Big Up! Magazin Nr.9 pdf

bigupmagazin.de
  • Keine Tags gefunden...

Big Up! Magazin Nr.9 pdf

2 3


6 7Gentleman - die Speerspitze des deutschen Reggae, das internationale Aushängeschild, unserMann auf Jamaika. Von diesen Superlativen getrieben waren die Erwartungen an Tilmann Ottosletztes Album „Another Intensity“ hoch und wurden in den Augen vieler nicht erfüllt. Nun meldetsich der Kölner mit seinem neuen Album „Diversity“ eindrucksvoll zurück.Wie kam es zum Titel Diversity?Ich habe Songs bei mir zu Hause und in Jamaikaaufgenommen. Ohne überhaupt daranzu denken, wie was bei wem irgendwieankommt. Ich habe einfach gemacht undnicht an das Album gedacht. Der Drang Musikzu machen war einfach da. Ich habe Montagund Dienstag ein paar Dancehall Stückegeschrieben und dann Donnerstag und Freitageinfach mit einigen Roots Riddims weitergemacht. Auf einmal hatte ich 35 Tunes - eswar einfach von allem was da. Irgendwannhabe ich „Vielfalt“ übersetzt – Diversity wargeboren. Diversity ist das vielseitigste Album,dass ich bisher gemacht habe. Das istja auch die Stärke der Musik, oder warum wirsie so sehr lieben. Wenn es nur Dancehallgeben würde, wäre es wohl zu hart. Reggaeist schlicht und einfach die vielseitigste Musikund darum wollte ich auch ein Album machen,auf dem alle Facetten vertreten sind.Es gibt ja auch einige Hip Hop - Einflüsse imAlbum. Persönlicher Hörgeschmack?Nein, ich höre fast nie HipHop. Dabei gibt eseigentlich viel guten HipHop, nur hört manden leider zu selten.Aktuelle jamaikanische Produktionen habenja auch immer öfter einen HipHop- oderR´n´B-Touch.Ja, ich finde das auch sehr geil und fresh –solange es nicht überhand nimmt. Ich habeeng mit Ben Bazzazian zusammengearbeitet,z.B. bei „It No Pretty“. Als wir zusammenim Studio abgehangen haben, sind die Dingeeinfach entstanden. Man macht ja keinenPlan „Ich will das es so klingt“, sondern manmacht einfach Musik und merkt nachher:„Oh, das ist ja ganz schön HipHop lastig“.Es sind auch viele sphärische Klänge aufdem Album.Es sind allgemein mehr Streicher da. Dasliegt einfach an der Zeit, ich habe viel mitProduzenten zusammengearbeitet und wenigerselber produziert. Die Musik, die ichbekommen habe, war zum größten Teil genauso. Das war vor 10 Jahren ganz andersund in 3 Jahren wird es bestimmt auch wiederanders sein.Anders als beim letzten Album hast du wenigerzu Hause vorgearbeitet?„Regardless“ haben Ben und ich z.B. auchbei mir zu Hause gefunden. Sonst hat DonCorleon das meiste auf dem Album produziert.Ich habe viel bei ihm im Studio abgehangen.Dort sind Ideen entstanden, er hateinen Akkord gespielt, ich habe dazu eineMelodie gesungen... Wir haben die Riddimspeu à peu zusammengeschraubt. Esgab für das Album auch schon fertige Musik.Jeder Song hat seine eigene Entstehungsgeschichte.Ich war z.B. mit der FirehouseBand im Studio („…and away“), habe einfacheinen Song acapella gesungen und dieBand sowie der Engineer haben dann herumgeschraubt,bis der Tune fertig war.Hattest du währenddessen immer das neueAlbum vor Augen?Nein, es ist zwar immer klar: Das neue Albumkommt irgendwann, aber es gab kein Veröffentlichungsdatum,das hat mir eine gewisseLeichtigkeit gegeben. Irgendwann war derGrundstock von Songs da, die ich alle geilfand.Die Anzahl der Songs führte dann zu verschiedenenAusführungen?Wie gesagt: Ich hatte 35 Songs. Ich musstemich schon von 7 Songs trennen und hatteimmer noch 28. Von den 28 konnte ich michauf gar keinen Fall trennen! Dann ist mireingefallen, dass nur 70 Minuten auf eineCD passen. Also entweder eine Doppel-CD oder halt mehrere Ausführungen. Wirt-


