Was ist palliative Begleitung? - freiwilligAKTIV.ch

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Was ist palliative Begleitung? - freiwilligAKTIV.ch

S P I T E X I N F O R M AT I O NEs darf nie heissen: «Wir könnennichts mehr für Sie tun»Ein Gespräch mit Ruth Kleischmantat, Leiterin Spitex Palliative BegleitungRuth Kleischmantat,Leiterin SpitexPalliative BegleitungWas ist Ihrer Ansicht nach der Grundgedankevon palliativer Begleitung?Für mich ist die palliative BegleitungAusdruck einer grundsätzlichen Haltunggegenüber dem Mitmenschen. Diese umfasstdie Achtung vor dem Menschen, dasAufeinanderzugehen, die Toleranz undauch die Fürsorge gegenüber dem Anderen.Diese Grundhaltung spiegelt sichauch in der palliativen Begleitung. Dortgeht es dann sehr stark um das selbstbestimmteLeben bis zum Tod, auch bei einerschweren Krankheit oder im Sterben.Palliative Begleiterinnen und Begleiter helfenmit, die Achtung und Würde des Menschenbis zum Lebensende zu bewahren.Palliative Begleitung hat sich erst in denletzten Jahren entwickelt. Wie erklären Siesich das?Das hängt sicher damit zusammen, dassunsere Zeit immer mehr geprägt ist vonSchnelllebigkeit, Hektik und Stress. Esfehlt die Zeit für den Menschen; leiderauch in den sozialen Berufen. Auch warsterben früher viel mehr ein Teil unseresLebens. Die verstorbenen Angehörigenwurden zu Hause aufgebahrt und allekonnten Abschied nehmen.Ein weiteres Thema ist die Vereinsamungder Menschen. Viele Menschen leben heuteallein und sind nicht mehr in ein Familiensystemeingebettet. Auch dadurch wirddie palliative Begleitung immer wichtiger.Ist die palliative Begleitung auch eine Antwortauf die Ausrichtung der modernenMedizin, die stark auf «Leben erhalten» und«Leben verlängern um jeden Preis» setzt?Ja, das hängt zusammen. Bei der Medizindreht sich in erster Linie alles um«Heilung». Sie ist dort auch erfolgreich.Auch bei schwerkranken und sterbendenMenschen können wir noch viel tun.Die Entwicklung der palliativen Medizin,Pflege und Begleitung zeigt, dass es sehrviele Möglichkeiten gibt, das Leiden einesschwerkranken Menschen auch medizinischzu lindern. Allem voran steht dieBekämpfung der Schmerzen und weitererbelastender Symptome. Voraussetzungdafür ist, den Menschen in seiner Ganzheitwahrzunehmen, in seinem Umfeld, mit allseinen Sorgen und Ängsten und mit seinerBiografie. Wichtig ist, gegenseitigesVertrauen aufzubauen und Zeit zu habenfür die Patienten und für ihre Angehörigen,damit die Angehörigen «auftanken»können um nicht selber krank zu werdenin diesen oft so belastenden Situationen.Wie gehen Sie konkret bei einer Anfrage vor?Ich nehme mir Zeit zuzuhören! Bei Notfällenorganisiere ich «Soforthilfe», meistsind dies Nachtwachen. Wenn möglichbesuche ich die kranken Menschen undihre Angehörigen zu Hause. So kann ich dieGesamtsituation erfassen und die Bedürfnisseabklären. Dazu gehört auch das Wissenum die medizinische und pflegerischeVersorgung, das wichtig ist in der Zusammenarbeitmit dem Pflegefachpersonal derSpitex und den Ärzten. Meine Aufgabe istes dann, die Einsätze zu koor dinieren. Dabeiist es mir ein Bedürfnis, die freiwilligenBegleiterinnen und Begleiter umfassendauf ihre Einsätze vorzubereiten.Danach bin ich während der gesamtenZeit der Begleitung – und nicht seltenauch noch danach – Ansprechperson fürdie Betroffenen und für die Begleitpersonen.Für Letztere bieten wir die Möglichkeit,mich oder eine Vertretung rund umdie Uhr während sieben Tagen der Wochetelefonisch zu erreichen. Das braucht esfür den Informationsaustausch.Wie gehen Sie und das Begleitteam mit derEhrenamtlichkeit um?Die Ehrenamtlichkeit ist ja eine Abmachung,die dem Team von allem Anfangan bewusst ist. Die Motivation einer Begleitpersonliegt also nicht bei der Entlöhnung,sondern in der Wertschätzung.Wichtig ist aber die Unterstützung durchdie Leitung und die Anerkennung durchalle Beteiligten. Das gilt nicht nur für dieBetroffenen und deren Angehörige, sondernauch für die behandelnden Ärzte,Pflegefachfrauen und Spitex-Team. DieZusammenarbeit zwischen allen Beteiligtenist von grosser Bedeutung.


