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Psychotherapeutenjournal 3/2013 (.pdf)

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Konzept einer

Konzept einer Weiterbildung nach einer Direktausbildung in PsychotherapieWie könnte einepsychotherapeutischeWeiterbildung nach einemDirektstudium konkretaussehen?Im Folgenden wollen wir einen Entwurf einerWeiterbildungsstruktur vorstellen, derauf den bisher dargestellten Überlegungenbasiert. Die Angaben zur konkreten Dauerbzw. zum Umfang einzelner Bestandteilesollen als Vorschläge verstanden werden,die eine Richtung aufzeigen, in die es gehenkönnte, und nicht als eine bereits inStein gemeißelte Festlegung. Hier gäbe essicherlich noch einigen Diskussions- undAbstimmungsbedarf.Die Weiterbildung erfolgt in den GebietenErwachsenenpsychotherapie oder KinderundJugendlichenpsychotherapie, jeweilsmit einem verfahrensbezogenen Schwerpunktin einem wissenschaftlich anerkanntenPsychotherapieverfahren und könntedann zu Titeln führen wie etwa „Fachpsychotherapeutfür Erwachsenenpsychotherapie;Schwerpunkt Verhaltenstherapie“oder „Fachpsychotherapeut für KinderundJugendlichenpsychotherapie; SchwerpunktPsychoanalyse“.Die Weiterbildungszeit besteht aus 60 Monatenhauptberuflicher praktischer Berufstätigkeitan einer hierfür von der LandespsychotherapeutenkammerzugelassenenWeiterbildungsstätte unter Anleitung einesWeiterbildungsbefugten. Eine Weiterbildungin Teilzeit sollte möglich sein. DieWeiterbildungszeit verlängert sich dannentsprechend. Die praktische Berufstätigkeitwird begleitet von einem Weiterbildungscurriculum(Theorieseminare, Selbsterfahrung).Kann dieses Weiterbildungscurriculumvon einer Weiterbildungsstättenicht angeboten werden, so ist diese verpflichtet,mit einer anderen Weiterbildungsstätte(Weiterbildungsinstitut) zukooperieren, um die parallele Durchführungder notwendigen Weiterbildungselementezu gewährleisten.Von den 60 Monaten praktischer Berufstätigkeitsind1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4. Jahr 5. JahrBeispiel 1Klink f.PsychiatrieKlinik f. PsychosomatikWeiterbildungscurriculum am WeiterbildungsinstitutBeispiel 2PsychotherapieambulanzPsychotherapieambulanz Klinik f. Psychiatrie Pt.-PraxisWeiterbildungscurriculum am WeiterbildungsinstitutBeispiel 3PsychotherapieambulanzKlinik f. PsychiatrieWeiterbildungscurriculum am WeiterbildungsinstitutAbbildung: Beispiele für verschiedene Abläufe der WeiterbildungWeiterbildungsinhalteErwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen in:• Prävention, Erkennung, psychotherapeutischer Behandlung und Rehabilitation psychischerStörungen mit Krankheitswert• Theorie und Praxis der Diagnostik, insbesondere Anamnese, Befunderhebung, Indikationsstellungund Prognose, Fallkonzeptualisierung und Behandlungsplanung• der praktischen Anwendung (Behandlungskonzepte und -techniken) eines wissenschaftlichanerkannten Psychotherapieverfahrens und ggf. weiterer Methoden• verschiedenen Rahmenbedingungen der Psychotherapie, wie Behandlungssetting,Einleitung und Beendigung der Behandlung• Krisenintervention, supportiven Verfahren und Beratung• der Indikationsstellung zu soziotherapeutischen Maßnahmen• der Indikationsstellung für die Durchführung pharmakotherapeutischer und biologischerTherapiemaßnahmen• übenden Verfahren (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Hypnose)• Gruppentherapie• psychotherapeutischen Interventionen und Psychoedukation bei körperlichen Erkrankungen• der Einbeziehung von Angehörigen bzw. des sozialen Systems in die