit wenigen Wochen erscheinen die ersten

Tupfen.

Getupfte und gesprenkelte Haarkleider

sind vor allem bei Jagdhunderassen

verbreitet. Fast alle Britischen und

Kontinentalen Vorstehhunde gibt es

mit dieser Fellzeichnung, als besonders

typisches Beispiel möchte ich die

französische Braque du Bourbonnais

nennen. Auch Bracken und Laufhunde

sind häufig geschimmelt. Der französische

Bleu de Gascogne trägt die

Fellfarbe sogar im Namen, denn die

eng gemischten schwarzen und weissen

Haare erwecken tatsächlich den

Eindruck einer blauen Färbung. Auch

der Luzerner Laufhund wird als «Blausprenkel»

bezeichnet. Beim amerikanischen

Bluetick Coonhound ist der

Name ebenfalls Programm.

Neben den Jagdhunden gibt es nur

wenige Rassen, die eine ausgeprägte

Tüpfelung oder Schimmelung zeigen.

Ein Beispiel ist der Australian Cattle

Dog. Interessant ist, dass man den

Dalmatiner unter seinen Ahnen vermutet

– dies könnte ein Hinweis darauf

sein, woher der Cattle Dog seine

für Treibhunde so untypische Zeichnung

hat.

Bei manchen Rassen treten immer

wieder Tupfen oder Sprenkel in den

weissen Körperbereichen auf, die in

der Regel unerwünscht sind und laut

Rassestandard als Fehler angesehen

oder herausgezüchtet werden sollen,

wie etwa beim Bernhardiner und

Landseer.

Genetik

Die molekulargenetischen Grundlagen

für Tüpfelung und Schimmelung

sind bislang noch nicht eindeutig

geklärt, obwohl derzeit mehrere Forscherteams

daran arbeiten. Man weiss,

dass die Tüpfelung dominant über die

Nicht-Tüpfelung ist – recht viel mehr

aber nicht. Die grosse Variation innerhalb

der Tüpfelung und der Schimmelung

legte schon früher die Vermutung

nahe, dass mehr als ein Faktor

dafür zuständig sein muss. So vermutet

man zumindest einen Faktor T für

Tüpfelung (und den entsprechenden

Faktor t für Nicht-Tüpfelung) sowie

einen Faktor R für Schimmelung (mit

dem Faktor r für Nicht-Schimmelung).

Unter Tüpfelung versteht man mehr

oder weniger eindeutig voneinander

abgegrenzte Tupfen, bei der Schimmelung

überzieht ein feines Muster

aus kleinsten Sprenkeln das Fell des

Hundes. Es erweckt mitunter den

Eindruck, als seien pigmentierte und

unpigmentierte Haare miteinander

vermischt. Der Felltyp des Hundes

spielt übrigens für den optischen Eindruck

eine grosse Rolle: Beim langhaarigen

Cocker und English Setter

handelt es sich um eine Tüpfelung,

nicht um eine Schimmelung (obwohl

man beim Cocker offiziell von Blauschimmel,

Orangeschimmel, Braunschimmel

spricht). Durch die langen

Haare wirken die Tupfen verwischt

und es entsteht mitunter der optische

Eindruck einer tatsächlichen Schimmelung

(daher wahrscheinlich auch

die Bezeichnung).

Die Übergänge sind durchaus fliessend,

es gibt Tupfen und Sprenkel

in jeglicher Grösse und Dichte, man

sieht oft auch Tupfen und Sprenkel

auf dem gleichen Hund. Es gibt

Deutsch Kurzhaar mit vereinzelten,

deutlich voneinander abgegrenzten

Sprenkeln (die man rein optisch eher

als getüpfelt ansprechen würde) und

es gibt Dalmatiner mit sehr kleinen,

dicht gesetzten Tupfen. Wahrscheinlich

wird man auf die Ergebnisse der

Molekulargenetiker warten müssen,

um die Beziehung zwischen Tüpfelung

und Schimmelung endgültig klären

zu können.

Fellfarben

Dieser Deutsch

Kurzhaar zeigt eine

für seine Rasse eher

seltene Tüpfelzeichnung.

So könnte

der «fliessende

Übergang» zwischen

Tüpfelung und

Schimmelung aussehen

(«Drago vom

Werratal»).

Foto: Julia Weber

© Schweizer Hunde Magazin 1/10 53


Ein seltener Anblick:

Dieser Dalmatiner-

Mix hat gestromte

Tupfen.

