Aufrufe
vor 3 Jahren

Psychotherapeutenjournal 3/2013 (.pdf)

Psychotherapeutenjournal 3/2013 (.pdf)

Der Einbezug von Eltern

Der Einbezug von Eltern in die ambulante Kinder- und Jugendlichenpsychotherapielimitiert ist. Somit erscheinen systematischeBemühungen um die Berücksichtigungfamiliärer Faktoren bei der Präventionund Intervention psychischer Störungenim Kindes- und Jugendalter lohnenswert,um eine Diskussion und letztlich Schlussfolgerungenzum möglichen Nutzen vonElternarbeit bei der Behandlung psychischerStörungen von Kindern und Jugendlichenzu erlauben. Vor allem fehlen empirischfundierte Aussagen über die Anwendbarkeitund Durchführbarkeit des elterlichenEinbezugs in der klinischen Praxis.Die Erfahrungen und Interessen niedergelassenerPsychotherapeuten, auchunabhängig von den Regelungen durchdie Psychotherapie-Richtlinie, sollten beider Diskussion um den elterlichen Einbezugbei der Psychotherapie mit Kindernund Jugendlichen nicht unberücksichtigtbleiben.Es wurde deshalb eine Fragebogenuntersuchungunter niedergelassenen Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeutendurchgeführt, um zu explorieren, (i) inwiefernEltern aktiv in die psychotherapeutischeBehandlung ihrer Kinder einbezogenwerden, (ii) in welcher Form diese Einbeziehunggeschieht und (iii) welche Gründeaus der Sicht der Psychotherapeuten füroder gegen eine solche Einbeziehungsprechen.MethodenEs wurde ein Fragebogen – vorrangig auskognitiv-verhaltenstherapeutischer Perspektive– erstellt, der neben Psychotherapeuten-und Patientenmerkmalen denStatus quo zum Einbezug von Eltern, diebisherigen Erfahrungen zum Elterneinbezugsowie Einstellungen und Erwartungenvon Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutenerfassen sollte. Dieser Fragebogenwurde an einem Stichtag allen N=134 inder Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen(Stand: 09/2011) registrierten Kinder- undJugendlichenpsychotherapeuten (mit/ohneZulassung für die Behandlung Erwachsener)1 einschließlich eines Incentives zurMotivation (sog. Fingerfalle) zugesandt.Die Bearbeitung des Fragebogens dauerteca. 20 Minuten; zusätzlich wurde die Rücksendungdes Fragebogens binnen vier Wochenmit einem Gutschein in Höhe von 15Euro (entsprechend ca. ein Viertel des aktuellenKassensatzes für eine Behandlungseinheitvon 50 Minuten plus zehnMinuten für Organisation) honoriert. FehlendeRückläufe wurden einmalig telefonischkontaktiert und zur Teilnahme motiviertbzw. wurden Ablehnungsgründe erfragt.Die Rücksendung der ausgefülltenFragebögen erfolgte pseudonymisiert. DieEthikkommission der Medizinischen Fakultätder Technischen Universität Dresdengestattete die Durchführung der Fragebogenerhebungohne Auflagen (EK-Nr. 226062011). Die Auswertung erfolgteausschließlich deskriptiv mittels SPSS 19.0,um Erfahrungen und das Meinungsbild zurAnwendbarkeit und Durchführbarkeit deselterlichen Einbezugs in der klinischen Praxiszu beschreiben.ErgebnisseVon den 134 angefragten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutensandten 57den Fragebogen zurück (Rücklauf 42.5%);Gründe für Nichtteilnahme waren u. a.Zeitmangel, kein Interesse oder Befürchtungenzur Wahrung der Schweigepflicht.Zwei Fragebögen wurden wegen Unvollständigkeitin mehr als 50.0% der Fragenausgeschlossen. Von den 55 ausgewertetenDatensätzen wurden 61.4% der Fällevon Diplom-Psychologen, 38.6% von Diplom-/Magister-,Sozial-, Musik- und Heilpädagogenbeantwortet. 