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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandBei der Frage danach, welche Bevölkerungsgruppen nicht oder – ausbildungs- und gesellschaftspolitischem Interesse – in nicht ausreichendemMaß erreicht werden, ist deswegen die Frage zu stellen, ob die Pluralität derAnsätze und Angebote ausreichend ist und welche Anbieter in welcherHinsicht mehr oder andere Teilnehmergruppen erreichen könnten. DieseFrage kann offensichtlich nur dann adäquat beantwortet werden, wenn diePassfähigkeit von Anbietern, Angeboten und Abnehmern deutlicher alsbisher untersucht wird. Das hätte mindestens zwei Folgen:- Für die Anbieter politischer Bildung stünden nicht mehr nurWerbemittel, bestimmte Angebotsthemen oder Formate auf demPrüfstand, sondern es stellt sich die Frage ihrer Milieubezogenheit,ihres `Habitus´. Hierbei ist der Gesamteindruck einer Einrichtung oderOrganisation zu befragen, der sich in Kommunikationsformen, derHaltung der handelnden Akteure und dem Ambiente ebensoniederschlägt wie in Angebotsformen, Themen und Methoden. Explizitwie unterschwellig transportierte pädagogische oder politische Ziele,Weltsichten, Haltungen und auch Erwartungen an Teilnehmende wärekritisch daraufhin zu befragen, wer davon angezogen und wer eherabgeschreckt wird. Eine solche kritische Erkenntnis dürfte weniger(förderpolitisch) bedrohlich sein denn hilfreich, um die Ziele desAnbieters und seine Reichweiten realistisch abzustecken. DieEinsicht, welche Adressaten gut erreicht oder erreicht werdenkönnten, würde die als diffus und unbillig empfundenenAnforderungen von Politik und Zuwendungsgebern realistischbeantworten können und wäre vor dem Hintergrund einerausreichenden Vielfalt von Anbietern und Angeboten als eineBereicherung statt Einschränkung zu bewerten.- Dafür wäre es notwendig, `Zielgruppen´ differenzierter zu betrachtenund anzusprechen. Aus der bloßen Forderung nach mehr`bildungsfernen´ oder `politikfernen´ Teilnehmern oder nach mehrMigrantinnen und Migranten in der politischen Bildung lassen sichjedenfalls keine professionellen Schlüsse ableiten. Erst auf derGrundlage von besseren Kenntnissen zu den eigenen und ggf.erreichbaren Teilnehmer- bzw. Adressatenkreisen, derenmilieuspezifischen Einstellungen, Motiven, Interessen undbiografischen Zusammenhängen lassen sich gezielt Informations- undWerbeformen sowie Angebotsformen und -themen – möglichstgemeinsam mit Betroffenen – entwickeln. Dies würde unterUmständen bedeuten, auch für die eigenen Evaluations- und101

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandInformationsverfahren Konsequenzen zu ziehen und entsprechendeInformationen zu sammeln.Wenn auch die Bedingungszusammenhänge nicht als ausreichend erforschtgelten können, so wurden doch einzelne Faktoren benannt, wo und wannpolitische Bildung besonders erfolgreich adressiert:- Aus dem Erfolg der so genannten `Mund-zu-Mund-Propaganda´ lässtsich ableiten, dass es perspektivisch sinnvoll ist, entsprechendeWerbe- und Beratungsmöglichkeiten auszubauen. Informations- undWerbearbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen, im Betrieb, beiInteressensorganisationen oder anderen `Communities´ – überall dort,wo die avisierten Adressaten ansprechbar sind – sollte ebensosystematisch wie qualifiziert eingesetzt werden. Das gilt vor allem fürdie Schaffung von leicht zugänglichen Plattformen oderInformationsstellen, die Angebote leichter auffindbar machen, und fürden gezielten Einsatz von `Brückenpersonen´ und für Kooperationenmit entsprechenden Angebotspartnern.- Die Frage nach dem `Nutzen´ politischer Bildung sollte vor allemhinsichtlich politischer Partizipationsmöglichkeiten deutlicherbeantwortet werden. Dafür müssten Angebote durch ihre Themen,Formate, Methoden und Zielsetzungen die Anwendungsmöglichkeitenmöglichst nicht nur darlegen, sondern auch real erfahrbar machen.Denn auch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit scheint ein wichtigerErfolgsfaktor politischer Bildung zu sein.- Die Frage nach dem Nutzen politischer Bildung ist eng geknüpft an dienach der biografischen Passfähigkeit der Angebote. Grundlage fürentsprechende erfolgreiche Konzepte ist nicht nur mehr unddifferenzierteres Wissen über Teilnehmer und Adressaten, sondernggf. auch eine veränderte Einstellung der Anbieter. Je mehr Angebote`vom Teilnehmenden aus´ gedacht und konzipiert werden, umso mehrwerden diese offenbar auch erreicht. Die biografische Passfähigkeithat dabei mehrere Aspekte. Diese reichen von praktischenErleichterungen (Kinderbetreuung, Zeitformate) bis zugesellschaftlicher oder biografischer Aktualität bestimmter Themen.Der in der Weiterbildung entwickelte Milieuansatz kann dazu genutztwerden, passfähigerer Angebote zu entwickeln, wie die Pilotprojektevon Tippelt et al. 2008 und Bremer/Kleemann-Göhring 2010b zeigenkonnten.102

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