1/2010 Mär.10

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1/2010 Mär.10

Kunst in der KircheNach dem sehr großen Erfolg der ersten Kunsttage 2008 in Winningen werden wir nun zumzweiten Mal - vom 07. bis 09. Mai - die Gelegenheit haben, Kunstwerke an den unterschiedlichstenOrten in Winningen zu erleben. Wiederum wird unsere Evangelische Kirche einer derAusstellungsorte sein, in dem Kunst dargeboten wird. Auch die Eröffnungsveranstaltung findetin der Kirche statt. Hatte vor zwei Jahren der aus dem Iran gebürtige Künstler Babak Saedmit seiner „Wort-und Klang-Installation“ sehr beeindruckt und zum Nachdenken angeregt, sowird nun Angela Glacjar eine ganz andere Art der Darstellung wählen: Sie wird uns zeigen, wieauch der „Alltagsgegenstand“ Papier zu einem Kunstwerk werden kann.Fragen an die Künstlerin:Wie haben Sie dieses Material für sich entdeckt?Eigentlich war Papier für mich anfangs nur einEntwurfsmaterial für meine großformatigen Holz- undStahlskulpturen. Aber die Wirkung des Materials hatmich schnell fasziniert. Es strahlt eine ganz eigeneSinnlichkeit aus. Zunächst habe ich Wandreliefs realisiert,aber um so weiter ich den Raum erobern konnte,desto stärker wurde diese Poesie des Materials fühlbarfür den Betrachter.Papier ist ja sehr verletzlich einerseits und auf deranderen Seite verwenden Sie es sehr raumgreifend,welche Rolle spielen diese Kontraste in IhrerArbeit?Mich interessieren Gegensätze, es geht immer umLeichtigkeit und Schwere – Innenraum und Außenraum– Hell und Dunkel... Ein Blatt ist zweidimensional, mitvielen Blättern kann ich aber den ganzen Raum bespielenund eine völlig neue Bedeutung und Wirkung erzielen.Durch die Gegenüberstellung von Kontrasten findeteine Art Gratwanderung statt, immer stellt sich dieFrage, welcher Pol überwiegt und ich glaube, dass daseine Thematik ist, die jeden anspricht.Fotonachweise: Portrait: privat,Sankt Peter: Stefan Brendgen, MonheimAngela Glajcar wurde 1970 in Mainzgeboren. Sie studierte 1991-1998 abstrakteSkulptur an der Akademie derBildenden Künste in Nürnberg und arbeitetezunächst hauptsächlich mit Holz undStahl. Papier ist seit ca. 2000 ihr wichtigstesMaterial mit dem sie europaweit großundkleinformatige In-Situ-Installationenrealisiert. Sie erhielt mehrere nationaleund internationale Stipendien undKunstpreise. 2007/2008 war sie alsGastprofessorin an der Universität Gießenim Bereich Skulptur tätig.Sie haben bereits mehrmals im Kirchenraum ausgestellt,wieso interessiert Sie der Kirchenraum alsAusstellungsraum?2009 konnte ich in der Kunststation Sankt Peter in Köln eineAusstellung realisieren. Schon während der Aufbauarbeitendort war die intensive Raumwirkung mit all ihren ureigenenBedeutungen spürbar.Meine Arbeiten haben keine religiösen Inhalte und doch bietensie genug Interpretationsspielraum, um die Inhalte desAusstellungsraumes aufzunehmen. Ein weißes Blatt reflektiertdas Licht der Umgebung und bietet dem Betrachter eineProjektionsfläche für eigene Gedanken. Meine Art derBearbeitung des Materials, das Reißen, legt einerseits dasInnere sichtbar frei, und andererseits lässt gerade dasHerausreißen neue Innenräume entstehen.Und vielleicht bietet die Atmosphäre einer Kirche, als Ort desRückzugs und des „In-sich-gekehrt-seins“, den Besuchern dieMöglichkeit, sich besonders offen auf dieses Innere einzulassen.Die Fragen stellte Claudia Hoffbauer5

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