76.4% der Befragtenhatten die Fachkunde der Verhaltenstherapie,25.4% Befragte die Fachkundeder Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapieund 5.5% Befragte die Fachkundeder Analytischen Psychotherapie.Eine Zusatzausbildung darüber hinaus hatten74.5% der Befragten, davon 31.7% ineiner systemischen oder Familientherapie.Die Befragten, überwiegend Frauen(87.0%), waren im Mittel 44.3 Jahre alt(SD = 8.6, range 31-70 Jahre) und arbeitetenzumeist in eigener Niederlassung inEinzelpraxis (69.1%).(i) Aktiver Einbezug der ElternInsgesamt berichteten 94.7% der befragtenKinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten(über die gesetzlich vor ge schriebeneZustimmung zum Behandlungsvertraghinaus), Eltern einzubeziehen undvorrangig Mütter nach einem Einbezug zufragen. Eltern werden nach Angaben derBefragten bei der Diagnostik und Behandlungsplanung,bei der Behandlungsdurchführungund zur Rückfallprophylaxe jeweilsin mehr als 80.0% der Fälle einbezogen.Umgekehrt wünschten 57.9% der Elternvon sich aus ausdrücklich einen Einbezugbei der Psychotherapie ihrer Kinder.(ii) Formen und Mittel des aktivenEinbezugs der ElternFand eine Einbeziehung der Eltern statt,geschah dies vorrangig (89.1%) im Einzelsettingund nur selten in Form einer Gruppentherapie;überwiegend (74.4%) nahmenMütter an der Behandlung ihrer Kinderteil. Die Befragten schätzen den Anteilder teilnehmenden Väter im Mittel auf22.9% und die Teilnahme beider Elternauf 34.4%. Während Mütter in der Regel(94.5%) viermal oder häufiger teilnahmen,nahmen von den Vätern lediglich36.4% viermal oder häufiger an der Psychotherapieteil. Nicht unerheblich wurdeder Anteil anderer teilnehmender Personengeschätzt (18.2% viermal oder häufiger;z. B. Großeltern, andere Sorgeberechtigte).Eltern wurden häufiger einbezogenbzw. nahmen häufiger teil, je jünger dieKinder waren. Abbildung 1 zeigt die Mitteldes Elterneinbezugs, basierend auf denAngaben der befragten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.(iii) Nutzen und Barrieren desaktiven Einbezugs der ElternDie befragten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutenschrieben dem Einbezugder Eltern einen erheblichen Nutzenzu: Sowohl für Anamnese und Befunderhebung,Behandlungsdurchführung alsauch für die Rückfallprophylaxe wurde der1 Angefragt wurden ausschließlich nicht-ärztlichtätige Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutenaus einer Gesamtmenge von N= 673 in der Kassenärztlichen VereinigungSachsen registrierten psychologischen Psychotherapeuten(Erwachsene oder KinderundJugendlichenpsychotherapie); N = 134(von 673) wiesen die Zulassung (= Abrechnungsbefähigunglt. KV Sachsen) als KinderundJugendlichenpsychotherapeut aus undwurden zur Teilnahme an der Befragung postalischeingeladen.248 Psychotherapeutenjournal 3/2013