Sonderausgabe Spitex Palliative BegleitungVon der Ehre des EhrenamtesFreiwillige Begleiterinnen und Beglei ter der Spitex Palliative Begleitung erzählen aus ihrer ArbeitAn einem schwülen, gewittrigen Sommernachmittagtrifft sich das Team der palliativenBegleitung in den Räumlichkeitender Spitex Burgdorf-Oberburg. Mit einemApéro wird dem 18 Personen umfassendenTeam die Wertschätzung seitens derSpitex-Leitung ausgedrückt. Im Vorfeld ermöglichtdas Treffen einen kleinen Gedankenaustauschzur Arbeit der Begleiterinnenund Begleiter. Wer möchte, kann Erfahrungenmitteilen, Fragen an die Kolleginnenund Kollegen formulieren, von Schwierigkeitenberichten etc. Auch Anregungenan die Spitex-Leitung und die Leitung derpalliativen Begleitung sind erwünscht.Das Gespräch dreht sich ums «Geben undNehmen», ein in der Freiwilligenarbeitwichtiger Themenpunkt. Niemand sollsich ausgenutzt fühlen in seiner Arbeit alsFreiwillige/Freiwilliger; umgekehrt ist eswichtig, sich selbst zurückzunehmen, fürden Anderen da zu sein. Wo liegt die Motivationzu einer Arbeit als freiwillige Begleiterin?Wodurch wird das Gleichwicht von«Geben und Nehmen» aufrecht erhalten?Ein kleiner Einblick in die Gesprächsrunde:Das Interesse an den ÜbergängenEine Begleiterin, Pflegefachfrau, arbeitet«normalerweise» auf der Geburtshilfeabteilung.Gerade das sei für sie eineMotivation, bei der palliativen Begleitungmitzuarbeiten: «Ich interessiere mich fürdie Übergänge. Die Entstehung des Lebensund dessen Ende gehören für michzueinander. Für mich ist der Tod eine Vollendung,ein Kreis, der sich schliesst. Es istsehr wertvoll für mich, die Momente desÜbergangs, sowohl bei der Geburt als auchbeim Sterben, mit jemandem zu teilen.»Niemand sollte allein sterben müssenDie Motivation, im Team der Spitex PalliativeBegleitung mitzuarbeiten, ist breitgefächert. Eigene Erfahrungen, zumBei spiel mit einer sterbenden Person inder Verwandschaft, können ein Anlasssein, oder aber einfach grundsätzlich dieÜberzeugung, etwas Sinnvolles zu machen.Alle sind sich einig, dass es wichtigist, Menschen in ihrem letzten Lebensabschnittnicht allein zu lassen. Eine Begleiterinzum Beispiel beschreibt den Prozessdes Sterbens mit dem Gang über eineBrücke, jene Brücke, über die wir alle amEnde des Lebens schliesslich allein gehenmüssen. Doch vorher sei es wichtig, dassman nicht allein ist. Für sie selber gibt dieBegleitung auch Vertrauen und Mut zumWeitergehen. «Das Bewusstsein dafür,dass auch ich selber einmal über dieseBrücke gehen muss, nimmt zu. Gleichzeitigaber wird auch die Angst vor demSterben kleiner.»Es fehlt etwas in der GesellschaftIm Verlauf des Gesprächs wird klar, dassdie palliative Begleitung auch gesellschaftspolitischvon zunehmend grössererBedeutung ist. Denn immer mehr geratender Tod, das Sterben – neben stetsneuen lebensverlängernden Massnahmenin der Spitzenmedizin – in den verdrängtenHintergrund. Einer Gesellschaft, diejedoch nur auf das junge und gesundeLeben fokussiert, verliert an Sinn undüberlässt den