Aufrufe
vor 3 Jahren

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandNun gibt es allerdings nicht nur Anzeichen dafür, dass manche Jugendlichedazu tendieren, ihr Politikinteresse zu überzeichnen 521 , sondern auch dafür,dass Interessen und Verhaltensweisen von Jugendlichen ggf. als politischekategorisiert werden könnten, auch wenn diese nicht ausdrücklich sogenannt werden und – so formulieren es junge Erwachsene selbst – „wedervon der Gesellschaft noch von den Jugendlichen selbst als Teil der‚politischen Partizipation‘ wahrgenommen“ 522 werden. Sie meinen dennauch, dass sich „das herkömmliche Politikverständnis (...) als zu beschränkt[erweist], um jugendliches Beteiligungsverhalten angemessen eruieren zukönnen.“ 523 Exemplarisch für viele weist Sander darauf hin, dass es„insgesamt (...) vor diesem Hintergrund sinnvoller [erscheint], nicht allgemeinvon ‚Politikverdrossenheit‘, sondern differenzierter von zunehmender Distanzgegenüber Personen und Institutionen der traditionellen Politik (eher also vonParteienverdrossenheit) zu sprechen, bei gleichzeitig vorhandener hoher(punktueller) Partizipationsbereitschaft.“ 524 Sturzenhecker hält prinzipiell „dieKategorie der Bildungs- bzw. ‚Politikfernen‘ (...) als defizitorientierteGrobklassifizierung von sehr differenzierten Jugendszenen [für] pädagogischriskant“ 525 .Dennoch leiden an dieser Beschränkung auf den (engen) Politikbegriff fastalle großen quantitativen Untersuchungen, auch die zum FreiwilligenEngagement Jugendlicher, das häufig nur dann als `politisch´ eingestuft wird,wenn es in institutionalisierten politischen Zusammenhängen stattfindet 526 .Nur am Rande wird problematisiert, wie hoch die angelegten Messlatten(`politisch´ – `unpolitisch´) im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung sind (vorallem, was das politische Engagement angeht) und was die Jugendlichengenauer unter „Politik“ oder „Demokratie“ verstehen. Letzteres dürfte vorallem im Fall derjenigen Jugendlichen interessant sein, die aufgrund vonBedingungsfaktoren wie Bildungsniveau und sozialer Lage als politik- oderdemokratie-„distanziert“ eingestuft werden 527 . Es wird auch kaum befragt,was welche Jugendliche mit den Begriffen „Politik“ oder „Demokratie“521 Vgl. Großegger 2011522 Matalla et al. 2006, S.4523 Ebd.524 Sander 2009525 Sturzenhecker 2007526 Vgl. stellvertretend für viele: Bertelsmann 2007. Die Studie bezieht sich u.a. auf diegenannte Shell-Studie und den DJI-Survey und repliziert so deren Fragestellungen.527 Roth 2005 referiert als Ergebnis einer eigenen qualitativen Untersuchung, dass sowohl„bildungsnahe“ wie „bildungsferne“ Jugendliche mit Migrationshintergrund von einem engenPolitikbegriff ausgehen, „der Politik primär als Bundespolitik begreift, und zwar als nationalePolitik, wohingegen weltpolitische und kommunale Themen nicht ausdrücklich unter denBegriff Politik gefasst werden.“ Er kommt auch zu dem Schluss, dass „alle Jugendlichenpolitische Positionen“ haben: „Diese treten bei den bildungsnahen Jugendlichen allerdingsdeutlich argumentativer und reflexiver in Erscheinung“. (Roth 2005, 2.1.3)137

