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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in Deutschlandund Aneignung brauchbarer Informationen, Erwerb von Handlungswissenund Verständigung über soziale Lebenslagen und gemeinsameInteressen.“ 292Die Bewertungen der Bedeutung dieses Trends für die Zukunft politischerBildung gehen auseinander. Gapski/Heinen-Tenrich suggerieren eine ArtKohärenz von der Alltagsorientierung der Teilnehmenden zur verstärkten(formalen) Qualifizierung und meinen, dass sich „viele politischeBildungsangebote in Richtung einer mehr oder weniger unmittelbaren PraxisundNutzenorientierung verschoben“ haben 293 . Ob dies auch als ein Verlustdes `Politischen´ (gar der „kritischen Diskussion“; siehe oben) oder als dieKonsequenz eines sich wandelnden Lebenskontextes gewertet wird, kommtauf die Perspektive an. Bremer kritisiert die Haltung, lebenswelt- undanwendungsorientierte politische Bildung als defizitär zu betrachten:„Im Bereich der politischen Bildung rührt ein Teil der Probleme daher, daßdie praktischen Bildungszugänge der Arbeitnehmermilieus aus derPerspektive einer ‘Zweckfreiheit’ von Bildung gesehen wird, die für dieMilieus der politischen Bildungsexperten typisch ist. Aus dieser Perspektiveerscheinen nicht-ideelle, ‘nutzen’- oder ‘verwertungsorientierte’ wie aucherlebnisorientierte Bildungsmotive als defizitär. Die ‘Entpolitisierungsthese’kann vor dem Hintergrund dieser Kulturschranke zwischen Bildungs- undArbeitnehmermilieus somit stark relativiert werden, da sie sich zum Teil aufdiese ‘perspektivische Verzerrung’ stützt, die den Arbeitnehmern nichtgerecht wird. Bei ihnen ist politische und ideelle Bildung ganz anders in diegesamte Bildungsorientierung und den Lebenskontext eingebunden.“ 294 (...)„Nach diesem Ansatz ist die zurückgehende Mobilisierbarkeit von Akteurenkein Beleg für ‘defizitäre Haltungen’ (wie das Pauschalthesen der‘Entpolitisierung’ und ‘Säkularisierung’ nahelegen), sondern müssen vor demHintergrund der aktuellen Bedingungen und Strukturen in den jeweiligenFeldern, unter denen sich der Habitus aktualisiert, betrachtet und reflektiertwerden.“ 295Fritz wertet das von ihm festgestellte `Doppelgesicht´ desVerwertungsinteresses – einerseits beruflich motiviert, andererseitspersönlich und eingebunden in die individuelle Lebensbewältigung – vonTeilnehmerinnen und Teilnehmern speziell in Ostdeutschland ähnlich. Hier,so sagt er, habe das „Verhältnis von Arbeitsplatzrisiko, kritischer292 A.a.O., S.15293 A.a.O., S.27294 Bremer 2001, S.84295 A.a.O., Abstract. Siehe auch Kapitel 3.2.4. „Die spezielle Disposition: Politikinteresse“79

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandLebenssituation und Erwartung an die Politische Bildung (...) eineostspezifische Ausprägung“. Die wirtschaftliche und berufliche Situation wirkelebensweltlich und setze politische Desorientierung und Indifferenz frei. Eswerde deutlich, dass „aktive Staatsbürgerschaft und Beschäftigungsfähigkeitin einer Wechselwirkung zueinander stehen bzw. in diese Wechselwirkunggebracht werden müssen“ 296 .Was allerdings den Erwerb von Zertifikaten und Abschlüssen angeht, so sindsich sowohl Teilnehmende wie politische Bildner darin einig, dass diesekeine große Rolle bei der Veranstaltungswahl spielen. Dieses Motiv rangiertbei entsprechenden Befragungen für Erwachsene auf dem letzten Platz. 297Im Bereich der Jugendbildung ist zu beobachten, dass für Jugendliche, dieunter zunehmendem Druck stehen, Qualifikationen vorweisen zu können, einberufliches oder formales Interesse an Zertifikaten besteht. So ergab dieBefragung zu Beginn des Projekts „Demokratieführerschein“, das so benanntund angelegt war, weil ein Zertifikat erworben werden konnte, „dass sich56 % der befragten Jugendlichen durch die Teilnahme einen Vorteil für ihrLeben versprechen, z.B. bessere Chancen bei Bewerbungen.“ 298 „Bezüglichder Vorteile für ihr Leben haben die Jugendlichen unterschiedlicheEinschätzungen. 12 % glauben nicht an Vorteile, z.B. weil sie sich nicht imBereich der IHK bewerben möchten 299 bzw. einen Studienabschlussanstreben. 32 % sind unsicher, ob der Demokratieführerschein einenArbeitgeber wirklich interessieren wird. 52 % sind davon überzeugt, dass dasZertifikat bei Bewerbungen helfen wird.“ 300 Bei der Untersuchung von Beckererhofften sich nur 7 % der Jugendlichen `Vorteile für eine Bewerbung / meineAusbildung / meinen Beruf´. 301296 Fritz 2005, S.127297 Böhnisch et al. 2006, S.116298 Zinser/Schübel 2009, S.18299 Die IHK NRW war am Projekt beteiligt hatte zugesagt, den „Demokratieführerschein“ beiArbeitgebern zu empfehlen.300 Ebd.301 Becker 2009a, S.67. Während das Projekt “Demokratieführerschein” geradezu mit einem`Berechtigungsschein´ bzw. `nützlichen Abschluss´ geworben hat, sprachen die Maßnahmenzur entwicklungspolitischen Bildungsarbeit vor allem über ihre Themen an. In beiden Fällenstehen die Evaluationsergebnisse aber, auch in Bezug auf weitere Werte beispielsweise zuden sozialen Interessen (siehe unten), im Gegensatz zu älteren Befunden zu denTeilnahmemotiven Jüngerer an Volkshochschuleangeboten. Vgl. Jelich, der aus denempirischen Untersuchungen der 1990er-Jahre den Schluss zieht, dass das LernenJugendlicher an Volkshochschulen einen „instrumentellen Bezug hat“ und zitiert:„Allgemeinwissen und Freizeitgestaltung sind Argumente, die bei jüngeren Menschen nichtgreifen. Von der Möglichkeit, konkrete berufliche oder schulische Kenntnisse zu erwerben,sind sie aber angetan.“(Zitiert nach Volkshochschule von innen 1997, S.67, Jelich 2011,S.92). Dieser Widerspruch zeigt einmal mehr, dass quantitative Befunde dieser Art zurWeiterbildung zu differenzieren sind, mindestens wahrscheinlich nach Angebotsfeldern wienach Alterskohorten.80

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