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Psychotherapeutenjournal 3/2013 (.pdf)

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Konzept einer

Konzept einer Weiterbildung nach einerDirektausbildung in PsychotherapieWalter Ströhm, Ulrich Schweiger & Jürgen TrippZusammenfassung: In der Psychotherapeutenschaft wird zurzeit intensiv und kontroversüber eine mögliche Direktausbildung in Psychotherapie diskutiert. Mit diesem Artikelsoll ein Beitrag zu dieser Diskussion geleistet werden, indem wir uns genauer mitden Implikationen beschäftigen, die sich aus einer Direktausbildung für die darauf aufbauendeWeiterbildung ergeben. Dazu beschreiben wir Prämissen, die aus unserer Sichtwichtig für die Umsetzung einer Weiterbildung in Psychotherapie erscheinen. Es werdendie Grundmerkmale von heilberuflicher Weiterbildung beschrieben und die Konsequenzendaraus für die Struktur und die Finanzierung einer Weiterbildung diskutiert. Darananschließend wird ein mögliches Modell einer zukünftigen verfahrensbezogenenWeiterbildung in Psychotherapie skizziert und es werden die Vor- und Nachteile einessolchen Modells diskutiert.EinleitungSeit einigen Jahren wird über eine Reformder Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten1 (PP) und zum KinderundJugendlichenpsychotherapeuten (KJP)im Berufsstand rege diskutiert. Insbesonderedie veränderten Zugangsvoraussetzungendurch die Einführung der BachelorundMasterabschlüsse im Zuge der Bologna-Reformund die schwierigen finanziellenBedingungen für die Ausbildungsteilnehmergaben Anlass, über eine Neuordnungder Psychotherapieausbildung zudiskutieren, und lassen eine Reform alsdringend notwendig erscheinen. Die Bundespsychotherapeutenkammer(BPtK) legtemit Beschluss des 16. Deutschen Psychotherapeutentages(DPT) ein Konzeptzur Reform der postgradualen Ausbildungvor. Das Bundesministerium für Gesundheit(BMG) signalisierte jedoch, dass eseine Angleichung der Psychotherapieausbildungan die Ausbildungsstrukturen inanderen Heilberufen favorisiert und eineDirektausbildung mit einem Studium, daszur Approbation führt, und einer anschließendenWeiterbildung zur Erlangung derFachkunde für die geeignetste Lösung hält.Die Fachgruppe Klinische Psychologie derDeutschen Gesellschaft für Psychologie(DGPs) (Rief, Fydrich, Margraf & Schulte,2012) und die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung(DPTV) (Lubisch, 2012) legtenModelle für eine solche Direktausbildungvor, die sich eher am bisherigen Psychologiestudiummit klinischem Schwerpunktorientieren. Körner (2013) diskutiertein Modell aus psychoanalytischer Sicht,welches bereits einen Verfahrensbezug imStudium vorsieht. Beutel, Porsch und Subic-Wrana (2013) schlagen ein Modell einerpsychosomatischen Direktausbildung vor,das an medizinischen Fakultäten angesiedeltwäre, und Benecke (2012) präsentiertein zum DGPs-Vorschlag alternatives Modelleiner Direktausbildung an einem psychologischenInstitut. Die Gemeinsamkeit dieserModelle besteht darin, dass sie eine Approbationals Psychotherapeut nach einem einschlägigenStudium der Psychotherapiebzw. Psychotherapiewissenschaften vorsehen,mit einer anschließenden Vertiefungder praktischen Kenntnisse in einer Weiterbildung.Differenzen zwischen den Modellenbestehen vor allem darin, in welchemAusmaß die Psychologie als zentrale Grundlagenwissenschaftder Psychotherapie angesehenwird, und dem Anteil, den andereGrundlagenwissenschaften demgegenüberausmachen sollten.Weiterhin herrscht Uneinigkeit darüber,wie und in welchem Umfang Praxiserfahrungund Selbsterfahrung in der universitärenDirektausbildung