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandtatsächlich verbinden und ob die Zuordnung zu diesen Begriffen schontatsächlich etwas darüber aussagt, ob Jugendliche politische Fragenbewegen oder nicht. Zwar stellt die Shell-Jugendstudie regelmäßig einenUnterschied des Verhältnisses der Jugendlichen zur Politik und des(besseren) Verhältnisses zur Demokratie fest 528 . Aber nur in der Shell-Studie2002 529 thematisieren Hurrelmann, Linssen, Albert und Quellenberg, dass„das skizzierte Politikverständnis der Jugendlichen (...) vor allem darauf hin[weist], dass gängige Vorstellungen des Inhalts und Grenzen dessen, wasinnerhalb der Gesellschaft als Politik wirkt, einer kritischen Überprüfungbedürfen.“ 530 Jugendliche, so heißt es weiter, hätten ja trotz einertendenziellen Politikerverdrossenheit „eine Meinung zu Themen, die sichproblemlos im Rahmen eines hergebrachten, engen Politikverständnissesansiedeln lassen“ 531 . Insofern könnte „ein bestimmtes, fixes Politikverständniszu einer möglicherweise vorschnellen Diagnose einer ‚Politikverdrossenheit‘führen“ 532 . Sie schließen: „Nicht alles, was Jugendliche tun, ist politisch; abervieles von dem. Was sie tun, drückt Gemeinsinn aus und kann nur dann alsnichtpolitisch gebrandmarkt werden, wenn man die Politik dem Staat und denParteien reserviert.“ 533Grimme versucht in einer Untersuchung von 2003 diese Zuordnungaufzubrechen. Er analysiert in einer empirischen Untersuchung zumMediennutzungsverhalten und Politikverständnis Jugendlicher anhand von„Aktivitätsprofilen“, „dass sich das Politikverständnis Jugendlichergegenwärtig in einem Transformationsprozess befindet. Nicht allein derTypus des Berufspolitikers oder die institutionalisierten Regierungs- undOppositionsrollen sind hier bestimmend, sondern ein breites unddynamisches Spektrum von konkreten gesellschaftlichen Zielen undAktivitäten, die mit wahrgenommenen Problemen korrespondieren.“ 534 Mittelseiner Befragung von 1.636 jugendlichen Probanden stellt er fest, dass dieJugendlichen ihr politisches Interesse mehrheitlich gering einschätzen undihr politisches Wissen weitestgehend dem Schulniveau folgt. „Derhervorstechendste Befund der Tabelle sind die sehr hohen Werte politischerEntfremdung, die mit circa 80 in die Nähe der Maximalmarke 100 gelangen.Sehr schlecht wird insbesondere die „Beeinflussbarkeit der Regierung“ unddie „Responsivität der Politiker“ (Bereitschaft, auf Anliegen der Bevölkerung528 Zuletzt Deutsche Shell 2010, S.142529 Hurrelmann et al. 2002, S.43ff.530 A.a.O., S.45531 Ebd.532 A.a.O., S.49533 A.a.O., S.50534 Grimme 2003, S.23138

TuM - Bundeszentrale für politische Bildung
Gegen die Wand - Bundeszentrale für politische Bildung
einheitspreis - Bundeszentrale für politische Bildung
Filmheft - Bundeszentrale für politische Bildung
Grundrechte - Bundeszentrale für politische Bildung
Mobbing - Bundeszentrale für politische Bildung
StudentInnenbewegung - forum politische bildung
Bevölkerungsentwicklung - Bundeszentrale für politische Bildung
Link - Bundeszentrale für politische Bildung
Für den Unterricht - Forum Politische Bildung
Gedenkstättenführer - Landeszentrale für politische Bildung ...
Programm - Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg ...
um dieEcke - Bundeszentrale für politische Bildung
Demokratie für alle? - Bundeszentrale für politische Bildung
Programm - Bundeszentrale für politische Bildung
Gewalt - Bundeszentrale für politische Bildung
Politische Bildung zwischen Dogmatismus und Beliebigkeit
Filmhefte - Bundeszentrale für politische Bildung
Einladungsflyer - Bundesausschuss Politische Bildung
Indien - Bundeszentrale für politische Bildung
Mit oder ohne? - Bundeszentrale für politische Bildung
Aktien - Bundeszentrale für politische Bildung
Klassenleben - Bundeszentrale für politische Bildung
Armut - Bundeszentrale für politische Bildung
Terrorismus - Bundeszentrale für politische Bildung
Filmheft - Bundeszentrale für politische Bildung