Resümee Klavier-Festival Ruhr 2011 - IOCO

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Resümee Klavier-Festival Ruhr 2011 - IOCO

Resümee des Klavier-Festivals Ruhr 2011:Erfolgreiche Bilanz im 1. StiftungsjahrPressekonferenz 22. Juli 2011Programmschwerpunkt 2011: Franz Liszt zum 200. GeburtstagNach den 200. Geburtstagen von Frédéric Chopin und Robert Schumann würdigte dasKlavier-Festival Ruhr im Jahr 2011 den 200. Geburtstag des Klavier-Titanen Franz Liszt.Weltweit gefeierte Pianisten, aber natürlich auch viele noch unbekannte Wettbewerbssiegerund Debütanten wandten sich beim Klavier-Festival Ruhr 2011 den Werken des großenVirtuosen zu. Auch Querverbindungen zwischen dem Schaffen von Franz Liszt und RichardWagner gehörten zum thematischen Leitfaden des diesjährigen Programms. Vorträge desSchriftstellers und Rundfunk-Journalisten Michael Stegemann, der Interpreten undMusikwissenschaftler Robert Levin und Siegfried Mauser sowie von Alfred Brendel, dessen80. Geburtstag das Klavier-Festival Ruhr mit einer mehrtägigen Hommage feierte,erweiterten dieses singuläre Panorama zum Werk und zur Person Franz Liszts zusätzlich.Das Klavier-Festival Ruhr begann am Fr. 6. Mai in der Stadthalle Mülheim und endete amFr. 22. Juli mit einem Konzert der „JazzLine“ in der Philharmonie Essen.Die Konzerte des Klavier-Festivals Ruhr 2011Auftakt mit Khatia BuniatishviliMit einem von Temperament und emotionaler Hingabe geprägten Konzert eröffnete diegeorgische Pianistin Khatia Buniathishvili in der Stadthalle Mülheim das Klavier-FestivalRuhr 2011. Zwei Jahre nach ihrem weithin beachteten Deutschland-Debüt beim Klavier-Festival Ruhr 2009 schenkte die 23-jährige Künstlerin den Festival-Besuchern nach zweigrüblerischen Brahms-Intermezzi und Ludwig van Beethovens leidenschaftlicher„Appassionata“ erste Liszt-Höhepunkte: Den dämonisch aufflackernden Mephisto-Walzer,das Notturno Nr. 3 aus den „Liebesträumen“ sowie die „Trauergondel“ Nr. 2. DenSchlusspunkt setzte sie mit der fingerbrecherischen Motorik von Igor StrawinskysPetruschka-Suite. „Hier die Tradition, dort der mutige Schritt in die Zukunft: Wer essymbolträchtig mag, sieht diese Konstellation zugleich im Eröffnungsprogramm des Festivals2011 gespiegelt“, schrieb die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) in ihrer Kritik.1


Liszts Klavierkonzerte mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle BerlinVom „Gipfeltreffen der lebenden Legenden“ schrieben die Zeitungen nach den Konzertenvon Daniel Barenboim, der unter der Leitung von Pierre Boulez in der EssenerPhilharmonie die beiden Klavierkonzerte von Franz Liszt an einem Abend spielte. Begleitetwurde er dabei von der traditionsreichen Staatskapelle Berlin. Zwei Werke von RichardWagner umrahmten die Aufführung der Liszt-Klavierkonzerte: Zum Auftakt erklang diebrillante Faust-Ouvertüre, während das berühmte Siegfried-Idyll den zweiten Teil desAbends eröffnete. Die neue musikzeitung (nmz) urteilte: „In Momenten wie diesen, wo dieZauber wieder binden, scheint es dann doch einmal wahr zu werden: Die Musik ein Fest.Auch ohne Feuerwerk.“ Das Konzert wurde auf DVD aufgezeichnet und geht zu einemspäteren Zeitpunkt weltweit in den Handel und auf Sendung. Auch ZDF und ARTE werdendas Konzert ausstrahlen; die Termine werden rechtzeitig unter www.klavierfestival.debekannt gegeben.Franz Liszt als Wegbereiter der Moderne: Höhepunkt mit Pierre-Laurent AimardNachgerade sinnlich spürbar wurde Franz Liszts Bedeutung als Wegbereiter der Modernebei einem erhellenden Klavierabend des französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard inder Gebläsehalle des Duisburger Landschaftsparks. In kluger Programm-Dramaturgiekombinierte Aimard drei späte Miniaturen von Franz Liszt mit der Klaviersonate As-Dur vonRichard Wagner, der Klaviersonate Nr. 1 von Alban Berg und der „Schwarzen Messe“ vonAlexander Skrjabin. Diesen ersten, auf Wunsch des Künstlers nicht durch Applausunterbrochenen Komplex krönte Aimard nach der Pause mit einer denkwürdigenInterpretation der Sonate in h-Moll. Publikum und Fachpresse reagierten nachgeradeeuphorisch: Die Rheinische Post nannte den Abend „aufregend analytisch“, die Neue RuhrZeitung (NRZ) beschrieb einen Klavierabend „wie von einem anderen Stern“. DerFernsehsender ARTE hat das Konzert aufgezeichnet und wird es am So. 16. Oktoberausstrahlen (19.15 Uhr). Das WDR Fernsehen wird die Aufzeichnung zu einem späterenZeitpunkt zeigen, der rechtzeitig unter www.klavierfestival.de bekannt gegeben wird.2


