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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandEs liegt nahe, hierin den Schlüssel gerade zu denjenigen Teilnehmergruppenzu suchen, welche über allgemeine Werbewege wie Programmhefte,Zeitungsartikel oder Flyer die Angebote politischer Bildung wahrscheinlichnicht wahrnehmen würden. „Eine Werbung, die an die Aufenthaltsorte derJugendlichen `geht´, z.B. an alle Schultypen, aber auch in die OffeneJugendarbeit und die Jugendsozialarbeit, könnte neue Zielgruppenansprechen“ 95 , vermuten Zinser/Wächter, die das Projekt „P“ evaluierthaben, wohl zu Recht.Es braucht allerdings mehr als nur geschickte Werbung, um die Distanz zuüberbrücken, die sich vor allem in den sozial weiter unten stehenden Milieusgegenüber jeglicher Form von Bildung zeigt – „Bildungseinrichtungen geltenals eine fremdbestimmte Welt“ 96 , wie Bremer anmerkt: „Man gewinnt sie inder Regel nicht durch neue Werbeflyer o.Ä., was oft der erste Reflex inWeiterbildungseinrichtungen ist, wenn es darum geht, neue Zielgruppen zuerreichen“ 97 . Denn „die Skepsis dieser Gruppe gegenüber institutionellerBildung beruht meist auf früheren Erfahrungen, sitzt also tiefer und ist mehrals ein `Imageproblem´, dem man durch oberflächliche Kampagnenbegegnen kann. Nötig sind Konzepte `aufsuchender Bildungsarbeit´, die aufeinem personal- und zeitintensiven Knüpfen von Beziehungen zu Personenmit Milieunähe beruhen, die das Vertrauen der Zielgruppe genießen undsomit eine Brücke zu Weiterbildung schlagen können.“ 98 Aufgrund einerqualitativen Studie zu drei Angeboten der politischen Erwachsenenbildungkommt er zu dem Schluss: „Aufsuchende Bildungsberatung ist in der Arbeitmit Zielgruppen, die von institutioneller Bildung nicht oder wenig erreichtwerden, der richtige Weg.“ 99Roth kommt in seiner auf einer qualitativen Untersuchung basierendenExpertise „`Das ist nicht nur für Deutsche, das ist auch für uns´ – PolitischeBildung für Jugendliche aus bildungsfernen Milieus unter der besonderenBerücksichtigung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ 100 zu demSchluss, dass „bildungsferne Jugendliche mit Migrationshintergrund (...) fürpolitische Bildung durchaus erreichbar sind. Die wichtigsten Orte für ihreErreichung in außerschulischen Projekten sind Schulen und Jugendzentren.Ebenso sind dabei soziale Netzwerke wie Freundeskreise und Cliquen zuberücksichtigen. Bedingungen dafür sind ein Ansetzen an aktuellen,95 Zinser/Wächter 2006, S.12796 Bremer 2010, S.04-797 Ebd.98 Ebd.99 Bremer/Kleemann-Göring 2010a, S.33100 Roth 200537

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandallgemeinen und an mit den spezifischen Lebenslagen zusammenhängendeThemen; dabei können dann auch Migrationsthemen eine wichtige Rollespielen. (...) Allerdings sollen die Jugendlichen nicht als `Migranten´ oder`Aussiedler´ adressiert werden; ethnisierende Zugänge zur Zielgruppe sindzu vermeiden.“ 101Auch die Evaluatoren des EU-Programms JUGEND betonen den Stellenwertvon vertrauenswürdigen Personen, vor allem für „Jugendliche mit reduziertensozialen Kompetenzen“:„Mittels freier Ausschreibungen ist diese Gruppe kaum zu beteiligen. Diestrifft für die Motivation zur Teilnahme an einer informellenBildungsmaßnahme für bildungsferne Jugendliche ebenfalls zu.“ 102So sei „eine zentrale Voraussetzung für die Teilnahme und Integration vonJugendlichen mit reduzierten sozialen Kompetenzen (...) eine bereits zuvorbestehende Beziehung der Jugendlichen zu einer Kontaktperson, welcher sievertrauen (...). Die Projekte im Aktionsbereich 1, in denen es gelang, diebenannten Zielgruppen zu einer Teilnahme zu motivieren, erreichten diesi.d.R. ebenfalls dadurch, dass die Jugendlichen durch einen bereitsbestehenden Kontakt zu einem Jugendzentrum oder einem Mitarbeiter/einerMitarbeiterin erreicht wurden.“ 103In der Praxis auch der Erwachsenenbildung werden entsprechendeSchlussfolgerungen ebenfalls schon gezogen. Böhnisch et al. vermerken inihrem „Trendbericht zur empirischen Wirklichkeit der politischenBildungsarbeit in Deutschland“:„Besonders bei der Ansprache von Bildungsbenachteiligten oderMigrantInnen wird mit Einrichtungen, Vereinen und Institutionen (...)zusammengearbeitet. (...) Diese sind stärker in die Lebens- bzw.Arbeitsvollzüge involviert und haben guten Einblick in die Bildungsbedarfebzw. Bedürfnisse dieser Zielgruppen.“ 104Allerdings ist diese Art der Teilnehmergewinnung mit„BeziehungsarbeiterInnen“ wie „Brückenmenschen“ oder„Schnittstellenmenschen“ aufwendig. „Diese Menschen müssen nicht nur fürdie Zusammenarbeit gewonnen, sondern sie müssen auch qualifiziert und101 A.a.O., 2.2.3102 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 2007103 Ebd.104 Böhnisch et al. 2006, S.9538

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