Laudatio Gäbel - Veterinärmedizinische Fakultät - Universität Leipzig

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Laudatio Gäbel - Veterinärmedizinische Fakultät - Universität Leipzig

Verleihung der Oskar-Röder-Ehrenplakette anDr. h. c. Peter Gutjahr-LöserLaudator: Prof. Dr. Gotthold GäbelLeipzig, 17. Juni 2005anlässlich des Akademischen Festaktes der 225-Jahr-FeierHohe Festversammlung,lieber Herr Dr. Gutjahr-Löser,mit Ihrem Buch zum Staatsinfarkt haben Sie uns allen sicher aus derSeele gesprochen. Mir drängt sich allerdings der Eindruck auf, dassauch wir selbst in vielen Fällen als Thrombozyten fungieren und somitselber dazu beitragen, dass der Infarkt inzwischen von einer manifestenNekrose gefolgt wird. So denke ich, dass jeder von unserer Fakultät IhrBuch nicht ganz emotionsfrei gelesen hat. Ihr steter Kampf und Ihr stetesBemühen gegen die schleichende Bürokratisierung ist aber nur einAspekt gewesen, der die Fakultät veranlasste, Ihnen die Oskar-Röder-Plakette zu überreichen.Der Grund liegt auch in Ihrer Biographie, aber auch wesentlich in Ihremoffenen Auftreten gegenüber unserer Fakultät.Sie haben – z. T. zumindest – sächsische Wurzeln. Ihr Vater stammt ausLützschena, Ihre Mutter aus Wittenberg. Und Sie sind auch in einemFreistaat aufgewachsen, allerdings in dem Bayrischen. Ich denke, nichtnur das bayrische Umfeld, sondern vor allem Ihre Veranlagung hat Sieveranlasst, früh Position zu beziehen und sich in den öffentlichen Diskurseinzubringen. So waren Sie früh in der Schülermitverwaltung und im„Politischen Arbeitskreis Oberschulen“ präsent. Sicherlich waren generelldie damalige Zeit und auch das eigene Leben wesentlich stärkerpolitisiert. Und auch in der Jugend hat man sich wesentlich stärker überpolitische Zugehörigkeit und politische Meinungsfindung definiert.Wenn wir bei unseren Gremienwahlen im Mai an unserer Fakultät vonstudentischer Seite nur eine Beteiligung von 17 % haben, reflektiert esdiesen Paradigmenwechsel aufs Dramatischste, d.h., wir haben unterden Studenten prozentual mehr Hundebesitzer als Wähler.Aber es war nicht nur die politischere Zeit, Sie haben sich auch späternie ins rein Private-Hedonistische verstiegen. So setzte sich IhrEngagement dann nahtlos und mit wachsender Intensität fort. ZweiSeite 1 von 3 1


