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Ausgabe Juli/August 2013 als pdf - Migration & Bevölkerung

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6habe kein Problem, wenn

6habe kein Problem, wenn man Zigeuner einfach nurals Titulierung und nicht stigmatisierend verwendet.Christoph Leucht: In der Mannheimer Sinti-Bildungsstudiewurden die Leute gefragt, ob sie selbstein Problem mit der Bezeichnung Zigeuner haben. Dieüberwiegende Mehrheit der Befragten bejahte das,ein Drittel sagte, dass es auf den Kontext ankommeund nur wenige sagten, dass es ihnen völlig egal sei.Die von den Medien eingeführte Bezeichnung „Armutszuwanderer“ist falsch. Auch aus Bulgarien undRumänien kommen vor allem gut qualifizierte, jungeMenschen zu uns.Zvonko Salijevic: Für mich ist entscheidend, wasderjenige, der mich als Zigeuner oder Rom oder wieauch immer bezeichnet, damit meint. Was will er damitsagen, indem er mich so oder so bezeichnet? Es istdoch ein Unterschied, ob jemand damit diskreditierenoder einfach nur eine Identität benennen will.Gibt es Schätzungen zur Zahl der in Deutschlandlebenden Roma?Christoph Leucht: Auf nationaler Ebene sind nurgrobe Schätzungen möglich. In Deutschland fühlensich schätzungsweise 250.000 bis 300.000 Menschenselbst als Sinti oder Roma: etwa ein Drittel zählt zuranerkannten Minderheit der deutschen Sinti und Roma(vgl. Ausgaben 10/12, 5/09), ein Drittel sind Einwandereraus der Anwerbephase aus Jugoslawien, Italien,der Türkei und Griechenland und ein Drittel zählt zuden in den letzten Jahren gekommenen Flüchtlingenund EU-Bürgern aus Serbien, Bosnien, Kosovo, Mazedonien,Bulgarien, Rumänien und Polen.Sinti und Roma in Deutschland- Deutsche Sinti und Roma (bereits seit dem 14./15.Jahrhundert in Deutschland lebende, anerkannteMinderheit; organisiert im Zentralrat)- Im Rahmen der Anwerbeabkommen der 1950erund 1960er Jahre eingewanderte Roma undderen Nachkommen, die eingebürgert sind oderunbefristetes Aufenthaltsrecht haben- Als Flüchtlinge und EU-27-Bürger eingewanderteRoma aus Ost- und SüdosteuropaDie seit Langem in Deutschland lebenden Sintiund Roma werden vom Zentralrat deutscherSinti und Roma vertreten. Wer aber macht sichfür die mehrheitlich seit den 1990er Jahren zugezogenenausländischen Roma mit ihren vielfältigenProblemlagen wie Aufenthaltsstatus,Zugang zum Arbeitsmarkt und die Folgen für diesoziale Lage stark (vgl. Ausgaben 3/13 , 2/07)?Hamze Bytyci: Der unter anderem von mir vertreteneBundes Roma Verband kümmert sich ehrenamtlich umFragen zu Aufenthalt, Gesundheit, Wohnen, Arbeit.Dabei liegen uns auch die in Deutschland geborenenKurzmeldungen – Europa II/Welt IÖsterreich: Neues StaatsbürgerschaftsrechtÖsterreich hat ein neues Staatsbürgerschaftsrecht. Dieseswurde Anfang Juli vom österreichischen Nationalratverabschiedet. Bei sehr guten Deutschkenntnissen undbei besonderem zivilgesellschaftlichem Engagementist eine Einbürgerung nun bereits nach sechs statt wiebislang nach zehn Jahren möglich. Als sehr gut werdenDeutschkenntnisse bewertet, die dem Abiturniveau ineiner Fremdsprache entsprechen. Als sehr gut „integriert“gilt, wer sich ehrenamtlich, etwa in der Elternvertretungan Schulen oder im Betriebsrat, engagiert oderin einem sozialen Beruf arbeitet. Zudem müssenEinbürgerungswillige einen gesicherten Lebensunterhaltfür die drei Jahre vor dem Einbürgerungsantragnachweisen. Für behinderte und schwer krankeZuwanderer entfällt