S. Knappe, N. Müller & S. HärtlingNutzen des Elterneinbezugs in der überwiegendenMehrzahl der Fälle als hochbzw. unabdingbar beurteilt. Lediglich fürdie Behandlungsplanung wurde der Nutzenvon 27.3% als mäßig und von 65.4%der Befragten als hoch bzw. unabdingbarbetrachtet (Abbildung 2).Die Mehrzahl der Befragten erachtete dieEinbeziehung von Eltern bei einer Reihevon Themen als wichtig und als realistischumsetzbar (Abbildung 3).Es könnte angenommen werden, dass derEinbezug der Eltern mit einem Mehraufwandeinhergeht, räumliche, personelleoder zeitliche Ressourcen aber begrenztsind. Befragt nach möglichem Mehraufwand,berichteten lediglich 13.3%, dassüberhaupt ein Mehraufwand bestünde.Die Psychotherapeuten sahen den Mehraufwandbei den Terminabsprachen mitallen Beteiligten (70.9%), in der Vorbereitung(47.3%) bzw. Durchführung (36.6%)von Behandlungseinheiten und zu einemgeringen Anteil bei der Beantragung(3.6%) und der Abrechnung (3.6%) derBehandlung. Alle befragten Kinder- undJugendlichenpsychotherapeuten stimmtenzu, diesen Mehraufwand in Kauf zu nehmen.Auch berichtete die Mehrzahl derBefragten (87.0%), über die notwendigenRessourcen (Platzangebot, Mobiliar undAusstattung, personelle Unterstützung) zuverfügen.Befragt nach Art und Häufigkeit von etwaigenSchwierigkeiten (Abbildung 4, S. 250),berichteten Psychotherapeuten in einemDrittel der Fälle, Schwierigkeiten beim Einbezugder Eltern zu haben. In etwas mehrals einem Drittel der Fälle lehnen Elternden Einbezug ab. In ca. einem Drittel derFälle lehnen 76.4% der Kinder den Einbezugder Eltern ab. 65.5% der Befragtenberichteten, dass bei ca. zwei Dritteln ihrerFälle hohe Erwartungen der Eltern an dasKind die Gestaltung der Therapie erschwerenwürde. Darüber hinaus erscheint kritisch,dass etwa ein Drittel der Eltern keineZeit zur Teilnahme hat, etwa aufgrund derBerufstätigkeit oder Betreuung von Geschwisterkindern.FamiliengesprächFamilienaufstellungen, Familie in TierenVideofeedbackInformationsbroschürenBehandlungsprogramme, ManualeBücherandere Methoden**Spieltherapie, systemische Methoden22,2Abbildung 1: „Wenn ich Eltern in die Behandlung einbeziehe, nutze ich…“ (vorgegebeneAntwortoptionen, Angaben in Prozent, Mehrfachantworten möglich).Erstgespräch 1,9Anamnese und BefunderhebungBehandlungsplanung 1,9BehandlungsverlaufRückfallprophylaxe 1,9unmittelbarer Behandlungserfolglangfristiger Behandlungserfolg5,85,89,813,57,7Abbildung 2: „Wie beurteilen Sie den Nutzen von der Einbeziehung der Eltern …“ (Angabenin Prozent, 4-stufige Skala).42,60 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100Angaben in %21,228,846,251,948,149,032,750,053,759,370,4kein Nutzen/gering mäßig hoch unabdingbar0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100Angaben in %86,576,948,142,342,341,236,598,1Auch die Abrechnungsbestimmungen wurdenals hinderlich erachtet; am häufigstenPsychotherapeutenjournal 3/2013Abbildung 3: „Ich erachte die Einbeziehung folgender Themen bei der Elternarbeit als…[wichtig] bzw. [realistisch umsetzbar]“ (Zustimmung in Prozent).249

Psychotherapeutenjournal 2/2006 (.pdf) - medhochzwei Verlag GmbH
Psychologische/n Psychotherapeut - Psychotherapeutenjournal
journal Psychotherapeuten - Psychotherapeutenkammer NRW
Gemeinsame Weiterbildung FL-VE/2013 (PDF, 3 MB)
sportINSIDER 3/2013 PDF - Freizeitalpin
Ausgabe 2013-3 als PDF herunterladen - BKK Rieker . Ricosta ...
Zeitschrift Familie, Ausgabe Dezember 2013 PDF 3 - Familienbund
Ausgabe 3-2013 - IGZ
Trendreport 3/2013 als PDF zum Download - FORBA
Evergislusbote 3/2013 als PDF zum Herunterladen - Sankt Evergislus
TVAktuell 2013-3.pdf - TV Arbergen