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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandzu antworten) bewertet.“ 535 Auch das Vertrauen in das Regierungshandelnfällt gering aus. Soweit folgt Grimme in der Fragestellung den obenerwähnten Studien. Er fragt auch – ähnlich wie die anderen Studien –danach, ob die Jugendlichen in ihrer Freizeit für soziale oder politische Zieleaktiv sind, zählt aber diese Aktivitäten nicht nur zur Bereitschaft zumsozialen, sondern auch zum politischen Engagement: „Trotz der erkennbarenDistanz zum institutionalisierten Politikbetrieb engagieren sich Jugendlichehäufig für soziale und politische Ziele“ und benennen dies auch so („Ich binsozial und politisch aktiv für:...“). „Politische Entfremdung führt also nichtzwangsläufig zu politischer Apathie und Passivität, sondern schließt einEintreten für konkrete gesellschaftliche Ziele nicht aus. (...) Die amhäufigsten durch soziales und politisches Engagement angestrebten Zielesind jugendspezifische Interessen wie Freizeitgestaltung oder aber sozialerArt, z.B. Hilfe für ältere Menschen, Ausländer und Umwelt-/Tierschutz.“ 536Grimme unterscheidet auf dieser Grundlage das PolitikverständnisJugendlicher in ein „institutionenzentriertes“ und ein Verständnis, das „sozialengagierte Aspekte von Politik betont“ und schlussfolgert: Es „ergeben sichweitere Indizien für die hypostasierte Entinstitutionalisierung desPolitikbegriffs und die Verlagerung der Staatsbürgerrolle in Richtung aufsoziales Engagement.“ 537 Die Entinstitutionalisierung der Politik durch dieJugendlichen beinhalte, so Grimme, „auch eine Verweigerung, sich an‚ritualisierten‘ Machtspielen zu beteiligen, sei es, weil diese als zu mühsamund frustrationsriskant erscheinen, oder sei es, weil die Machtspiele selbstals moralisch fragwürdig erlebt werden, die mit der eigentlichengemeinwohlorientierten Grundfunktion der Politik nicht mehr im Einklangstehen.“ 538 Die Aktivitätsindizes der Untersuchung machen dabei deutlich,„dass der Prozess der Entinstitutionalisierung stärker an der Hauptschule alsam Gymnasium und an der Realschule anzutreffen ist. SystemischeAktivitäten kommen auf der Hauptschule so gut wie gar nicht vor, stattdessenfinden wir ein signifikant höheres soziales Engagement als bei den anderenSchultypen.“ 539Grimme argumentiert hier auffällig nah an einer Forderung, die diefeministische Politikwissenschaft schon einmal vor fast zwanzig Jahrenaufgestellt hat. Diese plädierte für einen Politikbegriff, der dem Verständnisvon Frauen adäquater zu sein schien:535 A.a.O., S.19f.536 A.a.O., S.21537 A.a.O., S.24538 Ebd.539 A.a.O., S.25139

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschland„Man muß heute“, formulierte Meyer 1992, „von unterschiedlichenPolitikverständnissen ausgehen: von einem weiteren, institutionellübergreifendenPolitikbegriff innerhalb der Frauenbewegung, der potentiellalles (Private) auch als politisch wahrnimmt, und einem engeren, „männlich"geprägten, traditionellen, auf Institutionen bezogenen Politikbegriff. Diesenbenutzen Frauen teilweise selbst, wenn sie sich als politisch eherdesinteressiert bezeichnen, ohne ihr soziales Engagement miteinzubeziehen,und er liegt auch der Umfrageforschung zugrunde." 540Zumindest sofern das Interesse am `Politischen´ für pädagogischeEntscheidungen politischer Bildung relevant ist, sollte sowohl das politischeund soziale Engagement Jugendlicher wie auch das VerständnisJugendlicher von `Politik´ und `Demokratie´ problematisiert und kritischbefragt werden. Die einfache Losung, dass politische Bildung angesichts desüberwiegenden politischen Desinteresses Jugendlicher einen schwerenStand habe, bedarf jedenfalls einer Überprüfung. Auch Lösungsvorschläge,wie vor allem Motivationsdefizite `bildungsferner´ Jugendliche an politischenFragen behoben werden könnten (der Einsatz von Veranstaltungen mitEventcharakter, Konzerten, Festivals oder sportlichen Wettkämpfen,Einbindung von Sozialarbeit in die politische Bildungsarbeit, der Einsatz vonleicht verständlichen, attraktiven audiovisuellen und digitalen Medien,Erlebnis-, Theater- und Medienpädagogik, „das Konzept der so genanntenvorpolitischen politischen Bildung, welches eine kompensatorischeEmpowerment-Strategie verfolgt“ 541 ), gehen eher davon aus, attraktiveAnreize zu bieten und Zugänge zu erleichtern, anstatt an den vorhandenenureigensten Politikanliegen der Jugendlichen anzuschließen und ihnen540 Meyer 1992, S.8. Auch die oben zitierten Untersuchungen kommen zu dem Schluss,dass „junge Männer in West- und Ostdeutschland häufiger ein starkes politisches Interessehaben als junge Frauen; auch in ihrer Selbsteinschätzung schreiben sich junge Männer inWest- und Ostdeutschland häufiger politische Kompetenz zu als dies bei jungen Frauen derFall ist.“ (de Rijke et al. 2006, S.341). Vgl. dazu Gille 2004: Es „wird mit derSelbstzuschreibung als ‚politisch Interessierte‘ von den Befragten möglicherweise einPolitikbegriff assoziiert, der Frauen weniger Identifikationsmöglichkeiten bietet, da er inseiner gesellschaftlichen Definition Frauen eher ausschließt.“ (Gille 2004, S.35). Deutlicherwird Lösch 2010: „Ähnlich wie der Jahrzehntelang verbreitete Mythos der ‚unpolitischenFrauen‘, die keineswegs unpolitisch waren, sondern denen politische Teilnahme und derZugang zum öffentlich Politischen vorenthalten wurde (...), wird gegenwärtig der Mythos der‚Bildungs- und Politikfernen‘ nun auf die Gruppe jugendlicher Migranten/innen übertragen.“(Lösch 2010, S.81f.). Vgl. zur Geschlechterdifferenz auch Deutsche Shell 2002, S.41 sowieEyrich-Stur 2009, die in einer Studie zum politischen Urteil zu dem Schluss kommt, dassJungen ein ausgeprägteres Interesse an systembezogenen, institutionellen, wirtschaftspolitischenund internationalen Fragestellungen haben, während Mädchen politische Fragenwesentlich stärker unter weltanschaulich-normativen Gesichtspunkten reflektieren.541 Exemplarisch zählt Detjen 2007 entsprechende Vorschläge auf und kritisiert sie alstendenziell politikfern bzw. fern von in seinem Sinn gelungener politischer Bildung.140

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