diese Hürde (vgl. Ausgaben 3/13,10/12, 4/00, 8/98). chw www.parlament.gv.atUSA: Senat stimmt für EinwanderungsreformAm 27. Juni hat der US-amerikanische Senat demparteiübergreifenden Gesetzentwurf für eine umfassendeEinwanderungsreform zugestimmt (vgl. Ausgabe 02/13).68 Senatoren votierten dafür und 32 dagegen, wobeiauch 14 der insgesamt 45 republikanischen Senatorenden Entwurf unterstützten. Dieser sieht eine Legalisierungdes Aufenthaltsstatus eines Teils der etwa 11,5 Mio.undokumentierten Migranten in den Vereinigten Staaten(vgl. Ausgabe 07/12) sowie die Möglichkeit der Erlangungder US-amerikanischen Staatsbürgerschaft vor. Zugleichsoll der Grenzschutz erheblich verstärkt werden. Trotzder Unterstützung des Gesetzentwurfs durch prominenterepublikanische Politiker ist eine Zustimmung imRepräsentantenhaus nicht sicher. Der republikanischeMehrheitsführer John Boehner unterstrich, dass derEntwurf nur dann behandelt würde, wenn eine Mehrheitder republikanischen Abgeordneten ihn unterstütze.Dies ist derzeit nicht der Fall. Im Repräsentantenhausverhandelt eine überparteiliche Gruppe über einenweiteren Entwurf für eine Reform, die dann zusammenmit der Senatsvorlage in einem Vermittlungsausschussbehandelt werden könnte. sta www.gpo.gov,www.senate.govGhana: 4.500 Chinesen des Landes verwiesenDer westafrikanische Staat Ghana schiebt seit AnfangJuni chinesische Goldsucher ab. Die meisten von ihnenbetrieben die Goldsuche seit Ende der 1980er Jahre imUmkreis der ghanaischen Stadt Obuasi. Die ghanaischeRegierung macht die Goldsucher für die Zerstörunggroßer Landflächen verantwortlich, die nun nicht mehrlandwirtschaftlich genutzt werden könnten. Zudemseien 75 % der Flüsse des Landes aufgrund der bei derGoldsuche eingesetzten Chemikalien vergiftet. 4.500Chinesen wurden bereits abgeschoben, weitere 12.000Goldsucher befinden sich noch im Land. Viele von ihnenbesitzen kein gültiges Visum. Sie stammen größtenteilsaus der Stadt Shanglin in der Provinz Guanxi im SüdenChinas. Ghana gehört zu den afrikanischen Ländern mitden größten Goldvorräten. chwhttp://gh.china-embassy.org

7Kinder der ausländischen Roma am Herzen, denenteilweise permanent die Abschiebung droht. Aberwir erheben keinen Vertretungsanspruch.Eine nationale Strategie der Roma-Integrationkönnte zu einer besseren Integrationder Roma in Deutschland beitragen. Warumgibt es in Deutschland keine solche Strategie?Hamze Bytyci: Zum einen liegt es daran, dassder Zentralrat, der ausschließlich die anerkannteMinderheit der Sinti und Roma vertritt, von Anfangan zwar zahlreiche Wünsche formuliert, aber eineStrategie abgelehnt hat. Wir Migranten-Romawiederum sind nicht organisiert und haben derAbsage des Zentralrats nichts entgegengesetzt.Die Bundesregierung hat dem Zentralrat dankbarzugestimmt.Christoph Leucht: Die Situation der Roma hatauch keine nationale Priorität. Anders ist das aufder kommunalen Ebene, wie das Städtetagspapiergezeigt hat (vgl. Ausgabe 2-3/13).Was halten Sie vom gerade verabschiedeten„Berliner Aktionsplan zur Einbeziehungausländischer Roma“?Hamze Bytyci: Dieser Plan ist ein großer Fortschritt.Es geht genau um das, was wir machen:um Roma-Selbstorganisation.Christoph Leucht: Er bietet mit den vier BereichenWohnen, Gesundheit, Arbeit und Bildung einegute Vorlage der Roma-Integration. Dabei spieltauch eine große Rolle, dass der Aktionsplan nichterwägt, wie man die ausländischen Roma wiederloswird, sondern