Listz-Vortrag von Alfred Brendel: „Vom Überschwang zur Askese“Für einen unvoreingenommenen Blick auf den Jahresjubilar Franz Liszt plädierte AlfredBrendel in seinem so persönlichen wie poetischen Vortrag in der Stadthalle Mülheim. Ohnedie Schwächen des Komponisten zu verhehlen, würdigte Brendel Franz Liszt als kühnenNeuerer, der jedoch häufig missverstanden worden sei. Für seinen Vortrag mit dem Titel„Vom Überschwang zur Askese“ nahm Alfred Brendel am Flügel Platz. Er spielte zurVerdeutlichung nicht nur einzelne kleine Passagen aus Liszt-Werken, sondern komplettekleine Stücke: So zum Beispiel die düstere Etüde „Pensieroso“, das verhauchende drittePetrarca-Sonett und das Spätwerk „Unstern“. Die neue musikzeitung (nmz) schrieb überdiesen Abend: „Wer einmal eine dieser inspirierten Veranstaltungen besucht hat, bemerktunschwer das Bedürfnis des Publikums, sich auf hohem Niveau über Musik und Musiker wieFranz Liszt bilden, bewegen, erfreuen zu lassen. Es sind, wenngleich völlig unspektakulär,Sternstunden. Auch die in Mülheim an der Ruhr.“Hommage: Alfred Brendel zum 80. GeburtstagAm 5. Januar 2011 feierte Alfred Brendel seinen 80. Geburtstag. Das diesjährige Klavier-Festival Ruhr gestaltete aus diesem Anlass eine besondere Hommage für diesen Ausnahme-Pianisten, der viele Menschen auch als Lyriker, Buchautor und Humorist fasziniert. Vier junge,Alfred Brendel besonders verbundene Pianisten umrahmten den Liszt-Vortrag ihres Mentorsmit Konzerten, in denen das Werk des in Ungarn geborenen Virtuosen natürlich eine zentraleRolle spielte. Mit Sonetten, Etüden und Teilen aus dem Pilgerjahr-Zyklus „Années depèlerinage“ begaben sich Till Fellner, Francesco Piemontesi, sowie der vielfältig begabteKit Armstrong auf eigene Interpretationspfade. Im letzten Konzert der Hommage erklang einAlfred Brendel gewidmetes neues Klaviertrio, das Kit Armstrong im Auftrag des Klavier-Festivals Ruhr komponiert hatte. Armstrong brachte sein Werk mit dem Titel „Time flies like anarrow“ gemeinsam mit dem Geiger Andrej Bielow und dem Cellisten Adrian Brendel zurUraufführung.3


Liszt und der „Canto Italiano“: Andrea Lucchesini und Mario BrunelloWie sehr Franz Liszt als Meister der Paraphrase zur Verbreitung berühmter Opernmelodienbeitrug, verdeutlichte das Konzert des Pianisten Andrea Lucchesini und des CellistenMario Brunello im August Everding Kulturzentrum in Bottrop. Ihr ebenso kurzweiliges wievirtuoses Programm mit dem Titel „Franz Liszt und der Canto Italiano“ umfasste Melodienaus Wilhelm Tell, dem Barbier von Sevilla, Lucia di Lammermoor und Linda di Chamounix.Den Gegenpol zum virtuos unterfütterten Feuerwerk der Opernmelodien setzten die beidenKünstler mit zwei schlichten Liszt-Elegien, mit Liszts melancholischer „Romance oubliée“oder seiner schwelgerischen Ballade „Die Zelle von Nonnenwerth“. Die WestdeutscheAllgemeine Zeitung (WAZ) schrieb über den Abend: „Ein starkes Duo, in dem sich zweimusikalische Alpha-Tiere nicht an Tasten und auf Saiten duellierten, sondern getragen voneiner wunderbaren Homogenität gemeinsam die kantablen und virtuosen Partiturenerkundeten. Ein sinnlicher und suggestiver Genuss!“Franz Liszt: Eine Wiedergutmachung von Michael StegemannAls fünffaches Fortissimo baute der Musikschriftsteller und Rundfunk-Autor MichaelStegemann seinen erhellenden Vortrag über Franz Liszt auf: Die Fans, die Freunde, dieFrauen, die Familie und die Feinde des Komponisten dienten ihm als Spiegel, um das Liszt-Bild seines Publikums im Essener Schloss Borbeck auf höchst spannende Weise zuaktualisieren. Kenntnisreich und voller Wärme sprach Stegemann in seiner „Wiedergutmachung“vom gefeierten Virtuosen, dem das Konzertieren mehr und mehr zur Qualwurde, vom glücklosen Vater, der die Zuneigung seiner Kinder verlor, vom verkanntenWegbereiter der Moderne, dessen Kompositionen von den Zeitgenossen nicht verstandenwurden und von dem verbitterten alten Mann, der in seinen späten Jahren in Altersdepressionversank. Musikalisch höchst eindrucksvoll ergänzt wurde Stegemanns Vortragvon dem Aimard-Schüler Lorenzo Soules, der Liszt-Spätwerke wie die „Nuages gris“ und„Unstern“ interpretierte.4


„Vom Virtuosen zum Visionär“: Robert Levin und Ya-Fei ChuangEinen neuen Spielort erschloss sich das diesjährige Klavier-Festival Ruhr mit der AltenRentei von Schloss Gartrop in Hünxe. Dort befasste sich der Pianist und Harvard-ProfessorRobert Levin mit dem Wirken des musikalischen Multitalents Franz Liszt. Für seinen Vortragmit dem Titel „Vom Virtuosen zum Visionär“ nahm er am Flügel Platz und zeigte anhand livegespielter Beispiele, mit welchen genialen Kompositionsmitteln Franz Liszt in musikalischesNeuland vorstieß. Im anschließenden Konzert spielte Levins Partnerin Ya-Fei Chuangzunächst die „Hymne de la nuit“ von Franz Liszt, um dann den Kosmos der 24 Préludes vonFrédéric Chopin zu durchschreiten. Nach der Pause setzte die Pianistin ihr Programm mit„Mosonyis Grabgeleit“ fort, das Franz Liszt seinem ungarischen Komponistenkollegen MihályMosonyi gewidmet hatte. Mit der 1987 komponierten „Night Music“ des in Luxemburggeborenen Alexander Müllenbach setzte Ya-Fei Chuang einen zeitgenössischen Akzent,bevor sie ihren Klavierabend mit Franz Liszts hochvirtuoser Paraphrase auf Mozarts Oper„Don Giovanni“ beschloss.Gesprächskonzerte mit Siegfried MauserEine h-Moll-Sonate voller Zitate, Stockungen und Weiterentwicklungen ins Geräuschhaftebrachte der Pianist und Musikwissenschaftler Siegfried Mauser bei seinen Gesprächskonzertenin der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen zur Uraufführung. Es handelte sich dabeium ein neues Klavierwerk des in Berlin lebenden Komponisten Dieter Schnebel, mit demsich Mauser auf dem Podium über Bezüge zu Liszt, Chopin und Schubert unterhielt. AlsReferenzwerk hatte sich Schnebel selbst die a-Moll-Sonate op. 42 von Franz Schubertausgesucht, die Mauser der vom Klavier-Festival Ruhr in Auftrag gegebenen Uraufführungvoran stellte. Das zweite Konzert des Tages war Liszt und seinem Schwiegersohn Wagnergewidmet. Mauser nahm das Publikum mit auf einen spannenden Exkurs mit Parsifal-Anklängen im Memorial „Am Grabe Richard Wagners“ und quälender Todesahnung in denbeiden „Trauergondeln“.5


