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Dramen unterrichten – Marbach 2009 - Fachverband Deutsch

Dramen unterrichten – Marbach 2009 - Fachverband Deutsch

Autor: Wolfgang Rzehak,

Autor: Wolfgang Rzehak, LV Baden-Württemberg 30.08.2009Dramen unterrichtenMarbach 2009 4realitätsorientiert. Und zwar gerade dann, wenn sie, von interpretierenden odergrotesk-plakativen Elementen verfremdet, ihre subversiv-unterminierende Wirkungentfalten.Wo stehen wir heute? Als Zuschauer nicht nur, sondern auch als Pädagogen,die junge Leute an Drama und Theaterspiel heranführen sollen?Die Zeiten, in der freie Bürger, die Polytes, in freier Gemeinschaft sich einer„Katharsis“ unterzogen, in der man im „Per-sonare“, dem Durch-die-Maske-Sprechen noch den Gott sprechen sah, oder in der, beispielsweise, um mit Nietzschezu sprechen, das Theater der Ort war, an dem man aus dem Urgrund desDionysischen – unter großen Erschütterungen – das Appollinische im Anscheinaufscheinen sah – diese Zeiten scheinen unwiederbringlich vorbei zu sein. Auchdie Zeiten der Wanderbühnen, sind außer im Kontext des Zirkus wohl kaum wiederbelebbar.Gleichzeitig scheinen die großen Stätten der Kunst, der Festspielhäuserimmer kultiger zu werden, wie man jedes Jahr im Festpielsommer amAuftrieb der Prominenten und denen, die sich dafür halten, am grünen Hügel inBayreuth, in Salzburg oder anderswo beobachten kann – das Weihespiel selberwird zum Anlass einer Selbstinszenierung des Publikums.Die Frage also lautet: Was kann die Schaubühne in einer medial überfrachtetenZeit, bei diesen Rezeptionsbedingungen noch leisten? Und die Zusatzfrageauf diesem Hintergrund lautet: Was kann das Theater heute dem Bildungsbürger,sofern er als Gattung überhaupt noch existiert, dem Kulturinteressierten und Ottonormalverbrauchergeben? Kann ein Schüler von heute eine Antigone, einenHamlet noch „nachvollziehen“? Oder zugespitzt: Kann – im positiven Fall: „wie“kann – eine Figur, ein Stück wie z.B. die „Iphigenie“ „bildungsfernen Schichten“von heute vermittelt werden?Schon vor einem halben Jahrhundert hat der renommierte DramenforscherPaul Fechter in seinem Hauptwerk „Das Europäische Drama“ ein Lamento auf denNiedergang des Theaters angestimmt und festgestellt: „Wir sind in den letztenJahrzehnten zu einem Volk von Lesern herabgesunken.“ Gleichzeitig wird derBühne als Plattform für das lebendig gesprochene Wort, für die zur (Wieder)Geburtkommende theatralische Handlung noch einmal ein großer (gesellschaftlicher)Stellenwert eingeräumt:

Autor: Wolfgang Rzehak, LV Baden-Württemberg 30.08.2009Dramen unterrichtenMarbach 2009 5Das Theater, die Bühne ist uns als die einzige Stättedes Hörens, des Vernehmens geblieben, des gemeinsamenErlebens der Dichtung des gesprochenen, nichtbloß des geschriebenen und gedruckten Wortes. DasTheater, die Szene ist die Heimat der lebendigen Sprache;nicht ein einzelner spricht da, wie von der Kanzeloder vom Katheder, sondern eine Gemeinschaft wendetsich an eine Gemeinschaft, läßt das Drama, das Spielfür alle eine neu, nirgends anderswo so erlebbare Wirklichkeitaus dem Reichtum, dem Glanz und der Tiefeeben der gemeinsamen Sprachwelt werden. 4Bei Fechter wurde das Theater noch als „der“ Ort des kulturellen Austauscheseiner Sprachgemeinschaft verortet; viele unserer heutigen Schüler haben dasTheater vor Ort von innen vielleicht noch nicht einmal gesehen. Und selbst das„Lesen“ eines Dramas im Unterricht empfinden viele als Überforderung, wennnicht gar als Zumutung.Damit sind wir auf ein Kernproblem gestoßen, das – mehr oder weniger schonseit Aristoteles’ Poetik die Diskussion beherrscht, nämlich das Verhältnis vom„Theater“ zum „Drama“.Noch Emil Staiger hatte in seinen „Grundbegriffen der Poetik“ (1959; S. 143ff.) das Theater dem „höher gestellten Drama“ als bloßes „Werkzeug“ zur Seitegestellt. Trotzdem sei, wie Rudolf Denk und Thomas Möbius im Vorwort ihrer imOktober 2008 erschienenen „Drama- und Theaterdidaktik“ schreiben, seit 1900eine gegenläufige Dynamik gegen die zunehmende Tendenz einer „Literarisierung“des Dramas, nämlich eine Art „Retheatralisierung“ festzustellen gewesen.Denk/Möbius sehen allerdings auch das Dilemma. Der Weg zur „großen Form“bleibe den Schülern meistens verwehrt: „Dem Schulunterricht überlässt man die‚einfachen Formen‘, die Spieltexte und Textspiele, das ‚Darstellende Spiel‘, dasPuppenspiel, das Kasperletheater und den Sketch. Das sind Exempla, die sich miteinigem Recht in die Randzone einer Spiel- und Theaterpädagogik einordnen lassen.“5Noch ein Zweites kommt meines Erachtens hinzu. Die Lebenswelten unsererJugendlichen haben sich in der Vergangenheit „dramatisch“ verändert. Wir haben4 Fechter, Paul: Das Europäische Drama. Geist und Kultur im Spiegel des Theaters. Bd. I, VomBarock zum Naturalismus.- Mannheim 1958; S. 8.5 Denk, Rudolf und Möbius, Thomas: Dramen- und Theaterdidaktik. Eine Einführung.- Berlin2008; S. 9 f.

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