wie die Probleme hier in Berlingelöst werden.Haben die Europäischen Roma-Gipfel, dieseit 2008 regelmäßig veranstaltet wurden(vgl. Ausgaben 5/09, 8/08), Ihrer Ansichtnach eine positive Wirkung gehabt?Hamze Bytyci: Ich weiß nicht, was die EuropäischenRoma-Gipfel tatsächlich gebracht haben.Es wurden zwar viele Papiere angefertigt undVorschläge gemacht, aber bei den Betroffenen istdavon kaum etwas angekommen. Das Problem desAntiziganismus ist nicht beseitigt worden. Vielmehrist es durch den EU-Fokus in Ländern wie Frankreichund Italien vielleicht erst wirklich zu einemProblem geworden.Christoph Leucht: Der Roma-Gipfel 2008 warein Meilenstein und ein Ausgangspunkt für denVersuch, andere Rahmenbedingungen zu schaffen.Das Thema ist seither viel präsenter.Wie schätzen Sie die Fortschritte bei derIntegration der Roma in Deutschland ein?Christoph Leucht: Perspektivisch glaube ich,werden wir in 10 bis 20 Jahren auf eine Erfolgsgeschichtezurückblicken. Die Grundschulenbeispielsweise, die mit den Roma-Mediatorenzusammenarbeiten, sagen, dass sie das Problemgelöst haben. Roma-Familien sind keine signifikanteProblemgruppe mehr.Zvonko Salijevic: Meine Erfahrung als Roma-Schulmediatorbestätigt das. Über 90 % der Roma-Kindersind regelmäßiger in der Schule. Wenn ein Kind frühernicht kam, gab es maximal eine Schulversäumnisanzeige,aber warum ein Roma-Kind nicht kommt, hatniemanden interessiert. Aber jetzt ist eine viel größereAufmerksamkeit da. Die Schule sucht mit unserer Hilfeden Kontakt zu den Eltern und die Eltern sehen dieBedeutung der Schule für ihre Kinder. Alle arbeitengemeinsam daran, die Hürden abzubauen.Das Interview führte Thomas Hummitzsch.Eine Langfassung des Interviews finden Sie aufwww.migration-info.deInternationalerMigrationsausblick 2013:Einfluss von Zuwanderung aufStaatshaushalte untersuchtMitte Juni ist der Internationale Migrationsausblickder Organisation für wirtschaftlicheZusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erschienen.Er stellt erstmals im Ländervergleichdar, welchen finanziellen Beitrag Zugewandertean öffentliche Haushalte leisten und wie vielsie empfangen.Trends: Der Bericht der OECD gibt einen vergleichendenÜberblick über die Migrationsentwicklung in denwichtigsten Industrieländern. Er zeigt ein anhaltendesWachstum der Zuwandererzahlen, das jedoch niedrigerwar als vor Beginn der Wirtschaftskrise. Deutschland warim Jahr 2011 – dem aktuellsten Jahr mit vergleichbarenDaten – das fünftwichtigste Zielland unter den 34 OECD-Staaten nach den USA, Spanien, dem Vereinigten Königreichund Italien. Zu den wichtigsten Herkunftsländernin der OECD zählen China und Indien sowie Polen undRumänien, deren Bürger besonders stark die Wanderungsmöglichkeitenin der EU nutzen. Im Durchschnittist die Arbeitslosenquote der Zugewanderten in denOECD-Ländern von 2008 bis 2012 um 5 Prozentpunktegestiegen, während die Arbeitslosenquote der Inlandsgeborenenum 3 Prozentpunkte stieg. Deutschlandist das einzige Land, in dem in diesem Zeitraum dieArbeitslosigkeit beider Gruppen gesunken ist, die derZugewanderten (- 4 Prozentpunkte) sogar etwas stärkerals die der im Inland Geborenen (- 2 Prozentpunkte).Salden: Schwerpunkt des diesjährigen Migrationsausblicksist eine Studie zu den Auswirkungen vonZuwanderung auf öffentliche Haushalte. Erstmals wirdinternational vergleichend auf der Basis von Umfra-

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