Liederwochenende im Zeichen von Franz LisztWenig ist von den rund 90 Kunstliedern bekannt, die Franz Liszt in sieben verschiedenenSprachen komponierte. Das diesjährige Klavier-Festival Ruhr nutzte daher seinen traditionellenLieder-Schwerpunkt im idyllischen Wasserschloss der Stadt Herten, um einigeSeiten dieses weithin unbekannten Kapitels aufzublättern. Zum Auftakt gab es eine Wiederbegegnungmit der Pianistin Irina Puryshinskaja, die mit der Mezzosopranistin MarinaPrudenskaja Lieder von Franz Liszt, Gustav Mahler und Sergej Rachmaninov interpretierte.Bekannte Gedichte von Heinrich Heine und Johann Wolfgang von Goethe stellte GrahamJohnson in Versionen von Franz Schubert und Robert Schumann vor, um sie dann mit derFassung von Franz Liszt zu vergleichen. Der dritte und letzte Abend des Liederwochenendesähnelte einer Lied-Biografie des Komponisten. Johnson stellte eine mehr oder wenigerchronologische Auswahl von Liszt-Liedern vor, ergänzt durch Lieder seines SchwiegersohnesRichard Wagner, seines engen Freundes Hector Berlioz und seines Sekretärs PeterCornelius. Johnson, bekannt nicht nur als exzellenter Partner seiner Sänger, sondern auch alsEntdecker neuer Stimmen, brachte den Tenor Ben Johnson, die Sopranistin GeraldineMcGreevy und den Bariton Martin Hässler mit.Weitere Liszt-HöhepunkteMeisterwerke, aber auch Raritäten trugen die Künstler des Klavier-Festivals Ruhr 2011 zumLiszt-Schwerpunkt des Programms bei. So spielten die Brüder Anthony & Joseph Paratoreim Dortmunder Harenberg-Center die berühmte Sonate in h-Moll in einer Fassung für zweiKlaviere von Camille Saint-Saëns. Nur wenige Tage später war dieses Werk dann in derOriginalfassung zu erleben: Arcadi Volodos trumpfte mit einer flammenden Interpretation inder Mercatorhalle Duisburg auf, in der die Recklinghäuser Zeitung den „Mount Everest dessaisonalen Konzertgeschehens“ ausmachte. Völlig gegensätzlich, aber nicht minderspektakulär klang dieses Werk unter den Händen des Franzosen Pierre-Laurent Aimard,der Liszts Meisterwerk analytisch durchdrang und in einen kongenialen Kontext stellte.Höchste Konzentration und klangliche Ausgewogenheit bewies der Bulgare VesselinStanev, der sich mit der Fantasie und Fuge für Orgel nach J.S. Bach sowie den „Douzeétudes d’exécution transcendante“ vor Franz Liszt verneigte. Der Frankokanadier Marc-André Hamelin, gerühmt als uneitler Super-Virtuose und magischer Klangästhet, entfachteim Robert-Schumann-Saal Düsseldorf Begeisterungsstürme mit „Venezia e Napoli“ und denvertrackten Reminiszenzen an Vincenzo Bellinis Oper „Norma“. In der Reihe „Die Besten der6


Besten“ erwiesen die Preisträger Denis Kozhukhin und Ilya Poletaev dem Jahresjubilarihre musikalische Reverenz. Auch das fulminante Debüt von Igor Levit im KulturzentrumAugust Everding in Bottrop stand im Zeichen des großen Virtuosen. Im Wechsel spielte dietemperamentvolle Rumänin Mihaela Ursuleasa bei ihrem Klavierabend in HolzwickedeWerke von Franz Liszt und Johann Sebastian Bach. Den letzten großen Beitrag zumProgramm-Schwerpunkt des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr leistete Gerhard Oppitz inder Stadthalle Mülheim, wo er sich ausschließlich auf späte Tonschöpfungen von Franz Lisztkonzentrierte.Brahms’ Klavierkonzerte mit Michael KorstickDie seltene Gelegenheit, Brahms’ Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 an einem Abend zu erleben,ergab sich beim diesjährigen Klavier-Festival Ruhr am Tag nach dem Eröffnungskonzert.Michael Korstick, begleitet vom WDR Sinfonieorchester Köln unter Dirigent Karl-HeinzSteffens, bewies in der Jahrhunderthalle Bochum einen langen Atem. Dem gebürtigenKölner Pianisten, der 2005 den begehrten „Preis der Deutschen Schallplattenkritk“ und den„Echo Klassik“ erhielt, gelang es in einem unangestrengt wirkenden Kraftakt, die introvertiertePoesie der Werke auszuloten. „Wie er es dennoch schafft, den Klavierpartzupackend mit fesselnder Spannung aufzuladen, bleibt sein Geheimnis“, schrieb dieRecklinghäuser Zeitung über diesen umjubelten Brahms-Abend in Bochum.Beethoven mit Hélène Grimaud und dem WDR SinfonieorchesterMit Spannung hatten viele Besucher des Klavier-Festivals Ruhr die Rückkehr dercharismatischen Französin Hélène Grimaud erwartet. Sie wurden belohnt mit dem lyrischmilden4. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven, dem die Pianistin in der ausverkauftenPhilharmonie Essen ihre brillante, sehr persönliche Handschrift verlieh. Das WDRSinfonieorchester Köln umrahmte dieses Meisterwerk der Klavierliteratur unter derLeitung des Dirigenten Manfred Honeck mit Beethovens düsterer „Coriolan“-Ouvertüreund seiner strahlenden 7. Sinfonie in A-Dur.7


