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Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandFremdenfeindlichkeit“ liegt auch hier an erster Stelle mit einemBedeutungsgewinn von 10 %. „Es folgen Persönlichkeitsentwicklung undsoziales Lernen sowie Konfliktbearbeitung und Gewaltprävention und auchinterkultureller Dialog mit je 10 % der Nennungen.“ 375 „Auf die Frage nachdem Bedeutungsverlust ergibt sich ein ebenso deutliches Bild. An Bedeutungverloren hat mit großem Abstand der Themenbereich Ökologie,Umweltbildung und Agenda 21 (19 %). Es folgen Bundes-, Landes- undKommunalpolitik mit 11 %, Geschichte, Gedenkstättenarbeit mit 7 %, Frauund Gesellschaft mit 7 %, Einüben in demokratische Prozesse,Parlamentarismus mit 6 % sowie Krieg und Frieden mit 6 %.“ 376Wie für die Autoren der Untersuchungen zur politischen Erwachsenenbildungstellt sich auch für Schröder et al. die Frage, wie es zu den hohenBedeutungsverlusten oder -gewinnen bestimmter Themenbereiche kommt.Die Interpretationen schwanken mehr oder weniger zwischen den vonSchröder et al. benannten Einflussfaktoren. So können Themen zwar auf derpolitischen Agenda oben stehen, gleichzeitig aber in der Wahrnehmung derTeilnehmerinnen und Teilnehmer keinen großen Stellenwert besitzen.Schröder et al. zitieren beispielsweise zum Thema `Gender Mainstreaming´eine Jugendbildungsreferentin, die den Bedeutungsverlust – also dasabnehmende Angebot – mit dem mangelnden Interesse der Teilnehmendenbegründet:„Ich stelle immer wieder fest, dass das ein aufgesetztes Thema ist, aber nichtdas Thema der Jugendlichen. Die fragen nicht, was sind die Interessen vonMädchen, was sind die Interessen von Jungen. Und die Mädchen habenauch nicht das Problem, sich durchzusetzen. Die sind schon da und nehmenan den Seminaren teil und sind oft sogar in der Überzahl.“ 377Zum Rang des Themenbereichs Extremismus und Fremdenfeindlichkeit wirdgemutmaßt: „Hier könnte sich der Einfluss verschiedener vom Ministeriumaufgelegter Sonderprogramme wie ENTIMON, XENOS und CIVITASbemerkbar machen.“ 378 Ahlheim/Heger vermuten bezüglich der kontroversenEinschätzung zum Stellenwert des Themenbereichs `Europa´, dass diesesein Zeichen ist für eine „Themenkonjunktur, die ihren Höhepunkt erreichthat.“ 379375 A.a.O., S.134f.376 A.a.O., S.136377 A.a.O., S.144378 A.a.O., S.133. Auch Ahlheim spekuliert entsprechend. Ahlheim/Heger 2006, S.31379 Ahlheim/Heger 2006, S.3397

Praxisforschung nutzen, politische Bildung weiterentwickeln – Stocktaking Study zur Gewinnung undNutzbarmachung von empirischen Erkenntnissen für die politische Bildung in DeutschlandSpätestens hier wird deutlich, dass verallgemeinernde, unspezifischeThemenrankings vielschichtige, auch flüchtige Phänomene sind, dieeinrichtungs-, alters- und zielgruppenabhängig sind, (förder)politischenVorgaben folgen und nur bedingt auf die Interessen der Teilnehmerinnen undTeilnehmer schließen lassen 380 . Einzig der Vergleich der Ergebnissevorhandener Studien mit der Bevölkerungsabfrage von Rudolf lässtvermuten, dass die oben dargestellten Themenrankings sich wahrscheinlichnicht deutlich vom Interesse derjenigen, die nicht nur tatsächliche, sondernauch potenzielle Teilnehmende von Maßnahmen politischer Bildung sind,unterscheiden. 381 Aufschlussreicher aber als die Erhebung der tatsächlichenThemenangebote wäre es für unser Frageinteresse, zu ermitteln, wie undwarum sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für bestimmte Themeninteressieren und für andere nicht.So wäre auch genauer zu prüfen, wie ausschlaggebend für das Interesse derTeilnehmenden die Aktualität der Themen ist. Hinweise dafür, dass Aktualitätzumindest die Aufmerksamkeit potenzieller Teilnehmer wecken könnte, gabdie Untersuchung von Rudolf. Rudolf registrierte in seinerBevölkerungsbefragung, dass das Themengebiet „historisch-politischeZusammenhänge“ mit dem entsprechenden Aktualitätsbezug in der Zeitunmittelbar nach dem 11. September 2001 deutlich an Relevanz undInteresse gewann: Waren es bis dahin circa 11 %, zeigten sich nun bis zu65 % der Bevölkerung an derartigen Angeboten interessiert. 382 Die Aktualitätvon Themen kann anscheinend auch die üblichen Interessemuster von ZieloderAltersgruppen überbieten. So stellte Rudolf auch fest, dass „bei diesenpolitischen Bildungsinhalten und -angeboten zu einer hochaktuellenpolitischen Situation (...) Muster, wie sie bisher festzustellen waren, nichtmehr so deutlich auszumachen [sind]. (...) Generell gleichen sich dieUnterschiede an.“ 383380 Natürlich kann man, wie Ahlheim/Heger 2006, diese Vielfalt und Unterschiedlichkeit der inder politischen Bildung behandelten Themen zur Tugend erklären: „Im Zusammenspiel derunterschiedlichen Träger und Einrichtungen mit ihrem je eigenen weltanschaulichen,politischen Hintergrund, ihren speziellen Themenschwerpunkten und Zielgruppen gelingt esoffensichtlich, ein Angebot politischer Erwachsenenbildung zu gestalten, das aktuelleThemen aufgreift, auch auf ‚Modethemen‘ und Nachfragtrends reagiert, ohne sich jedochsolchen Trends völlig auszuliefern.“ (Ahlheim/Heger 2006, S.34)381 Vgl. das Ranking bei Rudolf 2002, S.114382 Siehe Rudolf 2002, S.123. In Bezug auf ökologische Fragen können wir davon ausgehen,dass diese vor dem Hintergrund von Stuttgart 21 oder der Laufzeitverlängerung derKernkraftwerke zurzeit wieder deutlich ins Bewusstsein und den Diskurs der Öffentlichkeitgehoben wurden. Und wenn Rudolf im Jahr 2001 feststellt, dass 11,9 % der Bevölkerung andem Thema „gesellschaftlichen Verantwortung und Rolle von Unternehmen“ interessiertwaren (Rudolf 2002, S.145), dann war das ein Befund vor der Finanzkrise. Inzwischen, solässt sich vermuten, ist auch hier das Interesse gewachsen.383 Rudolf 2002, S.15198

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