Wie ein globales Distributionszentrum mitten in ... - Würth Logistics

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Wie ein globales Distributionszentrum mitten in ... - Würth Logistics

www.wurth-logistics.comAusgabe 1/2008WLPWürth Logistics PraxisreportageIn 5 Minuten in die EUWie ein globales Distributionszentrum mitten in denRätischen Alpen optimiert wurde„Okay, die 400 Schraubbohrer gehen dann morgenraus. Salut Jacques!“ Hubert Pirovino, Mitarbeiterim Einkauf von Würth International inChur, legt zufrieden den Telefonhörer auf. DieBestellung des Würth-Stützpunktes in Toulousewird bereits 48 Stunden später im dortigen Regalauf südfranzösische Handwerker warten. Morgenum 5 Uhr werden die aus Bulgarien stammendenGeräte im Konsignationslager im schweizerischenLandquart kommissioniert, um 6 Uhrübernimmt der für die Linie Frankreich Süd zuständigeSpediteur die Sendung. Weil die ...1


www.wurth-logistics.comAusgabe 1/2008Würth International &Lagerhaus LandquartProjektleiter Roland Loacker: „Wenn wir das wirkliche Problem angreifen schaffen wir das10fache an Effizienzsteigerung!“... Ware EU-Status hat, gibt es kaum administrativenAufwand. Fünf Minuten vielleicht.2005 war das noch anders. Im Schnittbenötigte Pirovinos Team damals 1,5 Stundenfür die Erstellung der Exportpapierefür die Verzollung. Pro Sendung. ZusätzlicheKosten verursachten die Zollagenten.Jeder der 231 verschiedenen Lieferantenbeauftragte seinen eigenen Spediteur mitder Anlieferung der Waren nach Landquart.Entsprechend aufwendig und teuer warendie Einlagerungsprozesse.Offenes Zolllager bringt90 % ZeitersparnisDas Geheimnis der schnellen und einfachenAbläufe bei der Würth Internationalheisst „Offenes Zolllager“ – kurz OZL. SeitFrühjahr 2008 ist das Lager Landquart alssolches offiziell zertifiziert. EU-Waren bleibentrotz Lagerung in der Schweiz zolltechnischEU-Waren und können ohne grossenbürokratischen Aufwand wieder ausgeführtwerden. Was bei den hier von Würth Internationalbewegten Mengen enorme Kosteneinsparungenbedeut.„Darüber, dass uns ein offenes Zolllager gewisseVorteile bieten würde, haben wir immerwieder gesprochen“, sagt Erich Heinz,Chef des Lagerhauses Landquart. „Wirhaben ein OZL ja auch schon 2002 einmalprobiert, sind aber an den Vorgaben derZollverwaltung recht schnell gescheitert.“So war auch im ursprünglichen Auftragan die Experten der Würth Logistics voneinem Offenen Zolllager keine Rede. DieZollabläufe für den ausgehenden Warenverkehrvom Lagerstandort Landquart indie EU und Drittländer sollten optimiertwerden. Roland Loacker, Geburtshelfer desheutigen OZL und Senior Consultant derWürth Logistics, lächelt beim Gedanken anden Beginn: „Es war uns schnell klar, dassder eigentliche Auftrag viel zu kurz greifenwürde. Wo im Gesamtablauf der Wurm drinist, bringen Teiloptimierungen nur sehrwenig.“ Also haben die Würth-Logistiker inEigeninitiative die Gesamtkonzeption desLagerhauses Landquart grob analysiert.Das Resultat dieser Überprüfung habe alleüberzeugt, erinnert sich Loacker: „Wennwir das wirkliche Problem angreifen – nämlichden Wareneingang –, schaffen wir gegenüberdem ursprünglichen Auftrag etwadas 10fache an Effizienzsteigerung.