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Psychotherapeutenjournal 3/2013 (.pdf)

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Im Rahmen eines

Im Rahmen eines „Ein-Beruf-Modells“ wäreder Weiterbildungsschwerpunkt „Kinder- undJugendlichenpsychotherapie“ stark gefragtTheresa Unger & Thomas FydrichZusammenfassung: Im Rahmen der Diskussion um die Reform der Psychotherapieausbildungwerden immer wieder Befürchtungen geäußert, dass es bei der Umsetzungeines Direktstudiums „Psychotherapie“ an Psychologischen Instituten nicht mehr genügendInteressenten für den Schwerpunkt Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie gebenwerde. Um diese Hypothese empirisch zu untersuchen, wurde eine Befragungdurchgeführt, an der fast 3.000 Psychologiestudierende teilnahmen. Die Befunde zeigen,dass sich unter der aktuellen Rechtslage nur 14.0%, unter der Prämisse eines „Ein-Beruf-Modells“ hingegen 46.3% der Psychologiestudierenden für den SchwerpunktKinder- und Jugendlichenpsychotherapie entscheiden würden. Die Umfrageergebnissezeigen, dass es ein sehr großes Interesse an dem Behandlungsschwerpunkt Kinder undJugendliche bei Psychologiestudierenden gibt, und entkräften damit Befürchtungen,dass durch ein Direktstudium „Psychotherapie“ die psychotherapeutische Versorgungvon Kindern und Jugendlichen gefährdet sein könnte.HintergrundDie Gesetzesgrundlage für die Ausbildungzum/zur Psychologischen Psychothera peuten/-in(PP) und zum/zur Kinder- undJugendlichenpsychotherapeuten/-in (KJP)ist reformbedürftig – nicht zuletzt aufgrundder Ungleichbehandlung der KJP-Ausbildung.Die Approbation in PP qualifiziertberufsrechtlich für die psychotherapeutischeBehandlung von Patienten jeglichenAlters, während KJP „nur“ Patienten biszum 21. Lebensjahr behandeln dürfen.Über dies hinaus können PP mit relativ geringeremAufwand durch eine Weiterbildungdie sozialrechtlich relevante Zusatzqualifikationals KJP erwerben. Für KJP istdagegen der Erhalt der Behandlungs- undAbrechnungserlaubnis für Erwachsene nurdurch eine zusätzliche grundständige Ausbildungin PP möglich. Dies trägt dazu bei,dass sich lediglich ein geringer Anteil derPsychologieabsolventen für die KJP-Ausbildungentscheidet (Ruoß, Ochs, Jeschke &Peplau, 2012).Sowohl der Reformvorschlag der Bundespsychotherapeutenkammermit dem „Ein-Beruf-Modell“ als Kernstück (Bundespsychotherapeutenkammer,2010) wie auchder Vorschlag eines universitären Direktstudiumsin Psychotherapie, das mit einemStaatsexamen abschließt und auf daseine verfahrens- und altersspezifische Weiterbildungfolgt (Vorschlag zur Direktausbildungder Deutschen Gesellschaft für Psychologie;DGPs, 2012), haben das Ziel einerGleichstellung der Ausbildungen unddes Berufs des KJP mit dem des PP.Es stellt sich nun die Frage, ob unter denBedingungen der Gleichstellung der KJPmitder PP-Ausbildung im Rahmen eines„Ein-Beruf-Modells“ Psychologieabsolventenden Weiterbildungsschwerpunkt „Erwachsene“bevorzugen würden und damitdas Risiko bestände, dass zukünftig diepsychotherapeutische Versorgung von Kindernund Jugendlichen gefährdet seinkönnte, wenn der Zugang zu einer Weiterbildungüberwiegend oder sogar ausschließlichPsychologinnen und Psychologenmöglich ist.Um dieser Frage nachzugehen, haben dieFachgruppe Klinische Psychologie undPsychotherapie in der DGPs sowie der Verbunduniversitärer Ausbildungsgänge