abgehen, den Vibe spüren und verbreiten.Du bist mit Chicken George in Jamaika aufgetreten. Erzähl uns davon!Das war auf einem Marktplatz um zwei Uhrnachts. Ich hatte schon gepennt, hatte ziemlichviel Rum getrunken und konnte eigentlichgar nicht mehr geradeaus gehen. Da kamenChicken, Ingo, Alfred und Mr. Brown mitdem Diktiergerät. Die haben direkt gesagt:„Du MUSST aufstehen, Chicken hat geradegesungen! Hör dir das mal an“. Chickensagt nur einen Satz und Du hörst 5.000 Leuteschreien und lachen. Der absolute Vibe! Ichstehe direkt auf, frage, wo das Mic ist undfange an zu singen. Es ist wirklich das Lebenauf dem Marktplatz. Keine Konzerthalle,sondern ein ganz spontanes Sound-Ding.Raw, Ghetto und einfach total mittendrin –der Hammer!Machst Du so was noch? Spontan singen?Ja, schon. Mir sind die Soundsystem-Sessionsnach wie vor wichtig. Es ist nicht mehrganz so oft wie früher, aber zwischen denganzen großen Festivals und Konzertenmuss das sein! Im stinkigen Club vor 200Leuten mal wieder nasse T-Shirts zum auswringenbringen. Da passieren auch schonmal lustige Sachen... Ich habe vor ca.2 Jahrenz.B. bei einem alten Kollegen gesungen,vor 5 Leuten. Danach kam einer an - daswar total süß - und meinte: Hör mal, wir habenauch einen Sound und wenn du bei unssingst, kann ich dir garantieren, da kommenmehr Leute (lacht).Kultur ist, aber dennoch im Undergroundstattfindet. In Deutschland überwiegt oft daskopflastige analysieren, kontrollieren.In Italien sprechen die MCs fast kein Englischund die Leute gehen ab.Auch in Polen oder der Slowakei. Da gibt eszwar auch zwischendurch mal ein „Riiiight“,aber sonst ist alles in der Landessprache.Deswegen kommt die eigentliche Aussagebeim deutschen Publikum kaum an?Die deutsche Sprache ist vom Sound herwas anderes als italienisch. Aber es gibtja immer wieder Künstler, wo es selbst aufdeutsch flowt. Aber es ist halt... schwierig.Man muss sich trauen. Ich musste oft denSatz „In Deutschland könntest Du dochdeutsch reden“ hören. Da denke ich mir:„Klar, du hast ja recht, aber...“. Stell Dir dasdoch mal vor: „Pull Up Pull Up - ja, und dasnächste Stück ist jetzt ein Liebeslied“(lacht).Das geht irgendwie nicht. Aber bei MCs findeich es viel progressiver, was in Italien etcpassiert. Als MC kann man es echt bringen.10 11„Eine bestimmte Dancehall-Szene in Deutschland gehtmir zum Teil ganz schön aufden Sack“Was geht Dir in der deutschen DancehallSzene gegen den Strich?Man kann die Szene natürlich nicht verallgemeinern.Viele mir liebe Menschen bewegensich in der Szene und versuchen Reggae/ Dancehall in Deutschland zu supporten.Aber eine bestimmte Dancehall-Szene inDeutschland geht mir zum Teil ganz schönauf den Sack. Kiddies hängen in ihren Internetforenfest und checken nichts. Siedenken, sie sind so nah dran, dabei sind sieso weit weg und werfen sich selbst solcheSteine in den Weg. Wo ich mir echt denke:Das braucht kein Mensch. Deswegen geheich nur auf die Dances von meinen Bredrens.Was mir nicht gefällt, sind irgendwelche Bubis,die von Mama ein Turntable geschenktbekommen haben, sich ein Bounty KillerDubplate im Internet kaufen und dann mit„Suck yuh mumma!