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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandausgestaltete Kursformate sich an einer milieuübergreifendenLebensthematik – wie z.B. sozialstrukturübergreifende kritischeLebensereignisse – orientieren“ 225 .Aber, so räumen auch die Autoren ein, die Verallgemeinerungsfähigkeiteines solchen Ansatzes ist begrenzt. Der Weiterbildungsmarkt ist nicht nur imHinblick auf die Unterscheidung von beruflicher und allgemeiner Bildung,sondern vielmehr in mehrfacher Hinsicht gespalten:„Zu unterscheiden sind mehrere, zum Teil voneinander abgeschotteteTeilmärkte, die nach jeweils völlig unterschiedlichen Prinzipien funktionierenund keineswegs – und damit nehmen wir beispielsweise dengesellschaftlichen Bildungsauftrag in den Blick – immer auf derGleichwertigkeit der InteraktionspartnerInnen [wie z.B. Kunden, HB]beruhen“ 226 .Ob sich gerade in solchen Marktsegmenten, zu denen unzweifelhaft diepolitische Bildung zählt, „tatsächlich der Spagat zwischen gesellschaftlichemund sozialem Bildungsauftrag einerseits und finanzieller Rentabilitätandererseits überbrücken lässt, kann aufgrund nach wie vor fehlenderempirischer Untersuchungen zur Realisierung von Marketing (noch) nichtsicher festgestellt werden“ 227 .So müssen auch die Propagandisten eines „Milieu“- oder„Zielgruppenmarketings“ eingestehen, dass, „während im Hinblick aufsoziodemografische Faktoren, die für das tatsächlicheWeiterbildungsverhalten relevant sind, zahlreiche Daten vorliegen, (...)hinsichtlich grundlegender Motivations-, Interessens- undEinstellungsstrukturen auf der Nachfrageseite des Weiterbildungsmarktes aufnur wenige generalisierbare Befunde zurückgegriffen werden“ kann 228 .Dennoch scheint „der Weg zum Aufbau einer diversifizierten, auf diemilieuspezifische Differenzierung der Adressaten abgestimmteAngebotsstruktur klar vorgezeichnet“ 229 . Und zweifellos ist auch in derpolitischen Bildung Konsens, dass deren Angebote auch „von der225 Reich-Claassen/Tippelt 2010, S.03-11226 A.a.O., S.03-4227 A.a.O., S.03-3. Eine aktuelle Ausnahme ist das Projekt „Potenziale der Weiterbildungdurch den Zugang zu sozialen Gruppen entwickeln“, Bremer/ Kleemann-Göhring 2010b. Indem Projekt wurden neue Formen der Bedarfserhebung, der Angebotsentwicklung und derDurchführung getestet.228 Reich-Claassen/Tippelt 2010, S.03-6229 Bremer 2005, S.5965

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandNachfrageseite her“ 230 immer wieder einer kritischen Revision unterzogenwerden müssen. Auch das diesem Bericht zugrunde liegende Projekt„Praxisforschung nutzen“ ist von dem Gedanken getragen, die vorhandenenempirischen Befunde zur „Nachfragseite“ der politischen Bildung für derenPraxis nutzbar zu machen. Allerdings werden die Möglichkeiten, Reichweitenund Grenzen der politischen Bildung, „passgenaue Angebote“ zu machen,sehr unterschiedlich eingeschätzt. So ist noch nicht einmal sicher, wie weitdie von Tippelt et al. geforderte Zielgruppenspezialisierung der Anbieter inder außerschulischen politischen Bildung eventuell schon verbreitet ist.Ahlheim/Heger stellen jedenfalls fest, dass laut Auskunft der befragtenEinrichtungen insgesamt „fast 80 Prozent (...) mit besonderenVeranstaltungen oder mit ihrem gesamten Programm politischer Bildung anbestimmte Adressaten“ 231 richten. Gleichzeitig konstatieren sie aber:„Untersucht man die Ankündigungstexte in den veröffentlichtenBildungsprogrammen mit Blick auf die angesprochenen Adressaten, dannfällt zunächst auf, dass sich die große Mehrheit der Veranstaltungen nicht anbestimmte Personengruppen richtet und nur in 31 Prozent derVeranstaltungsankündigungen spezielle Zielgruppen genannt werden. (...)Wenn bestimmte Zielgruppen in den Ankündigungstexten genannt werden,dann sind es vor allem betriebliche Interessenvertreterinnen und -vertreter(8 Prozent aller untersuchten Veranstaltungen), politisch und ehrenamtlichengagierte (5 Prozent), Frauen (ebenfalls 5 Prozent) und Jugendliche bzw.junge Erwachsene (4 Prozent), seltener Senioren, Multiplikatoren undAngehörige bestimmter Berufsgruppen (jeweils etwa 2 Prozent) undMigranten (1 Prozent).“ 232Ganz unausgesprochen bleibt dabei die `heimliche´ Zielgruppenorientierungdurch die Milieuorientierung der Anbieter, wie sie oben bereits angesprochenwurde. Die Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen von Marketing inder politischen Bildung, die markant mit den Themen Qualitätssicherung undMarketing am Ende der 1990er-Jahre begann und bis heute reicht, kann andieser Stelle nicht abgebildet werden. Mit Blick auf die für den gesamtenBereich der beruflichen und allgemeinen Weiterbildung formulierten – sehrallgemeinen – Befunde der Weiterbildungsforschung wird allerdings schnellklar, dass diese jeweils von den Anbietern politischer Bildung individuellaufzuschlüsseln sind und dass die Anbieter mindestens entscheidenmüssen, ob es ihnen um die Bindung alter oder, bzw. in welchem Maß, umdie Gewinnung neuer Zielgruppen geht. Dabei dürfte auch klar sein, dass230 Barz 2003, S.21231 Ahlheim/Heger 2006, S.49232 A.a.O., S.47ff.66

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