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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandgewissem Maß gefordert“ den höchsten Wert. Vorsichtig sieht dieEinschätzung der befragten hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterbeteiligter Jugendverbände und Institutionen aus. 42 % glauben an eine„Erweiterung des Verständnisses für politische Beteiligung“, 67 % an eine„aktionsbezogener Motivierung von Jugendlichen“. Allerdings meinen nur18 %, dass die Projektbeteiligung zu einer „längerfristigen Mobilisierung fürdemokratische Handlungen“ führen konnte.“ 468Projekt „Erstmal Kommunalwahl – ab 16“ des Landesjugendrings Nordrhein-WestfalenDas Projekt „Erstmal Kommunalwahl – ab 16“ des LandesjugendringsNordrhein-Westfalen sollte „Jugendliche über ihr Wahlrecht informieren undihnen ermöglichen, ihre Forderungen an Kommunalpolitik öffentlich zuformulieren“ 469 . Das Projekt wurde offen ausgeschrieben. 348Jugendgruppen, davon 165 aus Jugendverbänden, die übrigen aus Schulen,Freizeiteinrichtungen etc., nahmen am Projekt teil. Für die Evaluation desProjekts durch Jendral 470 wurden 940 Teilnehmerinnen und Teilnehmer imAlter zwischen 14 und 21 Jahren befragt.Hauptziele des Projekts waren es, das Interesse an Kommunalpolitik oderkommunalpolitischen Themen zu steigern und die Wahlbeteiligunganzuregen. Bei 83 % der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer konntedas Interesse an Kommunalpolitik und kommunalpolitischen Themen„deutlich gesteigert“ werden: 46 % gaben an, dass sie jetzt interessierterverfolgen, was in ihrer Kommune geschieht, und weitere 37 % antworteten,dass einzelne Themen sie jetzt stärker interessieren würden 471 . Nach ihremWahlverhalten befragt, antworteten 69 % der Jugendlichen, dass sie sichbeteiligen würden, wobei 19 % davon „erst durch das Projekt zurWahlteilnahme angeregt worden“ sind 472 . Da 19 % der Teilnehmenden aufGrund ihres Alters oder der Staatsangehörigkeit nicht wahlberechtigt warenund 2 % angaben, dass sie durch das Projekt zu einer bewusstenWahlenthaltung angeregt worden seien (keine Partei vertrat inausreichendem Maße die eigenen Interessen), ergibt sich ein Prozentsatzvon 87,6 % der wahlberechtigten Jugendlichen, die ihre Wahlbereitschafterklären. 473 Diese war zwar nicht erklärtes Ziel des Projektes, kann aber als468 A.a.O., S.43469 Jendral 2001, S.92470 Siehe Jendral, 2001471 Siehe a.a.O., S.99472 Ebd.473 Ebd. Auch wenn man davon ausgeht, dass circa 50 % der Teilnehmenden ohnehinwählen wollten und dass vermutlich vor allem politik- bzw. wahlinteressierte Jugendliche125

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandIndikator für politische Beteiligungsbereitschaft gelten, die durch das Projektgestärkt wurde.Projektreihe „Demokratieführerschein“ des Landesverbands derVolkshochschulen von NRWDie Projektreihe „Demokratieführerschein“ des Landesverbands derVolkshochschulen von NRW hatte eine ähnliche thematische Zielsetzung.Hier sollten allerdings vor allem politik- und partizipationsungewohnteJugendliche anhand selbst gewählter Anliegen systematischkommunalpolitische Erfahrungen sammeln. Zinser/Schübel befragten vonden 53 Teilnehmerinnen und Teilnehmern 51 zu Beginn und 40 am Ende desProjekts. Darüber hinaus wurden individuelle Interviews geführt sowie überteilnehmende Beobachtung an vier Modellstandorten Einblicke in denProzess gewonnen.Im Vorher-Nachher-Vergleich wurden 38 Jugendliche um eineSelbsteinschätzung der eigenen Kompetenzen gebeten, am Ende desProjekts wurden sie erneut nach ihrer Selbsteinschätzung der Kompetenzenund nach dem persönlichen Gewinn sowie Veränderungen in Bezug aufPolitik und Engagement befragt. Zinser/Schübel vermerken diverseKompetenzgewinne. Dabei nennen jeweils ein Drittel der Jugendlichen alsneu erworbene Kompetenz „politisches Handeln beeinflussen“, „meineMeinung vertreten“ und „politisches Handeln verstehen“ 474 . Nur 3 % derBefragten (das entspricht einer Person) schließt ein zukünftiges Engagementkategorisch aus, 48 % sehen ihr zukünftiges Engagement als sicher. 49 %haben sich noch nicht entschieden 475 .Die Evaluatoren stellen fest, dass „die Jugendlichen durch denDemokratieführerschein überhaupt erst auf den Gedanken gekommen sind,wie vielfältig Beteiligung sein kann – und wie einfach sie sein kann“ 476 :„Allein schon, dass man wenn man was erreichen möchte, auch alsJugendlicher die Chance hat. z.B. mit dem Jugendbeirat, mal zu ner Sitzunggehen und da mitbestimmen, dass man als Jugendlicher schon seine Rechtehat, dass man einfach nur wissen muss, wie man es anstellt (...), man kannerreicht wurden, ist dies ein hoher Prozentsatz. In diesem Zusammenhang ist anzumerken,dass sich das Frageinteresse hier wie in vielen anderen Untersuchungen vor allem auf eineEinstellungs- oder Verhaltensänderung richtet, nicht oder wenig auf die Frage, inwieweitvorhandenes Interesse, Einstellungen oder Verhalten bestätigt und gefestigt werden. Siehedazu auch das Kap. 4.2.8.474 Zinser/Schübel 2009, S.20475 A.a.O., S.30476 A.a.O., S.21126

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