“ anfangen. Alter Schwede,ist das schlecht! Und ich habe das mitgemacht,habe das mit an den Start gebracht.Das ist das Produkt. Das ist die Dancehall-Szene in Deutschland. Guck sie dir an, dieleeren Gesichter. Es selecten und operaten(falls überhaupt) oft Typen, die überhauptkein Feuer unter dem Arsch haben. Typen,die keine Aufmerksamkeit bekommen haben,schüchterne Bubis, die auf einmal „Riiight“brüllen (lacht). Und genau aus diesemGrund findet eine Gesund-Schrumpfungstatt. Im Vergleich zu vor 7 Jahren ist eswirklich wenig geworden. Reggaemusic bigin Germany? Es ist fucking small. Es gibtin Deutschland einige vereinzelt Acts wiePeter Fox, Seeed, Gentleman und Patrice,die kommerziell erfolgreich sind. Aber diehaben ja mit dem Reggaeding an sich nichtviel zu tun. Die Leute, die die Artists kaufen,haben vielleicht auch eine Monrose Platteim Schrank. Außerdem findet in Deutschlandim Gegensatz zum Beispiel zu Frankreichkeine Weiterentwicklung statt. Dasgilt für HipHop, aber auch für Reggae. InFrankreich hast du eine authentische realeSubkultur, die wegen ihrer Größe schon fast„Es ist wichtig, auf denBauch zu hören“Auf ein deutsches Lied von Dir wird man alsovergebens warten?Auf Kölsch ist wahrscheinlicher (lacht),aber auf deutsch... Das ist zu regional beschränkt.Auch Smudo meinte damals: „Ey,kannste nicht auf deutsch?“, der Spiegelschrieb „wie der Rhein der davon träumt, dieKaribik zu sein“. Es war keine Akzeptanz fürdas, was ich mache, immer à la „da ist jetztso ein Bubi, der fährt nach Jamaika und willso sein wie die“. Aber es ist wichtig, auf denBauch zu hören. Es sind nie Sachen, die manplant, die passieren einfach.Du hattest damals durch dein Party Tourenschon eine grosse Fanbase.Das war eine gute Zeit. Silly Walks, Pow Pow– so Anfang der 90er. Bis hin zu Freundeskreis,was ja mein Sprungbrett war. NachTabula Rasa kam FourMusic. Ich hatte nochnie einen Song aufgenommen, aber diehatten Vertrauen in mich als Person. WennFourMusic nicht gewesen wäre, wäre ichnicht, wo ich heute bin. FourMusic hat michmein Ding machen lassen, irgendwann hatsich das einfach ausgezahlt.Stichwort Bushhouse Records.Es fühlt sich gut an, es ist ein kleiner Rahmen,kraftvoll und familiär. Man geht automatischimmer mehr in die Selbständigkeit.Ich bin 35, mein Sohn geht jetzt in die Schuleund macht „morgen“ den Führerschein...Eine Entwicklung ist da ganz natürlich. Mitdem Label haben wir viel vor, es gibt da einpaar Wünsche. Es ist einfach viel Potenzialda, und wir werden es machen.Machst Du eigentlich auch Dubplates?Selten, ich halte da nicht so viel von. Ich macheeinige Dubplates in Jamaika, das hatda einen ganz anderen Wert. Und es mussirgendwie eine Beziehung zwischen mir unddem Sound vorhanden sein. Ich gebe nichteinfach für X Euro einen Song weg und singe„Selecta Zippelfrikkel is the best in the world“.Das ist bitch-business. Das Dubplate Businessist Teil der Kultur. Aber es ist so unpersönlichgeworden. Ich hab z.B. in Jamaikamitbekommen, wie ein grosser Artist einenSong aufnimmt und der Engineer macht daraus20 Dubplates. 20.000 $ - und alle zahlendas, die Japaner zahlen sogar noch vielmehr. Es gibt aber auch viele Sounds, mitdenen ich gute Vibes habe. Wenn die michfragen, mache ich natürlich auch Dubplates.» www.gentleman-music.com» www.myspace.com/gentleman


