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Psychotherapeutenjournal 3/2013 (.pdf)

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Absolventenzahlen der

Absolventenzahlen der PsychotherapieausbildungEntwicklung und mögliche Implikationen für den BerufsstandRobin J. SiegelZusammenfassung: Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) schätzte 2006,dass mindestens 1.000 neuapprobierte Psychotherapeuten 1 pro Jahr notwendig seien,um die Zahl der Psychotherapeuten in Deutschland konstant zu halten. Gleichzeitigwurde in den letzten Jahren wiederholt auf die problematischen Ausbildungsbedingungenhingewiesen. Vor diesem Hintergrund werden die vom Institut für medizinische undpharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) veröffentlichten Prüfungsdaten der letztenneun Jahre vorgestellt. So stieg die Teilnehmerzahl der schriftlichen staatlichen Prüfungkontinuierlich von bundesweit 625 Prüfungsteilnehmern im Jahr 2005 auf 1.853 in2012. Insgesamt haben seit 2004 rund 11.000 Psychotherapeuten die schriftliche IMPP-Prüfung bestanden. Diese Absolventenzahlen werfen neue Fragen auf, etwa wie vieleneuapprobierte Psychotherapeuten pro Jahr tatsächlich benötigt werden, inwiefern diesteigende Anzahl an Ausbildungsteilnehmern sich auf die Ausbildungsbedingungen auswirktund wie dies bei der aktuellen Diskussion um die Reform des Psychotherapeutengesetzes(PsychThG) berücksichtigt werden kann. Dabei sind auch Veränderungen desBerufsbildes und des Tätigkeitsspektrums von Psychotherapeuten zu beachten.EinleitungDer Diotima-Preisträger von 2012 Prof.Dietmar Schulte warf vor gut elf Jahren mitWolf Lauterbach (2002) folgende Frageauf: „Wie groß wird der Bedarf an PsychologischenPsychotherapeuten in der Zukunftsein?“ In ihrem Bericht prognostiziertensie, dass 1.059 neu ausgebildete Psychotherapeutenpro Jahr notwendig seinwürden, um die Lücke an Psychotherapeuten,die altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden,zu schließen. Da der reale Bedarfan neuen Psychotherapeuten (z. B.aufgrund einer Ausweitung der Berufsfelder)deutlich über dieser Schätzung liegendürfte, kamen die Autoren zu dem Schluss,dass es wahrscheinlich sei, dass „inDeutschland ebenso wie in England in denkommenden Jahren ein Mangel an approbiertenPsychotherapeuten entstehenwird.“Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)schätzte 2006, ausgehend von der Altersverteilungder Kammermitglieder, dass etwa1.000 Neuapprobationen pro Jahr notwendigseien, um die Zahl der Psychotherapeutenin Deutschland konstant zu halten.Dabei beschrieb sie, dass „vielerortsdie ersten Ausbildungsgänge noch nichtabgeschlossen“ seien und für die „nächstenJahre ein Anstieg der Prüfungen aufüber 1.000 zu erwarten“ sei. Kritisch wurdendabei die Umstellung auf die Bachelor-/Masterstudiengängeaufgrund der Bologna-Reformund die damit einhergehendeQuotierung der Masterplätze betrachtet.Auf Landesebene zeigen Nübling, Schmidtund Munz (2010), wie sich die Sicherstellungder psychotherapeutischen Versorgungin Baden-Württemberg bis 2030 darstellenlässt. In ihren Schätzungen kommensie aufgrund der Altersverteilung derMitglieder der Psychotherapeutenkammerdes Landes zu dem Schluss, dass Baden-Württemberg für den Zeitraum 2011 bis2020 durchschnittlich 135 neuapprobiertePsychologische Psychotherapeuten (PP)pro Jahr, im Zeitraum 2021 bis 2025durchschnittlich 166 neuapprobierte PPpro Jahr und im Zeitraum 2026 bis 2030durchschnittlich 144 neuapprobierte PPpro Jahr erforderlich sind. Sie stellen fest,dass sich die PsychotherapeutenkammerBaden-Württemberg von 2010 bis 2030bei einer pessimistischen Schätzung derAusbildungsteilnehmer um 17,4% verkleinertbzw. bei einer optimistischen Schätzungihre Mitgliederzahl in etwa haltenkann. Auch die PsychotherapeutenkammerBayern ließ in ihrem Bericht von 2007(Kümmler, Tritt & Vogel, 2007) die notwendigenjährlichen Neuapprobiertenschätzen: Je nach zugrunde gelegter Modellprämissegingen sie dabei von 163bzw. 228 notwendigen Neuapprobiertenaus. Weitere Zahlen liegen für Schleswig-Holstein mit geschätzten 33 notwendigenNeuapprobierten pro Jahr (PTK Schleswig-Holstein, 2007) und Hessen (Walz-Pawlita,2008) mit mindestens 140 notwendigenNeuapprobierten pro Jahr vor.Die zwischen 2006 und 2010 veröffentlichtenund hier vorgestellten Schätzungenwiesen überwiegend auf einen potenziellenMangel an Absolventen aufgrund derQuotierung von Masterplätzen im Zugeder Bologna-Reform hin. Unberücksichtigtblieben dabei mögliche Veränderungendes Berufsbildes (vgl. Richter, 2013) undeine damit verbundene Erweiterung desTätigkeitsspektrums von Psychotherapeuten.Der tatsächliche Bedarf an Psychotherapeutensollte auch weiter steigen, wennMenschen mit einer psychischen Erkrankungbesser diagnostisch erkannt und behandeltwerden würden (vgl. Nübling,1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werdenin diesem Text nicht immer beide Geschlechtsformengenannt – selbstverständlichsind Männer und Frauen gleichermaßengemeint.256 Psychotherapeutenjournal 3/2013