“ DasProjekt bekam grünes Licht. Und die Lattefür den Projekterfolg lag ziemlich hoch.Win-win-Strategie: Einbindungaller SystempartnerDie Würth International wickelt mit 415Mitarbeitern an den drei StandortenChur, Shanghai und Ramsey NJ zentralden Waren-Einkauf aller Würth-Gesellschaftenausserhalb Deutschlands ab.Kerngeschäft der Würth-Gruppe ist derweltweite Handel mit BefestigungsundMontagematerial wie zum BeispielSchrauben, Schraubenzubehör,Dübel, chemisch-technische Produkte,Möbel- und Baubeschläge, Werkzeuge,Bevorratungs- und Entnahmesysteme.Über 100.000 verschiedene Artikelumfasst das Sortiment. Im LagerhausLandquart werden in einem automatischenHochregallager mit 23.400 Palettenplätzenund einem automatischenKleinteilelager mit 7.452 Plätzen insgesamt5.600 verschiedene Artikel – vorallem Werkzeuge und Montagematerial– vorrätig gehalten. Pro Tag werdenetwa 50 Tonnen ein- und 50 Tonnenausgelagert.Die Würth Logistics erhielt den Auftrag, ineiner ersten Projektphase die Gesamtabläufeim Lager Landquart im Detail zu analysieren,optimierte Prozesse zu kreierenund ein Pflichtenheft für den Ankauf einergeeigneten Software zu erstellen. Loacker:„Etwa ein Jahr lang arbeiteten wir an dieserersten Phase.“ Aufgrund der Erfahrungendes gescheiterten OZL-Projektes von 2002wurde dabei ein sehr integrativer, systemischerAnsatz gewählt. Sehr früh wurden alleSystempartner – Lieferanten, Zollbehörden,Transportdienstleister und andere – in dasProjekt eingebunden und deren jeweiligeBedürfnisse identifiziert. Bei der späterenGestaltung der Teilprozesse wurde sehr daraufgeachtet, die besonderen Anforderungenund Interessen der Systempartner weitestgehendzu berücksichtigen. „Sich dieunterschiedlichsten Brillen aller Beteiligtenaufzusetzen, war manchmal sehr schwierig,aber für den überdurchschnittlichen Erfolgder Neukonzeption ausschlaggebend“, erklärtLoacker.In dieser ersten Phase bekam die ursprünglicheIdee der optimierten Eingangsprozessedie finale Form: Alle Transporte zumWürth-Lager sollten im neuen System konsolidiertüber die Würth Logistics abgewickeltwerden. Denn diese Konsolidierungwar die Voraussetzung, um das Lager alsOffenes Zolllager zu führen. Was wiederumfür den Warenausgang massive Vereinfachungenbedeutet. Als zusätzlicher Vorteilermöglicht das OZL den Würth-Einkäufern,auch internationale Lieferanten in ein Konsignationslagereinzubinden.Gemeinsam mit Würth ITensis – demIT-Unternehmen in der Würth GruppeSchweiz – wurden am Schluss der Projekt-2


www.wurth-logistics.comAusgabe 1/2008phase 1 das sehr detaillierte Pflichtenhefterarbeitet und alle Kosten berechnet. Hierbestätigte sich die ursprüngliche EinschätzungLoackers fast auf die Kommastellegenau: die neuen Abläufe werden Jahr fürJahr Prozesskosten in Höhe von € 500.000ersparen. Das klar ersichtliche und exzellentaufbereitete Nutzenpotential wird demVorstand der Würth International präsentiert,die Entscheidung fällt schnell. MichelKern, CEO der Würth International, erteiltdas „Go“ für Projektphase 2: Realisierung.Vom Lagerarbeiter bis zumZolldirektor – fachübergreifendeProjektteamsFür den Umsetzungsteil wurden fachübergreifendeProjektteams gebildet. Einkäufer,Lagermitarbeiter, Juristen, IT-Fachleute,Vertreter von Lieferanten, von Speditionenund den Zollbehörden sowie externe Expertenzum Steuer- und Zollrecht erwecktengemeinsam mit den Logistikern derWürth Logistics in mehr als 50 Projektmeetingsdie Idee zum Leben. Insgesamt warenan dem Projekt mehr als 30 Personen aktivbeteiligt.Zuerst wurden die im Pflichtenheft definiertenProzesse von den verschiedenenFachleuten aus den unterschiedlichstenBlickwinkeln beleuchtet und