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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandWohl am ehesten unabhängig von der Art der Weiterbildung lässt sich derGrund „Meine familiären Verpflichtungen lassen mir keine Zeit fürWeiterbildung“ interpretieren. Oben wurde bereits Schlevogt zitiert, die denüberproportionalen Anteil von Teilnehmerinnen an Bildungsurlaubsseminarendes DGB-Bildungswerks Hessen auf die gebotene Kinderbetreuungzurückführt. Im Berichtssystem Weiterbildung stimmen Frauen dem Aspekt,aufgrund familiärer Verpflichtungen keine Zeit für Weiterbildung zu haben,deutlich häufiger zu als Männer (33 % vs. 17 %) 248 . Für Kuwan spiegelt dasErgebnis, dass „vor allem Personen aus den alten Bundesländern auf denzeitlichen Aspekt im Zusammenhang mit familiären Verpflichtungenverweisen (...) die unterschiedlich stark ausgebaute Betreuungssituation vonKindern in den neuen und alten Bundesländern“ 249 . Reiter/Wolf raten daher:„Die Bereitstellung von Kinderbetreuungsangeboten kann zum Abbau vonMotiven der Nicht-Teilnahme an bildungspolitischen Veranstaltungenbeitragen, da gerade für Frauen das Vorhandensein solcher Angeboteoftmals für die Entscheidung zur Teilnahme an einer Maßnahme relevant ist.Auch die mit dem Kursangebot verbundenen Kosten, können ein ernsthaftesHindernis zur Teilnahme darstellen. Hier ist es wichtig, Fördermöglichkeitenzu finden, um Maßnahmen kostengünstig und möglichst kontinuierlichanbieten zu können.“ 250Zusätzlich thematisieren Böhnisch et al. ebenso wie Schlevogt für diepolitische Bildung die Möglichkeit des Bildungsurlaubs als wichtigen Anreizfür eine Teilnahme. Er relativiert für Teilnehmende sowohl das Problem derKosten als auch das der Zeit. Schrader wertet ihn als eine Säule derpolitischen Erwachsenenbildung:„Zweifellos gibt es also noch Weiterbildungsangebote der politischen Bildungund entsprechende Anbieter, die eine zwar begrenzte, über die Zeit aberdurchaus stabile Nachfrage finden, begünstigt durch die Institution desBildungsurlaubs, ohne den ganze Angebotsbereiche wegfielen.“ 251Dort aber, wo Bildungsurlaub aufgrund fehlender Gesetze nicht angebotenoder aufgrund von Angst vor beruflichen Nachteilen nicht in Anspruchgenommen wird, ist dies für die politische Bildung spürbar:248 Kuwan et al. 2004, S.98249 A.a.O., S.96250 Reiter/Wolf 2006, S.21ff251 Schrader 2003, S.101. Vgl. auch Ciupke/Reichling 199971

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschland„Der Bildungsurlaub, einst dazu gedacht, Berufstätige freizustellen und somitpolitische Bildung zu ermöglichen, wird hauptsächlich für beruflicheWeiterbildung genutzt. Dort, wo Interesse an einem (politischen)Bildungsurlaub besteht, wird er oft aus Angst um den Arbeitsplatz oderanderen möglichen Folgen besonders in klein- und mittelständischenBetrieben nicht genommen. Auch die Menschen die keine Arbeit haben, sinddeshalb nicht leichter für die politische Bildung erreichbar. Bei ihnen sind esProbleme existenzieller Art, die eine Beschäftigung mit politischen undgesellschaftlichen Problemen als Luxus erscheinen lassen.“ 252Schon das agis-Forschungsprojekt „Arbeitnehmermilieus als Zielgruppen desBildungsurlaubs. Angebote, Motivationen und Barrieren der Teilnahme amBildungsurlaubsprogramm von Arbeit und Leben Niedersachsen e.V.“ stellte1999 fest, dass viele Arbeitnehmer aus betrieblichen Gründen (Druck vonVorgesetzten, Angst vor Repressalien, Nachteilen am Arbeitsplatz) denBildungsurlaub nicht in Anspruch nahmen. Als weiterer Grund nannten diebefragten Teilnehmer und Nicht-Teilnehmer alltägliche Verpflichtungen wiedie Familie. 253Die Grenzen der quantitativen Abfrage von Hinderungsgründen oder auchvon Teilnahmemotiven und -interessen zeigen qualitative Untersuchungen,welche versuchen, die komplexen Zusammenhänge und die `Eigenlogik`aufzudecken, die zu einer Teilnahmeentscheidung führen oder eben nicht.Sie gehen über soziodemografische Faktoren hinaus; Hinderungsgründe(wie Teilnahmegründe) „dürfen demnach nicht losgelöst von individuellen,lebensweltlich geprägten Einsichten, Interpretationen und Bewertungenbetrachtet werden“ 254 . Lebensweltliche Bedeutungszuschreibungen,Einstellung zu Weiterbildung im Allgemeinen und zuWeiterbildungsinstitutionen im Besonderen sowie damit zusammenhängendeKosten-Nutzen-Relationen prägen die Entscheidung. Bremer zeigt, dassdiese Einstellungen Teil des Habitus von Milieus sein können und Reaktionauf (milieubedingte) Kommunikationsschranken von Anbietern, die von denAdressierten als fehlende Wertschätzung registriert, als Fremdausschließunginterpretiert und als Selbstausschließung habitualisiert werden. 255Hier soll aus der Dissertation von Reich-Claassen „Warum Erwachsene(nicht) an Weiterbildungsveranstaltungen partizipieren. Einstellungen undprägende Bildungserfahrungen als Regulative des252 Böhnisch et al. 2006, S.111253 Siehe Bremer 1999 und Meyer/Eberwein 2001, S.35254 Reich-Claassen 2010, S.374255 Vgl. Bremer 200872

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