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Labor Bayer aktuell - Labor Dr. Bayer

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Januar 2014 |

Januar 2014 | Labor Bayer aktuellProbiotika und Präbiotika: Wie sinnvoll sind solche Präparate für die Praxis?Herr Dr. rer. nat. Ulrich Sonnenbornist Diplombiologe und Leiterdes Bereichs biologische Forschungder Ardeypharm GmbH. Er ist ausgewiesenerExperte für Probiotikaund Präbiotika und hat zahlreichePublikationen und Buchbeiträge zudiesem Thema verfasst.Definitionsgemäß sind Probiotika Präparate mit lebenden,nicht pathogenen Keimen, die dem Wirtsorganismus einengesundheitlichen Nutzen bringen, wenn sie in ausreichenderMenge zugeführt werden. Probiotische Mikroorganismensind die biologisch aktiven Bestandteile von bestimmtenNahrungsergänzungsmitteln und Milchprodukten (FunctionalFood) sowie die wirksamen Bestandteile probio tischerArzneimittel. In den letzten Jahren hat das wissenschaftlicheund medizinische Interesse an Probiotika enormzugenommen, was man an der stetig steigenden Zahl vonFachpub likationen ablesen kann. Im Lebensmittelbereichwerden vor allem verschiedene Arten und Stämme derGattungen Lactobacillus und Bifidobakterium verwendet,im Arzneimittelbereich auch bestimmte Stämme andererSpezies wie E. coli, Enterococcen und Hefen. Vorreiter der„Probiotikawelle“ waren in den 1990 er Jahren Joghurts, diemit speziel len Milchsäurebakterien angereichert waren.Tabelle 7Der Begriff Präbiotika wird hingegen für Substanzen verwendet,die das Wachstum bestimmter nützlicher Darmbakterienfördern. Im Vergleich zu den mittlerweile umfangreichenklinischen Erfahrungen mit Probiotika beiverschiedenen, meist gastroenterologischen Indikationen,liegen für die Wirkungen von Präbiotika beim Menschenvergleichsweise wenig Erkenntnisse vor.Tabelle 8 zeigt eine Zusammenfassung der derzeit wichtigstenpräbiotischen Substanzen, Tabelle 9 ihre gesundheitsrelevantenEffekte.Tabelle 8Präbiotische Substanzen• Inulin• Fructo-Oligosaccharide (FOS)• Galacto-Oligosaccharide (GOS)• Lactulose• Lactosucrose• Isomalto-Oligosaccharide• Soja-Oligosaccharide• Xylo-Oligosaccharide• Gentio-Oligosaccharidenach R.A. Rastall & V. Maitin (2002). Curr. Opin. Biotechnol. 13: 490–496Tabelle 9Besonderheiten von Probiotika als Nahrungsergänzungsmittel,gesetzlich vorgegebene Definitionenund AbgrenzungenProbiotische Nahrungsergänzungsmittel• sind definitionsgemäß Lebensmittel• enthalten entweder einen einzelnen probiotischen Bakterienstammoder (wesentlich häufiger) eine Mischung ausverschiedenen probiotischen Stämmen in für Lebensmittel untypischerForm (z. B. Tabletten, Kapseln, Pulver, Suspensionen)• unterliegen als Lebensmittel keiner Zulassungspflicht• sind dazu bestimmt, die normale Ernährung durch zusätzlicheGaben von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen miternährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung zuergänzen und sind daher oft mit Vitaminen, Mineralstoffenund/oder Präbiotika (z. B. FOS) versetzt• dürfen nicht mit Eigenschaften werben, die der Verhütung,Behandlung oder Heilung einer bestimmten Humanerkrankungdienen (ausser: Nutrition-, Health- und Risk-Reduction-Claims,wenn nachgewiesen)Inulin und Oligofructose als Nahrungsmittelzusatz:Gesundheitsrelevante Effekte für den Menschen• Fructan-Fermentation im Kolon stimuliert selektiv dasWachstum von Bifidobakterien• Inulin steigert die Resorption von Kalzium• Inulin senkt die Blutzuckerkonzentration• Fructan senkt bei nicht insulinpflichtigen Typ-II-Diabetikern,nicht aber bei Gesunden, die Cholesterin-Konzentrationim Serum sowie das LDL-Cholesterin• Inulin senkt die Nüchternwerte von Triglyzeridenund LDL-Cholesterin im Blutserum• Inulin verbessert die Symptomatik bei Obstipationnach J. Schulze, U Sonnenborn, T Ölschläger, W Kruis. Probiotika. Hippokrates/Thieme Verlag, Stuttgart, S. 102–117, 2008)14