Kammermusik mit Anne-Sophie Mutter und Lambert OrkisMit ihrem langjährigen Klavierpartner Lambert Orkis und einem breit gefächerten Programmkehrte die Geigerin Anne-Sophie Mutter zum Klavier-Festival Ruhr 2011 zurück. In derPhilharmonie Essen spannte sie den Bogen von den leuchtenden Klangfarben derViolinsonate von Claude Debussy über die beschwingte Sonate F-Dur von Felix MendelssohnBartholdy und die Sonate KV 454 von Wolfgang Amadeus Mozart bis zum virtuosen Feuer derCarmen-Fantasie von Pablo de Sarasate. Das Publikum ließ die Künstlerin, die in diesem Jahrihr 35-jähriges Bühnenjubiläum feiert, nicht ohne Zugaben gehen: Und so folgten derumjubelten Carmen-Fantasie stimmungsvolle Zugaben von George Gershwin, André Previnund der fünfte Ungarische Tanz von Johannes Brahms.Variationen mit András SchiffÜber „einen Abend der musikalischen Wunder“ staunte der Kritiker der WestdeutschenAllgemeinen Zeitung (WAZ) nach dem Recital des Ungarn András Schiff in der DuisburgerMercatorhalle. Einmal mehr trat der Preisträger des Klavier-Festivals Ruhr 2009 mit einemklug konzipierten Programm auf, das von Variationssätzen Joseph Haydns und WolfgangAmadeus Mozarts über Felix Mendelssohns „Variations sérieuses“ und Robert Schumanns„Geistervariationen“ zu einem Gipfelwerk dieser Gattung führte: Ludwig van Beethovens 33Variationen über einen Walzer von Anton Diabelli. Fazit des Kultur-Blogs IOCO: „Es war einhoch befriedigender Abend. Das Publikum (...) erhob sich von den Plätzen und feierte denKünstler frenetisch.“Chopin-Recital mit YundiGanz auf die Musik des Liszt-Zeitgenossen Frédéric Chopin konzentrierte sich der ChineseYundi beim Klavier-Festival Ruhr 2011. Sein Klavierabend in der Philharmonie Essenumfasste neben einer Folge von Nocturnes die Sonate Nr. 2 b-Moll, Vier Mazurken op. 33,Andante spianato und Grande Polonaise Es-Dur und die „heroische“ Polonaise Nr. 6 As-Durop. 53. Yundi hatte als erster Chinese überhaupt im Jahr 2000 den 1. Preis beim berühmtenWarschauer Chopin-Wettbewerb gewonnen, den die Jury zuvor 15 Jahre lang nicht mehrvergeben hatte. Zu diesem Zeitpunkt war er 18 Jahre alt. Der sensationelle Sieg machte ihn inseiner Heimat zum Star: Seine CD-Einspielungen tauchten sogar in den chinesischenPopcharts auf. Außerdem erhielt er einen Exklusiv-Vertrag mit der Deutschen Grammophon.8


Debüt für das Quartett der SchallplattenkritikerEinen so amüsanten wie kenntnisreichen Schlagabtausch lieferte sich ein besonderesQuartett auf der Bühne des Düsseldorf Robert-Schumann-Saals: Es waren Juroren des„Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V.“, die erstmals beim Klavier-Festival Ruhrzusammentrafen, um öffentlich über alte und neue Tonaufnahmen der h-Moll-Sonate vonFrédéric Chopin zu diskutieren. Jeder Juror brachte dabei seine Lieblingsaufnahmen mit,stellte sie vor und verteidigte sie. Je nach Werk und Werkgattung wechselt naturgemäß dieBesetzung dieser Quartettrunde. Beim Klavier-Festival Ruhr waren Eleonore Büning (FAZ),Kalle Burmester (WDR), Wolfram Goertz (Rheinische Post/Die ZEIT) und Gregor Willmes(Bechstein/FonoForum) zu Gast. Dieser lebhaften Experten-Runde folgten zwei weitereDebüts: Die jungen Meisterpianisten Lukas Geniusas und Ingolf Wunder, die beide beimChopin-Wettbewerb Warschau 2010 den zweiten Preis gewannen, stellten sich demFestival-Publikum mit Werken des Exil-Polen vor.Cembalomusik: Jan Pieterszoon Sweelinck und seine ZeitgenossenEine musikalische Reise in die Blütezeit der niederländischen und flämischen Instrumentalmusikunternahm die russische Cembalistin Maria Uspenskaya im Schloss Hohenlimburg. Inder Reihe „Alte Musik in NRW“ des Medienpartners WDR 3 konzentrierte sich die Künstlerinauf die Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck, einem der berühmtesten Organisten seinerZeit. Kompositionen seiner Schüler und Zeitgenossen vervollständigten das Porträt. DerWestfälische Anzeiger attestierte Uspenskaya, die beim Internationalen Bach-Wettbewerb2010 in Leipzig den 1. Preis errang, „eine gelungene Verbindung von lehrreicher Programmgestaltungund inniger Interpretation.“Stipendiat des Klavier-Festivals Ruhr 2010: Alexander MogilevskyAls Stipendiat des Klavier-Festivals Ruhr 2010 debütierte in diesem Jahr der in Odessageborene Pianist Alexander Mogilevsky, Spross einer bekannten Musiker-Familie. In derAlten Lohnhalle der Zeche Holland in Wattenscheid stellte er sich dem Festival-Publikum miteiner Auswahl von Werken des Exil-Polen Frédéric Chopin vor, denen er Franz LisztsUngarische Rhapsodie Nr. 4 sowie die fingerbrecherische Paraphrase auf Mozarts Oper „DonGiovanni“ folgen ließ. Zum Abschluss erklang die 7. Klaviersonate von Sergej Prokofjew, diezu den so genannten „Kriegssonaten“ gezählt wird. Für den großen Beifall bedankte sichMogilevsky mit drei Zugaben. Das Konzert wurde vom Deutschlandfunk aufgezeichnet.9