organisiert werdenkann und sollte und ob eine Grundausbildungmöglich ist, die verfahrensübergreifendbzw. ohne Verfahrensbezug ist.Den Modellen der Direktausbildung ist gemeinsam,dass sie gute Lösungen für dieProbleme der Zugangsvoraussetzungenund der finanziellen Situation der Ausbildungsteilnehmerbieten, sie werden jedochim Berufsstand auch kritisch diskutiert,da befürchtet wird, dass die Umsetzungneue Probleme aufwerfen könnteund die notwendigen Strukturen an denUniversitäten nicht zu realisieren seien(BDP, 2012; Gleiniger, 2013; Lehndorfer &Timmermann, 2013; Janta, Walz-Pawlita,Unruh, Muntz & Rothe-Kirchberger, 2013).Neben der Lösung der beiden zentralenProbleme böte eine Reform der Psychotherapieausbildungin Form einer Direktausbildungmit anschließender Weiterbildungjedoch auch die Chance, das Berufsbilddes Psychotherapeuten neu zugestalten und so auf neue Anforderungenim Gesundheitswesen zu reagieren bzw.auf bereits jetzt eintretende Veränderungenim Berufsbild des Psychotherapeutenin der Ausbildung besser vorzubereiten.Richter (2013) stellt fest, dass dem Psychotherapeutengesetzaus dem Jahr 1998 ein1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werdenin diesem Text nicht immer beide Geschlechtsformengenannt – selbstverständlichsind Männer und Frauen gleichermaßengemeint.262 Psychotherapeutenjournal 3/2013

W. Ströhm, U. Schweiger & J. Trippimplizites Berufsbild zugrunde liegt, dessenPrototyp der niedergelassene Psychotherapeutdarstellt, der in eigener Praxis tätig ist.So wurden die niedergelassenen Vertragspsychotherapeuten(PP & KJP) weitgehendden niedergelassenen Ärzten gleichgestellt,während die Stellung der Psychotherapeutenals neuer Heilberuf in der stationärenBehandlung durch die Gesetzesänderungenim Zuge der Einführung des Psychotherapeutengesetzesnicht eindeutig geregeltwurde (vgl. Bracher, 2001; Hermes, 2004;Jordan et al., 2011b). Jordan et al. (2011b)sehen als Ursache hierfür Defizite in Qualifikationund Ausbildung im Studium und sehenein Masterstudium zum „medizinischenPsychotherapeuten“, also auch eineArt der Direktausbildung, als mögliche Lösungan. Insbesondere im Kontext eineszunehmenden Ärztemangels in der Psychiatrieund Psychosomatik gibt es Überlegungen,die Aufgabenverteilungen und Kompetenzender verschiedenen Berufsgruppen,die hier an der stationären Behandlung beteiligtsind, neu zu regeln (Jordan et al.,2011a; Jordan et al., 2011b). Daher erscheintes uns notwendig, mit einer zukünftigenDirektausbildung mit anschließenderWeiterbildung ein breit angelegtes Berufsbildzugrunde zu legen, das insbesondereauch die Anforderungen psychotherapeutischerTätigkeiten in einem stationären undteilstationären Umfeld einschließt.Da schon verschiedene Konzeptionen fürdas Studium im Rahmen einer Direktausbildungvorliegen, die Ausgestaltung einer anschließendenWeiterbildung jedoch zumeistnur recht knapp beschrieben wurde, wollenwir uns im Folgenden mit Fragestellungenund Problemen der Umsetzung einer verfahrensbezogenenWeiterbildung in Psychotherapiebefassen und ein Modell hierzuvorstellen. Wir gehen dabei von einigenPrämissen aus, die für uns grundlegend fürdie Gestaltung einer Weiterbildung im Rahmeneines Direktausbildungsmodells sind.Prämissen1. Bei einer zukünftigen Direktausbildungsstruktursollte die im Studiumstattfindende Ausbildung bis zur Approbationohne Vertiefung in einem Verfahrenerfolgen und Grundlagen allerPsychotherapeutenjournal 3/2013wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahrengleichermaßen vermitteln.In der anschließenden verfahrensbezogenenWeiterbildung solltendann