Behandlung• psychotherapeutischem Konsiliar- und Liaisondienst• ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des beruflichen Handelns.Nachzuweisende Weiterbildungselemente:• 400 Stunden Theorievermittlung• 60 dokumentierte und supervidierte psychotherapeutische Erstuntersuchungen/Erstgespräche• 1.500 Psychotherapiestunden unter Supervision (nach jeder 4. Psychotherapiestunde),davon mindestens 150 Stunden Gruppentherapie• mindestens 120 Stunden Selbsterfahrung, davon mind. 40 Stunden Gruppenselbsterfahrung.266 Psychotherapeutenjournal 3/2013

W. Ströhm, U. Schweiger & J. Tripp• mindestens 24 Monate in einer Einrichtungder stationären Versorgung psychischkranker Patienten zu erbringen(z. B. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,Klinik für Psychosomatik); davonmindestens sechs Monate in derallgemeinpsychiatrischen stationärenVersorgung,• mindestens 24 Monate in der Psychotherapieambulanzeines Weiterbildungsinstitutsfür Psychotherapie.• Bei Weiterbildung im Gebiet Erwachsenenpsychotherapiekönnen zwölf MonateWeiterbildungszeit aus der Weiterbildungim Gebiet KJP anerkannt werden,wenn die Weiterbildung im gleichenSchwerpunktverfahren erfolgte.Das gleiche gilt umgekehrt für die Weiterbildungzum KJP.• Wenn bereits eine Gebietsweiterbildungmit einem Schwerpunktverfahrenabsolviert wurde, dauert die Weiterbildungin einem zusätzlichen Schwerpunkt24 Monate.Diese Regelungen sollen sicherstellen,dass im Rahmen der Weiterbildung einMindestmaß an Erfahrungen in den wichtigstenpsychotherapeutischen Berufsfeldernbzw. Versorgungssettings gesammeltwird. Darüber hinaus sollte es den Weiterzubildendenfreigestellt sein, individuelleSchwerpunkte zu setzen, z. B. durch einelängere Klinikzeit, eine längere Ambulanzzeitoder einen zusätzlichen Zeitabschnittin der Praxis eines niedergelassenen Psychotherapeuten.Es wären so grundsätzlichviele verschiedene Weiterbildungsverläufedenkbar, wie in der Abbildung aufS. 266 beispielhaft zu sehen ist.Die Weiterbildungsinhalte könnten im Wesentlichenan den Inhalten der vertieftenAusbildung in der bisherigen Psychotherapieausbildungorientiert sein (s. Anlage 1Bzu § 3 Abs. 1 PschTh-AprV), aber auch Elementeder Weiterbildungsordnung für denFacharzt für Psychosomatische Medizinund Psychotherapie übernehmen (s. Musterweiterbildungsordnungder BundesärztekammerS. 126-127).Im Sinne einer umfassenden Qualifikationfür eine große Bandbreite möglicher psychotherapeutischerTätigkeitsfelder solltenneben der klassischen psychotherapeutischenBehandlung im Einzelsetting auchInhalte wie Prävention, Rehabilitation, Gruppentherapie,Paarberatung bzw. -therapie,Psychoedukation, übende Verfahren undsozialmedizinische Kompetenzen obligatorischerBestandteil der Weiterbildung sein(siehe Kasten S. 266).Vor und Nachteile einerverfahrensbezogenenpsychotherapeutischenWeiterbildung nach einemApprobationsstudiumEs muss diskutiert werden, ob die jetzigepsychotherapeutische Ausbildungslandschaftin ihrem Umfang und ihrem Qualitätsniveauin eine Weiterbildungsstruktur, wie siehier vorgeschlagen wird, überführt werdenkann. Eng verknüpft mit den Fragen der Finanzierungder Weiterbildung ist die Frage,wie viele Psychotherapeuten pro Jahr dieWeiterbildung abschließen und auf Facharztniveauselbstständig und eigenverantwortlichim Gesundheitswesen tätig werdenkönnten. Einen ersten „Flaschenhals“stellt hier die stationäre Kliniktätigkeit dar. Eskann davon ausgegangen werden, dass diejetzigen gar nicht oder schlecht bezahltenStellen für die Praktische Tätigkeit in