„ExtraSchicht“ mit Musik von Franz LisztGuten Anklang fand der spektakuläre Pianistenmarathon des Klavier-Festivals Ruhr 2011 imRahmen der „ExtraSchicht“: Rund 12.000 Besucher strömten zwischen 18 Uhr und Mitternachtin die Jahrhunderthalle Bochum, um die Meisterschüler der Essener, Kölner undDüsseldorfer Musikhochschulen auf dem Konzertpodium zu erleben. Dem diesjährigenProgrammschwerpunkt des Festivals entsprechend, spielten 21 talentierte junge Nachwuchspianisten29 Klavierwerke von Franz Liszt. Als kundiger Moderator führte der durch WDR 3bekannte Musikjournalist Hans Winking durch diese Leistungsschau der NRW-Musikhochschulen,deren Erfolg sich auch der guten Zusammenarbeit mit dem Jahrhunderthallen-Leiter Thorsten Kröger und seinem Team von der Bochumer Veranstaltungs-GmbH verdankt.JazzLine: Auftakt mit Martin Sasse, Abschluss mit Gwilym SimcockBesonders viele Konzerterlebnisse bot im Jahr 2011 die „JazzLine“ des Klavier-Festivals Ruhr.Sie begann mit einem spannenden neuen Konzertformat: Der Kölner Pianist Martin Sassegab sein Festival-Debüt im Rahmen einer „JazzLounge“ im Stanzwerk Bochum. Begleitetwurde der improvisationsfreudige Musiker von seinen langjährigen musikalischenWegbegleitern John Goldsby (Bass) und Mario Gonzi (Drums).Zu einer „erfrischenden Hommage an die große Ella Fitzgerald“ (WAZ) formte die Grammy-Preisträgerin Patti Austin ihren Auftritt in der Essener Lichtburg. Bei ihrem Feuerwerkfamoser Standards aus dem Repertoire der legendären Kollegin wurde sie von einemhochkarätigen Piano-Trio rund um Olaf Polziehn begleitet, zu dem Christian von Kaphengst(Bass) und Peter Lübke (Drums) gehörten.Jazzklassiker und anspruchsvolle Pop-Hits sangen die New York Voices in der EssenerLichtburg. Das Vokal-Quartett, bestehend aus Kim Nazarian (Soprano), Lauren Kinhan(Alto), Darmon Meader (Tenor) und Peter Aldridge (Bass), zelebrierte beim Klavier-FestivalRuhr die Kunst des perfekten Harmoniegesangs. Instrumental unterstützt wurden die Sängervon Claus-Dieter Bandorf (Piano), Christian von Kaphengst (Bass) und Hans Dekker(Drums).Am Ende gab es kein Halten mehr: Das Publikum in der Duisburger Mercatorhalle stürmtenach vorne zur Bühne, um Chick Corea und die Musiker seiner legendären Fusion-Band„Return to Forever“ zu feiern. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) war nicht10


Abschlusskonzert: Gwilym Simcock und das BundesjazzorchesterEinst von Chick Corea als Stipendiat benannt, gab der Jazzpianist Gwilym Simcock bereitsim Juni 2007 sein erfolgreiches Festival-Debüt auf der Zeche Auguste Victoria in Marl. Fürdas Abschlusskonzert des Klavier-Festivals Ruhr 2011 in der Philharmonie Essen kehrt derinzwischen mit Auszeichnungen überhäufte Waliser an die Ruhr zurück. Der als Shooting-Star der britischen Jazzszene geltende Pianist intoniert die Schlusstakte des diesjährigenKlavier-Festivals gemeinsam mit dem Bundesjazzorchester, das als zentrale Jazz-Talentschmiede der Republik gilt. Geleitet wurde es von dem renommierten amerikanischenPosaunisten, Bandleader und Lehrer Jiggs Whigham.Preis des Klavier-Festivals Ruhr 2011: Elisabeth LeonskajaDie georgische Pianistin Elisabeth Leonskaja nahm am 29. Juni den diesjährigen Preis desKlavier-Festivals Ruhr entgegen. Die Ehrung erfolgte im Rahmen eines umjubelten Konzertsim Gelsenkirchener Musiktheater, bei dem die Künstlerin Werke von Ludwig van Beethoven,Franz Liszt und Robert Schumann spielte. Der Ehrenpreis wurde vom Initiativkreis Ruhr insLeben gerufen, um außerordentliche pianistische Leistungen zu würdigen oder einenPianisten für sein Lebenswerk auszuzeichnen. In seiner Laudatio anlässlich der Preisverleihungschrieb der Musikkritiker Wolfram Goertz über das Spiel der zurückhaltendenKünstlerin: „Die Methodik der unaufdringlichen Verfeinerung könnte ihr Markenzeichen sein.Es gibt nicht viele Pianisten, die diese unaufdringliche Delikatesse zum Stil erhoben haben“.Dem Klavier-Festival Ruhr gab Elisabeth Leonskaja in diesem Jahr bereits zum 15. Mal dieEhre. Sie ist die die 14. Trägerin dieser Auszeichnung nach Bella Davidovich (1998), DanielBarenboim (1999), Dmitri Bashkirov (2000), Graham Johnson (2001), Leon Fleisher (2002),Pierre-Laurent Aimard (2003), Alfred Brendel (2004), Pierre Boulez (2005), Chick Corea(2006), Martha Argerich (2007), Maurizio Pollini (2008), András Schiff (2009) und GrigorySokolov (2010).12


Das Education-Programm des Klavier-Festivals Ruhr 2011Kreativ bilden, nachhaltig fördern – unter dieser Devise hat das Klavier-Festival Ruhr seitdem Jahr 2006 ein innovatives und umfangreiches Education-Programm entwickelt, dasMenschen unterschiedlichen Alters für die Welt des Klaviers begeistern und zu einer aktivenBeschäftigung mit Musik anregen möchte. Die Initiative umfasst drei Säulen: SpielplatzKlavier – Little Piano School, die auf einer Methode der Klavierpädagogin Kim MonikaWright basiert, die Begegnungen – Encounters genannten Begegnungen jungerKlavierschüler mit international angesehenen Künstlern und spannende musikalischeEntdeckungsreisen im Rahmen der Entdeckungen – Discovery Projects, die dasMusikverständnis durch eigene kreative Aktivität fördern sollen. Dieses kulturelleBildungsprogramm, das von Tobias Bleek in Zusammenarbeit mit Richard McNicol geleitetwird, fördert die musikalischen und kreativen Fähigkeiten der Teilnehmer und setzt dabei aufnachhaltige Verbindungen mit Institutionen der Region. Unterstützt werden sie dabei vonerfahrenen Pädagogen und Künstlern, aber auch von bedeutenden Pianisten, die demKlavier-Festival freundschaftlich verbunden sind und deshalb alljährlich an die Ruhrzurückkehren.Entdeckungen – Discovery ProjectsIm Zentrum der Discovery-Projekte 2011 standen erneut Themen, die aus unterschiedlichenPerspektiven über einen längeren Zeitpunkt interdisziplinär behandelt wurden. EinFamiliennachmittag zum Thema „KlangFarben“ im Museum Folkwang in Essen beleuchtetedas faszinierende Wechselspiel von Musik und Bildender Kunst. Maurice Ravels „Ma mèrel’oye“ stand im Mittelpunkt eines Familienkonzerts, das durch die Gegenüberstellung derKlavier- und Orchesterfassung den faszinierenden Farbenreichtum dieser Musik auffächerte.Zu einer Hommage des ungarischen Komponisten György Kurtág hatte sich dasEducation-Team des Klavier-Festivals Ruhr anlässlich dessen 85. Geburtstags inspirierenlassen. Studierende der Kölner Musikhochschule sowie junge Klavierschüler waren an diesemProjekt beteiligt. Für diese Hommage schrieben zwei Komponisten im Auftrag des Klavier-Festivals Ruhr 2011 zudem neue Klavierstücke, die Pierre-Laurent Aimard und TamaraStefanovich zur Uraufführung brachten. Ein Lecture-Recital von Tamara Stefanovich imMuseum Folkwang rundete die Education-Höhepunkte des Klavier-Festivals Ruhr 2011 ab.13