fürPsychotherapie (unith) eine Umfrage initiiert,in der Psychologiestudierende gefragtwurden, welche Ausbildung (entsprechendder aktuell geltenden Bestimmungen)bzw. welchen Altersschwerpunkt(entsprechend des vorgeschlagenen „Ein-Beruf-Modells“) sie wählen würden.MethodeDie Umfrage wurde als Online-Befragungkonzipiert und mithilfe des Programms LimeSurvey erstellt und durchgeführt. Nebender Erfassung soziodemographischerund den Studiengang betreffender Informationenwurden den Studierenden dieaktuellen gesetzlichen Regelungen sowiedie rechtliche Situation unter der Prämisseeines „Ein-Beruf-Modells“ erläutert (sieheKasten S. 273). Die Studierenden wurdendaraufhin gebeten anzugeben, für welcheder Ausbildungen (KJP oder PP) bzw. welchenAltersschwerpunkt (Erwachsene oderKinder/Jugendliche) sie sich jeweils entscheidenwürden. Die Umfrage wurdeelektronisch an die Leiterinnen und Leiterder Lehrstühle für Klinische Psychologieund Psychotherapie an Universitäten inDeutsch-land versendet mit der Bitte, dieUmfrage unter den Psychologiestudierendendes jeweiligen Institutes zu verbreiten(u. a. über Studierenden-E-Mail-Verteilersowie Hinweise in Lehrveranstaltungen).StichprobenbeschreibungEs nahmen insgesamt 3.563 Personen ander Befragung teil. 3.285 der Befragten(92.2%) waren Studierende aus 41 der272 Psychotherapeutenjournal 3/2013

T. Unger & T. FydrichAusgangslage 1: Aktuelle Ausbildungssituation und RechtslageMit einem universitären Abschluss in Psychologie (Diplom oder Kombination von Bachelorund Master) können Sie derzeit die Ausbildung für zwei Psychotherapeuten-Berufe aufnehmen: (1) Psychologische Psychotherapie und (2) Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.Psychologische Psychotherapeuten/-innen sind berechtigt, Patienten aller Altersgruppenzu behandeln. Mit den Krankenkassen in eigener Praxis abrechnen dürfen sie jedochnur die Behandlung von Erwachsenen (≥ 18 Jahre). Durch eine optionale Zusatzweiterbildungkönnen sie jedoch auch die Abrechnungserlaubnis für die Behandlungvon Kindern und Jugendlichen erwerben.Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten/-innen wiederum dürfen nur die Personenbehandeln, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Für diese Therapeutenist der Erhalt der Behandlungs- und Abrechnungserlaubnis für Erwachsene nurdurch eine zusätzliche grundständige Ausbildung in Psychologischer Psychotherapiemöglich.Frage 1: Unter den aktuellen Bedingungen würde ich mich für folgende Ausbildungentscheiden:• Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie• Psychologische PsychotherapieAusgangslage 2: Nach den Reformvorschlägen zum PsychotherapeutengesetzEntsprechend der Entwürfe für eine Reform des Psychotherapeutengesetzes soll esnicht mehr zwei getrennte, sondern nur noch einen Beruf „Psychotherapeut/-in“ geben,der berufsrechtlich dazu befugt, Patienten aller Altersgruppen zu behandeln. IndemSie – nach einer gemeinsamen Basisausbildung – entweder den Schwerpunkt„Erwachsene“ oder „Kinder und Jugendliche“ wählen, erhalten Sie zunächst für dengewählten Altersbereich die Abrechnungserlaubnis mit den Krankenkassen. Neu ist,dass durch eine Zusatzweiterbildung die Abrechnungserlaubnis auch für den jeweilsanderen Altersbereich erworben werden kann. Aktuell haben Kinder- undJugendlichenpsychotherapeuten/-innen diese Möglichkeit nicht.Frage 2: Unter den