derPsychotherapieausbildung nicht in gleicherAnzahl als bezahlte Weiterbildungsstellenerhalten bleiben, wenn nicht die Beschäftigungvon Psychotherapeuten im Krankenhausbzw. deren Weiterbildung finanziellgefördert würde. Es ist schwer einzuschätzen,wie stark der Stellenrückgang ausfallenwürde, es erscheint jedoch mittelfristig eherunwahrscheinlich, dass sich Kliniken garnicht mehr an der Weiterbildung beteiligenwürden. Denn dann würde für sie eineMöglichkeit zur Nachwuchsrekrutierung verlorengehen. Sie könnten evtl. noch eineZeit lang Stellen mit Psychologen/Psychotherapeutenbesetzen, die nach dem altenSystem ausgebildet wurden, aber irgendwannwürden nur noch approbierte Psychotherapeutenvon den Universitätenkommen, für die es keine Grundlage gibt,umsonst zu arbeiten, und für die es attraktiverist, in einer Klinik zu arbeiten, die alsWeiterbildungsstätte anerkannt ist, als füreine Klinik, die nicht weiterbildet.Ein weiterer Engpass würde auch bei denPsychotherapieambulanzen der bisherigenAusbildungsinstitute entstehen. Dadurch,dass die Psychotherapeuten in Weiterbildungin Festanstellung an den Ambulanzenbeschäftigt wären und mehr Psychotherapiestundenerbringen müssten, könntenaufgrund der räumlichen und organisatorischenKapazitäten wahrscheinlich wenigerWeiterbildungstherapeuten gleichzeitigan einer Psychotherapieambulanz tätigsein, als es bisher bei den Ausbildungstherapeutender Fall ist, die häufig nur stundenweiseauf Honorarbasis die Psychotherapiestundenableisten. Dies könnte zu einemTeil durch Weiterbildungstätigkeitenin Praxen kompensiert werden, doch dieseMöglichkeit erscheint aus den o. g. Gründenbisher auch begrenzt.Es stellt sich hier jedoch auch die Frage,inwieweit ein Rückgang der Absolventenzahlenin einem gewissen Umfang nichtsogar akzeptabel wäre. Betrachtet man dievom Institut für medizinische und pharmazeutischePrüfungsfragen (IMPP) 2 veröffentlichtenZahlen zu den abgelegten Approbationsprüfungen,so zeigt sich, dassdie Absolventenzahlen der Psychotherapieausbildungvon 625 (PP & KJP zusammen)im Jahr 2005 auf 1.717 im Jahr 2011bzw. 1.934 im Jahr 2012 gestiegen sindund sich somit mehr als verdreifacht haben.Nach einer Schätzung der BPtK wären1.000 Absolventen pro Jahr notwendig,um die Altersstruktur des Berufsstandeskonstant zu halten (BPtK, 2006). Es könntealso sogar angenommen werden, dassmomentan über dem Bedarf ausgebildetwird und eine Verringerung der Ausbildungskapazitätenunproblematisch wäre.Hierbei ist zu beachten, dass durch die höherenPsychotherapiestundenzahlen indem von uns vorgeschlagenen Weiterbildungsmodelldie Zahl der Behandlungenin den Weiterbildungsambulanzen trotzVerringerung der Anzahl der Weiterbildungsteilnehmerim Vergleich zur Anzahlder jetzigen Ausbildungsteilnehmer ungefährkonstant bleiben könnte.2 www.impp.dePsychotherapeutenjournal 3/2013267

Psychotherapeutenjournal 2/2006 (.pdf) - medhochzwei Verlag GmbH
Psychologische/n Psychotherapeut - Psychotherapeutenjournal
journal Psychotherapeuten - Psychotherapeutenkammer NRW
Gemeinsame Weiterbildung FL-VE/2013 (PDF, 3 MB)
sportINSIDER 3/2013 PDF - Freizeitalpin
Ausgabe 2013-3 als PDF herunterladen - BKK Rieker . Ricosta ...
Zeitschrift Familie, Ausgabe Dezember 2013 PDF 3 - Familienbund
Ausgabe 3-2013 - IGZ
Trendreport 3/2013 als PDF zum Download - FORBA
Evergislusbote 3/2013 als PDF zum Herunterladen - Sankt Evergislus
TVAktuell 2013-3.pdf - TV Arbergen
KUV-Magazin EINS (pdf 3 MB) - Klinikverbund der gesetzlichen ...
Als PDF-Datei herunterladen - Ärztliche Weiterbildung in Sachsen ...