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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandnachzeichnen, die mindestens zwei Messzeitpunkte (t1 und t2) haben.“ 406Hinzu kommt, dass die Performanz von Wirkungen, wie z.B. Lernerfolgen,einer zeitlichen Dynamik unterworfen ist, insofern, als sie nicht unbedingtunmittelbar in zeitlicher Nähe zum Lernprozess erfolgen muss. Damit stelltsich die Frage nach der Abhängigkeit von Zeitpunkt und Messergebnis.Selbst wenn diese Frage gelöst ist, kann allerdings „alleine mit der Tatsache,dass sich ein Zustand vom Zeitpunkt t1 zum Zeitpunkt t2 verändert hat, (...)noch keine Wirkung erklärt, sondern nur eine Entwicklung beschriebenwerden.“ 407 Eine Entwicklung muss nichts mit vorausgehenden Bedingungenoder Interventionen zu tun haben. „Bloße Vorher-Nachher-Studien könnenalso das Problem der kausalen Wirkungszurechnung nicht lösen.“ 408Zentral ist also die Bestimmung der Wirkfaktoren, derjenigen Bedingungen,die ursächlich für eine Veränderung, auch Verstärkung oder Verminderung,bestimmter Phänomene (mit-)verantwortlich sind. Eine Identifizierung dieserFaktoren jedoch und ihre Isolation von anderen, `nicht-wirksamen´ Faktoren,ist gerade in pädagogischen Situationen, in denen Beeinflussungs- undWechselwirkungen konstitutiv sind, äußerst schwierig. Ursache-Wirkungszusammenhänge sind in komplexen sozialen Situationen, wie sieBildungsmaßnahmen darstellen, immer im Rahmen einer Vielfalt vonEinflussfaktoren gegeben. Diese Faktoren betreffen sowohl die(`mitgebrachte´) Eingangssituation der Lernenden (Einstellungen, Motive,Erwartungen, Wissensvorräte, situationsabhängige und -unabhängigeDispositionen) wie auch die Lernsituation selbst (Habitus derInstitution/Organisation, Gestaltung des Settings, Inhalte, Methoden, LehroderBezugspersonen) sowie die situationsabhängigen pluralen Faktoren derPerformanz-Situation. Diese Fülle der individuellen, institutionellen undsituativen Faktoren kann nie vollends bekannt sein und berücksichtigtwerden. Da sie zudem komplexe Zusammenhänge darstellen, aus denenkaum unabhängige Variablen isoliert werden können, kann nicht oder nursehr ungenau von einem direkten Zusammenhang zwischen den Faktoreneiner pädagogischen Maßnahme und erwünschten oder beobachtbarenEffekten gesprochen werden. Insofern ist eine die pädagogische Situationbefragende Forschung notwendig unterkomplex, wie Liebig anmerkt:„Aufgrund der Lernfähigkeit menschlicher Akteure in sozialen Kontexten, derLänge der zu beobachtenden instrumentellen Ketten der pädagogischenProzesse oder des unzureichenden Forscherwissens über dieWissensvorräte und Motive der menschlichen Akteure erweist sich das406 Ebd.407 Ebd.408 Ebd.109

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandidealtypische Modell eines Kausalzusammenhangs für solcheAussagebereiche als unterkomplex.“ 409Dies heißt jedoch nicht, dass Lernerfolge nicht erkennbar und evaluierbarseien. Schwierig ist danach allerdings der Nachweis des direkten (starken)Zusammenhangs zwischen bestimmten Faktoren der pädagogischenSituation und `Bildungswirkungen´. Liebig schlägt daher vor, nicht von`Wirkungen´, sondern von `Effekten‘ zu sprechen:„Es kann also nicht um die exakte Messung von Wirkungen bestimmter undidentifizierter Handlungszusammenhänge der sozialen bzw. pädagogischenArbeit gehen, sondern ausschließlich um die Dokumentation von Effekten, anderen Zustandekommen die sozialen bzw. pädagogischen Institutionenbeteiligt waren. Eine solche Dokumentation – auch wenn sie mit Methodender empirischen Sozialforschung gewonnen wird – kann nicht als exakter(indirekter) Nachweis eines Kausalitätszusammenhangs verstanden werden,sondern vermag eher plausible Beziehungsmuster aufzuzeigen“ 410(Hervorhebungen HB).Diese forschungstheoretischen Schwierigkeiten bestehen prinzipiell für alleUrsache-Wirkungszusammenhänge pädagogischer Situationen und Effekte.Daher wird der Anspruch, in technokratischer Manier nachzuweisen, dasseine pädagogische Handlung x mit Sicherheit eine Bildungswirkung yhervorruft, in der wissenschaftlichen Diskussion und Arbeit nirgends erhoben.Output-orientierte, zudem quantitative Studien, allen voran die PISA-Studie,messen denn auch in erster Linie einen jeweiligen Stand von Fähigkeiten anvordefinierten Standards und untersuchen erst in zweiter Hinsicht möglicheBedingungsfaktoren 411 :„Die Ergebnisse liefern Kompetenzprofile [der] Schülerinnen und Schüler,geben Auskunft über demografische Kontextindikatoren sowie Merkmale derhäuslichen und schulischen Umwelt, die mit den Kompetenzen inZusammenhang stehen können, und erlauben die Analyse vonVeränderungen über die Zeit.“ 412409 Liebig 2006410 Ebd.411 „Neben den Kompetenztests kommen in PISA Fragebögen zur Erfassung vonKontextmerkmalen zum Einsatz“, mit denen Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schulensowie Lehrerinnen und Lehrer nach sozioökonomischen und kulturellen Bedingungen,Unterstützung im Elternhaus, Schulmerkmalen und Unterrichtspraktiken befragt werden. „DieAngaben dienen dazu, Aussagen über Rahmenbedingungen des Lernens in Schule undUnterricht zu ermöglichen.“ Klieme et al. 2010, S.15412 A.a.O., S.13110

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