alten, kranken Menschensich selber. Genau dort setzt die palliativeBegleitung an. Dabei ist etwas vom Wichtigstendie vorhandene Zeit. Pflegepersonalin den Spitälern und Altersheimen, aber oftauch Angehörige am Wohnort des krankenMenschen, stehen unter Druck. Für dieMitarbeitenden des Teams der palliativenBegleitung ist deshalb gerade «das Zeithaben»einer der wichtigsten Aspekte ihrerArbeit. «Eine Begleitung ist nur dann sinnvoll,wenn man Zeit hat und sich von allenanderen Verpflichtungen befreit», sagt einTeammitglied. Und: «Es braucht den ganzenMenschen bei einer Begleitung.»Wichtige WertschätzungAls Fazit der Gesprächsrunde kann manfesthalten, dass alle Mitglieder desTeams vom Sinn ihrer Aufgabe fest überzeugtsind. «Geben und Nehmen» scheinensich meistens im Gleichgewicht zuhalten. Die Ehrenamtlichkeit ist für diemeisten Beteiligten nicht problematisch.Vielmehr beinhaltet die unbezahlteArbeit auch die Möglichkeit «nein»zu sagen. Jemand spricht in diesem Zusammenhangauch davon, dass es «eineEhre ist», jemandem in so wichtigen Momentenbeizustehen. Wichtig ist, denBegleiterinnen und Begleitern jedoch dieAnerkennung und Wertschätzung ihrerArbeit. Dies zum einen allgemein durchdie Gesellschaft und konkreter auchdurch die behandelnden Ärzte, das Pflegepersonalund die Angehörigen. Dennfür ein Gelingen braucht es die Zusammenarbeitund die Wertschätz ung vonallen Beteiligten.


S P I T E X I N F O R M AT I O N«wir trauern um oberst hans geer:nachdem er lahm und hilflos gewordenliessen ihn seine freundedie offiziere mit denen erfür armee und korpsgeist verschworenschon baldsehr bald schonim stichkeiner mehr der ihn besuchteder erinnerungen tauschte mit ihmder ihn stützte auf kurzem spaziergangoder nur schweigend neben ihm sasstagelang jahrelangblieb er von seinen freunden vergessenweinte oft vor sich hin bis als einzigerjetzt der tod sich seiner erbarmt hatsterblich zu seinist bitter genugam bittersten aberdass selbst der tod zur gnade uns wird»Kurt MartiDer fiktive Hans Geer: ein trauriges Beispielvon Einsamkeit und Verlassenheit. Indieser Situation kann der Tod zur Gnadewerden. Und das ist in der Tat bitter. Es istdoch schliesslich das Leben, in dem sich dieGnade spiegeln soll. Diese Gnade kann sichin allen Phasen des Lebens zeigen – auchin der letzten. Die Voraussetzung dafürist, dass ein Mensch in dieser letzten Phaseganz Mensch sein kann. Und dazu gehörtdie Gemeinschaft mit anderen Menschen.Personen, die das tun, was Hans Geer gefehlthat: besuchen, reden, zuhören, stützenoder einfach schweigend da sein. Häufigsind es die Angehörigen, denen diesewürdevolle Begleitung zu verdanken ist.Aber Angehörige können an Grenzen stossen.Die Freiwilligen der «Spitex PalliativeBegleitung» sorgen hier mit ihrer Unterstützungfür eine wertvolle Entlastung. Esist diese Hilfe, die dem Bitteren unseres Daseinsdie Stirn bieten kann: die Beihilfe zumLeben, nicht die zum Sterben.Pfarrer Manuel Dubach, ev. ref. KirchgemeindeBurgdorfFortsetzung von Seite 1Wie