Familienkonzert: Maurice Ravels „Ma mère l’oye“Mit lustvoller Absicht brachte der englische Musikvermittler Richard McNicol den Ablauf desFamilienkonzerts durcheinander, zu dem das diesjährige Klavier-Festival Ruhr insAuditorium Maximum der Ruhr-Universität Bochum eingeladen hatte. Er ließ die ZuhörerChinesisch singen, stellte das Kontrafagott als „perfektes Biest“ vor und streute Brotkrumenaus wie der Däumling, der in Maurice Ravels musikalischer Märchenerzählung „Ma mèrel’oye“ („Mutter Gans“) seinen Weg durch den Wald finden will. Nachdem das berühmteKlavierduo Paratore Auszüge aus der Klavierfassung spielte, präsentierten McNicol und dieBochumer Symphoniker die kunstvolle Orchesterfassung des Werks. Der renommierteEducation-Experte gab dabei Einblicke in die Innenwelt eines Orchesters und erkundete aufunterhaltsame Weise die Geheimnisse von Ravels magischer Instrumentationskunst.Abgerundet wurde das Programm mit verwandten Werken von George Bizet, Gabriel Fauréund Igor Strawinsky. In Kooperation mit der Emschergenossenschaft und den BochumerSymphonikern hatte das Klavier-Festival Ruhr im Vorfeld des Konzerts ein mehrmonatigesEducation-Projekt durchgeführt. Schülerinnen und Schüler aus dem Emschertal – unteranderem die „EmscherKids“ – setzten sich in zahlreichen Workshops schöpferisch mitRavels Musik auseinander. Eine Ausstellung im Foyer präsentierte die Ergebnisse.György Kurtág zum 85. Geburtstag: Eine HommageSie stritten sich wortlos und mit großem Vergnügen: Mit dem Klavierstück „Schläge undZank“ von György Kurtág eröffneten die achtjährige Sarah und der französische PianistPierre-Laurent Aimard eine Hommage, mit der das Education-Team des Klavier-Festivalsden 85. Geburtstag des ungarischen Komponisten würdigte. Sechs junge Pianisten im Altervon sechs bis acht Jahren präsentierten in der Folkwang Universität in Duisburg dieErgebnisse ihrer Beschäftigung mit den fein geschliffenen Miniaturen aus KurtágsKlavierzyklus „Játékok“. Sie spielten aber auch eigene kleine Kompositionen, erwachsen auseiner intensiven Arbeitsphase mit dem zypriotischen Komponisten Vassos Nicolaou. Werkevon György Kurtág und von seinen Wegbegleitern Béla Bartók, György Ligeti und SándorVeress spielten Pierre-Laurent Aimard, seine ebenfalls an der Kölner Musikhochschuledozierende Kollegin Tamara Stefanovich und Studierende der Kölner Musikhochschule.Überdies brachte Tamara Stefanovich musikalische Geburtstagsgrüße zur Uraufführung, dieausgewählte Komponisten im Auftrag des Klavier-Festivals Ruhr verfassten. Mit dieserKurtág-Hommage setzte das Klavier-Festival Ruhr seine 2007 ins Leben gerufene Reihe zurVermittlung zeitgenössischer Musik fort.14


Weitere Education-VeranstaltungenFamiliennachmittag: „Impressionismus“ in Malerei und MusikUnter dem Titel „Die befreite Fantasie durchatmen lassen“ berichtete die RecklinghäuserZeitung über das Education-Projekt „KlangFarben“ beim Klavier-Festival Ruhr 2011, das sichan Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren richtete – und natürlich auch an deren Eltern. Dieanschauliche Entdeckungsreise, zu der das Festival in Zusammenarbeit mit dem MuseumFolkwang eingeladen hatte, zeigte Parallel-Entwicklungen in Musik und Malerei auf undversuchte so zu klären, was mit dem Begriff „Impressionismus“ eigentlich gemeint ist.Während die Kinder in einem zweistündigen Workshop ausgewählte Bilder erkundeten undim Werkraum selbst zum Pinsel griffen, erhielten die Erwachsenen eine Führung zur Malereiim Zeitalter des Impressionismus. Im Anschluss stellte die renommierte Pianistin TamaraStefanovich in einem moderierten Konzert ausgewählte Klavierwerke von Claude Debussyvor und beleuchtete die faszinierenden Wechselwirkungen zwischen Musik und Malerei. ImVorfeld der Veranstaltung hatte das Klavier-Festival Ruhr ein umfangreiches Education-Projekt zum Thema „KlangFarben“ an Duisburger Schulen durchgeführt.„Musik und Malerei“: Lecture-Recital mit Tamara StefanovichEine Welt voll sublimer Klänge und Farben eröffnete sich den Besuchern des Klavier-Festivals Ruhr beim Lecture-Recital „Musik und Malerei“ im Museum Folkwang. Auf nahezuideale Weise erschlossen sich dabei Gemeinsamkeiten des „Impressionismus in Malerei undMusik“. Wie verstörend die Bilder von Auguste Renoir, Claude Monet, Paul Cezanne undanderen einst auf die Zeitgenossen wirkten, verdeutlichte ein von Tobias Bleek gehaltenerVortrag des Musikwissenschaftlers Volker Scherliess, der zugleich ausgewiesener Experteim Bereich der Kunstgeschichte ist. Die unklare, gleichsam verschwommene Darstellungsweise,die bewusste Abkehr von einer detailgetreuen Abbildung des Gegenstands wurdendamals als schockierend empfunden. Auch in der Musik machte das Schmähwort vom„Impressionismus“ bald die Runde: In den Werken der Komponisten Claude Debussy undMaurice Ravel dominierten statt klarer Melodien fremdartig schillernde Klangwolken, erzeugtdurch den Einsatz von Ganztonleitern und Harmonie-Reihungen. Welchen Zauber die vonLicht und Farbe durchfluteten Werke von Claude Debussy auf den Hörer ausüben, führte diein Belgrad geborene Pianistin Tamara Stefanovich in ihrem abschließenden Recital inPerfektion vor.15