wenn notwendigmodifiziert. Zwei Monate dauertendiese Reviews. Anschliessend wurde dieSoftware ausgeschrieben. Als Schlüsselkriterienwurden ein möglichst hoher Automatisierungsgrad,transparente Kommunikationsprozesse,offene Architektur undProjekt OZL: Die FaktenKernteamProjektbeteiligte gesamt(inkl. Externe)10 Personen31 PersonenArbeitsaufwand in Tagen 550(davon 42 extern)Investitionen gesamt in e 567.000,–AmortisationsdauerAnzahl der Abfertigungenüber das neue System1,2 Jahre840 pro Monat(Durchschnitt)Die Tag für Tag werden hier 50 Tonnen im Wareneingang und 50 Tonnen im Warenausgangbewegt. 500.000 Euro werden durch die neuen Abläufe pro Jahr eingespart.Skalierbarkeit festgelegt. Kompatibilität zudem im Würth-Konzern genutzten SAP warzusätzlich gefordert. „Und der Preis spieltenatürlich auch eine Rolle“, ergänzt Loacker.Vier verschiedene Anbieter wurden evaluiert.Den Zuschlag erhielt das Global TradeSystem – kurz GTS – von SAP. „Hohe Nutzerfreundlichkeitund maximale Investitionssicherheitwaren für uns ausschlaggebend.“Das GTS-System wurde dann über sechsMonate in mehreren Teilprojekten im LagerhausLandquart implementiert. Zunächstwurden die neuen Export-Abläufesimuliert: erst die aus dem Inlands-, dannjene aus dem Zolllager. Als Nächstes war dieEU-Verzollung dran. Erst als in der Simulationdes Ausgangs alles rund lief, folgte dasHauptstück: Der Import ins Offene Zolllagerwurde auf das neue GTS-System umgestellt.Und mit dessen Echtbetrieb solltenauch alle ausgehenden, bisher simuliertenAbläufe „live“ geschaltet werden. Der 10.September 2007 war als Tag X für das neueOffene Zolllager bestimmt worden.Parallel zu diesen Implementierungsschrittenim Lagerhaus Landquart galt es,die Würth-Lieferanten auf den neuartigenProzess eines offenen Zolllagers umzustellen.Marc Wagner, Projektleiter der DrägerSafety AG & Co KGaA, erlebte die enge undgute Zusammenarbeit mit den Würth-Logistikverantwortlichen als Bereicherungder Geschäftsbeziehung: „Mit beiderseitigerOffenheit und Flexibilität haben wiralle Herausforderungen gut gemeistert. DerTransportablauf über die Würth Logisticswird gut bedient. Lagerhaltung, Lager-Controllingund -Reporting steuern wir überunseren schon länger existierenden Konsignationsprozess.Den haben wir einfachum die Anforderungen von Würth erweitert.“Ein Forecast-Prozess zur Planung undBewirtschaftung der Konsignationslagerbeständewurde ebenfalls realisiert.Fallstricke auf dem Wegin die PraxisDass in so einer Implementierungsphase– dort, wo die Theorie in die Praxis mündet– einige Fallstricke lauern, hat auchdas Würth Logistics Projektteam erfahren.Loacker dazu: „Ein Schlüsselmitarbeiterim Projekt aus der IT hat die Firma in derImplementierungsphase für uns alle sehrüberraschend verlassen!“ Das habe sieschon einige Monate nach hinten geworfen,musste man doch erst für einen qualifiziertenErsatz sorgen. „Intern konnten wir nichtnachbesetzen, also haben wir uns für einenfreien Fachmann entschieden“, beschreibtLoacker die Lösung der heiklen Situation.Diese Verzögerung sei letztlich gar nichtso schlecht gewesen, denn dadurch habeman einige zwischenzeitliche zollrechtlicheVeränderungen gleich berücksichtigenkönnen und so einiges an Rechtssicherheitgewonnen.3