Labor Bayer aktuell | Januar 2014Bei den Probiotika ist grundsätzlich zu differenzieren zwischenLebensmittelprobiotika und Arzneimittelprobiotika.Lebensmittelprobiotika enthalten häufig Mischungen ausmehreren probiotischen Bakterienstämmen, oft in einerfür Lebensmittel untypischen Form (z. B. Kapseln). AlsLebensmittel unterliegen sie keiner Zulassungspflicht.Davon abzugrenzen sind Arzneimittelprobiotika, die nebenwirkungsarmeAlternativen zu bekannten Therapieansätzendarstellen. Sie müssen verschiedene Bedingungen erfüllenund vor allem einen Qualitäts- und Wirksamkeitsnachweiserbringen. Diese Pharmazeutika bedürfen einer Arzneimittelzulassungdurch die entsprechenden Aufsichtsbehörden(BfArM).Probiotika in Form von Arzneimitteln sind seit fast einhundertJahren auf dem Pharmamarkt präsent. Aufgrundder strengen pharmazeutischen Qualitätsanforderungenenthalten sie in der Regel nur einen einzelnen, genau definiertenund gut untersuchten Bakterien- oder Hefestammals Wirkstoff. Die Bakterienpräparate können verschiedeneBakterienstämme wie diverse Lactobacillen-, Bifidobakterien-,Enterococcen- oder E. coli-Stämme enthalten.Demgegenüber enthalten praktisch alle probiotischen Hefepräparateein und denselben Hefestamm, nämlich Saccharomycesboulardii. Die derzeit gültigen gesetzlichen Vorgabensind in Tabelle 10 zusammengefasst.Die Wirkmechanismen von Probiotika im Gastrointestinaltraktsind vielfältig und beinhalten:• Konkurrenz um Adhäsionsstellen am Darmschleim undan Enterozyten• Unterdrückung von Wachstum und Kolonisierungunerwünschter Mikroorganismen• Produktion antimikrobieller Substanzen• Inaktivierung von Toxinen• Biofilmbildung• Kooperation beim mikrobiellen Stoffwechsel im Darm.Abbildung 14: Mikrobielle Kommunikation und Interaktionen imDarm und an der Darmschleimhaut: „Crosstalk“ (Zwiegespräch)Tabelle 10Besonderheiten von Probiotika als Arzneimittel und diegesetzlich vorgegebenen Definitionen und AbgrenzungenProbiotische Arzneimittel• besitzen als Arzneimittel die Fähigkeit zur Heilung oder zurVerhütung bestimmter menschlicher Erkrankungen, indem sie diephysiologischen Funktionen durch eine pharmakologische,immunologische oder metabolische Wirkung wiederherstellen,korrigieren oder beeinflussen• enthalten auf Grund der strengen pharmazeutischenQualitäts anforderungen in der Regel nur einen einzelnen,genau definierten Bakterien- oder Hefe-Stamm als Wirkstoff• müssen in allen Ländern ein komplexes und langwierigesZulassungsverfahren durchlaufen und bedürfen vor demInverkehrbringen einer Zulassung durch die entsprechendeArzneimittel-Aufsichtsbehörde• dürfen nur für Indikationen werben, für die eine Arzneimittel-Zulassung bestehtProbiotische Arzneimittel werden überwiegend in der Gastroenterologieeingesetzt. Im Gastrointestinaltrakt wirkenProbiotika auf die Kooperationspartner Darmflora, Darmschleimhautund Darmimmunsystem. Bekannt sind dieantagonistischen und antimikrobiellen Wirkungen gegendarmpathogene Keime. Die Hemmwirkung von bestim m-ten apathogenen E. coli-Stämmen gegen Durchfallerregerwurden bereits Anfang des letzten Jahrhunderts durch denFreiburger Bakteriologen Alfred Nissle entdeckt und istheute bis zur molekulargenetischen Ebene erforscht. Die aufdem bakteriellen Antagonismus beruhende antidiarrhoeischeWirkung von Probiotika ist in den letzten zwanzigJahren in mehr als siebzig kontrollierten klinischen Studiennachgewiesen worden. Eine restaurative Wirkung auf diebei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gestörteDarmbarrierefunktion (Verbesserung des Leaky-Gut-Syndroms) ist einer der maßgeblichen Gründe für den inkontrollierten klinischen Studien nachgewiesenen therapeutischenErfolg des probiotischen BakterienstammsE. coli Nissle 1917 bei Patienten mit Colitis ulcerosa.15

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