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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandErwachsene zu. Auch „für sie heißt es, sich an neue Gegebenheitenanzupassen, sich neu zu orientieren und ihre Identität ständig zustabilisieren.“ 191Aus diesem Grund schlagen einige Forscherinnen und Forscher vor, dieMilieumodelle durch die erkenntnisleitende Kategorie der `biografischenPassung´ zu ergänzen oder zu ersetzen 192 . Sie ist vor allem im Diskurs zumfreiwilligen Engagement geläufig 193 :„Die Beweggründe der Jugendlichen für gesellschaftliches Engagement zueinem bestimmten Zeitpunkt in einem spezifischen Projekt sind verbundenmit einer Erfahrung von Zugewinn, die jede Person anders erlebt und dieeingebunden ist in eine so genannte `biografische Passung´.“ 194Böhnisch et al. gehen noch weiter: „Die Motivation der AdressatInnen, anVeranstaltungen der politischen Bildung teilzunehmen, ist nicht mehr an dieZugehörigkeit zu verschiedenen (traditionellen) Milieus gebunden (dieTeilnehmenden werden immer weniger über die – zudem erodierenden –Milieus gewonnen), sondern ist von der jeweiligen biografischen Passungabhängig.“ 195Dann ist vor allem relevant, welcher individuelle Bewältigungsdruck, in denMenschen auf Grund gesellschaftlicher – und auch politischer –Veränderungsprozesse geraten, gerade besteht, wobei dieser wiederumabhängig sein kann von der jeweiligen soziodemografischen Lage. Einepositive Teilnahmedisposition ist damit jedoch abhängig von einer Fülle vonFaktoren 196 , was die Situation für die Träger und Verantwortlichen einerseitsverkompliziert, andererseits vom `Zahlenfetischismus´ entlasten kann:191 Böhnisch et al. 2006, S.107. Hier müssen neben typischen Übergangssituationen, wiedem Übergang aus der Familienphase oder aus dem Erwerbsleben in das Rentenalter,weitere Differenzierungen vorgenommen werden. Mehr noch: „Die Diskrepanz zwischenüberkommener Erwachsenenrolle und heute irritiertem Erwachsenensein lässt dasErwachsennealter als biographischen Bewältigungskontext hervortreten“ (S.130)192 Eine Schlussfolgerung für die Forschung müsste dann auch sein, dass sich derenAufmerksamkeit noch deutlicher auf eine Differenzierung von Altersgruppen richtet, unddass die bisherige Aufteilung in „Jugendbildung“ und „Erwachsenenbildung“ nichthinreichend ist. Vgl. zur schwieriger werdenden Abgrenzung von „Jugendlichen“ und„Erwachsenen“ Böhnisch et al. 2006, Kap. 7.6. „Entstrukturierung der Lebensalter“, S.128-133193 Vgl. Munsch 2003194 Wächter/Zinser 2006, S.75195 Böhnisch et al. 2006, S.23196 Einen Überblick über ausgewählte Modelle zur Erklärung und Prognose vonWeiterbildungsverhalten bringt Reich-Claassen 2010, S.39-52. Allerdings wurden undwerden bisher „aufgrund der Komplexität der Modelle sowie der mangelndenKonkretisierung und Operationalisierung zentraler Konstrukte (...) nur einzelne empirischgeprüft.“ (a.a.O., S.52)57

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschland„Motiv, Anlass und Gelegenheit zum politischen Engagement wie auch zurTeilnahme an politischer Bildung müssen in einer günstigen Weisezusammentreffen. Von den BildnerInnen kann dieses Zusammentreffen zwarnicht herbeigeführt werden, aber das Wissen um diesen Zusammenhang istwichtig, um bei der Planung und Durchführung von Angeboten biografischePassungen aufzuspüren und unterstützen zu können.“ 197Eberwein/Quante-Brandt schlagen in ihrer Untersuchung zum Zwei-Jahres-Kurs „Sozialwissenschaftliche Grundbildung“ der Akademie für Arbeit undPolitik Bremen in Anlehnung an Siebert vier Typen vonTeilnehmermotivationen vor, die allerdings nie in `Reinform´ vorkommen,sondern in komplexer Weise zusammenspielen:- „Teilnahme als Umbruchsituation- Teilnahme als Sozialkontakt- Teilnahme als Kompensation nicht erfüllter Bildungserwartungen- Teilnahme als Kompetenzerweiterung.“ 198Um entsprechende Motivationslagen und die Mechanismen biografischer`Passfähigkeit´ beschreiben und analysieren zu können, bedarf es allerdingsweitergehender qualitativer Forschungen:„Die eigene biografische Passung ist dem Einzelnen in der Regel nicht sofort,d.h. häufig erst im Rückblick auf Lebensabschnitte präsent. Sie erschließtsich in der Forschung durch biografisch-narrative Einzelinterviews mitentsprechend tiefgehender Auswertung.“ 199Dass Wissen allein nicht ausreicht, um pädagogische oder strategischeEntscheidungen umzusetzen, wurde schon oben (siehe Kap. 3.1.2.4.) mitBremer gezeigt: Weder milieutheoretisches Wissen noch ein Wissen um denZusammenhang von der Gestaltung und Kommunikation des Angebots undeiner `biografischen Passung´ allein werden den Habitus der Institution,Organisation oder Einrichtung sowie der handelnden Akteure auf der Seitepolitischer Bildung neutralisieren. So fordert Bremer, „die eigenepädagogische Praxis vor diesem Hintergrund zu reflektieren. Milieubezogenepädagogische Reflexivität, d.h., ein Sich-Selbst-in-Beziehung-Setzen zu denLernenden, die Reflexion des eigenen Habitus, muss als Teil pädagogischer197 Böhnisch et al. 2006, S.107198 Siehe Eberwein/Quante-Brandt 1998, S.58199 Wächter/Zinser 2006, S.7558

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