www.wurth-logistics.comAusgabe 1/2008Zu Beginn des Audits stellten die Würth-Leute ihren wichtigen Gästen das Umfeldund die Abläufe im OZL Landquart im Besprechungszimmervor. Später wechseltedie ganze Delegation ins Lager zur praktischenDemonstration des vorher Besprochenen.Was sich als sehr förderlich herausstellte.Denn Details, über die man zuvornoch unstimmig war, konnten im direktenBezug zur Praxis schnell bereinigt werden.„Die Leute vom Zoll waren richtig begeistert“,erinnert sich Stock. Das Würth-OZLin Landquart wurde von der Zollverwaltungdamit offiziell bestätigt.„Die Leute vom Zoll waren richtig begeistert!“ Simon Stock, Leiter des Wareneingangs imLagerhaus Landquart, erinnert sich an das Zollaudit im letzten Februar.Spannende PremiereZurück zum Tag X, dem 10. September2007. Die erste Sendung für das OZL wurdevon einem Frächter im Auftrag der WürthLogistics bei AEG Belgien entgegengenommenund nach Landquart transportiert.Simon Stock, Leiter des Wareneingangs,erinnert sich: „Die wichtigsten Leute ausdem Projekt waren alle bei uns im Lager.Roland Loacker und Bernhard Schuster vonder ITensis, Lagerhaus-Chef Erich Heinz,Renata Riedi – alle waren ziemlich angespannt.Zwei Herren vom Zoll waren auchda: Norbert Hangartner und René Hodel.Dann endlich fährt der LKW auf den Hof.Der Fahrer kommt zu mir und ich frage ihnnach dem T-Dokument. Der schaut verdutzt:Was, T-Dokument? Ich hab doch verzollt!“Wie vom Blitz getroffen seien alle fürein paar Sekunden starr dagestanden. Aberim Endeffekt war das alles halb so wild. Mitein paar Telefonaten war das Problem gelöstund die Ware mit Transitstatus eingelagert.nervöser als beim Going-Live ein halbesJahr zuvor seien alle gewesen, beschreibtSimon Stock das Warten des Projektteamsauf die Auditoren. Dann habe jemand vomZoll angerufen: Die Delegation werde sichverspäten, der Zug habe eine Panne undman könne nicht genau sagen, bis wannmit dem Eintreffen zu rechnen sei. „Das hatunserer Nervosität nicht wirklich gutgetan“,schmunzelt Stock. „Der Longatti wardann aber sehr, sehr freundlich und das hatbei uns viel Anspannung rausgenommen.“Und wie geht es dem gewerblichen Personalmit dem neuen System? Stock lacht etwasschüchtern „Das neue System ist wirklichgut. In fünf Minuten haben wir normalerweisevom Zoll die Freigabe zur Einlagerung.“Natürlich gebe es hin und wiederauch Probleme. Wenn z. B. das System ausirgendeinem Grund steht. Das koste danneben etwas Zeit und Nerven. Wünschenwürde er sich, dass möglichst alle Sendungenmit einem T2 hereinkommen. DennLieferungen mit Geleitschein müssten sieselbst eingeben und das brauche viel Zeit.„Waren aus bestimmten Ländern wie z. B.Taiwan bekommen wir noch nicht in unserStandard-System“, bestätigt Loacker.7 % der Sendungen seien das ungefähr. Daswerde man aber voraussichtlich bis Jahresendegelöst haben. Und dann? Hat Loackerschon die nächste Idee, wie die Abläuferund um das OZL Landquart weiter verbessertwerden können ...Die eigentliche Feuertaufe erlebte dasWürth OZL in Landquart im Februar 2008.Eine Delegation hochrangiger Zollbeamterunter der Leitung des stellvertretendenZolldirektors Peter Longatti hatte sich angekündigt.In einem umfassenden Auditsollte der endgültige Status des Lagers bestätigtwerden. Oder eben auch nicht. NochWarenerklärungen werden direkt im Lager erfasst. Normalerweise ist die Freigabe vom Zollin fünf Minuten da.Würth Logistics AG, Aspermontstrasse 1, Postfach, CH-7004 ChurT +41 (0)81 558 38 00, F +41 (0)81 558 10 00info@wurth-logistics.com, www.wurth-logistics.com4

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