Wie kam es zur Erweiterung von Kingstone?Jens: Wir sind alle noch beruflich unterwegs.Rodney ist am Wochenende oft auf Tour, sowurde es einfach nötig, Leute zu haben, aufdie man zurückgreifen kann. So kann mansich wieder um andere Sachen kümmern.Legt die neue Garde anders auf als ihr?Rodney: Tim legt schon etwas anders auf,das haben wir auch gebraucht. Unser Stilist aber gleich geblieben - vor 5 Jahren oderjetzt, auf einer Kingstone Party weißt du:„Das ist der Sound von Kingstone“.J: Ich staune, wenn ich sehe, wie viele TunesTim an einem Abend spielt. Heutzutagemuss man sich durch die mp3-Flut nochmehr in die Materie reinknien, da es ja keinenPlattenladen mehr gibt, der die Scheibenvorsortiert. Tim macht da einen super Job.Auch Sammy, der für die Effekte verantwortlichist, trägt sehr zu unserem positiven „Betriebsklima“bei.R: Da ist persönlich wie musikalisch allesauf einer Wellenlänge. Das muss auch sosein: Wenn ich „arbeite“, will ich Spaß haben.Wenn ich Spaß habe, haben die Gästeautomatisch auch Spaß. Ich kann keinenVibe generieren, wenn ich mit meinem Selectornicht klarkomme. Neben PowPow undKingstone gibt es keinen Sound, der so langeim selben Club gespielt hat. Diese langjährigeregelmäßige Party finde ich einenMegaerfolg. Köln ist nicht die größte Stadtund doch haben wir zwei regelmäßige Partysüber viele Jahre hinweg konstant gefüllt –wo gibt es denn das? Da muss ich mir selberauf die Schulter klopfen und sagen: „Ok, allesrichtig gemacht“. Das geht nur mit einemcoolen Team und wenn man nicht immer nurden neuesten Shit auflegt, sondern seinenStyle beibehält und sich trotzdem von innenerneuert. Backra ist ein erfahrener MC, vondem ich vorher selbst ein kleiner Fan war.Der weiß, wie es geht und passt super zuuns.J: Backra ist auch schon immer ein Kingstone-Fangewesen (lacht).Was war eure erfolgreichste Produktion?R: Das war der Señorita Riddim von 2004,produziert von Ben Bazzazian. T.O.K habenwir im Mini Studio von Big Yard aufgenommen.Als ich den Tune gehört habe,wusste ich: Das ist eine Granate. Kurze Zeitspäter, noch bevor ich überhaupt die Plattengepresst hatte, kam aus Japan schoneine Anfrage über 400 Singles. Da hab ichmich schon gefragt: „Wie geht das denn?“,aber gut. Ich werde nie vergessen, wie diePlatten ankamen: Der tschechische Fahrerhat vor unserem Büro gepennt und hatte inseinem LKW nur die Vinyls. Wir hatten keineAhnung, wie viel Platz die Platten brauchenund dann standen da zwei Europaletten mit7“. Keiner wusste, wie wir die Platten bewegensollten, und ich musste zusehen, dassich den Kram wegbekomme. Vom Büro aushabe ich den Vertrieb zu Soundquake, nachJapan, in die USA gemacht. Señorita war supererfolgreich.12 13Nicht nur in ihrer Heimatstadt Köln sind Kingstone als Top-Sound bekannt:Ob international populäre Riddims wie „Señorita“ und „Cognition“,die zahlreichen Touren und Alben mit Artists wie T.O.K, Ce‘cileund General Degree oder die erfolgreiche Arbeit als Veranstalter legendärerParties wie „Beat Down Babylon“ und „Kölle geht steil“- der Name Kingstone bürgt für Qualität in jeder Hinsicht. Mittlerweiledurch Backra, Tim und Sammy verstärkt, stehen uns die beidensympathischen Masterminds Rodney und Jens, selbst als Lazy Youtherfolgreich, Rede und Antwort.Haben sich in der letzten Zeit die Plattenverkäufestark verschlechtert?R: Stark ist noch untertrieben, auch onlinegeht momentan gar nichts mehr. Es ist soschlecht, dass ich nicht mal Zahlen sagenwürde.Wegen illegaler Downloads?R: Auf jeden Fall! Leider wird durch illegaleDownloads nichts verkauft. Reich konnteman früher auch nicht werden, aber mankonnte Produktion, Mischer, Artists und Layoutbezahlen. Jetzt kriegst Du vielleicht noch10% der Kosten rein.Frustriert dich das als Engineer?J: Man darf kommerziell nicht viel erwarten.