Viele Vorstehhundrassen

zeigen eine dichte

Sprenkelung, die

so genannte Schimmelung

(Deutsch

Kurzhaar-Welpen).

Je ausgedehnter die

zugrunde liegende

Weissscheckung,

desto deutlicher

erkennbar ist auch

die Tüpfelung/Schimmelung.

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© Schweizer Hunde Magazin 1/10

Foto: Martina Czolgoszewski

Verwechslungs-

möglichkeiten

Verwechslungsmöglichkeiten bestehen

unter Umständen zu bestimmten

Merle-Zeichnungen (mehr zu Merle

im SHM 7/09). Vor allem bei der Deutschen

Dogge gibt es den Harlekin-

Farbschlag mit schwarzen Flecken auf

weissem Grund. Früher dachte man,

diese Zeichnung sei identisch mit der

Fellzeichnung des Dalmatiners – heute

weiss man, dass dem nicht so ist.

Eine sehr dichte Schimmelung kann

unter Umständen mit einem graumelierten

Fell verwechselt werden (wie

es etwa die Pfeffer-Salz-Schnauzer

zeigen). Vor allem bei rau- oder langhaarigen

Hunden besteht diese Verwechslungsmöglichkeit,

da hierdurch

die Zeichnung nicht klar zu sehen ist,

sondern durch die Fellstruktur gewissermassen

verwischt.

Historisches

Beschrieben wurde die Tüpfelung

beim Hund bereits recht früh, und

zwar ab 1914 von verschiedenen

Wissenschaftlern. Bald begann man,

die Tüpfelung (englisch ticking) von

der Schimmelung (engllisch roaning)

zu unterscheiden. Dabei stellt die

Tüpfelung voneinander abgegrenzte

Tupfen oder Tüpfelchen dar (wie

man sie etwa beim Englischen Setter

sieht, besonders gut am Kopf und an

den Läufen zu erkennen); die Schimmelung

hingegen besteht aus ganz

dicht gesetzten feinen Sprenkeln (typisch

etwa beim Deutsch Kurzhaar).

Von vielen Forschern wurden zwei

verschiedene Genorte postuliert: einer

für Tüpfelung (mit T wie Ticking bezeichnet;

eine frühere Benennung mit

S wie Speckled (englisch für gefleckt)

konnte sich nicht durchsetzen) und

ein anderer für Schimmelung (mit R

wie Roaning bezeichnet).

Clarence C. Little, der Autor eines

Standardwerks über die Fellfarben

beim Hund aus dem Jahr 1957, wies

schon vor über 50 Jahren darauf hin,

dass die Übergänge zwischen dem

«Ticking» der Setter, Pointer und Spani-

Foto: Jolanda Giger

el und dem «Roaning» der Deutschen

Vorstehhunde fliessend sind, ausserdem

wies er nach, dass auch die Dalmatiner-Tupfen

durch den Ticking-

Faktor bedingt werden.

Dalmatiner

Der Dalmatiner nimmt eine Sonderstellung

innerhalb der getüpfelten Hunde

ein. Keine andere Rasse hat diese

grossen, runden und klar voneinander

abgegrenzten Tupfen (man nennt das

Dalmatiner-Muster auch Pardelung).

Man geht davon aus, dass diese Zeichnung

durch gezielte Selektion aus der

«Durchschnitts»-Tüpfelung entstanden

ist. Bei zahlreichen Jagdhunden erkennt

man bereits einen Ansatz zu

einzelnen, klar abgegrenzten Tupfen

und es erscheint gut vorstellbar, dass

aus solchen Hunden mittels gezielter

Zuchtwahl sich das Dalmatiner-Muster

entwickeln konnte.

Zu diesen Thema bereits im,

SHM erschienen:

Fellfarben – Fehlfarben,

Teil 1, SHM 9/06

Fellfarben – Fehlfarben,

Teil 2, SHM 1/07

Fellfarben – Fehlfarben,

Teil 3, SHM 2/07

Fellfarben – Fehlfarben,

Zusammenfassung, SHM 8/08

Fellfarben beim Hund,

Grundlagen Teil 1, SHM 9/08

Die Wildfarbigkeitsserie, SHM

1/09

Der Braun-Locus, SHM 2/09

Der C-Lokus, SHM 3/09

Der D-Lokus, SHM 4/09

Der E-Lokus, SHM 5/09

Der K-Lokus, SHM 6/09

Der M-Lokus, SHM 7/09

Der G-Lokus, SHM 8/09

Das Scheckungsgen, SHM 9/09

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