R. J. Siegel2009). Auf der anderen Seite könnten sichdie zum Teil katastrophalen Bedingungeninsbesondere bei der Finanzierung derAusbildung durch die mangelnde Vergütungder Praktischen Tätigkeit (Busche,Mösko, Kliche, Zander & Koch, 2006; Hölzel,2006; Strauß et al., 2009) negativ aufdie Absolventenzahlen auswirken, sodasssich die Diskrepanz zwischen notwendigenNeuapprobierten und Absolventenweiter erhöhen würde.Tabelle 1: Mittelwerte und Standardabweichungen sowie Misserfolgsquoten für diePrüfungen zum Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutenfür den Zeitraum Herbst 2004 bis Frühjahr 2013.Richtig gelöste Aufgabenin %MisserfolgeN M SD N %PP 8582 80,8 8,9 220 2,56 %KJP 2.871 76,0 10,5 208 7,24 %Gesamt 11.453 79,6 9,6 428 3,74 %Wie sieht es also vor diesem Hintergrundelf Jahre nach der ersten Schätzung vonSchulte und Lauterbach (2002) mit denAbsolventenzahlen aus? Lassen sich ausreichendPsychologen, Pädagogen undSozialpädagogen für die Ausbildung zumPsychotherapeuten begeistern? Hierfürwerden im Folgenden anhand der vom Institutfür medizinische und pharmazeutischePrüfungsfragen (IMPP) veröffentlichtenDaten zu den schriftlichen Staatsexamensprüfungenfür PP und Kinder- undJugendlichenpsychotherapeuten (KJP) dieEntwicklung der Prüfungsergebnisse undAbsolventenzahlen der letzten neun Jahreanalysiert. Abschließend folgt ein Resümeedieser Entwicklung vor dem Hintergrundder aktuellen Diskussionen um dieReform der Psychotherapieausbildung.MethodikAbbildung: Entwicklung der jährlichen Absolventenzahlen für die Prüfung zum PP und KJPvon 2005 bis 2013*.* Die erwarteten Absolventenzahlen für 2013 wurden aus den Zahlen der Frühjahrsprüfungenund den darauf aufbauenden Schätzungen für die Herbstprüfung 2013 berechnet.Die vom IMPP (2013) zu den 18 Prüfungszeiträumen(Herbst 2004 bis Frühjahr2013) veröffentlichten Prüfungsdaten wurdensystematisch gespeichert und aggregiert.Die veröffentlichten Daten enthaltenInformationen zur Anzahl der Prüfungsteilnehmerim Bundesgebiet und für jedesBundesland sowie die Misserfolgsquote,die Anzahl der gewerteten Prüfungsfragenund die Bestehensgrenze. Seit der Frühjahrsprüfung2005 werden darüber hinausdie Punkteverteilung, Mittelwert, Median,Minimum, Maximum, Standardabweichung,Schiefe und Exzess veröffentlicht.Um diese Daten mit den Zahlen der approbiertenPsychotherapeuten zu vergleichen,wurden die aktuellsten Daten derGesundheitsberichtserstattung des Bundes(www.gbe-bund.de) erfasst sowie diedazugehörige Verteilung auf die Landeskammernbei der BPtK erfragt (Stand Dezember2011).ErgebnisseDie Auswertung erfolgt in drei Abschnitten.Im ersten Abschnitt werden allgemeinebundesweite Daten über die Prüfungsergebnisseund Misserfolgsquoten aufgeführt.Im zweiten Abschnitt wird die Entwicklungder Teilnehmer- und Absolventenzahlenim Bundesgebiet aufgezeigt,bevor im letzten Abschnitt eine Auswertungauf der Ebene aller Bundesländerbzw. Landeskammern erfolgt.PrüfungsergebnisseZunächst wurden anhand der vorliegendenDaten zu jeder einzelnen Prüfung derGesamtmittelwert und die Gesamtstandardabweichungfür alle Prüfungsteilnehmervon Herbst 2004 bis Frühjahr 2013 fürdie Prüfung zum PP, zum KJP und beidePrüfungen zusammen berechnet. Die Ergebnissesowie die berechneten Misserfolgsquoten(Personen, die die Prüfungnicht bestanden haben) sind in Tabelle 1aufgeführt.Ein t-test (t (11.451) = 20,89; p < 0.001)zeigt, dass sich die Leistungen in den PP-Prüfungen signifikant zu den Leistungen inden KJP-Prüfungen bei einer mittleren Effektstärkevon d = 0,51 (bei gepoolter Varianznach Cohen, 1988) unterscheiden.Absolventenzahlen für dasBundesgebietAls erster Schritt der Analyse der Absolventenzahlenwurden die Daten der letztenzehn Jahre aggregiert. Seit der Herbstprüfung2004 haben insgesamt 11.453 Personenan den Prüfungen teilgenommen. Vondiesen haben 8.582 (74,8%) die Prüfungfür PP und 2.871 (25,2%) die Prüfung fürKJP absolviert. Für die weiteren Berechnungenwurden die Daten entsprechendder Durchfallquoten bereinigt, sodass vonPsychotherapeutenjournal 3/2013257

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