Entweder es wird was oder nicht. Ich machedas ja auch nicht nur wegen des Geldes,sondern weil ich Spaß daran habe.R: Manchmal sehe ich Riddims nur noch alsPromo an. Vor drei Jahren bin ich von Dubplatesweggegangen, weil plötzlich jeder mitInternetzugang Dubs bestellen konnte. Vorherwar es so: Kannte man den Artist, bekamman ein Dub. Oder man musste eine Showorganisieren, um dann eine Dubplate-Sessionmachen zu können. Ein Mausklick zumDubplate – das gab es früher nicht. Mit derleichten Erreichbarkeit fiel der Wert einesDubplates natürlich ungemein. Für mich wardas nicht mehr interessant. Bei der Riddim-Produktion fand ich es einfach geil, eine 7“von uns auf den Plattenteller zu legen unddie Leute zu „Runaway“ tanzen zu sehen.Wenn ich die Platten verschickt habe undz.B. Japan auf den UPS Zettel geschriebenhabe, hat mir das immer viel gegeben. Aufjeden Fall deutlich mehr, als 300 Euro perWU zu versenden, um dann ein hingerotztesDub zu bekommen.J: Was wir aber auch schon gemacht haben.R: Klar, jeder hat so seinen Part gemacht.Ich find‘s einfach nur schade, dass viele Selecternicht bereit sind, Geld zu bezahlen fürRiddims. Man muss auch sehen, wie viel Arbeit,Kreativität, Fleiß und Schweiß in einemSong stecken. Aber 99 Cent ist den Leutenzu teuer, das ist echt eine Frechheit.J: Genau. Auf der anderen Seite muss mannatürlich sagen, dass gerade das Reggae-Business sehr simpel ist: Durch Riddims mitunterschiedlichen Sängern wird versucht,mit relativ geringen Kosten so viel wie möglichaus einer Produktion zu holen. Wennman das mit der Alben-Produktion vergleicht,ist es eine Art Fast Food-Mentalität.Inzwischen hat jeder einen Computer undkann Riddims basteln - ich glaube, das gehtauch zu Lasten der Qualität. Klar, jeder hatdie Möglichkeit einen Hit zu basteln, wennman es drauf hat. Es ist aber auch viel Schrottdabei – das war im Reggae schon immer so.Einfach durch den hohen Output – da kann janicht alles gut sein.Merkt Ihr einen Rückgang an Partygästen?R: Die Besucher werden leider tatsächlichweniger. Die Hype-Zeit 2004/05 ist vorbei.„In Deutschland blickt mannur auf den Hype zurück -was übrig geblieben ist, sinddie selben Namen wie vorzehn Jahren“Ist das nur in Deutschland so?R: Speziell Deutschland hat ein Problem.In anderen Ländern ist Reggae / Dancehallvöllig durch die Decke geschossen, z.B.Portugal. In Frankreich etabliert sich wiederetwas, in Amsterdam gibt es durch DJWaxfiend eine Party im Monat, wo 2000Leute hingehen und gerne 15 Euro zahlen.In Deutschland blickt man nur auf den Hypezurück und das, was übrig geblieben ist, sinddie selben Namen wie vor zehn Jahren. Vonden Leuten, die vor 4-5 Jahren in Deutschlandangefangen haben, sind vielleicht noch1-2 übrig geblieben, die man ernst nehmenkönnte. Im Ausland geht es viel krasser ab.Die Leute sind bereit, für Künstler Geld zuzahlen, was in Deutschland teilweise nichtmehr der Fall ist. Wie soll das funktionieren?Wenn man, wie in Berlin, 3 Euro Eintritt zahlt,kann man keine Qualität erwarten. Qualitäthat ihren Preis, das wird auch immer so bleiben.hat das mehrere Gründe: Wirtschaftlich läuftes nicht so gut, und auch das Internet hateine gewisse Mitschuld: Viele haben keinenAnreiz, sich selber etwas anzueignen oderErfahrungen selber zu machen. Es ist ja allesschon vorgekaut: draufklicken, bekommen,fertig. Aber interessant ist es, wennman nicht nur konsumiert, sondern selberetwas macht. Ohne eigene positive, negativeoder kritische Erfahrungen geht es nicht.Reggae war für uns auch nicht immer easy,aber damit musste man sich auseinandersetzen.Vielen Leuten ist das jetzt anscheinendzu schwer. Wenn es beim ersten Malnicht gut läuft, machen die meisten direktetwas anderes.In anderen Ländern arbeiten MCs oft mit derLandessprache.R: Das ist vielleicht so, aber es gibt in anderenLändern auch a) mehr Subkulturen undb) ist Reggae dort für die Leute Heimatmusik.Wir haben ja keine