sie einfühlsam und mit grosser EmpathiePatienten und Angehörigen in ihrerschwierigen Situation zur Seite zu stehen,sie entlasten und unterstützen. FreiwilligeArbeit zu leisten ist immer ein «Geben undNehmen» und wir alle sind einmal die Gebendenund einmal die Nehmenden.Als Geschäftsleiterin danke ich allen freiwilligenBegleiterinnen und Begleiternherzlich für ihren unermüdlichen Einsatz.Was ist palliative Begleitung?Der Begriff «palliativ» leitet sich ab ausdem lateinischen «pallium», was einemmantelähnlichen Umhang entsprichtund symbolisch für «Wärme» steht.Die Weltgesundheitsorganisation WHOdefiniert palliative Begleitung/Pflegewie folgt: palliative Begleitung entsprichteiner Haltung und Behandlung, die dieLebensqualität von Patienten und ihrenAngehörigen verbessern soll, wenn einelebensbedrohliche Krankheit vorliegt.Sie erreicht dies, indem sie Schmerzenund andere physische, psycho soziale undspirituelle Probleme frühzeitig erkennt,immer wieder erfasst und angemessenbehandelt.Palliative Begleitung- unterstützt den Patienten darin, so langewie möglich aktiv zu bleiben- integriert psychische und spirituelle Aspekte- bejaht das Leben und erachtet das Sterbenals normalen Prozess- unterstützt Angehörige, die Krankheitdes Patienten und die eigene Trauer zuverarbeitenPalliative BegleitungHilfsmittelstelleBurgdorff ü r I h r e U n a b h ä n g i g k e i tOhne die grosse Bereitschaft, das Verständnis,die grosse Kompetenz könntenwir diese so wichtige und hilfreicheDienstleistung in der Region nicht anbieten.Ich wünsche allen freiwilligen Begleiterinnenund Begleitern weiterhin viel Befriedigungin ihrer so wertvollen Aufgabe.Erika Wüthrich Rösch,Geschäftsleiterin Spitex Burgdorf-Oberburg- ist Teamarbeit: die Zusammenarbeitzwischen allen Beteiligten ist vongrösster Bedeutung.Spitex Palliative BegleitungBurgdorf-OberburgSpitex Palliative Begleitung ist seit Ende2009 das Nachfolgeangebot von >>zappBurgdorf. Das Team der freiwilligenBegleiterinnen und Begleiter umfasst18 Personen. Alle Freiwilligen besuchenden SRK Passage-Basiskurs «Begleitenim Leben und Sterben», profitieren vonregelmässiger interner und externerWeiterbildung, tauschen sich an Teamsitzungenaus und vertiefen mit einerexternen Fachperson an Supervisionssitzungenanspruchsvolle Themen. Diefreiwilligen Begleiterinnen und Begleitererhalten eine Pauschalentschädigungund eine Spesenentschädigung.Weitere Informationen zum Angebot derSpitex Burgdorf-Oberburg erhalten Sieaus unserer Broschüre «Betreuung zuHause bis zuletzt».(Bestellmöglichkeiten siehe unten).Spitex-Zentrum Burgdorf-OberburgFarbweg 11 I 3400 Burgdorf I Telefon 034 420 29 29info@spitexburgdorf.ch I www.spitexburgdorf.chSpitex Palliative BegleitungFarbweg 11 I 3400 Burgdorf I T 034 420 29 20palliativebegleitung@spitexburgdorf.ch I www.spitexburgdorf.chHilfsmittelstelle BurgdorfLyssachstrasse 7 I 3400 Burgdorf I Telefon 034 422 22 12info@hms-burgdorf.ch I www.hms-burgdorf.ch

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