Preisträger Internationaler Wettbewerbe: „Die Besten der Besten“Bei der Förderung junger professioneller Pianisten nimmt das Klavier-Festival Ruhr schon seitJahren einen internationalen Spitzenplatz ein. Auch 2011 stellte das Festival in dichter Folgejunge Preisträger bedeutender internationaler Klavierwettbewerbe vor. Beim langen Wochenende„Die Besten der Besten“ konzertierten vom 25. bis 27. Juni fünf Nachwuchskünstler, vondenen alle einen 1. oder 2. Preis erringen konnten. Zum Auftakt am Sa. 25. Juni spielten imHarenberg City-Center Dortmund der in Moskau geborene und in Tel Aviv lebende PianistBoris Giltburg (2. Preisträger des Arthur Rubinstein Wettbewerbs Tel Aviv) sowie der RusseDenis Kozhukhin (1. Preis Concours Reine Elisabeth Brüssel 2010). Der gebürtige MoskauerLukas Geniusas und der Österreicher Ingolf Wunder (beide 2. Preis beim Chopin-Wettbewerb Warschau 2010) setzten das Preisträger-Wochenende am So. 26. Juni imRobert-Schumann-Saal in Düsseldorf fort. Sowohl klassisch ausgebildeter Pianist als auch eingefragter Interpret von so genannter Alter Musik ist Ilya Poletaev (1. Preis beim Bach-Wettbewerb Leipzig 2010), der am Mo. 27. Juni im Martinstift Moers zu erleben war.„Ausgezeichnete Kinder“ in der Philharmonie EssenMit jugendlichem Schwung und großem Können eroberten die „Ausgezeichneten Kinder“ imJuni 2010 das Konzertpodium der Philharmonie Essen: Grund genug für das Klavier-FestivalRuhr, das vor fünf Jahren so erfolgreich begonnene Projekt auch im Jahr 2011 fortzusetzen. InKooperation mit der Philharmonie Essen lud das Festival daher erneut Preisträger destraditionsreichen Wettbewerbs Jugend musiziert und des Essener Rotary Klavier WettbewerbsJugend zu einem Matineekonzert für die ganze Familie ein. Der Erlös der Veranstaltung kamin guter Tradition notleidenden Kindern aus dem Ruhrgebiet zugute. Moderiert wurde dasKonzert, nach den großen Erfolgen von 2007, 2009 und 2010, von dem vielfach ausgezeichnetenWDR-Redakteur und charismatischem Wissensvermittler Ranga Yogeshwar, derdas Publikum erfolgreich zu Spenden für den Kinderschutzbund Essen und für die StiftungKlavier-Festival Ruhr aufrief.16


„KlangFarben“: Inklusions-Projekt in Duisburg„Noch nie hat in diesem Raum ein Konzertflügel gestanden.“ Mit diesen Worten eröffneteTheaterleiter Uwe Frisch-Niewöhner eine ungewöhnliche Präsentation im Reibekuchentheaterin Duisburg-Rheinhausen. Gemeinsam tanzten und musizierten Grundschüler,Förderschüler und Oberstufenschüler zur Musik von Claude Debussy: live gespielt vonder bedeutenden Pianistin Tamara Stefanovich, die regelmäßig beim Klavier-Festival Ruhrauftritt. Das Publikum erhielt an diesem Nachmittag eine Vorstellung davon, wie kreativ undintensiv in den Workshops des Klavier-Festivals Ruhr gearbeitet wird. Liebevoll angeleitetvon der Tänzerin Yasha Wang lernten die Teilnehmer, aufeinander zuzugehen und kleineChoreographien einzustudieren. Wie spontan Musik entstehen kann, zeigten die Education-Experten Tobias Bleek und Richard McNicol: Sie animierten die Kinder dazu, selbstkreativ zu werden und ihre eigene kleine Musik im Stile von Debussy zu erfinden. MitKlangstäben und Metallophonen schufen die Kinder sanfte, traumgleiche Klänge.„Spielplatz Klavier – Little Piano School“Der rege Zulauf, den die „Little Piano School“ des Klavier-Festivals Ruhr seit ihren Anfängenim Jahr 2006 erfährt, verdankt sich auch der Zusammenarbeit mit der Evangelischen KircheWestfalen und der Unterstützung durch den Verein der Freunde und Förderer des Klavier-Festival Ruhr. Mehr als 300 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren besuchen heute die„Little Piano School“-Gruppen an der Folkwang Musikschule und in 15 evangelischenKindertagesstätten des Kirchenkreises Gladbeck-Bottrop-Dorsten. Zweimal wöchentlichwerden sie dort von Absolventinnen und fortgeschrittenen Studentinnen der FolkwangUniversität unterrichtet: Auf eine höchst spielerische und individuell ausgerichtete Weise, dieauf den unkonventionellen Methoden der Klavierpädagogin Kim Monika Wright basiert.Durch die zum „KlavierGarten“ weiterentwickelte Methode entdecken die Kinder nicht nur einfaszinierendes Musikinstrument, sondern entwickeln auch persönliche und sozialeFähigkeiten, die ihnen auf ihrem weiteren Lebensweg von großem Nutzen sind. Um allenKindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die Teilnahme am „KlavierGarten“-Unterrichtzu ermöglichen, haben die Partner dieses Projekts einen Sozialfonds eingerichtet.17