Jahre nach Aufnahme des Studiums – oder man muss besser sagen„der Studien“ -in Bonn waren Sie bereits Sprecher der Fachschaft Jura,Mitglied im Studentenparlament, Mitglied des ASTA, Vorsitzender desstudentischen Ältestenrates sowie in vielen anderen Kommissionen. AlsReferent im Kulturpolitischen Büro der Bundestagsfraktion der CDU/CSUhaben Sie aus dieser Funktion heraus zahlreiche Presseartikel verfasst.Das erste juristische Staatsexamen legten Sie beim OberlandesgerichtKöln ab, führten allerdings auch Ihr Lehramtsstudium weiter. Letztendlichhaben Sie sich dann doch für die – vielleicht etwas bodenständigere –Jura entschieden und in Regensburg Ihr Referendariat begonnen.Ich möchte jetzt nicht alle Lebensstationen weiter aufführen. Dies hatHerr Kollege Schulz sehr mitfühlend anlässlich der Verleihung derEhrenpromotion getan. Mit der Übernahme einer Referatsleitung derMax-Planck-Gesellschaft 1980 sind dann letztlich die Wege weitergeebnet worden, sich in der Wissenschaftslandschaft zu engagieren.Wie Sie selber in der LVZ darlegten, war dieses Engagement - gepaartmit dem Wunsch, die familiären Wurzeln wieder aufzufinden, Grundgewesen, dass Sie 1990 dem Ruf auf die Stelle des Kanzlers derUniversität Leipzig folgten. Dadurch prägten Sie die entscheidendenJahre der Neuetablierung der Universität. Der Wunsch sicheinzubringen, persistiert bis heute. Wer in der LVZ von gestern von ihrerKandidatur für die FDP erfahren hat, wird mit Freude feststellen, dassSie es nicht lassen können.So weit also kurz skizziert die Aspekte des Homo-Politikus, welche dieFakultät zu der Ehrung veranlassten. Es waren allerdings auch Ihremenschlichen Schwächen, die die Fakultät diesen Schritt tun ließ.Detailfragen waren – so hatten wir den Eindruck – in ihrem Denken undHandeln immer sekundär.So entstand im Gespräch mit Ihnen nie der Eindruck, dass einemjemand gegenüber sitzt, der als Reichsbedenkenträger agiert, sondernjemand, dem an der Lösung von Grundsatzfragen gelegen ist und derauch die Fähigkeit hat, über den Tellerrand zu schauen, auch wenn derTeller aus der Novelle Cuisine stammt. Ich kann mich noch an meineeigenen Berufungsverhandlungen im Jahre 1993 erinnern, wo wir inteilweise stakkatoartiger Manier die einzelnen Positionen durchgegangensind. Die eigentlichen Kernfragen waren so recht schnell zu Endeverhandelt. Wir haben dann wesentlich mehr Zeit verbracht, um mit demdamaligen Dekan, Herrn Prof. Gürtler, über die Perspektiven derVeterinärmedizin in Leipzig zu philosophieren. Ich muss gestehen, ichhegte zunächst den Verdacht, dass es rhetorisches Kalkül war, dieseGesprächsrichtung einzuschlagen. Ich möchte mich noch im Nachhineinentschuldigen.Seite 2 von 3 2


Es war und ist wirklich Ihr ureigenstes Interesse an der Fakultät und anihrem Fortkommen. In dem stark heterogenen Konglomerat vonFakultäten innerhalb einer Universität stellt die Veterinärmedizinwahrscheinlich immer noch ein Exotikum dar.Ich gebe zu, wenn ich die Notwendigkeit einer Reproduktionsbiologiebzw. einer Professur hierfür im Senat der Universität begründe, sind dieunterschiedlichen Reaktionen verständlich. Der Dekan der Juristenfakultätwird vermutlich zunächst an die Vaterschaftsklagen denken, derDekan der Physik an die evtl. Durchmesser der Besamungspipette, dieGedanken der Gleichstellungsbeauftragten und auch die der Vertreterder Kunst- und Orientwissenschaften kann ich nur vermuten. DieVeterinärmedizinische Fakultät hat eben öfters Anliegen, die sich nichtimmer in ein Schema pressen lassen. Hier wurde in den langen undintensiven Gesprächen mit Ihnen immer versucht, diese Besonderheitender Fakultät einzuschätzen und letztendlich auch zu konstruktivenLösungen zu kommen, die langfristig sicher sind. Ich möchte hier nur andie wiederholten Diskussionen um die Trägerschaft des Lehr- undVersuchsgutes in Oberholz erinnern und auch die Erörterungen um dienotwendigen Bereitschaftsdienste.So hatten wir immer den Eindruck, dass mit dem Kanzler Gutjahr-Löseruns jemand gegenüber sitzt, der sich zutiefst bemüht, die Spezifika einerVeterinärmedizinischen Fakultät zu erfassen und auch nachzuvollziehen.Uns begegnete also ein Gesprächspartner, der mit Empathie versuchtdiese Probleme zu lösen oder mithilft, diese Probleme zu lösen.Lieber Herr Dr. Gutjahr-Löser,Wir möchten uns mit der Oskar-Röder-Plakette für diese uns immerwieder entgegen gebrachte Empathie bedanken. Wir möchten uns vonganzem Herzen für Ihr Zuhören und Ihre Unterstützung bedanken undhoffen natürlich, dass ein zartes Band zwischen der Fakultät und Ihnenerhalten bleibt.Seite 3 von 3 3

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