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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandkontinuierlich betreut werden.“ 105 Außerdem sollten Strategien zurTeilnehmergewinnung „nicht nur kurzfristig (über die Dauer einerProjektfinanzierung) angelegt sein, sondern müssen fester Bestandteil dergemeinwohlorientierten Weiterbildung sein.“ 1063.1.2.4. Erfolgshindernis: Persönlicher KontaktDer nahe liegende Ratschlag, Vertrauen schaffende Organisationen, Orteoder Personen als Mittler oder `Brücken´ zu nutzen, wirft zugleich die Frageauf, wie dies zu bewerkstelligen ist in einem sich immer stärkerausdifferenzierenden Feld von Kommunikationsmilieus, die sich nicht nurdurch unterschiedliche thematische, ästhetische und kulturelle Vorlieben,sondern auch in ihrer Wahrnehmung von Politik stark unterscheiden 107 . Diesbetrifft auch die Anbieter selbst, die eine jeweils begrenzte Reichweitehinsichtlich ihrer Werte- und weltanschaulichen Beziehungen, ihrerthematischen und methodischen Schwerpunkte, ihresKommunikationsverhaltens, ihrer Ausstattung 108 und letztendlich ihresImages bzw. ihrer sozialen Repräsentanz, i.e. Milieubezogenheit, haben.Diese Nähe oder Ferne zu bestimmten Adressatenmilieus (und zumilieuorientierten Kooperationspartnern) ist nur dann gezielt einzusetzenoder veränderbar, wenn sie selbstkritisch, d.h. vorurteilsfrei analysiert wird.Bremer verwendet für diese Milieubezogenheit mit Bourdieu den Begriff des„Habitus“, der sich durch deren Akteure auch für Einrichtungen undOrganisationen nutzen lässt:„Die Institution selbst ist von milieuspezifischen Strukturen und Affinitätendurchdrungen, die auf das gewandelte Adressatenfeld mehr oder weniger gutabgestimmt sind. Entscheidungs- und Kommunikationsstrukturen,Vermittlungswege, die Wahrnehmung der Umwelt usw. laufen über Akteure.Alle Prozesse werden durch die Schemata der Habitus gefiltert undmitstrukturiert.“ 109Was in früheren Zeiten ein Garant für einen festen Teilnehmerstamm seinkonnte und vielfach sicherlich auch noch ist 110 , kann viele Träger inzwischen105 Bremer/Kleemann-Göring 2010a, S.34106 Ebd.107 Vgl. Flaig et al. 1994108 Tippelt 2010 bringt anschauliche Beispiele für die Vorlieben unterschiedlicher Milieus fürein bestimmtes Ambiente bzw. die Ausstattung von Bildungshäusern.109 Bremer 2005, S.59110 „Weiterhin zeichnet sich ab, dass Einrichtungen der ErwachsenenbildungMilieuschwerpunkte haben. So weisen die (klein-)bürgerlichen Milieus oft eine besondereAffinität zur Volkshochschule auf. Das dürfte auch für die kirchliche Erwachsenenbildung39

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandin zweierlei Hinsicht negativ betreffen: Denn auf der einen Seite ist dieOrientierung der Einrichtung (z.B. konfessionell, gewerkschaftlich oderpolitisch) für 53 % der über 65-jährigen, aber nur für 22 % der Jugendlichenunter 18 Jahren ein wichtiges bzw. sehr wichtiges Auswahlkriterium für eineTeilnahme 111 . Auf der anderen Seite kann dies für bestimmte Zielgruppenauch zum Ausschlusskriterium werden, wenn zum Beispiel die Nähe zumeinen Milieu Adressaten aus einem anderen abschreckt. 112 Der Befund vonFritz verweist einerseits auf die Auflösung klassischer Sozialmilieus, aberauch auf die steigende Relevanz anderer Auswahlkriterien. Zu vermuten istbeispielsweise eine wachsende Skepsis gegenüber stark wertebezogenenMilieus. Bedenkenswert ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis derMarktanalyse von Rudolf, der unter anderem nach dem Interesse in derBevölkerung an einer „überparteilichen und unabhängigen Beratungsstelle“fragte, „an die sich die Bürger entweder mit Fragen wenden können, diedirekt beantwortet werden oder die sie auf Bildungsangebote in ihrer Gegendaufmerksam macht“ 113 . Das konkrete Nutzungspotenzial „liegt demnach bei7,1 % und das mögliche Potenzial bei 20,8 %.“ Immerhin „72,6 % allerBefragten, die zuvor angaben, häufig oder manchmal mehrHintergrundinformationen zu wichtigen gesellschaftlichen oder politischenFragen zu haben, sprachen sich für eine Beratungsstelle aus“ 114 . Auch dieserBefund lässt vermuten, dass sich mögliche Interessierte entweder einerZuordnung zu bestimmten Milieus und Milieubindungen generell entziehenmöchten oder dass ihnen das bekannte Angebotsfeld in seiner jeweiligenMilieubindung und (vermeintlichen) `Parteilichkeit´ nicht behagt.Dass tatsächliche oder zugeschriebene Milieumerkmale abschreckendeWirkung haben können, beschreibt die Studie „SINUS 27 – Wie tickenJugendliche?“ 115 , die im Auftrag vom Bund der Deutschen KatholischenJugend (BDKJ) und MISEREOR jugendliche Lebenswelten untersuchte. DieAutoren kamen zu dem Schluss, dass „die Befunde (...) deutlich machen, wieweit katholische Jugendverbände von den für Jugendliche attraktivengelten. Teilnehmende der politischen und konfessionellen Akademien sowie große Teile derurbanen Bildungsvereine und -institutionen werden stärker von akademischen Milieusfrequentiert. Gewerkschaftliche bzw. gewerkschaftsnahe AnbieterInnen werden stärker vonden praktischen ArbeitnehmerInnenmilieus nachgefragt.“ (Bremer 2010, S.04-7)111 Siehe Fritz 2005, S.108112 Man kann aber auch umgekehrt schließen, dass Adressaten, die nicht Teil`ansprechbarer´ Communities sind oder diese ablehnen, mit noch höhererWahrscheinlichkeit ausgegrenzt sind. Damit verschärft sich in Bezug auf marginalisierteGruppen die Schwierigkeit, diese zu gewinnen.113 Rudolf 2002, Bd.2, S.95. Hier kann nicht diskutiert werden, welches Verständnis vonpolitischer Bildung und von „interessengruppen-ungebundenen Trägern“ hinter derFragestellung steht. Vgl. dazu Brandt et al. 2002114 Rudolf 2003, Bd.2, S.95115 Calmbach 200740

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