vertiefte Kenntnisse in einem Psychotherapieverfahrenerworben werden,die dazu befähigen, dieses Verfahrenauf einem qualitativ hohen Niveauselbstständig anwenden zu können.2. Die Qualität der aktuellen Psychotherapieausbildungsoll auch in einer zukünftigenan die Direktausbildung anschließendenWeiterbildung erhalten bleibenund weiter ausgebaut werden. DieQualität der bisherigen Ausbildung wirdim strukturierten curricularen Ablaufund in der inhaltlichen Koordination derAusbildungsbausteine gesehen.3. Die Weiterbildung soll auf ein breit definiertespsychotherapeutisches Berufsbildvorbereiten, welches alle Bereicheder stationären, teilstationären undambulanten Behandlung umfasst, indenen Psychotherapie zum Einsatzkommt, sowie auch Prävention und Rehabilitation.Die Grundlage hierfür solltebereits im zur Approbation führendenStudium gelegt und in der anschließendenWeiterbildung vertieft werden.4. Es muss für die Weiterbildung Strukturengeben, die den Psychotherapeutenstationär und ambulant eine hauptberuflicheTätigkeit ermöglichen. Dieskann im ambulanten Bereich nur dadurchgesichert werden, dass der § 117SGB V so geändert wird, dass die Ambulanzender bisherigen Ausbildungsinstituteauch im Kontext einer Weiterbildungermächtigt bleiben.5. Die Weiterbildung soll zu einem demNiveau der Fachärzte vergleichbarenQualitätsniveau und Status führen.Grundmerkmale vonheilberuflichen Weiterbildungenund Konsequenzenfür eine zukünftigepsychotherapeutischeWeiterbildungWeiterbildung erfolgt in praktischer Berufstätigkeitund theoretischer Unterweisungund ist angemessen zu vergüten. Sie wirdan einer anerkannten Weiterbildungsstätteunter Anleitung befugter Berufsangehörigerabsolviert (vgl. § 36 HeilBerg NRW;MWBO-BÄK). Kennzeichnend für eineWeiterbildung ist also eine berufliche Tätigkeit,die dadurch weiterbildenden Charakterbekommt, dass sie nach Maßgabeeiner Weiterbildungsordnung in einemAnstellungsverhältnis bei einer Weiterbildungsstätteunter Anleitung eines Weiterbildungsbefugtenerfolgt und von theoretischerUnterweisung begleitet wird.Nach Vorgabe der meisten Landesheilberufsgesetzedarf die Dauer der Weiterbildungin einem Gebiet drei Jahre nicht unterschreiten.Dieses Grundmerkmal vonheilberuflichen Weiterbildungen hat Konsequenzenzum einen für die Struktur undStrukturqualität der Weiterbildung undzum anderen für die Finanzierung der Weiterbildung.Auf diese beiden Aspekte sollim Folgenden vertieft eingegangen werden.Konsequenzen für dieStruktur einer Weiterbildungin PsychotherapieBisher ist in der Psychotherapieausbildungimmer das Ausbildungsinstitut die Ausbildungsstätte,egal ob ein Ausbildungsteilnehmergerade in der Ambulanz des Instituts,in einer kooperierenden Klinik odereiner Lehrpraxis tätig ist. Das Ausbildungsinstitutsorgt für einen strukturierten curricularenAblauf der Ausbildung, dafür, dassalle Ausbildungsbestandteile organisatorischund inhaltlich aufeinander abgestimmtsind, und überwacht die Qualitätder einzelnen Ausbildungsbestandteile.Bei einer Weiterbildung in Psychotherapiewäre jedoch die Weiterbildungsstätte zunächstimmer die Einrichtung der Patientenversorgung,in welcher der Weiterbildungsassistentgerade tätig ist. Also wärensowohl Kliniken als auch Praxen und Ambulanzenjeweils für sich als Weiterbildungsstättenanzuerkennen. Wenn einWeiterbildungsassistent im Laufe der Weiterbildungverschiedene Versorgungssettingskennenlernen soll, so führt dies zwingenddazu, dass die Weiterbildungsstätteim Verlauf der Weiterbildung gewechseltwerden müsste. Es wäre zu befürchten,263

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