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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandgeben 582 . Denn während die Überprüfung einer Zielerreichung (WelcheKompetenzen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Maßnahmegezeigt? Was haben sie `gelernt´?) legitimatorischen Anforderungengenügen kann, können nur aus einem Zusammenhang zwischen Effektenund Merkmalen der pädagogischen Situation Schlussfolgerungen fürmögliche künftige Angebote gezogen werden.Die wenigen Versuche und Hinweise in vorhandenen empirischenUntersuchungen zur Jugendbildung gehen davon aus, dass es bestimmteMerkmale der außerschulischen Pädagogik sind, die als Bedingungsfaktorendie Lerneffekte der jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer verstärkenoder wahrscheinlicher machen. Die entsprechend befragten Bereichebetreffen vor allem a) offene, aktivierende und partizipative Methoden undFormate, b) die Anerkennung durch die pädagogische Leitung, c) dieMöglichkeiten zur Mitgestaltung der Maßnahme (Partizipation derTeilnehmenden) und d) die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.Die Ergebnisse von Untersuchungen, die die hohe Zufriedenheit derTeilnehmenden an entsprechenden Lehr-/Lernformen belegen, wurdenbereits in Kapitel 3.4.7. (Interesse an bestimmten Lehr-/Lernformen)dargelegt. Einige stellen vorsichtig einen Zusammenhang zwischen derpädagogischen Gestaltung der Maßnahme und individuellen (Bildungs-)erfolgen her. Sie kommen zu dem Schluss, dass vor allem die Erfahrung derSelbstwirksamkeit, der Einflussnahme und Gestaltungsmacht Wahrnehmungund Reaktionen der Jugendlichen prägt.Engelbert/Herlth kommen in ihrer Studie zu einem multinationalen undintegrativen Jugendbegegnungsprojekt zu dem Schluss, dass „dieWirksamkeit pädagogischer Interventionen, bei denen es um die Vermittlungvon Wissensbeständen und um die Stärkung von Kompetenzen geht, (...)maßgeblich davon ab[hängt], inwieweit es gelingt, die `Klienten´ (in diesemFall also die teilnehmenden Jugendlichen) zu einer aktiven `Mitwirkung´ zubewegen. Eine Wirkung des Begegnungsprojekts ist in dieser Perspektivealso erst dann wahrscheinlich, wenn eine solche `Ko-Produktion´ in Formeiner aktiven Beteiligung und Umsetzung durch die Beteiligten gegeben582 Vgl. Lynen von Berg 2004, S.20: Es „kann nicht von Konzepten, Programm- undProjektzielen auf später erfolgende Handlungen geschlossen werden; umgekehrt lassen sichdiese Handlungen nicht unmittelbar auf Konzepte, Programm- und Projektzielezurückführen. Handlungen sind immer das Resultat von Interaktionen und den dieseInteraktionen beeinflussenden Kontextbedingungen (...) und lassen sich somit immer nur amkonkreten Fall – seinen Gelegenheitsstrukturen und deren situativen Bedingungsfaktoren –untersuchen.“153

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandwäre.“ 583 Zinser/Schübel folgern aus den Ergebnissen ihrer Untersuchungzum „Demokratieführerschein“: „Erst das Erleben der Partizipation, derTrainerInnen, der Gruppe, des Projekts führt zu einer Durchhaltemotivation,die bereit macht für ein längeres Engagement. Die Haltung der TrainerInnenund die offenen Methoden „führten dazu, dass aus dem Reinschnuppern einaktives Mitmachen wurde.“ 584 Das Gefühl der „Selbstwirksamkeit“, schreibenZinser/Wächter zum Projekt „P“, sei Voraussetzung für weiteresEngagement. Damit halte man „den Schlüssel für Nachhaltigkeit in denHänden“ 585 .Diese Bewertungen sind nicht verwunderlich, denn offene, aktivierende undpartizipative Methoden und Formate können in der Regel wichtigeBedürfnisse befriedigen. Sie lösen sowohl den Wunsch nach sozialer Näheein (nach Spaß, Gruppenfeeling, etwas zusammen machen) wie auch nachVeränderung (Erleben von Partizipation, Möglichkeiten der Beeinflussung derUmwelt, Selbstwirksamkeit). Dabei scheint es entscheidend zu sein, dass diezielgruppenspezifische „Motivbalance“ (wie viel Spaß, wie viel Veränderung)erhalten bleibt. Zentral ist daher die Rolle der Leitung oder der Teamerinnenund Teamer. In ihrem professionellen Vermögen liegt es,Selbstbildungsprozesse anzuleiten, ohne die Offenheit der Situation und dieFlexibilität im Umgang mit Inhalten und Methoden zu riskieren. Der(zumindest in den Augen der Teilnehmenden subjektive) Erfolg einerMaßnahme hängt also auch wesentlich davon ab, ob die pädagogischeLeitung zielgruppenerfahren und methodisch flexibel ist.Auch die Erfahrung von (selbst verursachter) Veränderung,Selbstwirksamkeit, hängt vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren ab: vonbestimmten Rahmenbedingungen (Ort und Zeit), von einer realistischenZielstellung, von der zielgruppenspezifischen `Motivbalance´ und derQualifikation der TeamerInnen oder TrainerInnen. Eine zusätzlicheBedingung, die gegeben sein sollte, ist die „Produktion von „Nichtwissen“,wie es Engelbert/Herlth nennen: „Sie funktioniert, wenn immer wieder neueErfahrungen das Interesse an neuen Erfahrungen fördern undaufrechterhalten – also in erster Linie Lernbedürfnisse seitens der Lernendenerzeugt werden.“ 586 Dies passiert zum Beispiel dann, wenn zur Meisterungselbst gestellter Aufgaben bestimmte Wissensbestände, Fertigkeiten oderFähigkeiten nötig sind, deren Aneignung also nicht von außen gesetzt,sondern aus eigenem Antrieb verfolgt wird.583 Engelbert/Herlth 2007, S.15584 Zinser/Schübel 2009, S.14585 Wächter/Zinser 2006, S.126586 Engelbert/ Herlth 2007, S.16154

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