Klavier mobil“Als kulturellem Leitprojekt des Initiativkreises Ruhr war es dem Klavier-Festival Ruhr auch indiesem Jahr ein besonderes Anliegen, mit seinen Aktivitäten insbesondere auch dieMitgliedsunternehmen und ihre Mitarbeiter zu erreichen. Daher wurde die erfolgreiche Reihe„Klavier mobil“ auch im Jahr 2011 fortgeführt. Besonders begabte Studierende Nordrhein-Westfälischer Meisterklassen spielten in Mitgliedsunternehmen und wagten sich dabei anungewöhnliche Orte: zum Beispiel in die Kassenhalle der WGZ Bank. Die Auszubildendenlernten in diesen von Tobias Bleek moderierten Konzerten eine für sie bislang eher wenigbekannte Musikwelt kennen. Erstmals gab „Klavier mobil“ ein Gastspiel in Berlin – zumfünfjährigen Jubiläum des Berliner Hauptbahnhofs.Klangvolle DebütsUnter den Debütanten beim Klavier-Festival Ruhr fanden sich im Jahr 2011 besondersklangvolle Namen. Das Pianisten-ABC reicht hier von B wie Claus-Dieter Bandorf über G wieLukas Geniusas, L wie Igor Levit, M wie Alexander Mogilevsky und Benjamin Moser, Pwie Ilya Poletaev, U wie Maria Uspenskaya bis W wie Ingolf Wunder.Das Klavier-Festival Ruhr 2011 auf WDR 3, im Deutschlandfunk und auf ARTEDank der Kulturpartnerschaft mit dem WDR 3 und einer Medienpartnerschaft mit demDeutschlandfunk klingt das Klavier-Festival Ruhr 2011 lange nach – und weit ins Land hinein.Rund ein Dutzend Konzerte des Klavier-Festivals Ruhr wurden für den Hörfunk aufgezeichnetund werden damit nachträglich auch für jene erlebbar, die nicht live dabei sein konnten. Diesich bis in das 2012 erstreckenden Sendetermine auf WDR 3 und im Deutschlandfunk gibt dasKlavier-Festival Ruhr im Internet unter www.klavierfestival.de bekannt. Der FernsehsenderARTE strahlt das spektakuläre Konzert von Pierre-Laurent Aimard am 16. Oktober 2011 um19.15 Uhr aus (siehe Anlage).18


Das Klavier-Festival Ruhr 2011 auf CDDas Klavier-Festival Ruhr 2011 wird auf 3 CDs nachklingen, die als Volume 27 der „EditionKlavier-Festival Ruhr“ ab Dezember 2011 in einer attraktiven Box erhältlich sind. Der Liszt-Schwerpunkt prägt die ersten beiden CDs dieser Box, während die dritte CD die Uraufführungenbeim Klavier-Festival Ruhr 2011 nachträglich erlebbar macht. Die 2005 ins Lebengerufene „Edition Klavier-Festival Ruhr“ findet inzwischen weltweit Resonanz.Freunde und Förderer des Klavier-Festival Ruhr e.V.Viele Künstler fühlen sich den hier im Westen – also im Ruhrgebiet und Rheinland – lebendenMenschen besonders verbunden, weil sie sich von ihnen beim Klavier-Festival Ruhrbesonders herzlich empfangen fühlen. Für diese freundschaftlichen Beziehungen gibt esinzwischen ein Forum, nämlich den im Dezember 2006 gegründeten Verein der Freunde undFörderer des Klavier-Festival Ruhr. Schon 50,- € pro Jahr ermöglichen die Mitgliedschaft.Der Verein unterstützt das Education-Programm des Klavier-Festivals Ruhr und hilft demFestival bei der Förderung junger Künstler. Im Gegenzug werden die Mitglieder desFördervereins besonders früh über das nächste Festival informiert und genießen einenbesonderen Service – z.B. wenn neue CDs der „Edition Klavier-Festival Ruhr“ erscheinen oderwenn das FonoForum eine Sonderausgabe für das Klavier-Festival herausbringt. Zu erreichenist der von Prof. Dr. Hartmut Griepentrog geleitete Förderverein unter folgendem Kontakt:Freunde und Förderer des Klavier-Festivals Ruhr e.V.Brunnenstr. 845128 EssenTel: 0201/ 89 66 840freunde@klavierfestival.de19


Gründerkreis der Stiftung Klavier-Festival RuhrMit Gründung der neuen Stiftung Klavier-Festival Ruhr im Dezember 2010 hat ProfessorFranz Xaver Ohnesorg eine erste Fundraising-Kampagne ins Leben gerufen, um diefinanzielle Basis der neuen Stiftung zu stärken. Bereits mit Beginn des Festivals 2011 waren100 Mitglieder in den Gründerkreis aufgenommen worden, der sowohl Privatpersonen, alsauch Unternehmen umfasst und sich laut WAZ vom 18. Juli 2011 wie ein „who is whobekannter Namen aus Wirtschaft und Kultur der Region – und darüber hinaus“ liest. MitAbschluss des Festivals ist dieser Gründerkreis zahlenmäßig um 35 Prozent auf 135Mitglieder angewachsen – bis zum Jahresende 2011 ist diese Kampagne noch offen fürneue Mitglieder, für Persönlichkeiten, denen die Zukunft des Klavier-Festivals Ruhr einpersönliches Anliegen ist. Informationen hierzu sind über gruenderkreis@klavierfestival.deerhältlich.Statistisches zum Klavier-Festival Ruhr 2011- mehr als 50.500 Besucher- 61 Veranstaltungen in 15 Städten auf 27 Bühnen- 88 Solisten aus 20 Nationen (davon 55 Pianisten)- davon 23 Debütanten, unter ihnen 5 Preisträger internationaler Wettbewerbe- 10 Orchester und Ensembles- rund 350 aufgeführte Kompositionen,darunter 7 Uraufführungen von AuftragskompositionenDas Klavier-Festival Ruhr 2012Das 24. Klavier-Festival Ruhr beginnt voraussichtlich Anfang Mai und endet Ende Juli 2012.Nähere Informationen werden im Januar 2012 unter www.klavierfestival.de bekannt gegeben.(Pressekontakt: Anke Demirsoy, Brunnenstr. 8, 45128 Essen, Tel 0201/ 89 66 873,mobil 0160/ 63 66 511, presse@klavierfestival.de)20

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