beschriebenen Bedingungen würde ich mich zunächst für folgendeSchwerpunktsetzung entscheiden:• Psychotherapeut/-in mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche• Psychotherapeut/-in mit Schwerpunkt ErwachseneErläuterung der aktuellen gesetzlichen Regelungen und der rechtlichen Situation unter derPrämisse eines „Ein-Beruf-Modells“ im Rahmen der Umfrage43 angeschriebenen psychologischen Institutemit einem Lehrstuhl in KlinischerPsychologie/Psychotherapie in Deutschland.Weitere 35 Umfrageteilnehmende(1.0%) studierten an anderen Universitätenund Hochschulen im In- und Ausland.Für 243 Teilnehmende (6.8%) lagen keineInformationen über ihren Studienortvor.2.890 der 3.563 Umfrageteilnehmenden(81.1%) erfüllten die Einschlusskriterien:1. vollständige Beantwortung der zweiFragen bezüglich der Wahl der Ausbildungbzw. des Altersschwerpunktes,Psychotherapeutenjournal 3/20132. Immatrikulation in einem universitärenBachelor-, Master- oder DiplomstudiengangPsychologie (auch sog. „Bin destrich“-Bachelorund Master, z. B. B. Sc.Sensorik und kognitive Psychologie, M.Sc. Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie)an einer Universitätin Deutschland.Für 15.2% (n = 543) der Umfrageteilnehmendenlagen keine Antworten für die Fragenzur Wahl der Ausbildung bzw. des Altersschwerpunktesvor. Weitere 3.7% (n = 130)der Befragten absolvierten kein Bachelor-,Master- oder Diplomstudium in Psychologiean einer Universität in Deutschland.84.4% (n = 2.439) der 2.890 in die Auswertungeingeschlossenen Studierendenwaren weiblich, 56.9% (n = 1.645) absolvierteneinen universitären Bachelor-,27.4% (n = 793) einen Master- und15.7% (n = 452) einen DiplomstudiengangPsychologie. 59.5% (n = 1.720) gabenan, sicher das Berufsziel „Psychotherapeut/-in“zu haben, 40.5% (n =1.170) waren diesbezüglich noch unentschieden.Ergebnisse der UmfrageDie Ergebnisse der Umfrage sind in derAbbildung auf S. 274 dargestellt. Unterden aktuellen Bedingungen würden sichnur 14.0% (n = 405) der befragten Psychologiestudierendenfür eine KJP-Ausbildungentscheiden. Gänzlich anders stellensich die Interessen unter der Prämisse eines„Ein-Beruf-Modells“ dar: Dann würdefast die Hälfte, nämlich 46.3% (n = 1.337)der Befragten den Weiterbildungsschwerpunkt„Psychotherapie bei Kindern undJugendlichen“ und 53.7% (n = 1.553) denWeiterbildungsschwerpunkt „Psychotherapiebei Erwachsenen“ wählen.DiskussionDie Umfrageergebnisse weisen klar daraufhin, dass unter dem „Ein-Beruf-Modell“ einhohes Interesse von Absolventen psychologischerStudiengänge an dem Weiterbildungsschwerpunkt„Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“zu erwarten ist: Unterden veränderten Bedingungen des geplanten„Ein-Beruf-Modells“ würde sich imGegensatz zu den aktuellen Bedingungenfast die Hälfte der Psychologiestudierenden,die an dem Beruf des Psychotherapeuteninteressiert sind, für den Weiterbildungsschwerpunkt„Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“entscheiden. Dieswiderspricht Vermutungen, nach denenzukünftig die psychotherapeutische Versorgungvon Kindern und Jugendlichengefährdet sein könnte, wenn für eine Weiterbildungüberwiegend oder sogar ausschließlichStudierende mit psychologischemStudienabschluss rekrutiert werdensollten. Die Ergebnisse dieser Umfrage liefernwichtige Argumente für die Herstel-273

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