Kolonien wie Hollandoder Frankreich, da sind karibische Ländernoch Staatsfläche. Wenn ich in Hollandauf einer Party sage: „Big up Surinam, St.Martin, Curacao“, geht es ab. Das sind allesGebiete, wo man holländisch oder englischspricht und in deren Kultur nur Reggae läuft.14 15Warum ist das in Deutschland so?R: Die Bereitschaft, Geld für das Nachtlebenauszugeben, hat nachgelassen - nicht nurim Reggae, sondern übergreifend. Fakt ist:Abends ist einfach weniger los, da kannst dujeden Taxifahrer fragen. In meinen Augan„Ich finde es schade, dass inDeutschland so wenig Leutedeutsch mc‘n“J: Wir sollten mehr türkische Pop-Partiesmachen… (lacht). Ich finde es schade, dassin Deutschland so wenig Leute deutschmc‘n. Viele trauen sich einfach nicht. Ichdenke, ein deutsch-sprachiger MC wäreeine gute Brücke, um die Leute besser mitder Musik vertraut zu machen. Es macht keinenSinn, wenn man Reggae auf einer Abi-Party zu spielen und dabei Patois spricht.R: In Frankreich kommen die meisten Leuteauf einer Reggae Party aus Guadalupe oderMartinique, Reggae ist deren Musik, die siejeden Tag hören. Die kennen alle Tänze unddas ganze Drumherum - es ist einfach derenKultur, keine Subkultur wie bei uns. Da ist allesecht, da wird nichts kopiert, es ist so. Wirhaben kopiert, so gut es geht – wie die Japaner.„Viele Youths hierzulandewollen immer originaler seinals das Original“J: Die Japaner und auch viele Youths hierzulandewollen immer originaler sein alsdas Original - ob das wirklich möglich ist?Man kann Sachen gut nachahmen, aber dieTrends werden da gesetzt, wo es herkommt.Das schränkt die Kreativität manchmal etwasein: Alles, was nicht Jamaika-konformist, wird von den Heads nicht wirklich akzeptiert.auch wenn es innovativ ist.R: Reggae ist einfach nicht unsere Kultur.Den ursprünglichen Vibe können wir auf jedenFall transportieren, auch wenn wir keineJamaikaner sind. Ich wette, auf einer Kingstone-oder PowPow-Party fühlt sich jederJamaikaner wohl, genauso wie Deutsche.Deswegen ist das, was wir machen, diehöchstmögliche Form von Integration.Was steht in Zukunft bei euch an?J: Zum einen gibt es noch einen neuenT.O.K-Song mit diversen Remixes. Eine ArtCrossover-Nummer mit verzerrten Gitarren- voll auf die zwölf! Und zum anderen...R: ...auf jeden Fall auch weiterhin Partiesrocken und positive Energie versprühen.Außerdem wollen wir auch weiterhin guteArtists aufbauen und supporten und damitReggae in Deutschland hoffentlich auf einLevel bringen, wo er eigentlich sein sollte.» www.kingstone.de


22JAMAIKANISCHER SONNTAGSBRATEN231 Rinderrollbraten ohne Knochen (ca. 1 kg)4 TL Salz1 TL frisch gemahlener schwarzer Pfeffer1 Zweig frischer Thymian, gehackt2 Schalotten, gehackt2 Scotch-Bonnet- oder andere Chilischoten,gehackt2 EL gehackter Knoblauch2 EL Pickapeppa-Soße2 EL PflanzenölWasser...................................................................Das Fleisch an der Oberfläche mit kleinenEinschnitten versehen. Salz, schwarzenPfeffer, Thymian, Schalotten, Chilis, Knoblauchund Pickapeppa vermischen. Die Einschnittemit dieser Mischung füllen. Zugedecktüber Nacht in den Kühlschrank stellen,damit sich die Aromen entfalten können.Einen gußeisernen Topf erhitzen, Öl hineingebenund das gerollte und mit Fäden umwickelteRindfleisch von allen Seiten scharfanbraten. 1/2 Tasse Wasser dazugebenund zugedeckt köcheln lassen, dabei immerwieder etwas Wasser hinzufügen. Nach ca.1,5 - 2 Stunden ist das Fleisch gar, man solltedann mit der Gabel leicht hineinstechen können.Jetzt die Fäden entfernen. Das Fleischmit den Bratensaft (evtl. zuvor mit Mehl binden)servieren....................................................................Dazu:1,5 kg Yamswurzel500 ml Palmöl1Prise SalzYam schälen, in Stäbchen oder dünneScheiben schneiden, in Schüssel mit gesalzenemWasser geben, Wasser abgiessen,Öl erhitzen und frittieren.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine